[an error occurred while processing this directive]
Sibylle Plogstedt, Foto: Klaus Mehner, Quelle und ©: Bundesstiftung Aufarbeitung, Mediennr. 00005887 |
Am 19. März 1971 werden 17 Mitglieder der Bewegung der
Revolutionären Jugend wegen Unterwühlung der Republik
zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die 25-jährige Sibylle
Plogstedt, Studentin der Sozialwissenschaften an der FU,
erhält zweieinhalb Jahre, ihr Verlobter Petr Uhl,
ein Maschinenbaustudent aus Prag, eine
vierjährige Haftstrafe. FU-Präsident Rolf Kreibich
protestiert in einem Schreiben an die Regierung der ČSSR
gegen das Urteil. Ein an der FU gegründetes
Solidaritätskomitee wendet sich in einem Offenen Brief
an die Regierung der
ČSSR und fordert die Freilassung
der Inhaftierten. Zu den Unterzeichnern des Appells gehören:
Ernst Bloch, Erich Fried, Ekkehart Krippendorff, Alain Krivine,
Margherita von Brentano, Ernest Mandel, Klaus Meschkat, Oskar Negt,
Bahman Nirumand, Luigi Nono, Bernd Rabehl, Klaus Wagenbach,
Rossana Rossanda, Jacob Taubes und Jean-Paul Sartre.
Sibylle Plogstedt wird nach eineinhalb Jahren aus ČSSR-Haft entlassen. Sie arbeitet danach am Osteuropa-Institut der FU. Nachdem sie 1976 infolge des Radikalenerlasses Berufsverbot erhält, gehört sie zu den Gründerinnen der feministischen Zeitschrift Courage. Nach deren Einstellung arbeitet sie als Redakteurin der sozialdemokratischen Parteizeitung Vorwärts. Petr Uhl (1941-2021) ist 1977 an der Gründung der Bürgerrechtsorganisation Charta 77 beteiligt. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes wird er von 1990 bis 1992 Direktor der Nachrichtenagentur ČTK, von 1998 bis 2001 ist er Bevollmächtigter der tschechischen Regierung für Menschenrechte. - Deutschlandfunk Kultur: Vom Knast zur "Courage" – Interview mit Sibylle Plogstedt, 28.8.2026 |