{"id":3013,"date":"2012-06-29T11:37:27","date_gmt":"2012-06-29T09:37:27","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/frers\/blog\/?p=3013"},"modified":"2013-03-26T12:51:47","modified_gmt":"2013-03-26T11:51:47","slug":"die-sache-mit-der-sprache-oder-wichtigtuerische-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/frers\/blog\/?p=3013","title":{"rendered":"Die Sache mit der Sprache. Oder: Wichtigtuerische Worte?"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahren habe ich mich durch eine zunehmend gro\u00dfe Menge an ph\u00e4nomenologischer und philosophischer Literatur gearbeitet. Eines ist dabei besonders auff\u00e4llig: Der Sprache oder genauer der Wortwahl wird eine enorm gro\u00dfe Bedeutung verliehen. Das zeigt sich in unterschiedlicher Weise. So wird in Anschluss an Husserls rigorose Suche nach dem pr\u00e4zisen Ausdruck besonders gro\u00dfer Wert auf exakte Begriffsverwendungen gelegt, die oft f\u00fcr den jeweiligen Arbeitskontext in sehr spezifischer Weise definiert werden, \u00e0 la \u201ehier soll X also auf die in \u00a7 17 entwickelte Weise interpretiert werden.\u201c Dann gibt es noch die heideggerianischen Wortzauberer. Hier werden gew\u00f6hnliche Worte mit besonderer Bedeutungstiefe aufgeladen, \u00e0 la \u201edas R\u00e4umen des Raums leitet das Stellen des Gestells ein.\u201c Dann gibt es noch die etymologische Aufladung der Worte, in denen unterschiedliche Wurzeln vorgestellt werden und dabei am besten noch die gel\u00e4ufige Verwendung als t\u00f6lpelhaft vereinfachend enttarnt wird. Doch damit nicht genug. Es gibt noch die erheiternden Bindestrich-basierten Aufkl\u00e4rer, die zeigen, dass die Bedeutung eine Be-deutung beinhaltet, deren In-halt an bli oder auch bla An-halt sucht. Das ist ja alles gut und sch\u00f6n und manchmal regt es tats\u00e4chlich zu neuen Ein-sichten an oder erfreut die Leserin mittels eines Einblicks in die verqueren Sprachwelten der Philosophie.<\/p>\n<p>Was mich daran aber st\u00f6rt, ist die \u00fcberbordende Bedeutungsf\u00fclle, das alles-in-die-Sprache legen, der Glaube an die Exaktheit der Darstellung. Das alles ist schon problematisch genug. Aber noch schlimmer finde ich, dass im Vollzug des Schreibens, in der Produktion von Wortverkettungen und im Spinnen von Argumentationsf\u00e4den der Glaube im Wort gerinnt, dass die Worte tats\u00e4chlich dasselbe w\u00e4ren, wie die Dinge die sie beschreiben sollen. Entscheidend ist hier nicht die Problematik der Repr\u00e4sentation als solche, sondern die Illusion, dass es das, was man benennt <em>als solches<\/em> tats\u00e4chlich gibt. Es geht mir dabei weniger um die Benennung zum Beispiels eines Steins mit dem Wort Stein als die Bezeichnung philosophischer \/ theoretischer Ideen mit einem Begriff. Gibt es \u201eAktanten\u201c? Gibt es eine \u201eH\u00fclle\u201c? Gibt es \u201eAtmosph\u00e4ren\u201c? Gibt es einen \u201eHabitus\u201c? Dies alles sind keine Dinge, die man greifen k\u00f6nnten. Die Worte haben hier keinen materiellen Anhalt. Es gibt keine Aktanten als solche. Die H\u00fclle meiner Dissertation kann man nicht greifen. Der Habitus als solcher ist auch nicht fassbar. Aber oft wird so getan, als ob dies so w\u00e4re, als ob es nicht einfach darum ginge, Erfahrungsqualit\u00e4ten oder gedachte Bilder zu bezeichnen. Zwischen Konzepten und Dingen oder Taten aber gibt es wichtige Unterschiede. Diese genau zu benennen ist allerdings schwierig. Oder ist es unm\u00f6glich, weil die Benennung sich eben innerhalb der Worte abspielt? Oder ist das alles doch auch gar nicht so wichtig? Manweisetebennichsogenau\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahren habe ich mich durch eine zunehmend gro\u00dfe Menge an ph\u00e4nomenologischer und philosophischer Literatur gearbeitet. Eines ist dabei besonders auff\u00e4llig: Der Sprache oder genauer der Wortwahl wird eine enorm gro\u00dfe Bedeutung verliehen. Das zeigt sich in unterschiedlicher Weise. 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