Martha Lux-Steiner, erste Professorin am Fachbereich Physik

"Es fällt mir gar nicht mehr auf, wenn ich unter lauter Männern sitze"


In der Schule war Geschichte nicht gerade eine der Stärken von Martha Lux-Steiner. Als ihre Mutter sich deswegen einmal mit dem Geschichtslehrer unterhielt, erfuhr sie auch den Grund: Ihre Tochter, so der Lehrer, könne nicht logisch denken. Heute, rund 25 Jahre später, ist Martha Lux-Steiner eine der ganz wenigen C4-Professorinnen für Physik in Deutschland. Mit ihrem Ruf, der am 1. August 1995 gleichzeitig an die FU und das In einer Hinsicht machen es sich nach ihrer Beobachtung Frauen bei der wissenschaftlichen Arbeit leichter als Männer: Wenn sie etwas nicht verstehen, geben sie es eher zu - und bekommen dadurch schneller eine Erklärung. Jedenfalls hatte sie während des Studiums keine zusätzlichen oder größeren Hürden zu überwinden als Männer. "Wenn man sich erst einmal für Physik entschieden hat, dann hat man eigentlich gute Chancen", beurteilt Lux-Steiner die Situati on für Studentinnen. Nach ihrer eigenen Erfahrung steht die Hürde eher vor dem Studium - etwa im Elternhaus oder in den unteren Schulklassen: "Wenn ein Mädchen in Physik schlecht ist, dann heißt es oft: Du brauchst das nicht, du bist ein Mädchen. - Das motiviert nicht sehr."

Auch ihre Eltern waren von dem Wunsch ihrer Tochter, Physik zu studieren, überrascht. Sie plädierten zunächst für den Lehrerberuf. "Mein Mathematiklehrer", sagt Lux-Steiner, "hat sich dafür eingesetzt, daß ich Physik mac hen soll" - erfolgreich: Nach viereinhalb Jahren Studium an der Eidgenössisch-Technischen-Hochschule (ETH) Zürich machte die gebürtige Schweizerin 1975 dort am Institut für Biomedizinische Technik ihr Physikdiplom, 1980 promovierte si e dann am Institut für Toxikologie. Die Promotionsarbeit selbst machte sie im Philips-Forschungslabor im niederländischen Eindhoven. Anschließend zog es sie wieder mehr in Richtung Schweiz.

An der Universität Konstanz bekam sie zunächst eine Halbtagsstelle an der Fakultät für Physik, aber bereits ein halbes Jahr später konnte sie wegen einer vakant werdenden Ganztagsstelle die damals Drei-Personen starke Arbeitsgr uppe selbst übernehmen. Rückblickend sagt sie über ihren beruflichen Werdegang: "Es war wie ein Trichter, in den von unten Wasser einströmt. Ich bin immer hochgeschwommen, und je höher ich kam, desto mehr Möglichkeiten boten sich. Professorin zu werden, war eigentlich kein unbedingtes Ziel." Als ihr 1985 an der Universität Konstanz eine Habilitationsstelle angeboten wurde, griff sie zu, erhielt 1991 die "venia legendi" in Experimentalphysik und ebnete sich so den Weg an die FU. Hier ist sie mittlerweile dabei, ihre Arbeitsgruppe aufzubauen und sucht verstärkt auch Mitarbeiterinnen. Denn ohne extreme Positionen vertreten zu wollen, sagt sie: "Wo ich etwas für Frauen tun kann, mache ich das."

Gabriele André


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