Medizinstudium im Ausland

Willkommen in Japan


Bereits im vierten Jahr führt das Universitätsklinikum Benjamin Franklin ein Austauschprogramm mit der Saitama Medical School in Japan durch. Gemeinsam mit Teilnehmern aus Europa und Nordamerika erleben Berliner Studenten den Alltag in einem japanischen Universitätskrankenhaus, eine fürsorgliche Betreuung im Rahmenprogramm und sich selbst als Repräsentanten der Freien Universität.

Den Wartenden vor dem Einreiseschalter für Ausländer im Narita Airport bei Tokio soll ein riesiges Schild ins Auge fallen. Auf dem steht in Englisch: "Willkommen in Japan. Bitte respektieren Sie die Sitten und Gebräuche unseres Landes". Bedenkt man die Diskretion und höfliche Zurückhaltung, die den Japanern nachgesagt wird, so muß man das wohl als eine sehr ernstgemeinte Aufforderung verstehen.

Zwölf Stunden später wird energisch an der Tür meines Hotelzimmers geklopft. Es ist exakt 7.00 a.m. und vor dem Hotel brummt ein Kleinbus, der uns zu einem Wochenendausflug am Mount Fuji bringen soll. Die studentischen Gäste aus Liverpool, Linköping und Berlin sind natürlich zu spät und haben damit den straffen Zeitplan der japanischen Organisatoren völlig ruiniert. Die lassen sich jedoch nichts anmerken und singen aus fröhlicher Kehle "Good molning", als wir endlich im Flur stehen. Ich versuche mir im Gegenzug auch nicht anmerken zu lassen, daß ich dank der Zeitverschiebung letzte Nacht keinen Schlaf gefunden habe.

Die vier Wochen des Austauschprogramms zwischen der Saitama Medical School und dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin beinhalten einen praktischen Einsatz in der Klinik (keine Famulatur) sowie Geselligkeit und Ausflüge. Alles ist perfekt organisiert - von lieben Menschen. Wer hier keine schöne und interessante Zeit hat, dem ist nicht zu helfen. Auf einem anderen Blatt steht der offizielle Charakter, dem die Japaner sehr großen Wert beimessen. Die ausländischen Studenten werden als Abgesandte ihres Heimatlandes und ihrer Universität betrachtet. Demgegenüber tragen die Gastgeber viel Toleranz und Respekt zur Schau.

Durch Vergleichen und Verstehen lernen alle Beteiligten, die eigenen Sichtweisen zu relativieren. Besonderen Spaß macht die Betreuung der japanischen Gaststudenten in Berlin, die man außerhalb ihrer Heimat häufig von einer anderen Seite erleben kann.

Cees Nooteboom schreibt in Östliche Reisen: "Es ist das tiefe beunruhigende Gefühl, auf Wasser zu gehen: Wasser, stark genug, um mich zu tragen, und undurchsichtig genug, um mir einen Blick darauf zu verwehren, was sich unter seiner Oberfläche befindet". Wenn versehentlich westlicher Individualismus japanische Organisationswut durchkreuzt, kann man eine Ahnung davon bekommen, was gemeint ist.

Dietmar Krähmer

Der nächste Bewerbungsschluß für die Saitama Medical School steht noch nicht genau fest, bitte auf Aushänge achten. Informationen bei Gabriele Dittmann unter 8445 -2040.


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