{"id":11228,"date":"2021-04-29T17:06:36","date_gmt":"2021-04-29T15:06:36","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11228"},"modified":"2022-07-03T18:42:02","modified_gmt":"2022-07-03T16:42:02","slug":"und-beim-naechsten-mal-schlaegt-er-mich-vielleicht-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11228","title":{"rendered":"Arbeiten f\u00fcr Gewaltopfer: \u201eUnd beim n\u00e4chsten Mal schl\u00e4gt er mich vielleicht tot\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Thema \u201eh\u00e4usliche Gewalt\u201c hat im Laufe der Pandemie in der \u00d6ffentlichkeit und in der Politik an Aufmerksamkeit gewonnen. Doch schon vor Corona standen Schutzeinrichtungen f\u00fcr Opfer h\u00e4uslicher Gewalt vor gro\u00dfen Herausforderungen. Es fehlen nach wie vor ausreichend Schutzpl\u00e4tze. Angelika May, Mitgr\u00fcnderin des Berliner Vereins Frauenzimmer e.V., beschreibt ihre Arbeit in Zufluchtswohnungen, Ver\u00e4nderungen durch die Pandemie und ihre Forderungen an die Politik.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>von Vanesa Hadergjonaj und Juliet Reichert<\/em><\/p>\n<p>Angelika May schaltet den Rechner an und verschickt eine Einladung zum Online-Gespr\u00e4ch \u00fcber Jitsi, einer Videokonferenz-Plattform. Vor 34 Jahren hat sie zusammen mit anderen engagierten Frauen einen der ersten Berliner Vereine gegr\u00fcndet, der Opfern von h\u00e4uslicher Gewalt Schutz und Zuflucht bieten soll. Heute arbeitet sie immer noch f\u00fcr Frauenzimmer e.V. und versucht das Thema \u201eh\u00e4usliche Gewalt\u201c an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen.<\/p>\n<p>Das Ziel der Einrichtung ist es Frauen und deren Kindern einen Schutzplatz bieten zu k\u00f6nnen. May beschreibt den Kampf, den sie zusammen mit Kolleginnen f\u00fchren musste, um h\u00e4usliche Gewalt in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit zu r\u00fccken und staatliche Gelder beantragen zu k\u00f6nnen. Heute wird die finanzielle Unterst\u00fctzung als unerl\u00e4sslich anerkannt und unter anderem durch die Istanbul-Konvention sichergestellt. Das ist ein internationales Abkommen zur Bek\u00e4mpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen. Trotzdem gibt es immernoch zu wenig Schutzpl\u00e4tze in Berlin. Schutzsuchende m\u00fcssen laut May immer wieder ohne Alternative abgewiesen werden.<\/p>\n<p>Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage weiter verschlechtert: Nach Einsch\u00e4tzung der Senatsverwaltung f\u00fcr Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hat sich das Risiko f\u00fcr h\u00e4usliche Gewalt aufgrund der Kontaktbeschr\u00e4nkungen und der Verpflichtung sich zu Hause aufzuhalten, erh\u00f6ht. Diese berichten, dass es im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg der F\u00e4lle innerfamili\u00e4rer bzw. partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen von 9.112 auf 9.255 F\u00e4lle im Jahr 2020 gab. Diese Zahlen ber\u00fccksichtigen jedoch nicht die ungemeldeten F\u00e4lle h\u00e4uslicher Gewalt.<\/p>\n<div id=\"attachment_11230\" style=\"width: 243px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11230\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11230\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild2.png?resize=233%2C300\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild2.png?resize=200%2C257&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild2.png?resize=233%2C300&amp;ssl=1 233w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild2.png?fit=337%2C433&amp;ssl=1 337w\" sizes=\"(max-width: 233px) 100vw, 233px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11230\" class=\"wp-caption-text\">Angelika May arbeitet seit mittlerweile 34 Jahren f\u00fcr Frauenzimmer e.V., Foto: Angelika May.<\/p><\/div>\n<h3><strong>Von der Aufnahme bis zum Auszug<\/strong><\/h3>\n<p>W\u00e4hrend Frauenh\u00e4user h\u00e4ufig durch die Medien thematisiert wurden, ist \u00fcber Zufluchtswohnungen wenig bekannt. Welchen Prozess muss eine Frau durchlaufen, um ein Zimmer in einer Zufluchtswohnung angeboten zu bekommen?<\/p>\n<p>May erkl\u00e4rt, dass der Anruf einer Frau in der Beratungsstelle, in Berlin- Sch\u00f6neberg, der erste Schritt ist. W\u00e4hrend des Telefongespr\u00e4chs werden erste Informationen ausgetauscht. Die betroffene Frau wird gefragt, wie stark die Bedrohung ist und ob die Adresse der Zufluchtswohnung vereinbar ist. Die Sicherheit der Frauen steht an erster Stelle. Sollte die Bedrohung zu stark sein, wird \u00fcberlegt, ob man sich an Frauenh\u00e4user wendet. Es folgt ein Termin mit den Kolleginnen, die f\u00fcr die Wohnung verantwortlich sind, in der ein Zimmer frei ist. Die potenzielle Bewohnerin wird bei diesem Treffen zu ihrer Situation befragt, wieso sie sich ein Zimmer in einer Schutzeinrichtung sucht und was im Vorfeld geschehen ist.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werden ihr die Hausregeln erkl\u00e4rt. Neben einem Alkohol- und Drogenverbot steht die Geheimhaltung der Wohnadresse an erster Stelle sowie der Datenschutz. Am darauffolgenden Tag folgt die Entscheidung: in einem Telefonat wird dar\u00fcber gesprochen, ob die Frau einziehen m\u00f6chte. Im besten Fall wird direkt ein Einzugstermin vereinbart.<\/p>\n<p>Die Zufluchtswohnungen bei Frauenzimmer e.V. werden von May als kleinere Wohnungseinheiten beschrieben, in welchen je 2 bis 6 Frauen mit ihren Kindern leben k\u00f6nnen. Insgesamt verf\u00fcgt der Verein \u00fcber 7 Wohnungen, die dezentral in vier Berliner Bezirken gelegen sind. Frauenzimmer e.V. kann insgesamt 27 Frauen und ihren Kindern einen Schutzplatz bieten. Jede Frau hat mit ihren Kindern ein eigenes, privates. \u201eAlso es gibt ganz viele Hindernisse oder auch Gr\u00fcnde, warum Frauen k\u00fcrzer oder l\u00e4nger in einer Zufluchtswohnung bleiben wollen aber auch m\u00fcssen\u201c, aber grunds\u00e4tzlich sei ein halbes Jahr die Durchschnittsverweildauer.<\/p>\n<p>Wie bereits oben erw\u00e4hnt wurden im vergangenen Jahr 9255 F\u00e4lle von h\u00e4uslicher Gewalt zur Anzeige gebracht. Betrachtet man diese Zahl in Relation zu der Anzahl an Pl\u00e4tzen in Frauenh\u00e4usern und anderen Schutzeinrichtungen wird deutlich, dass es viel zu wenig Pl\u00e4tze gibt.<\/p>\n<h3><strong>\u201eIch bin nicht die Retterin\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des gesamten Prozesses ist May f\u00fcr verschiedene Aufgaben zust\u00e4ndig. Neben der Beratung von Frauen, die in den Wohnungen leben, k\u00fcmmert sie sich au\u00dferdem um das Projekt- und Qualit\u00e4tsmanagement. Sie macht die \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr den Verein, beh\u00e4lt den \u00dcberblick \u00fcber die Finanzen und ist Teil verschiedener Arbeitsgruppen, die versuchen das Berliner Hilfesystem weiterzuentwickeln. In ihrem Terminkalender sind nur wenige feste Termine, wie Besprechungen mit Kolleginnen und Supervisionen, notiert. Lachend erz\u00e4hlt sie, dass sie sich ihren Arbeitsalltag frei einteilen kann. Die Vielf\u00e4ltigkeit der T\u00e4tigkeit findet die Mitgr\u00fcnderin des Vereins besond ers sch\u00f6n, aber sie wird in ihrem Beruf auch tagt\u00e4glich mit psychisch belastenden Situationen konfrontiert.<\/p>\n<p>Es sei besonders schwierig, pers\u00f6nliche Krisen von Bewohnerinnen einzusch\u00e4tzen, insbesondere, wenn es in Richtung Suizidalit\u00e4t gehe. Es g\u00e4be nicht immer ein \u201erichtig und falsch,\u201c sondern man m\u00fcsse manchmal abw\u00e4gen, ob die Zufluchtswohnung der richtige Ort f\u00fcr die betroffene Frau sei. Es sei auch belastend Bewohnerinnen zu sehen, die m\u00f6glicherweise schon in der Kindheit Gewalt erlebt haben, unter schweren Erkrankungen leiden oder Frauen, die im Rollstuhl sitzen und Gewalt erleben. May erkl\u00e4rt, dass auch das immer wieder schwierig sei auszuhalten, \u201eweil ich denke: das Rad l\u00e4sst sich nicht vollst\u00e4ndig zur\u00fcckdrehen.\u201c&nbsp;<\/p>\n<p>Um mit diesen Belastungen umzugehen, arbeiten innerhalb der Wohnungen immer mindestens zwei Mitarbeiterinnen zusammen, die sich gegenseitig beraten k\u00f6nnen. Dabei sei es auch wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und zu akzeptieren. May erkl\u00e4rt: \u201eIch versuche eine betroffene Frau zu unterst\u00fctzen, mit ihr etwas zu erarbeiten, aber ich bin nicht die Retterin und ich kann nicht ganze Lebensgeschichten ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_11232\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11232\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11232\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?resize=300%2C198\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?resize=200%2C132&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?resize=300%2C198&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?resize=400%2C264&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?resize=600%2C397&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?resize=800%2C529&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild3.png?fit=941%2C622&amp;ssl=1 941w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11232\" class=\"wp-caption-text\">\u201eWir wollen ein Haus f\u00fcr Frauen und Kids!\u201c Bei einer Protestaktion f\u00fcr die Vergabe von Mietvertr\u00e4gen f\u00fcr obdachlose Frauen werden Plakate an besetzte Alliiertenwohnungen im Jahre 1993 gehangen. Foto: Angelika May.<\/p><\/div>\n<h3><strong>Frauenzimmer e.V. \u2013 Schutz ungeachtet der Herkunft, Religion oder Nationalit\u00e4t <\/strong><\/h3>\n<p>May berichtet von unterschiedlichen Herk\u00fcnften der Frauen, die in den Schutzr\u00e4umen des Vereins unterkommen k\u00f6nnen. Sie sind auch&nbsp; eines von wenigen Projekten, die barrierefreie Pl\u00e4tze haben, sodass auch frauen mit Seh- oder Gehbehinderung einen Platz bekommen k\u00f6nnen. Dabei unterstreicht Frau May, dass Frauen mit Behinderungen die gr\u00f6\u00dften Pr\u00e4valenzzahlen haben. \u201eGlaubt man gar nicht. Es sagen immer alle ganz \u00fcberrascht: Wie? Eine Frau im Rollstuhl zu vergewaltigen ist doch nicht attraktiv. Dann sage ich: Das hat doch nichts mit Attraktivit\u00e4t und Sexualit\u00e4t zu tun. Vergewaltigung ist eine Machtaus\u00fcbung.\u201c Seit 2001 verf\u00fcgt die Schutzeinrichtung \u00fcber Pl\u00e4tze f\u00fcr Rollstuhlnutzerinnen.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rt au\u00dferdem: \u201eViele Schutzeinrichtungen schlie\u00dfen psychisch kranke Frauen bzw. s\u00fcchtige Frauen aus. Wir machen das nicht.\u201c Bei Frauenzimmer e.V. werden Einzelfallentscheidungen getroffen, die sich danach richten, wie sich die Erkrankung auf das Zusammenleben der Frauen und Kinder auswirkt. So seien Gesundheitsprobleme ein Resultat von Gewalterfahrungen. \u201eIm Durchschnitt haben 30-40 % der Frauen eine psychische Erkrankung. Und zwar nicht gef\u00fchlt von uns oder vermutet, sondern die Diagnose. Das sind in der Hauptsache Angstst\u00f6rungen und Depressionen, aber das muss man auch mit einbeziehen, weil das m\u00f6glicherweise die Lebensplanung beeintr\u00e4chtigt.\u201c May beschreibt auch die Krankheitsbilder von gefl\u00fcchteten Frauen. Viele leiden an posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen. Diese seien nicht nur auf h\u00e4usliche Gewalt im Erwachsenenalter zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auch auf sexuellen Missbrauch in der Kindheit, Kriegserfahrungen sowie Vergewaltigungen im Krieg. Sie betont: \u201eSchutz steht \u00fcber allem.\u201c<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Frauen werden in der Schutzeinrichtung aufgefangen, sondern auch ihre Kinder. Das Kinderprojekt spielRAUM bietet einen sicheren Raum, wo die Kinder mit einer Psychologin sprechen k\u00f6nnen und Unterst\u00fctzung erhalten k\u00f6nnen. Gleichzeitig hat der Verein Angebote f\u00fcr die M\u00fctter. Es sei wichtig zu gucken, wie M\u00fctter auf die Bed\u00fcrfnisse ihrer Kinder eingehen. Die Mitgr\u00fcnderin erkl\u00e4rt: \u201ewenn man sich das vorstellt, [die M\u00fctter waren eine] l\u00e4ngere Zeit in einer gewaltgepr\u00e4gten Beziehung, dann waren die auch 24 Stunden damit besch\u00e4ftigt sich zu sch\u00fctzen, einzusch\u00e4tzen, wann es das n\u00e4chste Mal losgeht, zu \u00fcberlegen, was ich mache, wenn. Und beim n\u00e4chsten Mal schl\u00e4gt er mich vielleicht tot.\u201c Diese Gefahr, der Frauen in Gewaltbeziehungen ausgesetzt sind, stelle die Erziehungsf\u00e4higkeit auf die Probe und mindere die F\u00e4higkeit auf die Bed\u00fcrfnisse der Kinder zu achten. Um Frauen aus dieser kritischen Situation heraus zu helfen, bietet der Verein einen gesch\u00fctzten Umfeld, indem die Frauen mit ihren Kindern ein gesundes Verh\u00e4ltnis aufbauen k\u00f6nnen. Aufgrund der Angebote sowohl f\u00fcr Frauen mit Behinderungen als auch mit psychischen Erkrankungen bietet Frauenzimmer e.V. ein gesch\u00fctztes und friedliches Umfeld, wie es die Istanbul-Konvention verlangt.<\/p>\n<p>Auch Malin Schmidt-Hijazi, die in der Berliner Senatsverwaltung f\u00fcr Gesundheit, Pflege und Gleichstellung arbeitet, betont, dass es \u201eeinen diskriminierungsfreien Zugang [zu Schutzpl\u00e4tzen] geben muss &#8211; also egal welche Nationalit\u00e4t, Aufenthaltsstatus, Behinderung &#8211; jede Frau muss einen Zugang haben. [&#8230;] Das ist Recht und Gesetz\u201d. Ein Ziel der Senatsverwaltung ist es also, diskriminierungslose Angebote bei anderen Berliner Schutzeinrichtungen weiter auszubauen.<\/p>\n<div id=\"attachment_11233\" style=\"width: 215px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11233\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-11233\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild4.png?resize=205%2C300\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild4.png?resize=200%2C293&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild4.png?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild4.png?resize=400%2C585&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild4.png?resize=600%2C878&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild4.png?fit=683%2C999&amp;ssl=1 683w\" sizes=\"(max-width: 205px) 100vw, 205px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11233\" class=\"wp-caption-text\">,,Berliner Frauenprojekte gegen das neue Ausl\u00e4nderInnen Gesetz\u201d, Demonstrationsplakat aus dem Jahre 1993, Foto: Angelika May.<\/p><\/div>\n<h3><strong>Gewalt steigt, aber die Nachfrage nach Pl\u00e4tzen sinkt?<\/strong><\/h3>\n<p>Die Angebote an Schutzsuchende haben sich im Laufe der Pandemie stark ver\u00e4ndert. May beschreibt ihre Eindr\u00fccke, die sie w\u00e4hrend der Pandemie gesammelt hat. Zum Einen habe sie bemerkt, dass es trotz der steigenden Anzahl an gemeldeten F\u00e4llen \u201edeutlich weniger Anfragen\u201c f\u00fcr Schutzpl\u00e4tze gegeben habe. Auch wenn die famili\u00e4re Belastungssituation durch enge Wohnverh\u00e4ltnisse, Familienstress, Homeoffice und Homeschooling das Risiko h\u00e4uslicher Gewalt erh\u00f6hen k\u00f6nnen, erkl\u00e4rt May, dass die Frauen dennoch abgewartet haben bevor sie sich gemeldet haben. Erst mit der Lockerung der Corona-Bestimmungen ab Mai kam es dann auch wieder zu mehr Anfragen.<\/p>\n<p>Sie f\u00fchrt au\u00dferdem an, dass sich mit der Pandemie auch die Gewaltformen ver\u00e4ndert h\u00e4tten. \u201eEin Beispiel war, dass ein Ehemann versucht hat, mit Hilfe der Polizei seine Frau in Quarant\u00e4ne zu zwingen in der ehelichen Wohnung, weil er gedacht hat, er sei infiziert. Er war gar nicht infiziert, aber hat versucht sie mit in die Quarant\u00e4ne zu nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Im Zuge der Corona-Pandemie stand die soziale Einrichtung vor neuen Herausforderungen. Neben der Geheimhaltung der Adresse der Zufluchtswohnungen kam ein \u201ezweiter Sicherheitsaspekt\u201c hinzu. Um sich, Frauen und ihre Kinder vor Corona sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen, mussten die Mitarbeiterinnen von Frauenzimmer e.V. ein Sicherheitskonzept ausarbeiten. Es wurden Videokonferenzen eingef\u00fchrt, die Kontakte auf ein Minimum beschr\u00e4nkt und Arbeitsgruppen abgesagt. Auch der Zeitaufwand wird von May thematisiert: sie mussten desinfizieren, nachbestellen und beschaffen. Man versuchte die Frauen und Kinder digital auszustatten. Durch Spenden konnten Laptops beschafft und die Wohnungen mit Druckern und Scannern ausgestattet werden.<\/p>\n<h3><strong>Stadthotel: Eine Not-Not-L\u00f6sung<\/strong><\/h3>\n<p>Um Schutzeinrichtungen wie Frauenzimmer e.V. und Berliner Frauenh\u00e4user zu entlasten, hat die Politik zu Beginn der Pandemie eine Notl\u00f6sung ins Leben gerufen. Die Senatsverwaltung f\u00fcr Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hat ein Hotel angemietet, wo sich Frauen f\u00fcr zwei Wochen in Quarant\u00e4ne begeben und in die bestehenden Schutzeinrichtungen umziehen sollten.<\/p>\n<p>Leider entwickelte sich im Stadthotel eine eigene, unerwartete Dynamik. Die 60 Pl\u00e4tze, die zur Verf\u00fcgung standen, waren in der Regel alle belegt und das nicht nur f\u00fcr die anberaumten zwei Wochen \u2013 die Frauen blieben teilweise drei Monate dort. Aufgrund von Personalmangel musste das Hotelmanagement die Aufnahme der Frauen \u00fcbernehmen, welche die Situation der Frauen nur schwer beurteilen konnten. Das Stadthotel beschreibt May eher als \u201eSammelbecken\u201c f\u00fcr Frauen mit einer Vielzahl an anderen Problemen und Sorgen. \u201eSchutzeinrichtungen sind ja schon \u00fcbergangsweise Zwischenstationen. Da wird jetzt nochmal eine Not-Not-L\u00f6sung kreiert, [&#8230;] das die Zusammenarbeit eher komplizierter macht, als entlastet.\u201c<\/p>\n<p>Mit oder ohne Corona ist also die gr\u00f6\u00dfte Forderung der Schutzeinrichtungen an die Politik, mehr Schutzpl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung zu stellen. Durch die Istanbul Konvention, die 2014 in Kraft getreten ist, kann diese Erh\u00f6hung legitimiert werden. H\u00e4usliche Gewalt sei ein \u201eviel zu ernstes Thema f\u00fcr Schnellsch\u00fcsse &#8211; auch politische Schnellsch\u00fcsse.\u201c<\/p>\n<h3><strong>\u201eGewalt an Frauen ist keine Privatsache.\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>Man k\u00f6nne sich aber letztendlich nicht nur auf erh\u00f6hte F\u00f6rderung durch die Politik verlassen, um langfristig gegen Gewalt an Frauen zu k\u00e4mpfen. Es bedarf gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen. Auf die Nachfrage, was B\u00fcrger*innen tun k\u00f6nnen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, vermittelt die Mitgr\u00fcnderin Wege, die jede Person gehen kann. Man m\u00fcsse achtsam sein, \u00fcber Gewalt und Betroffenheit reden und sich trauen nachzufragen, insbesondere Menschen in professionellen Hilferollen. Man m\u00fcsse sich vor Augen f\u00fchren, dass es Gewalt gibt und die Menschen daf\u00fcr sensibilisieren. Gewalt macht nicht den Mittelpunkt des Lebens betroffener Menschen aus. Au\u00dferdem m\u00fcsse man anfangen zu erkennen, dass h\u00e4usliche Gewalt sich nicht nur gegen Frauen richtet, sondern auch gegen Kinder: \u201eKinder sind nicht mitbetroffen sondern betroffen. Sie sind genauso Opfer h\u00e4uslicher Gewalt, wie ihre M\u00fctter [&#8230;] Das sch\u00e4digt sie f\u00fcr den Rest ihres Lebens, wenn es keine Intervention gibt.\u201c<\/p>\n<p>Wenn man Schreie h\u00f6rt, soll man nicht wegsehen. Man solle aber auch nicht pers\u00f6nlich eingreifen und dadurch die eigene Sicherheit gef\u00e4hrden. Es gilt in einer solchen Situation die Polizei zur Hilfe zu rufen. Man m\u00fcsse zudem auf einer politischen Ebene \u00fcberlegen, wie man die Istanbul Konvention so nutzen kann, dass das Hilfesystem ausgebaut werden kann.<\/p>\n<p>Auch Schmidt-Hijazi macht deutlich, dass Gewalt nicht nur die Betroffenen angeht: \u201eGewalt an Frauen ist keine Privatsache. Es ist etwas, was alle angeht. Das ist eine Menschenrechtsverletzung [&#8230;]. Es schadet in allererster Linie die Frau, aber es trifft auch die ganze Gesellschaft, weil es an die n\u00e4chste Generation weitergegeben wird.\u201c<\/p>\n<p>Der Kampf, den May vor 34 Jahren zusammen mit Frauenzimmer e.V begann, ist heute immer noch nicht zu Ende. Es gibt weiterhin viel Arbeit f\u00fcr Gesellschaft und Politik, um den Schutz von Frauen vor h\u00e4uslicher Gewalt zuk\u00fcnftig zu verbessern. Dabei ist die Einrichtung neuer Schutzpl\u00e4tze auch nicht die endg\u00fcltige L\u00f6sung. Es ist jedoch ein wichtiger erster Schritt. Die Istanbul Konvention, die den rechtlichen Rahmen festlegt, sollte von allen L\u00e4ndern dieser Welt anerkannt und angewandt werden.<\/p>\n<p><em>Weitere Informationen, auch \u00fcber Spendenm\u00f6glichkeiten, sind auf der <a href=\"http:\/\/www.frauenzimmer-ev.de\/\">Frauenzimmer e.V. Webseite<\/a> zu finden. <\/em><\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11235 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?resize=800%2C800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-5.jpeg?fit=960%2C960&amp;ssl=1 960w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/>Vanesa Hadergjonaj studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Geschichte im 5. Semester. Sie w\u00fcnscht sich die gelungene Umsetzung der Istanbul-Konvention.<\/span><\/p>\n<hr>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11236 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=66%2C66&amp;ssl=1 66w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=200%2C200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=400%2C400&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?resize=600%2C600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Bild-6.jpg?fit=640%2C640&amp;ssl=1 640w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" data-recalc-dims=\"1\" \/>Juliet Reichert studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft im 5. Semester. Sie hofft eines Tages in einer NGO zu arbeiten, die Frauen gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich stark macht.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema \u201eh\u00e4usliche Gewalt\u201c hat im Laufe der Pandemie in der \u00d6ffentlichkeit und in der Politik an Aufmerksamkeit gewonnen. Doch schon vor Corona standen Schutzeinrichtungen f\u00fcr Opfer h\u00e4uslicher Gewalt vor gro\u00dfen Herausforderungen. Es fehlen nach wie vor ausreichend Schutzpl\u00e4tze. Angelika May, Mitgr\u00fcnderin des Berliner Vereins Frauenzimmer e.V., beschreibt ihre Arbeit in Zufluchtswohnungen, Ver\u00e4nderungen durch die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":11256,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[501,497],"tags":[935,130,51,939,942,941,123,940],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/mika-baumeister-MvNahx-yrqY-unsplash-gemeinfrei.jpeg?fit=640%2C427&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11228"}],"collection":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/47"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11228"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11834,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11228\/revisions\/11834"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}