[an error occurred while processing this directive] 1967

1.1.1967

Gründung der Kommune I unter Beteiligung mehrerer FU-Studenten

  Mitglieder der Kommune I vor dem Haus in der Niedstraße
Mitglieder der Kommune I vor dem Haus in der Niedstraße 14. Von links nach
rechts: Dagmar Seehuber, Hans-Joachim Hameister, Rainer Langhans (kniend),
Dieter Kunzelmann, Fritz Teufel, Ulrich Enzensberger, Volker Gebbert, Dorothea
Ridder.
Foto Bernard Larsson, Quelle: Universitätsarchiv der FU, Foto BL-F/054

 
Mitglieder der Kommune I im August 1967
Mitglieder der Kommune I vor ihrem Domizil am Stuttgarter Platz, nach der
Entlassung von Fritz Teufel aus der Untersuchungshaft (12.8.1967). Vorn: Dieter
Kunzelmann, Rainer Langhans und Ulrich Enzensberger, hinten: Fritz Teufel und
Volker Gebbert, mit den Kindern Nessim und Grischa.
Foto Klaus Mehner, Quelle und ©: Bundesstiftung Aufarbeitung,
Mediennr. 00013812


  Am 9. Juni 1967 beginnt in Moabit ein Gerichtsver­fahren gegen die FU-Studenten und Mitglieder der Kommune I Rainer Langhans und Fritz Teufel. Sie sind angeklagt, durch die Verteilung von Flugblät­tern an der FU im Mai 1967 zur Begehung strafba­rer Handlungen aufgefordert zu haben.
 
Fritz Teufel befindet sich zu diesem Zeitpunkt we­gen eines angeblichen Steinwurfs während der Anti-Schah-Demonstration vor der Deutschen Oper unter dem Vorwurf des Landfriedensbruchs in Un­tersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft bewertet das Kommune-Flugblatt Nr. 8, das sich auf eine Brandkatastrophe im Brüsseler Kaufhaus "À l'inno­vation" mit zahlreichen Todesopfern bezog, als Aufruf zur Brandstiftung. Unter der Überschrift "Wann brennen die Berliner Kaufhäuser?" wird in dem Pamphlet die Brüsseler Brandkatastrophe als Protestaktion gegen den Vietnamkrieg bezeichnet und eine Nachahmung in Berliner Kaufhäusern angeregt.
 
Rechtsanwalt Horst Mahler bietet als Zeugen der Verteidigung die FU-Professoren Jacob Taubes, Peter Wapnewski, Peter Szondi, Charles H. Nichols, Michael Landmann, Eberhard Lämmert und Fritz Eberhard auf, die den Inhalt der Flugblät­ter aus religionswissenschaftlicher, philologischer und sprachwissenschaftlicher Sicht analysieren und sie als satirische Dokumente einer surrealis­tisch-dadaistischen Agitation bewerten, die nicht den juristischen Tatbestand des Aufrufs zu Gewalt­taten erfüllen. Als auswärtige Gutachter äußern sich in diesem Sinn auch Walter Jens (Universität Tübingen) und Alexander Kluge (Hochschule für Gestaltung Ulm).
 
Am 2. April 1966 legen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein Brände in zwei Frankfurter Kaufhäusern, um gegen den Krieg in Vietnam zu protestieren. Die Tat gilt als Geburtsstunde der RAF. Am 22. Dezember 1967 wird Fritz Teufel vom Vorwurf des Landfriedens­bruchs freigesprochen und aus der U-Haft entlas­sen. Der Flugblatt-Prozess endet am 22. März 1968 mit Freispruch.
 
[an error occurred while processing this directive]