{"id":11280,"date":"2021-07-21T16:54:58","date_gmt":"2021-07-21T14:54:58","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11280"},"modified":"2021-07-21T16:54:58","modified_gmt":"2021-07-21T14:54:58","slug":"die-kuenstlerin-im-lockdown-ein-interview-mit-sina-brunner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11280","title":{"rendered":"Die K\u00fcnstlerin im Lockdown \u2013 Ein Interview mit Sina Brunner"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eOhne Kunst und Kultur wird\u2019s still\u201c. Dieser Slogan hing den gesamten ersten Lockdown \u00fcber an einem Berliner Kino im Bezirk Charlottenburg. Theater und Museen blieben monatelang geschlossen, K\u00fcnstler:innen wurden arbeitslos. Berlin, die Stadt der Freigeister und K\u00fcnstler:innen, wurde pl\u00f6tzlich leise. Wie f\u00fchlte sich diese Stille und Zwangspause f\u00fcr jemanden an, dessen Beruf direkt betroffen war? Sina Brunner spricht in diesem Interview \u00fcber die Zeit der Corona-Pandemie und was sie mit ihr als K\u00fcnstlerin gemacht hat.<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>von Alina Effertz<\/em><\/p>\n<h3>Sina Brunners Weg in den Beruf der Artistin<\/h3>\n<p><strong>Sina, was hat dich dazu inspiriert K\u00fcnstlerin zu werden?<\/strong><\/p>\n<p>Sina Brunner: Meine Oma hat mich schon von klein auf mit in den Zirkus genommen, zu traditionellen Zirkusauff\u00fchrungen und auch zu moderneren Veranstaltungen wie zum Beispiel Eiskunstlauf- und Pferdeshows. Am meisten haben mich immer die Artist:innen begeistert. Als dann das erste Mal die Frage danach aufkam was ich sp\u00e4ter mal machen m\u00f6chte, konnte ich mir nichts anderes als diesen Beruf vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Du hast die die Staatliche Artistenschule Berlin besucht, auf der du parallel dein Abitur gemacht hast. Wie kam es zu dieser Entscheidung?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Oma und ich sind in meiner Kindheit oft in den Zirkus FlicFlac gegangen und da gab es Magazine, in denen \u00fcber die Artist:innen berichtet wurde. Da stand sehr oft dabei, dass diese staatlich ausgebildet waren. Als ich 15 geworden bin, hab ich angefangen nach Ausbildungen zu googeln und beschlossen diesen Weg zu gehen. Meine Schule war die einzige staatliche Artistenschule in Deutschland, die ich gefunden habe.<\/p>\n<p><strong>Denkst du, du h\u00e4ttest die F\u00e4higkeiten und Jobm\u00f6glichkeiten die du aktuell hast, wenn du die Artistenschule nicht besucht h\u00e4ttest?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, bestimmt nicht. Ich h\u00e4tte gar keinen Anschluss gefunden. Als ich mich dazu entschieden habe nach Berlin zu ziehe, hatte ich noch keine Ahnung was das bedeuten w\u00fcrde. Es ist sehr wichtig, dass solche Schulen gef\u00f6rdert werden, um jungen K\u00fcnstler:innen eine M\u00f6glichkeit der Weiterbildung und einen Platz in der Kunstwelt zu bieten.<\/p>\n<p><strong>Warst du dir der Unsicherheiten des K\u00fcnstlerlebens von vornherein bewusst?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, ich hatte keine Ahnung worauf ich mich da einlasse. Ich hatte durch die Artistenschule f\u00fcnf Jahre lang Zeit um da rein zu wachsen. Ich wurde mir dessen langsam bewusst, allerdings hatte ich auch sehr viel Gl\u00fcck. So richtig klar wurden mir die Unsicherheiten erst in Zeiten, in denen ich weniger Jobs hatte und ganz besonders nun auf Grund der Pandemie, das ist ein Gef\u00fchl, das ich vorher so stark noch nicht hatte.<\/p>\n<h3>Der Lockdown &#8211; \u201eDas Gef\u00fchl nun nicht mehr aktiv gebraucht zu werden war bestimmt f\u00fcr viele K\u00fcnstler:innen schwer\u201c<\/h3>\n<p><strong>War die erste Zeit des Lockdowns f\u00fcr dich vergleichbar mit Zeiten, in denen du gr\u00f6\u00dfere <\/strong><strong>Pausen zwischen Jobs hattest?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, die Pausen zwischen den Jobs konnte ich gut mit Training \u00fcberbr\u00fccken. Ich hatte ja die Sicherheit, dass es bald weitergeht, meistens sogar feste Daten in n\u00e4herer Zukunft auf die ich hingearbeitet habe. Ich wusste au\u00dferdem genau, ab welchem Zeitpunkt ich zuverl\u00e4ssig wieder Geld verdienen werde. Die freie Zeit dazwischen habe ich auch oft dazu genutzt um in den Urlaub zu fliegen, das ging dieses Mal ja auch nicht. Es wurde etwas besser, als die Studios wieder aufgemacht haben und wir wieder trainieren durften. W\u00e4hrend der Lockdowns waren die Studios gr\u00f6\u00dftenteils geschlossen und solche Dinge wie Luftakrobatik kann man schwer zu Hause trainieren. Die Lockdowns waren sehr gro\u00dfe Einschnitte, alles fuhr von hundert auf null herunter.<\/p>\n<div id=\"attachment_11319\" style=\"width: 471px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11319\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-11319\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=461%2C307\" alt=\"\" width=\"461\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=400%2C267&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=800%2C534&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?resize=1200%2C801&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild2.jpg?fit=5064%2C3379&amp;ssl=1 5064w\" sizes=\"(max-width: 461px) 100vw, 461px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11319\" class=\"wp-caption-text\">Sina Brunner in ihrem Element, der Luftakrobatik. Foto: Sina Brunner<\/p><\/div>\n<p><strong>Ab welchem Zeitpunkt wurde es f\u00fcr dich schwierig?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte ziemlich gro\u00dfes Gl\u00fcck, da ich zwischen den beiden Lockdowns immer wieder kleine Jobs bekommen habe. Die schlimmste Zeit war f\u00fcr mich zu Beginn des zweiten Lockdowns, da war klar dass sich alles aus dem ersten Lockdown wiederholen wird. Keiner wusste wie lange das alles noch geht und wieviele Lockdowns noch folgen w\u00fcrden. Zudem war es auch noch Winter, das war mein pers\u00f6nlicher Tiefpunkt.<\/p>\n<p><strong>Und dann kamen auch die Existenz\u00e4ngste?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall. Die waren auch schon von Anfang an da. Man hat zwar Unterst\u00fctzung bekommen, aber die hat nat\u00fcrlich nicht ausgereicht. Was wehgetan hat war das gro\u00dfe Minus, das ich in der Zeit gemacht habe, da ich zur Zeit der Lockdowns eigentlich gute und feste Jobs gehabt h\u00e4tte, die aber nicht stattfinden konnten. Die Einnahmen, die ich mit diesen Shows gemacht h\u00e4tte, waren definitiv nicht mit den finanziellen Hilfen zu vergleichen.<\/p>\n<p><strong>Du hast einen Nebenjob als Head of Social Media eines Zirkusfestivals angenommen. Denkst du, du h\u00e4ttest den Job auch ohne die Pandemie angenommen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, die Arbeitgeber w\u00e4ren ohne die Pandemie nicht auf mich aufmerksam geworden. Es war Corona zu verdanken, dass jemand an mich gedacht hat, da ich sonst so viel unterwegs gewesen w\u00e4re, dass ich gar nicht in Frage gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Und die Sicherheit dieses festen Jobs hat dir durch die Zeit geholfen?<\/strong><\/p>\n<p>Definitiv. Der Job hat mir geholfen mich aufzuraffen und etwas machen zu k\u00f6nnen, mich auch geistig fit zu halten. Zu wissen, dass ich auch in dieser Zeit gebraucht werde, hat mir sehr geholfen. Das Gef\u00fchl nun nicht mehr aktiv gebraucht zu werden war bestimmt f\u00fcr viele K\u00fcnstler:innen schwer.<\/p>\n<h3>Kunst in Zeiten der Pandemie<\/h3>\n<p><strong>H\u00e4tte deiner Meinung nach der Bedeutung von Kunst w\u00e4hrend der Pandemie ein h\u00f6herer Stellenwert zugesprochen werden m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_11320\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11320\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11320\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=227%2C300\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=200%2C264&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=227%2C300&amp;ssl=1 227w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=400%2C528&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=600%2C792&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=776%2C1024&amp;ssl=1 776w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=800%2C1056&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?resize=1200%2C1584&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild3.jpg?fit=1242%2C1639&amp;ssl=1 1242w\" sizes=\"(max-width: 227px) 100vw, 227px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11320\" class=\"wp-caption-text\">Sina kann zum Zeitpunkt unseres Interviews wieder L\u00e4cheln, die Theater haben endlich ge\u00f6ffnet. Foto: Alina Effertz<\/p><\/div>\n<p>Absolut! Zum Teil sind wirklich unsch\u00f6ne Dinge passiert. Die Werbung in London zum Beispiel, in der K\u00fcnstler:innen dazu aufgerufen wurden sich einen neuen Job zu suchen (\u2026) . Sowas kann man einfach nicht machen und das gezielt nur an K\u00fcnstler:innen zu richten ist schlimm. Jeder Job ist wichtig, sonst w\u00fcrde es ihn nicht geben. Allgemein w\u00e4re es gut gewesen den Theatern mehr zu helfen. Die H\u00e4user mussten umr\u00fcsten, mussten Filteranlagen einrichten und konnten nur mit sehr viel weniger Publikum \u00f6ffnen. Die Panik war gro\u00df, dass manche Theater die Zeit nicht \u00fcberstehen und schlie\u00dfen m\u00fcssen. Dann h\u00e4tten wir niemanden mehr, der uns f\u00fcr Shows bucht. Da fehlte es sehr an Unterst\u00fctzung. Zumal Kunst ja vielen Menschen durch die Pandemie geholfen hat.<\/p>\n<p><strong>Ja, jeder hat w\u00e4hrend der Lockdowns Filme geguckt, B\u00fccher gelesen, Podcasts und Musik geh\u00f6rt und sich mit Kunst von der Realit\u00e4t abgelenkt. Kunst ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und sollte auch so behandelt werden. Welche Formen der k\u00fcnstlerischen Arbeit konntest du in der Zeit aus\u00fcben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe angefangen ein Instrument zu spielen. Das haben viele meiner K\u00fcnstlerfreunde gemacht. Viele Leute in meinem Umkreis haben angefangen zu malen oder zu n\u00e4hen. Man hat versucht seine Kreativit\u00e4t anders auszuleben, raus muss die n\u00e4mlich auf jeden Fall und das waren w\u00e4hrend der Lockdowns die einzigen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>Im M\u00e4rz 2020 warst du Teil der Variet\u00e9show 2020, die f\u00fcr eine Spielzeit von sechs Monaten im Wintergarten-Variet\u00e9theater Berlin angesetzt war. Als die Show wenige Wochen nach Beginn gestoppt wurde, setzte da sofort eine Angst vor vor\u00fcbergehender Arbeitslosigkeit ein?<\/strong><\/p>\n<p>Wir alle dachten am Anfang, dass das alles nach zwei Wochen vorbei sein wird. Es f\u00fchlte sich irreal und fast schon spannend an. Wir waren mitten am Anfang unserer Show, die ersten Wochen waren komplett ausverkauft. Der Wintergarten war noch ge\u00f6ffnet, als alle anderen Theater in Berlin schon geschlossen wurden. Ich dachte, mich f\u00fcr eine Woche einzusperren wird ausreichen und dann ist die Welt wieder normal. Nach den ersten Wochen habe ich nichts mehr vom Theater geh\u00f6rt und habe gemerkt, dass das doch nicht so schnell gehen wird. Nach einem Monat habe ich angefangen mir Sorgen zu machen. Dann setzte auch die Angst vor Arbeitslosigkeit ein, in der ich zu diesem Zeitpunkt ja eigentlich bereits war.<\/p>\n<p><strong>Im Herbst 2020 standest du in einem Theater in Hamburg und einem Freilichttheater auf R\u00fcgen auf der B\u00fchne. Wie war es f\u00fcr dich unter diesen Umst\u00e4nden zu performen?<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Show in Hamburg hatten die G\u00e4ste sogar noch Masken auf. Es war schwierig f\u00fcr mich das alles auszublenden, wir mussten auch auf der B\u00fchne und Backstage Abstand halten und vorsichtig sein. Auch alleine in der Umkleidekabine zu sein war seltsam, normalerweise macht die Energie und Stimmung zwischen den K\u00fcnstler:innen einen gro\u00dfen Teil der Show aus und das fiel zu dem Zeitpunkt weg. Das Gef\u00fchl war komplett anders. Die Shows waren auch nicht gut besucht, die Leute hatten Angst zu kommen und au\u00dferdem fehlten die Touristen. Andererseits war das Publikum sehr dankbar daf\u00fcr, \u00fcberhaupt eine Show besuchen zu d\u00fcrfen. Die Wertsch\u00e4tzung war eine ganz andere, das ist auch bis jetzt noch so.<\/p>\n<p><strong>Wie hat dir die finanzielle Unterst\u00fctzung in Form von Coronahilfe geholfen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Coronahilfe hat mir sehr geholfen, ohne sie w\u00e4re es wirklich sehr schwierig gewesen. Allerdings haben mich auch die Jobs, die ich zwischendurch hatte, gerettet. Ich wei\u00df ehrlich nicht wie meine anderen K\u00fcnstlerfreunde das gemacht haben. Die ersten etwa 5000 Euro waren super schnell weg, wir mussten ja trotzdem unsere Steuern und andere Dinge zahlen. Ich denke, dass bei meinen Freund:innen sehr viele Ersparnisse daf\u00fcr weggegangen sind.<\/p>\n<p><strong>Also w\u00e4re es ohne diese Jobs schwierig geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Definitiv, bei mir war das Geld genau dann weg, als ich wieder den ersten Job hatte. Ohne die Jobs h\u00e4tte ich Hartz 4 beantragen m\u00fcssen. Ich habe die Antr\u00e4ge bereits zweimal ausgef\u00fcllt, aber ich hatte jedes Mal Gl\u00fcck und genau dann kamen Jobanfragen. In dieser Situation war ich noch nie zuvor, ich hatte immer gen\u00fcgend Jobs und war immer unterwegs.<\/p>\n<p><strong>Denkst du, dass Menschen f\u00fcr Online-Shows genauso viel Geld wie f\u00fcr Live-Shows ausgeben w\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube nicht, aber es kommt auch auf die Zielgruppe an. Ich denke, dass Online-Shows interaktiver werden sollten. Das m\u00fcssten Shows sein, die wirklich f\u00fcr die Online-Welt konzipiert werden und nicht welche, die eigentlich f\u00fcr Theaterbesuche geplant waren. Ich habe bei einer Online-Show mitgemacht, da habe ich Pole-Dance in dem Wohnzimmer einer Freundin gespielt. Das war schon sehr abenteuerlich. Ich wei\u00df nicht in wieweit Leute bereit dazu sind Shows online anzusehen, sobald man wieder rausgehen und Veranstaltungen live erleben kann. F\u00fcr den K\u00fcnstler selber waren diese Shows allerdings ein Geschenk.<\/p>\n<p><strong>Was hat die Pandemie mit deinem Dasein als K\u00fcnstlerin gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann da, denke ich, f\u00fcr jede:n K\u00fcnstler:in sprechen, man sch\u00e4tzt es so viel mehr arbeiten zu k\u00f6nnen und auf der B\u00fchne stehen zu d\u00fcrfen. Ich habe die Jobs, die ich hatte, so viel mehr gesch\u00e4tzt. Das waren Jobs, die ich unter normalen Umst\u00e4nden eventuell nicht mal angenommen h\u00e4tte, aber ich habe trotzdem jede einzelne Show so sehr genossen. Ich habe noch mehr realisiert, was f\u00fcr ein Privileg es ist auf der B\u00fchne stehen zu d\u00fcrfen. Ich denke, dass dieses Gef\u00fchl der Wertsch\u00e4tzung noch lange bleiben wird.<\/p>\n<p><strong>Hattest du zwischendurch den Gedanken, dass du gerne doch einen festen Job h\u00e4ttest?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall, ich dachte ab und zu daran wie es w\u00e4re, wenn ich mir jetzt einen anderen Job suchen w\u00fcrde. Dann habe ich mir aber gedacht, dass jeder andere Job, den ich mir vorstellen k\u00f6nnte, auch etwas mit Event und Kunst zu tun haben w\u00fcrde. Und ich wollte mir nicht etwas suchen, dass mich \u00fcberhaupt nicht erf\u00fcllen w\u00fcrde, nur um ein kleines bisschen mehr Sicherheit zu haben. K\u00fcnstler:in ist man meistens aus Leidensschaft, da f\u00fchrt dann auch kein Weg raus. Ich hatte nie einen Plan B und den gibt es auch nach der Pandemie nicht.<\/p>\n<p><strong>Was hat dich in der Zeit inspiriert?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe auf jeden Fall mehr Motivation als Inspiration gebraucht, das war manchmal schwer. Als K\u00fcnstler:in hat man ja meistens auch keinen geregelten Tagesablauf. Inspiriert haben mich andere K\u00fcnstler:innen und Videos von Performances. Viele K\u00fcnstler:innen sind durch die Zeit zu Hause nochmal kreativer geworden und haben angefangen sich auf eine andere Art auszudr\u00fccken, als nur \u00fcber eine B\u00fchne. Viele Projekte sind entstanden. Mich hat die neue Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr meinen Berufsalltag unter normalen Umst\u00e4nden auch dazu inspiriert, mich immer weiterzuentwickeln. Manchmal habe ich mich schlecht daf\u00fcr gef\u00fchlt Shows spielen zu d\u00fcrfen, w\u00e4hrend meine Freund:innen zu Hause sitzen und nicht wissen wann es weiter geht. Meine Freund:innen haben mich aber darin best\u00e4rkt auch das zu teilen, damit ein Gef\u00fchl der Hoffnung auf Normalit\u00e4t entsteht. Wir haben uns alle gegenseitig motiviert und auf bessere Zeiten gehofft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11317 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872-150x150.png?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?resize=1200%2C1200&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/InterviewEffertzBild4-e1626877606872.png?fit=1208%2C1208&amp;ssl=1 1208w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><strong>Alina Effertz <\/strong>studiert im 4. Semester Theaterwissenschaften und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Sie f\u00fchlte sich schon immer in der Kunstwelt zu Hause und m\u00f6chte selber als K\u00fcnstlerin arbeiten.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eOhne Kunst und Kultur wird\u2019s still\u201c. Dieser Slogan hing den gesamten ersten Lockdown \u00fcber an einem Berliner Kino im Bezirk Charlottenburg. Theater und Museen blieben monatelang geschlossen, K\u00fcnstler:innen wurden arbeitslos. Berlin, die Stadt der Freigeister und K\u00fcnstler:innen, wurde pl\u00f6tzlich leise. Wie f\u00fchlte sich diese Stille und Zwangspause f\u00fcr jemanden an, dessen Beruf direkt betroffen war? 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