International Philosophy Colloquia Evian
20th Colloquium 2014 - Evian, 13-19 juillet 2014

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Kolloquium 2008: Was ist zweite Natur? - Vernunft, Geschichte, Institutionen

20th Colloquium 2014


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Thema / Programm

Der Mensch hat sich immer schon als ein Wesen verstanden, das in gewissen Hinsichten nicht natürlich ist. Er steht damit vor der Frage, wie er seine eigene nichtnatürliche Lebensweise verstehen soll. Einigkeit besteht weitgehend darin, diese Lebensweise als eine wesentlich durch Praxis gestaltete (selbst gestaltete) Lebensweise zu verstehen. Der Begriff der Kultur bringt vielfach diese Grundsituation des Menschen zum Ausdruck. Sofern man den Menschen aber - seiner nichtnatürlichen Prägung zum Trotz - als ein natürliches Wesen begreifen will, gilt es, die selbst gestaltete Lebensweise zugleich als natürlich zu verstehen. Es ist unter anderem dieses theoretische Anliegen, das den Begriff der "zweiten Natur" auf den Plan ruft und als mögliche theoretische Alternative zum Begriff der Kultur interessant macht. Die zweite Natur ist eine Natur, die irreduzibel mit der gestalterischen Aktivität des Menschen zusammenhängt, dieser aber doch auch als quasinatürliche Sphäre gegenübersteht.

Auch wenn der Begriff der zweiten Natur direkt oder indirekt in allen philosophischen Schulen eine Rolle spielt, ist alles andere als klar, wie die zweite Natur als eine quasinatürliche Sphäre menschlicher Aktivität zu bestimmen ist. Die Bandbreite unterschiedlicher Bestimmungen, die im Laufe des abendländischen Denkens von Aristoteles über Hume und Hegel bis zu Bourdieu und McDowell (um nur eine sehr kleine Auswahl zu nennen) gegeben worden sind, lässt sich mit den drei Begriffen "Vernunft, Geschichte, Institutionen" umreißen. Dabei schöpfen diese Begriffe weder alle konzeptionellen Möglichkeiten aus, noch sind sie zwingend als Alternativen zu begreifen: Ist die zweite Natur ein Raum der lebendigen Tradition bzw. der Lebenswelt, wie es Gadamer von Husserl und Heidegger her gedacht hat, und wie es neuerdings von McDowell aufgegriffen wurde? Und ist eine Tradition eher durch das übergreifende Charakteristikum der Vernunft (wie man es von Kant her mit Korsgaard und Davidson denken kann) oder durch historisch gewachsene Institutionen geprägt (wie man von Hegel her mit Foucault und Bourdieu, aber auch mit Lukács sagen würde)? Ist Vernunft - im Sinne einer instrumentellen oder identifizierenden Vernunft, wie Horkheimer und Adorno sie bestimmen - als eine Metainstitution zu begreifen, die sich verselbständigt hat? Oder sollte man weniger von einer Verselbständigung von Institutionen als von Selbstverständlichkeiten der Praxis sprechen, wie es Wittgensteins Erben, aber auch Pragmatisten wie Peirce und Dewey in unterschiedlicher Weise nahe legen? Inwiefern ist mit dem Begriff der zweiten Natur eine Naturalisierung des Sozialen (und vielleicht auch des Geistes) verbunden, die etwa von feministischer Seite in Frage gestellt wird?

Die Möglichkeiten der Bestimmung der zweiten Natur überkreuzen sich systematisch und schulisch in vielfältiger Weise. Das 14. Internationale Philosophie-Kolloquium Evian lädt Philosophinnen und Philosophen an den Genfer See, die daran interessiert sind, die angedeuteten Überkreuzungen in intensiver Weise gemeinsam zu diskutieren. Beiträge sollten aus - unter anderem - (post-)strukturalistischer, phänomenologisch-hermeneutischer und (post-)analytischer Perspektive Vorschläge der Bestimmung des Begriffs der zweiten Natur, aber auch Differenzen und Konvergenzen dieser und anderer Bestimmungen diskutieren und systematisch fruchtbar machen.


Programm

Programm als PDF-Download


Lundi, 14 juillet 2008

Thomas Hoffmann (Magdeburg): Zweite Natur, Gefangenschaft und Relativismus
Italo Testa (Parma): Second Nature and Social Space
Philippe Lacour (Berlin): Culture ou seconde nature: le symbolique et le virtuel

Bettina Nüsse (Potsdam): Zweite Natur, oder: Das rationale Tier Mensch
Olivia Mitscherlich (St. Gallen): Natürliche Künstlichkeit - künstliche Natürlichkeit


Mardi, 15 juillet 2008

Florent Jakob (Paris): Devenir législateur et maître: l'éthique nietzschéenne de la seconde nature
Vanessa Lemm (Santiago de Chile): The Concept of Second Nature in Nietzsche's Conception of Culture
Claudie Hamel (Berlin): La zweite Natur chez Adorno et Horkheimer ou le retour du dominé

Tim Henning (Jena): Geschichte, Natur und Narration
Felix Koch (Berlin): "Urteile Du": Von den zweiten Naturen zur zweiten Natur

Discussion intermediaire



Mercredi, 16 juillet 2008

Tilo Wesche (Basel): Zweite Natur und Vernunft
Roger Foster (New York): Second Nature: Reification or Self-Realization?
Georg Bertram (Berlin): Zweite Natur als Selbstgestaltung

Après-midi libre


Jeudi, 17 juillet 2008

David Lauer (Berlin): Wittgensteins Naturalismus der zweiten Natur
Mark Sinclair (Manchester): Félix Ravaisson and McDowell
Jörg Volbers
(Berlin): Norm und Normalität der zweiten Natur

Anne Le Goff (Paris): McDowell: l'acquisition d'une seconde nature par la Bildung
David Weberman (Budapest): Reason, Bildung, and the World


Vendredi, 18 juillet 2008

Sergio Levi (Milano): The Second Nature of Human Action
Tatjana Sheplyakova (Potsdam): Hegels Moralitätskritik und deren Wendung zur Sittlichkeit
James Ingram (Eugene/Oregon): On the Uses and Disadvantages of Culture for Politics

Discussion terminale

 

Organisation: Georg W. Bertram (Berlin), Robin Celikates (Amsterdam), David Lauer (Berlin). In cooperation with: Alessandro Bertinetto (Udine), Karen Feldman (Berkeley), Jo-Jo Koo (Dickinson), Christophe Laudou (Madrid), Claire Pagès (Paris), Diane Perpich (Clemson), Hans Bernhard Schmid (Wien), Contact: evian@philosophie.fu-berlin.de