Der Indologe Chandrabhal Tripathi ist tot

Lehrer und Forscher


Am 4.März starb mit 66 Jahren der Indologe Chandrabhal B. Tripathi.
Der Sohn eines Rechtsanwalts lernte bereits mit vier Jahren bei seinem Vater Sanskrit. Nach Universitätsstudium und anschließender Lehrtätigkeit in seinem Heimatland ging Tripathi 1954 nach Göttingen und promovierte hier. 1966 kehrte er zurück nach Indien, kam aber bereits ein Jahr später wieder nach Deutschland diesmal nach Berlin, an die Freie Universität.
Hier habilitierte Tripathi sich 1971 mit einem umfangreichen Katalog der Straßburger Jaina-Handschriften, einer Schriftensammlung, die der Indologe Ernst Leumann gegen Ende des 19. Jahrhunderts angelegt hatte. Hinfort galt Tripathis Interesse sowohl der buddhistischen als auch der jainistischen Literatur, wobei er sich vornehmlich mit Textausgaben und Handschriftenkatalogen befaßte. Alle Arbeiten verraten den Scharfsinn des Autors und gehen trotz der offenkundigen Spezialisierung oft über den engen Bereich reiner Katalogisierungs- und Editionstechnik hinaus.
Tripathi verschrieb sich dennoch nicht dem vielzitierten Elfenbeinturm der Wissenschaft. Er war ein ausgezeichneter Lehrer und darüber hinaus ein Mensch, der die Öffentlichkeit nicht scheute. Überall kam ihm sein umfangreiches Wissen im Bereich des alten wie des neuen Indien zustatten, ein Wissen, das er sehr gerne an Schüler, Kollegen und andere Interessierte weitergab.

Klaus Bruhn

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