{"id":2869,"date":"2011-07-31T13:51:38","date_gmt":"2011-07-31T11:51:38","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/frers\/blog\/?p=2869"},"modified":"2011-08-01T11:54:30","modified_gmt":"2011-08-01T09:54:30","slug":"materialitat-in-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/frers\/blog\/?p=2869","title":{"rendered":"Materialit\u00e4t in Bewegung."},"content":{"rendered":"<p>Allm\u00e4hlich gewinnt das Vortragsprogramm f\u00fcr den kommenden Herbst an Kontur: am 19. und 20. Oktober werde ich zur Konferenz <a href=\"http:\/\/www.soziologie.uni-mainz.de\/FB02\/kalthoff\/Illustrationen\/MaterialitaetenCfP(1).pdf\" title=\"Call for Papers als PDF\">Materialit\u00e4ten \u2013 Herausforderungen f\u00fcr die Sozial- und Kulturwissenschaften [PDF]<\/a> einen Vortrag pr\u00e4sentieren. Das ist besonders erfreulich, weil den Organisatoren mehr als 140 Vortragsabstracts geschickt wurden (vermutlich auch weil es Keynotes von so bekannten Leuten wie Bruno Latour, Janet Hoskins und Peter-Paul Verbeek gibt) und sie deswegen sehr stark aussieben mussten. Mein Vortrag wird sich unter dem Titel <em>Materialit\u00e4t in Bewegung<\/em> mit einer der Kernfragen f\u00fcr mein zweites Buch besch\u00e4ftigen. Hier das Abstract:<\/p>\n<blockquote><p> Ausgehend von Detailstudien an so unterschiedlichen Ortstypen wie Bahnh\u00f6fen,\u00a0Str\u00e4nden, Krankenh\u00e4usern und Rastpl\u00e4tzen wird in diesem Vortrag mit Hilfe von\u00a0Fotografien, Video- und Tonmaterial der ph\u00e4nomenologischen Gewalt des Materiellen\u00a0nachgegangen. In verschiedenen Alltagspraktiken zeigt sich bei genauer Betrachtung,\u00a0wie die stoffliche Welt und das menschliche Handeln untrennbar miteinander verwoben\u00a0sind. Diese Verwobenheit ist Ausgangspunkt f\u00fcr eine grundlegende Reflektion oftmals\u00a0unhinterfragter soziologischer Kategorien:<br \/>\nZum einen r\u00fcckt bei der hier vorgenommenen Auseinandersetzung mit der Materialit\u00e4t\u00a0der Welt der Zusammenhang von Wahrnehmen und Handeln in den Fokus. Anstatt beides als\u00a0voneinander getrennte Prozesse zu betrachten \u2013 entweder zeitlich als aufeinander\u00a0folgend oder analytisch als unterschiedlichen Regeln gehorchend \u2013 wird hier der\u00a0Vorschlag gemacht, Wahrnehmen und Handeln als auch im kleinsten Detail ihres Vollzugs\u00a0miteinandergehend zu denken. In dieser Verkn\u00fcpfung wird dann auch deutlich, wie\u00a0Materialit\u00e4t auf subtile, kaum bemerkbare Weise Eingang in soziales (Wahrnehmungs)Handeln findet und so zur Herstellung von sozialer Ordnung genauso wie zu Prozessen\u00a0sozialen Wandels beitr\u00e4gt.<br \/>\nZum anderen f\u00fchrt ein sich Einlassen auf die Herausforderung der Materialit\u00e4t an die\u00a0Sozialwissenschaften dazu, die gel\u00e4ufige Fassung der Kategorie des Sinns zu\u00a0hinterfragen. So wird Sinn in der Regel als Bedeutungssinn bzw. mit Weber als\u00a0gemeinter Sinn gefasst, den es auf mehr oder weniger hermeneutischem Wege zu\u00a0interpretieren gilt. Mit dieser geisteswissenschaftlich gepr\u00e4gten Bezugnahme aber\u00a0wird die Materialit\u00e4t als Jenseitiges behandelt, das einer anderen Sph\u00e4re angeh\u00f6rt.\u00a0Um dieser Aporie zu entgehen, wird es n\u00f6tig, die Sprachfixierung der soziologischen\u00a0Interpretation aufzul\u00f6sen. Deshalb der R\u00fcckgang auf das Material, das diesem Vortrag\u00a0zu Grunde liegt: Videos, Bilder, T\u00f6ne. Mit Unterst\u00fctzung dieser epistemologischen\u00a0Verb\u00fcndeten mit ihrer ganz eigenen Evidenz und in Ankn\u00fcpfung an \u00dcberlegungen aus\u00a0Science and Technology Studies (Latour, Pickering), britischer Humangeografie\u00a0(Thrift, Ingold) und aus der Ph\u00e4nomenologie (Merleau-Ponty, Waldenfels) soll die\u00a0Kategorie des Sinns anders angegangen werden: weniger als Bedeutungssinn sondern\u00a0vielmehr als Richtungs- oder Bewegungssinn. So gedacht kann Materialit\u00e4t \u2013 n\u00e4mlich\u00a0Materialit\u00e4t in Bewegung \u2013 auch sinngebend sein. St\u00f6rungen, Verfall, Turbulenz und\u00a0Erosion treten in dieser Perspektivierung aus dem geschlossenen Bereich des\u00a0Nat\u00fcrlich-Objektiven heraus und zeigen sich auch auf kategorialer Ebene in ihren\u00a0sozialen Qualit\u00e4ten.<br \/>\nIn dem Zusammenspiel von Wahrnehmungshandeln und Bewegungssinn zeigt dieser Vortrag\u00a0die doppelte Herausforderung der Materialit\u00e4t auf: Zum einen liegt diese\u00a0Herausforderung in der Notwendigkeit von Kategorien, die diesseits der Trennung von\u00a0Subjekt und Objekt operieren. Zum anderen liegt diese Herausforderung in der\u00a0methodologischen Umorientierung weg von einer von allen St\u00f6rungen gereinigten\u00a0Fokussierung auf Sprache und Versprachlichung und hin zu einer komplexeren\u00a0Orientierung auf das Zusammengehen von K\u00f6rperlichkeit, Bewegung, F\u00fchlen und Zeigen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allm\u00e4hlich gewinnt das Vortragsprogramm f\u00fcr den kommenden Herbst an Kontur: am 19. und 20. Oktober werde ich zur Konferenz Materialit\u00e4ten \u2013 Herausforderungen f\u00fcr die Sozial- und Kulturwissenschaften [PDF] einen Vortrag pr\u00e4sentieren. 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