Morbus Adamantiades-Behçet

Beim Morbus Adamantiades-Behçet handelt sich um eine Erkrankung, die sich bei der Mehrheit der Patienten im dritten Lebensjahrzehnt manifestiert und die von wiederholtem Auftreten von Mundaphthen, Ulzerationen im Genitalbereich und schweren Augenentzündungen charakterisiert wird. Die Krankheit wird heute genauer als eine systemische, polysymptomatische und chronisch-progredient verlaufende entzündliche Erkrankung mit Befall aller kleinen und großen Gefäße und in wenigen Fällen schlechter Prognose definiert. Obwohl sie seit der Antike beobachtet wird, bleibt ihre Ätiologie bis heute unklar. Die Krankheit ist weltweit verbreitet, wobei sie vor allem im östlichen Mittelmeerraum (Türkei, Ägypten, Israel), im Mittleren (Iran, Iraq, Saudi Arabien) und Fernen Osten (Japan, Korea, China) endemisch auftritt.

Vom 1987 bis zum 2005 beschäftigten wir uns in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin intensiv mit dem Morbus Adamantiades-Behçet. Diese Arbeit führen wir jetzt in der Hautklinik und dem Immunologischen Zentrum im Städtischen Klinikum Dessau fort. Seit November 2005 ist das Städtische Klinikum Dessau auch der Verwaltungsitz des im Jahr 1990 ins Leben gerufenen Deutschen Registers Morbus Adamantiades-Behçet, das heute themenbezogen die Zusammenarbeit von über 30 medizinischen Abteilungen in Deutschland koordiniert. Mehrere hundert behandelnde Ärzte und Patienten haben inzwischen unsere Klinik aufgesucht, um Information über die Erkrankung und ihre Symptome sowie eine endgültige Diagnose und Therapie zu erhalten. Die internationale Gesellschaft für die Erkrankung hat Herrn Prof. Zouboulis, als Vertreter Deutschlands, in ihrem Vorstand gewählt und dem Deutschen Register Morbus Adamantiades-Behçet die Leitung der Arbeitsgruppe Epidemiologie und die Aufgabe erteilt, einmal jährlich über die Epidemiologie der Erkrankung weltweit zu berichten.

Es wird noch heute behauptet, daß der Morbus Adamantiades-Behçet eine exotische Erkrankung für Westeuropäer ist. Die Arbeit des Deutschen Registers Morbus Adamantiades-Behçet hat gezeigt, daß die Krankheit häufiger international und auch bei Patienten nordwesteuropäischer Herkunft diagnostiziert wird. Allerdings wird der deutsche Arzt weniger häufig mit dem Morbus Adamantiades-Behçet konfrontiert. Um die Patienten besser betreuen zu können, erteilt das Deutsche Register bei Anfrage des behandelnden Arztes Informationen über Diagnose und Therapie der Erkrankung. Diesen Service haben inzwischen viele niedergelassene und Klinikärzte aller Fachrichtungen wahr genommen. Darüber hinaus gewinnt die Erkrankung durch die steigende Zahl der in Deutschland lebenden Südosteuropäer und Asiaten auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Schnellere Diagnose und Therapie bedeuten eine bessere Prognose für die unbehandelt in manchen Fällen tödlich verlaufende Erkrankung.

 

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