Naturwissenschaften

"Proteinstrukturfabrik" erhält Zuschlag



Die Leitprojektwettbewerbe des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) sollen Unternehmen und akademische Forscher zusammenführen, um marktrelevante Innovationspotentiale auf wichtigen Feldern zu entwickeln.
Aus dem Wettbewerb "Diagnose und Therapie mit den Mitteln der Molekularen Medizin" ist jetzt das an der FU koordinierte Projekt "Strukturanalyse mit hohem Durchsatz (Proteinstrukturfabrik) für medizinisch relevante Proteine" als einer der sechs Sieger hervorgegangen. Die Auswahl aus den 83 Ideenskizzen der ersten Runde und den 14 ausgearbeiteten Projekten der zweiten Runde wurde von einer unabhängigen Jury getroffen. Das BMBF will von diesem Jahr an die sechs Leitprojekte mit insgesamt rund 125 Millionen DM für fünf Jahre fördern.
Mit seinem Sieg ist es dem Verbund "Proteinstrukturfabrik" gelungen, Förderung in der Größenordnung des BioRegio-Wettbewerbs zu erhalten und die Stellung Berlins im Wettbewerb der Regionen deutlich zu verbessern.
Die "Proteinstrukturfabrik" ,deren Sprecher Udo Heinemann als Kristallograph an der FU lehrt, geht auf eine Initiative des Interdisziplinären Forschungsverbunds (IFV) Strukturbiologie an der FU zurück und wird von dort aus auch koordiniert. Getragen wird das Projekt von einem Team aus Arbeitsgruppen an den drei Berliner Universitäten, am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, dem Ressourcenzentrum des Deutschen Humangenomprojekts, dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, dem Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie, sowie vorwiegend kleinen und mittleren Biotechnologiefirmen aus dem Raum Berlin- Brandenburg.
Ziel der "Proteinstrukturfabrik" ist es, mit hohem Durchsatz Informationen über die räumliche Struktur von Eiweißmolekülen (Proteinen) zu erzeugen. Damit wird die Grundlage für die Aufklärung der Funktion der Proteine gelegt und die Möglichkeit zur gezielten Entwicklung von Medikamenten eröffnet.
Die Proteinstrukturfabrik ist ein Projekt der "genome aera", sie schließt an das Humangenomprojekt an. Dieses liefert bereits heute mit hoher Geschwindigkeit Gensequenzen. Über die Funktion der Genprodukte, der Proteine, ist aber noch relativ wenig bekannt. Die "Proteinstrukturfabrik" soll diese Lücke schließen und damit die Basis für verwertbare Produkte schaffen.
Möglich wird dies durch die einzigartige Kombination exzellenter Ressourcen in der Region. Das Humangenomprojekt stellt nicht nur die Gensequenzen zur Verfügung. Es besteht dort langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von parallelen und hochautomatisierten Verfahren, wie sie benötigt werden, um den für die "Proteinstrukturfabrik" angestrebten hohen Durchsatz zu erreichen. Der Beitrag der Arbeitsgruppen an der FU beruht vor allem auf international anerkannter Expertise auf dem Gebiet der Proteinkristallographie, dem wichtigsten Verfahren zur Ermittlung der räumlichen Struktur von Proteinen. Die dazu notwendige hochbrillante Röntgenstrahlung wird von der gerade fertiggestellten Synchrotronstrahlungsquelle BESSY II in Berlin Adlershof kommen, zu deren wichtigsten Nutzern die "Proteinstrukturfabrik" gehören wird.
Nach Ablauf der Förderung soll sich die "Proteinstrukturfabrik" als Unternehmen, mindestens aber unter Ausgründung von Teilbereichen, selbständig tragen.

Gerd Illing


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