Gestärkt.

October 25th, 2011

Zum Monatswechsel ist meine Zeit an der Universität Hamburg abgelaufen. Zeitverträge sind besser als gar keine Verträge, aber sie bieten keinerlei Sicherheit, keinen Halt in Zeiten unsicherer Zukunftsaussichten am akademischen Arbeitsmarkt. Wenn einem der Arbeitsmarkt keinen Halt bietet und das Leben deshalb auch keinen festen Ort findet, ist es um so wichtiger, auf andere Weise den sonst bald arg gebeugten Rücken gestärkt zu bekommen. Sonst wird man irgendwann so krumm, dass man sich gar nicht mehr aufrichten und anderen in die Augen blicken kann.

Glücklicherweise hat sich diesen Monat bei zwei Gelegenheiten gezeigt, dass das Wagnis meiner Dissertation bzw. der dazugehörigen Buchveröffentlichung sich gelohnt hat. Sowohl auf der 3. Tagung des Atmosphärennetzwerks in München als auch auf der Konferenz Materialitäten in Mainz bin ich jeweils von mehreren Leuten angesprochen worden, die mein Buch gelesen haben und denen es sehr gut gefallen hat. Das ist ein fantastisches Erlebnis und gibt einem Mut. Ich interpretiere diese Rückmeldung so, dass es sich lohnt, offen zu sein, Risiken beim Schreiben einzugehen und sich nicht vorschnell vermeintlichen Standards des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens unterzuordnen, sondern in jedem Fall auf’s Neue zu entscheiden, was man wie ausdrücken kann und will – und auch mögliche Schwächen des eigenen Arbeitens einzuräumen. Das mag einem nicht unbedingt sofort Anerkennung und einen Job verschaffen, beim Peer Review habe ich damit auch noch keine guten Erfahrungen gemacht, aber es ist besser, richtiger und vermutlich auch wahrer.

In gewisser Weise habe ich die Arbeit von Anfang an aus meiner Perspektive bzw. aus Perspektive meiner Generation geschrieben – nämlich aus einer deutlich spürbaren Unzufriedenheit mit der wenig selbstkritischen und sich dabei um so wissenschaftlicher gerierenden etablierten Sozialforschung in Deutschland. Ich hatte dabei wichtige Mitstreiter im Graduiertenkolleg und einen für Experimente offenen Doktorvater, ohne die ich den Mut für die Arbeit, wie sie jetzt steht, nicht aufgebracht hätte. Das hilft aber alles wenig, wenn die Arbeit erst einmal vom Tisch, der Titel verteidigt und die Postdocstelle ausgelaufen ist.

Dann wird es um so wichtiger, wenn einem Andere mit ihrem Lob den Rücken stärken. Das waren zuerst die anderen Jungen und das sind auch immer noch und vor allem: Doktorandinnen, Masterstudenten, frischgebackene Doktorinnen. Für sie und mich habe ich diese Arbeit geschrieben. Ihre positive Rückmeldung ist mir am wichtigsten. Allerdings kann ich nicht verhehlen, dass es in einer derart prekären Lage auch wichtig wird, die frohe Kunde darüber hinaus von Leuten mit grauen Schläfen und eigenen Büros zu hören – das ist auf den vergangenen beiden Tagungen eigentlich das erste Mal passiert und das gibt mir Hoffnung, dass sich die Arbeit an den Wurzeln auch langsam in den mehr oder weniger welken alten Ästen und Baumkronen bemerkbar macht.

Mal schauen, wie es weiter geht. Bis dahin möchte ich mich in voller Ernsthaftigkeit bei allen bedanken, die mir Lob ausgesprochen und mir so Mut gemacht haben – ohne das würde ich nicht so weitermachen können. Danke.

Impressive landscapes. Entanglements of nature and culture.

October 14th, 2011

The end of the road. This was the name of the symposium that ended the research project that I was involved in beginning in 2009. The symposium reflected the contents and the atmosphere of the project in an excellent way and I was very happy to be able to present my contribution to the project as well. The presentations were done pecha kucha style, to keep them short but also visually rich. Since the material that I collected for my research has great visual strength, this format suited me so well that I decided to make a recording and put the presentation online. I hope you enjoy it!

(Thanks to Andi Schmidmeister and Kerstin Bornholdt for the company and the reflections that they offered during our trips to Hereiane and the Stegastein platform!)

Sounds of … something. Negotiating noises and voices.

August 1st, 2011

Fall is conference season, and this year is no exception. I am very happy that my submission for the 3rd International Ambiances Network Conference & Workshop in Munich (October 6th – 8th) has been accepted. The title of the conference is Urban Design & Urban Society. The emergence of urban atmospheres between design practice and social invention. My contribution has been placed into the October 8th session called Resisting bodies: provoking atmospheres, which should fit the profile of my presentation really well. As the organizers (Rainer Kazig, Monika Popp and Damien Masson) are known for their ability to create productive and stimulating sessions, I am quite sure that we’ll have some excellent discussions in Munich.
The title for my presentation is Sounds of … something. Negotiating noises and voices, following you can read the abstract:

Urban spaces are permeated by sounds. Machines, people, animals, the elements – they all contribute to one of the more difficult to grasp aspects of urban life. In this presentation I will focus on the sounds that I recorded in the context of videotaping different spaces of mobility. I will pay particular attention to how sound establishes atmospheres both through its presence and its absence. The day-night cycle of a railway terminal, for example, produces strikingly different soundscapes. Practices that would get lost during the bustle of the rush hour easily capture the attention of the few who are present during the quiet hours, when night has fallen. To gain attention during the busy times, people and things need to produce sounds of a much higher volume or suddenness, while even a slight change in tune might become perceivable at other times.

These soundscapes are not just passively consumed, they are negotiated with acuity and in interaction with others who are either co-present – but sometimes they are also produced in relation to a perceived absence. It is these negotiations that are at the heart of my presentation. How do people use their voice or other sounds that they produce to establish territories, to influence the way they and the space through which they move are perceived by others and themselves? How do people display attention to or ignorance of specific sounds which they might deem to be inappropriate or not worthy of attention? How are other spaces established through sound?

All of these questions also relate to the question of resistance in urban space. Two aspects of resistance or urban critique are particularly problematic or open to interpretation in this context: on the one hand, many tactics employed by those seeking to critically relate to atmospheres as they are commonly established in controlled and commercialized urban spaces have limited impact because they are just that: tactics. Understood with de Certeau, they offer limited control over time, but almost no control over space. They appear and quickly fade away. Just as sounds do. But maybe they will leave an echo? This question leads to the other aspect: in how far are the soundscapes of resistance the stratified practices of a specific group of people that distinguishes itself from the masses of consumers through their specific taste, for example through ironic references to mass taste, or through references to aesthetics that are only accessible for those who are socialized to place themselves in the upper strata of the cultural field? Answering this second question is necessary if one wants to understand the multiple ways in which the urban experience is negotiated by all the different participants – how normality is challenged and by whom; and how far sounds can leave echoes in urban space and in the corporeality of its inhabitants that might be evoked at other times and in other places too.

Materialität in Bewegung.

July 31st, 2011

Allmählich gewinnt das Vortragsprogramm für den kommenden Herbst an Kontur: am 19. und 20. Oktober werde ich zur Konferenz Materialitäten – Herausforderungen für die Sozial- und Kulturwissenschaften [PDF] einen Vortrag präsentieren. Das ist besonders erfreulich, weil den Organisatoren mehr als 140 Vortragsabstracts geschickt wurden (vermutlich auch weil es Keynotes von so bekannten Leuten wie Bruno Latour, Janet Hoskins und Peter-Paul Verbeek gibt) und sie deswegen sehr stark aussieben mussten. Mein Vortrag wird sich unter dem Titel Materialität in Bewegung mit einer der Kernfragen für mein zweites Buch beschäftigen. Hier das Abstract:

Ausgehend von Detailstudien an so unterschiedlichen Ortstypen wie Bahnhöfen, Stränden, Krankenhäusern und Rastplätzen wird in diesem Vortrag mit Hilfe von Fotografien, Video- und Tonmaterial der phänomenologischen Gewalt des Materiellen nachgegangen. In verschiedenen Alltagspraktiken zeigt sich bei genauer Betrachtung, wie die stoffliche Welt und das menschliche Handeln untrennbar miteinander verwoben sind. Diese Verwobenheit ist Ausgangspunkt für eine grundlegende Reflektion oftmals unhinterfragter soziologischer Kategorien:
Zum einen rückt bei der hier vorgenommenen Auseinandersetzung mit der Materialität der Welt der Zusammenhang von Wahrnehmen und Handeln in den Fokus. Anstatt beides als voneinander getrennte Prozesse zu betrachten – entweder zeitlich als aufeinander folgend oder analytisch als unterschiedlichen Regeln gehorchend – wird hier der Vorschlag gemacht, Wahrnehmen und Handeln als auch im kleinsten Detail ihres Vollzugs miteinandergehend zu denken. In dieser Verknüpfung wird dann auch deutlich, wie Materialität auf subtile, kaum bemerkbare Weise Eingang in soziales (Wahrnehmungs)Handeln findet und so zur Herstellung von sozialer Ordnung genauso wie zu Prozessen sozialen Wandels beiträgt.
Zum anderen führt ein sich Einlassen auf die Herausforderung der Materialität an die Sozialwissenschaften dazu, die geläufige Fassung der Kategorie des Sinns zu hinterfragen. So wird Sinn in der Regel als Bedeutungssinn bzw. mit Weber als gemeinter Sinn gefasst, den es auf mehr oder weniger hermeneutischem Wege zu interpretieren gilt. Mit dieser geisteswissenschaftlich geprägten Bezugnahme aber wird die Materialität als Jenseitiges behandelt, das einer anderen Sphäre angehört. Um dieser Aporie zu entgehen, wird es nötig, die Sprachfixierung der soziologischen Interpretation aufzulösen. Deshalb der Rückgang auf das Material, das diesem Vortrag zu Grunde liegt: Videos, Bilder, Töne. Mit Unterstützung dieser epistemologischen Verbündeten mit ihrer ganz eigenen Evidenz und in Anknüpfung an Überlegungen aus Science and Technology Studies (Latour, Pickering), britischer Humangeografie (Thrift, Ingold) und aus der Phänomenologie (Merleau-Ponty, Waldenfels) soll die Kategorie des Sinns anders angegangen werden: weniger als Bedeutungssinn sondern vielmehr als Richtungs- oder Bewegungssinn. So gedacht kann Materialität – nämlich Materialität in Bewegung – auch sinngebend sein. Störungen, Verfall, Turbulenz und Erosion treten in dieser Perspektivierung aus dem geschlossenen Bereich des Natürlich-Objektiven heraus und zeigen sich auch auf kategorialer Ebene in ihren sozialen Qualitäten.
In dem Zusammenspiel von Wahrnehmungshandeln und Bewegungssinn zeigt dieser Vortrag die doppelte Herausforderung der Materialität auf: Zum einen liegt diese Herausforderung in der Notwendigkeit von Kategorien, die diesseits der Trennung von Subjekt und Objekt operieren. Zum anderen liegt diese Herausforderung in der methodologischen Umorientierung weg von einer von allen Störungen gereinigten Fokussierung auf Sprache und Versprachlichung und hin zu einer komplexeren Orientierung auf das Zusammengehen von Körperlichkeit, Bewegung, Fühlen und Zeigen.

Hamburg, crime and geodata.

April 25th, 2011

Re-settling in Hamburg and getting started into a new research job took eat up too much of my time to let me post here for a while. But the news are good: I have a half-year full position in a research project at Hamburg University’s Institute for Social Scientific Criminological Research. The project on which I am working has been designed by Jan Wehrheim and Susanne Krasmann, and it is funded by the Thyssen Foundation. The name of the project is Geodata, Policing and Urban Development. I hope that I’ll have the time to post some more info on the project itself and what we are doing. Until then I am happy to be working with great new colleagues, living close to friends and family, and spending the summer in Hamburg.

Aufmerksam werden.

January 31st, 2011

Ende der vergangenen Woche habe ich an der 8. Tagung der Neuen Kulturgeographie teilgenommen. Auch wenn ich als disziplinärer Außenseiter etwas den Eindruck hatte, dass die Neue Kulturgeographie den Label neu vielleicht ablegen könnte, so heißt das jedenfalls nicht, dass die Tagung nicht allerlei interessante Perspektiven geboten hätte. Ich jedenfalls habe in jeder Sitzung, an der ich teilgenommen habe, mindestens einen spannenden Vortrag gehört, was mir gar keine schlechte Ausbeute zu sein scheint. Insbesondere bin ich dafür dankbar, dass ich – ohne dort wirklich Leute zu kennen – schnell Anschluss gefunden habe und freundlich aufgenommen worden bin. Ein paar Gesichter kannte ich zwar schon über die Konferenzen der Royal Geographical Society, aber so groß ist die Überlappung mit der britischen Geografie-Szene anscheinend nicht.
Besondere Freude hat mir die Einladung zur Teilnahme an der von Martin Müller geleiteten Sitzung bereitet. Unter dem Titel Mittendrin statt nur dabei: Ethnographie als Methodologie für die Neue Kulturgeographie gab es vier verschiedene Präsentationen zum Themenfeld Ethnografie, die sich untereinander hervorragend ergänzt haben. Ich konnte mich in meinem Vortrag unter dem Titel Aufmerksam werden… Zur phänomenologischen Auseinandersetzung 
mit Dingen, Anderen und sich selbst mit der Rolle der Phänomenologie in meinem ethnografischen Arbeiten auseinandersetzen und dabei weiter über die Möglichkeiten reflektieren, die das Arbeiten mit Videoaufzeichnungen mit sich bringt. Auch die Diskussion in der Sitzung war sehr angenehm und produktiv. Leider allerdings habe ich es dieses Mal verpasst, einen Mitschnitt von meiner Präsentation zu machen, beziehungsweise ich habe den Mitschnitt aus Versehen gelöscht… Deswegen kann ich jetzt leider nur die Folien ohne meinen Vortrag als QuickTime Film zur Verfügung stellen. Der Film spielt sich nicht von alleine ab, man muss sich von einem Präsentationschritt zum nächsten klicken – was allerdings auch den Vorteil hat, dass man die Sache in seinem eigenen Tempo verfolgen kann. Hier also die Filmdatei im .mov Format: Aufmerksam werden… [27 MB].

Mapping my bibliography.

November 26th, 2010


This is the output that Bookends, my bibliography software, produces when I tell it to create a tag cloud based on the 100 most frequently used keywords in my ~1500 entry bibliography. It is a nice visual indication of my research interests. I like it so much that I am thinking if I couldn’t include this little treat in my applications, to attract those with a more visual approach.

Hindernisse in der Übertragung von Wissenschaft vom Deutschen ins Englische.

November 25th, 2010

Der Linguist Winfried Thielmann hat unter dem Titel Dreamliner in Richtung Scholastik einen interessanten Artikel zu Unterschieden in den Wissenschaftssprachen veröffentlicht. (Es gibt auch ein Buch dazu: Deutsche und englische Wissenschaftssprache im Vergleich: Hinführen – Verknüpfen – Benennen.) Insbesondere die Ausführungen zur unterschiedlichen Gestaltung von Einleitungen waren aufschlussreich: im Deutschen wird in der Regel eher hermeneutisch, am Verstehen orientiert, argumentiert, während im Englischen eher das Überzeugen und der Kontrast zu Anderen im Vordergrund steht. Thielmann zeigt dies an der unterschiedlichen Verwendung scheinbar vollkommen äquivalenter Wörter wie weil und because.
Die Argumentation leuchtet mir ein – so habe ich beispielsweise den neuesten Artikel, den ich zum Peer-Review einsenden will, nach Rückmeldung einer Amerikanerin vom Fach noch einmal stark umgestellt und dabei genau die von Thielmann angesprochene hermeneutisch vorgehende Einleitung zugunsten eines direkten Einstiegs in Was ist hier das neue? geopfert. Obwohl die Muttersprachlerin meinte, dass mein Englisch an sich gut genug sei, habe ich den Text dann auch noch an eine andere Muttersprachlerin zur Sprachwäsche (wie man in Norwegen passenderweise sagt) geschickt – eben weil sich der Gebrauch von Metaphern im Allgemeinen und in Adjektiv- und Substantivkonstruktionen im Besonderen in beiden Sprachen unterscheidet. Hier muss man als nicht-Muttersprachler immer extra Kosten auf sich nehmen und Mehraufwand betreiben. Der Artikel kann natürlich auch nach all diesen Maßnahmen noch so sehr aus einem anderen Duktus kommen, dass er nicht wirklich passt. (Thielmann fasst dieses Problem als mangelnde sprachliche Initiation.) Gleichzeitig kann es natürlich auch passieren, dass der Artikel im Prozess der Übertragung gerade eine bestimmte Qualität verliert, die er durch die Verwendung von Argumentationsweisen und ähnlichem erlangt hat, die eben der eigenen Sprache eigen waren. Alles nicht so einfach…

Zur Rolle der Materialität in der Kultursoziologie.

October 9th, 2010

Bild des BuchumschlagsFür die Festschrift zum 60. Geburtstag meines Doktorvaters Helmuth Berking habe ich ein Kapitel zur Herausforderung des Materiellen an die Sinn- und Bedeutungsfixierte deutsche (Kultur)Soziologie verfasst. Nachdem ich lange über diesen Beitrag Stillschweigen bewahren musste, wurde der Band vor kurzem feierlich übergeben und ist nun auch öffentlich verfügbar – erfreulicherweise rechtzeitig zum nächste Woche in Frankfurt am Main stattfindenden deutschen Soziologiekongress. Der Titel des beim Campus Verlag erschienen und von Sybille Frank und Jochen Schwenk herausgegebenen Bandes ist: Turn Over. Cultural Turns in der Soziologie. Der Titel meines Kapitels ist: Abfall & Eleganz: Materialität vs. Kultur?
Mir hat das Schreiben dieses Kapitels ausserordentlich viel Freude bereitet. Zum einen, weil ich endlich einmal wieder aus dem vollen Reichtum der deutschen Sprache schöpfen konnte und zum anderen, weil ich für diesen Beitrag stilistisch nicht durch die Konventionen des Peer-Review Verfahrens eingeschränkt worden bin. So konnte ich mich ganz auf die Verknüpfung von Inhalt und Ausdruck konzentrieren. Um so mehr hat es mich erfreut, dass ich auch schon sehr positive Rückmeldung zu diesem Kapitel bekommen habe. Auch sonst hat der Band einige sehr schöne Beiträge zu bieten, so dass ich es nur empfehlen kann, mal einen Blick hinein zu werfen.

Space, materiality and the contingency of action – now available as PDF and epub.

October 7th, 2010

The study Space, materiality and the contingency of action : A sequential analysis of the patient’s file in doctor—patient interactions, which was originally published in Discourse Studies 11(3), pages 285–303 (DOI: 10.1177/1461445609102445), is now available for free on my website. The licensing terms of the publisher (SAGE) allow authors to make their contributions available on their website one year after the original publication. For this purpose, I have taken the original text that was later published in the journal, re-layouted it and exported it both as a PDF (download PDF file) and as an ebook (download epub file). I hope you enjoy reading it and I am very happy to provide free access to my scientific work, which has been payed for by German and US American taxpayers (since I have worked on it while being at Universities in the USA and in Germany). Here comes the abstract:

Focusing on the multi-dimensionality of interactional settings, this study analyzes how the material world is a significant factor in the sequential co-production of the video-taped doctor—patient interactions. The analysis shows how a material artifact, the patient’s file, is relevant in two ways: a) as a device which is employed in the sequential organization of the interaction. The patient’s file is being used in the contexts of topic development and topic change. b) The file with its specific physical and symbolic features is being co-produced and contested by both actors as a knowledge reservoir. Further inspection of the interactions in concert with theoretical reflections of the role of space and materiality suggests that interactions should be interpreted as happening in spatially arranged constellations of material objects and actors. In these both rigid and flexible constellations boundaries are established, access is distributed, and meaning is solidified.

Off to London.

August 31st, 2010

The annual conference of the Royal Geographical Society and the Institute of British Geographers (RGS-IGB) is beginning tomorrow, and I am really looking forward to hosting the double session on the theme of absence. We have excellent scholars presenting and serving as discussants so if you happen to be around, make sure to drop by!

Nicht die Sprache der Dinge, sondern das Sprechen mit den Dingen.

June 25th, 2010

Bild vom Buchumschlag Darum geht es in meinem Beitrag zum gerade beim Waxmann Verlag erschienenen Buch Die Sprache der Dinge. Ich freue mich sehr darüber, in diesem Buch dabei zu sein, da die meisten anderen Beiträge aus der Volkskunde/Ethnologie kommen und da das Buch zur Ausleuchtung des in Deutschland noch unterbelichteten Felds der materiellen Kultur beisteuert. Mein herzlicher Dank geht natürlich an die Herausgeberinnen des Bandes.

Updated to WordPress 3.0.

June 21st, 2010

A few days ago, a major update for WordPress (the software that I use to maintain this blog) has been published: version 3.0 Thelonious. I just finished the install, without any hiccups. I guess there won’t be many differences for you to notice… the only thing that I noticed is that the new WordPress default theme is not that unlikely to the theme that I came up with for this site (well, it does look more refined, but the basic elements like the header image, right-handed sidebar, and a larger default font are the same. That feels nice.

End of the egg counts & the absence of war.

June 8th, 2010

I have been subscribed to a blog that presents George Orwell’s diary for almost two years now – it has been an interesting read so far mostly because of its quirkyness. The main thing Orwell wrote about in his diary were accounts of his gardening activity, with special attention being paid to the number of eggs laid by his hens. Slightly entertaining, particularly because of a whole lot of really funny reader comments on the ups and downs of Orwellian egg production.
Recently, things have changed. We are now in the summer of 1940 and Germany has attacked France. Britain is part of the war and the bombings begin. George Orwell provides us with sharp observations about how war somehow remains absent from the everyday lives that he witnesses and participates in. I definitely recommend subscribing to this weblog/historical diary.

Materialisierte Zeitlichkeiten. Hasten & Rasten, Shoppen & Rumhängen.

May 26th, 2010

Noch eine Vortragsankündigung: im Rahmen des dieses Jahr in Frankfurt am Main stattfindenden 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werde ich in der Ad-hoc Gruppe Transitarchitekturen einige Ergebnisse meiner Studie zu Bahnhöfen und Fährterminals präsentieren. Der Rahmen passt hervorragend, da die Ad-hoc Gruppe an die architektursoziologische Arbeitsgruppe der DGS angeschlossen ist. Hier das von mir eingesandte Abstract für den Vortrag:

In Transitarchitekturen kreuzen sich die Bahnen einer Vielzahl unterschiedlicher Bewegungen. Einige ziehen sich durch diesen Ortstypus hindurch, wie der Transport von Personen und Dingen von einem Ort zum nächsten. Andere beginnen oder enden an diesem Ort, wie das mit dem Partner verbrachte Wochenende der Berufspendlerin. Wieder andere Bewegungen spielen sich an diesem Ort selbst ab, wie Bahnen des Reinigungsmobils über die polierten Böden oder wie das überwachte Auf und Ab der hier im Wortsinne Marginalisierten. All diese verschiedenen Bewegungen sind in unterschiedlicher Weise an die gebaute Räumlichkeit dieser Orte gebunden. In dieser materiell-körperlichen Gebundenheit – genau wie in der nicht davon zu trennenden ästhetisch-symbolischen Gegenwart – laufen diese unterschiedlichen Bewegungen aber keinesfalls unabhängig voneinander ab, jede in ihrer eigenen neutralen Sphäre, zugehörig zu einem je anderen, sich selbst reproduzierenden Bedeutungsgefüge. Das Gegenteil ist der Fall. In Transitarchitekturen treffen diese Bewegungen aufeinander, sie stoßen zusammen, prallen aneinander ab, stören sich und bringen sich gegenseitig in andere, manchmal unerwartete Bahnen.
In dieser Präsentation wird anhand von Videomaterial gezeigt, wie unterschiedliche Bewegungsmuster aufeinander treffen und wie – auf subtile oder auch offensichtliche Weise – ihre Hierarchie ausgehandelt wird. Anhand eines Vergleichs der Transitarchitekturen von Fährterminals und Bahnhöfen in Deutschland und Skandinavien wird darüber hinaus deutlich gemacht, wie unterschiedliche Transitformen unterschiedliche Zeitregimes hervorbringen, die sich durch eine jeweils spezifische Materialität und Symbolhaftigkeit auszeichnen. Darüber hinaus wird auch der Frage nachgegangen, welche Rolle lokale Eigenheiten und/oder nationale Einbettungen im jeweiligen Geschehen spielen und inwieweit diese sich über architektonisch-körperliche und/oder kulturell-performative Prozesse konstituieren.

Konkrete Abwesenheit. Sozialräumliche Wechselspiele von Widerstand, Entzug und Ermöglichung.

May 22nd, 2010

Ich freue mich, hier einen neuen Vortrag zum Thema Abwesenheit ankündigen zu können, den ich im September in Bern halten werde. Die Tagung des Graduiertenprogramms ProDoc: Intermediale Ästhetik. Spiel — Ritual — Performanz der Universitäten Basel und Bern mit dem Titel I prefer not to be. Zeitgenössische Spielarten des Körpers fokussiert auf das Thema der Abwesenheit – was sich natürlich hervorragend mit der von Lars Meier, Erika Sigvardsdotter und mir organisierten Doppelsession zum Thema Absenz bei der Tagung der Royal Geographical Society ergänzt. Hier das Abstract für meinen Baseler Vortrag:

Am Ende der als architektonische Errungenschaft inszenierten Aussichtsplattform über dem Aurlandsfjord wartet die Leere. Eine massive Glasscheibe hält den sich bewegenden Körper auf, doch der Blick kann hinabstürzen, hinab bis zur spiegelnden Oberfläche des Wassers. Touristen tummeln sich auf der Plattform. Einige gehen nur langsam und vorsichtig voran, wie gegen einen spürbaren Widerstand. Sie machen sich schrittweise vertraut mit der Abwesenheit, überwinden so den Widerstand gegenüber der Leere. Andere zeigen sich wagemutig. Sie lehnen sich gegen die Glasplatte und ihr Spiel mit dem Fall in den Abgrund zeigt den anderen Anwesenden, wie sie sich selbst, ihre Angst und ihren Körper beherrschen.

Diese und andere Konfigurationen von Dingen und Menschen habe ich im Rahmen eines ethnografischen Forschungsprojekts zu architektonisch aufwendig gestalteten Rastplätzen entlang der Norwegischen Tourismusroute im Detail analysiert. Als empirische Grundlage dienen Videoaufzeichnungen, die von mir und den Touristen selbst angefertigt wurden. Anhand dieses Materials wird in meiner Präsentation die konkrete Rolle des Abwesenden im Wahrnehmungshandeln der Akteure untersucht. Wie wird Abwesenheit strategisch inszeniert, zum Beispiel über einen architektonischen Eingriff in räumliche Anordnungen? Wie wird Abwesenheit auf der anderen Seite aber auch zum Gegenstand einer Vielzahl von unterschiedlichen Taktiken, in denen die Szene auf eine eigene Weise hervorgebracht wird und sie so für eine bestimmte Zeit einen anderen, vielleicht sogar die Planung durchkreuzenden Charakter erhält? Und schließlich: Wie und wie lange kann die Spannung zwischen Präsenz und Absenz gehalten werden, bevor sie sich der Aufmerksamkeit entzieht oder die Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt wird? In der Beantwortung dieser Fragen wird deutlich werden, dass Abwesenheit prozesshaft hervorgebracht wird und sozialräumlich gebunden ist.

Merlot Ponty.

May 2nd, 2010

When this search turned up in my log it made me hesitate for a moment. Then it provided for some extended entertainment.

And it is a lot better than the pretty frequent searches for keyword combinations that include both despair and dissertation

Another way to know it is spring.

April 29th, 2010

You replace your daily check of the snow report provided by Skiforeningen (the Association for the Promotion of Skiing, based in Oslo) with the pollen forecast.

Change is in the air water.

April 28th, 2010

photograph of melting ice on a lakeYesterday, we took some time off for a short hike through the Nordmarka. There is still a bit of snow remaining between 200m and 300m, but the air was rich and warm, and the frozen surface of the lakes is slowly starting to split open again. I will have to wait a bit before taking a dive below the surface, but the days are getting longer and longer: summer awaits!

A single man – A day of drift.

April 20th, 2010

Thanks to Lars M.’s special sponsoring, I was recently able to go to the movies in spite of a really tight budget. (I was even able to get some nice treats for consumption during the show!) We chose to see A single man because I really like Colin Firth, who was nominated for an Oscar for this role. The rest of the setting sounded nice too: a single day in the life of a man, stylish early sixties design, a movie that takes its time. All of these promises were kept and I was not disappointed. The work on the colors (desaturated for the moments when Colin Firth was doubtful if the world was actually still worth living in, strongly saturated in moments of aesthetic and emotional fulfillment) might be a bit too obvious, but not too a degree that would make me uncomfortable. The worst thing that I can say about this movie is that I somehow found myself – though sympathetic to the protagonist’s pain – not really moved or emotionally involved. I kept a distance. In a way, the distance might be similar to the distance that the protagonist had to the world around him, to life that had lost its deeper meaning… but I would be surprised if achieving such an effect was intended.
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