|
Am
offensichtlichsten tobte das Leben auf der 133sten Straße, zwischen Lenox
und 7th Avenue. Auch Jungle Alley genannt, zog diese Gegend vorwiegend dasjenige
weiße Publikum an, daß nicht unbedingt an einem ethischem Plurismus interessiert
war, aber trotzdem am vorherrschendem "uptown craze" in gewisser Weise teilhaben
wollte.
Nur zwei Blocks weiter befanden sich Clubs wie das "Connie´s Inn" oder "Small´s
Paradise", die aufgrund ihrer Exklusivität unter weißen Besuchern sehr beliebt
waren.
Der bekannteste und beliebteste Club dieser Art, mit dem Namen "The Cotton
Club" fand sich allerdings etwas abseits, auf der 142ten Straße.
Eröffnet wurde der Cotton Club im Jahre 1923 von Owney Madden, einem Mafiosi,
der den Club mit seinen Lokalitäten zuerst als einen Hauptumschlagsplatz für
geschmuggeltes Bier nutzte.
Allerdings entwickelte sich der Club schnell zu einem der angesagtesten Adressen
in Harlem. Bald konnte man große Limousinen mit modisch gekleideten Menschen
auf der Suche nach ein wenig Spannung vor dem Club auffahren sehen.
Ihre Erwartungen wurden durch die künstlichen Palmen, "exotischen"
Gerichte und die vornehm gekleideten, farbigen Kellner zufriedengestellt.
Bis auf die Inneneinrichtung und das Unterhaltungsprogramm, die dem ganzen
eine Atmosphäre des "primitiven" und des Dschungels verleihen sollte,
erinnerte das Etablissement doch allerdings stark an ähnliche Einrichtungen
Downtown.
Die Preise waren auf ein betuchtes Publikum ausgerichtet, ein vornehmes Benehmen
wurde vorausgesetzt und die Rassenpolitik wurde hier besonders rigoros durchgesetzt.
Letzteres spiegelte
sich auch im Namen des Clubs wider, welcher gleich zwei eindeutige Referenzen
einmal im Hinblick auf den alten Süden der Vereinigten Staaten und zweitens
auf die Hautfarbe seiner Besitzer und bevorzugten Gäste herstellte.
Nichtsdestotrotz
traten im Cotton Club die angesagtesten Darsteller Harlems auf um ihrem Publikum
den Hauch des "exotischen" oder gar des "primitiven" nahezubringen,
den Harlem und seine Einwohner für viele New Yorker symbolisierte und es zumeist
wegen diesem Bild allein zum letzten Schrei machte.
In den jeweils
zweistündigen, zumeist von weißen Broadwayregisseuren geschriebenen Bühnenshows,
traten Musiker wie Duke Ellington und seine Band, Cab Calloway, Ethel Waters
und Adelaide Hall auf.
Zu den Tänzern gehörten Earl "Snakehips" Tucker, Paul Meers und "Peg Leg"
Bates.
Allerdings war es selbst den schwarzen Darstellern untersagt sich unter das
weiße Volk zu mischen, was den Cotton Club in gewisser Weise zum "idealen"
Ort für Neulinge in Harlem machte.
Es wurde den nach Harlem kommenden Weißen eine Art Gradwanderung geboten,
bei der einerseits eine oberflächliche Kostprobe der schwarzen Lebensart konsumiert
werden konnte, ohne dabei andererseits vollständig an der Vermischung von
Kulturen beteiligt zu sein. Ausgeblendet wurde selbstverständlich auch
die soziale Realität Harlems, die sich schon zu diesem Zeitpunkt in einer
extremen Ghettoisierung deutlich zeigte.
Gerade diese Art des Etablissements wurde verständlicherweise von vielen Schwarzen
aber auch von einigen Weißen als ein "weißer Fleck" des Anstoßes auf der "dunklen"
Weste Harlems gesehen.
Claude McKay dramatisierte diese Art von weißem Kulturhedonismus in Harlem
als er sagte:
"Harlem is an
all-white picnic ground and with no apparent gain to the blacks." |
|