EX & TOP

Martin Wölffer


Sind Kunst und Sport, sind Theater und Fußball zwei paar Schuhe? Martin Wölffer schüttelt heftig den Kopf. Der Jungregisseur und stellvertretende Direktor an der "Komödie am Kurfürstendamm", beweist das Gegenteil .


Martin Wölffer gibt Theaterstücken und Fußbällen den richtigen Kick.

Gleich zweimal ÷ 1985 und 1986 ÷ wurde er mit dem Hochschulteam der FU Vizemeister. Mit mehr Charme als Können und dem Ansporn vieler weiblicher Fans sei das damals gelungen, erzählt der heute 33jährige lachend. Als Sohn des Regisseurs und Theaterleiters Jürgen Wölffer ist er zwischen der "Komödie" und dem "Theater am Kurfürstendamm" großgeworden. Die beiden Bühnen wurden Anfang der 30er Jahre von seinem Großvater ins Leben gerufen und von Martin Wölffers Vater übernommen.

Doch der jüngste Sproß wollte zunächst gar nichts mit dem Theater zu tun haben, weil es "familiär zu belastet" war. Sein Leben sollte in eine ganz andere, eigene Richtung gehen. Er schrieb sich an der FU in Literaturwissenschaft, Psychologie, Spanisch und später Theaterwissenschaft ein. Doch so ganz lassen konnte er nicht vom Theater. Neben dem Studium arbeitete er als Beleuchter, als Praktikant an der Deutschen Oper, als Regieassistent bei Zadek, Klingenberg, und bei seinem Vater und bei seinem Onkel, Christian Wölffer. Daß er deshalb immer öfter mal ein Semester aussetzen mußte, sah er gelassen: "Mit Scheinen hab ich es nicht so genau gehalten", erzählt er amüsiert.

Irgendwann hatte er dann die Nase von Studium und Theater voll. Ein einjähriger Aufenthalt in Madrid verschaffte ihm den nötigen Abstand, um herauszufinden was er wirklich wollte. Die Entscheidung fiel für's Theater und gegen das Studium. Letztendlich waren die Theatersäle doch anziehender als die Hörsäle der FU.

Mit der Gründung seines eigenen kleinen Theaters vor jetzt sechs Jahren, dem "magazin", wuchs die Freude an der Regiearbeit. Auch ohne akademischen Titel hatte er dafür genügend Erfahrungen gesammelt. "Theaterproben sind ja eine sehr menschliche Angelegenheit, bei der auch mal Tränen fließen und die Fetzen fliegen", meint der ehemalige Psychologiestudent.

Außer in Berlin hat er an Bühnen in Heilbronn, Hamburg und Essen inszeniert. Zu seinen erfolgreichsten Regiearbeiten gehören Brechts "Dreigroschenoper" und MoliĆres "Menschenfeind". Zuletzt inszenierte er an der Kudamm-Komödie "Glückliche Zeiten" von Alan Ayckborn, eine tiefsinnige Komödie mit Schauspielergrößen wie Nicole Heesters und Joachim Bliese.

Martin Wölffer ist jemand, der sich nicht gerne festlegen läßt ÷ als Mensch wie als Regisseur: "Ich möchte nicht in diese Komödienschiene gepreßt werden, wo ich sowieso immer hineingerate, weil ich nun mal so heisse, wie ich heiße."

1997 wird Wölffer die künstlerische Leitung der Komödie übernehmen. Er will dann dem Haus das verkrustete "Image des Theaters für Omas und Tanten" nehmen und anspruchsvolle Komödien bieten. Das sei nicht einfach und riskant, erläutert er, aber für ihn gibt es keine Alternative: "Wenn ich jemanden nur bedienen müßte, würde mir's keinen Spaß mehr machen."

Auf seinem persönlichen Spielplan steht der Fußball. Einmal die Woche packt er seine Kickerschuhe ein, denn der Kern der FU-Truppe trifft sich noch immer regelmäßig zum Training. Die Spielkunst auf dem Rasen und die auf den Brettern, die die Welt bedeuten ÷ sein Beruf und sein Hobby ÷ haben vieles gemein: "Immer geht es um eine Mannschaft, ein Zusammenspiel und um ein zufriedenes Publikum." Sei es von den Stadionrängen oder von den Logenplätzen des Theaters, "das Spiel wird ausgebuht, wenn es nicht spannend war".

Anne Schneider


Ihre Meinung:

vorherige [Inhalt] [nächste