{"id":11854,"date":"2022-10-21T22:25:30","date_gmt":"2022-10-21T20:25:30","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11854"},"modified":"2022-10-21T22:25:30","modified_gmt":"2022-10-21T20:25:30","slug":"ich-bin-nicht-freundin-ich-bin-professionelle-beraterin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11854","title":{"rendered":"\u201eIch bin nicht Freundin, ich bin professionelle Beraterin\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong> Diplom-Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis arbeitet f\u00fcr die psychologische Beratung an der FU-Berlin. In einem Interview erz\u00e4hlt sie \u00fcber ihre Arbeit mit Studierenden und die Ver\u00e4nderungen durch Corona.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>von Lucie Schrage<\/em><\/p>\n<p>Starke Zunahme von psychischen Erkrankungen, immer mehr Depressionen und Angstst\u00f6rungen aufgrund der Pandemie zu verzeichnen, Kinder- und Jugendliche sind am st\u00e4rksten betroffen. Schlagzeilen, wie diese, gibt es \u00fcberall zu Lesen.<\/p>\n<p>Seelsorgestellen, Therapeut*innen und Psychologen*innen sind mit den Nachwirkungen von der zweij\u00e4hrigen Corona-Pandemie t\u00e4glich in ihrem Berufsalltag konfrontiert. Wie hat die Pandemie ihre Arbeit ver\u00e4ndert? Welche Probleme sind f\u00fcr Menschen entstanden, die mentale Arbeit leisten? Diplom-Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis ist eine davon.<\/p>\n<div id=\"attachment_11858\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11858\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11858\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=225%2C300\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=200%2C267&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=400%2C533&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=600%2C800&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=800%2C1067&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?resize=1200%2C1600&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/taschentuecher.jpeg?fit=1500%2C2000&amp;ssl=1 1500w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11858\" class=\"wp-caption-text\">Taschent\u00fccher stehen neben der Kunstpflanze immer bereit.&nbsp;| Foto: Lucie Schrage<\/p><\/div>\n<p>In ihrem B\u00fcro im Studierenden Service Center der Freien Universit\u00e4t Berlin, steht immer eine Packung Taschent\u00fccher auf dem Tisch bereit. F\u00fcr die Einrichtung setzt sie auf warme Farben und Holzelemente. An der hohen Wand h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Bild, auf dem eine H\u00e4ngebr\u00fccke abgebildet ist, die im Ungewissem endet. Das Bild hat sie ausgew\u00e4hlt, da es in der Beratung auch oft um Wege geht. Als einzige Beraterin aus dem Team der psychologischen Beratung hat Reysen-Kostudis gem\u00fctliche Sessel zum Zur\u00fccklehnen f\u00fcr ihr kleines B\u00fcro im Raum 220 besorgt. Dass die Beratungen wieder in ihrem B\u00fcro stattfinden k\u00f6nnen, freut sie sehr. Auch die Studierenden w\u00fcrden es bevorzugen sich in Pr\u00e4senz zu treffen. Schlie\u00dflich w\u00fcrde es einfach besser passen, denn die typische Beratungsstruktur sei eben \u201eetwas Aufsuchendes\u201c. Durch die Online-Beratungen \u00fcber Webex wurde Reysen-Kostudis pl\u00f6tzlich mit ganz neuen Eindr\u00fccken in das Privatleben der Studierenden konfrontiert. Diese zus\u00e4tzlichen Infos, wie die Einrichtung des Zimmers, die sie sonst nie erhalten h\u00e4tte, empfand sie jedoch nicht als unangenehm. Im Gegenteil. Sie beschreibt es als ein \u201eZeichen von Vertrauen\u201c, wenn jemand in seinem Zimmer sitzt und die Haare vielleicht noch nicht gemacht sind. Jedoch fehlen ihr durch Webex auch viele Informationen. Wie sich jemand gibt oder wie jemand in den Raum kommt, sind f\u00fcr sie auch wichtige Informationen, um einen Menschen in seiner Gesamtheit einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_11857\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11857\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11857\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=225%2C300\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=200%2C267&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=400%2C533&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=600%2C800&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=800%2C1067&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?resize=1200%2C1600&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/studierenden-service-center.jpeg?fit=1500%2C2000&amp;ssl=1 1500w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11857\" class=\"wp-caption-text\">Die Arbeitsstelle: Das Studierenden-Service-Center in der Illtstra\u00dfe 4 | Foto: Lucie Schrage<\/p><\/div>\n<p>Online-Beratungen per Webex anzubieten, war dabei nicht die einzige Ver\u00e4nderung, die die Corona-Pandemie f\u00fcr sie und das Team der psychologischen Beratung bedeutet hat. Auch f\u00fcr die seit 30 Jahren t\u00e4tige Diplom-Psychologin hat die Pandemie eine Z\u00e4sur bedeutet. Pl\u00f6tzlich von zuhause arbeiten, nur noch \u00fcber Mails, Telefon und Webex zu kommunizieren. \u201eIch habe die Kollegen nicht mehr gesehen, was mir sehr gefehlt hat, weil ich die Arbeit im Team auch sehr wichtig finde, wenn es darum geht sich auch mal kurz auszutauschen. Wenn zum Beispiel ein Gespr\u00e4ch nicht so gut gelaufen ist, kann ich immer zur n\u00e4chsten T\u00fcr, zum Kollegen gehen und sagen: &#8222;Oh ich wei\u00df nicht, habe ich irgendwas vergessen oder wei\u00dft du eine Beratungsstelle, wo ich jemanden nochmal hinschicken k\u00f6nnte?\u201c. Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit immer ein Team aus Kollegen*innen um sich haben, war pl\u00f6tzlich weg. Etwas sehr Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftiges f\u00fcr Reysen-Kostudis.<\/p>\n<h3>Eine sehr lohnende Arbeit<\/h3>\n<p>F\u00fcr die Arbeit ins Gr\u00fcne zu fahren und zur\u00fcck ins vertraute Umfeld: das bedeutet die FU f\u00fcr Reysen-Kostudis. Nach ihrem Diplom hat sie die Uni verlassen und sich niemals ertr\u00e4umen k\u00f6nnen wieder hierher zur\u00fcckzukommen. Die Arbeit mit Gruppen f\u00fchrte sie erstmals wieder an die FU zur\u00fcck. Als dieses Projekt nicht mehr weiter ging, erprobte sie sich auch in anderen Berufsfeldern. Als sie an Familienplanung dachte, war die Arbeit f\u00fcr sie im Strafvollzug nicht mehr passend. Dann wurde eine unbefristete Stelle an der FU frei.<\/p>\n<p>Vor allem die Studierenden sind f\u00fcr sie der wesentliche Unterschied bei ihrer Arbeit in der psychologischen Beratung gegen\u00fcber ihren ehemaligen Berufsfeldern. Denn: \u201eMenschen, die zu uns kommen, haben eine Offenheit ihre Probleme zu schildern\u201c. Dabei wird ihr nie langweilig, da sie sich unterschiedlichen Problemen zuwendet. Von Liebeskummer, zu Problemen mit der Arbeitsstelle, das Aufschieben von Hausarbeiten, aber auch Todesf\u00e4llen in der Familie, die Studierende verzweifeln lassen. Mit welchen Problemen die Studis zu ihr kommen, wei\u00df sie vorher oft nicht. Allerdings stellt das f\u00fcr sie kein Problem dar, stattdessen erkl\u00e4rt sie: \u201eIch finde das spannend, ich finde es immer noch, nach 30 Jahren spannend wer kommt\u201c. Auch die Lebensphase der studentischen Klientel empfindet sie als interessant, diese gestaltet ihren Beruf so abwechslungsreich. \u201eIch finde es gut mit Menschen zu arbeiten, die noch so viel vor sich haben, also dabei helfen zu k\u00f6nnen Weichen zu stellen. Und das ist bei den Studierenden auch so und sie dabei ein wenig begleiten zu k\u00f6nnen, finde ich eine sehr lohnende Arbeit\u201c.<\/p>\n<h3>\u201eIch bin nicht Freundin\u201d<\/h3>\n<div id=\"attachment_11855\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11855\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11855\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=225%2C300\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=200%2C267&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=400%2C533&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=600%2C800&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=800%2C1067&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?resize=1200%2C1600&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/buero.jpeg?fit=1500%2C2000&amp;ssl=1 1500w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11855\" class=\"wp-caption-text\">Reysen-Kostudis in ihrem B\u00fcro im Raum 220&nbsp;| Foto: Lucie Schrage<\/p><\/div>\n<p>Menschen zu helfen war auch das erste Bed\u00fcrfnis f\u00fcr sie, das ihren Wunsch Psychologin zu werden, angesto\u00dfen hat. Jedoch gibt sie zu, dass sie dann auch \u00c4rztin oder Krankenschwester h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Es ist die N\u00e4he zu den Menschen, ihre Geschichten zu h\u00f6ren, die sie an ihrem Beruf so sehr sch\u00e4tzt. Ihre Erfahrungen f\u00fcr ihr Berufsfeld sammelt sie aus den Lebensgeschichten der Personen, die ihr gegen\u00fcbersitzen. \u201eIch habe manchmal das Gef\u00fchl, ich habe so einen Schatz gesammelt von dem was alles passieren kann und ich bin auch immer noch neugierig\u201c<\/p>\n<p>Aber wie genau schafft sie es nun sich bei all den Sorgen, den \u00c4ngsten und den Problemen zu helfen ohne zu sehr mitgerissen werden? Wie setzt sie sie als Psychologin Grenzen f\u00fcr sich selbst? In ihrem Studium lernte sie das nicht, aber in der Therapieausbildung. Dort wird eine therapeutische Grundhaltung vermittelt, ebenso wie man f\u00fcr sich selbst sorgen kann. F\u00fcr sie ist es auch hilfreich sich zu sagen, dass es eine professionelle und keine private Beziehung ist, die sie mit den Ratsuchenden verbindet. \u201eIch bin nicht Freundin, ich bin professionelle Beraterin\u201d. Au\u00dferdem gibt es f\u00fcr sie einfach nicht die M\u00f6glichkeit in den geschilderten Problemen zu versinken. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs befindet sie sich immer auf einer Metaebene: sie \u00fcberpr\u00fcft, wo sie im Gespr\u00e4ch sind, wie sie woran kommen und achtet auf die Zeit. Mit 50 Minuten Gespr\u00e4chszeit setzt sie einen zeitlichen Rahmen, auf den sie achten muss und nicht die Ratsuchenden. Sie f\u00fchrt Regie. \u201eDurch diese Regiearbeit, durch die strukturierende Aufgabe, die ich habe, gelingt es auch nicht so emotional mitgerissen zu werden.\u201d<\/p>\n<h3>Und dann kam Corona<\/h3>\n<p>Wie die unz\u00e4hligen Schlagzeilen es verbreitet haben, so best\u00e4tigt es auch Reysen-Kostudis. Immer mehr Studierende berichten nun von depressiven Episoden und sozialen \u00c4ngsten. F\u00fcr ihre Gruppe \u201eSelbstsicherheit und Kontakt\u201d f\u00fcr die es vor der Pandemie oft zu wenig Anmeldungen gab, sind nun Wartelisten notwendig. Denn viele Studierende ben\u00f6tigen Hilfe dabei, wieder in Kontakt zu treten, nachdem in den letzten Semestern kaum pers\u00f6nlicher Kontakt n\u00f6tig war. Zudem erz\u00e4hlt sie, dass auch Motivationsprobleme unter den Studierenden stark zugenommen haben. Schlie\u00dflich haben viele die Uni noch nie von innen gesehen, nur ihre Videokonferenzen gehabt und sich nach dem Zuklappen des Laptops nicht wirklich wie Studierende gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sind daf\u00fcr Probleme rund ums Zeit-und Selbstmanagement weniger thematisiert worden. Daf\u00fcr lassen sich von der Psychologin ganz einfache Gr\u00fcnde, wie das Wegfallen von langen Fahrwegen finden. Wirklich positiv w\u00fcrde sie diese Entwicklung jedoch nicht bewerten, da Zeitprobleme nicht existierten, weil es lange keine M\u00f6glichkeit mehr gab sozialen Aktivit\u00e4ten oder Hobbys nachzugehen. \u201eVielleicht sind wir auch froh, wenn diese Probleme wieder kommen, weil das ja auch was ist, was ein Leben ausmacht, Entscheidungen zu f\u00e4llen und zu \u00fcberlegen, wie man einen ausgewogenen Alltag hat, wo man Freizeit, Interessen und Studium vereinen kann.\u201d<\/p>\n<p>Aus der zweij\u00e4hrigen Pandemie zieht das Team der psychologischen Beratung an der Freien Universit\u00e4t einige Lehren. Zum einen die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das Kollegium. Nun wird ein Sommerfest geplant, wie Reysen-Kostudis lachend erz\u00e4hlt. An etwas zuvor Selbstverst\u00e4ndliches, wie ein Team, erinnert zu werden, hat allen eine starke Wertsch\u00e4tzung gelehrt. \u201eDas w\u00e4re vielleicht vorher gar nichts gewesen, das gefeiert werden muss\u201d. Zum anderen habe das Team auch erkannt, wie antiquiert sie in einigen Bereichen noch sind. Aufgrund der Pandemie waren sie gezwungen sich weiteren Medien zu \u00f6ffnen und bieten nun als erg\u00e4nzende Methode, weiterhin Gespr\u00e4che per Webex oder Telefon an. Dadurch k\u00f6nnen sie auch mit Studierenden in Kontakt treten, die im Ausland studieren. Pers\u00f6nlich nimmt Reysen-Kostudis den Umgang mit Unsicherheiten, als eine wichtige Erkenntnis aus zwei Jahren Pandemie mit. Sie beschreibt, wie vorsichtig sie geworden ist, wenn Leute mit langfristigen Pl\u00e4nen zu ihr kommen. Wir alle k\u00f6nnen nicht wissen, was passiert. \u201eDeshalb rede ich immer lieber von einer gewissen Orientierung oder dem Gef\u00fchl auf dem richtigen Weg zu sein, denn langfristige Pl\u00e4ne sind oft br\u00fcchig und wir m\u00fcssen auch bereit sein damit klar zu kommen\u201d<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12200\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443-150x150.jpeg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/lucie-schrage-e1665165627443.jpeg?fit=767%2C767&amp;ssl=1 767w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/>Lucie-Antonia Schrage<\/strong> (23) studiert Deutsche Philologie sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. F\u00fcr das Interview und die Relevanz von mentaler Arbeit sa\u00df sie in gem\u00fctlichen Sesseln mit Notizblock.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diplom-Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis arbeitet f\u00fcr die psychologische Beratung an der FU-Berlin. 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