{"id":9685,"date":"2018-10-01T10:09:03","date_gmt":"2018-10-01T08:09:03","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=9685"},"modified":"2022-05-25T13:33:14","modified_gmt":"2022-05-25T11:33:14","slug":"keine-wohnung-fuer-niemanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=9685","title":{"rendered":"Keine Wohnung f\u00fcr niemanden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Charlottenburg ist keiner der Bezirke, die in der Debatte um Berliner Wohnungsnot immer wieder auftauchen. Doch die Probleme der Hauptstadt spiegeln sich auch in diesem Bezirk wieder \u2013 und mobilisieren die Charlottenburger:innen.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Antonia B\u00f6ker &amp; Dominik Hokamp<\/em><\/p>\n<p>Lea und Leo suchen eine Wohnung. Die beiden studieren, mittlerweile im sechsten Semester, an der Technischen Universit\u00e4t in Berlin. So langsam, denken die zwei, w\u00e4re es an der Zeit, von zu Hause auszuziehen. Bisher wohnen sie bei ihren Eltern in Spandau. Lieber w\u00fcrden sie n\u00e4her an der Uni wohnen. Vor allem aber: so langsam mal allein, ohne Eltern. Auf eigenen Beinen stehen. Etliche Wohnungsbesichtigungen haben die beiden deshalb schon hinter sich \u2013 eine Wohnung aber noch nicht. Ihr gew\u00fcnschter Bezirk, Charlottenburg-Wilmersdorf, liegt zwar nah am Campus, geh\u00f6rt aber auch schon immer zu den teuersten Pflastern der Hauptstadt. Die Gegend um den Kurf\u00fcrstendamm ist von hochpreisigen Boutiquen und Restaurants gepr\u00e4gt, die Kantstra\u00dfe geh\u00f6rt zu den teuersten Stra\u00dfen Berlins. Hier fallen mehr als 11,60\u20ac pro Quadratmeter an. Zum Teil stiegen die Mieten in den letzten 5 Jahren um bis zu 60%. Das ist jedoch&nbsp;noch nichts im Vergleich zu anderen Vierteln. Dabei haben Leo und Lea noch Gl\u00fcck. Bis sie eine Wohnung haben, k\u00f6nnen sie erstmal zu Hause bleiben. \u201cWenn man dringend eine Wohnung sucht, sieht es hier ziemlich ausweglos aus\u201d, resignieren die beiden.<\/p>\n<h3>Mieten schnellen nach oben<\/h3>\n<p>Berlin und seine Wohnungsnot \u2013 das ist kein neues Thema. \u00dcber kaum etwas wird in Berlin so heftig diskutiert wie die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt. Wohnungen gibt es zu wenige. Die, die da sind, werden immer teurer. Im bundesweiten Vergleich geh\u00f6rt die Hauptstadt zwar immer noch zu den g\u00fcnstigeren Flecken der Republik, doch die Preise entwickeln sich rasant &#8211; und zwar stetig nach oben. Seit 2004 um mehr als 120 Prozent, allein im letzten Jahr um zwanzig aufw\u00e4rts. Damit ist Berlin laut Guardian die Stadt, in der die Mietpreise wie nirgends auf dem Globus in die H\u00f6he schnellen. Eine Entwicklung, die sich vor allem in den angesagten Bezirken im ehemaligen Ostteil der Stadt und der historischen Mitte niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Lange galt Charlottenburg-Wilmersdorf als eine Art Gegenst\u00fcck zu den Problembezirken. Im Bezirk &#8211; mittlerweile nur noch das zweitwichtigste Zentrum der Metropole, wesentlich gepr\u00e4gt vom Kurf\u00fcrstendamm, der Ged\u00e4chtniskirche, dem Zoo und dem danach benannten Fernbahnhof &#8211; dominieren gutb\u00fcrgerliche Altbauten aus der Kaiserzeit, in den Randgebieten lassen sich gr\u00fcne Ein- und Zweifamilienh\u00e4user finden. Freie Fl\u00e4chen und gro\u00dfe Wohnbauprojekte sind kaum vorhanden. Auch die Mietpreisentwicklung der letzten Jahre scheint eher durchschnittlich: mitunter sprach man vor einigen Jahren sogar von einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung. Nun ist der Beisatz \u201ef\u00fcr Berlin durchschnittlich\u201c weit davon entfernt, ein G\u00fctesiegel f\u00fcr die Mietpreisentwicklung zu sein. Vor allem aber lassen die Durchschnitte einiges au\u00dfer Acht. In einigen Gebieten des Bezirks war zeitweise keine Steigerung zu verzeichnen, da die Mieten ohnehin zu den teuersten der Hauptstadt z\u00e4hlten. Vielerorts war der H\u00f6chstpreis aber&nbsp;schlicht erreicht \u2013 Erh\u00f6hungen h\u00e4tten die Kaufkraft der Bewohner:innen \u00fcberstiegen. Au\u00dferdem: Charlottenburg ist nicht gleich Charlottenburg. Die Wohnpreise und ihre Entwicklung schwanken stark zwischen einzelnen Ortsteilen. Auch die bisher g\u00fcnstigeren Mieten schnellen in die H\u00f6he. Im Ergebnis f\u00fcrchtet man, was auch in anderen Bezirken droht: Einen homogenen Bezirk, in dem sich nur noch Bestverdiener:innen eine Wohnung leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_10047\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10047\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10047 size-large\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=1024%2C686\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"686\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=200%2C134&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=400%2C268&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=600%2C402&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=800%2C536&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=1024%2C686&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?resize=1200%2C803&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/8226141669_a14acd49ca_k.jpg?fit=2048%2C1371&amp;ssl=1 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-10047\" class=\"wp-caption-text\">So kennen die meisten Charlottenburg. &#8218;<a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/oh-berlin\/8226141669\/in\/album-72157632119680979\/\">Near Savignyplatz<\/a>&#8218; von Oh-Berlin.com \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/\">CC BY 2.0<\/a><\/p><\/div>\n<h3>Fingerzeigen in der Politik<\/h3>\n<p>Die Berliner Wohnungspolitik ist ein hartes Pflaster. Zuletzt stand Bausenatorin Katrin Lompscher immer wieder in der Kritik. Nicht erst seit der Konstitution der rot-rot-gr\u00fcnen Landesregierung ist der Wohnungsbau ein Dauerthema. Auf der letzten Senatsklausur im Juli konnte sie dazu kaum zufriedenstellende Zahlen pr\u00e4sentieren. \u201eDie Bausenatorin, die nicht baut\u201d, titelte der Tagesspiegel. Tats\u00e4chlich hat die Koalition beschlossen, bis 2021 30.000 neue st\u00e4dtische Wohnungen zu bauen. Davon scheint sie weit entfernt. Neben schleppend verlaufenden politischen Entscheidungsprozessen tragen vor allem Spekulant:innen einen Teil zur aktuellen Wohnungssituation bei: F\u00fcr Zehntausende Wohnungen sind bereits Genehmigungen erteilt, doch der Wert dieser Grundst\u00fccke steigt stetig und in der Hoffnung auf einen satten Gewinn warten die Investor:innen. Katrin Schmidberger von den Gr\u00fcnen \u201esch\u00e4tzt den Anteil solcher spekulativ verz\u00f6gerter Bauvorhaben auf 20 bis 25 Prozent.&#8220;<br \/>\nAus den Reihen der Koalitionspartner hat die Senatorin viel Gegenwind bekommen, es h\u00e4ufen sich die Entlassungsforderungen. Lompscher selbst zeigte sich im Tagesspiegel noch vor einigen Monaten zuversichtlich. Sie glaubte, alles in ihrer Macht stehende zu tun. Ver\u00e4nderungen der Lage k\u00f6nne man nicht von heute auf morgen erwarten. Dabei verwies sie damals auf ihre Vorg\u00e4nger:innen. Berlin habe 2005 begonnen sich zu ver\u00e4ndern, reagiert habe man darauf erst 2012. Nun sei es schwer, schnell Ergebnisse zu erzielen. \u00c4hnlich sieht das die Berliner Mietgemeinschaft \u2013 sie sehen vor allem den rot-roten Senat unter Wowereit in der Verantwortung. Dort habe man auf eine steigende Nachfrage lange nicht reagiert, und die Wohnungsnot so erst ins Rollen gebracht. Fest steht: nicht erst seit Lompscher wird eine unzureichende Wohnungspolitik bem\u00e4ngelt. Und Debatten gibt es auch dar\u00fcber, wo Wohnungspolitik wirklich gemacht werden kann. Die Bausenatorin zeigt in dieser Hinsicht, wie viele, auf den Bund &#8211; die Bezirke meist auf den Senat.<\/p>\n<h3>Der Bezirk in der Verantwortung?<\/h3>\n<p>\u201eM\u00f6glichkeiten hat der Bezirk selbst durchaus\u201d, betont Corinna H\u00f6lzl-Verwiebe, die am geographischen Institut der Humboldt-Universit\u00e4t zu Raumplanung forscht. Ein Beispiel k\u00f6nne man sich am Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nehmen. Ma\u00dfnahmen wie das Vorkaufsrecht m\u00fcssten aber h\u00e4ufiger in Anspruch genommen werden. Zum Teil geschieht das in Charlottenburg durchaus. Zwei Milieuschutzgebiete gibt es bereits. Die \u201eEntscheidungen zum Milieuschutz\u201c, so Stadtentwicklungsstadtrat Oliver Schruoffeneger, \u201ezeigen Wirkung.\u201c Mit dem Milieuschutz habe man ein Instrument in der Hand, um zumindest eine Verdr\u00e4ngung bisheriger Mieter einzud\u00e4mmen. Erst k\u00fcrzlich hatte die B\u00fcrgerinitiative Fasanenplatz sich um die Schaffung eines dritten Milieuschutzgebietes bem\u00fcht. Nachdem die beteiligten B\u00fcrger*innen gen\u00fcgend Unterschriften gesammelt hatten, wurden diese am 9. Juli der Bezirksverordnetenversammlung \u00fcbergeben, wie die Berliner Woche berichtete. Aber nicht alle sind von dem Instrument \u00fcberzeugt. Nur selten halte der Milieuschutz, was er verspricht, findet die Berliner Mietergemeinschaft. Umfassende L\u00f6sungen sind durch ihn nicht zu erwarten. V\u00f6llig eigenst\u00e4ndig handlungsf\u00e4hig ist der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zudem auch mit diesen Instrumenten nicht. F\u00fcr die Finanzierung zust\u00e4ndiger Stellen im Bezirk ist man auf den Senat angewiesen, in der Vergangenheit hat es damit bereits Probleme gegeben. \u00dcber die Effektivit\u00e4t der Bezirksinstrumente sagt Michael Nelken von der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus: \u201eDie Ergebnisse sind bestenfalls eine D\u00e4mpfung des Preisauftriebs\u201c. Auf Bezirksebene fehlen die M\u00f6glichkeiten der Intervention, den Entscheidungen h\u00f6herer Instanzen sind sie aber ausgeliefert. Positive Effekte bleiben bisher dabei eher aus. Die 2015 von der Bundesregierung beschlossene Mietpreisbremse beispielsweise konnte die Probleme bislang nicht in den Griff bekommen. Der Berliner Mieterverein konstatierte Anfang des Jahres, dass sie \u201eihre Wirkung verfehle\u201c. Nelken schl\u00e4gt in dieselbe Kerbe, kritisiert sie als \u201eungeeignet\u201c und \u201eschlecht konstruiert\u201c.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung machen Wohnungssuchende im Bezirk immer wieder \u2013 so auch Lea und Leo. Die orts\u00fcbliche Vergleichsmiete betr\u00e4gt in Charlottenburg-Wilmersdorf etwa 8-9 Euro pro Quadratmeter &#8211; eingehalten wird das von den wenigsten Vermieter:innen, berichten sie. Dazu k\u00e4men fragw\u00fcrdige Vertragskonstellationen, Wohnungsbesichtigungen mit f\u00fcnfzig Parteien und undurchsichtige Vergabeverfahren. Das macht die Suche frustrierend und erm\u00fcdend. \u201cWir suchen jetzt seit fast einem halben Jahr und sind keinen Schritt weiter.\u201d Dabei g\u00e4be es doch Unterst\u00fctzung von zuhause und liquide B\u00fcrgen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9995\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9995\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9995 size-large\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=1024%2C685\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"685\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=200%2C134&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=400%2C268&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=600%2C402&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=800%2C536&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=1024%2C685&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?resize=1200%2C803&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/34759721052_88f17c8a6a_o.jpg?fit=3872%2C2592&amp;ssl=1 3872w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-9995\" class=\"wp-caption-text\">Wohnen wird immer teurer in Berlin. &#8222;Miete macht Angst&#8220;, findet deshalb nicht nur dieser Berliner bei einer Mietendemonstration im Mai 2017.&nbsp;<a style=\"font-size: 16px;\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/145090758@N02\/34759721052\/\">Foto<\/a><span style=\"font-size: 16px;\"> von some human \/ <\/span><a style=\"font-size: 16px;\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc\/2.0\/\">CC BY-NC 2.0<\/a><\/p><\/div>\n<h3>Die Stadt als Ware<\/h3>\n<p>\u201eDie exorbitanten Mietpreissteigerung im Bezirk Charlottenburg, wie in vielen anderen Teilen der Stadt und in vielen kapitalistischen Metropolen, sind Ausdruck der Bewegung auf dem kapitalistischen Immobilien- und Bodenmarkt sowie dem Zufluss von kaufkr\u00e4ftiger Nachfrage und Anlagekapital\u201c, so Nelken. Daran k\u00f6nnten weder Land noch Bezirk nachhaltig etwas \u00e4ndern. Auch die Mietergemeinschaft spricht auf ihrer Website von einem \u201evoranschreitenden Terror des Marktes.\u201d Dr. H\u00f6lzl-Verwiebe teilt diese Ansicht grunds\u00e4tzlich. Die Wissenschaftlerin hat vor allem zu Protestbewegungen geforscht, die sich als Reaktion auf prek\u00e4re Wohnungssituationen formieren. Zu B\u00fcrger:innen, die sich gegen eine \u201eKommodifizierung des St\u00e4dtischen\u201c auflehnen. Kommodifizierungsprozesse seien global zu beobachten \u2013 auch hier in Berlin. Die Stadt werde zur Ware und Wohnungen dienten vermehrt nicht mehr zur Deckung des Grundbedarfs, sondern w\u00fcrden zu Kapitalanlagen. Darauf habe die Politik bisher nicht gen\u00fcgend reagiert. Dass das Folgen hat, hat sich in Berlin in den letzten Monaten gezeigt.<\/p>\n<p>Obwohl die Problematik Einzug in allt\u00e4gliche Gespr\u00e4che erhalten hatte, trug sich der Unmut lange nicht in den \u00f6ffentlichen Raum. Doch auch das scheint sich nun zu \u00e4ndern: Mitte April zogen Zehntausende durch das Berliner Regierungsviertel, um gegen steigende Mieten zu protestieren. An der Spitze des Demonstrationszugs thronte ein mintgr\u00fcnes Banner &#8211; \u201cGegen Verdr\u00e4ngung und den Mietenwahnsinn.\u201d An Pfingsten besetzten Aktivist:innen neun Geb\u00e4ude in der ganzen Stadt, riefen ihren pers\u00f6nlichen \u201eKarneval der Besetzungen\u201c aus und mussten abends zusehen, wie die Polizei die H\u00e4user wieder r\u00e4umte. Die Aktion hatte man damals als \u201ePolitik von unten\u201c verkauft. Auf verschiedensten Kan\u00e4len der Kampagne #besetzen war sp\u00e4ter der Slogan zu lesen: \u201eDer Senat redet von Wohnungspolitik, wir machen sie!\u201c&nbsp;Die Aktivist:innen sehen in den Besetzung ein politisches Instrument \u2013 und fordern ein Ende der Berliner Linie. Besetzen sollte legal sein, finden sie. In einer Stadt, in der es an zehntausenden Wohnungen fehlt, sollte es legitim sein, Leerst\u00e4nde eigenst\u00e4ndig zu beenden. Zuspruch erhielten sie daf\u00fcr nach dem Pfingstwochenende von einigen Linken- und Gr\u00fcnenpolitiker:innen. Dies l\u00f6ste heftige Debatten entlang der Rot-rot-gr\u00fcnen Landesregierung aus, die SPD widersprach der Ansicht vehement.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine realpolitische Ma\u00dfnahme h\u00e4lt Dr. H\u00f6lzl-Verwiebe die Besetzungen nicht. F\u00fcr typisch, sogar programmatisch, allerdings schon. Dass eine sich stetig verschlimmernde Wohnungssituation Menschen mobilisiere, sei nat\u00fcrlich. Besetzer:innen gingen dann nach der Logik \u201eist der Staat und, oder die Stadt nicht in der Lage, den Zugang zu Wohnen zu erm\u00f6glichen, muss ich mir meine Wohnung selbst besorgen\u201c, vor. Die Besetzungen rund um Pfingsten sind quasi symptomatisch f\u00fcr die Wohnungsproblematik. Eine wirkliche L\u00f6sung sind die Hausbesetzungen nicht. Das k\u00f6nnen sie nur sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Nach der Berliner Linie werden in der Hauptstadt alle Besetzungen binnen 24 Stunden ger\u00e4umt. Die Forscherin ordnet die Besetzungen in Berlin deshalb eher als Protest ein. Das bedeutet aber nicht, dass Besetzungen bestenfalls symbolisch funktionieren. Sie w\u00fcrden Aufmerksamkeit f\u00fcr Missst\u00e4nde schaffen, so Linkenpolitiker Nelken, und mitunter die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr alternative Strategien sensibilisieren.<\/p>\n<h3>\u201eEs hat sich viel Wut angestaut\u201d<\/h3>\n<p>Das ist im Interesse der Mieter:innen, findet Reiner Wild, Vorsitzender des Berliner Mietervereins. Grunds\u00e4tzlich verstehe er die Besetzer:innen und begr\u00fc\u00dfe es, dass sie Aufmerksamkeit schaffen, erkl\u00e4rte er in einem Interview mit der Morgenpost: \u201eDa hat sich viel Wut angestaut.\u201c Und damit ist er tats\u00e4chlich nicht allein. Einer Forsa-Umfrage zur Folge unterst\u00fctzen 53% der Berliner:innen Hausbesetzungen als Mittel, um gegen die Wohnungssituation zu protestieren.<\/p>\n<p>Frustriert ist auch Jannes, der seit einigen Jahren in Charlottenburg lebt. Der Lehramtsstudent ist selbst politisch aktiv, hat selbst erlebt, wie es zunehmend schwerer wird, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Freunde von ihm haben mit Mietpreiserh\u00f6hungen nach Sanierungen zu k\u00e4mpfen, andere finden \u00fcberhaupt keine Wohnung. Ob er Protestbesetzen unterst\u00fctze? \u201eJa\u201c, sagt er. Ihm geht es dabei gar nicht um das Besetzen an sich. Nach den Besetzungen an Pfingsten ist ihm aber aufgefallen, wie viel mehr \u00fcber die Wohnungspolitik diskutiert wurde. Man habe sich dem Thema ja kaum entziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass die Unmut \u00fcber eine unzureichende Wohnungspolitik Sympathien f\u00fcr Besetzer:innen weckt, findet Dr. H\u00f6lzl-Verwiebe durchaus naheliegend. Nat\u00fcrlich werde nicht jeder zur Besetzer:in, auch nicht zur Unterst\u00fctzer:in, weil er unzufrieden ist. Besetzungen sind in Deutschland immerhin illegal. In den K\u00f6pfen der meisten Menschen sind sie auch weiterhin so verankert. Dass der Unmut um die Wohnungsthematik aber mobilisierend wirkt, habe zum Beispiel die Mieterdemo im April gezeigt.<\/p>\n<p>Lea und Leo waren im April auch auf der Demo, haben f\u00fcr g\u00fcnstigere Mieten und bezahlbaren Wohnraum demonstriert. Eine Wohnung haben sie noch nicht, aber aufgeben wollen sie so schnell auch nicht. Ein bisschen zuversichtlich gestimmt sind die beiden mittlerweile wieder. Irgendwie sei ja schon Bewegung in die Sache gekommen, in den letzten Monaten. Druck auf die Politik, L\u00f6sungen zu finden, die auch die Lage in Charlottenburg verbessern k\u00f6nnen, g\u00e4be es nun zumindest noch mehr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/145090758@N02\/35481927176\/\">Foto <\/a>von some human \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc\/2.0\/\">CC BY-NC 2.0<\/a><\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-4808\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Dominik_Instagram-150x150.jpg?resize=149%2C149\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"149\"  data-recalc-dims=\"1\"><strong>Dominik Hokamp,<\/strong> 21, studiert im vierten Semester Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin und die Kosten f\u00fcr Kaffee \u00fcbersteigen seine monatliche Miete.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<hr>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-9710\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Antonia-e1531831700797-300x291.jpg?resize=153%2C149\" alt=\"\" width=\"153\" height=\"149\"  data-recalc-dims=\"1\"><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Antonia B\u00f6ker <\/strong>studiert im vierten Hochschulsemester Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, sowie Politikwissenschaft.&nbsp;<\/span><span style=\"color: #003366;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charlottenburg ist keiner der Bezirke, die in der Debatte um Berliner Wohnungsnot immer wieder auftauchen. Doch die Probleme der Hauptstadt spiegeln sich auch in diesem Bezirk wieder \u2013 und mobilisieren die Charlottenburger:innen. von Antonia B\u00f6ker &amp; Dominik Hokamp Lea und Leo suchen eine Wohnung. Die beiden studieren, mittlerweile im sechsten Semester, an der Technischen Universit\u00e4t [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9990,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[501,497,1],"tags":[401,579,722],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/35481927176_e424637cdf_c.jpg?fit=800%2C535&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9685"}],"collection":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9685"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11756,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9685\/revisions\/11756"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}