{"id":11062,"date":"2020-08-27T12:21:08","date_gmt":"2020-08-27T10:21:08","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11062"},"modified":"2020-08-27T12:21:08","modified_gmt":"2020-08-27T10:21:08","slug":"skype-meetings-schnuller-und-schuldgefuehle-wie-die-corona-krise-muetter-trifft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11062","title":{"rendered":"Skype-Meetings, Schnuller und Schuldgef\u00fchle \u2013 wie die Corona-Krise M\u00fctter trifft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Monaten hinterl\u00e4sst die Corona-Krise in allen Bereichen des Lebens tiefe Spuren. Mit knapp 200.000 Erkrankten und \u00fcber 9.000 Toten in Deutschland trifft die Pandemie die Gesellschaft schwer. Besonders darunter zu leiden haben ersten Erkenntnissen zufolge Gastronomie, Tourismus und die Event-Branche. Wenn man sich abseits der Gro\u00dfkonzerne umschaut, wird deutlich, dass auch einzelne Bev\u00f6lkerungsgruppen st\u00e4rker in Mitleidenschaft gezogen werden als andere. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Menschen in niedrigeren Einkommensschichten, Alleinerziehende und M\u00fctter.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Von Paula Machel<\/em><\/p>\n<p>Nach ihrem sechs-Stunden-Tag im Amt beeilt sich Tabea M., p\u00fcnktlich nach Hause zu kommen. Auf die 33-J\u00e4hrige warten ihr Sohn (3), ihre Tochter (5) und noch mehr als sechs Stunden unbezahlte Sorgearbeit. Zum Gl\u00fcck ist ihr Arbeitgeber verst\u00e4ndnisvoll. Zu Beginn der Pandemie wurde im Wechselmodell gearbeitet, bei dem abwechselnd Gruppe A f\u00fcr zwei Wochen im Amt und Gruppe B zuhause war. Danach durften alle Kolleg*innen mit Kindern unter 12 Jahren prinzipiell im Homeoffice arbeiten \u2013 was bedeutet, dass sie zuhause waren und gar nicht arbeiteten. Gewissensbisse lie\u00dfen Tabea dieses Privileg jedoch nur selten nutzen: \u201eMan hat ja doch irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn man zuhause ist, nicht arbeitet und daf\u00fcr auch noch bezahlt wird.\u201c<\/p>\n<p>Auch ihr Mann hatte Gl\u00fcck mit seinem Arbeitgeber. Es war ihm m\u00f6glich, komplett von zuhause aus zu arbeiten. Das bedeutete f\u00fcr ihn konkret sich den ganzen Vormittag um die Kinder zu k\u00fcmmern, ihnen Essen zu machen und sie dann vor dem Fernseher zu \u201eparken\u201c, um mit seiner Arbeit beginnen zu k\u00f6nnen. Dort besch\u00e4ftigten sie sich selbst, bis Tabea wiederkam und die Betreuung \u00fcbernehmen konnte.<\/p>\n<p>An ihrem Arbeitsalltag hatte sich sonst nicht viel ge\u00e4ndert: Sie stand fr\u00fch auf und erledigte ihre Aufgaben. Nur die Gef\u00fchlslage war merklich anders. Die Arbeit machte deutlich weniger Spa\u00df, sie war \u00f6fter gestresst und hatte immer den Gedanken im Hinterkopf: \u201eDu musst jetzt p\u00fcnktlich zuhause sein, sonst sitzen die Kinder wieder Ewigkeiten vor dem Fernseher.\u201c<\/p>\n<h3>\u201eHomeoffice mit kleinen Kindern ist nicht m\u00f6glich\u201c<\/h3>\n<p>Die wirklichen Ver\u00e4nderungen wurden erst zuhause richtig deutlich. Ihr Nachmittagsprogramm bestand nunmehr daraus, auf ihre Kinder aufzupassen. Schon das Einkaufen wurde zum Kraftakt \u2013 die Hamsterk\u00e4ufe anderer erschwerten diesen Punkt zus\u00e4tzlich, zusammen mit den neuen Hygienevorschriften und kleinen Kindern im Schlepptau. Und abends musste noch gekocht werden. Ihr Mann arbeitete w\u00e4hrenddessen bis zum Abendessen, manchmal noch dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>F\u00fcr Tabea bedeutete die Zeit im Homeoffice also, gar nicht zu arbeiten. Und dar\u00fcber war sie sehr froh, denn: \u201eHomeoffice mit kleinen Kindern ist nicht m\u00f6glich! Das haben sich alte wei\u00dfe M\u00e4nner ausgedacht, die wahrscheinlich niemals mit ihren Kindern mehr als vier Stunden am St\u00fcck Zeit verbracht haben.\u201c<\/p>\n<p>Die Vorstellung vieler Arbeitgeber, dass man zuhause sitzen und arbeiten k\u00f6nne und die Kinder friedlich miteinander spielen w\u00fcrden, das funktioniere nicht. \u201eIch wei\u00df nicht, mit welchen Kindern das funktionieren k\u00f6nnte, mit meinen nicht.\u201c Um diesen Stress zu vermeiden, w\u00e4re sie lieber ins Besch\u00e4ftigungsverbot aufgrund ihrer Schwangerschaft gegangen, \u201eaber diese Option haben ja nun auch nicht viele.\u201c<\/p>\n<h3>\u201eDu kommst von der Arbeit und bist komplett f\u00fcr die Kinder zust\u00e4ndig. Und dann f\u00e4llst du ins Bett\u201c<\/h3>\n<div id=\"attachment_11065\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11065\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11065\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=450%2C300\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=400%2C267&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=800%2C533&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?resize=1200%2C800&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2.jpeg?fit=5000%2C3333&amp;ssl=1 5000w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11065\" class=\"wp-caption-text\">Das Kind vor dem Fernseher: f\u00fcr viele Familien zum Alltag geworden. Foto: myst, stock.adobe.com<\/p><\/div>\n<p>Auch bei der Zufriedenheit mit der Familiensituation sp\u00fcrte Tabea einen deutlichen R\u00fcckgang. \u201eIch kann mich noch dran erinnern, dass jemand mir zum Geburtstag gratuliert hat und mir viel Zeit mit der Familie gew\u00fcnscht hat. Da hab\u2018 ich gesagt: &#8218;Nee, die hab\u2018 ich grade, ich h\u00e4tte jetzt gerne wieder mehr Zeit f\u00fcr mich. Ohne Kinder.&#8217;\u201c<\/p>\n<p>Anstrengend sei die Zeit auf jeden Fall gewesen, f\u00fcr alle, besonders auch f\u00fcr die Kinder. Sie wurden aus ihrem kompletten Alltag herausgerissen, \u201eund w\u00e4ren wir nicht leichte Gesetzesbrecher gewesen, indem wir sie mit dem Nachbarskind haben spielen lassen, dann h\u00e4tten sie ja nicht mal andere Kinder zum Spielen gehabt, was total irre ist.\u201c Der fehlende soziale Kontakt und die ungewohnte Situation, den ganzen Tag gezwungenerma\u00dfen Zeit miteinander verbringen zu m\u00fcssen, sei eine starke Belastung gewesen.<\/p>\n<p>Das Argument \u201eAber im Urlaub hast du doch auch die ganze Zeit die Kinder um dich!\u201c will Tabea nicht gelten lassen. \u201eIm Urlaub macht man auch etwas und alle M\u00f6glichkeiten stehen einem offen, bei Corona &#8230; siehst du ja, wie viele M\u00f6glichkeiten wir hatten\u201c, sagt sie und schnaubt resigniert. Dabei denkt sie nicht nur an das Kontaktverbot und die Kita-Schlie\u00dfungen, sondern auch an das Spielplatz-Verbot.<\/p>\n<p>\u201eGrade an Tagen, wenn wir beide gearbeitet haben, war es sehr belastend. Man ist ungeduldiger, keift schneller mal rum, miteinander und auch mit den Kindern. Und, was dazu kommt: Bei diesem Modell bleibt ja keine Zeit f\u00fcr dich, keine Freizeit, wo du mal ein bisschen durchatmen kannst. Du kommst von der Arbeit und bist komplett f\u00fcr die Kinder zust\u00e4ndig. Und dann f\u00e4llst du ins Bett.\u201c<\/p>\n<h3>Die Entt\u00e4uschung \u00fcber die Regierung ist gro\u00df<\/h3>\n<p>Genau wie viele andere Familien h\u00e4tte auch Tabea sich eine eindeutigere Kommunikation und Entlastung seitens des Staates gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>\u201eDu kriegst gesagt, ja, die Kinder bleiben zuhause &#8211; aber keiner wusste wie lange! \u00dcber alles M\u00f6gliche wurde dann verhandelt nach den ersten Wochen, es wurde alles schon besprochen, was fiel unter den Tisch? Die Kinder. Damit hat sich keiner befasst. Erst als ein Aufschrei von allen Seiten kam. Irgendwie sind wir nicht systemrelevant.\u201c<\/p>\n<p>Eine der gro\u00dfen Pressekonferenzen ist ihr besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben. Als es darum ging, wie es nun weitergehen sollte und kein Wort zu den Kindern fiel, nichts. Dass das einfach mal so hinten runterfiel, das war entt\u00e4uschend &#8211; \u201edass man nicht mal so viel wert ist wie ein Autoh\u00e4ndler oder so.\u201c<\/p>\n<p>Auch der von der Bundesregierung beschlossene Corona-Familienbonus von 300\u20ac pro Kind kann dar\u00fcber nicht hinwegtr\u00f6sten. \u201e300\u20ac Bonus, um die Eltern f\u00fcr die vergangenen Monate zu entsch\u00e4digen. Wow! Da kann ich mir ja richtig was von kaufen! 300\u20ac ist der reinste Hohn, verteilt auf zwei Monate, damit du nicht zu viel auf einmal ausgibst, oder was?\u201c<\/p>\n<p>Die Erfahrungen, die Tabea in Zeiten der Corona-Krise machen musste, decken sich mit denen von Millionen Haushalten in Deutschland. Vielen ging es dabei noch schlechter.<\/p>\n<h3>Die Pandemie trifft M\u00fctter besonders stark<\/h3>\n<div id=\"attachment_11066\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11066\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11066\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=450%2C310\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=200%2C138&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=300%2C207&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=400%2C275&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=600%2C413&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=800%2C551&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=1024%2C705&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?resize=1200%2C826&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3.jpeg?fit=5500%2C3786&amp;ssl=1 5500w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11066\" class=\"wp-caption-text\">M\u00fctter sind h\u00e4ufig allein f\u00fcr die Hausarbeit zust\u00e4ndig. Foto: Konstantin Yuganov, stock.adobe.com<\/p><\/div>\n<p>Zu dem Schluss, dass die Pandemie bereits bestehende Ungleichheiten deutlich verst\u00e4rkt, kam auch das Wissenschaftszentrum Berlin. Aus ihrem Ergebnisbericht von April 2020 geht hervor, dass Selbstst\u00e4ndige, Geringverdienende, Frauen und Eltern besonders betroffen sind. Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung stellen eine gro\u00dfe Doppelbelastung dar. &nbsp;<\/p>\n<p>Verglichen mit Kinderlosen arbeiten Eltern tendenziell weniger. Besonders M\u00fctter arbeiten h\u00e4ufiger gar nicht oder weniger als V\u00e4ter. M\u00fctter sind in der Krise au\u00dferdem eher unzufrieden mit der Arbeit und machen sich gr\u00f6\u00dfere finanzielle Sorgen, au\u00dferdem sorgen sie sich st\u00e4rker um den Verlust des Arbeitsplatzes als ihre Partner. Des Weiteren sind sie st\u00e4rker von Arbeitszeitanpassungen betroffen als V\u00e4ter: die Wahrscheinlichkeit, dass sie im \u00fcblichen Stundenumfang arbeiten ist niedriger, dass sie gar nicht arbeiten jedoch h\u00f6her.<\/p>\n<p>Systemrelevante Berufe wie beispielsweise im Gesundheits- und Pflegebereich, in denen oft Frauen t\u00e4tig sind, lassen sich nicht von zuhause ausf\u00fchren. Deshalb arbeiten diese h\u00e4ufiger weiterhin am Arbeitsort und seltener von zuhause als Personen in nicht-systemrelevanten Berufen, erleben weniger Ver\u00e4nderungen und machen sich im Vergleich auch weniger Sorgen um ihre finanzielle Situation. Sie f\u00fchlen sich jedoch weniger stark vom Arbeitgeber unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Tendenziell ist die Arbeitszufriedenheit, besonders bei Personen die weniger arbeiten, zur\u00fcckgegangen, dies sind oft Frauen.<\/p>\n<h3>Corona beeintr\u00e4chtigt Bildungschancen<\/h3>\n<p>Auch das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) ver\u00f6ffentlichte mit dem Wochenbericht im Mai besorgniserregende Zahlen.<\/p>\n<p>Seit Mitte M\u00e4rz waren ca. 8,8 Millionen betreuungsbed\u00fcrftige Kinder gezwungen zu Hause zu bleiben, anstatt in ihre Kindertageseinrichtung oder Schule zu gehen. Neben anderen Problemen ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, dass sie dadurch auch in ihrer sozialen Entwicklung und den Bildungschancen beeintr\u00e4chtigt werden. Das Autorenteam des DIW kam zu dem Schluss, dass mehr als 4 Millionen Familien durch die Corona-Krise vor Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt wurden. Ein wirklich produktives Arbeiten parallel zur Kinderbetreuung sei oftmals nicht m\u00f6glich. Dass private Betreuungsarrangements, wie beispielsweise durch die Gro\u00dfeltern, wegfallen, erschwere die Situation noch mehr.<\/p>\n<div id=\"attachment_11067\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11067\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11067\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=450%2C300\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=400%2C267&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=800%2C533&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?resize=1200%2C800&amp;ssl=1 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?w=2200 2200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?w=3300 3300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4.jpeg?fit=8688%2C5792&amp;ssl=1 8688w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11067\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfeltern spielen mit ihrem Enkel &#8211; dank Corona ein seltenes Bild. Foto: Mladen, stock.adobe.com<\/p><\/div>\n<p>Rund 30% aller Haushalte mit Kindern bis 12 Jahre nehmen regelm\u00e4\u00dfige Kinderbetreuung durch Verwandte in Anspruch, bei Alleinerziehenden sind es knapp 40%. Es zeigt sich, dass diese durch die Schlie\u00dfungen besonders stark belastet werden, gerade wenn sie in Vollzeit t\u00e4tig sind. Bei ungef\u00e4hr der H\u00e4lfte der erwerbst\u00e4tigen Haushalte ist ein Elternteil &#8211; meist der Vater &#8211; in Vollzeit angestellt, die Mutter in Teilzeit.<\/p>\n<p>Die Studie zeigt deutlich, dass ein Gro\u00dfteil der Kinderbetreuung normalerweise von M\u00fcttern geleistet wird, auch, wenn sie erwerbst\u00e4tig sind. Schon vor der Krise \u00fcbernahmen in Paarhaushalten M\u00fctter den Gro\u00dfteil der Sorgearbeit. Auch in Haushaltst\u00e4tigkeiten wurde mehr Zeit investiert, allgemein ist der Zeitaufwand f\u00fcr Kochen, Putzen und Einkaufen in der Krise deutlich gestiegen. Die M\u00e4nner in Paarhaushalten arbeiten h\u00e4ufiger in Vollzeit und werden mehrheitlich besser bezahlt als ihre Partnerinnen. Auch das mag ein Grund daf\u00fcr sein, dass V\u00e4ter seltener ihren Erwerbsumfang reduzieren, um M\u00fctter zu entlasten. Die Aufteilung der Sorge- und Hausarbeit h\u00e4ngt jedoch auch von den ausge\u00fcbten Berufen ab, welche bestimmen, ob Kurzarbeit in Frage kommt oder von zuhause gearbeitet werden kann.<\/p>\n<p>Theoretisch k\u00f6nnen rund 38% der M\u00fctter und 36% der V\u00e4ter in Deutschland im Homeoffice arbeiten. Im Vergleich dazu arbeiten rund 35% der Alleinerziehenden in Berufen, in denen Homeoffice m\u00f6glich w\u00e4re. Daraus folgt, dass die meisten Eltern Erwerbsarbeit und zus\u00e4tzliche Betreuungsarbeit nicht einmal theoretisch unter einen Hut bekommen k\u00f6nnten. Denn in 65% aller Haushalte von Alleinerziehenden und in \u00fcber 40% der Paarhaushalte geht kein Elternteil einem Beruf nach, der mit Heimarbeit kompatibel ist. Das f\u00fchrt dazu, dass ein Elternteil Arbeitsstunden reduzieren oder den Job, zumindest zeitweise, ganz aufgeben muss. Da in vielen Paarhaushalten Frauen das geringere Gehalt beziehen, ist diese Entscheidung oft vorbestimmt. Die Gefahr eines gleichstellungspolitischen Backlashs besteht.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob man aus der Krise nicht doch vielleicht noch etwas Positives mitnehmen kann, f\u00e4llt Tabea nicht viel ein. Die Kinder vertragen sich jetzt besser, sie haben sich ein bisschen zusammengerauft. Und h\u00e4tte ihr vorher jemand gesagt \u201eDie Kinder sind jetzt zehn Wochen zuhause und du musst versuchen, alles andere drum rum zu basteln!\u201c h\u00e4tte sie wohl gedacht, dass sie das im Leben nicht schafft. Um dann festzustellen \u2013 es geht doch! Von Woche zu Woche. \u201eAlso man mobilisiert doch einige Kr\u00e4fte. Aber so positiv war die Zeit nicht.\u201c<\/p>\n<hr>\n<p><strong style=\"color: #003366;\"><br \/>\n<\/strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10981 size-thumbnail alignleft\" style=\"color: #003366;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/bild.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"  data-recalc-dims=\"1\"><strong style=\"color: #003366;\">Paula Machel <\/strong><span style=\"color: #003366;\">studiert Englische Philologie und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Alliterationen in \u00dcberschriften machen sie gl\u00fccklich.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Monaten hinterl\u00e4sst die Corona-Krise in allen Bereichen des Lebens tiefe Spuren. Mit knapp 200.000 Erkrankten und \u00fcber 9.000 Toten in Deutschland trifft die Pandemie die Gesellschaft schwer. Besonders darunter zu leiden haben ersten Erkenntnissen zufolge Gastronomie, Tourismus und die Event-Branche. 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