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DGS Kongress 2014: Nachwuchs in der Krise

Sunday, June 1st, 2014

Nach langer Funkstille aufgrund von Elternzeit und voller Auslastung im neuen Job endlich mal wieder ein Eintrag hier im Blog – und der Anlass ist auch noch ein außerordentlich guter: Die Organisation des alle zwei Jahre stattfindenden Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) hat meinen Antrag auf eine sogenannte Ad-hoc Gruppe nicht nur angenommen, sonder aufgrund der professionspolitischen Bedeutung zu einer Sonderveranstaltung befördert. Deshalb wird das Folgende nun vor und mit hoffentlich großem Publikum diskutiert werden können:

Nachwuchs in der Krise
In dieser Veranstaltung soll das Motto des diesjährigen Kongresses nach innen gewendet werden. Seit einigen Jahren zeichnet sich für den soziologischen Nachwuchs bzw. für Juniorpositionen ein immer deutlicheres Bild ab, in dem sich sichere Zukunftsperspektiven innerhalb der Universität gleichsam nicht erkennen lassen. Dies soll hier zum Anlass genommen werden, um aus Perspektive von angehenden Soziologinnen und Soziologen die eigene Rolle in der Universität zu diskutieren.
Die Diskussion schließt insbesondere an fachliche und berufsperspektivische Diskussionen an, die im Rahmen des Nachwuchsnetzwerks Stadt–Raum–Architektur und bei verschiedenen, von unterschiedlichen Graduiertenkollegs organisierten Tagungen stattgefunden haben. Im Rahmen dieser Diskussionen hat sich folgendes Bild ergeben:
Mag die Phase der Dissertation selbst noch über Stipendien oder Stellen im sogenannten Mittelbau einigermaßen abgesichert sein, so wird nach Abschluss der eigentlichen Qualifikationsphase jedwede Sicherheit langfristig entzogen und es gibt praktisch keinerlei Möglichkeit der eigenen Einflussnahme oder Steuerung. Dies wirkt sich auf alle Aspekte der Lebens und Arbeitens derjenigen aus, die den Versuch unternehmen, eine fachliche Karriere innerhalb der Universität zu verfolgen. Resultat dieser Prozesse sind eine zunehmende Verunsicherung bis hinauf in die Junior- und Vertretungsprofessur, Abwanderung in andere Berufe, sowie psychische und soziale Belastungen mit Konsequenzen für Forschung und Lehre.

Themen:

  • Entwicklung des Stellenmarkts generell
  • Arbeitsdruck in der (verlängerten) Qualifikationsphase
  • Befristung von Stellen (inkl. mangelnder Tenure Track in der Juniorprofessur)
  • Lehrstuhlsystem und Teilhabe von Juniorforschern in Entscheidungsprozessen (Forschungsförderung, Stellenbesetzung, Organisation von Session bei DGS Tagungen etc.)
  • Migration und Vergleich mit der Situation in anderen Ländern

Beitragende:
Im Rahmen der Veranstaltung soll die derzeitige, deutlich krisenhafte Lage von Beitragenden aus unterschiedlichen Positionen gemeinsam diskutiert werden. Folgende Gruppen werden repräsentiert:

  • Promovierende (Nina-Sophie Fritsch, Universität Wien)
  • Promovierte (Michael Frey, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)
  • Juniorprofessur (Sybille Frank, Technische Universität Berlin)
  • Emigrierte (Lars Frers, Telemark University College)
  • Gewerkschaft (Thomas Schömann, GEW)

Format:
Die Veranstaltung soll der gemeinsamen Diskussion und des Austauschs dienen. Deshalb beschränken sich die eingeladenen Beitragenden auf kurze Impulsreferate von fünf bis sieben Minuten Dauer. Danach soll mit dem Publikum gemeinsam diskutiert werden. Die Diskussion wird parallel via Twitter begleitet, so dass Rückmeldung aus dem Publikum direkt in die Diskussion eingetragen werden kann. Sofern die Diskussion sich in eine entsprechende Richtung bewegt, werden Arbeitsgruppen gegründet, um beispielsweise Statements an den Vorstand der DGS und/oder an die Presse zu verfassen und weitere Perspektiven zu diskutieren, die eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Problem auch nach der Tagung ermöglichen.

Das Ganze wird Freitag den 10. Oktober von 9 bis 11:30 Uhr auf dem Kongress in Trier stattfinden. Je mehr Leute zur Veranstaltung kommen und sich beteiligen, desto mehr Gewicht hat die Veranstaltung und die möglicherweise daraus hervorgehenden Initiativen. Also: kräftig die Werbetrommel rühren und dafür sorgen, dass niemand am Freitag vor 12 Uhr abreist!

Iron Lady – the individual, not society.

Tuesday, February 14th, 2012

In a way, the movie about Margaret Thatcher’s life takes up one facet of her political stance and bases the whole plot of the movie on this one aspect: the role, the power of the individual. Margaret Thatcher, the Iron Lady, is depicted as the daughter of a politically ambitious and conservative father who runs a grocery store. But what else is there, of the stuff that society is made of? We get one or two scenes hinting at the fact that there was a war sometime when she was younger. But what else, other than Margaret Thatcher, or should I rather say Meryl Streep? What do we see about society and its role in Margaret Streeps life? Not much. The one thing that the movie makes clear is that politics (and the upper strata of the economy) are male and that it takes more than a little courage to enter this male, upper class world as the daughter of a grocer. (Ignorance, for example, is helpful.) What we see is a single individual who works her way through resistances and over obstacles. Not one of many women. A strong individual moving towards her goal, ignoring everything around her.

This is nothing new, and we would have expected little else from Meryl Thatcher. But the main problem for me was, that this everything around her remains on the periphery. The miners’ protests, her family, the changing world at large – they all remain in the background, glance off, seemingly unimportant. The sole exception is: a ghost. The ghost of her husband, who keeps haunting the ageing Stratcher, offering charming glimpses at a life that has just passed by.

In a way, as I wrote above, the movie is consistent. It focuses on a person, only showing the world as this particular person might have seen it. I guess this is legitimate, as MT is indeed special. But. In a case where the hero is anti-social and has had a huge impact on the lives of millions of people, I find it relevant to also show this impact, show how it is ignored, where all the filters are set up that such people use to phase out these parts of reality from their view on the world. (Well, we do get a small glimpse on this when the Falklands War comes up – but again only from her limited perspective.)

Other than that, I have to make a disclaimer and tell you that I am not a huge fan of Meryl Streep. This added to my discomfort, as I also saw the movie as building on the star cult around Streep, with a cinematography that too often focused on the great actress, with long shots of her face, putting her in a position to get just another Oscar, or at least the zillionth nomination for an Academy Award – which can then be used in the further marketing of this movie.
IMDb entry | Trailer

Wo komm ich her, nach Akademia?

Saturday, March 13th, 2010

Auf- und später angeregt durch Jakob Heins Text zur zunehmenden sozialen Schließung in Deutschland habe ich mich wieder einmal mit der Tatsache beschäftigt, dass es an der Universität nur so wenige gibt, die einen sogenannten bildungsfernen Hintergrund haben. Ich selbst habe mich in gewisser Weise nie selbst so empfunden. Schließlich lesen meine Eltern gerne, finden Bildung wichtig und haben nie versucht, meine ökonomisch wenig aussichtsreiche Laufbahn als Sozialwissenschaftler in andere Bahnen zu lenken.
Im Studium war ich zu sehr von der spannenden Welt gefesselt, die sich da vor mir auftat, um über eine solche Tatsache viel nachzudenken. Das Lernen, das anfängliche Begreifen und spätere Durchschauen von Dingen die erst so unglaublich kryptisch erschienen, hat mich ausreichend in Bewegung gehalten. Die Muße, die ich mir trotz aller Bewegung herausnahm, brauchte ich, um diese Dinge zueinander in Beziehung zu setzen. Erst mit der Zeit wurde mir deutlich, dass es einigen da, an der Universität, anders geht. Hintergründe, die mir verschlossen waren, gehören dort entweder zum Selbstverständlichen – oder das eigene Standortbewusstsein ist sicher genug, um sich nicht um solche Dinge scheren zu müssen, à la Man wird es schon richtig machen, dieser ganze Kleinkrams ist doch unwichtig. Ist das so? Mir erschien es jedenfalls anders…
Wenn die eigenen Eltern aber nur für acht Jahre zur Schule gegangen sind und danach angefangen haben, zu arbeiten, dann blieb Ihnen wenig Muße für solche Hintergründe, dann ist Wissen über Dinge außerhalb des eigenen Wirkungsfeldes keine Selbstverständlichkeit. Alles an der Uni ist dann neu – für mich glücklicherweise aufregend neu, attraktiv, vielversprechend und spannend! … aber doch auch voller lauernder Abgründe, voller Unabwägbarkeiten, Begegnungen und Gesprächen, die jederzeit verunsichern und den vermeintlich festen Boden unter den Füßen wegreißen können. (Von anderen Selbstverständlichkeiten, wie der angemessenen Art zu sprechen, sich zu bewegen, zu kleiden, zu essen und zu trinken soll hier und heute noch nicht die Rede sein.) Ich habe diese Herausforderungen meist gern angenommen. Aber mit der Zeit…
Persönlich empfunden habe ich die Schwierigkeit des Zugangs zur Universität erst, als es um die ersten Schritte ging, die zu einer echten Unikarriere gehören: eine Stelle als Hilfskraft habe ich nicht bekommen, eigentlich habe mich auch kaum darum gekümmert – ich konnte ja als Hausmeister jobben. Da hat man keinen langen Anfahrtsweg, geht doch auch. Schwieriger war es dann bei der Bewerbung um Studienstipendien. Die sind irgendwie nicht so toll gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, mein sozialer Hintergrund wäre ein Vorteil, schließlich müsste ich doch besonders förderungswürdig sein, denn meine Eltern konnte ja offensichtlich nicht allzuviel beisteuern (auch wenn sie das in Wirklichkeit getan haben) – ist aber nicht so, die deutschen Studienstiftungen zeigen dieselben sozialen Auswahlkriterien wie andere gesellschaftliche Akteure und Institutionen auch. Denen, die haben, wird gegeben. Literatur dazu werde ich beizeiten ergänzen. Meine Bewerbung um ein Austauschstipendium für ein Jahr in den USA hat dann auch erst im zweiten Anlauf geklappt. Der gute Herr Soziologieprofessor, der auch beim zweiten Versuch über meine Zukunft zu entscheiden hatte, ein alter 68er natürlich, meinte nach dem Gespräch gütig, das wäre ja nicht so toll gewesen, aber wenn ich nun mal so hartnäckig bin, soll das ja auch belohnt werden. Das war ein echter Tiefschlag.
Aber: die USA haben es herausgerissen. Dort war ich nur ein begabter Student aus dem Ausland, nicht mehr, aber vor allem nicht weniger. Zurück in Deutschland haben das wieder gestiegene Selbstbewusstsein und das Zertifikat USA genug Elan verliehen, um Diplomarbeit und Bewerbung für ein Promotionsstipendium ohne besondere Verunsicherung abzuhaken.
Schwierig wurde es dann, nachdem das Promotionsstipendium ausgelaufen, aber die Arbeit noch nicht fertig war. Hartz IV, keine Reserven vorhanden Wovon soll man Reisen zu Konferenzen bezahlen? Wo soll man die Ruhe hernehmen, die Arbeit fertig zu schreiben und nebenbei noch Artikel zu veröffentlichen? Es ist alles gut gegangen. Aber Hausbesuche durch Angestellte des JobCenters und das unaufhaltsames Verschleißen der paar ordentlichen Klamotten, die man noch aus Zeiten des Stipendiums hatte, waren schon wirklich bedrohlich. Es ist alles gut gegangen.
Eines der vielleicht nachdrücklichsten Erlebnisse in diesem Zusammenhang hatte ich aber erst, als ich schon als großer, erfahrener Postdoktorand, wieder mit neuem Stipendium (und damit ohne jede soziale Absicherung), in einem Auswahlkomitee für neue DoktorandInnen saß. Im Verlauf eines schweißig-drögen Nachmittags hat doch tatsächlich einer der Professoren nach einem Vorstellungsgespräch über die kandidierende Person gesagt, dass diese ihn wirklich überzeugt habe und das er diese Person auch deshalb nachdrücklich empfehlen möchte, weil sie aus einem komplett nicht-akademischen Umfeld kommt und sich ihr Projekt und alles weitere wirklich selbst erarbeitet hätte. Dem Professor ging das ohne weiteres über die Lippen und dieser Aspekt wurde auch nicht weiter zum expliziten Thema. Ich selbst aber war gleichermaßen erschrocken wie erfreut. Erschrocken darüber, dass so etwas bisher in noch keinem Komitee, in dem ich saß, explizit in Betracht gezogen worden wäre. Erfreut, weil das in gewisser Weise auch für mich gilt und ich mich also auch als in dieser Weise ausgezeichnet sehen kann.
Würde ich aber in eine meiner Bewerbungen als Juniorprofessor, Forschungsantragssteller, oder ähnliches schreiben, dass ich aus einem bildungsfernen Milieu komme? Bisher habe ich das nicht getan…

Von wegen billig einkaufen.

Wednesday, March 26th, 2008

Eigentlich habe ich mich ja schon auf das Einkaufen im Tiefpreisparadis Berlin gefreut. Aber bei Meldungen wie dieser: Datenschutzverletzungen: Lidl fällt als Wiederholungstäter auf fällt mir eigentlich nichts anderes mehr ein, als das Einkaufen bei Lidl dauerhaft zu boykottieren. Ich habe das auch schon in der Vergangenheit versucht, aber die Tatsache, dass die Lidl Filiale einfach direkt um die Ecke ist und dass die Waren dort billiger sind, haben mich doch immer wieder dort hinein gebracht. Schluss damit! Es kann nicht sein, dass man versuchen muss, solche unglaublichen Praktiken durch Verbraucherverhalten zu sanktionieren. Soweit darf es nicht kommen – insbesondere wenn die Vielen, die nur sehr wenig Geld zum Leben haben, kaum eine Alternative zum so-billig-wie-möglich einkaufen haben.

Oppressive Surveillance in Germany.

Monday, October 22nd, 2007

More than two months ago I wrote an entry on the incarceration of the urban sociologist Andrej Holm. Luckily he has been released after several weeks of cellular confinement under particularly harsh conditions – has was labelled a terrorist, and as we learned from current US American practices, that seems to forfeit you of quite a few human rights. This week, on Wednesday, the German Federal Court will decide if the warrant issued against Andrej Holm was legal in the first place.
Remember: one of the main grounds on which he was arrested was that he wrote critically about such things as gentrification and that this and other terms were used in the pamphlets of the militante gruppe, who set fire to several German military vehicles. It seems he has met people who are suspected to be members of this group on several occasions. Using terms such as gentrification, being an outspoken critic of related urban developments, and having met people who may be arsonists seems to be enough to rid not only you of your rights, but also your friends and family, who are now all being observed, wiretapped and so forth. Now many people in the social sciences, critical or not so critical, fear that they might too be arrested as terrorists when they actually do their work, leave their ivory tower, engage with different people outside of academia, be they investors, everyday people, or militants – and how am I supposed to know if someone who I meet is a militant or not? How terribly far going these so-called anti-terrorist measures go is being witnessed on the weblog of Andrej Holm’s partner, with whom he has two children. A scary read indeed.
And what is also quite scary is that I really carefully have to judge my words writing this entry, because it has become obvious that all activity related to this case is being monitored very closely by Germany’s Federal Criminal Police Office (the BKA). That is how far we have come: I feel afraid enough to not even dare to joke about this affair. I think it really is time to turn the wheel around and re-establish all those civil liberties that have been torn down over the course of the last six years. When I was young, reading Orwell’s 1984 and similar dystopian novels, I never thought that a distinctly similar scenario would become true when I am an adult. Dire times, and my Norwegian colleagues here in Oslo seem to be pretty shocked about the current state of interior affairs in Germany.

Terrorizing critical sociology.

Friday, August 17th, 2007

You may already have heard about the affair in which four persons were searched by the police and one of them arrested on 32st July. One of them, Andrej Holm, is a fellow urban sociologist who is working the the Department for Sociology, Humboldt University Berlin. He writes on gentrification and participates in public meetings in which urban policy is discussed and critized. In short, he is involved in what a public intellectual should do: go out into society and discuss potentially or actually harmful or otherwise relevant political and societal developments. So why did they arrest him? Because he uses words and concepts (like the commonly used term gentrification), that are also used in writings of the militante gruppe, and because he has met these people on occasion – being a public and critical scholar – he is linked to them. And now he is in jail under very strict conditions.
This is a very serious affair and we should make sure that critical and engaged scholars do not get into a situation in which they will be afraid to utter criticism because they might sooner or later be labeled terrorist and thrown into jail. This is exactly what I and many others feared would happen when the so-called war against terrorism seeps into everyday life deeper and deeper.
Express your opposition to a process which would lead to people keeping their mouths shout when they should not and sign the open letter to the Generalbundesanwaltschaft: in English, auf Deutsch. The open letter has been organized and published by colleagues abroad, in particular Manuel Aalbers and other members of the comurb_r21 mailing list along with participants of the ASA meeting, which just took place in the United States. I am impressed by and happy about the many important and very highly regarded scholars that already signed the open letter. You will also find more information in the open letter and on the support website, to whose organizers I also pay my respect.

Weltrevolution?

Tuesday, May 1st, 2007

Sollte man in Berlin sein und nicht mitbekommen haben, dass heute Walpurgisnacht ist und morgen der erste Mai: spätestens jetzt sollte der Groschen fallen. Die Rotorblätter des Polizeihubschraubers dröhnen über der Stadt. Dann wollen wir mal sehen…

Besuch vom JobCenter.

Sunday, November 12th, 2006

Schon in der vergangenen Woche hat es bei uns an der Haustür geklingelt als ich nicht da war. Zwei Herren vom JobCenter haben sich über die Sprechanlage bei meinem Mitbewohner nach mir, der anderen Mieterin und ein, zwei Kleinigkeiten erkundigt, nachdem mein Mitbewohner ihnen gesagt hat, dass ich nicht da bin. Das wäre ja schon ärgerlich genug. Aber die Herren haben natürlich nicht so schnell locker gelassen und sind einen Tag später noch einmal gekommen. Wieder war ich nicht da. Erst dann haben sie sich zu einer Terminabsprache bemüht und mich unter der von mir beim JobCenter angegebenen Mobiltelefonnummer angerufen. Ich habe dann mitgeteilt, dass ich die nächsten Tage leider nicht zu Hause bin, weil ich gerade eine Wohnung für meinen neuen Job in einer anderen Stadt suche. Soweit so gut. Ich dachte damit wäre es dann abgefrühstückt, schließlich bin ich sowohl durch das baldige Ende meiner Erwerbslosigkeit als auch durch die anstehende Verlegung meines Hauptwohnsitzes in ein paar Wochen raus aus der Statistik des JobCenters Pankow.
Aber diese Woche Mittwoch flatterte dann ein Schreiben des JobCenters in meinen Briefkasten (die Herren waren anscheinend wieder da, jedenfalls war es unfrankiert). Darauf die Bitte mich am folgenden Tag zwischen 8 und 10 Uhr mit Ihnen in Verbindung zu setzen. Wortlaut: Der Besuch ist notwendig, um Anspruchsvoraussetzungen ihres Antrags vom bla.bla.2006 prüfen zu können.
Nun denn. Ich habe zurückgerufen und mir wurde gesagt, dass am nächsten Tag zwei Herren vom Außendienst meine Wohnverhältnisse prüfen möchten. Sie würden zwischen 12 und 15 Uhr kommen. Ich habe dem Termin zugestimmt. Warum? Eigentlich hat mich dieses Verfahren so geärgert, dass ich ausgesprochen wenig Lust hatte, irgendwelche Schnüffler in meinen Schubladen wühlen zu lassen und mir von ihnen, ohne irgendein konkretes Verdachtsmoment, Fragen stellen zu lassen, wie sie einem potentiellen Straftäter gestellt werden. Warum also die Leute auch noch gleichsam freiwillig in die eigenen vier Wände lassen. Natürlich weil ich blank bin. Ohne Moos nix los. Das JobCenter hat mir für diesen Monat noch nichts überwiesen und ich bin dringend auf das Geld angewiesen. Also ordne ich mich der Gewalt unter – und als nichts anderes habe ich das empfunden.
Vor dem Besuch habe ich mich erstmal auf den Seiten der Kampagne Vorsicht!Arbeitslosengeld II informiert. Als ob ich nicht anderes zu tun hätte, als mich mit Hartz IV rumzuschlagen. Aber Wissen hilft – mindestens denjenigen, die privilegiert genug sind, einen Internetanschluss zu haben und diesen auch nutzen zu können.
Die Herren kamen natürlich ca. 10 Minuten vor 12, aber was solls. Beim Eintreten habe ich beide Ausweise geprüft und ihnen jeweils noch mal ihre Namen vorgelesen. Die Herren haben vorm Eintreten noch gesagt, dass ich nicht verpflichtet sei sie hereinzulassen, Paragraph xy und so. Ich habe sie aber trotzdem hereingelassen und sie im Flur darauf hingewiesen, dass ich ihnen gerne mein Zimmer und die Gemeinschaftsräume zeige, ich aber nicht möchte, dass ohne mich zu fragen irgendwelche Schubladen oder Schränke geöffnet werden. Ich hätte wohl viele Geschichten gehört. Ja, habe ich. Um es abzukürzen, die beiden haben sich zivil verhalten, der eine hat das Gespräch geführt und dabei Notizen gemacht, der andere hat nur Notizen gemacht und meine Sachen bespäht. Wir waren in meinem Zimmer, dem mit meinem Mitbewohner geteilten Arbeitszimmer und der Küche (das Bad war während des gesamten Besuch von ca. 12 Minuten durch meinen Mitbewohner in Benutzung). Zu allen Zimmern wurden einige Fragen gestellt, in denen es darum ging, festzustellen ob es hier eine eheähnliche Gemeinschaft gibt. Die gibt es hier aber nicht, in der Wohnung wohnen nur mein Mitbewohner und ich, die Hauptmieterin wohnt seit über zwei Jahren in Oslo. Die Herren schienen mit dem Erscheinungsbild zufrieden, jedenfalls derjenige, der das Gespräch führte und der sich etwas als Good Cop dargestellt hat – wenn ich das mal richtig einschätze. Falls es noch ein Nachspiel geben sollte, werde ich das natürlich hier wiedergeben. Mich hat diese Prozedur und die Androhung derselben auf jeden Fall für über eine Woche direkt terrorisiert und so wirkt sie auch jetzt noch nach. Wie ein verdächtiger Straftäter behandelt zu werden ist nicht sehr angenehm – ich möchte nicht in der Haut von Leuten stecken, die psychisch weniger robust und im Auftreten gegenüber solchen Herren weniger resolut sind.

JobCenter vs. Wissenschaft. Teil 1.

Saturday, May 27th, 2006

Na, super – nachdem ich nun leider einen negativen Bescheid von der sogenannten Agentur für Arbeit bekommen habe ist klar, dass ich nicht den Luxus einer angemessenen sich jedenfalls minimal auskennenden Behandlung erfahren werde. Mit der Agentur für Arbeit war abgesprochen, dass ich einfach in der Woche bevor ich auf eine der von mir noch zu besuchenden Konferenzen fahre anrufe und Bescheid sage. (Es herrscht ja Anwesenheitspflicht, dass heisst ich muss immer schön daheim sitzen und warten, denn es kann ja sein das mir von heute auf morgen eine super Arbeitsstelle zugewiesen wird.) Nun ja, da aber nicht mehr die Agentur für Arbeit für mich zuständig ist, sondern eines der zu Recht berüchtigten JobCenter, gilt diese Abmachung nicht mehr. So wurde mir bei meinem heutigen Anruf erfreulicherweise mitgeteilt, dass ich doch bitte am Montag vorstellig werden solle. Da darf ich mich dafür rechtfertigen, dass ich Himmel und Erde in Bewegung gesetzt habe damit jemand den Flug und die Konferenzgebühr für mich bezahlt, dass ich ein Stipendium von der Kanadischen Soziogischen Gesellschaft ergattert und einen großzügigen Doktorvater habe, der mir auch aushilft. Ist ja nicht so, dass der deutsche Arbeitsmarkt mit Stellen reich gesegnet wär und das eine der wenigen Möglichkeiten, die einem bleiben darin besteht, die in Deutschland teuer bezahlte Ausbildung woanders zur Verfügung zu stellen.
So lohnt die wunderbar repressive Gesetzgebung Engagement und Initiative und so werden Arbeitplätze geschaffen. Woanders. Bleibt allgemein nur zu sagen: Vielen Dank liebe Sozial- und Christdemokraten. Ach ja, die Grünen haben ja auch mitregiert. Auch vielen Dank.
Und mir geht es noch gut, das sollte man nicht vergessen – wenn ich sehe (und vor allem höre, denn es ist ja nicht so, dass die Privatsphäre der Vorsprechenden im JobCenter in irgendeiner Weise gewahrt werden würde), wie andere Leute im JobCenter behandelt werden…

Werbung für die WASG.

Sunday, September 11th, 2005

Frau Kitta hat nun die Seite für Herbert Schui online gestellt. Da meine Stimme dort hingehört, wo auch mein Herz schlägt, hoffe ich, dass es möglichst viele Stimmen für das Bündnis aus Linkspartei/PDS und WASG gibt. Herbert Schui ist ein Kandidat der für volkswirtschaftlich begründete, kritische Politik steht und der nur eine Bereicherung für den Bundestag sein kann. Ich bin auch durch persönliche Bekanntschaft davon überzeugt, dass es eine gute Entscheidung ist, mit einer in Niedersachsen abgegeben Stimme für das Linksbündnis die Chancen für einen Einzug von Herbert Schui in den Bundestag zu erhöhen – er steht dort auf Platz drei der Liste, es kann also auf jede Stimme ankommen.

Es ist wieder soweit.

Friday, August 26th, 2005

Ich bin ja ein großer Anhänger des Wählens entsprechend von Wahlprogrammen. Das ständige Gerede a la soundso von der xxx hat das und das gesagt, ich finde die und die zu populistisch / zu abgehoben / zu wirtschaftsfeindlich / zu elitär / zu weltfremd / zu verlogen geht mir gehörig auf den Senkel. Schaut in die Programme, streicht offensichtliche Wahlgeschenke und strategische Pseudoversprechungen raus und wählt die Partei, die in die Eures Erachtens die richtige Politik machen will. Eine kleine, sehr gut gemachte Hilfe dabei ist der Wahl-O-Mat. Mehr zum Wahl-O-Maten und zur Bundestagswahl im Internet gibt es im entsprechenden Artikel des Heise Newstickers.

Blühende Landschaften zwischen Zonen-Gabi und Besserwessi.

Sunday, June 12th, 2005

In der vergangenen Woche habe ich einen kurzen Vortrag vor einer von den Darmstädter Jusos eingeladenen Delegation von Marokkanern gehalten. In dem Vortrag sollte ich einen Einblick in die Geschichte Deutschlands seit der Wiedervereinigung geben und dabei vor allem den Konflikt zwischen Ost- und Westdeutschland behandeln. Nicht unbedingt mein Spezialgebiet, aber ein sehr spannendes Thema, das mich auch persönlich wirklich interessiert, weshalb ich auch zugesagt habe, im Rahmen dieser von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Veranstaltung vorzutragen. Dank an Dörte Hein von der Universität Greifswald für einige Perspektivkorrekturen und Ergänzungen. Ich habe die meinem Vortrag zu Grunde liegende Stichpunktliste ein wenig überarbeitet und jetzt online zur Verfügung gestellt. Da es sich nicht um mein eigentliches Fachgebiet handelt, weist die Aufstellung sicher einige Lücken auf und befindet sich nicht auf dem neuesten Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung zu dieser Frage – über Ergänzungen und Kritik bin ich dementsprechend dankbar.
Der Vortrag selbst ist gut gelaufen und die anschließende Diskussion mit der marokkanischen Delegation war spannend und fruchtbar. Für mich war es das erste Mal, das ich mit Simultanübersetzung (ins Französische) vorgetragen habe. Glücklicherweise schien mein Vortragsstil für die Übersetzerin handhabbar zu sein. Merkwürdig ist es trotzdem schon, wenn man von dem Titanic Poster mit der Zonen-Gabi erzählt, als Erzähler selbst die Bananen-Gurke Pointe mit heiterem Glucksen begleitet, das Lächeln bei den Hörern sich aber erst mit einigen Sekunden Verzögerung einstellt…

Wurde wirklich Zeit.

Friday, February 4th, 2005

Nach jahrelangem sich-nicht-so-recht-aufraffen-können habe ich heute endlich den entscheidenden Schritt getan: Ich bin Gewerkschaftsmitglied geworden. Ha! Arbeitgeber, ihr könnt kommen, ich bin gewappnet in diesen harten Zeiten.
War ja alles ganz einfach. Man kann sich nämlich mittlerweile bei ver.di online anmelden. In weniger als zehn Minuten war’s erledigt. Feine Sache. Auch für Studenten wie mich ne sinnvolle Angelegenheit – ich habe mittlerweile schon reichlich Jobs gemacht, in denen ich von gewerkschaftlich erstrittenen Tarifverträgen profitiert habe. Solidarität tut Not.

As expected.

Saturday, August 7th, 2004

Yesterday I saw Fahrenheit 9/11. It is a good movie, although I am not sure how many of the awards were given for it’s politcal message, and not for it’s quality as a documentary. Not that I don’t agree with it’s message, and not that I don’t think awards shouldn’t be handed out for political reasons at all; as Sahra, one of the several people with whom I went to see the movie, said: it nicely fits all our expectations, stereotypes and judgements. I guess it will serve the purpose of making some people in the US not vote for Bush which, of course, is a Very Good Thing™.
I liked the beginning of the movie most, especially the way 9/11 itself was portayed was excellent. The rest of the movie moves between funny, shocking and disgusting, all accompanied by the well known comments of Michael Moore. If you haven’t read much of the many in depth and well researched critiques of the Bush administration and the war against Iraq and Afghanistan you might want to catch up a bit by watching this movie.
IMDb entry | Trailer