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22.5.1945

Der Philosoph und Pädagoge Eduard Spranger übernimmt das Amt des kommissarischen Rektors der Berliner Universität.

  Schwarz-Weiß-Foto von Eduard Spranger
Eduard Spranger, Fotograf unbekannt,
Quelle: Universitätsarchiv der FU, Foto/10221

  Eduard Spranger (* 27.6.1882 in Groß-Lichterfelde bei Berlin, † 17.9.1963 in Tübingen)
 
Auf Bitten des aus dem Moskauer Exil mit der Gruppe Ulbricht nach Berlin zurückgekehrten kommunistischen Funktionärs Otto Winzer, den die sowjetische Besatzungsmacht zum Stadtrat für Volksbil­dung beim Magistrat für Groß-Berlin ernannt hat, übernimmt Edu­ard Spranger das kommissarische Rektorat der Berliner Universität unter den Linden.
 
Gemeinsam mit mehreren ehemaligen Professoren der Friedrich-Wilhelms-Universität erarbeitet Spranger erste Pläne für die Wie­dereröffnung der Berliner Universität. Die Professorengruppe um Spranger geht zunächst von der irrtümlichen Annahme aus, dass die im Berliner Ostsektor gelegene Universität unter Viermächtever­waltung gestellt würde. Durch sein konservatives Verständnis einer selbstverwalteten Universität gerät Spranger in Konflikt mit der sowjetischen Militäradministration und der von dieser eingesetzten Zentralverwaltung für Volksbildung unter Paul Wandel (KPD).
 
Am 12. Oktober 1945 wird Spranger auf Anweisung Wandels sei­nes Amtes als Rektor enthoben. Er bleibt bis 1946 als Professor an der Berliner Universität und wohnt in dieser Zeit mit seiner Frau unter beengten Verhältnissen in seiner von der US-Militärverwal­tung requirierten Dahlemer Villa. Wegen seiner Kontakte zu sow­jetischen Dienststellen kommt er sogar kurzzeitig in amerikanische Haft.
 
Erbittert über die alliierte Berliner Nachkriegspolitik verlässt er die Stadt und übernimmt auf Vermittlung von Theodor Heuß eine Pro­fessur für Philosophie an der Universität Tübingen, wo er auch nach seiner Emeritierung bis 1958 lehrt.

 
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