{"id":11114,"date":"2020-10-06T14:27:56","date_gmt":"2020-10-06T12:27:56","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11114"},"modified":"2020-10-06T14:27:56","modified_gmt":"2020-10-06T12:27:56","slug":"emotionsarbeit-ist-auch-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11114","title":{"rendered":"Emotionsarbeit ist auch Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am Arbeitsplatz freundlich zu sein, obwohl man sich nicht danach f\u00fchlt, kann unglaublich kr\u00e4ftezehrend sein und Schmerzen verursachen. Besonders Frauen sind davon betroffen. Ob auf Arbeit oder Zuhause, von Frauen wird verlangt f\u00fcr emotionales Wohl zu sorgen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Von Matti Ullrich<\/em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;I worked as a banquet server. I would always be told to smile more, very aggressively by my managers even tho it felt so unnatural and forced. It really made me feel like a docile idiot. I feel like people dread going to work because we feel forced to put on this happy facade but in the name of perfection and convenience. I feel like emotional labour isn&#8217;t needed in order to provide good costumer service. For me to forcibly smile every time i fill up someones water, it unconsciously denies my real emotions and opinions. I recently got laid off because \u201eevery body could see I wasn&#8217;t happy working there\u201c. Well\u2026 &#8220; <strong><em>A., weiblich, 21 Jahre alt<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Emotional Labour \u2013 zu deutsch: Emotionsarbeit \u2013 so nennt man die Anstrengung im Job Emotionen zeigen zu m\u00fcssen, die man eigentlich aber gar nicht f\u00fchlt. Es ist im Grunde eine Dissonanz zwischen den gef\u00fchlten und den vorgeschriebenen Emotionen. Vom gezwungenen L\u00e4cheln, wenn man doch eigentlich schlecht gelaunt ist, bis hin zum strengen Handeln, obwohl man Mitleid hat \u2013 Emotionsarbeit gibt es in vielen Facetten. Es geh\u00f6rt bei vielen zum Arbeitsalltag dazu und ist auch erstmal nichts Ungew\u00f6hnliches. Trotzdem wird diese Form von Arbeit oft untersch\u00e4tzt, sowohl von Kund*innen, Arbeitgeber*innen aber auch Arbeitnehmer*innen, denn die Auswirkungen von tagt\u00e4glicher zus\u00e4tzlicher emotionaler Belastung k\u00f6nnen psychisch und physisch Spuren hinterlassen. Das kann ganz einfach eine Unzufriedenheit im Job sein, aber auch M\u00fcdigkeit, Ersch\u00f6pfung und k\u00f6rperliche Schmerzen. Psychosomatische Beschwerden wie Schlafst\u00f6rungen und Kopfschmerzen fallen bei Menschen, die eine hohe Emotionsarbeit leisten, h\u00e4ufig auf. Auch deshalb taucht der Begriff Emotional Labour in Forschungen und Untersuchungen der letzten Jahre immer \u00f6fter auf.<\/p>\n<h3>Ein nettes Gesicht geh\u00f6rt einfach dazu<\/h3>\n<blockquote><p>&#8222;I was being told to be happy at work as a supervisor at a bar while dealing with drunk men who thought they could sleep with me the drunker they got. When they are drunk they think they can do anything.&#8220; <strong><em>S., weiblich, 23 Jahre alt<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Vor allem im Service und Bereichen der Gastronomie ist ein L\u00e4cheln aufzusetzen mehr als nur normal. Kund*innen m\u00fcssen wie K\u00f6nig*innen behandelt werden, denn dann sind sie gl\u00fccklicher und geben mehr Geld aus. Ein nettes Gesicht f\u00fchrt zu h\u00f6herem Umsatz. Am Arbeitsplatz zu l\u00e4cheln geh\u00f6rt nicht nur dazu, sondern es ist oftmals sogar Bedingung. Doch auch dar\u00fcber hinaus; f\u00fcr viele sind extra Einnahmen wie Trinkgeld \u00fcberlebensnotwendig. Und diese fallen nun mal h\u00f6her aus, wenn man freundlich ist, wenn man den Kunden zuzwinkert oder sogar mit ihnen flirtet. Wenn du im Callcenter nicht gen\u00fcgend Anrufer*innen befriedigst, bekommst du nicht ausreichend Punkte und kannst deshalb einfach entlassen werden. Kund*innen-Zufriedenheit geht anscheinend ohne ein freundliches L\u00e4cheln nicht. Viele w\u00e4hlen einen solchen Beruf freiwillig und mit dem Wissen, dass dieser mit zus\u00e4tzlichen emotionalen Belastungen daher kommt. Allerdings macht das die physischen und psychischen Auswirkungen nicht weniger real und gef\u00e4hrlich. Berufe mit geringer Bezahlung sind oft die, bei denen die emotionale Arbeit am h\u00f6chsten ist. Diese Form der Arbeit wird daher kostenlos geleistet. Und in Deutschland arbeiten besonders Frauen im Niedriglohnsektor.<\/p>\n<h3>Emotionsarbeit ist Frauensache<\/h3>\n<blockquote><p>&#8222;I\u2019m working as a nurse and it is super stressful. When I have to start at 6 in the morning I\u2019m always tired. Some people don\u2019t understand that it\u2019s a hospital and not a hotel. They treat me like they would treat a waitress or cleaning personal &#8211; just without tipping me in the end. They expect from me to be in a good mood all day and make them feel happy but still to work like a machine. I have to care first and foremost about their health. This should be more important than everything else.&#8220; <strong><em>L., weiblich, 20 Jahre alt<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch au\u00dferhalb von Gastro und Service ist Emotionsarbeit ein Teil vom Arbeitsalltag, vor allem bei Frauen. Egal ob Lehrerin, Journalistin oder Krankenschwester, nett und freundlich zu sein ist etwas, was bei Frauen mit einer viel h\u00f6heren Erwartungshaltung verkn\u00fcpft ist. Deshalb wird der Begriff Emotional Labour in den letzten Jahren auch immer wieder mit dem Feminismus in Verbindung gebracht. Nicht nur am Arbeitsplatz sondern auch Zuhause ist es immer noch die Aufgabe der Frau f\u00fcr emotionales Wohl in der Familie zu sorgen. Frauen tr\u00f6sten und ermuntern \u2013 irgendwie altmodisch und unfair so zu denken, doch leider ist eine solche Einstellung noch weit verbreitet. Laut einer Studie der University of Leeds haben 87 % der befragten heterosexuellen Frauen bereits einen Orgasmus vorget\u00e4uscht, um ihren Partner zu befriedigen. Ja, auch das ist Emotionsarbeit. Wenn Frauen also zu Hause f\u00fcr Harmonie und emotionales Wohl sorgen m\u00fcssen, dann ist es nicht weit zu behaupten, sie tun dies ebenfalls am Arbeitsplatz. Vor allem bei Berufen mit meist m\u00e4nnlicher Chefetage sind es die Sekret\u00e4rinnen und Krankenschwestern, die mit unbezahlter Emotionsarbeit den Laden am Laufen halten.<\/p>\n<p><em>*Die Namen der Stimmen sind verborgen, um eine Privatsph\u00e4re zu gew\u00e4hrleisten. Die Stimmen sind in Originalsprache und -wortlaut abgebildet.<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><strong style=\"color: #003366;\"><br \/>\n<\/strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10981 size-thumbnail alignleft\" style=\"color: #003366;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Matti_Ullrich.png?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"  data-recalc-dims=\"1\"><strong style=\"color: #003366;\">Matti Ullrich <\/strong><span style=\"color: #003366;\">studiert im 4. Semester Filmwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Er war Jugendjournalist bei Flensborg Avis und arbeitet nun in der Berliner Kinoszene.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Arbeitsplatz freundlich zu sein, obwohl man sich nicht danach f\u00fchlt, kann unglaublich kr\u00e4ftezehrend sein und Schmerzen verursachen. Besonders Frauen sind davon betroffen. 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