Umbenannt

Warum ausgerechnet Benjamin Franklin?


Namen sind Schall und Rauch - meinte Goethe. Doch das Beispiel des Klinikums Steglitz zeigt, wie wenig manche Namen sich in den Nebel der Vergessenheit hüllen lasssen.

Seit einem Jahr, exakt seit dem 26. Juni 1994, heißt das Klinikum im Süden Berlins nun aber Universitätsklinikum Benjamin Franklin. Beim Gebrauch dieses Namens jedoch scheiden sich die Geister quasi in eine internationale und eine nationale, genauer in eine berlinische Welt. Denn natürlich hat der japanische Neurologe oder die australische Chirurgin viel eher mindestens eine Assoziation zum Namen des großen Universalisten Franklin. Was aber soll ihnen beim Begriff Steglitz bloß einfallen? Diesen Namen speichert ihr ohnehin überlastetes Gedächtnis erst gar nicht. Eingefleischter Antipode dazu ist der Berliner. Er fragt sich vielleicht noch, was Benjamin Franklin mit Medizin zu tun hatte, spricht aber munter weiter vom - Klinikum Steglitz. Und, mal ehrli ch, auch längst nicht jeder Mitarbeiter des großen Hauses am Teltowkanal wüßte zu erklären, warum seine arbeitgebende Klinik ausgerechnet den Namen Benjamin Franklins angenommen hat.

Ästhetisch gewandete Auskunft darüber erteilt eine Broschüre, die zum ersten Jahrestag der Umbenennung erschienen ist. Sie erinnert auch an den feierlichen Rahmen der neuen Namensgebung, den Festakt zum 25jährigen Bestehen des Klinikums Steglitz. Nachz ulesen ist die vollständige Rede des amerikanischen Gesandten in Berlin, Jock Covey. Auszüge aus den Festansprachen des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen, des damaligen Ärztlichen Direktors Prof. Hans-Joachim Dulce und des FU-Präsidenten Prof. J ohann W. Gerlach ergänzen die 40seitige Dokumentation. Zwei Portraits gelten den 'Eltern des Klinikums': Namenspatron Benjamin Franklin (1706-90), Vater der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, und Eleanor Dulles (geboren am 1.6.1895), durch ihre Akti vitäten als Deutschlandreferentin am Washingtoner State Departement zur 'mother of Berlin' avanciert. Die Broschüre teilt Wissenswertes über die amerikanische Benjamin-Franklin-Stiftung mit, der eigentlichen Namensgeberin des Klinikums. Diese Stiftung bew erkstelligte, daß seitens der Amerikaner immerhin 60 Millionen Mark in den Bau des Großkrankenhauses flossen.

Und wer bei dieser Gelegenheit mehr über die Persönlichkeit Franklins wissen möchte, der sei an Ernst-Christian Demisch verwiesen, Autor der Biographie "Benjamin Franklin - Buchdrucker, Erfinder, Staatsmann", unverständlicherweise ein konkurrenzloses U nternehmen auf dem deutschen Buchmarkt. Der interesssierte Leser konnte sich bislang nur mit einer Übersetzung von Franklins "Autobiografie" aus dem Antiquariat oder der Bücherei über den Erfinder des Blitzableiters informieren. Franklin selbst bleibt som it die ersprießlichste Quelle seiner bewegten Vita. Seine Autobiographie ist als literarische Gattung eine der ersten überhaupt .Als 65jähriger brachte er 51 seiner 84 Lebensjahre zu Papier. Demisch verfolgt die abwechslungsreiche Lebensgeschichte Frankli ns, der als erster 'Botschafter' seines Landes nicht weniger als 30 Jahre auf dem alten Kontinent Europa verbrachte und vermittelt Eindrücke vom sozialen, kulturellen, religiösen und politischen Zeitgeist Amerikas im 18. Jahrhundert.

fega

Die Broschüre "Universitätsklinikum Benjamin Franklin - Zur Umbenennung des Universitätsklinikums Steglitz anläßlich seines 25jährigen Jubiläums. 26. Juni 1994" ist gegen eine Schutzgebühr von 3 Mark in der Patientenbibliothek und am Zeitungskiosk des Klinikums erhältlich.
Ernst-Christian Demisch: Benjamin Franklin - Buchdrucker. Erfinder und Staatsmann, 156 Seiten, Verlag Freies Geistesleben, 19,80 Mark.


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