{"id":1675,"date":"2003-07-15T01:22:00","date_gmt":"2003-07-15T01:22:00","guid":{"rendered":"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~frers\/cgi-bin\/blosxom.cgi\/socialsci\/latour_iconoclash.html"},"modified":"2010-01-24T13:18:08","modified_gmt":"2010-01-24T12:18:08","slug":"bruno-latour-iconoclash","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userpage.fu-berlin.de\/frers\/blog\/?p=1675","title":{"rendered":"Bruno Latour. Iconoclash."},"content":{"rendered":"<p>Ein sch&ouml;ner, kurzer Text (76 Seiten, viele Bilder, Merve-Format). Latours Stil ist immer wieder anregend, offen und scheut sich nicht vor peinlichen Ausrufezeichen. Die Parallelisierung und gleichzeitige Unterscheidung zwischen Wissenschaft, Religion und Kunst ist spannend. Mir gefiel besonders der Typ der &#8216;acheiropoiete&#8217;. Ich versp&uuml;re zwar immer ein gewisses Unbehagen bei solchen klassizistischen Begriffen, aber der Typus der &#8216;acheiropoiete&#8217; ist spannend. Gemeint sind Gegenst&auml;nde, denen zugeschrieben wird, das sie nicht von Menschenhand geschaffen sind, wie beispielsweise die 10 Gebote, die von Gott kommen. Sind sind sakral und sind durch ihre Fremdgeschaffenheit nicht den Kriterien menschlicher Kritik unterworfen. Gleichzeitig jedoch liegt der geschaffene Charakter, die menschliche Arbeit und das menschliche Handeln in solcher Gegenst&auml;nden und Ikonen offen zu Tage.<\/p>\n<p>Die Zerst&ouml;rung solcher Gegenst&auml;nde, der ikonoklastische Akt, ist ebenfalls zwiesp&auml;ltig, denn er vollf&uuml;hrt selbst eine bildliche Geste. Das zur Schau stellen, das Feiern der Zerst&ouml;rung ist selbst ein Bild und reiht sich auf merkw&uuml;rdige Weise selbst wieder in die Ikonenproduktion ein.<\/p>\n<p>Diese Zwiesp&auml;ltigkeit, die dem Entlarven und Enth&uuml;llen von T&auml;uschungen innewohnt, f&uuml;hrt Latour zu einem programmatischen Statement: In <em>Iconoclash<\/em> stellt er der Einfachheit des (vermeintlichen) Entlarvens von Naivit&auml;t einen komplexeren Anspruch an Kritik gegen&uuml;ber.  Kritik muss sich den Doppeldeutigkeiten des Lebens stellen; das Einfache Volk ist komplexer als von einer pseudointellektuellen Elite, die sich schick der Dekonstruktion und Desillusionierung verschrieben hat, immer wieder unterstellt wird. Das heisst nicht, dass Kritik falsch w&auml;re. Nach Latour ist Kritik oft zu <strong>billig<\/strong>.<\/p>\n<p>\n<em>Wir wollen uns also anstrengen. Wir wollen die M&uuml;hen der Komplextit&auml;t und der Doppeldeutigkeiten nicht scheuen und in den Alltag und seine vielf&auml;ltigen Deutungsmuster einsteigen! Wir wollen die von uns dabei erzeugten Bilder mitreflektieren und unsere eigene Schuld eingestehen!<\/em> (Zeit f&uuml;r ein paar Ausrufezeichen. hehe.)<\/p>\n<p>Ein h&uuml;bsches Zitat aus dem Text findet sich &uuml;brigens in den gestern neu eingerichteten citation cereals in der rechten Spalte dieses Blogs. Wer gerne mehr von Latour lesen m&ouml;chte kann das umsonst und ganz legal machen, denn der Gute hat auf seiner <a href=\"http:\/\/www.ensmp.fr\/~latour\/\" title=\"Link zur Webseite von Bruno Latour\">Internetseite<\/a> fast alle seine B&uuml;cher und Texte zur allgemeinen Verf&uuml;gung gestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sch&ouml;ner, kurzer Text (76 Seiten, viele Bilder, Merve-Format). Latours Stil ist immer wieder anregend, offen und scheut sich nicht vor peinlichen Ausrufezeichen. 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