Besinnung - gerade jetzt zur Weihnachtszeit ein Wort mit erheblichen Abnutzungserscheinungen. Trotz allem lohnt es sich, ab und zu mal seine Sinne zu schärfen und in die eine oder andere Richtung zu lenken. Heute also in Richtung "Internet und Zukunft".

Während für mich das Internet schon seit ca. 2 Jahren zum Alltag dazu gehört, erstaunt es mich immer wieder, wie exotisch es auf meinen nicht-studentischen Freundeskreis bzw. meine Familie wirkt. Nicht, dass ich permanent nur am Netz hänge, chatte oder shoppe oder ohne Netz nicht mehr leben könnte. Aber allein die Tatsache, relativ flott Zusatzinfos für irgendwelche Referate oder Hausarbeiten zu bekommen oder mal schnell in die Zweite Hand zu schauen, hat sich bisher nur als Vorteil herausgestellt. Dass viele Leute meiner persönlichen Umgebung noch nicht einmal Kontakt zum Internet hatten und dies bis jetzt auch eher ablehnen, erstaunt mich, ich kann es aber auch verstehen. Berührungsängste und Verweigerung sind eben noch erheblich. Dabei wird das Internet und dessen Nutzung in wenigen Jahren allgemeine Normalität sein, der sich niemand mehr verschliessen kann.

Wie nutze ich persönlich in der Zukunft das Internet?

Einkäufe aller Art ...... ich checke die Homepages meiner Lieblingslebensmittelanbieter auf aktuelle Angebote und bestelle online;
                                  nur manchmal gehe ich persönlich hin, um unter Leute zu kommen und um in den Genuss des Fühlens und
                                  Riechens der Artikel zu kommen
                            ..... durch das Vorhandensein meines 3D-Bodyprofils im Computer muss ich nicht durch die
                                  Klamottengeschäfte jagen, sondern lasse mir bei diversen Internet-Boutiquen verschiedene Modelle
                                  massgenau anfertigen - da dies mittlerweile Standard ist natürlich ohne Aufpreis

Kindergarten + Schul-Cam ..... ich kann immer wenn ich will schauen, was meine Kinder gerade machen.
                                          ..... die Kinder haben sich daran gewöhnt, sie sind ja so aufgewachsen und es stört sie nicht

Arbeitsplatz zu Hause ...... nur noch einmal die Woche trifft sich das Team unter physischer Anwesenheit, damit man die
                                         interpersonellen Kontakte vis-a-vis nicht gänzlich verlernt; sonst jeden Morgen Bildschirmkonferenz
                                         mit Absprache der Tagespläne.

Termin beim Arzt ........ zwar muss ich einen Termin vereinbaren, muss aber wegen kleinerer Probleme nicht mal den Fuss aus
                                    der Tür setzen: der Doktor meines Vertrauenes hält auch Internetsprechstunden ab und bespricht mit mir
                                    meine Gebrechen
                              ..... Die eventuell notwendigen Medikamente ordert der Arzt gleich unter Angabe seiner Zulassungskennung
                                    bei einer virtuellen Apotheke, von wo sie direkt an mich per Bote verschickt werden.

Was wird sich sonst noch durch die allgemeine Durchsetzung des Internets im Alltag verändert haben?

* Überfülle an teilweise ungeordneten Informationen wird noch zunehmen

* Es gibt eine neue Beschäftigungsform - den persönlichen Informationsmanager, ein typischer Schüler-/Studentenjob
   ...Er/sie checkt und managt sämtliche e-mail nicht rein privaten Charakters, surft für den 'Arbeitgeber' im Netz und wühlt sich
     durch den Datenwust, kümmert sich um die Einkäufe und alle anderen anfallenden Tätigkeiten, die mit dem Internet zu tun
     haben

* Werbung als Information getarnt wird sich überall einschleichen und bei der Suche nach Konkretem zu Zeitverzögerungen
   führen

* Egal ob Privatmensch oder Business - wer keine eigene Homepage hat ist eigentlich auch "nicht existent"  --> Verweigerung
  des Netzes bedeutet Ausschluss von Kommunikationskanälen und Informationsflüssen

* Zwischenmenschliche Kontakte/Kennenlernen via Netz = Heiratsmarkt per Onlinekatalog, da drin stehen alle persönlichen
   Profile + Fotos, man nimmt daraufhin Kontakt auf

* Neue Krankheitsbilder haben sich durchgesetzt: Jeder zweite leidet unter Augen- und Rückenproblemen, zurückzuführen
   natürlich auf das ständige Sitzen und Auf-den-Bildschirm-Starren. Die latente Bewegungsarmut führt zu Verfettung.

* Kameras überall - allgemeine Überwachung (auf Strassen, Plätzen, Hausfluren), zwar als Schutz gedacht, hat aber viel von "Big
   Brother is watching you"

* Internet, TV und Radio verschmelzen, rapide steigende Informationsfülle und Übersättigung            

Diese letzten stichpunktartigen Gedanken verdeutlichen die von mir erwarteten negativen Aspekte der Entwicklung des Internets. Generell muss ich sagen, habe ich doch eher gemischte Gefühle was die Durchsetzung des Internets in allen Lebensbereichen angeht. Es ist nicht abzuschätzen, welche konkreten Auswirkungen diese radikalen Änderungen der Kommunikationsformen haben wird. Wird sich jeder den Zugang zum Internet leisten können? Was passiert mit denen, die sich zu alt für diese Technik fühlen oder damit einfach nicht klar kommen? Bleiben sie auf der Strecke?