Keine anderen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch die kommunistische Propaganda so wütend attackiert als diejenigen, die wir heute „Verfemte Soldaten” nennen. Das waren die Soldaten des antikommunistischen Widerstandes für unabhängiges Polen, die gewagt hatten, einen bewaffneten Kampf gegen die mit dem Einmarsch der Roten Armee nach Polen instalierte kommunistische Diktatur aufzunehmen. Das Ausmaß des Widerstandes war enorm. In den ersten Jahren nach 1945 war der bewaffnete antikommunistische Widerstand so breit, dass sich die kommunistische Agentur nur dadurch halten konnte, weil sie von den in Polen stationierten sowjetischen Divisionen unterstützt wurde.

„Genosse Stalin hat uns gewarnt, dass wir uns momentan dank der Präsenz der Roten Armee auf unserem Territorium in einer günstigen Lage befinden : «Ihr verfügt jetzt über so viel Macht, dass ihr sagen könntet, 2x2 sei 16, und eure Gegner würden dem zustimmen» – sagte Genosse Stalin. «Das wird aber nicht weiter so bleiben. Dann werdet ihr beseitigt und wie die Rebhüner abgeschossen.» [...] (aus einer Rede Bolesław Bieruts in der Sitzung des ZK PAP vom 9.10.1944)

Die „Verfemten Soldaten“ wurden in ihrem Kampf allein gelassen: Sie fielen auf den Schlachtfeldern oder wurden in den kommunistischen Mordgruben hingerichtet, all das bei schweigender Zustimmung der „freien Welt“. Noch im Jahre 1949 waren konspirative Strukturen auf der Regionalebene intakt: Es kämpften noch geschlossene Partisaneneinheiten. Die letzten Schüsse in diesem Kampf fielen noch Mitte der 50. Jahre. Die Bilanz der Generation des Widerstandes aus dem Untergrund war erschreckend: über 5.000 zu Tode Verurteilten und Hingerichteten, ca. 21.000 Ermordeten in den kommunistischen Gefängnissen, ca. 10.000 Gefallenen bei Kampfhandlungen, mindesten 50.000 Verschleppten in den sowjetischen GULAG nach Sibirien und ca. 250.000 Verurteilten in Prozessen wegen der sogen. politischen Kriminaltaten. Noch heute fällt es schwer, die bis jetzt nicht gezählten Opfer der Pazifikation ländlicher Regionen einzuschätzen, die wegen der Hilfeleistungen an die Partisanenverbände bestraft wurden. Nicht gezählt bleiben die Opfer der Mauschelmorde, verübt durch kommunistische Schlägertrupps oder Menschen, die mit ruinierter Gesundheit aus den Gefängnissen entlassen wurden und deswegen bald danach verstarben. Die Kommunisten setzten alles daran, die antikommunistischen Widerstandskämpfer für die Bevölkerung verächtlich zu machen: Von den Leichen gefallener Soldaten wurden die Uniformen der polnischen Vorkriegsarmee gezerrt, dann wurden die Toten fotografiert, um sie nicht als Widerstandskämpfer erkennen zu lassen, sondern als gewöhnliche Banditen darzustellen. Die gefangen genommenen Soldaten des Major Hieronim Dekutowski „Zapora” und ihn selbst kleidete man für den Schauprozess in die deutschen Uniformen – und so wurden die Männer im Gerichtssaal „dargeboten”. Das symbolische Ende des Kampfes der „Waldsoldaten” bedeutete der Tod von Józef Franczak, der am 21.10.1963 im Kampf mit der SB (Sicherheitspolizei) und dem ZOMO (Zivilschutz-Sondereinheiten) gefallen war.

Józef Franczak „Lalek“, „Laluś“
JÓZEF FRANCZAK
LEBTE 45 JAHRE
IST AM 21.10.1963 GEFALLEN.
ER HAT SEIN LEBEN FÜR DAS VATERLAND GEOPFERT,
DESSEN FREIHEIT ER NICHT ERLEBEN DÜRFTE.

Diese Inschrift haben seine Angehörigen in seine Grabplatte in Piaski bei Lublin geritzt. Franczak nahm als Soldat an dem Verteidigungkrieg nach dem Überfall Polens durch die Nazi-Deutschland im September 1939 teil, (wurde durch die vom Osten her nach Polen einfallende sowjetische Rote Armee gefangen genommen – Anmerkung des Übersetzers), konnte aber aus der sowjetischen Gefangenschaft fliehen, kämpfte gegen die deutsche Besatzung in den Verbänden der Heimatarmee und des Bundes des Bewaffneten Widerstands (ZWZ). 1944 wurde er als Berufsoffizier in die 2. Polnische Armee (eingegliedert in das sowjetische Heer und unter dessen Befehl – Anm. des Übersetzers) zwangseingegliedert, im Januar 1945 desertierte er aber im Angesicht der Hinrichtungen von Soldaten der Heimatarmee. Er schloss sich dem antikommunistischen Partisanenwiderstand für unabhängiges Polen an, zunächst dem Verband von Major Hieronim Dekutowski „Zapora”, 1947 ging er zu der Einheit des Kapitän Zdzisław Broński „Uskoka”. Nach dessen Tod (21.05.1949) tauchte er ein, konnte aber einige Aktionen in Lublin und seiner Umgebung durchführen. Die letzte bewaffnete Aktion fand im Februar 1953 statt, wobei sein letzter Partisanenkomandeur, Stanisław Kuchciewicz „Wiktor“, gefallen war. Nach der im Jahre 1956 verkündeten Amnestie stellte er sich aber der Sicherheitspolizei nicht. Seine Schwester Czesława Kasprzak erläuterte seine Entscheidung so: „Ein befreundeter Staatsanwalt aus Lublin sagte uns, dass er keine Chance habe, denn sie hätten sehr viel Material gegen ihn gesammelt. Gemäß der Amnestie würden sie ihn zunächst nur zum Schein freilassen, danach aber wird er spurlos verschwinden”.

„Ich habe ihn bei einem Dorffest 1946 kennen gelernt und mich sofort verliebt. Wir trafen uns zwei-dreimal pro Monat. Irgendwo in den Feldern, im Wald, mal bei den Verwandten oder Freunden. Zu unseren Randezvous kam er mit einer Pistole und Granaten” – erzählt Danuta Mazur, die konspirative Braut des „Lalek”, die auf ihn beinahe 20 Jahre wartete. – Ich wollte nicht wissen, wohin er geht und mit wem er sicht trifft, damit ich ihn in einem Verhör bei der Sicherheitspolizei nicht verrate. Ich hatte sogar einige Fotos zusammen mit ihm, habe aber alle vernichte, aus Angst. Ihn verlassen? Niemals. Ich habe ihn doch geliebt. Ich habe gehofft, dass er überlebt und wir zusammen leben werden. (…) Unser Sohn Marek wurde 1958 geboren – fährt sie fort. Józek sah ihn zum ersten Mal acht Monate später , als ich das Baby in die Roggenfelder brachte. Ich bin oft zu den Priestern gefahren, war bei den Dominikanern in Lublin vorstellig, keiner wollte uns verheiraten. Sie sagten, das Risiko sei zu groß. Als die SB-Leute kamen und fragten, mit wem ich das Kind habe, antwortete ich, dass ich es nicht weiß, mit wem. So habe ich mich erniedrigen lassen.“

Der Sohn des „Lalek“ und der Danuta Mazur erfuhr erst Jahre später, wer sein Vater war. Das Recht, den Familiennamen seines Vaters Franczak zu tragen, bekam er erst 1992 zuerkannt.

Die Sicherheitspolizei stand vor der schwierigen Aufgabe, um Franczak habhaft zu werden, denn die Leute, trotz andauernder Verhaftungen, waren nicht bereit, ihn zu denunzieren. Bei den Verhören behaupteten sie, sie hätten ihn niemals gekannt oder von ihm gehört und wenn sie schon ihm mal begegnet seien, dann sei es vor vielen Jahren gewesen. Alls das meldeten sie ihm aber umgehend. Seinem konspirativen Freund Jan Lipa aus Kozice Dolne, den die SB zwei Jahre lang immer wieder zu Verhören vorlud, wurden 30 tausend Zloty für die Denunzierung von Franczak angeboten. Vergeblich! Es fanden sich aber Verräter, die Franczak verkauft haben. Aus den Akten der Sicherheitspolizei:

Im Zuge eines intensiven operativen Vorgangs wurde in der Zeit vom 18.-21.10.63 ermittelt, dass sich der besagte Bandit in den Behausungen eines aktiven IM im Dorf Kozice, Bezirk Lublin, versteckt (…) Es wurde entschieden, in den Behausungen des «BW» [Beć Wacław] eine Durchsuchung durchzuführen. Für den Fall, dass das Resultat negativ ausfällt, sind weitere Durchsuchungen bei zwei anderen Versteckern in der selben Ortschaft als Vortäuschung vorgesehen, um von eventuellen Verdächtigungen gegen den IM «Michał» abzulenken. IM «Michał» bekam 6 tausend Zloty.

Franczak fiel während einer Razzien der SB und ZOMO im Dorf Kozice Górne am 21.10.63. Die letzten Augenblicke im Leben von „Lalek“ laut Bericht der SB:
"Die Umstellung der Behausungen von B. [Beć] Wacław und Sohn Jan wurde aus der Fahrt heraus durch eine operative Gruppe von 35 ZOMO-Funktionären durchgeführt, die von zwei Offizieren der SB zum Versteck geführt wurden. Nach der Umstellung der Behausungen kam Franczak aus der Scheune heraus und den Bauernhofbesitzer vortäuschte, wonach er versuchte aus der Umstellung herauszugelangen. Als er dann zur (hier unleserlich) aufgefordert wurde, griff er zur Pistole und schoss mehrmals. In dieser Situation überging das Liquidierungskommando zur Liquidierung. Obgleich Franczak trotz Aufforderung zur Aufgabe seine Verteidigung aufnahm und sich bei der Ausnutzung der Schwachstellen der Umstellung ca. 300 Meter vom Versteck entfernte, konnte er beim Schusswechsel tödlich verwundet werden. Er verstarb einige Minuten später."

Der Leichnam des letzten Partisanen wurde enthauptet. Seine Körperreste wurden der Familie erst 1983 übergeben. Der Präsident der Republik Polen Lech Kaczyński hat dem Helden Franczak das Kommandeurskreuz mit dem Stern der Wiedergeburt Polens 2008 posthum verliehen.

syrenka OKTOBER 2009
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