Fokus Pollenallergien

Alle Jahre wieder


In hochentwickelten Industrienationen leiden zunehmend mehr Menschen an einer Pollinosis, das heißt an saisonal begrenzten Allergien gegen diverse Pollen. Während vor 30 Jahren nur 1-3 % der Bevölkerung eine Pollinosis hatten, sind dies heutzutage schon 15-20%. Die verstärkte Umweltverschmutzung ist sicher ein Grund für den Anstieg der Allergien. Andererseits führen die kontinuierlich verbesserte Diagnostik und ein gewachsenes Körperbewußtsein zu einer besseren Erfassung dieser Beschwerden.

Patienten mit Pollinosis stellen ein großes Patientenkollektiv in der allergologischen Abteilung der Universitäts-Hautklinik im Klinikum Benjamin Franklin. Die Krankheitssymptome äußern sich durch brennende, juckende Augen und/oder eine laufende Nase. Manche Patienten haben nur wenige Monate im Jahr Beschwerden, bei anderen treten die Symptome nahezu ganzjährig auf. Für Beschwerden, die vorzugsweise von Februar bis Mai auftauchen, sind die verantwortlichen Allergene unter den Frühblühern zu suchen, dazu gehören Birke, Hasel und Erle. Dagegen sind für Beschwerden von Mai bis August meist Allergene von Gräsern und Roggen verantwortlich. Bei manchen Patienten erstrecken sich die Symptome bis weit in den Oktober hinein, wobei hier Beifuß das ursächliche Allergen enthält.

Die Pollinosis ist oftmals assoziiert mit anderen Erkrankungen aus dem sogenannten atopischen Formenkreis. Dazu gehören die Neurodermitis und das Asthma bronchiale. Bei manchen Patienten beobachtet man einen Wechsel der Symptome. Im Kindesalter haben diese Patienten meist eine Neurodermitis, die sich mit Beginn der Pubertät zurückbildet. Stattdessen entwickeln sie eine Pollinosis, nicht selten in Verbindung mit Kreuzallergien zu Nahrungsmitteln. So äußern 50% der Allergiker, die auf Haselpollen mit einer Pollinosis reagieren, Juckreiz und/oder Brennen an der Mundschleimhaut bei Genuß von Haselnüssen. Und Menschen mit einer Allergie gegen Beifußpollen müssen den Verzehr von Sellerie wegen möglicher allergischer Beschwerden meiden.

Innerhalb von 5 bis 10 Jahren nach Krankheitsbeginn zeigen 20-40 % der Pollinosis-Patienten außerdem Erscheinungen von Asthma bronchiale. Die schweren Komplikationen dieser Erkrankung bedingen eine frühzeitige und effektive kausale Therapie der Pollinosis. Beim Auftreten der ersten Symptome sollte zunächst eine prophylaktisch-medikamentöse Therapie mit Antihistaminika versucht werden. Im symptomfreien Intervall, also im Herbst und Winter, kann mit einer spezifischen Immuntherapie begonnen werden, bei der das ursächliche Allergen in hochgereinigter und exakt quantifizierter Menge dem Patienten in steigender Dosierung in das Unterhautfettgewebe injiziert wird. Der Patient soll durch diese Therapie unempfindlich gegen das Allergen gemacht werden, so daß Beschwerden in der Pollenflugsaison ausbleiben. In der Regel erfolgt diese Therapie in vierwöchigen Abständen über einen Zeitraum von drei Jahren. Für an Pollinosis Leidende ist es wichtig, daß die spezifische Immuntherapie frühzeitig eingeleitet wird, um mögliche Spätfolgen der Erkrankung wie ein schweres allergisches Asthma bronchiale zu verhindern.

Beate Tebbe/ Constantin E. Orfanos

Dr. Beate Tebbe ist Oberärztin, Prof. Dr Dr. Constantin Orfanos Direktor in der Hautklinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Benjamin Franklin.


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