Zur Erinnerung an den letzten Rektor der FU und Zahnmediziner Ewald Harndt ÷ Nachruf seines Schülers Professor Siegfried Wandelt

Urberliner Temperament


Ewald Harndt ist tot. Im 96sten Lebensjahr verstarb in Bad Pyrmont am 11. Oktober 1996 der letzte Rektor der Freien Universität Berlin, der letzte Direktor der Zahnklinik der FU. Ein wahrhaft Großer hat uns verlassen.


1968: Professor Ewald Harndt (rechts) erhält den Schlüssel für das Klinikum Steglitz vom Berliner Wissenschaftssenator Professor Werner Stein

Noch im April dieses Jahres feierten wir unsere Geburtstage ÷ bei gutem Essen und interessanten Gesprächen. Gespräche mit ihm waren immer voller Spannung. Ich erinnere mich beispielsweise an den Akademischen Festakt anläßlich seines 90. Geburtstags an seiner alten Wirkungsstätte, der CharitÄ. Seine Dankesworte waren gefüllt mit Erinnerungen an seine Studienzeit bis zu seinem Weggang als Kommissarischer Direktor des Zahnärztlichen Instituts der Humboldt-Universität. Politische Gründe zwangen ihn 1950 zu diesem Schritt.

1951 erhielt er einen Lehrauftrag der Freien Universität und wurde fünf Jahre später Direktor der Poliklinik und der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der FU. Zahlreiche nationale und internationale Ehrungen begleiteten seinen akademischen Lebensweg. Zudem war er ein exzellenter Lehrer, der es verstand, mit seinem Urberliner Temperament seinen Schülern praktische Zahnheilkunde zu vermitteln. Auf Kongressen stand er stets voll und ganz hinter seiner dort auftretenden Mannschaft, die er vorher zu Hause gedrillt hatte. So kamen wir bald in den Ruf der heißblütigen Berliner. Er formte die Berliner Schule, die ÷ so bleibt zu hoffen ÷ noch lange Bestand haben wird.

Doch ist es auch ihm nicht erspart geblieben als letzter Rektor dieser Universität, die Wirren und Konfusionen Ende der sechziger Jahre leibhaftig zu erleben. Doch ließ er sich auch auf dieser Position von den Tomatenwerfern nicht beirren. Selbst in diesen wilden Jahren fand er die Muße, sich seinen literarischen Neigungen zu widmen. So schenkte er seiner Heimatstadt Berlin beispielsweise das "Französisch im Berliner Jargon", eine literarische Köstlichkeit, die seine Frankophilie nicht verschweigt.

Darüber hinaus gibt das Buch einen Einblick in eine umfassende Kenntnis humanistischer Literatur.

So rundet sich das Bild eines erfüllten Lebens sowohl auf fachlichem wie auf allgemeinbildendem Niveau. Es gebührt ihm ein Platz nicht nur auf der akademisch fachlichen Ebene, sondern ein Platz in der Geschichte Berlins.


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