HEINZ LADENDORF
DEUTSCHER VEREIN FÜR KUNSTWISSENSCHAFT
BERLIN 1935
Schlüters Tätigkeit als Bildhauer bis zum Jahre 1705
Die Stellung Schlüters als Baumeister in der
Baugeschichte Berlins
Schlüter als Leiter des Schlossbaues
Das Dunkel um das
Schaffen und Leben Andreas Schlüters zu erhellen, waren zahlreiche Forscher
bemüht, Abraham Humbert trug zusammen, was er über den Künstler erfahren
konnte, Friedrich Nicolai stellte die ersten archivalischen Nachforschungen an,
Borrmann und Wallé schafften neues Material herbei.
Eine des Künstlers
würdige Biographie schrieb Cornelius Gurlitt. Sie wurde der Ausgangspunkt
vieler Arbeiten, die in zahlreichen Einzelheiten weiter vorzudringen vermochten.
Aber der Weg zu einer
künftigen Biographie Schlüters ist noch weit.
Der Versuch, von den
Quellen aus in die Lebensgeschichte Schlüters in einzelnen Punkten weiter
einzudringen, rechtfertigt sich durch die Tatsache, daß von dem Lebensdrama des
großen Künstlers, der die stolzesten Werke des deutschen Barock schuf, noch
immer nur die Hauptszenen bekannt sind.
Wenn die vorliegende
Arbeit nicht nur das Lebensbild Schlüters in einigen Zügen ergänzt, sondern mit
ihr auch einige neue Voraussetzungen für die Forschung zur Architektur und
Ornamentik Schlüters gegeben sind, ist ihre Absicht erreicht.
Die Anregung zur
Beschäftigung mit dem Schaffen Schlüters, wie auch vielfache Förderung verdanke
ich meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Dr. L. Bruhns, die Ermöglichung der
Veröffentlichung dieser Arbeit der Fürsorge des Deutschen Vereins für
Kunstwissenschaft. Bei der archivalischen Nachsuche wurde ich von Herrn
Staatsarchivrat Dr. Posner, Herrn Dr. Grieshammer und Herrn Dr. Müller (†) beraten;
wertvolle Auskünfte wurden mir von Fräulein Dr. Kühn, Herrn Dr. Jahn, Herrn
Dir. Dr. Jacobi, Herrn C. F. Foerster und anderen zuteil, ihnen allen fühle
ich mich zu Dank verpflichtet.
H. L.
KAPITEL 1
Für die ungeheure
Kraftanstrengung, die Preußen unter der Führung Schlüters zu einer Höhe des
künstlerischen Schaffens hob, die am Vorher und Nachher gemessen, ohne Beispiel
bleibt, ist die Einsamkeit dieser Leistung sehr bezeichnend. In den gefestigten
Bezirken anderer, langsamer gewachsener Kulturen entwickelte sich neben der
bildenden Kunst die besondere Literaturgattung der beschreibenden Werke
tüchtiger Beobachter, die meist von bedeutendem Quellenwert sind. Hier finden
sich nicht einmal Ansätze. Die Reiseliteratur bietet nur die wenigen
Bemerkungen von de Larosière, Bicchi, Toland und Uffenbach[1].
Die rasche Entwicklung, die Berlin in kurzer Zeit durchmachte, ist erst spät
von der Geschichtsschreibung eingeholt worden. Das früheste kleine Werk, die
Beschreibung „der Residentz Stadt Berlin von Johann Heinrich Gerken mit großem
exacten Fleiß vermittels selbst genommener Okular Inspection treulichst
zusammengetragen in anno 1714, 15 et 16“ ist „Concept und Manuscript“ geblieben[2].
Die Werke der Lokalgeschichte, denen einzelne Bemerkungen für die
Kunstgeschichte der Zeit Friedrichs I. entnommen werden können, sind bekannt.
Die Schriften Abraham Humberts, die erst neuerdings größere Beachtung gefunden
haben, sind in der Literaturübersicht in möglichster Vollständigkeit zusammengestellt.
Die „Ouvrages“ von 1747 sind nur ein Wiederabdruck der schon früher erschienenen
Aufsätze und haben daneben keinen selbständigen Wert. Humberts „Nachrichten von
verschiedenen Künstlern, welche in Berlin gelebt und gearbeitet haben“, sind
von Bedeutung, weil sie das einzige Bindeglied zwischen der großen Zeit der
Kunstblüte und ihrer mit Nicolai einsetzenden geschichtlichen Betrachtung sind.
Das Verhältnis Nicolais zu seinem Vorläufer ist bisher kaum untersucht worden[3].
Humbert, der sich in seinen vorhergehenden Arbeiten durch große Bedächtigkeit
auszeichnet, hat gegen das Ende seines Lebens noch flüchtige Notizen über
Berliner Künstler zusammengestellt, nach dem, was er selbst noch erlebt haben
mag, und was er sonst später gehört hat. Das Manuskript Humberts wurde erst
sieben Jahre nach seinem Tode von v. Heinecken veröffentlicht, der den Wert
dieser Arbeit völlig richtig beurteilt; die Altersarbeit enthält nicht wenige
Fehler und Mängel, sie ist aber als einzige noch zeitgenössische Quelle von
Bedeutung. Die Veröffentlichung erfuhr eine heftige Kritik, die, wie er selbst
später zugab, von Nicolai stammte. v. Heinecken antwortete darauf im zweiten
Bande seiner Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen sehr gelassen, er
verbesserte die gröberen Irrtümer und wies darauf hin, daß die Notizen Humberts
doch sehr nützlich wären, denn er sei ein Mann gewesen, der zeitlebens Umgang
mit Künstlern gehabt habe; die späteren Bearbeiter des Manuskripts hätten schon
von vielen Dingen keine gewissen Nachrichten mehr erlangen können[4].
Die Kritik des Buches von v. Heinecken tadelte Lessing in einem Briefe an
Nicolai als ungerecht, Nicolai verteidigte sich damit,
[2]
daß er mit dem
unzuverlässigen „Zeug“ viel vergebliche Mühe gehabt hätte[5].
Das ist sicher richtig, er plante schon lange die Herausgabe einer Beschreibung
Berlins[6].
Die fast unbearbeiteten Humbertschen Nachrichten, die mitten in seiner
gewissenhaften, jahrelangen Vorbereitungsarbeit erschienen, mußten ihn
verstimmen. Es war sehr wenig, was Nicolai an brauchbaren Vorarbeiten vorfand.
Die Literatur war ihm lückenlos bekannt, da aber für vieles keine genauen
Angaben vorlagen, entschloß sich der Buchhändler und Schriftsteller, selbst das
Gebiet geschichtlicher Forschung zu betreten und das Material für sein Buch zusammenzusuchen.
Eine außerordentliche Vergünstigung bedeutete die Erlaubnis zur Benutzung des
Archivs. Hier arbeitete Nicolai noch unter den schwierigsten Bedingungen, ‑ bei
der fast geringschätzigen Beurteilung seiner Leistung, die der früheren,
kritiklosen Hinnahme seines Werkes als „Quelle“ Platz gemacht hat, wird
vergessen, daß Nicolais Buch in die Zeit der Anfänge archivalischer Forschung
fällt, in der die zahlreichen neueren Hilfsmittel noch nicht zu Gebote
standen. Die in der Hauptsache für praktische Zwecke bestimmte
Stadtbeschreibung gab der Lokalgeschichtsforschung der Zeit einen nicht zu
unterschätzenden Antrieb, nach ihrem Muster wurde manche spätere Beschreibung
anderer Städte eingerichtet; die Führer durch Berlin zehrten fast ein
Jahrhundert nur von ihren Angaben. Der Gelehrte Koenig verschmähte es nicht,
bei der Arbeit zu seinem bedeutenden Werk über die Geschichte Berlins die
Manuskripte und Sammlungen Nicolais zu benutzen[7].
Die völlige Auflösung der bei Nicolai gegebenen Daten in frühere Quellen gelingt
nicht; viele wichtige Einzelheiten, die Nicolai durch Umfragen, Briefe und
Berichte erfuhr, von denen sich nur wenige Belege erhalten haben, bleiben
unkontrollierbar[8]. In den
meisten Fällen läßt sich aber aus der Literatur, den Manuskripten und den
Akten, Nicolais Quelle angeben.
Der von Nicolai benutzte
Aktenbestand hat größere Verluste nicht erlitten, nur wenige einzelne Blätter
könnten abhanden gekommen sein[9].
Daß gerade die Überlieferung aus der Zeit Friedrichs I. besonders lückenhaft
ist, findet seine Erklärung darin, daß der Regierungswechsel mit Friedrich
Wilhelm I. einen besonders scharfen Umbruch in der brandenburg-preußischen
Verwaltungsgeschichte darstellt. Die meisten Akten aus der Zeit Friedrichs
waren mit Ausnahme des Schriftwechsels der allgemeinen Verwaltung noch nicht
ins Archiv zur Ruhe gelangt, sie wurden aus den Registraturen der Behörden
heraus unter dem neuen Herrscher rücksichtslos vernichtet. Das von einem neuen
Organisationswillen heftig bewegte Verwaltungsleben änderte sich im Laufe
weniger Jahre so sehr, daß das Alte jegliche praktische Bedeutung verlor und
damit überflüssig wurde. Dazu kommt, daß gerade das Material, das für die
Kunstgeschichte von besonderer Bedeutung ist, die Kassensachen, schon wegen
seiner platzraubenden Masse von Rechnungsbüchern und Belegen in der sparsamen
Enge damaliger Verhältnisse nicht erhalten bleiben konnte. Das Wenige, was sich
erhalten hat, ist nur von beispielhaftem Wert, so die für die Kunstgeschichte
bisher nicht benutzten Assignationskonzepte im Preußischen Geh. Staatsarchiv
und die wenigen Bücher der Chatoul‑Rechnungen, deren Rubriken vorwiegend den
Kunstausgaben galten:
Ausgabe Gelt für feine
Mechanische, Arbeit und Arbeiten als Uhren, Uhrenmacher, Kupfer-Stecher und
Glas Schleifer.
Ausgabe Gelt zum Bau und auf die
zur Architectur gehörenden Arbeiter, zur Meublirung der Churf. Schlösser, Land ‑
Lust und Jagdt Häusser und auf die Handtwercker, so darzu concurrieren.
Um aber wenigstens die
Unternehmungen fördern zu können, die durch das persönliche Interesse, das der
König an ihnen nahm, ausgezeichnet waren, gab es neben den großen, allgemeinen
Kassen, wie der Postkasse, Kriegskasse, Licentkasse, noch andere, fast geheime,
so die „bewußten Gelder“ der Rezepturkasse. Eine Übersicht über das Kassenwesen
war schon den Zeitgenossen unmöglich, zumal erheblichere Summen oft auf mehrere
Kassen umgelegt wurden, so daß eine bestimmte Vorstellung über das Ausmaß eines
Unternehmens meistens nicht zu erlangen ist. Die Akten der Ämter, die zu den
Bauten an den einzelnen Orten jeweils beizutragen hatten, sind zum größten
Teil verloren. Die beim Baukommissariat, derjenigen Stelle, die für alle
Bauten und deren Ausstattung zu sorgen hatte, erwachsenen Akten sind völlig verschwunden,
bis auf wenige einzelne Blätter, die aus dem Besitz des Sammlers Rödenbeck in
das Brandenburg‑Preußische Hausarchiv gelangten und dort den sachlich entsprechenden
Akten zugeordnet wurden. Was außer ihnen an Akten über die Schlösser vorhanden
ist, stammt aus dem Schriftverkehr der allgemeinen Verwaltung. Verschiedenes,
so ein großer Teil der berühmten Münzturmakten, gelangte aus dem Nachlaß des
Schloßhauptmanns v. Printzen ins Archiv[10].
Eine starke Verunklärung der ursprünglichen Verhältnisse brachte die Gründung
des Brandenburg‑Preußischen Hausarchives mit sich. Hierher wurden in der Mitte
des vorigen Jahrhunderts viele auf den Hof bezügliche Akten übertragen und
damit die alten Bestände auseinandergerissen. Einzelne Nachrichten sind in sehr
vielen verschiedenen Reposituren des Preußischen Geh. Staatsarchives, wie auch
in anderen Archiven zu finden.
Für die Akten der Zeit
Friedrichs I. ist der Versuch gemacht worden, mit Hilfe der alten Registraturbücher
das Erhaltene möglichst vollständig zu erfassen, für die Akten der Folgezeit
hat sich dies wegen der außerordentlich verzweigten Ablagerung nicht
gleichmäßig durchführen lassen; vieles ist auch hier abhanden gekommen.
Die Welt, die in einer
kurzen Spanne Zeit, kaum so lang als die einer Generation, sich erhob und
plötzlich unterging, hinterließ nur wenige Zeugnisse des Glanzes. Ein großer
Teil der Bauten wurde eingestellt oder verkauft, manches verfiel,
pflegebedürftige kostbare Einrichtungen verwahrlosten, prangende Gärten wurden
eingeebnet, wertvolles Gut an Zeichnungen, Möbeln, Kunstgegenständen ging
verloren. Nirgends ist es mehr möglich, die angespannte künstlerische Tätigkeit
dieser Epoche aus den Quellen völlig zu erfassen. Um so sorgsamer müssen die
erhaltenen Reste genutzt werden.
Deshalb ist auch der
schon von Gurlitt vorgeschlagene Weg, die Kirchenbücher heranzuziehen,
beschritten worden[11].
In viel höherem Maße als die nur trümmerhaft erhaltenen Bürgerbücher, in denen
zudem die Hofbedienten fehlen, bieten sie eine Möglichkeit, die Zusammensetzung
der Bevölkerung Berlins und den Anteil der Künstler und Handwerker an ihr zu
übersehen. Der größte Teil von ihnen ist systematisch durchsucht worden. Einige
Einzelheiten sind schon
deshalb der Mitteilung wert, weil Schlüters Herkunft und Lebensalter sich noch
nicht genau bestimmen lassen[12].
Einige genealogische
Daten zu Schlüters Familie und Verwandtschaft haben sich in Berlin feststellen
lassen. 1696 ist Andreas Schlüter bereits mit Anna Elisabeth Spangenberg verheiratet[18].
Die Tochter, Jungfer Eleonora Schlüterin“, muß 1701 mindestens 10 bis 12 Jahre
alt gewesen sein, da sie einen eigenen Kirchenstuhl hat und auch von diesem
Jahr ab oft als Patin auftritt, also nicht mehr zu den Kindern gezählt werden
kann[19].
Nach ihrem Alter muß angenommen werden, daß sich Schlüter, bevor er 1694 in
Berlin angestellt wurde, verheiratet hat. Es liegt der Schluß nahe, daß sich
Schlüter schon vorher einmal in Berlin längere Zeit aufgehalten habe, weil für
Verwandte seiner Frau einige Daten genannt werden können, nach denen sich
vermuten läßt, daß die Familie in Berlin ansässig war. Der Name Spangenberg ist
nicht selten[20]. Verwandt
mit Anna Elisabeth ist Dorothea Spangenberg und der Lehrer Johann Christian. Es
könnten jüngere Geschwister von ihr sein, die freilich beide erst ziemlich spät
heiraten[21].
In dieser Zeit herrschte
der Brauch, nicht die nächsten Verwandten zu Paten zu bitten, sondern Leute aus
dem Bekanntenkreis, Vorgesetzte, durch Reichtum oder Rang ausgezeichnete
Personen oder Angehörige der gleichen Berufsgruppe. Das erschwert die
Zusammenstellung der Familien und die Erkennung der
Verwandtschaftsbeziehungen. Leute namens Schlüter sind in Berlin häufig. Wenn
die Trennung der Familien richtig durchgeführt ist, bleiben keine Träger des
Namens übrig, mit deren Nennung sich die Vermutung v. Klödens, daß Verwandte
Schlüters seine Anstellung in Berlin vorbereitet hätten, stützen ließe[22].
Die zahlreiche, oft auftretende Familie des Syndikus Johann Heinrich Schlüter
ist sicher nicht mit der des Künstlers verwandt. Zu erwähnen bleibt nur ein
sonst unbekannter zweiter
Bildhauer namens
Schlüter, mit dem Vornamen Ernst, der 1700 stirbt. Seine Frau geht noch im
gleichen Jahre eine neue Ehe mit dem unter Andreas Schlüter arbeitenden
Bildhauer Friedrich Gottfried Herfert ein[23].
Zwei Söhne Schlüters
sind noch zu nennen. Der eine, Gotthardt, hat nur kurze Zeit gelebt[24].
Der andere hieß Daniel, wie aus einem Gesuch hervorgeht, das er 1714 an den
Zaren Peter richtete, in dem er bat, einen noch ausstehenden Rest der Besoldung
seines verstorbenen Vaters an die Familie auszuzahlen[25].
Er hielt sich damals in Petersburg auf, wohin er diesem gefolgt war. Im Oktober
1713 starb in Berlin ein Sohn Daniels. Der Todeseintrag nennt den Vater
„Meister“, ohne seinen Beruf anzugeben. Vorher findet sich sein Name nur 1710
einmal in den Patenlisten[26].
Da seine Schwester Eleonora als Patin häufig auftritt und bei dem Range der
Familie Schlüters auch für den Sohn angenommen werden müßte, daß er öfter als
Pate gebeten worden wäre, ist es nicht unwahrscheinlich, daß er lange Zeit
nicht in Berlin gewesen ist. Aus der Kirchenbuchnotiz von 1713 ergibt sich, daß
er, wie seine Schwester, vor 1694 geboren ist.
Die angeführten wenigen
Daten zu vermehren, ist zunächst nicht möglich, weil weitere Berliner Quellen
zu fehlen scheinen. Sie tragen zur Klärung der Genealogie allein noch nicht
viel bei; im Gegenteil ergeben sich aus ihnen zunächst neue Fragen, besonders
nach Zeit und Ort der Trauung Schlüters, und nach der Herkunft und
Verwandtschaft des Bildhauers Ernst Schlüter. Es wäre aber möglich, daß gerade
durch die Verfolgung dieser Umwege das Dunkel der Herkunft Andreas Schlüters
gelichtet werden könnte.
Ebenso wie diese ist
auch die Jugend Schlüters unklar geblieben, trotzdem hier einige Feststellungen
gelungen waren. Schlüter hat seine Jugend in Danzig verlebt, von Humbert zuerst
ist Sapovius als sein Lehrmeister genannt worden. Dieser ist von Muttray
festgestellt worden, dessen Nachweis von Keyser ergänzt wurde[27].
Christoph Sapovius ist nicht, wie früher vermutet wurde, Pole[28].
Er ist Pfälzer und anscheinend erst um 1680 nach Danzig gekommen. Dieses Datum
ist wegen seiner Unsicherheit für eine Altersbestimmung Schlüters kaum
verwendbar, zumal nicht feststeht, ob Schlüter nicht vorher eine andere Lehre,
vielleicht bei seinem Vater, durchgemacht hat. 1702 siedelte Sapovius nach
Berlin über; diese Feststellung Muttrays entspricht der Nachricht Humberts, daß
Schlüter seinen Lehrmeister nach Berlin berief, als es bei dem Schloßbau viel
zu tun gab. Es läßt sich dafür noch eine interessante Bestätigung beibringen.
Schlüter bittet Mitte Juli 1702 um einen Reisepaß: Johann Sapovius undt
Sigismundt Beller nebst noch 4 Camerathen seindt von Dantzig anhero zum Königl.
Schloßhau verschrieben.“ Das Paßkonzept nennt sie Goldschmiede und Bildhauer[29].
Es ist nicht festzustellen, ob Sapovius etwa auch Goldschmied gewesen ist,
keiner der Danziger Belege enthält eine Berufsbezeichnung. In Berlin wird er
stets als Bildhauer bezeichnet[30].
Der neben ihm genannte Sigismundt Beller ist sonst unbekannt, unter den vier
Ungenannten befand sich wahrscheinlich Andreas Haid aus Augsburg; er kam in diesem
Jahre ebenfalls aus Danzig nach Berlin; dieser Künstler war Goldschmied und
Bildhauer. Humbert nennt noch einen Baumeister Nerger als von Schlüter aus
Danzig berufen, vielleicht gehörte er auch mit zu der Reisegesellschaft, in
Berlin ist er zum erstenmal im August des Jahres festzustellen. Anscheinend hat
er sich erst hier vom Bildhauer zum Baumeister entwickelt, über seine Tätigkeit
ist nichts bekannt[31].
Von Sapovius kennt man keine Werke.
Benkard hat bei der
Frage nach Schlüters Lehre an die dekorative Plastik der norddeutschen
Barockschränke erinnert. Zwei früher zu Unrecht mit Schlüter in Verbindung
gebrachte Bernsteingruppen bildet er ab, weil er es für möglich hält, daß sie
geeignet sind, das Danziger Werkstattkönnen zu illustrieren, aus dem der junge
Schlüter herkam[32]. Auch Boeck
hält eine der beiden Gruppen für ein Erzeugnis der engeren Welt, aus der
Schlüter künstlerisch hervorgegangen ist. Dohme und Schmitz haben mit Recht
darauf hingewiesen, daß von dem Danziger Stil in Berlin etwas fortlebt[33].
Das Schaffen Schlüters
ist sicher in seinem Grunde von norddeutschem Charakter, der Künstler
verschrieb auch Hilfskräfte, die mehr als bloße Handwerker gewesen sein müssen,
aus der Stadt seiner künstlerischen Heimat. Daraus, daß das Wirken dieser Danziger
in Berlin Spuren hinterlassen hat, von denen manches, wie die Ausführung der
Arbeiten an der großen Tür des Rittersaales, sehr an Schnitzereien Danziger
Schränke erinnert, kann aber noch kein Schluß für den Entwicklungsgang
Schlüters gezogen werden. Es kann auch schwer angenommen werden, daß Sapovius,
der weder der Zunft angehörte, noch Danziger Bürger war, sich mit der
Herstellung solcher Arbeiten beschäftigt hat, die in großen Mengen besonders
für den Export angefertigt wurden, und deren Ausführung hier, wie überall, in
den Händen der streng zunftmäßig Organisierten gelegen haben muß, die ihre
Privilegien scharf bewachten. Die Bernsteinschnitzereien wurden von Nicolai und
Kugler völlig richtig als typische Raritäten eingeschätzt[34].
An ihnen war die künstlerische Vollendung weniger wichtig, als die
Herausarbeitung aus einem großen Stück Bernstein. Sie gehören zu den letzten
Resten einer ehemals sehr großen Sammlung, die 1689, ein Jahr vor der Erwerbung
der einen Gruppe, eine ganze Schäferei, bei der auch Bäume und Getier aus
Bernstein geschnitzt waren, sowie einen bernsteinernen Bauernhof, mit Pferd und
Wagen, Ochsen, Kühen und Kälbern, Böcken, Schafen und Hühnern, aufnahm[35].
Neben Danzig blühte in Königsberg die Bernsteinbearbeitung, und auch in Berlin,
der Hauptstadt des Landes, dem das bedeutendste Bernsteinvorkommen gehörte,
lebten mehrere Bernsteinarbeiter. Von ihnen war Martin Schacht, vielleicht auch
Abraham Hoyer aus Danzig[36].
Die Belege für die künstlerischen Beziehungen dieser Stadt zu Berlin sind damit
noch nicht erschöpft. Hier bei Erwähnung der Bernsteinarbeiten muß besonders
auf einen Künstler hingewiesen werden, der große Aufträge in diesem Material
hatte. Lange vor Schlüters Eintreffen in Berlin, 1690, schließt der in Danzig
lebende Bildhauer und Bernsteindreher Christoph Maucher in Königsberg bei
Gelegenheit einer Reise Friedrichs III. einen Kontrakt über 5000 Tlr. ab, für
das gleiche Jahr und später für 1696 sind bedeutende Zahlungen an ihn für
gelieferten Bernstein noch überliefert[37].
Mehr als die
Bernsteingruppen stehen einige andere Statuetten Schlüter nahe und zeigen eine
schwer zu fassende Verwandtschaft mit seinem Stil. Es bleibt abzuwarten, ob
durch weitere Forschung ihre Herkunft geklärt wird, und ob die von Boeck
vertretene Vermutung einer Verbindung zwischen einem der Meister und Schlüter
sich bestätigt[38].
Die allzugewagten
Zuschreibungen Cunys haben sich mit dem Zusammenbruch seiner genealogischen
Hypothesen nicht halten lassen, die sehr handwerkliche Leistung eines 1675 gefertigten
Holzrahmens für ein Epitaph in Pelplin gehört einem anderen, unbedeutenden
Bildhauer gleichen Namens, den Muttray feststellte[39].
Die Zusammenhänge, die
Kaemmerer zwischen Peter von der Renne, der für die Dome von
Gnesen und Krakau
Silbersarkophage von hoher künstlerischer Bedeutung lieferte, und Andreas
Schlüter andeutete, haben bisher keine stilkritische Bestätigung erfahren. Der
Hinweis auf das von Schlüter später ebenfalls behandelte Thema des
Prunksarkophages ist allein noch nicht beweiskräftig, bei einer Beteiligung
Schlüters an den Arbeiten müßte für ihn ein sehr frühes Geburtsdatum
vorausgesetzt werden[40].
Auf den Danziger Barock, die Umwelt des jungen Schlüter, ist besonders Gurlitt
eingegangen. Noch in letzter Zeit ist dann von einer alten Überlieferung
gesprochen worden, die Schlüters Name besonders mit dem Bau des Hauses Langer
Markt 20 in Verbindung bringt[41].
Wenn sie quellenmäßig nicht zu belegen war, so liegt das daran, daß sie erst in
der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Nachdem die Vermutung einmal geäußert
war, wurde sie schnell als Gewißheit weitergetragen, und wuchs, trotz des
Nachweises ihres Ursprungs, den Bergau führte, bald zu einer „alten,
festeingewurzelten Lokaltradition“[42].
Eine von Kugler ausgesprochene
vermutungsweise Zuschreibung zweier Grabmäler an Sapovius ist von der
Schlüterforschung übersehen worden, trotzdem sie in dem Inventar der
Kunstdenkmäler Pommerns wiederholt und in dem Lexikon Müller‑Singer 1920
erwähnt wurde[43]. Es handelt
sich um die Denkmäler der Herzogin Anna zu Croy und Arschott (gestorben 1660)
und ihres Sohnes Herzog Ernst Bogislav (gest. 1684) in der Schloßkirche zu
Stolp. Beide sind von letzterem errichtet worden, das Monument Ernst Bogislavs
ist nach der Inschrift 1682, zwei Jahre vor seinem Tode, ausgeführt worden. Die
Statue des Herzogs, der vor einem Betpult kniet, ist eine gute, aber keineswegs
hervorragende Arbeit; Kuglers Annahme bleibt eine Vermutung, solange keine
gesicherten Arbeiten von Sapovius bekannt sind, sie ist, bei der Nähe Danzigs
und auch der Zeit nach, nicht unwahrscheinlich. Kugler hat versucht, sie mit
einer besonderen Beobachtung zu stützen. Das Ornament des Betpultes
unterscheidet sich durch die Qualität der Arbeit von dem Übrigen, es wäre nicht
ausgeschlossen, daß es eine Jugendarbeit Schlüters sei. Wenn es auch eine
direkte Beziehung zu dessen späterer Ornamentik nicht aufweisen kann, so muß
doch zugegeben werden, daß die in einem Puttenkopf endigende Akanthusverzierung
die durchschnittlichen Leistungen der Ornamentbildnerei beträchtlich überragt.
Aus Schlüters Werken ist
abzulesen, daß er die großen Leistungen bildender Kunst Italiens und
Frankreichs, auch die der Niederlande aus eigener Anschauung kannte. Humbert berichtet,
daß Schlüter nach seiner Danziger Lehre zu seiner Ausbildung einige Jahre in
Italien gewesen wäre[44].
Das ist, ebenso wie auch eine Reise durch die Niederlande und Frankreich, sehr
wahrscheinlich. Schlüter kann seinen Ruf als Bildhauer nicht erst durch seine
Berliner Arbeiten erworben haben. Seine eigene Bemerkung von der „durch Gottes
Gnade erlangten Wissenschaft“, die Stellung, die er bei seiner Ankunft in Berlin
erhält, lassen die Annahme nicht zu, daß sich erst während der ersten Berliner
Jahre ein schneller Aufschwung eines unbekannten Bildhauers zu einem der ersten
Meister vollzogen habe. Schlüter hätte also die wichtigste Strecke seiner
Ausbildung schon hinter sich gehabt, ehe er in Polen arbeitete. Mit dieser
Vorstellung ist das einzige Zeugnis, das sich auf seine dortige Tätigkeit
beziehen läßt, das Ostgiebelrelief des Palais Krasinsky, nicht recht zu
vereinbaren.
Diese Arbeit legt von
einer besonderen Reife noch kein Zeugnis ab, und es bleibt ungewiß, mit welcher
Entwicklungsmöglichkeit das Relief erklärt werden könnte[45].
Marperger gibt an, daß
Schlüter „sowohl in‑ als außerhalb Warschaus unterschiedliche Palatia, ehe er
in kgl. pr. Dienste getreten, angegeben und ausgeführt“ habe. Die von diesem
Satz ausgehende Untersuchung hat noch keine sicheren Erfolge erzielen können,
zumal die Forschung durch die besonderen Verhältnisse, allein schon durch die
Sprache des Landes, stark gehemmt wurde[46].
Eine große Lücke der Kenntnis ist die noch ausstehende genaue Untersuchung des
Schlosses Willanow, für das Gurlitt eine Mitwirkung Schlüters annimmt[47].
Bis jetzt ist bei den
Versuchen, in die Rätsel der Jugend und Entwicklung Schlüters einzudringen,
nirgends ein fester Halt geblieben.
Die bedeutenderen
bildhauerischen Leistungen, die in Berlin zur Zeit von Schlüters Ankunft
anzutreffen waren, stammen aus den Niederlanden. Das erste Werk von Bedeutung
ist das Grabmal des Feldmarschalls v. Sparr in der Marienkirche, das, wie
Galland nachgewiesen hat, um 1660 von Artus Quellinus geliefert wurde[48].
Einige gute Skulpturen stammen von Dusart, der von dem Großen Kurfürsten
mehrmals Aufträge erhalten hat[49].
Die regsten Beziehungen zu Berlin unterhielt Bartholomäus Eggers aus Amsterdam,
der seit 1662 bis zu seinem Tode für den brandenburgischen Hof gearbeitet hat.
Es ist bekannt, daß er sich von 1687‑88 fast ein Jahr lang in Berlin aufhielt,
ein neu aufgefundenes Aktenstück zeigt, daß er auch schon vorher, 1684, hier
weilte[50]a.
Von der großen Zahl seiner Werke hat sich die Reihe der Kurfürsten erhalten,
die für die Aussehmückung des Alabastersaales, des neuen geräumigen
Festsaales, der unter dem Großen Kurfürsten geschaffen wurde, bestellt waren.
Den elf Statuen ließ Friedrich III. seine als zwölfte hinzufügen. Er folgte
damit dem Gedanken des Großen Kurfürsten, der Würde des Kurhauses durch die
Darstellung der Regentenreihe sichtbaren Ausdruck zu geben, den später, als
die Statuen schon in den Weißen Saal des Schlosses übergesiedelt waren50b, der Bildhauer Schadow noch einmal
aufzunehmen versuchte. Sein von zwei bei den Akten erhaltenen Zeichnungen
begleiteter Vorschlag von 1794, die Reihe der Standbilder mit denen Friedrich
Wilhelms I. und Friedrichs II. fortzusetzen, wurde aber abgelehnt, ebenso ein
zweiter, weitergehender von 1829, „diese Ahnenbilder des Hauses nach und nach
durch andere, bessere“, zu ersetzen[51].
Sind es auch keine Meisterwerke der damals mißachteten Barockbildhauerei, so
erfüllten sie doch, als eine Serie dekorativer Skulpturen, in die Nischen der
Wände des Alabastersaales gestellt, ihren Zweck, den Raum zu beleben. Schon ein
zeitgenössisches Urteil, das von Nicodemus Tessin d. J., lautete freilich
nicht sehr günstig, bei einem Besuch in der Amsterdamer Werkstatt des
Bildhauers notierte er 1687 vor den Modellen den Eindruck: „die stellungen
zimblich frech und artig, aber besser ausgearbeitet hätten sie doch können
seijn“. Als er die Statuen ein Jahr später in Berlin sieht, findet er sie
„nicht sonderlich“[52].
Nach Eggers ist noch ein
niederländischer Bildhauer, Gabriele Grupello, zu nennen. Dem Nachweis, daß er
eine Büste Friedrichs III. ausgeführt hat, läßt sich hinzufügen, daß Grupello
1692, gelegentlich einer Reise des Kurfürsten, von Brüssel nach Cleve kam,
nachdem er vielleicht schon vorher in Berlin gewesen war, und in demselben Jahr
ein Werk, Wohl eben das Porträt, für ihn ausgeführt hatte[53]a.
Er ist also zwei Jahre vor Schlüters Anstellung
für Friedrich III. tätig
gewesen, ein Jahr danach wird er von Johann Wilhelm nach Düsseldorf berufen.
Ungreifbar bleibt die
Persönlichkeit des Bildhauers Jeremias Süßner. 1685 erhält er 30 Tlr. für ein
Stück Alabaster, „so S. Churf. Durchlaucht zum Bilde von Ihme haben erkaufen lassen“53b. Zwei Jahre später hat er in Berlin eine
Beschwerde gegen den Bildhauer Döbel, bei der außer dem Architekten Nering und
einem Kammerherrn auch der eben erst aus Amsterdam angekommene Bildhauer Eggers
unter den Kommissaren genannt wird. 1690 werden ihm 740 Tlr. „vor zwanzig stuck
nacher Oranienburg geliefferter Bilder von stein aus den bewußten geldern“
gezahlt[54].
In diesem Jahr ist er gestorben. Er erhielt eine jährliche Besoldung von 100
Tlr. Das geht aus einer Nachlaßforderung seiner Brüder hervor, für die sich
Nering 1693 in einem eigenhändigen Schreiben verwendet. Es wird ihnen die für
1689‑90 ausstehende Besoldung mit 200 Tlr. ausgezahlt, dazu noch 60 Tlr. für
eine Statue der Venus, die in die Kunstkammer gekommen war. Diese Statue hatten
die Brüder Süßner auf das Doppelte geschätzt, weil es sich um eine Gipsfigur
handelte, bei der mit Hilfe eines Geheimrezeptes Glanz und Härte erzielt worden
war. Derartige Versuche sind in der Geschichte der Barockkunst nicht selten,
ähnliche Bestrebungen lassen sich auch noch später in Brandenburg beobachten.
Trotzdem Jeremias Süßner eine Besoldung genoß, läßt sich nicht mit Sicherheit
sagen, ob er ein einheimischer Bildhauer gewesen ist, oder ob er in Dresden
ansässig war. 1692 erhalten die Brüder Süßners, wahrscheinlich auch für Werke
des Verstorbenen, eine Summe: „zu völliger bezahlung zwölf großer steinerner
statuen, welche durch den Ober‑Bau Director Nehringen das Stück zu 150 thlr. bedungen.
. . . und daneben zweihundert thlr. Transportkosten von Dresden nach Berlin .
. .“[55].
Vielleicht sind einige
der wenigen steinernen Statuen, die sich aus dieser Zeit erbalten haben, von
Süßners Hand. Nering, der die großen Statuen bestellte, muß auch die zwanzig
nach Oranienburg gelieferten „Bilder“ verdungen haben, da er in dieser Zeit den
Umbau des Schlosses leitete; in seiner späteren Stellung als Oberbaudirektor
hatte er alle Aufträge auf Bildhauerarbeiten zu vergeben[56].
Neben den auswärtigen
Bildhauern, die vor Schlüter für den brandenburgischen Hof arbeiteten, sind
mehrere einheimische zu nennen. Von ihrer Tätigkeit haben sich nur wenige
Spuren erhalten. Über den wichtigsten von ihnen, Michael Döbel, hat Straube in
seiner Arbeit über die Königsberger Bildhauerfamilie Döbel ausführlich gehandelt;
trotz weitgehender Ausnutzung der durch neue Archivalien vermehrten
Nachrichten[57] gelang es
ihm nicht, den Namen des Bildhauers mit größeren Berliner Werken zu verknüpfen,
lediglich für ein paar originelle Stockknöpfe war durch die Signierung ein
Anhaltspunkt gegeben. Nicolai nahm an, daß Johann Michael Döbel am Marstall und
im Schloß gearbeitet und auch den Sarkophag der Kronprinzessin Henriette
Elisabeth „angegeben“ habe[58]a.
Diese als eigene Vermutung vorgetragene Zuschreibung nachzuprüfen, fehlte es an
jedem Ausgangspunkt, so daß Straube auf eine Behandlung dieser Fragen
verzichten zu müssen glaubte. Dem seltsamen Zustand, daß der vor Schlüter
meistgenannte Bildhauer nur ein Name blieb58b,
kann durch eine entlegene Notiz ein Ende bereitet werden, die sich im
Rechnungsbuch der Generalkriegskasse für 1698 unter dem Titel: „Einnahme und
Ausgabe über die Subsidien, item Quartier und Contributionsgelder auch andern
Extraordinär Mitteln“ erhalten hat:
„Dem bildhauer Döbel zum
behueff des Marggräffl. Sarges auff Rechnung laut ordre vom 10. XII. 1698 und
quitung 500 .-.-.“[59].
Diese Nachricht, aus deren Wortlaut hervorgeht, daß es sich um eine Teilzahlung
handelt, muß zweifellos auf Johann Michael Döbel bezogen werden. Der Umstand
der Fortlassung des Prädikats Hofbildhauer ist nicht von Bedeutung, er gibt
keinen Anlaß, den Bruder Johann Christoph zu nennen, der erst in diesem Jahre
nach Berlin kommt.
Unter dem Markgräflichen
Sarg ist der für Markgraf Carl bestimmte Zinnsarkophag zu verstehen. Erst
1699, vier Jahre nach dem Tode des bei der Belagerung von Casale ums Leben
Gekommenen wurde er fertig. Das Hofjournal des Johann v. Besser entschuldigt
diese Verzögerung damit, daß er „wegen der vielen ornamenten und Zierrathen nicht
eher fertig werden können“[60].
Richtiger wird es sein, den Grund der Verspätung darin zu suchen, daß die
Mittel zur Fertigstellung des Sarkophages nur ganz allmählich gezahlt wurden;
neue bedeutende Aufgaben standen im Vordergrund, die Statue des Großen
Kurfürsten sollte gegossen werden, der große Schloßbau war angefangen. Der
Sarg des Markgrafen Karl ist ein merkwürdiges Zeugnis für das Weiterleben
älteren Formengutes bis in die Zeit Schlüters. Verfolgt man von diesem
Sarkophag aus die Reihe in der Domgruft rückwärts, so lassen sich fünf weitere
zwanglos stilistisch anschließen.
Aufbau und Gliederung
sind bei allen gleich, ein besonderes Merkmal der Zusammengehörigkeit der
Gruppe ist die Behandlung der zwischen Sarkophag und Deckel vermittelnden Kehlung,
die allen Werken gemeinsam ist. Bei dem ersten wie bei dem letzten Werk der
Reihe wird sie an den Längswänden von je einem kleinen Medusenkopf
überschnitten. Der Sarkophag der Kurprinzessin Henriette Luise, der ersten,
1683 verstorbenen Gemahlin Friedrichs III., für den auch Nicolai Döbels
Urheberschaft vermutete, ist der älteste. Die beiden folgenden bergen Friedrich
August (1685‑86), einen Sohn Friedrichs III. und Markgraf Ludwig, einen Sohn
des Großen Kurfürsten (1666‑87), zwei weitere sind für den Großen Kurfürsten
(1688) und dessen Gemahlin (1689) bestimmt.
Für den letzteren haben
sich Nachrichten gefunden, die die zunächst fast selbstverständlich
erscheinende Annahme, daß Döbel diese Sarkophage allein und selbständig
entworfen habe, in Frage stellen. In einem bisher nicht herangezogenen
Schriftwechsel zwischen dem am Rhein weilenden Kurfürsten und Berlin in den
Monaten August und September 1689 wird mehrmals der Name des Architekten Arnold
Nering erwähnt, zwei Schreiben sind besonders bemerkenswert:
Demnach wir resolvieret für
weyland Unserer hochgeehrten und vielgeliebten Frauen Mutter abgelebte Leiche
einen zinnernen Sarck verfertigen zu lassen, zuvor aber einen abriss davon zu
sehen verlangen, Alss hastu solchen mit dem förderlichsten zu verfertigen, und
Unss denselben zu fernerer Verordnung einzusenden. An den Ober Ingenieur
Nering. (3. VIV. 1689.)
Der Ober Ingenieur Nering ist
im Werek begriffen, einen Riss vom Zinnern Sarg zu verfertigen, welchen wir so
bald er fertig E. Churf. Durchlaucht zu schicken werden.
(6. VIV. 1689. Relatio ad
Seremissimum.)[61]
Diese Angaben werfen ein
unerwartetes Streitlicht auf die Organisation der künstlerischen Arbeit zu
jener Zeit. Nering beherrschte sie schon damals, ehe er die Führung des
gesamten Bauwesens in der Hand hatte, und gab vor Schlüter, wie Eosander nach
diesem, auch Entwürfe für
dekorative bildhauerische Arbeiten. Die Machtstellung Schlüters, der allem den
Stempel
seines Geistes
aufdrückte und nicht nur Handwerker, sondern auch Maler, Bildhauer, Baumeister,
zu ausführenden Hilfsarbeitern machte, findet bei Nering eine Vorstufe.
Die Möglichkeit, daß
Nering auf das Schaffen Anderer einen bestimmenden Einfluß ausgeübt hat,
bleibt bedeutsam, wenn auch nicht festzustellen ist, ob nun der Sarkophag der Kurfürstin
nach dem Riß Nerings angefertigt worden sei. Er hebt sich aus der Reihe der
übrigen nicht als einzelne, besondere Leistung heraus, anderseits ließe sich
annehmen, daß Nering auch für andere Särge der Gruppe, wenigstens für den des
Großen Kurfürsten den Entwurf geliefert habe. Diese Vermutung kann damit
gestützt werden, daß die Beteiligung am Sarge der Kurfürstin sich erst mit dem
Vorausgehen eines Entwurfes für den Sarg des Großen Kurfürsten erklären würde.
Daß dies im Bereich der Wahrscheinlichkeit liegt, zeigt schon die Tatsache, daß
auch die Herrichtungen zu den Trauerfeierlichkeiten beim Begräbnis des Großen
Kurfürsten unter seiner Leitung standen. Im November 1688 wird ihm über die
bereits an die Begräbnisgelder assignierten 100 Tlr. noch 100 Tlr. aus der
Schatulle für seine „gehabte mühe“ verordnet[62].
Trotz der Mitwirkung
Nerings ist ein bedeutenderer Anteil des Bildhauers an den Särgen, als die
bloße mechanische Ausführung für sicher zu halten.
Die Entwicklung, die die
Ornamentik der Särge durchmacht, ist sehr lehrreich, die Lebendigkeit des
krautigen, fast verfilzten kurzstacheligen Blattwerkes am Sarge der Luise
Henriette beruhigt sich immer mehr, am Sarge des Markgrafen Carl ist sie fast
abgestorben, große dünngepreßte, in der Fläche haftende Embleme besetzen die
Felder der Sargwände. Neben der Erstarrung der Ornamentik ist eine zunehmende
Sorgfalt in der Behandlung des Figürlichen zu beobachten. Die Putten zu seiten
der Inschriftkartuschen am Sarge der Elisabeth Henriette sind recht
unbedeutende kleine Wesen, die Löwen, auf denen der Sarg ruht, trennt eine
bedeutende Qualitätsstufe von den Adlern, die den Sarkophag des Markgrafen
tragen, diese sind weit besser modelliert.
Neben Johann Michael
Döbel lebten noch mehrere Bildhauer in Berlin. Clemens Colasius und Bernhard
Mahlendorf sind vor 1694 nachzuweisen, ferner Caspar Spiegel, Jacob Fichtner
und Johann Georg Brenck. Bei den letzteren wird Schlüter oder seine Frau
gelegentlich als Pate gebeten, sonst ist aber über sie ebensowenig überliefert[63]
wie über Martin Schöne und Caspar Schau[64].
Sie alle bleiben Namen, ihre Aufzählung beweist aber, daß an Bildhauern zur
Zeit der Berufung Schlüters kein Mangel war; es fehlte nur an einer überragenden
Kraft, der man den bildhauerischen Anteil an den großen neuen Aufgaben anvertrauen
konnte.
Schlüter muß also der
Ruf eines bedeutenden Künstlers vorausgegangen sein; es muß angenommen werden,
daß er als ein fertiger, ausgebildeter Meister in Berlin auftrat.
Die Undeutlichkeit der Biographie
Schlüters gab Veranlassung zu der Annahme, daß er die Zeit von 1694 bis 1696
noch auf seine Ausbildung verwendet habe. Eine Reise Schlüters nach Italien war
überliefert, eine andere nach Frankreich vermutete man ebenfalls in diesem
Zeitraum[65].
Eine grundlegende Bedeutung kann aber den Reisen nicht beigemessen werden. Sie
sind als kurze Studienreisen aufzufassen, die in der Absicht, für besondere Aufträge
bestimmte Erfahrungen zu sammeln, unternommen wurden, und neue Anregungen
gaben, die besonders der Ausgestaltung des Zeughauses, der Statue Friedrichs
III. und dem Reiterdenkmal zugute kamen.
Schon in der frühesten,
bisher unveröffentlichten Nachricht über Schlüters Tätigkeit im Dienste
Friedrichs III. ist von einer solchen Reise die Rede:
S. Churf. Durchlaucht befehlen
dero Raht undt Oberlicent Einnehmer Wilhelm Heinrich Happen hiemit dero
Bildhawer Schlütern 200 Rthlr. reisegelder undt wegen anderer ausslage
hierauff undt gegen quitung auss den bewussten geldern zu zahlen (27. I. 1695).[66]
Die Reise wird, wie aus
dem Wortlaut geschlossen werden muß, nachträglich bezahlt. Sie kann nicht sehr
lange Zeit in Anspruch genommen haben, da Schlüter erst um die Mitte des Jahres
1694 nach Berlin gekommen war[67].
Die anderen Auslagen werden in der Assignation erst an zweiter Stelle, ohne
weitere Kennzeichnung, genannt. Es darf deshalb angenommen werden, daß sie
keinen bedeutenden Teil der Summe beansprucht haben. Schlüter erhielt den
vollen Betrag des Geldes ausgezahlt, weil es auf die Rezepturkasse angewiesen
war, die einzige Kasse, bei der der sonst übliche Abzug von Zehn vom Hundert
unterblieb. Die Summe erscheint als hinreichend für eine kurze Studienreise
nach dem Westen, nach Frankreich und den Niederlanden, wenn man sie mit den
Beträgen vergleicht, die andere Künstler für ihre Ausbildungsreisen erhielten.
Schlüters Reise nach
Italien läßt sich mit Hilfe eines bisher unbekannten Beleges näher bestimmen:
Dreyhundert Rthlr. haben Seine
Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg Unser gnädigster Herr Dero Hofbildhauren
Andreas Schlütern zu seiner Italiänischen Reise gnädigst geschencket und
augszahlen lassen. Befehlen demnach, Dero General Empfänger Craut solche 300
Rthlr. gegen quitung zu erstatten.
Dero Cammer Secretario Vietorn.
Signatum Cölln an der Spree den
24ten April 1696.[68]
Diese Reise Schlüters
ist bereits durch Koenig überliefert. Gundlach fand dessen Quelle in einer auf
die Assignation bezüglichen datierten Notiz des Kurmärkischen Registraturbuches
und glaubte, ebenso wie Gurlitt, die Reise in die Zeit von Sommer bis Herbst
1696 setzen zu sollen[69].
Aus der Assignation selbst geht aber hervor, daß es sich um eine Verrechnungszahlung
handelt, der die Auszahlung an Schlüter vorangegangen sein muß. Im September
1696 war Schlüter sicher in Berlin[70].
Die auffällige Beobachtung, daß bei allen drei bekanntgewordenen Fällen von
Patenschaften im Januar und März des Jahres Frau Schlüter Pate steht, gibt
Grund zu der Vermutung, daß Schlüter seine Reise schon zu Anfang des Jahres
antrat[71].
Über Schlüters Leben
während der ersten Zeit seines Aufenthalts in Berlin ist fast nichts bekannt.
Seine Familienverhältnisse sind bereits geschildert worden. Nach diesen Nachrichten
hat Schlüter, wie viele andere Hofbediente und Künstler, auf dem
Friedrichswerder gewohnt. Im März 1696 läßt Frau Schlüter ihre Magd Anna Pommer
in die Hausvogtei abführen, weil sie ihr angeblich einiges entwendet hatte.
Sie beteuert aber ihre Unschuld, und hebt hervor, daß sie schon über ein Jahr
lang treu gedient habe. Es entspinnt sich ein langer Prozeß. Der zugehörige
Schriftwechsel zwischen den Behörden hat sich zum Teil erhalten, bietet aber
leider keinerlei auf Schlüter bezügliche Angaben, sondern bestätigt nur, daß
Schlüter im September 1696 in Berlin anwesend war, ‑ dieses Datum wird weiterhin
für die Chronologie der Werke Schlüters vor 1700 zu beachten sein[72].
Als Schlüters erste
Werke in Berlin gelten Entwürfe zu Arbeiten an der Langen Brücke, die im
ursprünglichen Plane allerdings bereits vorgesehen waren. Die Geschichte der
Brücke hat
Borrmann ausführlich
behandelt[73]. Der Bau
war seit 1691 im Gange[74].
Er sollte die Vorzüge der Engelsbrücke in Rom mit denen des Pont Neuf in Paris
vereinigen. Die steinernen Geländer sollten mit großen Statuen besetzt werden.
An diesem Plan scheint lange festgehalten worden zu sein, ohne daß er zur
Ausführung gekommen wäre. Noch die Darstellung der Brücke auf dem Relief der
Westseite des Sockels vom Denkmal des Großen Kurfürsten zeigt Figuren, mit
Lampengestellen abwechselnd, auf den Geländern[75].
Vom Pont Neuf entlehnte
die Brücke die Anordnung in der Aufstellung der Herrscherstatue, die, wie die
zur Grundsteinlegung der Brücke 1692 geprägte Medaille von Faltz zeigt, schon
ein Bestandteil des ursprünglichen Planes ist[76].
Als Schlüters Werk gelten allgemein und sicher mit Recht die Entwürfe zu den
Flußgöttern und Najaden auf den Sockeln der Brückenpfeiler[77].
Marperger berichtet, daß sie von der Hand des Bildhauers Weihenmeyer stammen.
Durch ihn geschah demnach die Ausführung in Sandstein[78].
Die Figuren der Langen Brücke sind nach 1818 verschwunden, nachdem sich
Schinkel vergeblich für ihre Restaurierung eingesetzt hatte[79].
Zu Schlüters Anteil sind auch die Zierschilder an den Brückenpfeilern zu
rechnen, die sich länger als die Statuen erhielten, und erst beim Neubau der
Brücke 1893/94 durch freie Nachbildungen ersetzt wurden[80].
Die Entwürfe Schlüters werden 1695 entstanden sein; nach dem Bericht eines
Zeitgenossen war die Ausstattung der Brücke Ende 1696 vollendet[81].
Als die ersten
erhaltenen Berliner Arbeiten Schlüters müssen, entgegen der herrschenden
Ansicht, daß die Statue Friedrichs das früheste in Berlin geschaffene Werk des
Meisters sei, die Kriegermasken im Zeughaus genannt werden[82].
Als Schlüter 1698 die Bauleitung des Zeughauses übernahm, war das Gebäude bis
zur Attika hochgeführt, die
Skulpturen des
Erdgeschosses sind bedeutend früher entstanden. Der Bau des Zeughauses war von
Nering 1695 begonnen worden und wurde nach dessen im gleichen Jahre erfolgten
Tode durch Grünberg fortgesetzt. Während dieser den Bau leitete, muß Schlüter
bereits einen maßgebenden Einfluß auf die Ausgestaltung gewonnen haben. Humbert
und v. Heinecken berichten, daß der Maler Theodor Lubieniecki alle Köpfe der
Kriegermasken gezeichnet habe, um sie in Amsterdam bei Peter Schenk stechen zu
lassen[83].
Dieses Vorhaben sei aber nicht zur Ausführung gelangt. Einige der Zeichnungen
hätten sich erhalten und wären später in die Sammlung Gottfried Winkler nach
Leipzig gekommen. Diese Blätter liegen jetzt in Wien in der Albertina: Ein
Titelblatt mit der Inschrift: Pars Prima ornamentorum armamentarii Seren. mi ac
Potent. mi Prine. ac. Dni. Friederici IIIi., Electoris Brandenburgiei.; ferner
acht Zeichnungen nach Köpfen Sterbender Krieger, nicht nach Entwürfen, sondern
nach den ausgeführten Skulpturen; und ein Blatt nach einer der beiden Medusen,
mit der Signatur Lubienieckis und der Jahreszahl 1696[84].
Nach diesem Datum muß zumindest als sicher gelten, daß das Programm Schlüters
für die Sandsteinarbeiten der Schlußsteine des Zeughauses in diesem Jahre
fertig war, weil sie alle in inhaltlicher Beziehung zueinander stehen[85].
Die Bozzetti der Sterbenden Krieger sind also zweifellos 1696 entstanden.
Darüber hinaus legt der in ihrem Zweck begründete Charakter der Serie, den die
Zeichnungen Lubienieckis haben, nahe, daß die Ausführung der Kriegerköpfe in
Sandstein noch in das gleiche Jahr fällt, in dem die fertige Skulptur der
Medusa gezeichnet wurde.
Schlüters Bozzetti für
die Kriegermasken sind fast alle untergegangen. Neben den wenigen
geretteten Stücken sind
Radierungen Bernhard Rodes beachtenswert (Tafel 1/4), die von einigen
verlorenen Modellen noch eine Vorstellung vermitteln[86].
Die Kraft der Entwürfe Schlüters behauptet sich, trotz der Weichheit der
Blätter.
Die Helme des Zeughauses
sind wahrscheinlich Anfang 1697 ausgeführt worden. Bald nach Anfang der
Bausaison dieses Jahres wird, da das vorhandene Geld durch den Einkauf von
Hartsteinen und die Bezahlung der Steinmetz‑ und Bildhauerarbeiten verbraucht
sei, um die Assignation weiterer Beträge gebeten[87].
Die Ausführung der über
hundert Schlußsteine hat Schlüter nur in einem großen Werkstättenbetrieb
bewältigen können[88]. Humbert
schreibt in dem Artikel über Weihenmeyer, daß Schlüter gewohnt gewesen wäre,
nur kleine Tonmodelle zu machen und die Ausführung der Skulpturen in Stein
anderen Bildhauern überlassen habe. Einige der Helme seien von Weihenmeyer
gearbeitet worden. 1739 schrieb ein Anonymus an Humbert, in einer Entgegnung
auf dessen „Lettre sur l’architecture“, daß die Kriegerköpfe nach Schlüters
Modellen unter seiner Aufsicht von Weihenmeyer und anderen Bildhauern
ausgeführt worden seien. Die durchgehends hohe Qualität der Arbeiten erlaubt
nicht, die Arbeit des Meisters und der Gehilfen zu trennen; es haben sich aber
einige Skulpturen erhalten, die als vergleichbare, selbständige, wenig früher
entstandene Arbeiten Berliner Bildhauer geeignet sind, eine anschauliche
Vorstellung davon zu geben, welche Stufe des Könnens für die Gehilfen Schlüters
vorausgesetzt werden darf. Es sind die um 1694 entstandenen Schlußsteinköpfe
des von Nering erbauten Flügels des Berliner Rathauses, als deren Bildhauer
früher zu Unrecht Schlüter genannt worden ist[89].
Drei sind in den Nebenhöfen des neuen Berliner Rathauses wieder angebracht
worden, weitere befinden sieh im Märkischen Museum. Die Kämmereirechnungen von
Berlin für die in Frage kommende Zeit fehlen; wer die Köpfe gemeißelt hat,
läßt sich deshalb nicht mehr feststellen, es hat aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit
für sich, daß der Bildhauer Georg Gottfried Weihenmeyer zu nennen ist, weil er
auch beim weiteren Ausbau des Rathauses tätig war. 1699 lieferte er drei
steinerne Vasen zur Ausschmückung des Rathausgiebels[90].
Die Köpfe sind flott und lebendig aus dem Stein gehauen, wirken aber doch
flüchtig und derb, sie entbehren noch ganz der feineren Durchbildung, die den
Kriegerköpfen eigen ist.
Sichere Werke
Weihenmeyers lassen sich nicht mehr nachweisen, immerhin ist seine Rolle im
künstlerischen Leben Berlins noch zu erkennen. Nach der Lehre bei Johannes
Christian Braun in seiner Vaterstadt Ulm begab er sich auf die Wanderschaft,
von der die Stationen Leipzig, Dresden, Prag und Preßburg genannt werden[91].
Aus Böhmen wandte er sich 1690 nach Berlin. Nach Humberts Charakteristik ist er
im wesentlichen ein ausführender Bildhauer, der besonders nach den Angaben und
Modellen Schlüters gearbeitet hat. Das bedeutet noch nicht, daß er selbst
künstlerisch unbedeutend und etwa völlig unselbständig gewesen wäre, er
vertritt Schlüter als Lehrer der Bildhauerei an der Akademie, und Marperger
rühmt sogar seine architektonischen Kenntnisse[92].
Weihenmeyer ist auch als Gehilfe Schlüters nicht Geselle, sondern ein Meister,
der seinerseits eine Anzahl Gesellen und Arbeitsleute unter sich hat; dabei ist
diese Werkstatt nicht die einzige Hilfstruppe gewesen, die Schlüter zur Ausführung
seiner Modelle zur Verfügung stand. Auf die Organisation künstlerischer Arbeit
in Berlin wird bei Gelegenheit der mit dem Schloßbau verknüpften Fragen noch
einzugehen sein.
Die mehrfach als
Arbeiten aus Schlüters Schule bezeichneten Helme am Kronprinzenpalais gehören
dem Umbau Gerlachs um 1732 an und sind von dem Bildhauer Johann Georg Glume
geschaffen[93].
Mit der Tätigkeit Schlüters,
mit den bedeutendsten Bildwerken seiner Hand, ist der Name des Gießers Johann
Jacobi aus Homburg unlöslich verknüpft. Die Kenntnis seines Lebens und Wirkens
kann, über die von Weinitz gegebene Zusammenfassung hinaus, in einigen Punkten
erweitert werden[94]. Bei der
Bedeutung der Arbeit des Gießers sind die meisten heranzuziehenden Daten
zugleich für die Kunstgeschichte Berlins, insbesondere für die zeitliche
Ansetzung der großen Bronzewerke wichtig. Nicht erst kurz vor 1697, sondern
Ende 1695 ist Jacobi nach Berlin gekommen. Schon am 8. Dezember steht „Monsieur
Jacobi“ Pate bei dem Kinde des Bogenrüstmeisters David Andrea. Im März 1696
wird er schon als „Churf. figurengiesser“ bezeichnet als erster Pate bei dem
Kinde des Bürgers und Bildhauers Caspar Spiegel, und im Dezember, lange bevor
er eine Bestallung erhielt, gibt man ihm gleichfalls den Titel „Churf. Giesser“[95].
Ob Jacobi berufen war,
ob er mit Schlüter eine Verbindung hatte oder ob er aus eigenem Antrieb
gekommen sei, läßt sich nicht feststellen; sicher ist, daß er als völlig
fremder, unbekannter Mann in Berlin mit einem Bündel auf dem Rücken
einwanderte, das seine ganzen Habseligkeiten barg[96].
Seine Fähigkeiten eroberten ihm bald eine geachtete Stelle am Berliner Hof, er
heiratete später in die höhere Hofbedientenschaft hinein und zog einige seiner
armen Verwandten von Homburg nach Berlin. Sein Hausstand war bedeutend, und im
Gießhaus arbeitete eine große Zahl von Angehörigen der verschiedensten Berufe
nach seinen Angaben. Aus allen Nachrichten ist zu schließen, daß er ein sehr
wohlhabender, geselliger Mann war, der hauptsächlich in den Kreisen der
Künstler und der gehobenen Hofbeamten verkehrte, durch seine Stellung viele
Beziehungen zum Militär hatte und auch bei einfachen Leuten Ansehen und Beliebtheit
genoß[97].
Der Gießer hat nicht nur
mit Schlüter zusammengearbeitet. Wenn auch nur ganz wenige Werke erhalten sind,
muß doch für eine große Anzahl der Berliner Bildhauer eine Arbeitsgemeinschaft
mit Jacobi angenommen werden. Schon die Patenschaft des „figurengießers“ bei
dem Kinde des Bildhauers Caspar Spiegel weist darauf hin. Später ist Jacobi von
einer großen Anzahl der bedeutenderen Bildhauer Berlins als Pate gebeten
worden, z. B. von Johann Hermann Backer, Jean Bouissy, Johann Georg Brenck, Georg
Glume, Cornelius Heintzy, Johann Samuel Nahl und Georg Gottfried Weihenmeyer[98].
Die ersten Nachrichten,
die sich von Jacobis Tätigkeit in Berlin erhalten haben, nennen nicht den Namen
Schlüters, sondern den des Bildhauers Martin Fuchs:
S. Churf. Durchl. befehlen
dero Ludolff hiermit, 337 Thlr. 7 gr. zu einiger Chfl. arbeit welche der
Giesser Jacobi verfertigen wird, gegen des Bildhauers Martin Fuchseno quitung
auszuzahlen, welcher hingegen solche gelder à part berechnen soll. Sign. Cölln
10. VII. 1696.[100]
Geht aus den
Grundstücksakten hervor, daß er sich in guten Verhältnissen befunden zu haben
scheint, so ist fast nichts über seine Tätigkeit bekannt geblieben. Über von
ihm gelieferte Bildhauerarbeit hat sich nur eine Notiz erhalten: 1693 wird aus
den Hofstaatsgeldern gezahlt: „Dem Bildhaur Fuchsen für 8 vergulte Arme in die
Küchstube 28 thlr“[105].
Fuchs bildete einen Lehrling August Plöse aus, der nach seiner Wanderschaft,
die ihn 1701 zuerst nach Böhmen führte, 1706 als Bildhauergeselle wieder in
Berlin auftaucht und sich hier niederläßt[106].
Der Bekanntenkreis von
Martin Fuchs besteht aus Beamten und Künstlern[107].
1699 bittet er Johann Jacobi als Pate, bei anderen Kindern dann Schlüters Frau,
später auch ihn selbst[108].
Damit schließt sich der Kreis ‑ Beziehungen zwischen Fuchs, Schlüter und Jacobi
haben bestanden, freilich läßt sich über ihren Inhalt nichts aussagen[109].
Die großen figürlichen
Bronzewerke Schlüters., die Statue Friedrichs III., das Denkmal des Großen
Kurfürsten und die Büste des Landgrafen von Hessen‑Homburg gehören zu den
stolzesten Leistungen der deutschen Barockbildnerei. Mehrfache Untersuchungen
haben ihre
technischen und
künstlerischen Voraussetzungen und ihre stilistische Einordnung in den
wesentlichen Zügen geklärt[110].
Die hohe Bedeutung, die diesen Werken zukommt, rechtfertigt es aber, dem
allgemeinen Bilde noch einiges einzufügen.
Durchgängig wird als
Zeitpunkt des Gusses der Statue Friedrichs III. das Jahr 1697 genannt.
Zweifellos ist dieses Datum falsch. Der Hinweis von v. Siefart auf die
Feststellung Broses, daß 1698 Zahlungen zum Guß geleistet werden, hat keine
Beachtung gefunden. Brose bezeichnete seine Quelle irreführend als
Kammerrechnung, es ist das Kassenbuch der Generalkriegskasse[111].
Hier finden sich folgende Eintragungen:
bey formierung der Statue, so
in das neue Arsenal kommen soll, laut ordre vom 30. V. 1698
62
Thlr.
17.)
ferner dem Hoff und Artillerie Giesser Jacobi für einige unkosten, welche
derselbe
bey form: und Giessung S. Ch.
D. Bildnüss, so ins neue Arsenal zu stehen kommen soll, aufgewendet laut
verordnung vom 17. Vl. 1698 und quitung 77
Thlr.
18.) noch demselben für
dergleichen laut Verordnung vom 19. VIII. 1698 und desselben quittung 62
Thlr.
20.) Abermahls dem Hoff und
artilleriegiesser Jacobi wegen gethaner Arbeit an obgesagter Statue laut
Verordnung vom 3. XII. 98 und dessen quittung 75 Thlr.[112]
Das Monument auf der
Langen Brücke sollte ursprünglich nicht dem Großen Kurfürsten, sondern
Friedrich III. selbst gelten. Der Architekt und Kupferstecher Jean Baptiste
Broebes stach 1692 die Ansicht eines Entwurfes für eine Statue Friedrichs III.
(Tafel 5). Der Hintergrund wird durch ein halbkreisförmiges Gebäude gebildet,
rechts und links von der Statue sind Arkaden angedeutet. Die Inschrift des
Stiches beweist aber, daß dieser, der bühnenmäßigen Wirkung des Standbildes
zuliebe gezeichneten Architektur keine Bedeutung beizumessen ist; die Statue
war für die Lange Brücke gedacht: Statue de S. (on) A. (ltesse) E. (lectora)
le de B. (randenbourg) s. (ur) l. (e) P. (ont) N. (euf)[114].
Sie ist eine Variante des Denkmals Ludwigs XIV. von Desjardins, wie dort wird
der Herrscher von einer schwebenden Renommée bekränzt. Statt der Sklaven, der
üblichen Begleitfiguren für Denkmäler dieser Art, sitzen zwei allegorische
Frauengestalten auf den Stufen des von Fahnen umgebenen Sockels, links die
Allegorie des Krieges und der Gerechtigkeit mit Helm, Gorgonenschild, Lanze und
Liktorenbündel, rechts die der Geschichte, die die Taten Friedrichs auf eine
Tafel schreibt; zwischen ihnen liegt ein Globus auf einer Landkarte, umgeben
von mathematischen Instrumenten und anderen Dingen. Im Hintergrunde sind
Überwundene, als Gestalten einer Gigantomachie aufgefaßt, angedeutet, von
denen einige erschreckt und bewundernd aufblicken.
Die Denkmünze von Faltz
zur Grundsteinlegung der Brücke zeigt, daß man sich im Herbst des Jahres, in
dem der Stich von Broebes entstand, bereits für ein Reiterdenkmal ent‑
schieden hatte. Daß auch
dieses ursprünglich der Verherrlichung Friedrichs III. dienen sollte, geht aus
dem ersten Bande des von Lorenz Beger geschriebenen Thesaurus Brandenburgieus
hervor. Der Hofantiquarius spricht bei der Beschreibung der Langen Brücke von
einer Reiterstatue Friedrichs III.[115].
Das Werk ist wahrscheinlich 1695 geschrieben, 1696 wurde es gedruckt. Erst im
Laufe dieses Jahres, ‑ Begers Buch muß bereits fertig gewesen sein‑ faßte man
den Entschluß, die Lange Brücke mit einem Denkmal des Großen Kurfürsten zu
besetzen.
Von dem Denkmal des
Großen Kurfürsten ist das erste Mal in einer Eingabe des Malers Paul Carl
Leygebe die Rede, vom 29. September 1696:
Durchleuchtigster
Grossmächtigster Curfürst,
Gnädigster Curfürst und Herr,
Wan ich mich in
unterthänigster Devotion der Gnade erinnere, welche Ew. Curfürstl. Durchl.
Glorwürdigster Herr Vater Friedrich Wilhelm hochsehligen Andenkens, mir und
meinem Sehl. Vater geniessen lassen, so erwecket solches bey mir eine
allerunterthste. Schuldigkeit alle meine Wissenschaft und Kunst Ew. Curfürstl.
Durchl. zu unterthänigsten Diensten zu widmen, Gestaltsam da mein Sehl. Vater
Friedericum Wilhelmum den grossen in Eisen zu Pferde, aus einem Stück
ausgehauen, so noch heute in Ew. Curfürstl. Durchl. Kunst Kammer conserviret
wird, So ist solches zu der Zeit als ein sonderbahreß Kunst Stück mit
sonderlichen Gnaden gegen meinen Sehl. Vater angesehen worden, sogar dass auch
höchstgedachte hoch Seligste Curfürstl. Durchl. mich haben bey den vornehmsten
Mahler in mahlen und Zeichnen informieren lassen damit ich in solchen und
dergleichen Kunst stücken mit der Zeit ebenfalls excellieren möchte. wie ich
dan sowohl durch intime Information meines Sehl. Vaters auch berühmter Mahler
einem jeden Dinge und insonderheit Pferden und Statuen seine exacte Proportion
in Metall zu geben, omni Studio excolieret und perfectioniret habe; Wannenhero
ich von solcher Wissenschaft welche Ew. Curfürstl. Durchl. als welche die
Künste in höchsten Flor gesetzet für allerunterthänigst anzutragen und für Sie
gehorsst. nieder zu legen schuldig und pflichtig bin. Und weiln auf die neue
brücke die Statua Friderici Wilhelmi des grossen verfertiget werden sol und mir
ohne Ruhm zu melden in solcher Elaboration Keiner führgehen wird, So wil zu formung
solcher Statue meine Kunst und fleiss unterthst. offeriren, nebst dem geloben
mit solcher exactitude Proportion Vertigkeit und Gleichheit selbe in form zu
setzen, so daß das werk den Meister loben und jedem admiration erwecken solle,
noch dass Ew. Curf. Durchl. eine Accuratere Elaboration ausswärtig finden
würden; wie ich dan den Abriss solcher Statue, welchem jeder applaudieren wird
unterthst. vorlege wie solcher nachhin in Vollkommener groeser Statue und
ebenmäs8iger Proportion gebracht werden kan. Ich wil also Ew. Curfürstl.
Durchl. gndsten Endtschluss abwarten und al mein Thun zu forderst zu Ew.
Curfürstl. Durchl. unterthsten. Diensten emploiren, der ich lebenslang bin
Ew. Curfürstl. Durchl.
unterthänigster Knecht
Berlin den 29 Septr. 1696. Paul
Carl Leygebe.[116]
Zu dieser Zeit ist
Schlüter schon mit den ersten Entwürfen für das Denkmal beschäftigt gewesen[117].
Man hat übersehen, daß
schon im November 1696 die erste Lieferung von Eisen für die innere
Konstruktion des großen Modelles erfolgt ist[118].
Die von Seidel veröffentlichte Denkmalsrechnung hat die irrtümliche Annahme
veranlaßt, daß Schlüter die Reiterstatue erst 1698 modelliert hätte; in diesem
Jahre wird aber bereits die Gußform hergestellt[119].
Die Lieferung von Eisen und anderen Materialien, die Zahlung von Arbeitslöhnen
usw. bezieht sich nicht mehr auf die Herstellung des Modelles, sondern der
Form. Natürlich ist Schlüter auch bei der Formung tätig gewesen, er hat
zweifellos der Wachsschicht die letzte Feinheit selbst gegeben, trotzdem ist
die Form aber durch das Modell bestimmt, nach dem sie entstanden war, das
Bronzewerk überliefert das ursprüngliche Modell Schlüters im wesentlichen
getreu. Der Zeitpunkt der Fertigstellung des großen Modelles läßt sich ziemlich
genau bestimmen. Im August 1697 wird das letzte Eisen geliefert; in der Ende
September 1697 ausgefertigten Bestallung,für Jacobi wird erwähnt, daß er das
Reiterstandbild „anjetzo unter Händen“ habe[120].
Das Monument auf der
Langen Brücke ist schon 1692 nicht als ein isoliertes Denkmal an sich aufgefaßt
worden, auch nicht nur als ein Bildwerk, das durch seinen Standort in seiner
Wirkung bereichert wird‑ die Einheit mit dem Bau hatte auch einen außerkünstlerischen
Grund. Friedrich III., der die Absicht hatte, sich nach dem Vorbilde Ludwigs
XIV. ein Denkmal zu setzen, wollte die Berechtigung dazu nicht nur aus seiner
herrscherlichen Würde und Macht ableiten; das Unternehmen, dessen
künstlerischer Bedeutung ein staatspolitisches Interesse übergeordnet war,
sollte mit einer wichtigen Leistung, wenn nicht begründet, so doch mindestens
anlaßmäßig verknüpft werden; die Vollendung des bedeutenden Brückenbauwerks
sollte mit der Errichtung des Denkmales gekrönt werden. Die Schaffung der
Statue Friedrichs III. durch Schlüter ist nur durch einen entsprechenden
Gedankengang zu erklären. Die nächst der Fertigstellung der Langen Brücke bedeutendste
Bauaufgabe in Berlin war die Errichtung des neuen großen Zeughauses. Durch
sichere Überlieferung ist bekannt, daß die Statue im Zeughaus aufgestellt
werden sollte; den Beweis dafür, daß diese Absicht von vornherein bestand,
geben die angeführten Zahlungsvermerke für die Herstellung des Bildwerkes.
Nach dem Wortlaut dieser absichtslosen und zweifellos zuverlässigen
Bemerkungen muß angenommen werden, daß das Werk einen integrierenden
Bestandteil der Ausstattung des Arsenals darstellte, daß es von vornherein als
ein Teil des Programms zur Ausgestaltung des Gebäudes gedacht und für diesen
Zweck entworfen war. Dazu stimmt auch die Beobachtung, daß es für einen großen
Innenraum, eben für den Hof des Zeughauses, proportioniert ist, für eine
freiräumliche Aufstellung ist es viel zu klein.
Der Wahl des Standortes
lag ein tiefer, heroischer Gedanke zugrunde. Stolz und Ruhm von Kaiserswerth
und Bonn, von mehreren in der ersten Zeit der Regierung Friedrichs errungenen
Siegen der brandenburgischen Truppen im Rheinfeldzug hallen darin wider. Kein
ernsterer Platz ließe sich für die Statue eines Herrschers finden als der Hof
des Zeughauses, in dem sie von den Kriegerköpfen auf den Schilden umgeben ist[121].
Die Masken der Krieger
sind 1696 geschaffen worden, sicher ist schon in diesem Jahre, damit in
Zusammenhang, der Gedanke aufgetaucht, im Zeughaushof eine Statue des Bauherrn
aufzustellen und damit in dem würdigen Rahmen eines bedeutenden Programms für
den Plan, Friedrich III. ein Standbild auf der Langen Brücke zu errichten,
Ersatz zu schaf‑
fen. Leider ist nicht
bekannt, was 1696 den Entschluß veranlaßte, statt des Reiterdenkmals Friedrichs
das des Großen Kurfürsten zu errichten; die Planung, eine Statue Friedrichs im
Zeughaus aufzustellen, ist sicher nicht seine Ursache, sondern seine Wirkung.
Die Reiterstatue des Großen Kurfürsten ist zuerst in Angriff genommen worden,
weil die Brücke in diesem Jahr vollendet wurde, und nur noch ihrer Hauptzierde
entbehrte. Die Aufgabe, eine Statue Friedrichs III. zu schaffen, war nicht so
dringend, weil das Zeughaus noch im Bau war. Erst nachdem Schlüter das Modell
des Reiterdenkmals fertiggestellt hatte, widmete er sich der Statue Friedrichs
III. Sie wurde dann vor dem großen Bildwerk gegossen, weil die Herstellung der
Form weniger mühevoll, kostspielig und zeitraubend war, vielleicht auch, weil
der Herrscher der Vollendung dieses Werkes ein besonderes persönliches
Interesse entgegenbrachte. Als die Bronze gegossen war, gab die Bautätigkeit am
Zeughaus noch keine Möglichkeit zur Aufstellung. Die Statue erlitt später die
seltsamsten Schicksale (Tafel 6/7)[122];
1802 wurde sie in Königsberg aufgestellt.
Die beiden frühen
figürlichen Bronzewerke Schlüters sind in der umgekehrten Reihenfolge ihres
Entstehens ausgeführt worden. Der späte Termin des Gusses des Reiterdenkmales
ist durch äußere Umstände, Zahlung der Gelder, längere Vorbereitung der Gußform
für dieses auch als technische Leistung bewunderungswürdige Werk bedingt. Von
einem Fortschreiten des Meisters von einer kleineren zur größeren Leistung
kann nicht gesprochen werden.
Mit der zeitlichen
Bestimmung der Werke, die Schlüter während der ersten Zeit seiner Tätigkeit in
Berlin schuf, ergibt sich ein neues Bild von der Wandlung des plastischen
Stiles des Bildhauers, das den Vorzug hat, eindeutiger zu sein als das
bisherige. Die Schwierigkeit, daß ein Werk dem Schaffen Schlüters isoliert
vorhergeht, das in seiner bewegungsreichen und fast unruhigen Behandlung
manchen, den späteren, nach 1700 entstandenen Arbeiten eigenen Zug aufweist,
besteht nicht mehr; die Entwicklungslinie, die von der Statue Friedrichs in der
flotten gelockerten Modellierung bereits auf das große Werk des Prunksarkophages
für Sophie Charlotte hinüberdeutet, wird nicht mehr durch andersgeartete Werke
unterbrochen.
Die Masken Sterbender
Krieger und das in der packenden Größe der Gesinnung zugehörige Reiterdenkmal
haben eine Kräftigkeit und Gedrängtheit der Modellierung gemeinsam, die viel
strenger und schwerer, stilistisch früher ist. Die Umdatierung beweist
zugleich, wie schon 1696 sich die Ereignisse zusammendrängen; in dieses Jahr
fällt die Italienreise, die Aufstellung des Programmes für die Ausgestaltung
des Zeughauses und die Vollendung der Masken des Arsenalhofes, ferner noch der
Beginn der Arbeit am Reiterdenkmal. Schlüter muß es in hohem Maße verstanden
haben, sich gute Hilfskräfte heranzuziehen und sie so zu beherrschen, daß
keine Minderung der Leistung in der Ausführung ihre Mitarbeit kenntlich macht.
Von der seltenen Leichtigkeit des Arbeitens, von der zunächst fast unwahrscheinlichen
Eile der Ausführung bei wichtigen Werken werden späterhin noch weitere
Beispiele anzuführen sein.
Der Große Kurfürst hatte
selbst schon die Errichtung eines mächtigen Reiterdenkmales geplant, wie aus
dem Reisetagebuch Nicodemus Tessins hervorgeht. Dieser sah 1687 bei dem
Bildhauer de Jong in Amsterdam das im Auftrage des Kurfürsten entworfene
Wachsmodell. Das galoppierende Pferd überritt zwei männliche Gestalten, die
Unruhe und den Krieg; der
Sockel des Monuments war
mit Reliefs versehen. Um ihn saßen Tugenden und an den Ecken ruhmverkündende Putten
als Personifikationen der vier Himmelsrichtungen[123].
Tessin berichtet, daß die Ausführung der hohen Kosten wegen, über 50 000 Taler,
unterblieben wäre.
Fast die gleiche Summe,
47 531 Taler, von der einige Ausgaben für das Gießhaus allerdings abgerechnet
werden müßten, hat die Herstellung des Kurfürstendenkmales gekostet[124].
Für dieses hat sich ein Voranschlag erhalten, der bisher noch nicht
veröffentlicht worden ist. Leider ist er ununterzeichnet und undatiert, er muß
Ende 1696 aufgesetzt worden sein, wahrscheinlich wurde er von Jacobi diktiert.
Er lautet:
Einen ohngefährigen
überschlag, wass eine Statüe von Metall zu Pferde
würde zu stehen kommen.
1. Eine derselben von
anderthalb Lebensgrösse würde am Gewicht halten
bey nahe 200 ctr.
An
Arbeitslohn dieselbe gantz fertig zuschaffen würde zustehen kommen 20000
2.
Die vier Figuren, würde ohngefähr jedes an gewicht halten 36 bis 40 Ctr.
Und
Arbeitslohn derselben kommt zustehen 15000
35000.[125]
Bis zur Aufstellung der
Bronze stand ein Modellabguß aus vergoldetem Gips auf der Langen Brücke, der
später nach Potsdam versetzt wurde[126].
Der Guß der Statue wurde im Oktober 1700 ausgeführt[127].
Erst 1703 wurde die Statue, noch ohne Begleitfiguren und Beiwerk, aufgestellt[128].
Ein Zeitgenosse berichtet, daß die Verzögerung bei der Herstelung des Denkmals
sich durch die Unregelmäßigkeit der Zahlungen erkläre[129].
In der von Seidel veröffentlichten Denkmalsrechnung werden die Sklaven 1702 zum
erstenmal erwähnt. Der mitgeteilte Voranschlag beweist, daß sie Bestandteile
der ursprünglichen Komposition des Denkmals sind[130].
Allgemein hat sich die Anschauung durchgesetzt, daß die Sklaven auf Schlüter
zurückgehen. Der von Boeck vertretenen Ansicht, daß der entscheidende Anteil
an der Modellierung der Sklaven Schlüter selbst zuzuschreiben wäre, muß aber
widersprochen werden. Sie stützt sich auf die Nachricht Nicolais, daß Schlüter
die Sklaven vor dem Guß überarbeitet habe. Dafür fehlt jeder Beweis[131].
Es ist psychologisch durchaus möglich und Nicolai zuzutrauen, daß er seine
Behauptung niederschrieb, um trotz der Nennung der Bildhauer, die an den
Sklaven gearbeitet haben, diese als Werke für Schlüter zu „retten“. Die
Modellierung im einzelnen ist bei den Sklaven weit geringer als bei der
Reiterstatue. Selbst bei einem etwa beabsichtigten graduellen Unterschied der
Denkmalsfigur und des dekorativen Beiwerkes bleibt eine Mattigkeit und Leere im
Detail, für die Schlüters Hand nicht verantwortlich gemacht werden darf. Der
Jüngling zeigt im Vergleich mit der Schlafenden vom Sarg Sophie Charlottes eine
starke Vergröberung Schlüterscher Modellierung. Bei den übrigen Sklaven ist
besonders eine bedeutende Erstarrung in den Formen der Gewänder auffällig. Die
ursprüngliche Großzügigkeit der Intention Schlüters läßt sich an dem
Gegenheispiel der Falten, die die Figur des Todes am Sarge der Königin
umzucken, nur noch ahnen. Mit voller Deutlichkeit aber lehren erst die Masken
des Zeughauses, wie sehr die Ausbildung der Köpfe der Sklaven hinter dem
Können Schlüters zurückbleibt. Die für die Sklaven vorauszusetzenden kleinen
Modelle müssen ungefähr zur gleichen Zeit entsanden sein, wie die Arbeiten im
Zeughaus, die Ausführung der großen Skalven geschieht sehr viel später; ein
Ineinandergreifen von Meister und Gehilfen kann
dabei nicht mehr
angenommen werden. Die Aufschwemmung der Körper, die vereinzelnde Absonderung
der Motive voneinander in Behandlung von Gewand und Haar lassen alle der
Tätigkeit von Kopisten eigenen Merkmale erkennen, um so mehr, als es sich um
Vergrößerungen nach kleinen Modellen handelt. Die bekannte Denkmalsrechnung
gibt nur eine ungefähre Zeitangabe für die Arbeit an den Sklaven; mit Hilfe
einiger noch nicht ausgenutzter Aktenstücke läßt sie sich näher bestimmen. Im
August 1703 wird zwar bereits eine Zahlung, die sich auf die Beifiguren
bezieht, geleistet, aber erst 1704 ist laut einer Rechnung Jacobis im Gießhaus
angefangen worden, an den Sklaven zu arbeiten[132].
Vom 2. Februar bis 31. Mai sind vier Gehilfen Jacobis, ein Schmied, ein
Kleinschmied und sechs Handlanger voll beschäftigt, von Juni ab ist eine etwas
kleinere Anzahl Arbeiter ungefähr drei Wochen in jedem Monat tätig. Im
September stockt dann die Arbeit plötzlich, und ruht 1705 bis 1706 völlig.
Im Jahre 1704 sind die
Arbeiten noch nicht weit gediehen, nach den Auslagen für Instrumente zu
schließen, hat man sich mit Vorbereitungen für die Herstellung der Gußkerne der
Sklaven begnügt. In dem Mitte Juni 1706 von Schlüter verfaßten Bericht über
Arbeiten unter seiner Leitung, der sich bei den Münzturmakten erhalten hat,
sieht er vor, daß die Arbeit an den Sklaven im August erst angefangen werden
sollte[133]. Auch
daraus ist zu entnehmen, daß den Arbeiten von 1704 noch keine große Bedeutung
beigemessen werden darf. Die Münzturmkatastrophe und die ihr nachfolgenden
Ereignisse schließen eine Mitwirkung Schlüters bei der Herstellung der großen
Modelle der Sklaven aus. Daß das Denkmal nach seinem Sturz fertiggestellt
wurde, ist nicht seinem Einfluß zuzuschreiben, obwohl die Angelegenheit, wie
die vor seinem Sturz gegebene Arbeitsdisposition für die nächste Zeit ausweist,
durch ihn einen neuen Anstoß erhalten hatte. Es war nur natürlich, daß ein langandauerndes
Provisorium beendet wurde, sobald aus dem dafür bestimmten Einnahmetitel:
„Altmärkische Contributionsrestanten“ wieder Zahlungen möglich waren. Aus der
Rechnung Jacobis läßt sich ersehen, daß die Formen in der Zeit vom 1. Januar
bis 31. Dezember 1707 hergestellt wurden. Im Jahre 1708 sind sie gegossen
worden, der letzte Guß geschah im September. Eine „Specification“, in der jeder
der vier Sklaven mit dem Namen eines Bildhauers verknüpft ist, bestätigt die
oben dargelegte Auffassung von ihrer Entstehung durch die Art der
Arbeitsteilung[134]. Die an
den Sklaven tätigen Bildhauer sind Friedrich Gottlieb Herfert, Johann Samuel
Nahl, Cornelius Heintzy und Johann Hermann Backer[135].
Die Arbeit der Bildhauer an den Sklaven fällt im wesentlichen in das Jahr 1707;
im Oktober wird ihnen eine Zahlung geleistet, in der es ausdrücklich heißt, daß
sie die Modelle verfertigt haben[136].
Die Ausarbeitung nach dem Guß besorgten die Bildhauer mit einem Goldschmied
zusammen, Nahl scheint den Hauptteil dieser Arbeit geleistet zu haben, daneben
wird Herfert genannt[137].
Es ist nicht
ausgeschlossen, daß im Jahre 1707 bereits Gipsmodelle der Sklaven auf der
Brücke standen[138]. Im
November 1708 werden zwei Bronzen nach der Brücke gebracht; im Juni 1709 sind
auch die beiden übrigen bereits dort. Mit der Aufstellung der Sklaven am
Denkmal der Langen Brücke ist noch die Frage der Gestalt des Sockels eng
verknüpft, die mehrfach besprochen worden ist. Schon der ursprüngliche Sockel
nahm, wie W. Jung in einem unbeachtet gebliebenen Aufsatz darlegte, Rücksicht
auf die Anbringung von Beifiguren[139].
Die späteren Änderungen dienten nur dazu, die fertigen Figuren in
den Verband des Denkmals
einzuschließen. Dem Sockel wurden große Fußplatten vorgelegt und oben
ausladende Voluten angefügt. Diese füllen die toten Stellen, die entstanden
wären, wenn man den Sockel in der ursprünglichen Form belassen hätte; sie
trennen die Sklaven von dem Reiterstandbild und deuten für die Figuren kleine
Raumhöhlen an, in denen sich, wie in Nischen, ihre Bewegungen entfalten können.
Für die Veränderungen am Sockel, die während der Aufstellung der Sklaven
ausgeführt wurden, sind aus der mehrfach erwähnten Rechnung Jacobis folgende
Posten zu nennen:
1708. XII. 1‑31. dem
Steinhauer, so die 4 Stück stein auff die 4 Postement gemacht.
13
thlr.
1709. Vl. 1‑30. An denen
Steinhauern, welche dass Postament gantz verküttet und an
den seyten ausgearbeitet,
gezahlet 17
thlr.
Die Modelle der Seitenreliefs
des Sockels, die, wie Boeck gegen Benkard und Giese hervorgehoben hat, nichts
mit Schlüter zu tun haben, waren im Dezember 1708 fertig[142].
Der Löwenkopf, der die Sklavenketten zusammenhält, ist auch um diese Zeit
ausgeführt worden.
Bereits im März 1708
hatte man für die Herstellung der Inschrift ein Alphabet stechen lassen, im
Februar 1709 wird die Ausgabe gebucht: „Noch ein Alphabeth zu stechen“. Die
Wappentafel, die Voß als ein dekorativ meisterhaftes, vollendetes Werk
bezeichnet, ist erst im Dezember 1708 entstanden, trotzdem die Inschrift nur
der Einweihung des Denkmals im Jahre 1703 gedenkt: „Noch dem Stukator, so daß
Modell gezogen, worauf das Königl. Wapen gemacht, gezahlet 5 thlr.“
1712 goß Jacobi noch
eine kleine Nachbildung des Denkmales, die irgendeiner der zahlreichen
Bildhauer seiner Bekanntschaft modelliert hat[143].
Das Monument des Großen
Kurfürsten, im Anschluß an die Fertigstellung der Masken der Sterbenden Krieger
entstanden und gleich ihnen von höchster Intensität, ethischem Pathos und
dramatischer Kraft, wird von der leichteren, eleganteren, nur in den Grenzen
des höfischen Zeremoniells verharrenden Statue Friedrichs III. abgelöst. Die
Entwicklung von einer schweren, in der Masse wühlenden und knetenden
Modellierung zu einer flüssigeren, die auf die Reize spiegelnder Oberfläche
näher eingeht, läßt sich an dem Sarkophage der Sophie Charlotte bis hin zu den
in völlig neuer Weise leichten und heiteren Bildungen der Weltteile in der
Villa Kamecke weiter verfolgen.
Aus der frühen Zeit der
Tätigkeit Schlüters ist noch eine Arbeit zu erwähnen, die nicht datiert ist,
das Grabmal der schon 1691 verstorbenen Gemahlin des Feldmarschalls v. Barfuß
im Dom zu Brandenburg, das anscheinend erst längere Zeit nach ihrem Tode
entstanden ist. Zu dem schönen Epitaph, dessen Aufbau, besonders in den beiden
Voluten zu seiten der
Inschrifttafel, für
Schlüter charakteristische Formen zeigt, hat er mindestens eine Skizze
geliefert[144].
Nach 1698 folgen weitere
hildhauerische Arbeiten Schlüters erst in einem beträchtlichen zeitlichen
Abstand. Es erklärt sich dies damit, daß der Künstler sich seitdem auch mit
architektonischen Aufgaben beschäftigte und besonders durch die Leitung des
Baues und der Ausstattung des Schlosses sehr in Anspruch genommen wurde[145]a.
Im Jahre 1700 schuf er
dann das Grabmal des Hofgoldschmiedes Männlich (Tafel 8). Dem Inhalt der
Komposition ‑ der Tod erfaßt einen angstvoll sich fortwendenden Knaben, dessen
älterer Bruder erschreckt und hilflos zusieht ‑ liegt wahrscheinlich ein
eigenes Erlebnis Schlüters zugrunde, das ihn tief berührte; Anfang des Jahres
starb sein kleiner Sohn Gotthardt145b.
Ein von Schlüter 1701
modelliertes Brustbild Friedrichs als König, das Jacobi in Bronze gegossen
hatte, sah Gerken um 1715 noch im Gießhaus aufbewahrt, später ist es verschwunden[146].
Unter der „Direction“
Schlüters entstand die 1703 fertiggestellte Kanzel in der Marienkirche. Für
die eigenhändige Ausführung der Kanzelreliefs durch Schlüter hat sich Boeck
eingesetzt[147].
In dem gleichen
Jahrfünft, in dem das Grabmal Männlichs und die Kanzel der Marienkirche
geschaffen wurden, ist wahrscheinlich die Bronzebüste des Landgrafen Friedrich
II. von Hessen‑Homburg entstanden (Tafel 9). Ihnen gegenüber zeigt sie mit
aller Deutlichkeit, wie groß die Spannweite der Ausdrucksmöglichkeiten und wie
verschieden die Mittel künstlerischer Gestaltung des Meisters sind. In diesem
bedeutenden Werk Schlüters ballt sich noch einmal die ganze Energie und Macht
der frühen Werke. Eine genaue Datierung ist nicht möglich, die bisher genannten
Jahreszahlen entbehren jeder quellenmäßigen Begründung[148].
Da zwischen dem Hof Friedrichs I. und dem Landgrafen Beziehungen bestanden,
ist es an sich nicht auffällig, daß Schlüter dies Porträt modellierte,
wahrscheinlich aber wurde der Auftrag von dem aus Homburg gebürtigen Johann
Jacobi vermittelt. Der Gießer erhält später statt Zahlung ein Haus in Homburg[149].
Drei andere Bildnisse des
Landgrafen gehen dem Schlüters voraus. Das erste ist das aus einer ovalen
Öffnung über einem Sandsteinportal heraussprengende Reiterbild im oberen
Schloßhof zu Homburg, um 1683 von Zacharias Juncker d. J. vollendet. Es dient
nur der dekorativen Ausgestaltung des Tores und macht keinen Anspruch darauf,
in Nahsicht betrachtet zu werden[150].
Im gleichen Jahr stellte Georg Reinhard von der Renne, ein Sohn des Danziger
Goldschmiedes Peter, ein Wachsporträt her[151].
Es ist anzunehmen, daß dies mit dem Werk, das sich im Darmstädter Schloßmuseum
erhalten hat (Tafel 10), identisch ist. Bei diesem Bildnis handelt es sich
eher um eine Wachsmaske nach einem Abguß von dem Kopf des Landgrafen, die von
dem Bildhauer in Einzelheiten nachbehandelt und verändert wurde, als um eine
völlig selbständige Arbeit. Dafür spricht die große Lebensnähe des Werkes, das
dem leisen Auf und Ab von Stirn und Wangen folgt, die Unregelmäßigkeit in der
Form des Nasenrückens getreu abbildet und auch den dünnen, scharfen Zügen der
Falten genau nachgeht. Besonders nahe wird diese Vermutung durch die Behandlung
der Augenbrauen gelegt, die durch dicht nebeneinandergelegte, dünne Linien
gegeben werden. Dieses
Abbild des
Landgrafenkopfes verdient Beachtung, weil es in dem von H. Jacobi entdeckten
Testamentsinventar von 1708 aufgeführt wird als:
ein wecksernes Posament
(bossement) wonach das von Metall gegossene Bild des H. Landgrafen gemacht.
Diese seltsame Angabe
ist in einer der Entstehung der Bronze noch sehr nahen Zeit gemacht.
Schlüter hat den Großen
Kurfürsten wahrscheinlich nie gesehen und doch ein gültiges Porträt des
Herrschers geschaffen. Es ist auf die Wirkung in die Ferne berechnet, aber
gerade dies setzt die volle Beherrschung der Mittel zur Charakteristik voraus,
wenn auch der Weitsicht zuliebe die großen Formen mehr sprechen als die
Einzelheiten. Der Umstand, daß Schlüter für dieses Werk auf sehr verschiedene
Bildnisse von meist nur sehr bedingtem Wert angewiesen war, ist oft
hervorgehoben worden; nun deutet die Notiz des Testamentsinventares darauf
hin, daß auch bei dem Porträt des Landgrafen ein Hilfsmodell benutzt worden zu
sein scheint. Landgraf Friedrich II. war 1701 in Berlin; Weinitz vermutete, daß
Schlüter damals das Modell des Bildnisses hergestellt habe[152].
Trotzdem die Möglichkeit besteht, daß Schlüter den Landgrafen damals oder zu
anderer Zeit gesehen hat, kann das Porträt mit Benutzung des Hilfsmodells
entstanden sein.
Im Barock sind des
öfteren Porträts nach Abbildern, Gemälden und Modellen, statt nach den Personen
selbst von Bildhauern und Malern geschaffen worden[153].
Bei der geringen Kenntnis von den Ateliergewohnheiten des Barock läßt sich die
Rolle der Hilfsmodelle nicht bestimmen. Es scheint aber, als ob sie nicht nur
im Notfalle als Ersatz dienten, sondern auch neben dem Urbild verwendet
wurden, um durch eine derartige Distanzierung dem Schaffen des Künstlers eine
gewisse Unabhängigkeit zu sichern. Alle bei der Herstellung eines Werkes
nützlichen und notwendigen Angaben sind im Hilfsmodell. in bequemer, jederzeit
zugänglicher Form enthalten. Sie sind aus dem Zusammenhang des mit vielerlei
außerkünstlerischen Zügen behafteten Ganzen des Urbildes bereits herausgelöst.
Anders als mit dieser praktischen Brauchbarkeit ließe sich z. B. die Tatsache
nicht erklären, daß in der Werkstatt Schlüters bei der Herstellung des großen
Tonmodelles des Reiterdenkmales das Gemälde eines Pferdes als Hilfsmodell verwendet
wurde, obwohl dabei das Pferd selbst auch als Modell benutzt werden konnte[154].
Das neutrale Material der realen Gegebenheiten dient der Schöpfung des
Künstlers nur als Ausgangspunkt; eine Abhängigkeit im tieferen Sinne zeigt das
Schlütersche Pferd von dem Gemälde ebensowenig, wie das Porträt des Großen
Kurfürsten von den vorhergehenden Darstellungen. Auch die Homburger Bronze, das
Ergebnis konzentriertester künstlerischer Arbeit, entspricht nicht mehr der
Wachsmaske, was, wenn die Anschauung von der Mittlerrolle des Hilfsmodells
richtig ist, nicht verwunderlich ist, aber auch kein Argument bietet, die
zunächst unbequeme Nachricht von 1708 zu bezweifeln[155].
Von einem dritten
Porträt des Landgrafen, das vor dem Werke Schlüters entstand, hat sich nur eine
Notiz im Kammerbuch erhalten: „Brüssel. August 1691. Dem Bildhauer auf Rechnung,
so meines gn. Herrn brustbild in Marmor gemacht 50 th.“[156].
Dieser Eintrag weist mit Sicherheit darauf hin, daß Grupello, ebenso wie nach
Brandenburg, auch nach Homburg Beziehungen hatte. Boeck erwähnt noch eine
Bronzereplik der Schlüterschen Schöpfung, die, bedeutend schwächer als das
Original, schwerlich direkt nach Schlüters Modell gearbeitet worden sei[157].
Es handelt sich um einen modernen Nachguß.
Das Testamentsinventar
von 1708 enthält noch eine weitere Angabe von kunstgeschichtlicher Bedeutung:
Ein von Metall formirter
fliegender Merkur. Ein desgl. formirtes Pferd. Ein desgl. formirtes Bild, ein
sitzendes Weib zeigend.
Diese Kleinbronzen
entstammen ebenfalls dem Berliner Gießhaus. Die Bronze der Göttin ist
verschwunden, die anderen beiden befinden sich im Homburger Schloß[158].
Den von H. Jacobi
wiederentdeckten Merkur (Tafel 11), eine Variation über das von Giovanni da
Bologna formulierte Thema, hat Weinitz, allerdings nur vermutungsweise,
Schlüter zugeschrieben[159]a.
Eine zweite Kleinbronze,
die fast derselben Gußform entstammen könnte und nur in wenigen Einzelheiten,
wie in der Bildung der Finger, etwas geringer ist als das Homburger Stück, fand
er im Neuen Palais in Potsdam. Sie stammt aus dem Besitze des Pariser Sammlers
Jean de Julienne, eines Freundes von Watteau159b.
Bei den vielen Verbindungen, die zwischen Johann Jacobi und den Berliner
Bildhauern zu beobachten sind, gibt die Zusammenarbeit Jacobis mit Schlüter
noch keinen hinreichenden Grund, die Bronze diesem zuzuweisen; auch die
ausgezeichnete Modellierung bietet keine besonderen Merkmale, die Schlüters
Hand erkennen ließen.
Eher als der Merkur darf
die bisher unveröffentlichte Statuette des Pferdes (Tafel 12) Anspruch darauf
machen, mit dem Namen Schlüters verknüpft zu werden. Das mächtige Roß des Reiters
von der Langen Brücke ist hier als ein für sich bestehendes und in sich
geschlossenes Kleinkunstwerk gegeben. Der Hals ist stärker gebogen, der Kopf
leicht geneigt, die Beinstellung völlig die gleiche[160].
Die wilde zerzauste Mähne ist hier lockig gewellt, der mächtige strähnige
Schweif als einheitliche Masse geflochten. Die Abweichung der Haarbehandlung
entspricht der Verschiedenheit von Statuette und Monumentalwerk, ohne daß sie
als eine Verzierlichung aufgefaßt werden könnte. Der kräftige Wuchs des hervorragend
gebildeten Körpers läßt noch die ganze Frische des Wachsmodelles spüren; die
Homburger Statuette übertrifft die übrigen Modelle bei weitem und darf den
gleichen Rang beanspruchen wie die Statuetten, die Girardon nach dem von ihm
geschaffenen Reiterstandhild Ludwigs XIV. gießen ließ[161].
Die in Homburg
befindlichen Bildwerke hat Jacobi geliefert; es ist nicht der einzige Fall, daß
er für den Export von Erzeugnissen seiner Gießerei sorgte. Schon 1698 stand er,
wie Hallo feststellte, in Unterhandlungen mit dem Landgrafen von Hessen‑Kassel,
der sein Bildnis und das seiner Gemahlin in Auftrag gab. In einem
interessanten Brief Jacobis ist die Entstehung solcher Werke beleuchtet[162].
Jedes Bildnis sollte nach einem vorgeschriebenen Modell gearbeitet werden.
Auch hier sind Hilfsmodelle in der Art der Darmstädter Wachsmaske zu vermuten;
es kann sich nicht um bereits gußfertig vorbereitete Arbeiten gehandelt haben,
da in dem Preis von 200 Tlr. nicht nur die Ausgabe für das Metall und die
Polierarbeit des Goldschmiedes, sondern auch die für Bossierwachs und
Bildhauerarbeit eingeschlossen ist. Die Frage der Draperie wird ausführlich
behandelt. Jacobi schickte ein Muster: „wie es an höchstgedachter Churfürst.
Durchl. letztgegossenen Bildnüss zu dero hiesigen Neuen Zeughause dergestalt
befindlich“. Er schlug also den Hermelinpelz vor, den der Mantel der eben
gegossenen Statuette Friedrichs III. von Schlüter zeigte,‑ aus techni‑
schen Gründen, weil er gut
gegossen und ausgearbeitet werden konnte. Welches Ergebnis die Verhandlungen
gehabt haben, ist nicht bekannt.
Nach v. Rommel hat der
Gießer mehrere Brustbilder antiker Helden und Philosophen nach Kassel
geliefert, die nicht mehr nachzuweisen sind[163].
Auch in einer Beschwerde Jacobis gegen Eosander ist von dem Brustbild eines
Kaisers die Rede[164].
Derartige Arbeiten haben sich in Berlin nicht erhalten, vielleicht tauchen
solche Stücke noch einmal aus Privatbesitz auf. 1710 hatte Jacobi eine
Forderung an den Grafen von Leiningen‑Guntersblum, deren Ursache nicht
ermittelt werden konnte. Es muß aber angenommen werden, daß Jacobi für ihn, wie
auch für andere Vornehme gearbeitet hat[165].
Noch auf einem anderen
Feld der Tätigkeit Jacobis, bei dem Guß von Prunkgeschützen, ist der Gießer von
Künstlern unterstützt worden. Nicolais Angabe, daß Schlüter den Entwurf zu dem
Hundertpfünder „Asia“ geliefert habe, wurde von Weinitz ohne Grund bezweifelt.
Er beurteilte die Verzierungen der Kanone nach einer kleinen, maßstäblichen
Zeichnung, die von dem fertigen Geschütz gemacht worden ist und daher nur von
mittelbaremWert ist[166].
Die durch Humbert beglaubigte Nachricht Nicolais behält ihren Wert, weil sie
zeigt, wie vielfältig der Aufgabenkreis Schlüters als Bildhauer und Ornamententwerfer
gewesen ist.
Die Mitarbeit Schlüters
läßt sich mit der hohen Bedeutung erklären, die dem Plane zukam, vier riesige
Kanonen, nach den Weltteilen genannt, zu gießen. Sie sollten in den vier Ecken des
Zeughauses aufgestellt werden und gehörten also neben den Fabelhelmen, den
Masken Sterbender Krieger und der Statue Friedrichs mit zu dem Programm der
Ausstattung des Gebäudes[167].
Die erste Nachricht von dem Vorhaben stammt aus dem Jahre 1696, also aus der
Zeit, in der gerade die Ausführung der Sandsteinarbeiten des Zeughauses im
Gange war[168]. Der Guß
der Asia verzögerte sich aber bis 1704, die Ausarbeitung bis 1706; die Europa
wurde 1713, noch als Rohguß, wieder eingeschmolzen, später auch die Asia[169].
Das Bildnis Jacobis zeigt den Gießer stolz über das Rohr der Asia gelehnt, die
drei anderen Kanonen sind am Boden ebenfalls zu sehen,‑ die technische Leistung
war fast ebenso bedeutend wie der Guß des Reiterdenkmales.
Weinitz hat eine
Beteiligung Schlüters an der 1707‑12 gegossenen Serie von Prunkgeschützen der
zwölf Kurfürsten und des ersten Königs, sowie an einem 1708 im Auftrage des
Kronprinzen als Geburtstagsgeschenk für Friedrich I. angefertigten Bronzerohres
angenommen, die für die Serie bezweifelt werden kann, für die Kanone von 1708,
ein keineswegs außergewöhnliches Werk, aber ausgeschlossen werden muss[170].
Von den zahlreich von
Jacobi gegossenen Glocken beansprucht keine den Ruf eines überdurchschnittlichen
Kunstwerkes[171].
Der Arbeitsgemeinschaft
zwischen Schlüter und Jacobi verdanken noch zwei bedeutende Werke ihr
Entstehen, die Prunksärge des Königs und seiner Gemahlin. Sie wurden bisher nur
zögernd und vermutungsweise, nicht immer richtig, datiert; ihrer
Entstehungsgeschichte ist noch nicht nachgegangen worden. Der Sarkophag des
Königs ist kurz nach seinem Tode von Schlüter entworfen und von Jacobi gegossen
worden; auf dieses Werk kann erst eingegangen werden, nachdem die Biographie
Schlüters bis 1713 verfolgt worden ist.
Sophie Charlotte starb
am 1. Februar 1705. Ihre Beisetzung geschah nach langer Aufbahrung am 25.
Juni. Das prunkvolle Begräbnis der ersten preußischen Königin war in erster
Linie eine Staatszeremonie; die Trauerfeierlichkeiten wetteiferten mit den
großen Begräb‑
nissen der Zeit in Rom,
Paris und Wien. Abordnungen aus allen Teilen des Staates wurden zu einem
Trauerzuge befohlen, ‑ bis nach Holland hinein war alles schwarze Tuch aufgekauft.
Die große Szene übertraf alle Feiern seit der Königskrönung an Bedeutung und
mußte deshalb in ihrem Ausmaß und ihrer Prachtentfaltung ein besonders
ausdrucksvolles Zeugnis der Macht und des Reichtunies des jungen Königreiches
sein. Friedrich kümmerte sich selbst um alle Einzelheiten des bedeutenden
Programmes. Mit fieberhafter Eile wurden die Vorbereitungen betrieben. Während
sonst bei Begräbnissen von Angehörigen des Herrscherhauses die Beisetzung in
der Stille stattfand und manchmal erst Jahre danach der einfache Sarg in einen
metallenen eingeschlossen wurde, war bei dem großen Trauergottesdienst in der
Domkirche der Sarkophag das wichtigste Requisit. Die Einsenkung des Holzsarges
in ihn bedeutete Höhepunkt und Abschluß der Feier[172]a.
Der künstlerische Wert
der Schöpfung Schlüters läßt gänzlich vergessen, daß rein außerkünstlerische
Gesichtspunkte den Anstoß zu ihr gaben; der Sarkophag war der Mittelpunkt der
als große Staatsaktion aufgefaßten Beisetzungszeremonie, in erster Linie ein
Monument der „Dignität“, der königlichen Würde und Macht. v. Spanheim bemühte
sich sogar von London aus, eine Inschrift für den Sarg der Königin zu
entwerfen und ließ sich von Jacobi die Maße der Inschrifttafeln mitteilen. Der
Gelehrte Wachter ersann die Devisen für das große Castrum Doloris im Dom und
hat vielleicht auch einige Ratschläge für die am Sarg unterzubringende
Allegorie, Symbolik und Gelehrsamkeit gegeben172b.
Durch solche besonderen Vorschriften ist das Schaffen Schlüters nicht eingeengt
worden; sein Anteil an der Ausstattung des Zeughauses zeigt, wie sehr es dem
Verlangen nach bedeutendem und sinnfälligein Inhalt von Kunstwerken entgegenkam.
Zwischen dem Tode und
der Beisetzung der Königin liegt eine Frist von 143 Tagen. In dieser Zeit wurde
der Sarg entworfen, modelliert, gegossen und ausgearbeitet.
Die Arbeit an der Asia
hatte sich ein Jahrzehnt lang hingezogen, die Entstehung des Reiterdenkmales
hatte vom Entwurf bis zur Ausarbeitung acht Jahre in Anspruch genommen; hier
entsteht ein sehr viel reicheres Gebilde in knapp fünf Monaten. Es kann dies
damit erklärt werden, daß das Material nicht Bronze ist, sondern eine leichter
zu handhabende Zinn‑Blei‑Mischung; auch ist die ganze Komposition nicht aus
einem Guß, sondern mehrere Teile sind für sich entstanden. Andere Arbeiten
haben meist irgendwelche Unterbrechungen, oft wegen Zahlungsschwierigkeiten,
erlitten, hier wurde mit Materialien und Geld bei der Eile und Dringlichkeit
der Aufgabe nicht gespart. Anfang April 1705 reicht Johann Jacobi folgenden
Aufsatz ein:
Johann
Jacobi.
Dementsprechend ergeht
am 7. April die erste Zahlungsanweisung auf die Renteigelder; eine Woche vorher
war schon eine Ordre an den Jägermeister ergangen, verschiedene Sorten
Holz in größeren Mengen
„Zu Verfertigung verschiedener Gießarbeit“ zu liefern[173].
Am 26. Mai bittet Jacobi um eine weitere, schnell bewilligte Rate „zu den
requisiten an der höchstseel. Königin Sarge“ und verspricht, nach Vollendung
der Arbeit Rechnung abzulegen. Am 14. Juli ist dies bereits getan, es wird die
Zahlung der Restsumme angeordnet[174].
Im Gießhaus entstand nur das Wichtigste des Sarges, vor allem wohl die Figurenarbeit;
einzelne Teile wurden gleichzeitig in anderen Zinngießerwerkstätten angefertigt[175].
Die genaue Datierung des
Sarges zeigt, welche staunenswerte technische Vollkommenheit der Betrieb der
Gießerei erreicht haben mußte, der die schwierige Aufgabe so gut bewältigte.
Vor allem aber beweist die Einengung der Entstehung des Sarges auf eine
bestimmte kurze Zeit, daß Schlüter wirklich, wie er in einem Briefe bei den
Münzturmakten einmal schreibt, „mit großen Arbeiten Tag und Nacht“ zugebracht
hat[176].
Selbst bei weitgehender
Heranziehung von Hilfskräften, wovon gerade bei diesem Werk keine Spuren zu
finden sind[177], ist die
in der Kürze der Zeit geleistete Arbeit psychisch und physisch ungeheuer‑ um so
mehr, als Schlüter, während er dieses Werk schuf, noch andere Aufgaben zu
bewältigen hatte.
Für die großen
Trauerdekorationen im Dom und in der Alten Kapelle des Schlosses hat Nicolai zu
Unrecht nur Eosander genannt; Humbert, dem er den Vorwurf konfuser Überlieferung
macht[178],
war besser unterrichtet: ein bedeutender Teil der Zurüstungen stand unter
Schlüters Leitung. Abbildungen und Beschreibungen der Trauerfeierlichkeiten genügen
nicht, um sie völlig zu übersehen; ebensowenig ist es möglich, den Anteil
Schlüters von dem Eosanders abzuheben. Wenn sich deshalb auch leider nicht
erkennen läßt, in welcher Weise Schlüter die ihm zugefallenen Aufgaben ‑ nach
den erhaltenen Aktenbruchstücken Teile der Dekorationen in der Kapelle und
Herrichtungen für den Weg des Trauerzuges ‑ in Entwurf und Regie gelöst hat,
so ist die Überlieferung doch von Belang, weil sie das einzige Zeugnis für eine
sonst bei keiner anderen Gelegenheit zu beobachtende Mitarbeit Schlüters an
den bei den verschiedensten Feiern und Festen notwendigen Dekorationen ist[179].
Es läßt sich nicht mit Sicherheit behaupten, daß Schlüters Arbeit am Modell
des Sarges schon Anfang April, als Jacobi die ersten Anstalten für den Guß
trifft, beendet gewesen wäre; eine gegenseitige zeitliche Abgrenzung der
Arbeiten am Sarg und bei den Trauerdekorationen ist nicht möglich; die Tatsache
der Erledigung zweier wichtiger Aufträge in bestimmter Zeit genügt, um einen
Begriff von der fast unvorstellbaren Arbeitskraft des Künstlers zu geben.
Keine Anzeichen für eine
Anstrengung sind an dem Sarge zu bemerken, an die Schnelligkeit des Entstehens
erinnert nur die Leichtigkeit und Frische des Aufbaues, In der Figur des Todes
lebt der ganze Ernst und die dramatische Wucht der frühen Werke auf, zusammengefaßt
mit einer leichten Heiterkeit und Anmut in den Gestalten der Frauen,
eingebunden in eine rauschhaft beschwingte Dekoration. Das letzte große Werk
vor Schlüters Sturz, ein Zeugnis müheloser Meisterschaft, kündigt den Übergang
zu einer neuen Phase seines Stiles an, die erst spät in den Figuren der Villa
Kamecke aufblüht und vergeht.
Die Formel: „a. a. O.“
ist wegen der häufigen Zitierung verschiedener Veröffentlichungen gleicher
Autoren durchgängig durch die Jahreszahl des Erscheinens der Veröffentlichung
ersetzt.
Die Art der Akten wird
nur in besonderen Fällen vermerkt, meist handelt es sich um Konzepte oder
Kassenbuchnotizen, deren Monatsdaten, wegen der zahlreichen Verschiedenheiten
der Schreibung, durchweg mit römischen Ziffern (VIV = IX) gegeben werden.
Die Kurialien werden, soweit
sie nicht überhaupt als entbehrlich fortgelassen sind, in den gebräuchlichen
Abkürzungen gegeben, z. B.: Ch. D. = Churfürstliche Durchlaucht, K. M. =
Königliche Majestät.
Pr. St. B. = Preußische
Staatsbibliothek.
Br. Pr. Haus. A. =
Brandenburg‑Preußisches Haus‑Archiv.
H. St. A. = Sächsisches
Hauptstaatsarchiv Dresden.
Pr. Br. Verw. A. =
Verwaltungsarchiv der Provinz Brandenburg.
St. A. Magdeburg =
Preußisches Staatsarchiv Magdeburg.
[1] Das ehemals im Besitz von J. G. Schelhorn befindliche Tagebuch Uffenbachs, aus dem der Vorbericht in Uffenbach, Zacharias Conrad, Leben und merkwürdige Reisen (hg. J. G. Schelhorn, Memmingen, I. 1753) Mitteilungen über den Berliner Aufenthalt 1702 bringt, ist nicht erhalten. (Für freundliche Auskunft ist Herrn Archivdir. Prof. Dr. J. Miedel, Memmingen, zu danken.)
[2] Von den drei Fassungen wird nach der aus dem Nachlaß Nicolais stammenden zitiert: Pr. St. B. Ms. Nicolai. 159. Die anderen beiden, eine Reinschrift und eine Abschrift, im Stadt‑A. Berlin, Ms. 151 und 152.
[3] Nur Hirzel, Stephan, Johann Arnold Nering. Ein Märkischer Baumeister. (Ms. Maschinenschrift Dresden T. H. Biblio.) Diss. 1924, p. 16, weist auf den noch zu erwähnenden Brief (cf. Anm. 1. 5) Lessings hin.
[4] v. Heinecken, C. H., Nachrichten von Künstlern
und Kunstsachen, Leipzig, 1. 1768, Vorrede, Humberts Nachrichten wurden für v.
Heinecken z. T. von I. M. Falbe bearbeitet.
(Nic)O(lai) Besprechung des Buches: Allgemeine Deutsche Bibliothek, Bd. 9, Stück 1, 1769, p. 282‑300. v. Heinecken, H., Neue Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen. Leipzig 1786.
[5] Lessing, Gotthold Ephraim, Sämtliche Schriften
Bd. 29, Berlin und Stettin, In der Nicolaischen Buchhandlung, 1828, p. 226 f.:
Lessings Brief an Nicolai, 1769, III. 26; Nicolais Brief an Lessing, 1769, Vl.
5; dazu eine ausführliche Anm. Nicolais.
Durch einen Vergleich mit dem Briefwechsel Hagedorn ‑ Nicolai (Pr. St. B. Ms. Nicolai, Bd. 29) wird deutlich. daß Nicolai zu seinen ungerechten Auslassungen durch eine Parteinahme für Hagedorn, der von v. Heinecken angegriffen worden war, mit veranlaßt worden war.
[6] Die erste Auflage von Nicolais Werk erschien 1769; schon 1767 X. erkundigte sich Nicolai nach den Zensurverhältnissen für sein Werk. Briefwechsel: Conrad, Ms. Nicolai, Bd. 12, Pr. St. B.
[7] Pr. St. B. Me. Nicolai, Briefwechsel Bd. 42. A. B. Koenig.
[8] Pr. St. B. Ms. Nicolai, Briefwechsel Bd. 12: Der
alte Architekt Fr. W. Diterichs bleibt ständig mit Nicolai in Verbindung und
sendet mehrere Nachrichten zur Berliner Baugeschichte.
Bd. 47: H. L. Manger wird durch einen Aufruf in Berliner Zeitungen veranlaßt, Nicolai Berichtigungen und neue Notizen zu schicken, es entwickelt sich ein reger Briefwechsel, später nimmt Nicolai Mangers Baugeschichte von Potsdam (1789/90) in Verlag. Nicolai nennt die wichtigsten Gewährsmänner in der Einleitung seines Werkes.
[9] Reste der Archivstudien Nicolais, 53 Blätter eigenhändiger, ganz kurzer Exzerpte: Pr. St. B. Ms. Nicolai, Bd. 173.
[10] Bei den Nachkommen und Erben ließen sich weitere Teile des Nachlasses dieses für die Organisation der künstlerischen Arbeiten sehr wichtigen Mannes nicht feststellen. Für freundliche Auskünfte ist besonders zu danken: Freifrau v. Printz und Graf von Wartensleben.
[11] Gurlitt, Cornelius, Andreas Schlüter, Berlin 1891, p. 72, Anm. 66. Die Sammlungen von Koenig, Pr. St. B. Ms. Boruss. enthalten nur wenige, z. T. ungenaue Notizen und sind deshalb nur die Grundlage eigener Nachsuche gewesen.
[12] Die Kirchenbücher sind fast ohne Ausnahme
vollständig erhalten. Die systematische Durchsicht erstreckte sich auf die Tauf‑,
Trau‑ und Sterbebücher der Zeit vom 1. I. 1693 bis 31. XII. 1713 in den Kirchen:
Dom (Dom) Marienkirche (Marien)
Dorotheenstädtische
Kirche (Doroth.) Friedrich‑Werdersche
Kirche (Fried.
Werd.)
Neue
Kirche (Neue
K.) Georgenkirche (Georg)
Nicolaikirche (Nicol.) Parochialkirche (Paroch.)
Hedwigskirche (Capella) Petrikirche (Petri)
Jerusalemerkirche (Jerus.) Sophienkirche (Soph.)
Luisenstädtische
Kirche (Luistä.)
Mit der Durchsicht fast des gesamten Materials konnten die Fehler, die bei der Ungenauigkeit vieler Eintragungen zunächst nicht zu vermeiden waren, ausgeglichen werden. Hier wie überall ist die durch die willkürliche Schreibweise oft erheblichen Veränderungen unterworfene Namensform nach der eigenen Schreibweise des Betreffenden wiedergegeben; wo diese nicht bekannt ist, wurde die gebräuchlichste Form des Namens gewählt.
[13] Der Name ist in ganz Niederdeutschland
anzutreffen, häufig kommt er in Hamburg, Danzig und im ganzen
kurbrandenburgischen Gebiet vor. Eine holländische Herkunft Schlüters ist also
nicht anzunehmen, Gurlitts Vermutung (1891 p. 6 f.) einer memnonitischen
Abstammung ist durch die Nachforschungen Keysers nicht bestätigt worden.
1864
stellte Lappenberg in Hamburg das Taufdatum 1664 fest, das durch Fr. Adler
bekannt gemacht wurde (zuerst. Die Dioskuren, Bd. 9, 1864, p. 207), und durch
die Aufnahme in Gurlitts Buch dann Verbreitung fand. Der Direktor des Hamburger
Staatsarchives, H. Nirrnheim, bewies neuerdings, daß der Täufling nicht mit dem
Künstler identisch sein kann. (Zeitschrift des Vereins für Hamburgische
Geschichte, Bd. 31, 1930, p. 243 f.) Vorher hatte man in Danzig Versuche
unternommen, die genealogischen Daten zu Andreas Schlüter festzustellen.‑ Die
vorsichtigen Mitteilungen, die E. Blech gab (Andreas Schlüter, Mitteilungen des
Westpreußischen Geschichtsvereins, Bd. 21, 1904, p. 37 f.), schlossen auch hier
einen Zusammenhang eigentlich schon aus, da nicht anzunehmen war, daß Schlüter
seine Kinder in Danzig statt in Berlin taufen ließ. Die weitere Verfolgung der
Spuren durch Cuny (Andreas Schlüter, Mitt. d. Westpr. Gesch.V., Bd. 26, 1909,
p. 27), dem sich Blech anschloß (ebda. p. 29 f.), führte 1910 zu dem Buch des
ersteren (Cuny, Danzigs Kunst und Kultur des 16. und 17. Jahrhunderts, Bd. I,
Baugeschichtliches. Danzigs Künstler unter besonderer Berücksichtigung der
beiden Andreas Schlüter, Vater und Sohn. Frankfurt a. M. 1910), in dem die auf
irrtümlichen Identifizierungen beruhende Meinung vertreten wurde, Schlüter
wäre 1634 geboren und also mit 60 Jahren nach Berlin gekommen und mit 80
Jahren gestorben. Diese Meinung fand zunächst Zustimmung, so in einer Besprechung
(B. Schmidt, Mitt. d. Westpr. Gesch.‑V., Bd. 10, 1911, p. 17); Muttray (ebda.
Bd. 11, 1912, Der Danziger Bildhauer Andreas Schlüter, p. 44) führte den
Beweis, daß die gewagte Annahme nicht zu halten war. Durch weitere Namen,
Jahreszahlen und neue Vermutungen ist das Problem außerordentlich verwickelt
geworden. E. Keyser legte in zwei Aufsätzen neue Untersuchungen nieder (Die
Danziger Herkunft des Berliner Andreas Schlüter. Mitt. des Westpr. Gesch.‑V.,
Bd. 24, 1925, p. 57; Andreas Schlüter und Danzig, ebda. Bd. 30, 1931, p. 39),
deren Ergebnis er in einem dritten zusammenfaßte (Die Herkunft Andreas
Schlüters, Zeitschr. f. bild. Kunst, Bd. 65, 1931‑32. Kunstchronik und
Kunstliteratur, 1931, p. 62 f.).
Mit allen bis jetzt vorliegenden Angaben ist es aber noch nicht möglich, die Herkunft Schlüters sicher zu bestimmen.
[14] Nicolai, 1769, p. 292, ohne Nennung des Vornamens für den Vater: im Jahre 1662 oder 1663. ‑ Nachrichten 1786: um 1662. Ein Teil des Nachlasses von Nicolai erhalten: Pr. St. B. Mss. und 89 Bände Briefe.
[15] v. Duisburg, F. C. G., Historische Beschreibung von Danzig, 1809, p. 41.
[16] Mit anderen ist Gurlitt der Meinung, daß aus inneren Gründen ein höheres Lebensalter Schlüters zu fordern ist, als seine Geburt um 1664 ergäbe. (E. Blech, 1909, p. 29.) Die oft herangezogene Behauptung Schlüters von 1706, schon über 30 Jahre mit großen Arbeiten zugebracht zu haben, bleibt, selbst bei der naheliegenden Annahme einer Übertreibung, zu beachten. (Zuerst gedruckt bei Fr. Adler, Aus Andreas Schlüters Leben, Zeitschrift für Bauwesen, XIII., 1863, p. 390; nach: Br. Pr. Haus. A., Rep. XIV. F. Berlin M. fol. 106 v.)
[17] Wallé, Peter, Neues zu Andreas Schlüter, Zentralblatt der Bauverwaltung, Bd. 18, 1898, p. 27. Spranger statt Spangenberg(erin) nach: 1708, IV., 14. Pr. G. St. A. Pr. Br. Rep. 5 A Stadtgericht. Berlin. Tit. 1, Sect. I, nr. 3. Vol. I, p. 1023 (cf. Anm. IV, 24).
[18] Sie kommt in diesem Jahre schon bei mehreren Taufen als Patin vor: Churf. Bildhauer Martin Fuchs 1696. I. 26 (Fried. Werd.); Bürger und Bildhauer Caspar Spiegel 1696. III. 17 (Fried. Werd.); Fuhrmann Johann Stephan Reiher 1696. X. 4 (Georg).
[19] Rechnung über die Geldt Einnahme von verkaufften
Kirchenstühlen in der Friedrichs Werderschen Kirchen. 1701. VII. 1. bis 1702.
VI. 30. Einnahme von Frauen Stühlen. Lit. A. No. 4. (Berlin, Stadt. A.
Kirchenrechnungen.)
Patin (in den Eintragungen auch Anna Eleonora genannt): Steinhauer Johannes Lange 1701. III. 28. (Marien); Bildhauer Johann Hermann Backer 1701. VIV. 25. (Dom); Bildhauer Friedrich Petersen 1702. VIV. 3. (Doroth.); fast in allen folgenden Jahren mehrmals Patenschaften, bis zu: Advocatus Johann Christian Junge 1713. IV. 20. (Fried. Werd.); bis zu dem Zeitpunkt dieses letzten für sie nachgesehenen Eintrags war sie also nicht verheiratet.
[20] Unter den Trägern des Namens, für die Verwandtschaft nicht nachweisbar ist, findet sich unter andern ein Kleinschmied und Schlösser Johann Michael Spangenberg (Doroth. Taufbuch 1706. X. 28.; 1707. VIII. 24.; 1708. VIII. 8.), daneben ein Bürger und Schlösser Johann Conrad (Fried. Werd. Taufb. 1713. VIII. 6.), ferner Catharina Elisabeth (1706. VIII. 19. Patin, Doroth.), Maria Catharina 1709. VIII. 1. (Sterbeeintrag Doroth.).
[21] Dorothea Spangenherg, Jungfer, Patin: 1695. XII.
26. (Georg); vor der Frau des Bildhauers Friedrich Petersen bei dem Kinde des
Bildhauergesellen Johann Pausendorff 1702. VII. 21. (Georg); nach Andreas
Schlüter und anderen des Bekanntenkreises bei dem Kinde des Bildhauers
Gottfried Marquart 1704. IV. 10. (Doroth.); Trauung (nicht aufgefunden) mit
Johann Christian Junge, Gerichtsadvokat.
Taufen
der Kinder: 1707. 1. 30. (Doroth.) Paten u. a. Andreas Haid, Frau Maria
Herfert; 1708. VII. 19. (Fried. Werd.); 1711. I. 11. (Fried. Werd.) Pate u. a.
Schlüters Tochter; 1713. IV. 20. (Fried. Werd.) Paten u. a. Johann Jacobi,
Schlüters Frau.
Johann
Spangenberg. Trauung: informator alhier mit Jungfer Anna Catharina Mulack,
sehl. Meister Jürgen, gewesenen Bürgers und Stellmachers in Storkau nachgelass.
ehel. Tochter. 1706. X. 14. (Nicol.); Kindstaufe des Schulmeisters alhier 1713.
IV. 5. Paten u. a. Andreas Schlüter. der Hofbuchdrucker Ulrich Lippert (Soph.).
Weitere Angehörige nicht festzustellen, vielleicht ist bei dem Eintrag in das Sterbebuch 1704. IV. 11. Anna Spangenbergin, sehl. H. Spangenberg nachgelassene Wittwe, die Mutter zu vermuten (Doroth.).
[22] K. F. v. Klöden, Andreas Schlüter. Berlin II. A. 1861, p. 9.
[23] Sterbebuch 1700. I. 3.‑ ist Ernst Schlüter
Pildtschnietzer gestorben und den 8. dito alhier begraben worden (Doroth.). Die
Berufsbezeichnung läßt keinen Schluß auf eine besondere, im Gegensatz zu der
des Bildhauers etwa nur handwerkliche Tätigkeit zu, Bildschnitzer ist nur eine
seltenere Bezeichnung als Bildhauer.
Traubuch
1700. VIII. 26. H. Friederich Gottfried Herfert, vornehmer Künstler und
Bildhauer alhier mit Fr. Maria Rosina Grosowaltin, Sehl. Herrn Ernst Schlüters
nachgelassene Wittwe. (Doroth.).
Diese Frau scheint die meistgebetene Patentante Berlins gewesen zu sein, sie kommt fast unzählige Male als Patin in allen Sprengeln vor, besonders in dem Kreise der Künstler.
[24] Taufb. 1699. V. 10. Der Vater wird als
Kurfürstlicher Baumeister bezeichnet. Paten u. a. Hofmaler Michael Probener,
Frau Maria Catharina Blesendorff geb. Frers (Fried. Werd.).
Sterbebücher Doroth. und Fried. Werd. (die beiden Kirchen hatten einen gemeinsamen Friedhof) 1700. 11. 2. ist Gotthardt Schlüter, H. Andreas Schlüter sein eheleibl. Sohn, gestorben und den 4. dito alhier begraben worden (cf. Anm. 1, 145 a).
[25] Wallé, Peter, Schlüters Wirken in Petersburg, Berlin 1901; cf. Gurlitt 1891, p. 226 nach Nicolai.
[26] Taufbuch, Daniel Schlüter Pate 1710. III. 11 (Doroth,). Sterbebuch, Martin Gottlob, Kind des Meisters Daniel Schlüter, gest. 1713. X, 31 (Doroth.).
[27] Muttray, Danziger Zeitung 1912, VII. 5. Nr. 311. Der vergessene Artikel wieder abgedruckt von Keyser, Erich, Altes und Neues zur Herkunft Andreas Schlüters, Altpreußische Geschlechterkunde II. 1928, p. 50 f., der die Danziger Belege durchgeprüft und vermehrt hat. Die Literaturangabe wird Herrn Dir. Dr. E. Keyser verdankt.
[28] Mielke, R., Besprechung von Gurlitts Schlüterbiographie, Der Bär, Bd. 18, 1892, p. 94.
[29] Antrag in der Handschrift des Bauschreibers Peter
Jänicke, unterzeichnet: A. Schlüter. Pr. G. St. A. Rep. 9. EE. Personalpässe.
Goldschmied
und Bildhauer in einer Person war z. B. auch A. Haid (cf. Anm. II, 110).
Nach
einer Vermutung von C. F. Foerster könnte Sigismundt Beller mit der
Goldschmiedefamilie Biller in Augsburg zusammenhängen, an Verbindungen
zwischen Danzig und Augeburg hat es offenbar nicht gefehlt.
Der Vorname von Sapovius wird verschieden gegeben, Schlüter nennt ihn Johannes, Nicolai David, sonst heißt er Christoph.
[30] Dem Bekanntenkreis der Familie scheinen in der
Hauptsache Künstler angehört zu haben, z. B.: Christoph S., Pate beim Kinde des
Bildhauers Joh. Christoph Reinboth. 1704. II. 22 (Nicol.).
Ein Jahr nach dem 1710 erfolgten Tode des: Sehl. H. Christophs Sapovi gewesenen kgl. Bildhauers alhier, verheiratet sich die Tochter Concordia mit dem kgl. Bildhauer Anton Clasen 1711. I. 22 (Doroth.). Bei deren Kindstaufe sind u. a. Paten. Martin Heinrich Böhme Ingenieur, der Bildhauer Georg Gottfried Weihenmeyer, die Witwe Herfert.
[31] Eine Auswahl der Kirchenbucheintragungen: 1702.
VIII. 20. Pate beim Kinde des Bürgers und Tischlers Johann Denhoff, wie auch
die Frau des Gießers Jacobi (Nicol.); 1703. I. 26. und III. 7. Pate „Bildhauer“
(Jerus.); 1704. II. 15. Pate kgl. pr. Ingenieur (Nicol.); 1704. V. 20. Pate bei
Johann Adam Tausch, einem unter Schlüter arbeitenden Marmorierer (Georg); 1705.
IV. 30. Pate „Bildhauer und Ingenieur“ (Fried. Werd.).
Da
weitere Erwähnungen in späteren Jahren nicht zu finden sind, ist das von Nicolai
wohl nur vermutungsweise angegebene Datum für Nergers Ausscheiden aus dem
preußischen Dienst sicher zu spät.
Die
Zahl der in Berlin tätigen Danziger Künstler und Handwerker ist nicht klein
gewesen.
1699. I. 29. wird z. B. auch ein Benjamin Wagner, Bildhauergeselle aus Danzig, erwähnt. (Sterbebuch Fried. Werd.); ferner 1710. VIII. 5. ein Joh. Friedrich Wensch, „bürger und tischer, gebührtig aus Dantzig“ (Jerus. Traubuch). cf. auch Anm. I, 135.
[32] Benkard, Ernst, Andreas Schlüter, Frankfurt M.
1925, p. 6, und Anm. zu Abb. 71‑72. Benkard pflichtet der Vermutung Bodes
(Bode, Wilhelm v., Geschichte der deutschen Plastik, 1887, p. 236), es handele
sich um frühe Arbeiten Schlüters, der sich Müller, Haus, Die Königliche
Akademie der Künste zu Berlin, 1896, p. 84, anschloß, nicht bei. E. F.
Bange, Die Bildwerke des Deutschen Museums, Bd. IV, 1930, p, 105‑108, bezeichnet die Gruppen als der Art Leygebes nahestehend, und zählt einige ähnliche Stücke auf. Boeck, Wilhelm, Studien zu Andreas Schlüter als Bildhauer (Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 54, 1933, p. 38 ff.), p. 57, findet die Kampfgruppe J. Nr. 858 weiter von Schlüter abstehend und altertümlicher als das Parisurteil (J. Nr. 859), das er für ein Erzeugnis der engeren Welt, aus der Schlüter hervorgegangen ist, hält.
[33] Dohme, Robert, Barock‑ und Rokokobauten in Berlin und Potsdam, in der Zeitschrift: Das Neue Reich, Leipzig 1874, p. 66. Schmitz, Hermann, Preußische Königsschlösser, Berlin 1926.
[34] Fr. Nicolai, Beschreibung der Residentzstädte Berlin und Potsdam. Berlin III. A. 1786, II. p. 798. Kugler, Fr., Beschreibung der Kunstkammer. Berlin 1838, p. 268‑269, Nr. 438.
[35] Pr. St. B. Ms. Boruss. Fol. 140. Verzeichnis der Raritätenkammer.
[36] Martin Friedrich Schacht, ein Bernsteindreher aus
Danzig. Sterbebucheintrag 1700. IV. 16 (Jerus.).
Abraham
Hoyer, Bernsteindreher, 1694. V. 15. Traubuch (Fried. Werd.). Hoyer war im
Besitze einer kurfürstlichen Bestallung, erhielt Wohnungsgeld und eine kleine
Besoldung. Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE.
H.
Wolffram, Bernsteindreher 1705. III. 15. Taufvater „kgl. pr. Bernsteindreher“,
Paten u. a. die Bildhauer Samuel Nahl und Cornelius Heintzy. 1707. Verschied.
Eintragungen (Jeru
H.
Lehmann, Bernsteindrechsler. 1709‑1711 mehrere Eintragungen (Jerus., Neue K.).
H.
Thuro, kgl. Bernsteinschneider. 1706‑1713 mehrere Eintragungen (Georg. Nicol.,
u. a.).
Gabriel
Siel, Ebenist in Bernstein. 1709. XII. 16. Pateneintrag (Georg.).
In
der Regierungszeit Friedrichs waren in Berlin zwei große Bernsteinausstattungen
zu bewundern: das Kabinett im Schloß, das Friedrich Wilhelm I. dem Zaren Peter
schenkte (cf. B. von Köhme, Berlin‑Moskau‑Petersburg, Schriften des Vereins für
die Geschichte Berlins, Bd. 20, Berlin 1882; S. v. Wiltschkowski, Zarskoje
Ssello, Berlin 1911, p. 177 f.; G. K.
Lukomsky, Zarskoje Sselo, Berlin 1924, Tf. 2), und die Bernsteingalerie (Bernsteinzimmer) im Schlosse Charlottenburg, über deren Schicksal nichts bekannt ist (Pr. G. St. A. Rep. 9, Nr. 12, mit Nachrichten über Eosander, Gottfried Wolffram u. a.).
[37] Rudolf Verres hat in einem Aufsatz: Der Elfenbein‑
und Bernsteinschnitzer Christoph Mancher, Pantheon XII, 1933, p. 244 ff., das
Werk des Meisters zusammengestellt, zu dem sich einige ergänzende Archivalien nachtragen
lassen:
Decret
auf Christoph Mauchens, Bildhauers eingegebene Rechnung, vor gelieferten
börnstein 389 thlr. aus den Chatoulgefällen. Sign. Königsberg 1690. IV. 12.
Dem
Danziger Bildhauer Christoph Mauchern auf abschlag der vermöge Contract vom 16.
V., welcher auf Befehl zwischen Dero ... Eberhard v. Danckelmann und Mauchern
allhier geschlossen, demselben versprochenen 5000 thlr. Sofort 1000 thlr. aus
der Chatoul zu zahlen. Sign. Königsberg 1690. V. 20.
Wegen für S. Ch. D. gelieferten Bernstein Arbeit 300 thlr. aus der chatoul zu bezahlen. 1696. V. 29. (Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE.)
[38] Boeck, 1933, p. 56 f. (bes. über den
„Kopenhagener Meister“). Die Elfenbeinfiguren der Staatl. Museen Berlin als
Frühwerke Schlüters anzusprechen, wie dies, wenn auch zögernd, O. Pelka,
Elfenbein (Bibliothek für Kunst‑ und Antiquitätensammler, Bd. 17, Berlin 1920,
p. 293), und Scherer, Chr., Elfenbeinplastik seit der Renaissance (Monographien
des Kunstgewerbes, Bd. 8, Leipzig s. d. [c. 1905], p. 105), taten, hat bereits
H. Schmitz, Deutsche Kunst und Kultur des 18. Jahrhunderts, München 1923, p.
375, abgelehnt.
Erwähnenswert
sind die ausführlichen Beschreibungen bei Fr. Kugler, 1838, p. 223‑225, und die
Bemerkungen bei Fischer, R., Historisch‑kritische Beschreibung der Kunstkammer
im Neuen Museum, Berlin 1859, p. 27‑28.
Eine
Zuschreibung einer Elfenbeinarbeit an Schlüter enthält der Katalog der Sammlung
Jaffé, Hamburg. Auktion Köln 1905, p. 86, Nr. 1040. Fratzenkopf aus
Rokokoornament erwachsend. Vollrund geschnitzt. Länge 7 cm (oh. Abb.).
Der Wortlaut der Bestallungen von Bildhauern und Architekten muß, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, als ein meist längere Zeit benutztes Schema der Lehnskanzlei gewertet werden. Wahrscheinlich ist der Passus in Schlüters Bestallung, wo als Materialien für Bildhauerarbeit „Stein, Marmor, Elfenbein, Alabaster und Holz“ aufgeführt werden, ohne spezielle Bedeutung, er findet sich noch ebenso in der Bestallung des Hofbildhauers Herfert, 1702 (cf. Anm. 135) und in der des Bildhauers Weihenmeyer, der nach dem Tode Herferts dessen Stelle erhält. (Br. Pr. Haus. A. Rep. XX. Bildhauer.)
[39] Muttray, 1912, p. 44. J. Kohte, Bericht über einen Vortrag. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Bd. 34, 1917, p. 42.
[40] Kaemmerer, L., Peter von der Rennen und Andreas Schlüter. Monatshefte für Kunstwissenschaft, Bd. 4, 1911, p. 3 f. Die Auffassung, daß dem Beruf des Goldschmiedes der des Bildhauers fern gestanden habe, kann nicht geteilt werden, später liefert z. B. der Danziger Goldschmied Haid in Berlin auch große Bildhauerarbeiten.
[41] Lindner, A., Danzig. Leipzig, II. A. 1913, p. 102. Keyser, 1931, p. 39.
[42] Bergan, R., Andreas Schlüter in Danzig,
Altpreußische Monatsschrift, hg. R. Reiche und E. Wichert, Bd. 4, Kgsbg. Pr.
1867, p. 54 f.
Ursprung der Vermutung: Schulz, J. C., Über alterthümliche Gegenstände der bildenden Kunst in Danzig, Vortrag 1841, p. 33.
[43] Kugler, Fr., Pommersche Kunstgeschichte. Stettin 1840. Bd. 8 der Baltischen Studien, hg. von d. Pomm. Ges. f. Geschichte und Altertumskunde, p. 253‑255. Böttger, L., Bau‑ und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirkes Köslin, Bd. II, Heft 1, Kreis Stolp, Stettin 1894, p. 86‑88 (mit Abb. d. Ornaments).
[44] A. Humbert, Mémoire sur la vie et les ouvrages de
L. Chr. Sturm. Bibliothèque Germanique, Amsterdam, Bd. 27, 1733, p. 72.
cf.
v. Heinecken‑Humbert, 1768, p. 80.
Ein ausführlicher Bericht über eine Künstlerreise durch Italien, Frankreich und die Niederlande, die zu der Zeit stattfand, in der mutmaßlich auch Schlüter unterwegs war, ist erhalten in den Aufzeichnungen Nicodemus Tessins d. J. über seine Studienreise, hg. O. Siren, Stockholm 1914.
[45] Kohte, J., Ein Werk Schlüters in Warschau.
Zentralblatt der Bauverwaltung, Bd. 36, 1916, p. 477. Benkard, 1925, p. 6.
Boeck, 1933, p. 60, auch Petit Guide de Varsovie, Warschau 1933. Rez. A. L. Dt.
Wiss. Zeitschrift f. Polen, H. 27, 1934, p. 219 f.
Die von Kohte veröffentlichten Zahlungsbelege gehen den Vornamen Schlüters nicht an. Nachdem in Danzig und in Berlin seither weitere künstlerisch tätige Träger des Namens festgestellt worden sind, ist der Beweis für Andreas Schlüters Urheberschaft nicht völlig hinreichend. Nicolai gibt für Schlüters Tätigkeit in Polen „um 1691“ an. Leider ist nicht bekannt, worauf er sich dabei stützt. Lauterbach, A., Warschau (Berühmte Kunststätten, Bd. 66), Leipzig 1918, p. 78, versucht vorschlagsweise, auf Grund der Beträge, die Schlüter außer für den Giebel und das nichterhaltene Wappenschild empfing, den Anteil des Künstlers auf andere bildhauerische Werke des Palais auszudehnen; die Schlußsteinköpfe und Details am Mittelbau und in der Galerie. Eichhorn, K. v., Warschau (Leipzig 1919), p. 52, äußert einige andere Vermutungen, und hebt besonders hervor, daß die fünfmalige Wiederherstellung des Gebäudes auf seinen ursprünglichen Bestand stark eingewirkt haben muß.
[46] Marperger, P. J., Historie und Leben der
berühmtesten europäischen Baumeister nach Félibien und mit den drei
hinterstelligen Seculis ausgeführet, Hamburg 1711 (cf. Anm. II, 18).
Die archivalische Nachforschung auf Betreiben Dohmes führte zu keinem Ergebnis, vielleicht weil sie durch Vermittlung des russischen Botschafters angestellt wurde. R. Dohme, Das Schloß zu Berlin, Berlin 1876, p. 23, hier auch die Erwähnung einer „mündlichen Sage“ über einen Anteil Schlüters am Bau des Altstädter Rathausturmes. (Auch Gurlitt war seinerzeit angewiesen, sich an die russischen Behörden zu halten.)
[47] Gurlitt, 1891, p. 35, vorher in der Zeitschrift
für bildende Kunst, Bd. 18, 1882, Beiblatt, p. 160; Bericht über einen Vortrag
im Architektenverein: Der Bär, Bd. 9, 1883, p. 204; einen weiteren Artikel in
Zeitschr. f. bild. Kunst, Kunstchronik, Bd, 19, 1884, p. 313; ferner
Geschichte des Barockstiles, Bd. II, Abt. 2, 1889, p. 375. Einzelne Bemerkungen
bei: Bruck, R., Andreas Schlüter (Allgem. Dt. Biogr., Bd. 55, Nachtrag, 1909,
p. 185; Neumann, Andreas Schlüter, Deutsche Bauzeitung, Bd. 48, 1914, p. 384;
Lauterbach, 1918, p. 68. Wichtige Notizen über Restaurierungen bei P.Juckhoff‑Skopau,
Architektonischer Atlas von Kongreßpolen (Beiträge zur polnischen Landeskunde,
Deutsches Auslandsinstitut Stuttgart), 1921, p. 209.
Die
von Gurlitt erwähnten Akten im Pr. G. St. A. sind von J. Kohte durchgesehen
worden, sie enthalten keine Hinweise auf Schlüter. (Kohte, 1916, p. 478.)
Es
bleibt kaum Raum für eine Betätigung Schlüters am Schloß Willanow. Gurlitt,
Warschauer Bauten aus der Zeit der Sächsischen Könige, Berlin 1917, p. 39,
revidiert seine früher vorgetragenen Anschauungen über die Baugeschichte des
Schlosses, ohne zu festen Ergebnissen zu gelangen.
D. Frey hat sich Gurlitts Meinung, daß die Architektur der Hoffassade eine Verwandtschaft mit Schlüterschen Bauten aufweise, angeschlossen: J. B. Fischer von Erlach. (Eine Studie über seine Stellung in der Entwicklung der Wiener Palastfassade, S.‑A. aus dem Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte I (XV), 1921‑22 (1923), p. 145.
[48] Galland, G., Der Große Kurfürst und Moritz von Nassau. (Studien zur Brandenburgischen und Holländischen Kunstgeschichte.) Frkft. M. 1893, p. 56. Die Urheberschaft Quellinus schon von Humbert behauptet, danach bezweifelt.
[49] cf. den Artikel in Thieme‑Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler.
[50]a
In einer von Eggers eingegebenen Aufstellung
fordert er: 970 thlr. für gelieferte Statuen, die nicht abgeholt wurden,
Zehrgeld für einen Aufenthalt in Berlin 1684, Reisegeld nach Cleve 1686 und
Kostgeld vom 15. XI. 1687 bis 15. VIV 1688 in Berlin, Geld zur Rückreise nach
Holland und eine Entschädigung „wegen meiner Verseumnis alhier“. Eggers erhält
nach einem von van Langerfeldt mit ihm geschlossenen Vergleich 680 thlr.. 1688
X. 22. Assignation an die Hofrentei. Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE.
Am Tage seiner Abreise nach Berlin hatte Eggers in Amsterdam in Gegenwart eines Notars ein Inventar aufgesetzt, aus dem hervorgeht, daß er auch nach Hessen‑Kassel, Sachsen‑Gotha, sogar nach Polen Lieferungen hatte. cf. A. Bredius, Künstlerinventare, Bd. II, Haag 1916 (Bd. VI der Quellenstudien zur Holländischen Kunstgeschichte), p. 717 f. Die brandenburgische Aufträge betreffenden Angaben auch schon vor dieser Veröffentlichung in der im Thieme‑Becker genannten Literatur verwertet.
50b Die Statuen wurden anläßlich des Besuches Augusts des Starken (cf. Anm. I, 122) in Berlin 1728 im Weißen Saale aufgestellt. R. Wolff, Berichte des braunschweigischen Gesandten in Berlin, Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Bd. 48/49, Berlin 1914, p. 9, Nr. 3.
[51] Heinitz befürwortet bei Friedrich Wilhelm II.
Schadows Vorschlag: 1794. XII. 26. „als wodurch die jetzt müssige vaterländische
Bildhauerkunst rühmliche Beschäftigung erhalten würde“. Br. Pr. Haus. A. Rep.
XIV. F. Berlin Schloss, Vol. IV, f 01. 88.
Die
Zeichnung der Statue Friedrich Wilhelms I. fol. 89, die Friedrichs II. fol. 90.
Die
ablehnende Antwort des Königs (als Grund wird die Überlastung des Saalbodens
angegeben), undatiert. (1795. I.) Pr. G. St. A. Rep. 96. 210 A.
Der
zweite Vorschlag Schadows in einem größeren Programm (1839. VIV. 20) für die
Beschäftigung der Berliner Bildhauer, das er mit Rauch, Tieck und dem
Hofbauinspektor Hesse besprochen hatte (cf. Anm. III, 81). Pr. G. St. A. Rep.
89. B. VII. 85. 3. Die Absicht Schadows war dabei, durch mit Stipendien
verbundene Aufträge eine Ausbildungsmöglichkeit für junge Bildhauer zu
schaffen, von diesem Wunsche her wird das Urteil über die Statuen beeinflußt
gewesen sein: „Ohne Rücksicht auf Ähnlichkeit der Bildnisse, außer dem des
Grossen Kurfürsten, gehören sie zu den Maniriertesten und Unwürdigsten
Fabrikarbeiten Carraras, ohne Natur, Form oder Stil“.
Aus diesen Vorschlägen, „sowohl zur Vollständigkeit als auch zum Glantz des kgl. Hauses“ ist zu ersehen, daß der Gedanke der wenig glücklichen Schöpfung der Siegesallee denkmalsgeschichtlich nicht nur die allgemeinen Vorstellungen bildhafter monumentaler genealogischer Reihung zur Voraussetzung hatte, sondern auch frühere, teilweise verwirklichte entsprechende Absichten, die sich lange lebendig erhalten hatten.
[52] Studieresor, hg. von Sirén, 1914, p. 71, 227 f.
[53]a Herchenbach, W., Beiträge zur Lebensgeschichte
des Kurfürsten Johann Wilhelm IV. Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins,
1882, p. 11 f. Levin, Th., Beiträge zur Geschichte der Kunstbestrebungen in dem
Hause Pfalz‑Neuburg. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Jahrbuch des Düsseldorfer
Geschichtsvereines, Bd. 19, 1904/05, p. 180 f. Dazu: 1692. III. 12. Dem
Generalempfänger Kraut 114 thlr. hiesiger münze zu erstatten, welche derselbe
dem Bildhauer zu Brüssel Gripello auf abrechnung des vor S. Ch. D. verfertigten
Bildes gezahlet. Sign. Potsdam.
1692.
XI. 12. dem Grupello wegen seiner getanen Reise von Brüssel nach Cleve dafür
ihm 100thlr. geschencket.
Asignationes
an die Chatoul. Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE.
Boeck, 1933, p. 54, hat, wie auch Schmitz, die Marmorhüste Friedrichs III. ‑ Abb. H. Z. J. B. (Hohenzollern‑Jahrbuch) IV. 1900, p. 73 ‑ für die Schlüters Urheberschaft seit Nicolai behauptet wurde, aus dem Werke des Meisters ausgeschieden, ohne eine Zuschreibung an einen anderen Künstler auszusprechen. Es besteht, im Vergleich mit anderen Werken Grupellos die große Wahrscheinlichkeit, daß diese Büste von ihm angefertigt worden ist. Nach dem Attribut, dem Stern des englischen Hosenbandordens, ist sie zwischen 1690 und 1701 zu datieren, so daß die Zahlungen von 1692 mit dem Auftrag, diese Büste zu schaffen, in Zusammenhang gebracht werden dürfen.
53b Der Ankauf des Alabasters: Br. Pr. Haus. A. Rep. XX. 1685 Vl. 21.
[54] Die Beschwerde gegen Döbel: R. Straube, Die Bildhauerfamilie Döbel, Kgsbg. Pr. 1916, Diss., p. 38. (Pr. G. St. A. Rep. 16. I. Fase. I.) 1687. XI. 29. Zahlung für die Oranienhurger Skulpturen: Rezepturkasse. Pr. G. St. A. Rep. 24. Fase. II. Vol. I.
[55] Pr. G. St. A. Assignationes an die Postgelder. 1692‑93. Rep. 9. EEE.
[56] Für das Baujahr 1689 berichten die Rechnungsprüfer der Oranienburger Baurechnung z. B., daß Nering alle verfertigte Arbeit bedungen und alle Quittungen selbst unterzeichnet hat. Pr. G. St. A. Rep. 21. 13 d.
[57] Den außerordentlich sorgfältig gearbeiteten biographischen Angaben ist eine Aktennotiz hinzuzufügen, aus der hervorgeht, daß der Hofbildhauer in dem dem Kurfürsten gehörigen Haus in der Klosterstraße eine Wohnung innehatte. (1698. III. 22. Pr. G. St. A. Rep. 122. 7. B. 11, 13. Decret auf des frantzösischen Artisten Abraham Paris Supplicat.) (cf. Anm. III, 79.)
[58]a Nicolai (Beschreibung, 1786, Anhang) p. 42. Nachrichten von den Baumeistern etc. in Berlin.
58b Wilhelm Boeck, Eine Marmorarbeit des Berliner Hofbildhauers Michael Döbel, Berliner Museen, Berichte aus den Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 54, 1933, p. 92 ff., hat die Marmorkopie eines bogenschnitzenden Cupido nach Duquesnoy auf Michael Döbel bestimmt; für den Schluß der Ausführungen wäre zu berücksichtigen gewesen, daß die Figur des Großen Kurfürsten im Hohenzollernmuseum erst Ende des 18. Jahrhunderts mit Chodowieckis Hilfe zurechtgemacht worden ist, cf. Fr. Kugler, 1838, und P. Seidel, Führer durch das Hohenzollernmuseum Berlin (cf. auch Anm. 59/62).
[59] Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 80 p. 305.
[60] Johann v. Besser, Hofjournal, Dresden H. St. A. Sekt. Zeremonial A. Nachlaß J. v. Besser; Kopie Br. Pr. Haus. A. Ms. 110, p. 83. Die Einsetzungsfeier fand am 6. XI. 1699 statt.
[61] Br. Pr. Haus. A. Rep. 35. R. (Abb. des Sarges d. Gr. Kurf. R. Borrmann, Die Bau‑ u. Kunstdenkmäler von Berlin 1893).
[62] Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE. Assignations auf die Chatoul.
[63] Clemens Colasius. Bürger und Bildhauer (vor 1693
in Berlin). Als Taufvater im Kirchenbuch von Marien verzeichnet: 1695. II. 21;
1697. VII. 4; 1699. II. 19.
Bernhard
Mahlendorff. Sein Name findet sich in den Ausgabebüchern der Hofstaatsgelder.
Br. Pr. Haus. A. Rep. XII B. 3: 1693 für arbeit an einer Reisekutsche 9 thlr.
1703 für Conditor Körbe, worunter auch die Mahler Arbeit 620 thlr. 1711‑12 dem
Bildthauer Moehlendorff 9 thlr.
Taufbucheintragungen:
1694. I. 6. Pate beim Kinde des Joh. Jacob Fricke (Marien). 1695. X. 27.
„Bilthauer“ (ein Kind von ihm gestorben) (Fried. Werd.). 1699. VIV. 24.
„Bildsnitzer“ (Petri) als Pate. 1701. VIII. 28. „Bürger und Bildhauer“ Pate
(Petri). 1703. Xl. 14. Taufvater. Paten: Maler Mathias Scheffel, H. Butte,
Schlösser in Friedrichsfeld (Petri). 1704. IV. 22. Pate (Fried. Werd.). 1706.
I. 27. Taufvater. Pate u. a. Joh. Glume (Petri). 1708. VI. 6. und 1713. IV. 19.
Taufvater (Petri).
Caspar
Spiegel. 1691. X. 19. Dekret auf sein Supplikat. Anweisung einer Baustelle in
der Friedrichstadt, durch Nering. Pr. G. St. A. Rep. 21.195. 1693. VI. 7.
Taufvater. Paten Bildhauer Weihenmeyer und die Frau des Bildhauers Fuchs
(Fried. Werd.). 1696. III. 17. Taufvater „bürger und bildthauer“, Pate u. a.
Frau Schlüter (Fried. Werd.).
Jacob
Fichtner, Bürger und Bildhauer. 1689. V. 31. Dekret auf sein Supplikat.
Anweisung einer Baustelle in der Friedrichstadt durch Nering. Pr. G. St. A.
Rep. 21. 195. 1693. VI. 11. Taufvater (Nicol.) ‑ 1697. V. 16. Taufvater
(Nicol.). Pate u.
a. Joh. Träncker, Kammertischler. 1700. II. 11. Taufvater (Nicol.). 1701. II.
29. Trauung einer Tochter (Nicol.). 1703. IV. 10. Taufvater. Paten Frau
Schlüter und Peter Jänicke, Baukommissar (Nicol.). 1705. IV. 20. Trauung einer
Tochter (Nicol.). 1706. V. 4. Pate beim Kinde einer Tochter (Nicol.).
Johann
Georg Brenck. (Vgl. L. Bruhns, Würzburger Bildhauer, München 1923, Erwähnung
einer Künstlerfamilie Brenck.) 1693. IV. 13. Dekret auf seine Supplik gegen den
Kaufmann Schindler. Pr. G. St. A. Rep. 9. HH. 2. 1693. VIII. 6. Pate (Dom),
Taufvater Drechsler Dietrich Busch. 1694. I. 19. Taufvater (Petri). 1696. I.
20. Taufvater. Täufling Anna Elisabeth. Paten u. a. Frau Schlüter und Baumeister
Grünberg (Petri). 1700. III. 2. Taufvater. Paten Andreas Schlüter, Peter
Jänicke, Bausekretär, H. Jacobi, Hofgießer. 1701. III. 22. Pate (Petri). 1701.
V. 1. Gestorben (Doroth.).
Johann Heinrich Walter, Bildhauergeselle. 1693. VIV. 19. Pate (Fried. Werd.).
[64] Martin Schöne. 1694. VIII. 2. Pate (Fried. Werd.).
Martin Caspar Schau. 1696. III 17. Seine Frau Pate beim Kinde des Bildhauers Caspar Spiegel (Fried. Werd.). 1697. 11. 21. Pate (Doroth.). 1698. VIV. 28. Pate (Nicol.). 1700. XI. 21. Pate „bürger und bilthauer“ (Fried. Werd.). 1704. II. 12. Pate beim Kinde des Maurers und Steinhauergesellen Rubertus (Fried. Werd.). 1704. XI. 27. Trauung mit der Tochter des Schneiders Christian Berndt (Nicoi.). 1706. IV. 9. Pate beim Kinde des Bildhauers Friedrich Peters (Doroth.). 1709. II. 21. Taufvater, Pate u. a. Bildhauer Weihenmeyer.
[65] Giese, Leopold, Besprechung von E. Benkard, 1925, Repertorium für Kunstwissenschaft, Bd. 52, 1930, p. 139.
[66] Pr. G. St. A. Rep. 24. KK. Fasc. 3. Zahlungsanweisungen, Vol. II, fol. 41, Konzept gezeichnet von Eberhard v. Danckelmann.
[67] In seiner Bestallung (gedruckt bei v. Klüden 1862) Br. Pr. Haus. A. Rep. 20. wird bestimmt, daß die Gehaltszahlung von Trinitatis ab laufen soll.
[68] Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE. Assignationes an H. Vietorn. 1696.
[69] Koenig, Anton Balthasar, Versuch einer
historischen Schilderung der Hauptveränderungen, Künste, Wissenschaften etc.
der Residenzstadt Berlin. Berlin, Bd. III, 1795, p. 66.
Gurlitt,
1891, p. 122.
Gundlach, Geschichte der Stadt Charlottenburg, Berlin 1905, Bd. II, p. 230.
[70] Patenschaft beim Kinde des Bürgers und Zirkelschmiedes Christian Köhler. 1696. VIV. 20 (Nicol.).
[71] 1696. I. 20 (Petri). Taufvater Bildhauer Joh. Georg Brenck. 1696. I. 26 (Fried. Werd.). Taufvater Bildhauer Martin Fuchs. 1696. III. 17 (Fried. Werd.). Taufvater Bildhauer Caspar Spiegel.
[72] Akten Pr. G. St. A. 1696 Rep. 9. D. 4. c. Hausvogteispezialia Fasc. 11, dabei: Decretum auf Andreas Schlüters, Hofbildhauers Supplic ... die Magd dahin anzuhalten. dass sie an dem Supplicanten und die seinigen weder mit Wort noch mit wercken sich vergreiffen solle. 1696. VIV. 18. 1697 Rep. 9, D. 4. c. Fasc. 13. 1698 Rep. 9. D. 4. c. Fase. 14. 1699 Rep. 9. y, 2. Fasc. 16 f. Weitere Akten cf. Anm. IV, 52.
[73] R. Borrmann, Die Lange Brücke. Zeitschrift für Bauwesen, Bd. 44, 1894, p. 332. In den folgenden Anmerkungen meist kleine Ergänzungen dafür.
[74] 1691. VI. 30. 600 Tlr., erste nachweisbare Zahlung zu Behuf des „Langenbrückbaues“. Pr. G. St. A. Rep. 24. KK. Fasc. 2. Zahlungsanweisungen, Vol. I. 1691 dann laufende Zahlungen, ebda. 1693. I. 11. „1000 thlr. zu erkauffung Hartsteine“. Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE. 1693. VIV. 9. 5000 thlr. behuef des hiesigen langen Brückenbaues und Schleusenbaues, ebda.
[75] Über die Statuen: Schmidt, Jacob G., Collectio Memorabilium Beroliniensium, Berlin, II. A., 1727‑34, II, 1, p. 5‑7; J. Chr. Beckmann, Berlin, Ms. Berlin Stadt. A. Bd. II, fol. 9. Nach: Beger, Laurentius, Thesaurus Brandenburgieus I, 1696, p. 169.
[76] Das Thema: „Plastik und Brücke“ behandelte Zucker, Paul, Monatshefte für Kunstwissenschaft, Bd. 13, 1920, p. 26 f. (im gleichen Jahr in Buchform: Die Brücke, Monographie).
[77] Boeck, 1933, p. 46 f.
„Von
Schlüter, dem nordischen Michelangelo, verfertigt“ in: Ein anonymer Abriß über
die Stadt Berlin, 1757 (dessen sonstige Angaben gute Sachkenntnis beweisen);
hg. von H. Traub, Briefschilderungen. B. L. A. 1929. VII. 30.
Abbildungen der Figuren: Die Nordseite der Brücke deutlich wiedergegeben auf einem Gemälde von Fechhelm, e. 1765. Abb. H. Z. J. B. XIV. 1910. Die westlichste Figur der Südseite auf einem Stich von Wolffgang nach Wentzel: Verzeichnis, wie S. K. M. in Pr. Posten in Dero Residentz ein‑ und ablaufen. 1708. (Berlin, Postmuseum).
[78] Marperger, 1711, p. 442.
[79] Der von Schinkel eigenhändig aufgesetzte Entwurf zu dem von R. Borrmann, 1894, p. 339, veröffentlichten Schreiben der Oberbaudeputation: Pr. G. St. A. Rep. 93. D. Wasserbausachen. XI. Berlin O. K. 4. Vol. I.
[80] Die Ornamente wurden noch 1817 bei Erneuerungsarbeiten
an der Brücke sorgfältig instandgesetzt. Pr. G. St. A. Pr. Br.
Rep. 27. Berlin Reg. Bau. Kom. 11. 5. Sie verschwanden beim Neubau. Lichtwark,
Alfred, Deutsche Königsstädte, Berlin, II. A., 1912, p. 46, vermißt die alte
Dekoration.
Die Versicherung, daß die neuen Zierschilder genau nach den alten angefertigt seien (Die Straßenbrücken Berlins, hg. vom Magistrat Berlin, 1902, Bd. I, p. 140 f.), trifft, soweit Fotografien der alten Brücke ein Urteil zulassen, nicht zu.
[81] Pr. St. B. Miscellanea Brandenburgiea. St. 129. 27e. Petzoldt, August Gottlieb, in einer erklärenden Anmerkung zu einem Neujahrscarmen: „Die kostbare und prächtige lange Brücke zu Berlin, welche Ao. 1696 im December völlig ausgebauet worden.“ Ebenso Joh. Joachim Müller, Chroniculum Berolinense, Berlin Stadt. A. Ms. 149, fol. 492 v.: 1696 ward die kostbare Brücke völlig ausgebauet und mit prächtigen Statueri gezieret.
[82] Aus Mangel an Quellen ist von den meisten Autoren kein Versuch gemacht worden, die Entstehungszeit der Skulpturen zu bestimmen, einige benutzten zu unrecht die Zeitangabe der architektonischen Tätigkeit Schlüters am Zeughaus als Terminus, aber auch von denjenigen, die in den Skulpturen frühere Werke des Bildhauers vermuteten, ist ein so frühes Datum nicht genannt worden.
[83] Einige Akten über Ehescheidungsangelegenheiten (Pr. G. St. A. Rep. 41. 5‑6. 1700. Rep. 47. n. 9. M. A. III. 1693‑94. 1701‑03) zeigen, daß er sich zwischen 1693 und 1703 in Berlin aufgehalten hat. Er bittet in einem Intercessionale an den König von Polen, statt des Prädikats Hofmaler „Hofbedienter“ zu schreiben, weil er bereits Oberstwachtmeister gewesen sei, und andere adlige Militärchargen innegehabt habe. 1697 werden ihm einmal die Marinejura erlassen. (Notiz im Kurmärkischen Registraturbuch.)
[84] Für freundliche Auskunft ist der Direktion der
graphischen Sammlung Albertina, Wien, zu danken. Die Zeichnungen stellen
folgende Köpfe dar (A. Dohme, Die Masken sterbender Krieger von Andr. Schlüter
im Zeughaus Berlin 1877 = D. Benkard 1925 = B.):
D. I. B. 17 r. D. II. B. 15 I. D. VII. B. 15 r. (mit handschriftl. Bem. L.s: A. Schlüter inv.). D. VIV. B. 17. I. D. XII, B. 16. 1, D. XV. B. 16. r. D. XVIII. B. 18. I. D. XIX. Bd, 19, I. (ohne Stirnband). Die Medusa Abb. B. 8.
[85] Wie festgefügt der Plan für die bildhauerische
Ausstattung dieses dem Kriege gewidmeten Gebäudes ist, beweist die Deutung
Boecks, 1933, p. 57, für den Schlußstein über dem Nordportal: gefesselte
Harpyen, nach einem Motiv von Artus Quellinus im Amsterdamer Rathaus.
Eine
vergleichende Sammlung der Betrachtungen über die Bildhauerarbeiten Schlüters
am Zeughaus ergibt ein lebendiges Bild der Geschmackswandlung, ohne für die
Skulpturen selbst sehr ergiebig zu sein. Zu erwähnen sind:
Besprechung
von Dohmes Buch 18‑47, Die Graphischen Künste, Bd. I, 187 9, p. 59.
Hettner,
Geschichte der deutschen Literatur im 18. Jahrhundert, neu hg. von Witkowski,
Leipzig 1928, p. 124.
„F.“,
Deutsche Bauzeitung, Bd. 15, 1881, p. 427.
O.
Bie, Andreas Schlüter, Westermanns Monatshefte, Bd. 80, 1896, p. 190.
Bem.
in Mitt. d. V. f. d. Gesch. Berlins, 1898, p. 57.
Seidel,
Paul, Andreas Schlüter als Bildhauer. Rede in der Akademie der Künste Berlin,
1901, p. 12.
Döring,
O., Krieg und Kunst, München 1916, p. 51.
Moeller
van der Bruck, Der Preußische Stil.
G.
Sobotka, Bildhauerei der Barockzeit, hg. von H. Tietze, Wien 1927, p. 142.
Hausenstein,
W., Berliner Eindrücke, Neue Rundschau, 1929, p. 104.
Fleischer,
Julius, Das Gartenpalais Trautson, Belvedere, Bd. 8, 1929, II, p. 343.
Der einzige, der bisher eine deutliche und zweifellos richtige Aussage über den Sinn der Kriegermasken gemacht hat, ist C. F. Foerster in seinem klärenden Aufsatz Weihenmeyer‑Schlüter‑Kirchner, Berliner Museen, Berichte aus den Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 54, 1933, p. 98: in der Abgeschlossenheit des Hofes aufgehängte, abgetrennte Köpfe erschlagener Barbaren, die ein literarisches Zeitalter „Schlüters sterbende Krieger“ benannt hat. Dazu paßt, daß die frühesten Erwähnungen bei Humbert von Tetes d’esclaves sprechen. Freilich ist selbstverständlich, daß die Größe der Auffassung keinen Vergleich mit den häufigen mascaroni erlaubt, so daß die Bezeichnung Häupter der sterbenden Krieger, richtig verstanden, zulässig bleibt. Zu Foersters Hinweis auf die Türkensiege cf. M. Bernhart, Die Türken im Wandel des historischen Urteils, eine medaillengeschichtliche Betrachtung. Monatshefte für Kunstwissenschaft, VIII, 1915, p. 69 ff.
[86] Von den Bozzetti Schlüters haben sich zwei (nach Brinkmann,
A. E. Barockbozzetti, Frkft. M., Bd. IV, 1923, p. 18, Abgüsse nach Modellen)
erhalten, zwei weitere, die bekannt waren, sind verschollen. Abb. Benkard 1925,
p. 26. 1872 waren in der von J. Lessing geleiteten Ausstellung
kunstgewerblicher Gegenstände im Zeughaus (Führer p. 48) sieben Entwürfe zu
sehen (cf. Zeitschrift für bildende Kunst, VIII, 1873, p.61); bis 1890 haben sich insgesamt
acht erhalten (Führer durch das kgl. Zeughaus).
Zeichnungen Rodes nach den Masken, im
Schöneberger Rathaus (Rosenthal, Anna, Die Handzeichnungen Bernhard Rodes im
Rathaus Schöneberg, Der Kunstwanderer, Bd. 10, 1928, p. 277 f.) und im
Kupferstichkabinett (Bock, Elfried, Die deutschen Meister, Beschreibendes
Verzeichnis der Zeichnungen, Berlin 1921, p. 304).
Die
Ansicht, daß die kleinen Kriegerköpfe im Gebälk der Eingangspfeiler des
Charlottenburger Schlosses frühe Arbeiten Schlüters seien, die Dohme, R.,
Andreas Schlüter (Kunst und Künstler, Bd. 38), 1878, p. 11, aussprach, ist
schon von O. Bie, 1896, p. 197, angezweifelt worden. Boeck, 1933, p. 53, hat
die Köpfe, deren schablonenartige Reihung ihre rein dekorative Funktion
deutlich zu erkennen gibt, mit Recht aus Schlüters Werk gestrichen; Gundlach,
der noch der Meinung Dohmes beipflichtete (I, p. 21) hätte ihr schon wegen der
Kenntnis eines Aktenstückes (II, p. 266) widersprechen müssen, nach dem die
Schilderhäuser ca. 1712 entstanden.
Beispiele für die dekorative Verwendung des Motivs der Kriegerköpfe sind, besonders im Berliner Schloß, nicht selten.
[87] Bericht des v. Weiler an den
Generalkriegskommissar. 1697. IV. 24. Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket
447. 35. 1.
Zu den Helmen sind die Äußerungen von Beurmann, Ed., Vertraute Briefe aus Preußens Hauptstadt, 1837, II, p. 161, Rust-Wernigerode, Andreas Schlüter, in „Pallas“, Zeitschrift des Kunstgewerbevereins Magdeburg, III, 1882, p. 7, und Hegemann, Werner, Das steinerne Berlin, Berlin 1930, p. 113, zu erwähnen.
[88] Boeck, 1933, p. 48. Der spätere Aufsatz desselben Autors, Georg Gottfried Weyhenmeyer, Berliner Museen, Berichte aus den Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 54, 1933, p. 57 ff., wäre geeignet gewesen, völlige Verwirrung zu schaffen, er ist durch C. F. Foersters Entgegnung, 1933, p. 96, hinreichend erledigt (cf. Anm. 89/92).
[89] Das Berliner Rathaus. Denkschrift zur
Grundsteinlegung für das neue Rathaus, hg. vom Magistrat der Stadt (Krausnick),
Berlin 1861, p. 14‑15. Hier aktenmäßige Daten für den von Nering gebauten
Flügel an der Spandauer Straße des alten Berliner Rathauses:
1689
erstes Auftreten des Baugedankens, 1692 Grundsteinlegung, 1695 Fertigstellung.
Die Behauptung, Schlüter wäre schon 1691 nach Berlin gekommen, entbehrt des Beleges, sie ist nur in dem Wunsche begründet, die Schlußsteinköpfe für Erstarbeiten Schlüters halten zu können. Auch Wallé, Peter, Zum Zeughausbau, Der Bär, Bd. 13, 1887, p. 3, und in einem Artikel im Zentralblatt der Bauverwaltung, Bd. 15, 1895, p. 445, nimmt die Schlußsteinköpfe für Schlüter in Anspruch. St. Hirzel, 1924, p. 41, mißt dieser Annahme große Wahrscheinlichkeit bei, er selbst bemerkt ‑ zweifellos ebenso zu unrecht ‑, daß es sich auch um Arbeiten Permosers handeln könne (Art der Haarbehandlung).
[90] Cämmerei Rechnung 1699‑1700. Baukosten. 1699. V. 22: Dem Bildhauer Wein Meyer vor 3 Steinerne töpfe aufm Rahthaus Giebel 21 thlr. Berlin Stadt. A. Rechnungsbücher.
[91] Extrakt aus der Leichenpredigt. Koenig Coll. Pr. St. B. Ms. Boruss. Fol. 734. Dies die Quelle von H. Müller, 1896, p. 85 (cf. Foerster, p. 96 und Anm. I, 88).
[92] Müller, 1896, p. 85. Marperger, 1711, p. 451.
[93] Nach den Akten: Br. Pr. Haus. A. Rep. XIV. F.
Berlin. Pal. u. d. Linden. 1732‑33.
Über
das ehem. Schomburgsche Haus: Faßmann, Leben und Taten Friderici Wilhelmi,
Berlin 1735. Seidel, Carl, Berlins Architektur in kunstwissenschaftlicher
Hinsicht, Berlin 1830 p. 89. Seidel, Paul, Zur Geschichte des
Kronprinzenpalais, H. Z. J. B. XI, 1907, p. 208. Schmitz, H., 1926, p. 51.
Herz, Rudolf, Berliner Barock, Bauten und Baumeister aus der ersten Hälfte des
18. Jahrhunderts (Berlinische Bücher, hg. vom Archiv der Stadt, II), Berlin
1928, p. 31.
Unbenutzte Akten dazu noch: Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 70, 1688, p. 143. Bd. 71, 1689, p. 161. (Baukosten.)
[94] Franz Weinitz, Johann Jacobi, Homburg von der
Höhe und Berlin 1914, hat die Nachrichten der ersten interessanten Biographie
J. Jacobie von Lesser (Friedrich Christian, Nachricht von dem berühmten kgl.
pr. Kunstgießer und Artillerie-Inspektor Johann Jacobi, Hamburgisches Magazin,
XII, Leipzig 1753), die ihm entging, erst aus zweiter und dritter Hand benutzt.
Lessers Aufsatz leidet unter manchen Erinnerungsfehlern, besonders in den
Daten. Die Legendenbildung um den Guß des Reiterstandbildes hat anscheinend
schon zu Jacobis Lebzeiten, vielleicht durch dessen Erzählungen, begonnen.
Lesser war übrigens Hofrenteischreiber in Berlin und bat 1705. III. 9. (Marien)
Johann Jacobi und dessen Schwiegervater, den Silbermeister Damerow, zu Paten.
Neues
zur Jugend Johann Jacobis nach freundlicher Mitteilung von H. Geh. Baurat Dir.
Dr. h. c. H. Jacobi:
Johann
Jacobie Vater verwaltete das Amt des Glöckners in Homburg, eine Zeitlang
amtierte der Pfarrer Hagenbruch in Homburg (später in Echzel). Damit erklärt
sich die Verbindung zwischen dem Geistlichen, der später für die Ausbildung
Jacobis sorgt, und der Familie. 1684 wird einem Schmiedegesellen Jacobi
Kostgeld gezahlt (Kammerrechnung Friedrichs II.), wahrscheinlich ist es Johann
Jacobi, der vielleicht damals an dem im Bau befindlichen Homburger Schloß mitgearbeitet
hat. 1685 findet sich in der Kammerrechnung der Eintrag: Geld vor Zehrung eines
Casseler Reiters, welcher von Serenissimus geschickt dem Johann Jacobi. Näheres
über die Angelegenheit war nicht ausfindig zu machen. Die Wanderschaft
Jacobis, während der er sich in Paris bei den Brüdern Keller vorn Schmied zum
Gießer ausbildete, läßt sich nicht verfolgen. 1689 war er von Homburg abwesend,
bei einer Taufe zum Paten gebeten, läßt er sich vertreten.
Johann Rudolf Füßli berichtet im Künstlerlexikon 1779 unter Bougaerten, daß Desjardins den Guß seiner Statue Ludwigs XIV. mit Hilfe Jacobis besorgt hätte, ohne die Quelle seiner Behauptung anzugeben.
[95] Patenschaft bei Andreas Kind. Taufbuch der Marienkirche. Patenschaft bei Spiegels Kind: 1696. III. 17. (Fried.Werd.) Paten sind ferner die Bildhauergesellen Heydenreich, Schäffer und Friedrich Gottl. Herfert, die Frau des Bildhauers Schau und Frau Schlüter. 1696. XII. 25. (Petri). Taufvater Job. Casper Gerling, Bürger und Schneider.
[96] In einer Prozeßsache (cf. folgende Anm.) wird ihm
nachgeschimpft, daß er mit einem Bündel auf dem Buckel nach Berlin gekommen
wäre. Dazu passen seine eigenen Angaben in einem Memorial an den
Generalfeldmarschall v. Barfuß (1698. X. 17.). Er war wegen irgendeines
Delikts, anscheinend einer Schlägerei, in Arrest gesetzt worden. Dafür, daß
eine nähere Bekanntschaft zwischen dem Gießer und Schlüter sich erst in Berlin
entwickelt hat, und vorher nicht bestand, spricht vielleicht, daß Jacobi
erklärt, er könne keinen Bürgen stellen:
Wie
Ich aber hier ein frembder Mann bin, dem niemand mit Verwant‑ oder genauer
Bekanntschafft zugethan, und also weder mit Bürgschafft noch Unterpfandt
aufkommen kan, Mein gantzes Vermögen auch in einem guten Gewissen, Treu und
Glauben bestehet, bey welchen in einem Eyd, hier biss zu austrag der Sachen
keinen Fuss von hier zu setzen, versichern will, So ersuche auch Ew. Excell.
die Juratorische Caution, von Mir an zunehmen und weilen des arrests in totum
nicht zu erlassen verlange, solchen mir zu Beforderung Churfürstl. arbeit, mit
welcher wegen einfallenden Winters und Frost fortzufahren ist, auf hiesige
Churf. Residentz‑Städte zu limitiren.
Seine Bitte wurde gewährt. Pr. G. St. A. Rep. 49. C. Delicta et Fiscalia.
[97] Für die Familie Johann Jacobis bietet sich,
besonders in den Kirchenbüchern, ein so reiches und über die rein genealogischen
Angaben hinaus vielseitiges Material, daß seine Ausbreitung trotz der bei
Weinitz, 1914, p. 26, gegebenen Daten geboten erscheint. Es zeigt sich, daß
durch eine systematische Ausnutzung der Kirchenbücher in einigen Fällen sich
die Bekanntenkreise mancher Familien näher bestimmen lassen. Diese Methode ist
in der folgenden Aufstellung für die Familie Jacobi bis ins Einzelne
durchgeführt, um mit einem Beispiel die Bekräftigung von, den Bekanntenkreis
usw. betreffenden Feststellungen für andere Künstler zu ersparen; auf die
dauernde, oft ermüdende Ausbreitung der Belege darf dann vielleicht verzichtet
werden, wenn ein ausführliches Beispiel die Zuverlässigkeit der Methode im
allgemeinen dargelegt hat.
Von
den Patenschaften, die Jacobis Frau Anna Sophia, die Tochter des Silbermeisters
Joachim Damerow, vor ihrer Ehe übernimmt, sind zwei hervorzuheben, die als
Belege dafür gelten können, daß unter den Bekannten der Familie Damerow etwa
gleichgestellte Leute waren: bei den Kindern des kurfürstlichen Mundkochs Jacob
Mulack (1699. VIII. 10. Nicol.) und des Ratsmaurermeisters Christian Zilcher
(1701. XI. 10. Nicol.). Bei einer dritten Taufe, dem Kinde eines Martin Klöß
(1701. XI. 28. Nicol.), steht sie zusammen mit ihrem späteren Mann Pate. Die
Trauung fand Anfang des Jahres 1702 statt (Petri, nach dem Register, Traubuch
verbrannt).
Jacobis
Ehe scheint nicht restlos glücklich gewesen zu sein. Wenn er auch zur Zeit
seiner Heirat schon ein berühmter Mann war, der den Grund zu einem bedeutenden
Vermögen gelegt hatte, so hatte er doch als ehemals einfacher Handwerker und
als zugewanderter Fremder dem behäbigen Stolz des eingesessenen Bürgertums
wenig entgegenzusetzen. Er hatte auch eine an Geiz grenzende Genauigkeit in
Geldsachen bewahrt, wie aus mehreren Nachrichten zu schließen ist, die hier
einen Teil der Vorkommnisse mit erklärt. Eine Schustersfrau kannte die nicht
sehr gescheidte Frau noch aus ihren Mädchenjahren. (1699. VIII. 30. Nicol.
Taufe, Pater Georg Buschen, Bürger und Schuhmacher, Mater Catharina Dorothea
Bitterling, Paten u. a. Junfer Sophia Damerovin.) Sie redete ihr vor, ihr Mann
wäre nur ein Grobschmied, der mit nichts nach Berlin gekommen sei, und sie habe
alles in den Hausstand eingebracht. Trotzdem behandle er sie schnöde und gäbe
ihr nicht genug Geld für die Wirtschaft. Die Schusterin erbettelt zuerst
allerlei Eßwaren, verleitet sie dann zu verschiedenen Durchstechereien,
verschafft ihr eine beträchtliche Summe auf Wechsel, versetzt mit Gewinn
mehrere Sachen, wie Kleider, Gold, Silber und Ringe, und erlangt einen so
großen Einfluß, daß die Frau Jacobi sich vor ihr fürchtet und sich vor ihr
versteckt, um nicht immer von ihr geplagt zu werden. Jacobi klagt, ihm wäre ein
Verlust von ca. 2000 TIr. entstanden (Pr. G. St. A. Rep. 9. y 2. 1708‑09, die
Akten, ehem. Pr. Br. Rep. 2. 2. Dom. Reg. Justizsachen Spezialia lit. B. Paket
II. nr. 3. 1709, nicht mehr vorhanden). Ein wegen dieser Angelegenheit auf
Jacobis Veranlassung angestelltes Zeugenverhör gestattet einen Einblick in sein
Haus.
Vom Gesinde (mehrere Mägde) wird nur die Kinderfrau genannt, von den Hausgenossen ein 19jähriger Johann Jacobi, der nach seinem Alter mit dem Sohn des Schuhmachers Johann Rupert Jacobi aus Homburg identisch sein muß (bei der Taufe war 1689 „Johannes Jacobi dess glöckners sohn“ angegeben, dessen Stelle der Vater vertrat). Er erzählt, dem Gießer ein Jahr gedient zu haben und jetzt Jägerlehrling zu sein (später Grenzjäger in Homburg, gest. 1746). Der dritte Zeuge, Johann Christoph Beltge, 21 Jahre alt, ist vielleicht auch mit dem Gießer verwandt, denn er gibt an, er sei von seinen Eltern zu Jacobi gekommen und habe bei ihm sieben Jahre gedient, er sei „Architector“ und jetzt bei dem Kondukteur Nuglisch.
Johann
Jacobi hat auch seinen älteren Bruder Adolph (getauft 1659. VIII. 14.) in
Berlin beschäftigt. 1709 wird der „königl. Preuss. Kunst Giesser alhier mit
Frau Catharina Magdalena Brauhard, Christoph Eichbaums, gewesenen bürgers und
Handelsmannes alhier hinterlass. Wittw“ getraut. Im nächsten Jahre, bei der
Taufe des Kindes eines „kgl. Pr. Canoniers“ Heinrich Witte, ist er Pate und
wird als kgl. Gießer bezeichnet (1710. V. 29. Nicol.). Auch bei der Taufe
seines nach ihm genannten Sohnes hat er wie bei der Trauung (1709. X. 29.
Georg) den Titel „Kunstgießer“ (1710. VIII. 17. Georg). Unter den Paten
befindet sich niemand von der Familie Jacobis, es sind u. a. H. Wiprecht,
Handelsmann, H. Jacob Eichbaum. Bei der Taufe seines Sohnes Martin Ludwig,
zwei Jahre später (1712. X. 2. Georg), dem letzten Eintrag, der für ihn
festgestellt wurde, muß er nach der Angabe: „weil.(and) gewes.(ener)
Kunstgießer“, verstorben sein. Die
Patenliste ist ganz respektabel, und entspricht dem Gesellschaftskreis seines
Bruders: H. Bohme, Schloßbauconduct., H. Urban, Inseign., H. Kunckel,
Kauffmann, H. Rudolph, Math., Mad. de Büs, (Dubut), Fr. Rathin Schustern, Fr.
Hysingern, Gartneren, H. Bau Comis. Jänicke.
Der
Name Jacobi findet sich auch sonst noch mehrmals in Berlin, so z. B. für einen
Hofbeamten, für einen Bürger und Gewandschneider zu Straußberg Johann Jacobi
(1704. I. 21. Nicol. Pate) und für einen Strumpfwirker David, der seinerseits
wieder bei der Taufe seiner Tochter Anna Sophia, Johann Jacobi und eine Frau
Elisabeth Jacobi zu Paten bittet (1708. VI. 24. Jerus.), und bei der Taufe
eines anderen Kindes einen Samuel Jacobi und einen Fuhrmann Friedrich Jacobi
(1711. V. 17. Jerus.). Eine Patin Anna Christina Jacobi wird 1712 im Taufbuch
von Fried. Werd. (VIV. 25.) genannt. In allen diesen Fällen ist unbekannt,
inwieweit zu der Homburger Familie ein Verwandtschaftsverhältnis besteht.
Ein
lebendiges Bild von der engeren Umwelt des Gießers Johann Jacobi geben die
Eintragungen in die Taufbücher (diese sind, entgegen der Notiz bei Weinitz,
1914, p. 26, auch für die Petrikirche erhalten).
Der
Ehe entsprossen vier Knaben und sechs Mädchen, nur drei Kinder haben den Vater
überlebt. (Unter den summarischen Angaben des Sterbebuches von Petri finden
sich Kinder von Johann Jacobi als verstorben eingetragen: 1705. I. 28.; 1706.
VIII. 26.; 1709. IV. 23.) Die Namen der Täuflinge und die der wichtigsten Paten
in folgender Liste:
Johann
Joachim. Paten
u. a.: Herr
Geheimbte Raht von Perchem,
Herr
Hoffrat Kornmesser,
Herr
Joachim Damerow, königl. Silbermeister,
Fr.
HoffOberBauw Director Schlütern geb. Spangenbergern.
Juliana
Sophia. Paten:
Post
Secretarius Ludolff,
Frau
Hof Rähtin Schardius,
Frau
Westarffin.
1705.
III. 15. (Petri)
Ludwig
Wilhelm. Paten: Der
Herr Schloss Haubt Man von Printz,
Herr
Secretarius Grabow,
Frau
Geh. Rat von Ilgen,
Fräulein
Weiler.
Heinrich
Julius. Paten: Heinrich
Julius Brandes,
Baron
v. Heidemann,
Frau
Baucommiss. Jänicke.
Anna
Sophia Dorothea.Paten: H.
Geheime Krieges Ralit v. Kraut,
H.
Guhlmann, Jubilier in Augsburg,
Fr.
von Leiningen, Reichs Gräffin,
Frau
Major Lingerin.
Henriette
Sophia. Paten: Geh.
Rat Kleinsorge,
Legations
Secretarius Becker,
Frau
Camer Secretarius Oehlschlägerin,
Frau
Küchschreiberin Damerovin,
die
verwittibte Frau Micheln.
Johann
Friedrich. Paten: Hoffraht
Herold,
Regierungs
Raht Koch.
Charlotte
Luise. Paten: H.
Terwesten, Rector an der Kunst Academie,
H.
von Roy, Hof Kunst Mahler,
Frau
AmtsCammerräthin Tieffenbachin,
Frau
Weymeyerin.
Dorothea
Luise. Paten: Mons.
Dagely,
Mons.
Böhme,
Jungfer
Oehlschlägerin.
Sophia
Eleonora. Paten. Lieutnant
Damerow,
H.
Bender, kgl. Gärtner,
Jungfer
Schlüterin.
Vornehme
und einflußreiche Persönlichkeiten des Hofes, Räte und ihre Frauen, angesehene
Kaufleute und Bürger und verschiedene Künstler werden genannt. Angehörige
dieser Kreise baten auch ihrerseits Jacobi oder seine Frau zu Paten (die Fälle,
in denen die Beziehung auf den Gießer nicht sicher ist, sind trotz der Fülle
der Belege sehr selten):
Hofstaatskontrolleur
Joh. Philipp Boullaus 1703. VIV. 4. (Fried. Werd.); kgl. Beischenk Otto Wilhelm
Gröben 1706. VII. 12. (Dom) (Frau J.); kgl. Mundkoch Georg Wilhelm Harras 1703.
VII. 20. (Petri) J. J.; kgl. Pr. Lustgärtner Franz Michael Bender 1713. VII.
31. (Dom) J. J‑; kgl. Pr. ReisePostsecretär Hesse 1708. II. 26. (Paroch.) J.
J.; Rechenmeister Christian Lies 1702. VIII. 11. (Nicol.) Frau J.; Hofsattler
Nicolaus Beyer 1704. IV. 8. (Petri) Frau J.; kgl. Pr. Hoffourier Ernst
Emmerich 1707. 11. 15. (Jerus.) Frau J.
In
den Patenlisten der Kinder verschiedener mittlerer Beamter des Hofes findet
sich öfter der Name Jacobis an hervorragender Stelle, so in folgenden Fällen:
Hofrenteischreiber
Friedrich Lesser (1705. III. 9. Marien) J. J.; kgl. Silberdiener Christoph
Westphal (1709. Vl. 20. Petri) J.J. und sein Schwiegervater; Kammerdiener beim
Markgrafen Albert Friedrich, Job. Eckardt Jermerroth (1703. XII. 13. Nicol.),
Frau Jacobi; Hofpolier Johann Wilhelm Lehmann (1699. XII. 16. Marien) J. J.;
kgl. Ober Licentkassendiener Daniel Lehmann (1711. VIII. 25. Marien) J. J.
Ebenso
bitten ganz einfache Leute den reichen Mann als Paten:
Ratsdiener
in der Dorothenstadt Jobst Docker (1697. II. 21. Doroth.) J. J.; Maurergeselle
Gregor Koch (1701. II. 13. Fried. Werd.) J. J.; Ziegelstreicher Heinrich Walter
(1708. VIII. 12. Jerus.) J. J.
Zu
folgenden vornehmen Bürgern, Vertretern verschiedener Berufe und Handwerkern
lassen die Taufbücher Beziehungen erkennen:
Buchhändler
Johann Michael Rüdiger (1699. Xl. 12. Marien) J. J.; Georg Christophel, in der
kgl. Pr. Gold‑ und Silbermanufaktur tätig (1705. IV. 10. Nicol.) J. J.;
Christoph Diterich Chuden, Archid. in Prentzlau (1704. I. 31. Petri) Frau J.;
Kaufmann Joh. Paul Scheits (1697. VII. 16. Marien) J. J.; Weinhändler Joseph
Blisseul (1702. I. 9. Dom) J. J.; Brauer Paul Klausnitzer (1702. I. 22. Jerus.)
J. J.; Posamentirer Erdmann Friedrich Nicolai (1706. XII. 1. Jerus.) J. J.;
Schön. färber Martin Prochnau (1699. XI. 28. Nicol.) J. J.; Schneider Joh.
Caspar Gerling (1696. XII. 23. Petri) J. J.; Schneider Johann Heinrich (1698.
V. 29. Marien) J. J.; Schneider, Bürger und Kirchenvorsteher Joh. Heinrich
Siefert (1704. VIV. 24. Petri) Frau L; Schneider Christian Schulrabe (1705. IV.
24. Paroch.) J. J.; Schneider Chr. Berndt Siegert (1708. Vl. 24. Paroch.) J.
J.; Schneider Joh. Heinr. Rohrscheidt (1709. VIII. 1. Dom) Frau J.; Schuster
Christoph Brandenburger (1700. V. 20. Marien) J. J.; Schuster Peter Lembeken
(1702. V. 28. Petri) Frau J.
Ist
die große Zahl der Schneiderpatenschaften auffällig, so erklären sich die Beziehungen
des Gießers zum Uhrmacher (Glocken und Läutewerke), Schmied, Stellmacher,
Bürstenbinder und Seifensieder (Materialhersteller zur Gußformherrichtung)
sehr einfach.
Uhrmacher
Martin Boy (1705. XI. 20. Nicol.) J. J.; Schmied Joh. Herwagen (1706. X. 15.
Petri) J. J.; Stellmacher Daniel Krüger (1709. VIII. 3. Doroth.) J. L;
Bürstenbinder Georg Heinr. Lindes (1711. X. 7. Petri) J. J.; Seifensieder
Christian Nebling (1709. X. 3. Marien).
Ungreifbar
bleibt das Verhältnis zu den übrigen Gießern der Stadt, besonders zu seinen
Vorgängern Johann und Martin Hintze. Einen Rotgießer M. Christian Hintze nennt
als Taufvater 1696, I. 28. das Kirchenbuch von Marien.) Martin Hintze, Bürger
und Glockengießer, gest. 1694. II. 4. (Fried. Werd.). Es gab mehrere Rotgießer
neben den Gelbgießern und Zinngießern in Berlin. Sie mögen zum Teil Gesellen
Jacobis gewesen sein. Otto Elers, Bürger und Rotgießer, 1699. II. 28. (Petri),
Pate J. J. (derselbe auch 1704. III. 17. Petri als Taufvater eingetragen). Hans
Jac. Schultze, Stück‑ und Glockengießer, 1700. Vl. 5. (Marien), Pate J. J.;
Joh. Daniel Oppermann, 1704. VIII. 26. (Nicol.).
Die
Kirchenbücher geben auch noch Material über einige wenige der im Gießhaus
tätigen Leute: Paul Bocatius (erste Nennung als Taufvater 1694. VII. 24.
Marien); 1702 als Goldschmied im kgl. Gießhaus bezeichnet (1702. VII. 24.
Nicol. Trauung). Er bleibt mindestens bis 1707 in seiner Stellung (1703. V. 4.
Nicol. Taufe, Pate J. J.; 1704. VIV. 6. Nicol. Taufe; 1707. II. 6. Nicol.
Taufe). Sein Nachfolger ist Otto Thiele, der als Gold‑ und Silberarbeiter schon
1701 J. Jacobi als Pate bittet (1701. III. 4. Fried. Werd.), und 1712 kgl.
Artillerie‑Goldschmied genannt wird (1712. V. 10. Fried. Werd.
Patenschaftseintrag). Auch ein kgl. „Hoff und Artilleriemahler Conrad
Ackermann“ wird genannt, der ebenfalls im Gießbaus tätig war (1704. XII. 5.
Petri), Patin Frau J.
Für
zwei seiner Gesellen bittet Jacobi 1701 um Pässe: „vor Christophel Daunn, einen
giessergesellen, welcher nach Sachsen und von dannen wieder anhero reisen
will“; und: „bitte meinen gesellen Johann Blumenstock, Welcher fast ein jahr
lang an der grossen Statue hat arbeiten helffen, anitzo aber in sein Vaterland
nach Augsburg zu verreisen in Willens ist, mit einem reysse pass versehen zu
lassen“ (Pr. G. St. A. Rep. 9. EE. 16).
Ein
Gießer aus dem kgl. Gießhaus, Anton Glücks, verheiratet sich 1712 (XI. 23.
Nicol.) mit Jgfr. Anna Eleonora Lehren, Meister Christian Lehrs, Bürgers und
Büchsenmachers alhier eheleibl. Tochter. Ein Bürger und Schmied im Gießhaus,
Christoph Bülow, setzt Frau Jacobi und eine Jgfr. Damerow, wohl eine jüngere
Schwester von Jacobis Frau, auf die Patenliste seines Kindes (1702. X. 12.
Fried. Werd.). Als Schmiede im Gießhaus werden noch Christian Tietz (1708. III.
18. Doroth. Taufvater) und Daniel Lösche (1712. X. 20 Fried. Werd. Trauung)
genannt.
Von
den zahlreichen Arbeitern, die, wenn vielleicht auch nicht ständig, im Gießhaus
beschäftigt waren, sind nur wenige Namen bekannt. Christian Sigismund, Arbeiter
im kgl. Gießhaus (1704. I. 21. Jerus.) Trauung; Johann Urner, Tagelöhner in
der Gießerei, 1701 V. 6. Taufe, als Pate H. Thiele, Goldschmied im Gießhaus.
1711. VII. 12. wird er als Arbeitsmann in der kgl. Stückgießerei, 1713. Vl.
25. wie 1708 bezeichnet (Sterbeeintragungen für Kinder, Jerus.). Der Handlanger
bey der kgl. Kunstgisserey, Hans Jürgen Litze, nennt seinen Sohn nach seinem
Arbeitgeber, der Patenstelle hat, Johannes (1704. I. 6. Petri).
Jacobi
hatte durch seine Stellung die verschiedensten Beziehungen zum Militär und den
ihm nahestehenden Berufen. Es kommt dies auch in den Patenschaftslisten zum
Ausdruck:
Maler
und Büchsenmeister Constantin Reinrichsdorff (1701. VII. 22. Luistä) J. J.;
Büchsenmeister Arndt Willerding (1705.
XI. 25. Doroth.) J. J.; Feuerwerker Christoph Deichmann (1709. Xl. 26. Jerus.)
J. J.; kgl. Bombardier Osten (1701. XII. 11. Fried. Werd.) J. J.; Joh. Kern,
Korporal bei der kgl. Pr. Artillerie (1710. IV. 24. Fried. Werd.) J. J.;
Kapitain Caspar Tobias Rolopff (1704. XI. 19. Jerus.) Frau J. und ihr Vater.
Endlich
ist noch eine Anzahl Patenschaften bei verschiedenen Künstlern der Beweis, daß
der Gießer zu ihnen die lebhaftesten gesellschaftlichen Beziehungen unterhielt:
Ingenieur
Andreas Heinrich Urban (1701. VIV. 9. Fried. Werd.) J. J.; Ingenieur Joh. Georg
Triesch, Ehemann der Tochter Daglys (1713. I. 27. Petri) J. J.; Jacobi als Pate
mit G. Dagly zusammen bei Daniel Berger (1712. X. 23. Paroch.); kgl. Stuckator
Nicolaus Cariany (1703. VI. 10. Petri) J. J.; kgl. Hofmaler Joh. Friedrich
Wentzel (1706. XI. 7. Petri) Frau L; Kunstmaler Michael Schröck (1705. II. 27.
Nicol.) J. J.; Constantin Friedrich Blesendorff (1709. XII. 23. Petri) Frau J.;
Tischler Johann Denhoff (1702. VIII. 20. Nicol.) Frau J.; Bernhard Quippe
(1699. XII. 10, Petri) J. J.; Goldarbeiter Simon Reimer (1709. III. 3. Nicol.)
J. J.
Patenschaften
bei Kindern Schlüters sind nicht bekannt, daß der Gießer von Verwandten der
Frau Schlüters zum Paten gebeten wird, beweist aber, daß zwischen Jacobi und
dem Künstler Familienbeziehungen bestanden:
Joh.
Christian Junge, Gerichtsadvokat, und Dorothea Spangenberger (1711. I. 11.
Fried. Werd.).
Dazu sind noch Patenschaften bei Bildhauern in anderem Zusammenhange zu nennen.
[98] Joh. Hermann Backer, Bildhauer, 1699.
VII. 28. (Dom) Pate J. J.
1703.
IV. 26. (Dom) Pate Frau J.
Jean
Bouissy, Bildhauer, 1699.
VIII. 27. (Dom) J. J.
Joh.
George Brenck, Bildhauer, 1700.
III. 2. (Fried. Werd.) J. J.
Joh.
Georg Glume, Bildhauer, 1703.
11. 25. (Marien) J. J.
Joseph
Anton Krause, Bildhauer, 1706.
VIII. 4. (Fried. Werd.) Frau J.
Cornelius
Heintzy, Bildhauer, 1706.
XII. 12. (Dom) Frau J.
kgl.
Pr. Hofbildhauer, 1711.
XI. 12. (Dom) J. J.
Joh.
Samuel Nahl, Kgl. Bildhauer, 1709.
III. 14. (Nicol.) J. J.
Georg
Gottfried Weihenmeyer, 1711.
1. 5. (Petri) J. J.
Joh. Schröder, Bildhauer, 1713. VIII, 27. (Marien) J. J.
[99] Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE. Assignationes 1695.
[100] Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE. Assignationes 1696.
[101] Pr. G. St. A. Rep. 21. 1911. 1690. VIV. 20.
[102] Pr. G. St. A. Rep. 21. 1911. 1691. VIII. 31.
[103] Pr. G. St. A. Rep. 9. CC. 22 Fase. 4. 1691. V. 27.
[104] Pr. G. St. A. Rep. 21. 195. Dekret, eine Baustelle anzuweisen. Pr. G. St. A. Rep. 21. 191b. Übernahme der Baustelle des Schwagers Fr. Schlundt. Die Cessio 1698 konfirmiert (wegen dieses Grundstücks hat er mit seinem Nachbarn, Ing. Behr, einen Streit, Pr. G. St. A. Rep. 9. y 2).
[105] Br. Pr. Haus. A. Rep. XII. B. 2. V.
[106] Der Hofstellmacher Bornemann bittet 1701. VI. 7. um einen Paß für seinen
Stiefsohn, weil er:
alhier
bey H. Martin Fuchs Bildhauern seine Lehrjahre aussgestanden Weil er nun
theilss sich in seiner Profession zu exerciren theilss aber seiner
zugestossenen unpässlichkeit halber nach dem Tepelitzer Bade und so ferner nach
andern örtern zu reisen vorhabens. (Pr. G. St. A. Rep. 9, EE. 16.)
Augustin
Plöse ist sonst nur in einigen Kirchenbucheintragungen zu finden:
Patenschaften: 1706. VIII. 22. (Luistä.) „Bildhauergeselle“; 1707. IV. 17. (Luistä.) „Bildhauergeselle“; 1707. X. 25. (Georg) Mons. Plöse, bildhauer; ebenso 1708. X. 24. (Petri), und 1710. X. 29. (Luistä.). 1711. X. 1. verheiratet er sich (Fried. Werd.). Bei der Taufe seines ersten Kindes steht u. a. die Frau des Bildhauers Radebold Pate (1712. V. 2. Fried. Verd.). 1713. IV. 1. findet sich unter den Paten eines anderen, bald verstorbenen Kindes (1713. VI. 26. Luistä.), die Frau des Hofstuckators Bolle.
[107] Seine Frau steht zusammen mit dem Bildhauer Weihenmeyer bei dem Kinde des Bildhauers Caspar Spiegel Pate (1693. Vl. 7. Fried. Werd.); er selbst wird als Pate gebeten von Bildhauer Friedrich Müller, zusammen mit Weihenmeyer und Frau Schlüter (1697. III. 23. Doroth.); Drechsler Strenge (1697. VIV. 19. Petri); Tischler Hans Heinicke, zusammen mit dem Oberbaudirektor Schlüter (1700. Vl. 13. Petri).
[108] Fuchs und Rotgießer Martin Hintze zusammen als Paten 1693. VII. 18.
(Fried. Werd.)‑ vielleicht hat Fuchs vor Jacobis Auftreten mit ihm
zusammengearbeitet.
Kindertaufen: 1693. I. 13. (Fried. Werd.) Pate: Justus Balthasar Nering (Bruder des Architekten); 1696. I. 26. (Fried. Werd.) wieder Nerings Bruder, ferner der Grottierer Damnitz, die Frau des Baumeisters Grünberg, die des Bildhauers Koch und Frau Schlüter. 1699. IV. 7. (Petri) Paten Johann Jacobi und Obrist Schlundt. 1702. VIV. 8. (Petri) Pate H. Oberbaudirektor Andreas Schlüter.
[109] Fuchs starb 1704. In diesem Jahr wird ein Kurator für die Kinder bestellt, die aus der ersten Ehe stammen (Pr. G. St. A. Rep. 9 y 8); Fuchs war zweimal verheiratet, zuerst mit Maria Catharina Schlundt (gest. 1696. III. 10. Fried. Werd.). dann mit Catharina Elisabeth Sauerwaldt (Tr. 1697 Petri). 1708 läuft noch ein Prozeß wegen einer Erbschaftsforderung (Pr. G. St. A. Rep. 9 y 2).
[110] Die künstlerischen Voraussetzungen der Statuen behandelt besonders
Hermann Voß, Andreas Schlüters Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten und die
Beziehungen des Meisters zur italienischen und französischen Kunst, Jahrbuch
der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 29, 1908, p. 137 ff., eine Zusammenfassung
gibt Benkard 1925.
Ein
zeitgenössischer Beleg für die hohe Wertschätzung der Farnesestandbilder
Mocchis in Piacenza findet sich in Tessins Studieresor, p. 212, ebda. p. 105
Nachrichten über das StandbiId Ludwigs XIV. von Desjardins, und p. 103 Beschreibung
einer dem Guß des Werkes von Girardon vorhergehenden größeren Planung.
Zn
den französischen Werken, die Schlüters Schöpfungen beeinflußt haben, cf.
Boislisle, A., Notices historiques sur la place des Victoires et la place de
Vendôme, Mémoires de la société historique de Paris et de l’Isle de France, Bd.
15, (1888) 1889, und: Steinmann, Ernst, Die Zerstörung der Königsdenkmäler in
Paris, Monatshefte für Kunstwissenschaft, Bd. 10, 1917, p. 337 ff. (Die bei
Benkard abgebildete Statue Coysevox ist eine nach Stichen hergestellte
Schöpfung des 19. Jahrhunderts, unter Benutzung einiger Trümmer der
ursprünglichen Statue.)
Poellnitz, Charles Louis, Mémoires en forme de lettres, Leipzig, I, 1734, p. 16, und Mémoires pour servir à l’histoire des quatres derniers Souverains de la maison de Brandebourg, Berlin, I, 1791, p. 246) machte bereits 1729 darauf aufmerksam, daß auch die Feier der Enthüllung des Kurfürstendenkmales der Zeremonie auf dem Vendôme‑Platz in Paris entsprach.
[111] v. Siefart, Besprechung von Weinitz 1914, Mitt. d. V. f. d. Gesch. Berlins,
Bd. 31, 1914, p. 68.
Brose, Der Gießer Johannes Jacobi, Der Bär, I, 1875, p. 41 f.
[112] Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 80, p. 237, In den
Protokollbüchern Pr. G. St. A. Rep. 21 n. 127 finden sich noch folgende
Eintragungen:
Wirklicher
Geheimer Rat 1698. V. 12.
Berlinisch
Kuppfer beym Thumb, so S. Ch. D. entlehnen wollen. Mit H. v. Barfuss, weil es
zu der Statue nicht tauglich, desistat.
Geheimer
Kriegsrat 1698. V. 16.
Kupfer
zu S. C. D. Statue, woher? Weiler soll 50 Centner versetzen und 500 Centner
sollen eingekaufft werden.
Herrn G. Schiedlausky, der demnächst eine Biographie Martin Grünbergs vorlegen wird, ist für Notizen aus dieser Repositur zu danken, die er für die Zwecke dieser Arbeit mit durchgesehen hat.
[113] Dies ist zu schließen aus dem Wortlaut der Bestallung Jacobis. 1697. VIV. 24. wird erst der Gedanke, außer dem Reiterdenkmal ferner große Statuen gießen zu lassen, angedeutet, damals hat also Jacobi noch nicht an der Statue Friedrichs III. gearbeitet. (Abdruck der Bestallung bei Weinitz, 1914, p. 22 f.)
[114] Ein Blatt mit dem folgenden Text in der Handschrift von Broebes, in den
Mappen Nicolais im Stadtarchiv:
Monseigneur, Il y à un an, que ie prit la liberté de presenter à V. A. Elect: le plusieurs desseins qu’il me fit la gràce de receuoir, j’espère que celui‑ci, et mes tres‑humbles seruices, auront le mème sort, de ne pas deplaire au plus grand Prince du monde.
[115] Beger, L., Thes. Br. I, 1696, p. 169.
cf.
Borrmann, Lange Brücke, 1894, p. 333; ebenso vorher Biester in seinem
vergessenen Aufsatz: Das Jubiläum der sogenannten Langen Brücke in Berlin,
Berlinische Monatsschrift (hg. von Biester), Bd. 26, Dessau 1795, p. 464.
Begers Text hat den Irrtum bei Patte, Monuments érigés à la gloire de Louis XV, Paris 1767, p. 89, veranlaßt, wo von einem Reiterdenkmal Friedrichs auf der Langen Brücke gesprochen wird.
[116] Pr. G. St. A. Rep. 9. EEE. Assignationes an Herrn Vietorn.
[117] Boeck, 1933, p, 55, bezweifelte, daß die Gipsstatuette des
Hohenzollernmuseums ein Entwurf Schlüters sei. Boeck, 1934, p. 241 ff., ist
nach der Reinigung des Bildwerkes von dem Schlüterschen Ursprung
(Originalgipsausformung nach dem Tonmodell) der Statuette überzeugt.
Mag die Statuette in die Zeit der Planung des Denkmals gehören, so ist die unbeholfene Komposition doch recht lahm und trocken zu nennen.
[118] Was vor den Churf. Hoffbildhawer H. Schlietter an Eisen Arbeit in der Churf. Wallschmidt verferdiget von Ao. 16. XI. 1696 bis 11. VIII. 1697. Aufstellung, Schlüters Attestat lautet: Dieses oben gedachte Eisenwerck ist alles gelievert. A. Schlüter. Jänecke, der Rechnungsführer, setzte hinzu: zu dem Pferde auff der Langenbrücke. Br. Pr. Haus. A. Rep. 35. L. fol. 55‑56.
[119] So noch Benkard, 1925, p. 9, und Boeck, 1933, p. 67.
[120] Weinitz, 1914, p. 22, Abdruck.
In der Bestallung wird zwar davon gesprochen, daß Jacobi am 1. I. 1697 die Arbeit angefangen habe; der Umstand, daß die Bestallung im September erst erfolgt, weist aber darauf hin, daß die Arbeit um diese Zeit in das entscheidende Stadium getreten war, also die Vorbereitungen für die Gußform nach dem großen Modell zu dieser Zeit anfing.
[121] Auf diese inhaltsreiche Beziehung ist in der ganzen Literatur nur ein einziges Mal hingewiesen worden: Hagel), A., Über Lebensumstände Andreas Schlüters, Preußische Provinzblätter, 3. Folge, II, 1858, p. 227.
[122] Die Schicksale der Statue Friedrichs III. sind fast bei jeder Besprechung
des Werkes gestreift worden. Ihnen aber genauer nachzugehen, ist seit Nicolai
nicht wieder versucht worden, meist hat man sich damit begnügt, einzelne der
Nachrichten Nicolais nachzuschreiben, und die endliche Errichtung der Statue in
Königsberg zu erwähnen. Es mögen deshalb einige Quellen aufgeführt werden, die
zu einer Biographie der Statue dienen können, aus der zugleich ein eigenartiges
Stück Kulturgeschichte und einige wertvolle Beobachtungen zu dem für
Kunstgeschichte und Geschichte gleich wichtigen Thema des Denkmals zu gewinnen
wären, Nach ihrer Vollendung stand die Statue Friedrichs III. im Hof des
Gießhauses. Die Fertigstellung des Zeughauses fiel in die Zeit nach der
Königskrönung. Je länger, je mehr mochten sich Bedenken geltend machen, an dem
so bedeutsamen Ort im Arsenal ein Denkmal Friedrichs einzuweihen, daß ihn ohne
die Zeugnisse der neuen Würde noch als Kurfürst zeigte.
Aus
dem Bericht Tolands (Rélation des Cours de Prusse et de Hanovre 1702, Haag
1706, p. 23) ist zu ersehen, daß 1702, zur
Zeit seiner Anwesenheit in Berlin, an dem Gedanken einer Aufstellung des Werkes
im Zeughause noch festgehalten wurde. Die strenge Beobachtung eines zum Gesetz
erhobenen Zeremoniells vereitelte dann doch die Verwirklichung des
ursprünglichen Planes. Das Zeughaus wurde 1706 mit dem Medaillonbildnis des
Bauherrn über dem Haupteingang geziert, die Kurfürstenstatue blieb im Gießhaus
und geriet in Vergessenheit. Ein neuer Plan zur Verherrlichung des Königs war
gefaßt, der schon 1702, zur Zeit von Tolands Aufenthalt in Berlin, in Angriff
genommen war. Ein Königstor sollte von de Bodt gebaut werden, gekrönt von einer
überlebensgroßen, von Hulot modellierten Bronzestatue. Der große Bau blieb in
den Fundamenten stecken, Hulots Statue gedieh nur bis zur Gußform. Die für die
Zeit charakteristische Schwäche einer im Verhältnis zu Kraft und
Ausführungsmöglichkeit unmäßigen Planung verhinderte, daß ein Standbild
Friedrichs während seiner Regierungszeit errichtet wurde.
Nach
dem Tode Friedrichs I. mochte sich Friedrich Wilhelm durch das mit dem Denkmal
des Großen Kurfürsten gegebene Beispiel veranlaßt sehen, dem Verstorbenen ein
Standbild zu errichten. Der Ausbau des Königstores widerstrebte seinem
praktisch‑nüchternen Sinn ebenso, wie der Gedanke ein neues Bildwerk herstellen
zu lassen, oder wenigstens die noch vorhandene Gußform der Statue Hulots zu
nutzen (cf. Anm. II, 69).
Es
wurde der bequeme Ausweg ergriffen, ohne neue Mühen und Kosten durch die
Aufstellung der Statue Schlüters ein Denkmal zu schaffen.
Der
Archivar Chuno und der Professor Wachter (cf. Anm. IV, 57 und III, 104) wurden
durch v. Printzen aufgefordert, ihr Gutachten abzugeben. Sie legten ihre
Meinung im Juli 1713 in ausführlichen Schriftstücken nieder: „Wachter,
Remarques über die Königl. Statue zu Fuß sambt einem unmassgeblichen Project,
wie und wo dieselbe aufzurichten wäre, und: Continuation der Remarquen über die
Königl. Statue à pied. Chuno, des hochsel. Königs Statue betreffend. (Br. Pr.
Haus. A. Rep. 45. L. 3.)
Von
ihren Vorschlägen müssen die wichtigsten Punkte hervorgehoben werden. Zunächst
beschäftigte die beiden Gelehrten die Deutung der Statue und ihrer Attribute.
Auffällig ist die Behauptung Wachters, das Standmotiv wäre dem Apollo Belvedere
entlehnt. Tatsächlich zeigt sich eine Übereinstimmung, die auch unabhängig von
Wachter später, so von G. Galland (Besprechung von Gurlitts Buch 1891,
Repertorium für Kunstwissenschaft, Bd. 15, 1892, p. 239) und H. Ehrenberg (Das
Standhild Friedrichs III., Sitzungsberichte der Altertumsgesellschaft Prussia,
Bd. 51, Kgsbg. Pr. 1895 bis 1896, p. 80) festgestellt worden ist. Ebensowenig
wie geleugnet werden kann, daß eine von den an der Antike geschulten Augen des
19. Jahrhunderts oft hervorgehobene Verwandtschaft zwischen den
Reiterstandbildern des Großen Kurfürsten und Marc Aurels trotz Girardon und Mocchi
besteht, läßt sich die Möglichkeit verneinen, daß neben den französischen
Vorbildern hier der Apoll gewirkt hat. Das Studium der Antike hat auch im
Barock eine wichtige Rolle gespielt.
Zur
Erklärung des „Siegesschildes“ zieht Wachter antike Münzen heran und verweist
daneben auch auf Vorschläge der Académie des Inseriptions zu Paris. Den Helm
erkennt er als Kurhelm, ebenso das Zepter als Zeichen der Kurwürde, wobei er
bemerkt, daß es nicht mit der Statue zugleich gegossen worden ist.
Es
ergeben sich schließlich die gleichen Bedenken, die der Aufrichtung der Statue
schon früher im Wege gestanden hatten:
Wass den Mangel der Königl. insignien an der Statue betrifft, welchen der Herr Prof. Wachter gar wohl consideriret, da ist absolut nötig, dass solcher gehoben werde, dann es würde keine Arth haben und viel absurditaet in sich fassen, da der Successor und Sohn seinem Vater eine Statue aufrichten und Ihm dadurch nach Würden beehren will, wann Er solch Monumentum nach der vorigen geringeren und nicht nach der so glorieux in die Familie gebrachten höheren dignitaet caracterisieren wollte. (Aus dem Gutachten Chunos.)
Diese
Schwierigkeit sollte auf eine sehr einfache Weise behoben werden, Johann Jacobi
versicherte, der Statue die Zeichen der königlichen Würde fest angießen zu
können. Es wurde deshalb vorgeschlagen, die Kette des Preußischen Adlerordens anzugießen und das kurfürstliche Zepter
durch ein königliches zu ersetzen; im Übereifer der Erwägungen, wo die Krone
anzubringen sei, und ob der König eine Krone oder einen Lorbeerkranz tragen
sollte, übersah Wachter, daß die Statue bereits mit letzterem geschmückt war.
Nicht
minder eifrig und weitschweifig als über die Attribute der Figur schrieben die
Gutachter über die Begleitfiguren und das Beiwerk. Wachter lehnt die
Begleitfiguren, Sklaven oder Tugenden ab, weil ihre Häufigkeit ihre Bedeutung
entwertet hätte, aber auch, weil ihre Anbringung leicht den Anschein erwecken
könnte, als ob man die Statue Ludwigs XIV. auf dem Place des Victoires
kopieren wollte. Beweist er damit die Kenntnis eines französischen Vorbildes
der Statue, so ist sein eigener Vorschlag eine interessante Weiterbildung von
Ideen des französischen Denkmalskultes:
Wollte
man aber ie die Königl. Statue ohne Soubasement auf ein simple Piedestal
setzen, weilen sie vielleicht zu klein ist, in der Höhe zu stehen, so müsste an
den vier Ecken des Piedestals eine Colonnade von Marmor aufgerichtet werden,
welche oben ein Fronton oder dergleichen etwas, mit einer königl. Crone trüge
und die königl. Statue bedeckte. Und an derselben könte der gantze gloriöse
Lebens Lauff S. K. M. in 24 Medaillons von Bronze aufgehangen werden.
Solchergestalt würde das königl. Bild zwischen 4 Ehren Säulen als eine
Divinität auf ihrem Altare stehen.
Daneben erwägt Wachter noch den Vorschlag eines
Monumentes nach dem Muster der Trajanssäule. Dem widerspricht Chuno mit
schwerwiegenden Gründen:
Die
Aufrichtung auf einer Säule nach Art der bekannten Columnarum Trajanae et
Antoninianae hätte auch ihre grosse Bedenklichkeit so wohl ratione der höhe
gegen das ohne dem nicht grosse Bildt, item der Erfindungen der basreliefs an
der Säule als wodurch man sich vieler critique bloss giebt.
Da er von den Neuigkeiten am Hofe besser
unterrichtet war als Wachter, fährt er fort:
Wann
man nun an das Piedestal sitzende Bilder setzen will, welches schön stehen
wird, und wie ich vernehme, gleichsam schon resolvieret seyn soll, so könnte
man umb der Diversität willen hier nur zwey nehmen, weil die Statua equestris
auf der Brücke 4 Bilder hatt.
In der Frage der Ausführung des Denkmales beweisen Wachter und Chuno ihre
in der Zeit Friedrichs I. gewonnene Schulung in künstlerischen Fragen. Sie
stimmen darin überein, daß nicht lange Beschreibungen, sondern erst Zeichnungen
und Modelle genügende Unterlagen für die Beurteilung der Vorschläge gäben.
Chuno nennt für die Anfertigung eines Modelles nach seinem Vorschlage den
Bildhauer Weihenmeyer und den Maler Wentzel (cf. Anm. I, 142), der bereits bei
den Sockelreliefs des Kurfürstendenkmales mitgewirkt hatte:
Es könte unmassgeblich dem Bildhauer H. Weymeyern
die Verfertigung des Models der Statue im kleinen anbefohlen werden, dem
Herrn Wachter aber die Erfindung der Statuen und Basreliefs, welche der
Hofmahler H. Wenssel zeichnen könnte, welcher auch das piedestal, wie er
glaubt, dazu gehörig einzurichten im stande ist.
Nicolai ging sehr ungerecht vor, als er den
Gutachten einige wenige Sätze entnahm und danach die Gutachter als mit abstruser
Gelehrsamkeit beladene, weltfremde Leute schilderte, das beweisen auch die von
künstlerischem Verständnis zeugenden Erwägungen über die Platzfrage des
Denkmales, die Chuno schließlich zusammenfaßt:
Den
Ort betreffend, woselbst die Statue aufzurichten so will Sie wegen Ihrer
mediocren grösse an keinen solchen Ort stehen, wo man das Gesichte von weitem
haben kann, denn da würde sie von weitem gar zu klein scheinen, daher hat auch
der Herr Prof. Wachter wegen des Platzes in der Friedrichstadt seine Meinung
geändert.
Dieienigen
Orte aber, aus welchen einer zu wählen sein möchte, seind folgende:
1. Der
Innere Schloss Platz.
2. Der
fordere Schlossplatz.
3. Der
Werdersche Marcktplatz.
Andere Plätze und Strassen seind entweder
irregulair als der Molckenmarckt und die breite Strasse oder nicht mit guten
Häusern versehen, als der neue Marckt oder haben ein Gesicht von weitem als der
Platz zwischen dem Schloss und Lustgarten oder seind gar verschlossen, als der
Platz im Zeughaus.
Eine praktische Auswirkung freilich blieb den
Vorschlägen versagt.
Als
in den nächsten Jahren Gercken Nachrichten zu seinem Manuskript zusammentrug
(1714‑16), stand die Statue noch im Gießhaus. Zu der noch ungeklärten
Platzfrage schreibt er:
Sollte aber das mittelste alte Gebäude im inneren
Schlossplatz auch noch wegkommen, so weiss ich nicht, ob Sie sich daselbsten
nicht würde am allerbesten schicken. (Pr. St. B. Ms. Nicolai Fol. Nr. 159. fol.
48.)
1729 erst befreiten besondere Ereignisse die
Statue aus ihrer Haft.
Friedrich
Wilhelm hatte August den Starken in Dresden besucht. Am Hofe des Polenkönigs
erlebte die Kultur des Barock eine letzte Blüte. Hier galt noch die Theorie,
daß Glanz und Prunk am Hofe, prächtige Bauten, große Feste unerläßlich seien,
um die Macht und Kraft des Landes zu verdeutlichen. Das Leben am Hofe des
Preußischen Herrschers ist dagegen als barbarisch bezeichnet worden. Die
Kulturgeschichte kann nicht von besonderem Aufwand und großen künstlerischen
Leistungen berichten. Die aller Üppigkeit abholde Bürgerlichkeit und
Nüchternheit muß aber trotz aller Schönheitsfehler von Rauhbeinigkeit und
Roheit als Anzeichen einer anderen, auf staatliche und wirtschaftliche Ziele
gerichteten Entwicklung gewertet werden und darf nicht an der Spätblüte einer
alternden Kultur gemessen werden.
Die
Vorbereitungen zu dem Gegenbesuch Augusts des Starken in Berlin (cf. Anm. I,
50b) zeigen, daß das neue staatliche Leben noch keine ihm entsprechende Form
gefunden hatte. Gerade hier, wo die fortgeschrittenere Zeit versucht, an die
von ihr überwundene noch einmal anzuknüpfen und sich mit ihr in einen
Wettstreit einläßt, reden die Begleiterscheinungen eine deutliche Sprache‑ das
neue Preußen hatte sich bereits weit von der Zeit Friedrichs I. fortentwickelt.
An die Stelle der „Magnificence“ war die „Oeconomie“ getreten.
Die
Statue Friedrichs III. mußte dazu dienen, die Zahl der Sehenswürdigkeiten der
Residenz zu vermehren; Bedenken wegen ihrer peinlichen Kurfürstlichkeit
verstummten gegenüber dem praktischen, rücksichtslosen und jedem Zeremoniell
abgeneigten Willen des Preußenkönigs. Die Statue wurde auf dem Molkenmarkt
aufgestellt (Poellnitz, 1734, I, p. 14).
Ende
März 1728 mußten dort die Krambuden geräumt werden, Anfang April wurde die
Wache abgerissen und nach dem Fischmarkt verlegt. Am 12. April wurden die
Fundamentierungsarbeiten für die Statue begonnen, und am 15. legte Friedrich
Wilhelm in Begleitung seiner Generäle den Grundstein. (J. Schmidt, Collectio
1727‑34, III, p. 58‑66.)
Der
Bildhauer Johann Conrad Koch mußte vier Sklaven modellieren, die wegen der
Kürze der Vorbereitungszeit nur als bronzefarben
angestrichene Gipsmodelle (cf. Anm. I, 138) den Sockel des Denkmals
verschönten. Am 14. Mai wurde die Statue aufgerichtet. Sie stand dem
Schwerinschen Hause gegenüber. (Küster, G. G., Altes und Neues Berlin, Bd. IV,
1769, p. 107; vorher Fassmann, 1735, p. 379.)
Während
der Anwesenheit Augusts des Starken wurde das Denkmal bei einer Rundfahrt durch
die Stadt gebührend bewundert. Aus dem Festgedicht von Christoph Götz genügen
folgende bezeichnende Proben:
Was
mich verewigt, ist mein Wahlspruch und mein Sohn,‑
Wenn
das Gedächtnis‑Bild könt sprechen,
Was
Friedrich Wilhelm hat erricht;
So
möcht es in die Wort ausbrechen:
So
groß als er ist, war ich nicht. (J.
Schmidt, Collectio.)
v.Marwitz,
der bei den Anordnungen für die Festlichkeiten beteiligt war, reichte nach der
Abreise des Dresdner Hofes ein Memorial ein, das deutlich zeigt, daß die
Sparsamkeit als oberster Grundsatz galt:
E. K. M. werden sich erinnern, daß die Sclaven
unter der Statue als auch die Adler und Schilde wegen der kürtze der
Zeit nur von Gips angefertiget. Wan dan solche den Winter über nicht dauern und
abfallen werden, So muß E. K. M. Resolution anheimstellen, da E. K. M.
vermeinet, solches alles von Metall giessen zu lassen, wem E. K. M. solches zu
bewerkstelligen committiren wollen, indem die Kosten des Giessens von Metall,
wovon ich keine Käntnies habe, hoch anlauffen dürfften. Und weil die jetzige
Gipser Arbeit also bezahlet und angefertiget, daß solche künfftig zum Modell
des Giessens mit dienen soll, und deshalb abgenommen werden müsste, so würde
wohl unmassgeblich nöthig seyn, weil die Statue zu bloss stehen würde,
indessen einen Verschlag von Brettern um gedachte Statue zu setzen. (Berlin 1728. VIII. 22.)
Friedrich
Wilhelm versah das Aktenstück, wie zahllose andere, die er während seiner
Regierungszeit bearbeitete, mit einer eigenhändigen Randbemerkung:
Ob.
Linger soll von Metall giessen lassen.
v.
Marwitz leitete es dann an den Generalmajor v. Linger weiter, mit dem Bemerken,
daß er „recht froh“ wäre, daß die Angelegenheit in dessen Hände käme:‑ zweifle
auch nicht, dass alles nunmehro S. K. M. Intention gemäss werde verfertiget
werden, Ich aber werde mich, zumahl ich davon gar keine Wissenschafft habe,
nicht weiter damit meliren. (Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. Ils.
12.)
Ehe
die Statue Friedrichs III. aus dem Zustand einer festlichen Improvisation in
den dauernden eines Denkmals überführt wurde, machte der König noch einen Abänderungsversuch
der Anordnung, der für seine Art, überall selbst einzugreifen,
charakteristisch ist. Statt der Sklaven sollten andere Begleitfiguren
angefertigt werden. Von den Entwürfen, die er zeichnen ließ, gefiel ihm aber
keiner, er suchte sich selbst aus einer Anzahl Kupferstiche andere Vorlagen zu
neuen Modellen heraus. Der braunschweigische Gesandte, der dies für
berichtenswert hielt, schreibt Anfang Dezember, daß der König zwei Figuren
bereits gewählt habe:
Die eine Figur wirft mit der einen Hand Geld aus,
und in der anderen hält sie Korn Aeren. Die zweite hat ein Buch vor sich
liegen, darinnen sie schreibet, und den Zeigefinger der linken Hand an die
Stirn setzet. Die zwei übrige will der König ebenfalls noch choisieren.
(Berichte
des braunschweigischen Gesandten aus Berlin, 1728‑33, hg. von R. Wolff, Berlin
1914, Schriften des Vereins für die Gesch. Berlins, Bd. 48149, p. 32.)
Von
diesem Plan ist der König später wieder abgekommen, jahrelang geschah nichts,
bis die Gipsfiguren so unansehnlich geworden waren, daß sie endlich doch in
Bronze gegossen werden mußten. Linger wird Ende Juni 1732 aufgefordert, einen
„accuraten“ Kostenanschlag machen zu lassen. Metall zum Guß wäre genug da. Als
es aber Ende März 1733 endlich so weit ist, daß die Sklaven gegossen werden
sollten, mahnt Friedrich Wilhelm:
Es müssen solche nicht größer sein, wie die, so
jetzt darum sind, und inwendig so hohl, wie nur immer möglich, damit nicht viel
Metall drauf gehe.
Im Laufe des Jahres wurden die Sklaven von dem Gießer Meyer gegossen, sie
verursachten die bedeutende Ausgabe von fast 10 000 Tlr. (Akten gedruckt bei v.
Schöning, Geschichte der Brandenburgisch‑Preußischen Artillerie, Bd. I, Berlin
1844, p. 411, jetzt reponiert. Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. Ils.
12. und Pr. G. St. A. Minüten 5 B) (cf. G. G. Küster und Joh. Chr. Müller,
Altes und neues Berlin, III, 1756, p. 60). Immerhin waren sie billig ‑ die
Sklaven des Kurfürstendenkmales hatten ungefähr das Doppelte gekostet‑ und
schlecht, Nicolai erklärte sie für „sklavische“ Arbeiten.
Es paßt zunächst wenig zu dem Bilde von der nüchternen, sparsamen Zeit
Friedrich Wilhelms, daß wenige Jahre später der Plan auftaucht, einen neuen
großen Sockel für das Denkmal zu schaffen. Aber es ist sehr bezeichnend, daß
nur an die Herstellung eines neuen Sockels für das Bildnis Friedrichs III.
gedacht wurde, nicht aber daran, dieses selbst durch ein Denkmal des Königs
Friedrich zu ersetzen. Selbst in der Spätzeit Friedrich Wilhelms ist in
künstlerischen Dingen wenig eigenes neues Leben zu spüren, noch immer wirkt das
Erbe der Zeit Friedrichs mächtig nach. Das neue Vorhaben zeugt auch nicht von
einer plötzlichen Abwendung von dem Staatsgrundsatz der Ökonomie. Staatliche
Gelder wurden nicht in Anspruch genommen. Noch bevor die Entwürfe angefertigt
werden, sorgt Friedrich Wilhelm in sehr einfacher Weise für die Finanzierung.
Er legt den Ständen der Kurmark die Kosten auf. Die Finanzgewalt der Herrscher
in Brandenburg‑Preußen beruhte zu einem bedeutenden Teil auf den Abgaben der Stände.
Der Adel versuchte seine Unabhängigkeit zu behaupten, und neue Rechte zu
erkämpfen, der Herrscher brauchte Geld; das Verhältnis zu den Ständen schwankte
zwischen Bitte und Gewalt. Meist wurde auf die Stände ein sanfter Druck
ausgeübt, so hier von Friedrich Wilhelm auf die Kurmärkische Landschaft:
S.K.M. in Preussen haben sehr gerne vernommen,
dass Dero Churmärckische Landschafft nebst anderen guten gewinsten der lotterie
auch das grosse looss gewonnen, wozu Sie auch derselben gratulieren. Indessen
tragen S.K.M. zu ged. Landschafft das Vertrauen, dieselbe werde Sich eine
Freude daraus machen, das Piedestal von der Statue Dero in Gott ruhenden Herrn
Vaters M. zu Berlin auff Ihre Kosten machen zu lassen, wogegen
S.
k. M. den benöthigten Marmor dazu schenken wollen. Wusterhausen 1738. XI. 23.
Fr. Wilhelm. (Pr. Br. Verw. A. Ständisches A. B. 30. n. 1. fol. 1.)
Schon
die Beteiligung an der Staatslotterie war aber für die Landschaft eine kaum
beschönigte Steuer. Sie hatte über 4000 Lose kaufen müssen, also ca. 20000 TIr.
ausgegeben. Es war nicht wahrscheinlich, daß dieser Betrag durch den Gewinn in
der Lotterie gedeckt werden würde, trotzdem hatte der König bereits vorsorglich
befohlen, einen etwaigen Überschuß zugunsten des Großen Waisenhauses in
Potsdam abzuliefern. Die Verordneten von Prälaten, Grafen, Ritterschaft und
Städten der Kurmärkischen Landschaft stellen ihm diesen Sachverhalt vor.
(Akten, loc. cit. fol. 4.) Sie erhalten den Bescheid, daß bei der Lotterie für
die Landschaft wohl soviel herauskommen würde, daß der Statuensockel verfertigt
werden könnte und auch für das Waisenhaus noch etwas übrig bliebe, da:
das Glück auch wohl continuiren und allem
Vermuthen nach, weil die Zettels und gewinste nicht beständig, nach jedem Zug
wieder umgerührt werden, die landschafft auch das grosse loss von 4000 tal.
gewinnen dürffte. (1738. XII. 31. Loc. cit. fol. 8.)
Es
ist nicht festzustellen, wieviel Verlust die Landschaft bei der Lotterie
erlitt, einen Gewinn trug sie nicht davon, denn bei der Deckung der Kosten für
das Denkmal erscheint kein derartiger Posten.
Die
Landschaft hatte aber sofort verstanden, daß der Hinweis auf den Lotteriegewinn
nur ein von besonderem Zartgefühl zeugender Umweg war, ihr die Errichtung des
Monuments aufzuerlegen. Ohne den Bescheid des Königs auf ihr Schreiben
abzuwarten, fügte sie sich in das Unvermeidliche; sie bat den Kriegsminister
und Geh. Staatsrat v. Marschall, die Direktion der Angelegenheit zu übernehmen.
(1738. XII. 6. Loc. cit. fol. 7.) Als das tröstliche Antwortschreiben Friedrich
Wilhelms an die Landschaft ergeht, sind die Vorarbeiten bereits beendigt. v.
Marschall meint, daß die Verfertigung des Piedestals wohl das wenigste sei,
was die Landschaft tun könne, um ihrer Ehrfurcht Ausdruck zu verleihen und
zugleich ein ewiges Denkmal Friedrichs den allerspätesten Zeiten zu
hinterlassen. Drei Tage, nachdem er von der Landschaft mit der Leitung der
Arbeiten betraut war, hat er bereits durch den Baumeister Friedrich Wilhelm
Diterichs zwei Zeichnungen machen lassen. (1738. XII. 9. Loc. cit. fol. 9.) Die
eine zeigt das Standbild auf einem hohen Obelisk, um den die Sklaven von Koch
sitzen (Voß, 1908, p. 160, ehem. Slg. Magistratsbiblio., jetzt nicht mehr
nachweisbar). Die andere, die sich bei den Akten erhalten hat, schlägt eine von
den Bronzesklaven umgebene Ehrensäule vor, reichlich dreimal so hoch wie die
darauf stehende Statue. Reliefs sollten in zwölf Ringen Begebenheiten der
Regierungszeit des Herrschers darstellen. Das ganze Denkmal sollte eine
Gesamthöhe von ca. 12 m erhalten (Tafel 6).
Der
letztere Vorschlag fand die Billigung des Königs. Er bestimmte, daß das
Denkmal: auf der Dorotheen Stadt in der mitte des Platzes, zwischen dem
Marggräfl. Philippschen Palais und den gegenüberstehenden Artillerie Wagen
Hause gesetzet werden sollte‑ also ungefähr auf die Stelle des Denkmales
Friedrichs II. von Rauch. Er verspricht nochmals, allen Marmor schenken zu
wollen, die Landschaft sollte die übrigen Kosten, ca. 5000 Tlr., tragen (1738.
XII. 15. fol. 10.)
Ein Goldschmied Damman bietet sich an, das große Kapitell in getriebenem Messing herzustellen; Diterichs befürwortet den Vorschlag, weil ein derartiges Kapitell besser zu der Bronzestatue passen würde, als ein marmornes. Es erfolgt aber die Resolution: S. K. M. haben es von Marmor haben wollen, wobey es also auch sein Bewenden haben wird. (1739. II. 7. fol. 34‑37.)
Auch die vier Inschrifttafeln zu seiten des Sockels sollten nicht gegossen, sondern von Marmor hergestellt werden.
Die
Steinmetz‑ und Bildhauerarbeit übernahm der alte Johann Georg Glume, einer der
wenigen Künstler, die nach dem Tode Friedrichs I. in Berlin geblieben waren. Er
war ein Schüler Schlüters gewesen und hatte einen Abglanz der Epoche Preußens,
die künstlerisch unter dem Zeichen seines Meisters stand, in die Folgezeit
hinüberzuretten verstanden, wie das bedeutende Werk des Grabmales für v. Kraut
in der Nicolaikirche beweist. 1738, in dem gleichen Jahre, in dem der Plan für
das neue Denkmal Friedrichs I. entstand, war in Rathenow die von ihm
geschaffene Statue des Großen Kurfürsten enthüllt worden, die ebenfalls auf
Kosten der Stände errichtet worden war. Glume wurde nun auch zu den Arbeiten für das Monument Friedrichs I.
herangezogen. Der von ihm und Diterichs unterschriebene Kontrakt hat sich
erhalten. (Br. Prov. Verw. A. Ständisches A. C. 44. 35a. 1738. III. 23.)
Für
das bis ins Einzelne gehende Interesse des Königs an dem Denkmalsplan spricht
eine Randbemerkung auf der Spezifikation des Marmors, den Diterichs vom kgl.
Bauhof zum Denkmal entnehmen wollte, ihm gefiel die Farbenwahl nicht:
Soll viell weiss und schwartzen nehmen, nicht so
viel grauen. (Pr. G. St. A. Minüten 18, Abschrift des Aktenstückes mit der
Marginalie 1739. I. 10, Pr. G. St. A. Rep. 92. Koenig 357, ein Schreiben
Diterichs wegen der Marmorbeschaffung loc. cit. fol. 13.)
In
einem Schreiben an die Stände wurde ausdrücklich hervorgehoben, daß der König
den Marmor sowohl zum Sockel als
auch zur Säule des Denkmals schenken wollte, es stellt sich schließlich heraus,
daß diese Versicherung nicht ganz wörtlich zu nehmen war. Der König gab wohl
Marmor aus dem Vorrat her, der noch aus der Zeit Friedrichs I. stammte, war
aber trotz seines Versprechens nicht geneigt, darüber hinaus neuen
anzuschaffen. Der Sockel ließ sich aus den Beständen des Bauhofs
zusammenstellen, es fehlten aber die zur Säule notwendigen großen Stücke weißen
Marmors. Die Landschaft wurde aufgefordert, auch diese große Ausgabe zu
bezahlen, mit der sich die Kosten auf ca. 8000 Tlr. erhöhten. (Br. Prov. Verw.
A. D. Varia. 7. S.) Auch hier versüßte Friedrich Wilhelm den Ständen das
bittere Muß. Er erlaubte ihnen, den von dem in Rathenow errichteten Denkmal des
Großen Kurfürsten übriggebliebenen Marmor mit zu verwenden. (Br. Prov. Verw.
A. C. 44. 35a.) Freilich half diese Gnade den Ständen ebensowenig wie der
Verlust, den sie in der Lotterie
erlitten hatten, die Kosten für das Denkmal zu vermindern, eine ingrimmige
Feder vermerkte auf der Ausfertigung des königlichen Schreibens in den Akten
der Stände:
war
keiner übrig blieben, denn die Statue von Pirnischen Stein. (Loc. cit. fol. 16‑17.)
Die
Beschaffung der großen Marmorblöcke bot viele Schwierigkeiten, lange mußte die
Firma Splitgerber & Dann mit den Haupthandelsplätzen Amsterdam, Genua und London
korrespondieren, ehe dann einige Stücke von Carrara über Hamburg anlangten.
(Loc. cit. fol. 39 f.)
Inzwischen
waren die Arbeiten am Denkmalssockel in Gang gekommen, es mußten nun auch die
Entwürfe für die Reliefs der Säule gemacht werden. Ein Graveur Schwanefelder
versuchte sein Glück mit dem Vorschlage, statt der Reliefs, die wegen der Höhe
des Denkmales schwer, und zum Teil gar nicht zu erkennen sein würden, den
Stammbaum des Herrscherhauses in Form einer Weinranke auf der Säule
anzubringen, und erbot sich, „solche Arbeit in Perfection auzuführen“.
Diterichs hält die Befürchtung, die Reliefs würden nicht zu erkennen sein, für
unbegründet, außerdem setze man nur auf die Säulen der Trauergerüste Wappen,
hier
wäre es ein formel Pasquil und hiesse so viel,
dass man den Ruhm dieses Monarchen nicht in seinen Thaten, sondern in seinen
Ahnen suchen müsste. (1739.
1. 3. Loc. cit. fol. 14‑15.
Mit
diesem Satz rührt Diterichs an die schwierigste Frage der Denkmalsgestaltung.
Die
bildliche Darstellung von Ereignissen einer Epoche bei Denkmälern und ähnlichem
war lange eine beliebte Sondergattung der Geschichtsschreibung, der
nachzugehen sich lohnen würde, weil sich hier Material für ein interessantes Kapitel
der Geschichte bietet. Die Auslese der Ereignisse geschah fast nie von dem
Gesichtspunkt der Darstellbarkeit aus, sondern stellt stets eine Wertung der
betreffenden Zeit in Haupttatsachen dar. Für die Zeit Friedrich Wilhelms, die
die Taten eines Monarchen nach Kämpfen und Kriegen zählte, weil sie selbst sich
kriegerisch gebärdete, war es unmöglich, zwölf Reliefs mit Taten des
Verstorbenen zu füllen.
Wachter,
der das Programm für die Reliefs am Sarge des Königs entwarf (cf. Anm. IV, 57),
hatte es bereits schwierig gefunden, aus der friedlichen Regierungszeit acht
bedeutende, zur bildlichen Darstellung geeignete Ereignisse herauszuheben. Er
wählte folgende Themen: Regierungsantritt, Befreiung des Unterrheins, Gründung
der Kunstakademie in Berlin und der Universität Halle, Königskrönung,
Erwerbung von Neufchatel, Lingen und Moers, Einnahme von Geldern‑ wies in einem
siebenten Relief auf die Quies publica hin, deren sich das Land durch die weise
Regierung erfreut hätte, und war sicherlich froh, daß eins der acht Felder von
dem Mantel der Figur der Kurmark bedeckt wurde.
Die
„Invention“ der zwölf Reliefdarstellungen für die Säule stammt von dem Maler
Belau. Er behandelt die gleichen Ereignisse wie Wachter, zieht die Erwerbung
von Neufehatel und die Einnahme von Geldern in eine Darstellung zusammen und
hilft sich für die verbleibenden sieben Flächen mit biographischen Angaben,
Geburt des Prinzen, Erziehung, Tod des Großen Kurfürsten, die
Freundschaftsbündnisse mit August dem Starken und dem Zar Peter, die Erziehung
Friedrich Wilhelms, der Tod Friedrichs.
Belau
beschwört noch einmal den ganzen Apparat barocker Allegorienfülle, ein Beispiel
mag genügen:
9. Das Hertzogtuhm Preussen wird 1701 zum Königreich erhoben. Die Weissheit bittet den Hertzogtuhm Preußen die Hand und übergiebet ihr zugleich das Zepter, zeiget ihr, von den bissherigen sich zu einen zubereiteten höheren thron zu begeben. Der Churfürst setz ihr eine königl. Krone auff. Wor durch der Adler freyheit bekomt, sich Himmel an zu schwingen. Mars hält sein gezücktes Schwert den blassen Neid endgegen, indes theilet die Mildigkeit den Wohlverdienten Rittern den Orden des Schwartzen Adlers auss, auch wird zugleich der Minerva die Stiftung der Soeietät der Wissenschaften übergeben. Die Gottheiten bringen frohlockent zur bezeigung ihrer freuden aus ihren reichen allerley überfluss herbey. (Loc. cit. fol. 45‑46.)
Leider sind keine Zeichnungen erhalten, aus denen zu ersehen wäre, wie sich der Maler die Überführung seiner Beschreibungen in Darstellungen dachte.
Die Sozietät der Wissenschaften, die nur noch ein
kümmerliches Dasein führte, wurde damit beschäftigt, Belaus Programm zu
überprüfen, sie fand an ihm nur auszusetzen, daß Frankreich durch den
gallischen Hahn bezeichnet worden sei.
Diese „anstößige remarque“ wurde deshalb ausgelassen. (Loc. cit. fol. 42. 1739.
VI. 13.) Der König forderte im Juli den Belauschen Entwurf ein, im gleichen
Monat heißt es, daß der Maler anfange, die Darstellungen zu zeichnen. Auffällig
ist der Satz, den der Rat Buchholz in einem Schreiben an v. Marschall dieser
Nachricht anfügt.
Wie er denn auch Ew. Excell. Ordre erwarten wird,
ob etwa des Cron Printzen kgl. Hoheit bey denen projectirten Vorstellungen
etwas zu befehlen geruhen wolten, so er schuldigst zu observieren verspricht.
1739. VI. 15. (Loc. cit. fol. 43‑44.)
Vielleicht
hatte Friedrich II. damals bereits zu der Denkmalsfrage eine ablehnende
Stellung eingenommen, und man versuchte, ihn für den Entwurf zu erwärmen‑ oder
man glaubte, daß der kunstliebende Kronprinz sich für die Angelegenheit
interessieren würde.
Im
Dezember 1739 wurde die Sozietät der Wissenschaften durch v. Marschall
aufgefordert, „sinnreiche“ Aufschriften für die Tafeln am Sockel des Denkmals
zu entwerfen, zwei Tafeln sollten deutsche, die anderen beiden lateinische
Inschriften erhalten. (Loc. cit. fol. 53‑54.)
Die
Sozietät hat diesen Auftrag nicht mehr ausgeführt, am 31. V. 1740 stirbt der
König, und mit seinem Tode hören alle Arbeiten am Denkmal auf.
1741
befreit Friedrich II. die Stände von der Verpflichtung, das Denkmal seines
Großvaters zu errichten. Leider fehlen die Nachrichten, was den König zu seinem
sehr ungewöhnlichen Vorgehen veranlaßte (König, 1796. IV. 1., p. 173). Die
Einstellung des Denkmalsbaues läßt sich nur mit der wiederholt von Friedrich
dem Großen zum Ausdruck gebrachten Mißachtung des ersten preußischen Königs,
seines Großvaters, mit dem er so manchen Wesenszug gemeinsam hat, erklären.
Die
zeitraubende Beschaffung der großen Marmorblöcke für die Säule hatte die Vollendung
des Denkmales verzögert, der Sockel stand bereits in Glumes Werkstatt völlig
ausgearbeitet, so zeigt ihn eine Zeichnung (Tafel 7), die den Akten beigefügt
worden ist. (Loc. cit. fol. 83.)
Die
Stände bieten ihn und die sechs riesigen Marmorblöcke dem König als Geschenk an
und bitten ihn um die Zusicherung, daß die Fortsetzung des Baues nie mehr von
ihnen gefordert werden sollte. (Loc. cit. fol. 79‑82.) Dies Versprechen gab
Friedrich II. nicht, nahm aber den Marmor an, und befahl den Ständen, ihn
vorläufig aufzubewahren. Die Landschaft, die froh und dankbar war, den
bedeutenden Betrag, der zur Vollendung des Denkmales noch nötig gewesen wäre,
ersparen zu können, hatte allerdings nicht erwartet, nun für die Lagerung des
Marmors, den sie am liebsten verkauft hätte, sorgen zu müssen. Aus dem
Baugerüst des Denkmales wurde ein Schuppen für die Blöcke hergestellt, in dem
sie längere Zeit ruhten. (Loc. cit. fol. 84‑87.)
Auf
dem letzten Blatt des Aktenheftes im Ständischen Archiv, das die Geschichte des
Denkmalsplanes bewahrt, findet sich die Notiz, daß Friedrich 1747 den Marmor an
Adam zur Verarbeitung abliefern ließ. Die Kosten des Transportes in dessen
Werkstatt mußten die Geschenkgeber tragen; es war die letzte Ausgabe, die das
Denkmal Friedrichs I. den Ständen verursachte.
(Für
freundliche Hilfe im Br. Prov. Verw. A. ist dem Leiter des Archivs, Herrn
Staatsarchivrat Dr. Joh. Schultze, zu danken.)
Das
Denkmal auf dem Molkenmarkt war schon Anfang Januar 1739 abgebrochen worden
(Friedländer, E., Berliner Garnisonchronik, 1727‑39: Schriften des Vereins f.
d. Gesch. Berlins, IX, 1873, p. 47), weil die brauchbaren Baumaterialien, wie
auch der Kontrakt zwischen Diterichs und Glume vorsieht, zum Bau des Denkmals
auf der Dorotheenstadt mit verwendet werden sollten, dessen Fundament schon
Anfang Februar des gleichen Jahres gegraben wurde. (Br. Prov. Verw. A. C. 44.
35a. 1739. II. 6.) Durch diese Sparsamkeit war das Werk Schlüters wieder zu
einem verborgenen Dasein verurteilt, es blieb in der Gießerei, in die man es
während der Arbeiten vorübergehend eingestellt hatte. Poellnitz hätte mit
seiner Prognose, daß es gänzlich in Vergessenheit geraten würde, weil Friedrich
II. auf den Ruhm seines Ahnen wenig Wert lege, beinahe recht behalten
(Poellnitz, II, 1791, p. 174). 1757 wird in einem „Abriß über die Stadt Berlin“
gemeldet, daß die Statue neben dem Schlosse aufgestellt werden sollte, sie wäre
aber noch „an keinen besonderen Ort“ gesetzt (Briefschilderungen, hg. von H.
Traub, B. L. A., 1929, VII, 30).
1760
besetzten die Russen Berlin. Als sie im Oktober wieder abzogen, nahmen sie das
Standbild als Kriegsbeute mit. Der Transport der schweren Bronze war aber so
schwierig, daß sie in Spandau zurückgelassen wurde. Im Verzeichnis der
Kriegsbeute des Grafen Totleben ist sie, wie B. v. Köhme (Berlin‑Moskau‑Petersburg:
Schriften des Vereins f. d. Geschichte Berlins, Bd. 20, Berlin 1882, p. 93)
festgestellt hat, mit aufgeführt, man hatte die Statue also nicht vor den Russen
nach Spandau geflüchtet, wie die Sage behauptet (cf.: Die
Hohenzollernstandbilder in Preußen, Kgl. Pr. Staatsanzeiger, 1868, p. 28).
1764
wurde sie nach Berlin zurückgeschafft und im Zeughaus untergebracht.
Friedrich
II. wollte sie schließlich im Hof des Zeughauses aufstellen lassen, er
genehmigte einen Entwurf des Architekten Boumann, der einen weißen
Marmorsockel vorschlug. An den Seiten des Postamentes sollten vier Reliefs angebracht
werden, deren Themen an den Ort der Aufstellung anknüpften. Außer der
Königskrönung waren vorgesehen: der Befehl zum Bau des Zeughauses, das Innere
des Gießhauses und die Tätigkeit der Artilleristen. Der Kostenanschlag von 3000
Tlr. erschien dem König aber zu hoch, er begriff nicht, daß ein solcher Betrag
nötig sein sollte, um einen einfachen Marmorsockel herzustellen, und bewilligte
150 TIr. für einen Sandsteinsockel. Boumann errechnete in einem neuen Anschlag
aber 614 Tlr. für Werksteine, Fundamentsicherung und Baukosten. Diese Summe
auszugeben war der König nicht geneigt:
Ich habe mit Eurem Bericht vom 24. d. die Apotheker
Rechnung des Baudir. Boumann erhalten, und hin denselben Betrag, da dergleichen
Statue zu versetzen, unmöglich mehr als 120 TIr. kosten kann, zu bewilligen
nicht gemeint. (Akten z. T. gedruckt bei v. Schöning, I, 1844, p. 412, jetzt
roponiert: Pr. G.St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. Ils. 12.)
Es
ist zu bedauern, daß die Aufstellung der Statue wieder scheiterte, beinahe
hätte sie den ihr von Anfang an bestimmten Platz eingenommen.
Das
Standbild war dann lange: im Zeughaus in einem obskuren Winkel unter schlechten
Sachen an die Wand gelehnt (Ph. W. Gercken, Reisen, IV, Worms 1788, p. 236) und
entging, wie Nicolai auf Grund einer mündlichen Überlieferung zu berichten
weiß, nur mit knapper Not dem Schicksal, eingeschmolzen zu werden. Es wurde später
hinter dem Mittelportal des Zeughauses aufgestellt, ohne daß sich jemand
bemüht hätte, diesen provisorischen Zustand zu ändern.
Nicolais
Nachrichten von den Schicksalen der Statue erhoben sie dann zu dem Range einer
kuriosen Sehenswürdigkeit.
Im
Dezember 1800 gab der Kurator der Akademie der Künste, v. Heinitz, einen
Vorschlag ein, sie bei Gelegenheit der hundertjährigen Wiederkehr des
Krönungstages aufzustellen. Bis dahin blieb nur ein Monat Zeit, v. Heinitz riet
deshalb, die Statue provisorisch auf ein bronzefarben gestrichenes hölzernes
Postament vor das Zeughaus zu setzen. (1800. VII. 15. Pr. G. St. A. Rep. 89.12.
R. Denkmäler. fol. 19.) Die Bronzesklaven sollten wegbleiben und eingeschmolzen
werden, das Metall könnte mit zur Herstellung des geplanten Denkmales für
Friedrich den Großen dienen. Später blieben diese Figuren im Zeughaus zurück,
1827 schlägt Rauch vor, sie einzuschmelzen, da sie keinen besonderen Kunstwert
hätten und das Metall zur Herstellung von Bronzestatuen auf den Eingangspfeilern
des Schloßgitters zu Charlottenburg zu verwenden. Die alten Bleifiguren der
Fechter, vielleicht Werke des Bildhauers Karl King, die noch aus der Zeit
Eosanders stammten (cf. Anm. IV, 41), waren eingesunken, Rauch wollte sie durch
Bronzekopien antiker Statuen, eines Äskulap und der Minerva Giustiniani
ersetzen, weil der Aufenthalt Friedrich Wilhelms III. in Charlottenburg der
Gesundheit und den Musen gewidmet sei. Der König befahl aber, die schadhaften
Fechterfiguren mit neuen Bleikopien zu vertauschen, die Bronzesklaven sollten
eine andere Verwendung finden; er regte an, sie bei der Statue Friedrich
Wilhelms I. in Gumbinnen mit aufzustellen. (Pr. G. St. A. Rep. 89. B. 1. 25.
Vol. VI.) Beinahe hätte sich so Friedrich Wilhelms I. Mäzenatentum an seinem
eigenen Denkmal gerächt, wenn nicht Rauch sich gewehrt hätte, das von ihm
geschaffene Werk mit den Sklaven zu verunzieren, die endlich doch
eingeschmolzen wurden.
Die
von Heinitz gegebene Anregung kam Friedrich Wilhelm III. sehr gelegen. Er ließ
die Statue nicht in Berlin aufstellen, sondern verfolgte sofort mit Geschick
die Möglichkeit, der Aufstellung des Denkmals eine innenpolitische Bedeutung
zu verleihen. Die Stände Ostpreußens waren von jeher in einer für den Regenten
oft sehr unbequemen Weise selbständig gewesen. Das Einvernehmen zwischen ihnen
und dem Herrscher war nicht immer das beste. Gerade bei dem Krönungsjubiläum
mußte deshalb die Gelegenheit, ein „immerwährendes Denkmal gegenseitiger Liebe
und Treue“ in Königsberg zu errichten, sehr erwünscht sein.
Das
Kabinettsministerium unternahm im geheimen die vorbereitenden Schritte. v.
Beyme schrieb an den Provinzialminister von Preußen, v. Schroetter, der König
habe geäußert, daß die Preußen die Aufstellung der Statue in Königsberg
wünschten, er wäre auch nicht abgeneigt, diesen Wunsch zu erfüllen. Es käme nur
darauf an, zu wissen:
ob es mit diesem Wunsch, massen S. M. gehört
haben wollen, seine Richtigkeit habe. (Pr. G. St. A. Rep. 89. 59.‑36. v. Beyme,
Copien secreter Ordres.)
Daß
der Wunsch bei den Ständen nicht bestanden hat, ist aus der Antwort von v.
Schroetter zu ergehen:
ich kann nicht sagen, dass im eigentlichen
Verstande des Wortes die preussischen Stände die obengedachte Statue gewünscht haben,
denn es ist sehr wenigen von ihnen die Existenz dieser Statue bekannt. ‑ Ich
fand sie aber vor einigen Jahren, als ich das Zeughaus besuchte, in einen
Winkel gestellt, und äusserte den Wunsch, sie in Koenigsberg aufgestellt zu
sehen, wo sie eigentlich hingehörte, und besser als in einem Winkel des
Zeughauses plaziert wäre.‑ Dieser Gedanke hat sich verbreitet, und Graf
Lehndorff, dem ich vermuthlich auch diese idée mitgeteilt hatte, sagte mir, so
ich nicht irre, im vergangenen Winter, dass er S. M. um diese Statue gebeten
hätte. (1800. XII. 16. Pr. G. St. A. Rep. 89. 12. R. fol, 21.)
Mit dem Schreiben v. Beymes war aber in
diplomatischer Weise den ostpreußischen Ständen über die Vermittlung v.
Schroetters die Bitte um die Statue nahegelegt, die sehr schnell erfüllt wurde.
Die kurze Frist zwischen v. Heinitz Vorschlag und dem Krönungstag erlaubte
nicht, das Standbild rechtzeitig zu errichten, man begnügte sich deshalb
zunächst damit, die Absicht des Königs kundzutun. Am 18. I. 1801, dem
Krönungstage, wurde das Schreiben des Königs an die ostpreußischen Stände
veröffentlicht, in dem er ihnen die Statue unter schmeichelhafter Versicherung
„der reinsten Freude über die Vorzüge des edlen Volkes“ widmete. Gedruckt in:
Der Bär, Bd. 12, 1886, p. 311.)
v.
Heinitz erhielt den Befehl, das zu dem Bildwerk erforderliche Postament
anfertigen zu lassen, und gab den Auftrag an Schadow, der die beiden
Marmorreliefs mit den Emblemen der königlichen Würde für die Seiten des
Denkmals meißelte, eine Darstellung von Krone und Zepter, und eine des
auffliegenden Adlers. (Schadow, J. G., Kunstwerke und Kunstansichten, Berlin
1849, p. 60‑61.) Der Kern des Sockels wurde aus Sandstein hergestellt, der mit
grauem schlesischen Marmor verkleidet wurde. Für die Einfriedigung des Denkmales
wurden niedrige, mit dünnen Ketten verbundene Steinpfosten gewählt, weil die
nicht sehr große Statue durch ein einschließendes Gitter in ihrer Wirkung zu
sehr beeinträchtigt worden wäre. Die Vorschläge des Hofrates Hirt für die
Inschrifttafeln wurden mit kleinen Abänderungen genehmigt.
Die
Statue selbst hatte sich sehr gut erhalten, nur ein Finger war abgebrochen. v.
Heinitz schlug, ohne damit Erfolg zu haben, vor, das Zepter wegzulassen, weil
es offenbar nicht von Anfang an zu der Statue gehört habe, deren Embleme auf
die kurfürstliche, nicht auf die königliche Würde deuteten. Nach dem Gutachten
des Hofbildhauers Schadow wäre es auch viel schlechter als die Figur selbst
gearbeitet. (1801. III. 25. Br. Pr. Haus. A. Rep. 45. L. 4.) Offenbar hatte man
vorher irgendwann einmal, vielleicht 1728, den bereits in dem Gutachten von
Chuno ausgesprochenen Rat, wenigstens das kurfürstliche Zepter durch das
königliche zu ersetzen, befolgt.
Die
Herstellung des Sockels (ca. 3000 Tlr.), der Transport der Statue nach
Königsberg, und sogar die Aufstellung des Denkmales (ca. 3000 Tlr.), wurde aus
der königlichen Dispositionskasse bezahlt; nach dem ersten Schreiben v. Beymes
an v. Schroetter muß angenommen werden, daß man zunächst dachte, die
ostpreußischen Stände würden Transport und Aufstellung bezahlen, ähnlich wie
die kurmärkischen Stände sich bereits einmal bemüht hatten. v. Schroetter
antwortete, daß er glaube, die Stände würden die Kosten mit Vergnügen
übernehmen. Um kostspieligen Entwürfen vorzubeugen, schlug er einen
Sandsteinsockel vor, weil Marmor für das rauhe Klima zu wenig widerstandsfähig
wäre. Da er sich bereit erklärt, die Transportkosten „allenfalls“ selbst zu
bezahlen, scheint er selbst von der Gebefreudigkeit der Stände nicht sehr
überzeugt gewesen zu sein.
Mit
wieviel Zuvorkommenheit und höflicher Vorsicht die Stände behandelt wurden,
zeigt die Tatsache, daß sie zur Deckung der Kosten nicht herangezogen wurden.
v. Schroetter verhandelte mit ihnen lediglich über die Wahl des Standortes für
die Statue. Es war schwer, den für die Aufstellung des Denkmales
„schicklichsten“ Ort zu finden:
Nachdem von E. K. M. in der Cabinets Ordre vom 1.
I. d. J. mir erteilten Befehl habe ich auch über den schicklichsten Ort zur
Aufstellung der den Ostpreussischen Ständen als ein Denkmal der Königlichen
Huld und Gnade König Friedrichs I. Statue mit gedachten Ständen Rücksprache
genommen.
Die Stadt Königsberg hat indessen sehr wenige
freye Plätze und es wären alda eigentlich nur drey in Vorschlag zu bringen. Der
erste ist der Königs‑Garten, wo die Paraden zusammenkommen und auf welchem
beständig exercieret wird. ‑ Dieser ist schlecht bebauet, im Verhältnis der
Statue, die nicht colossallisch ist, zu gross und die Statue würde auf selbigem
viel zu klein, und isoliert stehen. Der zweyte ist der innere Schlossplatz.
Hier stünde sie zu beschränkt und zu wenig gesehen. Der dritte aber, und der
sich zu dieser Absicht am besten zu qualificieren scheint, ist der Platz vor
dem Schlosse und gerade über der Hauptwache, wo die Cavallerie Casernen stehen.
Hier ist die grösste passage in der Stadt, alle Post‑ und Hauptstrassen gehen
herüber, er hat aber die einzige Inconvenienz und die schon an sich für die
Lage desselben einen Misstand gewährt, dass er nemlich jetzt offen und im
Inneren desselben der Mistbehälter für die dortige Cavallerie‑Esquadron
befindlich ist. Um nun diesen Misstand an sich zu heben, zugleich aber auch der
Statue ein ihr anständiges Emplacement zu geben, wäre es nötig, hinter ihr eine
Mauer mit einer eisernen Balustrade zu ziehen, vor welcher die Statue zwar in
einer Nische, aber doch so frey zu stehen käme, dass man sie ganz umgehen
könne. (1802. II. 11. Pr. G. St. A. Rep. 89. 12.
R. Denkmäler. fol. 29.)
Der
Vorschlag v. Schroetters, dem wahrscheinlich ein Rat von Schadow zugrundeliegt,
fand die Genehmigung Friedrich Wilhelms III. und wurde ausgeführt. An der
geschickten Aufstellung der Statue blieben nur die unschönen Trophäenverzierungen
des Eisengitters zu beanstanden, die aus Blech hergestellt wurden (Bötticher,
A., Bau‑ und Kunstdenkmäler von Ostpreußen, Bd. 7, Königsberg 1897, p. 96).
Am
3. August 1802, dem Geburtstag Friedrich Wilhelms III., wurde die Statue
eingeweiht. (Bericht der Vossischen Zeitung. 1802. VIII. 12. Nr. 96, Pr. G.
St. A. Rep. 7. 110b.) Die Festrede hielt der Oberburggraf v. Ostau. Sie hat
sich in einem an den König eingesandten Manuskript erhalten. (Pr. G. St. A.
Rep. 89. 12. R. fol. 30‑32.) Ihre farblose Dürftigkeit ist kaum zu unterbieten.
Über
die Einweihung und die weitere Geschichte der Statue hat H, Ehrenberg (1895/96)
einen ausführlichen Aufsatz veröffentlicht. Das von einem französischen
Soldaten 1807 entwendete Zepter wurde 1815 durch das jetzige ersetzt, das von
dem Metall eines eroberten französischen Geschützes verfertigt wurde. Ende des
Jahrhunderts verlor die Bronze ihre Platina durch einen Ölfarbenanstrich.
Nach
jahrhundertlanger Ruhelosigkeit hatte die Statue eine feste Stätte gefunden,
Zeitgeschichte und Zukunft schreiben weiter an der Geschichte des Denkmals.
Die
Schicksale der Statue haben nur selten eine auf den Sinn des Geschehens
gerichtete Betrachtung erfahren; wie schwer die in ihm verborgene Problematik
zu fassen ist, zeigen die allzuscharf pointierten Sätze Alfred Rohdes, der von
der schicksalshaften Geschichte der puppenhaften Porzellanfigur eines kindlich
spielerhaften Königs spricht (Rohde, A., Königsberg, Leipzig 1929, p. 109).
Eine
anonyme Betrachtung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vergleicht die Statue
mit französischen Denkmälern:
doch hängt der letzteren Schicksal mehr mit den
Parteikämpfen zusammen, die gleich wilden Stürmen Frankreichs Fluren
durchtobten, im Preussischen Staate hatte aber der Zeitgeist nichts an diesem
Bilde zu rächen. Sollte jedoch wirklich kleinliche Eitelkeit der Grund des Unternehmens
gewesen sein, so schliesst die Geschichte jener Statue, die Friedrich I. sich
errichtete, die Lehre einer wunderbaren Nemesis in sich.
(Das Standbild Friedrichs I. in Königsberg,
Archiv für vaterländische Interessen oder Preussische Provinzblätter, hg. von
O. W. L. Richter, N. F., I, Kgsbg. Pr. 1843, p. 152.)
Zweifellos
ist es ein Treppenwitz der preußischen Geschichte, daß derjenige Hohenzoller,
der bei dem „avancement“ der Regenten eine Erhöhung der Würde seines Hauses erreichte,
und der auf sein Königtum den größten Wert legte, mit einem Denkmal bedacht
wurde, das, von ihm selbst einst geplant und verworfen, ihn nur als Kurfürst
darstellt.
Die
Statue war nicht als freiräumliches Denkmal, sondern für eine bestimmte Umgebung
entworfen. Ihre zweckbestimmte Kleinheit mußte immer ein bedeutendes Hindernis
für eine anderweitige Aufstellung sein.
Die eigentlichen Gründe für die seltsamen Schicksale des Schlüterschen Werkes liegen in der Entwicklung des jungen preußischen Staates, der in der Überlieferung des Staatsgedankens vorwärtsstrebte, der Wahrung des Rechts und Vergrößerung der Macht für wichtiger halten mußte als die Tradition einer den Künsten zugewandten Kultur.
[123] Tessin, Studieresor, hg. von Sirén, 1914, p. 72.
[124] P. Seidels Veröffentlichung (Zeitschrift für Bauwesen, Bd. 43, 1893, p. 55) fußt auf einer Abschrift aus den Generalkriegskassenbüchern, die Ende des 18. Jahrhunderts den Originalbelegen beigefügt wurde. Der Originaltext wurde erst später durch D. Joseph (Vom Denkmal des Großen Kurfürsten in Berlin, Repertorium für Kunstwissenschaft, Bd. 18, 1895, p. 380) aufgefunden.
[125] Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. 11. 5. Der Schreiber war nicht zu ermitteln.
[126] Backschat, Friedrich, Baugeschichtliche Untersuchungen zum Potsdamer
Stadtschloß, Mitteilungen des Vereins f. d. Gesch. Potsdams, N. F., Bd. 6, Nr.
339, p. 436 f.: Schlüters Reiterstandbild des Großen Kurfürsten auf dem Alten
Markt in Potsdam; G. Kühn, Zeitschrift für Kunstgesch., II, 1933, p. 298 f.;
cf. auch Bock, 1933, p. 55.
Der
undatierte große Plan von de Bodt (Chateau de Potsdam, Dresden, Landesbiblio.
Hist. Urb. Germ. 204 m.) zeigt das Denkmal des Großen Kurfürsten auf dem Platz
vor dem Schloß, cf. Anm. III, 133. Es steht nicht auf einem ovalen, sondern
auf einem rechteckigen Sockel mit schwerer Plinthe, an dessen Seiten große
Tafeln eingetieft sind. Die nur mit wenigen Strichen angedeuteten
Begleitfiguren unterscheiden sich von den Sklaven auf der Langen Brücke in
Anordnung und Haltung, sie waren wahrscheinlich nie ausgeführt.
Der Stich Peter Schenks von dem Einzug Friedrichs I. in Berlin läßt ein Reiterdenkmal auf der Langen Brücke erkennen, zweifellos ist es der damals dort stehende Gipsabguß, cf. auch Anm. I, 138.
[127] Zur völligen Auspolierung der Statue hat Jacobi 1701 drei Goldschmiedegesellen aus Prag verschrieben, er stellte den Antrag auf Ausstellung eines Passes für Christoph Wegmann, Gottfried Bülck und Christian Messerschmidt. (1701. V. 3. Pr. G. St. A. Rep. 9. EE. 16.)
[128] Die Aufstellung von Girardons Reiterstandbild Ludwigs XIV. geschah 1699 zunächst auch auf einem provisorischen Sockel, um eine weitere Verzögerung zu vermeiden (cf. Anm 110; Boislisle, 1889, p. 147).
[129] Weinitz, 1914, p. 25. Die hier veröffentlichten Schriftstücke jetzt: Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. 11. 5.
[130] Damit fällt die zuletzt von Giese, 1931, p. 139, ausgesprochene Annahme,
daß die Sklaven zwar von Schlüter, aber erst später hinzukomponiert wären. Freilich
wurde der erste Plan für die Komposition des Denkmales und die Gestaltung des
Sockels (cf. Anm. I, 125) wohl nicht starr, ohne weitere, mehr ins einzelne
gehende nachfolgende Entwürfe beibehalten, dahin deutet eine Notiz in den
Protokollbüchern Pr. G. St. A. Rep. 21. n. 127. Geheimer Kriegsrat 1701. XI. 8.
S. K. M. wird vorgezeiget der abris vom pied destal zu der statue auf der
brücken. S. K. M. haben den Plan aggreiret und soll der Gen. Commiss. darauf
assignieren.
Auf
die Motivgeschichte der Sklaven ist nach Voß besonders V. Weißbach, Trionfi,
Berlin 1919, eingegangen.
Gedanken
an die Darstellung der vier Temperamente spielen in Schlüters Komposition
ebenso mit herein, wie Erinnerungen an die Figuren der Medicikapelle. L.
Cicognara, Storia della Scultura, Bd. 6, Prato 1824, p. 434, wies, wie vor ihm
Nicolai, auf den in Schlüters Schaffen überhaupt bemerkenswerten Zug der
Michelangelonachfolge hin: si compiacque del fare Michelangiolesco.
Die in der Berliner Lokalliteratur seit Joseph, D., Forschungen zur Geschichte der Künstler unter dem Großen Kurfürsten, Berlin 1896, p. 32, hartnäckig wiederholte Behauptung von einer Abhängigkeit der Sklaven des Denkmales von denen an Nerings Leipziger Tor hat keinen anderen Grund, als den Wunsch, eine Verbindung zwischen Nering und Schlüter herzustellen.
[131] Boeck, 1933, p. 40. Daß die Sklaven auf Schlüter zurückgehen, haben schon vorher Großmann (Otto, Das Reiterbild in Malerei und Plastik, Berlin 1931, p. 93) und Diehl (Erläuterungen zu: Schaeffer, A., Roß und Reiter, ihre Darstellung in der plastischen Kunst, Leipzig 1931, p. 52) und andere richtig beobachtet.
[132] Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. 11. 5. Das Verzeichnis bei Weinitz, 1914, p. 19, zeigt, daß er diese wie auch andere Aktenstücke eingesehen hat, ohne sie für seine Arbeit zu nutzen.
[133] Gedruckt bei Adler, 1863, p. 17. Br. Pr. Haus. A. Rep. 14. F. Berlin. M. f ol. 2‑3.
[134] Des Herrn Nahl seiner wieget 21.
C. 80. Pf.
Des
Herrn Heintzen seiner wieget 26.
C. 5. Pf.
Des
Herrn Hervort seiner wieget 16.
C. 19. Pf.
Des
Herrn Backert seiner wieget 16.
C. 99. Pf.
(Aus:
Specification Der Metalle so zu denen Esclaven Barrelieffs und wapen sind
angewand worden. Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. 11. 5.)
Nach diesen Angaben verspräche eine Nachwägung einen größeren Erfolg in der Sonderung der Hände als eine sezierende Stilanalyse.
[135] Johann Samuel Nahl: Geb. 1665 in Ansbach, dort bei Räntz sen. in der
Lehre, hat später in Sachsen und Thüringen gearbeitet (Nicolai), cf. Fr.
Bleibaum, Johann August Nahl, Leipzig 1933. In Berlin nach den Kirchenbüchern
1703‑12 nachweisbar.
1703. XI. 14. (Nicol.) Trauung mit Jfr. Eva Maria, Tochter des Bürgers
und Goldarbeiters Joh. Christoph Borsche; 1704. VIV. 1. (Dom) Pate; 1705. V.
29. (Nicol.) Taufvater. Pate Andreas Schlüter, Frau Florentina Borsche geb.
Curecke (Danziger Familie?); 1707. X. 17. (Dom) Pate, Taufvater Goldschmied
Joh. Daniel Lembke; 1709. III. 3. (Nicol.) Pate, Taufvater Goldarbeiter Simon
Reimer. 1710. VIII. 29. (Nicol.) Taufvater; 1711. III. 27. (Petri) Pate; 1712.
IIE 11. (Fried. Werd.) Pate.
Friedrich Gottlieb Herfert: Nicolais Quelle für die biographischen
Angaben über diesen Künstler ist Herferts Supplikat (1702. VIII. 8.) um die
durch den Tod Joh. Michael Döbels erledigte Hofbildhauerstelle. (Br. Pr. Haus.
A. Rep. 20, cf. Anm. 38.) Herfert macht darin folgende Angaben‑.
... nicht allein in Preussen, in meinem Vaterlande, sondern auch in
frembden Landen mich zu perfectionieren gesucht ... Da ich die Gnade gehabt,
bey E. K. M. Neuen Schlossbau nunmehro Sechs Jahr en maistre zu arbeiten,
welches einige hohe kgl. Bediente so mich kennen, und absonderlich Dero Hoff
Bau Director Schlüter bezeugen können. Nachdem nun die satisfaction, dass man
mit meiner Arbeit bisshero zufrieden gewesen, mich bewogen, mein etablissement
alhier zu machen ...
Diese Angaben sind anscheinend etwas geschönt. 1696 war Herfert noch
Bildhauergeselle (1696. III. 17. Fried. Werd.) Pate, Taufvater Bildhauer Caspar
Spiegel. Dann war er wahrscheinlich mehrere Jahre von Berlin abwesend. 1700.
VIII. 26. Trauung (Doroth.); 1701. III. 28. (Marien) Pate, Taufvater Steinhauer
Joh. Lange; 1701. VIV. 9. (Fried. Werd.) Pate, Taufvater Andreas Heinrich
Urban; 1702. Xl. 2. (Marien) Pate, Taufvater Mathias Scheffel, Maler; 1704. VIII.
31. (Luistä.) Pate; 1705. IV. 26. (Nicol.) Pate; 1706. 1. 22. (Nicol.) Pate,
Taufvater Bürger und Zinngießer Joh. Benjamin Giese; 1707. V. 11. (Fried.
Werd.) Pate, Taufvater Bildhauer Joh. Philipp Meyer; 1708 ist Herfert gestorben.
Seine Witwe erhält außer dem Sterbequartal noch ein Gnadenquartal.
(Dekret. 1708. VI. 18. Pr. G. St. A. Rep. 9. D, 6. Fasc. 3.) Sie ließ ein
Epitaph machen, es wurde ihr vom Rat der Dorotheenstadt mit Rücksicht auf die
französisch‑reformierte Gemeinde nicht erlaubt: sothanes Heydnisches Sinnbild
in der Kirchen aufzurichten, bevorab da solches an dem Fürnembsten Pfeiler, und
zwar gleich dem Predigt Stuhl über aufgerichtet werden soll. (Pr. G. St. A.
Rep. 47. D. 9.)
Statt Herfert nennt Nicolai Brückner. Humbert (v. Heinecken 1768)
bezeichnet ihn als Schüler Weihenmeyers. Nicolai hielt dies in seiner Kritik
(1769, p. 287) für kaum glaublich weil er „der Sage nach“ schon an den Sklaven
mitgearbeitet habe. Dafür gibt es keinen Beleg. Gurlitt, 1891, p. 72,
identifiziert Brückner mit Isaac B., Steinschneider aus Basel(?). Die Berliner
Quellen schweigen‑ vielleicht darf ein Kirchenbucheintrag: 1697. III. 21. Pate
Martin Brückner (Doroth.) auf ihn bezogen werden, auch nach 1700 mehrmals Pate
(Doroth.).
Cornelius Heintzy (Namensformen auch Heintzii, Hensi, Hentzy, Heintzen u.
a.); die von Gurlitt, 1891, p. 72, angedeutete Möglichkeit einer Identität mit
einem der Gießer Hintze ist auszuschließen.
1697. X. 18. (Dom) Pate, als Bildhauer bezeichnet, damals vielleicht noch
Lehrling oder Geselle; darauf, wie Herfert, wahrscheinlich längere Zeit auf
Wanderschaft, der nächste aufgefundene Eintrag erst wieder 1702, er läßt sich
dann in Berlin nieder. 1702. VIV. 1. (Dom) Pate; 1703. Xl. 1. (Jerus.) (Neue
K.) Pate; 1704. V. 1. (Doroth.) Pate, Taufvater Bildhauer Friedrich Peters;
1705. III. 15. (jerus.) Pate, Taufvater Gottfried Wolffram, kgl. pr.
Bernsteindreher; 1705.IV.28. (Dom) Trauung mit Jfr. Anna Dorothea, Tochter des
Bürgers und Täschners Christoph MeuseI; 1706. XII. 12. (Dom) Taufvater, Paten
Jfr. Eleonora Schlüter, Frau Jacobi; 1708. VIII. 27. (Dom) Taufvater, Pate
Bildhauer Weihenmeyer; 1710. 1. 30. (Dom) Pate, Taufvater Bildhauer Joh. Jacob
Führer; 1711. Xl. 12. (Dom) Taufvater, Paten: Joh. Jacobi, Martin Heinrich
Böhme; 1713. V. 8. (Dom) Taufvater, Pate Bildhauer Backer.
Backer, Sohn eines Bildhauers aus Hamburg (Eckhardt, Georg Ludwig,
Hamburgische Künstlernachrichten, Hamburg 1794, p. 101), im Adreßkalender
erscheint sein Name zuerst 1704 (wohnt zur Miete), 1706‑13 wohnte er in einem eigenen
Haus. Seit 1710 gehört er, wie auch Cornelius Heintzy, zu den Academiei
honorarii. Zu Humberts Angaben (v. Heinecken, 1768), daß er ein Schüler
Schlüters sei, passen die Kirchenbuchdaten nicht recht, er ist bereits 1698 in
Berlin ansässig.
1698. III. 14. (Dom) Trauung mit Anna Margarete, Tochter des verstorbenen kurfürstl. Reisetapezierers Martinen; 1699. VII. 28. (Dom) Taufvater, Paten: Andreas Schlüter, Weihenmeycr, Johann Jacobi; 1701.VIV. 25. (Dom) Taufvater, Paten: Cornelius Heintzy, Jfr. E. Schlüter; 1703. IV. 26. (Dom) Taufvater, Paten: Hofmaler Wentzel, Andreas Haidt, Fr. Jacobi; 1705. VII. 12. (Dom) Taufvater, Pate die Frau des Bildhauers Naht; 1706. XI. 7. (Jerus.) Pate; 1712. VIV. 4. (Dom) Pate.
[136] Gedruckt bei Seidel, 1893.
[137] 1708. X. 1‑31. An die Frau Hervortin gezahlt 82 thlr. (Herfert ist in diesem Jahr gestorben.) 1709. Vl. dem Goldschmidte 854 thlr.; denen Bildhaueren 876 thlr. Nach einem der Rechnung Jacobis beiliegenden Kontrollzettel entfallen davon auf S. Naht 800 thlr.
[138] Diese noch nie herangezogene Nachricht bringt Poellnitz (I, 1791, p.
294). Danach hatte man der Gräfin Piper, der Gattin des schwedischen
Premierministers, zuliebe, die Modelle der Sklaven wieder entfernen lassen,
weil sie in ihnen eine Beleidigung Schwedens vermutete. Den Beifiguren
derartige Bedeutungen unterzuschieben, lag nahe, da an anderen Denkmälern
Personifikationen von Besiegten oft recht deutlich gegeben wurden, so z. B.
stellten die Sklaven am Denkmal Ludwigs XIV. auf dem Place des Victoires
Spanien, Holland, Deutschland und Türkei dar (cf. Steinmann, 1917).
Poellnitz gilt im allgemeinen als sehr unzuverlässiger Schriftsteller, seine Erzählung wird durch weitere Belege nicht bestätigt. Das Hofjournal von v. Besser berichtet nichts, ebensowenig findet sich in der Gießhausrechnung eine Bemerkung. Dies ist freilich noch kein Grund, die zunächst unkontrollierbare Nachricht als freie Erfindung abzuweisen, zeitlich wäre es durchaus möglich, daß Ende August 1707 kurz vorher geschaffene Gipsabgüsse das Denkmal geziert hätten; damit böte die Geschichte der Sklaven ein Gegenstück zu der der Reiterstatue, die zuerst auch in einem Gipsmodell auf der Brücke stand, cf. Anm. I, 126.
[139] Jung, W., Der Sockel des Denkmals des Großen Kurfürsten, Deutsche Bauzeitung,
Bd. 40, 1906, p. 99‑101. Der Hinweis auf den Aufsatz wird Herrn Dr. P. Hoffmann
verdankt.
Sturm, L. Chr., Nicolai Goldmanns Abhandlung von den Beyzierden der Architectur, welche durch Mahlerey und Bildhauerey zuwege gebracht werden (Augsburg 1720), p. 11, lobt die Anordnung des Schlüterschen Denkmales.
[140] Lichtwark, 1912, p. 46. Benkard, 1925, p. 27.
[141] Die Akten 1812‑17. Pr. G. St. A. Rep. 93. D. Lit. G. e. Tit. XI. 7. a., und bei der Verwaltung der Pr. Schlösser und Gärten: Bausachen 1812 f. (cf. Anm. 1, 79 und 11, 80).
[142] „Vor Seiffe und Pinsel die Bas‑relieff abzuformen 20 gr.“
Die
Krone der Thronenden des Reliefs der Westseite ist übrigens im April 1715
abgebrochen worden. (Friedländer, E., Berliner geschriebene Zeitungen,
Schriften des Vereins f. d. Gesch. Berlins, Bd. 38, 1902, p. 296.)
Zu dem Stil der Reliefs die Bemerkungen bei Giese, 1931, p. 139, und Boeck, 1933, p. 61, cf. auch Anm. 1, 122 u. 111, 89.
[143] cf. Boeck, 1933, p. 55, den Veränderungen, die die Nachbildung gegenüber
dem Denkmal aufweist, kommt kaum irgendeine Bedeutung zu.
Broses
(1875, p. 43) unzitierte Quelle ist Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Gen. Kassen
Depart. Chatoul Cassen Sachen 9. und lautet:
Chatoulrechnung
1712‑13. Ausgabe Gelt für Gold und Silber Arbeit Medaillen Metall (p. 40, nr.
56). Am 24. 1. dem Ober Artillerie Inspectori Jacobi vor eine kleine Statue, so
nach der auf der hiesigen Brücke stehenden grossen gegossen Laut Decret vom 12.
L 1713. 502 thlr.
Schon Kugler, 1838, p. 250, bezweifelte Schlüters Anteil. Weitere Nachbildungen cf. Boeck, 1933, p. 55, u. Boeck, 1934, p. 245, cf. auch Anm. 1, 161.
[144] Bergan, R., Inventar der Bau‑ und Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Berlin 1885, p. 237. Goecke‑Eichholtz-Spatz‑Solger, Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, II, 3, p. 297.
[145]a Zwischen 1698 und 1700 sind vielleicht einige
kleinere Arbeiten entstanden, wie die von Boeck Schlüter zugeschriebene
Puttengruppe. Boeck, 1933, p. 43‑46. Diese Vermutung scheint sich durch
vergleichbare Werke Schlüters nicht sichern zu lassen.
Seidel
(Paul, H. Z. J. B. VII, 1903) brachte Schlüters Name für ein silbervergoldetes
Trinkgefäß eines 66ender Hirsches vermutungsweise in Vorschlag (cf. Schmitz,
1923, p. 375).
Ein
silbervergoldeter Nautilusbecher im Grünen Gewölbe in Dresden ist früher
mehrmals für Schlüter in Anspruch genommen worden: Lessing, J., Gold und
Silber, Handbuch der Berliner Museen, I. A., 1892, p. 141, II. A., 1907, p.
154. Sarre, F., Die Berliner Goldschmiedezunft, Berlin 1895, p. 121, und
Besprechung des Werkes von J. Lessing, Deutsche Rundschau, Bd. 22, 1895,
Literaturrundschau, p. 312; Seidel, H. Z. J. B., Bd. 7, 1903; Schmitz, 1922, p.
375. Boeck, Wilhelm, Balthasar Permoser in Berlin: Berliner Museen, Berichte
aus den Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 54, 1933, p. 30‑32, ist für Permosers
Urheberschaft überzeugend eingetreten, die zuerst von J. L. Sponsel, Katalog
des Grünen Gewölbes, Dresden 1915, p. 57, vermutet wurde.
Für den Goldschmied Bernhard Quippe, dessen Marke das Stück zeigt, lassen sich einige Kirchenbucheintragungen beibringen: 1693. VIII. 22. (Petri) Taufvater, Paten Frau Anna Catharina Männlich und Carl Aemilius Weidemann; 1697. X, 3. (Petri) Taufvater, Pate u. a. G. G. Weihenmeyer; 1699. XII. 10. (Petri) Taufvater, Pate u. a. Johann Jacobi; 1707. VIII. 5. (Doroth.) Taufvater Gottfried Marquart, Bildhauer, Paten u. a. Frau Quippe, Jfr. Sapovius, G. G. Weihenmeyer und Bildhauer Schäffer.
Braun, E. W., Die Herkunft des Berliner Hofgoldschmiedes Männlich, Berliner Museen, Berichte aus den Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 54, 1933, p. 80 f.
[146] Schon 1769 ist es anscheinend nicht mehr vorhanden gewesen, denn als in
diesem Jahre der Plan auftauchte, Bronzebüsten Friedrichs und Friedrich
Wilhelms im Zeughause anzubringen, heißt es, daß alles dazu neu hergestellt
werden müßte. Friedrich II. gibt diesen Gedanken dann wegen der hohen Kosten
vorläufig auf. (Akten Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. II. s. 12.
Zum Teil gedruckt bei v. Schöning, 1844, I, p. 412.)
Im
Generalkriegskassenbuch für 1701 (Bd. 80, p. 220) findet sich die Eintragung:
Dem
Hoff und Artillerie Giesser Johann Jacobi wegen Ausssäuberung S. K. M. in Ertz
verfertigten brustbildes laut ordre vom 9. VIV. und Quittung 200 thlr. (Pr. G. St. A.
Heeres. A. Rep. 7. III. a.)
Ma. Gerken Pr. St. B. Ms. Nicolai. Fol. 159. fol. 48.
ein schönes Brust‑Stück von Metall vom Höchst Seel. König, welches
von obgedachten Künstlers (Andreas Schlüter und Johann Jacobi) verfertiget
worden.
cf. Brosel, 1875, p. 42, und v. Siefart, 1914, p. 65. Unter dem Bruststück könnte vielleicht auch ein Relief verstanden werden, so wie andere Darstellungen Friedrichs erhalten sind, das Bildnis des Sarges und die von Boeck, 1933, p. 52, behandelte Arbeit.
[147] Boeck, 1933, p. 41‑43 und p. 53. Es ist schwer, sich der hier
vorgetragenen Ansicht anzuschließen. Vergleichbare sichere Reliefs fehlen
völlig. Vielleicht ist der bedeutende Unterschied zu den gewohnten Werken
Schlüters, besonders zu den Bronzen und den Reliefs am Sarge der Königin, die
zweifellos auf Schlüter zurückgehen und hier herangezogen werden müssen, zum
Teil durch das Material bedingt, auch dadurch, daß hier die künstlerischen
Voraussetzungen nicht in französischen oder italienischen, sondern in
niederländischen Leistungen liegen.
Am
ehesten können die Arbeiten an der Kanzel mit den Reliefs von der Alten Post
verglichen werden.
Die
Nachrichten zu der 1703 datierten Kanzel lassen sich über Nicolai
zurückverfolgen.
Der
Zeitraum der Entstehung des Werkes läßt sich nur ungefähr eingrenzen. Die Witwe
Fehr vermachte für einen Kanzelbau zu ihres Mannes und ihrem Gedenken
testamentarisch 1000 Tlr. im Jahre 1700. J. Schmidt (Annales Berolinienses
oder Berlinische Chronika, hg. von Paul Jacob Schmidt, Berlin 1736, p. 39)
nennt auf einer Seite 1701. und 1702 für den Abbruch der alten hölzernen
Kanzel. Eine Interimskanzel sei vor dem Altar errichtet worden. Der Ort der
Kanzel Schlüters ist zweifellos wegen der außerordentlich schwierigen
akustischen Verhältnisse in der Kirche gewählt
worden. 1729 wurde dann mit Rücksicht auf die Stellung der Kanzel ein Ausbau an der Südseite vorgenommen (Borrmann, 1893, BKD.). Beckmann (Ms. Stadt. A. I, fol. 272) und danach G. G. Küster (II, 1752, p. 461) berichten, daß die jetzt dunkelgraugrün gestrichenen Säulen rot marmoriert waren. Der Sohn der Witwe Fehr habe weitere 1000 TIr. zum Kanzelbau gegeben, und das übrige Schlüter. Beckmann beziffert die Gesamtkosten auf 5000 TIr. Ein Stein mit den Buchstaben I. E. V. H., den er hinten am Pfeiler der Kanzel bemerkte, ist jetzt nicht mehr vorhanden. Die von Borrmann erwähnte Restaurierung (B. K. D. 1893) der Kanzel von 1867 hat sich nur auf die Wiederansetzung eines Flügels des rechten Engels durch den Bildhauer Siemering bezogen. (Kirchen‑A. Nicolai und Marien, Ausgabe V. B. 15 TIr. frdl. Auskunft von H. Dr. Jahn.) In neuerer Zeit ist das Werk mehrfach ausgebessert worden.
[148] Die folgenden Nachweise aktenmäßiger Quellen beruhen auf freundlicher Mitteilung
von Herrn Dr. h. c. H.. Jacobi (cf. auch Anm. 94), von den Ergebnissen seiner
Forschung ist nur ein kleiner Teil in: H. Jacobi, Kunst und Künstler am
Homburger Schloß, Taunusbote, Homburg 1931, veröffentlicht worden.
Im Testamentsinventar ist die Büste des Landgrafen verzeichnet (Darmstädter Haus‑ und Staats. A.). In die Literatur wurde sie von Verdy du Vernois, Histoire de la maison de Hesse‑Homburg, Berlin 1791, p. 28, eingeführt, von v. Gerning, Die Lahn‑ und Maingegenden von Embs bis Frankfurt antiquarisch und historisch dargestellt, Wiesbaden 1821, p. 179, und von v. Rommel, Christoph, Geschichte von Hessen, X, 1858, p. 145, erwähnt, ohne Angabe des Entstehungsjahres. Letz, Bau‑ und Kunstdenkmäler der Provinz Hessen‑Nassau, Berlin, Bd. II, 1880, p. 241, datiert sie um 1704. Jungfer, Joh., Der Prinz von Homburg, Berlin 1890, p. 128 behauptet, sie wäre 1703 oder 1704 schon in die Nische über das Tor des Archivflügels gesetzt worden. Biermann‑Feulner, Deutsches Barock und Rokoko (Ausstellung), Darmstadt und Leipzig 1914, p. 55, und Register, datieren das Werk um 1700. Benkard, 1925, p. 15, dem sich Michalski, E., Balthasar Permoser, Frankfurt M. 1927, p. 14, und H. Huth, Schloß Homburg, Berlin 1928, anschließen, nennt das Jahr 1704.
[149] Aus den Daten der Häuser, die Jacobi in Homburg besaß, ergibt sich nach
den Forschungen des Homburger Stadtarchivares, Herrn Dr. Steinmetz, kein
Anhalt für die Datierung des Landgrafenporträts:
Aus
einer Beschwerde der Altstadt 1747:
1.)
Hatte ein Hauss gestanden vor dem Haues, allwo die durchl. printzessin wohnet,
welches dem Kunst‑Gietiser Jacoby in Berlin dessen Vater allhier gehöret.
Dieses haben Ihro Hochfürstl. Durchl. abbrechen und den Erben in die Neustadt
wieder aufbauen lassen.
2)
Hingegen haben Höchstdieselben dar, Haus bauen lassen, allwo die durchl.
Printzessin wohnt, solches auch dem Kunst‑Giesser in Berlin statt Zahlung wegen
des gegossenen Brustbildes gegeben, nachgehends aber durch Vergleich wieder an
Ihro Durchl. Herrn Landgrafen kommen; dieses ist nachgehends an den Herrn Baron
von Creuz verkaufft worden, welcher zu diesem noch des gewesenen Pfarrers Huten
wie auch des Glöckner Kirmesen Haus gekaufft und nun bey 20 Jahren nichts der
Statt entrichtet worden.
Das
Haus 2, nachmals v. Creuz, ist mit dem bei der Lagebesehreibung des ersten
erwähnten identisch; daß es in der Altstadt vor dem Schloß gestanden, geht
auch aus anderen Nachrichten hervor; das Haus 1 ist etwa 1710 abgebrochen
worden, wie aus einer Aktennachricht von 1744 über das Jacobische Haus in der
Judengasse der Neustadt hervorgeht: Es hat ehedem der Ober‑Inspector Jacobi im
Königl. Giesshauss zu Berlin ein Hauss vorm Schloss, welches auf gnädigstes
Verlangen Sr. Hochfürstl. Durchlaucht überlassen werden müssen, dargegen Ihro
Durchlaucht den Platz zu diesem Haus angewiesen und laut hoher Hand d. d. 12.
may 1710, von Grundzinss auf ewig befreyet.
Das Haus 2 ist etwa 1710, eher noch später, errichtet worden. Die Überschreibung des Hauses steht also nicht mit der Ablieferung der Bronze in engerem zeitlichen Zusammenhang, sondern geschieht erst später.
[150] Der Neubau des Schlosses war seit 1680 unter der Leitung des Hofbaurats
Paul Andrich, einem tüchtigen und vielseitigen Techniker, im Gange (dessen
Briefe 1674‑94 im St. A. Wiesbaden).
Juncker, „so alhier am neuen fürstlichen Schloß unterschiedliche Arbeit verfertiget“, starb 1684 in Homburg (Kirchenbucheintrag). Er erhielt 1683 eine Restzahlung für das Portal (nach den Tagelohnrechnungen), cf. L. Bruhns, 1923, und Anm. 1, 63.
[151] Georg Reinhard von der Renne, geb. 1649 VIII. 15 (Kirchenbucheintrag ref.
Kirche Peter und Paul, Danzig), als ältester Sohn des Peter von der Renne (cf.
Anm. 40) (gest. 1669). Danziger Bürger 1678, im nächsten Jahre bereits in
Homburg. 1. V. 1683 Bestallung zum Hofchymicus. (Der Homburger Hof war ein
Mittelpunkt alchemistischer Bestrebungen. cf. H. Jacobi, Goldmacherei im alten
Homburg, Homburger Heimatsblätter, 1932, nr. 22.) Nebenbei sollte er auch zu
anderen „Affairen und denen comittirenden Commissiones, wozu er capabel
erfunden werden möchte“ herangezogen werden.
Von
1684 ab bis zu seinem Tode war er im Hauptamt Homburger Stadtschreiber, daneben
auch Schloßverwalter (Burggraf).
Renne
war, wie meist die Alchemisten, ein vielseitig gebildeter und überall verwendbarer
Mann. Neben seinen technischen Obliegenheiten und verwaltungsmäßigen
Geschäften betätigte er sich auch als Künstler. In den Briefen des Hofbaurats
Andrich und in den erhaltenen Tagelohnrechnungen des Hofbauwesens wird er
mehrmals erwähnt, als Zeichner, Grottierer und Maler: 1679. VIII. 26.
Metallgold an Renne von Frankfurt geliefert; 1680. VIII. 28. Renne will einen
Abriß für die Grotte machen, der an den Landgrafen Carl geschickt werden soll
(demnach bestanden auch Beziehungen zu dem baufreudigen Fürsten von Hessen‑Kassel);
1683. VI. R. arbeitete an der
Fontaine, daß sie springen kann; 1683. VII. 17. R. kauft Blei für das Bassin
der Fontaine; 1686. (Wasserleitung:) Blei für eine Schlange von Franckfurt
statt der verstockten eichenen und Tannenrohre; 1686. VIII. 17. R. soll den
Stuhl auf Veranlassung des Hofpredigers für den Landgrafen in der Kirche machen
(zu dieser Arbeit werden verrechnet 19 TIr. für Pinsel, Farbe, Leinöl, Metallgold,
an R.). Am wichtigsten ist seine Tätigkeit als Bildhauer (Wachsbossierer), z.
B. 1679. VII. Renne hat für den Schloßbau einige Bilder in Ton poussiret, so
gut herausgekommen. 1680. VIV. 7. Renne soll Bilder zur Fontaine formen, später
nochmals: Zwei Bilder zu formen und zu gießen.
Aus
der letzten Notiz geht hervor, daß Renne auch als Gießer (wohl Bleigüsse)
gearbeitet hat.
Die interessanteste Notiz ist ein Eintrag ins Kammerbuch 1683. 1. 29.: 22 thlr. Wachs fur sr. Hochfürstl. Durchl. Bildnis von dem von der Renne (St. A. Darmstadt). 1764 findet sich die Bossierung (cf. Anm. 1, 148) im Testamentsinventar der Tochter Eleonore Margarete des Landgrafen wieder, die sie demnach geerbt hatte.
[152] Weinitz, 1914, p. 12, und Weinitz, F., Der Prinz von Hessen‑Homburg,
Tidskrift für Konstvetenskap, Lund, Bd. 6, 1921, p. 106, hier spricht er auch
die Vermutung aus, daß die Bronze erst 1708, nach dem Tode des Landgrafen, über
das Portal gestellt worden wäre. H. Jacobi glaubt dagegen, daß sie von
vornherein für diesen Ort bestimmt war, da bei der Anlage des Portales mit der Nische
schon auf die Aufstellung eines Bildwerkes Rücksicht genommen wurde.
Zu
dem Aufenthalt in Berlin 1701 haben sich Dankschreiben erhalten, Landgraf
Friedrich II. übersandte als Geschenk einige Gobelins, seine Gemahlin bedankt
sich: vor die genad so E. K. M. dero dinerin Erwesen und Mit dem iber auss
schöhn und kostbaren portrait gewirdigt haben, welche unverdiente kgl. Genad
... (Pr.
G. St. A. Rep. 11. Hessen. 110b. 4. 1701. VI.)
Es handelt sich hier zweifellos um ein Porträt Friedrichs I., die Bronze war kein Geschenk, sondern ein privater Auftrag, der später durch die Hausüberweisung an Jacobi bezahlt wurde.
[153] Es sei hier nur an das Beispiel der Entstehungsgeschichte der Büste Franz I. von Este, von Bernini erinnert (Benkard, L. Bernini, Frankfurt M. 1926, Abb. 78), auch an die Geschichte des Bildnisses Karls I., cf. L. Curt, Burlington Magazine, XIV, 1908109, p. 337 ff.
[154] Seidel, Paul, Der Große Kurfürst in der Plastik seiner Zeit. H. Z. J. B., 1898, II, p. 103; Boeck, 1934, p. 245 f., 248.
[155] In dem sehr genauen Testamentsinventar (cf. Anm. I, 148) wird sogar der „Inschlag für das gegossen Bild“ erwähnt ‑ entweder hatte man also die Verpackung sorgfältig aufgehoben, oder die Bronze war kurze Zeit vor der Aufstellung des Inventares geliefert worden. Das letztere hat eine große Wahrscheinlichkeit, weil ja noch später Jacobi erst für den Guß entschädigt wird. Ein Rückschluß auf die Entstehungszeit wird damit aber noch nicht möglich.
[156] Nach frdl. Mitteilung von H. Jacobi (St. A. Darmstadt).
[157] Boeck, 1933, p. 54‑55.
[158] cf. Anm. 117 und 148. Im Testamentsinventar des Landgrafen Friedrich Karl von 1751 steht: 3 Statuen aus Metall, Venus, Mercur und ein Pferd von der brandenburgischen Brücke, von Johann Jacobi. Füßli, Allgem. Künstlerlexikon, Bd. 11, 1808, p. 586, führt unter J. Jacobi „einige sehr schöne Modelle“ im Schloß zu ‑Homburg auf, nennt aber davon nur den Merkur. Dieser wird von Verdy du Vernois 1791, p. 29, unter Berufung auf H. v. Reinecken als ein bedeutendes Werk gepriesen.
[159]a Weinitz, Fr., Der Merkur im Schloß zu Homburg vor der Höhe, Der Kunstwanderer, Bd. 7, 1925, p. 14‑15. H. Huth, 1928, p. 13.
159b cf. P. Seidel, Friedrich der Große als Sammler von Gemälden und Skulpturen, Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, XIII, 1892, p. 205.
[160] Über die Gangart des Pferdes des Großen Kurfürsten. Schoenbeck, Richard, Das Pferd und seine Darstellung in der bildenden Kunst, II. A., Leipzig 1912, p. 19; Großmann (cf. Anm. 131), p. 93, 130.
[161] Steinmann, 1917, Abb. Tf. 58, Anm. 123, und Brinkmann, A. E., Barockskulptur, p. 335; cf. Anm. I, 117 und 158 sowie 143.
[162] Abdruck bei Hallo, Rudolf, Grupellos Bronzebüste des Landgrafen Karl. Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 47, 1926, p. 55 f.
[163] v. Rommel, Bd. X, 1858, p. 145.
[164] Supplik Jacobis 1708. VIII. 1. Pr. G. St. A. Rep. 9. R. 18. Fasc. 3.
Gedruckt bei Brose, 1875, p. 41, cf. Anm. 11, 120 und IV, 30.
Das
auf die Bronze bezügliche Stück der Beschwerde Jacobis lautet:
Ja gar hat er ein Brustbild von einem Kaiser selbsten bei mir bestellet, welches zur Probe sein sollte, da ich ihm solches den zugeschickt, hat er solches erst andern gezeigt, um zu vernehmen, ob sie dergleichen um einen wohlfeileren Preis verfertigen könnten, da sich endlich dan einer und anderer angegeben, die solches wohlfeiler zu machen versprochen, worauf er mir meines, welches er vorher in seinen Hause ruinieren lassen, wieder zurückgeschicket, mit denen Worten, wann ich es um solchen Preis wie es andere machen wollte, auch lassen, wollte er es wieder annehmen, und scheinet es ihm also gleichviel, ob die arbeit gut oder nicht gut gemacht wird.
[165] Intereessio. 1710. XII. 11. Friedrich König in Preußen.
An
den Königl. Residenten zu Frankfurth am Mayn.
Nachdem
Wir Unserem Oberinspectori bey der Hoff und Artillerie Giesserey Johann Jacobi
in seiner an den Grafen von Leuningen Günters‑Bluhm habenden forderung, wovon
euch beykommende Supplicata mit mehrerem nachricht geben, gern geholfen sehen
möchten, Als habt Ihr euch des supplicanten, als unseres Bedienten bestens
anzunehmen, bey erwehntem Graffen für Ihn alle gute officia anzuwenden und
beforderen zu helffen, dass Er zu seiner Befridigung gelangen möge. (Pr.
G. St. A. Rep. 50. 18. d.)
Die
Supplikate Jacobis fehlen. Aus den dort liegenden „Nova“ des Residenten ist
nichts über die Angelegenheit zu ersehen.
Bei
der Taufe von Jacobis Tochter Anna Sophia Dorothea (1706. XII. 18. Petri) ist
eine Reichsgräfin von Leiningen Pate. Angehörige des Hauses müssen sich längere
Zeit in Berlin aufgehalten haben. 1706. VI.‑. (Nicol.) wird eine Tochter des
Reichsgrafen Carolus Ludovicus von Leiningen‑Daxburg und seiner Gemahlin Anna
Sabina Reichsgräfin von Nostiz getauft. Der Landgraf Friedrich von Hessen‑Homburg
war mit dem Hause Leiningen verschwägert.
H. Jacobis Nachforschungen in Guntersblum (in der Nähe von Oppenheim) und im Darmstädter A., sowie Anfragen bei den Archiven in Leiningen, Westerburg, Amorbach, waren ergebnislos. Für freundliche Bemühungen ist Baronin Cetto, geb. Gräfin zu Leiningen‑Billigstein‑Guntersblum, zu danken.
[166] Die Humbert‑Nicolaische Nachricht ist außer von Weinitz, 1914, p. 15
(hier ausführlich über die Geschichte des Geschützes nach seinem 1904 in der
Zeitschrift für hist. Waffen‑ und Kostümkunde, III, veröffentlichten Aufsatz),
und 1922 (Die Prunkgeschütze Johann Jacobis im Zeughaus, Berliner Museen,
Berichte aus den preußischen Kunstsammlungen, Bd. 43, p. 56) stets für
glaubwürdig gehalten worden:
Adler,
Fr., Andreas Schlüter, Vortrag zum Schinkelfest, Berlin 1862, p. 7. Adler, Fr.,
Das Reiterbild des Großen Kurfürsten 1865, Vorträge, Neudruck, Berlin 1906, p.
131. Ferd. Meyer, Der Bär, Bd. 10, 1884, p. 372. Joseph D., Friedrichs I.
Kanone Asia, ein Werk von Andreas Schlüter und Johann Jacobi, Der Sammler,
Fachzeitschrift für Sammelwesen und Antiquitätenkunde, Bd. 17, 1895, Berlin
1896, p. 82 (kam ohne Kenntnis der Überlieferung zu der Vermutung der Mitwirkung
Schlüters). Seidel, Paul, Kunst und Künstler am Hofe Friedrichs I., H. Z. J.
B., Bd. 4, 1900, p. 262. Boeck, 1933, p. 55 (cf. Anm. 111, 124).
Eine
Notiz in den Protokollbüchern Pr. G. St. A. Rep. 21. n. 127 steht zu der
Annahme einer Mitarbeit Schlüters scheinbar in Widerspruch:
Protokoll
Geheimer Kriegsrat 1705. XI. 10. dem Menschen, so den Riss von der Canon Europa
gemacht, soll 20 rthlr. gezahlet werden.
Man wird aber ohne Zwang annehmen dürfen, daß es sich dabei um eine Zahlung für eine Reinzeichnung von einem Unbekannten handelt, die dieser nach bestimmten Angaben vornahm.
[167] Poellnitz, Charles Louis, Nouveaux Memoires, Amsterdam, I, 1737, p. 123.
[168] Bicchi, Reisebericht, Mai 1696, Grenzboten, 1891, p. 25
[169] 1713 wurden vier 24‑Pfünder aus der Europa gegossen. (Pr. G. St. A.
Heeres. A. Rep. 3. nr. 21. 12. Paket 423.)
Ausführliche
Beschreibung der Asia bei v. Malinowsky‑ v. Bonin, Geschichte der Brandenburg‑Preußischen
Artillerie, II, 1841, p. 36‑38.
Die
bei Brose, 1875, p. 41, erwähnten Aktennotizen über Arbeiten an der Asia: Pr.
G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 85, 1704, p. 168‑69; Bd. 86, 1705, p.
269; Bd. 89, 1708, p. 303; Bd. 90, 1709, p. 279.
Die Kabinettsordre Friedrichs II. (1744. II. 11.) für den Umguß der Asia: Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 415. II. s. 3.
[170] Weinitz, 1914, p. 15, 1922, p. 35, vorher in dem gleichen Sinne Adler,
1865 (1906), p. 131, der bei allen Geschützen eine Mitarbeit Schlüters annahm.
Die bei Brose, 1875, p. 43, erwähnten Aktennotizen und weitere über die
Arbeit an der Geschützserie Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 7. III. a. Bd. 88.
1707. p. 283; Bd. 89. 1708, p. 303; Bd. 90. 1709. p. 278; Bd. 91. 1710. p. 299;
Bd. 93. 1712. p. 225. Verhandlungen wegen der von Jacobi zu hoch angesetzten
Rechnung: Pr. G. St. A. Heeres. A. Rep. 3. Paket 423. nr. 22. 1.
Ausführliche Beschreibungen: v. Malinowsky‑ v. Bonin, II., 1841, p. 27‑38.
Zu den Geschützen gehörige lateinische Inschriften „bey der Artillerie
fabricieret“, andere von Prof. Wachter: Pr. G. St. A. Rep. 9. A. 1. Fasc. 18.
Über die Schicksale der Geschütze v. Siefart, 1914, p. 67.
Die halbe Kartaune des Kronprinzen Friedrich Wilhelm für Friedrich I.
Beschreibung v. Malinowsky‑ v. Bonin, II, 1841, p. 33. Weinitz, 1922, p. 35. Zu
den Kosten trug auch Friedrich Wilhelms Gemahlin Sophie Dorothea aus ihrer
Schatulle bei: Br. Pr. Haus. A. Rep. 46. 20.: 1708. III. 4. dem Stückgiesser
Jacobi 326 thlr. Noch demselben das Hantwerckerlohn 61 thlr.
Markgraf Philipp Wilhelm, der ebenfalls, wie auch andere (cf. Weinitz,
1914, p. 15) dem König ein Geschütz verehrte, schreibt bei Gelegenheit der von Weinitz,
1914, p. 16, erwähnten Beschwerde wegen einer Schlägerei zwischen Hand werkern:
Nachdem aus Treue und Devotion gegen E. K. M. ich mir vorgenommen, in
Dero neuen Arsenal zu Dero Diensten eine halbe Cartaune zu stellen, so ist
meine Sorge auch dahin gegangen, dass die Zierraten daran schön und wohl
ausgearbeitet sein möchten. (Pr.
G. St. A. Rep. 9. E. 18. Fase. 3.)
Eine Specification Jacobis von Geschützgeschenken: Pr. G. St. A. Heeres.
A. Rep. 3. Paket 419. 14. a. 3. 2.
Zu den bei Weinitz gegebenen Nachrichten (1914, p. 15 f.) über Jacobis
Tätigkeit als Geschützgießer ist noch zu erwähnen: Pr. G. St. Heeres. A. Rep.
7. III. a. 1700, Bd. 82, p. 129‑131: Zahlungen für Ausarbeitung von eisernen Kanonen
an Jacobi (1699 hatte man 100 eiserne Kanonen und Mortiers in Stockholm gießen
lassen, die zur Verteilung auf die Festungen bestimmt waren). 1704, Bd. 85, p.
167: Unkosten bei Gießung der 4pfündigen Haubitzen. 1708, Bd. 89, p. 105:
Zahlung an Jacobi wegen: der von Ihm verfertigten fünf 3 u. Ein 6Pfündig
geschwind schiessenden Item fünf 12Pf. Canonen, so in hiessige Arsenal
gekommen, u. dann wegen der vier 12 pfündigen Canons u. eines 50 Pfündigen
Moytrs zum behueff der Vestung Cüstrin. 1709, Bd. 90, p. 286, Ausgabe‑ wegen
eines von dem Ober Inspector Jacobi verfertigten 3Pfündigen geschwindt
schiessenden Canons vor Ihro Königl. May. von Polen. 1710, Bd. 91, p. 297:
wegen gegossener 3 EinPfündigen Canons züm exereieren der Canoniers. 1712, Bd.
94, p. 215; Zahlung an Jacobi für vier 50Pfündige Mortiers.
Die Bibliothek des Zeughauses bewahrt wertvolles, noch unbearbeitetes Material von Zeichnungen zu Kanonen. Für frdl. Auskunft ist Herrn Prof. Dr. P. Post zu danken.
[171] Kühnlein, Max, Die Kirchenglocken Berlins, Berlin 1905. Schmidt‑Eberswalde,
Rudolf, Märkische Glocken, Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte, hg.
von Kawerau‑Zscharnack, Berlin, Bd. 15, 1917, p. 128, und Bd. 16, 1918, p. 84.
Wolf f, F., Die Glocken der Provinz Brandenburg und ihre Gießer, 1920.
Die Akten über den Guß der großen Glocke des Berliner Domes: Pr. G. St.
A. Rep. 2. 28. a. 1705.)
Drei nach Wollup gelieferte Uhrenglocken erwähnt: Pr. G. St. A. Rep. Gen.
Dir. Gen. Kassen. Depart.. Chatoul Cassen Sachen 9. 1712. p. 38; zu dem
Glockenspiel der Parochialkirche (Joseph, D. Geschichte der Parochialkirche,
Berlin 1896) noch: Br. Pr. Haus. A. Ms. Fol. 308. 1719. (Ein ähnliches erwähnt:
Bär, Bd. 24, 1890, p. 59.)
Hier verdienen noch die sicher von J. Jacobi gegossenen Särge der Kinder
des Markgrafen Philipp Wilhelm von Schwedt eine Erwähnung; für Friederike
Dorothea Henriette (geb. 1700, gest. 1701) und für Georg Wilhelm (geb. u. gest.
1704).
Boeck, 1934, p. 248, lehnt die Möglichkeit, daß Schlüter für diese Sarkophage Entwürfe geliefert habe, ab. Die Beobachtung von Gurlitt, 1893, p. 194, daß ihre Ornamentik sich von der früherer Särge wesentlich unterscheide, also nicht nur in die Zeit Schlüters, sondern auch in nähere Verbindung mit der Ornamentwelt des Meisters gehöre, bleibt freilich zu beachten.
[172]a Bei Anhebung des Gesanges: „Nun lasset uns den Leib begraben“ ward die kgl. Leiche von denen Cammerern aufgehoben und nach dem kgl. Erbbegräbnis gebracht und in den zinnernen Sarg eingesenket.‑ Aus dem „Ehren‑ und Trauergedächtnis“ der Beschreibung der Leichenfeier für Sophie Charlotte, Berlin 1705, ausführl. 1713. (Pr. St. Kunst-Biblio. O. S., Lipperheide, 2551.)
172b Theatrum Europäum 1704‑06 (hg. 1718), 1705, p. 128. Bericht Eosanders. Die Inschrift des Sarges gedruckt bei Küster, G. G., Bd. I, 1737, p. 61. Sie ist wohl von Wachter verfaßt worden, cf. Anm. III, 104, und IV, 56‑58. Der Briefwechsel mit v. Spanheim: Br. Pr. Haus. A. Rep. 45. R. b. 2.1705. V.
[173] Jacobis Aufsatz, wie auch die folgenden Kassensachen: Br. Pr. Haus. A. Rep. 45. R. b. 2. Die Holzanweisung: Pr. G. St. A. Rep. Gen. Dir. Forst Depart. Kurmark XXX. 13.
[174] Hofstaatsrechnung, 1705, p. 173. Br. Pr. Haus. A. Rep. 12 B. 3.
[175] Dem Zinngießer Klauen ist wegen der höchstseel. Königin zinnerne Sarg gezahlet laut Decret vom 5. Vl. 1706. 992 thlr. A. Signatur: cf. Anm. 174.
[176] Gedruckt bei Adler, 1863, p. 390, nach: Br. Pr. Haus. A. Rep. 14. F. Berlin M. fol. 106 r.
[177] Boeck, 1933, p.40.
[178] Nicolai, Rezension, 1769, p.288.
[179] Hofstaatsrechnung, 1705, p. 170:
Zu
Erbauung des Castri doloris in der Königl. Sccloss Capell ist dem Bau
Commissario Jähniken theils auf dessen Hand, theils auff Rechnung so der Ober
Bau Director Schlüter attestiret gezahlet und auff Abschlag der Decreti, so Er
beyzubringen, gezahlet 13468 thlr. (Br. Pr. Haus. A. Rep. 12. B. 3.)
Bauholzauforderungen: zu der Brücke worüber die Königl. Leiche fahren
soll.‑ 1705. Vl. 15. Aufgestellt vom Hofzimmermann Reichmann, unterschrieben
von A. Schlüter und attestiert von M. L. v. Printzen. Pr. G. St. A. Rep. Gen.
Dir. Gen. Depart. XCII. Trauersachen. 3.
Dem unter Eosander arbeitenden Bauschreiber Schünemann wurde laut der
oben zitierten Hofstaatsrechnung:
behueff des Castri doloris im Dohm gezahlet laut Decret vom (s. d.) 8700
thlr.
Ende April ist auch Eosander stark beschäftigt. In einem
Kommissionsbericht vom 25. IV. 1705 wird gesagt, daß die Charlottenburger
Baurechnung von 1704‑05 nicht durchgegangen werden kann, weil Eosander
„wegen anderer ihm obliegenden Verrichtungen sich nicht dazu abmüssigen
können“. Br. Pr. Haus. A. Rep. 45. H. b. 15.
Schünemanns Rechnung von den Begräbnisgeldern wird erst 1709 geprüft. Br.
Pr. Haus. A. Rep. 14. A. Bauschreiber. cf. IV. 53.
Eine Beschreibung der Trauerfeierlichkeiten (cf. IV, 58) von 1705
(Rariss.) im Pr. Br. Verw. A.