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Gesetz vs. Gastfreundschaft?

Ausländerstudium an der Freien Universität


Anfang Juli 1997 hat das Bundesinnenministerium einen Entwurf für neue Verwaltungsvorschriften zum Ausländergesetz vorgelegt, der in den Medien sehr kontrovers diskutiert wurde. Der Versuch des Innenministeriums, mehrere Paragraphen – darunter besonders § 28 – des Ausländergesetzes durch allgemeine Verwaltungsvorschriften dahingehend zu erläutern, daß eine bundeseinheitlich gleichmäßige Ausführung gewährleistet ist sowie unbestimmte Rechtsbegriffe konkretisiert werden, rief Protest verschiedener Seiten her vor, die in diesen neuen Vorschriften massive Verschlechterungen des Aufenthaltsstatus bei Aufenthaltsbewilligungen sehen und demzufolge einen Rückgang der davon am meisten betroffenen Gruppe, nämlich der der ausländischen Studierenden befürchten. Dabei g eht es nicht ohne Polemik ab. Verfolgte man die Darstellungen, die sich mit diesem Thema befaßten, so konnte man den Eindruck gewinnen, Deutschland sei früher ein bevorzugtes Studienland für Ausländer gewesen, daß jedoch durch restriktive Handhabung des A usländergesetzes diese Attraktivität geschwunden sei und es nunmehr gelte ausländische Studierende ‘zurückzugewinnen’. So finden sich auf einmal Repräsentanten von Ausländergruppen in der Argumentation mit Vertretern des Bildungs- und Außenministeriums ver eint. Schaut man genauer hin, so merkt man jedoch sofort, daß es z.B. der Bundesregierung um die Gewinnung von Eliten, besonders aus dem ost- und südostasiatischen Raum geht und durchaus nicht nur einer allgemeinen Beförderung des Ausländerstudiums an sic h. Nun ist es legitim, verschiedene Standpunkte einzunehmen, doch fragt man sich bisweilen, ob die zur Sprache gekommenen Meinungen die Realität widerspiegeln.

Grafik1Foto: David Ausserhofer

So ist in fast allen Ausführungen und Stellungnahmen vom Attraktivitätsverlust die Rede. Stimmt dies wirklich? Deutsche Hochschulen an sich haben auf ausländische Studierende nie eine besondere Anziehungskraft ausgeübt. Es waren eher andere Bedingungen, di e eine gewisse Attraktion ausübten, so z.B. die fehlenden Studiengebühren, die Möglichkeit in gewissem Rahmen seinen Lebensunterhalt für das Studium zu verdienen sowie manche Beihilfemöglichkeiten und Stipendien. Ein nicht zu unterschätzender Faktor wa ren auch politische Entwicklungen in bestimmten Ländern, die zu einer verstärkten Studienaufnahme von Ausländern an deutschen Universitäten führten.

Uns bewegt die Frage, ob diese neuen Verwaltungsvorschriften das Ausländerstudium an der FU behindern und wenn ja, in welchem Maße? Nach der erfolgten Revision der Vorschriften kann allgemein gesagt werden, daß sich in Berlin die gegenwärtige Situation nic ht ändern wird. Im Gespräch mit dem Leiter der Ausländerbehörde, Herrn Bösch-Soleil, ist sehr deutlich geworden, daß wirkliche Abschiebungen nur sehr selten vorkommen und meistens ein Weg gefunden wird, der beide Seiten zufriedenstellen kann. Die Perspekt i ve der Betroffenen ist sehr häufig und oft sehr verständlich eine andere. Bürokratische Vorgänge in den diversen Verwaltungen, hohe Lebenshaltungskosten, das geringe Stellenangebot und die eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten machen einem ausländischen S t udierenden das Leben besonders schwer, wenn er nicht gerade ein gut gepolstertes Bankkonto mitbringt. Hinzu kommt das Erlernen der deutschen Sprache, ein zeitraubender Faktor, der auch das Fachstudium nicht leichter werden läßt. Nicht zuletzt ist das Sic h hineinfinden in eine andere Kultur eine große und schwierige Aufgabe, die nicht dem Einzelnen überlassen werden sollte. Dem versuchen wir an der FU zu begegnen durch Orientierungsveran-staltungen zu Beginn jedes Semesters, semesterbegleitenden Programmen , einem Aufenthaltsverlängerungs- und Wohnungsvermittlungsservice, Exkursionen und Freizeitaktivitäten. All dies wird im Akademischen Auslandsamt koordiniert, wo neben den festangestellten FU-Mitarbeitern auch gerade studentische Hilfskräfte großes Engagem ent für ihre ausländischen Kommilitonen zeigen. Der im Herbst 1997 gegründete Internationale Club übernimmt dabei die Aufgabe, die sozialen Kontakte untereinander zu stärken, wobei ein positiver Anfang gemacht ist. Wir setzen uns dafür ein, daß Deutsche u nd Ausländer an dieser Universität aufeinander zugehen und voneinander profitieren.

Elke Loeschhorn

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