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1.11.1959

Inbetriebnahme des Studentendorfes Schlachtensee

Schwarz-Weiß-Foto: Eleanor Dulles und Willy Brandt bei der Grundsteinlegung für das Studentenforf Eleanor Lansing Dulles (* 1.6.1895 in Watertown, New York, † 30.10.1996 in Washington, D.C.)
 
Eleanor Dulles ist die jüngere Schwester von Allen Dulles (1893-1969), CIA-Direktor 1953 bis 1961, und John Foster Dulles (1888-1959), US-Außen­minister von 1953 bis 1959.
 
Nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften in London, Boston und Paris arbeitet sie in den 1930er Jahren in der Finanzabteilung des Amtes für Soziale Sicherheit und nach dem Kriegseintritt der USA ab 1942 in der Deutschland-Abtei­lung des US-Außen­ministeriums. Dort leitet sie von 1952 bis 1959 das Berlin-Ressort und koordiniert diverse Hilfspro­gram­me mit alliierten und deutschen Behör­den.
 
Im Juli 1953 initiiert sie die Bereitstellung von Lebensmittel­paketen für die DDR-Bevölkerung im Wert von rund 15 Mil­lionen Dollar. Ihr Engagement für Berlin führt zur Bereitstellung von US-Geldern für den Bau der Kongresshalle, des Klinikums Steglitz und des FU-Studentendorfs in Schlachtensee.
Eleanor Dulles und Willy Brandt bei der Grundsteinlegung für das
Studentendorf am 10. Oktober 1957, Foto: Horst Siegmann,
Quelle: Universitätsarchiv der FU, Foto/30418


Schwarz-Weiß-Foto: Luftbildaufnahme des Studentendorfes Schwarz-Weiß-Foto: ein Zimmer im Studentendorf
Links: Wohnhäuser und das "Bürgermeisteramt" im Studentendorf Schlachtensee, rechts: Student in seinem Zimmer, Fotos: Reinhard Friedrich, Quelle: Universitätsarchiv der FU, Fotos RF/0107-01 und RF/0040-02

Schwarz-Weiß-Foto: Luftbildaufnahme des Studentendorfes Schwarz-Weiß-Foto: Dulles besucht das Studentendorf Schlachtensee
Links: Luftbildaufnahme des Studentendorfes Schlachtensee, Foto: Reinhard Friedrich, Quelle: Universitätsarchiv der FU, Foto RF/0000-59;
rechts: Eleanor Dulles besucht das Studentendorf (zu ihrer Rechten sitzt Walther Killy, Professor für Literaturwissenschaft und damaliger Beauftragter für Wohnheimfragen), Foto: Helmuth Schmidt, Quelle: Universitätsarchiv der FU

Wasgenstraße 75 – von der Studenteninitiative zum Nationalen Kulturdenkmal

Das Studentendorf Schlachtensee wird in zwei Etappen errichtet – 1956-1959 und 1962-1964. Dank einer studentischen Initiative lag bereits 1953 ein erster Entwurf von Hermann Fehling vor, der dann von ihm mit den Architekten Daniel Gogel und Peter Pfankuch fortgeführt wird.
 
Durch einer Großspende des US-Außenministeriums und zusätzlichen Mitteln der Ford Foundation kann der Bau realisiert werden. Das Studentendorf verwaltet sich zunächst über einen unabhängigen Dorfrat selbst und stellt mit einem eigenen Tutorenprogramm einen außeruniversi­tären Lehrplan vor, dessen Ziel es ist, demokratisches Denken und politische Bildung zu fördern.
 
Dieser besondere Ansatz ist gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal und eine schwere Last. Die großzügigen Gemein­schaftsanlagen wie "Dorfplatz", "Bürgermeisterhaus" (Versammlungshaus), Kindergarten, Bibliothek und weitere Gemein­schaftsräume dienen zwar der Lebensqualität der Bewohner. Gleichzeitig stehen sie aber in einem ungleichen Verhältnis zu den relativ kleinen Wohneinheiten und machen die Anlage so unrentabel, dass immer wieder ihre Existenz gefährdet ist. Wäh­rend der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahren spitzen Mietzahlungsverweigerungen die finanzielle Situation zu. Im Jahr 1970 endet schließlich die Selbstverwaltung und die Anlage wird an das Studentenwerk übergeben.
 
Von 1977 bis 1988 entstehen im großen Kontrast zur bisherigen Architektur zwei L-förmige fünfstöckige Gebäude mit 352 Wohnräumen Diese stärken die Wirtschaftlichkeit des gesamten Studentendorfes.
 
1991 erhält das Studentendorf den Status eines Baudenkmals. Als in den 1990er Jahren der Wohnungsmarkt Berlins starken Veränderungen unterworfen ist, droht trotzdem ein Teilabriss. Nur fünf Gebäude sollen erhalten bleiben. Eine Genossenschaft kauft die Anlage von der Stadt Berlin. Ihr gelingt es schließlich durch eine schrittweise energetische Sanierung die Anlage zu erhalten.
 
Quellen:
- Schilling, Martina (Hg.): Freie Universität Berlin – Ein Architekturfiührer zu den Hochschulbauten, Salenstein 2011
- Die Genossenschaft des Studentendorfes Schlachtensee

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