{"id":11553,"date":"2022-05-27T09:53:35","date_gmt":"2022-05-27T07:53:35","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11553"},"modified":"2022-06-02T12:54:11","modified_gmt":"2022-06-02T10:54:11","slug":"durch-den-buerokratie-dschungel-an-den-arbeitsplatz-konstantin-beschaeftigter-rollstuhlfahrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11553","title":{"rendered":"Durch den B\u00fcrokratie-Dschungel an den Arbeitsplatz: Konstantin, Besch\u00e4ftigter, Rollstuhlfahrer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Karriere f\u00fcr Menschen mit Behinderung ist meistens schon vorgezeichnet. Auch der Weg von Konstantin f\u00fchrt in eine Werkstatt f\u00fcr behinderte Menschen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>von Pia Kujat<\/em><\/p>\n<p>Wie jeden Nachmittag wird der 24-j\u00e4hrige Konstantin mit seinem Fahrdienst von der Arbeit nach Hause in den Prenzlauer Berg gebracht. Mit ge\u00fcbten Handgriffen hebt ihn seine Mutter Regine aus dem Treppensteiger und in den Rollstuhl. Der junge Mann mit dem wilden Haar man\u00f6vriert bedacht durch den schmalen Flur der Wohnung.<\/p>\n<p>Konstantin arbeitet seit Mai 2018 f\u00fcr die Delphin-Werkst\u00e4tten in der Abteilung Metall, einer Werkstatt f\u00fcr behinderte Menschen (WfbM) in Berlin Pankow. \u201eMeistens mache ich Sortierarbeiten, momentan mit Bohrern von Bosch. Ich muss pr\u00fcfen, ob die magnetisch sind. Ich hab\u2018 daf\u00fcr so einen Stabmagneten und insgesamt drei Kisten. Eine f\u00fcr die unsortierten, eine&nbsp;f\u00fcr die magnetischen und eine f\u00fcr die nicht-magnetischen Bohrer\u201c, erkl\u00e4rt er. Aufgrund seiner Spastik ist Konstantin feinmotorisch eingeschr\u00e4nkt. So f\u00e4llt es ihm zum Beispiel leichter am Computer zu schreiben als mit der Hand. Neben seiner Arbeit spielt der leidenschaftliche Filmliebhaber in der Jugendgruppe des Ramba Zamba Theaters und produziert in einem Team Stop-Motion- und Kurzfilme.<\/p>\n<div id=\"attachment_11555\" style=\"width: 353px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11555\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11555 \" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=343%2C582\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"582\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=177%2C300&amp;ssl=1 177w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=200%2C340&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=400%2C680&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=600%2C1020&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=603%2C1024&amp;ssl=1 603w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=800%2C1359&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?resize=1200%2C2039&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/infografik-bthg.jpg?fit=1599%2C2717&amp;ssl=1 1599w\" sizes=\"(max-width: 343px) 100vw, 343px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11555\" class=\"wp-caption-text\">Die wichtigsten Fakten \u00fcber das Bundesteilhabegesetz | Foto: Pia Kujat<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr Menschen mit Behinderung ist es schwierig, einen Job zu finden, der den pers\u00f6nlichen Interessen und Anf- orderungen so gut wie m\u00f6glich entspricht. Es gibt verschiedene Einrichtungen, die bei der Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt helfen k\u00f6nnen. Auch gr\u00f6\u00dfere Betriebe sollen inklusiv anstellen. Diese Umst\u00e4nde klingen zuerst vielversprechend \u2013 die Realit\u00e4t sieht jedoch anders aus. Eine Stelle in einer Werkstatt anzunehmen ist f\u00fcr viele Menschen mit Behinderung der einzige Weg in das Arbeitsleben. Dabei spielt auch die schwierige Kommunikation mit den \u00c4mtern eine gro\u00dfe Rolle. Die Erneuerung des Bundesteilhabegesetzes von 2020 bringt aber einige Verbesserungen.<\/p>\n<h3>Allgemeiner Arbeitsmarkt? Abgelehnt.<\/h3>\n<p>Als Konstantin mit der Schule fertig ist, begibt er sich motiviert auf Arbeitssuche. Um sich so selbstst\u00e4ndig wie m\u00f6glich auf eine passende Stelle bewerben zu k\u00f6nnen, m\u00f6chte er von seinem Budget f\u00fcr Arbeit Gebrauch machen. Diese finanzielle Hilfe vom Arbeitsamt ist f\u00fcr den Arbeitgeber bestimmt, um Konstantin in den Berufsalltag einzugliedern. Jeder Mensch mit&nbsp;Behinderung hat das Recht auf Auszahlung dieses Betrags, um sich selbst einen Arbeitsplatz zu suchen \u2013 das Arbeitsamt hat in diesem Fall aber nicht kooperiert. Regine berichtet: \u201eWir sind da auch hingegangen. Die Dame vom Arbeitsamt hat aber nur gemeint: Ich sag Ihnen gleich, wir werden das ablehnen. Das hatten wir nie schriftlich, nur einmal m\u00fcndlich in diesem Gespr\u00e4ch. Das Arbeitsamt hat komplett gemauert.\u201c<\/p>\n<p>Da Behinderungen besonders individuell sind und die Arbeitsleistung von Menschen mit Behinderung selten in vordefinierte Kategorien fallen, ist es normal, viele verschiedene Praktika auszuprobieren und Jobs anzufangen. Fehlschl\u00e4ge geh\u00f6ren dazu. Konstantin versucht es unter anderem mithilfe des Annedore-Leber-Berufsbildungswerkes. Die Anforderungen sind jedoch zu hoch \u2013 nach drei Wochen wird Konstantin kurzfristig von dem Vertrag entbunden. Es sei nicht das Richtige gewesen. Seine Mutter Regine berichtet von der pl\u00f6tzlichen Botschaft: \u201eSie haben gesagt, dass Konstantin ab n\u00e4chster Woche nicht mehr dort sein kann. Und ich dachte mir nur: Wie soll ich das jetzt machen? Ich muss doch selbst arbeiten gehen.\u201c<\/p>\n<h3>Ein durchschnittlicher Stundenlohn von 2,59 Euro<\/h3>\n<p>Jeder Betrieb, der seinen Sitz in Deutschland hat und \u00fcber 20 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt, muss nach staatlicher Vorgabe eigentlich eine Besch\u00e4ftigungsquote f\u00fcr Menschen mit Behinderung erf\u00fcllen. Trotzdem bieten viele Betriebe solche Arbeitspl\u00e4tze nicht an. Das liegt an der Ausgleichsabgabe. Sie kann von dem Betrieb an den Staat gezahlt werden, wenn keine Person mit Behinderung angestellt wird. Das ist ein monatlicher Betrag zwischen 125 und 320 Euro \u2013 eine verschmerzbare Summe. Die Ausgleichsabgabe wird wiederum f\u00fcr die Finanzierung der Behindertenwerkst\u00e4tten genutzt. Die Besch\u00e4ftigung von Menschen mit Behinderung in Werkst\u00e4tten wird vom Staat deutlich unterst\u00fctzt, das liegt auch an ihrem wirtschaftlichen Nutzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_11558\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11558\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11558\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=300%2C200\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=400%2C267&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=800%2C533&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?resize=1200%2C800&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/regal.jpg?fit=1620%2C1080&amp;ssl=1 1620w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11558\" class=\"wp-caption-text\">Ein typisches Regal in der Werkstatt | Foto: Pia Kujat<\/p><\/div>\n<p>Werkst\u00e4tten f\u00fcr behinderte Menschen werden in den 1960er Jahren gegr\u00fcndet und sind seitdem fest im deutschen Wirtschaftssystem verankert. Die Besch\u00e4ftigten haben keinen Arbeits- oder Tarifvertrag und werden stattdessen mit einem Arbeitsentgelt entlohnt. Nach einer Statistik des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales, die den Zeitraum 2017&nbsp;bis 2019 umfasst, betr\u00e4gt das Werkstatt-Entgelt im Durchschnitt 207 Euro pro Monat. Bei einem sechsst\u00fcndigen Arbeitstag an den Werktagen betr\u00e4gt der durchschnittliche Stundenlohn also 2,59 Euro.<\/p>\n<h3>Das widerspr\u00fcchliche System<\/h3>\n<p>Die Werkst\u00e4tten haben zwei gesetzliche Auftr\u00e4ge: Zum Ersten sollen sie Menschen mit Behinderung individuell f\u00f6rdern, qualifizieren und beruflich rehabilitieren, damit sie m\u00f6glichst schnell in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden k\u00f6nnen. Zum Zweiten sind Behindertenwerkst\u00e4tten dazu verpflichtet, wirtschaftlich zu arbeiten. Hier zeigt sich der gr\u00f6\u00dfte Widerspruch des Systems: die Vermittlungsquote auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt liegt nach Aussage der Langzeitkampagne JOBinklusive seit Jahren bei einem Durchschnitt von 1%, eine offizielle Quote gibt es nicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_11557\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11557\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11557\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=300%2C250\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=200%2C167&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=300%2C250&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=400%2C334&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=600%2C501&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=800%2C668&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=1024%2C855&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?resize=1200%2C1002&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/bohrer-sortiert.jpg?fit=1211%2C1011&amp;ssl=1 1211w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11557\" class=\"wp-caption-text\">Konstantin sortiert Bohrer mithilfe eines Magneten. | Foto: Pia Kujat<\/p><\/div>\n<p>Gro\u00dfunternehmen wie Volkswagen oder Bosch lagern ihre Produktionen und Dienstleistungen an Werkst\u00e4tten f\u00fcr Menschen mit Behinderung aus. Die Unternehmen zahlen dann einen verminderten Mehrwertsteuersatz von 7%. Auch der Staat profitiert: nach einer bundesweiten Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft WfbM aus dem Jahr 2014 flie\u00dfen die staatlichen Investitionen zu 51% durch Steuer-, Sozialversicherungs- und Solidarit\u00e4tsbeitr\u00e4ge sofort wieder in die \u00f6ffentliche Hand zur\u00fcck. Werkstattleistungen kosten also wenig und erzeugen finanzielle Mehrwerte.<\/p>\n<p>In einer Stellungnahme aus dem April 2021 erkl\u00e4rt die Bundesarbeitsgemeinschaft, dass ihre Werkst\u00e4tten selbst Non-Profit-Organisationen seien, deren Aufgabe darin best\u00fcnde, die Leistungsf\u00e4higkeit von Menschen mit Behinderungen zu erhalten und auszubauen. Dabei sei zu ber\u00fccksichtigen, dass viele ihrer Besch\u00e4ftigten dauerhaft eingeschr\u00e4nkt seien und eine Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt in diesem Fall nicht das Ziel sein k\u00f6nne. Au\u00dferdem unterst\u00fctze die BAG WfbM alle&nbsp;Initiativen zur Erh\u00f6hung des Entgelts.<\/p>\n<h3>\u201eUnser Chef hat angesprochen, dass wir jetzt&nbsp;mehr verdienen werden.\u201c<\/h3>\n<p>Auch wenn Konstantin keinen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden hat, freut er sich dar\u00fcber arbeiten zu k\u00f6nnen. Stolz erkl\u00e4rt er: \u201eDurch meine Arbeit verdiene ich ja Geld, das habe ich mir erarbeitet. Und ich will auch weiterhin Geld verdienen, damit ich mich beteiligen kann.\u201c Seit der Erneuerung des Bundesteilhabegesetzes 2020 wird der Grundbetrag des Werkstattentgelts bis 2023 gestaffelt auf mindestens 119 Euro pro Monat erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen bemerkt Konstantin jetzt schon. \u201eUnser Chef hat angesprochen, dass wir jetzt mehr verdienen werden. Und ich krieg\u2018 ja noch Grundsicherung\u201c, erz\u00e4hlt er. Grundsicherung bekommen Menschen mit Behinderung neuerdings, wenn sie nicht mehr als 5.000 Euro Gesamtverm\u00f6gen besitzen, vorher waren es 2.600 Euro. Alles, was \u00fcber diesem Betrag liegt, muss dennoch an den Staat abgegeben werden. Regine gibt zu bedenken: \u201eMist ist eben diese Abh\u00e4ngigkeit, dass du nicht selbst ein bisschen Geld ansparen kannst. Du kommst aus diesem System nicht raus. 5.000 Euro sind ja auch keine Altersvorsorge.\u201c<\/p>\n<h3>Ein Antrag f\u00fcr das Mittagessen<\/h3>\n<div id=\"attachment_11556\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11556\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11556\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?resize=255%2C300\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?resize=200%2C235&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?resize=255%2C300&amp;ssl=1 255w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?resize=400%2C471&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?resize=600%2C706&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?resize=800%2C942&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pause-konstantin.jpg?fit=869%2C1023&amp;ssl=1 869w\" sizes=\"(max-width: 255px) 100vw, 255px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11556\" class=\"wp-caption-text\">Konstantin bereitet sich auf die Pause vor. | Foto: Pia Kujat<\/p><\/div>\n<p>Die Beantragung der Hilfen und die Kommunikation mit dem Sozialamt bleiben Konstantin ein Dorn im Auge. Genervt zeigt er auf die vielen Briefe: \u201eIch wei\u00df manchmal gar nicht was ich machen soll. Die werfen immer mit ihren Fachbegriffen um sich.\u201c Auch auf Anfrage hat Konstantin von den \u00c4mtern noch nie einen Brief in leichter Sprache zugeschickt bekommen. Er muss st\u00e4ndig Antr\u00e4ge an das Sozialamt stellen, seien es Kostenvoranschl\u00e4ge f\u00fcr den Fahrdienst, die Grundsicherung oder seit Kurzem auch das Geld f\u00fcr das Mittagessen in der Werkstatt.<\/p>\n<p>Eigentlich bestimmt das Bundesteilhabegesetz, dass das Mittagessen jetzt nicht mehr automatisch \u00fcber die Werkstatt abgerechnet wird, sondern \u00fcber das Sozialamt beantragt werden muss. In Konstantins Fall ist wegen der Corona-Pandemie jedoch niemand zu erreichen. \u201eDie haben \u00fcberhaupt nicht reagiert auf den Antrag. Ein Jahr lang&nbsp;nicht\u201c, grummelt er in seinen Bart.<\/p>\n<p>Insgesamt hat das neue Bundesteilhabegesetz viele Verbesserungen auf den Weg gebracht. Auch die vielen Antr\u00e4ge laufen im Fall von Konstantin nun ausschlie\u00dflich \u00fcber eine Stelle, das erleichtert die Organisation sehr. Das Arbeitsentgelt in der Werkstatt erh\u00f6ht sich bis 2023 j\u00e4hrlich um 10 Euro und die Grundsicherung ist nicht mehr von dem Einkommen der Eltern abh\u00e4ngig. Konstantin hat dem undurchsichtigen B\u00fcrokratie-Dschungel getrotzt und hat heute einen festen Arbeitsplatz. Der 24-J\u00e4hrige versteht sich gut mit seinen Kollegen und Chefs, kann seinen Hobbys nachgehen und Zeit mit seiner Familie und seinen Freunden verbringen. Das sei ihm am wichtigsten, wie Konstantin mit einem strahlenden L\u00e4cheln erkl\u00e4rt.<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11554\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/pia-kujat-e1646679399280.jpg?fit=1080%2C1080&amp;ssl=1 1080w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/>Pia Kujat<\/strong> studiert im 5. Semester und Philosophie sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Durch ihre Familie hat sie direkte Erfahrungen mit den Problemen, die Menschen mit Behinderung im Alltag begegnen. Deshalb m\u00f6chte sie mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema wecken.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Karriere f\u00fcr Menschen mit Behinderung ist meistens schon vorgezeichnet. 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