Leben in Berlin

Na, war wohl nix mit Heidelberg? Nichts mit lebendigen, studentischemKleinstadtleben? Stattdessen bist du nun in Großstadtdschungel gelandet.Viel Lärm, viel Dreck, unüberschaubare Größe, undin Winter ist alles noch viel grauer.

Solltest du dann etwa noch eine annehmbare Wohnung suchen, scheint allesnoch viel hoffnungsloser. Du quälst dich durch überfüllteU-Bahnen, wirst wegen deines Wossidialekts angepöbelt, von Schnorrernnach Groschen oder Zigaretten angemacht, und wenn du nachts unterwegs bist,wirst du nach anfänglicher Bewunderung über das immense Nachtbusnetzfeststellen, daß du mit der ersten U-Bahn genauso schnell ans Zielgekommen wärst.

Mit den Busfahren ist das hier ja überhaupt so eine Sache. Diezumeist doch recht zart besaiteten Wossis scheinen einer längerenEingewöhnungszeit zu bedürfen, sich den herbfrischen Umgangstonder Busfahrer anzupassen. In der ersten Zeit solltest du sie besser garnix fragen; nach einiger Gewöhnung kannst du mit kurzen, geschlossenenFragen beginnen (Antwort 'ja' bzw. 'nein').

Cave: Frage sie nie nach der Uhrzeit! Schwarzfahren war im Bus fastnicht möglich. Jetzt müssen die Fahrkarten nicht mehr vorgezeigtwerden. Bei den Flachdachbussen darf man inzwischen sogar hinten einsteigen!!!Mit einen BVG-Jahresabo fährt man noch an günstigsten (wir sindja alle sooo ehrlich!).

Solltest du zu den Irren gehören, die hier ein Auto benutzen, sowirst du es bereuen. Verlaß dich nicht darauf, daß dir diedrei Buchstaben deines Heimatortes einen Wossibonus verschaffen. Du rangierstetwa auf der Stufe eines Fahrschulautos, das auf der Bundesallee 40 km/hfährt. Bein Ein- und Ausscheren wird hier üblicherweise die Blinkerglühbirnegeschont und die gesparte Energie zur Beschleunigung verwandt.

Aufgrund des sogearteten Autoverkehrs gelten für's Radfahren eigeneRegeln: Besteige das Fahrrad nie ohne Gasmaske und Walkman.

Alle reden von Energiesparen. Wenn du dein Rad auf 21 km/h gebrachthast, laß diese Energie nicht verpuffen, indem du bremst, bloßweil die Ampel rot ist. Sie ist auch nicht mehr als eine Lampe.

Aber sieh dich vorher nach grün-weiß-gemusterten Fahrzeugenoder grünen Männchen um. Sie scheinen ihre Autorität insolchen Fällen in Frage gestellt zu sehen. PolizistInnen werden dirsowieso noch häufig begegnen. Daran werden wir uns alle noch gewöhnenmüssen: Dauernd Bannmeilen in der Innenstadt, Straßensperrungenwegen VIP-Transporten etc.

Aber vielleicht bleibt ja doch noch etwas von dem übrig, warumwir noch hier sind. Daß du in schrägsten Outfit rumlaufen kannst,und niemand gafft dir blöd hinterher, es sei denn du rennst auf derPotse (Potsdamer Straße) in knappen, pinken Mini herum.

Daß es für 'ne Großstadt doch noch recht grünist. Und von der Uni zum Schlachtensee schaffst du es in zehn Minuten,an warmen Sommertagen triffst du dort des nachts sämtliche KommilitonInnen.

Daß du zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas zu beißen bekommst:Döner, Falafel, Schawurma, Samosa, Minipizza.

Und wenn du mal tierisch ausflippen willst, ohne daß sich tagsdarauf die ganze Stadt das Maul zerreißt, ist das hier kein Problem;es gibt genug Kneipen, wo dich kein Schwein kennt.

Als da wären:

CAFES/KNEIPEN:

Cafe Hardenberg
Wer sich zu den Glücklichen zählt, die einen Platz ergatterthaben, dem steht dem Genuß eines exquisiten Frühstücksoder der leckeren Kartoffelpfanne bei klassischer Musik nichts mehr imWeg außer eventuell das monatliche Budget... (Steinplatz/Hardenbergstraße)
Schwarzes Cafe
durchgehend geöffnet, gemischtes Publikum (auch Touris), die Kellnersind manchmal besonders nett! (Savignyplatz/Kantstr.)
Golgatha
Disco, Biergarten, Kneipe, Cafe..., Studententreff, spielen alles -von Flamenco bis zur Musik der '70'er. (Dudenstraße 48-64 am Kreuzberg)
Fischlabor
die einzige Kneipe, in der es 'Spacebeer' gibt!! Mit Fellen an Bodenund einem Raumschiff an der Decke und sonntags gibt'a immer die 'Lindenstraße'im Fernsehen. (Rosenheimer Straße, Schöneberg)
Obst und Gemüse
dort, wo sich jetzt die "Szene" hin verlagert hat: OranienburgerStraße, Berlin-Mitte. Hier gibt's "Budweiser"und als besonderenLeckerbissen Erdnüsse "for free".
In der gleichen Straße befinden sich noch das Silberstein, CaféOrange, Tacheles und viele andere interessante Dinge mehr...

SONSTIGES

Chamäleon -Varieté
Sehrgutes und ständig wechselndes Programm, witzig und bunt. DieMitternachtsshow ist sehr zu empfehlen! (Rosenthaler Straße 40,41.U-Bahnhof Hackischer Markt)
Konopke
beste Currywurst seit 40 Jahren (U-Bahn Eberswalderstraße)
Las Vegas
Bester Döner (wir warten auf den nächsten, Preiskrieg!) (WilmersdorferStraße)

DISCOS

Far out
Musik und Leute bunt gemischt, auch Rollstuhlfahrer, Eintritt je nachTag zwischen 5 und 10 DM, ehemalige Baghwan-Disco - immer noch mit Portraitsdes Meisters an der Wand und seinen Jüngern hinter der Theke, Musikwünschewerden berücksichtigt! (Kurfürstendamm 156 am Lehniner Platz)
Abraxas
Leute: bunte Mischung von 20-40 Jahre, Musik: Soul-JazzFunk-Latin,'Wohnzimmeratmosphäre', aber trotzdem die Disco, "wo der Groovenoch einen Namen hat" (Kantstraße 134)
Franz-Club
meist Konzerte, danach Disco bis in den morgen, von Funk bis Jazz -gute Musik zum Tanzen, Eintritt ca. 10 DM (Schönhauser Allee 36-38,Nähe U-Bahn Dimitroffstr.)
Quasimodo
Typische Jazz-Kneipe, schummrig, verraucht, gute Life-Musik und glücklicherweiseim gleichen Haus ein gutes Kino.(Kantstraße 12A, U-Bahnhof Zoo -z.B.)
Tresor
Ein unbedingtes Muß für jeden Techno-Fan, drei verschiedeneTanzflächen und im Sommer sogar noch zusätzlich "Draußen-sitz-trink-eß-Möglichkeit"( Leipziger Straße 126A, U-Bahnhof Mohrenstraßen)
Universal
Studentenclub, samstags immer Disco, allerdings mit Kartenvorverkauf,sonst steht man zwei Stunden an - SUPER GUT! (HumboldtUni/Universitätsstr.)

Was du sonst noch zum Überleben hier wissen mußt, findestdu an schnellsten in der 'Zitty', in 'Tip' und im Telefonbuch.

Cafés der Rostlaube

Die Uni ohne Cafés wär wie Ski fahren ohne Surf-Schein.Mal ehrlich, wo sollte man sonst Probleme ausdiskutieren (Ich bin der Martin,'ne!?!), wo sonst den Coffein-Schock holen? Dringende Empfehlung: EigeneTasse kaufen, sonst guckt ihr an einigen Mocca-Schenken in die Röhre!

Wie mensch mit den Raumnummern umgeht sei kurz erklärt:Es gibt 3 parallel laufende große Straßen (J, K und L). DieQuergänge sind fortlaufend von 23 bis 33 nummeriert. Räume erhaltenihre Bezeichnung aus ihrer Lage zwischen den Straßen in einem betreffendenGang. Ein Beispiel: Wo ist JK 28/110 ?? Ganz einfach, JK bedeutet zwischenStraße J und K, 28 bedeutet im Gang 28, die erste 1 von 110 bedeutetim Erdgeschoß (l. Stock hieße 2) und 10 ist dann nur noch Nummerier-ung.Alles klar? Im Plan sind die Cafés von a-k gekennzeichnet. Kaffeeund Tee kosten 80 Pf. , Ausnahmen angegeben.

a) RomanistInnen-Café (J 32/14)
Ein Weg der sich Mo, Di, Do von 10-16 Uhr am Mi u. Fr ab 14 Uhr lohntgemütlich. Preisknüller! Tee 50 Pf, Kaffee 60 Pf.
b) Cafeteria des Studentenwerks
Sie ist groß, verraucht und laut, Preise wie in der Mensa. Morgenssoll sie ganz nett sein. Tee+Kaffee 60 Pf, Geöffnet ist die Cafeteriavon 8.30 bis 18.00 Uhr.
c) Frauencafé Furiosa (JK 301135)
Frauen bleiben hier bei Kaffee und Schokolade ganz- unter sich. Männermüssen draußen angebunden oder an der Garderobe abgegeben werden.Geöffnet ab 11 Uhr.
d) Der Rosa Salon (JK 30/231)
Schwules Cafe - nicht nur für Schwule. Getränke und Doppeldeckerbrötchenladen zu einer ruhigen Stunde ein. Einwegbecher müssen (wie überall)bezahlt werden. Geöffnet von 10.00-18.00 Uhr, Freitag, bis 16.30
e) Goetropa (J 30/24)
Tee 60 Pf, Brettspiele laden zum Entspannen ein.
f) Doofe Automaten (J 30)
Jene, die pseudoumweltfreundlich auch nach 18 Uhr Getränke ausspucken.
g) Claudia-Störtebecker-Instituts-Café (KL 29112 7b)
Es ist von den HistorikerInnen, ganz nett, für NichtraucherInnen.Hier gibt's Tee aus dem Samowar (aber keine Plastikbecher!)
h) ARA-Café (KL 26113)
ARA = antirassistisch
Mo-Do von 12-17 Uhr, verqualmt!
i) Exzess-Café (JK 261 205)
Ruhige. Lage, bequeme Sitzgelegenheit, wechselnde Öffnungszeiten.
j) Sportlercafé (K 26120)
Es ist geeignet für den Morgenkaffee in der Vorlesungspause. Doches bietet mehr: belegte Brötchen, Joghurts, Süßes und -für unsere Anatomiefreaks - viele athletische Studies. Zu den Stoßzeitenknallvoll. Raucherlnnen müssen draußen bleiben oder auf dieTerasse gehen.
k) Café des Psychologischen Instituts (PI)
Es gibt Nicaraguakaffee, Musik und im Sommer die Möglichkeit,draußen zu sitzen und den herrlichen Ausblick über die Silberlaubezu genießen. Eine Riesenauswahl an selbstgebackenem Kuchen erwartetdie Besucher, ebenso wie belegte Brötchen. warme und eisgekühlteGetränke.


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Text von Corinna Gülzow (Online-Bearbeitung: Klaus Garnatz,letzteBearbeitung am 31.2.96).