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[Friederike Fless ist erste Professorin am Institut für Klassische Archäologie]

[Globaler Handel in der antiken Welt]

Die Trajansäule in Rom

Friederike Fless besetzt ab dem Wintersemester 2003 eine Professur am Institut für Klassische Archäologie. Eines vorab, mit den Indiana Jones-Klischees Hollywoods hat sie wenig gemein. Sie betrachtet die Antike mit eher ruhiger Distanz und ohne waghalsige Spielfilmstunts.

Die gebürtige Westfälin ist auf Umwegen zur Archäologie gekommen. Ihre Eltern, beide Juristen, waren berufliche Vorbilder nur für zwei ihrer Geschwister. Nicht für sie. 1983 begann Fless, interessiert an zeitgenössischer Kunst, in Trier Kunstgeschichte zu studieren und belegte Klassische Archäologie anfangs nur als typisches Nebenfach. Hier lernte Friederike Fless ihre spätere Doktormutter, die Professorin Annalis Leibundgut, kennen, die ihr Interesse an vergangenen Kulturen entfachte. Im Frühling 1986 wechselte Fless daher das Hauptfach, dann auch die Universität und belegte in Würzburg Klassische Archäologie.

Die Fragmente antiker Kulturen wie ein Puzzle Stück für Stück wieder zusammen zu setzten, verzauberte die junge Studentin. Fless studierte zwei Jahre in Würzburg und danach an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Hier promovierte sie über historische Reliefs im antiken Rom.

Frederike Fless (Foto: privat)

Zwei Jahre nach ihrer Promotion ,erfuhr’ sie die Antike Welt vor Ort. Im Rahmen eines Stipendiums des Deutschen Archäologischen Institutes reiste sie 1993 mit Kollegen ein Jahr lang um das Mittelmeer, auf der Suche nach antiker Kunst und Kultur. Der ständige Wechsel von Antike zu Moderne, die Allgegenwärtigkeit der Vergangenheit in dieser Region begeistert Fless bis heute. Wieder in Deutschland, arbeitete sie als Hochschulassistentin am Archäologischen Institut der Universität zu Köln. Dort habilitierte Fless sich und zog dann nach Leipzig, wo sie als Oberassistentin am Archäologischen Institut tätig war. Dort faszinierte die Westfälin auch die Kulturbegegnung zwischen &Mac226;Ost’ und ,West’ mit ihren immer wieder neuen Verunsicherungen gewohnter und bequem gewordener Standpunkte.

Fless erklärt mir ihre Habilitationsschrift so: „In klassischer Zeit war die Keramik aus Athen eine Massenware und war, wie heute vielleicht die Colaflaschen, in der Antiken Welt ‘global’ präsent. Und wie heute stellt sich die Frage, warum die Käufer die attische Keramik, mit und ohne Inhalt, haben wollten und ob sie mit den antiken &Mac226;Colaflaschen’ gleich auch den Athenian Way of Life übernahmen.“ Mit dem Graben in der Vergangenheit stärkt Fless darüber hinaus die heutige Völkerverständigung: Sie möchte sich an der FU besonders für die Zusammenarbeit mit russischen und ukrainischen Kollegen engagieren, die wie sie das Schwarze Meer und die Skythen unter die Lupe nehmen. Dort sind Grabräuber heute leider oft schneller als die unter oftmals schwierigen Verhältnissen forschenden, heimischen Archäologen: „Jede Raubgrabung ist dabei wie ein Buch der Geschichte, deren Seiten nur der Raubgräber liest, dann herausreißt und die danach nie wieder gelesen werden können, sondern für immer verloren sind.“ Daneben würde Fless gerne die gute Zusammenarbeit mit den Berliner Museen fortführen, denn „der museale Bereich ist für Studierende der Klassischen Archäologie einer der wichtigsten Arbeitsbereiche“.

So ist die Forschungsarbeit nur ein Teil ihrer Profession, die sie als Voraussetzung für eine anspruchsvolle Lehre ansieht. Wichtig ist Fless, dass ihre Studierenden Archäologie als etwas Lebendiges begreifen, das sich entwickelt. Das Engagement der 39-Jährigen wird an der Freien Universität mit ihrer ersten Professur gewürdigt. Zu Leipziger Zeiten vermittelte sie, wie lebendig Archäologie sein kann und fuhr regelmäßig mit ihren Studierenden nach Berlin, um die Museumslandschaft zu durchforsten. Laut eigener Aussage kennt Fless „die archäologischen Museen auf der Museumsinsel wohl besser als das Institut für Klassische Archäologie auf dem FU-Campus.“

Florian Hertel

Foto: KHI



Lehrveranstaltungen von Prof. Fless
V: Römische Kunst in der Späten Kaiserzeit; Montag 14–16 Uhr
HS: Griechische Kultur in den „Randgebieten“ der Antiken Welt – Formen und Vorbilder von Grabmonumenten und –skulpturen; Dienstag 14-17 Uhr
PS: Die Trajanssäule; Freitag 13-15 Uhr
Ü: Beschreibungs- und Bestimmungsübung zur römischen Kunst; Freitag 15-16 Uhr

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