{"id":11288,"date":"2021-07-23T09:15:17","date_gmt":"2021-07-23T07:15:17","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11288"},"modified":"2021-07-23T09:15:17","modified_gmt":"2021-07-23T07:15:17","slug":"kuenstler-in-der-corona-krise-ein-interview-mit-dem-fotografen-markus-nass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11288","title":{"rendered":"K\u00fcnstler in der Corona-Krise: Ein Interview mit dem Fotografen Markus Nass"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit 18 Jahren ist Markus Nass als freiberuflicher Fotograf t\u00e4tig. Mit Event-Fotografie und Schauspieler-Portraits hat er normalerweise mehr als genug zu tun. Doch die Corona-Pandemie hat vor allem f\u00fcr die freiberuflichen K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen einiges unm\u00f6glich gemacht. \u00dcber seine Erfahrungen des letzten Jahres spricht er nun im Interview.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>von Sophie Bahr<\/em><\/p>\n<h3>Traumjob Freiberufler<\/h3>\n<p><strong>Markus, wie lange arbeitest du schon in deinem Beruf und wie bist du dazu gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2003 mache ich das beruflich. Ich habe eine Ingenieurswissenschaft studiert und da musste ich in einem technischen Beruf ein Praktikum machen. Das habe ich in einem Fotolabor gemacht. Dar\u00fcber habe ich einen Fotografen kennengelernt \u2013 nach wie vor ein guter Freund und mein Mentor, wenn man so will. Das war eine gl\u00fcckliche F\u00fcgung. Er hatte ein Riesenfotostudio in K\u00f6ln und hat damals gesagt \u201ehier ist mein Studioschl\u00fcssel, hier ist mein Kameraschrankschl\u00fcssel, lad dir Kommilitonen ein, mach und tu und probiere dich aus\u201c. Das habe ich gemacht und habe dann irgendwann neben dem Studium erste Jobs angenommen. Das wurde immer mehr und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nur noch in diese eine Richtung gehe. Ich habe dann irgendwann eine Klausur fr\u00fcher abgegeben, weil ich zu einem Job musste. Ich habe gedacht drei Aufgaben br\u00e4uchte ich noch, aber ich muss jetzt los, sonst schaffe ich den Job nicht und dann habe ich mich irgendwann dazu entschieden, mich auf das Freiberufler-Dasein einzulassen.<\/p>\n<p><strong>Was genau bedeutet das Freiberufler-Dasein f\u00fcr dein Arbeiten? <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11354\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11354\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11354\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=300%2C199\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=400%2C266&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=600%2C399&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=800%2C532&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=1024%2C681&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?resize=1200%2C798&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-1_Markus-Nass-im-Home-Office.jpg?fit=3008%2C2000&amp;ssl=1 3008w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11354\" class=\"wp-caption-text\">Markus Nass in seinem Home Office. Foto: Sophie Bahr<\/p><\/div>\n<p>Ich werde von Agenturen gebucht, Event-Agenturen, teilweise von Firmen f\u00fcr Events und auf der anderen Seite werde ich entweder direkt von Schauspielern gebucht, die Fotos brauchen f\u00fcr ihre Akquise-Arbeit oder f\u00fcr Portfolios &#8211; mit diesen Fotos stellen sie sich also den Castern vor. Andererseits habe ich eine Presse-Agentur, welche dar\u00fcber informiert ist, was Schauspieler XY gerade dreht. Sie fragen dann beim Management vom Schauspieler an, ob der Zeit hat f\u00fcr Fotos und fragt dann wiederum mich, ob ich Zeit habe, Schauspieler XY zu fotografieren. Sp\u00e4ter streuen wir das Material dann zum Filmstart auf den Markt. Oder mich kontaktieren Zeitschriften direkt, das geht auch. Dann rufen die Zeitschriften wie zum Beispiel die \u201eBunte\u201c oder so direkt an.<\/p>\n<p><strong>Abgesehen von Corona, wie sieht dein normaler Arbeitsalltag aus? <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11355\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11355\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11355\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=300%2C225\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=400%2C300&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=600%2C450&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=800%2C600&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?resize=1200%2C900&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-3_Shooting-f\u00fcr-ein-Schauspieler-Portrait.jpg?fit=1600%2C1200&amp;ssl=1 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11355\" class=\"wp-caption-text\">Shooting f\u00fcr ein Schauspieler-Portrait. Foto: Markus Nass<\/p><\/div>\n<p>Also einen Alltag in dem Sinne gibt es nicht. Letzte Woche zum Beispiel hat mich ein Schauspieler gebucht, mit dem habe ich dann einen Termin gemacht. Ich habe ein kleines Studio, da treffe ich mich morgens mit ihm oder ihr und wir machen drei bis vier Stunden Fotos. Danach fahre ich nach Hause und kopiere die Daten auf meinen Computer. Wenn die Zeit da ist, mache ich dann direkt die Bildbearbeitung und schicke einen Link an die Schauspieler raus. Dann muss ich zwischendurch nat\u00fcrlich immer noch Angebote und Rechnungen schreiben, teilweise kommen Anfragen. Was relativ oft passiert ist, dass zum Beispiel H\u00f6rbuch-Verlage anrufen und ein Foto ordern wollen, da muss ich mich dann drum k\u00fcmmern &#8211; also eigentlich B\u00fcroarbeit, wenn man so will. Aber ich habe keine festen B\u00fcrozeiten, das w\u00fcrde nicht funktionieren, weil meine Jobs so chaotisch sind. Ich schieb das immer irgendwie dazwischen.<\/p>\n<p><strong>Was geh\u00f6rt denn zu deinem Beruf alles dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Bilder machen, Bildbearbeitung und B\u00fcroarbeit. Eigentlich geh\u00f6rt Akquise auch dazu, aber ich muss sagen, dass ich da sehr faul bin. Ich habe das Gl\u00fcck, dass ich einen tollen Kundenstamm habe, einen sehr treuen und tollen Kundenstamm und meine Akquise machen eigentlich die Schauspieler selbst. Die posten meine Fotos und schreiben meinen Namen drunter und ich bekomme dadurch ganz oft Anrufe von Schauspielern, die sagen: \u201eIch habe deine Fotos bei dem und dem oder der und der gesehen, was kostest du?\u201c<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3>Schwere Zeiten w\u00e4hrend der Corona-Pandemie?<\/h3>\n<p><strong>Wie hat die Corona-Pandemie ganz allgemein dein Arbeiten beziehungsweise deinen <\/strong><strong>Arbeitsalltag ver\u00e4ndert? <\/strong><\/p>\n<p>Als das losging war ja eine gro\u00dfe Verwirrung, da kam eine Absage nach der anderen und keiner wusste irgendwas. Also ich muss immer auf zwei Schienen antworten: also die Leute, die Veranstaltungen machen, haben entweder sofort die Notbremse gezogen oder haben mich angerufen und gesagt, sie wissen nicht ob sie gewisse Sachen machen k\u00f6nnen, aber vielleicht gibt es ja bald eine Lockerung. Keiner wusste irgendwas. Im Endeffekt sind fast alle Event-Jobs weggebrochen, Schauspieler-Portraits sind die ersten Monate eigentlich auch fast komplett weggebrochen. Die Leute, die keine festen Drehengagements hatten, haben da auch mehr aufs Geld geachtet &#8211; die haben nat\u00fcrlich andere Sorgen als sich um sowas zu k\u00fcmmern &#8211; und die Leute, die in Produktionen waren, die vielleicht irgendwann wieder stattgefunden haben, hatten teilweise ganz krasse Auflagen. Die Produktionen sind so geschlossen Systeme und die Schauspieler durften dann nicht einfach zu einem Fotografen ins Studio, weil die Gefahr, dass der oder sie dann Corona anschleppt zu gro\u00df ist.<\/p>\n<p><strong>Was war f\u00fcr dich das Schwerste daran, unter Pandemie Bedingungen zu arbeiten und was hat dir pers\u00f6nlich so am meisten gefehlt?<\/strong><\/p>\n<p>Also ich muss dazu sagen: Ich hatte in finanzieller Hinsicht ein bisschen Gl\u00fcck, da ich \u00fcber 20 Jahre ein Archiv an Fotos aufgebaut habe und die Zeitschriften deshalb alte Bilder gedruckt haben, weil keine neuen produziert werden konnten. Das hei\u00dft meine Agentur, meine Fotoverk\u00e4ufe sind hochgegangen \u2013 das hat nicht alles ausgeglichen, aber doch vieles. Was aber gefehlt hat, war nat\u00fcrlich der pers\u00f6nliche Kontakt. Bei den Jobs, die nicht stattfinden sowieso, weil es halt einfach sch\u00f6n ist, mit Leuten einen Tag zu verbringen. Da kommt eine Maskenbildnerin, man trinkt Kaffee, man unterh\u00e4lt sich und tauscht sich aus &#8211; das bereichert einen. Andererseits gab es dann doch ein paar Events, die stattgefunden haben, da war es halt einfach komisch. Mein erstes Event war der Kindertag f\u00fcr Ferrero. Das ist ein Promi Event, eigentlich mit rotem Teppich und da kommen ganz viele Promis und man kennt sich auch untereinander. Normalerweise begr\u00fc\u00dft man sich, man h\u00e4lt einen Plausch, aber jetzt war das alles innerhalb der Events ganz krass r\u00e4umlich getrennt. Die Fotografen standen dann zum Beispiel nicht nebeneinander, sondern jeder hatte zwei Meter Platz und rechts und links eine Plexiglaswand stehen. Das war schon ein bisschen komisch alles.<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<h3>\u201eIch habe gelernt, dass man mit weniger durchaus wunderbar durchs Leben kommen kann, vielleicht sogar ein bisschen freier.\u201c<\/h3>\n<p><strong>Gab es denn auch positive Aspekte am Arbeiten w\u00e4hrend Corona?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11356\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11356\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11356\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=300%2C225\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=400%2C300&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=600%2C450&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=800%2C600&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?resize=1200%2C900&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-4_Markus-Nass-Webseite.jpg?fit=4027%2C3020&amp;ssl=1 4027w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11356\" class=\"wp-caption-text\">Arbeit an der Webseite. Foto: Markus Nass<\/p><\/div>\n<p>Ja, ich f\u00fcr mich habe mir dadurch einen Traum erf\u00fcllen k\u00f6nnen, das h\u00e4tte ich ohne Corona nie gemacht: Ich habe ein Fernstudium angefangen. Ich bin schon immer Hobby-Musiker und schon immer Hobby-Toningenieur und jetzt habe ich mich dazu entschieden, ein Studium zum Toningenieur anzufangen. Das h\u00e4tte ich ohne Corona nicht gemacht, weil man ja sonst immer so im \u201eflow\u201c ist und sich die Zeit dann einfach nicht nimmt. Aber jetzt habe ich sie mir genommen, was mich pers\u00f6nlich sehr gl\u00fccklich macht. Und langfristig gesehen, glaube ich \u2013 und das kann man jetzt nicht nur auf meine Branche beschr\u00e4nken \u2013 ging es in so eine ganz komische Richtung in letzter Zeit, dass alles effektiver, schneller, mehr und immer gr\u00f6\u00dfer sein musste. Und ich glaube, ich erhoffe mir, dass jetzt so ein kleines Umdenken stattfindet. Dass die Leute merken, dass es eben nicht alles schnell, billig und immer gr\u00f6\u00dfer sein muss, sondern dass es vielleicht auch um andere Sachen geht.<\/p>\n<p><strong>Es wurden jetzt w\u00e4hrend der Pandemie einige staatliche Hilfen f\u00fcr K\u00fcnstler*innen angeboten. Wie hast du das wahrgenommen? Hattest du damit irgendwie Kontakt?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, hatte ich. Damals &#8211; das war gerade in so einem Moment, wo wirklich jeden Tag eine Absage kam und man \u00fcberhaupt gar nicht wusste, was kommt \u2013 habe ich, als diese Corona-Soforthilfe kam, diese beantragt und auch bekommen. Im Nachgang habe ich dann nat\u00fcrlich einen Gro\u00dfteil zur\u00fcck\u00fcberwiesen. Vor ein paar Tagen habe ich noch mit meiner Steuerberaterin dar\u00fcber gesprochen, die mir best\u00e4tigt hat, dass es finanziell gar nicht schlechter gelaufen ist w\u00e4hrend Corona, aber ich habe die Hilfen tats\u00e4chlich sehr unb\u00fcrokratisch bekommen. Nat\u00fcrlich habe ich aber auch in dem Zusammenhang sehr negative Sachen von zum Beispiel Schauspielern geh\u00f6rt. Aber ich kann nur f\u00fcr mich pers\u00f6nlich sprechen, weil ich alles andere nur \u00fcber Umwege erfahren habe und bei mir hat das alles gut geklappt.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4ttest du dir vielleicht noch etwas anderes an Hilfen oder \u00c4hnlichem f\u00fcr freiberufliche K\u00fcnstler*innen gew\u00fcnscht?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber das ist jetzt ein bisschen schwierig. Als das gerade so losging und alles so chaotisch war, da waren ja alle in derselben Situation. Man kann dann immer im Nachgang mit dem Finger zeigen und sagen, da h\u00e4ttet ihr auch mal ein bisschen unb\u00fcrokratischer handeln k\u00f6nnen. Im ersten Moment habe ich einfach gedacht: Okay, da geht von meinem Konto jeden Monat so viel Geld ab, das ich aber momentan gar nicht verdiene.<\/p>\n<p>Was mir jetzt gerade so ein bl\u00f6des Gef\u00fchl gibt ist, dass in Gro\u00dfraumb\u00fcros die Leute glaube ich zum Gro\u00dfteil ohne Masken sitzen und da gef\u00fchlt alles ganz normal weiter geht. Ich hatte neulich einen Job, da musste ich vorher getestet hin \u2013 was auch normal ist. Der war drau\u00dfen, es war wahnsinnig viel Platz, ich hatte keinen direkten Kontakt zu Leuten und ich musste trotzdem den ganzen Tag mit Maske rumlaufen. Und das ist so eine Ungleichheit, die einem ein bl\u00f6des Gef\u00fchl gibt. Ich habe kein Problem damit, eine Maske zu tragen, aber dass es an einer Stelle so einfach funktioniert und woanders nicht, zum Beispiel bei meinem Sohn in der Schule, wo die Kinder f\u00fcr vier Stunden mit der Maske sitzen m\u00fcssen, das ist so ein Ungleichgewicht. Woran das genau liegt, kann ich dir nicht sagen.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Konsequenzen, die du aus dieser Zeit f\u00fcr dich gezogen hast oder etwas, was du dir f\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschst?<\/strong><\/p>\n<p>Also ganz allgemein, im Privaten und im Beruflichen, bewusster durchs Leben zu gehen. Ich habe in den letzten Jahren gut verdient, was aber gelichzeitig mit so einem Druck verbunden ist, weil man dann gleichzeitig immer so eine Angst hat, ob das mit der Steuer alles klappt oder da vielleicht irgendetwas schiefl\u00e4uft. Das gibt einem einen ganz komischen Druck und jetzt durch die Corona-Zeit, wo wir zwar genug Geld hatten aber eben etwas weniger als sonst, habe ich f\u00fcr mich gelernt, dass man mit weniger durchaus wunderbar durchs Leben kommen kann, vielleicht sogar ein bisschen freier. Und ich habe mir vorgenommen, ein bisschen bewusster vielleicht auch Jobs auszuw\u00e4hlen. Nicht aus der Angst heraus, dass morgen das Telefon vielleicht nicht klingelt und man sich deshalb sagt, ich nehme jetzt alles an was ich kriegen kann. Ich habe jetzt zum Beispiel eine Anfrage, das ist ein Kunde, wo es um etwas Pharmazeutisches geht, wo ich mir nicht sicher bin, ob das irgendetwas Lobbyistisches ist, womit ich nichts zu tun haben will. Also insgesamt bewusster an alles herangehen und ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-11351 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?resize=1200%2C1200&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-5_Autoren-Portrait-e1627023342798.jpg?fit=1335%2C1335&amp;ssl=1 1335w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><strong>Sophie Bahr <\/strong>studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Englische Philologie im 6. Semester. Das Fotografieren fand sie schon immer faszinierend.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 18 Jahren ist Markus Nass als freiberuflicher Fotograf t\u00e4tig. Mit Event-Fotografie und Schauspieler-Portraits hat er normalerweise mehr als genug zu tun. Doch die Corona-Pandemie hat vor allem f\u00fcr die freiberuflichen K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen einiges unm\u00f6glich gemacht. \u00dcber seine Erfahrungen des letzten Jahres spricht er nun im Interview.<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":11352,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[501,502,497],"tags":[950,300,966,32,951],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Abbildung-2_Portrait-Markus-Nass.jpg?fit=3008%2C2000&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11288"}],"collection":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/47"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11288"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11288\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11358,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11288\/revisions\/11358"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}