Honorarprofessor Peter Zieme entschlüsselt alte Texte

"Wie Rätselraten ist das manchmal"


Eigentlich wollte der Köpenicker Fleischermeistersohn Chemiker werden. Und später auf den Erdölfeldern der Arabischen Emirate für die Petrochemie arbeiten. Doch der Arabisch-Kurs an der Volkshochschule änderte alles. Von seinem Lehrer überzeugt, begann Peter Zieme, 1960 Iranistik zu studieren. Später kam dann noch Turkologie hinzu.

Heute ist er ein weltweit anerkannter Experte alttürkischer Kulturen und Sprachen. Der ungarische Turkologe Hazai, der als Gastprofessor an der Humboldt-Uni unterrichtete, brachte den jungen Studenten dazu, sich intensiver mit Turkologie und insbesondere mit alttürkischen Texten zu beschäftigen. Hazais Augenmerk galt den Überlieferungen eines zentralasiatischen Stammes, den Uiguren. Bald schon saß sein Student Peter Zieme im Archiv der Berliner Akademie der Wissenschaften über den Glasplatten zwischen denen die Papierfragmente aufbewahrt werden.

Die Uiguren sind für die Forschung deshalb so interessant, weil sie über die Jahrhunderte hinweg Anhänger zahlreicher zum Teil ausgestorbener Weltreligionen waren. Die meisten Zeugnisse sind buddhistischen Ursprungs und von den Uiguren sehr frei überse tzt worden. Sie können nach Ziemes Meinung auch den Buddhismus-Forschern eine Fülle von Anregungen geben.

Den Leiter der "Forschungsgruppe Turfan" (nach der Oase benannt, in der die Uiguren lebten) im Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie, das der vereinigten Akademie der Wissenschaften angehört, reizt nach wie vor die Entschlüsselung der ver schiedenen Schriftsysteme dieser Texte. "Wie Rätselraten ist das manchmal", meint schmunzelnd der neue Honorarprofessor am Institut für Turkologie.

Beatrice Wurm


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