{"id":11240,"date":"2021-04-30T13:07:54","date_gmt":"2021-04-30T11:07:54","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11240"},"modified":"2021-07-21T17:22:08","modified_gmt":"2021-07-21T15:22:08","slug":"vereinbarkeit-von-familie-und-beruf-am-theater-da-muss-sich-jeder-selbst-drum-kuemmern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11240","title":{"rendered":"Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Theater:  Da muss sich jeder selbst drum k\u00fcmmern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kind und Karriere? Beim Thema Vereinbarkeit ist viel abh\u00e4ngig vom Arbeitgeber und seinem Willen zur Zusammenarbeit. Diese Schwierigkeiten vervielfachen sich am Theater &#8211; in einer Berufsbranche, deren Markt nicht nur durch objektive Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Berufseignung, sondern durch k\u00fcnstlerische Freiheit gepr\u00e4gt ist.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>von Marietta Sophia Weber<\/em><\/p>\n<p>Berlin ist, was Theater angeht, eine besonders umk\u00e4mpfte Stadt. Sie ist Heimat unz\u00e4hliger K\u00fcnstlerInnen und einer gro\u00dfen Anzahl renommierter Theater. Jedoch sind viele der Theaterk\u00fcnstlerInnen gezwungen, auf dem freien Markt zu bleiben. Die 18 B\u00fchnen in Berlin, die im Deutschen B\u00fchnenverein gelistet sind, hatten zum Beispiel 2019 nur 86 Stellen f\u00fcr festangestellte SchauspielerInnen zu besetzen. Wenige Stellen, die durch Festvertr\u00e4ge soziale Vorteile versprechen, f\u00fchren zu hoher Konkurrenz.<\/p>\n<p>Eine dieser begehrten Stellen hat die Schauspielerin Judith Hofmann. Seit 2009 ist sie am Deutschen Theater Berlin engagiert. Judith Hofmann ist zweifache Mutter. Ihr \u00e4lteres Kind ist bereits 18, weshalb sie auf einige Jahre Erfahrung mit der Balance zwischen Familie und Beruf zur\u00fcckblicken kann. \u201eAlso wenn ich jetzt dar\u00fcber nachdenke, ist es tats\u00e4chlich so, dass ich nicht mehr wei\u00df, wie das ging,\u201c sagt sie im Interview. Doch \u00fcberraschenderweise machte Corona alles einfacher.<\/p>\n<h3><strong>\u201eFestangestellte haben das Gl\u00fcckslos gezogen\u201c<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_11242\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11242\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11242 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=200%2C300\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=400%2C600&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=600%2C900&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=682%2C1024&amp;ssl=1 682w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=800%2C1200&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?resize=1200%2C1800&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-2-Judith-Hofmann.jpg?fit=1333%2C2000&amp;ssl=1 1333w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11242\" class=\"wp-caption-text\">Bereits seit 26 Jahren im Beruf: Schauspielerin Judith Hofmann. Foto: Nik Konietzny<\/p><\/div>\n<p>Wie sehr sich Hofmanns Festanstellung im Vergleich zur Selbstst\u00e4ndigkeit lohnt, macht Corona deutlich. Familien, in denen ein oder sogar beide Elternteile am Theater angestellt sind, geh\u00f6ren zu denjenigen, f\u00fcr die Homeschooling nicht zu einer gro\u00dfen Belastung wurde. Sie haben Zeit. Die Theater sind geschlossen, es finden keine Vorstellungen mehr statt, Angestellte befinden sich in Kurzarbeit, geprobt wird seltener. \u201eIch w\u00fcrde sagen, die Festangestellten am Theater haben, was Corona angeht, das Gl\u00fcckslos gezogen. Man kann nicht arbeiten oder sehr wenig arbeiten und ist immer noch abgesichert.\u201c Im ersten Lockdown war f\u00fcr Hofmann die Hauptherausforderung ihre 12-j\u00e4hrige Tochter. Viel Zeit ist f\u00fcrs Diskutieren draufgegangen, weil ihre Tochter noch lernen musste, selbstst\u00e4ndig zu arbeiten: \u201eDa war es nat\u00fcrlich gut, dass ich Zeit hatte.\u201c Was Hofmann stresst, ist, dass sie nicht wei\u00df, wie es mit den Theatern weitergeht. Sie ist zwar gl\u00fccklich \u00fcber die Pause, aber merkt auch, \u201edass es jetzt langsam an die Substanz geht, weil man nicht machen kann, was man eigentlich machen m\u00f6chte.\u201c Dass ein Lockdown als Erleichterung versp\u00fcrt wird hat seine Gr\u00fcnde. Denn der Erleichterung steht die Zeit vor Corona gegen\u00fcber. Ein Zustand, von dem bef\u00fcrchtet werden muss, dass er sich nach dem Ende der Pandemie fortsetzt.<\/p>\n<h3><strong>Vermisst wird der gemeinsame Wunsch zur Reform<\/strong><\/h3>\n<p>Durch ein gewachsenes Bewusstsein f\u00fcr Geschlechterungleichheit in den letzten Jahren, ausgel\u00f6st vor allem durch die #Metoo-Bewegung, wurde das <a href=\"https:\/\/ensemble-netzwerk.de\/enw\/\">ensemble-netzwerk<\/a>, eine NGO, die sich f\u00fcr bessere Arbeitsverh\u00e4ltnisse am Theater einsetzt, aktiv. Am Anfang hatten sie laut Vorstandsmitglied Laura Kiehne den Ansatz gehabt, erst einmal Wissen zu sammeln und dieses untereinander zu verbreiten. \u201eEs ist dann aber relativ schnell gegangen, dass wir uns exponentiell vergr\u00f6\u00dfern mussten, weil wir gemerkt haben, dass da ein weites Feld zu bestellen ist.\u201c So wurden sie sowohl zur Basisorganisation als auch zum \u201ekulturpolitischer Player\u201c auf Landes- und Bundesebene. Sie fungieren als eine Art Kommunikationsvermittler, sowohl in Richtung Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite als auch in Richtung Kulturpolitik. All das Wissen, das diese drei Parteien einbringen oder das durch die Zusammenarbeit mit Forschenden und Arbeitsgruppen generiert wird, all dieses Material kommuniziert das Netzwerk zwischen den drei Parteien im Kreis. \u201eUnd zwar unter anderem deshalb, weil alle drei immer wieder damit anfangen, ein bisschen die Verantwortung dem jeweils anderen zuzuschieben.\u201c Kiehne meint dazu, \u201ealle arbeiten nat\u00fcrlich immer im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten daran, dass sich etwas ver\u00e4ndert.\u201c Und doch vermisse sie noch stark \u201ediesen gro\u00dfen Wunsch aller drei Parteien, die Argumente voneinander zu verstehen und miteinander an grundlegenden und vorliegenden Reformen zu arbeiten.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_11243\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11243\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11243 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=200%2C300\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=200%2C301&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=400%2C601&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=600%2C902&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=681%2C1024&amp;ssl=1 681w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=800%2C1202&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?resize=1200%2C1803&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-3-Laura-Kiehne-c_Linus-Dessecker.jpg?fit=2429%2C3650&amp;ssl=1 2429w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11243\" class=\"wp-caption-text\">Mehr im Film als im Theater zu sehen: Schauspielerin und ensemble-netzwerk Vorstandsmitglied Laura Kiehne, Foto: Linus Dessecker<\/p><\/div>\n<p>Zum Zeitpunkt der Entstehung des heutigen Diskurses \u00fcber Geschlechtergerechtigkeit und Arbeitsbedingungen sa\u00dfen heutige Partnerverb\u00e4nde des ensemble-netzwerkes, wie der Bundesverband Freier Darstellender K\u00fcnste, zusammen mit anderen Verb\u00e4nden am Tisch und haben in einem Punkteplan angef\u00fchrt, was alles ge\u00e4ndert werden m\u00fcsste und bis wann. \u201eDas hei\u00dft, da ist sehr viel konkrete, punktuelle Vorarbeit in Sachen Strukturreform von Seiten der aktivistischen Initiativen geleistet worden, die man wirklich genau so h\u00e4tte benutzen k\u00f6nnen. Und hierauf sind bis heute leider keine konkreten Umsetzungen erfolgt.\u201c F\u00fcr Kiehne ist das bedr\u00fcckend. Sie frage sich dann manchmal, ob die Expertisen der Initiativen von Seiten der Politik ernst genug genommen werden w\u00fcrden. Beispielsweise h\u00e4tte man laut Kiehne schon lange klare Schritte in Richtung der Schlie\u00dfung des Gender Pay Gap umsetzen k\u00f6nnen. Durch die Umsetzung solcher Schritte k\u00f6nnten sich auch Familien abgesicherter f\u00fchlen, \u201eweil dann die Frauen nicht anfangen, am leisen Kultursterben teilzunehmen, also unentdeckt die Profession und Branche zu wechseln. Damit sie irgendwo unterkommen, wo sie sich ihre Familie leisten oder \u00fcberhaupt eine haben k\u00f6nnen.\u201c Auch Kiehne selbst hat ihr Hauptstandbein in eine andere Branche verlegt, unter anderem aus diesen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<h3><strong>\u201eMan ist konstant m\u00fcde.\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>Hofmann erinnert sich an die fr\u00fchen Jahre ihres Mutter-Seins: \u201eIch bin morgens aufgestanden, hab das eine Kind in die Schule gebracht, hab das andere in die Kita gebracht, bin dann zur Probe gegangen, bin nachhause geradelt, hab die Kinder abgeholt, als sie noch nicht selber den Weg machen konnten, hab die nachmittags irgendwie besch\u00e4ftigt, war todm\u00fcde, bin wieder auf die Probe und bin abends sp\u00e4t wieder nachhause gekommen. Ich hatte Babysitterkosten, die nat\u00fcrlich auch nicht zu verachten waren. Und am n\u00e4chsten Morgen bin ich wieder aufgestanden, habe nicht ausschlafen k\u00f6nnen um erst um zehn zur Probe zu gehen, und das die ganze Zeit.\u201c Hofmann spricht davon, froh gewesen zu sein, dass die Kinder manchmal nur beim Vater waren. \u201eDas Arbeiten war fast eine erholsame Geschichte im Vergleich zum Kinder erziehen. Obwohl das wundersch\u00f6n ist und alles. Es ist unheimlich anstrengend. Man ist konstant m\u00fcde.\u201c Sie habe \u00e4ltere Kolleginnen ohne Kinder gehabt, die gefragt h\u00e4tten, wie sie das mit den Kindern mache, sie k\u00f6nnten sich das gar nicht vorstellen. Sie antwortete dann: \u201eJa, das macht man dann einfach. Wenn du es machen m\u00fcsstest, w\u00fcrdest du\u2019s einfach machen.\u201c<\/p>\n<p>Vor allem das Timing findet Hofmann beim Kinder kriegen in Theaterberufen besonders schwierig. Als Frau sei man, im Gegensatz zu den M\u00e4nnern, gefragter wenn man j\u00fcnger ist. In jungen Jahren arbeite man also viel mehr als im sp\u00e4teren Berufsleben, verdiene aber gleichzeitig weniger Geld. Heute hat Hofmann ein besseres Gehalt, arbeitet nicht mehr so viel und h\u00e4tte die Zeit, nur k\u00f6nnen ihre Kinder jetzt vieles schon alleine.<\/p>\n<h3><strong>Wenig klare Regeln bei den K\u00fcnstlerInnen<\/strong><b><\/b><\/h3>\n<div id=\"attachment_11245\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11245\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11245\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=300%2C214\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=200%2C143&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=300%2C214&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=400%2C285&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=600%2C428&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=800%2C571&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=1024%2C731&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?resize=1200%2C856&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-4-Bonkowski-2.jpg?fit=5049%2C3603&amp;ssl=1 5049w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11245\" class=\"wp-caption-text\">Ist man auf der B\u00fchne, sind die Ausg\u00e4nge oft nur schmale Gassen, Foto: Anne Bonkowski<\/p><\/div>\n<p>Was den organisatorischen Aspekt einer Familie angeht, so verweist Laura Kiehne auf die Arbeitszeiten eines B\u00fchnenangeh\u00f6rigen. Manche Theater hatten \u00fcberlegt oder sogar angek\u00fcndigt, einen Tag in der Woche komplett frei zu machen. Das findet Kiehne grunds\u00e4tzlich eine gute Idee, aber nicht nur aus Familienperspektive, \u201esondern weil es auch nicht sein kann, dass wir noch regul\u00e4r einen Wochenstundenarbeitszeit von 48 Stunden haben. Auch das ist familienfeindlich.\u201c Sie f\u00fcgt hinzu, dass diese Stundenanzahl in gewissen Arbeitsbereichen am Theater sogar regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberzogen w\u00fcrde. Auch das sei v\u00f6llig unzeitgem\u00e4\u00df und dringend zu verbessern.<\/p>\n<p>Auch Judith Hofmann schaut manchmal neidisch auf die Arbeitszeiten nicht-k\u00fcnstlerischer Berufe am Theater. Da g\u00e4be es ganz klare Regeln zu Diensteins\u00e4tzen. \u201eBei den K\u00fcnstlern gibt es das nicht. Es gibt zwar ein paar Regeln, aber die kann man dann auch immer wieder aussetzen und mit \u201efreundlichem Ersuchen\u201c dann doch den ganzen Tag proben.\u201c Diesem Ersuchen k\u00e4me man dann auch nach, da man als Ausgleich auch wieder eine Freiphase haben k\u00f6nnte. Dennoch macht ein so individueller Zeitenausgleich eine einheitliche Regelung zu einer kniffligen Sache. Hofmann versucht schon seit einiger Zeit darauf hinzuweisen, \u201edass wir wenigstens einen Wochenplan bekommen und nicht nur einen Tagesplan. Dass man nicht nur von einem Tag auf den anderen erf\u00e4hrt, wie dieser aussieht.\u201c F\u00fcr andere Berufsgruppen w\u00e4re es unvorstellbar, nur eine Woche im Voraus ihre Eins\u00e4tze zu kennen.<\/p>\n<h3><strong>\u201eMan braucht den Babysitter ja nicht, weil man auf ein Konzert gehen m\u00f6chte\u201c<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_11246\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11246\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11246\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=300%2C233\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=200%2C156&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=300%2C233&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=400%2C311&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=600%2C467&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=800%2C622&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=1024%2C796&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?resize=1200%2C933&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-5-Bonkowski-7.jpg?fit=4397%2C3419&amp;ssl=1 4397w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11246\" class=\"wp-caption-text\">Bitte Ruhe. Leuchtet dieses Schild, sind alle Beteiligten vor Ort und der Vorstellungsbetrieb ist in vollem Gange. Foto: Anne Bonkowski<\/p><\/div>\n<p>Kiehne kritisiert au\u00dferdem, dass auf die finanzielle Mehrbelastung von Eltern kaum eingegangen wird. Die Kosten f\u00fcr Kinderbetreuung w\u00fcrden beispielsweise durch das Gehalt nicht ausgeglichen werden. \u201eDabei muss man ja abends zwangsl\u00e4ufig betreuen, um \u00fcberhaupt zur Arbeit gehen zu k\u00f6nnen. Das ist nichts, was man sich aussucht. Man braucht den Babysitter ja nicht, weil man auf ein Konzert gehen m\u00f6chte.\u201c Bei der bundesweiten Ensemble-Versammlung im Jahr 2016 machte das Netzwerk eine inoffizielle Erhebung, um sich einen \u00dcberblick zu verschaffen, was denn ungef\u00e4hr pro Monat f\u00fcr Babysittereins\u00e4tze ausgegeben wird. Ergeben habe sich, dass sich, wenn beide Eltern am Theater sind, die Kosten bis auf 600 Euro im Monat belaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3><strong>Gehalt ist Verhandlungssache<\/strong><\/h3>\n<p>Wenn so viel f\u00fcr Babysitterkosten ausgegeben wird, bleibt nicht mehr viel f\u00fcr den Alltag der Familie, denn ein gutes Gehalt ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Wie viel man bekommt, h\u00e4nge selten vom Erfahrungslevel ab, weshalb Frau Hofmann auch hier ein Problem sieht. Sie w\u00fcrde sich f\u00fcr viele Familien w\u00fcnschen, \u201edass es weniger darauf ankommt, wie man verhandelt, weil man das f\u00fcr sich pers\u00f6nlich oft sehr schlecht kann. Die, die es gut k\u00f6nnen, die kommen dann mit einer besseren Gage raus aus dem B\u00fcro als die, die es schlecht k\u00f6nnen.\u201c Am Anfang einer Anstellung wird meist auf den Mindestlohn gesetzt, ab dann folgen einige Jahre lang absehbare Lohnerh\u00f6hungsstufen. \u201eAber dann wird es pl\u00f6tzlich Wildwuchs und je nachdem, wie gefragt jemand ist, ufert es dann aus. Das ist etwas, was man in dem Beruf schwer \u00fcber viele Jahre durchh\u00e4lt.\u201c<\/p>\n<p>Wie sehr dieses \u201eAusufern\u201c das Bild der Durchschnittsgeh\u00e4lter beeinflusst, l\u00e4sst sich den Statistiken des Deutschen B\u00fchnenvereins entnehmen. F\u00fcr die 86 festangestellten SpielerInnen Berlins fallen j\u00e4hrlich Personalkosten in H\u00f6he von 4,2 Mio. Euro an. Das ergibt ein durchschnittliches Monatseinkommen (je nachdem wie das sog. 13. Gehalt gehandhabt wird) von 3750 bis 4000 \u20ac brutto pro Person.<\/p>\n<h3><strong>Weniger Leute machen mehr f\u00fcr weniger Geld<\/strong><\/h3>\n<p>Und trotz all dieser Arbeitsumst\u00e4nde bleiben Leute im Beruf und streiten sich fast um die Stellen. \u201eF\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe des Marktes, so wie er gerade ist, bilden wir zu viele Leute aus. Die \u00fcberschwemmen den Markt und treiben damit nat\u00fcrlich Inflation voran und den Druck, der dann immer Richtung Abbau von Lohnverh\u00e4ltnissen gehen kann.\u201c, sagt Kiehne. Der Meinung des ensemble-netzwerkes zur Folge w\u00e4re es die einfachste L\u00f6sung, Ensembles wieder regul\u00e4r aufzustocken. \u201eAuf das, was sie zum Beispiel vor zehn bis zwanzig Jahren noch hatten, wo die Leute noch nicht reihenweise unter Burnout gelitten haben.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_11247\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11247\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11247\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=215%2C300\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=200%2C279&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=215%2C300&amp;ssl=1 215w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=400%2C558&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=600%2C837&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=734%2C1024&amp;ssl=1 734w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=800%2C1116&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?resize=1200%2C1674&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-6-Bonkowski-13.jpg?fit=3242%2C4522&amp;ssl=1 3242w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11247\" class=\"wp-caption-text\">Kein Spielbetrieb bedeutet zus\u00e4tzliche finanzielle Belastung. Foto: Anne Bonkowski<\/p><\/div>\n<p>Die Vor-Corona-Situation bemessen sie im Netzwerk mit einer sehr vereinfachten Formel: 50 % weniger Personal machen 50% mehr Produktionen f\u00fcr 50% weniger Geld. Dazu k\u00e4men Mehraufgaben, die zum Arbeitspensum der einzelnen Personen hinzuk\u00e4men. \u201eDie Spielst\u00e4tten sind immer mehr geworden, dezentralisiert, noch eine externe Spielst\u00e4tte hier, ein B\u00fcrgerb\u00fchnenprojekt da, ein Jugendclub, in dem man sich auch noch engagieren soll&#8230;\u201c<\/p>\n<p>All das stellt f\u00fcr Kiehne den logischen Zusammenhang her, warum viele Theaterschaffende, die auf die 40 zugehen, keine Kinder haben. Der Druck, der durch die Arbeitszeit, die schlechte Bezahlung und die allgemeine Jobunsicherheit entstehe, lege sich nat\u00fcrlich auch auf das Privatleben um. \u201eAber es gibt auch positive Beispiele:&nbsp;Nicola Bramkamp hat sich in ihrer Zeit als Schauspieldirektorin am Theater Bonn darum bem\u00fcht, diesen Druck auszugleichen. Mit dem Resultat, dass 10 Kinder in 5 Jahren geboren wurden.&#8220; Dieses Beispiel sieht sie dennoch als absolute Ausnahme.<\/p>\n<h3><strong>Unterst\u00fctzung sieht so aus, dass man keine Bestrafung bekommt<\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr Judith Hofmann verlief das Aufziehen ihrer Kinder vergleichsweise glimpflich. Sie kann auch sagen, warum: Es komme sehr darauf an, was f\u00fcr einen Theaterleiter oder was f\u00fcr RegisseurInnen man in der kritischen Zeit hat. \u201eDa hatte ich pers\u00f6nlich gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass ich fast nur an Leute geraten bin, die Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr hatten.\u201c Sie wurde mit 35 erst relativ sp\u00e4t Mutter und sagt offen: \u201eWenn ich die Kinder bei einem anderen Intendanten bekommen h\u00e4tte, dann w\u00e4re das, glaube ich, eine Katastrophe gewesen.\u201c Auch heute arbeitet sie nach eigener Aussage \u201emit Khuon (Anm.: Ulrich Khuon ist seit 2009 Intendant des Deutschen Theater Berlin) mit einem sehr verst\u00e4ndnisvollen Intendanten zusammen.\u201c Die Unterst\u00fctzung s\u00e4he so aus, dass einem kein Strick daraus gedreht w\u00fcrde, wenn man wegen eines kranken Kindes absage. Sprich, dass man keine Bestrafungen bek\u00e4me. Mit Bestrafungen meint sie keine Folgebesetzungen oder Anweisungen, trotz krankem Kind zur Arbeit zu erscheinen.<\/p>\n<p>Aufgebrochen, aber dennoch verankert, ist immer noch die Theaterfolklore, alles sei zu erdulden f\u00fcr die Kunst. Die Liebe und Hingabe f\u00fcr die Arbeit steht radikaleren Umbr\u00fcchen als H\u00fcrde entgegen. \u201eDas ist ja auch der eigene Anspruch: Ich muss mitmachen bei den Proben. Ich kann nicht aussetzen. Man will es ja hinkriegen.\u201c Dennoch ist Frau Hofmann in einer vorteilhaften Situation. Sie sei auch jemand, der etwas sagt, der sich auch mal weigert. \u201eWenn du konstituiert bist, dass du dich nicht traust etwas zu sagen, dann wird das teilweise ausgenutzt.\u201c<\/p>\n<p>Die Hierarchien am Theater beg\u00fcnstigen das Schweigen \u00fcber dieses Thema. \u201eSolange Leute an einer guten Position sind, haben sie das Gef\u00fchl, sie br\u00e4uchten nichts zu sagen, denn es betrifft sie ja nicht. Und wenn es sie betrifft, sagen sie aus der Furcht nichts, dass ihnen dann Nachteile erwachsen.\u201c F\u00fcr sich selbst einzustehen und f\u00fcr die eigenen Bed\u00fcrfnisse ist die eine Sache, dennoch habe sie auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Leute, die bei manchen Themen lieber schweigen. \u201eDas ist alles ein Minenfeld. Es gibt wenig Transparenz und Offenheit. Es regiert immer die Furcht, dass was falsch verstanden werden kann. Man kann \u00fcber gewisse Dinge nicht locker reden und muss immer sehr vorsichtig sein.\u201c<\/p>\n<h3><strong>Zukunftsvision: Mehrbelastung<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_11248\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11248\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11248\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=300%2C210\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=200%2C140&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=300%2C210&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=400%2C280&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=600%2C421&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=800%2C561&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=1024%2C718&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?resize=1200%2C841&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-7-Bonkowski-8.jpg?fit=5018%2C3518&amp;ssl=1 5018w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11248\" class=\"wp-caption-text\">H\u00e4ngen diese Seile nicht nur am Haken, halten sie enormen Belastungen stand. Foto: Anne Bonkowski<\/p><\/div>\n<p>Doch mit Schweigen l\u00f6st man kein Problem. Wie es Kiehne ausdr\u00fcckt: \u201eSo, wie die Arbeitsverh\u00e4ltnisse am Theater gerade sind, sorgen wir daf\u00fcr, dass wir diese Kultur so nicht mehr halten k\u00f6nnen werden.\u201c Die meisten Leute w\u00fcrden irgendwann in Bereiche abwandern, in denen sie mehr Sicherheit erfahren. Und die gro\u00dfe Mehrheit der anderen, die sich nicht selbst absichern k\u00f6nnen, drohen altersarm zu werden. Dieses Risiko bestehe vor allem bei den Frauen. \u201eDas hei\u00dft auch aus einer rein sozial\u00f6konomischen Perspektive heraus haben wir ein gro\u00dfes Interesse daran, diese Festangestellten aber auch die freien Theaterschaffenden vern\u00fcnftig zu bezahlen, damit sie sp\u00e4ter nicht zu einer Belastung f\u00fcr das System werden und ihre Kinder auch nicht.<\/p>\n<h3><strong>\u201eEs passiert alles in ganz kleinen Schritten\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>Nicht nur f\u00fcr die Familien am Theater, sondern f\u00fcr alle anderen Angestellten hat sich das ensemble-netzwerk als ein neuer Anlaufpunkt erwiesen. Hofmann meint: \u201eEs entwickelt sich gerade auch durch das ensemble-netzwerk, durch deren T\u00e4tigkeit, eine andere Aufmerksamkeit daf\u00fcr, dass Familie und Theater auch gehen muss.\u201c Und nicht nur das ensemble-netzwerk, sondern auch die Theater selbst arbeiten an L\u00f6sungsans\u00e4tzen f\u00fcr ein familienfreundlicheres Betriebsklima. Im Deutschen Theater soll es beispielsweise bald einen Ruheraum geben, in dem auch Kinder betreut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend auf die letzten Jahre sieht Judith Hofmann schon einige Ver\u00e4nderungen. \u201eEs passiert alles in ganz kleinen Schritten. Obwohl unser Intendant so ein verst\u00e4ndnisvoller und sozialer Mensch ist, ist er aber trotzdem Intendant und verteidigt seine Seite. Man ist immer sehr vorsichtig. Da ist es oft zwei Schritt vorw\u00e4rts, einer zur\u00fcck. Das ist so ein wabernder Prozess des Bewusstwerdens.\u201c Ein Eindruck, der sich bei ihr allerdings erh\u00e4rtet hat, ist der, dass die Initiative vom Ensemble und von den Mitarbeitenden ausgehen muss. Bei ihr selbst sei das der Fall: \u201eMan muss nur hingehen und mit ihm reden und einen guten Ton finden. Es ist vielleicht am Theater speziell oder vielleicht ist es auch \u00fcberall so, dass es sehr individuelle L\u00f6sungen gibt.\u201c<\/p>\n<h3><strong>Achtung vor der Wechselwirkung von Bedeutung und Bedingung von Kultur <\/strong><\/h3>\n<p>Laut Kiehne ist das, was man immer wieder betonen muss und was auch gerade in der ganzen Corona-Diskussion wichtig w\u00e4re, dass es immer eine Wechselwirkung zwischen der Bedeutung und der Bedingung von Kultur gibt. Eine Wechselwirkung zwischen der Bedeutung, die sie f\u00fcr unsere<\/p>\n<p>Gesellschaft hat und die Bedingungen, die erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, damit sie ihre Bedeutung auch erf\u00fcllen kann. \u201eUnd es besteht glaube ich momentan die Gefahr, dass in speziellen Momenten, so wie jetzt, wenn es richtig doll anf\u00e4ngt zu kriseln, dann f\u00e4ngt man an, anstatt die schwer umzusetzenden Hard Facts anzugehen, zu allgemein \u00fcber den Wert und den Charakter der Dinge zu sprechen. Dass Kunst wichtig ist, denke ich, ist nicht das Thema. Das Thema ist: Was ist wichtig f\u00fcr die Kunst &#8211; bzw. f\u00fcr die Menschen, die sie machen.\u201c<\/p>\n<p><em>Mit Dank an Anne Bonkowski f\u00fcr die Bereitstellung ihrer Fotografien des <a href=\"https:\/\/www.deutschestheater.de\/\">Deutschen Theaters Berlin<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Judith Hofmann<\/strong> wurde 1967 in der Schweiz geboren und hat erreicht, wovon viele junge SchauspielerInnen nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen: Engagements an renommierten H\u00e4usern wie dem Burgtheater Wien, Residenztheater M\u00fcnchen, Thalia Theater Hamburg oder dem Deutschen Theater Berlin. Neben ihrer Anstellung steht sie f\u00fcr Film und Fernsehen vor der Kamera. F\u00fcr ihre Arbeit wurde sie f\u00fcr den Wiener Nestroy Preis, den Friedrich-Luftpreis und den Schweizer Filmpreis nominiert. Letzteren gewann sie im Jahr 2019 f\u00fcr ihre Darstellung im Kinofilm \u201eDer Unschuldige\u201c.<\/p>\n<p><strong>Laura Kiehne<\/strong> ist ebenfalls Schauspielerin. Im Vorstand des ensemble-netzwerks setzt sie sich f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen an deutschen Theatern ein. 1988 in Berlin geboren, begann sie schon mit 17 ihr Studium an der Berliner Hochschule f\u00fcr Schauspielkunst \u201eErnst Busch\u201c. Sie befand sich zuletzt von 2010 bis 2013 in einem Festengagement, und zwar am Schauspiel Essen. Seither stand sie vor allem f\u00fcr Film und Fernsehen vor der Kamera, u.a. f\u00fcr \u201eBabylon Berlin\u201c, \u201eKu\u2019damm 56\u201c und \u201eIn aller Freundschaft\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11241 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?resize=400%2C401&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-8-Marietta-Weber.jpg?fit=584%2C585&amp;ssl=1 584w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><strong>Marietta Sophia Weber <\/strong>studiert im 5. 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Diese Schwierigkeiten vervielfachen sich am Theater &#8211; in einer Berufsbranche, deren Markt nicht nur durch objektive Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Berufseignung, sondern durch k\u00fcnstlerische Freiheit gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":11244,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[501,502,497],"tags":[935,423,945,143,944,191,270,943],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bilddatei-1-Portal-DT-.jpg?fit=4032%2C3024&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/47"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11240"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11257,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11240\/revisions\/11257"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11244"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}