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KAPITEL III

Schlüter als Leiter des Schlossbaues

Durch Gurlitt, Voß und Geyer sind die Haupttatsachen der Baugeschichte des Berliner Schlosses geklärt und seine Stellung im Rahmen der Kunstgeschichte bestimmt worden. Wenn auch mancher auffällige Befund, so z. B. in der Zone von Portal IV des Schlosses, noch keine befriedigende Erklärung gefunden hat, so steht die Baugeschichte doch in ihren wesentlichen Zügen fest[1]. Aber noch viele einzelne Fragen harren der Lösung. Der Bil­dungsweg Schlüters läßt sich von seinen Werken aus noch nicht genauer verfolgen, die An­regungen, die er in Rom und Oberitalien, von dem Schaffen Michelangelos und Berninis, von französischer Kunst und aus anderen Quellen geschöpft hat, sind noch nicht völlig be­stimmt. Es wären hier aber nicht nur die Elemente seines Stiles aufzuzeigen und die Motiv­entlehnungen zu belegen. Das Wörterbuch des Motivschatzes würde nicht genügen, sondern erst die Erklärung der Grammatik und Syntax der Architektursprache und die Kenntnis der Bedeutung der Ordnungen, der Profile und Verzierungen, um die Anwendung der Regeln und die als unverzeihliche Fehler verurteilten absichtlichen Abweichungen und schöpfe­rischen Freiheiten Schlüters verstehen zu können. Dafür fehlen aber noch alle Voraus­setzungen.

Ein weiteres Hindernis für die Beurteilung des Architekten Schlüter als Ornamentschöpfer und Entwerfer von Dekorationen ist es, daß die Frage nach seiner praktischen Tätigkeit am Schloßbau noch nicht beantwortet ist. Trotzdem seit Erscheinen des Buches von v. Klöden die hauptsächlichsten Quellen zugänglich waren, ist man selten von ihnen ausgegangen, son­dern hat meist, so besonders Gurlitt in seiner eigenwilligen Darstellung der Geschichte des Schloßbaues, versucht, von allgemeinen und vermeintlich allgemeingültigen Voraussetzun­gen her zur Lösung der Einzelfragen vorzudringen. Es hat dies, trotz der von Borrmann auf Grund genauerer Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse gelegentlich gegebenen Hinweise, zu einer allmählichen Trübung und gefährlichen Verengung der Vorstellung von Schlüters Wirken geführt. Wenn angenommen wird, daß Schlüter für zahlreiche Dekorationen „nicht viel mehr als die Skizzen“ lieferte, und aus einem von v. Klöden veröffentlichten Memorial Schlüters geschlossen wird, daß er solche „sogar den Plafondmalern gelegentlich gegeben haben dürfte“, wenn ferner ein Beirat für künstlerische Fragen für einen Gipsarbeiter ge­halten wird, der das Ausformen von Repliken von Stuckreliefs besorgt haben soll, scheint es notwendig zu sein, die Verhältnisse am Schloßbau genauer zu untersuchen und sie außer­halb von Erwägungen und Vermutungen zu stellen. Die hohe künstlerische Bedeutung des Bauganzen und seiner einzelnen Teile steht außer Zweifel und fordert die Begehung aller möglichen Wege, zu seiner Geschichte beizutragen; die Ergebnisse der Kärrnerarbeit, mit Hilfe alten und neuen archivalischen Materials die Schloßbauleitung darzustellen, scheinen

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für die wichtigere Arbeit der stilgeschichtlichen Forschung einige nützliche Voraussetzungen zu enthalten.

Das Berliner Schloß ist als Denkmal in der Kunstgeschichte gerade deshalb so wichtig und wertvoll, weil es, langsam gewachsen, Zeugnis des Schaffens von Jahrhunderten ist. Freilich liegt gerade in dem allmählichen Werden eine Schwierigkeit für das Herausarbeiten der Baugeschichte; an einem so wichtigen und verhältnismäßig ausgedehnten Gebäudekomplex blieben die Arbeiten dauernd in Gang. In der letzten Zeit vor Schlüter war zunächst Memhardt beschäftigt, der nach 1690 noch eine Italienreise unternimmt[2], dann hauptsächlich Smids und Nering. Es muß einer gründlichen Untersuchung über die Kunstgeschichte der Kurfürstenzeit, die von A. Geyer zu erwarten ist, vorbehalten bleiben, die Arbeiten der beiden Meister zu sondern, die nur auf Grund von unkontrollierten Vermutungen seit Nico­lai notdürftig auseinandergehalten werden, und die Bedeutung Nerings als Vorläufer Schlü­ters zu erkennen[3]. Es darf inzwischen noch einiges neue Material herbeigetragen werden. Ein bisher unbenutztes Aktenstück, das sich unter Erbschaftssteuersachen erhielt, enthält einige Nachrichten zum Schloßbau. 1692 starb Michael Matthias Smids, der noch ganz als freier Meister, noch nicht als echter Beamter, große kaufmännische Unternehmungen, besonders einen ausgedehnten Holzhandel betrieben hatte und ein sehr beträchtliches Vermögen hinterließ. Da er seine Stellung als Hofbaumeister dazu ausgenutzt hatte, für seine privaten Geschäfte unzulässige Vorteile zu erlangen, kam es zu langwierigen Verhandlungen zwischen dem Fiskus und den Erben. Aus den Akten, von denen besonders das minutiöse Inventar der Hinterlassenschaft des Architekten von Interesse ist, ergibt sich, daß Smids den Bau des Bibliotheksgebäudes und auch des Galeriegebäudes an der Spree führte, das demnach Nering kaum mehr als seine Fertigstellung zu verdanken hat[4]. Bei den Arbeiten, die neben diesem Bau durchgeführt wurden, so bei der Aufführung der Arkaden vor der Fas­sade nach dem Schloßplatz, macht sich das Bestreben geltend, das alte Schloß zu moderni­sieren[5]. Gurlitts Annahme, daß auch im Schloßhof um 1690 Arkaden gebaut worden seien, erfährt eine Bestätigung durch das Reisetagebuch Tessins, nach dem der Beginn der Bau­arbeiten im Hof in das Jahr 1688 fällt[6]. Dohme und Borrmann nahmen dagegen unrichtig an., daß die Arbeiten nur praktischen Zwecken gedient hätten und unerheblich geblieben seien[7]. 1696 schreibt Friedrich von einer Reise nach Berlin:

Wir wollen auch dann alles was an dem Schloss und anderen Unseren dortigen Gebewden zu bawen anbefohlen, welches Ihr von Unserm p. Grunberg vernehmen werdet, fleißig continuiret und so Viel sich thun lassen werde noch vor Unserer Rückkunft zum stande gebracht werde.[8]

Die Bauarbeiten am Schloß waren also immer noch in Gang. Worum es sich dabei handelte, geht aus dem Bericht eines sächsischen Spions hervor, der sich von September bis Oktober 1696 mit dem Auftrage in Berlin aufhielt, festzustellen, ob der für die kurfürstlichen Ge­bäude zu billigem Preis abgegebene sächsische Sandstein nur zu diesen verwendet oder etwa an Private weiterverkauft würde[9]. Unter den Werksteinarbeiten, die im Bau waren, zählt er auch die „Änderung der Schloßfenster“ auf. Es muß demnach angenommen werden, daß der Bau der Arkaden im Hofe fertig war, und man sich der Aufgabe zugewandt hatte, den übrigen Außenbau damit in Einklang zu bringen. Eine Änderung der Architektur des Schloßhofes bis hinauf zu den alten Vorhangbogenfenstern war also schon lange in Gang,

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ehe Schlüter die Bauleitung übernahm. Er hat das Fertige rücksichtslos wieder zerstört, Broebes’ Bemerkung auf einem Stich, der das alte System der Säulengalerie darstellt: „On a détruit cette ordonnance“ muß als in sehr weitgehendem Sinne zutreffend bezeichnet werden[10]. Da Gurlitt selbst zugesteht, daß das, was von dem damaligen Bau übrigblieb, mit anderen Bauten der Architekten aus kurfürstlicher Zeit zusammenstimmt, ist es un­nötig, für diese Arbeiten nach fremden Baumeistern zu suchen. Gurlitt identifizierte zwei am Hofe lebende Brüder Baratta mit denen, die im römischen Barock eine bedeutende Rolle gespielt hatten[11]. Trotz manchen Widerspruchs ist noch neuerdings daran festgehalten worden[12]. Aus den Akten geht aber einwandfrei hervor, daß die in Berlin lebenden Baratta Grottierer waren, die für den Bau von Grotten sorgten, sie mit Muscheln dekorierten, Springbrunnen und Wasserkünste in den Gärten instand hielten, und auch bei einigen anderen Obliegenheiten nirgends als bedeutend hervortreten. Architekten oder Dekorations­entwerfen waren sie ebensowenig wie ihr Nachfolger Johann Damnitz, der in der Zeit von Schlüters Schloßbauleitung tätig war[13]. Es bedarf auch dieser Hilfskonstruktion einer Ver­bindung zwischen Italien und Preußen nicht, weil es für selbstverständlich gehalten werden muß, daß weitreichende Beziehungen bestanden. Die Kunde von dem riesigen Plan Berninis für den Louvre hatte natürlich auch die Zeitgenossen erreicht, ebenso waren die großen neuen Bauten Roms zweifellos bekannt.

Es läßt sich nicht mehr bezweifeln, daß zwischen 1688 und 1698 am Schloß gearbeitet wurde; die immer umfassenderen Modernisierungsarbeiten mußten zu dem Plan des völligen Umbaues und Neubaues des Schlosses führen. Es war nur natürlich, daß man bei einem so wichtigen Vorhaben nicht nur die einheimischen Baumeister zu Rate zog, sondern sich auch an andere Architekten wandte. So scheint man um 1696 mit Nicodemos Tessin verhandelt zu haben[14]. Daneben werden auch weitere Architekten Vorschläge gemacht haben. Bezeich­nend dafür, wie isoliert alles in der Überlieferung erscheint, ist, daß sich erst neuerdings feststellen ließ, daß zwischen Fischer von Erlach und Preußen Beziehungen bestanden, die 1704 zu einer Studienreise des Meisters nach Berlin führten[15]. Auch der sächsische Archi­tekt Karcher war 1698 in Berlin[16]. Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß man an ver­schiedene Architekten herangetreten war. Unvorbereitet war die Aufgabe, einen Neubau des Schlosses zu schaffen, keinesfalls, als Schlüter sie in Angriff nahm. Im einzelnen ist frei­lich die Vorgeschichte des Schlüterschen Schloßbaues nicht völlig zu klären. So ist z. B. über die Bedeutung des Architekten Christian Eltester, der lange in Rom gearbeitet hatte und vor Schlüter Hofbaumeister war, kein Urteil zu gewinnen, es bleibt aber unwahrscheinlich, daß er am Schloßbau beteiligt war[17]. Wenn es auch möglich ist, daß Schlüter den voraus­gegangenen Vorschlägen Anregungen entnommen haben kann, so sind doch wesentliche Quellen seines Werkes in verlorenen Plänen nicht zu vermuten. Charakteristisch für die Eigenwilligkeit des Architekten ist, daß er sogar die vorher gebaute Galerie im Schloßhof völlig veränderte. In seinen bildnerischen Werken gelang es ihm, fremde Anregungen völlig zu verarbeiten, ebenso ist es als sicher anzunehmen, daß sein Entwurf zum Neubau des Schlosses sein eigenes Werk ist. Die Geschichte des Schloßbaues beweist ferner, daß alles, was in der Zeit von Schlüters Bauleitung geschah, nur geschehen konnte, wenn er es ver­anlaßt oder wenigstens gebilligt hatte.

Es ist zu bezweifeln, ob es jemals möglich sein wird, den gewundenen Weg der Entstehungs‑

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geschichte des Schloßbaues unter Schlüters Leitung nachzugehen. Der Plan stand nicht in jeder Einzelheit von vornherein fest, alte Absichten wurden von neuauftretenden dauernd durchkreuzt, wie Pitzlers wertvolle Skizzen beweisen. Aus dem wogenden Fluß des Ge­schehens sind die leitenden Gedanken nur mit Mühe herauszufinden, eine allgemeine Klä­rung ist von der stilistischen Analyse zu erwarten, nachdem sich an der Reihe der Bauten Schlüters, die neben dem Schloßbau geschaffen wurden, die Entwicklung des Architekten ungefähr übersehen läßt. Die an diesen Bauten zu beobachtende allmähliche Steigerung der Formensprache ist auch für den Schloßbau anzunehmen. Hier wie dort machen sich die italienischen Voraussetzungen des Schaffens des Architekten eher und zunächst stärker gel­tend als die französischen. Im Widerspruch dazu steht, daß die früheste Bildnerei und Orna­mentik Schlüters schon eine sehr bestimmte französische Beeinflussung verrät, die in der Architektur erst später, in der Gestaltung der Alten Post und des Schloßhofes das italie­nische Element überlagert.

Der Beginn des großen Neubaues fällt eindeutig in das Jahr 1698, seit dem große Zahlun­gen zum Bau geleistet werden. In diesem Jahr, in dem Schlüter am Zeughaus, am Gießhaus und der Parochialkirche tätig ist, hat er auch am Schloß bereits als Architekt zu tun ge­habt. Die Annahme, daß Schlüter als Bildhauer zum Schloßbau gekommen ist, läßt sich nicht mehr aufrechterhalten. Der Übergang vom Bildhauer zum Baumeister ist eher wohl am Zeughaus zu beobachten. Daß er am Schloß sofort als Baumeister verwendet wurde, macht die früheste bisher unbekannte Nachricht über seine Tätigkeit deutlich. Auf einer Reise wird, von Königsberg aus, am 30. Juni 1698 folgende Ordre gegeben:

S. Ch. D. wollen dass aus denen zum Berlinischen Schlossbau destinirten geldern dem Bau­meister Schlütern zum Hallischen Steinbruch, weil solche Steine zum Berlinischen Schloss­bau angewand werden sollen, 500 Rthlr. gezahlet werden und befehlen dero Kriegsraht Kraut hiemit erwehnten Schlüter aus obgedachten geldern solche 500 tal. forderlichst zah­len zu lassen.[18]

Das Datum dieses Befehls, der Schlüter bereits mit praktischen Fragen des Bauwesens be­schäftigt zeigt, macht es nicht notwendig, mit der Ansetzung der Anfänge der Tätigkeit Schlüters als Architekt unter den für das Zeughaus festgestellten Termin herunterzugehen; wahrscheinlich war der Plan, in der eigenen Provinz für den großen Bau billige Materialien zu gewinnen, eine der ersten vorbereitenden Handlungen überhaupt. Der hallische Stein­bruch wird im Zusammenhang mit Schlüter mehrmals erwähnt. Welche Absichten der Künstler mit seinem Unternehmen verfolgte, kommt in seiner Petiton vom Frühjahr 1702 zum Ausdruck[19]. Er schreibt, daß er die Steine von Halle habe kommen lassen, damit das Geld im Lande bliebe, auch, weil man sie von dort billiger beschaffen könnte. Neben der Absicht, dem Staate durch Verringerung der Einfuhr zu dienen, macht sich noch ein Rest des alten Unternehmertums geltend, das den beamteten Architekten und Baufachleuten der Zeit noch anhaftet; der Hofbauschreiber Jänicke betrieb z. B. neben seinem Amt einen ein­träglichen Holzhandel. Schlüter hat der Steinbruch freilich keinen Gewinn gebracht, er klagt 1702, bedeutenden Schaden erlitten zu haben, weil er die Kosten der Erschließung des Bruches tragen mußte und zuerst zwei Ladungen Abraumsteine geschickt erhalten habe.

Die Steine erwiesen sich beim Zeughausbau, wo sie während der Zeit der Bauleitung Schlüters verwendet werden sollten, als nicht einwandfrei. Auf die Bitte Schlüters wurde eine

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Kommission einberufen, die über die Güte der Steine befinden sollte: „. . . maßen Wir ge­meinet seindt, wie alle andere unsere Gebäude also auch insbesondere das Schloss Unser Principalesten Residentz mitt tauglichen Materialen ausführen zu lassen“[20]. Das Ergeb­nis der Untersuchung ist nicht bekannt, der Steinbruch scheint frühestens 1702 endgültig aufgegeben worden zu sein. Im April 1701 wird für den Steinmetz Johann Friedrich Fischer ein Paß ausgestellt, für ihn und „seine in denen Hallischen Steinbrüchen zu behuff un­seres allhiesigen Schlossbaues arbeitenden Leuthen“[21]. Im Dezember des gleichen Jahres wird der Paß erneuert und ein weiterer für den Steinmetzmeister Johann Bötticher in Halle ausgefertigt, der „zum allhiesigen Königl. bau eine quantität Werckstücke brechen und be­arbeiten Soll“[22]. Dieser Steinmetz erwarb Anfang 1700 das hallische Bürgerrecht; über die Beziehungen Schlüters zu Halle und über die Steinbrüche ‑ die Paßkonzepte brauchen bei ihrer Erwähnung die Mehrzahl ‑ hat sich nichts feststellen lassen[23].

Anfang des Jahres 1702 wurde Schlüter befohlen, „eine Reise nacher Dresden und Pirna, auch sonsten zu thun“. Es ist dies einer von ihm geschriebenen Bitte um einen Paß zu ent­nehmen, der für ihn „nebst bey sich habenden Leuten, Pferden, Wagen und Sachen“ aus­gestellt wird[24]. Wenn der Architekt auch bei dieser Reise sicher mit den Künstlern am säch­sischen Hofe zusammengetroffen sein wird, so scheint sie doch in erster Linie in dem Auf­trag unternommen worden zu sein, den kostbaren und teuren Pirnaer Sandstein in größe­ren Mengen und zu annehmbarem Preis für den Schloßbau zu erhalten. Diese Vermutung läßt sich dadurch stützen, daß Schlüter mit mehreren Leuten reist, unter denen sich viel­leicht Steinmetzen befanden, die gewisse Zurichtungsarbeiten gleich an Ort und Stelle aus­führen sollten. Am 21. März 1702 ‑ er war wohl noch nicht lange von der Reise zurück ‑ stellt Schlüter den Antrag, für den Steinmetzmeister Kümmerling einen Paß auszustellen, weil er Steine von Pirna abholen müsse[25]. Die hallischen Steinbrüche werden nicht mehr erwähnt, gelegentlich werden Steine in Süddeutschland gekauft[26], der Hauptbedarf wird aber in Pirna gedeckt. 1703 bittet Schlüter einmal um Anweisung von 8000 Tlr. zur Bezah­lung von sächsischem Sandstein[27]. Unter Berufung auf Schlüter bittet ein Steinmetz Chri­stoph Richter aus Pirna Anfang des Jahres 1706, ihn zum Steinfaktor zu ernennen, weil er seit vielen Jahren die Lieferungen geleitet habe. Die Lehnskanzlei fordert ein Gutachten von Schlüter ein, auf das hin die Ernennung erfolgt[28].

Die angeführten Akten zeigen, daß Schlüter auch für die einfachsten Voraussetzungen des Baues zu sorgen hatte. Die Rechnungsführung im ersten Jahr hatte aber Grünberg, es erklärt sich dies damit, daß dieser schon vorher die laufenden Arbeiten am Schloß erledigt hatte, und erst allmählich, im Laufe des Jahres 1698, in dem der Bau begann, von Schlüter bei­seite gedrängt wurde. Schon 1699 war die Rechnungsführung an diesen übergegangen, seine Doppelstellung als Schloßbaudirektor und Meister einer großen Bildhauherwerkstatt führte dazu, daß nach Ablauf des Jahres ihm der Amtskammerrat Merian beigegeben wurde, damit er nicht allein die Arbeit seiner Leute verdinge und bezahle; in wichtigen Fällen sollte der Schloßhauptmann v. Printzen und andere hinzugezogen werden. In dem Bericht über die Rechnungslegung für die Jahre 1700/01 hebt Schlüter hervor, daß dementsprechend verfahren worden sei:

bey der Ausgabe habe ich, der Hoffbau Director Schlüter, alle particulier Wochen Rechnungen und Lohnzettul jedesmahl eigenhändig bedungen und unterschrieben, die grossen

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Rechnungen aber der Mahler, Bildhauer Gipser und anderer considerablen Arbeit sind von der sämbtlichen Commission nach Anleitung E. K. M. Rescripts unterm 4. VII. 1700 zu rechter Zeit bedungen und unterschrieben worden.[29]

Bei der Abrechnung für 1702 ist für Schlüter ein fast wörtlich gleicher Passus eingesetzt[30]. Im Laufe des Jahres 1703 machte Schlüter den Versuch, von den Geschäften der Rech­nungsführung loszukommen. Er erreicht auf wiederholte Bitte, unter Hinweis auf die vie­len ihm aufgetragenen Arbeiten, daß dem vorher assistierenden Rat Merian zusammen mit dem Amtskammerrat v. Pehne, der auch Mitglied der Baukommission war, die Rechnungs­führung aufgetragen wird[31]. Über den Geschäftsgang einigte man sich so, wie es in einem Schreiben Schlüters vorgeschlagen wurde:

Weil aber hierüber mein Gutachten auf was weise es am füglichsten geschehen könne, ver­langet worden, sind dieses meine unmassgebliche Gedancken dass die Hn. Räthe alles was von dem Bau dependiret verdingen und unterschreiben möchden, es wäre denn eine Sache darinnen Sie zweyffelhafftig und meiner dabey nöthig hätten.[32]

Für das Jahr 1703 sollte aber Schlüter die Rechnungsprüfung noch mit durchführen[33].  Er scheint überhaupt die Verfügung über die Mittel zum Schloßbau nicht völlig aus der Hand gegeben zu haben, im November 1704 ergeht ein Befehl, aus dem zu schließen ist,     daß Schlüter eine selbständige Dispositionskasse für besondere Ausgaben beim Schloßbau führte[34].

Auch um den äußeren Baubetrieb hat sich Schlüter in den ersten Jahren des Schloßbaues mehrfach bemüht. Erst allmählich wurde der Apparat des Schloßbauamtes entwickelt; im Jahre 1700, als der Bau schon voll in Gang war, wurde erst vorgeschlagen, über die Bau­werkzeuge und Materialien ein Verzeichnis zu führen. Es wurde befohlen, daß v. Printzen und Merian mit Zuziehung Schlüters ein Inventar aufstellen sollten[35]. Da die Arbeiten der Materialverwaltung aber sehr umfangreich waren, wurde im Herbst 1700 ein besonderer Kondukteur angestellt, der 1702 unter Berufung auf Schlüter um eine Zulage bittet[36]. Ebenso mußte Schlüter 1703 sein Gutachten abgeben, als der Bauaufseher Nathanael von Leyen eine Zulage erhalten sollte[37]. Von den vielen Vertretern verschiedener Berufe, die Schlüter am Schloßbau unter sich hatte, haben mehrere ihn oder Angehörige seiner Fa­milie als Paten gebeten: der Bauschreiber, der Kondukteur, der Holzschreiber, der Hof­polier, der Schloßdiener und ein Lakei, von den Handwerkern der Steinhauer, Marmo­rierer, Klempner, Töpfer, Glaser, Lederarbeiter und Zimmermeister[38]. Der Schloßbau zog sehr viele Handwerker nach Berlin, viele, die auf der Wanderschaft waren, blieben hier, andere wurden aus ganz verschiedenen Gegenden, aus Graubünden, Sachsen, Kopenhagen, Hamburg angefordert. Auch dafür hatte Schlüter mit zu sorgen, er mußte sogar zu den Paß­gesuchen Stellung nehmen, 1702 begutachtete er die Bitte mehrerer Zimmergesellen, 1701 unterschrieb er ein Gesuch mehrerer Maurergesellen um einen Paß[39].

Das rege Leben beim Schloßbau spiegelt nicht nur der große Personenbestand, sondern auch die Bauführung selbst. Es wurde mit großer Eile gebaut, ein charakteristisches Streiflicht auf den Baubetrieb wirft eine Äußerung Schlüters im Rechnungsbericht für 1700/01:

Das Auffzieherlohn der Baumaterialien durch die machine ist denen Leuten nicht nach tagelohn, sondern jeder Zug mit 4 gr. bezahlt weil ich Schlüter ohservieret habe, dass die Arbeiter dabey sich viel embsiger alse bey dem tagelohn erweisen. Denen Maurern und

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tagelöhnern, seind auf mein des Bau Directors Veranlassung das sogenannte Scharwercken nach denen Stunden so sie extraordinarie gearbeitet, apart bezahlt damit die Mauer Arbeit desto besser avanciret und fortgesetzet werden könne.

Unter der Schnelligkeit der Akkordarbeit litt die Güte der Ausführung, schon 1699 entstand wegen eines Bauschadens am Lustgartenflügel ein Streit zwischen Schlüter und dem Hof­maurermeister Braun[40]. Mit den vielen Arbeiten auf dem Gelände des Schlosses ist wohl auch der Befehl an Schlüter in Zusammenhang zu bringen, ein abgebrochenes Häuschen einem Lakaien zu seinem Bau zu geben[41].

Nach Schlüters Sturz wurde der Schloßbau mit unverminderter Energie fortgesetzt. Die wirt­schaftliche Anstrengung, die der Fortführung des Baues galt, war sehr bedeutend, die aus den Domäneneinkünften dafür bestimmten Gelder gingen nicht regelmäßig ein, es mußten alle möglichen Auswege beschritten werden, um Baugelder herbeizuschaffen. 1708 wandte sich der König an die Stände. Er hob hervor, trotzdem zum Bau schon „viele Tonnen Gol­des“ angewendet worden seien, „so spühren Wir jedoch wohl, daß es Uns damit in die Länge zu schwer fallen wird und daß, wenn Wir weither also continuiren solten, alle zu Unserm Civil Etat gehörende Cassen darüber in confusion gerathen“. Der Umbau des Schlos­ses sei unbedingt notwendig gewesen, er fordert deshalb eine größere Summe, „da nicht aus Lust, sondern aus necessität ein solcher zur Ehre und zierde Unserer sämbtl. Lande ge­reichender Bau vor Uns, Unsere kgl. Famille und Nachkommen ausgeführt werden soll und muß“[42]. Im gleichen Jahr wird ein weiterer Betrag gefordert, „weil die Mittelmärkische Städte Cassa durch die Consumtion derer welche am hiesigen Schloß Bau arbeiten, jährlich aus Bier und Mahlziesen ein Merkliches profitieret“[43].

Eosander war vor 1707 hauptsächlich mit den Bauarbeiten an den Schlössern in der Mark beschäftigt, seine Tätigkeit am Schloßbau ist ebenso weitgehend wie die Schlüters, wenn er sich auch mehr auf Hilfskräfte verlassen zu haben scheint. Schlüter war, wie noch nach­zuweisen sein wird, nach 1707 nicht mehr am Schloßbau tätig.

Durch die zusammengetragenen wenigen Akten, die sich erhalten haben, wird deutlich, wie umfassend die außerkünstlerische Arbeit beim Schloßbau war. Ein Eingehen auf diese tech­nischen Dinge ist notwendig, um die Rolle, die Schlüter beim Innenbau, bei der Gestaltung und Ausstattung der Räume spielte, würdigen zu können. Die Darstellung läßt sich dabei für einzelne Zweige der künstlerischen Tätigkeit nicht ganz auf den Schloßbau beschränken, selbst das Eingehen auf Innungsfragen ist nicht völlig zu vermeiden. Zugleich muß die Frage gestreift werden, ob bei dem Schloßbau Eosanders, der für die technischen Erfordernisse fast völlig wie der Schlüters organisiert war, im Innenbau die gleichen Kräfte weiterver­wendet werden, oder ob mit der Änderung der künstlerischen Haltung auch die Personen der Künstler wechseln.

Für Stuckateure lassen sieh in den zwanzig Jahren von 1693 bis 1713 mit Hilfe der Berliner Kirchenbücher ungefähr 50 Namen nennen. Streicht man von diesen diejenigen Gipser, für die die Angaben nicht ausreichen, um zu entscheiden, ob sie vielleicht nur Gipsbrenner oder Handlanger waren, so bleiben doch noch ungefähr 30 Namen. Mehrere Stuckateure sind wohl in der Hauptsache mit privaten Aufträgen beschäftigt gewesen, von den Arbeiten in Privatbauten haben sich aber nur ganz geringe Reste erhalten. Die wichtigste Arbeitsmöglich­keit boten die Schloßbauten, von diesen besonders das Residenzschloß in Berlin.

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Mit dem meistgenannten Stuckateur Johann Simonetti verknüpft sich eine deutliche Vor­stellung. Es gibt mehrere Dekorationen, die von ihm ausgeführt wurden. Über seinen Lebens­gang hat van Kempen, auf den Forschungen Gallands fußend, ausführlich unterrichtet[44]. Johann Simonetti kam von Prag nach Schlesien und war hier längere Zeit tätig. In Sagan ver­heiratete er sich[45], und scheint auch später Beziehungen nach Schlesien aufrechterhalten zu haben[46]. In Brandenburg hat er lange vor Schlüter gearbeitet. Er erhält 1683 eine Be­stallung und siedelt sich 1685 auf dem Friedrichswerder an[47]. 1689 erhält er Baumate­rialien, vielleicht schon für ein zweites Haus[48]. Um die Zeit seines Eintreffens sind mehrere Stuckateure, die italienische Namen tragen, tätig. Von ihnen ist Baptista Novi für Potsdam[49], Anton Bellone, der wohl unter Johann Michael Döbel im Berliner Schloß ar­beitete[50], und Francesco Bellone[51] zu nennen. Auch ein Giovanni Carove wird erwähnt, der zusammen mit Carlo Carove später nach Schweden weiterwanderte[52]. Von deutschen Gipsern sind Heinrich Heise, Lorenz Heese und Carl Süßkoch anzuführen[53].

Zu Simonettis frühesten Arbeiten in Brandenburg gehören Stuckaturen am Mühlendamm 1686‑87 und die Mitarbeit am Kurfürstenchor im Dom 1689[54]. Van Kempen glaubte, nach den Akten verschiedene Stuckarbeiten in brandenburgischen Schlössern für ihn sichern zu können, zumal diese Arbeiten stilistisch durchaus einheitlich sind. Der Passus in dem Kontrakt von 1683, daß Simonetti die Gemächer im Herrenhaus zu Frankfurt a. O. wie die zu Schwedt und Glienicke gipsen sollte, kann aber nicht dafür herangezogen werden, ihm diese Arbeiten zu geben. 1682 war schon ein Vertrag mit einem anderen Stuckateur, Gio­vanni Battista Tornulli, geschlossen worden, in dem die fertigen Arbeiten in Schwedt und Glienicke ebenfalls genannt werden, eben als Muster, nach denen er sich bei der Ausfüh­rung zu richten habe. Ob Tornulli die Arbeiten in Schwedt und Glienicke geliefert hatte, muß dahingestellt bleiben, ebensowenig wie er ist aber Simonetti dazu gekommen, die Kon­traktarbeit in Frankfurt auszuführen. Im Herbst 1683 wird mit einem dritten Stuckateur, Jean Bellone, ein Vertrag über die Gipsarbeiten abgeschlossen[55]. Erst dieser führt die Ar­beiten durch und erhält sie bezahlt[56]. Da die Stuckaturen in Schwedt, Glienicke und Frank­furt so viel Verwandtschaft aufweisen, daß sie ohne Zwang einem Meister zugeschrieben werden konnten, und zugleich als das Werk mindestens zweier Stuckateure den Arbeiten Simonettis sehr nahestehen, zeigt sich, wie allgemein und gleichmäßig das Formengut des Laubwerkes von verschiedenen Meistern gehandhabt werden konnte. Es ist hieraus der Schluß zu ziehen, daß der Baumeister Ryckwaerts in allen Fällen die entscheidenden An­gaben gegeben hat; denn daß innerhalb der natürlichen Grenzen eine gewisse Selbständig­keit möglich war, zeigt die dem Stuckateur wohl sicher allein gehörende Decke Simonettis in der Alten Börse in Leipzig, die er 1686‑87 ausführte. Simonetti ist dann von Nering zur Stuckierung verschiedener Gebäude herangezogen worden, so hat er u. a. im Schloß Barby an der Elbe gearbeitet[57].

Wenn die frühen Stuckaturen Simonettis mit denen verglichen werden, die er nach Hum­berts Angabe später unter Schlüter im Schloß ausführte, etwa die Decke der Alten Börse in Leipzig mit den Weltteilen des Rittersaales, so ist ein großer Abstand festzusteIlen. Schlüter hat natürlich die Angaben für die großen Stuckdekorationen bis in die Einzelheiten des Or­naments selbst gegeben, auch bei weitgehender Berücksichtigung der Geschicklichkeit und Entwicklungsmöglichkeit Simonettis kann die in den Schloßarbeiten zum Ausdruck kom‑

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mende Weiterbildung nicht allein das Verdienst seiner außerordentlichen Beweglichkeit sein. Die erzieherische Fähigkeit Schlüters, die hier dem Stuckateur gilt, wie bei den Zeug­hausskulpturen den Bildhauern, läßt sich in diesem Falle genauer einschätzen, zumal Simo­netti, der einzige Stuckateur, von dem eine genauere Vorstellung möglich ist, zugleich der bedeutendste der Zeit Schlüters gewesen ist. Eine Verbindung zwischen Schlüter und Simo­netti bestand schon 1698, im August dieses Jahres bat der Hofgipser den Hofbildhauer als Paten[58]. Die Akten berichten noch von Arbeiten, die Simonetti neben denen im Schloß ausführte, 1698 stuckierte er in den Räumen der Akademie und 1700 im Fürstenhaus[59]. Es wäre nicht unmöglich, daß Schlüter auch hier die Entwürfe dazu gegeben hätte.

Es ist noch hervorzuheben, daß Simonetti neben seiner Tätigkeit als Hofstuckateur umfang­reiche private Arbeiten erledigte. Die Stuckateure nahmen das Recht für sich in Anspruch, Maurerarbeiten auszuführen und versuchten ihrerseits, die Anfertigung von Stuckarbeiten durch Maurer durch einen zunftmäßigen Zusammenschluß zu verhindern und mit Hilfe von Privilegien zu unterbinden. Es führte dies zu endlosen Streitigkeiten mit den Maurern, der erste Versuch im Jahre 1689, eine Zunft der Stuckateure zu gründen, mißglückte kurz vor der Ausfertigung des Privilegs[60]. Trotzdem nutzten die Hofstuckateure ihre bevorrech­tete Stellung zu weitgehenden Eingriffen in den Arbeitsbereich der Maurerzunft aus. Simo­netti hat z. B. als Unternehmer den Bau der Werderschen Kirche durchgeführt[61]a. Er be­gnügte sich aber nicht mit der Tätigkeit in Berlin61b, sondern war außerdem anhaltisch­-zerbster Baumeister.

Es geht aus diesen Umständen deutlich hervor, daß einem Versuch des Vordringens in Einzelfragen keine primäre Bedeutung zukommt; wichtiger scheint es zu sein, den organi­satorischen Aufbau des Schloßbaubetriebes zu erkennen. Besonders ist dabei das sugestive pädagogische Talent Schlüters zu betonen, der sich um die Ausführung der Stuckarbeiten, von gelegentlichen Korrekturen auf dem Gerüst abgesehen, natürlich nicht selbst bemüht haben kann. Ein oberster Wille wirkt auf alle ausführenden Kräfte ein und schafft die Ein­heitlichkeit und Größe der Form. Selbst wenn sich dabei Unterschiede herausstellen, wenn man in der Ausführung der Gruppen der Weltteile des Rittersaals und der Stuckdekoration der Wendeltreppe eine kaum merkliche Verwelschung Schlüterscher Intention feststellen zu können glaubt[62], geben die Arbeiten doch die Absichten Schlüters im wesentlichen ge­treu wieder. Schlüter schreibt selbst einmal, daß er alle Arbeiten „zuweilen wohl zwölfmal besehen, treiben und ändern“ müsse, daß er bei Handwerkern und Künstlern an einem Tage manchmal 30 bis 40 Besuche zu erledigen habe[63], er hat sicher auch bei den Stuckarbeiten nur das gelten lassen, was ihm im Rahmen der großen Dekorationen qualitativ genügte.

Die Aufspaltung der Anteile an den Stuckdekorationen ist eine um so vergeblichere Mühe, als sie folgerichtig zu der Frage führen müßte, inwieweit die Ausführung von Simonetti eigenhändig durchgeführt wurde; ihm als einem reichen, vielbeschäftigten Meister haben zweifellos zahlreiche Hilfskräfte zur Verfügung gestanden, von denen der Stuckateur Mar­tin hervorzuheben ist[64]. Ferner sind in der Zeit Schlüters die Stuckateure Mietmann und Schultze zu nennen[65]. Neben Johann war Martino Simonetti in Berlin tätig, sicher der­selbe, der mit ihm zusammen 1668 in Prag als neuer Maurergeselle genannt wurde, wahr­scheinlich war er ein Bruder Johanns; ebenso dürfte ein dritter Stuckateur namen Do­menico Simonetti der gleichen Familie angehört haben[66].

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Ein zufällig erhaltenes Aktenblatt ist Nicolais Quelle für die Nachricht, daß die Stuckateure Antonio Scala und Nicolo Cariani (nicht Caivan) um 1701 beim Schloßbau beschäftigt waren[67]. Scala wird nur 1701 einmal erwähnt, der königliche Stuckateur Cariani läßt sich bis 1706 nachweisen, in seinen Patenlisten finden sich Bildhauer und andere Künstler, auch Beamte des Kreises um Schlüter, 1703 auch dieser selbst[68]. Wenn sich auch bestimmte Ar­beiten mit den Namen der Stuckateure nicht verknüpfen lassen, so ist doch bemerkenswert, daß die Träger Italiener gewesen sind, weil es wahrscheinlich ist, daß Cariani und Scala neben Simonetti für die Zeit Schlüters als die wichtigsten Stuckateure anzusehen sind.

Zwischen 1706 und 1708 ändert sich das Bild völlig. Dem Stilwandel mit der stärkeren Hin­neigung zu französischer Kunst, der, wie Gurlitt beobachtete, von Eosander in den Lust­schlössern, besonders in Charlottenburg vorbereitet worden war, entspricht auch ein Wech­sel der künstlerischen Kräfte. Als Eosander den Bau des Berliner Schlosses übernahm, brachte er seinen eigenen Stuckateur Martin Bolle mit, der vorher in kleinen Schlössern unter ihm gearbeitet hatte. Die Akten zeigen, daß er von 1708 bis 1713 am Schlosse be­schäftigt war, nach den Kirchenbucheintragungen zu schließen, ist er der wichtigste Stucka­teur dieser Bauzeit gewesen[69]. Simonetti zieht sich von der Schloßbauarbeit vollkommen zurück, nach Bolles Angabe, „weil er mit derjenigen neu ordinierten Arbeit, so der ietzige Pragadier [Brigadier] H. von Eosander erfunden, nicht umgehen können“. Seine Besoldung bezieht er weiter, ohne Arbeit zu leisten oder irgendwelche Verpflichtungen zu haben. Die gleichmäßige Qualität der Arbeiten aus der Zeit Friedrielis I. erklärt sich mit aus dem Um­stande, daß die wichtigsten Hofkünstler ein Gehalt hatten, um, durch Brotarbeit unbe­lastet, sich ausschließlich dem Dienst des Hofes widmen zu können. Diese Besoldungen stan­den nicht in Abhängigkeit von der zu leistenden Arbeit, ebenso wie Simonetti erhält auch Schlüter von 1707 bis 1713 sein Gehalt als Hofbildhauer weiter, ohne daß seine Dienste in entsprechendem Maße in Anspruch genommen worden wären. Bolle klagt 1712, daß der ver­mögende Simonetti die Besoldung als Hofstuckateur genieße und er nur nach dem Wochen­lohn bezahlt würde. Er behauptet, daß jener allein durch die Häuser, die er gebaut habe, über ein großes Einkommen verfüge[70]. Bolle wird daraufhin mit einer besonderen Bestal­lung, jedoch ohne Gehalt, bedacht[71].

Mehrere Stuckateure, wie z. B. Bladt, Rost, Unarth und Walter, die während der ganzen Zeit der Schloßbauleitung Schlüters und Eosanders in Berlin nachzuweisen sind, werden sich wohl mit untergeordneten Rollen begnügt haben[72]; es ist aber auffällig, daß zur Zeit Eosan­ders unter den Stuckateuren fast nur deutsche Namen erscheinen. Neben Bolle sind Hartmann, Herrler, Mundert, Schieffel und Speehr zu nennen, die untereinander Beziehungen unterhielten. Hartmann, Herrler und Speehr haben wohl unter Bolle gearbeitet[73], selb­ständige Meister waren Mundert und Schieffel[74]. Deutsche sind ferner die Stuckateure Böhme, Jobst und Kroll[75]. Nur zwei Ausnahmen sind zu erwähnen, der königliche Stuckateur Cornelius Tallista (oder Tallegathe) und der königliche Hofgipser Gotto (?)[76]. Trotz­dem ist es nicht möglich, von der Wahrscheinlichkeit eines überwiegenden Anteiles deut­scher Meister bei der Ausführung der Stuckaturen zu sprechen, weil auch Bildhauer stuk­kiert haben können.

In die Zeit um die Wende der Regierung Friedrichs I. fällt die Gründung einer Innung der Stuckateure, nach mehreren Beratungen wird das Privileg nach dem Vorschlag Eosanders

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ausgefertigt, es verschafft den Stuckateuren aber nicht die erhofften Vorteile gegen die Maurer[77]. Unter den wenigen Künstlern, die in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. in Berlin blieben, befindet sich auch Martin Bolle, der noch um 1720 gelegentlich im Schloß tätig ist[78].

Den Verhältnissen bei den Stuckateuren entsprechen ganz die bei den Bildhauern. Auch hier ist die Personenzahl sehr hoch. Für die Zeit von 1690 bis 1713 finden sich über hundert Namen. Selbst wenn von dieser Zahl diejenigen abgestrichen werden, die offen­sichtlich ohne größere Bedeutung sind, bleiben mehr als siebzig übrig. Es hat zunächst den Anschein, als ob auch hiervon noch die Mehrzahl nur unbedeutende Personen gewesen wären; die Anzahl der Gesellen kann aber nicht so groß gewesen sein, daß sie eine aus­reichende Erklärung für die Menge der Namen böte; die Steinmetzen und alle diejenigen, die die gröberen Arbeiten verrichteten, wurden nicht als Bildhauer bezeichnet. Während es bei den Malern unmöglich ist, zwischen den zunftmäßig organisierten Staffiermalern und den Kunstmalern einen Trennungsstrich zu ziehen, scheint der Beruf des Bildhauers sehr ausgeprägt gewesen zu sein. Sehr viele werden auch als königliche Bildhauer bezeichnet; wenn diesem Titel auch nur in wenigen Fällen eine Bestallung als Hofkünstler zugrunde liegt, so ist die Aussage, daß diese Künstler im königlichen Dienst tätig waren, doch beach­tenswert. Natürlich haben die Bildhauer, wie die Stuckateure, auch in privatem Auftrag ge­arbeitet, die Hofarbeit ist aber doch am wichtigsten gewesen. Wenn nur wenige Werke der Zeit erhalten sind, so zeigt dies nur an einem besonders eindrucksvollen Beispiel die Mangel­haftigkeit der Überlieferung; die Zahl der Bildhauer erscheint nicht zu hoch, wenn man bedenkt, auf wie viele Aufgaben sich ihre Tätigkeit erstreckte.

Die Bildhauer schufen nicht nur Steinskulpturen, sondern meißelten auch Dekorationen, wie etwa die Schlußsteine, Adler und viele andere Verzierungen der Schloßfassade; sie waren nicht nur am Residenzschloß, sondern auch an den vielen kleinen Schlössern in der Mark tätig. Dazu besorgten sie die Modellierung von Verzierungen für Kanonen und die Ausarbeitung von Gußwerken. Zu den Trauerdekorationen wurden viele große Figuren aus leichtem Material gebraucht, nicht wenig wurde auch in der Hofkonditorei kunstvoll model­liert; in dieser Zeit der großen Feste und Feuerwerke sind viele Dinge entstanden, die nur dem Augenblick zu dienen hatten. Die Bildhauer lieferten auch vieles für die Innenaus­stattung, so besonders figürliche und ornamentale Schnitzereien für kostbare Bilderrahmen und Möbel. Gerade diese Dinge wurden schnell verbraucht und durch neue ersetzt; nur wenige Belege haben sich erhalten[79]. Von der verschwenderischen Ausstattung des Schlosses mit Silbergeräten, denen besonders die Tätigkeit vieler Bildhauer gewidmet war, ist im Laufe der Zeit fast alles eingeschmolzen worden; das große Silberbüfett Eosanders, das übrigens nicht einmal die besten Beispiele der bildnerischen Arbeiten dieser Zeit auf­zuweisen hat, entging nur mit knapper Not diesem Schicksal[80]. Die Aufgabe des Schützens und Bewahrens war der Folgezeit keine strenge Pflicht, auch das fertige Modell der Königsstatue Hulots hat sich ja nicht erhalten können.

Von den über dreißig großen Steinskulpturen, die das Schloß Schlüters bekrönten, erhielten sich nur vier stark verwitterte Torsi, denen noch eine Mächtigkeit und Größe eigen ist, die auf Schlüter zurückgehen muß[81]. Von den noch vorhandenen Figuren über den Portalen des Hofes wußte Chodowiecki noch aus mündlicher Tradition, daß sie nach Modellen

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Schlüters entstanden waren[82], das gleiche muß für die Figuren auf der Balustrade des Schlosses angenommen werden. Von den Bildhauern, die sie ausführten, läßt sich mit Sicherheit nur Weihenmeyer nennen, der mit seiner Werkstatt am Schloßbau tätig war, nachdem er vorher unter Grünberg und Eosander im Verding Arbeiten für die Lustschlösser Oranienburg und Friedrichsthal geliefert hatte[83]. Mehrere andere Bildhauer, Glume[84], Führer, Herfert, Haidt, Koch, werden noch am Schloßbau genannt, ohne daß sich ihr An­teil, der sich ebensogut auf Steinskulpturen des Außenbaues wie auf Mitarbeit beim Innen­bau bezogen haben kann, bestimmen ließe.

Wenn auch die Aufgabe unlösbar ist, Namen und Werke dem historischen Geschehen ent­sprechend zu ordnen, so läßt sich doch ein dem Stilwandel parallel laufender Personen­wechsel noch erkennen. Die Bildhauer lassen sich in mehrere Gruppen aufteilen. Einige arbeiten vor Schlüter in Berlin, weitere sind bei seiner Ankunft zwar schon in Berlin an­wesend, sie treten aber dann völlig hinter ihn zurück, von diesen sind die wichtigsten schon genannt worden. Andere treten in der Zeit der Schloßbauleitung Schlüters auf, ohne daß sich von ihnen eine nähere Vorstellung gewinnen ließe, z. B. Christian Eben, Johann Hein­rich Günther, Johann Michael Hirn, Joseph Anton Krause, Gerhard van Rietfeld, Johann Christoph Reinboth, Paul Ritter, Georg Rodener, Elias Roßbach, Andreas Roth, Dietrich Stein und Caspar Vette[85].

Den wichtigsten Platz als Beherrscher des Heeres der Bildhauer nimmt Schlüter ein, ein äußeres Kennzeichen dafür ist, daß er mit den Angehörigen seiner Familie von über fünf­zehn Bildhauern als Pate gebeten wird[86]. Von Sapovius, Nerger, Backer, Heintzy, Her­fert, Nahl und Haidt ist bekannt, daß sie unter Schlüter arbeiteten, das gleiche ist bei Jean Bouissy, Jacob Ludwig und Johann Pausendorf für sicher zu halten[87], und bei einigen anderen, wie Johann Jacob Führer, Johann Georg Glume, Gottfried Marquardt, Friedrich Müller und Friedrich Peters anzunehmen[88]. Von diesen Bildhauern sind mehrere nach 1706 noch tätig, unter ihnen müssen sich die Schöpfer der von Boeck ausführlich behan­delten mythologischen und historischen Stuckreliefs befinden. Bei allen ist die Schulung durch Schlüter noch deutlich, wenn auch eine Wendung ins Elegante und Graziöse, ein Hinneigen, zu der von Eosander vertretenen Stilrichtung überwiegt. Die vorauszusetzenden Angaben oder Entwürfe sind sicher nicht von Schlüter, vielleicht von Eosander gegeben worden[89].

Neben Schlüter arbeiteten einige Bildhauer, die eine selbständige Stellung einnahmen, so Charpentier und Chauveau, die nur kurze Zeit in Brandenburg tätig waren, besonders aber Guillaume Hulot und Charles King[90]. In der Zeit Eosanders kommen viele neue Künstler nach Berlin. Charles Claude Dubut, ein vielgewandter Meister, der auf mehreren Gebieten der Bildhauerei Hervorragendes leistete, sogar einige der fälschlich Kolm zugeschriebenen Wachsfiguren der Kinder Sophie Dorothees modellierte[91], und Jean Eselaver, der später mit ihm in München arbeitete, sind vielleicht die wichtigsten gewesen[92]. Ihnen folgt ein langer Schattenzug von Bildhauern, einheimischen und fremden: Hans Georg Arndt, Anton Clasen, Georg Düsing, Ludwig Heyse, Friedrich Christoph Hoffmann, Maximilian Martuel, Johann Christoph Müllein, Nicolaus Perra, Johann Heinrich Rode, Schäffer, Johann Schrö­der, Johann Strunck, Jacob Andreas Töpfer, Torbisque, Antonio (oder Domenico) Ullo und Christoph Ziegler[93]. Einige von ihnen sind sicher wichtig gewesen, für manche wird es vielleicht noch einmal möglich sein, an anderen Orten ihrer Tätigkeit ihre Namen mit

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bestimmten Werken zu verknüpfen. 1713 zerstreut sich die große Schar der Bildhauer. Von den besoldeten Hofbildhauern Schlüter, Weihenmeyer, Hulot und King bleibt niemand in Stellung. Bartholomäus Damart[94] hatte nur den Titel, „der ihm sonst nichts hilfft, wenn Er die arbeit nicht am wohlfeilsten und besten macht“. Der Leiter des Schloßbaues Martin Heinrich Böhme gibt 1716, als Johann Georg Koch[95] ebenfalls um Zuerkennung des Titels Hofbildhauer bittet, diesem das Zeugnis, daß er fleißig und geschickt sei, macht aber, ganz im Geiste der neuen nüchternen Zeit den Vorschlag, „der Bestallung zu inseriren, dass Er sich anheischig macht alle reparationes die bey hoff etwa vorkommen und sich unter 5 bis 6 thlr. betragen umsonst zu verrichten“[96]. Die Anschauungen waren also gegen die der Zeit Friedrichs, in der die Hofkünstler ein Gehalt genossen, in kurzer Zeit ins Gegenteil umgeschlagen.

Neben den Stuckateuren und Bildhauern waren für die Ausstattung des Schlosses noch die Maler besonders wichtig. Die Zahl der Maler in Berlin ist unübersehbar, selbst die der Kunstmaler ist beinahe unwahrscheinlich groß; auf ihre Aufzählung, die nur die Entwick­lung, die bei den Stuckateuren und Bildhauern zu beobachten ist, bestätigen würde, kann verzichtet werden[97].

Über das Verhältnis von Schlüter und den Malern beim Schloßbau geben einige Akten Aus­kunft, von denen ein Teil schon veröffentlicht ist, ohne daß der Sachverhalt, der sich erst aus der Übersicht über das verstreute Material erschließt, genauer dargestellt worden wäre.

Die vielsagenden Dekorationen sind für die Zeit sehr wichtig gewesen, der Ausführung der Malerei kam weniger Bedeutung zu als der Inhalt. Vor allem waren die „Angaben“ wich­tig, unter denen eine Festlegung des Inhalts sowohl als auch der Grundzüge des Entwurfs verstanden werden muß. Auf das Programm der Deckengemälde im Schloß, die im Jahre 1700 hergestellt werden sollten, nahm Schlüter kraft seines Amtes als Schloßbaudirektor einen bestimmenden Einfluß. Die Maler wehrten sich dagegen, eine energische Ordre verbot ihnen aber, irgendwelche Schwierigkeiten zu machen, sie sollten die aufgetragene Arbeit im Schloß „mit höchstem Fleiß“ verfertigen. Die Unbedingtheit des Befehls, der sogar mit Einziehung des Gehaltes drohte, wurde zwei Wochen später etwas gemildert; über jeden zur Ausführung in kurfürstlichen Diensten bestimmten Entwurf sollten die Maler ein Konferenzgutachten abgeben. Im Juni 1700 machte Schlüter folgende Eingabe:

Weil es nunmehro mit den Bau des Schlosses so weit gekommen daß die Zimmer ohne Verzug müssen verfertiget werden, unter welchen der Sahl dass allernothwendigste und auf dass Künstlichste gemachet werden muss, so wird höchst nöthig seyn dass ein Befehl an die Hn. Mahler dergestalt erginge, dass allesambt soviel alss sich nur Historienmahler nennen, ein jeder besonders davon einen abriss machte, damit solche auf der Academie können examiniret werden und S. Ch. D. darvon eine rechte aussführliche relation abge­stattet werde, diese abrisse müssen aber innerhalb 4 wochen unfehlbahr fertig seyn, die maassgrösse und wass eigentlich die Historie seyn soll, will ich ihnen schrifftlich geben, auf die Weise, wie es S. Ch. D. beliebet haben.

Vor alle den andern aber müssen die dar zu Benenet werden als H. Werner, Probener, Ter­westen Lubienitzky Leugebel, wentzel und Gerke.[98]

Aus dem Schreiben geht deutlich hervor, daß Schlüter ein Programm für die Ausstattung der Räume entworfen hatte, das vom König gebilligt worden war. Vielleicht hatte Fried­rich selbst an dem Progranun einen Anteil, denn später, z. B. in Oranienburg, hat er auch eigene Angaben gegeben. Auf Schlüters Memorial erging am 30. Juni 1700 ein entsprechen‑

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der Befehl mit fast völliger Benutzung des Wortlautes. Für die Eile, mit der gearbeitet wer­den sollte, spricht die Befristung der Herstellung der Zeichnungen auf vier Wochen. Auch hieraus, wie aus allen anderen Anzeichen, die sich den Akten entnehmen lassen, ist zu schließen, daß beim Bau des Schlosses mit größter Intensität gearbeitet wurde; es ist also nicht möglich, wie z. B. Gurlitt versuchte, anzunehmen, daß für die Herstellung der Innen­ausstattung des Schlosses in der ersten Zeit der Bauführung Schlüters ältere Entwürfe maßgebend gewesen wären, die durch ihn nur ausgeführt worden wären; auch die Räume des Lustgartenflügels müssen unter Schlüters Leitung nach seinen Angaben entstanden sein.

Die Maler leisteten dem Befehle Friedrichs zunächst noch Widerstand. Aber Schlüter wußte sich durchzusetzen. Er gibt ein neues Memorial ein, in dem er feststellt, daß er sich „auf das Äußerste“ bemühe, „die Plafonds in Dero Gemächer auf das Schleunigste zu verferti­gen“, und bittet, die Maler anzuweisen, „ungesäumt und ohne allen Verzug alles das was ihnen von mir zu machen angewiesen werden wird, zu verfertigen“. Eine Ordre, die im De­zember 1700 an die Maler ergeht, entscheidet in diesem Sinne; es wird aber noch, weil die Ausmalung der Decken „schläfrig von statten gehe“ eine weitere im Februar 1701 nötig: „daß die Hofmaler bei Vermeidung I. K. M. Ungnade . . . diejenige Dessine werckstellig machen sollen, welche I. M. durch Dero Oberschlossbaumeister Schlüter Ihnen haben aufgeben lassen“[99].

In einer Bitte um einen Zuschuß zu einer Reise nach Rom verspricht der Maler Johann Friedrich Wentzel im Dezember 1699 ausdrücklich, Ostern 1700 wieder in Berlin zu sein, „gleiches der Hofbau Director Herr Schlitter umb einiges alhier auf dem Schlosse zu ver­fertigen, verlanget“[100]. Das Gesuch Wentzels geht zeitlich dem Streit Schlüters mit den Malern voraus, es zeigt, daß Schlüter schon Ende 1699 für die noch im Rohbau befind­liehen Teile des Schlosses Dispositionen traf.

Schlüter hat auch versucht, Maler von auswärts zur Ausmalung des Schlosses heranzuziehen:  

Nachdem sich ein Künstlicher fresco Mahler von Breslau zur hiesigen Schlossarbeit zu kommen willig erbothen, ümb seine probe hieselbst vor I. K. M. abzulegen, zur sicherheit seiner reise aber mit einem Königl. Paass versehen seyn will, Als wird hierdurch weil sel­biger zu hiesigen Schlossbau höchst nöthig, gehorsambst ümb einen Paass gebehten damit Nahmens franciscus Andreas Meyer mit seinen bey sich habenden Sachen und Leuthen ungehindert von Bresslau bis Berlin überkommen kan. A. Schlüter.[101]

Der Paß wurde Anfang September 1701 ausgestellt, ob der Breslauer Maler, über dessen Tätigkeit nichts bekannt ist, aber nach Berlin kam, bleibt ungewiß; von den in Berlin leben­den Malern scheinen nur Michael Probener, Daniel Lincke und Joachim Georg Rhat nähere Beziehungen zu Schlüter gehabt zu haben[102].

Die Aufgabe, Deckengemälde „zu ordiniren“, wurde, wie meist im Barock, auch in Berlin sehr ernst genommen. Wie wichtig sie in einzelnen Fällen sein konnte, läßt sich an einem instruktiven Beispiel zeigen. In Oranienburg befand sich ein Deckengemälde von Wentzel, dessen Thema nach zeitgenössischer Überlieferung Friedrich selbst bestimmt hatte, Eosander hatte die Angaben gegeben, und der Professor Wachter die Inschriften dazu ersonnen[103]. Der Inhalt der bis ins einzelne durchgeführten komplizierten Szene behandelte die Vorfahren Friedrichs und das Fürstentum Oranien. Da der König die Gesandten nicht nur in seinem Residenzschloß empfing, sondern auch auf seinen Landsitzen Audienzen gab, kommt dem Inhalt des Gemäldes deutlich eine politische Bedeutung zu.

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Für die Angaben zu den Deckengemälden scheint Schlüter keinen gelehrten Beistand be­nötigt zu haben, in der Zeit seiner Tätigkeit haben sich wohl die Gelehrten zunächst mit dem Entwerfen kunstvoller lateinischer Inschriften, die die Beherrschung der Abkürzungen römi­scher Vorbilder verraten, begnügt. Von den Gelehrten bildete sich Wachter zu einem Spezia­listen aus, der für die vielen Feste und ihre Beschreibungen allmählich unentbehrlich wurde und in der Zeit Eosanders bei fast allen künstlerischen Arbeiten mitwirkte[104]. Die Ver­ständlichkeit des Inhaltes der Kunstwerke litt je länger je mehr unter den Schwierigkeiten der Mischung von Allegorie, Symbolik und Gelehrsamkeit. Eosander schlug deshalb vor, ein Bauarchiv einzurichten, „worinnen alle Bau‑Rechnungen, Modelle, Zeichnungen undt Risse, wie auch die Beschreibungen der Allegorien in Mahlerey undt Bildthauerey, worunter das Leben und Thaten E. K. M. fürgestellet wirdt, von Jahr zu Jahr verwahrlich beygeleget, also daß man in Fall der Noth sich daselbst auß den Registern Bescheides erhohlen kann, was ein jedes Ding sey, was es bedeute. . . . Denn so dergleichen arbeit nicht noch bei Lebzeiten derjenigen welche dieselbe ordoniert undt angegeben, oder auch exequirt und verfertiget haben, vorgenommen würde, so würde denen nachkümmlingen nicht allein schwehr, sondern auch unmöglich fallen, alles zu errahten“[105].

Wie groß die Autorität Schlüters in den Fragen nicht nur der künstlerischen, sondern auch der handwerklichen Arbeiten des Innenbaues war, zeigt ein besonderer Fall. 1705 beschwer­ten sich die Tischler, daß Bildhauer, Maurer und Zimmerleute ihnen die Arbeit wegnähmen. Sie bitten, ihr Privileg durch genaue Angaben der Arbeiten, die ihnen allein zukommen, zu vervollständigen, und reichen ein entsprechendes Verzeichnis ein. v. Printzen fordert ein Gutachten von Schlüter ein, der eine lange, von dem Vorschlag der Tischler völlig unab­hängige Aufstellung macht. Sie wird wörtlich von der Lehnskanzlei übernommen und dem Privileg der Tischlerzunft eingefügt, ohne daß diese irgendwelche Abänderungsvorschläge ge­macht hätte[106].

Von den Berliner Tischlern werden mehrere als Hoftischler oder Kunsttischler bezeich­net[107], einige von ihnen scheinen nähere Beziehungen zu Schlüter gehabt zu haben[108]. Im Schloßbau haben die reichen Vertäfelungen und zahlreichen Möbel sicher viele Tischler be­schäftigt; wie genau der Schloßbaumeister die Tätigkeit jedes Künstlers und Handwerkers beobachtete, vom Stuckateur bis zum letzten Tischlerlehrling, zeigt ein kleines, gelegentlich von ihm gegebenes Gutachten:

Weiln mit Nahmen Gürge Sanfft am hiesigen Königl. Schlosse, Bau Knecht seinen Sohn in die frembde zu schicken gesonnen und bey mich ümb einen Schein seines, wohlverhal­tens ersuchet, als kan nicht ümbhin denselben solchen Lob zu geben dass er sich wehren­der Lehr Jahre treü und fleissig verhalten auch solchen geist bey ihm gefunden, welcher fähig eine Sache woll zu begreiffen, daher ihm den diese seine vorgenommene reise zur per­perfctionirung in seiner Profession wohl zustatten kommen wirdt. A. Schlüter.[109]

Die Möbel, die von Bildhauern und Tischlern hergestellt wurden[110], waren ein Teil der De­koration, sie gehörten mit zu dem Programm der Inneneinrichtung des Schlosses. Viele Stücke werden nach Schlüters Angaben und Entwürfen entstanden sein, einige erhaltene Möbel zeigen noch die Merkmale seiner Formensprache und bestätigen in der Gediegenheit der Ausführung, daß Schlüter sich um jede mit dem Schloßbau verknüpfte künstlerische Arbeit bis in die handwerklichen Einzelheiten selbst gekümmert hat[111]. Bei der beweglichen

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Ausstattung war eine strenge Einheitlichkeit allerdings nicht zu erreichen. Friedrich, der offenbar an schönen Möbeln großes Gefallen fand, und auf seinen Reisen selbst hollän­dische und englische Stücke kaufte[112], war bei den Zeitgenossen wegen der Ausstattung seiner Räume berühmt und wurde von der Kurfürstin Sophie von Hannover offen benei­det[113]. Silbermöbel aus Augsburg und Leipzig vermehrten die Pracht[114]; in Berlin arbei­tete der bedeutende Lackierer Gérard Dagly, in dessen Werkstätten ausgezeichnete Lack­möbel hergestellt wurden[115]. Mehrere Lustschlösser Friedrichs waren fast nur mit solchen Möbeln ausgestattet, eine große Anzahl befand sich auch im Berliner Schloß. Daß Schlüter auf die Tätigkeit Daglys einen Einfluß ausgeübt hat, ist kaum anzunehmen, wohl aber haben Verbindungen zwischen den beiden Künstlern bestanden[116]. 1701 wurde Schlüter befohlen, Streitigkeiten zwischen Dagly und dem Bauschreiber Jänicke, die durch eine Rechnung „von der vergüldeten Arbeit“ entstanden waren, zu untersuchen, und zugleich die Rechnung selbst zu prüfen[117]. Demnach hat Dagly in der Zeit der Schloßbauleitung Schlüters für die Aus­stattung der Räume besondere Arbeiten geliefert. Es müssen nicht unbedingt Lackmöbel ge­wesen sein, Dagly betätigte sich auch als Vergolder und war Inhaber der verschiedensten Manufakturen; nebenher ein vielseitiger Experimentator auf dem Gebiete der Chemie, der nach dem „incoruptible“, dem unzerstörbaren Stoff, suchte, und dabei die gleiche Besessen­heit zeigt wie die Mechaniker, die sich mit dem Problem des Perpetuum mobile mühten; beide Probleme, die auf das Absolute zielen, sind ebenso charakteristisch für das Denken der Zeit wie die Beschäftigung mit alchemistischen Fragen.

Bei seinen Experimenten, die den ganzen Verdienst seiner blühenden Manufakturen ver­schlangen, erzielte Dagly viele wichtige Ergebnisse. Er fand Methoden zur Gewinnung von guten Firnissen, Baustoffen, Verfahren der Metallbearbeitung, und nahm als eine bedeutende Persönlichkeit am Hofe eine Ausnahmestellung ein. Damit wird auch zu erklären sein, daß Schlüter im Jahre 1700 bemüht wird, eine Beschwerde Daglys gegen einen Maurermeister Nölisch zu untersuchen[118]. Dagly führte den Titel „Intendant des ornements“, ohne daß er aber eine bestimmende oder beeinflussende Rolle in Dekorationsfragen gespielt hätte; die Bezeichnung war lediglich ein Ehrentitel, dies bestätigt das Diplom von 1696; es wird ihm aufgetragen, er solle:

auf erfindung allerlei ornamenten von seiner profession nach wie vor fleissig bedacht sein, auf Zierrathen und Kostbahrkeiten, fleissige aufsicht haben, davon nichts abhanden kommen lassen, und wan etwass schadhafft worden, oder zu endern, von neuem zu embelliren auszuführen und zu machen. [119]

In der Bestallung des Malers Werner heißt es dagegen:

ferner soll er über alle unsere Kunstarbeit als nehmlich Zierraht an unseren Gebäuden, Tapizereyen, Bildhauereien, Goldschmiedereyen, Schreinwerckereien und anderen derglei­chen Sachen wo Ziererat erfordert wird, die Direction haben, und denen, welche daran arbeiten, mit Rat und Tat, Zeichnungen, Mustern und Scezen jedesmahl an die Hand gehen, und dahin sehen, dass alles vollständig gebührend und nach unserer intention ver­ferfiget und so viel an ihm ist, exequiert werde.[120]

Der Maler, der 1695 als Akademiedirektor von Bern nach Berlin berufen worden war, konnte           sich hier aber nicht durchsetzen, und spielte im künstlerischen Leben am Hofe eine sehr ge­ringe Rolle[121]. Die Pflichten und Rechte, von denen in der Bestallung die Rede ist, wurden von Schlüter übernommen, er hat sie nie in größerem Umfange wahrnehmen können.

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Ebensowenig wie von dem Überfluß an Silber und Möbeln läßt sich von dem sonstigen Reichtum der Einrichtungen aus den knappen Angaben der Inventare eine genügende Vor­stellung gewinnen. Auf das bewegte Geschehen in der vielgestaltigen Welt des Kunstgewerbes kann hier nicht eingegangen werden; es muß genügen, darauf hinzuweisen, daß der Arbeits­bereich Schlüters als Leiter des Schloßbaues auch dieses Gebiet mit einschloß. Kristall und Glas erhöhten den festlichen Glanz der Räume, die sächsischen Glashütten in Pretsch liefer­ten wertvolle Kronleuchter, in den Manufakturen in Brandenburg wurden große Spiegel­scheiben hergestellt, die, wie aus den Rechnungen, mit deren Prüfung auch Schlüter be­schäftigt war, zu schließen ist, in großer Zahl beim Schloßbau Verwendung fanden[122]; einige haben sich ja in den Paradekammern erhalten. Die Kunstdrechsler schufen nicht allein mit Mühe und Geduld „curieuse“ Dinge für die Kunstkammer, sondern waren auch an den Arbeiten der Innenausstattung beteiligt; von ihnen ist der Gold‑ und Silberdrechsler Johann Heinrich Fertsch zu nennen, dessen Geschicklichkeit Schlüter in einem Zeugnis besonders gelobt hatte; er wurde 1703 als Hofdrechsler bei der Schloßbauarbeit eingestellt[123]. Die Werkstatt von Pierre Mercier stellte Gobelins nach den Angaben und Entwürfen verschie­dener Künstler her, vielleicht gab Schlüter auch hier Vorlagen: Es ist auffällig, daß in einem der Befehle, die wegen des Streites zwischen Schlüter und den Malern am Schloßbau er­gingen, neben Zeichnungen für Plafonds solche für Tapeten erwähnt werden; ‑ nach Hum­bert hat auch Schlüter Entwürfe „zum Tapetenwirken“ gegeben[124].

Das Bild von Schlüters intensiver und umfassender Tätigkeit beim Schloßbau bestätigen einige Nachrichten aus der Zeit der Münzturmkatastrophe, besonders der von Dohme ver­öffentlichte Bericht Schlüters über die laufenden Arbeiten unter seiner Leitung[125], endlich noch ein Brief des Grafen Alexander von Dohna aus späterer Zeit, in dem er Schlüter bittet, ihm für die Einrichtung seines Hauses einige Zeichnungen zu senden und Entwürfe Schlüters für Decken im Berliner Schloß erwähnt[126].

Der Bau des Residenzschlosses war die Aufgabe, die das künstlerische Leben Berlins be­herrschte, nebenher aber liefen noch viele Unternehmungen, die ein bedeutendes Maß an Kraft beanspruchten, besonders die Schlösser und Häuser in der Umgebung Berlins.

Die Baulust Friedrichs I. äußerte sich in einem Planungsfieber, das durch die Bemerkungen Eosanders in seiner bereits erwähnten Verteidigung von 1716 sehr anschaulich beleuchtet wird; bald sind Zeichnungen auf den Lusthäusern liegen geblieben, bald haben sie Unbefugte an sich genommen, Kinder spielen damit, die Kammerdiener werfen bisweilen alle Risse, Bücher und Memorials, die des Königs Schreibtisch überhäuften, verzweifelt in einen Schrank.

Der Grund, daß den Bauten in der Mark ein großer Teil des finanziellen und künstlerischen Aufwandes gewidmet wurde, war die Unbeständigkeit des Herrschers, das unruhig schwei­fende, nervöse Drängen seiner Natur. Eine natürliche Steigerung erfuhr seine Rastlosigkeit durch die Unbehaglichkeit in der Residenz. In dem Schloß, an dem der große Bau im Gange war, konnte es nicht wohnlich sein126a, so war er die meiste Zeit unterwegs und mit ihm der ganze Hof. Die gesamte Verwaltung mußte ihm folgen, die meisten Unterschriften gab er in irgendeinem seiner vielen Häuser. Die Verwirrung, die durch diese Unrast in die Geschäfte getragen wurde, hemmte sie oft außerordentlich; die beweglichen Klagen derer, die oft lange Reisen machen mußten, um einen Bescheid zu erhalten, hallen auf allen Wegen. Friedrich liebte das Reisen über alles. Neben größeren Fahrten nach Preußen und Holland war er

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auch sonst dauernd unterwegs und reiste von einem Lusthaus zum andern[127]. Die Aufent­halte waren stets nur kurz, Friedrich umkreiste nimmermüde seine Residenz, meist ohne sie auf seinen Wegen zu berühren. Viele Wegebauten und manche Wasserstraßen, die er in seinen reich ausgestatteten Jachten befuhr, verdanken ihren Ursprung nur dem Wunsche, bequeme Reiseverbindungen zu schaffen.

Mehr als 25 Bauten verstreut in der Mark lassen sich zählen; sie waren keineswegs fertige, in ihrem Bestande ruhende Qartiere, auch an ihnen ist die Lust an dauernder Veränderung, am Umbau und der Steigerung ins Große, Ausgedehnte abzulesen. Eine zentrale Stelle, von der aus die Tätigkeit an den Werken geleitet worden wäre, hat es trotz Wartenbergs Oberauf­sicht nicht gegeben, zufällige Launen des Königs bestimmten meist die Arbeiten. Dies Hin und Her verhinderte die planmäßige Anwendung der ausgeworfenen Riesensummen, die nicht nur Bau und Einrichtung, besonders die verschwenderische Ausstattung mit Möbeln und Textilien, sondern auch Gärten und Wasserkünste erforderten. Meist erwuchsen dabei noch große Bauschulden, deren Abtragung die größten Schwierigkeiten machte. Die Mehr­zahl der Bauten leitete Eosander, daneben arbeiteten aber auch noch Grünberg und andere Architekten[128].

Hier ist vor allem die Frage wichtig, welchen Anteil Schlüter wohl an diesem unruhigen hastigen Leben, das die Schleunigkeit des Schloßbaues wetteifernd spiegelt, genommen haben mag.

Es gibt mehrere Anzeichen dafür, daß Schlüter schon um 1703 auch außerhalb Berlins tätig war. 1703 bat er, ihn von den Pflichten der Rechnungsführung zu entbinden, weil er mit vielen Arbeiten belastet sei; als in diesem Jahr ein Inventar über die Einrichtung der Lust­schlösser aufgenommen werden soll, wird in einem später wieder fallen gelassenen Vorschlag unter den Kommissaren, die sich dieser Aufgabe unterziehen sollten, auch Schlüter ge­nannt[129]. Im gleichen Jahr sendet der sächsische Legationssekretär Wolters Grundrisse des Residenzschlosses, die er von Schlüter erhalten hatte, nach Dresden und schreibt, daß er die der Palais auf dem Lande auch schicken werde, sobald sie fertig wären[130]. Welche Arbeiten an den Landschlössern Schlüter damals erledigt haben könnte, bleibt unklar, erst für 1705 haben sich sichere Nachrichten über seine Tätigkeit außerhalb Berlins erhalten. Anfang dieses Jahres übernimmt er die Bauleitung des Potsdamer Stadtschlosses und der umliegenden Lusthäuser Bornim, Caputh, Glienicke und Fahrland[131]. Welche Pläne Anlaß gaben, Schlü­ter hier mit heranzuziehen, läßt sich nicht feststellen; merkwürdig ist es, daß in Potsdam de Bodt und Schlüter nebeneinander arbeiten.

De Bodt war die Aufsicht über das Schloß zu Potsdam und die zugehörigen Lustschlösser Ende des Jahres 1700 übertragen worden[132]. Er muß aber die Bauleitung in Potsdam schon vorher übernommen.haben. In der ersten Zeit seiner Tätigkeit entstand das Portal nach der Stadtseite des Schlosses[133]. Für 1701 lauten die Assignationen auf große Summen, die zum Bau dieser bedeutenden Anlage gedient haben mögen[134]. Nach ihrer Vollendung scheint am Schloß selbst längere Zeit nichts gebaut worden zu sein. Die Anweisungen, die sich für die folgenden Jahre erhalten haben, waren für die Bezahlung der Schulden beim Gartenbau und zu seiner Fortsetzung bestimmt. Den Akten ist die überraschende Tatsache zu entnehmen, daß de Bodt hier als Gartenarchitekt arbeitete. 1704‑09 werden bedeutende Anstrengungen gemacht, den Gartenbau nach seinem Vorschlag und Abriß fertigzustellen[135].

[83]

Über Arbeiten Schlüters an den kleinen Schlössern hat sich nichts feststellen lassen, sicher ist nur sein Wirken in Potsdam; während de Bodt die Gartenarbeiten beaufsichtigte, wid­mete er sich dem Bau des Schlosses. Schlüter wollte in Potsdam keinen besonderen Konduk­teur halten, größere Bauarbeiten waren also wohl nicht beabsichtigt. Es ist unwahrscheinlich, daß er am Außenbau des Schlosses wichtigere Veränderungen durchführte[136], der heutige Bau, der vor dem Umbau von v. Knobelsdorff schon 1710 weitgehend verändert wurde[137] zeigt keine Spuren der Tätigkeit Schlüters.

Für sein Wirken in Potsdam zeugt nur noch die Ausstattung des Marmorsaales. Die auf ihn zurückgehende Stuckdekoration der Saalvoute ist von Borrmann nach einer Bemerkung über Arbeiten in Potsdam in einem Bericht bei den Münzturmakten auf das Jahr 1706 datiert worden[138]. Nicolai und Manger setzten sie in die Zeit von 1694/95 und bezeichneten sie als eine der ersten Arbeiten Schlüters in Berlin. Wenn sich auch annehmen ließe, daß für diese Angabe bestimmte Gründe vorgelegen haben müßten, so bleibt sie doch unkontrollier­bar. Zu einer sicheren Entscheidung der Frage, ob Schlüter vor den Zeughausskulpturen für diese Stuckdekoration Angaben geliefert haben könnte, vorzudringen, ist nicht möglich, zumal die Figuren der Dekoration stark restauriert sind[139]. Für die frühe Datierung würde sprechen, daß Bicchi bei seinem Besuche in Potsdam 1696 das Schloß allzu modern fand[140]. Diese Nachricht ist um so beachtenswerter, als Grünberg damals Bauleiter war[141]. Eine An­setzung der Arbeit auf 1706 läßt sich allerdings, wie Boeck gezeigt hat[142], mit dem all­gemeinen Bild von der Entwicklung des Bildhauers Schlüter besser in Einklang bringen; sie würde auch besser zu der bisher unbekannten Nachricht passen, daß Schlüter um diese Zeit in Potsdam über ein Jahr die Bauleitung innehatte.

Die Erwähnung von Arbeiten in Potsdam, die man bisher als Stütze der Datierung aus den Münzturmakten herangezogen hat, spricht nicht von der Stuckdekoration, sondern von Bil­derrahmen und Tischlerarbeiten[143]. Sie muß mit den bisher unbeachtet gebliebenen, reich dekorierten Rahmen der vier großen Gemälde im Marmorsaal in Zusammenhang gebracht werden (Tafel 40). Diese gewinnen als sicher nach Schlüters Entwürfen entstandene ornamentale Arbeiten durch die Datierung auf 1706 eine besondere Bedeutung. Sie sind kurz vor der Münzturmkatastrophe entstanden, die letzten nachweisbaren Arbeiten vor der großen Wende in Schlüters Leben. Die hervorragenden Stücke geben in der schwelge­rischen Freiheit ihrer Dekoration den Beweis, daß kein Grund zu der Annahme be­steht, die künstlerische Kraft Schlüters sei etwa von der sinnverwirrenden Ängsti­gung der unglücklichen Zeit letzter verzweifelter Anstrengungen beim Bau des Münzturms betroffen worden.

Vielleicht war mit den Innenarbeiten im Saale des Potsdamer Stadtschlosses das augenblick­liche Bauprogramm abgeschlossen. Mit der Münzturmkatastrophe scheint Schlüters Aufsicht über die Potsdamer Bauten von selbst erloschen zu sein.

Schlüter hatte auch zur Zeit intensivster Tätigkeit noch an Werken außerhalb Berlins An­teil, wie sich hier mit einem, nur beispielhaften Fall belegen läßt; auf einen anderen, den Bau des Freienwalder Lustschlosses, wird noch einzugehen sein.

In Potsdam und in Freienwalde war Martin Heinrich Böhme als Kondukteur tätig. Im März 1706 bat er unter Berufung auf Schlüter um eine Bestallung und feste Besoldung, seinem Gesuch fügte Schlüter das folgende Gutachten bei:

[84]

E. K. M. wollen geruhen, sich vortragen zu lassen, dass der Suplicant, mit Nahmen Böhme in seiner beygefügten Suplic alles in der Wahrheit gemäss berichtet, dass ich nehmlich ihn zu dieser und anderer auswärtigen E. K. M. Bauwesen schon über zwei Jahr her als Conducteur gebrauchen müssen, in dem der Conducteur Wagner immer kräncklich und mit den Stein‑Rechnunge, Materialien empfangen, Rechnungen durchzulegen, verferttigte Ar­beiten zu empfangen und zu attestiren seine völlige Arbeit hat, denn auch weil dieser       Böhme ein Mensch, der nicht allein treu und fleissig, sondern auch einen fähigen Geist hat, alles zu begreiffen, und von seiner Jugend an, in steter Bemühung gewesen, die Geo­metrie, Fortification, Architectur, Zeichnen, Zimmer‑ und Mauer‑Hand Werck samt andern Mechanischen Künsten, Sprachen, so zu solchem Wesen erfordert werden aus dem Grunde wohl zu erlernen. Und weil nun hieraus gewiss zu vermuthen, dass E. K. M. an diesem Menschen einen treuen, fleissigen und capablen Mann dermahleins, wann Er noch fremde            Länder besuchen sollte haben können, So zweiffele nicht, es werden E. K. M. geruhen, seine Bitte zu gewehren.       A. Schlüter.[144]

Aus dem Schreiben Schlüters geht hervor, was er zur Ausbildung eines Architekten für wich­tig hielt, neben künstlerischen und technischen Fähigkeiten wird besonders die Notwendig­ keit, fremde Sprachen zu erlernen und zu reisen, hervorgehoben.

Ein weiteres Gutachten Schlüters, das er im Jahre 1700 abgab, als Constantin Friedrich Blesendorff sich um die Stelle seines verstorbenen Bruders als Hofkupferstecher bewarb, zeigt, daß Schlüters Meinung schon früh auch in den Fragen des künstlerischen Lebens eine wichtige und ausschlaggebende Rolle spielte, die mit der Bildnerei und Architektur nur indirekt in Zusammenhang standen:

Anlangende dieses noch überbliebenen Jungen Hn. Bläsendorffs so ist derselbe Erstlich ein frommer Mensch und führet die Profession wie sein Seeliger Bruder weiln sie auch meist allezeit zusammen gearbeitet, so hat er dieselbe Kundtschafft aller Sachen, absonderlich im Etzen und Bauwercken zierlich in Perspective auf Kupffer bringen, darin ist er seinen Seeligen Hn. Bruder ein zimliches zuvorgekommen dass er S. Ch. D. bey Dero grossen Bauen einige gute Dienste Leisten kan, so viel meines wissens wäre dieses vorgedachten        Kupferstechers Hn. Bläsendorff meine unterthänigste Relation und unmassgebliche Mei­nung.   A. Schlüter.[145]

Die Familie Blesendorff war im Kreise der Berliner Künstler sehr angesehen, wie sich aus vielen Kirchenbucheintragungen entnehmen läßt, besonders enge Beziehungen sind zu den Mitarbeitern Schlüters und zu dessen Familie festzustellen, ohne daß sich Näheres ergäbe;    ebenso finden sich unter den Patenschaftsbeziehungen der Familie Schlüter mehrere Fälle, die auf eine Verbindung mit Danziger Familien hinweisen, über die erst eine gründliche Er­forschung der Danziger Kunstgeschichte jener Zeit Klarheit bringen könnte; ohne sie bleiben die Zusammenhänge undeutlich, wie überhaupt das private Leben Schlüters fast gänzlich hinter seinem Schaffen verborgen bleibt.

Während der Schloßbauleitung hat Schlüter, abgesehen von der Bewältigung der vielen nebenherlaufenden bildnerischen und architektonischen Arbeiten, sich noch einer weiteren großen Aufgabe gewidmet; er hatte lange Zeit das Amt des Direktors der Akademie der Künste inne. Für das Amtsjahr 1701‑02 war der Hofmaler Michael Probener Direktor, er starb im Dezember 1701. Die Akademie stellte in einem Schreiben an den König die Frage, ob Augustin Terwesten, der vorher Direktor gewesen war, oder Andreas Schlüter, der für das nächstfolgende Geschäftsjahr als Direktor in Aussicht genommen worden war, das verwaiste Direktorat verwalten sollte; es wurde für Schlüter entschieden. Nach Ablauf seiner eigenen

[85]

Amtszeit von 1702/03, also nach anderthalbjähriger Tätigkeit als Direktor der Akademie, wurde in einem Dekret, das Schlüters „capacität und experience in dergleichen Künsten und Wissenschaften“ rühmend hervorhebt, sein Direktorat um ein Jahr verlängert, es ist dies in der Geschichte der Akademie für diese Zeit ein völliger Ausnahmefall. Erst im Juli 1704 legte Schlüter sein Amt nieder[146].

Es ist nicht bekannt, welche besonderen Maßnahmen Schlüter als Akademiedirektor getroffen hat, es ist nur überliefert, daß während seiner Amtszeit der vorher übliche häufige Wechsel der Lehrkräfte vermieden wurde, um die Lernenden nicht zu verwirren; man könnte vermuten, daß diese Reform Schlüter zu danken war, zumal außer Leygebe zwei ihm nahe­stehende Künstler, Constantin Friedrich Blesendorff und Andreas Haidt als neue Lehrkräfte genannt werden. Ebenso läßt sich annehmen, daß der 1703 gefaßte Beschluß, für die Preis­aufgabe der Akademie kein bestimmtes Thema zu geben, sondern jedem die Wahl der ein­zureichenden Arbeit zu überlassen, auf Schlüter zurückgeht, der für sich selbst jeden Zwang ablehnte[147].

Seine Tätigkeit als Direktor der Akademie der Künste wird vornehmlich dem Ziele gegolten haben, die hier arbeitende Künstlerschaft zu einem brauchbaren Werkzeug für die bei der Hofbauarbeit erwachsenden vielfältigen Aufgaben heranzuziehen. Es haben sich fast keine Arbeiten erhalten, von denen vermutet werden könnte, daß sie bei der Akademie entstan­den[148]. Von Schlüters Zeichnungen haben sich auch nur einige fragliche, wenig bedeutende, von Boeck behandelte Blätter im Berliner Kupferstichkabinett erhalten, die vielleicht aus der Sammlung I. W. Meils stammen[149].

Von den Zeitgenossen wird Schlüter als Erfinder und Entwerfer gerühmt, besonders von Hum­bert, der 1733 zum erstenmal von Schlüter als dem „Grand Dessinateur“ spricht und in seinen späteren Werken keine Gelegenheit versäumte, auf die Bedeutung hinzuweisen, die Schlüter für die Künstler und Handwerker in Berlin gehabt hatte. 1740 begeisterte er sich für die Neugründung der Akademie der Künste und bezeichnete als den wesentlichen Nutzen eines solchen Instituts, daß die Berufe, zu deren Arbeit Vorlagen nötig wären, besonders ge­fördert würden; es wäre nur notwendig, solche Lehrer zu finden wie Schlüter, der seinerzeit viele Anregungen gegeben habe und nicht wenig dazu beigetragen habe, daß die Berliner Arbeiten geschätzt und gesucht gewesen wären. 1744 wiederholt Humbert diese Gedanken, die sich in seinem berühmten Lobspruch von 1768 zusammengefaßt finden:

So wie nun Schlüter voll von Erfindungen, und dabei sehr dienstfertig war, so half er auch gern allen Künstlern mit seinen Zeichnungen, es mochte zum Tapetenwirken oder zu Stüh­len, oder zur Goldschmiedt‑ oder Tischler oder ausgelegter Arbeit sein, und dadurch brachte er diese Stadt sehr in Aufnehmen, wie denn auch sogar die Carossen eine bessere Gestalt und Form durch ihn erlangten, so dass sie von vielen Auswärtigen ge­sucht wurden.[150]

Diese Angaben Humberts sind völlig glaubhaft, auch wenn sich nicht in allen Fällen Belege       einer Beeinflussung Schlüters der nur als Beispiele genannten Arbeiten geben lassen; auch die schon 1740 von Humbert gegebene Nachricht, daß Schlüters Einfluß sich sogar auf den Wagenbau erstreckt habe, kann ohne Zweifel hingenommen werden, ebenso wie sich einige            Prachtschlitten aus der Zeit Friedrichs I. erhalten haben, von denen sicher mit Recht an­genommen wird, daß sie nach Entwürfen Schlüters entstanden[151].

[86]

Die schwierige Frage nach der Bedeutung Schlüters als Ornamententwerfer ist noch nicht beantwortet, die Entwicklung Schlüters als Ornamentiker darzustellen, ist nur im Rahmen der Geschichte der Barockornamentik in Berlin möglich; seine ersten Arbeiten sind von den spätesten der Zeit Nerings und Eltesters nicht leicht zu trennen, und später erstreckt sich sein Einfluß sogar auf die bedeutendsten neben ihm wirkenden Künstler, wie Eosander und de Bodt. Wie nachhaltig die Einwirkung Schlüters auf die jüngeren Künstler gewesen ist, be­weisen die Arbeiten Martin Heinrich Böhmes und die Stiche Paul Deckers, wenn auch der letztere durch seine spätere Entwicklung weit von Schlüter weggeführt wurde[152]. Die orna­mentgeschichtlichen Probleme können nur in einem schrittweisen Vorgehen einer Lösung nähergebracht werden, zumal noch eine große Zahl von Einzelfragen zu klären ist; von der Inneneinrichtung der Alten Post haben sich nur Fragmente erhalten, große Aktenberge zur Geschichte der einzelnen Räume des Schlosses mit ihren zahllosen Restaurierungen harren noch der Bearbeitung[153], das stilkritische Rüstzeug allein reicht zur Lösung der Aufgabe nicht aus.

Die umfassende Tätigkeit Schlüters als Entwerfer ist gelegentlich bezweifelt worden[154]. Die Bruchstücke der Überlieferung bestätigen dagegen völlig die Auffassung Borrmanns[155], daß Schlüters Bedeutung nicht nur in den Werken seiner Hand liegt, sondern auch darin, daß er im künstlerischen Leben Berlins die gleiche Rolle spielte wie Bernini in Rom und Lebrun in Paris, er war eine jener groß angelegten Künstlerpersönlichkeiten, die zu einer leitenden Stellung berufen waren und im Bereiche der Kunst als absolute Herrscher regierten, ent­sprechend den Grundgesetzen der Lebenshaltung des Hochbarock, die sich auch im staat­lichen und wirtschaftlichen Leben deutlich ausgeprägt finden.

Mit dem Anspruch, ein König zu sein, hatte Friedrich die von den Augen Europas beobach­tete Verpflichtung zu königlichem Wesen in allen Dingen, die eine Anstrengung aller Kräfte erforderte. Die Epoche Friedrichs konnte sich nicht am Abglanz des heldischen Ruhmes der Zeit des Großen Kurfürsten friedlich sonnen, Pracht und Luxus waren nicht die Zeugnisse einer schlaffen Kultur letzter Blüte, sondern dienten der Idee der königlichen Macht. Un­verständlich falsch ist die Charakterisierung des Herrschers als eines eitlen und ein wenig einfältigen Menschen, er ist vielmehr ein aus physischer Beengtheit ruheloser, in der Wur­zel seines Wesens ewig Unzufriedener gewesen, den ein verbissener Ehrgeiz vorwärtstrieb. Die Münzturmkatastrophe ist nicht nur ein bestimmendes Ereignis im Leben Schlüters, sie ist ein sinnhaftes Geschehen, ein eindrucksvolles Symbol für die Anspannung und Überspan­nung der Menschen und der Mittel. In der Hälfte der zwanzig Jahre seines Aufenthaltes in Berlin schuf Schlüter die stolze Reihe seiner großen Werke ‑ von den Schlußsteinen des Zeughauses bis zum großen Treppenhaus des Schlosses‑ die von einer seltenen Dichtigkeit und Fülle des Ornaments, der Profile und Details bewachsen sind. Bedrängt von vielen außerkünstlerischen Pflichten, war er mit zahlreichen künstlerischen Arbeiten beschäftigt, die auch in der Ausführung die gehetzte Eile ihres Entstehens nicht erkennen lassen. Für die Intensität des Schaffens Schlüters spricht die Qualität der Werke, für die Gedrängtheit seines Wirkens die Tatsache, daß von seinem Werk eigentlich nur die letzten Ergebnisse überliefert sind, von seinem Schaffen selbst, von seinen Entwürfen und Plänen erhielt sich fast nichts.

Die atemraubende Daseinsgeschwindigkeit mußte zu einer Katastrophe führen, auch zu einer inneren, die nur noch zu ahnen ist.

 



[1]         Die Hermen von Portal V und Portal IV des Schlosses gehören, wie Boeck beobachtete (Balthasar Permoser in Berlin, Vossische Zeitung 1932, II, 18, Nr. 49), nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich, als Darstellungen der vier Jahreszeiten, zusammen. Portal IV ist also auch im Außenbau nicht völlig nach Portal V gestaltet worden, sondern die Hermen beider Portale müßten nach 1706 entstanden sein. Die Dekoration von Portal V, die vielleicht noch nicht ein­ mal völlig fertig war, scheint also in der Zeit nach Schlüters Bauleitung verändert worden zu sein, die Darstellungen des Portals auf den Stichen von Broebes und Decker weichen von der Ausführung ab. Wenn die nach 1706 geschaffenen Hermen von Permoser herrühren, so ergäbe sich ein Datum für dessen Aufenthalt in Berlin, das seinerseits neue Fragen hervorruft. Aus der Bestimmung des Alabasterreliefs in der Drap d’or Kammer auf Permoser (Boeck, Berliner Museen, Bd. 54, 1933, p. 30 ff.) würde, wenn man annimmt, daß sich Permoser nur einmal in Berlin aufhielt, der Schluß gezogen werden müssen, daß in den Paradekammern nachträgliche Umgestaltungen vorgenommen wurden. Andererseits zeigt gerade diese Arbeit sich sehr von Schlüter beeinflußt, mehr noch als die kleine Tonbüste Augusts des Starken, die E. Michalski (Balthasar Permoser, Frankfurt a. M., 1927, p. 13) als Zeugnis einer Berührung Permosers mit Schlüters Formenwelt ansieht.

[2]         Memhardt hatte schon 1688 um Reisegeld gebeten, war aber zunächst abschlägig beschieden worden:

S. Ch. D. halten dafür, daß bei itzigen Kriegstroubles Supplicant besser tue. dem Krieg zu folgen, auf er­folgten Frieden aber wollen Sie demselben verstatten, auf zwei jahr nach Italien und sonsten zu reisen. Für den ihm versprochenen Zuschuß von jährlich 300 Tlr. muß er schon 1688 die jura bezahlen. 1694 wird er ihm auf ein Jahr verlängert. Pr. G. St. A. Rep, 9 EEE.

Memhardt ist demnach zwischen 1692 und 1695 in Italien gewesen. Diese Reise ist ein deutliches Zeichen der Hin­wendung zu Italien in künstlerischen Dingen, die schon in der Zeit der Regierungswende des Großen Kurfürsten einzusetzen scheint, und auch bei anderen Künstlern zu beobachten ist, deren Schaffen nicht mehr nur aus hollän­dischen Traditionen zu erklären ist.

[3]         Die Geschichte des Schloßbaues in kurfürstlicher Zeit ist in jahrzehntelanger Arbeit durch Herrn Oberhofbaurat A. Geyer mit Hilfe eines großen, in seinem Besitz befindlichen Materials an Plänen durchforscht worden. Nach frdl. Mitteilung ist das Werk abgeschlossen und sein Erscheinen zu erwarten. Erst wenn eine genaue Vorstellung davon möglich ist, welche Gestalt das Schloß im Jahre 1698 hatte, in dem ein neuer Abschnitt der Baugeschichte begann,               werden die den Bau Schlüters betreffenden Fragen genauer beantwortet werden können.

[4]         Bis zu Hirzel 1924, p. 13, ist das Gebäude meist für ein charakteristisches Werk Nerings gehalten worden. Als dieser die Bauleitung übernimmt, muß aber der Bau schon fast fertig gewesen sein. Es geht dies aus einer Aufstellung hervor.

Specification was der Churf. Hoffbaumeister Mich. Math. Schmidts wegen ein und anderer verfertigter Arbeit an den Churf. gebewden annoch zu fohdern hat.

Was hinter die dem alhiesigen Churf. Schlosse an die Spree Noch aufgeführte Gallerey und die darinnen außerhalb Contract Verfertigte Arbeit Betrifft, so halten Commissary dafür, daß ihm wegen der gewölbten Källert, welche er auf 350 tal. anrechnet, gebühren würden         300 tal.

Wegen des von Hardtstein verfertigten Wolstes, so er auf 80 tal. Angibt        70 tal.

Vor die ümb die Fenster verfertigten Hardtsteine und daß hinter die Küche

aufgeführte gebewde austadt 450 tal.                                                                     400 tal.

Vor die Fußbodens in der Obersten Gallery und denen dabey vorhandenen

beyden Cabinetten zu be­legen anstadt 100 tal.                                                       90 tal.

Vor das gantze gebewde außerhalb mit Oehlfarbe anzustreichen undt zu

marmoriren, dafür der Hoff­bawmeister                                                    180 tal.

praetendiret seind gewilliget                                                                                    160 tal.

Weilen nun der Hoffbawmeister den Fußboden in der Mittelsten Gallerey

mit Schwedischen Fließen belegen sollen,

derselbe aber nurdten von Brettern begehret und gedinget worden, also

gehen hiervon ab                                                                                                       120 tal.

Aus dem Inventar verdient ein Teil der Angaben unter der Rubrik XVIII: „An geschriebenen Büchern und andern Briefflichen Uhrkunden“ besondere Erwähnung:

Ein von Churfürst Friedrich Wilhelm Höchstseel. Gedächtnis eigenhändig unterschrieben Dessein oder Abriß der Churfürstl. Bibliothek. So dem Hn. Advocato Fisci extradiret. Grundtriß des Churfürstl. Cöllnischen Pomerantzen Hauses. Dem Hn. Advocato Fisci extradiret.

Prospect des Potsdammischen Pomerantzen Hauses nebst dem Grundtrisse. Extradiret.

Der Baw Contract mitt dem Defuncto seel. wegen des Pomerantzen Hauses vom 18. III. 1685 in originali.

Ein Prospeet des Cöllnischen Pomerantzen Hauses. Dem Hn. Advocato Fisci extradiret.

Der Baw Contraet wegen der Churfürstl. Bibliothec vom 6. IV. 1687 in originali.

Der Baw Contract des Churfürstl. Potstammischen Pomerantzenhauses vom 18. III. 1685 in originali.

Pr.G.St.A. Rep.9 BBB 18. 1692‑93.

[5]         Nering spielte schon neben Smids um 1690 eine sehr wichtige Rolle. 1690 erhielt er 1000 TIr. „zu gewissem Behuef aus den bewußten Geldern“, Pr. G. St. A. Rep. 24 KK Fasc. 2 Vol. I Rezepturkasse.

Die von Nicolai bis Hirzel vererbte Mär, daß er nur eine geringe Besoldung erhalten habe, hat schon Joseph 1895 p. 471 f. widerlegt, der Baumeister erhielt als Ingenieur ein besonderes Gehalt. Dies erhöhte sich nach dem Tode von Smids nochmals bedeutend:

Demnach S. Ch. D. dero Nering in Ansehung seiner bei dem Bauwesen in Berlin und sonst hin und wieder in höchsterwähnter S. Ch. D. Diensten habenden bemühung auch dabey beyfallende Reisen zu seinem bisherigen Gehalt von demjenigen was der ohnlengst verstorbene Baumeister Schmid bey solcher seiner Bedienung zu ge­nießen gehabt.

400 Rthlr. gnädigst zugelegt Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE.

[6]         Gurlitt 1889, p. 304. Tessin Studieresor. hg. Sirén 1914, p. 228.

[7]         Dohme 1889, p. 481; Borrmann 1889, p. 290. Sie beriefen sich auf eine Skizze Stridbecks, die aber nur die lang­same Ausführung des Bauplans beweist.

[8]         1696. VIII. 4. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14, Berlin, Schloß. Vol. II, fol. 114.

[9]         H. St. A. Dresden, Loc. 35 768. fol. 36‑38. Für freundliche Unterstützung der Nachsuche im H. St. A. ist Herrn Dir. Dr. H. Beschorner zu danken.

[10]       Broebes Tf. 46. Der Stich von Broebes Tf. 2a erhält im Zusammenhang mit den angeführten Nachrichten eine erhöhte baugeschichtliche Bedeutung, trotzdem er nicht den alten Zustand des Hofes oder den Plan dafür zeigt, sondern wohl eine von Schlüter bereits bearbeitete Variante gibt.

[11]       Gurlitt 1891, Anm. 53.

[12]       U. a. Herz 1928, p. 4, vorher Hirzel 1924, p. 4.

[13]       Darauf machten schon Dohme, 1889, p. 480, und Joseph, 1896, p. 47 f., aufmerksam. Akten zu den Baratta Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. (schon von Nicolai benutzt) und Pr. G. St. A. Rep. 9 D 2, Fasc. I, fol. 223 u. a. cf. v. Ledebur, Gesch. d. kgl. Kunstkammer 1831, p. 14. Der ältere Baratta, Johann, hatte auch die Aufsicht über die Gemälde inne, wahrscheinlich deswegen geriet er 1673 mit dem Maler Vaillant in Streit (cf. Galland 1893, p. 227). Noch 1705 beruft sich Dagly, der die „Direction über alle Dero Schildereyen“ hatte, auf seinen „Vorfahren Barath“ wegen der Bezahlung von Firniß. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14. C. Der jüngere Bruder Johanns, Franz (gest. 1700), wird von Johann Damnitz abgelöst (Br. Pr. Haus. A. Rep. 10, nr. 23), der schon vorher als Grottierer eine selbständige Stellung einge­nommen hatte. Unter seiner Leitung nahmen die Arbeiten seines Fachgebietes so großen Umfang an, daß er von mehreren Gesellen unterstützt werden mußte. Es sind viele ausführliche Berichte über durch ihn ausgeführte Arbeiten (Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE. bes. 1700) und Assignationskonzepte über bedeutende Beträge erhalten: Pr. G. St. A. Rep. 24 KK, Fasc. 2, Vol. I, 1692, Rep. 9 C 5 I, Fasc. 3, 1697, Rep. 9 CC 22, Fasc. 4, 1691, Rep. 9 D 3, Fasc. 8, 1698, Rep. 9 E 14, Fasc. 2, 1703, 1707, Rep. 21, 13‑13a, 1698, Rep. 21, 26, 1701.

          Der einzige Fall einer Zusammenarbeit, der sich zwischen Schlüter und Damnitz beobachten läßt, zeigt, daß Damnitz mit der Ausstattung des Schlosses nichts zu tun hatte (cf. Gurlitt, 1891, p. 71, Anm. 65). Auf ein von ihm eingegebenes Memorial erfolgt am 2. VIII. 1701 eine Resolution: „wegen der verfertigung der nötigen zierrathen in der allhiesigen Grotte, reparation und verbesserung der allhiesigen Wasserwercke, und anrichtung einer neuen Machine in dem Müntz­thurm“. In dem dem Memorial angeklebten Konzeptentwurfszettel ist vorgesehen: „fiat deshalb Decretum an den bau Directorem Schluyter wegen hehrgebung der hierzu verordneten Materialiis.“ Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin.

          Eine frühe nähere Bekanntschaft zwischen Schlüters und Damnitz’ Familien, auf die man nach einer Patenschaft (1696, Xl. 4. Petri. Taufvater Damnitz, Pat. u. a. Frau Schlüter) schließen möchte, kann ihren Grund nicht darin haben, daß Damnitz unter Schlüter gearbeitet hätte.

          Nachfolger von Damnitz (gest. 1706) waren seine Gesellen I. I. Gescheidt (verh. mit Katharina Dorothea Damnitz, gest. 1709) und H. S. Scholtz (verh, mit Anna Luisa Damnitz).

[14]       1699 erwähnt Tessin, daß der kurbrandenhurgische Hof „ein Ersuchen bei ihm gemacht habe“. Josephson, 1928, p. 46 ff. Die Folgerungen, die Josephson daraus für eine Beeinflussung Schlüters durch Tessin zieht, gehen zu weit. Das gleiche gilt für R. Josepheon, L’extention du style suédo‑romain, Résumées des Communications du XIII. Congrès d’Histoire de l’Art. Stockholm 1933, p. 124 f.

[15]       cf. G. Kühn, Zeitschr. f. Kunstgesch. II., 1933, p. 126 f., cf. Zeitschr. f. Kunstgesch. III., 1934, p. 202.

[16]       Er erhält „wegen einiger praesentierten Risse“ 25 Dukaten. 1698. VIII. 11. Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE.

[17]       Das bekannte Skizzenbuch Eltesters im Berliner Kupferstichkabinett mit Aufnahme verschiedener Bauten und eigenen Entwürfen reicht nicht aus, um eine klare Vorstellung von dem Architekten zu gewinnen.

          Die Nachrichten über ihn (cf. Allgem. Künstlerlex. Thieme‑Becker) lassen sich vermehren. Christian Eltester, der ur­sprünglich Maler war, scheint sich erst in Rom zum Architekten ausgebildet zu haben. Für 1693 und 1694 wird dem „der Mahlerkunst obliegenden“ auf eine Bitte seines Vaters ein jährlicher Zuschuß von 200 TIr. gegeben:

          ‑ Wann er aber, um sich in seinem Studio zu perfectionieren, noch einige Zeit dort (in Rom) zu leben von nöthen hatt, und ich bey meinem wenigen Vermögen fast nicht weiß, wie ich die hierzu erforderlichen Unkosten in die länge bestehen soll, darneben vor sehr sträflich halte, seine wohlgefaßte intention zu hemmen, undt ihn in seinem angefangenen Laufe stecken zu lassen‑.

          Pr. G. St. A. Rep. 24 KK, Fasc. 3, Zahlungsanweisungen, Vol. II. Nach seiner Rückkehr scheint Eltester zumeist außerhalb Berlins zu tun gehabt zu haben. Mit Humberts Nachricht (v. Heinecken, 1768), daß er das Lustschloß Grünhof i. Pr. ge­baut habe, läßt sich eine Assignation vom 13. V. 1697 „wegen seiner preußischen Reisekosten“ in Verbindung bringen (Pr. G. St. A. Rep. 9 A 12, Fasc. 6). Er kann diesen Bau aber nur angefangen haben, denn nach seinem Tode wird in Grünhof noch lange weitergebaut (Pr. G. St. A. Rep. 7. 105. e. 1701, 1705). Am 5. VIV. 1698 werden ihm 100 TIr. „zu er­bauung eines Stalls beym Herrenhause zu Franckfurt a. O.“ gezahlt. Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 80, p. 223. Am 30. VIV. 1698 erhielt er 400 Tlr. zu einer Reise nach England geschenkt (Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE). Die Tatsache, daß er diese Reise unternommen hat, was man nach dem Hinweis des Trauergedichtes von Benjamin Neukirch (Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bisher ungedruckter Gedichte Teil VII, Frankfurt und Leipzig 1727, p. 289) wohl mit Recht für sicher hält, läßt sich nicht gut damit vereinbaren, daß Ende Januar 1699 schon der Befehl gegeben wird, dem Hofarchitekten für vier Pferde (!) das Futterkorn zu geben (Pr. G. St. A. Notiz im Kurmärki­schen Registraturbuch, 1699). Danach kann die Reise nur kurz gewesen sein. Zugleich weist die Ordre darauf hin, daß er auch nach seiner Rückkehr in der Hauptsache beim Bau der Landschlösser (z. B. in Potsdam) beschäftigt war. Eltester starb Anfang April 1700 (Eintrag in das Sterbebuch: Nicol. 12. IV. 1700). Seine Mutter erhält „in consideration derer treuen dienste, so deroselben supplicantin verstorbener Sohn geleistet“, das Gnadengehalt ungewöhnlicherweise für ein ganzes Jahr. Pr. G. St. A. Rep. 9 D 6, Fasc. 3.

[18]       Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE.

[19]       Gedruckt bei v. Klöden, 1861, p. 156 ff. nach Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 169 f.

[20]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 116.

[21]       1701. IV. 11. Pr. G. St. A. Rep. 9 EE 16.

[22]       1701. XII. 20. Pr. G. St. A. Rep. 9 EE 16.

[23]       Für freundliche Bemühung ist Herrn Stadtarchivdirektor Dr. E. Neuß zu danken. Schlüter hat das hallische Bürger­recht nicht erworben und besaß auch kein Haus in Halle. Die Steinbrüche haben wahrscheinlich nicht auf hallischem Stadtgebiet gelegen.

          Auch über die in den hallischen Akten des Pr. G. St. A. nicht selten vorkommenden Träger des Namens Spangenberg hat sich nichts ermitteln lassen.

          Die Akten des St. A. Magdeburg Rep. A 9, nr. 116, Vol. 1‑III, und nr. 117, Vol. I‑III, Acta die nacher Berlin verlangten Mühlen und Quader Steine Item die aufsuchung einiger Steinbrüche im Herzogthum Magdeburg und Anlegung gewisser Factoreyen betr. 1705‑1713, wurden durchgesehen, enthielten aber auch keinerlei Hinweise. Für freundliche Unter­stützung ist Herrn Staatsarchivdirektor Dr. Möllenberg zu danken.

[24]       Erwähnt bei H. Müller, 1896, p. 85, nach Pr. G. St. A. Rep. 9. EE 16.

[25]       Pr. G. St. A. Rep. 9. EE 16.

[26]       Der Kurfürst Joseph Clemens von Köln antwortet am 21. VII. 1700 von Bonn dem Kurfürsten, daß er die am Neckar gekauften Hartsteine nicht zollfrei durchlassen könne, weil die Rheinzölle verpfändet wären.

[27]       Erwähnt von Koenig, Bd. III, 1795, p. 132, und v. Kläden, 1861, p. 176; nach Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F, Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 180.

[28]       Memorial von Christoph Richter, 1706, 1. 5. Dem Gesuch liegt ein Gutachten Schlüters bei:

                         Nachdem Ew. Hochwohlgeb. Excellence von mir verlanget, Ein schriftl. Attest zu dieser Supplic beyzufügen, Alss bezeige hierdurch, daß dieser Mann mit Nahmen Richter sich nicht allein allezeit in I. K. M. Diensten wohl finden lassen, sondern daß ihm auch dieser Caracter welchen Er suchet, umb seine sache ferner desto besser fortzu­setzen, in seinem Lande und Heymaht sehr nöthig, und da S. K. M. geruhen wolten, ihm noch an Gelde darzu etwas reichen zu lassen, solche Königl. Gnade bey ihm nicht übel angewendet seyn wird, indem Er sich dadurch desto mehr schuldig achten wird, seine aufgetragene Function, noch besser als vorhin auszurichten und in acht zu zu nehmen.   A. Schlüter.

          Die Bestallung (ohne Besoldung) wird am 9. 1. 1706 ausgefertigt. Pr. G. St. A. Rep. 78 IV B 5. Berlin, Tit. 76.

          Eine Notiz in den Protokollbüchern bestätigt ebenfalls, wie weitgehend Schlüter von den Verwaltungsgeschäften des Bauwesens in Anspruch genommen wurde: Pr. G. St. A. Rep. 21, nr. 127. Wirklicher Geheimer Rat. 1705. III. 13. Bock bittet umb remission der pension von der Glindauschen Ziegelhütte. Es soll des Bau Directoris Schlüters Gutachten dar­über vernommen werden.

[29]       Aus dem Bericht vom 15. X. 1702, unterzeichnet von M. L. v. Printzen, Merian und Schlüter. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 176 f.

[30]       Kommissionsbericht vom 31. III. 1704. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 190.

[31]       Ein erstes Schreiben Schlüters um Befreiung von diesen Pflichten hat sich nicht erhalten, es ist von ihm in einem zweiten undatierten Memorial die Rede, das in einer ununterzeichneten Kopie bei den Schloßbauakten liegt:

          E. K. M. erinnern sich und habe deroselben schon vorhin zu erkennen gegeben welchergestalt ich bisshero mit censurierung hier vorgekommener arbeits Rechnungen und deren Behandlung beladen gewesen. Wann aber ich wegen täglich mehr zunehmenden und überheuffen ander werther Hohen Herrschafts Verrichtungen bey E. K. M. hiesigen Neuen Schloßbau und ohne oftt mahlige Hindansetz und Verhinderung derselben, obgedachte negozium ferner unmöglich über mich behalten kann. (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 185.)

          Seine Bitte um Dispensierung wird in der von v. Klöden, 1861, p. 188, veröffentlichten Order vom 26. II. 1704 genehmigt.

[32]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II. fol. 184. 1703. XI. 26.

[33]       Befehl vom 26. Xl. 1704 an v. Printzen, v. Berchem und Schlüter, die Schloßbaurechnung Jänickes für 1703 von diesem abzunehmen. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 201.

[34]       Befehl vom 29. XI. 1704 an v. Printzen und v. Bartholdi. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 200

[35]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 125 ff.

[36]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 A. Baukondukteure. 1702. V. 13.

[37]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 A. Bauschreiber. 1703. XII. 22.

[38]       1702. VIII. 11. (Marien). Taufvater Peter Jänicke, Bauschreiber. Pat. Andreas Schlüter.

          1705. VIV. 20. (Doroth.). Taufvater Nathanaei v. Leyen. Pat. Frau Schlüter.

          1702. VI. 15. (Dom). Taufvater Nicolaus Butendach, Holzschreiber. Pat. A. Schlüter.

          1699. XII. 16. (Marien). Taufvater Johann Wilhelm Lehmann, Hofpolier. Pat. A. Schlüter.

          1705. V. 8. (Petri). Taufvater Johann Schütze, Schloßdiener. Pat. A. Schlüter.

          1702. Xl. 16. (Fried. Werd.). Taufvater Johann Wallian, ein Laquay. Pat. Jfr. Schlüter.

          1701. III. 28. (Marien). Taufvater Johann Lange, Steinhauer. Pat. u. a. Jfr. Schlüter und Fr. Herfert.

          1702. XII. 31. (Georg). Taufvater Johann Adam Tausch, kgl. Marmorierer. Pat. A. Schlüter.

          1704. X. 30. (Nicol.). Taufvater Emanuel Albrecht, Bürger und kgl. Hofklempner. Pat. Jfr. Schlüter.

          1703. X. 17. (Jerus.). Taufvater David Trützley, Bürger und Töpfer. Pat. A. Schlüter.

          1702. XII. 8. (Nicol.). Taufvater Michael Fessemeyer von Straßburg, Glaser. Pat. A. Schlüter.

          1699. VIV. 4. (Fried. Werd.). Taufvater Christian Weißbach, Bürger und Riemer. Pat. A. Schlüter.

          1702. VI. 4. (Jerus.). Taufvater Johann Teiten, Zimmermann. Pat. A. Schlüter.

[39]       Pr. G. St. A. Rep. 9 EE.

[40]       Der Bericht der Kommission vom 21. VIV. 1700 gedruckt bei Dohme, 1876, p. 30 ff., nach Br. Pr, Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 242. Der Bericht ist das einzige Zeugnis dafür, daß die Lustgartenfront schon 1699 im Bau war. Da es in dem von Dohme nicht abgedruckten Schluß heißt, daß „dieser Riß eigentlich keinen Schaden gethan, die redressierung auch von geringer importanz ist“, ist es nicht möglich, wie Gurlitt (1891, p. 139) versuchte, aus dem Bauschaden einen Grund für ein spätes Datum der Fertigstellung des Rittersaales herzuleiten. (Trotz des Gebrauches der Gegenwart in dem Bericht ist es nicht nötig, anzunehmen, daß der Riß zur Zeit der Ausfertigung des Berichtes, die sehr lange verschleppt worden zu sein scheint, noch bestand.)

[41]       Dekret auf das Supplikat von Friedrich Wache. 1703. IV. 18. Pr. G. St. A. Rep. 9 DDD.

[42]       Schreiben vom 13. VIII. 1708. Br. Pr. Verw. A. Ständisches A. ‑ Neumark I, S I. 15.

[43]       Schreiben vom 25. VIII. 1708. Br. Pr. Verw. A. Ständisches A. ‑ C. 53 nr. 3.

[44]       Galland 1893, p. 233. W. van Kempen, Der Stuckator und Baumeister Giovanni Simonetti. Eine Vorstudie zu seiner Biographie. Anhaltische Geschichtsblätter 1925, Dessau 1925, p. 77 ff. (cf. W. van Kempen, Der Baumeister Cornelius Rueckwaert. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Brandenburgs und Anhalts im 17. Jahrhundert. Marburger Jahr­buch für Kunstwissenschaft. Bd. I, 1924.) Der Aufsatz von van Kempen gekürzt wieder abgedruckt bei A. M. Zendralli, Graubündener Baumeister und Stuckateure in deutschen Landen zur Barock‑ und Rokokozeit. Zürich 1930.        

[45]       Seine Frau heißt Euphrosinia Hoffkuntz. Daß Simonetti sich in Sagan verheiratet hat, geht aus einer Erbschaftssache hervor. Er erwirkt 1693 vom Kurfürsten ein Intercessionale an den Herzog zu Sagan wegen Erlaß der Steuer für eine Erbschaft aus dem Nachlaß seiner Schwiegereltern. Pr. G. St. A. Rep. 9 BBB 19.

[46]       1695. VIII. 25. (Fried. Werd.) Taufvater Simonetti, Pat. u. a. Oberbaudircktor Nering und Christian Höffer aus Sorau. 1704. V. 6. (Luistä.) Taufvater Georg Bieler, ein Exulant von Brieg aus Schlesien. Pat. Johann Simonetti.

[47]       Pr. G. St. A. Rep. 21. 191. b. 1685. II. 16. Gewährung einer Baustelle.

[48]       Pr. G. St. A. Rep. 9. CC. 22. Fasc. 3.

[49]       of. Nicolai, Künstler, nach Pr. G. St. A. Rep. 9, E. 16, Fasc. 1.

[50]       H. Straube 1916, p. 38. 1682 wird Döbel befohlen, Bellone nicht an seiner Reise zu hindern.

[51]       Pr. G. St. A. Rep. 9 E 20. Bürgschaftssache Leonhard Braun für Francesco Bellone.

[52]       Pr. G. St. A. Rep. 9 E 20. 1689. cf. Allgem. Künstlerlex. Thieme‑Becker.

[53]       1694. 1. 25. (Fried. Werd.). Taufvater Johann Heinrich Reise, Bürger und Gipser. Pat. Martin Walter, Bürger und Gipser. Weitere Erwähnungen Heises 1694. III. 24. (Doroth.), 1696, VIII. 9. (Fried. Werd.). 1701. V. 5. (Fried. Werd.). Lorenz Heese, Bürger und Gipser, wird erwähnt 1693. XII. 3. und 1696. VII. 10. (Fried. Werd.). Carl Süßkoch, Bürger und Gipser, erwähnt. 1697. X. 5., 1709. 1. 10. und 1711. VIII. 24. (Georg).

[54]       1686 erhält Simonetti wegen Arbeit am Mühlendamm. 230 TIr. Erwähnt bei Joseph 1896, p. 44, nach Pr. G. St. A. Heeres.‑A. Rep. 7. III. a. Bd. 68, p. 192. 1687 gibt er eine Aufstellung ein, aus der hervorgeht, daß er auch als Bau­meister und Maurer fungierte:

          Erstlich habe ich auff der seiden die 2 Parepete gantz auf Mauren lassen. 2 habe ich lassen dem Giebel mit Ein Gesimbs wie auch die 2 Grose schenrckel auf der seiten gantz in auffführen oder Mauren lassen das foder­fenster zu gemacht, das gesimbs decken lassen, die Gantze Mülle abgebutzt, alvo viel quadratur arweit darbey ist, wie alle Capiteln nebst andere frey hanndt arweit Mehr. rüstangen bretter, handlanger, rüstung Machen lassen und alles wass darzur gehört. Vor alle diesse arweit die Mauer zu bezollen wie auch meine Gesellen handlanger Mit ander Zurthat Kalck leschen zu bezollen auffs allergenaueste 150 thlr. Joh. Simonetti.

          Er erhielt am 10. VIII. 1687 140 TIr. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 D. versch. Bauten 17.‑18. Jahrh. Gen. ehem. Slg. Röden­beck, Ms. 28, fol. 3.

          1689 ist er am neuen Chor im Dom zusammen mit Johann Michael Döbel und dem Hoftischler Andreas Fricke tätig. Erwähnt bei Joseph, 1896, p. 44, nach Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7, III a, Bd. 71, 1, p. 218.

[55]       Die Angaben der Bau‑ und Kunstdenkmäler, die auf unvollständiger Kenntnis und nicht völlig richtiger Inter­pretation der Akten beruhen, sind ungenau. Kontrakt mit G. B. Tornulli, 1682. VIII. 26. Kontrakt mit J. Simonetti, 1683, III. 23. (Der Kontrakt wurde von Friedrich als Kurprinz unterschrieben.) Der Kontrakt mit Jean Bellone war am 11, Vl. 1683 schon geschlossen, es ergibt sich das aus einem an diesem Tage gegebenen Befehl, die Materialien in Frankfurt anzuschaffen. Pr. G. St. A. Rep. 51, 27. a.

[56]       Bellone erhält 1684 614 TIr. Erwähnt bei Joseph, 1896, p. 47, nach Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7, III. a, Bd. 66, p. 158.

[57]       van Kempen bezweifelt, daß Schloß Barby von Simonetti erbaut sei; Gurlitt machte (Der Bär, 1889, p. 479) darauf aufmerksam, daß nach Pitzlers Skizzenbuch Nering der Architekt des Baues gewesen ist. Man hat dort, scheint es, lange gebaut, später gehen noch Broebes und der Maler Belau nach Barby.

[58]       1698. VIII. 11. (Fried. Werd.). Taufvater Simonetti, Pat. A. Schlüter. 1700. XI. 2. (Fried. Werd.). Pat. Fr. Schlüter.

[59]       Assignation über 150 TIr. „wegen verfertigter Stucaturarbeit bey der Academie alhier“. 1698. I. 14. Pr. G. St. A. Rep. 9EEE. 1700. Chatoullcassenhuch. „Am 2. IV. dem Hoff‑Gibser Simonetti für verfertigte Arbeit im Fürstenhause 30 thlr.“ Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Kassen‑Depart. Chatoullcassensachen 7.

[60]       Pr. G. St. A. Rep. 9 E 20. 1689.

[61]a      Aus den Kirchenakten ist hervorzuheben:

          Rechnung über die Geldt Einnahme von verkaufften Stühlen in der Neuen Friedrich Werderschen Kirchen 1701 bis 1702. Logen vom Rahtstuhl. no. 2.

          Verlanget Herr Baumeister Simonetti wegen gehabter Bemühung bey den Kirchenbau gratis.

          Friedrichs Werdrische Kirchen Rechnung 1705‑1706.

          Ausgaben ahn Maurer und Handtlanger, Arbeitslohn, am Thurmhau (u. a.). an Herrn Bauw Meister Symonetty bezahlt vor die Sacrestey zu gibsen                                                   7 thlr.

          dem Herrn Bau Meister Symonetty vor Real Papier zu Zeichnungen            1 thlr.

          vor Steine vom Müntzthurm so Herr Bauw Meister Symonetti Der Kirche

          geliefert (cf. Anm. IV, 22)                                                                                       28 thlr.

          Berlin. Stadt. A. Kirchenrechnungen.

61b      über Simonettis Tätigkeit in Magdeburg cf. A, Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Diss. Leipzig, 1928, p. 31 ff. und 39.

[62]       Boeck, 1933, p. 51 f.

[63]       In Schlüters Petition vom Frühjahr 1702. Im Abdruck v. Klödens, 1861, p. 156 f., fehlt hinter dem im Text ge­gebenen Zitat der Satz: „dieses alles wehre mir zu fuß unmüglich zu tun, weil ich manchesmal in einem Tage wohl 30 bis 40 Besuchen muß.“ Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 163 f.

[64]       1696. II. 18. (Fried. Werd.). Trauung Michael Martin, Stuckator, mit Helena Spiller, Verwandte des Glasschleifers Gottfried Spiller. Martin ist bis 1709 mehrfach festzustellen (Petri, Jerus.). Unter den Paten seiner Kinder befinden sich mehrmals Angehörige der Familie Simonetti.

[65]       1701. V. 1. (Nicol.). Pat. Johann Mietmann, Bürger und Gipser; 1702. VIII. 23. (Luistä.). Taufvater; 1704: III. 30. (Luistä.). Pate; 1702. XI. 12. (Petri.). Taufvater Johann Schultze, Bürger und Gipser; 1703. Vl. 26. (Fried. Werd.). Pate; 1706. VIII. 3. (Petri). Taufvater.

[66]       Martin Simonetti, Gipser. 1700. III. 4. (Jerus.) Pat.; 1703. VIII. 14. (Petri). Taufvater, Pat. Fr. Simonetti; 1705. IV. 28. (Petri). Taufvater, Pat. Jfr. Simonetti; gest. 1707. V. 15. (Petri).

          Domenico Simonetti, Bürger und Gipser: 1706. 11. 25. (Fried. Werd.).

[67]       Nicolai, Künstler, nach Pr. G. St. A. Rep. 9 E 16. I, Fasc. I. Dem Bausshreiber wird am 16. VIV. 1701 befohlen, vom Gehalt der beiden Stuckateure einen Teil als Sicherheit wegen einer Forderung einzubehalten.     

[68]       Nicolaus Carian, kgl. Stuckateur, als Taufvater mehrmals erwähnt: 1703. Vl. 10. (Petri). Paten Fr. Herfert, A. Schlüter, Baukommiss. Jänicke, Johann Jacobi; 1705. 11. 20. (Petri). Paten j. G. Glume, Bildhauer, H. Wentzel, Hof­maler, H. Heintzy, Bildhauer; 1706. II. 17. (Petri). Paten Claude Burnet, G. G. Weihenmeyer.

[69]       Nicolais Angabe (Künstler), daß Bolle von 1702 bis 1712 am Schlosse tätig gewesen sei, ist unrichtig. 1708 wird sein Name in den Schloßbauakten zum erstenmal genannt. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. III, fol. 63‑65. Eine Auswahl der Kirchenbuchnotizen: 1704. Vl. 15. (Luistä.). Pate bei dem Gipser Johann Christoph Schieffel. 1704. XII. 25. (Luistä.). Trauung. 1705. VIV. 9. (Luistä.). Pat. Eosander. Taufvater Bolle. 1709. VIV. 10. (Luistä.). Taufvater, Paten Eosander und Ing. Nuglisch. 1711. 1. 13. (Luistä.). Pate bei dem Gipser Adam Herrler. 1711. Vl. 20. (Luistä.). Taufvater, Pat. G. G. Weihenmeyer. 1711. VI. 23. (Georg). Pate bei Speehr, Gipser. 1713. VIII. 28. (Jerus.). Taufvater, Paten Markgraf Christian Ludwig, H. Mundert, Stuckateur.

[70]       Auf die Eigenschaft Simonettis als Hausbesitzer weisen zwei Dekrete: 1703 wird dem Magistrat befohlen, „dem supplicanten eben die freyheit so seine neben Ihm auf der Brücke wohnenden nachbahrn genießen, zustatten kommen zu lassen“. Pr. G. St. A. Rep. 21, 26. 1705 wird Simonetti auf Klage eines Theologieprofessors, der sich über eine von ihm zu hoch angesetzte Rechnung beschwert hatte, befohlen, die Sachen, die er als Pfand für seine Mietsforderung einbe­halten hatte, herauszugeben. Pr. G. St. A. Rep. 21, 26.

          Das 1713 aufgesetzte wechselseitige Testament Simonettis und seiner Frau erhielt sich mit mehreren noch uneröffneten Testamenten verschiedener Künstler der Zeit beim Amtsgericht Berlin‑Mitte. Es enthält genaue Angaben über die Erb­schaftsteilung des beträchtlichen Vermögens.

          Für die Ermöglichung der Einsichtnahme ist Herrn Amtsgerichtsrat W. Michaelis zu danken.

[71]       Das bisher übersehene Supplikat Bolles, dem das oben gegebene Zitat entnommen ist, ist wichtig, weil es eindring­lich die Wende der Verhältnisse am Schloßbau zeigt, cf. Anm. III. 89. Br. Pr. Haus A. Rep. 10, 4. (Die Bestallung zum Hofstuckateur wurde am 21. III. 1712 ausgefertigt.) In dem Schreiben Bolles wird die Porzellankammer zu Oranien­burg und das Charlottenburger Schloß erwähnt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Bolle der wichtigste Stuckateur des Charlottenburger Schlosses ist, dafür spricht auch, daß er nach den Akten, die ihn erwähnen, in Charlottenburg wohnte. Er besaß hier ein Haus und ein weiteres Grundstück. 1706 erhielt er ein fünfjähriges Moratorium zum ungestörten Ausbau seines Hauses, das 1707 bestätigt wird (Pr. G. St. A. Rep. 9 y 9). 1708 wird Eosander befohlen, eine Angelegen­heit wegen eines Grundstückes, das Bolle streitig gemacht wurde, zu entscheiden. Pr. G. St. A. Rep. 9 HH 2. Um das Gleiche handelt es sich noch 1710 (Rep. 9 DDD), 1711 und 1712 (Rep. 21. 197).

[72]       Stephan Bladt, Gipser. Mehrere Male zwischen 1696 und 1708 im Kirchenbuch erwähnt (Georg).

          Jacob Rost, Bürger und Gipser. Zwischen 1703 und 1713 in den Kirchenbüchern Fried. Werd., Luistä., Georg. Heinrich Unarth, Gipser, u. a. 1703. XII. 4 (Luistä).

          Martin Walter, Bürger und Gipser. Als Pate beim Gipser Haus Heinrich Heise, 1694. I. 25. (Fried. Werd.). Seither im Kirchenbuch von Georg bis 1712 erwähnt.

[73]       Baltzer Hartmann, Bürger und Gipser. Seit 1703 mehrmals im Kirchenbuch von Luistä. erwähnt, u. a. 1707. XII. 11. als Pate bei Adam Herrler; 1708. V. 13. als Taufvater, Pat. Christoph Schieffel, kgl. Stuckator.

          Johann Adam Herrler, Gipser, 1707. XII. 11. (Luistä.) Taufvater, Paten: Johann Christoph Schieffel und Baltzer Hart­mann. 1711. I. 13. (Luistä.), Taufvater, Pat. Martin Bolle, kgl. Stuckator. Henning Speehr, Bürger und Gipser; u. a. 1711. VI. 23. (Georg). Taufvater, Pat. Martin Bolle, Hofgipser.

[74]       Johann Georg Mundert seit 1710 in den Kirchenbüchern von Doroth. und Jerus. erwähnt, u. a. 1713. VIII. 28. (Jerus.) Pate, Taufvater Martin Bolle.

          Johann Christoph Schieffel, Bürger und Gipser, später Hofgipser u. kgl. Stuckator genannt, seit 1700 in den Kirchen­büchern von Luistä. und Petri erwähnt, u. a. 1704, Vl. 15 (Luistä.), Taufvater, Paten H. Eosander, H. Bolle.

          Schieffel hat auch in Charlottenburgl vielleicht zunächst unter Bolle, stuckiert. In einem Dekret vom 17. VIV. 1707 wird er als Gipser am königlichen Bau zu Charlottenburg bezeichnet und wegen irgendeines Anliegens an Eosander verwiesen. Fr. G. St. A. Rep. 21. 197.

[75]       Baltzer Böhme, Gipser. Eintragungen 1708 und 1710 im Kirchenbuch von Doroth.

          Matthias Johst, Gipser. Eintragungen 1709 und 1710 (Georg).

          Johann Christoph Kroll, Bürger und Gipser. Taufvater: 1712. VII. 1. (Marieu), Pate 1711. IV. 26. (Luistä.).

[76]       Carolus Tallista als Pate erwähnt: 1709. VIII. 16. (Marien); als Taufvater 1712. I. 18. (Petri). „H. Gotto, kgl. Hofgipser“ als Pate erwähnt: 1713. III. 4. (Doroth.).

[77]       1711 klagten die Maurermeister, daß Maurergesellen, unter dem Vorwand, sie seien Stuckateure, die Bauausführung ganzer Häuser unternähmen und baten den Magistrat um Schutz ihres Privilegs. Eosander führt in einem Gutachten aus, es gäbe seines Wissens nirgends eine Zunft der Stuckateure, nur einzelne geschickte Arbeiter trieben diese Kunst. Diesen müsse man die Stuckarbeit auch lassen, selbst wenn sie nicht Maurer seien, die Maurerarbeit aber solle man ihnen verbieten. Pr. G. St. A. Rep. 9 LL 12.

          Unter der Führung Martin Bolles versuchten die Stuckateure dann ihrerseits, gegen die Maurer, die ihnen keinerlei Bauarbeit lassen wollten, einen Druck auszuüben. 1712 gaben sie einen Vorschlag zur Errichtung einer Zunft ein, um sich in den Genuß eines Privilegs zu setzen, das den Maurern auch die einfachsten Stuckarbeiten verbieten sollte. Die Lehnskanzlei gab die Bittschrift zur Prüfung an den Magistrat, vor dem sich Maurer und Stuckateure lange streiten. bis endlich Eosander ein Gutachten abgibt, das den Kern des Streites trifft:

          Dann so wollen die Stuccateurs wieder die Maurer und jedermann wegen aller Stuccatur Quadratur Putz oder Gips Arbeit es sey inwendig oder auswendig wann dazu Draht Rohr Nagel und Gips Kalck erfordert würde, ein ins prohibendi haben und Art. 24 der Maurer Privilegii ist die Gips und Quadratur Arbeit beyden, Maurern und Gipsern gemein verblieben. Und hierbey ist mein ohnmassgebliches Gutachten, dass man es bey dem Art. der Maurer Privilegii folglich solche Arbeit beyden Theilen gemeinsam lassen, denn es würde ein jeder Anbauende dadurch geschadet, wenn Er in ein Zimmer etwa Quadraturarbeit oder einen Sims mit Stampffwerck machen lassen, und solches von dem Maurer so guth wie von Stuccator viel wohlfeiler haben könte, Er den Maurer der in seine Arbeit stehet verlassen und so dann erst von einem Stuccator erwarten müste ob und wan Er ihn etwa einen Andern, der doch nichts mehr thun kan, wie der der es längst fertig gemacht hätte, sendet. Was aber die freye Hand Stuccatur Arbeit von Stuck, puren Gips oder auch was gegossen und verputzt werden muß betrifft, könte den Stuccatoren wohl alleine verbleiben, wie ich dann davor halte, die Maurer werden sich dessen von selbst wohl begeben.

          Im Februar 1714 wird der Lehnskanzlei der Befehl gegeben, das Privileg für die Stuckateure auszufertigen und: des von Eosander erinnerungen dabey überall in Consideration zu ziehen. Von den Stuckateuren wird zwar eingewendet, daß auch die einfachsten Gipsarbeiten ihnen allein vorbehalten bleiben müßten, ihre Vorstellung ist aber ohne Erfolg. Ende März 1714 wird das Zunftprivileg ausgestellt, das auf die besonderen Wünsche der Stuckateure keine Rücksicht nimmt. Pr. G. St. A. Rep. 78 IV B 5, Berlin 81; cf. Küster, IV, 1169, p. 278.

[78]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Schloßbaukasse, 1720‑23.

[79]       1705 wurde den Bildhauern verboten, bestellte Rahmen in besonders kostbarer Ausführung zu liefern. Müller, 1896, p. 56.

          Eine Rechnung von Johann Michael Döbel erhielt sich in einigen von Straube 1916 (cf. Anm. 1, 57) nicht benutzten Akten, in denen es sich um die Bezahlung von Forderungen handelt, die die Erben nachträglich geltend machen:

          Vor S. K. M. ist an bilt Hauer arbeit Verfertiget, wie folget. Einen Owalrahm mit frantzen trossen wor innen seiner königl. Mayestet kunterfey gekommen dar vor             6 thlr.

          Noch einen grosen fier Kantigen rahm mit frantzen trossen darein der durchl. Königin kunterfey gekommen darvor        8 thlr.

          (Pr. G. St. A. Rep. 21. 123. 1708.)            Michel Döbell.

          Viele Bilderrahmen sind von dem Bildhauer Charles King geschnitzt worden. Die von Küster, Bd. IV, 1769, p. 89, er­wähnten Rahmen der Herrscherbildnisse des Berliner Magistrates haben sich im Rathause erhalten. Von ihnen als den einzigen sicheren Arbeiten dieser Art des Bildhauers wäre auszugehen, um seinen Anteil an der vielgestaltigen Formenwelt der Rahmen in den Schlössern feststellen zu können.

          In der Chatoulrechnung 1712‑13 sind große Zahlungen für besondere Rahmen gebucht:

          Dem Goldschmiede Andrea Haydt für verfertigte Messinge übergüldete Schilderey Rähme  688 thlr.

          dito demselben für dergleichen verfertigte Schilderey‑Rähme                                                    722 thlr.

          noch dem Gold Schmiede Haydt für dergleichen Schilderey‑Rähme zu der neuen Kunst

          Gallerie                                                                                                                                                  813 thlr.

          (Pr. G. St~ A. Rep. Gen. Dir. Kassen‑Depart. Chatoulcassensachen 9.)

          Diese Messingrahmen waren nach einem besonderen Verfahren hergestellt. Eosander nimmt es in einem undatierten Memorial (cf. Anm. III, 89), das er Anfang 1711 mit der Bitte um einen Gnadenbeweis eingab, als besonderes Verdienst für sich in Anspruch:

          Die invention den Messing zu ziehen und mit einen Goldt‑Ferniss zu vergülden umb Rähme undt ander arbeit davon zu machen, ist von nicht geringer wichtigkeit, dann da durch mit wenig unkosten allerhand Ornementa kann gemacht werden, ohne so viel Ducaten Goldt zu dem Vergülden anzuwenden. (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 A, F.)

[80]       Inventare des Silberbesitzes des Schlosses veröffentlicht von P. Seidel, Der Silber‑ und Goldschatz der Hohenzollern, Berlin, s. d. Zu dem Eosanderbüfett cf. die Studie von J. Lessing, Der Silberschatz des kgl. Schlosses zu Berlin. Gesammelte Studien zur Kunstgeschichte. Eine Festgabe für Anton Springer. Leipzig 1885, p. 121 ff. H. Schmitz, 1923, p. 271, glaubte, bei einigen späten Stücken eine Einwirkung des Schlüterschen Spätstiles erkennen zu können und sieht in Einzelheiten eine Beziehung zu den Prunksärgen Schlüters. Es ist dies aber damit genügend erklärt, daß durch die Benutzung von Ornamentstichen gerade in der letzten Stufe des Hochbarock in vielen Details eine Einheitlichkeit der Formensprache erreicht worden ist, die in einigen Fällen so weit geht, daß es etwa auch nicht auf den ersten Blick möglich ist, Danziger und Augsburger Arbeiten zu unterscheiden.

[81]       Boeck, 1933, p. 66. Die erhaltenen Figuren, die einige Zeit in der Alten Münze in der Unterwasserstraße standen (Alfred v. Wolzogen, Schinkels Nachlaß, Bd. III1, 1863, p. 163), und später nach einer Bemerkung in den Akten des Ober­hofmarschallamtes von 1898 (Verw. d. St. Schlösser und Gärten, Fasc. OHMA, Schloßbau 1891‑98) auf dem Schloßbau­depotplatz in der Prinz‑Louis‑Ferdinand‑Straße, sind um 1930 von dort in den Schlütersaal der St. Museen ge­kommen. Von den Sandsteinvasen war schon 1898 nichts mehr erhalten. Die Statuen auf der Balustrade waren nicht über das ganze Schloß gleichmäßig verteilt, der Flügel an der Schloßfreiheit und der zuletzt gebaute Teil des Schlosses mit Portal II wiesen keine Bildhauerarbeiten auf. Es geht dies aus einer Planskizze des Schloßbaumeisters Bock, die er 1812 anfertigte, hervor (Verw. d. St. Schlösser u. Gärten, Fasc. Berlin, Schloßbau 1812‑15). Über der Schloßplatz­fassade waren folgende Skulpturen noch erhalten: an der Spreeseite eine Vase, über dem Erker eine Armatur, bis zum Portal I: Vase, Figur, Vase, Figur, über diesem vorn vier Figuren, links und rechts hinten je eine Vase. Auf der Lustgartenseite waren nicht alle Postamente besetzt. Folgende Skulpturen waren vorhanden: zwischen Apothekenflügel und Portal V (Postament) Vase, Figur, Vase, über Portal V Armatur, Figur, Figur, Armatur, zwischen den Portalen drei Vasen (dazwischen zwei leere Postamente), über Portal IV Armatur, Figur, Figur, Armatur, rechts daneben Arbeiten in gleicher Anordnung wie zwischen den Portalen.

          Die Armaturen (Trophäen) über Portal V waren schon 1794 „ganz nach den Alten und in demselben Geschmack“ neu angefertigt worden (Verw. d. St. Schlösser u. Gärten, Oberhofbauamt, Schloß, 1794‑99, Vol. II).

          Die Statuen waren etwas nach vorn geneigt aufgestellt, und mit starken eisernen Stangen gehalten, durch deren Ver­dübelung der Zerstörungsprozeß der Verwitterung sehr beschleunigt wurde.

          Die Ansichten J. G. Rosenbergs von 1781 geben noch eine deutliche Vorstellung von dem Statuenschmuck des Schlosses.

          1817 mußten die Statuen abgenommen werden. Schinkel setzte sich lebhaft dafür ein, daß sie durch neue ersetzt würden, ohne Erfolg zu haben (sein Gutachten gedruckt bei H. Mackowsky, Schinkel, 1922, p. 204, nach v. Wolzogen, Schinkels Nachlaß, Bd. III, p. 163. Die Akten dazu Pr. G. St. A. Rep. 89 B 125, Vol. 1). C. Seidel, 18281 p. 57, bedauert das Ver­schwinden der Figuren und betont, daß sie als Teile des Bauganzen gedacht wären.

          In dem großen Programm, das Schadow mit Rauch, Tieck und dem Schloßbauinspektor Hesse für die Beschäftigung der Berliner Bildhauer 1839 ausgearbeitet hatte (cf. Anm. I. 51), wurde darauf hingewiesen, „wie unendlich wün­schenswert es sei, dem kgl. Schlosse zu Berlin den Schmuck wiederzugeben, welcher durch die Zerstörung der Zeit demselben entzogen ist, nemlich die Statuen und Vasen, welche die balustrade des Daches zierten.“ Schadow schlug vor, neue Statuen und Vasen in Kupfer treiben zu lassen. Außerdem wurde angeregt, die leeren Felder in der Fassade von Portal III mit historischen Reliefs und allegorischen Darstellungen zu füllen. Wie Humbert (v. Hein­ecken 1768) berichtet, war Andreas Haidt (cf. Anm. III, 81 und II. 110) 1713 damit beschäftigt, Reliefs in Kupfer­treibarbeit für Portal III auszuführen, unter Friedrich Wilhelm wurde aber die Portalfassade unvollendet gelassen. Aus dem Vorschag von Schadow ist noch zu erwähnen, daß man auch über Portal III Statuen aufstellen wollte­.

          Zu denen auf den Gesimsen über den Säulen aufzustellenden Statuen könnte man, gleichsam als die Wächter des Hauses, Krieger Statuen in Kleidung und Bewaffnung verschiedener Jahrhunderte oder auch einer bestimm­ten Zeit, aufstellen. Zum Beispiel aus der Zeit des Großen Kurfürsten. Hierdurch würde auf einem neuen Wege vermieden, Gefangene oder Sclaven aufzustellen, wie dies bei den römischen Triumphtoren gebräuchlich war oder wie an ähnlichen Gebäuden der neueren Zeiten, emblematische Figuren, welche so leicht ein prahlendes Aussehen gewinnen.  (Pr. G. St. A. Rep. 89 B. VII. 85. 3.)

          1843 schlug Stüler vor, Zinkabgüsse antiker Bildwerke aufzustellen, aber auch dieser Plan mußte wieder fallen ge­lassen werden. (Verw. d. St. Schlösser u. Gärten, Fasc. Berlin, Schloßbau 1841‑44.)

          Die Figuren, die jetzt auf dem Schloß stehen, wurden erst nach der Mitte des 19. Jh. von verschiedenen Bildhauern ausgeführt.

[82]       Chodowiecki, Fragment eines Aufsatzes: „Etwas über den Verfall der Künste“. Gedruckt bei W. v. Oettingen, Daniel Chodowiecki, Berlin 1895, p. 291. Wiederabdruck H. Müller, 1896, p. 119.

[83]       Im April 1700 reicht Weihenmeyer eine Aufstellung über gelieferte Bildhauerarbeit ein, die für Oranienburg von Eosander und für Friedrichsthal vorher z. T. von Grünberg bedungen war. Er bittet die Restsumme von c. 1300 Tlr. anzuweisen, damit er eine Sandsteinlieferung aus Pirna, die er für die am Schloßbau übernommene Arbeit bestellt hatte, bezahlen könne. Er erhielt zunächst einen Teil und auf wiederholte Bitte den Rest der, Geldes (Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE).

          Weihenmeyer kaufte das zu den Bildhauerarbeiten nötige Steinmaterial selbst ein und unterhielt mit einem ansehnlichen Kapital einen bedeutenden Zwischenhandel. 1708, nach dem Tode des Hofbildhauers Herfert, bewarb er sich um dessen Stelle und Gehalt (Br. Pr. Haus, A. Rep. 20). Die Besoldung der Hofkünstler war eigentlich für diejenigen Künstler bestimmt, die man durch Zahlung des Gehaltes von allen anderen Arbeiten freihalten wollte, da­mit sie sich ausschließlich der Hofarbeit widmen könnten; Weihenmeyer verdankt seine Bestallung wohl weniger seinen künstlerischen Qualitäten, als dem Umstande, daß er ein zuverlässiger Meister war, der auch in geschäftlicher Hinsicht, besonders bei der Lieferung der Werksteine umsichtig und unentbehrlich war. Zahllose Patenschaftsnotizen geben ein anschauliches Bild von einem wohlhabenden und geselligen Mann, der besonders in dem Kreise seiner Berufsgenossen sehr beliebt gewesen zu sein scheint.

[84]       cf. Anm. IV. 31.

[85]       Christian Eben, Bildhauer, 1703 Bildhauergeselle, später Bürger und Bildhauer. Bis 1712 mehrmals nachweisbar, besonders in dem Kirchenbuch des Domes.

          Johann Heinrich Günther, u. a. erwähnt 1706. I. 20. (Petri).

          Johann Michael Hirn zwischen 1705 und 1708 mehrmals erwähnt (Luistä.).

          Joseph Anton Krause, Bildhauergeselle, später Bildhauer, zwischen 1704 und 1706 in den Kirchenbüchern von Petri und Fried. Werd. erwähnt.

          Gerhard van Rietfeld, kurfürstl. Bildhauer, heiratete 1699 die Tochter des Hofportraitmalers Clerque; gest. 1703

          Johann Christoph Reinboth, Bildhauer, seit 1693 mehrere Eintragungen in den Kirchenbüchern bis 1710 (Fried. Werd., Georg, Nicoi., Marien).

          Paul Ritter, Bildhauer. zwischen 1694 und 1710 als Bildhauer, bzw. kgl. Bildhauer nachweisbar (Nicol., Doroth., Marien).

          Georg Rodener, von 1702 bis 1711 (Nicol. und Petri) nachweisbar.

          Elias Roßbach, Bildhauer, zwischen 1704 und 1711 nachweisbar (hauptsächl. Luistä.). Dietrich Stein, Bildhauer, zwischen 1703 und 1708 (Dom).

          Caspar Vette, Bildhauer, von 1703 bis 1708 nachweisbar (Georg, Fried. Werd.).

[86]       Andreas Schlüter bzw. seine Frau oder seine Tochter werden von folgenden Bildhauern als Paten gebeten: Backer, Johann Hermann, 1699. VII. 28. (Dom); 1701. VIV. 25. (Dom).

          Brenck, Johann Georg, 1696 und 1700.

          Bouiesy, Jean, 1699, VIII. 27.; 1702. 1. 15. (Dom). Fichtner, Jacob, 1703. Xl. 15. (Nicol.).

          Fuchs, Martin, 1696 und 1702.

          Führer, Jacob, 1704. IIL 9. (Paroch.).

          Giume, Johann Georg, 1703. 11. 25. (Marien). Heintzy, Cornelius, 1706. XII. 12. (Dom).

          Ludwig, Jacob, 1704. XII. 1. (Marien).

          Marquardt, Gottfried, 1704. IV, 10. (Doroth.); 1706. III. 3. (Doroth.). Meyer, Johann Philipp, 1707. V. 11. (Fried. Werd.).

          Müller, Friedrich, 1697. III. 23. (Doroth.). Nahl, Johann Samuel, 1705. V. 29. (Nicol.). Peters, Friedrich, 1702. VIV. 1. (Doroth.). Reinboth, Johann Christoph, 1704. 11. 22. (Nicoi.). Sapovius, Christoph, 1702. XI. 2. (Doroth.).

          Spiegel, Caspar, 1696.             

[87]       Jean Bouissy, verh. mit Anna Maria Pelitier; unter den Paten befinden sich fast nur Künstler des Kreises um Schlüter.

          Jacob Ludwig, zwischen 1703 und 1705 nachweisbar (Marien, Georg).

          Jobann Pausendorf, 1702. VII. 21. (Georg). Pat. u. a. Nr. D. Spangenberg und die Frau des Bildhauers Peters.

[88]       Johann Jacob Führer; zwischen 1700 und 1712 nachweisbar (bes. Dom, Paroch.), 1701 erhielt er von der Fried. Werd. Gemeinde 30 Tlr. für: verfertigte Arbeit an der Cantzell (Kirchenrechnung), während Weihenmeyer es sich leisten konnte, die von ihm gleichzeitig angefertigte Arbeit an der Kanzel der Kirche zu schenken (Berlin, Stadt. A. Kirchenrechnungen. Fried. Werd. 1701‑02.). Johann Georg Glume, Bildhauer, zwischen 1701 und 1713 ist seine Anwesenheit in Berlin mit zahlreichen Kirchen­bucheinträgen zu belegen.

          Gottfried Marquardt, zwischen 1704 und 1707 (Doroth.). Unter den Paten befinden sich fast nur Bildhauer und deren Angehörige. Aus einem Schreiben Eosanders vom 29. V. 1713 geht hervor, daß er noch beim Schloßbau beschäftigt war. Eine von ihm verfertigte Arbeit wird bedungen und bezahlt (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin Schloß Vol. III. fol. 119).

          Friedrich Peters, zwischen 1702 und 1712 mehrere Einträge (Nicol., Doroth.).

[89]       Boeck 1933, p. 57 f. und 67 ff. (mit Abb.).

          Genaue Aussagen über die mythologischen Reliefs werden sich erst dann ermöglichen lassen, wenn die verwickelte Baugeschichte des Charlottenburger Schlosses (cf. Anm. II 21 f. und II 105) endgültig geklärt ist. Die Lösung dieser Aufgabe ist von Frln. Dr. M. Kühn zu erwarten. Die bisher geäußerten, einander widersprechenden Vermutungen haben eine völlige Verwirrung geschaffen. Boeck ist bei der Stilbestimmung der Reliefs zu sehr von der Voraus­setzung beeinflußt, daß Schlüter am Bau des Charlottenburger Schlosses beteiligt gewesen wäre.

          Es kann hier nur angedeutet werden, daß es sehr wahrscheinlich ist, daß Schlüter auch nach 1699 nichts mit dem Bau des Schlosses zu tun hatte.

          Die Nachrichten Nicolais können hier keinen Quellenwert beanspruchen. Der Baumeister, der zwischen 1699 und 1701 am Schlosse tätig war, wird von Eosander bei der Beschreibung seines Schloßbaues im Theatrum Europäum nicht genannt (Bd. 16, 1717, 1701‑03, 1703, p. 249f.). Es wird nur gesagt, daß er einen Flügel gebaut habe, der der Königin nicht gefiel. Wegen der ihr in den Mund gelegten Äußerung, daß er Bauten besser zu zeichnen verstehe als auszuführen, ist Schlüter als Architekt des Gebäudes vermutet worden, weil Eosander bei der Erwähnung des Münzturmes Schlüter in ähnlicher Weise als guten Zeichner und schlechten Baumeister charakterisiert (Theatrum Eu­ropaum, Bd. 17, 1718, 1704‑06, 1706, p. 162). Der Schluß ist nicht zwingend. Eosander hätte 1717 ebenso wie 1718 Schlüter nennen können; daß er den Namen des Baumeisters verschwieg, könnte eher darauf hindeuten, daß dieser noch lebte. Es wäre möglich, daß de Bodt den Flügel gebaut hat. Damit würde sich das Vorhandensein von Zeich­nungen des Schlosses Charlottenburg in seinem Nachlaß erklären. Zu beachten ist, daß ein Band (Dresden, Landes­biblio. Archit. 269, I.) mehrere in preußischem Maßstab entworfene, weitgehend detaillierte Grundrisse für Drei­flügelanlagen von Schlössern enthält, von denen Gurlitt vermutete (Der Bär 1890, p. 163), daß sie vielleicht zu Ver­suchen für Charlottenburg gehören.

          An der Fassade des Ostflügels konnte die Architektur des alten, früher für sich stehenden Flügels unter dem Putz nachgewiesen werden (cf. Gundlach, II. 1905, p. 235, m. Abb.). Sie zeigt keinerlei Merkmale, die für Schlüter sprächen (Rundbogige Türöffnungen),.

          Daß mehrere Räume, die aus baugeschichtlichen Gründen nach 1701 unter Eosanders Leitung ausgestaltet worden sein müssen, Schlüter zugeschrieben worden sind, beweist, daß Eosander der Formensprache Schlüters in Dekoration und Ornament gelegentlich sehr nahekam. Augenscheinlich hat auch er sich dessen mächtigen Einfluß nicht ganz ent­ziehen können.

          Die mythologischen Reliefs sind aber nicht mir wegen ihrer stilistischen Haltung und wegen der Baugeschichte des Schlosses Charlottenburg in nähere Verbindung mit Eosander zu bringen; auch andere Gründe sprechen dafür.

          Das Schlößchen Monbijou, in dem sich eine Replik des einen Reliefs befindet, ist von Eosander für Wartenberg erbaut worden. Wenn die Replik nicht viel später als das entsprechende Stück in Charlottenburg ausgeformt wurde, ergibt sich eine Datierung um 1707. (Mit Ausnahme von Borrmanns (B. K. D. 1893) auf grundstücksgeschichtlicher Grund­lage gegebenem Datum ist die Datierung des Baubeginnes in der Literatur fast durchgängig unrichtig. Der Bau entstand 1706 bis 1709, Friedrich schenkte laut einer Anweisung vom 15. X. 1706 an den Oberjägermeister das Bau­holz. Die von Eosander unterschriebenen Spezifikationen über große Nutzholzmengen laufen 1706 bis 1709. Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Forst‑Depart, Kurmark. Tit. 30. 16.)

          Durch das Relief in Monbijou erhält die Annahme, daß die Repliken im Berliner Schloß erst zur Zeit von Eosanders Bauleitung nachträglich der Ausstattung der Räume eingefügt wurden, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit; zumal auch die Nachgüsse nach den Reliefs mit religiösen Darstellungen in der Charlottenburger Schloßkapelle, die sich jetzt in dem Treppenhaus des Weißen Saales befinden, sicher schon zwischen 1706 und 1713 in das Schloß gekommen sind. (In dem Inventurbericht von 1793 werden neben den historischen Reliefs viele Medaillon geistliche und brandenburgische Geschichte vorstellend, erwähnt.)

          Eosander schreibt in einem Memorial, undat., c. Anfang 1711 (cf. Anm. III, 79) daß er: mit so vieler Mühe, Sorge und Arbeit Dero kgl. Residentz, wie auch andere Palais und Gärten aufbauet, und in denselben E. K. M. glohr­würdigstes Gedächtnis unsterblich zu machen trachtet, sowohl durch Mahlerey, Bildthauerey als auch architector undt ander inventiones (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 A F Berlin Schloß, Vol. III, fol. 105).

          Es ist freilich damit nicht gesagt, daß Eosander selbst Vorlagen gegeben hat.

          Die von Boeck 1933, p. 61, beiseite gesetzte Behauptung Nicolais, die Reliefs im Audienzzimmer der Elisabeth­wohnung seien nach Wentzel gemacht, bleibt zu beachten. Nach dem Ausscheiden Schlüters aus der Leitung des Schloßbaues (cf. Anm. IV, 6 ff., 26 b ff.) fehlt ein Künstler, der mühelos Figürliches und Ornamentales aus dem Vollen entwarf (cf. Anm. III. 150). Der neue Bauleiter Eosander muß also die Entwurfsaufgaben, soweit er sie nicht selbst erledigt (cf. Anm. III. 71), an die geeigneten Kräfte verteilen, dabei mußte ihm ein Maler wie Wentzel (cf. I, 142, 122) als Entwerfer gerade besonders für Figurenkompositionen willkommen sein. (Herr C. F. Foerster wies auf die vergleichbare Rolle Bernhard Rodes unter Friedrich Wilhelm II. hin.)

          Über die Arbeitsweise gibt eine (bereits von Borrmann B. K. D. 1893 erwähnte) Order vom 26, XI. 1710 einige Aufschlüsse:

          Nachdem S. K. M. gerühmet worden, wie dero Hoff Raht von Sanrath in der antiquität und Zeichenkunst gutte wissenschafft erworben und capabel sey diejenige Basrelieff, weiche sonst von denen Mahlern componiret worden, zu zeichnen und denen Bildthauern damit an die Handt zu gehen, welche bey dem alhiesigen Schlosse auch andern Gebäuden nöthig erfordert werden, Und dann S. K. M. wollen, daß derselbe unter der Direc­tion von dero Obristen und Ersten Bau Directoris des von Eosanders darzu mit Emploiret werden und dafür jährl. aus denen Bau Geldern ad interim und biss sich ein ander Fonds ereignet, 500 thlr. haben soll, Alss Befehlen Sie Dero Bau Commissarie Jänicken hiermit .. . (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F Berlin Schloß III.) Nach dem Inhalt des Aktenstückes ist es nicht unwahrscheinlich, daß v. Sanrath (cf. Anm. III, 104) für den gelehrten Inhalt der historischen Reliefs verantwortlich gemacht werden darf. Damit ergäbe sich für die Reliefs eine Datierung in die Spätzeit der Regierung Friedrichs I. Vielleicht standen die historischen Reliefs im Verbande eines grüßen Pro­grammes in Zusammenhang mit den Kupfertreibarbeiten für die Außendekoration von Portal III, mit deren Ausführung Andreas Haidt beschäftigt war, cf. Anm. III, 81, und II, 110.

          Zu den historischen Reliefs geben weitere Deutungsvorschläge: Rumpf, Beschreibung von Berlin und Potsdam, 4. A., 1823, p. 211 f.; Schasler, Berlins Kunstschätze, Bd. II, 1856, p. 181; Maercker, Die Hohenzollernstandbilder in Preußen, Preuß. Staatsanzeiger, 1868, p. 31; cf. Anm. III, 105.

          Der von Borrmann erwähnte Inventurhericht befindet sich jetzt: Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, 1793, fol. 250 ff.

[90]       Renée Charpentier war wie G. Hulot unter de Bodt beschäftigt und arbeitete in Potsdam.

          Renée Chauveau war kurze Zeit in Niederschönhausen unter Eosander tätig (cf. Allgem. Künstlerlex. Thieme‑Becker und Josephson, 1928, p. 49).

          Dem Bildhauer Charles King sind gelegentlich die Supraporten der Paradekammern des Schlosses und die Haupttür des Rittersaales zugewiesen worden. Die figürlichen und ornamentalen Holzschnitzereien im Schloß, wie auch in der Alten Post, sind wahrscheinlich aber von unter Schlüter arbeitenden Danziger Meistern geschaffen worden. Von King sind vor 1706 wohl nur einzelne Stücke in das Berliner Schloß gekommen. Für ihn sind die „künstlichen“ naturalistischen Ar­beiten im Kunstkammergeschmack bezeichnend, sein Hauptwerk war das untergegangene Kaminstück im Konferenz­zimmer der Akademie der Künste, von dem sich eine anschauliche Beschreibung erhalten hat (Müller, 1896, nach Pr. St. B. Slg. Koenig, Ma. Boruss. 714).

          In die Bestallung Kings wurde auf den ausdrücklichen, in zwei Schreiben geäußerten Wunsch Eosanders der Passus eingesetzt:

          derer Ihm vorgesetzten und insonderheit Unseres p. Eosanders geheiss, an welchen er hierdurch specialiter ver­wiesen wird, desfals nachzuleben.

          In ihr wird besonders das Schloß Oranienburg als der Ort seiner Tätigkeit genannt (Die Bestallung Kings von 1703 und die zugehörigen Akten Br. Pr. Haus. A. Rep. 20).

          King wohnte mehrere Jahre in Oranienburg. Er erhielt 1704 zu „seiner eigenen und seiner Gesellen logirung zu Oranien­burg Jährl. 100 thlr Haussmiethe“.

          Später hat er in Charlottenburg eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet, ebenso wie er unter Eosander und Böhme dann auch im Berliner Schloß beschäftigt war.

          1709 wird Eosander auf ein Supplikat Kings hin angewiesen, die Bildhauerarheiten an Möbeln und Bilderrahmen für die Schlösser King zuzuwenden, „damit Er nebst seinen deshalb habenden Leuthen die genüge zu arbeiten haben möge“. 1712 werden ihm einmal für ca. 40 Bilderrahmen über 500 Tlr. gezahlt (Chatoulrechnung 1712‑13, Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen‑Depart. Chatouleassensachen 9).. Einige Zahlungsnotizen finden sich auch in dem Ausgabebuch der Privatschatulle der Kronprinzessin Sophie Dorothea 1710‑13. Nach den als Belege beigegebenen Rechnungen Kings hat er Stühle ausgebessert und neue angefertigt, Bilderrahmen und Untersätze für eine Uhr u. a. hergestellt (Br. Pr. Haus. A. Rep. 46. 20. a.).

          King war auch nach 1713 noch tätig. 1721 erhält er einmal für Treppengeländerschnitzerei im Schloß 75 TIr. (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Schloßbaukasse, 1720‑23). 1729 besserte er die von ihm gearbeitete Kanzel der Schloßkapelle zu Oranienburg aus, die später nach Französisch‑Buchholz kam (Beschreibung [Ms.] und Rechnung in Br. Pr. Haus. A. Rep. 113 acc. 1932, 37, Oranienburg 1724‑34).

          Bei seiner ganz auf die Effekte kunstvoller Schnitzarbeit eingestellten Arbeitsweise kann es nicht überraschen, daß er Beziehungen zu den Kunstdrechslern hatte. Er heiratet (1706. VI. 24. Neue K.) Luise Heitz, die Tochter des kgl. Zeug­warts und Kunstdrechslers Jacob Heitz. In den Kirchenbucheinträgen wird er immer zusammen mit Kunstdrechslern genannt. Der Adreßkalender für 1710 gibt sein Logis bei seinem Schwiegervater an, später wohnte er in einem eigenen Hause.

[91]       Über Charles Claude Dubut cf. Allgem. Künstlerlex. Thieme‑Becker und Rudolf Verres, Zwei Wachsmedaillonreliefs des älteren Dubut, Der Kunstwanderer, Bd. 14, 1932, p. 323 ff.

          Von den Kinderwachsfiguren des Hohenzollernrauseums gehören ihm wahrscheinlich die Figuren, die man auf Grund genealogischer Schlüsse und auf Grund des Monogrammes einer Vitrine im Hohenzollernmuseum in neuerer Zeit fol­gendermaßen bezeichnete:

          Friedrich Wilhelm, Prinz von Oranien und Preußen (1710‑11); Friedrich Ludwig, Prinz von Oranien und Preußen (1707‑08); Charlotte Albertine, Prinzessin von Preußen (1713‑14).

          Es geht dies aus einer Rechnung Dubuts hervor, die sich als Beleg beim Ausgabebuch der Schatulle Sophie Dorothees erhalten hat:

          Auff Ihre Königl. Hoheit der Chronprincessinen Befehl habe ich noch einmahl den verstorbenen princ von uhra­ningen in wax possiren müssen. davor ist an Arbeit vor meine Persson 200 thlr.

          Er erhielt 185 Tlr. (Br. Pr. Haus. A. Rep. 46. 20. a. 1712). Danach hat Dubut eine Wiederholung der Figur des Prinzen Friedrich Wilhelm geliefert. Abbildungen der Wachsfiguren der Kinder. P. Seidel, Die Kinderbildnisse Friedrichs des Großen und seiner Geschwister, H. Z. J. B., Bd. 15, 1911, p. 22. P. Seidel, Notizen über die Beziehungen der Königin Sophie Dorothea zur bildenden Kunst, H. Z. J. B., Bd. 19, 1915, p. 228, ging an der Lösung der Frage vorbei, da er den Namen nur in der Verstümmelung der Kassenbucheintragungen kannte und daher mit einem Agenten in Verbindung brachte.

          Der von Uffenbach (hg. Scheelhorn), Bd. I, 1753, p. 58, genannte Wachsbildner Andreas Roth ist sonst nicht erwähnt, nur Ledebur, 1833, p. 291, schrieb ihm, anscheinend ohne weitere Nachrichten zu besitzen, ein aus der Kunstkammer stammendes Wachsporträt Friedrichs I. zu.

          Über die Tätigkeit des Wachspoussierers Johannes Kolm ist nichts bekannt; von den früher nach Nicolai für ihn in Anspruch genommenen Arbeiten (cf. Boeck, 1934, p. 248) gehören einige Dubut, für ihn blieben nur Wachsarbeiten aus früherer Zeit übrig.

[92]       Jean Esclaver, Bildhauer, 1712 und 1713 als Taufvater im Kirchenbuch von Jerus. verzeichnet, unter den Paten be­finden sich Angehörige der Familie Bartholomäus Damarts. Später in München, cf. M. Hauttmann, Joseph Effner, Straß­burg 1913 (Reg.).

[93]       Für die Bildhauer der Zeit Eosanders kann hier auf die Wiedergabe der den Kirchenbüchern entnommenen Belege ihres Aufenthalts in Berlin zwischen 1708 und 1713 verzichtet werden.

[94]       Über den Künstler cf. bes. Nicolai, Künstlerverzeichnis.

[95]       cf. Nicolai, Künstlerverzeichnis. Die einzelnen Künstler können auf eine bestimmte Gattung der Tätigkeit als Bild­hauer nicht festgelegt werden. Koch, der Steinskulpturen, Bronzewerke (die Sklaven zum Denkmal Friedrichs III., cf. Anm. I, 122), Marmorarbeiten (Kanzel in der Petrikirche) ausführte, hat auch Stühle, Taburetts und Bilderrahmen ge­liefert (Br. Pr. Haus. A. Rep. 46. 20. Schatulle Sophie Dorothea 1707, 1708, 1710).

[96]       Br. Pr. Haus. A. Rep. 20. 1713.

[97]       Eine Ausbreitung der zahlreichen Nachrichten zu bekannten und unbekannten Malern der Zeit aus Archivalien usw. wäre nur bei gleichzeitiger Behandlung des Gemäldebestandes der preußischen Schlösser von Nutzen.

[98]       Auf das Memorial erging die Ordre vom 30. VI. 1700.

[99]       Akten:

          26. IV. 1700 Ordre (der Inhalt setzt ein Schreiben Schlüters voraus) ungedruckt, Inhaltsangabe bei Müller 1896, p. 55.

          Das Aktenstück befand sich mit dem folgenden früher im Besitz der Akademie der Künste (nach der Notizensammlung Bratrings aus den Akten der Akademie der Künste, Br. Pr. Haus. A. Rep. 20). Sie liegen jetzt nach freundlicher Aus­kunft von Herrn Prof. Dr. A. Amersdörffer nicht mehr im Archiv der Akademie und waren im Pr. G. St. A. nicht zu ermitteln.

          7. V. 1700. Ordre (der Inhalt setzt ein Schreiben Schlüters voraus), ungedruckt, Inhaltsangabe bei Müller, 1896, p. 56.

          Die folgenden Stücke sämtlich: Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F. Berlin, Schloß, Vol. II.

          Undat. (Juni 1700) Memorial Schlüters. Nicht unterzeichnet. (Nach einer Randbemerkung von W. v. Schmettau:

          H. Schluyter hatt dis memorial gegeben.) fol. 124.

          30. Vl. 1700. Ordre auf Schlüters Memorial ungedruckt, Inhaltsangabe bei Dohme, 1876, p. 32, fol. 123.

          Undat. (November bis Dezember 1700) Memorial Schlüters. Abdruck bei v. Klöden, 1861, p. 132 f. Erwähnt bei Wallé, 1898, p. 28, und bei Boeck, 1933, p. 67. fol. 147.

          11. XII. 1700. Ordre auf Schlüters Memorial. Abdruck bei v. Klöden, 1861, p. 133. Erwähnt bei Wallé, 1893. foI. 146.

          7. II. 1701. Ordre (der Inhalt setzt einen Bericht voraus). Abdruck bei Dohme, 1876, p. 33. fol. 156.

          In den Schriftstücken werden die Maler Gericke, Leygebe, Lubieniecki, Probener, Terwesten und Wentzel genannt.

[100]      Pr. G. St. A. Rep. 76 alt III, nr. 22, fol. 10.

[101]      Pr. G. St. A. Rep. 9 EE 16. Paßkonzept vom 9. VIV. 1701.

[102]      Probener war Pate von Schlüters Sohn Gotthard. Daniel Lincke, Maler. 1703. VIII. 23. (Marien). Taufvater, unter den Paten Jfr. Schlüter. Joachim Georg Rath, Maler (Porträtmaler). 1700. VIV. 7. (Petri). Taufvater, unter den Paten Fr. Schlüter.

[103]      cf. Anm. III, 104, und IV, 57. Beschreibung des Schlosses Oranienburg. Abschrift nach in Oranienburg vererbten Abschriften einer zeitgenössischen Beschreibung (Br. Pr. Haus. A. Rep. 113 acc. 1932. 37. Oranienburg 1842).

[104]      Johann Georg Wachter, geh. Memmingen, 1673 (cf. Anm. I, 122, 170, 172 b; II, 69; III, 103; IV, 56 ff., 61). Nachdem er das Studium der Theologie in Leipzig aufgegeben hatte, war er auf gut Glück nach Berlin gereist, wo er zum refor­mierten Bekenntnis übertrat und zunächst aus der Proselytenkasse unterstützt wurde. Man schickte ihn auf eine Studien­reise nach Holland (Pr. G. St. A. Rep. 47. 25. b. 1696‑99), wollte einen reformierten Prediger aus ihm machen und ver­suchte ihm eine Professur zu verschaffen. Inzwischen lebte er von seiner bescheidenen Proselytenrente und arbeitete in der Bibliothek und in der Akademie der Künste, bis man 1705 bei den Trauerfeierlichkeiten für Sophie Charlotte seine besonderen Talente entdeckte. Seit 1707 erhielt er für seine Mitwirkung bei künstlerischen Arbeiten ein beträchtliches Gehalt (Pr. G. St. A. Rep. 9. K. lit. n. Fasc. 1). Im Staate Friedrich Wilhelms blieb nur noch wenig Arbeit für ihn. Als 1722 seine Besoldung völlig gestrichen wurde, fand er schließlich ein Unterkommen in Leipzig.

          Leben Johann Georg Wachters aus seiner eigenen Handschrift. Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste, Bd. VIV, 1. Leipzig 1763, p. 158 ff.

[105]      Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 D. Gen. 1712; ‑ ein für die Bemühung um die Inhaltsbestimmung von Arbeiten dieser Zeit sehr tröstliches Eingeständnis. cf. Anm. II, 5, und III, 89.

[106]      Auf die Supplik der Tischler ergeht der Befehl an Schlüter. Das Gutachten Schlüters vom 22. VI. 1705 lautet:

          Betreffend der Tischer ansuchen, ist auf Ew. Excellentz Befehl von mir endes unterschriebenen aufs genaueste untersuchet worbey denn befunden, dass von den Zimmerleuthen die Tischer‑Arbeit, wie die Zimmerleuthe Arbeit ohne Hindernis mit der Tischler grüssesten Schaden ist gemachet worden; da nun aber die Zimmer Leuthe vor­geben, als wissten sie nicht was Tischer Arbeit recht wehre, und was sie daran zu machen meiden solten, so habe hiebey angefüget, was eigentlich im Bau Tischer‑Arbeit sey, die den Tischern zu arbeiten allein mit recht zukommet, Nehmlich­ Eingefasste Thor‑Thüren, gedoppelte Thor‑Thüren, geleimete Thor‑Thüren oder Thorwegen, auch alle andere Thorwege so geleimet werden, sie mögen Nahmen haben wie sie wollen, auch alles was in den Gebäuen gemachet wird, an Spinde, Tische, Stühle, Schemel, Bäncke, Betten, Richelen, Schilderey‑Rähmen, Spiegel‑Rähmen, Kuffers, Kisten und Kasten, Pannäl und Verschläge, Tappet‑Leisten, in den Küchen, Spinder, Schapffe mit geschobene Gitter, die eingefaßte Regalien zu den Büchern, fenster‑Rähme, gefutterte und ungefutterte Creutze und eintzele flügel, wie auch fenster‑Bretter und fenster‑Laden, Schirmflügel und Rollen, wie auch Todten‑Sarche, Kirchen­-Stühle, und Bekleidung der Chöre, alles was von Berettern ankomt, Ehren‑Pforten und Portäle, die in Gesimsen und Brettern bestehen, Krahm‑ und Kauff‑Laden, Pannäl und Verschläge mit fächer und Schubladen, Aussetze vor den Kram‑Laden, die Wetter‑Dächer, auch Apotheken und Gewürtz Laden‑Tische und Repositorien, Item Treppen und Verkleidung, welche geleimet sind.

          Dieses sind alles Sachen, welche den Zimmer Leuthen zu machen nicht gebühren oder zukommen, worumb sie denn bitten, weil es in ihrem Privilegio noch nicht recht ausdrücklich ausgeführet, S. K. M. ihnen solches zu ihrem Privilegio noch als einen Anhang an und bey zutragen zu lassen geruhen wolle: Auch da sie vor sich selbst bey solchen Leuthen durch eigene Authorität nicht viel aussrichten können, ihnen allemahl ein Land Reiter zugegeben werden möge, solches werckstellig zu machen.             A. Schlüter.

          Ausfertigungsbefehl von v. Printzen: Expeditur die declaration über den 13ten articul nach des Schlossbau Directoris Schluters vorschlage. Pr. G. St. A. Rep. 78. IV. B. 5. Berlin. 82. Lehnkanzlei.

          In einer Supplik baten die Tischler, Schlüters Vorschlag entsprechend, noch um Verordnung an den Landreiter. den Zimmerleuten im Betretungsfall das Handwerkszeug wegzunehmen. Straube (1916, p. 53), dem die Akten der Lehns­kanzlei entgingen, ersah aus Akten über eine Untersuchung wegen einer von Johann Christoph Döbel verfertigten Arbeit, daß Schlüter eine Spezifikation der Tischlerarbeit gegeben hatte (Pr. G. St. A. Rep. 9 E 16, Fasc. I. 17, 13). Er zitiert irrtümlich für Schlüter eine Bemerkung über Arbeiten an Kanzeln und Altären; in den Akten wird ausdrücklich gesagt, daß Schlüter diese Arbeiten nicht erwähnt habe.

[107]      Daniel Müller, Kunsttischler. Seit 1693 mehrfach erwähnt. Sein Testament von 1704 erhielt sich beim Amts­gericht Berlin‑Mitte.

          Johann Träncker. Seit 1696 als Kunsttischler erwähnt. Im Adreßkalender für 1706 als Cammertischler bezeichnet. Krugküster, Hoftischler (bittet 1702 um einen Paß für Gesellen aus Hamburg. Pr. G. St. A. Rep. EE 16).

          Andreas Fricke. In den Berliner Adreßkalendern als Hoftischler bezeichnet, u. a.

[108]      1700. VI. 13. (Petri.) Hans Heinicken, Tischler, Taufvater. Pat. u. a. Andreas Schlüter. 1698. III. 2. (Nicol.) Rudolph Dehnhoff, Tischlermeister, Taufvater, Pat. u. a. Fr. Schlüter. 1702. I. 22. (Marien.) Daniel Ducquest, Tischler, Taufvater, Pat. u. a. Fr. Schlüter.

[109]      Schlüters Gutachten bei der Bitte um einen Paß nach Leipzig und anderen Orten vom 5. XI. 1701. Pr. G. St. A. Rep. 9 EE 16.

[110]      Über die Möbel der Zeit Friedrichs I. fehlen die Akten fast völlig. 1712 wurden J. G. Glume für Bildhauer­arbeit zu der „Meubel‑Cammer“ einmal 73 Tlr. gezahlt. Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen‑Depart. Chatoul­cassensachen 9. In der gleichen Rechnung wurde gebucht: Johann Georg Müller für einen mit Porzellanfließen be­legten Tisch 36 TIr. Johann Georg Steinberger für einen Schreibtisch mit Spiegelglas 90 TIr.

[111]      cf. über die von Schlüter abhängigen Möbelarbeiten: Dohme 1874, p. 65. R. Graul, Jb. d. Pr. Kunstslgen. Bd. 14, 1893, p. 129. R. Graul, Das 18. Jahrhundert, Dekoration und Mobiliar, Berlin 1905, p. 131 m. Abb. A. Feulner, Kunstgeschichte des Möbels, Berlin, 3. A., 1927, p. 374. Abbildungen mehrerer Stücke im H. Z. J. B. Bd. 4, 1900.

[112]      Möbelkäufe Friedrichs erwähnt in einem Brief der Kurfürstin Sophie von Hannover an v. Bothmer 1706 (Briefe hg. R. Doebner, Leipzig 1905, p. 236). Ein englisches Ameublement wurde 1696 mit c. 2200 Tlr. aus der Kriegskasse bezahlt. Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 78, p. 246.

[113]      de Larosière 1694 (hg. C. Schefer 1887, p. 276). Briefe der Kurfürstin Sophie von Hannover 1702 (hg. E. Bende­mann, Leipzig 1888, p. 232) und 1709 (hg. Berner 1901, p. 183).

[114]      Zahlungen an Johann Balthasar Gulmann 1691 für einen Tisch, Spiegel u. a. c. 2100 Tlr. (Pr. G. St. A. Rep. 24 KK Fasc. 2, Vol. I.), 1700 für Spiegel und Wandleuchter c. 100 Tlr. (Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen‑Depart. Chatouleassensachen 7.) 1705 Paß für einen in Leipzig gekauften silbernen Tisch (Pr. G. St. A. Rep. 9 EE 16). Eine Zahlung für silberne Stühle Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE 1692.

[115]      Ein Eingehen auf diesen Künstler, eine Persönlichkeit von eigentümlicher Prägung, erübrigt sich, da eine aus­führliche Monographie von H. Dr. Huth zu erwarten ist.

[116]      1703. V. 27. (Dom). Taufvater Dagly, Pate Andreas Schlüter.

[117]      Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F, Berlin Schloß, Vol. II, fol. 158.

[118]      Pr. G. St. A. Rep. 21. 191. d. Ordre vom 6. VIV. 1700. Der eingeforderte Bericht hat sich nicht erhalten.

[119]      Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 C.

[120]      Pr. G. St. A. Rep. 9, D. 2, fol. 61

[121]      Über Werner cf. bes. H. Müller 1896, p. 2 ff. Weitere ausführliche ältere Nachrichten: I. C. Fuessli, 1755, Bd. I, p. 127ff. und in der Besprechung des Werkes Bibl. d. schönen Wiss. u. freien Künste, III. 1. 1758, p. 148.

[122]      1691, Lieferungen aus Pretsch, 3 Kristallkronen für 600 Tlr. Pr. G. St. A. Rep, 9 EEE.

          Ein Dekret vom 7. X. 1700 befahl Schlüter und einem Hofbeamten, die von dem Kaufmann Le Jeune gelieferten Spiegelrahmen zu taxieren. Pr. G. St. A. Rep. 9 N. 15. Fasc. 2 b. Glashütten. Gen.

          1704 werden einmal auf Abschlag einer großen Forderung des Le Jeune für Spiegelglas zur Ausstattung des Schlosses 2000 Tlr. gezahlt. Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE.

[123]      Pr. G. St. A. Rep. 9 N. 11 Fasc. 4.

[124]      Befehl vom 7. V. 1700, cf. Aum. III, 99. Humbert (v. Heinecken 1768); Boeck 1933, p.55 (cf. Anm. I. 166).

[125]      Dohme, 1876, p. 27, nach Br. Pr. Haus. A. Rep. 14, F. Berlin, M. fol. 120. In den Münzturmakten finden sich noch einige Bemerkungen Schlüters über Innenarbeiten beim Schloßbau in den Briefen an v. Printzen 1706, von ihnen sind die wichtigsten von Adler 1863 abgedruckt worden.

[126]      C. Grommelt, Die Ostpreußische Bauverwaltung am Anfange des 18. Jahrhunderts, Danzig 1922, Anhang. Für freundliche Bemühung ist Fürst zu Dohna‑Schlobitten und Herrn Reg.‑Baurat Dr. Grommelt zu danken, cf. auch Boeck 1934, p. 248.

126a       Dies erklärt auch die Lage der Zimmer Friedrichs. Er bewohnte das räumlich so bescheidene Appartement in der Nordostecke des Berliner Schlosses wohl, weil es die abgelegenste und ruhigste Stelle in der Wüstenei des Schloßbaues war.

[127]      Brief der Kurfürstin Sophie von Hannover 1705 (Berner 1901, p. 65).

[128]      Eine Geschichte aller brandenburg‑preußischen Lustschlösser und Gärten ist noch nicht geschrieben, schon Manger wollte seiner Baugeschichte von Potsdam eine derartige Arbeit folgen lassen (Pr. St. B. Ms. Nicolai. Bd. 47), starb aber schon vor Beendigung seiner Materialsammlung.

          Für die kurfürstliche Zeit hat v. Dohna, Die kurfürstlichen Schlösser der Mark, Berlin 1890, vieles zusammengetragen. Eine vorzügliche Übersicht hat neuerdings Margarete Kühn, Preußische Schlösser, Berlin, Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten 1934, geboten.

          Broebes „Vues“ ist die sehr unsichere Grundlage der Anschauung, sie wird bereichert durch die fast unbeachtet gebliebene Veröffentlichung der Zeichnungen Daniel Petzoldts. Ansichten märkischer und pommerischer Städte. Hg. H. Meißner, Pr. St. B. Berlin 1913.

          Eine Vorstellung von der allgemeinen Baubewegung läßt sich durch viele erhaltene datierte Assignationskonzepte gewinnen, die auch in einigen Fällen Baumeisternamen nennen. Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE.

[129]      Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Depart. LXII. Kgl. Schlösser.

[130]      Gundlach 1905, II., p. 231, nach H. St. A. Loc. 2988 Vol. I, fol. 177. Erwähnt bei J. L. Sponsel, Der Zwinger, Dresden 1924, p. 160.

[131]      Dies kann einem undatierten Supplikat des Potsdamer Bauschreibers Meyer, das am 8. VIII. 1705 beantwortet wird, und einigen anderen zugehörigen Akten entnommen werden. Es ergibt sich, daß Schlüter vor Mai 1705 den Potsdamer Bau übernommen haben muß. Br. Pr. Haus A. Rep. 14 A Bauschreiber.

[132]      1700. XII. 4. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F, Berlin, Schloß, Vol. II, fol. 144.

[133]      Gurlitt, Potsdam, Historische Städtebilder, X., Berlin 1910, m. Abb. einiger Zeichnungen de Bodts für Potsdam                aus dem Nachlaß. Dresden, Landesbiblio. Hist. urb. germ. 204 m; cf. Anm. I, 126.

[134]      1700‑01. Pr. G. St. A. Rep. 9 DDD und EEE.

[135]      1704. VII. 7. Zu Bezahlung der bei dem hiesigen Schloß und Gartenbau in verwichenem Winter gemachten Schulden.

          1704. VIII. 2. Dem nach S. K. M. resolviert haben, daß der hiesige Gartenbau zur perfection gebracht werden solle, und der Ober‑Ingenieur Bodt sich anheischig gemacht hat, den Teil desselben, welcher dem Schlosse gegenüberliegt, vor 3500 thlr. in gehörigen Stand zu setzen.

          1704. X. 29. Zur vollendung der nach dem abriß des Ober Ingenieur Bodt annoch erforderten Alleen zu Potsdam.

          1705. Nutzholzanweisungen für den Lustgarten, dabei eine von de Bodt unterschriebene Aufstellung.

          1707. Holz für den Lustgarten, auch zu behueff des Baues und Rüststangen zu abbutzung des Schlosses.

          1708. Holz zu behueff der Bildhauer Arbeit und Schnitzwerek zu denen neuen Wercken im Lustgarten.

          Im gleichen Jahr auch ein Beleg für de Bodts Tätigkeit in der Umgebung Potsdams: Eichen zum Behueff drey Neuer      Portahls, an denen aufzuge Brücken bey Potsdam und Glienicken, nach denen von dem Herrn Obristen und General Ingenieur Bodten angegebenen und von S. K. M. approbierten modelle.

          1709. Holz für den Lustgarten. Nennung de Bodts.

          Pr. G. St. A. Rep. 9 EEE und Gen. Dir. Forst‑Depart. Kurmark. Potsdam.

[136]      Am 13. III. 1705 erfolgt eine Anweisung: auf 40 Stück Eichen, zu denen zwey Piedestal Geländern, so auf den  beyden Thürmen zu Potsdam verfertigt werden sollen. Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Forst‑Depart. Kurmark Tit. 29. 1.

          Es sind sicher die beiden aus kurfürstlicher Zeit überkommenen Türme der Eckbauten der Gartenseite gemeint. Für 1700 fand sich bei den Assignationen schon die Bemerkung. Zum Schloßturmbau.

[137]      1710. Holz zum Schloßturmbau, darunter. acht starcke Eichen, zu denen 16 Statuen auff Dero Königl. Schloß    zu Potsdam. Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Forst‑Depart. Kurmark 29. 1.

          cf. Brief Friedrichs I. (hg. Berner 1901, p. 203): Potsdam lasse auch endern und wirdt es nicht mehr zu kennen sein.

          Wer diese Umgestaltung leitete, ist nicht festzustellen. Eosander soll um diese Zeit auch für die Potsdamer Bau­kasse den Etat einsenden. (Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen‑Depart. Hofrentei 1.) Dieser Befehl ist viel­leicht nicht nur mit der Eosander obliegenden „Surintendance“ zu erklären, es ist möglich, daß er selbst hier zu tun hatte. Ein erheblicher Zuschuß aus Extraordinärmitteln wird Ende des Jahres gezahlt, (Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 91, p. 353.) 1712. Geld zur Bezahlung einiger Schulden; so bey Reparation des Corps de Logis gemacht worden, auch für einige Statuen und Vasen. (Pr. 6. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen‑Depart. Chatouleassensachen 9.)

          Zahlung erheblicher Reste bis 1713. (Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen‑Depart. Hofrentei 2, p. 247.)

[138]      Borrmann 1893, p. 18.

[139]      Restaurierungen 1749 und 1775‑76, cf. Manger, Baugeschichte von Potsdam I., 1789, p.106ff., II., 1790, p. 412.

          Die umfangreichen zugehörigen Akten: Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 D, Bauten Potsdam, Berlin, 1749. Rep. 14 F, Potsdam D nr. 36, Potsdam G 1776. Verw. d. St. Schlösser u. Gärten, Fasc. Potsdam, 1775.

[140]      Grenzboten 1891, p. 73.

[141]      1695 ging das Schloß aus der Bauleitung Nerings in die Grünbergs über, der ja zunächst alle durch den Tod Nerings verwaisten Bauten zu betreuen hatte. Neben ihm war Christian Eltester vorübergehend beschäftigt. cf. P. Seidel, Das Potsdamer Stadtschloß. H. Z. J. B. VII., 1904, p. 143ff. Mit Abbildungen der für Potsdam entstandenen Zeichnungen Eltesters.

          In Potsdam blieb die Bauleitung bis Anfang 1700 in Grünbergs Händen; sein Name wird genannt: 1697 (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 A Bauschreiber), 1698 (Pr. G. St. A. Rep. 21. 124), 1700 (Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 F, Berlin, Schloß, Vol. II).

[142]      Boeck, 1933, p. 49f.

[143]      Gedruckt bei Boeck, 1933, p. 49. Die Rahmen an Schlüter zu geben, was seit R. Borrmann nahelag, ist man an­scheinend immer wieder durch die Notiz bei H. L. Manger, Baugeschichte von Potsdam, Berlin 1789/90, p. 109, ver­hindert worden, die aber statt auf die vier Bilderrahmen (die sich auch technisch als Arbeiten aus der Zeit Friedrichs I. ausweisen) auf die drei Reliefs des Saales zu beziehen ist; cf. H. Huth, Stadtschloß Potsdam, Berlin, Verw. der St. Schlösser und Gärten, 1933.

[144]      Br. Pr. Haus. A. Rep. 14 A Kondukteure, 1706. III. 13.

[145]      Pr. G. St. A. Rep. 9 LL 18. 1700. III. 8. Zu den Danziger Familien cf. u. a. Anm. 1, 29 ff., 36, 135.

[146]      H. Müller, 1896, p. 51 f., nach Pr. G. St. A. Rep. 76 alt III. 64. Aus den Akten ist, auch nach der Darstellung Müllers, der Eindruck zu gewinnen, daß die Verlängerung der Amtszeit Schlüters auf den Wunsch bzw. Befehl des Königs erfolgt sei. Nach einer Bemerkung in der Sammlung Bratrings (Br. Pr. Haus. A. Rep. 20) ließe sich andererseits annehmen, daß es auf eine Bitte der Akademie geschehen sei: „1703. VI. 30. ist das Gesuch der Academie, dem vorjährigen Director Schluter das Directorium in dem folgenden Jahre annoch zu verleihen, confirmirt, jedoch ohne Consequence.“ Ob dieser Notiz, die aus verlorenen Akten der Akademie geschöpft sein könnte, Beachtung zu schenken ist, bleibt fraglich.

[147]      Müller. 1896, p. 72 u. 74.

[148]      Es ließen sich hier höchstens die Lindenholzbozzetti zweier Krieger im Kunstgew. Mus. (H. Bethe, Berliner Museen, Bd. 50, 1929, p. 3 f., m. Abb.) und fünf Stuckmodelle gefesselter Sklaven (E. F. Bange, Bildwerke der St. Museen, Berlin, Bd. 4, 1930, p. 122, m. Abb.) nennen.

[149]      Boeck, 1933, p. 61 ff., m. Abb. Die Vermutung der Provenienz der Zeichnungen ergibt sich daraus, daß bei den Blättern eine Zeichnung Meils liegt.

[150]      Humbert, 1933, p. 12.

          Humbert, Lettre à M. R. Conseiller privé des Finances, contenant divers reflexions sur les moyens de rendre un Etat florissant. Journal de Berlin, hg. Formey, Berlin 1740, Nr. 12, p. 17.

          Humbert, Lettre d’un Officier Ingenieur sur les moyens de faire fleurir les arts et les sciences, Berlin 1744.

          Humbert (v. Heinecken, 1768).

[151]      Heinrich Kreisel, Prunkwagen und Schlitten, Leipzig 1927, p. 150 f., m. Abb.; Boeck, 1933, p. 55 f.

[152]      Über die Ornamentik Deckers cf. W. Holzhausen, Die Entwicklung des deutschen Ornamentstichs im Zeitalter des Barock. Mitteil. d. Ges. f. vervielfältigende Künste, 1922‑23.

[153]      Herrn Amtsrat Backschat ist für den freundlichen Hinweis auf die wertvollen Bestände der Rep. 113 O. H. M. A. Kassensachen des Br. Pr. Haus. A. zu danken. In mehreren hundert Fasc. ist hier die Geschichte der Räume an Hand der Rechnungen von c. 1825 bis c. 1880 verfolgbar.

[154]      Gurlitt, 1891, p. 148.

          Eine ausgezeichnete Würdigung Schlüters als Organisator bei Koenig, III, 1795, p. 131 f.

[155]      Borrmann, 1894, p. 318; 1897, p. 37.