{"id":11045,"date":"2020-08-27T12:06:17","date_gmt":"2020-08-27T10:06:17","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11045"},"modified":"2021-04-09T13:08:29","modified_gmt":"2021-04-09T11:08:29","slug":"der-erste-arbeitsmarkt-die-werkstaetten-und-viele-probleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/?p=11045","title":{"rendered":"Der zweite Arbeitsmarkt, die Werkst\u00e4tten und viele Probleme"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber Arbeit wurde in den letzten Monaten oft gesprochen: Wie man sich am besten im Homeoffice fit h\u00e4lt, welche Branche es jetzt besonders schwer hat und vor allem, welche Berufe f\u00fcr das Funktionieren einer Gesellschaft wirklich relevant sind. Es gab Diskussionen \u00fcber staatliche Hilfen f\u00fcr die Lufthansa und die Automobilindustrie und immer wieder ging es dabei darum, ob eine Branche eine Lobby hat &#8211; oder aber eben keine. Die Arbeitssituation von Menschen mit Behinderungen war dabei selten Thema.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Von Susanne K\u00f6del<\/em><\/p>\n<p>An einer Lobby fehlt es vermutlich vielen Berufsgruppen, aber sie k\u00f6nnen sich vielleicht mal mehr, mal weniger erfolgreich \u00f6ffentlich Geh\u00f6r verschaffen. Sie k\u00f6nnen streiken und politisch mitgestalten. F\u00fcr Berufst\u00e4tige mit einer geistigen Behinderung ist das schwer, erkl\u00e4rt der Aktivist Raul Krauthausen. Es gibt wenige Ausnahmen: Auf seinem YouTube-Kanal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UC06OgZ7nG97XxfLmjhEZiAA\">SakulTalks<\/a> berichtet Lukas Kr\u00e4mer von aktuellen Debatten und wichtigen Themen sowie angesichts der sogenannten Corona-Krise auch von der Situation in den Werkst\u00e4tten. \u00dcber zentrale Themen wie Inklusion oder Arbeitsrechte wird auch in der Kommentarspalte der Videos weiter diskutiert. Dennoch haben Menschen mit Behinderung oft keinen Platz in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung und schon gar keine Lobby. Das sagt Raul Krauthausen und das sagt auch Fried Gebhardt, Leiter einer Werkstatt in Berlin.<\/p>\n<h3>Zwei Seiten der Diskussion<\/h3>\n<div style=\"width: 340px\" class=\"wp-caption alignright\"><a id=\"featured-image-2\" class=\"fusion_upload_button\" href=\"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-admin\/post-new.php#\" aria-label=\"Artikelbild ausw\u00e4hlen 2\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"fusion-preview-image\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild2_Medienlaborbeitrag_SusanneK\u00f6del.png?resize=330%2C338\" sizes=\"\" srcset=\"\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"338\"  data-recalc-dims=\"1\"><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Raul Krauthausen ist Mitgr\u00fcnder des Vereins Sozialhelden e.V., der sich mit verschiedenen Initiativen f\u00fcr soziale Gerechtigkeit einsetzt. Seit 2010 gibt es zum Beispiel das Projekt wheelmap.org, einer App, mit der durch Crowdsourcing barrierefreie und nicht-barrierefreie Orte markiert werden k\u00f6nnen. Foto: Anna Spindelndreier, 2020<\/p><\/div>\n<p>Abgesehen davon vertreten beide jedoch verschiedene Positionen in einer Debatte, in der es um die Arbeitssituation von Menschen mit Behinderung geht. Eine Debatte, die breit gef\u00fchrt wird \u2013 schaut man in die entsprechenden Kreise. Au\u00dferhalb davon wissen die wenigsten \u00fcber den Streit um die Werkst\u00e4tten f\u00fcr Menschen mit Behinderung (WfMB) Bescheid, kaum einer wei\u00df von den Arbeitsbedingungen und nur wenige kennen jemanden, der dort arbeitet. Raul Krauthausen w\u00e4re nach der Schule beinahe in eine Werkstatt gekommen. Heute ist er Autor, Moderator, verk\u00fcrzt gesagt vielleicht ein \u201eMedienmensch\u201c, vor allem aber ist er Aktivist f\u00fcr Inklusion und Barrierefreiheit &#8211; und ein Gegner des Werkstattssystems.<\/p>\n<p><em>\u201eWir alle glauben, es ist total gut, was die Menschen dort machen, aber in Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall. Die Werkst\u00e4tten sagen seit mindestens 15 Jahren, sie haben sich auf den Weg der Inklusion gemacht und einfach nichts ist passiert.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Fried Gebhardt ist seit vielen Jahren Leiter einer Werkstatt von Integral e.V., einem der 17 Werkstatttr\u00e4ger in Berlin. An vielen Stellen sei die Kritik berechtigt, sagt er, aber er spricht auch von den Schwierigkeiten, vor denen viele Werkst\u00e4tten stehen und von dem Versuch, etwas an der Situation zu ver\u00e4ndern. WfMB sind daf\u00fcr da, Menschen so zu rehabilitieren, dass sie es auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schaffen k\u00f6nnen. Sie sollen Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen Teilhabe am Arbeitsleben erm\u00f6glichen. Das sei das oberste Ziel, erkl\u00e4rt Gebhardt, dem m\u00fcsse sich alles unterordnen. Dabei stehen die Interessen der Besch\u00e4ftigten im Vordergrund: Jeder, der sich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausprobieren will, soll die Chance dazu bekommen.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDie Schwierigkeit ist der Gesellschaft klar zu machen, dass wir eigentlich bei Krauthausen sind, aber uns die Gesetze etwas anderes machen lassen und dass wir uns bem\u00fchen diese Gesetze langsam zu ver\u00e4ndern. Die UN-Konvention, das ist eine wichtige Geschichte, aber daraus zu machen, dass Werkst\u00e4tten abgeschafft werden m\u00fcssen, ist nach meinem Daf\u00fcrhalten der falsche Weg.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<h3>Werkst\u00e4tten in der Kritik<\/h3>\n<div id=\"attachment_11048\" style=\"width: 338px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11048\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11048 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=328%2C434\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=200%2C265&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=227%2C300&amp;ssl=1 227w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild3_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?fit=328%2C434&amp;ssl=1 328w\" sizes=\"(max-width: 328px) 100vw, 328px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11048\" class=\"wp-caption-text\">Die Werkstatt von Integral e.V. in Berlin-Prenzlauer Berg. Foto: Susanne K\u00f6del, 2020<\/p><\/div>\n<p>Was aber sind die Kritikpunkte, gegen die sich Werkst\u00e4tten wie die von Integral e.V. wehren wollen? Wenn das Ziel Inklusion hei\u00dft, dann kann das Werkstattsystem dort nicht hinf\u00fchren, sagen die Kritiker. Tats\u00e4chlich gelangen nur etwa 1% der Besch\u00e4ftigten auf den ersten Arbeitsmarkt. Der Vorwurf lautet oft, man lie\u00dfe sie nicht, sie w\u00fcrden nicht genug gef\u00f6rdert und schon gar nicht genug ermutigt. Die Werkst\u00e4tten stehen trotz ihres unternehmerischen Sonderstatus in Konkurrenz zu anderen Produzenten und unter dem Zwang der Wirtschaftlichkeit. Da macht es ihnen zu schaffen, wenn sie ihre besten Mitarbeiter verlieren. Auch wird Unternehmen, die Auftr\u00e4ge extern an eine WfMB geben, nicht nur eine kosteng\u00fcnstige Produktion geboten, sondern auch eine Reduktion der Ausgleichsabgabe. Diese Ausgleichsabgabe soll von Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern als finanzieller Ausgleich geleistet werden. Sie f\u00e4llt an, wenn sie der Besch\u00e4ftigungspflichtquote von 5% nicht nachkommen und weniger oder gar keine Menschen mit Behinderung einstellen. Auch wenn diese Abgabe ohnehin sehr gering ist, wird es Arbeitgebern so noch schmackhafter gemacht, Auftr\u00e4ge extern zu vergeben und eben keine Arbeitnehmer mit einer k\u00f6rperlichen oder geistigen Einschr\u00e4nkung einzustellen. Das ist, was Inklusionsaktivist*innen meinen, wenn sie sagen, dass Werkst\u00e4tten Inklusion verhindern. \u201eSicherlich sind Werkst\u00e4tten besser als keine Aufgabe\u201c, findet Krauthausen, vor allem jedoch: \u201eAber es darf nicht als Grund dienen, weswegen wir das System erhalten, sondern wir m\u00fcssen immer die Frage stellen, wie k\u00f6nnen wir die Besch\u00e4ftigung von Menschen mit Behinderung am allgemeinen Arbeitsmarkt erm\u00f6glichen und Werkst\u00e4tten abschaffen.\u201c<\/p>\n<h3>\u201eEs ist ein anderer Arbeitsmarkt\u201c<\/h3>\n<p>Auf der anderen Seite ist der erste Arbeitsmarkt selbst auf Inklusion schlicht nicht vorbereitet, nicht auf lange Einarbeitungszeiten, nicht auf ein variierendes Arbeitstempo, manchmal nicht einmal auf eine Rampe am Eingang. F\u00fcr Menschen mit einer geistigen Beeintr\u00e4chtigung sind Arbeitsklima und soziale Kontakte in der Werkstatt oft angenehmer, es herrscht weniger Druck und mehr Verst\u00e4ndnis. Wer sich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht wohl f\u00fchlt, der kann noch so qualifiziert sein. Den Absprung zu schaffen ist schwer und verlangt einen starken Willen und viel Durchhalteverm\u00f6gen. Beide Seiten m\u00fcssen das wollen, gibt Gebhardt zu bedenken.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEs ist ein anderer Arbeitsmarkt. Die Bedingungen in der Werkstatt sind nat\u00fcrlich nicht so leistungsorientiert wie in der freien Wirtschaft. Der Umgangston miteinander ist ein anderer, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr verschiedene Schwierigkeiten ist ein v\u00f6llig anderes. Der allgemeine Arbeitsmarkt ist darauf nicht vorbereitet, der erwartet, dass man seine Arbeitskraft verkauft, weil man daf\u00fcr Geld kriegt. F\u00fcr den Verkauf der Arbeitskraft gibt jeder Betrieb irgendeinen Rahmen vor. Wenn ich das nicht schaffe, dann ist da niemand, der sagt &#8218;Kann ich dir helfen&#8216;, sondern da wird gesagt: Entweder Sie schaffen das oder wir m\u00fcssen uns vielleicht von Ihnen trennen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_11049\" style=\"width: 511px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11049\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11049 \" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=501%2C333\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=200%2C133&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=400%2C266&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild4_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?fit=530%2C352&amp;ssl=1 530w\" sizes=\"(max-width: 501px) 100vw, 501px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11049\" class=\"wp-caption-text\">Kleinteile auf einem Werktisch. Foto: pixabay.com<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr Menschen, die nie eine Werkstatt betreten haben &#8211; und davon gibt es viele &#8211; geht damit viel \u00f6fter die Assoziation von etwas, das man vielleicht \u201eBesch\u00e4ftigungsma\u00dfnahme\u201c nennen k\u00f6nnte, einher. An Produktivit\u00e4t, an Wirtschaftlichkeit denken die wenigsten. Es gibt solche WfMB, auf die trifft das mehr zu als auf andere. Hier werden die Mitarbeiter mehr besch\u00e4ftigt als gef\u00f6rdert. Dennoch, erkl\u00e4rt Fried Gebhardt, gibt es ein Kriterium f\u00fcr die sogenannte \u201eWerkstattf\u00e4higkeit\u201c, dabei spricht man von \u201ewirtschaftlich verwertbarer Arbeit\u201c. Diese Bezeichnung wird zwar unterschiedlich ausgelegt, zeigt aber doch klar, auf was WfMB aufbauen. Der Gro\u00dfteil der T\u00e4tigkeiten besteht aus einfachsten Arbeiten, den Anforderungen einer Industrie 4.0 k\u00f6nnen und wollen die meisten nicht entsprechen. \u201eUnd einfachste Arbeiten werden nun mal einfachst bezahlt.\u201c, erkl\u00e4rt Gebhardt, der zugleich f\u00fcr eine \u00c4nderung des Lohnsystems pl\u00e4diert. Das ist f\u00fcr Raul Krauthauen und viele Inklusionsaktivist*innen ebenfalls ein zentraler Kritikpunkt. 1,35 Euro, so viel verdienen die Angestellten durchschnittlich pro Stunde. Der Lohn ist \u00fcberhaupt nicht auf einen Lebensunterhalt ausgelegt. Er ist ein Taschengeld neben der staatlichen Grundsicherung, die an sich schon gen\u00fcgend Problematiken birgt.<\/p>\n<h3>Was getan wird und was getan werden muss<\/h3>\n<p>Trotz der Kritik h\u00e4lt Fried Gebhardt daran fest, dass die Werkstatt ein guter Inklusionsbetrieb sein kann. Indem die Angestellten so gut wie m\u00f6glich auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden, indem man einzelne Interessen f\u00f6rdert, indem man Teilhabe am Arbeitsleben und Perspektiven verschafft: \u201eWir haben keinen Erziehungsauftrag, sondern wir haben einen F\u00f6rderauftrag.\u201c Und doch muss sich vieles \u00e4ndern, wenn Werkst\u00e4tten den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft mit bereiten wollen. Vollst\u00e4ndige Inklusion ist kein unerreichbares Ziel, das versucht Raul Krauthausen immer wieder zu vermitteln. Aber: \u201eEs hat auch niemand behauptet, dass Inklusion einfach und billig ist, oder kostenlos oder wir uns nur alle ein bisschen mehr anstrengen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_11050\" style=\"width: 726px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11050\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11050 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild5_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=716%2C436\" alt=\"\" width=\"716\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild5_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=200%2C122&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild5_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=300%2C183&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild5_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=400%2C244&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild5_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=600%2C365&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild5_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?fit=716%2C436&amp;ssl=1 716w\" sizes=\"(max-width: 716px) 100vw, 716px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><p id=\"caption-attachment-11050\" class=\"wp-caption-text\">Au\u00dfenbereich des barrierefreien Museums \u201eFuturium\u201c in Berlin. Foto: Susanne K\u00f6del, 2020<\/p><\/div>\n<p>In den letzten Jahren haben sich aber eben diese beiden Standpunkte herausgebildet, die sich oft vielmehr gegeneinander als zueinander wenden. Eine Talkrunde bei Maischberger, in der die Diskussion endlich \u00f6ffentlich und von allen Beteiligten gef\u00fchrt wird, das w\u00fcrde sich Fried Gebhardt w\u00fcnschen. Wie auch Krauthausen fordert er, dass die Werkst\u00e4tten sich mehr \u00f6ffnen, transparenter werden und f\u00fcr Austausch sorgen m\u00fcssten. Auch deshalb nimmt die Werkstatt von Integral e.V. jedes Jahr am Schichtwechsel-Tag teil, an dem Berufst\u00e4tige aus den verschiedensten Bereichen mit Angestellten eines Werkstattbetriebs tauschen und ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Arbeit des anderen bekommen k\u00f6nnen. Es braucht solche Initiativen, wenn Werkst\u00e4tten sich behaupten, dass sie Inklusion mitgestalten wollen.<\/p>\n<p>Dass wir dabei noch am Anfang stehen, sieht man an vielen Dingen: Auch daran, wie wir Arbeit an sich betrachten. Geht man einmal sozialwissenschaftlich an die ganze Sache und entwirrt all die Ans\u00e4tze, die sich um den Begriff der Arbeit ranken, f\u00e4llt einem das Wort \u201eInklusion\u201c nur sehr selten in den Blick. Genauso wie Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse von behinderten Menschen. Wir haben, wie so oft, keine ganzheitliche Definition f\u00fcr etwas, das uns alle umfasst. Und wieder einmal, m\u00fcssen wir zuh\u00f6ren lernen. Wir m\u00fcssen lernen, andere zu verstehen. Wir m\u00fcssen unser Zusammenleben neu erlernen. In Deutschland leben knapp 8 Millionen Menschen, die als schwerbehindert gelten. Jeder kann sich selbst fragen, wie viele Bekannte er hat, die einen Behindertenausweis bei sich tragen, in einer Werkstatt arbeiten oder nur in ein Geb\u00e4ude gelangen k\u00f6nnen, wenn es barrierefrei ist. Es fehlt nicht nur an einer Lobby oder einer medialen Aufmerksamkeit, es fehlt eine inklusive Gemeinschaft.<\/p>\n<hr>\n<p><strong style=\"color: #003366;\"><br \/>\n<\/strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10981 size-thumbnail alignleft\" style=\"color: #003366;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/userpage.fu-berlin.de\/melab\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Bild6_Medienlaborbeitrag_SuanneK\u00f6del.png?resize=150%2C150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"  data-recalc-dims=\"1\"><strong style=\"color: #003366;\">Susanne K\u00f6del<\/strong><span style=\"color: #003366;\">&nbsp;studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Sprache und Gesellschaft im sechsten Semester. Mit dem Thema Inklusion hat sie pers\u00f6nliche Ber\u00fchrungspunkte und sich deshalb bereits in fr\u00fcheren Uni-Projekten damit besch\u00e4ftigt.<\/span><\/p>\n<hr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Arbeit wurde in den letzten Monaten oft gesprochen: Wie man sich am besten im Homeoffice fit h\u00e4lt, welche Branche es jetzt besonders schwer hat und vor allem, welche Berufe f\u00fcr das Funktionieren einer Gesellschaft wirklich relevant sind. 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