Der Index
kultureller
Ähnlichkeit



Prof. Dr. Jochen Roose






Prof. Dr. Jochen Roose
Institut für Soziologie
Freie Universität Berlin
Garystraße 55
14195 Berlin

 
 
 
 
 
Design von
David Glowsky
 

Konstruktion des
Index kultureller Ähnlichkeit

Der Index kultureller Ähnlichkeit ist ein Maß zur Bestimmung kultureller Ähnlichkeit von Personengruppen im Paarvergleich. Er wurde mit Blick auf die Transnationalisierungsforschung und die dort angestrebte Erklärung der Intensität transnationaler Verbindungen entwickelt. Kulturelle Ähnlichkeit wird in der Literatur vielfach als Einflussfaktor zur Erklärung intensiver und weniger intensiver transnationaler Verbindungen angeführt. Der Index kultureller Ähnlichkeit macht eine empirische Bestimmung der kulturellen Ähnlichkeit und damit die Berücksichtigung dieses Aspekts in der empirischen Makroforschung möglich.

Für die Indexbildung wird unter Kultur „die zeitlich relativ stabilen Deutungsmuster und Werte, die von einer Gruppe von Menschen gemeinsam geteilt und zur Interpretation von ‚Welt’ benutzt werden“ (Gerhards 2000: 98). Es geht um die geteilte Interpretation der Welt, ihre sinnhafte Deutung (Deutungsmuster) und das Verständnis von Wünschbarem (Werte). Die Indexbildung konzentriert sich auf den normativen Aspekt von Kultur, also die Werte.

Für die Indexbildung wird auf die Fragen zurückgegriffen, mit denen im European Social Survey die Wertedimensionen von Shalom Schwartz implementiert wurden. (Das Konzept wird zum Beispiel bei Mohler und Wohn 2005 vorgestellt und diskutiert.)

Die Indexkonstruktion erfolgt mittels einer Diskriminanzanalyse der Bevölkerungen zweier Länder im Paarvergleich. Die Diskriminanzanalyse ist ein Verfahren, um zu bestimmen, worin und wie stark sich zwei vorher festgelegte Gruppen unterscheiden. Ziel des Verfahrens ist es, ausgehend von einem Satz von Variablen (hier die Wertefragen) für die Fälle vorherzusagen, in welche Gruppe (hier die verglichenen Länder) sie gehören. Diese Vorhersage wird aufgrund der vorliegenden Daten geschätzt (Huberty 1994, Klecka 1993). Wie erfolgreich eine solche Zuordnung möglich ist, gibt das globale Diskriminanzmaß, das Wilks’ Lambda, an. Das Wilks‘ Lambda für eine Diskriminanzanalyse der Bevölkerungen eines Länderpaarvergleichs über die Wertefragen des European Social Survey ist der jeweilige Indexwert.

Der Index erweist sich als intertemporal ausgesprochen stabil. Die Korrelationen der Indexwerte aus den vier Wellen des European Social Survey sind folgende:

Welle 1Welle 2Welle 3Welle 4
Welle 11
N=187
0,868
N=168
0,902
N=134
0,765
N=116
Welle 20,868
N=168
1
N=325
0,931
N=190
0,837
N=133
Welle 30,902
N=134
0,931
N=190
1
N=253
0,933
N=187
Welle 40,765
N=116
0,837
N=133
0,933
N=187
1
N=207
 

Die Indexentwicklung sowie einige empirische Untersuchungen zum Index sind im Einzelnen in dem Papier "Der Index kultureller Ähnlichkeit. Konstruktion und Diskussion" dargestellt, das als Nummer 21 der Reihe Berliner Studien zur Soziologie Europas erschienen ist.

 
 
Zitierte Literatur