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Unter Turkologie versteht man die Wissenschaft von Sprachen, Literaturen, Geschichte, Religionen und von der geistigen und materiellen Kultur der Türkvölker in Vergangenheit und Gegenwart. Die türkische Arbeitsmigration der letzten Jahrzehnte erweiterte das traditionelle Forschungsgebiet in inhaltlicher und geographischer Hinsicht beträchtlich.

Ziel des Studiums mit dem Abschluß Magister/Magistra Artium (M.A.) am 1991 gegründeten Institut für Turkologie der FU, dem einzigen seiner Art im Raum Berlin und Brandenburg, ist der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten, die ein möglichst breites Spektrum der Turkologie umfassen und daher eine Berufstätigkeit in Wissenschaft, Medien, internationalen Organisationen und interkulturell ausgerichteten Institutionen ermöglichen.

Neben intensivem Türkischspracherwerb bietet das Institut auch Kurse in anderen modernen Türksprachen und Seminare zu den entsprechenden Literaturen. Theoretische Grundlagen werden mit wechselndem Angebot zu modernen und historischen Türksprachen vermittelt. Bei der Lektüre klassischer, vom Islam geprägter wie vorislamischer Texte in historischen Türksprachen stehen philologische und historische Aspekte im Vordergrund. Die Ausbildung in der Osmanistik erfolgt primär anhand der Lektüre von historischen und literarischen Quellentexten, wobei die Studierenden auch an die Benutzung von Handschriften und Archivmaterial herangeführt werden. Die moderne Türkei wird vor allem in Lehrangeboten zu Geschichte, Literatur und kultureller Vielfalt vorgestellt.

Die Lehre wird durch eine Professur, eine Honorarprofessur, einen Privatdozenten, zwei akademische Mitarbeiter und mehrere Lehrbeauftragte getragen. Durch die Abstimmung auf andere Institute innerhalb der FU (z.B. Islamwissenschaft, Arabistik, Iranistik, Ethnologie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Osteuropa-Institut, u.a.) wie auch auf andere Hochschulen und Institutionen innerhalb Berlins (z.b. Humboldt-Universität: Zentralasienwissenschaft; TU) und im Umland (Universität Potsdam) ergeben sich für die Studierenden zahlreiche Möglichkeiten der Fächerkombination. Das Institut pflegt Beziehungen zu wissenschaftlichen Einrichtungen in zahlreichen Ländern mit türksprachiger Bevölkerung und kann damit den Studierenden den Weg zu eigenen Forschungs- und Sprachaufenthalten ebnen.

In der Forschung weist das Institut zwei Schwerpunkte auf: zum einen die historisch-philologische Erschließung von Quellentexten in einer Reihe von historischen Türksprachen; zum anderen die sprachwissenschaftliche Untersuchung historischer und moderner Türksprachen in unterschiedlichen Schriften. Im Schwerpunkt 1 stehen Kultur- und Kontaktgeschichte des Osmanischen Reiches und seiner Nachbarn im Vordergrund. In Schwerpunkt 2 gilt die Arbeit der Grammatik des Türkischen, Tatarischen und Baschkirischen sowie des Alttürkischen, Osmanischen und Tschaghataischen, daneben der vergleichenden Morphologie und Syntax der Türksprachen in diachronischer und synchronischer Betrachtung. Ein weiterer Schwerpunkt gilt der modernen Literatur der Türkvölker Mittelasiens.

Forschungskooperation mit Kollegen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Europa, den USA und Asien prägt die Arbeit am Institut und dessen Publikationen.

Die Institutsbibliothek (gegr. 1991) weist im Sommer 2003 einen Bestand von ca. 9600 Bänden in sämtlichen Türksprachen und den europäischen Wissenschaftssprachen auf. Anschaffungspolitik ist, im gegebenen Rahmen die maßgebliche ältere Fachliteratur und Neuerscheinungen zu allen Zweigen der Turkologie zugänglich zu machen. Geschichte, Sprachwissenschaft und Kunst (Türkei-Kollektion von Prof. Dr. Michael Meinecke) sind besonders gut vertreten.