{"id":11296,"date":"2021-07-29T17:08:48","date_gmt":"2021-07-29T15:08:48","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11296"},"modified":"2021-07-29T17:08:48","modified_gmt":"2021-07-29T15:08:48","slug":"krisenberatung-per-chat-wie-kai-lanz-mit-seinem-team-kindern-und-jugendlichen-in-der-pandemie-hilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11296","title":{"rendered":"Krisenberatung per Chat: Wie Kai Lanz mit seinem Team Kindern und Jugendlichen in der Pandemie hilft"},"content":{"rendered":"<p>Wie geht es Kindern und Jugendlichen in der Pandemie? An wen k\u00f6nnen sie sich wenden in dieser schweren Zeit, in der viele sich einsam und zur\u00fcckgelassen f\u00fchlen? Kai Lanz, einer der Gr\u00fcnder des gemeinn\u00fctzigen Unternehmens Krisenchat aus Berlin, erkl\u00e4rt wie er und sein Team jungen Menschen in Not helfen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>von Alina Tigli<\/em><\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz 2020 wechseln Kinder und Jugendliche st\u00e4ndig zwischen Home-Schooling, Pr\u00e4senzunterricht oder dem Wechselmodell. Neben der Schule fielen auch Freizeitangebote wie Sportvereine lange weg. Mit diesem runtergefahrenen Sozialleben, dem Mangel an Entwicklungsr\u00e4umen und dem Anstieg h\u00e4uslicher Gewalt gehen schwere physische und psychische Folgen einher. Kinder werden zunehmend verhaltensauff\u00e4llig, erkranken h\u00e4ufiger an Depressionen und leiden unter Angstst\u00f6rungen.<\/p>\n<h3>Hamburger Studie zeigt: Kinder und Jugendliche leiden immer mehr unter \u00c4ngsten und Sorgen<\/h3>\n<p>Die COPSY-Studie (COrona und PSYche) der Uniklinik Hamburg-Eppendorf hat erstmals alarmierende Ergebnisse vorgelegt: Hatten w\u00e4hrend des ersten Lockdowns noch 15% der befragten Kinder und Jugendlichen \u00c4ngste und Sorgen, stieg die Zahl Anfang des Jahres 2021 bereits auf 30%. Wer hilft ihnen in dieser schweren Zeit? Sich an die Eltern oder Vertrauenspersonen zu wenden, f\u00e4llt Betroffenen h\u00e4ufig sehr schwer, denn offen \u00fcber sein seelisches Befinden zu reden, ist oft mit Scham verbunden. Hinzu kommen fehlende Therapiepl\u00e4tze in \u00fcberlasteten Praxen und Kliniken, die ellenlange Wartelisten zu verzeichnen haben.<\/p>\n<p>Welche M\u00f6glichkeiten sich Hilfe zu suchen gibt es f\u00fcr einen jungen Menschen, der sich in dieser<br \/>\nKrise einsam und zur\u00fcckgelassen f\u00fchlt? Eine erste Anlaufstelle bietet der Krisenchat. Das junge gemeinn\u00fctzige Berliner Unternehmen wurde zur Zeit des ersten Lockdowns gegr\u00fcndet und hat es sich zum Ziel gemacht, jungen Menschen in Not eine Ersthilfe zu leisten. Kindern und Jugendlichen bis 25 Jahren ist es m\u00f6glich,<br \/>\nkostenlos per Whatsapp-Chat mit professionellen Hilfskr\u00e4ften in Kontakt zu treten und \u00fcber ihre<br \/>\nProbleme anonym zu schreiben. Dabei ist das Angebot rund um die Uhr an sieben Tagen der<br \/>\nWoche verf\u00fcgbar. Mit Kai Lanz habe ich \u00fcber diese Arbeit gesprochen.<\/p>\n<h3>Hilfe per WhatsApp: Kai Lanz im Interview \u00fcber den Krisenchat<\/h3>\n<p><strong>Kai, wie kam es zur Gr\u00fcndung des Krisenchats?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11382\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11382\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11382 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179-225x300.jpg?resize=225%2C300\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=200%2C267&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=400%2C533&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=600%2C800&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=800%2C1067&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?resize=1200%2C1600&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/KaiLanz-e1627298247179.jpg?fit=3024%2C4032&amp;ssl=1 3024w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11382\" class=\"wp-caption-text\">Kai Lanz, Mitgr\u00fcnder von Krisenchat.de. Foto: Alina Tigli<\/p><\/div>\n<p>Der Krisenchat ist w\u00e4hrend der Corona-Zeit entstanden. Wir haben bei einem Vorg\u00e4ngerprojekt \u201aexclamo\u2018 mit Schulen zusammengearbeitet, als die dann aber auf einmal alle geschlossen waren, konnten wir dort nicht mehr helfen, da die anderes zu tun hatten. Gleichzeitig haben wir viele Berichte aus anderen L\u00e4ndern gesehen, in denen es bereits zum Lockdown kam und da hat man gesehen, dass es viel mehr F\u00e4lle von h\u00e4uslicher Gewalt und sexueller Gewalt an Kindern und Frauen gab. Dann haben wir gesagt, wir m\u00fcssen jetzt irgendwas machen, wir k\u00f6nnen nicht zulassen, dass das in Deutschland auch so passiert. Wir m\u00fcssen irgendwie eine niederschwellige M\u00f6glichkeit finden f\u00fcr junge Menschen, wie sie sich Hilfe holen k\u00f6nnen, um \u00fcber Probleme zu sprechen.<\/p>\n<p>Innerhalb von wirklich kurzer Zeit hat es sich best\u00e4tigt, dass es funktioniert und dass Leute das wollen. Wir hatten in den ersten 15 Minuten, seit es das Angebot gab, schon den ersten Chat. Seit dem 2. Mai 2020 sind wir jetzt rund um die Uhr erreichbar.<\/p>\n<p><strong>Wie ist der Krisenchat denn genau aufgebaut und was sind deine Aufgaben als Mitgr\u00fcnder?<\/strong><\/p>\n<p>Der Krisenchat hilft Kindern und Jugendlichen in Not. Die Beratung machen inzwischen etwa 300 ehrenamtliche Krisenberater*innen. Das sind alles ausgebildete Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen oder andere Expert*innen aus den Bereichen. Wir bilden zus\u00e4tzlich weiter aus, das hei\u00dft da gehen viele unserer Kapazit\u00e4ten rein, damit diese eine gute Beratung abliefern k\u00f6nnen. Au\u00dferdem motivieren wir sie nat\u00fcrlich kontinuierlich, um sie am Ball zu halten. Wichtig ist n\u00e4mlich, dass sie nachhaltig beraten und nicht nach ein paar Wochen ausgebrannt sind. Ich pers\u00f6nlich bin einerseits f\u00fcr unsere ganze Kommunikation und das Marketing verantwortlich zusammen mit dem Team. Gleichzeitig bin ich mit einem meiner Mitgr\u00fcnder f\u00fcr das Fundraising zust\u00e4ndig. Wir versuchen kontinuierlich weitere Unterst\u00fctzer*innen zu gewinnen, die mit uns auch an die Vision glauben.<\/p>\n<p><strong>Die ehrenamtlich arbeitenden Psychologen*innen und Psychotherapeut*innen hast du bereits erw\u00e4hnt. Mich interessiert wie ihr zu diesen Kontakt aufbaut, beziehungsweise sie \u201eanwerbt\u201c. Welche Voraussetzungen m\u00fcssen sie erf\u00fcllen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine unserer Kernaufgaben, wie wir es schaffen k\u00f6nnen, die Ehrenamtlichen zu begeistern und zu erreichen. Am Anfang ging viel \u00fcber Ausbildungsinstitute, die Werbung beispielsweise in ihren Newsletter getan haben. Auch \u00fcber die Presse, die von Anfang an eine tragenden Rolle gespielt hat. Radio, Zeitungen und das Fernsehen helfen. Facebookgruppen nicht zu vergessen, die dann \u201aSuche Psychotherapeut*innen in Berlin\u2019 oder sowas geteilt haben und so haben sich einige gemeldet. Inzwischen kommt ein sehr signifikanter Teil \u00fcber Freunde und Bekannte, das sind dann Personen die bei uns schon aktiv sind und die ihre anderen<br \/>\nPsycholog*innen-Freunde anwerben \u201aschau mal ich mach hier dieses Ehrenamt, das macht super viel Spa\u00df und man kann Leuten helfen und es ist gleichzeitig eine tolle Nebenbesch\u00e4ftigung. Willst du nicht auch mit machen?\u2018<\/p>\n<p>Bei uns arbeiten nur professionelle Fachkr\u00e4fte. Alle Berater*innen m\u00fcssen bestimmte Voraussetzungen erf\u00fcllen. Mindestens ein abgeschlossenes Bachelor-Studium in Psychologie, Soziale Arbeit oder Sozialp\u00e4dagogik haben. Am besten noch einen abgeschlossenen Master. Es gibt auch einige, die ihr Pflichtpraktikum f\u00fcr den Master bei uns machen. Wenn man nicht aus diesen Bereichen kommt, dann sollte man langj\u00e4hrige Beratungserfahrungen mit Kindern und Jugendlichen haben.<\/p>\n<p><strong>Das Angebot hat eine Altersgrenze bis 25 Jahre. Gibt es ein bestimmtes Alter, das sich <\/strong><strong>schwerpunktm\u00e4\u00dfig bei euch meldet?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, wir haben das Ganze erstmal auf 25 Jahre begrenzt, weil das wirklich die Gruppe ist, die am meisten Hilfe braucht, und f\u00fcr diese Generation gibt es wirklich wenig Angebote bis jetzt. Mit unseren limitierten Ressourcen m\u00fcssen wir uns einfach beschr\u00e4nken. Es f\u00e4ngt so ab 10 Jahren an, unter diesem Alter gibt es sehr wenige, die uns schreiben. Der Kern ist so zwischen 12 und 19 Jahren. Es gibt nat\u00fcrlich vereinzelt auch Hilfesuchende, die dieses Alter \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Problemen kommen die Kinder und Jugendlichen am h\u00e4ufigsten zu euch?<\/strong><\/p>\n<p>Die Themen sind wirklich eine totale Bandbreite von allem was so in der Gesellschaft existiert. Wir sehen sehr viele mit einer depressiven Symptomatik, die oft auch verbunden mit Suizid-Gedanken ist. Das sind so 20% der Chats. Sexuelle Gewalt spielt auch eine gro\u00dfe Rolle und generell h\u00e4usliche Gewalt. Ab und zu sind aber auch leichtere Themen dabei, wie Liebeskummer oder Einsamkeit.<\/p>\n<p><strong>Warum habt ihr euch speziell f\u00fcr die Chat-Funktion entschieden? Sind nicht Textnachrichten ein bisschen kurz, um Nutzern eine ausreichende Unterst\u00fctzung zu geben?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11386\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11386\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11386 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=300%2C200\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=400%2C267&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=800%2C534&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?resize=1200%2C800&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/krisenchatfounder.jpg?fit=2048%2C1366&amp;ssl=1 2048w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11386\" class=\"wp-caption-text\">Das Gr\u00fcnderteam, v.l.n.r. Hans Raffauf, Iris Lanz, Melanie Eckert, Kai Lanz, Jan Wilhelm. Foto: krisenchat.de<\/p><\/div>\n<p>Ich glaube, dass der Chat zwei Vorteile hat. Das eine ist, dass es wirklich sehr niederschwellig ist, so dass die Leute sich trauen dar\u00fcber zu sprechen, sich trauen wirklich erstmal die erste Hilfe zu holen. Neulich hatte ich erst wieder mit meinen Freunden die Situation, wo es darum ging bei einer Bar anzurufen, um zu fragen, ob die noch ge\u00f6ffnet hat und die haben sich dann total gedr\u00fcckt, da anzurufen. Da hab ich dann auch zu denen gesagt: \u201aGenau das ist der Grund warum wir die Chat-Funktion nutzen. Also wenn es jetzt darum ginge denen eine WhatsApp zu schreiben, h\u00e4ttet ihr euch nicht gedr\u00fcckt\u2019. Genau so geht es denke ich vielen Kindern und<br \/>\nJugendlichen, besonders bei schambesetzten Themen. \u00dcber 50% der Leute, die sich bei uns melden, haben explizit gesagt, dass sie das erste Mal \u00fcberhaupt \u00fcber ihr Problem reden.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil ist, dass die Chatfunktion in der Beratung hilft. Viele der Berater*innen, die zu uns kommen sagen \u201aAm Anfang war ich ein bisschen skeptisch und wusste nicht, kann man jetzt \u00fcberhaupt so gut \u00fcber den Chat beraten. Ich war dann aber total begeistert wie viel da geht\u2019. Ich denke gerade wenn es darum geht weitere Hilfe zu empfehlen, ist textbasierter Kontakt oft besser, weil man sich einerseits auch viel mehr Zeit nehmen kann. Zwischen den Nachrichten kann man sich auch mal zwei bis drei Minuten Pause nehmen f\u00fcr beide Seiten. Zus\u00e4tzlich kann man nat\u00fcrlich auch mal einen Link verschicken oder eine \u00dcbung empfehlen \u201aMach doch mal diese \u00dcbung, dann meldest du dich wieder und wir sprechen dar\u00fcber, wie die Erfahrung f\u00fcr dich war\u2019.<\/p>\n<p><strong>Eure Nutzer bleiben w\u00e4hrend der Beratung anonym. Was macht ihr, wenn es zu einem Akut-Fall kommt, bei dem ein Kind beispielsweise stark suizidal ist oder Gewalt erf\u00e4hrt?<\/strong><\/p>\n<p>Bei solchen Extremf\u00e4llen haben wir ein fest angestelltes Bereitschaftsteam und ein Team f\u00fcr Kindeswohlgef\u00e4hrdung, das genau dann eingreift. Dieses Team \u00fcbernimmt dann auch den Chat von den ehrenamtlichen Beratern und k\u00fcmmert sich darum. Ich w\u00fcrde allerdings da jetzt nicht weiter in die Tiefe gehen, weil es einfach ein sehr sensibles Thema ist, es geht dabei teilweise um Leben und Tod.<\/p>\n<p><strong>Verst\u00e4ndlich! Immer mehr junge Menschen leiden unter den Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung des Virus, das <\/strong><strong>zeigt zum Beispiel die COPSY-Studie der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf. Steigert sich dadurch auch die Zahl der Hilfesuchenden in eurem Chat oder gab es eine Zeit in der die Nachfrage besonders gro\u00df war?<\/strong><\/p>\n<p>Also man muss nat\u00fcrlich sagen, dass wir uns erst w\u00e4hrend des ersten Lockdowns gegr\u00fcndet haben, da kann man jetzt nicht so den Vorher-Nachher-Effekt sehen. Gleichzeitig haben wir w\u00e4hrend der Zeit der Gr\u00fcndung auch einfach mehr Bekanntheit erlangt, deswegen k\u00f6nnen wir jetzt nat\u00fcrlich keine bereinigten Daten darlegen, die einen Gesamttrend zeigen. Was sich schon ziemlich deutlich gezeigt hat ist, dass es gerade Anfang Januar 2021 angefangen hat hoch zu gehen, vor allem so bis April. Man kann aber sagen, dass der Trend seit der Gr\u00fcndung schon darin liegt, dass die Zahl kontinuierlich ansteigt. Wir denken auch, dass der Bedarf nochmal 100 bis 500 mal so gro\u00df ist, als das, was wir bis jetzt abdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Du sagst, dass der Bedarf nach Hilfe noch deutlich h\u00f6her ist, als ihr ihn abdecken k\u00f6nnt. Muss sich da nicht was in der Politik \u00e4ndern? In Deutschland hat diese gerade wegen der langen Schulschlie\u00dfungen, die Probleme von jungen Menschen verschlimmert haben, viel Kritik geerntet. Konnte das Krisenchat-Team schon mal mit der Politik in Kontakt treten?<\/strong><\/p>\n<p>Ja! Ich glaube f\u00fcr unser Thema ist es extrem wichtig, dass man auch politisch aktiv ist. Neben der Beratung wollen wir eine Ver\u00e4nderung im Mindset, also wie man \u00fcber psychische Probleme und die psychosoziale Gesundheit spricht, bewirken. Es ist ein grundgesellschaftliches Thema was wir ver\u00e4ndern wollen, da spielt nat\u00fcrlich die Politik auch mit rein. Wir waren leider ein bisschen frustriert, dass wir es bisher nicht geschafft haben, mit dem Familienministerium eine Kooperation aufzubauen. Mit der Politik und den Ministerien haben wir uns schon viel ausgetauscht und bleiben weiter am Ball. Gerade im Hinblick auf die kommende Wahl tauschen wir uns mit Politiker*innen aus. Die Politik sollte gerade jetzt sehen, wie man Kinder und Jugendliche st\u00fctzen kann.<\/p>\n<p><strong>Zum Abschluss: Was w\u00fcnschst du dir von der Politik in Bezug auf euer psychisches Hilfsangebot den Krisenchat?<\/strong><\/p>\n<p>Wir w\u00fcrden uns nat\u00fcrlich \u00fcber Unterst\u00fctzung freuen, vor allem mit dem einzigartigen 24\/7 Ansatz. Damit wir es schaffen, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Generell ist glaube ich wichtig, dass das Problem mehr anerkannt wird. Dass neben physischer Gesundheit besonders auch \u00fcber die psychische Gesundheit geredet wird. Ich bin aber immer ein bisschen vorsichtig mit Aussagen wie \u201aDas muss jetzt in den Lehrplan reingehen\u2019, aber ich glaube gerade F\u00e4higkeiten der Achtsamkeit, der Selbstregulation und Resilienzst\u00e4rkung sind extrem wichtig und helfen jedem Menschen weiter. Deswegen f\u00e4nde ich es schon super, wenn zumindest Initiativen unterst\u00fctzt werden, die das vielleicht auch vor Ort f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11381 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?resize=1200%2C1200&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/AlinaTigli-e1627297545437.jpg?fit=2503%2C2503&amp;ssl=1 2503w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><strong>Alina Tigli <\/strong> studiert im 4. Semester Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie geht es Kindern und Jugendlichen in der Pandemie? An wen k\u00f6nnen sie sich wenden in dieser schweren Zeit, in der viele sich einsam und zur\u00fcckgelassen f\u00fchlen? 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