{"id":11286,"date":"2021-07-22T14:23:36","date_gmt":"2021-07-22T12:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11286"},"modified":"2021-07-26T13:01:29","modified_gmt":"2021-07-26T11:01:29","slug":"das-zuhause-ist-in-der-pandemie-wichtiger-geworden-die-interior-designerin-maj-van-der-linden-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11286","title":{"rendered":"Das Zuhause ist in der Pandemie wichtiger geworden: Die Interior Designerin Maj van der Linden im Interview"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nie zuvor haben wir so viel Zeit Zuhause verbracht wie im vergangenen Pandemie-Jahr. Die eigenen vier W\u00e4nde wurden f\u00fcr viele gleichzeitig B\u00fcro und Fitnessstudio. Tags\u00fcber Kinderbespa\u00dfungszentrum, abends provisorischer Kinosaal oder Ersatz f\u00fcr die Bar um die Ecke. Die Berliner Interior Designerin Maj van der Linden wei\u00df, wie man all das stilsicher unter einen Hut bekommt. Im Interview erz\u00e4hlt sie von ihrem Arbeitsalltag zwischen Baustelle und Schreibtisch, dem Mut zu Experimentieren und ihrer fr\u00fchen Begeisterung f\u00fcr Vintage-M\u00f6bel.<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>von Theresa Bareth<\/em><\/p>\n<p><strong>Frau van der Linden, wie kommt es, dass Sie heute beruflich die Wohnungen fremder Menschen einrichten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe sehr fr\u00fch angefangen mich f\u00fcr Design-M\u00f6bel zu interessieren, so mit 17 oder 18. Mit meinem damaligen Freund, der sehr design- und kunstbegeistert war, habe ich alte M\u00f6bel, vor allem Klassiker aus den 50er bis 70er Jahren, gesammelt. Und damit ging dann eben auch einher, dass man einrichtet. Dass man ein passendes Umfeld schafft f\u00fcr die St\u00fccke. Eigentlich habe ich etwas ganz anderes studiert, Sozialp\u00e4dagogik. Aber parallel habe ich mich immer auch mit dem Einrichten besch\u00e4ftigt. Ich wurde viel von Freunden angesprochen, die meine Wohnung sch\u00f6n fanden oder wussten, dass ich mich mit dem Thema auseinandersetze. Auf die Idee, dass man daraus einen richtigen Job machen k\u00f6nnte, kam ich damals aber noch nicht. Ein, zwei Jahre sp\u00e4ter habe ich mit meiner Firma Vintagency einen Blog gestartet. Da ging es viel um Vintage-M\u00f6bel und Upcycling. Ohne allzu gro\u00dfe Erwartungen darin zu setzen, habe ich dann noch einen Service gelauncht. Nach dem Motto: Na mal sehen, ob da was kommt.<\/p>\n<h3>\u201eTotal ins kalte Wasser gesprungen\u201c<\/h3>\n<p>Und dann kam tats\u00e4chlich sehr schnell eine Anfrage rein, von einer Agentur aus Frankfurt am Main, die in Berlin-Mitte R\u00e4ume gekauft hatte. Und das, ohne dass ich da wirklich was vorzeigen konnte \u2013 ein Studium oder gr\u00f6\u00dfere Projekte. Alles was ich hatte waren ein paar Bilder von Raumecken. Wir haben das Ganze trotzdem gemacht, sind total ins kalte Wasser gesprungen. Die Bilder von dem fertigen Projekt haben wir auf unserer Website ver\u00f6ffentlicht. Sie gingen viral, bis sie sogar ein Wohnmagazin aus Brasilien genutzt hat. Es ist ja so: Interior Designer ist keine gesch\u00fctzte Berufsbezeichnung, es gibt verschiedene Wege dahin. Inzwischen arbeite ich viel mit der Architektin Esther Berkhoff zusammen. Das ist sehr hilfreich, weil es beim Einrichten oft auch um technische Sachen geht. Und heute machen wir auch mehr als \u201enur\u201c einrichten, das hei\u00dft, wir betreuen ganzheitliche Projekte, wir bauen eigene M\u00f6bel.<\/p>\n<h3>Kein Nine to Five-Job<\/h3>\n<p><strong>Viele verschiedene Aufgaben also. Wie k\u00f6nnen wir uns Ihren Berufsalltag vorstellen?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11344\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11344\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11344\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=300%2C220\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=200%2C147&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=300%2C220&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=400%2C293&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=600%2C440&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=800%2C587&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=1024%2C751&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?resize=1200%2C880&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-2.jpg?fit=1536%2C1127&amp;ssl=1 1536w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11344\" class=\"wp-caption-text\">Auf den Millimeter genau: Ma\u00dfgefertigte M\u00f6bel wie diesen Einbauschrank designt Maj van der Linden zusammen mit der Architektin Esther Berkhoff. Foto: Lutger Paffrad<\/p><\/div>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gibt es drei Teile: Das, was Menschen immer zuerst mit Interior Design verbinden, ist nat\u00fcrlich der kreative Teil \u2013 die Konzeptentwicklung. Oft denkt man ja erstmal: Oh, was f\u00fcr ein Traumjob! Leute geben dir Geld und dann ist das Einrichten wie Selbstverwirklichung. So einfach ist das nat\u00fcrlich nicht. Als Interior Designerin verbringt man auch sehr viel Zeit mit Kundenkommunikation. Ich mache viel im Bereich Residential, also im privaten Sektor. Und da m\u00f6chten die Kunden nat\u00fcrlich sehr viel mitsprechen, wollen in die Entscheidungen eingebunden werden &#8211; schlie\u00dflich geht es am Ende um ihr Zuhause, sie m\u00fcssen sich dort wohlf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Dann w\u00e4re da noch der Teil auf der Baustelle. Als Bauleitung muss man immer ein Auge darauf haben, wie hier der Fortschritt ist und was laufend passiert. Es ist auf jeden Fall kein Nine to Five-Job. Die Arbeitszeiten h\u00e4ngen bei uns immer stark von den Projekten ab, auch von den Einsatzorten. Kunden kommunizieren h\u00e4ufig abends, weil sie tags\u00fcber selbst arbeiten. Der Handwerker dagegen ruft auch mal morgens um sieben Uhr an. Grunds\u00e4tzlich l\u00e4uft vieles nebenher. Manchmal wird es da auch schwer das Privatleben klar vom Berufsleben abzugrenzen. Andererseits genie\u00dfe ich auch diese Flexibilit\u00e4t, die M\u00f6glichkeit sich selbst Freir\u00e4ume zu schaffen: Manchmal arbeite ich dann eben zwei Tage ganz viel und kann mir daf\u00fcr auch mal einen Tag unter der Woche freinehmen.<\/p>\n<p><strong>Das klingt so, als w\u00fcrden Sie mit vielen verschiedenen Personen zusammenarbeiten.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, man braucht schon ein gutes Netzwerk an vertrauensvollen Personen. Das geht vom Tischler \u00fcber den Metallbauer zum Glaser und Estrichleger. Als Interior Designerin koordiniert man ja all diese Arbeiten. Und wenn mal was nicht so glatt l\u00e4uft, ist man auch diejenige, die das vom Kunden fernh\u00e4lt, sodass ihm der Umbau am Ende m\u00f6glichst reibungslos erscheint.<\/p>\n<h3>Eine eigene Handschrift etablieren<\/h3>\n<p><strong>Sie beschreiben Ihren Stil als Mix aus Mid Century-Einfl\u00fcssen und modernen Signature-Pieces. Wie weit gehen Sie auf Kunden zu, die andere Einrichtungsw\u00fcnsche haben? Oder kommen sowieso nur Kunden zu Ihnen, die Ihren Stil teilen?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11345\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11345\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11345\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?resize=200%2C300\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?resize=400%2C600&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?resize=600%2C900&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?resize=800%2C1200&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-3.jpg?fit=1200%2C1800&amp;ssl=1 1200w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11345\" class=\"wp-caption-text\">\u201eEs braucht schon eine \u00e4hnliche \u00c4sthetik\u201c: Mid Century-Lowboard trifft auf zartes T\u00fcrkis. Foto: Anne-Catherine Scoffoni.<\/p><\/div>\n<p>Das ist eine gute Frage, denn letztendlich ist es nat\u00fcrlich immer ein Abw\u00e4gen. Am Ende des Monats muss man schlie\u00dflich irgendwie seine Rechnungen bezahlen k\u00f6nnen. Andererseits m\u00f6chte man auch eine eigene Handschrift etablieren und f\u00fcr einen bestimmten Stil stehen. Denn, ich glaube, nur dann ist man auch richtig gut. Es gibt Kunden, die mich anfragen und die ich sympathisch finde. Aber dann merke ich gleich beim ersten Kennenlerntreffen, dass unsere Vorstellungen stark auseinander gehen. Und inzwischen kommuniziere ich das dann auch so. Ich sage ihnen, dass ich nicht die richtige Person daf\u00fcr bin. Am Anfang habe ich solche Projekte ein paarmal gemacht. Aber oft habe ich gemerkt, dass weder ich noch der Kunde am Ende mit dem Ergebnis so ganz zufrieden waren. Es braucht schon eine \u00e4hnliche \u00c4sthetik und ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, was sich der andere vorstellt.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich die Corona-Pandemie auf ihre Arbeit als Interior Designerin ausgewirkt?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind zweierlei Dinge: Einerseits gab es Anfragen, vor allem gr\u00f6\u00dfere Projekte im privaten Bereich, die wegen der Pandemie nicht mehr stattgefunden haben oder \u201aon hold\u2018 waren. Weil die Kunden nicht so genau wussten, wie es beruflich f\u00fcr sie weitergehen w\u00fcrde und da dann auch finanzielle Unsicherheiten bestanden.<br \/>\nAndererseits gab es auch viele Menschen, die in dieser Zeit nicht in den Urlaub gefahren sind, aber weiter ihr Geld verdient haben. Und dann haben sie dieses Geld eben stattdessen in das neue Wohnzimmer oder das veraltete Bad gesteckt. Dadurch, dass man so viel Zeit dort verbracht hat, hat das Zuhause nochmal eine andere Wichtigkeit bekommen. Gerade f\u00fcr Leute, die sonst viel arbeiten, die viel unterwegs sind. Deshalb waren sie auch eher bereit hier Geld zu investieren, das sie sonst wahrscheinlich f\u00fcr andere Aktivit\u00e4ten ausgegeben h\u00e4tten.<\/p>\n<h3>Arbeitsplatz Wohnzimmer<\/h3>\n<p>Und das ging dann auch einher mit vermehrten Anfragen von Leuten, die nun zuhause arbeiten mussten und hier nach funktionalen Einrichtungsl\u00f6sungen gesucht haben. Diese Entwicklung ist an sich nicht neu. Die beiden Bereiche Wohnen und Arbeiten, sind auch schon vor der Pandemie immer mehr verschmolzen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Menschen immer h\u00e4ufiger im Home Office arbeiten. Aber auch andersrum daran, dass B\u00fcros immer wohnlicher werden, mit Launch Ecken und so was. Trotzdem hat sich das durch die Pandemie sozusagen nochmal zwangsintensiviert. Und man kennt das &#8211; man kann mit dem Laptop schnell mal irgendwo arbeiten, aber dann braucht man doch ein bisschen mehr Raum, wenn man auf einmal die ganze Woche Zuhause ist. Man m\u00f6chte schlie\u00dflich nicht, dass das ganze Wohnzimmer zum Arbeitszimmer wird. Hier galt es L\u00f6sungen zu finden, wie man das Arbeiten integrieren kann, ohne zu sehr in einen Office Look zu verfallen.<\/p>\n<p><strong>Was sind das grunds\u00e4tzlich f\u00fcr Objekte, die Sie einrichten?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11346\" style=\"width: 291px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11346\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11346\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-4.png?resize=281%2C300\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-4.png?resize=200%2C214&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-4.png?resize=281%2C300&amp;ssl=1 281w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-4.png?resize=400%2C427&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-4.png?fit=442%2C472&amp;ssl=1 442w\" sizes=\"(max-width: 281px) 100vw, 281px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11346\" class=\"wp-caption-text\">Interior Designerin Maj van der Linden lebt selbst in einer Mietwohnung. Foto: Maj van der Linden<\/p><\/div>\n<p>Zun\u00e4chst ist es so, dass Interior Designer in Deutschland als Beruf noch nicht so anerkannt ist. Das hei\u00dft, die meisten Deutschen kaufen eine Wohnung oder bauen ein Haus, aber die Interior Planung ist da noch gar nicht mitgedacht, sie kaufen sozusagen erstmal ein nacktes Geb\u00e4ude. F\u00fcr Menschen aus dem Ausland dagegen ist es viel normaler, sich von Anfang an auch eine Unterst\u00fctzung beim Einrichten zu holen. Das sind dann Wohnungen aller Gr\u00f6\u00dfen, in Berlin zum Beispiel sind ja auch kleinere Wohnungen inzwischen sehr teuer.<\/p>\n<p>Die andere Sache ist, dass es sehr wenige Leute gibt, die das bei einer Mietwohnung machen. H\u00e4ufig will man da nicht so viel reinstecken, besonders, wenn man wei\u00df, dass es nur tempor\u00e4r ist. Nat\u00fcrlich ist das aber auch kein Ausschlusskriterium \u2013 wenn die Miete billig ist und man lange bleiben m\u00f6chte, lohnt es sich schon dar\u00fcber nachzudenken.<\/p>\n<h3>Interior Design in Deutschland \u201enoch ein bisschen verp\u00f6nt\u201c<\/h3>\n<p><strong>Sie haben gesagt, der Beruf der Interior Designerin sei in Deutschland noch nicht so anerkannt?<\/strong><\/p>\n<p>In den USA, wo ich einige Zeit gelebt habe, ist die Situation schon anders. Dort greift alles vielmehr ineinander, das hei\u00dft da arbeitet der Architekt von Anfang an schon mit dem Interior Designer und dem Lichtplaner zusammen. In Deutschland kommt dagegen alles nacheinander und das ist nicht ideal. Denn es gibt viele Abh\u00e4ngigkeiten, die h\u00e4ufig nicht bedacht werden. Das bedeutet dann im Zweifel, dass die Wand, die der Architekt hier aufgestellt hat, im n\u00e4chsten Schritt von meinen Handwerkern wieder eingerissen wird. Und dann muss der Elektriker wiederkommen, weil die Anschl\u00fcsse nicht mehr stimmen und so weiter. Sowas ist in Deutschland die Regel. Ich habe das Gef\u00fchl, da findet auch kein Lernprozess statt. In anderen L\u00e4ndern wird dagegen von Anfang an viel ganzheitlicher gedacht und der Interior Designer ist in diesem Prozess auch viel akzeptierter. In Deutschland ist das eher noch ein bisschen verp\u00f6nt. Die Leute geben nur ungern zu, dass sie ihre Wohnung nicht selbst eingerichtet haben. Sie wollen schon gerne sagen, dass das ihre Kreation ist, ihr Stil.<\/p>\n<p><strong>Vielleicht ist das auch ein bisschen als Individualismus-Streben zu verstehen? Dieser Stolz auf das Eigene?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das ist nat\u00fcrlich immer so eine Sache mit dem Individualismus. Die Menschen zeigen online immer mehr, wie sie wohnen. Nicht nur was sie anhaben und wie sie reisen, sondern eben auch ihr Zuhause, ihre Einrichtung. F\u00fcr viele Menschen, besonders solche, die sich keinen Interior Designer leisten k\u00f6nnen oder wollen, kann das nat\u00fcrlich auch inspirierend sein. In Wohnmagazinen oder von Social Media kann man sich heute viel abgucken, Dinge nachmachen. Aber ob das dann so individuell ist, sei mal dahingestellt. H\u00e4ufig bleibt es eher bei einem oberfl\u00e4chlichen Dekorieren. Was wir machen ist da schon nochmal was anderes, wir planen ja auch ma\u00dfgefertigte M\u00f6bel und machen ganzheitliche Konzepte. Und in der Regel sind unsere Kunden eben schon Leute, die an einem Punkt in ihrem Leben stehen, an dem es gewisse Sicherheiten gibt. Wir haben zum Beispiel kaum Kunden, die unter drei\u00dfig sind.<\/p>\n<h3>Im Privatbereich ist das Arbeiten pers\u00f6nlicher<\/h3>\n<div id=\"attachment_11347\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11347\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11347\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=200%2C300\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=400%2C600&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=600%2C900&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=800%2C1200&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?resize=1200%2C1800&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-5.jpg?fit=1280%2C1920&amp;ssl=1 1280w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11347\" class=\"wp-caption-text\">Spot on f\u00fcr die Design-Bank aus Walnussholz vor einer Wand in Altrosa. Foto: Ludger Paffrath<\/p><\/div>\n<p><strong>Apropos Kunden: Arbeiten Sie mehr im Privatbereich oder mit Gesch\u00e4ftskunden? Welche sind (un)komplizierter?<\/strong><\/p>\n<p>Ich mache mehr im Privatbereich. Nicht unbedingt aus Prinzip. Es ist eher so, dass ich besonders am Anfang viel im Residential-Bereich gemacht habe. Und dadurch zieht man dann eben auch eher Kunden aus dieser Ecke an. Viele kommen wieder, oft haben sie Wohnungen an verschiedenen Orten oder es spricht sich in ihrem Bekanntenkreis herum. Das ist ein sehr viel pers\u00f6nlicheres Arbeiten, man lernt die Menschen auch mit ihren Bed\u00fcrfnissen kennen, h\u00e4ufig Paare oder ganze Familien. Und man gestaltet Orte, in denen sp\u00e4ter auch gelebt wird. Im kommerziellen Bereich ist alles deutlich unpers\u00f6nlicher, daf\u00fcr aber h\u00e4ufig eben auch klarer und zielgerichteter: Es gibt Deadlines, ein Budget, vieles ist schon festgelegt und dadurch kommt man dann oft auch schneller zu einem Ergebnis und muss nicht jedes Detail aushandeln. Am Ende ist es so, dass ich beidem etwas abgewinnen kann.<\/p>\n<h3>Einfach mal machen: Die Studienzeit als Experimentierphase<\/h3>\n<p><strong>Zum Abschluss, ein Tipp f\u00fcr die armen Studenten: Wie klappt das mit dem stilvollen Einrichten auch ohne Interior Designer?<\/strong><\/p>\n<p>Ich finde es schwer das so pauschal zu sagen. Das hei\u00dft, es gibt nicht die eine Sache, zu der ich raten w\u00fcrde. Wenn ich mir meine eigene Wohnung anschaue, die ich vor 15 Jahren hatte \u2013 da habe ich viel rumprobiert. Und ich finde das ist so ein Alter, wie mit Kleidung auch, in dem es eher schade ist, wenn man sich zu schnell anpasst. Sch\u00f6ner ist es, wenn man viel ausprobiert und einfach macht. Wenn man Lust hat, die Wand mal so zu streichen, dann streicht man sie eben. Und wenn man ein M\u00f6belst\u00fcck auf dem Flohmarkt findet, das einem gef\u00e4llt, dann kauft man das auch. Ich glaube, man sollte das ruhig als Experimentierphase nutzen, um seinen eigenen Stil zu finden. Mein Tipp w\u00e4re also, dass man nicht versucht, nur das zu machen, was man irgendwo gesehen hat. Dass man sich nicht nur eine Szene nachstellt. Sondern, dass man ein bisschen mutig ist, dass man etwas wagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-11343 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Autorenportrait-e1626955609126.jpg?fit=1031%2C1031&amp;ssl=1 1031w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><strong>Theresa Bareth <\/strong>studiert im 4. Semester Literaturwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ihre kleine Wohnung teilt sie sich mit halbtoten Topfpflanzen, alten M\u00f6beln und einer Unmenge an bunten Kerzenst\u00e4ndern.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nie zuvor haben wir so viel Zeit Zuhause verbracht wie im vergangenen Pandemie-Jahr. Die eigenen vier W\u00e4nde wurden f\u00fcr viele gleichzeitig B\u00fcro und Fitnessstudio. Tags\u00fcber Kinderbespa\u00dfungszentrum, abends provisorischer Kinosaal oder Ersatz f\u00fcr die Bar um die Ecke. Die Berliner Interior Designerin Maj van der Linden wei\u00df, wie man all das stilsicher unter einen Hut bekommt. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":11342,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[501,502,497],"tags":[950,897,619,964,32,965,951,963],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Bild-1_Titelbild.jpg?fit=1280%2C853&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11286"}],"collection":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/47"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11286"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11380,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11286\/revisions\/11380"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}