Auszug aus: Klaus Schmitt: Silvio Gesell - "Marx" der Anarchisten?;
Karin Kramer Verlag; Berlin; 1989; ISBN 3-87956-165-6

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12. Vergesellschaftung und Selbstverwaltung der Produktionsmittel -
ein Weg zur Emanzipation oder zur Selbstausbeutung?

" .. was ich für das Eigentum verlange, ist die Waage."
P. J. Proudhon

Welchen Sinn macht nun die von vielen Linken immer noch geforderte
Vergesellschaftung der Produktionsmittel, wenn wir von der oben entwik-
kelten Zinstheorie und Definition von Arbeiter, Unternehmer, Kapitali-
sten und Grundeigentümer ausgehen?

Wenn von "Vergesellschaftung" die Rede ist, wird meist nichts konkre-
tes oder all das darunter verstanden, was eher unter den Sammelbegriff
Sozialisierung fällt. Dazu gehört die Verstaatlichung und Staatsverwal-
tung der Produktionsmittel in einer Zentralverwaltungswirtschaft auf der
rechten Seite ebenso, wie die eigentlichen Formen der Vergesellschaftung
auf der linken Seite: Selbstverwaltung des kollektiven Eigentums der Pro-
duzenten oder Selbstverwaltung öffentlichen Eigentums durch die dort ar-
beitenden Produzenten, beides in einer Marktwirtschaft. Welche Form
die für unsere Ziele und Bedürfnisse angemessenste ist, könnte sich aus
der Beantwortung folgender Fragen ergeben: Ist der Zweck der Soziali-
sierung die soziale Emanzipation, also der Abbau von Hierarchie in den
Unternehmungen, Gleichstellung der Produzenten und Selbstverwal-
tung, oder geht es allein um gerechte Einkommensverteilung in der
Wirtschaft, also um ein sozialökonomisches Ziel? Oder geht es um die Be-
seitigung von Kapitalkonzentration, also um die Zerschlagung wirtschaft-
licher und politischer Macht in der Gesellschaft?

Wir dürften uns darüber einig sein, daß ein Unternehmen von Kapital-
eigentümern, die sich, anders als z. B. der Unternehmer (und Gesell-
Symphatisant (163)) Heinz Nixdorf, allein für die Dividenden und Aktienkur-
se und nicht für die Belegschaft und die Produkte des Unternehmens in-
teressieren, befreit werden sollte und dort die Arbeiter ihre "Betriebsmi-
nister" (wie Lundberg die Manager nennt) selbst wählen oder ihr Unter-
nehmen selbst verwalten sollten. Damit wäre jedoch lediglich die Herr-
schaftsfrage im Einzelunternehmen, nicht aber die Ausbeutungsfrage in
der gesamten Volkswirtschaft gelöst, vom Krisenproblem ganz zu schwei-
gen.

Es ist ebenfalls klar, daß marktbeherrschende und politisch mächtige
Konzerne und Großbanken entflochten und entmonopolisiert werden
müssen. Aber dazu bedarf es keiner Vergesellschaftung. Außerdem wäre
damit eine wesentliche Ursache für Kapital- und Machtkonzentration
nicht beseitigt: die Zinseszinsakkumulation.

Konzentrieren wir uns auf eine Frage, die sowohl für die Alternativbe-
wegung aktuell, wie auch für Anarchisten relevant ist: Trägt die für gesell-
schaftliche Emanzipation wichtige Kollektivierung und Selbstverwaltung
der Produktionsmittel darüber hinaus auch etwas zur Beseitigung der un-
gerechten Einkommensverteilung im Kapitalismus bei? Versuchen wir,
diese Frage am Beispiel von zwei sehr unterschiedlichen Unternehmens-
modellen zu beantworten. Das erste Modell soll auf sehr wertvollem
Grund und Boden (unvermehrbarem Produktivkapital) mit vier Lohnab-
hängigen, das zweite mit extrem großem Kapitaleinsatz (vermehrbarem
Produktivkapital) und drei Lohnabhängigen arbeiten. Hoher Kapitalein-
satz gegenüber geringem Einsatz menschlicher Arbeitskraft wird im Zuge
der Automatisierung und Roboterisierung an Bedeutung gewinnen; vier
bzw. drei Angestellte sollen es deshalb sein, weil die an Marxens Mehr-
werttheorie orientierte "Sozialistische Studiengruppe" (SOST) in Ham-
burg behauptet, ein wichtiges Kriterium für die Bestimmung, ob ein Un-
ternehmer auch Kapitalist ist, sei die Anzahl der Arbeiter, die er beschäf-
tigt: Er sei dann Kapitalist, wenn er - zwar je nach Branche und Kapital-
umfang in unterschiedlicher Anzahl, aber im bundesrepublikanischen
Durchschnitt - mehr als drei Lohnarbeiter für sich arbeiten läßt. (164) So-
mit können wir ganz nebenbei überprüfen, welche Relevanz die Anzahl
der "Lohnsklaven" (Marx) und die Lohnarbeit überhaupt für die Ausbeu-
tung haben.

Grundrenten-Beispiel

Nehmen wir als erstes Beispiel ein Grundrenten-Modell und setzen in die-
ses geschätzte, aber gewiß nicht unrealistische Zahlen ein. Denken wir uns
einen Laden am stark belebten Kurfürstendamm in Berlin, wo ein Unter-
nehmer mit vier Verkäuferinnen irgendwelche Waren feilbietet. Entspre-
chend der Arbeitsmarktlage zahlt er jeder Angestellten im Durchschnitt
ein Monatsgehalt von 1.800 DM. Für den 100 qm großen Laden zahlt er
10.000 DM Miete im Monat. Dann verbleibt ihm ein Unternehmerlohn
und eine Risikoprämie von druchschnittlich 6.000 DM im Monat. Für sein
investiertes Eigenkapital von 100:000 DM erhält er bei einem Zinsfuß von
5% außerdem eine Kapitalrendite von 417 DM im Monat, macht zusam-
men einen Gewinn von 6.417 DM.

Da wir für die Erhaltungs- und Verwaltungskosten des Gebäude- und
Bodenanteils des Ladens höchstens 200 DM im Monat zu veranschlagen
brauchen, erhält der Haus- und Grundeigentümer einen Zins von 9.800
DM im Monat. In dieser extrem günstigen Geschäftslage besteht er im
wesentlichen aus der Bodenrente, schätzungsweise 9.400 DM. 400 DM
verbleiben dann als Kapitalzins für den Gebäudeteil Laden. Die gesamte
Kapitalrendite von 817 DM ist also vergleichsweise gering gegenüber der
Bodenrente von 9.400 DM.

Die Lohnabhängigen erhalten also ein Arbeitseinkommen von durch-
schnittlich 1.800 DM, der Unternehmer einen Unternehmerlohn von sa-
gen wir 5.000 DM plus einen durchschnittlichen Gewinn von 1.000 DM als
Risikoprämie, die wir auch als eine Art "Akkordzuschlag" für besondere
Unternehmerleistung betrachten können, und außerdem 417 DM Kapi-
talzinsen im Monat als arbeitsfreies Einkommen. Den Bodenzins von
9.400 und den Kapitalzins von 400 DM aus dem Haus- und Grundeigen-
tum erhält ihr Eigentümer als arbeitsfreies Einkommen oder, wenn "sei-
ne" Immobilie verschuldet ist, der Kreditgeber als Geldzins. Diese Zin-
sen haben die Lohnabhängigen, der "freie" Unternehmer, vor allem aber
die vielen Kunden des Ladens erarbeitet und in entsprechenden Preisbe-
lastungen bezahlt. Den vergleichsweise geringen Zinsanteil aus seinem
Eigenkapital kassiert der Unternehmer, den Fremdkapitalzins und den
gewaltigen Batzen Bodenrente jedoch allein der Eigentümer des Gebäu-
des und des naturgegebenen oder - wenn wir so wollen - von Gott ge-
schaffenen Bodens: der Grundeigentümer (bzw. seine Bank).

Der Kaufmann am Kurfürstendamm ist vor allem Unternehmer, ob-
wohl er mehr als drei Lohnarbeiter beschäftigt. Er ist allerdings - wie
viele Unternehmer - auch ein wenig Kapitalist, dessen 417 DM Haben-
zins allerdings durch Sollzinsen (vor allem Bodenzins!) 23fach über-
kompensiert wird! Hätte er seine Ladeneinrichtung auf Kredit gekauft -
Verschuldung ist die Regel bei Kleinunternehmern - und müßte er dafür
8% Kreditzinsen zahlen, dann würde er nicht nur keine Rendite erhalten
sondern 667 DM im Monat zusätzlich an Zinsen zahlen müssen. Er wäre
dann - gleichgültig, ob und wie viele Lohnarbeiter er beschäftigt -
kein Kapitalist.

Und wie steht es mit der Zahl der "Lohnsklaven"? Würde er unter der
gegebenen mikroökonomischen Situation eine fünfte Verkäuferin einstel-
len, dann würde er kaum eine Umsatzsteigerung erzielen, wohl aber,
wegen der zusätzlichen Lohnkosten (Lohn plus Versicherungsbeitrag
etc.), mehr als die Hälfte seines "Profits" bzw dreifünftel bis dreiviertel
seines Unternehmerlohns draufzahlen müssen. Würde er eine Verkäufe-
rin weniger beschäftigen, dann würde das den Umsatz soweit verringern,
daß die Lohneinsparung geringer wäre als die Gewinneinbuße, die durch
den Umsatzrückgang wegen der fehlenden Arbeitskraft bewirkt wer-
den würde. Vier Verkäuferinnen sind also für diesen Laden optimal. Für
die Definition eines Unternehmers als Kapitalisten ist die Anzahl der
Lohnarbeiterinnen offensichtlich irrelevant.

Wie verändert sich nun die Lage der vier Frauen, wenn sie diesen Laden
unter den gegebenen mikro- und makroökonomischen Bedingungen kol-
lektivieren, ihren ehemaligen Chef als gleichberechtigten Genossen ins
Kollektiv aufnehmen und ihre Arbeitseinkommen aus diesem Unterneh-
men gleichmäßig verteilen?

Jeder Genossenschaftler würde dann 2.640 DM im Monat erhalten, für
die geschlechtsbedingt niedrigeren Löhne der Frauen entspräche das im-
merhin einer Gehaltserhöhung von durchschnittlich 840 DM oder 46,8%.
Dafür müßten sie dann allerdings anteilig Unternehmerarbeit lei-
sten und das Geschäftsrisiko mit übernehmen. Würden sie auch das Ei-
genkapital des ehemaligen Chefs anteilig geschenkt erhalten, dann bekä-
me jede noch eine Rendite von 83 DM monatlich dazu. Dann wären sie
also auch kleine Kapitalisten. Müßten die Genossen sich jedoch die La-
deneinrichtung und die Waren mit Hilfe eines Bankkredits bei günstig-
stenfalls 8% Zinsen anschaffen, dann würde sich das Monatseinkommen
jeder Genossenschaftlerin um 133 DM Kreditzinsen verringern und sie wä-
ren ausschließlich ausgebeutete Produzenten.

Gewaltig ins Gewicht fällt - kollektiv oder nicht kollektiv - die Bela-
stung durch die Bodenrente. Doch dieser Kostenanteil wird exakt kom-
pensiert durch die günstige Lage des Geschäfts, d. h., sie wird getragen
von den vielen hier einkaufenden Kunden - von den Konsumenten! Der
Bodenzins wird also nicht den Lohnabhängigen im Betrieb durch den Un-
ternehmer oder Grundeigentümer per Mehrwert-Gesetzen vorenthalten,
sondern den Verbrauchern über die Preise der Waren und Dienstleistun-
gen, die durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage in der Zirkula-
tionssphäre zustandekommen, abgeknöpft.

Sinnvoll erscheint hier die Sozialisierung des Bodens. Doch wer soll ihn
verwalten und wer die Rente erhalten? Das oben beschriebene Kollektiv?
Dann bekäme jede/r Genossenschaftler/in - jetzt auch Grundrentner/
in - monatlich 1.880 DM Bodenzins dazu: so viel, wie der ursprüngliche
Lohn ausmachte! Das läßt sich hören! Doch jene, die nicht auf so einem
Arbeitsplatz arbeiten, also nicht von einer hohen Bodenrente profitieren
können, wären benachteiligt und müßten als Konsumenten das Renten-
einkommen unseres Kollektivs finanzieren.

Notwendig ist daher die Umverteilung der Bodenrente an alle Bürger ei-
ner Stadt oder eines Landes - oder an alle Mütter und Kinder einer Region
oder gar der ganzen Erde, so, wie es Gesell und seine Anhänger vorschla-
gen (s. Kap. 9).

Da die Bodenrente ein Ergebnis der monopolartigen Marktstellung des
unvermehrbaren Bodens ist (s. Kap. 8), kann die Frage der gerechten Ver-
teilung des Mehrwertanteils Bodenrente nicht durch die Zueignung des
Bodens an einzelne Kollektive gelöst werden. Desweiteren zeigt unser
Zins-Beispiel, daß Kollektivierung und Zueignung von Kapital an das
Kollektiv keine wesentlich gerechtere Einkommensverteilung garantiert,
wenn kaum Kapital vorhanden oder dieses verschuldet ist. In diesem
Falle wird nur Lohn und Risiko umverteilt, was zwar etwas für die unter-
bezahlten weiblichen, schon weniger für die besser bezahlten männlichen
Lohnarbeiter bringt, und auch nur dann, wenn ein Unternehmer wenige
Arbeiter/innen beschäftigt. Für ihre Ausbeutung durch den Unternehmer
oder durch die drei Mehrwert-Anteile Geldzins, Kapitalrendite und Bo-
denrente, wie auch für die Definition eines Kapitalisten ist die Anzahl der
Lohnarbeiter, die ein Unternehmer beschäftigt, völlig belanglos.

In unserem Beispiel dient die Kollektivierung immerhin der Lösung
des sozialen Problems der Fremdbestimmung, nicht jedoch des ökonomi-
schen Problems der Ausbeutung, wenn nicht gleichzeitig das Bodenpro-
blem gelöst wird: sie dient ausschließlich der Mitbestimmung aller Teilneh-
mer an der unternehmerischen Leitung des Unternehmens. Aber auch von
unternehmerischer Selbstbestimmung des einzelnen Genossen kann hier
kaum die Rede sein. Die Selbstentfaltungsmöglichkeiten waren vor der
Kollektivierung nur für den Unternehmer, den Chef, relativ groß, für sei-
ne Angestellten sehr gering; jetzt liegen sie für alle quantitativ etwa in der
Mitte. Denn: alle können mitbestimmen, aber keiner selbstbestimmen, d.
h., seinen eigenen Willen gegen den Willen der übrigen Genossen durch-
setzen. Nur nach außen hin genießt das Kollektiv als Ganzes die gleichen
Freiräume, die vordem allein der Unternehmer ausschöpfen konnte -
doch das ist die Freiheit des Kollektivs und nicht die des einzelnen Individu-
ums. Erst wenn das Kollektiv eine "Vereinigung" im Sinne Max Stirners
ist, in der das Individuum nicht das "gebundene Exemplar" einer "Ge-
meinschaft" oder "Glied" einer "Gesellschaft" ist, sondern ihm als "einzi-
gen", als "Eigner" seiner selbst - in freier "Übereinkunft" und "Verstän-
digung" mit den übrigen "Eigenen" -, als Instrument seiner eigenen -
auch kommunistischen! - Bedürnisse dient, dann bestimmt das Indivi-
duum selbst (165) - ein erstrebenswertes anarchistisches Ideal.

Zins-Beispiel

Sehen wir uns nun das Beispiel eines Unternehmens mit einem außeror-
dentlich großen "Umfang" von vermehrbarem Produktivkapital und mit
nur drei Lohnarbeitern an: das Zukunftsmodell eines kapitalintensiven
Roboterbetriebes.

Eine Person erbt 10 Millionen DM. Statt sie in Wertpapiere oder lang-
fristig auf einem Bankkonto anzulegen, was ihr 5% Zinsen im Jahr brin-
gen könnte, kauft sie sich dafür einen Roboter einschließlich den relativ
wertlosen Boden am Rande einer Stadt, auf dem er steht. Da die geringe
Bodenrente für dieses Kapital-Beispiel irrelevant ist, schlagen wir sie der
Einfachheit halber der Kapitalrendite zu. Dieses Unternehmen wirft
dann einen Gewinn einschließlich Risikoprämie und Unternehmerlohn
von 600.000 DM im Jahr ab. Das deckt den Zinsanspruch (Rendite) von
jährlich 500.000 DM oder monatlich 41.667 DM ab, den unser Erbe für
sein angelegtes Geld erwarten kann, und ermöglicht ihm außerdem einen
zusätzlichen Gewinn von 100.000 DM im Jahr oder 8.333 DM im Monat,
wenn er den Betrieb selbst führt. Da er seinen Roboter von nur drei Lohn-
arbeiter im Schichtwechsel rund um die Uhr bedienen läßt, ist er - wenn
wir der Argumentation der SOST folgen - kein Kapitalist. In Wirklich-
keit ist er Unternehmer und Kapitalist!

Für den Jahresgewinn von 100.000 DM könnte er einen Betriebsleiter
oder Direktor, einen Manager einstellen und ihn, wenn er keine Risiko-
prämie für sich beansprucht, mit bis zu 8.333 DM im Monat entlohnen. Er
gäbe dann seine Unternehmertätigkeit auf und bräuchte selbst nicht mehr
zu arbeiten; das täten dann vier Lohnabhängige für ihn: ein lohnabhängi-
ger Manager und drei lohnabhängige Arbeiter. - Wenn wir der Argu-
mentation der SOST folgen, dann ist er deswegen Kapitalist.

So meinen wir das natürlich nicht, werden die Genossen der SOST sa-
gen. Auch der "Umfang" des Kapitaleinsatzes spielt eine Rolle! In der
Tat, das haben sie gesagt. In den Köpfen der SOST-Theoretiker spukt je-
doch auch die obskure Mehrwerttheorie herum, die besagt, daß der Un-
ternehmer dem Arbeiter im Wesentlichen nur seine Reproduktionskosten
bezahlt, ihn aber länger arbeiten läßt, als zu ihrer Deckung notwendig ist
(s. Kap. 11). Das interpretiert die SOST merkwürdigerweise so: Beutet
der Unternehmer auf diese Weise viele "Lohnsklaven" aus, dann ist er Ka-
pitalist, beutet er wenige aus, dann nicht. Unser Kapitaleigner kann je-
doch seinen Profit gar nicht steigern, wenn er mehr Arbeiter oder mehr
Arbeitsstunden an seinem Roboter einsetzt: Will er weitere 24 Arbeits-
stunden "ausbeuten", dann muß er weitere 24 Arbeitsstunden bezahlen
und außerdem einen weiteren Roboter für 10 Millionen Mark aufstellen.
Diese 10 Millionen fordern wiederum Zinsen, die über den Verkauf der
Roboterprodukte vorwiegend von ihren Käufern bezahlt werden.

Die Wirklichkeit zeigt also, daß es für die Frage, ob ein Unternehmer
auch Kapitalist ist, völlig egal ist, wieviele Arbeiter er beschäftigt und wie
groß der "Umfang" des Kapitals ist. Es geht hier nicht um Quantitäten
von eingesetzten Lohnarbeitern und Kapitalien, sondern allein um Quali-
täten: Ohne Eigenkapital ist der Unternehmer auch mit 100 oder 100.000
Arbeitern kein Kapitalist, und mit Eigenkapital - gleichgültig, ob viel
oder wenig - ist er es auch ohne einen einzigen Lohnarbeiter - auch
dann, wenn er seinen teuren Roboter selbst bedient. In diesem Falle ist er
nämlich - ganz im Sinne Marxscher Definition - Kapitalist und gleich-
zeitig Unternehmer und Arbeiter. Und wenn er die Automaten nicht
selbst bedient, dann ist er Kapitalist und Unternehmer und als letzterer
auch "Arbeiter" (Marx). Stellt er außerdem einen Manger ein, der ihm
die Unternehmertätigkeit abnimmt, dann ist der nur Kapitalist (s. Kap.
10).

Wie die SOST-Genossen, blicken auch unsere drei Arbeiter da nicht ganz
durch. Sie sehen das alles überhaupt etwas anders, und zwar im Sinne des
gesunden Volksempfindens: Sie wollen nicht länger für ihren Chef einen
"Profit" von 50.000 DM im Monat erarbeiten, während sie selbst lediglich
3.000 DM bekommen. Um diesen Profit von mehr als 41.600 DM Zinsen
und 8.300 DM Unternehmergewinn selbst zu kassieren, wollen sie sich
"selbständig" machen. Da sie jedoch als junge Leute mit geringem Ar-
beitseinkommen keine nennenswerten Ersparnisse zurücklegen konnten,
gehen sie zu einer Bank, um sich 10 Millionen DM für die Gründung eines
gleichen Unternehmens zu leihen. Doch dort müssen sie erfahren, daß
diese 10 Millionen 8% Zinsen p. a. kosten, was bereits ohne die Kosten der
Kredittilgung eine Belastung von 66.667 DM im Monat bedeuten würde.
Das ist nicht nur mehr, als (in unserem Beispiel) dieses Unternehmen auf
Grund der (angenommenen) Marktlage an Rendite, sondern auch an
"Profit" (Rendite plus Unternehmergewinn/-lohn) und Arbeiterlöhnen
insgesamt einzunehmen vermag: Die zu zahlenden Kreditzinsen würden
nicht nur die Rentabilität, die Grenzleistungsfähigkeit des geplanten Pro-
duktivkapitals von 41.667 DM i. M. übersteigen, sondern auch den kalku-
lierten Unternehmerlohn/gewinn und darüber hinaus auch noch das kal-
kulierte Arbeitseinkommen der drei Arbeiter von insgesamt 17.333 DM i.
M. , zusammen 59.000 DM, aufzehren und ihre Schuldenlast um 7.667
DM i. M. - die wiederum verzinst werden muß! - vergrößern. Würden
sie dennoch diesen Kredit in dieses Unternehmen investieren, dann kä-
men sie in genau die gleiche Lage, in der sich heute viele verschuldete
Länder der Dritten Welt und des "realen Sozialismus" befinden: ihnen
bliebe nichts zum Leben und nichts für die Schuldentilgung übrig und ihre
Schuldenlast würde exponentiell wachsen (s. Kap. 2). Sie wären - wie so
viele Privat- und Staatsunternehmer - in die Zinsfalle getappt!

Nun werden unsere drei Proletarier "klassenbewußt". Sie gehen zu ihren
linksintellektuellen Lehrmeistern in die Kapital-Arbeitskreise (auch
"Bibelstunden" genannt) und studieren die Mehrwerttheorie, um sich auf
den Klassenkampf vorzubereiten. Auf Grund ihres neuen ökonomischen
Verständnisses fordern sie die Enteignung der Produktionsmittel. Für un-
sere drei "Revolutionäre" würde die Zukunft dann allerdings glänzend
aussehen, vorausgesetzt, diese geht entschädigungslos vonstatten und die-
ses Kapital wird ihnen zugeeignet! Dann sind sie schuldenfreie Eigentümer
von sehr wertvollen (teuren), sehr produktiven und von wenig Menschen
zu bedienenden Produktionsmitteln.

Sie nehmen ihren ehemaligen Chef als Genossenschafter in ihr Kollek-
tiv auf und teilen den "Profit" des ehemaligen Unternehmers und Kapita-
listen und ihren eigenen Lohn zu gleichen Teilen untereinander auf. Dann
würde jeder 14.750 DM im Monat erhalten.

Solange das Zinssystem und die Marktwirtschaft weiterbestehen, könn-
ten unsere vier Genossen jedoch auch drei Arbeiter und einen Manager
für zusammen 17.333 DM im Monat auf dem Arbeitsmarkt anheuern, die jetzt
ihre Arbeiten ausführen würden. Zu fragen wäre dann: Würden unsere
drei "Systemveränderer", vielleicht aus ideologischen Gründen, auf die-
se Chance verzichten, um für ein zusätzliches Arbeitseinkommen von je-
weils 4.333 DM im Monat weiterhin einen wesentlichen Teil ihrer Lebens-
zeit in der Fabrik zu verbringen, wenn sie die Möglichkeit hätten, zusam-
men mit ihrem ehemaligen Chef pro Person von 10.417 DM Rendite im
Monat ohne Arbeit leben zu können? Selbst wenn ihnen die Hälfte als
Einkommenssteuer abgezogen werden würde, verblieben jedem einzel-
nen unseres vierköpfigen Kollektivs immer noch gut 5.200 DM im Monat
arbeitsfreies Einkommen. - Mir jedenfalls würde das reichen, um aus
dem finsteren Fabriksystem aus- und in die sonnige Karibik einzusteigen!

Wie wir sehen, kann nicht nur ein Unternehmer, sondern auch ein Arbei-
ter, Genossenschaftler, Kommunard etc. Kapitalist sein, wenn er Mitei-
gentümer seiner Produktionsmittel ist und unter kapitlistischen
Marktbedingungen produziert. Aber auch die Abschaffung des Marktes
und die Einführung der Zentralverwaltungswirtschaft würden daran
nichts ändern, solange das Zinssysten fortbesteht, also monetäre Erspar-
nisse nicht ohne Liquiditätsverzichtsprämie für Investitionen zur Verfü-
gung gestellt werden. Zumindest neuinvestierte Produktionsmittel wer-
den weiterhin eine Rendite abwerfen müssen, die dann ihre Eigentümer
oder die Geldgeber erhalten (von der Bodenrente ganz abgesehen).

Also das Geld abschaffen?
Den naive Glauben, das Geld ließe sich abschaffen und durch eine zen-
trale "Plan"wirtschaft ersetzen, wie es die Roten Khmer in Kabodscha
versucht haben, brauchen wir wohl nicht mehr zu diskutieren, nachdem
selbst die etablierten Kommunisten zur dezentralen Markt- und Geldwirt-
schaft zurückfinden.

Ein Ausweg scheint dann eher die Überführung der Produktionsmittel
in das Eigentum der Gesamtgesellschaft in marktwirtschaftlichem Rah-
men zu sein, um sie (ähnlich, wie das mit dem Boden geschehen sollte) an
Meistbietende - an private Einzelunternehmer wie an Kollektive - zu
verpachten, um die so eingenommene Rendite an alle Bürger gleichmä-
ßig verteilen zu können. Damit könnten jedoch nicht jene Renditen er-
faßt werden, die als Zinsen an den Sparer als Kreditgeber abgeführt wer-
den müßten; die Ausbeutung durch den Geldzins bliebe bestehen.

Die bessere Lösung dürfte immer noch die Reduzierung des Geldzinses
auf durchschnittlich null Prozent sein. Damit würde, auf Grund zusätz-
licher Investitionen und größeren Warenangebots im Rahmen des Wett-
bewerbs, auch der Kapitalzins weitgehend verschwinden (s. Keynes,
Kap. 4 u. 6). Dann wäre es irrelevant, ob aus Gründen einer gerechten
Verteilung des Einkommens und der Produkte die (vermehrbaren) Pro-
duktionsmittel Eigentum eines privaten Unternehmers, eines Kollektivs,
der Gesellschaft oder des Staates sind: Sie würden so oder so keine nen-
nenswerte Rendite abwerfen, sie wären entkapitalisiert, (58) ihre Eigentü-
mer kein Kapitalist mehr. Lediglich der (unvermehrbare) Boden, die Bo-
denschätze und die knappen Naturkräfte müßten Vergesellschaftet wer-
den.

Außerdem hätten es einzelne Personen wie Kollektive leicht, bei den
dann existierenden geringen Kreditkosten ein eigenes Unternehmen zu
gründen.

Desweiteren sollte nicht übersehen werden, daß Kollektivierung nicht
das Problem monetär bedingter Wirtschaftskrisen löst. Solange das kapita-
listische Geld- und Zinssystem nicht beseitigt ist, werden auch Kollektive
unter periodisch wiederkehrenden Absatzkrisen zu leiden haben.

Schließlich sollte Kollektivierung niemandem aufgezwungen werden.
Es gibt Individualisten, die gerne einen kleinen Laden oder einen Hand-
werksbetrieb in eigener Regie betreiben möchten. Oder Leute, die "null
Bock" haben, sich in einem selbstverwalteten Unternehmen mit Betriebs-
organisation, Absatzproblemen, Bilanzen usw herumzuschlagen und in
Betriebsversammlungen herumzustreiten, und sich statt dessen lieber als
gut bezahlte Lohnarbeiter bei einem tüchtigen Unternehmer verdingen
und im übrigen sorglos ihrem Feierabendhobby widmen wollen. (166) Eine
neue Gesellschaft muß - neben Vollbeschäftigung und gerechter Ein-
kommensverteilung - ihren Mitgliedern jede nur erdenkliche Entfal-
tungsmöglichkeit zur Verfügung stellen, die eine Hochkultur beim Stand
ihrer gegenwärtigen Entwicklung zu erbringen in der Lage ist. Dazu gehö-
ren private Unternehmungen ebenso wie kollektive.

Friedrich Engels zu Geld und Kommunen

Trotz dieser Relativierung des in der Alternativszene weit verbreiteten
Kollektivierungsmythos will ich Joscha Schmierers in der Kommune (167)
dargelegten These keineswegs widersprechen, daß Genossenschaften und
Wirtschaftskommunen einen wesentlichen Beitrag leisten könnten zur
Umgestaltung der gegenwärtigen Industriegesellschaft, vor allem zum
Abbau hierarchischer Strukturen. Der ehemalige SDS- und KBW Genos-
se Schmierer, der fälschlicherweise Industriegesellschaft und Kapitalis-
mus gleichsetzt, übersieht jedoch jene Tatsache, auf die Friedrich Engels
bereits vor hundert Jahren hingewiesen hat und die heute noch existent
ist: daß ohne Abschaffung des kapitalistischen Geld- und Kreditsystems
auch in einer genossenschaftlich organisierten Wirtschaft immer wieder
die alte Abhängigkeit der Produzenten von Geldgebern und die Jahrtau-
sende bestehende Ausbeutung durch den "Zinswucher" wiederherge-
stellt werden. Der Marxist Schmierer fällt mit seinem vermeintlich sy-
stemüberwindenden Konzept der Kollektivierung hinter die schon fast
verstaubten, aber immer noch goldrichtigen Erkenntnisse des Mitbegrün-
ders der marxistischen Wirtschaftstheorie zurück. Der Marxist Schmierer
bewegt sich damit auf der gleichen unreflektierten, kapitalismus-erhal-
tenden Ebene vieler utopischer Sozialisten, wie die ganze kleinbürger-
lich-reformistische "Alternativ"bewegung heute, die deshalb auch keine
Alternativbewegung zum herrschenden kapitalistischen Gesellschaftssy-
stem ist, daher für dieses auch keine Gefahr bedeutet und nicht zuletzt
auch deshalb von diesem toleriert und z. T. sogar subventioniert wird.

In seiner Kritik an Dührings Kommunen-Sozialismus (168) schreibt Engels
sarkastisch, Dühring "ist stolz darauf, daß in seiner Welt jeder mit seinem
Geld machen kann, was er will. Er kann also nicht verhindern, daß die ei-
nen sich einen kleinen Geldschatz zurücklegen, während die anderen mit
dem ihnen gezahlten Lohn nicht auskommen". (Hier spricht Engels be-
reits ein von Dieter Suhr beklagtes, heute ins Gigantische gewachsenes
Mißverhältnis zwischen "Geld ohne Bedarf" beim Finanzkapital und "Be-
darf ohne Geld" bei den Produzenten und Konsumenten an. (169)) "Ande-
rerseits aber läßt die Kommune, indem sie Geld ohne weiteres in Zahlung
nimmt, die Möglichkeit offen, daß dies Geld anders als durch eigene Ar-
beit erworben sei. (...) Hiermit sind aber alle Bedingungen gegeben, um
das Metallgeld (...) in wirkliche Geldfunktion treten zu lassen. Es liegen
vor die Gelegenheit und das Motiv, einerseits zur Schatzbildung, anderer-
seits zur Verschuldung (beides von K. S. hervorgehoben). Der Bedürftige
borgt beim Schatzbildner. Das geborgte Geld, von der Kommune in Zah-
lung genommen für Lebensmittel, wird damit wieder, was es in der heuti-
gen Gesellschaft ist, gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Ar-
beit, wirkliches Maß der Arbeit, allgemeines Zahlungsmittel." (Nicht das
ist das eigentliche Problem, sondern daß es zur "Schatzbildung" verwen-
det, daß es Sparmittel wird!) "Alle 'Gesetze und Verwaltungsnormen' der
Welt sind ebenso ohnmächtig dagegen, wie gegen das Einmaleins oder ge-
gen die chemische Zusammensetzung des Wassers." (Gegen die Sparmit-
tel-Funktiondes Geldes ließe sich allerdings etwas unternehmen; s. Kap.
4 u. 6.) "Und da der Schatzbildner in der Lage ist, vom Bedürftigen Zin-
sen zu erzwingen (wieso, erklärt Engels leider nicht), ist mit dem als Geld
(Sparmittel; K. S.) fungierenden Metallgeld auch der Zinswucher wieder
hergestellt." (Jenosse Proudhon, ick hör dir trapsen! Und dann tönt es
fast wie beim Volksgenossen Feder; s. Kap. 13:) "Die Wucherer verwan-
deln sich in Händler mit dem Zahlungsmittel, in Bankiers, in Beherrscher
des Zirkulationsmittels und des Weltgeldes, damit in Beherrscher der Pro-
duktionsmittel, mögen diese auch noch jahrelang dem Namen nach als Ei-
gentum der Wirtschafts- und Handelskommunen fungiern. Damit sind
aber die in Bankiers übergegangenen Schatzbildner und Wucherer auch
die Herren der Wirtschafts- und Handelskommunen selbst." (Es ist also
nicht weit her mit der "Selbständigkeit" der "freien" Unternehmer und
der "Selbstbestimmung" der Kommunarden!)

Engels ein Präfaschist? (Er ist doch gegen den Zins!) Oder gar ein ver-
kappter Proudhonist?

Bis zu diesem Punkt stimmt Engels gewiß mit Proudhon überein. Ja, er
geht sogar noch einen kleinen Schritt weiter auf Gesells Position zu: Er
empfiehlt zwar (als Übergangslösung zum "Kommunismus") die Owen-
schen Arbeitsmarken als Kaufmittel, fragt aber gleichzeitig, ob diese
nicht zu ähnlichem Mißbrauch führen könnten wie das Goldgeld. (170) Diese
der Gesellschen Geldhortungstheorie entsprechende Skepsis ist berech-
tigt: die Owenschen Arbeitsbons unterliegen m. W. keinem Angebots-
zwang und keinen den Zins kompensierenden Durchhaltekosten.

Wäre Engels nicht von Marxens Produktions- und Mehrwertideologie
geblendet gewesen, dann hätte er vielleicht gesehen, daß dem Geldkapi-
tal tatsächlich Zins "eingeboren" ist (171) und warum das Geldkapital einen
"Profit", eine Rendite, am Sachkapital hervorruft einen Teil davon -
den Kreditzins, die Dividende etc. - für sich erheischt und warum der
Profit im allgemeinen und im Durchschnitt nicht auf Null sinken kann.
Dann wäre er vielleicht auf diesem monetären Weg der Erkennntnis wei-
ter voranmarschiert und zu den gleichen praktischen Schlußfolgerungen
gelangt, wie bereits der altgriechische Punk Diogenes, der Geld, das eben
doch stinkt, oder der Akrat Gesell, der "rostende Banknoten", oder der
Bankier N. A. L. J. Johannsen, der eine "Geldsteuer", oder der Anthro-
posoph Rudolf Steiner, der ein Geld, das sich "abnutzt", einführen wollte,
oder der erfolgreiche Nationalökonom John M. Keynes, der ein Geld mit
"Durchhaltekosten" befürwortete. Statt dessen schwenkt Engels nach
seinem kurzen Abstecher in die Gefilde Proudhonscher Geld- und Zins-
theorie wieder in die produktionstheoretische Sackgasse seines Freundes
Karl Heinrich ein und fordert die Verstaatlichung aller Produktionsmittel
und die geldlose Zentralverwaltungswirtschaft.

Das ganze Elend der marxistischen Wirtschaftstheorie offenbart ein
Beispiel aus der Geld- und Kreditpolitik der kommunistischen Wirt-
schaftsreformer in Rotchina. Durch die Wiedereinführung von
Marktmechanismen und individueller Gewinnchancen hat es dort ein
kleines Wirtschaftswunder gegeben. Die Käuferschlangen vor den Läden
sind verschwunden und nicht nur viele Kleinbürger, sogar die Bauern sind
zu einem bescheidenen Wohlstand gelangt und haben Ersparnisse ansam-
meln können. Diese benötigt der Staat für Investitionen. Da jedoch am
Geldsystem nicht geändert worden ist, und da niemand durch gutes Zure-
den allein seine Liquidität aufgibt, verfielen die schlauen Marxisten auf ei-
ne sehr originelle Idee: um an diese Ersparnisse ranzukommen, bietet der
Staat den Sparern eine Liquiditätsverzichtsprämie an: Er verkauft ihnen
Aktien und verspricht ihnen Dividenden! (172)

Rotchina auf dem Weg zum Kommunismus? Da lachen die Kolchos-
hühner! Auch im China der Kommunen kehrt der von Engels prophezeite
"Zinswucher" wieder ein! Was wird das Resultat sein? Realer Kapitalis-
mus im Sozialismus. Kommunenkapitalismus.

Engels hat klar erkannt, wer in der gegebenen Geld- und Kreditwirt-
schaft "Herr im Hause" ist: der "Schatzbildner", der Geldverleiher, der
Finanzkapitalist. Er hatte bereits vor hundert Jahren begriffen, daß kol-
lektive Selbstorganisation und Selbstverwaltung im Rahmen des kapitali-
stischen Geldsystems nicht anderes bedeutet, als die von den Produzen-
ten selbst organisierte und selbst verwaltete Ausbeutung durch Zinspara-
siten: Selbstausbeutungskommunismus.

Engels Worte in die Ohren der Selbstverwaltungsidealisten, Vergesell-
schaftungssfetischisten und Geldignoranten!


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