{"id":11575,"date":"2022-05-27T09:52:04","date_gmt":"2022-05-27T07:52:04","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11575"},"modified":"2022-05-27T09:52:04","modified_gmt":"2022-05-27T07:52:04","slug":"arbeitslosigkeit-in-berlin-es-ist-nicht-verboten-dauerhaft-arbeitslos-zu-sein-also-nutze-ich-das-gerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11575","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit in Berlin: \u201eEs ist nicht verboten dauerhaft arbeitslos zu sein, also nutze ich das gerne.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Deutschland leben etwa 3,8 Millionen Menschen von Arbeitslosengeld II, allein in Berlin sind es 340 000. Robert*, 40 Jahre alt, ist einer von ihnen und seit fast 17 Jahren arbeitslos. Im Interview spricht er \u00fcber seine Sicht auf Arbeit und wie es ist, von knapp 450 Euro im Monat zu leben.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>von Christopher Gro\u00df<\/em><\/p>\n<p><strong>Kannst du dich noch an die Zeit erinnern, als du arbeitslos geworden bist?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe Medientechniker im Veranstaltungsbereich gelernt und nach dem Ende der schulischen Ausbildung habe ich mich 2005 arbeitslos gemeldet. Seitdem beziehe ich Arbeitslosengeld II.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch, dass ich anfangs etwas \u00fcberfordert war. Ich wusste nicht so genau, was jetzt kommt. Ich habe keine Stelle gefunden und kurz davor ist Hartz IV eingef\u00fchrt worden also ALG II. Da war eine riesige Schlange, es war alles total unpers\u00f6nlich und so bevormundend. Ich erinnere mich noch, dass ich meinen fr\u00fcheren Ausbilder in der Schlange getroffen habe. Das fand ich ein bisschen witzig und bezeichnend damals.<\/p>\n<p><strong>Kannst du sagen, wie die Arbeitslosigkeit deinen Alltag bestimmt?<\/strong><\/p>\n<p>Es hat sich ein bisschen gewandelt. 2005 ist schon eine Weile her. Also aktuell oder in letzter Zeit ist es eigentlich gar nichts, was mich gro\u00dfartig besch\u00e4ftigt in meinem normalen Leben. Besonders die letzten zwei, drei Jahre war es gar nicht pr\u00e4sent. Das hat auch ein bisschen mit Corona zu tun. Es gab vom Jobcenter einfach viel weniger Kontaktaufnahme oder Arbeitsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><strong>Siehst du das positiv?<\/strong><\/p>\n<p>Na klar, das ist schon positiv. Es gibt ein paar Sachen, die sind nicht so ein richtiger Zwang, aber man kann auch nicht nein sagen, besonders bei verschiedenen Arbeitsma\u00dfnahmen. Man wird gerne in Fortbildungen oder \u00fcberhaupt Aktivierungsma\u00dfnahmen gesteckt, wo man eigentlich nicht so wirklich Lust drauf hat, aber auch nicht nein sagen kann. Die gehen meistens ein halbes oder ganzes Jahr und dann ist man da sechs Stunden am Tag und dann macht man ganz unterschiedliches Zeugs.<\/p>\n<p><strong>Kannst du Beispiele nennen, welche Ma\u00dfnahmen du bisher mitgemacht hast?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe einmal Spielplatzbetreuung mit etwa zehn Anderen im Schichtbetrieb gemacht. Wir hatten keine Aufgaben. Eigentlich nur die Zeit verbringen. Wir durften auch nicht mit den Kindern interagieren. Aber wir mussten halt anwesend sein.<\/p>\n<p>Das Letzte, was ich gemacht habe, war in einer Einrichtung, in der wir Kinderkleidung von verschiedenen Spendern sortiert und an Bed\u00fcrftige gegeben haben. Es gab aber kaum Leute, die die Spenden angefordert haben. Da war es auch relativ sinnfrei, weil sich das Zeug bei uns gestapelt hat, und wir haben es dann nur noch in irgendwelche S\u00e4cke oder Schr\u00e4nke einsortiert.<\/p>\n<p><strong>Sind solche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr dich eher nervig oder bist du froh eine Besch\u00e4ftigung zu haben?<\/strong><\/p>\n<p>Solche Ma\u00dfnahmen sind eher nervig. Ich habe kein Problem mich mit etwas zu besch\u00e4ftigen, das mir so einf\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>Und was w\u00e4re das? Wie verbringst du deinen Tag oder eine Woche.<\/strong><\/p>\n<p>Ich halte mich oft in meiner Kleingartenanlage auf oder baue irgendwas. Ich baue gerne Kuppeln, wobei ich das wegen Corona nicht mehr so viel machen konnte. Das sind Kuppeln f\u00fcr verschiedene Zwecke, klein bis gro\u00df, zum Beispiel als Gew\u00e4chshaus, als Veranstaltungsfl\u00e4che auf Festivals oder einfach als eine Art Zelt f\u00fcr den Garten. Teilweise verkaufe ich die auch, aber eigentlich mache ich das eher kostenlos f\u00fcr irgendwelche Projekte. In Neuk\u00f6lln steht eine bei der Kindl-Brauerei, eine im Stadtteilgarten Schillerkiez oder auch dem Flughafen Tempelhof. Die werden als Rankhilfe f\u00fcr Pflanzen oder als Aufenthaltsorte genutzt.<\/p>\n<p><strong>Und darfst du die denn verkaufen, obwohl du ALG II bekommst?<\/strong><\/p>\n<p>Das geht schon. Es gibt Obergrenzen pro Monat, im Moment sind 100 Euro anrechnungsfrei. Entweder verteile ich das \u00fcber das Jahr oder muss es dann anrechnen lassen.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4re dieser Kuppelbau etwas, bei dem du dir vorstellen k\u00f6nntest, das als Vollzeitjob zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber dazu reicht es nicht aus. Ich mache das nur als Hobby. Ich bin noch weit davon entfernt davon leben zu k\u00f6nnen. Ich habe dem Jobcenter auch gezeigt, was ich da mache. Es geht mir dabei auch nicht drum, damit viel Geld zu verdienen, sondern dass es mir Spa\u00df macht.<\/p>\n<div id=\"attachment_11578\" style=\"width: 4634px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11578\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-11578\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=1100%2C826\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"826\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=400%2C300&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=600%2C451&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=800%2C601&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=1024%2C769&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?resize=1200%2C901&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/kuppel.jpg?fit=4624%2C3472&amp;ssl=1 4624w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11578\" class=\"wp-caption-text\">Eine von vielen Kuppeln, die Robert gebaut hat. | Foto: Christopher Gro\u00df<\/p><\/div>\n<p><strong>Welchen Stellenwert hat Arbeit in deinem Leben? Die meisten Menschen arbeiten 40 Stunden oder mehr in der Woche und vieles dreht sich um die Arbeit oder man definiert sich sogar dar\u00fcber. Wie ist das bei dir?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht so wichtig, wie es bei anderen Menschen ist. Ich verstehe nat\u00fcrlich, wenn man so viel Zeit in seinem Leben mit Arbeit verbringt, hat das nat\u00fcrlich einen viel h\u00f6heren Stellenwert als bei mir. Mir ist es wichtig, dass ich m\u00f6glichst viel Zeit habe, das zu tun, was ich m\u00f6chte. So wie ich das Arbeitslosengeld nutze, ist es glaube ich nicht wirklich gedacht, aber man kann es halt so machen. Es ist nicht verboten dauerhaft arbeitslos zu sein, also nutze ich das gerne.<\/p>\n<p><strong>Empfindest du keinen gesellschaftlichen Druck vom ALG-II-Bezug wegzukommen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe diesen Druck jetzt nicht in meinem n\u00e4heren Umfeld. Das Jobcenter macht Druck, denn Ihr Ziel ist es normalerweise, mich m\u00f6glichst schnell wieder auf den Arbeitsmarkt zu schicken. Aber der Druck allein reicht nicht aus, wenn man das nicht m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Es ist schon ein sehr emotionales Thema bei vielen Leuten. Man kann da viele schnell provozieren. Die g\u00f6nnen einem das irgendwie nicht, unterstellen Sachen oder f\u00fchlen sich benachteiligt, nur weil sie arbeiten gehen. Und ich mache es halt einfach nicht. Das kann ja jeder selber entscheiden. Ich hatte es schon das Leute richtig aggressiv darauf reagiert haben. Das kann ich nicht so ganz nachvollziehen, aber das passiert tats\u00e4chlich. Ich glaube, es hat auch damit zu tun, in welchem Umfeld man aufgewachsen ist. Wenn es einen viel h\u00f6heren Stellenwert hat, dass man nach au\u00dfen hin so ein ordentlich gef\u00fchrtes Leben mit Arbeitsstelle und blablabla hat und das extrem wichtig ist, dann provoziere ich deren Lebensstil. Nat\u00fcrlich muss jemand irgendetwas erwirtschaften, damit das finanziert werden kann, aber ich finde, das macht auch eine Gesellschaft aus, dass man sich um alle k\u00fcmmert.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen denn deine Freunde oder die Familie damit um? Redest du offen dar\u00fcber?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr meine Freunde oder Familie ist das kein Problem. Mein Vater ist selbst schon Jahrzehnte lang arbeitslos und meine Mutter st\u00f6rt es auch nicht. Ich lebe jetzt schon ziemlich lange in Berlin und habe mir meinen Freundeskreis selbst ausgesucht und die sind teilweise \u00e4hnlich drauf wie ich, da st\u00f6rt es eigentlich niemanden.<\/p>\n<p><strong>Wieviel Geld steht dir zur Verf\u00fcgung und wie gestaltest du damit deinen Alltag?<\/strong><\/p>\n<p>Im Moment bekomme ich 449 Euro und ich kann noch 100 Euro dazuverdienen. Es ist halt schon mit Einschr\u00e4nkungen verbunden. F\u00fcr meinen Kleingarten muss ich 350 Euro im Jahr zahlen, die ich mir vom ALG II abziehen muss oder auch die Versicherung f\u00fcr das Auto. Ich habe mir verschiedene Sachen angeeignet, die es mir erm\u00f6glichen, mit so wenig Geld klarzukommen, da hat wahrscheinlich nicht unbedingt jeder Bock drauf. Zum Beispiel Sachen zu verwerten oder zu verwenden, die nicht viel Geld kosten, aber trotzdem den h\u00f6chstm\u00f6glichen Nutzwert haben. Ich habe mir ein ziemlich g\u00fcnstiges Auto gekauft und repariere die meisten Sachen selbst. Bei Lebensmitteln geht man ab und zu mal Containern. Klamotten findet man oder man fragt im Freundeskreis, die haben fast immer irgendwo Klamotten \u00fcbrig.<\/p>\n<p><strong>Sagst du, das Geld vom Jobcenter steht dir zu und ist dein gutes Recht oder ist es dir unangenehm, das zu nehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist mir nicht unangenehm und ich finde das sollte eigentlich jedem zustehen. Ein Minimum an Lebenshaltungskosten sollte unsere Gesellschaft schon bieten k\u00f6nnen. Also ich bin nat\u00fcrlich froh, weil es die M\u00f6glichkeit in anderen L\u00e4ndern nicht gibt, aber in Deutschland gibt es sie und deshalb nutze ich sie auch.<\/p>\n<p><strong>Du hast angesprochen, dass du Kleidung von Freunden bekommst oder manchmal containerst. W\u00fcrdest du sagen, dass es f\u00fcr eine vern\u00fcnftige Lebensgrundlage eigentlich mehr Geld br\u00e4uchte?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist sicher bei jedem ein bisschen anders. Tats\u00e4chlich w\u00e4re mehr Geld immer etwas hilfreich, aber ich komme mit dem, was ich bekomme, ganz gut zurecht.<\/p>\n<p><strong>Kannst du denn mit Freunden ins Kino gehen oder mal auf ein Konzert?<\/strong><\/p>\n<p>Das mache ich relativ selten. Da gibt es auch M\u00f6glichkeiten zum Beispiel KulturLeben Berlin. Da kann man sich anmelden und bekommt Karten f\u00fcr verschiedene Kulturveranstaltungen und man kann sogar noch jemanden mitnehmen. Einmal im Monat gehe ich zu einem Konzert oder zur Theaterveranstaltung.<\/p>\n<div id=\"attachment_11577\" style=\"width: 3475px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11577\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-11577\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=1100%2C826\" alt=\"\" width=\"1100\" height=\"826\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=400%2C300&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=600%2C451&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=800%2C601&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=1024%2C769&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?resize=1200%2C901&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/katze.jpg?fit=3465%2C2602&amp;ssl=1 3465w\" sizes=\"(max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11577\" class=\"wp-caption-text\">Vor kurzem ist Robert eine Katze zugelaufen, um die er sich in seinem Kleingarten k\u00fcmmert. | Foto: Christopher Gro\u00df<\/p><\/div>\n<p><strong>Welche Rolle spielt die Stadt Berlin bei deiner Arbeitslosigkeit? Denkst du dein Leben w\u00e4re in einer kleineren Stadt oder auf dem Dorf anders?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist auf jeden Fall ein Unterschied. Ich kenne das von Freunden, die auf dem Land wohnen. Da ist der Druck vom Jobcenter und auch vom gesellschaftlichen Umfeld wesentlich h\u00f6her als in Berlin. Die Jobcenter in Berlin haben einfach viel zu viel zu tun, als sich um jeden zu k\u00fcmmern. Dadurch hat man nicht so einen hohen Druck wie au\u00dferhalb von Berlin oder einer anderen Stadt.<\/p>\n<p>Und es gibt Orte wie den Flughafen Tempelhof oder die Kindl Brauerei bei denen es Garten-Projekte gibt, bei denen ich oft bin und mich treffe. Oder den Stadtteilladen LUNTE in Neuk\u00f6lln, da gibt es verschiedene Veranstaltungen, man kann g\u00fcnstig essen, sich unterhalten oder zu ALG-II-Themen beraten lassen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fchlst du dich denn von der Politik gut vertreten? Letztes Jahr waren Bundestagswahlen. Hattest du da eine Partei bei denen du das Gef\u00fchl hattest, die treten f\u00fcr deine Interessen ein?<\/strong><\/p>\n<p>Die Linke ist auf jeden Fall eher f\u00fcr Arbeitslose oder teilweise auch die Gr\u00fcnen aber so wirklich pr\u00e4sent ist man in der Politik nicht so stark, finde ich.<\/p>\n<p>Was ich sch\u00f6n f\u00e4nde, w\u00e4re eine Art bedingungsloses Grundeinkommen. Das ist mein Wunsch, weil man dann diesen ganzen Stress mit dem Jobcenter einfach nicht hat, es w\u00fcrde einiges an Verwaltungskosten einsparen und auch einen freieren Umgang mit den Menschen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte mehr arbeiten, was man m\u00f6chte und w\u00e4re nicht mehr darauf angewiesen irgendeinen Job anzunehmen. Es w\u00fcrde viel Druck abfallen. Und ich glaube das w\u00e4re eine interessante Entwicklung in Richtung bessere Arbeitsverh\u00e4ltnisse bzw. bessere Lebensbedingungen f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><strong>Gehst du davon aus, dass du bis zur Rente weiter Arbeitslosengeld II beziehst oder m\u00f6chtest du daran noch etwas \u00e4ndern? Hast du einen Wunsch f\u00fcr deine Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde nicht ausschlie\u00dfen, dass ich die ganze Zeit bis zu meinem Rentenalter, ausschlie\u00dflich von ALG II lebe. Mein Wunsch w\u00e4re nat\u00fcrlich, dass ich mit meinen Kuppeln Geld verdienen kann. Das ist aber insbesondere durch Corona im Moment komplett auf Eis gelegt. Vielleicht ergeben sich da in Zukunft wieder M\u00f6glichkeiten, dass ich davon auch leben k\u00f6nnte und nicht mehr vom Jobcenter abh\u00e4ngig w\u00e4re.<\/p>\n<p><em>*Name ge\u00e4ndert<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11576\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?resize=1200%2C1200&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/cristopher-gross-e1646685659342.jpg?fit=1739%2C1739&amp;ssl=1 1739w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/>Christopher Gro\u00df <\/strong>studiert Filmwissenschaft sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin. Er findet, dass auch Arbeitslosigkeit betrachtet werden muss, wenn \u00fcber die Zukunft der Arbeit diskutiert wird.<strong><br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland leben etwa 3,8 Millionen Menschen von Arbeitslosengeld II, allein in Berlin sind es 340 000. Robert*, 40 Jahre alt, ist einer von ihnen und seit fast 17 Jahren arbeitslos. 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