Der Grosse Kurfürst

und

Moritz von Nassau

der Brasilianer

 

 

 

 

 

Studien zur Brandenburgischen und Holländischen Kunstgeschichte

von

Dr. GEORG GALLAND

Privatdocent a. d. Kgl. Technischen Hochschule zu Berlin

 

 

Frankfurt am Main

Verlag von Heinrich Keller

1893

 

 

Inhalt

Vorwort

I.

Der Grosse Kurfürst und Holland.

II.

Aus einer vergessenen Residenz des Grossen Kurfürsten.

III.

Der Kunstunterricht am Hofe des Grossen Kurfürsten.

IV.

Sonnenburg. Das Ordensschloss und sein Bauherr.

V.

Eine Jugendstatue des Grossen Kurfürsten.

VI.

Eine kurfürstliche Ruhmeshalle und ihr Bildhauer.

Anhang

 

Friedrich Nicolai's Nachricht

 

 

I.

Bis zur Vermählung F. W's. und zum Münsterschen Frieden (1648).

 

 

II.

Bis zur Souveränität Preussens und zum Frieden von Oliva (1660).

 

 

III.

Bis zur Huldigung der clevischen Landstände (1666).

 

 

IV.

Bis zum Frieden von St. Germain (1679).

 

 

V.

Letzte Jahre (1679 1688).

 

 

VI.

Nachlese.

 

Anmerkungen

 


Vorwort

 

Schon während ich meine (1890) im gleichen Verlage erschienene Geschichte der Holländ. Baukunst und Bildnerei des 16. und 17. Jahrhunderts schrieb, hatte ich mir die Frage gestellt, an welchen Orten die Thätigkeit einer grossen Reihe niederländischer Kunstkräfte, die von älteren Autoren wie Houbraken, F. Nikolai u. A. mit dem Ausland in Verbindung gebracht werden, zu suchen sei. Die Antwort liess sich indess unmöglich im Rahmen jenes Werkes geben; und so sparte ich mir diese, ich muss gestehen, ebenso schwierige wie interessante Aufgabe für künftige Untersuchungen auf. Vorläufig biete ich dem Leser eine kleine Sammlung von Studien, die im Wesentlichen die Beziehungen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm zu Holland und zu einem fürstlichen Manne beleuchten, dem die Kultur unseres Vaterlands einst Grosses verdankte. Möchte es mir doch gelingen, nach und nach, der holländischen Bautechnik der Rembrandtzeit jenen Ehrenplatz, den ihr das damalige nördliche Europa freiwillig eingeräumt, als geschichtliches Faktum wiederzugeben. Meine Quellen waren vorzugsweise das Geh. Staatsarchiv zu Berlin, das Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O. und einzelne Handschriften der Berliner Königl. Bibliothek; ich bemerke hierbei, dass ich im Preussischen Geh. Staatsarchiv u. a. auch die so umfangreichen politischen Relationen der vormaligen clevischen Regierung, sowie der kurbrandenburgischen Residenten in Hamburg, 's Gravenhage und Amsterdam durchgesehen habe. Von den Abhandlungen erschien die letzte (No. 6) in etwas veränderter und kürzerer Form bereits im Repertorium für Kunstwissenschaft (XIV. Heft 2). Im Anhang habe ich F. Nicolai's Künstler-Nachrichten (1640-1688) chronologisch anzuordnen versucht. Die Anmerkungen hierzu sollen nichts weiter als Notizen aus meiner Studienmappe sein.

Berlin, 81. October 1892.

Georg Galland.

 

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I. Der Grosse Kurfürst und Holland.

 

Ueber fürstliche Vermählungen spricht der Historiker zuweilen wie von folgenreichen Kulturereignissen. Um ein Beispiel dafür zu nennen, braucht man nicht bis auf die Zeit Kaiser Otto's II, und seiner byzantinischen Gemahlin zurückzugreifen. Haben doch auch im 17. Jahrhundert holländische Künstler, Ingenieure, Handwerker und Seeleute jenen unbequemen Weg nach dem märkisch-preussischen Osten häufig eingeschlagen, den vor ihnen eine neunzehnjährige Oranierin betrat. Die Früchte der Fähigkeit und des Fleisses dieser Leute erkennen wir noch heute an zahlreichen besuchten Stätten unseres Landes. Vieles, was sie geschaffen, kann man sich gar nicht anders vorstellen. Und doch lagen die heimischen Verhältnisse in der Jugend Friedrich Wilhelms des Grossen so, dass das Zünglein der politischen Wage, auf der auch Ehebündnisse gewogen werden, leicht nach Norden, Süden oder Osten hätte weisen können.

Mit einer katholischen Prinzessin österreichischer oder polnischer Herkunft hatte es aber bei der Sinnesart des jungen Monarchen keine Gefahr. Dagegen erlebte der zunächst ganz auf sich gestellte Fürst eine Zeit, da ihm die Regierung seines

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völlig zerrütteten Landes, nach seinen eigenen Worten, wie eine fast unerträgliche Last erschien und ihm auf der andern Seite durch die Hand der Königin Christine von Schweden ein stolzes Ziel winkte: ein grosses protestantisches Nordreich rings um das baltische Meer. Hier wie dort hatte dieses Project seine ernsten Fürsprecher, und die schwedische Regierung betrachtete es sogar als eine Art Vermächtniss Gustav Adolf's, der einst auf den Kurprinzen und Neffen bestimmte Hoffnungen gesetzt hatte. Nur mit dem Herzen war Niemand mehr dabei.

Um so leichter konnte sich Friedrich Wilhelm von dieser ausschweifenden Idee losreissen. Die Schweden besassen seine Sympathie nicht. Er sah in ihnen selbstsüchtige, rücksichtslose Eroberer, die er für die unsäglich traurigen wirthschaftlichen und sittlichen Zustände Brandenburgs hauptsächlich verantwortlich machen musste. Um so höher schlug sein Herz für die Eindrücke, die er eine Zeit lang auf dem Boden der Niederlande gesammelt hatte . . . Freilich, es wäre so Manches anders gekommen, wenn Gustav Adolf, dieser Hort des Protestantismus, länger gelebt hätte. Dann wäre der Schwedenkönig ihm möglicherweise das geworden, was ihm Friedrich Heinrich von Oranien thatsächlich wurde; und die letzte Parole des Grossen Kurfürsten hätte dann vielleicht nicht "Amsterdam", sondern "Stockholm" gelautet. Aber wir haben keinen Grund über den faktischen Verlauf der Dinge ungehalten zu sein.

Denn nur so ist sein Genie seinem Lande und auch der deutschen Sache erhalten geblieben. Nur so hat er sich bei uns den Beinamen des "Grossen" verdienen können, denn bewundernswerth erscheint uns nicht der Umfang seiner kriegerischen Erfolge, sondern dass er in einer ehrvergessenen Zeit das deutsche Gewissen spontan und prächtig verkörperte. Ebenso wenig wie man etwa den Eiffelthurm mit Dürers Apokalypse vergleichen kann, wird man die Grösse Friedrich Wilhelms mit dem Maassstab jener Eroberer, unter deren Tritten die Welt erzitterte, messen wollen. Diesen merkwürdigen Begriff von Grösse finden wir damals nur noch in Holland bei den Oraniern. Der Hauch, der von einer dieser Persönlichkeiten ausging, hat seinen Genius vielleicht schon damals geweckt, als der junge Hohenzoller zu Leyden am Rhein studirte, wo Rembrandt geboren wurde und wo einst jener Lukas van Leyden malte, der uns so sehr an unsern Dürer erinnert.

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Es war eine unvergessliche Studienzeit! Der Kurprinz hatte sie aber nicht ausschliesslich in Leyden verbracht, wo sich sein Name merkwürdigerweise nicht im Album Studiosorum1 eingeschrieben findet, sondern zum Theil auch im Haag, in Arnhem, im holländischen Kriegslager und zu Rhenen, wo seine Tante mütterlicherseits, die Wittwe des vertriebenen Kurfürsten von der Pfalz, "die Königin von Böhmen" mit ihren künstlerisch begabten Kindern, Söhnen2 und Töchtern, bescheiden residirte. Noch im Jahre 1634, als die Frage der weiteren Ausbildung des Kurprinzen endlich gelöst werden musste, herrschte am Hofe Georg Wilhelms eine schwedenfreundliche und antikaiserliche Stimmung, und Graf Adam von Schwarzenberg selbst war es, der damals den Aufenthalt des jungen Thronfolgers in der niederländischen Republik, die dem Hause Habsburg noch immer feindlich gesinnt war, befürwortete3. Lebhafte Unterstützung fand diese Idee naturgemäss bei der Kurfürstin-Mutter Elisabeth Charlotte, die den geliebten einzigen Sohn vollkommen sicher in der Nähe ihrer pfälzischen Verwandten wusste. Dass Alles sollten diejenigen nicht vergessen, die sich bei allen, auch den wohlgemeinten Handlungen Schwarzenbergs des schwarzen Verdachts gegen diesen mächtigen Minister Georg Wilhelms nicht enthalten können.

Allerdings war er es, durch den schon im darauffolgenden Jahre, im Prager Frieden, ein vollständiger politischer Umschwung eintrat; und im Jahre 1636 überraschte er seinen kurfürstlichen Herrn sogar mit dem Titel eines kaiserlichen Generalissimus.4 Dass unter solchen Verhältnissen ein längeres Verweilen des Prinzen bei den Feinden des Kaisers nicht opportun erschien, ist begreiflich. In zweiter Linie fürchtete Georg Wilhelm eine Herzensneigung seines lebhaft fühlenden Sohnes. Ob dieser sich wirklich für die zweite Tochter der böhmischen Königin, Prinzessin Louise Hollandine, damals ernstlich interessirt hat, wie die Geschichtenträger und die Poeten meinen? Seine hartnäckige und fortgesetzte Weigerung, die Republik zu verlassen, erklärt sich schon hinlänglich aus der damaligen Gemüthsverfassung des Kurerben.

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Unter grossen pekuniären Opfern war der dortige kostspielige Studienaufenthalt ermöglicht worden. Er schrieb einmal nach Hause, er werde gewiss Alles "mit fleissigem Studiren und Wohlverhalten" wieder einbringen. Und nun sollte er an der Erfüllung dessen gehindert werden? Hatte sich denn irgend eine der Hoffnungen, die seine Eltern an diese Reise geknüpft, im Jahre 1636 schon realisirt? Erschien denn jetzt der angefochtene Besitz der klevischen Lande etwa gesicherter als vorher? Er sollte ferner, unter Leitung seines einsichtigen Erziehers Joh. Friedrich von Leuchtmar, neue Menschen, wichtige Einrichtungen, grossartige Verhältnisse kennen und verstehen lernen. Wie sehr musste es ihm dieser merkwürdige reiche Seestaat, diese von Kriegsruhm, Handel und Weltverkehr dröhnende Schaubühne der Oranier guthun und sein empfängliches junges Gemüth in Banden schlagen! Einer Reihe holländischer Staatsmänner, Feldherrn und Admirale hatte er zweifellos die Hand gedrückt. Und was er bisher nur aus Büchern, durch Cäsar und Horaz, von menschlichem Heldenthum erfahren - hier sah er es in der Wirklichkeit, Aug' in Aug'.

Und nun sollte er vorzeitig, plötzlich, zurückkehren, mitten in die alte Misere seiner Heimath? Nun sollte er seine neugewonnenen Freunde verleugnen, um eine ihm in der Tiefe seines Herzens verhasste Politik zu billigen? Nicht umsonst hatte man ihm Schwarzenberg und dessen geheimen Pläne arg verdächtigt. Erst im Jahre 1638, nachdem er vier bedeutungsvolle Jahre in den Niederlanden verbracht, entschloss er sich zur Rückkehr in das Land seines ihm so unähnlichen Vaters, dem er in kurzer Zeit auf dem Throne folgte.

Holland glich damals noch nicht einem Rentner, der seine einst mühsam erarbeiteten Schätze behaglich verzehrt. Von müssigen Gaffern ist dort der künftige Organisator des brandenburgisch-preussischen Staates sicherlich nicht allzusehr belästigt worden, wie später der Zar-Zimmermann. Doch erhielt er von der Verwöhntheit der Reichen schon manchen deutlichen Beweis, Um in diesem Lande standesgemäss auftreten zu können, musste er z. B. eine Kutsche besitzen, die zum

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Mindesten mit rothen Sammetbezügen und rothen Damastvorhängen ausgestattet war. Dazu reichte aber sein Geld nicht aus. Und so schilderte er denn seinem kurfürstlichen Vater seine Noth In dieser Sache:5 "Ich bitte aber Ew. Gnaden unterthänig, Dieselbe wollen nicht zürnen, dass die Gutsche so viel kostet, dann dieselben können gewisslich in diesen Landen vor fürstliche Personen nicht schlechter gemachet worden. Zu deme sind auch neulich auf dem Pferdes Markt die Pferde so theuer gewesen, dass ich vorerst nicht mehr denn 4 hab kaufen dörfen; denn ich hab vor jedes Pferd 140 Reichsthaler geben müssen, und selbsten gesehen, dass andere, Kaufleute und vom Adel, auch dergleichen Pferde, und noch viel theurer gekaufet haben . . ."

Trotz solcher allerwärts beginnenden Ueppigkeit der Vornehmen befand sich das Land damals noch in wachsender rüstiger Thätigkeit. Noch rang die niederländische Armee unter oranisch-nassauischen Führern, deren Blut, wie ein älterer Autor bemerkt, für die Republik in Strömen floss, gegen die spanische Truppenmacht. Auf beiden Seiten wurde der Angriffs- und Belagerungskrieg mit ungewöhnlichem Aufwand militärischer Tüchtigkeit betrieben. Aufmerksamer Zeuge dessen war, wie seine Briefe beweisen, der junge brandenburgische Fürstensohn. -

Zu jener Zeit lebte in der Umgebung Friedrich Heinrichs auch Turenne, der spätere berühmte Gegner des grossen Kurfürsten, die beide also aus derselben Kriegsschule hervorgingen. Die Sympathien für französisches Wesen, die der Sohn der Louise von Coligny nicht verleugnete, prägten sich im Haag besonders in der Art der Hofhaltung aus, die in ihrer Prachtentfaltung durchaus von dem früheren Generalstatthalterthum abstach. Aber auch dies grub sich in die Seele des Hohenzollers, den nur die mit der Frivolität verbundene Prunklust einer media nocte genannten Gesellschaft abstiess. Es ist später ein zweideutiger Charakterzug Friedrich Wilhelms gewesen, bei passenden Gelegenheiten zu repräsentiren; er liebte einen möglichst glänzenden Hofstaat und pflegte gern Alles, was zur Erhöhung des fürstlichen Nimbus dienen konnte. Dazu gehörten vor allem die Künste und 'Wissenschaften.

Schwerlich hätte er Muster hierfür bei Friedrich Heinrichs

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Vorgängern gefunden. Weder Wilhelm I. noch Moritz v. Oranien († 1625), dieser gewaltigste Stratege seiner Zeit, dürfen als Kunstmäcene gelten. Für Ersteren kommt hier natürlich nur sein späterer Lebensabschnitt, der das historische Bild des Taciturnus geschaffen, in Betracht. Beide fürstliche Männer residirten noch nicht in Palästen, sondern gewöhnlich in schlichten Prinzenhöfen, die aus halbverfallenen Klöstern nothdürftig entstanden. In ihrer Umgebung traf man wohl scharfsinnige Festungsingenieure und Mathematiker wie Adrian Anthoniszon und Simon Stevin, aber nur seiten wirkliche Künstler.

Freilich waren damals noch die holländischen Architekten, wie Lieven de Key und Hendrik de Keyzer, streng genommen nur simple Steinhauer6. Und erst ihre jüngeren Fachgenossen gewannen allmälig eine glänzendere soziale Stellung. Nicht etwa durch Steigerung ihres rein künstlerischen Vermögens, vielmehr dadurch, dass sie eine Art Kompromiss mit der hochangesehenen Wissenschaft schlossen. Sie verzichteten auf die banausische Ausübung der Steinhauerei, desgleichen auf die landesübliche, auch koloristisch wirksame Bauweise und führten statt dessen die vorzugsweise aus dem Studium der italienischen Bautheoretiker gewonnene klassische Regelrichtigkeit und den Sinn für vornehme, farblose Monumentalität seit ca. 1630 in die Architektur ihrer Heimat ein. Zugleich erweiterten sie ihre Kenntnisse und Erfahrungen im Festungsbau, um sich gerade hierdurch für die fürstlichen Bauherrn unentbehrlich zu machen. Daher finden wir diese Ingenieur-Architekten, wie Pieter Post, Hendrik Ruse und Jakob von Kampen, häufiger in der Begleitung eines Friedrich Heinrich, Wilhelm Friedrich und Johann Moritz von Nassau, in deren Leben zum ersten Male auch die Frage fürstlicher Repräsentation durch die bildenden Künste eine Rolle spielte.

In die Zeit des frühesten Erblühens monumentaler Palastarchitektur in Holland fällt eben der dortige, denkwürdige Besuch des Kurprinzen Friedrich Wilhelm. Keine Spur davon hatte er in Berlin und Küstrin, den Stätten seines Jugendlebens, wahrgenommen. Wie dürftig es damals in Berlin aussah, das nur dem Namen nach Residenz war, weil sich Hof und Regierung

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in Preussens östlicher Hauptstadt sicherer fühlten, davon erhalten wir durch Königs trübe Schilderung7 einen leider zu anschaulichen Begriff. Der märkische Ort war halb verödet, Gras und Unkraut wucherten in den Gassen, wo neben verwahrlosten Menschen das schmutzige Vieh hauste. Im ganzen Lande stockten Handel und Gewerbe, selbst die einst so einträgliche Tuchweberei war zu Grunde gegangen, sodass man z. B. zur Bekleidung der Küstriner Garnison die nöthigen Tuchstoffe aus Polen beziehen musste.

Wie mussten nun der neue ungewohnte Anblick, die fröhliche Pracht wohlbebauter blühender niederländischer Industriestädte, die vielfältigen musterhaften städtischen Organisationen, der Reiz vortrefflich bestellter Landwirthschaften u. s. w. auf die Fantasie des geistig über seine Jahre gereiften Kurerben einwirken. Sein Erzieher Leuchtmar war ganz der Mann dazu, ihm diese Welt neuer Erscheinungen zu erklären, ihn in die Geschichte des befreundeten Landes, in die Ursachen solcher kulturellen Erfolge einzuweihen und ihm so den Vergleich der einst sumpfigen, unfruchtbaren Nordseeküste mit seiner sandigen brandenburgischen Heimath nahezulegen. War Georg Wilhelms hoffnungsvoller Sohn damals alt genug, um im politischen Getriebe seiner Zeit gegen seinen Vater und dessen Minister Partei zu ergreifen, so war er zweifellos klug genug, um schon das zu empfinden, was er später in die charakteristischen Worte kleidete: "Seefahrt und Handlung sind die fürnehmsten Säulen eines Estats, und der gewisseste Reichthumb und das Aufnehmen eines Landes kommen aus dem Commercium her".8 Das klingt beides so holländisch, dass man über die Quelle solcher Erkenntniss nicht im Zweifel sein kann.

Was er aber hinsichtlich Brandenburgs wohl unbedingt damals gering schätzen lernte, waren die kleinlichen Gesichtspunkte, die ihm alle Lebensinteressen seines Volkes verriethen, und jene feudalistischen Anschauungen, die unter den Augen seines kurfürstlichen Vaters pedantisch gepflegt wurden.9 In den Oraniern und Nassauern sah er dagegen Männer, die zwar durch die Summe ihrer Verdienste und die Energie ihres Ehrgeizes eine bevorzugte Stellung in der Republik behaupteten, die indess mit dem-

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selben Gefühl der Verantwortung wie jeder andere treue Diener des Vaterlands ihres Amtes walteten, sei es als oberste Kriegsherren, sei es als Admirale oder Gouverneure von Handelsgesellschaften. Diese persönliche Hingabe Aller an eine gemeinsame grosse Sache, der daraus hervorgehende Wettkampf der Geister, die ungehemmte Entfaltung kräftiger Individualitäten und die Leutseligkeit grade der Mächtigsten - das Alles stand seinen Beobachtungen von vornherein gegenüber. Und vielleicht täuschte ihn damals der Enthusiasmus und die Unerfahrenheit der Jugend über manche der holländischen Schattenseiten, die er in späteren Jahren um so richtiger beurtheilte.

Es war also nicht übertrieben, als Friedrich Wilhelm an der Seite seines jungen Schwagers Wilhelms II. vor den Generalstaaten im Haag betonte, dass seine Verbindung mit einer Oranierin seine langjährige freundschaftliche Gesinnung für die Republik besiegele.10 Er hoffte im Jahre 1646 auf ein festes Bündniss mit dem reichbemittelten Nachbarstaat; doch der war zu keiner Zeit geneigt, aus sentimentalen Anwandlungen Unterstützung zu gewähren. Die Stellung der Generalstaaten dem Kurfürsten gegenüber blieb im Grunde genommen immer die gleiche, und zwar waren jene nur dann geneigt Opfer zu bringen, wenn für sie eine handgreifliche Förderung ihrer Handelsinteressen vorlag oder aber äusserste Gefahr drohte. An sonstigen Kundgebungen der Sympathie hatte es freilich niemals gefehlt, besassen doch beide Parteien von vornherein dieselben Gegner in der "Habsburgischen Hausmacht" und der schwedischen Uebermacht".11

Wegen einer alten brandenburgischen Geldschuld, die ihrem Reichthum nicht gerade Abbruch that, occupirten12 die Generalstaaten mehrere clevische Festungen ihres Bundesgenossen, auch stellten sie sich im Kampfe der clevischen Stände gegen den Kurfürsten auf die Seite der ersteren. Später, als die von de Witt

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geleitete, regierende Aristokratenpartei nicht ohne Eifersucht die mannigfaltigen Erfolge des mit den Oraniern so eng liirten Brandenburgers beobachtete, mehrten sich natürlich die Gründe oder Vorwände politischer Spannung. Da schien man am Zuidersee gar manches Mal die dankbare Anerkennung zu vergessen, die man dort z. B. im Jahre 1656 Friedrich Wilhelm für die guten Dienste um die Wahrnehmung der holländischen Interessen in Danzig gezollt hatte. Zum Glück war der Kurfürst ritterlich genug gesinnt, um Unbill und Enttäuschungen zu vergessen, wenn es sich darum handelte, das befreundete Land vor ernsten Angriffen zu schützen.

Inzwischen hatte sich seine Position den Niederlanden gegenüber erheblich geändert. Während hier, ungeachtet aller glänzenden Handelsunternehmungen, die fehlende straffe Mannszucht der Oranier überall den Verfall vorbereitete, stand der Kurfürst um die Mitte der sechziger Jahre so mächtig da, dass ihm von allen Seiten die schmeichelhaftesten Werbungen zu Theil wurden. Damals, als die Engländer den Generalstaaten den Krieg erklärten und sich auch der Bischof von Münster in die Kriegshändel mischte, befand sich die Republik vor einem gefährlichen Abgrund. Aller Patrioten Blicke richteten sich dort auf den alten brandenburgischen Bundesgenossen, schrieb doch Johann Moritz von Nassau am 7. August 1665 aus dem Haag an den Kurfürsten die Worte: "Ew. Churfl. Durchlaucht sind jetzt, nächst Gott, ihr (der Holländer) höchster Trost, von welchem sie Hülfe und Beistand zu erwarten haben".

Nicht ohne Besorgniss, auch um seine clevischen Besitzungen, zögerte Friedrich Wilhelm keinen Augenblick, einen Defensivvertrag mit den Generalstaaten gegen deren verbündete Gegner zu schliessen. Und sein entschlossenes Vorgehen hatte den überraschenden Erfolg, dass wenigstens der eingeschüchterte Bischof sofort die Feindseligkeiten einstellte. Zum Andenken an dieses Ereigniss fertigte der holländische Medailleur Muller eine der hübschesten getriebenen Denkmünzen jener Zeit. Auf der Vorderseite der Medaille sieht man das ausdrucksvolle Brustbild des Kurfürsten en face, darüber zwei behelmte römische Krieger einen Lorbeerkranz halten. Darunter steht die gerahmte Bezeichnung: "Keurvorst van Brandenburg. 1666". Die Rückseite nehmen, von Ranken umgeben, drei weibliche Gestalten ein, von denen die beiden seitlichen gerüstet sind und Holland und Brandenburg

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vorstellen. Sie halten ihre mit Wappen behängten Standarten kreuzweise zwischen sich, und das jugendliche Weib in Mitten ist in Begriff, die Standarten mit Lorbeer zu umwinden. Am Rande beider Seiten liest man die holländischen Reime:

Hier staat Keur-Brandenburg s' lants trouwste Bontgenoot,

Die door syn staale vuist de goude vree besloot.

und:

Laat nu den bittren Brit op Munsters vree vry schelden

Door Kunst kroont Muller hier het Puik der Ooorlogs Helden.

Einige Jahre darauf ballte sich abermals schweres Gewölk über Holland. Seine Zerstückelung war beschlossene Sache Ludwigs XIV., der, nachdem er verschiedene Mächte auf seine Seite gezogen, auch Alles versuchte, um den Brandenburger zunächst für seinen Plan zu interessiren, dann ihn wenigstens zur Neutralität zu bewegen. Unmittelbare Gefahr drohte dem letzteren nur, wenn er die gewaltthätige Hand Frankreichs von sich wies und sich der schwer bedrängten, nirgends beliebten Republik hilfreich annahm. Dennoch achtete er dieser Gefahr nicht und folgte lediglich der Sprache seines Gewissens, das ihn leider zugleich in jene abhängige Stellung zum Wiener Hofe drängte, der, unter der Maske völliger Uebereinstimmung mit ihm, kein anderes Ziel verfolgte, als die uneigennützige Hilfe des Kurfürsten illusorisch zu machen. Es ist hier nicht unsere Aufgabe, eine Schilderung des gegen Holland gerichteten französischen Raubkrieges (1672), seiner Wechselfälle und Folgen zu versuchen. Nur darauf soll hingewiesen werden, dass, wie gering man auch in dem angegriffenen Lande den Erfolg des Bundesgenossen geschätzt hat, dessen Verdienst doch keineswegs blos in dem moralischen Werth seiner Unterstützung beruhte. Hatte Brandenburg doch zum Mindesten einen Theil der feindlichen Streitkräfte auf sich genommen und durch seine kühne Initiative andere Staaten, wie Oesterreich und Spanien, mit sich fortgerissen zur Abwehr einer immer maassloser aufstrebenden Macht.

Freilich war Friedrich Wilhelms förmlich programmgemässes Eintreten für Holland nicht einfach durch Sympathien allgemeiner Natur bestimmt, sondern es kamen, ausser jenen oben berührten politischen Gesichtspunkten, auch gemeinsame, religiöse und endlich verwandtschaftliche Interessen in Betracht. Welchen Grad von Sympathie ihm wohl das Regime de Witt eingeflösst haben mag? In den sieben Gewesten wird er stets das Land der Oranier

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erblickt haben, die eben damals wieder an die Spitze der Geschäfte traten. Und wenn der Kurfürst dorthin kam, sahen auch die ihm zujauchzenden Holländer in dem Gast zweifellos zunächst den nahen Verwandten jenes fürstlichen Hauses, dessen Name selbst während des aristokratischen Regimentes niemals an Volksthümlichkeit verlor. Und das wusste er, und darum erlitten, unbeeinflusst von der wechselnden Macht der Parteien und der jeweiligen Haltung der Generalstaaten, weder seine dortigen Besuche, noch seine eifrigen Beziehungen zu holländischen Persönlichkeiten, Städten, Einrichtungen u. s. w. jemals Unterbrechung.

Man darf annehmen, dass ihn jeder Aufenthalt in seiner clevischen Residenz mindestens zu einmaligem Abstecher an die Nordsee verlockte. Als im Jahre 1659 sein Statthalter und seitheriger Schwager, der Fürst Johann Georg von Anhalt, sich mit der dritten Tochter Friedrich Heinrichs von Oranien vermählte, war zwar nicht der Kurfürst, wohl aber die Kurfürstin bei den Festlichkeiten zugegen, die zu Ehren der Hochzeitsgesellschaft im Haag und in Amsterdam stattfanden. Zwei Jahre darauf begegnen wir Friedrich Wilhelm in Begleitung des Fürsten von Anhalt auf einer Fahrt durch Holland und Brabant, welche die Kenntnissnahme gewisser Organisationen bezweckte; auch Huygens erwähnt diese Reise in seinem Tagebuche.13

Denkwürdig erscheint des Kurfürsten Besuch in jenem Jahre, da ihn Mullers Medaille als "Puik der Oorloogshelden" im Kampfe gegen Münster und England feierte. Friedrich Wilhelm begab sich damals14 mit seinem clevischen Statthalter, dem Fürsten Moritz von Nassau, zunächst nach dem Haag, wo sie am 2./12. Mai 1666 incognito ankamen und von dem jungen Prinzen von Oranien, dem französischen Gesandten und Tags darauf von einigen Kommittirten des Staatsraths bewillkommnet wurden. Sonnabend den 5./15. Mai fuhren die beiden Gäste mit

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dem Prinzen von Oranien zu Wasser nach Leyden und Haarlem. In letzterem Orte empfing der Magistrat die hohe Gesellschaft mit grossen Ehrenbezeugungen. Gleich nach eingenommener Erfrischung reiste man weiter bis Toxel, um hier die aus 61 Seglern bestehende holländische Kriegsflotte unter de Ruyters Oberbefehl gegen England ziehen zu sehen. Auf dem Admiralschiffe fand zu Ehren der Fürsten ein Festmahl statt, wobei Trompetengeschmetter und der ununterbrochene Donner der Kanonen die Tafelmusik bildeten. Dann besuchte man die übrigen Kriegsschiffe, indem man, nächst de Ruyter, den Admiral-Lieutenant Tromp15 und den Vizeadmiral Hulst besonders auszeichnete. Das Ende war ein kleines blindes Seegefecht. Am 8./18. Mai gegen Abend stieg man wieder in Amsterdam ans Land, wo eine grosse Menge von Schaluppen zum Empfange der hohen Gäste bereit stand, die am darauffolgenden Tage auf dem Rathhause festlich bewirthet wurden. Ueber Utrecht kehrten der Kurfürst und sein Statthalter alsbald nach Cleve zurück.

Näheres über die Reise, die der Kurfürst im April 1675 über Delft nach dem Haag unternahm, erfahren wir aus dem Tagebuch eines seiner persönlichen Begleiter, des Dietr. Sigismund von Buch.16 Uns interessirt hier nicht der politische Zweck dieser Reise, jener im Haag geschlossene Offensiv- und Deffensiv-Vertrag gegen Frankreich und Schweden, der später von der Mehrzahl der Verbündeten schmälig gelöst wurde. Wir fragen vielmehr nur nach dem Grund, warum Friedrich Wilhelm seine Rückfahrt nach Cleve über Amsterdam, wo er anscheinend einige Tage geweilt,17 ausgedehnt hatte. Da wir aus den Berichten seines clevischen Statthalters entnehmen, dass oft neben den ernstesten politischen Dingen Fragen künstlerischer Art herliefen, so glaube ich auch, dass der Kurfürst trotz der für ihn so kritischen Zeit noch Musse und Lust genug gehabt, sich in Amsterdam z. B. für die Skulpturen zu interessiren, die damals der Bildhauer Eggers für ihn arbeitete.

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Will man das Verhältniss der Republik und ihrer Vertreter zum Grossen Kurfürsten nach allen Richtungen hin gewissenhaft würdigen, so wird man auch der minderwerthigen Momente des freundschaftlichen Wechselverkehrs gedenken müssen, die wohl von den Betheiligten unmittelbarer empfunden wurden und auf die Zeitgenossen gelegentlich einen tieferen Eindruck hervorgerufen haben, als die vielfach unter dem Druck ungünstiger Umstände geschaffenen hochpolitischen Beziehungen.

Die holländischen Gesandten spielten am brandenburgischen Hofe eine grössere Rolle, als die eines anderen Staates. Sie waren dort gern gesehene Gäste, beriethen bei wichtigem Anlass persönlich mit dem Monarchen und gratulirten sowohl dem kurfürstlichen Paare als auch den Prinzen zu deren Namenstagen, überbrachten ihnen Schreiben von den Herrenstaaten und wurden von ihnen zur Tafel gezogen.18 Im Juni 1649 verlebte Konstantin Huygens in der Eigenschaft als ausserordentlicher Gesandter mehrere Tage im Schlosse zu Cleve.19 Bei der Taufe des Kurprinzen Karl Aemil in Berlin am 30 September 1655 liess sich Amsterdam, dass sich der ganz besonderen Neigung des Kurfürsten erfreute, durch einen seiner Bürgermeister Johann Huydekooper, Herrn von Marsseveen, feierlichst vertreten.

Die freundschaftlichen Beziehungen der beiden fürstlichen Häuser reichten freilich weiter zurück. Brandenburgische Prinzessinnen haben auf niederländischem Boden schon vor der Zeit des Grossen Kurfürsten - dessen Name "Wilhelm" daran erinnert - ein zweites Vaterland gefunden. Der Sohn Georg Wilhelms kam also nicht als Fremder dorthin, wo ihm sein warmherziges, edles, anspruchsloses Wesen allerwärts Sympathien verschaffte. Das berühmte Wort Friedrich Heinrichs von Oranien, der des Kurprinzen sittliche Standhaftigkeit bewunderte, gab damals gleichsam den Grundton der Hochachtung an, mit welcher die erlesensten Geister der Republik den in strenger Zucht gebildeten Jüngling betrachteten. Für die nächsten Beobachter der Dinge am Hofe des Generalstatthalters schien es darum wie selbstverständlich, dass die heranwachsende Louise Henriette von Oranien für den Erben Brandenburgs bestimmt sei. Heisst es doch schon in einem am 30 Dezember 1640 geschriebenen Briefe zweier im

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Haag wohnenden clevischen Abgeordneten20: " . . . alsoo hier seeckerlick gelooft wert, dat tuschen den jongen vorsten van Brandenborch ende de oudste dochter van S. H. de prince van Orangen getraeteert weert van houwelick".

Noch kurz vor seinem Tode gab Friedrich Heinrich seinem Schwiegersohn einen deutlichen Beweis aufrichtiger Theilnahme, indem er dessen Bekanntschaft mit dem Manne vermittelte, der dazu berufen schien, dem brandenburgisch-preussischen Staate auch eine koloniale Machtstellung zu verschaffen. Der Republik einen gefährlichen Rivalen auf den Gewässern zu wünschen - diesen Verdacht werden selbst die hartnäckigsten Gegner der Oranier nicht gefasst haben. Andere, selbst weitsichtig patriotische Gründe liegen näher. Was aber Artus Gyssels van Lier betrifft - so lautet nämlich der Name jenes Mannes21 - so kann es sich hier nicht darum handeln, die Lauterkeit seiner Motive zu prüfen. Er hatte vorher der ostindischen Handelsgesellschaft als Gouverneur von Amboina, Rath von Indien u. s. w. gedient und sich als einer der fähigsten Admirale und kenntnissreichsten Beamten erwiesen. In seiner Denkschrift bezeichnete er dem Kurfürsten das östliche Pillau, wo ihm offenbar ein zweites Amsterdam vorschwebte, als Ausgangspunkt der projektirten Unternehmungen, für die ein Grundkapital von 1 Million Thalern nothwendig war. Er hoffte, wenn erst die Sache in Fluss gekommen, angesehene geldkräftige Holländer zur Uebersiedelung nach Preussen zu bestimmen. Der Kurfürst, der nur zu bald die unbesiegbare Gleichgültigkeit seiner Unterthanen Kolonialbestrebungen gegenüber empfand, beschloss darauf, ein national - deutsches Handelsunternehmen unter dem mächtigen Schutze des Kaisers. Dieser schöne Traum währte ungefähr fünf Jahre lang, dann gehörte sein Erstlingsversuch Brandenburg kommerziell unabhängig zu machen, der Geschichte an.

Aber das schreckte Friedrich Wilhelm von späteren kolonialen Versuchen nicht ab. Der merkwürdige Fürst, der in seiner Jugend schrieb: weil die See meiner Natur gar zuwider ist, und ich dieselbe nicht ausstehen kann"22, liess sich in seinem

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Ehrgeiz, es den mächtigen seefahrenden Völkern nachzuthun, nicht beirren, und er fand in Benjamin Raule, einem aus Vlissingen stammenden angesehenen Manne, eine geeignete Kraft zur Realisirung seiner Pläne. Mit holländischen Miethsschiffen und grossentheils holländischen Matrosen wurde eine brandenburgische Marine gebildet, vornehmlich zum Schutz des Kolonialhandels. So gross auch deshalb das Misstrauen der Generalstaaten und gelegentlich die Feindseligkeiten der holländischen Handelsgesellschaften waren, das gute persönliche Verhältniss Friedrich Wilhelms zu den Prinzen von Oranien blieb davon unberührt. Enthält doch Huygens' Tagebuch nach wie vor Notizen über freudige und traurige Familienereignisse im Hohenzollernhause, während wir aus anderen Geschichtsquellen, z. B. von den Besuchen Wilhelms II. und seiner englischen Gemahlin am Hofe zu Cleve23 oder von dortigen Festlichkeiten zu Ehren der Prinzessin-Wittwe von Oranien24 erfahren. Gerade dieser fortgesetzte intime Familienverkehr war es, der den Argwohn der antioranischen Partei gegen den Kurfürsten als Vormund des jungen Wilhelms III. wachhielt. Der vorzeitige Heimgang der trefflichen Louise Henriette und die zweite Vermählung ihres Gemahls änderten nichts an den geschilderten Verhältnissen. Friedrich Wilhelm hat der klugen frommen Frau, unter deren Einwirkung sich die derben Sitten des brandenburgischen Hofes verfeinerten, zeitlebens ein aufrichtiges Gedenken bewahrt und schliesslich, wie bekannt, an ihrer Seite im alten Berliner Dome Ruhe gefunden.

Sein Neffe, der heranwachsende Erbe des oranischen Ruhmes, aber besass in ihm stets den fürsorglichen Verwandten. Und wenn es zu jener kritischen Zeit der Republik für ihn noch eines besonderen Umstandes bedurft hätte, Frankreichs Lockungen zu widerstehen, dann wäre die Reise des jungen Prinzen nach Berlin im Jahre 1671 wohl dazu angethan gewesen. Wilhelm III. kam hier am 16. Juni an, besuchte Tags darauf den Kurprinzen Karl Aemil25, fuhr einige Tage darauf, nur in Begleitung seines Onkels, zur Jagd bei Küstrin und machte von dort aus einen Abstecher in den Warthebruch, nach Sonnenburg, um seinen Verwandten, den Johanniter - Ordensmeister, Moritz von

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Nassau, zu begrüssen. Schon am 23. Juni reiste der Prinz wieder von Berlin ab, bis Potsdam begleitet von dem Kurfürsten und seinem Vetter Karl Aemil . . . Und noch eines anderen Zusammentreffens der beiden Fürsten ist kurz zu gedenken. Es war im Sommer 1686, als man zu Cleve gemeinschaftlich über umfassende kriegerische Maassregeln gegen Jakob II. von England berieth. Den Ausgang der ruhmvollen Expedition seines Neffen erlebte Friedrich Wilhelm zwar nicht mehr, aber es waren mit den Holländern brandenburgische Regimenter, die dem kühnen und staatsklugen Oranier die englische Königskrone gewinnen halfen.

Um den Kreis des kurfürstlichen Verkehrs, soweit derselbe das Haus Oranien-Nassau betrifft, zu vervollständigen, haben wir vor Allem noch zwei Persönlichkeiten zu nennen, den in späteren Jahren gefürsteten Statthalter von Friesland Wilhelm Friedrich († 1664), der die jüngere Schwester der Kurfürstin, Albertine Agnes, zur Gemahlin hatte, und Johann Moritz von Nassau, welchen wir schon wiederholt erwähnten. Was diesen angeht, so kennen ihn Viele als holländischen Kavalleriegeneral oder als kurbrandenburgischen Statthalter zu Cleve. Doch urtheilt man bei uns wohl26, dass seine diplomatischen Fähigkeiten nicht bedeutend gewesen seien, weil er sich auf letzterem Posten zu nachgiebig gegen die ständische Partei gezeigt, aus Rücksicht auf die ihm so wünschenswerthen niederländischen Sympathien.27 Freilich kann der, welcher auf zwei Stühlen sitzen soll, nicht mit dem ganzen Gewicht seines Körpers auf jedem der Stühle ruhen.

Aber Johann Moritz von Nassau verdient es nicht, dass man seine Handlungen und Eigenschaften lediglich unter dem Gesichtswinkel kurbrandenburgischer Politik betrachtet. Ein erheblicher Theil seines Wirkens gehört überhaupt nicht in den Rahmen der Politik. Wenn es Jemand unternähme, eine Kulturgeschichte des Staates des Grossen Kurfürsten zu schreiben, so würde er an noch nicht genügend aufgeklärte Erscheinungen

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anknüpfen müssen. So viel wissen wir, dass, während Friedrich Wilhelm häufig im fernen Feldlager lebt, zu Cleve und in verschiedenen Theilen der sandigen Mark, in Berlin, Potsdam, Oranienburg, Sonnenburg u. s. w., höchst anmuthige Parkanlagen, Alleen, bewachsene Hügel, Schlossbauten, Villegiaturen, durch grossentheils holländische Arbeitskräfte entstehen. Es kommen nacheinander zahlreiche Künstler, Architekten wie Maler und Bildhauer, aus den Niederlanden nach Berlin und Potsdam, nach Cleve, Küstrin und Sonnenburg. War noch bis zur Vermählung des Kurfürsten, aus Mangel an einer technisch gebildeten Person, der Kammerdiener Moritz Neubauer Leiter des Berliner Schlossbaues28, so erscheint hier plötzlich ein sehr befähigter holländischer Architekt und Ingenieur Namens Joh. Gregor Memhard auf der Bildfläche. Dessen Landsleute, ebenfalls Ingenieure, bauen in der Folgezeit Brücken und Schiffe, legen Kanäle, Schleusen und Deiche an29 und befestigen die in den Kriegen des Kurfürsten gefährdeten Ortschaften, am Rhein wie in der Mark; während Andere im gleichen Interesse kolonisatorisch wirken,30 wüste Strecken des Landes urbar und das Holz der kurfürstlichen Forsten nutzbar machen oder endlich Handel und Industrien in den Städten zu kräftigen mitbestrebt sind.31

Welcher einflussreichen Persönlichkeit gebührt nun, so müssen wir fragen, vor allen Anderen das Verdienst, den Strom intelligenter und arbeitsamer Leute aus einem Lande, dessen materielle Mittel und Unternehmungslust damals gleich gross waren, nach dem östlichen Brandenburg gelenkt zu haben? Waren es vielleicht die Prinzen von Oranien? Sie, die ungeachtet ihrer, über jeden Zweifel erhabenen, freundschaftlichen Gesinnung für den Kurfürsten, doch nur flüchtig, etwas schattenhaft dessen Wege kreuzten. Sie sprachen wohl alle nicht viel, der Taciturnus und seine Nachfolger bis auf den Urenkel, den dritten Wilhelm hin. Man erkennt ihre Pfade, auf denen sie zwischen Breda und London gewandelt, am Besten aus den Wirkungen ihrer Thaten.

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Und wenn man ihnen auf den Blättern der Geschichte begegnet, so empfängt man den Eindruck, als hätten sie immer vollauf mit sich und ihren hohen ehrgeizigen Ideen zu thun gehabt. Einige Ausnahmefälle abgerechnet, dürfte der Kurfürst auf ihre Theilnahme für die innern Zustände seines Landes gewiss nicht gerechnet haben.

Und Friedrich Wilhelm selbst - sollte er nicht am Ende stets eigenhändig die Werbetrommel in Holland gerührt haben? Beispiele lehren uns indess, wie reservirt er Leuten gegenüber war, deren Dienste er noch nicht erprobt hatte.32 Also bleibt ein unaufgeklärtes Faktum, eine bedenkliche Lücke bestehen. Wir fühlen uns gewissermaassen in die Lage eines Astronomen versetzt, der im Sonnensystem eine Wirkung wahrnimmt, deren Ursache er so lange nicht begreift, bis er schliesslich einen unbekannten Stern entdeckt hat. Auch für uns gilt es, analog, zu einem vorhandenen kulturgeschichtlichen Produkt einen unbekannten Faktor zu ermitteln, resp. zu beweisen, dass letzterer Niemand anders gewesen ist, als des Kurfürsten clevischer Statthalter Moritz von Nassau. Der Beweis kann direkt und indirekt geführt werden. Indirekt, indem wir die Geschichte eines in Brandenburg wie in Holland gleich hochgeachteten, vielvermögenden Mannes erzählen, der über drei Dezennien lang sozusagen der Pförtner unseres Vaterlands an der nordwestlichen Grenze war und der von Jugend auf kein grösseres Vergnügen kannte, als "bauen, graben und pflanzen" zu lassen. Aber auch direkt werden wir an der Hand von Urkunden, die u. a. im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin bewahrt werden, zeigen können, dass ihn der Kurfürst nicht blos in Sachen von Kunst und Künstlern, sondern auch für seine Pläne zu Landverschönerungen, Landverbesserungen und Festungsbauten oft, genug in Anspruch genommen hat.

Johann Moritz wurde im Jahre 1604 im Schlosse zu Dillenburg geboren. Der grösste damalige Feldherr, Prinz Moritz von Oranien, stand als Pathe an seiner Wiege, und sein Geschenk

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war eine stark vergoldete, aus Silber getriebene Taufschüssel, deren auf die Erlösung bezüglichen Reliefdarstellungen der Errettung des Daniel und des Jonas und deren edle Ornamentik in Renaissanceformen der Goldschmiedekunst jener Zeit Ehre macht.33 Der junge Graf genoss eine treffliche Erziehung, bezog bereits zehnjährig die Universität zu Basel, die er dann mit der Genfer Hochschule vertauschte. Sehr früh begann auch seine militärische Karrière, die sich unter der Generalstatthalterschaft des Nachfolgers seines Pathen rasch entfaltete. "Während der Waffenruhe von 1630", schreibt sein Biograph,34 "weilte Joh. Moritz an dem glänzenden Hofe Friedrich Heinrichs und setzte im Umgange mit gelehrten Niederländern seine zu früh abgebrochenen Studien fort". Diese Friedenszeit war freilich nur von geringer Dauer. Und als sich später bei Maastricht und Nymegen seine Feldherrneigenschaften bewährten, erschien der junge lernbegierige Kurprinz von Brandenburg im holländischen Kriegslager. Mit Enthusiasmus erlebte dieser den Fall der Schenkenschanze (1636); und wie wir aus den Briefen Friedrich Wilhelms35 an seinen kurfürstlichen Vater entnehmen dürfen, hat ein wesentlicher Theil seiner Bewunderung dem zweiten Führer des glorreichen Unternehmens, Jobann Moritz, gegolten, zu welchem er damals in ein freundschaftliches Verhältniss getreten sein soll. -

In der Folge aber eröffnete sich für Moritz' Thätigkeit ein ganz anderer Schauplatz. Bereit der Republik in irgend welcher Art zu dienen, nahm er noch in demselben Jahre 1636 einen Antrag der westindischen Handelsgesellschaft an und begab sich als Gouverneur nach Brasilien, jenem fernen Lande, von dessen innerer Beschaffenheit bisher nur wenig Kunde nach Europa gedrungen war. Es galt, dort die schwierige Position der Kompagnie gegen Spanier und Portugiesen zu befestigen und zu erweitern. Er reiste aber nicht allein und auch nicht lediglich von kriegerischen Absichten erfüllt, sondern er brannte zugleich vor Begierde, der wissenschaftlichen Forschung grösstmöglichen Vorschub zu gewähren und die reichentwickelte heimische Kultur unter die wenig erschlossene westliche Aequatorhälfte zu tragen. Sein

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zahlreiches Gefolge umfasste den Hofgeistlichen und Poeten Franziscus Plante, dessen später verfasste Mauritiade die Thaten des Brasilianers" verherrlichte, den Arzt und Naturforscher Wilhelm Piso, die deutschen Geographen und Astronomen Georg Markgraf und H. Cralitz, welcher indess leider bald nach seiner Ankunft in Südamerika starb, ferner das Brüderpaar Franz und Pieter Post, von denen der eine Maler, der andere vorzugsweise Architekt und Ingenieur war. Kein Wunder, dass Piso in seinem Werke diese brasilianische Expedition etwas überschwänglich mit dem antiken Alexanderzug nach dem Orient verglich.

Die ersten Jahre in Brasilien waren freilich wenig dazu angethan, friedliche Bestrebungen nachdrücklich zu verfolgen. Aber als gegen Ende des Jahres 1641 die Feindseligkeiten auf beiden Seiten eingestellt wurden, suchte man Versäumtes nachzuholen. Caspar Barläus, dem wir eine ausführliche Beschreibung des dortigen Aufenthalts des Grafen verdanken, bemerkt bezüglich dessen: "Es ist schon vor Jahren nicht ungewöhnlich gewesen, und die Erfahrung bezeugt es auch noch heutzutage, dass tapfere und grossmüthige Kriegshelden und hohe fürstliche Personen auch wohl mitten im Kriege nicht allein durch treffliche und ritterliche Thaten ihre Ehre und ihren Ruhm zu erweitern, sondern auch eine rühmliche Erlustigung ihres Gemüths, mit Aufführung herrlicher Gebäude zu suchen und damit zugleich ihre angeborene Magnificenz sehen zu lassen sich befleissigen. Ebenso hat es Fürst Joh. Moritz zu Nassau gethan". Und was sehen wir damals an der Ostküste Brasiliens für Veränderungen entstehen? An Stelle von Olinda, der Residenz unter portugiesischer Hoheit, erblühte jetzt südwärts zunächst Recief auf der Spitze einer schmalen Landzunge, welche parallel dem Festland läuft. Und als auch das Recief, dessen prächtigste Gebäude von reichen, aus Olinda übergesiedelten Portugiesen bewohnt wurden, zu klein wurde für die anwachsende Bevölkerung, richtete der Graf sein Augenmerk auf die sumpfige wüste Insel Antonio Vaz, die zwischen dem Recief und dem Festlande lag. Da die Kompagnie auf ihre Kosten nicht einmal die blosse Befestigung der Insel ausführen lassen wollte, so kaufte der Graf den Grund und Boden und begann aus eigenen Mitteln mit der Einpolderung und Fruchtbarmachung des Sumpfterrains. In kürzester Zeit war das Nordende von Antonio Vaz in einen blühenden Hain verwandelt, in welchen man Kokospalmen, Orangenbäume, Dattel-

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palmen, Citronen-, Granaten-, Feigen- und andere exotische Bäume verpflanzt hatte.

Hand in Hand damit schritt der Bau eines Palastes, dessen opulente monumentale Formen den Gouverneur in den Ruf eines Verschwenders brachten. Diese Bauanlage hatte übrigens noch einen Nebenzweck; ihre beiden meilenweit sichtbaren Thürme, von denen einer als Leuchtthurm eingerichtet wurde, sollten den nahenden Seefahrern die Richtung angeben. Soweit man einer ganz kleinen flüchtigen Zeichnung in der Historia von Barläus Glauben schenken darf, war dieser Palast, die Freiburg, auf einer aus dem Wasser emporsteigenden Terrasse errichtet. In Mitten derselben erhob sich der von zwei gleichen viereckigen Thürmen flankirte Hauptbau, welcher mehrere Geschosse und einen kleineren Vorbau mit Freitreppe in der Axe besass. Links und rechts führten niedrige Hallen nach gleichfalls viereckigen Pavillons, die wohl für die Dienerschaft bestimmt waren. Diese Anlage, zu der noch ein herrlicher Lustpark gehörte, entsprach durchaus einer fürstlichen Hofhaltung; sie hatte ihrem Urheber angeblich den Aufwand von 6 Tonnen Gold verursacht.

Auch die Bebauung der übrigen Insel machte die raschesten Fortschritte, und es entstand im Verlaufe von nur zwei Jahren auf Antonio Vaz eine neue, durch Wall und Gräben befestigte Stadt, die Moritzstadt. Ihre Befestigung begann in der Nähe der Freiburg mit dem Fort "Johann Ernst", wie das Kastell nach dem jüngsten Bruder des Grafen, der ihm nach Brasilien gefolgt und dort schon 1639 gestorben war, benannt wurde; und sie endigte im Süden der Insel mit der "Friedrich-Heinrich-Schanze". Es scheint, dass Anlage und Hauptgebäude der Moritzstadt, z. B. ein Regierungspalast und eine reformirte Kirche, von Pieter Post, dem muthmasslichen Schöpfer der Freiburg, herrührten. Wir bedauern daher, dass wir über diese fast im Fluge aus der Erde gezauberten Bauten nicht sachgemässer unterrichtet sind, als es durch Barläus geschieht. Wir hören auch, dass ein Theil der Häuser von Mauritiopolis aus dem Baumaterial errichtet wurde, welches man von den Trümmern der mit Kirchen und Klöstern gesegnet gewesenen altportugiesischen Residenz Olinda herbeigeholt hatte.

Jener gelehrte Autor berichtet ferner von einer grossen Brücke, die von Recief über den reissenden Beberibe nach Mauritiopolis geschlagen wurde. Sie war auf 240000 Gulden

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veranschlagt und massiv begonnen. Aber der Ingenieur liess sein angefangenes Werk, nachdem es bereits gegen 100 000 Gulden verschlungen, plötzlich im Stich. Da nahm Moritz die Sache selbst in die Hand und, wie man zu sagen pflegt, auf seine Kappe. Der Chronist bemerkt darüber: "Unterdessen aber sah Fürst Moritz gar wohl, wie viel ihm Ehren halber daran gelegen sein musste, dass man ihm nicht nachsagen dürfe, er hätte sich eines Dinges unterstanden, das er nun schnöde liegen liesse und welches man mithin als die That eines albernen, schwachen Verstandes bezeichnen würde . . . Deshalb liess er von allen Enden und Orten für eigenes Geld nicht Steine, sondern Bauholz und zwar wasserbeständiges Holz zusammenbringen und ankaufen; darunter befanden sich Baumstämme, welche Balken von 40 bis 50 Fuss Länge lieferten . . . Beim Brückenbau war der Fürst stets in Person anwesend, indem er die Leute ermahnte und einem Jeden seine bestimmte Arbeit zuwies, damit sie sich nicht gegenseitig im Wege ständen. Wodurch sie denn Alle mit Freude so eifrig arbeiteten, dass schon nach zwei Monaten die ganze Brücke in einer Länge von mehr als 100 Ruthen vollendet war und nicht blos Menschen, sondern auch Ross und Wagen darüber hingehen konnten. Also überzeugte man sich, dass kein Ding zu schwierig sei, um unausgeführt bleiben zu müssen, wofern nur Verstand, Arbeit und Kosten nicht gespart werden". Und trotz der zweimaligen Arbeit hatte die Kompagnie noch rund 112 000 Gulden erspart, da die Holzbrücke blos 28 000 Gulden verschlungen hatte, eine Summe, die schon durch den Brückenzoll des ersten Jahres wiedereingebracht wurde. In Folge dessen säumte Graf Moritz nicht, eine zweite 86 Ruthen lange ähnlich konstruirte Brücke nach dem Festlande zu schlagen. Hier erwarb er von der Gesellschaft ein Terrain, auf welchem er sodann eine Villa mit einem Thurm und einen schönen Park, ganz im Geschmack holländischer Villegiaturen jener Zeit anlegen liess. Er nannte diesen Lustsitz Boavista, französisch Bellevue.

Nach dem Fortgange des Grafen, so ergänzt der Historiker van Kampen diese Angaben des Chronisten, fiel ein Theil der holländischen Besitzungen wieder in die Hände der Portugiesen, welche die Freiburg mit ihren herrlichen Baumanlagen zerstörten. Die westindische Kompagnie liess sich endlich für den gänzlichen Verzicht auf Brasilien mit einer Geldsumme abfinden. Die beiden

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Brücken bestanden noch lange und verbanden die drei Plätze Recief, Moritzstadt und Boavista, von denen die mittlere später in San Antonio getauft wurde. Heute heisst das dreigetheilte Ganze Pernambuco und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Boavista, den Namen jenes Lusthauses, trägt der neueste, auf dem Festlande gelegene Stadttheil. Johann Moritz aber heisst in der Geschichte der "Brasilianer" oder "Amerikaner".

Unvergängliche Früchte hat Moritz auch durch seine thatkräftige Förderung der Naturforschung im fernen Welttheil gewonnen. Doch soll nicht verschwiegen werden, dass diese Förderung zugleich auf ausdrücklichen Wunsch der Kompagnie geschah, welche die botanischen Gärten und Sammlungen der Landesuniversitäten mit seltenen Pflanzen, Mineralien und Insekten zu versehen pflegte. Am meisten Beifall erndteten in der Heimat die wissenschaftlichen Ergebnisse Pisos und Markgrafs. Leider ging des Letzteren astronomisches Werk in drei Büchern anscheinend verloren und lediglich von einigen Beobachtungen seiner Sternwarte in Moritzstadt haben wir durch Barläus Kenntniss. Erhalten hat sich u. A. ein Atlas Brasiliens von Markgraf und dessen, in Gemeinschaft mit Piso lateinisch verfasste, reich illustrirte Naturgeschichte des Landes, die schon 1643 im Druck erschien.

Auch ein persönliches Eingreifen des Gouverneurs in diese Forschungen der Gelehrten ist erwiesen. Besonders waren es seine unschätzbaren Sammlungen, die in der Heimat die Kenntniss Brasiliens in unerwarteter Weise bereicherten. Mit einer ganzen Legion von Kisten, Kasten und Käfigen trat der Graf seine Rückreise nach Europa an. Ihm lag auch daran, seine künftige Residenz so auszustatten, dass ihm seine ereignissreiche brasilianische Vergangenheit stets lebhaft vor Augen stand. Andererseits war es seine schöne Eigenthümlickeit, niemals mit leeren Händen zu kommen und gewöhnlich nach dem bewährten Grundsatz zu handeln, dass Geschenke die Freundschaft erhalten. So langte Moritz nach seiner durch Milde und Eifer ausgezeichneten siebenjährigen transoceanischen Regentschaft im Sommer 1644 im Haag an. Generalstatthalter und

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Direktorium der westindischen Kompagnie bereiteten ihm den ehrenvollsten Empfang. Einem späteren Versuch, ihn für den Gouverneurposten noch einmal zu gewinnen, widerstand er; dagegen beeilte er sich, in das alte militärische Verhältniss zur Armee der Republik zu treten. Bald folgte seine Ernennung zum Generallieutenant und zum Kommandanten von Wesel, das damals eine holländische Festung war.

In diese Zeit fällt auch der Bau des sogenannten Moritzhauses im Haag, des ehemaligen Wohnhauses des "Brasilianers" der jetzigen Königlichen Gemäldegalerie. Die Geschichte der Entstehung dieses schönen kleinen Palastes giebt V. de Stuers in der Einleitung seines trefflichen Museumskataloges von 1874. Wir hören, dass die Staaten von Holland im Jahre 1633 das Gartenterrain vor dem Binnenhofe ankauften und dass später, zu einer leider nicht angegebenen Zeit, Johann Moritz einen Theil dieses Terrains für die Summe von 2375 Gulden nebst einer Jahresrente von annähernd 150 Gulden von den Staaten erwarb. Ausserdem soll sich der Graf verpflichtet haben, eine Konventionalstrafe von 200 Gulden jährlich zu zahlen, falls nicht innerhalb zweier Jahre der Schlossbau vollendet sein würde. De Stuers ist nun der Ansicht, dass der Bau des Moritzhauses bereits vor der Abreise des Grafen nach Brasilien begonnen wurde und dass Pieter Post die Ausführung, zu welcher der Bauherr kostbare Hölzer aus der Ferne sandte, geleitet hätte. Dagegen spricht aber der westindische Aufenthalt jenes Architekten. Mir scheint der Bau daher erst der Mitte der vierziger Jahre, während welcher Zeit übrigens Post auch in den Ordonnantieboeken des Prinzen Friedrich Heinrich wiederholt genannt wird, anzugehören. Barläus erwähnt in der 1647 edirten Amsterdamer Ausgabe seiner Historia (S. 314) bereits das vollendete, mit exotischer Pracht ausgestattete Moritzhaus im Haag.

Hinsichtlich dieses Palastes, dessen Hinterfront aus einem Teiche, dem Vijver, sich wirksam erhebt, habe ich an verschiedenen Stellen meiner holländischen Baugeschichte Näheres über die klassische Aussengestaltung und den Grundriss mitgetheilt. Der hintere Tempelgiebel enthält ein bemerkenswerthes Hochrelief, ein Reitertreffen mit Indianern von unbekannter Hand. "Inwendig", schreibt van Kampen, "bewunderte man vorzugsweise zwei schöne Säle, wovon der eine äusserst kunstreich mit brasilianischen Vögeln bemalt war". Treppen- und Flurwände waren

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grossentheils aus einem harten Farbholz überseeischen Ursprungs gezimmert. Ausser den Seltsamkeiten indianischen und afrikanischen Ursprungs bot das Innere des Hauses noch mancherlei Kunstwerke wie Gemälde und Skulpturen zur Betrachtung, und Moritz liebte es, wie J. G. de Crane in seinem lateinischen Panegyrikus hervorhebt, den Freunden der Natur- und Völkerkunde Alles zu zeigen und sie in eigener Person über die Herkunft der interessantesten Objekte zu belehren. Der Leidener Hochschule hatte er sogar eine ethnographisch bedeutsame Sammlung geschenkt. Da Moritz in der Folgezeit nur in grösseren Zwischenräumen und vorübergehend im Haag wohnte, so überliess er sein Haus den Staaten von Holland für gewisse Repräsentationszwecke. Hier wurde z. B. König Karl II. von England im Jahre 1660 auf Staatskosten bewirthet. Damals war der Haag der glänzende Mittelpunkt öffentlicher Lustbarkeiten des Landes, woran uns ein Porträt jenes englischen Monarchen erinnert, das Moritz von dem dänischen Rembrandtschüler Juriaan Ovens für sich malen liess.

So war die Vergangenheit des Mannes, welchen Kurfürst Friedrich Wilhelm schon im Frühjahr 1646 in seinen Dienst zu ziehen wünschte, und der bald darauf als clevischer Statthalter in die Lage kam, mitbestimmend in das Kunst- und Kulturleben des brandenburgisch-preussischen Staates einzugreifen.

Schon vor ca. 100 Jahren gab ein Berliner Autor36 diesen Verdiensten des Nassauers zum ersten Male beredten Ausdruck, indem er bemerkte: "Ueberhaupt hat also die Mark Brandenburg, nächst dem Churfürsten, dem erwähnten Fürsten Moritz, welcher ein Herr von edlem und wohlthätigem Charakter war, der die ganze Welt verschönert haben würde, wenn es von ihm abhing, in Absicht der Bekanntwerdung und Fortpflanzung der Litteratur, Wissenschaften und Künste, sehr viel zu verdanken; sowie besonders eine Menge trefflicher Anlagen von und durch ihn, in Berlin gemacht worden sind". Der Autor dachte, als er dieses schrieb, offenbar u. A. an die Raritätensammlungen, die Moritz dem Kurfürsten verkauft oder geschenkt, und ferner wohl an einzelne werthvolle Bücher und Manuskripte der Ber-

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liner Königlichen Bibliothek, auf deren Titelblättern der Namenszug des Brasilianers noch heute zu lesen ist. Völlig neu für uns ist das, was er über die von dem Fürsten geschaffenen Anlagen in Berlin leider nur andeutet. Dagegen erfahren wir in mehreren Ortsbeschreibungen Nähers von dessen landschaftliehen und baulichen Verschönerungen Cleves und Sonnenburgs, von Wesel37 nicht zu reden. Bezüglich Potsdams besitzen wir den Brief eines sehr glaubwürdigen Zeitgenossen, des Herrn von Jena, der unterm 15. November 1661 schreibt:38 "Fürst Moritz ist schon acht Tage zu Potsdam, einen Entwurf zu machen, wie sie vermeinen, dass es recht zu bauen und anzulegen ist" Muthmaasslich. begann sein Interesse für den Havelort schon früher, denn wir finden ihn auch in den fünfziger Jahren nicht weniger als vier Mal39 in der Mark.

Auch dafür, dass der "Brasilianer" in Sachen von Kunst und Künstlern die Mittelsperson zwischen dem Kurfürsten und Holland gewesen, lassen sich urkundliche Belege finden, auf die ich an anderer Stelle, bei Erwähnung der Werke von Meistern wie van Honthorst, B. Eggers, C. Ryckwaert, Pieter Post u. m. A., noch ausführlicher zurückkommen werde.40 Manche interessante Aufschlüsse darüber enthalten die politischen Relationen des Statthalterst41. So heisst es in einem Bericht vom 25. Januar 1667: " .. . Wegen der Tapeten schreibe an Heyderkampf42 weitläufig. Ich stehe in Fürchten, dass mit diesen Trubeln in Polen, Ew. Durchlaucht sich werden Preussen naderen müssen". Beachtenswerth ist in diesen beiden Sätzen das Hand in Hand gehen von Kunst und Politik, dieser beiden so unähnlichen Geschwister, und dann die Vorliebe des Nassauers für Hollandismen. Er schreibt z. B. "naderen" statt "nähern", "bequem" statt "geeignet", "bequem machen" statt "fertig machen", "den Augenschein innehmen" statt "in Augenschein nehmen;

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allgemein gebräuchlich war dagegen damals ein Ausdruck wie "Orlogschiff" statt "Kriegsschiff".

An zwei Stellen der politischen Relationen ist auch von dem berühmten Architektin Jakob van Kampen, dem Schöpfer des als "achtes Weltwunder" gefeierten Amsterdamer Rathhauses die Rede und zwar in einer Weise, dass daraus auf dessen Bekanntschaft mit dem Kurfürsten geschlossen werden kann. In der Nachschrift eines Berichtes vom 5. August 1657 heisst es: "Monsieur van Kampen ist allhier, kann selben von diesem Ort43 nicht abkriegen, ordonnirt noch viele schöne Sachen, alles ohne Kosten". Damit stimmt ganz die Bemerkung des alten Schrevelius44 überein, dass dieser "noble Maler, fixe Mathematikus und Architekt des Prinzen von Oranien" ein Mann von grossem Vermögen war, der durch die Kunst nicht Gewinn, sondern lediglich Ruhm gesucht hat. Wenige Wochen darauf starb van Kampen, dessen Verdienst es ist, Palladios kraftvollen Klassizismus im nationalen Geiste seiner Heimath modifizirt zu haben. Der Kurfürst nimmt in einem späteren Schreiben an Moritz auf den Tod und den künstlerischen Nachlass des Meisters Bezug, und Jener entgegnet am 14. Mai 1659 "Ew. Durchlaucht gedenken eines Buchs von der Architektur, welches ich von Monsieur van Kampen sollte bekommen haben. Es ist wohl wahr, dass ich nach seinem Absterben an die Erben begehrt gehabt, einige seiner Bücher in Sonderheit so von seiner eigenen Hand gezeichnet waren, es ist mir aber solches höflich abgeschlagen worden45. So sie aber in meiner Macht wären, solle zu Ew. Durchlaucht Dienst, wie auch Alles, was ich auf dieser Welt besitzen thue. Ich erstaune auch, dass zu Berlin der (Festungs-)Bau so wohl für sich gehet. Wir werden allhier zu Kalkar ihnen nichts nachgeben . . ." Vielleicht erwartete der Kurfürst unter van Kampens Zeichnungen die Idee zu einem für Berlin schon damals erwünschten Zeughaus zu finden. Jedenfalls verdient die Thatsache, dass er zur Zeit seines Berliner Festungsbaues für irgend eine wichtige architektonische Aufgabe über die Köpfe seiner eigenen Baumeister hinweg seinen Blick ins Ausland richtete, die gebührende Beachtung.

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Was aber den Festungsbau in Kalkar betrifft, so lag er in den Händen eines gewissen Hendrik Ruse, von dessen Qualität uns die kurze Notiz Nicolai's46 nur einen mangelhaften Begriff giebt. Moritz hatte diesen bedeutenden holländischen Ingenieur und späteren dänischen Generalmajor47 im Winter 1658, als er Amsterdam passirte, gleich mit sich genommen, zur schleunigen Ausarbeitung der Befestigungspläne von Kalkar und Lippstadt. Diese Pläne lagen jenem oben citirten Bericht vom 14. Mai 1659 bei, damit sich der Kurfürst von dem Umfange der Arbeiten überzeugen sollte. Hierauf antwortete Letzterer dem Statthalter am 16./26. Juli aus dem Kriegslager bei Mittelfahrt eigenhändig, indem er u. A. bemerkt: "Den Abriss von Lippstadt belangend, werde ich bei nächster Post, geliebt's Gott, solchen wiederschicken nebenst einigen Bedenken, darüber ich des Herrn Rüssen sentiment gern haben wollte". Von einem förmlichen Uebertritt Ruses in den Dienst des Kurfürsten ist aber erst im August 1659 die Rede. Moritz schreibt (1. August), Jener verlange 1000 Thaler festes Jahrgehalt und Aussicht auf den Posten eines brandenburgischen Generalquartiermeisters. Sein Gönner befürwortet diese Forderung, weil "solch eine capable Person in diesen Zeiten rar" ist. Und Friedrich Wilhelm acceptirt Alles48 unter der Bedingung, dass sich Ruse sofort nach Berlin begebe.

Noch ein Beispiel für die Art, wie Moritz seinem kurfürstlichen Herrn technisches oder künstlerisches Personal empfiehlt, habe ich anzuführen. Er hatte einen talentirten jungen Edelmann, Namens Donep, Sohn eines Landdrosten, kennen gelernt und beschäftigt. Ueber diesen schreibt er in einem Bericht vom 16. Februar 167849: "Dieser Donep wär ein gewünschtes Subject bei Ew. Durchlaucht junge Prinzen, um mit Lust Alles zu lehren, der erfaren und gottesfürchtig dabei ist . . . Diese (beifolgenden) Schildereien und Zeichnungen hat er so aus der Faust in meiner Gegenwart gemacht, allein um seine "Handelung" (d. h. wohl Behendigkeit) zu zeigen". Hinsichtlich dieses Donep vermag ich allerdings nicht nachzuweisen, dass er nach Berlin

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berufen wurde. Im Uebrigen willfahrte der Kurfürst, so oft als nur angängig den Vorschlägen und Gesuchen seines Statthalters, dessen vielseitige Verdienste er hochschätzte und den er besonders in baukünstlerischen und verwandten Dingen als eine Autorität verehrte. Trotz des Jahrzehnte langen eifrigen Verkehrs schenkte sich übrigens Moritz in seinen Briefen niemals die vorgeschriebene Titulatur seines kurfürstlichen Herrn oder die Ausdrücke "unterthänigst" und "gehorsamst", während der Letztere in seinen eskripten stets bei der Anrede Ew. Liebden" verblieb und sich nur bei Handschreiben gelegentlich der Ueberschrift Monsieur mon cousin bediente50.

Nun aber zurück zu unserer obigen Hypothese. Was wir von Moritz behaupteten, glauben wir durch unsere Betrachtungen bewiesen zu haben. Es lässt sich geradezu von einer Kulturmission sprechen, die der "Brasilianer" gegenüber Brandenburg erfüllt hat. Er mag als Diplomat auf seinem schwierigen Posten am Niederrhein nicht zweifelsohne gewesen sein; aber nicht Unfähigkeit darf man es nennen, wenn sich seine Handlungen nicht immer mit den Interessen eines einseitigen politischen Bekenntnisses vertrugen, sondern Folge seiner Lebensauffassung, seiner Humanität. Müde zu regieren und auf dem Wege der Verständigung den unvermeidlichen Gegensätzen die feindselige Spitze zu nehmen, das war schon sein Grundsatz in Brasilien gewesen. Und die Wohlthat seiner ungewöhnlichen Toleranz erfuhren nicht blos die katholischen Unterthanen. Charakteristisch für den seltenen Mann ist auch die ablehnende Antwort, die er einst auf ein Gesuch der clevischen Stände ertheilte, als diese von ihm ein obrigkeitliches Verbot des Wuchers der Juden verlangten. Man solle jenen, so schlug der Fürst vor, doch erst mindestens die Rechte einräumen, welche die fremden christlichen Lombarden in Holland genössen.

Alles bei ihm gipfelte in dem Wunsch nach veredeltem, behaglichem Lebensgenuss; das war der Angelpunkt seines Fühlens, Denkens und Handelns. Keinem Feldherrn des 17. Jahrhunderts war darum der Krieg so wenig Endzweck als ihm. Und dennoch strebte er mit allem Eifer nach dem höchsten militärischen Range. Seine in Kriegszeiten an den Kurfürsten

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gerichteten Briefe aber tragen häufig am Schluss den Stempel unverhüllter Friedenssehnsucht.

Und im Frieden verschwendete er ohne Unterlass die reichen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, zur Verschönerung seines irdischen Besitzes, zur Schöpfung von Werken, an der sich Mit- und Nachwelt in demselben Maasse erfreuen sollten. Er war, ungeachtet seines unanfechtbaren Christenthums, Epikuräer durch und durch und also auch, wie sein grosser Pathe und Namensvetter Moritz von Oranien als Stratege, in seiner Art eine nachgeborene antike Erscheinung.

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II. Aus einer vergessenen Residenz des Grossen Kurfürsten.

Ganz im Nordwesten unseres Vaterlandes liegt unweit der holländischen Grenze und des Niederrheins - Cleve. Vor Zeiten soll ein Arm des grossen Stromes seinen Weg durch das Flussbett des jetzt so winzigen Kermesdaals, der die Dreihügelstadt berührt, genommen haben. Doch nicht dies allein gehört der Vergangenheit an, auch die politische Rolle, die Cleve einst als Mittelpunkt eines berühmten Erbfolgestreites und darauf als Residenz Friedrich Wilhelms des Grossen gespielt hat, ist längst der allgemeinen Kenntniss entschwunden. Und darum verlohnt es sich, mit einigen historischen Erinnerungen an jene Zeit des 17. Jahrhunderts anzuknüpfen und unsere Leser für die wenig beachtete Stätte zu interessiren, in deren Umgebung der Rhein, bevor er sich durch die eintönigen Wiesenbezirke Hollands ergiesst, noch einmal seine schönsten landschaftlichen Uferreize in dem anmuthigen Wechsel von Berg, Thal und Wäldern entfalten lässt - für eine Stätte, die ausserdem durch die Sage vom Schwanenritter Helias Gral im lichten Gewande deutscher Poesie glänzt. Nicht bloss das im Jahre 1882 enthüllte, leider recht unbedeutende Lohengrindenkmal erinnert an den mythenhaften ersten Grafen von Cleve, auch das städtische Wahr-

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zeichen, der Schwan auf der Thurmspitze der mittelalterlichen Burg, verkündigt gleichsam die allbekannte alte Sage.

Auf einem grünumkränzten Hügel des Ortes ragen die kahlen hohen Mauern der Schwanenburg weit über die Umgebung hinaus. Von den ursprünglich drei Thürmen dieses ehrwürdigen Residenzschlosses der Grafen und Herzöge von Cleve ist nur noch der höchste, der viereckige wuchtige Schwanenthurm, erhalten. Herzog Adolf I. hat dessen Bau im Jahre 1439 beginnen lassen und ihn zugleich der Erinnerung an den Gemahl seiner Vorfahrin Beatrix von Cleve geweiht, die an der Seite jenes Helias Gral 21 Jahre lang zum Segen des Landes regiert haben soll. Die für ihre weibliche Neugier so hart bestrafte Beatrix soll aber, wie eine allerdings spätere Sage berichtet, auch im Grabe keine Ruhe gefunden haben. Sie ging nach ihrem Tode als "weisse Frau" im Schlosse um, verkündete durch ihr Erscheinen bevorstehendes Unglück, und noch in den Jahren 1815 und 1816 gaben, wie uns der damalige Kammerpräsident v. Buggenhagen versichert, verschiedene Personen amtlich zu Protokoll, dass sie die "weisse Frau" im Schlosse wandelnd gesehen hätten. Aber auch ohne derartige Merkwürdigkeiten, ohne diese Nachklänge mittelalterlicher Phantasie besitzt das Städtchen noch Anziehungskraft genug. Denn es finden sich hier, ausser der Schwanenburg, noch einige andere bemerkenswerthe Baudenkmäler der Vergangenheit, z. B. die katholische Stiftskirche, ein dreischiffiges Backsteingebäude mit einer Doppelthurmanlage aus dem 14. Jahrhundert, Dieses reichbegüterte Gotteshaus umfasst in den Chören der Seitenschiffe die Grabstätten mehrerer alter Herrscher des clevischen Landes. Und von einem anderen Gotteshaus in der Unterstadt, der ehemaligen Minoritenkirche, will ich bloss erwähnen, dass deren früherer Hochaltar, eine Anbetung der heiligen drei Könige, von dem begabten Rubensschüler Erasmus Quellinus im Jahre 1656 gemalt worden war . . .

Mehr noch als die Stadt lockte aber, seit etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts, die wundervolle Umgebung des gleichnamigen Badeortes mit seinen Eisenquellen im Sommer erholungsbedürftige Leute herbei. Um diese Rheingegend loben zu hören, muss man freilich zu unseren benachbarten Freunden, den Holländern, gehen, die hier das Hauptkontingent der jährlichen Badegäste stellen. Für sie liegt der Ort ausserordentlich

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bequem; und wenn sie in Extrazügen, die allwöchentlich von Amsterdam abgelassen werden, auf der Bildfläche des kleinen Bahnhofes erscheinen, dann kann man eine förmliche Erregung unter denjenigen Bewohnern des industriearmen Städtchens beobachten, die von dem "Aderlass" der Fremden zu leben gezwungen sind.

Um die Bade- und Trinkanlage Cleves zu erreichen, muss man bald nach Eintritt in die Stadt rechts in die Kavariner Landstrasse einbiegen. Diesem breiten, zum Theil mit hübschen Villen besetzten Fahrwege nähert sich der so malerische Hügelwald des neuen Thiergartens, hinter welchem der mächtige Reichswald, das uralte Jagdgehege Karls des Grossen, sich südlich bis Goch und - westlich fast bis Nymegen ausdehnt. Und auf der entgegengesetzten Seite des Ortes giebt es Naturschönheiten nicht geringerer Art, üppige Felder, die mit gartenreichen Villegiaturen abwechseln, Alleen mit ganz alten hochstämmigen Bäumen und bewaldeten Hügelreihen, von deren Gipfeln man entzückten Auges in das lachende Rheinthal hineinschaut. Das ist die Gegend des alten Thiergartens, des Freudenbergs, des Freudenthals und Bergenthals, die gleichfalls belebt ist von Erinnerungen an die etwas stürmische Zeit des kurfürstlichen Regiments und des hoch- und kunstsinnigen Statthalters Johann Moritz von Nassau-Siegen. Mit dieser denkwürdigen Periode werden wir uns in den folgenden Abschnitten zu beschäftigen haben.51

Wir wissen, dass Friedrich Wilhelm schon in früher Jugend ein lebhaftes Interesse für Raritäten empfand. v. Raumer theilt in seiner Schrift über des Kurprinzen in Holland verbrachte Studienzeit (1634-1637) einen Brief aus Leyden mit, den der Prinz im April 1634 an Georg Wilhelm richtete und in welchem es u. A. heisst: "Weil ich bei einem Kaufmann, so erst aus Ostindien kommen und schöne Sachen mitgebracht, auch etliche achatene Messerschalen angetroffen, hab ich nicht unterlassen können, Euer Gnaden deroselben ein Paar zuzuschicken . . . und bitte Euer Gnaden ich in Unterthänigkeit, dieselbe wollen ge-

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meltes Paar achatene Messerschalen gnädig von mir fürlieb nehmen. Auch überschicke Euer Gnaden bei selbiger Gelegenheit etliche indianische grosse und kleine Rotanen oder Reitstöcke, darunter eine japanische Rotan ist, so viele Knöte hat und hochgehalten ist". Hierin kündigt sich der spätere fürstliche Sammler an, der nach Antritt seiner Regierung (1642) trotz der Einschränkungen, zu welchen die wirtlischaftliche Nothlage des Landes den Hof zwang, den hauptsächlich aus Cleve stammenden Antikenbesitz des Geheimraths Erasmus Seidel zu erwerben sich nicht versagen konnte52. In gleicher Eigenschaft tritt uns Friedrich Wilhelm im Jahre 1652 entgegen, als ihm sein clevischer Statthalter eine werthvolle Sammlung von exotischen und künstlerischen Objekten verkaufte. Der kurfürstliche Käufer stand damals gerade im Begriff, seine rheinische Residenz an der Seite seiner Gemahlin auf längere Zeit zu verlassen . . .

Es war im Herbst 1646, als er sich endlich entschloss, in Cleve Aufenthalt zu nehmen . . . Aber der Name ihres jungen Potentaten war den Bürgern dieses Ortes schon lange geläufig.

Im Februar 1620 hörten sie den Namen zum ersten Male von den Kanzeln herab, als man die Geburt des Kurprinzen auch hier durch Kirchengebet und öffentliche Danksagung feierte. Der clevische Geheimrath von Stick musste sich sofort auf die Reise machen, um diese Geburt am Hofe zu London und im Haag dem Prinzen Moritz von Oranien-Nassau mündlich zu melden . . . Es folgte nun eine Zeit, die den guten Leuten am Niederrhein maasslose Prüfungen auferlegte. In jenem Jahre 1636 hausten die Spanier schrecklich in der Stadt. Der Kurprinz hatte seine wissenschaftlichen Studien unterbrochen und weilte in der Nähe, im holländischen Kriegslager. Seinen Bitten gelang es wenigstens, nachdem der Feind kapitulirt, den Uebermuth der Sieger zu zügeln. Er schreibt darüber die folgenden bemerkenswerthen Zeilen an seinen kurfürstlichen Vater:

"Ew. Gnaden berichte ich. Hiemit unterthänig, was gestalt die Spanischen auch aus Cleve den 28. Aprilis stil. Vet. Gezogen sein, und hat Graf Wilhelm von Nassau der Feldmarschall Ew.

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Gnaden darinnen gute Dienste und Affection bezeiget, auch in der Kapitulation fleissige Vorsehung gethan, dass der Stadt und dem Schloss kein weiter Schaden geschehen, und nichts ruinirt, noch daraus entwandt worden. Die Fortifikationen seind geschlichtet. Die Häuser in der Stadt sollen ziemlich verwüstet und durchbrochen sein, aber im Schloss ist alles ganz und ungeschändet geblieben, und die Gemächer seind noch ganz hübsch und im vorigen guten Wesen. Auch ist nichts daraus wegkommen, als nur etliche alte Kleider aus dem Schwanenthurm . . .

Ew. Gnaden unterthäniger gehorsamer Diener und Sohn Friedrich Wilhelm, Marggraf.

Datum Arnehm den 1./11. May Ao. 1636" .

Eine gute Meinung hatte sich in Stadt und Land über den jungen Erben der brandenburgisch-preussischen Krone verbreitet. Man wünschte den warmherzigen Prinzen in der Stellung eines clevischen Statthalters. Aber dagegen erklärte sich der von Graf Schwarzenberg geleitete Kurfürst wiederholt und entschieden, obwohl - er selber einst in jener Stellung am Niederrhein residirt hatte . . .

Also erst zehn Jahre später sollte Friedrich Wilhelm diese anmuthige Gegend wiedersehen. Vorläufig handelte es sich noch nicht um ernste Regierungsgeschäfte, um den wirthschaftlichen Wiederaufbau des durch den spanisch-holländischen Krieg noch immer völlig erschöpften Landes. Es galt bloss auf der Schwanenburg Vorbereitungen zum Empfang der künftigen Kurfürstin zu treffen. Denn Friedrich Wilhelm hatte endlich - wie Otto von Schwerin in seinem Erziehungsjournal53 bemerkt - "im Namen des Allerhöchsten im J. 1646 beschlossen, Seiner Hoheit Prinz Friedrich Heinrichs von Oranien glorwürdigsten Angedenkens älteste Tochter Prinzessin Louise zu heirathen und zu dem Ende eine Reise nach dero Herzogthum Cleve vorgenommen".

Am 29. September verliess der kurfürstliche Bräutigam Berlin. Um an dem glänzenden Hofe der Oranier standesgemäss zu erscheinen, entsandte er zuvor den Obristen Potthausen nach Hamburg zum Einkauf von Schmucksachen. Zu diesem Zweck

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lieh ihm die Kurfürstin-Mutter 8000 Thaler. So einfach, prunklos es in seiner täglichen Umgebung aussah, so sehr liebte der junge Monarch, wie an andrer Stelle schon bemerkt, nach aussen zu repräsentiren und Festlichkeiten mit vielem Pomp zu begehen. Sein Hochzeitsgefolge, bestehend aus O. von Schwerin, Konrad von Burgsdorf und Erasmus Seidel, erhielt Prachtgewänder, seine Hofbedienung neue Livreen. Ausserdem schuf er sich eine Leibwache von 300 Reitern und 500 Musketieren. Gekleidet war er am Vermählungstage "in weissen Atlas mit goldenen Bordüren und einem reichen Besatz von Diamanten, so dass der Atlas darunter verschwand . . . Die kurfürstliche Braut erschien in einem Anzuge aus goldigem Stoff; die Schleppe von 9 Ellen wurde von ebenso vielen Grafen getragen. Auf ihrem Haupte trug sie eine Krone von Diamanten und Perlen".54

Nachdem die Vermählung am 27. November wegen des schlechten Gesundheitszustandes des Vaters der Braut, des Prinzen-Statthalters, ziemlich geräuschlos gefeiert war, zog das junge kurfürstliche Paar gegen Ende Dezember in Cleve ein, wo es mit geringen Unterbrechungen bis Oktober 1649 residirte.

Von der freudigen Geburt des Kurprinzen Wilhelm Heinrich im Mai des voraufgegangenen Jahres nahm sogar jenes lateinisch geschriebene Tagebuch des Konstantin Huygens, des berühmten holländischen Staatsmannes und Dichters, Notiz. In den ehrwürdigen Sälen der Schwanenburg fand die Taufe statt, und einige Zeit darauf wurde hier Huygens als Gesandter in Audienz empfangen . . . Auf der Reise in die Mark starb der Kurprinz.

Zwei Mal hatte der Kurfürst währenddessen Cleve verlassen und den Haag aufsuchen müssen, schon im März und im Mai 1647. Sein erlauchter Schwiegervater, der Prinz von Oranien, war schwer erkrankt und am 14. März in der Frühe gestorben. Erst am 10. Mai veranstalteten die Generalstaaten ein feierliches Leichenbegängniss, das der Zeichenstift des Pieter Post, eines Architekten aus dem Freundeskreise des Huygens, durch eine Publikation verewigte (1651).

Welch ein tief bewegender Anblick! Voran ging eine Gruppe von Leuten verschiedenen Standes, dann folgte der pompöse Wagen mit den sterblichen Ueberresten eines Feldherrn und Staatsmannes, unter dessen Führung die niederländische

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Republik zur Weltmacht erwachsen war. Die Zipfel des Leichentuches hielten der greise Feldmarschall Brederode und drei Verwandte des hohen Entschlafenen, darunter Graf Moritz von Nassau, und in der Nähe schritt die elastische schlanke Gestalt des jungen Hohenzollers, dann weiter der lange wehmüthige Zug der übrigen Leidtragenden . . . Friedrich Wilhelm hatte nicht bloss das glänzende militärische und staatsmännische Vorbild verloren, sondern auch den einzigen aufrichtigen Bundesgenossen.

Nach etwa zwanzigmonatlicher Abwesenheit nahm das kurfürstliche Paar abermals in Cleve einen längeren Aufenthalt von Juni 1651 bis September 1652. In der Zwischenzeit war die Leitung der dortigen Regierung den Händen eines Stellvertreters, jenes Johann Moritz von Nassau anvertraut.

Schon seit dem Frühjahr 1646 sollen Unterhandlungen geschwebt haben behufs Eintritt des Grafen in den kurbrandenburgischen Dienst. Kurfürst und Kurfürstin verehrten ihm ihre, von dem Pinsel eines Gerard van Honthorst in ganzer Figur gemalten Bildnisse.55 Seine Anstellung als Statthalter datirt vom 19. Oktober 1647 und bezieht sich auf das Herzogthum Cleve, die Grafschaft Mark und die Grafschaft Ravensberg, welche letztere indess vorübergehend von seiner Verwaltung getrennt wurde, bis sie ihm sammt dem Fürstenthum Minden später wieder zufiel. Die 1652 erfolgte Erhebung des Grafen und des ganzen nassauischen Hauses in den Reichsfürstenstand durch Kaiser Ferdinand III. geschah sicherlich nicht ohne Zuthun Kurbrandenburgs. In demselben Jahre wurde Moritz auch Meister des Johanniterordens zu Sonnenburg in der Mark.

Jene Befürchtung, dass zweien Herren unmöglich zu dienen sei, schien sich anfänglich bewahrheiten zu wollen. Waren die Generalstaaten im Jahre 1657 unwillig über den zu grossen Eifer des clevischen Statthalters, so war der Kurfürst vier Jahre darauf nicht minder ungnädig über den Ehrgeiz des holländischen Generals, der sich hinter seinem Rücken um die Würde eines Feldmarschalls der Republik bewarb, die ihm freilich erst 1665 zu Theil wurde. Aber diese Differenzen wurden auf beiden Seiten so rasch gelöst, wie sie entstanden waren. Moritz hat das in ihn gesetzte beiderseitige Vertrauen durch seine Lei-

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stungen vollkommen gerechtfertigt und die ausserordentlichen Gunstbezeugungen redlich verdient, durch welche ihn der Kurfürst dauernd an sich zu fesseln suchte.

Mit Bezug auf dessen zweiten Aufenthalt in Cleve fliessen die Quellen recht spärlich. Nur dass hier im Januar 1652 die Verhältnisse des kurfürstlichen Hofstaates, der von Jahr zu Jahr anwuchs, materiell geregelt wurden, entnehmen wir aus dem Anhang des zweiten Bandes von Königs historischer Schilderung von Berlin.

Nach einem Zeitraum von mehr als zwei Lustren begegnen wir der kurfürstliche Familie im Jahre 166156 abermals am Niederrhein. Nach dem kurzen Dasein eines zweiten Sohnes (Heinrich), war inzwischen die Geburt der Prinzen Karl Aemil und Friedrich erfolgt, die bereits zu lerneifrigen Kindern herangewachsen waren, als das Hoflager im November 1665 zum vierten Male nach Cleve verlegt wurde.

Das schon erwähnte Erziehungsjournal O. von Schwerins berichtet uns auch von verschiedenen intimen Vorgängen aus dem clevischen Hofleben der sechsziger Jahre, für den freundlichen Leser gewiss nicht ohne Interesse. Wir wollen sie einfach nach der Zeitfolge aneinanderreihen und mit einigen Ergänzungen versehen.

1665:

"Nov. 7. . . . Nach Essen sind die sämmtlichen Clevischen Räthe gekommen und haben den Prinzen gratuliret, dann der Churprinz selbst geantwortet, um 2 hat der Churprinz gezeichnet . ."

"Nov. 15. . . . nach welchem Fürst Moritz mit einigen Offizieren gekommen und Abschied genommen und wieder nach dem Lager gezogen . . ."

"9. Dez. . . . und darauf in dem Springenberg spazieren gefahren . . ."

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(Von der Anlage und Ausschmückung des Springberges wird noch weiter unten die Rede sein.)

"15. Dez. . . . und, darauf das Haus besehen, worin vor diesem die Prinzessin von Oranien logiret . . ."

1666:

"19. März . . . Nach Essen zu den Churfürstlichen Eltern gegangen, und weil der französische Abgesandte Mons. Colbert eben des Königs Praesente als ein grün sammeten Bett reich von Gold gesticket mit den zugehörigen Stühlen, schöne Tapeten, einen schönen Spiegel von Silber, Tisch mit 2 Gueridons und Silberne Krone mit Leuchtern praesentiret und solches Alles in der Churfürstin Kammern aufschlagen lassen, haben die Prinzen Urlaub erhalten, dabei zu bleiben ..."

"23. März . . . um 2 sind die holländischen Dependirten, so von der Generalität (Generalstaaten) anhero geschicket, um mit S. Churf. Durchl. wegen der Campagne nach Münster zu deliberiren etc."

"29. März . . . um 11 hat der holländische Gesandte die Prinzen besuchet, auch an einen Jeden Schreiben von den Herren-Staaten gebracht und zu Mittag bei Ihnen gegessen . . ."

Liest man von diesem regen Gesandten-Verkehr am clevischen Hofe, so findet man die Worte, mit welchen L. v. Orlich die vorliegende kurze Geschichtsperiode kennzeichnet, nicht zu überschwänglich: "Friedrich Wilhelms Aufenthalt in Cleve im J. 1666 ist eine der glänzendsten Perioden seines politischen Lebens; alle Grossmächte Europas senden ausserordentliche Gesandte dahin, um sich des Beistandes oder Rathes dieses grossen Fürsten zu versichern". Seiner damaligen Beziehungen zu den Holländern, bei Gelegenheit ihres Krieges gegen den Bischof von Münster und gegen England, hatten wir schon oben (S. 9) ausführlich gedacht. Wir hatten an jener Stelle auch die Reise geschildert, die Friedrich Wilhelm in Begleitung des Fürsten Moritz von Cleve nach Texel unternahm, um die unter Führung des Admirals de Ruyter gegen England ziehende holländische Kriegsflotte abfahren zu sehen.57 Darauf bezieht sich die folgende Notiz im Schwerin'schen Journal: -

" 10. Mai . . . Des Abends auch wieder allda gegessen, und weil der Churfürst die Nacht nach Holland verreisen wollte,

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haben Sie (die Prinzen) Abschied genommen, da Sie denn sehr geweinet."

"24. Juli ... Nach 11 sind wir in den Thiergarten gefahren, da Fürst Moritz die Prinzen, wie auch den jungen Prinzen von Nassau, tractiret. Um 3 wieder zurückgefahren".

Natürlich weilte gelegentlich auch die Mutter der Kurfürstin Louise Henriette, die Prinzessin-Wittwe von Oranien, auf der Schwanenburg. An ihrem Namenstag (28. August 1666) fand Festtafel statt, wobei der Kurprinz Karl Aemil die Gäste durch einen auswendig gelernten Vortrag erfreute. Schwerin verdanken wir eine genaue Skizze dieser Festtafel. Inmitten sass "Ihre Hoheit", ihr zur Rechten der Kurfürst, dem als Tischnachbarin eine Fürstin von Nassau und dann der junge Prinz von Oranien folgte, derselbe, welcher später den Thron von England besteigen sollte. Auf der anderen Seite sassen die Kurfürstin und am linken Tafelflügel der Kurprinz zwischen einer Prinzessin von Kurland und seinem Bruder Friedrich, Unter den Gästen, die gegenüber der Prinzessin-Wittwe an der Rückseite der länglichen Tafel sassen, heben wir nur den Statthalter Fürsten Moritz und den Erzieher der Prinzen, den Verfasser des Journals, hervor.

Auch am 15. Oktober gab es eine glänzende Festlichkeit auf der Schwanenburg, und zwar zu Ehren der clevischen Landstände, die an jenem Tage dem Kurfürsten ihre feierliche Huldigung darbrachten.

Zehn Tage darauf brach der Hof wieder von Cleve auf. Der Kurfürst und die Prinzen trennten sich zur Rückreise nach Berlin von der Kurfürstin, die sich nach dem Haag zu ihren oranischen Verwandten begab. Es spielte sich dabei eine rührende Familienscene ab. Die fürstliche Frau war schon damals, durch häufige Krankheiten geschwächt, keine blühende Erscheinung mehr. Ein Jahr darauf wurde sie den Ihrigen in der Heimath fortgerafft. Und im Jahre 1674 folgte ihr der Kurprinz Karl Aemil im Tode.

Noch einmal, im Sommer 1686, hatte die mit der kurfürstlichen Regierung längst versöhnte Stadt die Freude, Friedrich Wilhelm den Grossen in ihrer Mitte zu begrüssen. Es mochte seinerseits ein schmerzliches Wiedersehen gewesen sein. Hatte er doch seinen rheinisch-westfälischen Ländern im Frieden zu St. Germain (1679) das nicht zu verschmerzende Opfer des Verzichts auf das ganze Vorpommern bringen müssen. Dazu war

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in demselben Jahre der Verlust seines treuen clevischen Statthalters Moritz von Nassau, dem nach einiger Zeit (1681) der Kurprinz im Amte folgte, gekommen . . . Vieles hatte sich inzwischen geändert. Wie einst, zur Zeit seiner ersten Ehe, das östliche Königsberg von der anmuthigsten seiner Residenzen, dem niederrheinischen Cleve verdrängt wurde, so verdrängte später Potsdam, der sonnige märkische Havelort, in seinem Herzen die freundliche Stadt des Helias Gral.

Als Johann Moritz von Nassau-Siegen sein kurbrandenburgisches Amt antrat, war, wie wir oben gehört haben, Cleve ein heruntergekommener, halb verfallener Ort, der noch durchaus nicht die Folgen jahrzehntelanger Wirrungen und Kämpfe überstanden hatte. Und als der Fürst hier das Zeitliche segnete, war die Residenz eine blühende, heitere, reizende Stätte.

Wie er das zu Wege brachte?

Ja, ein Mensch mit so eifriger Bethätigung seiner künstlerischen und praktisch-philosophischen Neigungen, wie Moritz, gleicht einem befruchtenden Regen, der, über eine Wiese geschwemmt, Alles zum Grünen und Blühen bringt. Unvermählt, hing er mit allen Fasern seines Herzens an dem durch Kunst und Wissenschaft veredelten Lebensgenuss. Am hügelreichen Niederrhein liess sich solchem Lebensgenuss wohl huldigen! Das erkannte der geübte Blick des Fürsten, der einst als holländischer Gouverneur im fernen Brasilien Moritzstadt und Boavista gegründet und die sumpfige Küstenstrecke von Pernambuco in ein zweites Eden verwandelt hatte . . .

Bezeichnend für den Charakter unseres Helden ist seine erste Unterredung mit dem Bürgermeister Niess auf dem Schlosse zu Cleve. Sie fand drei Tage nach seiner Ernennung am 22. Oktober 1647 statt. Laut Magistratsprotokoll fragte Moritz den p. Niess, "ob er wohl im Haag gewesen und dort die Alleen gesehen? Hier (in Cleve) hätte der Wayenberg einen trefflichen Prospekt . . . Also wollte Se. Excellenz vernehmen, ob er nit einige Wege als vom Mühlenberg und Galgenberg und sonsten bis zum obersten Theil dieses Wayenbergs gemacht worden möchten, so dass mit Karossen zu unseres gnädigen Churfürsten

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und Herrn und dero Komitats sonderbarer Recreation vor und nach zu gebrauchen, welches der Herr Bürgermeister einem gesammten Magistrat vorzutragen auf sich genommen". Magistrat beschliesst darauf, zunächst zu erfahren, wohin die Wege führen, wie lang und breit sie sein sollten und welche Entschädigung der Stadt angeboten werde. Dieses Bild wiederholt sich in fast regelmässigen Zeiträumen. Immer finden wir auf der einen Seite eine um ihre Eigenthumsrechte ängstlich besorgte, hartnäckige weltliche oder geistliche Behörde, auf der anderen Seite den unternehmungslustigen Statthalter, der, allen Schwierigkeiten zum Trotz, seine Verschönerungsprojekte verwirklicht.

Zunächst sind die Veränderungen innerhalb des Stadtschlosses, der Schwanenburg, zu erwähnen, bei deren Ausbau der Kurfürst seinem Statthalter völlig freie Hand liess. Die Burg, welche ehemals vier verschieden hohe Frontthürme besass, ist heute eine um zwei Höfe gruppirte, unregelmässige, aussen auffallend monotone Anlage von gewaltigen Dimensionen, In diese gleichmässig abgedeckte Baumasse bringt nur jener 1439 begonnene wuchtige Schwanenthurm an der Nordseite einiges Leben hinein. Ein Lokalhistoriker beklagt es, dass Moritz sich nicht einfach auf die Restauration des altclevischen Fürstensitzes beschränkt habe. Er vergisst dabei, dass frühere Jahrhunderte in solchen Dingen minder pietätvoll als unsere Gegenwart dachten und, entsprechend ihrem rein praktischen Gesichtspunkt, einfach kassirten, was ihnen bei den alten Bauten unnütz erschien, und ebenso naiv das Nothwendige hinzufügten. Schon 1651 handelte es sich um dringende Renovationen und um die Ausstattung einiger Gemächer mit Antwerpener Tapeten. Nachdem der Kurfürst dann zwölf Jahre später den ihm zugesandten Plan einer durchgreifenden Veränderung der Burg genehmigt, liess Johann Moritz im Hofe einen kurzen Querflügel an Stelle einer Terrasse, welche das sogenannte Herzog Johannsthor enthielt, errichten. Das jetzige Portal dieses Flügels zeigt als Dekoration das brandenburgische Wappen mit dem Kurhut und der Jahreszahl 1664.

Ferner liess Moritz den einen Hof ganz, den anderen blos an einer Seite mit Arkaden umgeben. Die Veränderungen im Innern betrafen das kurfürstliche Quartier, den grossen Speisesaal, sowie ein nach dem Bergabhang zu neu angelegtes Privatkabinet. Um dies Alles fertig zu bringen, liess Friedrich Will-

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helm eine gerade disponible Summe von 14 000 Thalem auf den Schlossbau verwenden. Dafür vernahm er auch von Moritz mit grosser Genugthuung, dass viele respektable Fremde von Nah und Fern herbeikämen, um die Schwanenburg in ihrer neuen Verfassung zu bewundern.

Noch am 26. November jenes Jahres 1664 waren Gelder für den Bau nöthig58, doch schon wenige Tage darauf konnte, Moritz seiner Gratulation zu den Zwillingen, welche die Kurfürstin geboren, die Worte hinzufügen: "Ew. Kurfürstl. Durchlaucht werden ein neues gemächliches Schloss . . . hiesige Stadt aus- und inwendig verziert allhier finden".

Auf die Burg bezieht sich auch die Nachschrift eines Briefes des Statthalters vom 10. September 1664, die mir in ihrem treuherzigen Ton so charakteristisch für den Schreiber schien, dass ich sie dem Leser nicht vorenthalten wollte:

"Gnädigster Herr, allhier am Schloss unter Ew. Durchlaucht Kabinet hat am Hange des Berges den 28. August eine Nachtigall des Morgens und des Abends angefangen zu singen und continuiret darin annoch. Welches viele Menschen mit Verwunderung, ich auch selbst, angehört haben. Ut in litteris. Verhoffe, weil es ein lieblich Vögelein ist, was Gutes bedeuten werde".

Weitere Zeugnisse von Moritz' Bauleidenschaft finden wir, selbst wenn wir seine übrigen von ihm architektonisch und gärtnerisch geschmückten Residenzen Wesel und Sonnenburg als nicht in den Rahmen unserer Schilderung gehörig ausnehmen, in seinen Wohngebäuden in und um Cleve. Nur nebenbei sei bemerkt, dass er hier, wie in Sonnenburg, für die Vergrösserung des reformirten Gotteshauses gegen Ende seines Lebens eine Geldsumme schenkte; desgleichen that der Kurfürst. Als dieser nach seiner ersten Vermählung in Cleve residirte, lag noch "des Kanzlers Haus" in der Nähe der Burg, dicht an der Stadtmauer. Moritz' Absicht war nun, sich ein neues, bequemes und schön gelegenes Wohnhaus am Ende der Goldstrasse zu errichten. Gleichzeitig wollte er den hier befindlichen öffentlichen Verkehr beseitigen, indem er eine Nebenstrasse hinter der Pfarrkirche und dem Friedhofe projektirte, die durch ein neues Thor der alten Stadtmauer ins Freie führen sollte. Da ihn hieran aber die Eigen-

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thumsrechte der Geistlichkeit hinderten, so griff er zu einer List. Er liess in einer geeigneten Nacht (1653) jene Mauer durchbrechen und ein bereit gehaltenes provisorisches Portal schleunigst einsetzen. Dieses Nassauer Thor wurde 1671 nach dem Plan eines Meisters Jansen erneuert. Von hier führt eine herrliche Lindenallee, die gleichfalls von Moritz angelegte, 2600 Schritt lange Nassauer Allee, nach dem Freudenberg, in der Richtung auf Xanten. Doch erst nach mehrjährigen Verhandlungen mit dem Kapitel, in die sich auch der Kurfürst einmischen musste, zu Anfang der sechsziger Jahre, kam der Bauherr in die Lage, über ein genügend grosses Terrain für seinen Prinzenhof und einen daranstossenden Lustgarten zu verfügen. Es heisst, dass dieses einfache kleine Schloss, dessen Front im Grundriss eine dreigetheilte Linie mit zwei flach einspringenden Winkeln bildet, nach dem Plane Pieter Post's und unter Zuziehung des holländischen Generals van Dorp ausgeführt wurde. Heute ist der schlicht verputzte, auffallend schmucklose, mit, einem kraftlosen Hauptgesims abschliessende Backsteinbau ein vornehmes, ziemlich abseits liegendes Hotel.

Dass Moritz an dieser einfachen Wohnstätte, die einen allerdings sehr schönen Ausblick ins Rheinthal gestattet, nicht Genüge fand, werden wir aus der folgenden Schilderung erfahren. Einen Aufenthalt im Prinzenhof scheint er nur im Winter oder, wenn ihn dringende Regierungsgeschäfte in der Stadt festhielten, genommen zu haben. Sonst flüchtete der intime Freund der freien landschaftlichen Natur vom Ufer des Kermesdaals am liebsten hinaus in die waldumkränzten Hügel der Umgebung Cleves, die er unermüdlich verschönerte. Hier müssen wir ihn nunmehr aufsuchen.

Schon während des ersten Aufenthalts des Grossen Kurfürsten in Cleve hatte Moritz seinen Blick auf das südlich von der Stadt gelegene, mit Hügeln, dichten Gehölzen, Wiesen und Gärten bedeckte Terrain geworfen; östlich davon fliesst jenes Flüsschen Kermesdaal mit seiner Verlängerung, dem Spoygraben. Im Jahre 1650 begann der Erwerb der hier gelegenen Besitzungen, der Gutshöfe Ruissberg, Elsberg u. s. w., sowie verschiedener

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Flachländereien, die insgesammt nunmehr die Namen Freudenberg und Freudenthal empfingen. Die Moraste wurden ausgetrocknet, Gebäude errichtet, Alleen auf Deichen und Hügeln gepflanzt und Schmuckplätze angelegt, sodass das Ganze den Charakter eines fürstlichen Lustortes besass. Friedrich Wilhelm fand Gefallen an diesen schönen Veränderungen und übernahm Freudenberg und Freudenthal gegen Erstattung aller seinem Statthalter hierbei verursachten Kosten. Er beschloss sogar, auf dessen Ideen noch weiter einzugehen, die vorhandenen Weideplätze zur Pferdezucht auszunutzen, Fischteiche zu graben und aus den Gehölzen ein umzäuntes Jagdterrain zu machen. So entstand der sogenannte alte Thiergarten bei Cleve.

Im Revier des Freudenbergs baute sich Moritz ein Landhaus. In reizender Lage erhob es sich am Rande einer kleinen waldigen Anhöhe, rechts am Wege nach Berg und Thal; es brannte schon im Jahre 1669 bis auf den Grund ab. Nicht der Neubau, sondern die ursprüngliche Sommerresidenz des Nassauers interessirt uns. Hier befand sich u. A. ein grosser Saal, der nach Art eines Wintergartens so mit Baumrinden, Moos, Seemuscheln und Spiegelplatten ausgestattet war, dass sich der glückliche Besitzer unter dem freien südlichen Himmel seines einstigen brasilianischen Gouvernements wähnen konnte. Ferner sieht man in den Akten des Staatsarchivs zu Berlin zwei Tuschzeichnungen von H. Feltmann (1654), von denen das eine Blatt eine Laube des Freudenbergs, das andere eine sonderbar geformte freistehende Säule auf Stufen darstellt.

Der Säulenschaft lässt oberhalb die Figur eines Ritters erkennen, der einen mächtigen Kranz mit dem Johanniter-Ordenskreuz trägt, die Spitze des Ganzen bildet eine Krone und ein aus Ringen zusammengesetztes Sonnensystem. Gleichzeitig mit der Entstehung des alten Thiergartens nahm auch die nähere südliche Umgebung der Stadt eine verschönerte Physiognomie an. Inmitten einer Kreuzungsstelle der oben erwähnten Nassauer Allee, die später von den Franzosen allée royale genannt wurde, mit verschiedenen anderen Wegen liess Moritz eine eiserne Feldschlange, die von der Belagerung von Schenkenschanz herrührte, aufrichten. Diese Kanone diente als Postament einer gleichfalls eisernen Statuette des Cupido, der mit Pfeil und Bogen auf einer Kugel stand. Rings herum waren vier umgestülpte Bombenkessel als Ruhesitze gruppirt.

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Bei den Verschönerungen der Gegend wurde auf den malerischen Wechsel von Anhöhen und Thälern Bedacht genommen. Und um diesen zu ermöglichen, liess der Fürst nach und nach an solchen Stellen künstliche Hügel herstellen, wo ein möglichst weiter und schöner Prospekt genossen werden konnte, Den zuerst aufgeworfenen Hügel nannten die Landleute "Kiek in de Pott", angeblich, weil der Fürst, wenn er bei seinen sehr frühen Morgenspaziergängen hier ankam, sich gern davon überzeugte, dass unten im Thale bei den Bauern schon der Schornstein rauchte, und unwillig darüber war, wenn er das Gegentheil bemerkte. Von den sieben Alleen, die ursprünglich zum Gipfel hinaufführten, nahmen drei in der Nähe des Cupidoplatzes ihren Anfang, sie bestanden aus Kastanien und Nussbäumen. Beim Cupido erhob sich auch die grössere Anhöhe des einst dicht belaubten Sternbusches, dessen Spitze Moritz dadurch zum prächtigen Aussichtspunkte machte, dass er von hier aus auch Fahrwege strahlenförmig durch das Dickicht schlagen liess. Als die Abreise Friedrich Wilhelms von Cleve im September 1652 bevorstand, schloss er mit seinem Statthalter einen Vertrag, wonach diesem der alte Thiergarten ad dies vitae nicht bloss zum Aufenthalt, sondern auch zur unbeschränkten Nutzniessung übergeben wurde.

Zu diesem Kontrakt gab aber die schon erwähnte sogenannte brasilianische Sammlung Anlass, welche der Kurfürst unter allen Umständen besitzen wollte. Das provisorische Geschenk des Thiergartens, dessen alleinigen Genuss sich Friedrich Wilhelm nur für einen etwa erfolgenden Besuch in Cleve vorbehielt, war nämlich ein Aequivalent für die Summe von 50 000 Thalern, welche zum Ankauf jener Raritäten festgesetzt war. Indess bemerkt Moritz in einer Urkunde des Staatsarchivs zu Berlin ergänzend: "Anno 1652 habe den Freudenberg bekommen gegen einige raritäten auf 50 M. Thaler estimirt; davon noch an Seiner Churfürstlichen Durchlaucht und Dero Erben zum Besten aus eigenem movement mit unterthänigster affection laut Contract 25 M. Thaler Ich freiwillig nachgelassen habe". Diese Summe wurde später wohl vom Kurfürsten bezahlt.

In dem freiwilligen Nachlass bekundet sich Moritz‘ Dankbarkeit und seine in Geldangelegenheiten stets bewiesene vornehme Gesinnung. Die Abmachungen zwischen den hohen Parteien finden sich übrigens unter den clevischen Akten des er-

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wähnten Archivs, die auch das in zwei Fassungen vorhandene Verzeichniss jener aus 29 Nummern bestehenden Raritätensammlung enthalten. Wir lesen in dem Verzeichniss der Sammlung, die sich aus brasilianischen und afrikanischen Naturprodukten, aus wissenschaftlichen und künstlerischen Werken zusammensetzte, von Elfenbeinzähnen, geschnittenem Elfenbein, Sakardanenholz, ferner von Gemälden, Skulpturen, kunstvoll ausgeführten Gebrauchsobjekten, Waffen, illustrirten naturwissenschaftlichen und militärischen Büchern. Der Verbleib der Mehrzahl dieser Schätze ist heute nicht mehr nachweisbar. Die gedruckten Bücher und illuminirten Manuskripte dürften später grossentheils in den Besitz der Berliner königlichen Bibliothek gelangt sein.

Nur drei Nummern des Verzeichnisses seien des künstlerischen Interesses wegen hervorgehoben. No. 13 bezieht sich auf einige in Brasilien gefertigte landschaftliche Malereien, als deren Urheber Franz Post gehalten wird und zwar auf Grund einer Bemerkung des alten Künstlerbiographen Arnold Houbraken.59 Die Bilder werden folgendermassen erläutert: "Sieben grosse Stück Schildereyen mit Oelfarben, 7 brabantsche Ellen hoch jedes Stück, in einem grossen Saal als Tapeten zu gebrauchen, worin nach dem Leben und in Lebensgrösse repräsentirt worden die Indianer in unterschiedlichen Provinzen mit allen in jedweder befindlichen vierfüssigen und andern Thieren als Fische, Vögel, Schlangen, Würmern, Bäume, Früchten, Kräutern, Blumen, Alles schön angeordnet; Item noch 3 (? 9) kleine Stücke unter die Fenster, conform und nach Verhältniss der grossen. Und ist dergleichen niemals gemacht, noch in der Welt zu finden, daher es von den Kunstverständigen als unschätzbar erachtet wird". Man vermuthet, dass diese Tapeten später als Geschenk des Kurfürsten an den dänischen Hof weiter gegeben worden sind und dass sie wohl mit jenen Darstellungen identisch sind, welche Humboldt (Kosmos II S. 85) auf dem Schlosse Fredericksborg bei Kopenhagen gesehen hatte. Unter No. 26 werden "2 Statuen, von Blei gegossen, in Lebensgrösse" angeführt, über welche nichts Näheres bekannt ist; sie standen vielleicht im alten Berliner Lustgarten. No. 27 lautet: Die vier Prinzen von Oranien, Brustbilder, in weissem Marmor künstlich ausgehauen, von dem Italienischen, Meister Franzesco Diessatt". Dass dieser Italiener kein anderer als, der Wallone Franz Du-

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sart ist, kann nicht bezweifelt worden. Auf die betreffenden vier Büsten werden wir an anderer Stelle zurückkommen.

Doch kehren wir nach diesen Abschweifungen zu Johann Moritz und seinen clevischen Unternehmungen zurück

Es war eine ältere Idee, auf welche der Statthalter im Jahre1656 plötzlich zurückkam, als er mit dem Magistrat wegen Abtretung eines Theils des nahen Stadtwaldes gegen Ueberlassung des dem Kurfürsten gehörigen Maselberges erfolgreich unterhandelte. Wir hörten oben, dass Fürst Moritz bereits unmittelbar nach Uebernahme seines Postens in Cleve mit dem Bürgermeister eine, auf den nordwestlich von der Stadt gelegenen Wayenberg bezügliche, Unterredung gehabt hatte. Dieser Hügel hat für die Bürger durch seine Nähe besonderen Werth, weil es den Armen erlaubt war, hier Laubholz zu sammeln und in die Stadt zu tragen. Doch wollte der kurfürstliche Oberjägermeister von Hertefeld, auch nachdem der Statthalter mit der ihm eigenen Raschheit der Entschliessung die Verschönerung des neuen Terrains bereits begonnen, von dem Umtausch nichts wissen, weil der Maselberg, im Gegensatz zu dem schlechten Boden und dem schlechten Nadelholz des Stadtwaldes, den besten Boden und das schönste Holz besass und also trotz des geringen Umfanges einen weit grösseren Werth repräsentirte. Und um nun den Austausch im letzten Augenblick zu hintertreiben, traf er Vorbereitungen, auf dem Maselberg Holz herunterzuschlagen, was den Magistrat bestimmte, einen dementsprechenden Beschluss für seinen Stadtwald zu fassen, einen Beschluss, der den Statthalter in eine ungeheure Aufregung versetzte.

Bevor wir den Verlauf der Dinge weiter verfolgen, müssen wir zur Orientirung des Lesers, bezüglich des strittigen Terrains, bemerken, dass die Stadtberge gleich dem Maselberg Theile jenes uralten Reichswaldes bildeten, der sich zwischen den Ortschaften Nymegen, Cleve und Goch ausdehnt. Für den Statthalter und seine projektirte Anlage eines neuen Thiergartens handelte es sich in der Hauptsache und zunächst bloss um ein Stück des Stadtwaldes an der Kavariner Landstrasse, die in nordwestlicher Richtung nach Donsbrüggen und Nymegen führt.

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Abgesehen von dem Wunsch, die landschaftlich herrlichsten Partien der Umgebung der Stadt allmählich sämmtlich in seinen Besitz zu bringen, um hier eine von Jedermann angestaunte kurfürstliche Sommerresidenz zu schaffen, mag noch ein besonderer Vorzug des Stadtwaldes Moritz' Interesse erweckt haben. Bestach ihn bei der südlichen Umgebung Cleves der anmuthige Wechsel von Berg und Thal, so kam hier im Nordwesten noch das Wasser als neues und wesentliches Element der Ausschmückung hinzu. Dicht an der Kavarinerstrasse, am Ostabhange des sogenannten Springberges, wo später der bereits erwähnte Badeort Cleve entstand, sprudelten nämlich verschiedene Quellen. Moritz fasste daher an dieser Stelle, welche den Mittelpunkt seiner Verschönerungen bilden sollte, von vornherein die Anlage von Fontainen ins Auge. Ja, noch mehr; er wählte hier den Ausgang einer nach Norden gerichteten Kanalverbindung mit dem Rhein und also mit den Hauptplätzen der nördlichen Niederlande. Schönheit und Nutzen sollten sich dabei die Hände reichen. Denn einerseits passt das tiefdunkle, mit Bäumen besetzte Wasser des Kanals, der einen Fernblick über den Rhein nach dem Eltener Berg und dessen Kirchthurm gestattet, überraschend schön in den Rahmen des künstlich veränderten Landschaftspanoramas; andererseits galt es für den an Nahrungsquellen gewiss nicht reichen Ort eine vielleicht ergiebige Schifffahrt zu begründen.

Eine Rheinverbindung bestand übrigens schon, und zwar durch den weiter östlich fliessenden Spoygraben, der indess eine Strecke weit für Lastfahrzeuge völlig unzureichend und erst in der Nähe der Schleuse schiffbar war. Auch letzteres scheint ein Verdienst unseres Helden zu repräsentiren, wie ich aus der Nachschrift eines am 4. Dezember 1659 an den Kurfürsten gerichteten Berichts zu entnehmen glaube. Sie lautet: "Ein grosses Schiff liegt allhiero an der Steinbrücke, mit welchem ich morgen, beliebt es Gott , nach dem Haag werde fahren; ist das erste, so durch die Schleuse kommt".

Aus einem früheren Schreiben des Statthalters, welches am 27. September 1656 an den Kurfürsten gerichtet wurde, geht hervor, dass jener die Ausführung seines neuen Lieblingsplanes mit ausserordeutlichem Eifer hatte beginnen lassen, trotzdem die Frage der Entschädigung für die Stadt noch in keiner Weise erledigt war. Moritz schreibt u. a.: Ew. Durchlaucht wollen mir festiglich glauben, hab auf meine Kosten diesen Ort mit

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Durchhauen von Alleen und mit Fontainen und Anderem so accomodirt, dass Ew. Durchlaucht contentement darob nehmen werden. Tausent von Menschen kommen diesen Ort sehen und müssen selbigen loben. Graf Christian von Dohna60 hat ihn in Augenschein genommen, auch meine Desseine begriffen . . .Werde Alles auf meine Kosten verfertigen lassen und um Ew. Durchlaucht gütiges Urtheil anhalten". Mit grossem Aufwand von Worten und einem fast jugendlich erscheinenden Enthusiasmus sucht er sodann alle berechtigten oder doch möglichen Bedenken, noch bevor sie der Kurfürst geäussert, im Keime zu unterdrücken. Er schildert seinem Herrn schliesslich auch die praktischen Vortheile dieses neuen Thiergartens, wo "man ein Gestüt kann halten, dazu ist kein bequemerer Ort in der Welt als dieser, wegen der Wiesen und Berge und was davon dependirt".

Angesichts der Eigenmächtigkeit und Schnelligkeit, womit Moritz auf fremdem Grund und Boden drauflos wirthschaftete, wurde der guten Stadtbehörde doch angst und bange. Bürgermeister, Schöffen und Räthe von Cleve richteten deshalb an den Kurfürsten ein Memorial, in welchem es heisst: "Durchlauchtigster Churfürst, gnädigster Herr. Es haben am 4. Augusti verwichenen 1656. Jahres des Herrn Statthalters Prinzen Moritz zu Nassau u. s. w. Uns in Gnaden zu erkennen gegeben, welcher gestalt gut gefunden hatten, an hiesiger Springen eine vortreffliche Fontaine erbauen zu lassen, und dahero gnädig gesonnen, dass selbiger Ort sammt einem Distrikt von dieser Stadt Berg und Wald . . . Ew. Durchlaucht zum gnädigsten Gefallen abzutreten . . . Ob nun wohl dieser Ort fast das beste Theil des ganzen Stadtberges ist . . . so haben wir dennoch aus sonderbarer zu Ew. Durchlaucht tragender unterthänigster devotion mit Vorwissen und Bewilligung dieser Stadt . . . in Ausrodung der Alleen gewilligt u. s. w." Nach solcher Betonung ihrer Zugeständnisse treten dann die Stadtvertreter mit ihren berechtigten, aber noch immer unerfüllt gebliebenen Forderungen hervor. Sicherlich war Moritz nicht schuld, wenn durch die hartnäckige Weigerung des kurfürstlichen Oberjägermeisters, den Maselberg

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herzugeben, die Entschädigungsfrage so hohe Schwierigkeiten verursachte.

In seiner Aufregung und Furcht, die Stadt werde gerade die schönsten Bäume seines künftigen Besitzes herunterschlagen, richtete er am 8. August 1657 ein für die Beurtheilung seiner Person höchst merkwürdiges Schreiben an das kurfürstliche Hoflager: "Den Ort, welchen zu Ew. Durchlaucht delectation allhier hab auserwählt, wird unter der Hand so admirabel schön und angenehm, dass viele vornehme und auch gewöhnliche Leute aus Holland kommen express und allein diesen Ort zu sehen, mit Verwunderung, dass die Fontainen so hoch haben können getrieben werden". Weiter schreibt er, dass er mit grosser Mühe so viel von dem Eigenthum des Magistrats erlangt habe, um Alles nach seinem Sinn machen zu können, und zwar in der Hoffnung, dass der Kurfürst der Stadt ein Aequivalent in dem Maselberg, auf dem diese nunmehr energisch bestände, gewähren würde. Damit nun der Kurfürst nicht zu kurz käme, seien zur Begutachtung neutrale Personen zugezogen worden, deren Protokoll beiliege. Weil aber der Oberjägermeister von Hertefeld den Maselberg dieses Jahres abzuschlagen beabsichtige, so werde die Stadt solches auch in ihrem Walde thun, wodurch "dieser schöne Ort, der weder in Italien noch Frankreich seines Gleichen hat, geschändet und Alles, was bis jetzt gemacht, verloren sein würde". Daran knüpft er nun die Bitte, dem Oberjägermeister das Abhauen des Maselbergwaldes schleunigst zu untersagen, so lange bis sich der Kurfürst persönlich oder durch Abgesandte von der Trefflichkeit des neuen Werkes unterrichtet hätte. Sonst würde er, nachdem das Unglück geschehen, zweifellos den von Hertefeld und alle übrigen Schuldigen in den tiefsten Abgrund der Hölle verfluchen, wodurch freilich nichts wieder gut zu machen wäre.

Dieses fulminante Schreiben verfehlte natürlich nicht den gewünschten Zweck, und dem Oberjägermeister wurde durch eine kurfürstliche Verfügung aus Königsberg (datirt 24. August 1657) das Abbauen auf dem Maselberg bis auf Weiteres streng untersagt. Am interessantesten aber ist für uns an dem Schreiben des Statthalters wieder jene Nachschrift, die mit Bezug auf einen der berühmtesten Architekten der Zeit bemerkt: "Monsieur van Kampen ist allhier, kann selben von diesem Ort nicht abkriegen, ordonnirt noch viele schöne Sachen, Alles ohne Kosten".

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Jakob van Kampen, der Schöpfer des Amsterdamer Rathhauses, dessen titellose Vornehmheit durch das französische "Monsieur" ausgedrückt erscheint, wird dem Fürsten eine ideal wirkende Staffage für die Fontainen, die "so hoch haben können getrieben werden", ordonnirt haben. Er, der uneigennützige Gehilfe befreundeter Edelleute und Stadtregierungen, der einflussreiche Verehrer der Antike, wird für diese Staffage am Abhang des Springberges die Form eines Terrassen-Amphitheaters vorgegeben haben, das später durch den halbrunden Hallenbau König Friedrichs I. erst seinen Abschluss erhalten sollte. Diese Muthmaassung hat viel für sich. Und ich nehme an, dass van Kampen entweder auf Moritz' Einladung hierher gekommen war, und dann kann sich sein Projektiren nur auf dessen damalige Liebingsschöpfung bezogen haben, oder sich im Einverständniss mit dem Amsterdamer Magistrat in Cleve vorübergehend aufhielt. Denn letzterer beabsichtigte wohl damals schon, dem Fürsten mit einem künstlerischen Geschenk eine Freude zu bereiten. Vielleicht sollte der Meister die Wünsche des hohen Kunstfreundes zu erfahren suchen. Drei Jahre darauf kamen von Amsterdam die Geschenke an. Das Hauptstück war eine Statue der kriegsgerüsteten Pallas, aber eine Minerva Tritonia, wie sie der holländische Dichter Vondel sehr richtig nennt.

Kriegsstürme haben der Schöpfung des Nassauers längst ein vorzeitiges Ende bereitet. Das Amphitheater bei Cleve, auch der goldene (oder kupferne) Knopf genannt, besitzt heute ein ganz anderes, minder kunstvolles Aussehen als ehedem. Wir müssen uns daher das ursprüngliche mannigfaltige Bild, an der Hand mittelmässiger alter Abbildungen und kurzer Beschreibungen, zu rekonstruiren versuchen. Gegenüber dem Fuss des Berges, dicht an der Landstrasse, erhob sich eine Bildsäule mit dem sogenannten eisernen Mann, der nur aus einer vollständigen eisernen Panzerrüstung mit grossen Sporen, einem langen Schwert und einem altdeutschen Streitkolben in der Rechten bestand. Einige beziehen diesen eisernen Mann auf den holländischen Attila, Maarten van Rossem, den Geldernschen Kriegsobersten und Bauherrn zur Zeit Karls V., während Andere, wohl mit zweifellosem Recht, von dem tapfern Martin Schenk von Nydeck, dem Erbauer der benachbarten Schenkenschanz sprechen. Der

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Künstler liess die hohe Säule auf Kugeln ruhen und stellte sie auf ein Postament, indem er hier die Inschrift anbrachte:

Omnes natura judices non artifices fecit.

Als König Friedrich Wilhelm II. im Jahre 1788 Cleve besuchte, legte man dem eisernen Ritter ein poetisches Willkommen in den Mund, welches die Verse enthielt:

In meinem Leben war ich brav und bieder, diente gern

In Krieg und Frieden meinem Landesherrn.

Drum stellte, als ich starb, mich Frau Natur

Zum stummen Wächter dieser reizerfüllten Flur.

Hier hatt' ich Musse, Lustren lang, herumzugaffen,

Sah Moritz neue Lustgefilde schaffen,

Sah manches Herz hier laut und manches still entzückt,

Doch nichts hab' ich Merkwürdig'res erblickt,

Als dass ein Amsterdam Minervens kostbar Bild

Hier hingesetzt, und dass gerad' zu meinen Füssen

Zween Löwen gar das Wappenschild

Der stolzen Stadt demüthig halten müssen . . .

Von den vier Fontainen des Bergabhanges sprudelte die unterste in der Höhe von 24 Fuss aus dem Schnabel eines schwarzen Adlers. Rings herum stiegen kleinere Wasserstrahlen empor, während an der Hinterseite des Bassins ein abgestuftes Grottenwerk einen Wasserfall hervorrief, der dem Munde zweier Tritonen und einer bizarren Maske entquoll. Ganz zu unterst aber bildeten hier zwei heraldisch gemeisselte Löwen, die zu den erwähnten Geschenken Amsterdams gehörten und die Wappen jener Stadt und der Provinz Holland hielten, den Abschluss des Ganzen. Die zweite Fontaine mit ihren sternförmigen Wasserstrahlen nahm sich einfacher aus. Die dritte enthielt inmitten einen auf einem Delphin schwimmenden Cupido, der aus einer Muschel Wasser blies, ferner zwei wasserspeiende Enten. Und ganz zu oberst bildete die Statue der Minerva aus weissem Marmor die Hauptzierde der vierten Fontaine und des ganzen, sonst noch mit Vasen und Urnen geschmückten Amphitheaters. Von den Wenigsten nach ihrem künstlerischen Werth geschätzt, wird diese Statue gelegentlich wohl nach einer Legende beurtheilt, an der lediglich das hohe Maass der Uebertreibung bemerkenswerth erscheint. Hierauf nimmt G. von Velsen Bezug, indem er in seiner kleinen Beschreibung von Cleve bemerkt: ,Die Angabe, dass das Werk 100 000 holländische Gulden ge-

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kostet haben soll, wollen wir dahingestellt sein lassen, um so mehr, da nicht einmal der Name des Künstlers auf die Nachwelt gekommen ist". Beides aber ist ein Irrthum. Denn einerseits wissen wir jetzt, dass die marmorne Figur nur 1800 Gulden gekostet, andererseits wird der Name des Bildhauers schon in einem schwungvollen Poem Joost van den Vondels, welches den Titel Armipotens belli praeses, Tritonia virgo" führt, genannt. Der Meister heisst Artus Quellinus d. Ä.: der "Artus Phidias" oder Phidias Quellin" oder "Erzbildhauer der Stadt Amsterdam" - unter welchem Ehrennamen jener holländische Panegyrist den in der That tüchtigsten niederländischen Bildhauer seiner Zeit verherrlicht hat. Fürwahr, eine Pallas Tritonia oder Tritogeneia, das ist eine dem Gefühl des Holländers adäquate Vorstellung dieser Göttin der Weisheit und Tapferkeit. Diese Auffassung der jungfräulichen Göttin als Seebeherrscherin entspricht verschiedenen uralten hellenischen Sagen, von denen die jenige, welche sich auf das Flüsschen Triton in Böotien bezieht, am bekanntesten ist. Das Vondel'sche Gedicht beweist aber auch, dass sowohl Pallas Athene, wie auch der unter ihr auf einem Delphin reitende Capido nicht ohne Anspielung auf den unvermählt gebliebenen Fürsten gewählt worden sind. In freier eigener Uebersetzung lauten die drei ersten Strophen des Gedichts:

Die Weisheit, stolz auf ihr rechtmässig Wappen,

Nicht die entsprungen Jupiters Gehirn,

Vielmehr dem Haupt des Phidias Quellin,

Sie glänzt, durch Geist und Kunst geschaffen.

Moritz wollt sich vor Weiberfesseln hüten;

Doch lüstet's ihn auf seine alten Tag',

Sobald der Held die weise Pallas sah,

Ihr seine Hand in Liebe anzubieten.

Und unser Rathhaus hilft die Eh' vollziehen,

Verehrt dem Fürsten dieses Heldenbild;

Mit Amstels Kreuz, dem stolzen Wappenschild,

Soll es als Schmuck der Fürstenquelle dienen ...

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Bei allen Lokalschriftstellern, welche von dieser Statue Notiz nahmen, finde ich Moritz und nicht den Kurfürsten als den unmittelbaren Empfänger der Amsterdamer Geschenke angegeben; mittelbar kam der letztere natürlich in den Besitz aller Kunstobjekte, welche den neuen Thiergarten schmückten. Um so mehr überraschte mich vor einiger Zeit die Nachricht, dass bei Gelegenheit des Besuchs Kaiser Wilhelms II. am holländischen Hofe (1891) ein auf die Schenkung der Minerva an Kurfürst Friedrich Wilhelm bezügliches Dokument zur Kenntniss des Kaisers gelangt sei. Ich liess mir eine Abschrift dieses Dokumentes kommen61 und stelle fest, dass, trotz einer allerdings abweichenden Angabe, dennoch an der herkömmlichen Auffassung der Geschenkangelegenheit nicht zu zweifeln ist.

Die mir vorliegende Resolution der Amsterdamer Schatzmeister entspricht vollkommen der Quelle Vondels, welcher als lebhaft theilnehmender Zeuge sicherlich gut eingeweiht gewesen sein wird. Sie lautet: 23. Oktober 1659, Syn de Heeren Thesaurieren overeengekomen met Artus Quellinus, dat hy sal maken een Pallasbeeld van acht voeten hoogh op een vase van vier dolphynen, volgens modelle darvan aen de Heeren Burgemeesteren vertoont, omme volgens ordre van de Heeren Burgemeesteren aan Prins Maurits tot eene fontaine te Cleff vereert te worden voor de Somme van 1800 Gulden.

Demgegenüber halte ich den folgenden Vermerk in den Rechnungsbüchern der Stadt für weit weniger beweiskräftig: "6. Oktober 1660 Aan Artus Quillien voor het Pallas beelt by d' Heeren Burgemeesteren vereert aan zyne vorstelyke doorluchtigheid van Brandenburg tot een fonteyn tot Cleeff.. .1800 Guldens".

Mir scheint hier lediglich ein sehr begreifliches Versehen von Seiten des Schreibers oder Buchhalters vorzuliegen. Wenn aber wirklich der Statthalter zu Gunsten seines kurfürstlichen Herrn auf die ehrenvollen Geschenke der Metropole Verzicht geleistet haben sollte, was gewiss seinem grossmüthigen Charakter entspräche, so hätte Vondel wohl auch darauf bedeutungsvoll angespielt und seinen poetischen Gedanken mit Bezug auf Moritz und Pallas Athene leicht eine etwas andere Wendung geben können.

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Moritz zu beschenken lag übrigens damals nahe Veranlassung. Im Sommer 1659 hielt er sich einige Zeit in Holland auf, als gerade ein freudiges Familienereigniss im Hause Oranien-Nassau dazu beitrug, eine Annäherung zwischen Amsterdam, wo die anti-oranische Partei allmächtig am Ruder stand, und jenem fürstlichen Hause herbeizuführen. Im August 1659 fanden im Haag die schon oben erwähnten Festlichkeiten, aus Anlass der Vermählung der dritten Tochter Friedrich Heinrichs, Prinzessin Henriette Katharina von Oranien, mit dem Fürsten und kurbrandenburgischen Statthalter Johann Georg von Anhalt, statt. Allein die Kurfürstin von Brandenburg war aus der Ferne herbeigeeilt62. Nun liess sich der Magistrat der reichsten Handelsstadt Europas nicht die Ehre entgehen, die ganze hohe Hochzeitsgesellschaft nach Amsterdam einzuladen. Auf dem Rathhaus am Dam wurden Fürsten und Fürstinnen gastfreundlich empfangen und durch einen glänzenden Festzug überrascht, dessen allegorische Bestandtheile von dem Dichter Jan Vos ersonnen waren. Die darauffolgende theatralische Aufführung in der Stadschouwburg gipfelte in einer prächtigen Apotheose des neuvermählten Paares, in dessen Nähe Johann Moritz stand, und zwar umringt von den personificirten Kolonien Brasilien, Guinea und Angola.

Ueberhaupt nahm Fürst Moritz jederzeit regen Antheil an den Ehrenfesten der grossen Handelsstadt, deren Poeten zum Dank dafür um seine Volksthümlichkeit recht eifrig bemüht waren. Er sandte den Bürgermeistern für ihre öffentlichen Mahlzeiten von Jahr zu Jahr Wildpret aus den beiden Thiergärten seiner Residenz. Und die Empfänger blieben wahrlich hinter diesen Geschenken nicht zurück, als sie ihm die Minerva Tritonia, vielleicht auf Vorschlag van Kampens, zur besonderen Zierde seiner Lieblingsschöpfung, des Amphitheaters bei Cleve, von dem Meissel ihres tüchtigsten Bildhauers fertigen liessen. Ein anderes Geschenk der Metropole war ein starker Band Radierungen in Folio nach den berühmten Amsterdamer Schöpfungen des Artus Quellinus. Ihr Urheber, ein älterer Bruder des Bildhauers, Hubert Quellinus, hatte dieses Geschenk-Exemplar im Jahre 1655 den Bürgermeistern Franz Banning Cocq, Johann Huydekooper, Nicolaus Tulp u. s. w. mit einem ausführlichen lateinischen Widmungsschreiben eigenhändig überreicht. Man sieht heute auf

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dem Titelblatt den charakteristischen handschriftlichen Namenszug des Statthalters. J. Moritz F. zu Nassau 1664; der werthvolle Band ist jetzt Besitz der Berliner Königlichen Bibliothek.

Was nun die Pallas-Statue betrifft, so bildet sie gleichzeitig eine wünschenswerthe Ergänzung der Götterreihe, welche der Meister kurz zuvor im Innern des Amsterdamer Rathhauses geschaffen hatte. Dort sehen wir nämlich Jupiter, Apollo, Merkur, Diana, Mars, Venus, Saturn und Cybele, kräftige Hochreliefs von 6 Fuss 7 Zoll Höhe. Quellinus d. Ä. verleugnet in diesen Schöpfungen, die eine edle realistische, keineswegs derb sinnliche Formengebung mit eigenartiger, ja gedankenvoller Charakteristik verbinden und die man nicht nach den ganz in's rubensartige übertragenen Radierungen seines Bruders, sondern möglichst nach den kleinen Thon-Originalen des Ryksmuseums beurtheilen soll, durchaus nicht seine vlämische Abkunft. Aber mir scheint, dass dieser Künstler in seinen maassgebenden Arbeiten eine noch stärkere Hinneigung zu Italien bekundet, als selbst van Dyck in seiner von dem Süden abhängigsten Periode, dass der ältere Quellinus noch mehr von dem aus Florenz stammenden Venetianer Sansovino lernte, als von Rubens und dass endlich auf seine spätere künstlerische Entwickelung die Beziehungen zu Holland erheblich eingewirkt haben. So kam es, dass er auf diesem Boden die menschliche Erscheinung Schlichter, wahrheitsgemässer als viele seiner vlämischen Genossen, zuletzt sogar völlig unabhängig von Rubens auffasste. Letzteres beweist gerade die Minerva, aber sie zeigt leider auch eine gewisse Ernüchterung seines früher so kräftigen plastischen Empfindens.

Die Göttin ist vom Künstler als ein schlankes Mädchen mit ernsten, aber sehr jugendlichen Zügen dargestellt, jugendlicher als die ihr entfernt ähnliche antike Minerva Giustiniani.63 So steht sie inmitten eines runden Bassins auf einer Erdkugel, die von einer kräftig geformten Vase umschlossen ist. Vorn befindet sich an letzterer das Amsterdamer Stadtwappen, an den vier Ecken des Sockels sieht man vier Delphine, die ehemals je zwei Wasserstrahlen von sich bliesen. Die Göttin, zu deren Füssen sich ihr Attribut, die Eule anschmiegt, steht in ruhiger Haltung, gerüstet vor uns, die Rechte ist erhoben und hält einen auf die Kugel gestützten Speer. Ihr nachdenklich ge-

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senktes Haupt trägt einen lorbeerbekränzten Helm mit Federschmuck; das Haar ist geflochten und hochgesteckt. Die Brust, an welcher das weite hemdartige Untergewand sichtbar ist, schützt ein Panzerkragen mit dem Gorgoneion. Und indem der Künstler die Göttin so darstellte, dass sie die von dem Mantel umhüllte Linke energisch in die Seite stemmt und das rechte Knie gleichzeitig wenig erhebt, ergab sich für ihn eine sehr natürliche Anordnung des faltenreichen langen Obergewandes. Dasselbe ist von der Schulter des erhobenen Armes herabgefallen und bildet um die Taille einen Wulst, während durch das linksseitige Anziehen des Mantels der rechte Fuss und ein Theil der Wade entblösst wird. So realistisch das Alles wirkt, so kann man doch beim Betrachten der überlebensgrossen Figur von der Seite und auch von hinten nicht gerade behaupten, dass hier sich durchweg Wahrheit und Schönheit decken. Aber wir werden noch hören, dass die gegenwärtige Wirkung der Minerva durch eine brutale Verstümmelung und unglückliche Restauration der Statue mitbedingt erscheint.

Moritz blieb bei der Verschönerung des Springbergs indess nicht stehen, er wandte z. B. auch dem ihm von Anbeginn als Aussichtspunkt besonders günstig erscheinenden Wayenberg sein Interesse zu. Er liess diesen künstlich erhöhen und in der Art bepflanzen, dass von seiner Spitze zwölf Alleen hinabführten und zugleich die überraschendsten Fernsichten nach interessanten Punkten der engern und weitern, bis nach Holland reichenden Umgebung Cleves eröffneten. So sah man auf dem Gipfel des seitdem Sternberg genannten Hügels, wie durch Guckkästen, in der Ferne den spätgothischen Kirchthurm von Rhenen im Utrechtschen, dann den Thurm der St. Eusebiuskirche von Arnhem in Gelderland, den Eltenerberg, ferner Doesburg an der Yssel und die Städte Nymegen, Kalkar, Gennep und in der Nähe die Schwanenburg und manches Andere.

Auf weitere Einzelheiten bezüglich des neuen Thiergartens ausführlicher einzugehen, kann nicht unsere Aufgabe sein. Selbstverständlich konnte sich Moritz das Vergnügen nicht versagen, auch hier ein kleines Lustschloss zu bauen und dasselbe nach seinem Geschmack auszustatten. Ferner wurden dem nicht unbeträchtlichen Personal, das aus einem Fontainenmeister, einem Kastellan, einem Hofgärtner, drei Pförtnern und mehreren Gehilfen bestand, Wohnungen gebaut, Die Pförtner hatten die

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drei Eingänge des 740 preuss. Morgen umfassenden, rundum eingehegten Thiergartens zu bewachen. Die bedeutenden Ausgaben für Alles hatte der unermüdliche Statthalter mehrere Jahre hindurch aus eigenen Mitteln bestritten, und erst durch kurfürstliches Rescript vom 2. September 1662 erlangte er eine namhafte Entschädigung, die ihm aus der landesherrlichen Kasse monatlich gezahlt werden sollte, unter der Verpflichtung seinerseits, den neuen Thiergarten mit sämmtlichen Gebäuden, Anlagen, Skulpturen und Wasserkünsten in gutem Stande zu erhalten. Eine definitive Regelung aller auf die beiden Thiergärten bezüglichen gegenseitigen Verpflichtungen fand erst durch das am 26. August 1667 aus dem Kloster Zinna abgesandte Rescript Friedrich Wilhelms statt.

Damals liess Moritz nichts auf seine Schöpfung des neuen Thiergartens kommen, der er eine dauernde Wichtigkeit beimaass. Man erzählt sich, wie entrüstet der alte hohe Herr war, als ihm einst die folgende, von einer gewöhnlichen Gesinnung zeugende Inschrift an der Gartenthür eines gewissen Lamers zu Gesicht kam: Als de boom is groot, so is de pooter dood, d. h.:

Wenn der Baum gross ist,

Dann sein Pflanzer todt ist.

Er soll den Mann zu sich entboten haben, um ihn persönlich von der Verkehrtheit dieses Spruches zu überzeugen, so dass Jener die Worte änderte in: Bouwen, grawen, planten laet uw niet verdrieten, soo sult gy en die naar uw komen het genieten, d. h.

Bauen, graben, pflanzen, lasst's Euch nicht verdriessen,

Denn die nach Euch kommen, werden's noch geniessen.

Ob erfunden oder nicht - diese hübsche Episode entspricht nur zu sehr dem Charakter unseres Helden, der hier schliesslich sogar ein Grabmal besitzen wollte, zur bleibenden Erinnerung für die Nachkommen, denen die Reize des Springbergs und des Sternbergs erst durch die Zerstörungslust einer unverständigen Generation verkümmert wurden.

Die Frage eines Grabmals, die ihn schon früher einmal vorübergehend beschäftigt haben soll, tauchte von Neuem nach einem Unfall auf, der sein Leben im Januar 1665 in

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schwere Gefahr brachte. Bei Gelegenheit des Leichenbegängnisses des friesischen Statthalters Wilhelm Friedrichs, dessen Gemahlin Albertine Agnes eine jüngere Schwester der Kurfürstin von Brandenburg war, in Westfriesland anwesend, ritt er eines Tages mit grossem Gefolge in der Universitätsstadt Franeker über eine Hängebrücke, welche der Last so vieler Reiter nicht gewachsen war. Sie brach zusammen, und Moritz kam dabei unter den Knäuel der mit dem Tode des Ertrinkens kämpfenden, wild um sich schlagenden Rosse. Wie durch ein Wunder wurde er aus dieser grässlichen Lage befreit, aber ein Zittern seiner Hände, das man auch an seinen späteren Briefen erkennen kann, verblieb ihm in Folge dessen zeitlebens. Noch heute findet man eine auf dieses Ereigniss bezügliche Inschrift an einer Hausmauer neben jener noch vorhandenden Brücke.

Unter dem seelischen Drucke des geschilderten Erlebnisses erfüllte ihn fortan der Gedanke an seinen Tod und zugleich die Sorge um eine würdige Bestattung. Als der Kurfürst gegen Ende 1665 nach Cleve kam, war auch hiervon die Rede. An einem idyllisch gelegenen Punkte des neuen Thiergartens sollte dem Ruhe bedürftigen "Brasilianer" die Aufstellung eines Denkmals gestattet sein. So lesen wir in zwei an die zuständigen Clever Behörden gerichteten Verfügungen Friedrich Wilhelms, die in der Hauptsache übereinstimmend lauten. Wir citiren das Wesentliche der einen Verfügung: "Cleve, 23. Sept. 1666. Wir Friedrich Wilhelm etc. Da Uns der Hochwürdige, Hochgeborene Fürst etc. freundvetterlich zu vernehmen gegeben, wie dass Seine Liebden ein Begräbniss und Epitaphium auf Dero Kosten in Unserem Thiergarten allhiero auf dem itzo sogenannten Ruheberg verfertigen und aufrichten zu lassen gesonnen wären . . . so befehlen Wir in Gnaden, dahin zu sehen, dass dasselbe Begräbniss und Epitaphium als ein Zierrath desselbigen Ortes zu seiner Liebden Gedächtniss wolverwahrt stehen bleibe und das Niemand Wer es auch sei, bei Vermeidung Unserer Ungnade und ernstlicher hoher Bestrafung, dasselbe zu destruiren, zu zerbrechen, die Ornamente zu schänden, noch abzuwerfen sich gelüsten lassen oder unterfangen solle."

Der Wortlaut des Rescriptes lässt entnehmen, dass der Kurfürst die bereits 1663 vollendete Tombe seines Statthalters gekannt hat. Sie wurde, laut Inschrift, von einem gewissen Hermann Pithan zu Siegen in Eisen gegossen. Der Zerstörungslust

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der Menschen scheint also Rechnung getragen worden zu sein. Es muss übrigens dahingestellt bleiben, ob auch dieses Werk zu den "vielen schönen Sachen" gehörte, welche J. von Kampen bei Gelegenheit seines Aufenthaltes in Cleve ordonnirte. G. von Velsen bemerkt, dass Moritz ursprünglich die Absicht gehabt, sich am östlichen Abhange des Prinzenhofes, also an einer freien Stelle innerhalb der Stadt, von wo er oft genug die Fernsicht ins Rheinthal genoss, seine Begräbnissstätte bereiten zu lassen. Die Tombe wurde schliesslich an einem abgelegenen Orte, zu Bergenthal, aufgestellt, dort, wohin weder das profane Geräusch der städtischen Strassen, noch das kräftig muntere Plätschern kunstreicher Fontainen drang.

Aufwand und Form der Tombe unseres Helden sind von echt holländischer Schlichtheit, aber die Wappendekorationen und Inschriften reden die stolze Sprache des fürstlichen Standesbewusstseins. Im Umfange von 9 ½ Fuss Länge, 5 ½ Fuss Breite und 6 ¾ Fuss Höhe erhebt sich dieser einfache, aus Platten zusammengefügte Behälter auf einem heraustretenden Postamente. An der Vorderseite sieht man das Johanniterkreuz mit der Inschrift: Qua patet orbis, am Fussende die vollständigen Wappen des Nassauischen Hauses. An den Langseiten befinden sich Wappen verschiedener Länder. Sockel nnd Deckel enthalten zwei lateinische Inschriften, von denen sich die eine lediglich auf den kurbrandenburgischen Statthalter und preussischen Ordensmeister, die andere auf den titel- und besitzreichen Fürsten Johann Moritz zu Nassau-Siegen bezieht. Wir werden dem einfachen Monumente noch unten begegnen.

Bei Menschen, welche reich an Ideen und Projekten sind, ändert sich mit den Jahren nur zu häufig der Geschmack, und oft kommen sie im Alter auf früher offenbarte Neigungen zurück. So sehen wir denn, dass Moritz im letzten Dezennium seines bewegten Lebens seine leidenschaftliche Vorliebe für den neuen Thiergarten allmählich aufgiebt und für die südliche Umgebung der Stadt erneutes Interesse gewinnt, und zwar für die stillen Gefilde, die sich hinter den Freudenthalschen Ländereien ausdehnen. Wir erfahren, dass sich gerade auf diesem Boden zahl-

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reiche Antiken aus der späten Römerzeit, Sculpturen, wie eine zierliche Venusstatuette, Gefässe, Münzen und Inschriften, wie ein auf den Merkur bezüglicher Altarstein, gefunden haben. Und so scheint es fast, als hätte den Fürsten nicht bloss die friedliche Ruhe der landschaftlichen Natur, sondern auch sein historisches und antiquarisches Interesse nach Bergenthal geführt, das man von Cleve auf verschiedenen Wegen, vom Freudenberg aber in etwa zehn Minuten erreichen kann.

Der Name "Berg und Thal" erklärt den landschaftlichen Charakter der Gegend. Hier liegt der Papenberg als südlicher Abschluss des um Cleve befindlichen Höhenzuges, und die Fernsicht von diesem Punkte wenigstens nach zwei Richtungen hin ist von unbeschreiblichem Zauber. Natürlich hatte der Fürst auch hier nichts versäumt, um die Hügel- und Waldpartien in mannigfacher Weise zu verschönern. Alleen, verschlungene Wandelwege, Brunnen, Grotten und Lauben mit Ruhesitzen wurden von ihm zum Genuss der Besucher angelegt. In einiger Entfernung, noch im Bereich der Freudenthalschen Ländereien, hatte er den einst durch seinen Blumenflor und seine tropischen Gewächse aller Art berühmt gewesenen Königsgarten pflanzen lassen. Schliesslich baute er sich auch hier ein kleines Wohnhaus auf einer unweit der Landstrasse gelegenen Anhöhe. Diese Sommerresidenz war ganz einfach, aber bequem eingerichtet. "Die Mauer war nur einen halben Stein dick und von aussen mit Brettern bekleidet; die Spitze des Daches zierte ein kleines Thürmchen" (v. Velsen). Gegenüber seiner Wohnung lag ein Tannenwäldchen; in diesem liess er nicht bloss anmuthige Spaziergänge schaffen, sondern inmitten einen hohen Erdhügel, den Spitzberg, aufwerfen, der gleichfalls mit Tannen bepflanzt wurde, damit sich sein Blick überall an dem malerischen Wechsel von Berg und Thal erfreuen konnte. Auf dem Papen- d. h. Pfaffenberg entstand ein kleiner Thiergarten64; später erbaute Moritz hier eine kleine Kapelle, in welcher der namentlich im Greisenalter sehr fromme Fürst täglich des Morgens sein Gebet verrichtete und an Sonn- und Festtagen die Predigten seines Hofgeistlichen anhörte.

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Von Johann Moritz kann man, was Max Rooses, der geschätzte Antwerpener Kunsthistoriker, von den edelsten Zeitgenossen des Rubens sagt, mit dem gleichen Rechte behaupten, dass das Christenthum im Herzen, im Kopfe aber das klassische Heidenthum getragen habe. Es scheint, dass er selbst Ausgrabungen in der Nachbarschaft seiner Residenz veranlasste, aber sicher ist, dass man ihm keine grössere Freude bereiten konnte, als ihn mit einem neuen antiken Funde zu überraschen. Beachtenswerth ist die Nachschrift eines von ihm am 6. Dezember 1662 von Wesel an den Hofmarschall des Kurfürsten gerichteten Briefes: "Soeben bringt mir Jemand einliegende Antiquitäten, welche dem Herrn Marschalk zum Neuen Jahr verehr. Macht mir Freude, dass er von dergleichen ein Liebhaber ist". Doch Fürst Moritz war nicht Antiquitätensammler im streng modernen Sinne. Er glich nicht jenen Leuten, welche die ehrwürdigen Schätze uralter Vergangenheit sorgsam in Kabinetten auf bewahren und verschliessen. Seine antiquarische Liebhaberei war mehr konkreter Natur, insofern als der Besitz derartiger Sammlungen für ihn nicht alleiniger Zweck war. Auch sie sollten zur Verschönerung seiner Anlagen dienen und dadurch erhöhten Genuss bereiten. Im Zusammenhang mit den Werken der zeitgenössischen Kunst sollten die ihm heiligen Reste der Antike nur die edelsten Bestandtheile der Ausschmückung innerhalb Landschaft oder Architektur repräsentiren. Diese eigenthümliche Idee durfte er noch gegen Ende seines Lebens in Bergenthal verwirklichen.

Zwischen dem Papenberg und der ehemaligen Poststrasse nach Xanten liegt ein stilles Waldthal, umgeben von Gräben und allerlei Strauchwerk. Hier, wo die Nachtigallen lieblicher als anderwärts singen, zwischen den dunklen schweigsamen Tannen auf einem freien lauschigen Plätzchen wollte Johann Moritz, der "Brasilianer", inmitten seiner über alles geschätzten Antiken von den Stürmen seines Lebens ausruhen. So richtete er denn am 29. November 1677 das folgende Schreiben an seinen kurfürstlichen Herrn: "Durchlauchtigster Churfürst, gnädigster Herr. Von Deroselben hab vielfältige hohe Gnade und Ehre empfangen. Der Allerhöchste wolle dessen Alles ein gnädiger Vergelter sein. Gnädigster Herr, noch bitte Unterthänig um eine Gnade. Die Tage meines Lebens und Kräfte nehmen merklich ab. Deshalb hab ich mir eine Hütte in Bergenthal gebaut, um, beliebt es Gott und Eurer Durchlaucht, darinnen in aller

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Stille die noch übrige kurze Zeit meines Lebens zu endigen,

doch unterdessen meinen Dienst im Rath zu Cleve wahrnehmen. Erwarte hier aber in aller Unterthänigkeit Ew. Durchlaucht gnädigen Konsens wegen der Wohnung in Bergenthal, lebenslang. In obgedachtem Ort hab ein kleines Winkelchen erwählet, allwo meine todten Gebeine zu seiner Zeit könnten hingelegt werden. Wofern Euere Durchlaucht auch diesem Ersuchen platz geben und ein williges Belieben tragen, so wär der lebendige und todte Körper viele Jahre mit einer Ruhestelle versorget. Vor diesem haben Ew. Durchlaucht im Jahre 1666 in Dero hiesigem Thiergarten desgleichen mir gnädigst bewilligt gehabt; selbiger Ort aber ist zu weit abgelegen . . . Verhoffe Ew. Durchlaucht werden Alles in Gnaden thun, was allhier Unterthänig vorstellen und bitten thue. Der Höchste wolle Ew. Durchlaucht bei langem gewünschtem Befinden und Leben erhalten und den "oppiniatinente" Leuten in Stettin andere Sinne geben, damit Ew. Durchlaucht bald auf diesem mühseligen verdriesslichen Wesen mit vollkommenem contentement kommen mögen und zu Berlin Ihre Ruhe finden. Ich sterbe Ew. Durchlaucht Unterthänigster gehorsamster treuester Knecht J. Moritz F. zu Nassau".

Unmittelbar auf dieses rührend bescheidene Gesuch des fürstlichen Mannes, der seit neun Jahren die erste militärische Würde der Niederlande inne hatte, folgte natürlich die landesherrliche Genehmigung und eine dementsprechende Instruction an die Behörden zu Cleve. Das kurfürstliche Rescript lautet in der Hauptsache: "An die Clevische Regierung allein, ohne den Statthalter. 2./12. Dez. 1677. Da wir unserm L. G. ... Joh. Moritz zu Nassau u. s. w. auf dessen Ansuchen vergönnt haben, dass Sie Sich in Unserem sogenannten "Berg und Thal" ein Begräbniss und Epitaphium anstatt desjenigen, welches Sie vorhin in Unserem Thiergarten verfertiget, auf bauen lassen mögen. Wenn denn unsere ernste Willensmeinung ist, dass solches zu Seiner Liebden Gedächtniss wohl verwahret bleibe, also befehlen Wir Euch hiermit in Gnaden darob festzuhalten, auch allemal die Aufseher und Bedienten des Bergenthals, wenn sie in Dienst und Pflichten genommen werden, dahin anzuhalten, dass sie auf solch Begräbniss gut acht haben, damit dasselbe nicht verderbet, noch durch Jemand etwas davon abgebrochen oder sonst auf welcherlei Weise geschändet werden möge . . ."

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So entstand die Prinz Moritz-Grabstätte zu Bergenthal. Sie besteht aus einem künstlich umgrenzten freien Vorplatz. Derselbe ist durch eine halbkreisförmige hohe Mauer gebildet, durch deren weite Mittelöffnung man den Hauptplatz betritt. Hier erhebt sich, rings von Bäumen umgeben, jene oben beschriebene eiserne Tombe. Einst waren die Dekorationen der durch kräftige Pfeiler gestützten Mauer das Merkwürdigste. Abgesehen von den Urnen und Krügen auf den Pfeilern, enthielten sämmtliche Mauerflächen antike Skulpturen, Altäre und Votivsteine, die hier auf Wunsch des Fürsten, zum Theil ohne jegliche Rücksicht auf die Beschaffenheit dieser Kunstreste, eingelassen wurden. Bei Jedem, der die Konservirung so seltener Sammlungen als das wichtigste ansieht, muss diese ureigene Schöpfung des Brasilianers ein gewisses Kopfschütteln erwecken. Aber Moritz war entzückt, und die Genugthuung, welche ihm die kostbare Nachbarschaft seines Grabmals verursachte, spiegelt ein ausführliches Schreiben vom 14. Dezember 1678 an den Kurfürsten. Er beglückwünscht Friedrich Wilhelm zunächst zur Beendigung des Krieges und zur Rückkehr in seine Hauptstadt Berlin. Dann entschuldigt er sich, weil er, eben erst gleichsam vom Tode erstanden, sich noch zu schwach fühle, um eigenhändig zu schreiben. Endlich kommt er auf das Amphitheater zu sprechen:

". . . Sobald Ew. Churfürstliche Durchlaucht gnädigste Order, dero Antiquitäten nach Amphitheatersweise einmauern zu lassen, durch den Herrn X. bekommen, habe solches allsofort an einem bequemen Ort in Bergenthal in's Werk gerichtet, welches so glücklich von Statten gegangen und noch vor meiner Krankheit fertig bekommen, dass männiglich insonderheit die Gelehrten ein grosses contentement darob nehmen. Viele sagen, dass dergleichen Wahrstück oder Werk zu Rom oder in Frankreich nicht zu finden sei; es sind Jesuiten ex pressé von Roeremond, Köln, Düsseldorf, Emmerich dieses Werk zu besehen gekommen und haben selbiges gelobet. Verhoffe, dass zu seiner Zeit Euer Churfürstliche Durchlaucht ein gnädiges Gefallen selbsten darob schöpfen werden; damit gleichwohl Ew. Churfürstliche Durchlaucht die Form selbigen Werkes sehen mögen, so habe durch einen guten Maler es nach dem Leben mit Farben abmalen lassen und so viel ausgebildet, als möglich gewesen, zugleich die Auslegung schrifflich dabei gefüget. Werde die erste Gelegenheit, da Jemand nach Berlin reisen würde, wahrnehmen, um

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selbige Schilderei Ew. Churfürstl. Durchlaucht Unterthänigst zu senden. Deroselben weitere gnädigste Befehle mit allem Respekt erwartend, verbleibe bis an mein Ende, Ew. Churfürstl. Durchlaucht u. s. w." Die Unterschrift ist eigenhändig, sehr zitterig, doch mit dem obligaten charakteristischen Schnörkel des fürstlichen Namens ausgeführt.

Einige Proben der eingemauerten und anderer Antiquitäten des Fürsten theilt uns von Buggenhagen in einer Schrift mit. Die dieser beigefügten Radirungen sind freilich zu mangelhaft in der Zeichnung, um grösseren Ansprüchen zu genügen. Wir sehen hier u. A. einen Gedächtnissstein des M. Caelius (Taf. 13), einen Altar des Jupiter Conservator mit drei Figürchen (Taf. 15), die barbarisch gewandete Statuette des Eumenins Rhetor (Taf. 16) und ein Dreigötter-Altärchen des Zeus, der Juno und Minerva mit im Ganzen fünf Figuren (Taf. 19). Eins der werthvollsten Stücke dieser, der letzten Zeit altrömischer Kultur angehörenden Sammlung, eine Gruppe aus Venus und Amor bestehend, wurde erst zur Zeit jenes Autors, als Torso, in einem Gebüsch wiederentdeckt, und es besteht die Vermuthung, dass Fürst Moritz dieses reizende Skulpturwerk nicht dem Amphitheater einverleibt, sondern inmitten eines der Bassins des Waldthales aufgestellt hatte.

Uebrigens gehen hinsichtlich des Ortes, an welchem unser Held thatsächlich nach seinem Tode gebettet wurde, die Ansichten der Schriftsteller auseinander. Gegen Ende seiner Tage hatte Moritz wiederholt zwischen Siegen und Bergenthal geschwankt, und frühere Bestimmungen widerrufen. Driesen verlegt die Begräbnissstätte nach Siegen und hebt ausdrücklich hervor, dass der Brasilianer im Tode niemals auf clevischem Boden geruht hätte, indem er sich auf eine Bestimmung vom 24. November 1678 beruft, die einen entgegengesetzten Wunsch vom 30 September desselben Jahres aufhob. Von Volsen bemerkt dagegen, dass der Fürst nach seinem Ableben zunächst in jener Tombe beigesetzt wurde, um indess schon nach einem halben Jahre nach Siegen gebracht und in das Grabgewölbe des Hauses Nassau-Siegen gelegt zu werden. "Einer im Volke verbreiteten Sage nach soll das Herz des Prinzen Moritz in einer Urne im Grabmale bei Cleve zurückbehalten sein". Seine letzte, in Bergenthal verfasste Willensäusserung vom 10. November 1679 ist aber dem ersteren Autor entgangen. Sie lautet am

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Schluss: "Auch ist meine letzte Willensmeinung, dass . . . mein todter Körper, nicht wie wir am 24. November 1678 verordnet hatten, nach Siegen gebracht, sondern vorerst allhier in Bergenthal in der dazu verfertigten Tombe mit so wenig Ceremonien als immer möglich beigesetzt werden solle". Wir haben keinen Grund, zu zweifeln, dass dementsprechend gehandelt wurde.65

Ja - mit so wenig Ceremonien als immer möglich! Daran erkennen wir das Blut von dem Blute, das einst den Geist eines Taciturnus belebte. Wer wie Du die Natur nicht um des gewöhnlichen Genusses, sondern um ihrer göttlichen Erhabenheit willen, so wahr, so innig, so treu geliebt hat, der begehrt nicht der Lächerlichkeit der Ceremonien und des gekünstelten lauten Pompes. Deutscher Fürst, Du bist gestorben, würdig, wie Du gelebt hast, und jene schöne Volkssage von Deinem in Cleve zurückgebliebenen Herzen bleibt für Dich ein rührendes Sinnbild von tiefer Bedeutung!

Es erübrigt für uns noch, von dem Schicksal der Schöpfungen des kurbrandenburgischen Statthalters in und bei Cleve kurz zu sprechen. Dass der Prinzenhof oder die Statthalterei heute ein Gasthof vornehmen Ranges ist, wurde schon oben mitgetheilt. Ebenso hat die Schwanenburg, obgleich sie nach wiederholten Unfällen und Veränderungen äusserlich wieder in einen guten Zustand versetzt worden ist, ihre dereinstige Bedeutung längst eingebüsst. Sie dient gegenwärtig als Gerichtshof und Gefängniss. Auch in der Umgebung des Ortes, auf den bewaldeten Hügeln und in den anmuthigen Thälern hat die Alles tilgende Zeit noch nicht die Spuren der gesegneten Thätigkeit des Fürsten Moritz verwischen können. Aber Vieles, und leider das Schönste, wie jener Königsgarten, ist für immer hin. Von der heutigen Nassauer Allee wird ein erheblicher Theil auf die ursprüngliche Pflanzung zurückgeführt. Andere Alleen sind während der Kriegsstürme der beiden letzten Jahrhunderte ge-

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fällt worden. Die Mehrzahl der ehemaligen Wandelwege, desgleichen die von den Gipfeln der Hügel zu Aussichtszwecken durch das Walddickicht sternförmig gelegten Durchblicke sind durch Gestrüpp und Unkraut überwuchert.

Nur von einigen wenigen Partien der reizenden Umgebung der Stadt lässt sich wirklich behaupten, dass neues Leben aus den Ruinen erblüht ist. Das gilt vorzugsweise von jenem Theile des neuen Thiergartens, der den heutigen Kurort Cleve bildet. Das Erste, was hier dem Besucher auffällt, ist die hübsche gärtnerische Anlage am Springberg. Oben von dessen Höhe geniesst man noch immer die wunderbare Fernsicht über den geradlinig ausgestreckten Kanal nach dem Eltener Berge. In der Nähe aber hat sich Alles verändert. Schon König Friedrich I. machte damit in den Jahren 1711 und 1712 den Anfang, als er auf der obersten Terrasse des Abhangs die oben erwähnte halbcirkelförmige Halle erbauen liess, die hinten geschlossen war, nach dem Amphitheater sich aber in rundbogigen Arkaden öffnete. Die Mitte der Halle bildete ein achteckiger, kuppelgekrönter Pavillon von 25 Fuss Durchmesser, und die Front des Ganzen erhielt durch ein unverkröpftes Gebälk und jonische Pilasterstellungen ihr klassisches architektonisches Gepräge. In dieser Verfassung verblieb diese Schöpfung im neuen Thiergarten bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, bis zur französischen Invasion des Jahres 1794.

Damals fiel nicht bloss das edle Damwild des Thiergartens durch Musketenschüsse, sondern die mit dem heimischen Pöbel einverstandenen französischen Revolutionäre gingen noch weiter. In ihrem Drange, Alles zu egalisieren und auch den alten Stadtwald von den fürstlichen Fesseln zu befreien, schickte sich diese Barbarenhorde rasch zur Wiederherstellung der einstigen Wildniss an. Sie fällte verschiedene Alleen, zertrat und zerstampfte die Spazierwege und Blumenanlagen, entfernte die Röhren der Wasserkunst und zerschlug endlich sämmtliche Grotten und Skulpturen an den Fontainen - natürlich vor allen Dingen den "Eisernen Mann", dieses Denkmal des Feudalismus‘. Damit war dem stolzen Recht der Freiheit Genüge geschehen! Bei der Minerva des Quellinus scheint aber der Zweck des süssen Pöbels glücklicherweise nicht ganz erreicht worden zu sein; das kreisrunde grosse Wasserbecken rettete die Statue, mit der sich die

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Freigebigkeit Amsterdams ein Wahrzeichen auf deutschem Boden setzte, vor völliger Vernichtung.

Auch jener jonische Hallenbau war seitdem eine Ruine und wurde im Jahre 1827 abgetragen. Schon aber liess König Friedrich Wilhelm III. eine freilich nur primitive Wiederherstellung der Springberganlage beginnen. Die Minerva, welche Helm und Speer samt dem rechten Arme und ihr Attribut, die Eule, welche einen Flügel eingebüsst, wurden "von einem Sachkundigen, jedoch nicht meisterhaft" restauriert. Von Velsen hat recht – nicht meisterhaft. Er hätte dreist stümperhaft sagen dürfen. Namentlich schädigt der viel zu schwächlich gerathene Arm mit dem ausdruckslosen Griff der rechten Hand ganz empfindlich die Wirkung dieser feinsinnigen niederländischen Leistung; auch glaube ich nicht, dass der Helm ursprünglich einen solchen grossen unhellenischen Federbusch besessen hat. Hoffentlich nimmt sich die preussische Regierung auch einmal noch dieser alten Kunstschöpfung an. Zur Erinnerung an den Hallenbau des ersten Hohenzollernkönigs wurde an der Stelle des mittleren Pavillons in neuester Zeit ein kleiner offener jouischer Rundtempel mit einer weiblichen Statue darin errichtet. Ganz oben, auf der Spitze des Berges, erhebt sich endlich, zugleich als Point de Vue, der mit einem Adler gekrönte Obelisk des clevischen Kriegerdenkmals für 1870/71.

Und nun das idyllische Bergenthal. Hier waren es schon im Jahre 1702 französische Hände, die das halbrunde Gemäuer mit den Antiken und den Urnenaufsätzen beschädigten. Ueber den Sachverhalt wurden genaue Beschreibungen und Gutachten amtlicherseits veranlasst, die, samt den hierauf bezüglichen königlichen Rescripten und einer plumpen Skizze, im Berliner Staatsarchiv aufbewahrt werden. Der bekannte Alterthumsforscher L. Beger machte in seinem Gutachten vom 13. Dezember 1702 den Vorschlag, die besten der noch erhaltenen Stücke in die Berliner Antiquitätenkammer überzuführen und Cleve durch Kopien zu entschädigen. Das geschah freilich nicht. Die Folge war, dass die von verschiedenen Autoren gewürdigten Skulpturen und Inschriften im Laufe des 18. Jahrhunderts ihrem Untergang entgegengingen. Da veranlasste der Kammerpräsident von Buggenhagen endlich im Jahre 1792 ihre Ueberführung in den Rittersaal der Schwanenburg, von wo sie später in das Kabinet rheinischer Alterthümer der Bonner Universität gelangten. Da-

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gegen lief damals die eiserne Tombe des Fürsten Moritz ernstlich Gefahr beseitigt und vernichtet zu werden. So verlangte es der Eifer der französischen Republikatier.

Glücklicherweise wurde dieses Unheil von dem Monumente abgewendet. Ja, zur Ehre des französischen Namens muss hervorgehoben werden, dass es zur Zeit des Empire ein Unterpräfekt Namens Gruat war, der sich sowohl der am Fundament und Sockel schwer beschädigten Tombe, wie auch des ganzen Umgebung des Moritzgrabes liebevoll annahm. Mit seiner Genehmigung wurde ferner im Sommer 1811 an dieser denkwürdigen Stätte eine Erinnerungsfeier zu Ehren des Brasilianers veranstaltet und den Manen des erlauchten Mannes ein Denkstein gesetzt, der jenen französischen Beamten, ungeachtet einer dem grossen Kurfürsten von Brandenburg gleichzeitig zugefügten verschleierten Herabsetzung, nicht minder ehrt, als den rastlosesten und kunstsinnigsten Statthalter Friedrich Wilhelms. Die lateinische Inschrift des Denksteins in der Nähe der Tombe lautet zu deutsch:

Denkmal des Moritz von Nassau.

Zum Andenken

Des Joh. Wilhelm (!) Moritz von Nassau-Siegen,

Des Mannes von fürstlicher (?) Geburt,

Zum Statthalter über Cleve

Von Friedrich Wilhelm, Markgr. von Brandenburg

gesetzt - haben

Die Bürger von Cleve und der Magistrat

Das Grabdenkmal des

Im J. 1679 gestorbenen und um sie hoch verdienten,

Der die inneren Wege der Stadt hat pflastern

Die äussern mit schattigen Baumpflanzungen hat

umgeben lassen,

Aus der Zerstörung der Zeit wieder aufgerichtet

Im Jahre 1811

Im VII. Regierungsjahr Napoleons.

Montalivet, Minister des Innern. Baron Ladoucette, Präfect

des Ruhr-Departements. E. N. Gruat, Stellvertr. Unterpräfect zu Cleve. Schacht, Bürgermeister.

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III. Der Kunstunterricht am Hofe des Grossen Kurfürsten.

Brandenburg hat niemals zu den von den Musen begünstigten Ländern gehört. Und deutlicher als andere Gebiete des schöngeistigen Schaffens trug hier die bildende Kunst die Signatur des Verpflanzten. Sie schien den Bewohnern nicht bluts- sondern höchstens adoptivverwandt.

Man muss die ursprünglichen Verhältnisse der märkischen Erde kennen, um zu begreifen, dass dieser Boden mit seinen spärlichen Reizen und Gaben seine unverwöhnten Söhne zu weit dringenderen Aufgaben als zur anmuthigen Phantasiethätigkeit erzog. Doch nachdem der Märker Dank den Hohenzollern, die Erfolge einer langen mühseligen Laufbahn gesichert wusste, begann er sich für ideale Fragen, selbst für die Künste zu interessiren, um somit auch darin dem Vorbild Hollands zu folgen, das erst in die Reihe der Kunstländer trat, nachdem es analoge Aufgaben erfüllt hatte wie Brandenburg unter seinen Markgrafen und Kurfürsten. Diese allein schritten in der Bethätigung idealer Interessen ihren Unterthanen weit voran. Joachim I. und noch mehr Joachim III. (1535-1571) sind echte Renaissancefürsten gewesen. Von letzterem bemerkt schon der alte Lokalhistoriker König: "Er liess in der Fremde künstliche Sachen verfertigen und sandte Leute aus, die ihm Seltenheiten und merkwürdige Dinge ankaufen mussten" Indess wurden der Ent-

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faltung der Kunst durch die rein persönliche Förderung dieser und der folgenden Fürsten, so enge Grenzen gezogen, dass damals nicht einmal von einem bemerkenswerthen lokalen Kunstleben irgendwo in der Mark die Rede sein konnte.

Erst seit den Tagen des Gr. Kurfürsten änderten sich diese Verhältnisse. Wie Friedrich Wilhelm als der Begründer des brandenburgisch-preussischen Staates gilt, wie durch ihn das politische Leben unseres Vaterlandes auf ein stattliches Postament gehoben wurde, so hat er auch dem Kunstleben in Brandenburg eine der Neuzeit entsprechende Basis gegeben. Es ist hinlänglich bekannt, was er für die Bildung des Geschmacks durch Anstellung tüchtiger und betriebsamer Künstler that und wie er durch zahlreiche künstlerische Werke und Anschaffungen die Nacheiferung wohlhabender Leute anregte. Minder allgemein bekannt aber ist seine, auf den künstlerischen Nachwuchs im Lande und auf die Erhaltung des Kunstsinnes in seiner eigenen Familie gerichtete eifrige Fürsorge, von der er bis zuletzt erfüllt war. Talentirte, ihm empfohlene junge Leute liess er, wie schon F. Nicolai hervorhebt, im Ausland bei berühmten Meistern studiren, fähigen älteren Künstlern und Technikern aus seiner Umgebung gewährte er die Mittel, ihre Kenntnisse und Erfahrungen im Auslande zu erweitern. Und wie er sich auch darin als ein wahrer Landesvater erwies, so sah er andererseits als Familienhaupt ernstlich darauf, dass bei den Prinzen von Jugend auf, idealer Sinn und Kunstliebe, besonders durch andauernde Zeichenübungen, gepflegt wurden.

In diesen schönen Bestrebungen steht der Grosse Kurfürst indess nicht ganz ohne Zusammenhang mit seinem Vorgänger Georg Wilhelm, dessen Gemahlin Elisabeth Charlotte bekanntlich aus dem kunstsinnigen pfälzischen Kurhause stammte. Wie mit einem dichten Nebel, den kein freundlicher Lichtstrahl zu durchdringen vermag, so umgiebt das abfällige Urtheil der Nachwelt die historische Gestalt Georg Wilhelms. Und doch sollten ihm, ungeachtet seiner politischen und sonstigen Sünden, als Menschen und Vater unsere Sympathien nicht vorenthalten bleiben. Denn aus den Geschichtsquellen ersehen wir, welche Sorgfalt der lange Zeit kränkelnde Fürst auf die Erziehung seines einzigen Sohnes, des Kurprinzen, verwenden liess. Sie wurde nach seinen Instruktionen zu Küstrin, wie später in Holland, von Johann Friedrich von Leuchtmar, einem energischen, fein gebildeten Edel-

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mann aus dem Herzogthum Berg, geleitet. Leuchtmar, der eigentlich "von Kalkun" hiess, stand der Praeceptor Jacob Müller zur Seite.

Zu den Lehrgegenständen des kurprinzlichen Unterrichts gehörte in Küstrin auch das Zeichnen.66 Und gerade diese Beschäftigung scheint dem damals 8jährigen Knaben grosses Vergnügen bereitet zu haben. Denn Leuchtmar konnte im Dezember 1628 an den Hof berichten, dass der Prinz zum Malen viel Lust verrathe und sich fleissig darin übe; in anderen Studiis aber, so musste er wahrheitsgemäss hinzufügen, gehe es trotz aller Mühe nur langsam. Wie natürlich für einen phantasiereichen Knaben die Schwierigkeit des mechanischen Lernens! Solchem Kinde fehlt noch der feste Wille, den Geist so zu concentriren, dass es gleichen Schritt halten kann mit der Verstandesthätigkeit anderer Knaben, die nicht durch das Gaukelspiel reger Phantasie abgelenkt werden. Erst wenn sich mit den Jahren dieser feste Wille einstellt, dann entwickeln sich, wie von Raumer richtig bemerkt, aus den langsam lernenden Köpfen oft die begabtesten Männer". "Die Liebe zu den zeichnenden Künsten aber hat den grossen Kurfürsten durch das ganze Leben begleitet".

Und dass Georg Wilhelm auch seines Sohnes frühentstandene Neigung für Antiquitäten gern unterstützte, erkennen wir daraus, dass er ihm kurze Zeit nach der Ankunft im Universitätsort Leyden, als Erwiderung auf ein Geschenk, welches in einigen indischen u. a. Curiositäten bestand, ein Kästchen mit seltenen Denkmünzen verehrte, das indess bei Rathenow von schwedischen Reitern erbeutet wurde. Ferner suchte er das für die militärischen Studien seines Sohnes sehr wichtige geometrische Zeichnen dadurch zu fördern, dass er sich den Luxus nicht versagte, ihm die subtilsten mechanischen Instrumente in Leyden kaufen zu lassen. Folgende Stücke sollte der clevische Rentmeister Lucas Blaspiel für den Kurprinzen auswählen rbsp. bestellen: "1) Einen ganzen Cirkel von Messing mit Stab und Zubehör, darauf auch eine Scala gerissen ist, um jede Höhe, Breite und Weite zu messen, und ein Futteral oder Custodi, dazu 2) Einen stählernen Handcirkel, daran der eine Fuss getheilet und mit einem subtilen Schräubchen kann gerücket werden, 3) Einen Handcirkel, daran beide Füsse ganz, und 4) Ein Paar

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Reissfedern von Messing, einen Quadranten zum Schiessen und Werfen aus dem Mörser".

Aus alledem geht hervor, dass schon der grosse Kurfürst in trüber Jugendzeit die Wohlthaten des zeichnerischen und technischen Unterrichts erfahren hatte und dass er in der ihm selbst einst gewiesenen Bahn nur fortgeschritten ist, als er die Erziehung seiner prinzlichen Kinder in künstlerischer Richtung so vervollständigen liess, dass Geist und Phantasie eine harmonische Bildung erfuhren. Sie sollten dadurch - so wünschte er zweifellos - nicht etwa blos ihrem hoben Stande einen idealen Schimmer verleihen, sondern sich selbst eine Quelle feinsten Lebensgenusses begründen und anderen Fürsten, Welchen gesegneteren Ländern diese auch angehörten, in den Aeusserungen und Ansprüchen ihres ästhetischen Geschmacks nicht nachstehen. Wie sehr ist dieser Wunsch durch König Friedrich I., der uns in den folgenden Zeilen als lernender Prinz interessiren wird, in Erfüllung gegangen!

Von seiner ersten Gemahlin Louise Henriette, Prinzessin von Oranien, hatte der Kurfürst mehrere Söhne, von denen die Prinzen Wilhelm Heinrich und Heinrich im frühesten Kindesalter starben. Kein Wunder, dass auf die Pflege des darauffolgenden Prinzen Karl Aemil, welcher 1655 geboren wurde, und seines zwei Jahre jüngeren Bruders Friedrich das höchste Mass von Sorgfalt verwendet wurde. Und dies war um so mehr nöthig, als beide Knaben gleich ihrer zarten Mutter, die im Alter von 39 Jahren starb, eine schwächliche Constitution besassen. Der Jüngere war noch dazu schiefen Wuchses und musste während eines Aufenthalts des Hofes zu Cleve (1665/6) in die Behandlung eines Utrechter Chirurgen gegeben werden, der den kleinen Körper des Prinzen in ein förmliches Gerüst presste. Unter diesen Umständen war es für Erzieher und Lehrer schwierig, den vorgeschriebenen Lehrplan stets streng inne zu halten.

Der Kurfürst hatte die Leitung der Erziehung keinem unbedeutenderen Manne als seinem bisherigen Hofmeister Otto von Schwerin, den die Geschichte den Aelteren nennt, über-

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tragen. Dieser, als kurbrandenburgischer Premierminister und Oberpräsident rühmlichst bekannte Edelmann, dessen Namenszug sich unter einer Reihe wichtiger kurfürstlicher Rescripte und vortrefflicher Verfügungen findet, nahm sich, obwohl er selbst Kinder besass, des ihm anvertrauten Erziehungsamtes, das sich zunächst blos auf den Kurerben, nach einiger Zeit aber auf beide Prinzen erstreckte, mit hohem Ernst und freudigem Eifer an. Und letzterer war so gross, dass Schwerin über den Verlauf seiner pädagogischen Thätigkeit auf das Genaueste berichtete. Diese Tag um Tag niedergeschriebenen Berichte liegen in jenem zwei Foliobände umfassenden Erziehungs-Journal des Geh. Staatsarchivs zu Berlin vor. Das Journal, die Hauptquelle für unsere Betrachtungen, ist nicht allein eins der wichtigsten Dokumente, die von Prinzenerziehung handeln; es enthält auch eine Fülle kulturhistorisch interessanter Bemerkungen über Begebenheiten des Brandenbnrgisch-Preussischen Hoflebens aus dem allerdings nur kurzen Zeitabschnitt von 1663 bis ca. 1672.

Das Journal beginnt am 1. Januar 1663. Schwerin äussert sich zunächst in einem Vorwort über seine Erziehungsmethode, wie sie bei dem damals 8 jährigen Kurprinzen in Anwendung gebracht wurde. Niemand wird ihr das Lob, das sie nach rationellen Gesichtspunkten aufgestellt ist, vorenthalten. Schwerin schreibt: "Der Anfang zum Studiren ist auf diese Art gemachet. Um 6 Uhr habe ich den Prinzen gewöhnet willig und ohne Verdruss aufzustehen. Darauf allsofort geschwind kleiden lassen. Nach Ende solcher Kleidung habe ich Ihn alle Zeit suchen zum Sprechen zu bringen, und deshalb das Eine und Andere erzählet. Hiernach habe ich nebst dem Prinzen sofort das Gebet knieend gethan . . . Um 7 Uhr hat Monsieur Stophani den Anfang mit dem Instituiren gemachet, erstlich mit Lesen, da der Prinz noch nicht recht buchstabiren können; hernach Vokabeln und kleine Fragen aus dem Katechismus beigebracht, dann wieder etwas lesen lassen und dann in der Charte von Europa unterwiesen. Nach 9 ist der Prinz im Schreiben unterrichtet, und darauf bis Essen im Tanzen. Nach Essen ist dem Prinzen bis 2 Uhr zu spielen vergönnet, worin ihm alle Zeit sein freier Wille gelassen, jedoch habe ich allemal dahin gesehen, dass Er auch zugleich solche Spiele gethan, dabei Er zugleich etwas lernen und so wohl das Ingenium als auch den Leib exerziren können...

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Von 2 bis 3 schreibt der Prinz wiederum, hernach studiret der Prinz Vorgedachtes bis 4, halb 5 oder gar bis 5 . . . Um halb 9 aber aufs späteste bringe ich den Prinzen nach gehaltenem Gebet zu Bette."

Weder von Musik noch von zeichnerischer Uebung ist also zunächst die Rede, dagegen wird dem Tanzunterricht von Anbeginn ein ganz besonderer Spielraum gelassen. Doch tritt sehr bald auch die ersterwähnte Kunstübung in den Lehrplan. Der Kurprinz erlernt das Flötespiel und giebt sich ihm eifrig hin, da desselben in der Folgezeit mehrere Male in der Woche Erwähnung geschieht. Wer diesen Unterricht ertheilte, wird leider an keiner Stelle des Journals mitgetheilt. Dieser Umstand und gewisse Bemerkungen, wie: "Der Musikant heute nicht gekommen", scheinen mir darauf hinzudeuten, dass der Lehrer kein namhafter Künstler war. Sicherlich darf man ihn unter den Mitgliedern der kleinen Hofkapelle des Kurfürsten suchen. In dieser wirkte auch ein gewisser Ambrosius Schärle, von dem wir aus dem Budget für den Hofstaat lediglich die Höhe seines nicht gerade beträchtlichen Einkommens erfahren. Schärle wurde Anfang der siebenziger Jahre entlassen. Doch da sich der Kurfürst für sein Fortkommen noch weiter interessirte, so nehme ich an, dass dieser Musikus eine besondere Stellung bei Hofe eingenommen hatte. Unter den Hamburger Aktenstücken des geheimen Staatsarchivs aus der Regierungszeit Friedrich Wilhelms fand ich zufällig ein Kurfürstliches Rescript, das, unterzeichnet von dem Erzieher der Prinzen O. v. Schwerin, an den kurbrandenburgiseben Residenten in Hamburg, Otto von Guericke gerichtet ist (Dat. Köln a/d. Spree 30 April 1671). Das Schriftstück lautet:

"Friedrich Wilhelm Churfürst. Unsern gnädigen Gruss zuvor. Vester Raht und Lieber Getreuer. Aus dem Einschluss ersehet ihr, Was gestalt Ambrosius Schärle, Musicus, sich in Hamburg nieder Zu lassen, und alda bey dem Magistrat Dienste zu suchen gesonnen, auch deshalb unsere gnädigste Vorschrift unterthänigst gebeten. Ob wir nun wol desfals selbst an den Magistrat zu schreiben bedenken tragen, So möchten wir doch gleichwol Ihm sein glück gerne gönnen, und in seiner Intention befordert sehen, Zu mahlen er Uns hier Bevor vor einen Cammer Musicant an die zehn Jahr unterthänigst aufgewartet, befehlen auch demnach hiermit in Gnaden, euch dahin zu be-

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mühen, dass Ihm sein Desiderium bey dem gedachten Magistrat Zu wege bringet, damit er daselbst zu einem Dienst gelangen möge. Und etc."

Die Entlassung Schärle's fällt in die Zeit, da der Kurprinz sein 16. Lebensjahr eben überschritten und daher der Jugendunterricht Karl Aemils sein Ende erreicht hatte. Also nehme ich an, dass der eine Umstand mit dem anderen unmittelbar zusammenhing. Es würde in der That die ausserordentliche Form der kurfürstlichen Empfehlung des Musikers bei dem Hamburger Magistrat nur völlig verständlich sein, falls sich der so angelegentlichst Empfohlene durch langjährigen Unterricht der Prinzen bei Hofe beliebt und verdient gemacht hatte. Was wir Bestimmtes aus dem Schwerin'schen Journal erfahren, ist blos, dass der Kurprinz bis 1667 Flöte spielte und diese dann mit einem Streichinstrument, der Viola di Gamba, vertauschte, während Prinz Friedrich, nachdem er einige Zeit das Flötenspiel betrieben und mit seinem Bruder Duette geübt hatte, Unterricht auf dem Clavikord erhielt. Karl Aemil übte in manchen Monaten täglich zwei Mal, so dass man bei der Lectüre jener Aufzeichnungen zuweilen fast den Eindruck empfängt, als lese man das Tagebuch eines angehenden jungen fürstlichen Musikers.

Zu anderen Zeiten, wenn die Musik mehr in den Hintergrund der täglichen Beschäftigung trat, nahm dafür der Zeichenunterricht an Bedeutung zu.

An diesem Unterricht, der im Jahre 1664 begann, war anfänglich allein der Kurprinz Karl Aemil beteiligt. Erster Lehrer war der Holländer Johann Gregor Memhard, der am 12. März 1650 als kurfürstlicher Ingenieur und Baumeister nach Berlin gekommen war und sich in seinen Obliegenheiten die grössten Verdienste erwarb. Grade um jene Zeit galt seine Hauptwirksamkeit der Befestigung der Residenz, und es erscheint daher begreiflich, wenn der Lehrer bemüht war, dem kleinen Prinzen, neben dem Freihandzeichnen, schon die ersten Elemente des Festungsbaues beizubringen. So heisst es am 25. November 1664 im Schwerinschen Journal: "Herr Memmart in der Fortifikation unterrichtet". Gezeichnet oder "gerissen" – wie es nach damaligem Sprach-

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gebrauch ebenso häufig lautet - wurde wöchentlich zwei Mal; zuweilen hinderten indess die umfangreichen anderweitigen Berufsarbeiten den holländischen Baumeister an der regelmässigen Erteilung der Lectionen. Dann liest man im Journal z. B.: "Herr Memmart ausgeblieben", oder wenn die Uebung vorzeitig abgebrochen werden musste, steht vermerkt: "Umb 9 mit Herrn Memmart etwas gezeichnet", Umb 2 mit Herrn Memmart etwas gerissen". Man ersieht aus diesen Notizen nebenbei auch, dass damals eine bestimmte Tagesstunde für das Zeichnen noch nicht fixiert war. Erst später, als jüngere, anderweitig minder in Anspruch genommene Kräfte für den technischen Unterricht bei Hofe herangezogen wurden, setzte der prinzliche Lectionsplan für diese Uebungen ein für alle Male die Nachmittagszeit von 2 Uhr ab fest. Und wenn, aus irgend welcher Veranlassung, kein Lehrer zur Stelle war, so erhielt ein geeigneter Kammerjunker den Befehl, die Zeichenübung zu beaufsichtigen. Alsdann meldet das Journal z. B.: "Umb 2 mit Mons. Podewils gezeichnet".

Den ersten Lehrerwechsel für das Zeichnen brachte die im November 1665 stattgefundene Uebersiedelung des Hoflagers nach Cleve mit sich. Es scheint, dass der unter Memhard in Berlin thätig gewesene, junge märkische Architect und Ingenieur Joachim Ernst Blesendorf, der 1640 zu Zielenzig geboren wurde, gleichzeitig die Reise nach dem Niederrhein gemacht hatte. Schon am 7. November berichtet das Journal: "Nach Essen seindt die sämmtlichen Clevischen Rähte gekommen und haben den Prinzen Gratulieret, dann der Churprinz selbst geantwortet, um 2 hat der Churprinz gezeichnet". Der Unterricht bei Blesendorf dauerte aber nur wenige Monate, unterm 16. März 1666 lesen wir im Journal: "Umb 2 hat der Chur Printz mit Wulfgrüber, weil Blesendorff weggereiset, gezeichnet".

Der neue künstlerische Ersatzmann war ein, nach F. Nicolai, aus Cleve gebürtiger junger Maler, den der Kurfürst zur Ausbildung nach Holland und Belgien gesandt hatte. Darüber sind wir durch verschiedene interessante Urkunden des Geheimen Staatsarchivs auf das Ausführlichste unterrichtet. Am 25. Februar 1661 gelangt das folgende, von O. von Schwerin unterzeichnete Rescript an den in Amsterdam residirenden brandenburgischen Rath und Agenten Matthias Dögen: "Friedrich Wilhelm Churfürst. U. G. G. Z. Rat und lieber getreuer. Nachdem wir gnädigst resolviert haben, Unseren Unterthan Georg Wolfgrübel in der

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Mahlerkunst und Architectura, alss worzu Er von natur incliniret, unterrichten zu lassen, und Zu dem ende nacher Ambsterdam Zu verschicken. Alss befehlen wir Dir hiermit in gnaden, dass Du demselben anitzo bei Deiner abreise mitnehmen und bei den besten Meister in Ambsterdam nicht allein recommendiren, sondern auch so wol wegen der information als unterhalts vorerst auff ein Jahrlang verdingen, auch die noturfft deshalb ausslegen und uns solches in Rechnung bringen wollest, unterdessen ehestens unterthänigsten berichten, wie Hoch sich alles auff ein Jahr belauffen werde. Etc . . ."

Zwei Jahre darauf (1663) sieht sich der fürsorgliche Kurfürst veranlasst, aus Königsberg an dieselbe Adresse eine Mahnung betreffs weiterer Unterstützung des jungen Malers zu senden. Er lässt Matthias Dögen in Amsterdam folgendes Rescript zugehen: "Friedrich Wilhelm Kurfürst. U. g. g. Z. Raht und Lieber getreuer. Nachdem Wir vernehmen, dass Du schwierigkeit machen sollest, Hanss Georgs Wolffgrübels, den Wir zu Ambsterdam die Mahler Kunst lehren lassen, die Mittel zu seiner ferneren Unterhaltung zu reichen, Und aber Unsere meinung ist, dass er von nun an, noch ein Jahr und also inssgesambt 3 jahr die Kunst recht Zu erlernen alda verbleiben und unterhalten werden solle. Alss ergehet Unser gnädigster Befehl an Dich, ihm, Wolfgrübern, ferner die nohtturfft abfolgen und Dich von ihm quittiren Zu lassen. Etc . . ."

Auch das dritte Jahr ging vorüber, und der Kurfürst überzeugte sich, dass für die Ausbildung des jungen Mannes noch mehr gethan werden müsse. Deshalb wandte er sich an seinen clevischen Statthalter Johann Moritz von Nassau, der ein geschätzter Kunstfreund war und sich in damaligen niederländischen Kunstkreisen grosser Beliebtheit erfreute. Das kurfürstliche Schreiben lautet: "Hochwürdiger, Hochgeborener Fürst, Freundlich lieber Vetter. Ew. Liebden. geben wir hiermit freundt-Vetterlich Zu vernehmen, welcher gestalt Wir eine Zeitlang Hanss Jürge Wolffgrübel Zu Amsterdam in der Mahler Kunst unterrichten lassen, Weil sich nun derselbe sehr fleissig erwiesen, wir auch die Hoffnung haben, dass er in dieser Kunst dermaleinst Zu unserm gnädigstem contento bestehen wirdt, Und demnach entschlossen sein, ihn noch eine Zeit lang bey erfahrenen Meistern Zu Antwerpen unterrichten zu lassen, So gesinnen Wir an Ew. Liebden hiermit freundt Vetterlich, Sie wollen diesen

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Wolffgrübel so bald er sich bey Deroselben anmelden wird, behülflich sein, dass er nicht allein dahin gelangen und von Ew. Liebden an die Jenige Meister, so Ew. Liebden er benennen wird, auf's beste recommendiret werden möge, besonders ihm auch alle Viertel Jahr so viel nachgeschicket werde, alss zu seinem ausskommen er benötiget sein wird, Gestalt wir dan auch an Unsern General Wachtmeister den Freiherrn von Spaen gnädigst befehlen, Ew. Liebden hierin an die Hand Zu gehen. Etc. Köln a. d. Spree 2 Februar 1664. An Printz Mauritzens Fürstliche gnaden".

Und gleichzeitig empfing genannter Generalwachtmeister den folgenden Befehl: "Frd. Wilh. Churf. U. g. g. Z. Wolgeborener Raht, Lieber getreuer. Nachdem wir eine Zeit lang Hanss Jürgen Wolffgrübel zu Ambsterdam in der Mahler Kunst unterrichten lassen, und mit seinem bisshero verspürten Fleiss gnädigst woll Zufrieden sein, auch die Hofhung haben, dass er Künfftig sich in dieser Kunst genugsam perfectioniren wird, Und demnach entschlossen sein, ihn noch eine Zeitlang bey erfahrenen Meistern zu Antwerpen unterrichten zu lassen, So haben wir bey Unseres Clevischen Statthalters Printz Mauritzens Liebden die Vorsehung gethan, damit ihm so lange alss wir ihn daselbst halten wollen, die nöthigen mittel dazu quartaliter mögen nachgeschicket werden, Und wollen Zugleich auch Euch hiemit gnädigst befohlen haben, Ihre Liebden darin auf Begehren Zu assistiren und es dahin zu richten, damit diesem Wolffgrübel an solchen mitteln es niemalss ermangeln und er dadurch an seinem Fleiss behindert werden möge. Und etc. Cöln a. d. Spree 2. Februar 1664. An den General-Wachtmeister Freiherrn von Spaen".

Wolfgrüber ging indess nicht nach Antwerpen, sondern - vielleicht auf Vorschlag des Fürsten Moritz von Nassau - in die Werkstatt des bekannten Rubensschülers Theodor van Thulden, der damals wieder in seinem nordbrabantischen Geburtsort Herzogenbusch lebte. Dieser Meister gehörte mit zu den Malerdekorateuren des Oraniensaales im "Haus im Busch"; und später hat sich auch der Grosse Kurfürst seiner Hand zur Ausschmückung des Marmorsaales im Potsdamer Stadtschlosse bedient. Sein Name erinnert uns ausserdem an einen gewissen H. G. van Thulden aus Herzogenbusch, der zur selben Zeit wie Friedrich Wilhelm in Leyden studirte und nach dem Album Studiosorum, am 6. April 1635 an der dortigen Universität inscribirt wurde. Auf dessen muthmasslichen Verwandten, den

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Maler, bezieht sich nun ein im Geheimen Staatsarchiv bewahrtes Koncept zu einem kurfürstlichen Schreiben. Am Rande des Papiers steht zwar bemerkt: "Dieses schreiben ist von S. Churfl. Durchlaucht nicht abgegangen, sondern nahmens des Herrn Ober-Präsid. (Schwerins) auf solche Massen an den Mahler geschrieben worden". Doch scheint mir der Inhalt dieser Zeilen so wichtig zur Beurtheilung des Verhältnisses Friedrich Wilhelms zur Bildenden Kunst, dass ich mir die wortgetreue Wiedergabe des Schriftstückes nicht versagen kann:

"An Theodorum van Thülden, Kunst Mahlern zum Hertzogenbusch".

,Friedrich Wilhelm Churfürst. U. G. G. Z. Lieber Besonder. Nachdem Wir al Zeit ein sonderbares gefallen an Euer Kunst getragen, So haben Wir Johan Christoff Wolffgrübeln, welchen wir bisshero in Amsterdam lernen lassen, sich eine Zeitlang bey euch aufzuhalten und sich in der mahler Kunst fleissig Zu üben, Befohlen, Und gesinnen demnach an Euch in gnaden, dass Ihr diesen Menschen Euch aufs beste recommendiret sein lassen wollet, ihn in der Kunst fleissig unterrichtet, damit er darin zur perfection kommen möge, Solches wird Euch zu grossem Ruhm gereichen, Und wir seind es in gnaden Zu erkennen geneigt. Cöln a. d. Spree 14. Juni 1664."

Dasselbe Datum trägt ein zweites Schreiben ohne Adresse, die sich indess leicht als diejenige des Freihern von Spaan zu Cleve ergänzen lässt. Es lautet: "Friedrich Wilhelm Churfürst. U. g. g. z. Wohlgeborener Raht, Lieber getreuer. Ihr werdet Euch zu erinnern wissen, was Wir Euch hierüber unterm Dato Cölln a. d. Spree den 2. Februar dieses Jahres wegen Johann Christoff Wolffgrübels, welchen wir die Mahler Kunst erlernen lassen, in Gnaden befohlen. Nachdem nun derselbe sich anitzo bey Theodoro Thülden Zum Hertzogen Busch auf Unsern gnädigsten Befehl, sich in der Kunst daselbst zu perfectioniren, aufhält, So ergehet hiemit Unser gnädigster Befehl abermalss an Euch, dass Ihr dafür sorget, damit es diesem Menschen an behörigen mitteln nicht ermangelt, Und wegen des geltmangels nicht aufgehalten, noch verursachet werde, künftig selbst nach Cleve zu kommen, solche gelder zu sollicitiren, weil er dadurch sich merklich versäumen würde. Und etc. Cölln a. d. Spree den 14. Juni 1664."

So viel geht aus den mitgetheilten Schriftstücken zur

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Evidenz hervor, dass dieser junge clevische Künstler dem Kurfürsten sehr warm empfohlen worden sein muss und dass man auf sein Maltalent grosse Hoffnungen gesetzt hat, ist doch sogar von dem Ruhm die Rede, den sich van Thulden durch seinen deutschen Schüler erwerben würde. Nun kommt aber später der Name Wolfgrüber unseres Wissens überhaupt niemals im Zusammenhang mit künstlerischen Arbeiten, weder in der Mark noch sonstwo, vor, und so darf man wohl annehmen, dass der kurfürstliche Schützling eines vorzeitigen Todes starb und dadurch verhindert wurde, jene hochgestellten Erwartungen zu erfüllen. Im März 1666 hatte er seine Studien bei van Thulden in Herzogenbusch bereits beendigt, denn damals ersetzte er in Cleve, wie wir oben hörten, Blesendorf als Zeichenlehrer der jungen Prinzen. Auch dieser reiste als kurfürstlicher Stipendiat ins Ausland. Sein Studienaufenthalt in Italien und besonders in Rom dauerte von 1666 bis 1668. Zurückgekehrt, nahm Blesendorf's Karriere einen raschen glänzenden Verlauf, er wurde Oberbauingenieur und Baudirektor und 1673, nach de Chieze's Tode, sogar zum Generalquartiermeister der Armee ernannt.67

Auf Jahre hatte die kurfürstliche Familie im Oktober 1666 Abschied von Cleve genommen. Die Kurfürstin hatte sich zunächst von den Ihrigen getrennt und war nach dem Haag gefahren. Die Prinzen kamen am 6. November wieder in Berlin an. Und drei Tage darauf heisst es im Erziehungs-Journal: "Umb 2 hatt der Chur Printz mit dem Kupferstecher angefangen zu reissen". Ofenbar handelt es sich hier um einen neuen Lehrer, der leider nirgends genannt wird. Der Unterricht schwankte zwischen zwei und drei Stunden wöchentlich, fand aber gewöhnlich nur zwei Mal, zur üblichen Nachmittagszeit, statt. Ausnahmsweise ist am 16. und 19. Januar 1667 Vormittags vermerkt: "statt des Dantzens gerissen". Anfänglich nahm ich an, dass es sich damals lediglich um eine Fortsetzung der früheren Uebungen handelte. Doch bald gewann ich die Ueberzeugung, dass der Kurprinz, wie später Prinz Friedrich, bei diesem ungenannten Kupferstecher das Radiren,

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Aetzen und Drucken von Kupferplatten erlernte. Unterm 2. März 1672 meldet nämlich Schwerin: Prinz Friedrich gezeichnet, auch etzliche Kupffer in seiner Kammer auff einer Kleinen presse gedrücket".

Es scheint, dass einer der beiden jüngeren Brüder Joachim Ernst Blesendorfs, die ja vorzugsweise Kupferstecher waren, damals bei Hofe unterrichtete, vielleicht Samuel, der ältere und berühmtere. Nicolai erwähnt eine ganze Reihe von Mitgliedern dieser Familie, die zum Theil erst unter König Friedrich I. urkundlich genannt werden. Der Vater jener Brüder und ihrer ebenfalls künstlerisch thätigen Schwester Elisabeth hiess Ananias Blesendorf. Derselbe war seines Zeichens Goldschmied, arbeitete als solcher um 1652 für den Hof und starb um 1670 im hohen Alter. Der jüngste seiner Söhne, Konstantin Friedrich, arbeitete an verschiedenen Werken zusammen mit Samuel, dem er auch nach dessen Tode (1707) in der Stellung eines Hofkupferstechers folgte.

Am 6. Februar 1667 hatte Karl Aemil sein zwölftes Lebensjahr vollendet. Und seitdem finden wir im Journal fast täglich Zeichenübungen vermerkt, was die Richtung der Ausbildung dieses begabten Prinzen um so mehr kennzeichnet, als auch der Musikunterricht damals keineswegs vernachlässigt wurde. Selten genug liest man "Der Kupferstecher ist ausgeblieben", so am 25. Januar 1667 und erst wieder am 31. Juli des folgenden Jahres. Einige Zeit darauf erlitt der technische Unterricht durch die Uebersiedelung des Hofes nach Königsberg kurze Unterbrechung. Am 20 November zeichnete der Kurprinz hier ohne Anleituung. Vier Tage darauf heisst es: "Umb 2 hatt der Chur-Printz mit einem neuen Meister alhier angefangen zu zeichnen". Wer dieser Königsberger Lehrer war oder gewesen sein kann, vermag ich nicht einmal anzudeuten; er erhält im Journal gelegentlich (20 Nov.) den Titel "Kunst-Meister".

Die grosse Lücke, welche das bis dahin so sorgfältig verfasste Journal bezüglich der Jahre 1669 und 1670 aufweist, verhindert uns leider, über den Fortgang der künstlerischen Studien der beiden Prinzen in dieser Zeit Betrachtungen anzustellen. Was wir alsdann aus den flüchtiger werdenden Angaben des Tagebuches entnehmen, ist, dass der Kurprinz nach Vollendung seines 16. Lebensjahres aus dem Kreise strenger stündlicher Beaufsichtigung trat, und dass in den beiden

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letzten Jahren des Schwerinschen Erzieheramtes Prinz Friedrich die Hauptperson des Journals bildete. Während sein älterer Bruder mit der vollen Leidenschaft seiner heissblütigen Natur sich der erworbenen Freiheit hingiebt, um sein Leben mit kräftigen Zügen zu geniessen68, während er ohne Ermüdung spielt, tanzt, reitet, auf die Jagd zieht, sehen wir den Prinzen Friedrich in seinem Gemache emsig lernend, musicirend, in Kupfer stechend oder von Blesendorf im Zeichnen, in der Festungslehre und in der Mathematik unterwiesen werden. Fast täglich liest man im Journal über ihn: "mit Mons. Blesendorf gerechnet" oder "mit Mons. Blesendorf gezeichnet". Am 17. Oktober 1671 steht vermerkt: "Prinz Friedrich gerissen und zu Hause geblieben", und interessant ist die Notiz vom 3. November, die nach dem Vermerk, dass allein der Kurprinz Urlaub zu angenehmem Zeitvertreib erhalten, hinzufügt: "Prinz Friedrich aber mit Mons. Blesendorf mit Schantzen machen von Wachs sich exerciret".

Ob die Prinzen während eines vorübergehenden Aufenthalts in Landsberg noch anderweitigen technischen Unterricht genossen, schien mir der Frage werth, nachdem mir die Notiz des Journals zu Gesicht gekommen war: "Umb 10 Uhr ist der Herr Rüdger zu den Prinzen gegangen" (23. Sept. 1671). Mir fiel nämlich bei dieser Gelegenheit der Holländer Rütger van Langerveld ein, der Schöpfer des Köpnicker Schlosses, von dem auch durch Nicolai bezeugt wird, dass ihm neben seiner Thätigkeit als Maler und Architekt zugleich die Unterweisung der Kurfürstlichen Prinzen in der Mathematik aufgetragen" wurde. Doch ist dies erst später gewesen, wie aus der Erneuerung seiner Bestallung als Hofmaler (Dat. Potsdam, 31. Mai 1669) hervorgeht. Langervelds Unterweisung kann sich also nur auf den Prinzen Ludwig (geb. 1666), den jüngsten Sohn der Louise Henriette, und auf den ältesten Sohn aus der zweiten Ehe des Kurfürsten, den Prinzen Philipp Wilhelm (geb. 1669), beziehen. Nicolai erwähnt übrigens noch einen schon unter Georg Wilhelm seit 1630 beschäftigt gewesenen Rüdiger von Waldow, der den Festungsbau zu Küstrin und Spandau geleitet hatte. Ein Joachim Rüdiger von Golze war, nach demselben Autor, 1661 kurfürstlicher Generalmajor, 1665 Generallieutenant und

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sonst, seit 1661, verschiedene Jahre lang Gouverneur zu Berlin; auch dieser betrieb den Festungsbau. Es bleibt also fraglich, wer jene im Jahre 1671 mit "Herr Rüdger" bezeichnete Landsberger Persönlichkeit war und in welcher Funktion dieselbe die beiden Prinzen besucht hatte.

Dass der Kurfürst kurz vor Langervelds Heranziehung zum prinzlichen Unterricht in der That eine hierfür geeignete Persönlichkeit gesucht hat, dürfte auch aus dem an früherer Stelle mitgetheilten Schreiben69 des Fürsten Moritz von Nassau hervorgehen, der jenen Donep als "gewünschtes subject bey Ew. Durchlaucht Junge Prinzen" angelegentlichst empfahl . . . Und noch von einem anderen Zeichenlehrer am Hofe zu Berlin haben wir zum Schluss Erwähnung zu thun, von Gottfried Leygebe, dem aus Schlesien stammenden Eisenschneider und Maler. Wann Leygebe unterrichtete, meldet freilich Nicolai nicht, dem wir diese Kenntniss verdanken.

Die Zeichen- und Schreibebücher der beiden Prinzen Karl Aemil und Friedrich befinden sich heute gleichfalls im, Geheimen Staatsarchiv; auch sie gehörten früher der Manuskriptensammlung der Königlichen Bibliothek zu Berlin an und wurden mit anderen, auf die hohenzollernschen Fürsten bezüglichen Papieren dorthin abgegeben. Die Zahl der noch vorhandenen Zeichenbücher übersteigt ein Dutzend, wovon das Meiste mit Sicherheit jenem frühverstorbenen Kurprinzen zuzusprechen ist. Mehrere dieser Bücher lassen nämlich auf dem Deckel das Monogramm und auf dem Titelblatt das, wohl von der Hand des Lehrers, monochrom oder polychrom ausgeführte Wappen Karl Aemils erkennen. Wir wollen nun die Bücher nach einander, so wie sie uns im Staatsarchiv vorlagen und wie sie auch der Chronologie ihrer Benutzung zu entsprechen scheinen, wenigstens flüchtig betrachten.

Das erste Heft, Format Kleinoctav (B. 10) zeugt von mangelhafter Leitung des Zeichenunterrichts. Wir finden hier anfänglich ziemlich nachlässig hingeworfene Rothstift-Skizzen nach menschlichen Gesichtstheilen, Augen, Nase und Mund.

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Dann sieht man ebenso flüchtige Federzeichnungen nach Köpfen, kleinen Gebäuden u. dgl. Der Schüler, dessen Hand hier thätig war, bekundet Zerstreutheit und Gleichgültigkeit; er hat die sorgfältigen Vorzeichnungen des Lehrers nicht oder nur ungenügend beachtet. Ein Theil der Blätter ist sogar mit allerlei Schmierereien in Rothstifft, Federstrichen oder Silberstift bedeckt. Auf einem Blatte liest man den Namen des prinzlichen Schülers in drei Versionen:

Carl Emile

Charle Emile

Carolus Aemile.

Aus alledem darf wohl geschlossen werden, dass dieses Heft sehr früher Entstehung ist und vielleicht um die Zeit der Uebersiedelung von Berlin nach Cleve (1665) benutzt wurde.

B. 11 ist ein stärkeres Buch in Kleinquart, solide in Schweinsleder gebunden. Das Titelblatt enthält die Abkürzung des kurprinzlichen Namens: C. E. F. (Carl Aemil Fecit). Innerhalb des Buches ist gelegentlich der scherzhafte Versuch gemacht worden, aus diesen und anderen Buchstaben Monogramme zu bilden. Die Uebungen geschahen in der Weise, dass der Lehrer auf jedem Blatte etwas vorzeichnete, zuerst einfach umrissene Köpfe im Profil, dann solche in ¾ Vorderansicht mit zunehmender Modellirung und wachsender Anwendung perspectivischer Verkürzung, weiter Häuser, Dorfkirchen, Köpfe en face und kolorirt und endlich ganze Figuren in mehr oder minder complicirter Bewegung. Alles dies versuchte der Schüler zuerst blos nachzuziehen, später nachzuzeichnen; doch auch hierbei fehlte es noch an dem nöthigen Ernst. Das mechanische Nachziehen auf den ersten Blättern geschah in rothen, blauen, gelben oder grünen Wasserfarben. Ueberall gab sich der mehr zum Spiel als zur wirklichen Arbeit geneigte Sinn eines noch unreifen Knaben kund, der manches Mal sogar zwischen den Zeichnungen seine eben erlernten polnischen Vokabeln niederschrieb. Die Lehrmethode schlug insofern den richtigen Weg ein, als sie von einfachen Vorzeichnungen allmählig zu schwierigeren Dingen überging; nur hätte sie für den Anfänger einen weit grösseren Maassstab der vorgezeichneten Formen wählen müssen.

Das nächste ebenfalls starke und in Schweinsleder gebundene Buch (B. 12) hat längliches Format und verräth eine etwas vorgerücktere Stufe des zeichnerischen Könnens. Neben dem kur-

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prinzlichen Wappen steht auf dem Titelblatte vermerkt: "Am 17. aprilis 1667 ist dieses Buch beygelegt. C. Æ." Auch hier bestehen die Uebungen des Schülers zunächst darin, die Vorzeichnungen des Lehrers mit Silberstift, bisweilen mit Wasserfarbe nachzuziehen. Von dem Eifer, den der junge Prinz gerade in jenem Jahre für das Zeichnen bekundete, geben namentlich die folgenden Blätter einen ausreichenden Begriff. An einer Reihe männlicher Profilköpfe wird ihm Verschiedenes, auf die Propositionslehre Bezügliches beigebracht und zwar durch eingezeichnete Dreiecke oder Parallellinien. Er überzeugt sich, dass die beiden Tangenten des Ohres, die einerseits nach dem Augenwinkel, andererseits nach der Nasenöffnung gezogen werden, parallel laufen, dass ferner die Mitte der Ohrperipherie mit der Kinnspitze und der Stirnmitte an den Haarwurzeln Eckpunkte eines dreiseitigen Dreiecks bildet. Weiter wird die Anlage von Schattenparthien durch Schraffirungen gelehrt; alsdann werden Füsse, Hände, Nase, Augen, Mund, Ohr und schliesslich verschiedenartige Köpfe in Stift und Kohle gezeichnet. Bestandtheile der Landschaft und diese selbst, staffirt mit Mauern, Wasser u. dgl., bilden den Abschluss.

B. 13, ein dickes Zeichenbuch, hat etwas längliche Form und ist in braunem Leder gebunden. Folgende Abbreviatur ist, in Gold vertieft, auf dem Deckel zu lesen:

C •Æ• M•V• C• Z• B •1668•

d. h.: Carl Aemil Markgraf Und Churprinz Zu Brandenburg 1668. Hier findet sich auf dem Titelblatt das sauber kolorirte Monogramm des Prinzen mit dem Kurfürstenhut darüber. Jedes Blatt enthält links oben, in Rothstift, eine Vorzeichnung des Lehrers, und zwar eine mehr oder minder bewegte Figur im holländischen Geschmack der Zeit. Der Schüler copirt diese Figur ein, zwei oder oft drei Mal, wobei jede folgende Copie weniger gut gelingt und immer grösser geräth. Später tritt eine Abwechselung in den vorgezeichneten Motiven ein, und wir begegnen im Buche Pflanzen, Bäumen, Köpfen, Reitern, Häusern, Ruinen und selbst Festungstheilen.

Das nächste Buch (B. 57) enthält eine mit Pastellstiften ausgeführte Darstellung auf dem Titelblatt: Die mit Schild und Lanze bewaffnete Minerva auf einem Postament; auf dem Schilde sieht man das brandenburgische Adlerwappen. Diesem Buch fehlt die Jahreszahl, auch irgend welches Monogramm. Doch

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ist an der Urheberschaft des Kurprinzen nicht zu zweifeln. Es scheint unmittelbar nach B. 13 benutzt worden zu sein. Das Buch beginnt mit Frucht- und Blumenstudien in Roth- und Silberstift, während die späteren Zeichnungen Köpfe idealen und porträtistischen Characters - darunter augenscheinlich Versuche mit Bildnissen von Familienmitgliedern - vorstellen. Da erkennt man u. A. an einem Beispiel die markigen Züge des kurfürstlichen Vaters, an einem anderen das erst begonnene Bildniss der damals kurz zuvor verstorbenen Kurfürstin Louise; beide erinnern an Marmorbüsten des Parkes zu Sanssouci70. Da glaubt man ferner das Selbstporträt Karl Aemils und den feinen Kopf seines Bruders Friedrich, in zwei sehr hübsch mit Rothstift und Estampe ausgeführten Zeichnungen zu erblicken.

Auch B. 58 besitzt kein Monogramm, sondern lediglich das Datum "Nr. 1668 den 21. September" auf dem Titelblatt. Die Blätter enthalten Illustrationen aller möglichen belebten und unbelebten Gegenstände, die mannigfaltigsten Einzelheiten landschaftlicher, architectonischer und figürlicher Art, auch ganze malerische Scenerien. Die augenfällige Treffsicherheit, welche die Darstellungen offenbaren, deutet durchweg auf die Hand des Lehrers; ebenso dürfte auch das Heft B. 59 mit seinen im holländischen Geschmack behandelten Uferlandschaften lediglich als Vorlage für die Zeichenübungen der Prinzen gedient haben. Gleiches ist der Fall gewesen mit dem grossen Buche B. 61 b, welches auf grünen rauhen Kartonblättern reiche landschaftliche Ansichten, mit schwarzer und weisser Kreide ausgeführt, enthält. Die durchaus auf technische Veranlagung schliessenden Kopien dieser Kreidezeichnungen füllen das Heft B. 61a.

Mehr oder minder beachtenswerthe Proben von Schülerhand treten uns ferner aus den Büchern B. 60, B. 62, B. 63, B. 64 und B. 6571 in überaus mannigfaltigen Uebungen entgegen. Der zuerst bezeichnete stärkere Band (B. 60) hat dem betreffenden Prinzen - wir können nicht entscheiden, ob Karl Aemil oder Friedrich - gleichzeitig als Brouillon gedient; hier sieht man die Uebungen in Gestalt von Landschaften, Städte- und Parkansichten, Architecturen u. s. w. in Kohle ausgeführt. B. 62 enthält zuerst wiederum kleinere Studien nach Gesichtstheilen, auch

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Portraits, Köpfe von Menschen, Pferden, Hunden und Raubvögeln. Zahlreiche Blätter besitzen links oben Vorzeichnungen von der Hand des Lehrers. Silberstift, Feder und bunte Wasserfarben sind abwechselnd zur Verwendung gekommen. Auch hier ist der Weg von einfachen zu schwierigen Vorwürfen eingeschlagen worden. B. 63 hat ein ähnlich grosses Format wie das vorige Heft, die Uebungen darin sind mit Kohle, Feder und Silberstift ausgeführt. Sie verrathen geringere Routine als die obigen Leistungen, und so dürfte der vorliegende Band, gleich dem nächstfolgenden Heft, mit seinen ziemlich einfachen mathematischen Zeichnungen und fortificatorischen Studien wohl einst Eigenthum des Prinzen Friedrich gewesen sein. Natürlich lässt sich dies nur als Vermuthung aussprechen.

Es wäre in der That gewagt, wollte man in Schülerübungen individuelle Feinheiten so deutlich wahrnehmen, dass sich daraus für das geübtere Auge Unterschiede und Schlüsse bezüglich des Urhebers ergäben. Man erwäge im vorliegenden Falle, dass die Begabung der beiden Prinzen anscheinend gleichartig war, dass ferner der Unterricht von denselben Personen, auch in der Methode übereinstimmend, ertheilt wurde und dass endlich die Altersdifferenz wenigstens für die letzten Jahre der Jugenderziehung der Prinzen zu geringfügig war, um als ausschlaggebend für den Grad des technischen Könnens erkannt zu werden. Für die erste Zeithälfte dieser Erziehung (1663-1668) aber sind wir durch äussere Merkmale über die Autorschaft der Bücher hinlänglich informirt.

In beiden jungen Prinzen offenbarte sich gleich früh ein sichtliches Interesse für die zeichnenden Künste. Möglich, dass dies bei dem stärkeren Temperamente, dem feurigen, aber launenhaften Geiste des Kurprinzen auch relativ eher zur Ausübung drängte. Da seine Person weit wichtiger bei Hofe war, so spielte er demgemäss auch im Erziehungs-Journal Schwerin‘s die grössere Rolle, und wir gewinnen daraus leicht den Eindruck, als hätte er allein in früher Jugendperiode eine der besonderen Berücksichtigung würdige Persönlichkeit besessen, während Prinz Friedrich ein schüchterner, folgsamer, in seinem Thun und Lassen unauf-

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fälliger Knabe gewesen sei. Das Letztere entsprach vielleicht nicht ganz der Wirklichkeit. Die kurzen Bemerkungen, die über den jüngeren Prinzen vorhanden sind, geben sein Characterbild überhaupt nur in sehr flüchtigen Umrissen, sodass wir bezüglich seiner eventuell gut thun würden, auch andere Quellen zu Rathe zu ziehen und uns zugleich die spätere historische Persönlichkeit des Nachfolgers des Grossen Kurfürsten zu vergegenwärtigen.

Die Empfänglichkeit für Kunstwerke aller Art war, wie gesagt, bei beiden Prinzen gleich gross, und ihr kurfürstlicher Vater nahm gern Gelegenheit, dieser Vorliebe weitere Nahrung zu gewähren. Dafür enthält das Journal manchen interessanten Beleg. Ich erinnere zunächst an jene auf den Clever Aufenthalt des Hofes bezügliche Notiz vom 19. März 1666, die wir schon an anderer Stelle mitgetheilt haben72. Sie meldet von künstlerischen Gegenständen, welche der König von Frankreich seinem damaligen Bundesgenossen Friedrich Wilhelm verehrte, und bei deren Aufstellung im Schlosse die Prinzen, auf Grund einer Erlaubniss ihrer Eltern, zugegen sein durften. Diese aussergewöhnliche Befreiung von dem üblichen Tagespensum ist immerhin bemerkenswerth. Sonst trat nemlich eine Unterbrechung des Unterrichts nur in dringenden oder ernsten Fällen z. B. bei Erkrankungen und vorübergehenden fürstlichen Besuchen ein.

Auch von einem anderen Ausnahmefall wird uns unterm 20. Januar 1667 berichtet: "Umb halb 9 zu S. Churfürstl. Durchlaucht gegangen undt die Predigt allda angehöret, auch bei Deroselben in der Cammer gegessen, undt fast den gantzen Nachmittagh bei Ihm geblieben, da Seine Churfürstl. Durchlaucht einem Jeden ein gantz Theil Schildereyen geschenket. Umb 5 in ihre Cammer gegangen, wo Sie die Schildereyen angeordnet ..." Auf Notizen ähnlichen Inhalts stösst man zu Ende desselben Jahres. Da heisst es z. B. am 28. December vom Kurprinzen allein: "Nach essen zu S. Churfürstl. Durchlaucht gegangen, welcher ihm eine Schilderei gegeben, dass Sie darümb spielen müssen, welche Printz Friedrich gewonnen". Und am folgenden Tage (29. Dec.) lesen wir: "Nach essen wieder Zu S. Churfürstl. Durchlaucht gegangen, welcher oben bereit gewesen nach Potztam zu fahren, Zuvor aber den Printzen 2 Schildereyen gegeben, ümb welche Sie mit würffeln spielen müssen, deren eine

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der Chur Printz, die andere Printz Friedrich gewonnen ..." Alle diese "Schildereyen" mögen Bildnisse der kurfürstlichen Eltern, der Geschwister oder anderer Verwandten gewesen sein.

Gern benutzte der Kurfürst vor seinen häufigen Reisen in entfernte Provinzen oder nach dem Kriegslager die Gelegenheit, sich einige Stunden ausschliesslich seiner Familie zu widmen, und dabei verehrte er den Prinzen nicht selten ein neu gefertigtes Bildniss von sich, in der Hoffnung, dass ihnen dadurch die Trennung minder schwer fallen würde. Wie tief aber die Trennung von den Eltern beiden Prinzen in jungen Jahren zu Herzen ging, entnehmen wir aus verschiedenen Beobachtungen ihres trefflichen Erziehers. Als sich die Knaben in Cleve, am Abend des 10. Mai 1666, nach dem Abendessen, von ihrem Vater verabschiedeten, der in der folgenden Nacht nach Holland reisen wollte73, gab es eine rührende Scene, die sich später bei ihrem Abschied von Cleve und der Trennung von der Kurfürstin wiederholte. Am lebhaftesten aber schildert das Journal den Schmerz der Prinzen, als ihnen die unerwartete Nachricht von dem Tode ihrer zärtlich geliebten Mutter gebracht wurde. Sie brachen beide in ein herzerschütterndes Geschrei aus. Prinz Friedrich war der erste, der sich nach längerem Schluchzen zu fassen begann, um zugleich den Versuch zu machen, auch den älteren Bruder zu trösten. Doch dies gelang ihm nicht. Der Kurprinz wies andauernd jeden Bissen hartnäckig von sich und vermochte selbst zur Nachtzeit keine Ruhe zu finden. Oft belauschte ihn dann Schwerin und sah, wie er wachend, im Bette aufrecht sitzend, die Hände fromm gefaltet, im kläglichen Tone halblaut unter heissen Thräuen den Namen der hochseligen Frau ausrief. Grade so tieftraurige Begebenheiten lassen den Unterschied des Characters der beiden prinzlichen Knaben deutlich erkennen. Während Prinz Friedrich das kühlere Wesen und die Selbstbeherrschung der Oranier geerbt zu haben schien, besass Karl Aemil eine nervöse, heissblütige, sensitive Künstlernatur. Liebenswürdig, einschmeichelnd und stürmisch in seinen Liebkosungen, wenn ihn das Gefühl der Dankbarkeit erregte, riss ihn in anderen Momenten die heisse Leidenscheft des Zornes zu ebenso masslosen Aeusserungen hin.

Nicht selten war der Kurprinz gegen seine Umgebung hochfahrend, gegen einen seiner Lehrer unfolgsam. Ja, es kam vor,

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dass er einem nicht sofort Ordre parirenden Pagen mit gezückter Seitenwaffe drohte. In solchen Fällen folgte die väterliche Strafe mit jener, selbst in der nächsten Umgebung Friedrich Wilhelms geübten, Unnachsichtigkeit auf dem Fusse. Und die Furcht, auf die fürsorgliche Liebe seiner Eltern nur einen Tag Verzicht leisten zu müssen, war für das Ehrgefühl des prinzlichen Knaben unerträglich. Um so aufrichtiger trat daher die Reue ein, wenn ihm Schwerin in bewegten Worten vorhielt, wie sehr er sich durch sein übles Betragen "an Gott und seinen durchlauchtigsten Eltern" vergangen habe. Dann säumte der Prinz nicht länger, alle diejenigen um Verzeihung zu bitten, die er beleidigt, und de- und reumüthige Briefe an den Kurfürsten und die Kurfürstin zu schreiben, in der Hoffnung, dass ihm die Strafe der Verbannung von den Augen seiner Eltern geschenkt werde.

Dass übrigens zuweilen auch die Prinzen für die letzteren ihre Portraits malen liessen, entnehmen wir ebenfalls aus Notizen des Erziehungsjournals. So kam im Juni 1666, bei Gelegenheit eines kurzen Aufenthalts in einem kleinen Utrechtschen Orte, ein Maler Namens Janson74 zu ihnen, um erst den Kurprinzen, dann dessen jüngern Bruder im kleinen Format zu konterfeie75. Auch vor der Uebersiedelung des Hofes nach Königsberg liess sich Karl Aemil "auf seiner Kammer" portraitiren; das geschah am 1. August 1668, gleich nach Aufhebung der Tafel. Sicherlich trug dieser frühzeitige persönliche Verkehr mit Malern dazu bei, die Söhne Friedrich Wilhelms des Grossen in ihrer Vorliebe für Kunstwerke und Künstler zu bestärken und ihren eifrigen Zeichenübungen einen erhöhten Reiz zu geben.

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IV. Sonnenburg. Das Ordensschloss und sein Bauherr.

Weit, weitab von dem Schauplatz, auf dem die wichtigen Dinge dieser Welt geschehen, liegt das neumärkische Städtchen Sonnenburg, angeblich benannt nach einer Burg, die vor Zeiten, als hier die Wenden unterworfen wurden, unweit des Ausflusses der kleinen Lenze in die Warthe gegründet worden sein soll. So meldet nemlich die Legende.

Der Ort, ein ehemals kümmerliches Fischerdorf, und die Burg, durch genanntes Flüsschen von einander getrennt, fielen samt der Umgebung noch im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts dem hohenzollernschen Markgrafen von Brandenburg als Lehn zu, der diesen seinen Besitz im Jahre 1426 dem Herrenmeister des Johanniterordens Balthazar von Schlieben übertrug "umb Newnhundert schock guter behmischer Groschen76. Damit beginnt die Geschichte des Johanniterordens in der Mark Brandenburg sich um das Städtchen Sonnenburg und sein altes Schloss zu konzentriren.

Das Meisterthum, welches die Mark, Sachsen, Pommern

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und Wendland umfasste, war nur eine Filiale des deutschen Grosspriorats. Und letzteres war wiederum eine der Gründungen, die der in Jerusalem, während der Kreuzzüge, entstandene Spitalorden der Johanniter im Abendlande nach und nach veranlasst hatte, zu dem Zweck, die religiösen und humanen Absichten des Ordens zu fördern. Als die Begeisterung für die Kreuzzüge allmälig schwand, verloren die Johanniter, die schliesslich ihren Stammsitz nach Rhodos und Malta verlegen mussten, ihr Ansehen zwar nicht. Aber aus dem ursprünglichen Spitalorden entwickelte sich, parallel mit der zunehmenden Verweltlichung aller Dinge, ein militärisch - politisch einflussreicher Ritter- und Herrenorden, der natürlich die Krankenpflege nicht mehr selber ausübte. Die Filialen oder Dependenzen dieser frommen aristokratischen Gemeinschaft hatten Vorsteher; sie führten den Titel "Balleyer" oder "Herrenmeister", der, dem Rang nach, jenem in Holland bekannten "Baljuw" entspricht. Jede Dependenz erfreute sich einträglicher Besitzungen, sogenannter Kommenden: auch die Balley Brandenburg, schon als Balthazar von Schlieben den Ort Sonnenburg "im Lande Sternberg" von Markgraf Friedrich I, dem Hohenzoller, erwarb77.

Den Markgrafen stand schon früher das Patronat über die Balley zu, und man erkannte ihnen in der Folge sogar das Recht zu, wenn das Amt des Herrenmeisters durch Tod erledigt war, einen Nachfolger vorzuschlagen und den darauf gewählten neuen Herrenmeister zu bestätigen. Die Konfirmation geschah und geschieht noch heute in der kleinen gothischen Kirche des Städtchens, in Gegenwart des brandenburgischen Markgrafen oder eines von ihm ernannten Vertreters. Es darf übrigens als bekannt vorausgesetzt werden, dass die Johanniterritter zu Sonnenburg sich im 16. Jahrhundert der lutherischen Lehre anschlossen. Ueber den genauen Zeitpunkt dieses Ereignisses sind wir nicht unterrichtet. Doch gilt Graf Martin von Hohenstein, der freilich 40 Jahre lang regierte (1569-1609), als der erste evangelische Herrenmeister der Balley.

Unter der Regierung Georg Wilhelms war das Oberamt des Ordens nichtsdestoweniger dem katholischen Grafen und Minister Adam von Schwarzenberg zugefallen (1625). An dessen

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Wirksamkeit knüpft sich auch eine kleine kunstgeschichtliche Begebenheit. Der alte Altar der Sonnenburger Ordenskirche, eine prächtige bildnerische Schöpfung der Renaissance, erinnert nemlich an ihn als Herrenmeister. Dieses Kunstwerk aus Marmor und Alabaster, dessen Hauptrelief die Geburt Christi darstellt, stand vordem in der Schlosskapelle zu Berlin und muss nach der überaus zarten Ornamentik des Altars zu urtheilen, ungefähr um die Mitte des 16. Jahrhunderts oder etwas später, augenscheinlich von einem flandrischen Meister gearbeitet worden sein. Als die kurfürstliche Familie das reformirte Bekenntniss annahm, wird man den Altar abgebrochen und ihn seinem Schicksal irgendwo überlassen haben. Denn darauf bezieht sich der folgende Brief Schwarzenbergs an die Ordensräthe zu Sonnenburg:

"Veste Hochgelarte Rhaete und liebe Getreuwe.

Euch bleibet hiedurch unverhalten, das vor etlichen alhie in der Schlos-Capellen ein schoner altar von Marmel undt Holtz fein ausgeschnitzet, abgebrochen worden. Wan dan derselbe nit mehr an diesem Ort geachtet wirdt, So hab ich ihn aufgesparet, und werde denselben altar auf zwei Rüstwagen bis gen Chüstrin schicken, von dannen kan er zu wasser vort gebracht werden. Als wollet etwa einen feinen bequemen Platz darzu aussetzen, wo dieser altar stehen kan, etwa zu Sonnenburg oder zu Gruneberg oder zu Nawendorf in der Kirchen. Weiler aber Sonnenburg die rechte Residentz ist, So sollte ich am liebsten sehen, er werde alda auffgerichtet, da dan in der Kirchen woll wirdt Platz zu vinden seyn. Es kumpt mit der Bawmeister undt der Steinmetzer, die diesen altar gleich aufrichten sollen, ihr werdt inen so viel eysen zu Handt schaffen, als sie haben müssen, den altar Zu befestigen, und so lange sie dar sein, sollen sie gespeiset werden. Die Vererung wil ich hier geben.

Cöllen a. d. Spree, den 27. Juli 1626.

Adam Graf zu Schwarzenberg.78

Erst zehn Jahre nach dem Tode des Grafen Schwarzenberg († 1641) entschloss man sich zur Wahl eines Nachfolgers, des sechsundzwanzigsten Herrenmeisters. Kurfürst Friedrich Wilhelm schlug, dem Brauche gemäss, zwei Kandidaten vor, von denen Johann Moritz von Nassau, obwohl er noch nicht Mitglied des Ordens war, von vorn herein alle Chancen für sich hatte.

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Ihm wurde auch wirklich an dem Wahltage, dem 15. Juni 1652, die hohe Würde übertragen. Ritterschlag und Investitur konnten indess wegen dringender politischer Geschäfte und Reisen des Grafen, der eben damals seine Verdienste auch durch Erhebung zum deutschen Reichsfürsten belohnt sah, nicht vor Dezember stattfinden.

Eine Reise in den Warthebruch gehörte unter damaligen Verhältnissen nicht gerade zu den Annehmlichkeiten. Zudem hatte der Kreis Sternberg durch fortgesetzte Plünderungen der schwedischen Truppen empfindlich gelitten. Die Ortschaften waren dort, wie in der Altmark, sämmtlich verarmt und eines Theiles ihrer Bewohner beraubt. Handel und Gewerbe befanden sich noch immer im Stadium tiefsten Verfalls. Dass bei solcher Lage der Dinge die Vorbereitungen zum feierlichen Ordenskapitel Schwierigkeiten verursachten, liegt auf der Hand. Alle Ordensämter, die zur Balley gehörten, ausser Sonnenburg noch Grüneberg, Rampitz, Schenkendorf, Friedland u. s. w., mussten herangezogen werden, um die zum Fest und zum Aufenthalt der hohen Theilnehmer nöthigen Geld- und Naturalien - Lieferungen zu ermöglichen. Der Kurfürst konnte allerdings nicht persönlich erscheinen und wurde durch drei Gesandte, den Statthalter von Blumenthal, einen Freiherrn von Loeben und Dr. Johann Tornow, vertreten. Die Festlichkeit nahm am 9. Dezember ihren Anfang und verlief programmgemäss; dem Ritterschlag folgte die feierliche Einführung des neuen Herrenmeisters in sein Amt. Einige Tage nachher hielt Moritz sein erstes Ordenskapitel ab, worauf dann seine Pflichten, die er der Balley gegenüber auf sich nahm, festgestellt wurden und gewisse Fragen materieller Art, die damit zusammenhingen, eine vorläufige Regelung fanden.

Man staunt über die Frische des Geistes, über die Lust an Unternehmungen, die Moritz für seine neue Aufgabe als Herrenmeister des Johanniterordens mitbrachte. Um seine in der That ungewöhnliche Arbeitskraft, die vor keinen Schwierigkeiten und Strapazen zurückschreckte, in ihrem vollen Umfang zu würdigen, muss man die Beschaffenheit der Aemter, die in seiner Person vereinigt waren, näher ins Auge fassen. Er stand im Dienste der Niederländischen Republik als Reitergeneral und als Kommandant der Festung Wesel, dann war er Statthalter der rheinischen Länder des Kurfürsten von Brandenburg und

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wurde von diesem auch zu wichtigen Gesandtschaften und anderen Missionen im In- und Ausland wiederholt in Anspruch genommen. Ausserdem vertrat er das Interesse seines nassauischen Hauses. Und dazu kommt endlich die lebhafte Theilnahme, die ihm gewisse Ortschaften und Personen von Geist und Fähigkeit, die ihm Kunst und Wissenschaft wie alle damit zusammenhängenden Dinge jederzeit einflössten. Da der Schauplatz seiner verzweigten Thätigkeit zugleich ein sehr ausgedehnter war, und dieser Uebelstand bei den damaligen mangelhaften Verkehrsverhältnissen für den Fürsten auch mit einem bedeutenden Aufwand an Mühen und Zeit verknüpft war, so fallen seine kostspieligen Unternehmungen, die er dem ruhigen Lebensgenuss widmete, um so mehr ins Gewicht.

Der Begründer von Moritzstadt war sich der grossen Schwierigkeiten, welche die Verwaltung des verarmten märkischen Meisterthums bot, wohl bewusst, sollten die Einkünfte der Ordensämter, die bisher zusammen nicht einmal die 324 Goldgulden79 jährlicher Respolis- oder Rekognitionsgelder an das deutsche Grosspriorat abzuführen vermochten, erheblich gesteigert werden. Die Summe der rückständigen Gelder80 belief sich im Jahre 1653 auf nicht weniger als 7452 Goldgulden, wovon Moritz bereits im Dezember desselben Jahres 1000 Gulden abzahlen konnte. Dennoch scheint dieser die dortige Situation nicht völlig durchschaut zu haben, da er sich sogar vermass, die Einkünfte der Ordensämter auf mehr als 20000 Thaler zu bringen. Als Entschädigung für die ihm dadurch zunächst erwachsenden Opfer aus seinem Privatvermögen bedang er sich für seine Erben nur das Plus der Einkünfte über genannte Summe auf eine bestimmte Zeit aus. Von diesem Optimismus kam er indess sehr bald ab, nachdem er die Ordensämter persönlich besichtigt hatte. Nun machte er andere Vorschläge, die hier aber nicht weiter erörtert werden können, zunächst auf dem zweiten Kapitel, das schon am 30. Juni 1653 stattfand, dann neun Jahre später, und schliesslich kam eine Einigung dahin zu Stande, dass der Rechtsnachfolger des Fürsten, sein Neffe Moritz

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Wilhelm von Nassau, eine der Sinekuren des Ordens, das Amt Grüneberg, als Komthurei erhielt.

Dieses Aequivalent erscheint bescheiden, wenn man das Resultat seiner 27jähigen Regierung als Herrenmeister näher betrachtet, ein Resultat, das über die Ordensinteressen hinaus auch für die Kulturentwickelung jener östlichen Gegend unseres Vaterlandes von Bedeutung war. In erster Linie hat Moritz ausserordentlich viel für das Meisterthum geleistet, dessen beinahe erloschenes Ansehen er erneuerte. Den Ort Sonnenburg erhob er zum Range einer Ordensresidenz, und er hätte für ihn und seine Umgebung weit mehr, als unten beschrieben werden wird, gethan, wenn diese märkische Gegend nicht gar so weit entfernt von dem Mittelpunkt seines hauptsächlichen Wirkens, vom Niederrhein, gelegen. Dann hätte er wohl auch hier Teiche und Kanäle gegraben, Hügel künstlich aufgeworfen und mit Bäumen bepflanzt und so schliesslich aus sumpfigen Strecken Paradiese geschaffen, wie zu Cleve und im fernen Brasilien. Nichtsdestoweniger geschah durch ihn, wie gesagt, zur Erhöhung der Kultur jener Landschaft so Manches, was des Rühmens werth ist. Und nicht blos während seiner persönlichen Anwesenheit, die sich auf vier bis fünf längere Besuche beschränkte, fühlte die Neumark die Wohlthaten seiner Handlungen. Sondern auch aus der Ferne war der "Brasilianer" für das ihm anvertraute Meisterthum eifrig besorgt.

Er wollte überall zufriedene Gesichter, glückliche Menschen sehen. Darum war er darauf bedacht, jeden Ort, in welchem er dauernd oder nur von Zeit zu Zeit wohnte, nicht blos soweit er persönlich oder seine Standesgenossen davon Genuss hatten, zu verschönern, sondern ihn auch wirthschaftlich, überhaupt nach jeder Richtung hin zu fördern. Aus solcher Gesinnung ergab sich von selbst ein wahrhaft patriarchalisches Verhältniss des Fürsten zu seinen Untergebenen.

Nicht unwichtig für sein Charakterbild sind die Bemühungen, die er sich bereits kurz nach seiner Installation als Herrenmeister im Interesse des Städtchens Sonnenburg verursachte. Welche Schritte er unternahm, um den entvölkerten Ort zu heben,

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ihn wieder industrietüchtig und wohlhabend zu machen, das entnehmen wir aus einem Aktenstück, welches den etwas weitläufigen, aber deutlich erklärenden Titel führt: "Die nie genug gepriesenen Herrn Meisters Herrn Johann Mauritzens Fürstens zu Nassaw etc. ewig rühmende Sorgfalt undt Provision, das Städtlein Sonnenburg, welches bisher unter das Ambts Joch geseuffzet undt sehr gedrückt gewesen, zur Ordens Residentz Zu machen, undt wass für Privilegia Er derselben gegeben (1653 bis 1656)".81

Mögen hier die Urkunden ohne jede Erklärung für sich sprechen. Das umfangreiche erste Rescript des Fürsten lautet zu Anfang – "nachdem wir Joh. Mauritz Graff82 zu Nassow etc. bey Unser angetretenen Regierung im Meisterthumb Sonnenburg befunden und gewahr worden, dass bey vorgewesenen Landes Verterblichen Krieges Undt Pestzeiten der Einwohner sehr wenig worden, indem die meisten verstorben, Vmb kommen Vndt die wenigsten übergeblieben, Und wir dahero grosse Ursache haben, dass Meisterthumb hinwiederumb mit Leuten zu besezen Vndt zu Verbessern. So haben wir Unsern besonders Lieben Valtin Prichordten Vndt Getrewen auffgetragen, äusserst bemühet zu sein allerley Handtwerksleute, gros undt klein Gewerke dahin zu disponiren, damit dieselben Sich dieses Orthes begeben Vndt alhier Zur Sonnenburgk Häusslich niederlassen möchten . . ." Und nun werden in dem Aktenstück die Vortheile und Annehmlichkeiten des Ortes und der Gegend in lebhaften Farben und grosser Ausführlichkeit geschildert. Dann geht das Elaborat wie folgt weiter:

"Es werden viele Leute Lust und Begierde haben, Sich anhero Zu begeben und Häuslich nieder zu lassen, So wollen wir doch überdies Alles denen selben welche Sich alhier sezen werden freyes Bawholz geben Vnd andere beforderung Zum Baw erweisen, auch Sechs ganzer Frey Jahr gewähret lassen, in welchen Sie von allen Vndt jeden oneribus exempt und befreyet sein Vndt bleiben. Nach derer aussgangk auch Unss also christlich undt billich gegen Sie erweisen wollen, dass es Keinem gereuen, sondern Lust Undt Liebe dieses ordts zu

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wohnen haben sollen . . . So geschehen auf Unserm Residenz Hause Sonnenburgk den 23. January St. Vet. Ao. 1653".

Dass Moritz bei den in obiger Verfügung gegebenen Versprechungen nicht stehen blieb, sondern in der begonnenen Richtung fortfuhr, den Einwohnern seiner neumärkischen Residenz Vortheile in Aussicht zu stellen und zu erwirken, beweist uns die folgende Urkunde vom 6. März 1653, welcher die übliche Titelzusammenstellung souveräner Fürsten vorangeht: "Von Gottes Gnaden etc. Uhrkunden Vnd Bekennen hiermit . . . als wihr Bey Unser Ritterlichen Ordens Resid. Stadt Sonnenburgk befunden Undt gewahr worden, dass die Bürger, Mittbürger und Vorstädter mit grossen, ja fast unerträglichen Diensten beschwert worden, also das der Ohrt deswegen Bishero wueste blieben undt Niemandt Lust und Belieben getragen, Sich alhier- häusslich Niederzulassen, dass wir dahero Uhrsache genommen gedachte etc. von bissherigem Joche zu befreyen undt Sie mit einigem Privilegio gnädiglich zu Versehen . . ."83.

Geht auch Driesen offenbar zu weit, wenn er bemerkt, dass die Ansiedelung und Förderung fremder Leute lediglich auf Moritz' eigene Kosten geschah, so vermindert sich doch die Grösse seines Verdienstes nicht, selbst wenn angenommen werden muss, dass die angesiedelten Bürger ganz oder theilweise aus den Mitteln des Ordens belohnt wurden. Ein minder grossmüthiger, leutseliger und - fügen wir hinzu - intelligenter Fürst hätte wohl diese damals noch unbeträchtlichen Mittel schwerlich für solche Zwecke aufgewendet. Der "Brasilianer" handelte gleichzeitig wie ein kluger weitsichtiger Kaufmann, der das ihm gehörige oder anvertraute Eigenthum am rentabelsten anlegte. Für einen klugen Fürsten gab es aber gerade damals keine bessere und sicherere Verzinsung eines Anlage-Kapitals, als die, welche sich aus der Betriebsamkeit fleissiger und geschickter Bürger gewinnen liess. Aus diesem Grunde richtete Moritz das folgende Gesuch84 an den Kurfürsten, welches sich speziell auf die Ansiedelung von Kaufleuten und Tuchmachern bezieht:

"Gnädigster Herr, Ew. Churfürstl. Durchlaucht muss Ich

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Unterthänigst berichten, wassgestalt etliche Kaufleute, welche aus Schlesien und Pohlen, der Religion halber, zu weichen genöthiget, Sich angeben, sambt Sie willens wehren Sich in meiner Ordens Residentz Stadt Sonnenburg zu setzen, eine zimbliche anzahl von Tuchmachern mit dahin zu bringen . . . Derowegen Sie mich bittlich angelanget, bey Ew Churfl, Durchlaucht gehorsambst einzukommen, das Selbte gnädigst Verwilligen wollen, Ihnen den Tuchhandel in Undt ausserhalb Landes treiben Und beides zu Wasser undt Lande etwa ein Jahr Viere Sie hiemit Zollfrey passiren zu lassen . . . Weill nun Ew. Churfürstl. Durchlaucht ins Künftige in Dero Zöllen einen Zugang hievon Zu gewertigen undt indessen nichts Verlieren, So versehe ich mich hierinnen gnädigster erhörung undt des eussersten Vermögens nach mit meinen Untertbänigsten Diensten Zu ersetzen, bin ich so willigst alss Pflichtschuldigst, Ew. Churfürstl. Durchlaucht etc."

Durch solches Entgegenkommen und durch beständige Milde und Gerechtigkeit, die er auch den Kommendatoren dringend ans Herz legte85, zog er sich im Ordenslande eine Einwohnerschaft heran, die sich als dankbar und steuerkräftig erwies und die ferner in der Lage war, gewisse kostspielige Verschönerungen der Ordensresidenz und der Ordensämter Grüneberg, Rampitz, Collin u. s. w. materiell zu unterstützen. Auch auf Grund dieser Thatsache, scheint mir, wird die gewöhnliche Annahme, dass Moritz z.B. die Kosten des Sonnenburger Schlossbaues aus seiner freilich sehr splendiden Schatulle ausschliesslich getragen, hinfällig. Haben sich doch sogar einige Quittungen, zum Theil von der Hand des Amtsverwalters Georg Schwick, erhalten86, welche entnehmen lassen, dass man mehrere Jahre vor Beginn des Schlossbaues für diesen bereits im Lande sammeln liess.

Eine dieser Quittungen lautet: "Quitung Uber 100 thal. Aus der Compttory (Name undeutlich) zum Baw dess Ordensshauses zu Sonnenburgh vom 20 Decembris A° 1653". Eine zweite "Quitung Uber 100 thlr. Bawgeldt zum Sonnenburgischen Residentz-Hause, den tagk Remiscere. zu Sonnenburgk A° 1655"; als Nachschrift folgt die Bemerkung: "diese 200 thal. Bawgelder seindt gänzlichen bezahlet".

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Eine andere Empfangsbestätigung von Baugeldern hat folgenden eigenthümlichen Wortlaut: "Dass die Gemeine des Dorffs Gorgast mier Endesbenambten Achtzehn Thaler Zur Erbauung des Schlosses Zur Sonnenburgk entrichtet, Solches wird hiemit bescheinigt, Und hat zu solchen 18 Thlrn. desgleichen Ein Power 1 Thlr, Ein Cossäthe 12 gr. Undt Ein Kleintpower 6 gr. gegeben. Actum Gorgast den 31. October 1653. Martin Steinigke".

Ferner liegt dem betreffenden Aktenstück eine kurz gefasste Zahlenübersicht bei, welche sich auf die von den Commendatoren des Ordens bereits gezahlten oder noch zu zahlenden Beiträge für erwähnten Schlossbau bezieht. Diese Eintragung hat den Titel: "Aufsatz was die Herren Commendatoren zum Schlossbaw gegeben". Es handelt sich in sämmtlichen angeführten Fällen um relativ so geringfügige Beiträge, dass man allerdings anzunehmen berechtigt ist, dass Moritz trotz jahrelanger Sammlungen dennoch den Haupttheil der bedeutenden Baukosten aus eigenen Mitteln bestritten habe.

Es hat nichts Ueberraschendes für uns, dass Moritz im J. 1652 in Gesellschaft von holländischen Bauhandwerkern zu Sonnenburg eintraf. Vermuthlich war er schon vorher von dem schlechten Zustand der dortigen Gebäude unterrichtet; und nun sollte sofort Wandel geschafft werden. Am bedürftigsten erschien ihm wohl das Innere der Ordenskirche; denn hier liess er die Hände jener Leute zunächst ansetzen.

Die gothische Kirche, eine dreischiffige Halle mit Chorumgang in kleinsten Verhältnissen, war im Jahre 1475 unter dem Herrenmeister Richard von der Schulenburg begonnen worden. Dreiunddreissig Jahre später wurde sie von dem Bischof Theodosius von Lebus87 eingeweiht. Doch völlig vollendet mit ihren nachlässig gemauerten Sterngewölben wurde sie offenbar erst 1522, welche Jahreszahl nemlich an einem der Gewölbschlusssteine deutlich zu lesen ist. Ob damals auch schon der schmucklose Westthurm fertig war, der, nach Merians Abbildung88, ab-

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weichend von dem heutigen ganz massiven Thurm, einen hohen spitzen hölzernen Helm besass, vermag ich nicht festzustellen. Jedenfalls waren Thurm und Gewölbe schon im Jahre 1665 sehr baufällig89. Die Kirche, die im Innern auf vier Paaren freistehenden achteckigen Pfeilern ruht, ist nach älterer Messung90 92 Fuss lang, 60 Fuss breit und 36 Fuss hoch. Zu den darin befindlichen Kunstwerken, der Vor-Moritzzeit gehören heute noch, ausser dem oben erwähnten Altar des Grafen Schwarzenberg, einige halbverwitterte Epitaphien, die sich auf jenen Martin von Hohenstein, eine gewisse Agnes von Hohenstein und andere Personen beziehen, ferner ein grosses unschönes Kruzifix, welches frei im Mittelschiff hängt. Denkt man sich hierzu das ursprüngliche primitive Stuhlwerk und eine Anzahl Wappentafeln von Ordensrittern u. s. w., so dürfte ungefähr Alles genannt sein, was der neue Herrenmeister im J. 1652 daselbst vorgefunden hatte. Und was wurde von ihm nun hinzugefügt?

Im Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O. sah ich ein eigenhändiges Manuscript des Fürsten nebst einer wörtlichen Copie, die beide den Titel führen: "Auss Zocht der Sonnenbg. Rechnung Von Uncosten so Ihre Fürstl. Gnaden Von Nassaw Zu das Kirch baw angewandt hat, Von Lucia 1652 bis Trinitatis 1662"91. Diese Kostenrechnungen berichten vorzugsweise von Tischlerarbeiten die im Innern des Gotteshauses nothwendig waren. Wir entnehmen aus den Bemerkungen des Fürsten u. a., dass jener aus Berlin gekommene Marmoraltar, der 28 Fuss Höhe besitzt, bisher nur nothdürftig zusammengestellt war und erst jetzt das hölzerne Rahmenwerk und verschiedene aus Holz geschnitzte, seitlich angebrachte Dekorationen erhielt, die durch ihre gröbern, mehr barocken Formen dem kunstgebildeten Auge sofort auffallen. Auch ein neues Kirchengestühl wurde auf Moritz' Veranlassung gezimmert. Unter den arbeitenden Kräften nahm ein gewisser Cranhalss die erste Stelle ein; und wir wissen aus der Kunstgeschichte, dass die holländischen Tischler, in ihrem Vaterlande "kistenmaker" genannt, mitunter tüchtige Kunstschreiner und Holz-

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bildhauer waren92. Im ersten Jahre gab der Fürst 110 Thlr. 10 Gr. 6 Pf., im zweiten, (von Luciae 1653 bis Trinitatis 1654) 614 Thlr. 8 Gr., die bei weitem grösste Summe, aus. Die Gesammtausgaben für die Kirchenhalle betrugen etwa 1000 Thaler, die genaue Summe ergiebt sich aus Folgendem:

"Summa Summarium Was In die Ambt Sonnenburg

Rechnung Ist Befunden worden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

965 Thlr.

23 Gr.

6 Pf.

Was Bei dieser Rechnung noch gehöret, aber Von dass ambt Sonnenburg nicht Aussgezahlet: 2 Messingne Leuchter-Cronne, dass Eisserwerk darzu 1 Crucifix zu Berlin gemachet, 1 Lauff Stull . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

 

 

 

 

30 Thlr.

Item dass schadiren der kleinen pilaren Um die Corren, Nebenst der schrifft Undt Ihro Fürstl. Gnaden Wapen Um gedachte Corren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

 

 

 

 

 

8 Thlr.

23 Gr.

6 Pf.

Letztgenannte Ausgabe betraf allem Anschein nach den Anstrich der Säulchen am Altar (Chor), wo in der That noch heute eine Schrift zu finden ist, während das Wappen des "Brasilianers" abhanden kam.

Den Zustand der Kirchenhalle nach der stattgefundenen Renovirung schildert am besten ein im Pfarrarchiv zu Sonnenburg aufbewahrtes Manuscript aus dem 17. Jahrhundert, dessen Inhalt ich hier wiedergebe93: "Das gebewde der Kirche ist ganz steinern undt woll gewellbtt, auch mit 5 Doppelthüren etc. versehen, darinnen sind nicht allein die Por-Kirchen nebst denen Mannes- und Frawen gestuelen nach zierlicher Proportion new erbawett, sondern auch des Herren Meisters Kohr Undt gestuehl, zu sampt den Altahrfuos Undt Orgell mit kostbaren güldenen Lehder beschlagen Undt überzogen, die geflügel am Altar, welches an sich selber aus Marmell und Alabaster künstlich bereitet, stark versilbert undt vergüldet, das Crucifix ganz vernewet durch kurfürstliche Brandenbg. Undt Fürstlich Nassowsche und der Anverwandten hohe Häuser so woll, auch der Herrn Meister uudt residirenden Commendatoren sampt aller von Sr. Hochw. Fürstlichen Gnaden dem jetzo regierenden Herrn Meister geschlagenen Ritter ihre Wapen zu befinden . . . Die Kantzel und Tauffstein von newen verfertiget undt mit Gold, Silber undt Kupfer ausstaffiret; zwei schöne Krohnenleuchter, ingleichen ein Klein Röhrleuchter auffgehenket: Soche Hauptstücke undt allerbesagter

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Kirchen Ornat sindt aus Fürstlicher Hochgerühmter Munificentz undt Mildigkeit von Dero eigenen Mitteln und Kosten des hochwürdigsten Durchlauchtigsten und Hochgeborenen Fürsten undt Herrn, Herrn Johann Moritzen, Fürsten zu Nassow etc. jetzo Regierenden Herrn Meisters gezeuget undt durch Sr. Fürstl. Hochwürden undt Gnaden sonderbahre Sorgfalt beschaffet worden; wie solches die an dem Fürstlichen Stuel-Chor verzeichnete Schrift, nachrichtlich besaget, So hat auch hochgedachter Fürst gleichfalls auf seine Kosten die Kirche von aussen undt innen zusampt der Thür von unten auf bis ans Dach weissen undt tünchen lassen: Also dass die auffgewandten Baukosten . . . sich in die zweitausendt Thaler und drüber94 belauffen, welches Ihnen der allmächtige Gott reichlich vergelten wolle".

Diese Angaben eines Anonymus werden in J. Ch. Beckmanns "Beschreibung des Ritterlichen Johanniter-Ordens95 in wünschenswerther Weise ergänzt. Es heisst dort: "Er (der Fürst) hat auch die Kirche zu Sonnenburg inwendig schöne repariren, und dergestalt einrichten lassen, dass man fast an allen Seiten den Prediger sehen kann: Und seyn auf seine Verordnung daselbst auf beiden Seiten des Altars, die Nahmen der Herren-Meister von A° 1300 an, jedweder in einer eigenen Tafel angehefftet; Vorwärts dem Altar aber über dem Eingang zum Chore das Chur-Brandenburgische Wapen mit der Unterschrift Patronus Ordinis, und nächstdem das Nassauische Wapen, ingleichen an den nebenstehenden Seulen S. Hochf. Durchlaucht Ahnen von beiden Seiten zu sehen: An den übrigen Seulen seyn die Nahmen und Wapen der Ritter, so von A° 1652 geschlagen worden, zu finden. Er hat auch ein eigenes schönes Chor vor sich aufrichten, und in dem Hintertheil desselben in der Mauer sein Brustbild setzen lassen, wobey sich insonderheit begeben, dass A° 1665 den 24 Maj das Wetter durch die Thurm Spitze und Kirchmauer dergestalt geschlagen, dass es den Fürstlichen Stuhl auf beyden Seiten getroffen, das güldene Leder versenget, auch die Kirche mit

schwefelichten Dampfe gantz angefüllet, dennoch aber jetzt-

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gedachtes Hochfürstl. Brustbild gantz unverletzet gelassen, ob es wol gleichfalls mit Rauch und Feuerstrahlen gantz umbgeben gewesen . . ."

Schliesslich kann sich der Autor nicht versagen, eine köstliche Probe von dem originellen Wesen des hohen Herrn zu geben. "Es ist auch nicht vorbey zu gehen, dass, weil mehr höchstgedachter Fürst Joh. Moritz dem Gottesdienst allezeit mit grosser Devotion beygewohnet, hiergegen einige Unterthanen nicht einmahl bey dem Gebeth die Häupter entblössen wollen, Er dieselbe anfangs warnen, und weil sie sich nicht daran gekehret, endlich ein sonderliches Andenken einer Strafe gegen solche Verächter des Gottesdienstes ergehen, und dem einen den Hut abnehmen und öffentlich in der Kirchen anschlagen lassen, welcher auch noch daselbst zu sehen ist." Wirklich hängt der grosse braun-graue Filz des renitenten Mannes noch heute, festgenagelt an der Südwand nächst dem Eingang, zur bleibenden Warnung.

Die Fürstenloge lag damals, wie wir hörten, unter dem Thurm, an der Westseite, gegenüber dem Altar, und leicht war es, bei den geringen Abständen in dem Kirchlein, von hier aus die Besucher zu beobachten. Was es dagegen für eine Bewandtniss mit dem Chor gehabt hat, welchen Moritz oben in seiner Loge "vor sich" d. h. wohl "für sich" aufrichten liess, vermag ich nicht anzugeben. Das erwähnte "Brustbild" hinter diesem Chor ist offenbar die Gipsbüste, die heute in der Sakristei, einem niedrigen gewölbten Raume an der Ostseite, auf hölzernem Postamente in einer kleinen runden Nische neben der Eingangsthür steht. Ist dieses niederländische Werk blos Abguss eines noch heute irgendwo vorhandenen Marmor- oder Thonoriginals, und wie heisst sein Schöpfer"? Was letztere Frage betrifft, so kann sie wenigstens so weit der Beantwortung nahe geführt werden, dass man bekennen muss, dieses beachtenswerthe Portrait steht hinsichtlich seiner eigenthümlichen Formengebung den älteren Arbeiten des Amsterdamer Bildhauers Barth. Eggers auffallend nahe.

Die lebensgrosse Büste zeigt am untern Brustsaum die Inschrift. Johan Maurit. Com: Nass. Aetat. suae 41, und das beigefügte Jahr 1645 versetzt uns in jene Zeit, da Moritz nach seiner Rückkehr aus Brasilien an den holländischen Feldzügen in Flandern theilnahm und den Ort Hulst eroberte. Eigenthümlich ist diesem Bildwerk die ideale Gewandbehandlung, die Tracht

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eines altrömischen Feldherrn. Ueber dem Panzerhemd mit seinem viereckigen Halsausschnitt liegt eine Schärpe, die an der rechten Schulter durch einen Knopf befestigt ist. Das halblange Haar des kräftig geformten Hauptes ist am Scheitel bereits stark gelichtet. Knebel- und Kinnbart sind von minimaler Grösse. Die feinen Falten, welche Stirn und Wangen wie ein Gewebe überziehen, dazu die etwas hochgezogenen Augenbraunen verleihen dem Antlitz den Ausdruck der Nachdenklichkeit und Milde. Sie bilden das Gepräge eines wahrhaft vornehmen Mannes, den Sorge und hohe Verantwortlichkeit über seine Jahre hinaus gereift haben. Das Sonnenburger Portrait scheint in der That eher einen Fünfziger, als eine Persönlichkeit zu Anfang der Vierzig darzustellen. -

Nur wenig hat sich seitdem im Innern der Ordens-Kirche verändert. Noch immer findet hier bei Gelegenheit der Kapitel, feierlicher Gottesdienst statt, und wie zu Zeiten des "Brasilianers" geschieht auch in der Gegenwart der Ritterschlag der neugewählten Johanniterritter durch den Herrenmeister auf einem schlichten Podest vor dem reichskulpirten Altar der ehemaligen Berliner Schlosskapelle. Die Fürstenloge hat dagegen ihren Platz in Mitten der Nordseite, gegenüber der schmuck- und kunstlosen schwarzen Marmorkanzel, die vor einem mittleren Südpfeiler steht, erhalten; und seit 1799 nimmt die Orgel den bevorzugten Platz in der Thurmhalle ein. Zu Ehren des Prinzen August Ferdinand von Preussen († 1813), des vormals letzten Herrenmeisters, hat man im Jahre 1839 dessen Broncebüste von L. Wichmann im Mittelschiff gegenüber der Kanzel, aufgestellt96.

Wir wenden uns jetzt endlich der Angelegenheit des Ordensschlosses zu.

Auf Mattheus Merians97 Ansicht der Stadt (1652) wird uns im Vordergrunde des Kupferstiches die Umgebung des Schlosses gezeigt. Dieses Terrain, welches damals im Norden lag und

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hügeliger als heute gewesen zu sein scheint, bildet jetzt, nachdem sich Sonnenburg über die alte, zum Schlosse führende Landstrasse hinaus erweitert, den nordöstlichen Abschluss des Ortes. Moritz fand das Schloss und die umliegenden, dem Orden gehörigen Häuser im baufälligen Zustand. Nach Merians Kupferstich war jenes ein lauggestrecktes einförmiges Gebäude oder vielmehr ein Doppelgebäude von zweigeschossiger Anlage. Der östliche Schlossflügel war sehr hohen Alters98, während der westliche Renaissanceanbau aus der Zeit des Herrenmeisters Thomas Runge († 1564) stammte99. Aus der Mitte des Doppeldaches, das seitlich von steilen Giebeln eingefasst war, erhob sich ein schlanker spitzer Glockenthurm. Den Platz zwischen dem Schlosse und der südlich gelegenen Kirche durchfloss das erwähnte Flüsschen Lenze. Westlich bezw. südlich von der Kirche lagen Marstall, Amtshaus und Kanzlei des Ordens; diese waren niedrige Häuschen, ausgeführt, wie es scheint, in Fachwerkskonstruktion. Später erhielten die beiden ersteren Gebäude ihren Platz jenseits der Lenze, zur Linken des Schlosses100; während die Kanzlei, die zugleich Wohnhaus des Ordensrathes und Kammermeisters Jean de Bonjour war, all ihrer ursprünglichen Stelle hinter der Kirche verblieb.

Hinter dem Schlosse aber, gen Osten, dehnte und dehnt sich noch heute ein mächtiges Gartenviereck aus, an das der auf dem flachen "Spitzberge" liegende Amtsacker grenzte. Das ganze Terrain schloss endlich mit einem zweiten Flüsschen ab, das hier gewöhnlich der "Kanal" heisst. Dasselbe mündet nordwärts in die Lenze, die sich dann der Warthe nähert.

Wir hatten eben erfahren, dass Moritz schon bei Antritt seiner Ordensregierung für technische Arbeitskräfte aus Holland Sorge trug. Ausserdem findet sich in dem Fourierzettel, der ihm vorausgeschickt wurde101, um die Aemter auf die Lieferung von Naturalien für 30 Personen mit 29 Pferden vorzubereiten, auch "1 Ingenieur" verzeichnet. Ob dieser der spätere Erbauer des Schlosses Cornelis Ryckwaert war, der in den Urkunden ge-

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wöhnlich Zimmer- oder Baumeister genannt wird? Nach den ihm anderwärts zugeschriebenen Festungs- und Hafenanlagen, Thurm- und Brückenkonstruktionen kam ihm zweifellos auch der Titel "Ingenieur" zu. Doch kann hier mit gleichem Rechte Pieter Post, der brasilianische Begleiter des Fürsten, vermuthet werden, dessen fachmännisches Urtheil bei den Schlossbauten Cleves und Sonnenburgs thatsächlich eine Rolle spielte102.

In dem schon citirten Amts-Hausbuch de 1665, das eine ausführliche Beschreibung aller zum Ordensamt Sonnenburg gehörenden Gebäude und sonstigen Besitzungen enthält, wird zu Eingang bemerkt, dass Moritz nur die Kanzlei im angemessenen Zustand vorfand. Sie allein hatte im dreissigjährigen Kriege jener schwedische Major, der die Sternberger Gegend drangsalirte, verschont, während, alles Uebrige zerstört wurde, "also, dass nicht mehr denn etliche alte Stücken Mauer und einige Keller in der Erde, wie das der im Kammer-Archive befindliche Abriss genugsamb ausweiset, stehen blieben"103. Moritz begann zunächst wohl mit einer nothdürftigen Wiederherstellung des Schlosses, um dieses bewohnbar zu machen; dann fuhr er, nach dem Hausbuche, fort mit "Anlegung eines neuen Gartens und Ziehung eines Grabens um selbigen Garten, auch mit Erhöhung des Walles vom Ambte nach der Kirchen und mit Besetzung der Lentze mit Erlen Pfählen".

"Allein es haben diesen Ihro Fürstlichen Hochwürden und Gnd. Hochrühmlichen Vorsatz fernerer Continuation des Baues die andern Ihro in Dero andern Landen abgelegenen hohen Affairen und dazwischen entstandenen Kriegs-Trublen merklich verrücket , also dass solcher Baw nicht eher Fortgang haben können, als bis mehr Hochgedachte Fürstl. Hochwürden und Gnd. in Ao, 1661 Dero Meisterthumb hinwieder besuchet". Blieb Moritz in der Zwischenzeit der Neumark fern? In Berlin war er, nachdem er Sonnenburg im Sommer 1653 verlassen, schon im darauffolgenden Jahre zwei Mal, doch ist ein Abstecher nach Osten nachweislich nicht erfolgt. Dagegen wissen wir, dass er im

[110]

Jahre 1658 dort ein Ordenscapitel abhielt104. Also erst nach wiederholtem Besuch seines Herrenmeisterthums liess er den Neubau des Ordensschlosses durch mitgebrachte holländische Techniker und Arbeiter beginnen. Das geschah zu Anfang des Jahres 1662.

Währenddessen war von ihm, wie wir an anderer Stelle berichteten, seine Residenz Cleve mit den mannigfaltigsten Reizen geschmückt und alles am Niederrhein zum Empfang des Kurfürsten und des brandenburgischen Hofes bereit gemacht worden. Und als nun Friedrich Wilhelm von dort aus sein Land regierte, tummelte der "Brasilianer" sein Ross im Sande der Mark, in Berlin, Potsdam und Sonnenburg, auch hier, wie überall, eifrig bemüht, seine Bauideen zu verwirklichen und Landverschönerungen vorzugeben105.

Dank den reichfliessenden Quellen sind wir über Beginn und Verlauf des Schlossbaues, über dessen damals entstandene Ausstattung und Umgebung, sowie über die ausführenden Kräfte genau unterrichtet. Ausser dem Hausbuch de 1665 kommen vor allem noch die eigenhändigen Rechnungsauszüge des Fürsten, welche den Zeitraum von Trinitatis 1661 bis Trinitatis 1668 umfassen106, hierfür in Betracht. Man begann die Arbeiten, indem man zunächst das alte Gebäude niederlegte und Alles, bis auf einige Fundamenttheile, beseitigte. Zuvor hatte der Fürst, wie es im Hausbuch heisst , zwei erfahrene Meister "Nahmens Cornelius Rückwaerten, so Zimmer- und zugleich Bau-Meister, und Gorus Peron, welcher Mauer-Meister gewesen, nebst zwölf Holländischen Knechten, als bey jeglichem Meister sechs aus den Niederlanden anhero verschrieben, und selbigen ein von Ihro Fürstlichen Hochwürden und Gnd. selber gemachtes Modell vorhabenden Baues eingehändigt, welche Holländische Maurer- und Zimmer Leuthe dann mit Hilfe einiger deutscher Tischler, Zimmer Leuthe und Maurer bis ins 1667 Jahr

[111]

ein solches Werk verfertigt, wie an jetzo zu sehen". Weiter wird bemerkt, dass Moritz im August 1662 nach Holland abreiste und die Schloss-Bauleitung in Sonnenburg dem Ordensrath Jean de Bonjour übertrug. Durch Driesen erfahren wir indess, dass der Fürst vom 14. Juli bis 18. September in Berlin gelebt hat.

Was die oben erwähnten Rechnungsauszüge betrifft, so enthalten dieselben verschiedene Abschnitte und Titel. Die erste Aufschrift, die uns begegnet, lautet: "Rechenning von uncosten so Auff das Sonnenborghe Schloss Baw gegangen. Von den 1. Jannewary 1662". Dann lesen wir weiter: "Uncosten so auff das glasen machen Zum Schloss Baw gegangen. Summa 612 thlr. 15 gr. 10 pf"; darunter finden wir folgende Reisesposen für die Glaser gebucht:

Die107 meister mit mich bis Hamborg, von Ambsterdam . . .

6

Thlr.

- -

Gr

Von Clev bis Amsterdam . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

2

"

23

"

Von Hamborg bis Cüstrin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

11

"

- -

"

etc.      etc.                                          ect.

 

 

Was das Arbeitszeuch so ich in Hollant Erkauffet . . . . . . . .

18

"

18

"

Die Rechnungen wurden zuerst bis Trinitatis 1663 geführt, und die Ausgaben alsdann Jahr für Jahr zusammengestellt. Hierbei theilte Moritz die Seiten in drei Rubriken. Links notirte er die Summen, welche an die holländischen Werkleute als "Handgeld" direkt gezahlt wurden, rechts die Summen, welche der Amtsverwalter zur Löhnung der deutschen Arbeiter ausgab. In mitten fügte er Datum und Erklärungen zu den links oder rechts geschriebenen Summen hinzu. Dadurch erhielt das Ganze eine gewisse Uebersichtlichkeit. Es beweist zugleich auch, dass der ideal gesinnte Fürst ein guter Rechenmeister und kluger Geschäftsleiter war. Wenn also Moritz, wie aus der nicht gerade glänzenden Beschaffenheit seines späteren Nachlasses108 hervorzugehen scheint, über seine Verhältnisse kostspielig gewirthschaftet hat, so lag das jedenfalls nicht an seiner Unfähigkeit, sorgfältig zu rechnen und praktisch zu handeln. Wir wollen aus den Rechnungszügen noch einige bemerkenswerthe Details anführen:

[112]

"Summa Summarium aller Uncosten zum Schlossbau. Von Trinitatis 1662 bis Trinitatis 1663."

An die Hollanders an Handtgeldt . . . . . . . . . . . . . . . .

2744

Thlr.

3

Gr.

7

Pf.

An den Ambts-Verwalter Von mich . . . . . . . . . . . . . .

3327

"

22

"

1

"

etc.       etc.                                        ect.

 

 

 

 

 

 

Die Holländer frey quartir, brant undt andren Hausraht etc . .

20

"

--

"

--

"

Summa

8475

Thlr.

20

Gr.

11

Pf.

Summa Summarium etc. Trin. 1663 bis 1664.

 

 

 

 

 

 

An die Hollanders alls Handtgeldt . . . . . . . . . . . . . . . .

2141

Thlr.

2

Gr.

9 ½

Pf.

An den H. Amts-Verwalter Zu Bezahlung der Duytsche Arbytters etc. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

2293

"

22

"

8

"

etc.      etc. etc.

 

 

 

 

 

 

Summa

7362

Thlr.

16

Gr.

6

Pf

 

Die Rechnungsnotizen von 1664/65 sind auf vier Rubriken vertheilt und mit folgenden Ueberschriften versehen:

1664

Die Hollanders

Sonsten

An den Herrn Amts-Verwalter.

(Dat.)

 

 

 

Die schliessliche Summirung der gesammten Bank hat nachstehendes Resultat:

"Summarischer Aufsatz

was an Uncosten zum schlossbaw ist gegangen von

Trinit. 1661 bis wieder Trinit. 1667."

Die ganss Post

VoN   

war netto:

1661-1662:

3473

Thlr.

8

Gr.

9

Pf.

1662-1663

8475

"

20

"

14

"

1663-1664:

7362

"

16

"

6

"

1664-1665:

7680

"

16

"

- -

"

1665-1666:

6507

"

8

"

8 ½

"

1666-1667:

5249

"

16

"

1

"

 

38,749

Thlr.

15

Gr.

11½

Pf109

1667-1668:

2054

"

6

"

5

"

Das sind die Unkosten zum Schlossbau. Moritz hat nun den Haupttheil in Baargeld, einen minderen Theil in Viktualien und Materialien verabfolgt. Das Nähere darüber ergiebt die folgende Uebersicht:

[113]

 

Bahr geldt

Victual:

Materiall:

Thlr.

Gr.

Pf.

Thlr.

Gr.

Pf.

Thlr.

Gr.

Pf.

1661/2

2504

20

6

66

21

--

901

16

3

1662/3

7038

9

11

--

--

--

1327

11

--

1663/4

5476

22

9 ½

472

17

6

1413

--

--

1664/5

5204

5

4

397

20

11

2078

15

--

1665/6

4875

3

8 ½

85

9

11

1546

9

--

1666/7

4570

21

1

21

--

--

657

19

--

 

29,670

22

5

1043

20

5

8034

21

8

1667/8

2001

7

5

15

12

--

87

11

--

                       

 

 

Thlr.

Gr.

Pf.

 

Bahr geldt

29670

22

5

1661/67

Victuallia

1043

20

5

 

Materiall

8034

21

3

 

 

33749

15

1

1667/68

 

2054

6

5

Summa

 

40803

21

6

Das Hausbuch versichert, dass der Fürst der alleinige Schöpfer des "Modells" des Sonnenburger Schlosses sei, welches unter Leitung des Ordensrathes de Bonjour von dem holländischen Baumeister Cornelis Ryckwaert errichtet wurde. Dürfen wir nun diese Versicherung, ohne Prüfung der Sachlage, als unbedingt überzeugend hinnehmen?

Dass Moritz eine weit über das gewöhnliche Laienthum hinausgehende Einsicht in den Organismus eines Bauwerks besass, soll nicht bestritten werden. Aber gerade dies befähigte ihn, die Schwierigkeiten gebührend zu schätzen, die der Architekt bei Aufgaben solcher Art zu überwinden hatte. Selbstverständlich wird er sich das gute Recht des Bauherrn in keiner Weise haben verkümmern lassen; und man darf annehmen, dass seine realisirbaren Wünsche auf Grundriss und Ausstattung des Ordensschlosses einen wesentlichen Einfluss gehabt haben. Jede weitere Betheiligung seinerseits erscheint mir aber unglaubhaft. Um so mehr, als jener Holländer Ryckwaert nach dem, was wir von seinen sonstigen Arbeiten110 freilich nur oberflächlich erfahren, sehr wohl der Mann gewesen sein konnte, einen Plan wie den vorliegenden völlig selbstständig zu erfinden.

[114]

Und zweitens hatte der Fürst auch ausserhalb Sonnenburgs tüchtige Fachleute zur Verfügung.

Allerdings will ich bezüglich Ryckwaert's Autorschaft mein Bedenken nicht verhehlen. Da das Hausbuch noch während der Bauausführung geschrieben wurde, so lege ich den Angaben darin einen möglichst grossen Werth bei. Ich erkläre mir daher jene Bemerkung dahin, dass Moritz im Jahre 1661 einen fertigen Bauplan aus Cleve mitbrachte und dass er in Sonnenburg betonte, dieses "Modell" sei nach seinen speziellen Vorgaben und Wünschen angefertigt worden. Ein derartiges fürstliches Wort wird dem Schreiber des Hausbuches, der weniger Architekturkenner, als loyaler Unterthan war, wie ein Zugeständniss der Autorschaft geklungen haben. Nun wissen wir aber, dass sich Moritz bei allen seinen Palastschöpfungen, in Brasilien, im Haag, in Cleve, stets eines und desselben holländischen Meisters bedient hatte, nemlich der fähigen Hand des Architekten Pieter Post, der auch wirklich hier einmal genannt wurde111. In Post, der mit gleichem Rechte "Architekt des Fürsten Moritz" heissen darf, wie Lysippus Portraitbildhauer Alexanders des Grossen, erscheint mir daher mindestens der intellectuelle Urheber des Planes dieser Sonnenburger Bauschöpfung annehmbar.

Gehen wir nun auf die beschreibenden Ausführungen des Hausbuches de 1665 näher ein. Wie gross die modernen Veränderungen sind, entnimmt man schon daraus, dass die ursprünglich zweigeschossige Anlage, durch Tieferlegung des Terrains, in eine dreigeschossige verwandelt wurde; aus dem Keller entstand also ein vollständiges Erdgeschoss. Wenn es im Hausbuch heisst, dass der Grundriss des Schlosses ein "Quadrat" sei, so ist offenbar das ganze ummauerte Inselterrain der Anlage gemeint (vgl. den Grundriss auf Seite 130). Andererseits vermisst man darin zuweilen die wünschenswerthe Deutlichkeit und selbst die Fähigkeit des Schreibers, architektonische Eigenthümlichkeiten genauer zu charakterisiren. Hier einige Bemerkungen jenes Buches: "Das Dach ist doppelt, ausswendig Vier Kant, inwendig aber mit einer Kehle oder Hohle, woraus das Wasser durch eine Rinne nachm Garten zu, abgeführet wird." Von den Dachsteinen heisst es, sie "seynd blaue gebrandt" und hier "zuerst inventiret, dan man von der-

[115]

gleichen Steinen in der Chur Brandenburg Vorhin niemahls gewusst".

"Die Mauern des Hauses sind von gebrandten Steinen und

umbher weiss angestrichen112, und unterm Dache mit einer feinen der Architektur Jonischer Ordnung gemess erforderten Leisten versehen. Die Steine darzu seynd zum meistentheils unweit der Spitzberge am Caninichen Garten gebrant, die übrigen aber sonsten erkaufft." Etwas unklar erscheint mir der Sinn des folgenden Satzes: "Das Vordertheil des Schlosses nach dem Wasser ist mit einer Cornissen (?), worin eine Treppe von Eichenen Tritten oder Stufen nebst behöriger Ballustrade und Leisten". Da bereits von einem jonischen Kranzgesims die Rede war, so halte ich die Bezeichnung "Corniche" für eine Begriffsverwechslung. Deutlich ausgedrückt und in heutiges Deutsch übertragen, dürfte der Satz etwa so lauten: Die Schlossfront hat eine Freitreppe mit Stufen aus Eichenholz, Sims und Ballustrade. Diese in's Hauptgeschoss führende echt holländische Freitreppe, die in Folge der oben erwähnten Tieferlegnug des Terrains cassirt werden musste, enthielt unterhalb einen direkten Zugang zum Sockelgeschoss: "Unter dieser Treppe ist eine Thüre, und sofort daran eine Treppe, worauff man Wein undt allerhand sachen in den Keller bringet".

Vom Schloss-Portal schreibt dann der Anonymus: "Die Eingangs Thür zum Vorhause113 ist geziehret mit einem Schnitzwerk, so ein Brabantischer Bildschnitzer nahmens . . .114 gemachet. Durch diese Thür kombt man ins Vorhauss, welches zur linken seyten Ihro Fürstliche Hoch-Würden und Gnaden Gemächer gleich über den grossen Saal, und dann Zur rechten seyten die Canzley undt Küchen hatt, Aus welchem Vorhause man auff den Treppen sowoll in die Keller, als oben herauff gehen kann".

"Ihro Fürstliche Hochw. u. Gnaden Gemächer zur linken

Hand des Vorhauses seynd diese. "Die Vorkammer, so meist Vierkant ist. Von daraus gehet man durch das Cämmerchen, so vor die Pagen, Cammerdiener und Lacquayen ist, in Ihro etc.

[116]

Schlafkammer, daran ein gewölbtes Cabinet, mit einer Eysernen Thür, und eine gewölbte Garderobe, aus welcher Schlaffkammer und Garderobe man auch in den grossen Saal gehet". Ich bemerke schon hier, dass noch heute die beiden Thüren, welche aus den Gemächern des Herrenmeisters direkt in den grossen, durch beide Geschosse gehenden Festsaal führen, an dessen linker Schmalwand vorhanden sind.

"Der grosse Saal ist gewölbet ... hatt 2 Kammine gegeneinander, 5 Fenster gegen Osten, darunter drei 36 Fuss hoch, Item im Ober Gemach 4 Fenster, als auff beyden Seiten der Schornsteine eines und noch eines vom Obersten Vorderhause über der grossen Thüre; wie dann auch darin 5 Thüren nemblich die grosse vom Vordersaale und 2 an Jeder seyte. Oben im Gewölbe ist ein Achteckigt Loch, rund umbher mit schönen faistons und inwendig mit Ihro Fürstl. Hochw. und Gnd. Wapen verziehret. Dieser Grosse Saal hatt auch Mauer Bogen, welche mit Parckamenten115 vertheilet seynd. . . Das Mauerwerk ist mit einer schönen Leiste Jonischer Ordnung gezieret. Die Fluhr116 Bretter (sind) von 2 Längen, und in der Mitte ein rund Loch, wodurch man in das grosse gewölbe117 siehet". Diese knappe Schilderung des grossen Festsaales, des nicht blos architektonisch wichtigsten Raumes des Ordensschlosses, enthält gewiss für den verehrten Leser manche Unklarheit. Wir müssen uns indess die Verdeutlichung der Worte des Hausbuches, in deren Reproduktion wir zunächst fortfahren, für einen folgenden Abschnitt vorbehalten.

"Zur rechten Hand des Vor Hauses gehet man zuerst in die Secretary, von daraus in die Cantzley selbsten oder in die Audientz-Stube, worinn zur Linken das Lehns- und Zur rechten seyten das Kammer-Archiv, beide gewölbet, und Vorne mit Eysernen Thüren versehen. Ferner zur rechten Handt, aussn Vorhause in die Küchen; Was an Holtze, Wasser undt dergleichen in der Küchen nöthig, Kan von ausswendig, weil auch eine Treppe und Thüre alda ist, darein gebracht werden".

"So gehet man auch auss dem untern Vorhause uff den Treppen, welche anfangen an der Saalthür uff beyden Seiten und . . . Fuss hoch seynd, die Tritte aber 8 Fuss breit, von

[117]

schönem Eichenen Holtze, nach dem obern Vorhause; die Treppen haben schöne Leisten und Ballustraden, seind auch mit Oelfarbe angestrichen". Von diesem oberen Vorflur "gehet man in alle Gemächer also, wie aussm untern, ausgenommen den grossen Saal, welchen man durch ein (?) Fenster anschauen kann. Die oberste Gemächer seynd auch nicht gleich den untersten gewölbet, sondern nur mit Brettern beleget. Wie dann auch die obersten Gemächer ebensoviel Fenster, Schornsteine und sonsten Alles wie die untersten haben"

"Ingleichen ist auf beyden Ecken nachm Kietze undt der Wiese, sowoll unten als oben ein Secret von absonderlich darzu gemachten Glasirten Topsteen in der Mauer auffgeführet, so unten in den Graben gehen. Aus diesem obersten Vorhause gehet man auf eben solchen Treppen, wie die untersten weiter herauf uff die Boden unterm Dache. Und dass seynd also die Gemächer in der Residentz uffs Kürtzeste beschrieben, welche alle woll abgeweisset, und mit so vielen Fenstern versehen, als das die Architectur erfordert, nemblich an der Vorder- oder Westseiten seynd 13 Fenster unten, darunter aber 2 Thüren, undt 13 oben. An der Nordseite 6 unten und 6 oben, ohn die Keller; an der Hinter- oder Ost Seyten 7 unten und 7 oben, worunter aber 3 von zwei Längen, welche vor 2 gerechnet werden. Die Südseyte gleicht der Nordseyten".

"Noch seynd im Grossen Gewölbe 4 Fenster, in der Silberkammer 2, in der Hoffstube 2, und in dem Kuchen Keller 4 Glase Fenster, undt davor starke Eiserne Gitter. Solche Fenster insgesambt seynd von einem Clevischen Glaser nahmens Pieter Roomern118 mit länglicht 4 kanthen Rauthen gemachet, und mit Wind Eysen und allen anderen Zubehörungen vor Gebühr versehen. Nun mehr seynd noch im Hause zu benennen die Keller und Gewölben, unter obbenahmten Gemächern. Und ist Zu wissen, das man von dem Untersten Vor Hause uff Zweyen Treppen welche den Obersten, mit Lehnen, Tritten und Ballustraden überall gleich kommen, undt nur darumb, wan die Ordens Herrschaft unten im grossen Gewölbe essen will, gemachet seyen, in das grosse Gewölbe gehe, welches . . . Fuss lang und Fuss breit, stehend uff 4 grossen Pfeilern, umb welche

8 Kleine Bogen oder gewölben seynd."

[118]

"In diesem grossen Gewölbe ist aber in der mitten ein rundes Loch, wodurch man Ihro Fürstl. Hochw. undt Gnd. Wapen oben am Saal sehen kann, desgleichen ein Cammin. Nechst an diesem Gewölbe zur Rechten seyten ist abermahl ein anderes, die Hoff-Stube genanndt, in welchen das Gesinde gespeiset wird, wie man dann auch durch das Letztgenannte gewölbe in noch ein anderes ostwerts, under den Lehns- und Kammer-Archiven belegen, gehen kann, das die Silber Kammer ist. Uff der linken seyten, wenn man von oben die Treppen herunter in das Grosse Gewölbe Kombt, ist eine Thüre in die Keller, selbige wird nur alsdann, da im Saal gespeiset undt ein frischer Trunk vom Zapffen begehret wird, eröffnet. Grade über der eingangs-Thüre von oben ist eine andere Thüre vorm grossen Gewölbe, dadurch man zum Garten gehet".

"Dies ist also auch das grosse Gewölbe nebst denen dabey belegenen Gemächern oder Gewölben. Wan man aber in die Bier- und andere Provissions-Keller vom Vorder Platze herein gehen will, So kombt man unter der Vorder Treppe uff eine Bordesse, darauf 2 Treppen, davon die Zur linken noch die Bier und Weinkeller, die Zur rechten aber in die Provission- undt Küchen Keller führet. Alle Keller seynd mit starken Eisernen Gittern, und Theils von einwendig mit Glass Fenstern Versehen".

"Der Platz vorm Hause ist . . . Fuss lang und , . . Fuss breit mit einer starken Mauer von Grund aus und einer Brustwehre umbgeben, mit Feldsteinen gepflastert. In den Ecken nach der Lentze hat Er 2 Pavillions, Welche unten ein Gewölbe vor die Delinquenten und in der Mitten ein Loch im Gewölbe, umb dadurch die Gefangenen herunter Zu lassen, unter dem Gewölbe ein Secret, an den Löchern aber mit starken Eysernen Gittern verwahret seyend, oben aber ein hübsches Gemach mit 6 Fenstern, einen Schornstein und ein Secret vor die Thorwächter oder sonsten Jemanden, Seynd auch beide mit Blawen Steinen gedecket. Uff diesem Platze, wan man von der brücken darauf kombt zur Linken Hand ist ein schöner Brunnen in der Ecken beim Pavillion, davon der Quell bei Grabung der Fundamente zum Pavillion sich hervor gethan".

"Umb gedachtes Hauss und den Schloss-Platz ist ein Barm119. 10 Fuss breit von eingestossenen Eichen-Pfählen und belegten

[119]

Bohlen. Der Graben geht ins Vier Kant umb das Schloss und den Platz her, ist 60 Fuss breit und nothdürfftig tieff. Die Brücken machen Schloss, deren seynd von Vornen 2, die eine gehet über die Lenze, hat Ihre Lehnen, Pylasters undt Knöpffe; die andere überm Schloss Graben, welche zuerst ein Romey (?) mit Blauen Dachsteinen beleget, worinnen ein grosses Thor und Kleine Thüre, hernach die Zug Brücke und nach derselben Zwei Thüren gleich der Mauer. An diesen Brücken seynd die Pfähle, Bohlen, Lehnen und Pylasters wie auch die Thore von Eichenen Holze, mit starken Eysernen Bänder, Ketten, Riegeln undt Nägeln Versehen und mit Oelfarbe angestrichen. Noch eine Brücke hinten am Hause nachen Garten, übern Schloss Graben; Ist auch von Eichen Holtz, und mit Oelfarbe angestrichen".

Der Schlossbau war während der langen Abwesenheit des Fürsten nahezu zum Abschluss gebracht worden. Es bestanden indess noch zahlreiche Ungewissheiten über Details, die u. a. die Bedachung, Ausstattung und Umgebung des Schlosses betrafen. Darüber war bis zum Jahre 1665 noch keine Entschliessung von Seiten des Herrenmeisters erfolgt. So nahm denn die Bauleitung in Sonnenburg Veranlassung, an den Fürsten ein umfangreiches Memoriale in Gestalt von 25 bestimmt, zum Theil ausführlich gestellten Fragen nach Cleve zu richten. Die darauf genau und fachgemäss gegebenen Antworten lassen die Wichtigkeit erkennen, welche Moritz dieser Bauangelegenheit im fernen Lande beimass. Das Memoriale ward zur bessern Uebersicht so eingerichtet, dass die Fragen lediglich die rechten Blatthälften des Schriftstücks füllten, sodass für die Antworten die linken Hälften frei blieben. Bevor ich nun meine Muthmassungen bezüglich der intellectuellen Urheber dieser Fragen und Antworten äussere, will ich dem Leser zuvor das Memoriale selbst nicht vorenthalten. Ist es doch eins der interessantesten und lehrreichsten Dokumente dieser Art, das den intimsten Einblick in das Verhältniss eines fürstlichen Bauherrn zur Bauleitung und in die Bauausführung einer palastartigen Schöpfung des 17. Jahrhunderts

[120]

gewährt. Deshalb habe ich auch kein Bedenken getragen, das Memoriale getreu und vollständig zu reproduciren.120

"Unterthänigstes Memoriale an den Hochwürdigsten Durchlauchtigen und Hochgeborenen Fürsten undt Herrn, Herrn Johann Moritzen Fürsten zu Nassow p. p. p. meinen gnädigen Fürsten und Herrn, betreffendt den Sonnenburgischen Schlossbaw, überreichet den 1./11. Maij 1665.

Die Fragen.                                     

Die gnädige resolution Ih. Fürstl. Hochw. undt Gnd.

1.

Ob die Gallery umb und umb gehen, oder man nur Pavillione, als einen am Thor, undt auff Jeder Ecken einen bawen, auch ob es mit deren aufferbawung annoch ein Jahr anstandt haben solle?

1.

Die Gallery belangend, So seind wir nicht gesonnen, selbige machen, sondern blos die Mauer, so umb und umb gehet, nicht höher auffführen Zu lassen, als eine Brustwehre Von 4 Fuss hoch, ober dem platze des Hauses. Und soll diese Mauer schrat (?) nach dem Graben abgehen, damit das Wasser auff selbiger seiten nicht stehen bleibe, Jedoch so viel Vier Kant, das man ein Löhnbalcken darauff legen könne, welcher durch Eysen, so in der Mauer fest zu machen seye, verbunden und fest gemachet werden soll.

An Pavillionen aber sollen nicht mehr, als an Jeder Ecken einer seyn, und zwar nur ein geschoss hoch, mit einem so flachen Dache als immer möglich, damit man umb soviel desto besser von den Gemächern darüber sehen könne; der Pavillionen Vier Kante soll ungefebr 16 Fuss, und die Höhe ungefehr 9 bis 10 Fuss hoch seyn, Von dem Vorplatze abgerechnet. Die Pavillione aber sollen in Ihren Cornisse bleiben, wie der Abriss ist, und also, das in Jeder Cornisse ein länglicht Schissloch gemachet werden kan, umb dadurch lengst der Mauer Zu plankeren. Ein Jeder Pavillion soll ein Schornstein recht in der mitten, und 2 Fenster an Jeder seyte, und unten ein Gewölbe haben. Der an der rechten Hand des Schlosses soll das gefängnüss seyn, der an der linken Hand vor den Pfördtner oder sonsten Jemanden anderes. An den Fenstern der Pavillionen vor die gefangenen sollen doppelte Gitter gemachet werden, als eines inwendig, und das andere ausswendig, undt an allen seyten woll fest und tief eingemauert. In der mitten beym Thor soll kein Pavillon kommen, umb dadurch das gesichte vom Schlosse nicht Zu verhindern, sondern nur bloss eine Zug-Brücke mit allen ihren requisiten.

2.

Ob die forderste Mauer von der Ring Mauers soweit aussgeleget werden solle, das der Platz Vierkant werde?

2.

Dieses soll also gemachet werden.

[121]

3.

Wie Ihr. Fürstl. Gnaden die Brücken belieben Zu haben, ob die selbe auff Steinene oder Höltzerne Pfeiler soll gesetzet werden?

3.

Die Brücke soll auff Höltzerne Pfeiler gemachet, undt wie vorgedacht kein Pavillion noch Pfordte verfertiget, sondern an stadt der Pfordte 2 Niedrige starke thüren, so hoch die Brustwehre herumb gehet, gemachet werden, damit wie gemeldet, das Gesichte nicht gehindert werde. Die AuffzugBrücke soll gleich am Barm anfangen, damit man selbige bequem auffziehen könne.

4.

Auff welche manier Ihr. Fürstliche Gnd. die Graben belieben zu haben, ob ein Ringschloss umb undt umb geben, undt wie breit die Barm seyn; Item ob der Graben verdungen, oder umb tageslohn verfertiget, auch wie tieff selbige seyn sollen?

4.

Den Graben und ringschloss betreffendt, soll selbiges also, wie auff dem Abriss gesetzet, gemachet werden. Der Barm (vgl. Anm. S. 118) soll von der Mauer ab 8 Fuss breit seyn, der Graben aber endweder verdungen, oder umb tagelohn, nachdem sichs am besten thun lassen will, verfertiget werden.

5.

Ob man sowoll den Graben und Ringschloss als auch den Barm einwendig und ausswendig mit Pfälen verstossen solle, damit die Erde nicht wieder hinein fallen könne, wozu dann 200 Eichen, umb davon Pfäle zu machen, vonnöten, und in der Commenthurey Lagow können gehawen und angeführet werden?

5.

Dieses muss nothwendig geschehen, und das Ringschloss als Graben undt Barm mit Pfählen verstossen werden. Was die Eichen anbelanget, so schreiben Wir desshalb an den Freyherrn von Löben, als Comptorn zu Lagow.

6.

Ob Fürstl.. Gnaden annoch resolviret den Thurm oben auffem Schlosse Verfertigen oder nur ein flaches Dach und eine Ballustrade umb und umb bauen zu lassen?

6.

Es soll kein Thurm gemachet werden, sondern bey einem flachen Dache und Ballustrade Verbleiben. Unten im Saale aber soll das Loch im gewölbe, weil es schon gemachet, unter dem kleinen Dache, so hoch als immer möglich, Verwölbet, und Unser Wapen mit dem Ordens Creutze und Schwerdte darin gemahlet, das übrige gewölbe aber weiss angestrichen werden. Wir Wollen auch, das Zwischen beyden Dächern, Unserer Meinung nach, die Wir Bonjourn bedeutet haben, und nicht gar woll beschrieben werden kann, oben auffem Dachsteinen an beyden seyten starke Ribben und auff beyden seyten auff die Ribben lengst dem Dache Balcken, auff gedachte Quer Balcken aber blosse Bredter geleget werden sollen, damit, wan im Winter grosser Schnee fället und schmiltzet, selbiger die Dächer nicht durchdringen, und dem Gewölbe und Saale kein Schaden thun könne. Und wan es sich schicken will, solle die Ballustrade umb und umb auffm Dache gehen.

[122]

7.

Ob man mit brennung der Blawen Dachsteine continuiren, und selbige auffs Schloss legen solle?

7.

Wir seind damit gnädig zufrieden.

8.

Auff welche manier das Schloss ausswendig abgeputzet werden solle, mit werkstücken oder nur glatt?

8.

Unser Meinung ist, das es nur, gantz weiss abgeputzet werde, und zwar auff folgende manier: Das Mauerwerk soll zuerst mit einem Besem woll abgekehret, und woll nass gemachet, hernach soll es nicht(!) dicke Von Kalcke beworffen, sondern nur blos soviel, das die Ritzen Zwischen den Steinen undt sonsten gefüllet werden, und also den Steinen nur gleich kommen, Und dan mit einem nass Wasser übergestrichen; das andermahl aber mit recht schönem weissen Kalcke abgeweisset werden.

9.

Wie Ih. Fürstl. Hochw. undt Gn. die Oberste Schornsteine Verfertiget wissen wollen?

9.

Dieselben sollen nur schlecht und die oberste Leiste von Holtz gemachet, inwendig mit Schiber oder kleinen Dachsteinen angenagelt und bekleidet werden, wie auch oben darauff, damit die Leiste nicht verfaulen könne.

10.

Wie Ihr. Fürstl. Gn. die Boden Von unten wollen gemachet haben, endweder beschlagen oder mit pleister beworffen?

10.

Die Boden sollen alle verpflastert werden, auff die ahrt und weise, die wir Bonjourn bedeutet haben, und nicht gar woll beschrieben werden kann, Und zwar etlicher maassen also: Es soll an beyden seyten inwendig der Balcken 3 oder 4 Zoll von der untersten Kant ab in der länge an Jederer Leiste mit einem Ayüss (? Axt) woll fest genagelt, und dan quer über mit stücken von Latten 2 oder 3 Zoll breit beleget, vorhero aber mit Leim und Strohe bewunden, und alssdan damit es rechte dichte werde, von unten und oben mit Leim beworfen, folgendts von unten undt oben mit schönem weissen Kalck beworfen undt gepflastert, die Balcken aber, soviel man davon wird sehen können, weiss angestrichen werden; Und zwar nicht mitt Oelfarbe, sondern nur mit Leimwasser und Bleyweiss.

11.

Wie Ihr. Fürstl. Gnd. belieben die Schornsteinmatel gemachet zu haben, und ob man Steinerne oder Höltzerne Pylaren darzu gebrauchen solle?

11.

Wir stellen es in Eurer gut befinden, Und könnet Ihr aus dem Architect Post Abriss die Schornstein Mantel oder Von ewerer eigenen Invention machen lassen, Jedoch gantz schlecht undt ohn Viel geschnitzel. Könnet aber in Amsterdam Zu sehen, ob Sie mit Steinern Pfeilern am füglichsten undt im mindesten preise Zu machen seyn.

[123]

12.

Wie Ihr. Fürstliche Gnaden die Fluhre sowoll im grossen gewölbe als auch in der Silberkammer, hoffstuben und Küchen beleget wissen wollen; ob man darzu Schwedische Steine kauffen oder gebackene Steine expresse darzu machen lassen solle ?

12.

Was den grossen Keller anbe            langet, So sollen die Fluhre steine geleget werden, von einem Pfeiler bis Zum Andern, so breit dieselben seyn, und in der Mitten eine andere ahrt von Steinen damit das unterste mit dem obersten accordire. Die ahrt der Steine aber betreffend, soll in Amsterdam oder sonsten überleget und erkundigst werden, ob man Schwedische schlechte Steine besser kauffen könne, als selber machen zu lassen. In diesem grossen gewölbe aber müssen Vor allen Dingen Schwedische Steine geleget, die Silber Kammer, Hoffstube undt andere Gemächer aber können mit denen Steinen, so im mindesten preis zu bekommen, beleget werden.

13.

Ob Ihr. Fürstl. Gnd. auffs Eeste die Lehns undt Kammer Archiven machen Zu lassen belieben, und auff was vor manier. Item ob die Fenster mit Eysernen Tralyen sollen beleget werden oder nicht?

13.

Unsere meinung ist, das selbige sobalt immer möglich Zu rechte und fertig gemachet und Jeder Archiv wo sichs am besten schicken wird, mit Fächern undt Schupladen, die selben in undt aus zu ziehen, undt die Schupladen soweit, das man ein gros format Pappier darin legen könne.

Die Tische aber wie sie sich am füglichsten schicken wollen, gemachet werden. Die Thüren dafür, wie auch in Ihr. Fürstl. Gnd. Kleinem Kabinet, so zusammen drey seyn sollen, wie folget gemacht worden. Vors erste soll eine starke Thüre von Eichenholtz woll benagelt, darnach. An beiden seyten mit Eysernen Platen bekleidet, vorhero aber die Eyserne Platen aneinander geklunken werden, wie man sonsten eine Bravr Pfanne machet, Und dan abgehaeuen, wie die Thüren seyn, und an beyden seyten Vorermelter höltzernen Thür die Zusammen geklunkte Platen mit Eysernen Bolten durch das Eichenholtz und beyde Eyserne Thüren an beyden seyten woll feste geklunken werden. Die Gehange an bemelten thüren müssen woll stark undt feste gemachet, und durch die Eyserne Thüre mit Bolten geklunken werden.

In dem Lehns Archiv sollen bequeme Kasten gemachet und darin die Ordens Kleider und Mäntel, wie auch die Schwerter, und was mehr dazu gehöret, gerad auff gehancket werden. Es soll auch die Thüre, so aus dem grossen Saal ins Lehnarchiv gehet, Zu gemauert, Jedoch in dem Saal an stadt der Thüre eine Nische gelassen werden. Ferner ist Unser wille, das in dem Cämmer Archiv ein Kasten gemachet, und all das Silberwerk, es hatt nahmen wie es wolle, wie auch die Sammete und andere Decken und Küssen, und das übrige Zinnern Zeug, so nicht gebrauchst wird, darin geleget werde.

So wollen wir auch, das oben auff dem Boden unterm Dache sothaner Kasten, wie wir Bonjourn in unserer Garderobe haben sehen lassen, darin

[124]

 

man alles Betwerk und Leinenzeug, oder was dem anhängig - item das Kupfferwerk und Kessel oder dergleichen sachen verwahren kann emachet werde.

14.

Auff welche manier Ih. Fürstl. Gn. in den Fenstern die Glase machen lassen wollen, ob man nur Einländisch Glass gebrauchen, oder Frantzglass aus Niederland kommen lassen solle?

14.

Es soll zu den Fenstern sothanes glas, welches im geringsten preise und Kauff ist, es sey Frantz-, Mocheln burgisches oder Einländisch glass genommen werden.

15.

Welchergestalt Ihr. Fst. Gnd. die forderste Treppe vorm Hause machen lassen wolle, undt ob sie von Holtze oder von Steinen seyn solle ?

15.

Die Treppe soll von Holtze gemachet, werden. Unterdessen aber in Amsterdam nachfrage und überschlag geschehen, ob man zu der Treppen einige Blawe Steine umb geringen preiss nach Stettin geführet bekommen könne.

16.

Ob Ihr. Fürstl. Gnd. belieben auff die Prontispitze der Eingangsthüre 2 Bilder zur Zierath legen zu lassen?

16.

Unsere meinung ist nicht, das einige Bilder gemachet und auf die Frontispisse geleget werden sollen.

17.

Ob Ih. Fürstl. Gnd. die 5 Bilder von Leim gemachet (!) und anitzo im Vogelhause stehend, behalten und bezahlen lassen wollen, Weil sie sonst der Bildhauwer, so sie gemachet120a Ihr. Churfürstl. Durchlaucht, verkaufen will?

17.

Wir seind zufrieden, das die benannte 5 Bilder behalten und erkaufet werden.

18.

Ob Ih. Fürstl. Gnd. belieben, das die Mahl- undt Walckmühle, wie auch die Schmiede abgebrochen und wohin selbige wieder erbawet werden solle?

18.

Weiln selbige gebonwen das gesieht vom Schlosse verhindern, So wollen Wir das selbige nach gelegenheit der Zeit abgebrochen, und die Mahl Mühle, welche nothwendig wieder erbauwet werden muss, daselbsf, wo anitzo die Frey Arche ist, Inmassen wie auff dem Abriss bezeichnet, transferiret, Die Schiniede aber an dem Ohrte, wo sie das Gesichte nicht hindert, und am besten stehet, wieder gebauwet werde.

19.

Alldieweil nicht allein die Lentze, durch das Einfahren von den Brauern, wie auch vom Viehtrenken, indem aller unflath wieder hineingewaschenwird, sondern auch die Nebengraben, so annoch gemachet werden sollen, dadurch verdorben werden, So ist zu vernehmen, ob Ih. Fürstl. Gnd. be- gelieben, wenn die Newo Mahl Mühle gebawet werden wird, dabey zugleich eine Wasserkunst bawen zu lassen, dadurch das Wasser hin und wieder in die Stadt geleitet werden könne. Jtem ob Dero gnädige Willensmeinung sey, zu unterhaltung dieser Kunst die Brawerzinse auff etliche groschen Zu erhöhen, auch alle Bürger zu deren erbawung etwas, Jedoch nach advenant darzu geben sollen?

19.

Wir seind aus angezogenen uhrsachen gnädig Zufrieden, das eine Wasserkunst neben der kleinen Mühle gebauwet, und desswegen die Braw Zinse so viel möglich gesteigert, auch von Jedem so in der Stadt wohnet, und des Wassers geniessen kan, nach advenant etwas darzu geben werde. Desswegen Ihr Euch mit Unserrn Ordens Cancellario Zu bereden, und eine gewissheit darin Zu schliessen habet.

[125]

20.

Weil der graben vom Schlosse unzweifentlich oben an dem ohrte, allwo die Cantzeley anitzo stehet, wird durchgeweitet werden, ist zu vernehmen, ob die Cantzeley abgebrochen, und der Herr Cantzler in das kegenwertige Ambtshauss ziehen soll?

20.

Es muss freylich die Cantzley, wan der schlossgraben alwo Sie anitzo stehet, durchgehen muss, abgebrochen werden; Es muss aber Jedennoch selbiges Hauss so lange stehen bleiben, bis man mit dem grabenrandt daran kombt. Und kan alssdan der Herr Cantzler in das kegenwertige Ambtshauss sich begeben.

21.

Weil zu besorgen, dass der Sonnenburgische Kirchthurm, in dem das Holzwerk darin sehr verfaulet und dachlos worden, von einem starken Winde dermahleinstens herunterfallen, und grossen schaden Veruhrsachen könte, So ist an Ih. Fürstl. Gnd. zu Vernehmen, ob man selbigen so balt man daran kommen kann, einreissen und wieder wieder bawen solle, und auff was vor manier undt auff wessen Unkosten? Als man auch gleichergestalt wahr nimbt, das das gewölbe über der Kirchen und den Fenstern grosse Ritzen bekombt, wodurch die Kirche sehr verderbet und endlich gar eingehen möchte, So hatt man gleichsfals Zu fragen, ob man das Gewölbe mit Eysernen Anckern und anderen nöthigen Dingen aufrs beste Vorsehen und auff wessen uncosten solches geschehen solle?

21.

Wir finden freylich zu Verhütung eines grossen schadens, so aus herunterfallung des Thurmes undt ein gehung des gewölbes veruhrsachet werden würde, vor nöthig Zu sein, das nicht allein der Thurm eingerissen und wieder erbawet, sondern auch das Kirchengewölbe auffs Beste Versehen werde. Der Thurm aber soll auff solche manier gebawet werden, das Er durch viele Fenster und andere unnötige Dinge Vom Regen nicht beschädiget werden könne. Undt soll der hole weg nach der Stadt zu, so hoch angefüllet werden, das das Fundament der Pfeiler bedecket, das gewölbe aber muss mit sothanen Anckern versehen werden, das selbiges nicht mehr weichen könne.

Die Unkosten betreffend, So können Wir Uns einig undt allein darzu nicht verbinden, weil wir mit dem Schlosse und anderem Bawe genug zu thun haben. Wir wollen aber die

[126]

 

Jenigen Materialien, so Wir von uns selbsten haben, als Holtz, Bredtern, Mauer- und Dachsteine, soviel darzu benöthiget, frey und ohn endgeldt abfolgen lagsen, Die übrigen Uncosten aber muss die Kirche tragen. Es kan aber in allen Ordens Dörffern, so woll unter Sonnenburg als den andern Ordens Aembtern eine Collecte gesamblet und darzu gebrauchst werden, Und zwarten alles mit einstim- undt überlegung des Herrn Cancellary und der Herrn Geistlichen.

22.

Nachdem uff Verordnung Ih. Fürstl. Hochwürden und Gnd. der itzige Holländische Mawer Meister Gorus Peron abgedancket, und wan Er das Mawerwerck völlig auffgeführet, dimittiret, in seiner Stelle aber ein holländischer Meister Knecht, nahmens Jacob Tamessen angenommen werden soll, welcher itzo 32 stüber bekombt, So ist zu vernehmen, ob man selbigem Meister Knechte, wan Er angenommen, 36 stüber, weil Er sonst nicht bleiben will, täglich geben solle, Auch ob Ih. Fürstl. Gnd. belieben uff des Mawermeisters Supplication gnädig zu verordnen?

22.

Wir lassen es bei Unserer vorigen Verordnung, wegen erlassung des holländischen Mawer Meisters nochmahls bewenden, und seind Zufrieden, das der Meister Knecht, wan Er darzu tüchtig, angenommen werde, und täglich 36 stüber bekomme. Uff des Mawers Meisters an uns über gebenes Supplicatum wollen Wir auch decretiren.

23.

Aldieweil Meister Cornelis der Bawmeister nunmehr, weil der Mawermeister wegehet, sich beschweret, das Er mehr mühe in anweisung eines undt des andern haben werde, desswegen Er gebeten, Ihm den einen gülden, so Meister Gorus über die Acht Thaler Wochentlich bekommen, Zuzulegen, ob Er selbigen gülden bekommen solle?

23.

Wir consentiren hiemit, das Meister Cornelis annoch der Eine gülden wochentlich gegeben werden solle, Jedoch mit diesem Bedinge, das Er nebst seiner Zimmerarbeit auch achtung uff das Mawerwerck geben, und bey allem fleissig seyn solle.

24.

Umb gnädige Verordnung wird gebeten, ob man, wan die Holländer krank werden, den Doctorem, Balbierer und Apoteker bezahlen solle?

24.

Dieweil Wir bey Unserer anwesenheit mit überholung und bezahlung des Doctoris, Balbierers und Apothekers bereits einen anfang gemachet, und bisshero damit continuiret wissen wollen, So lassen Wir es auch nochmahls dabey bewenden, Und dieses umb gewisser und sonderbahrer uhrsach willen.

[127]

25.

Demnach auch der ersten Holländer Reisekosten von Holland bis Sonnenburg Zu bezahlen von Ih. Fürstl. Gnd. unterschrieben worden; So wird unterthänig gebeten, der letzten beyden Holländischen Zimmer Knechte, als Jacob Klinckarts und Victor de Porters Specification der Reisekosten, Zu unterschreiben, und gleich wie Vorigen geschehen, bezahlen zu lassen.

25.

Dieses soll gebetener maassen geschehen.

 

Clev den 1. Juny 1665.

 

J. Moritz f. Zu Nassauw.

 

Es scheint mir nicht überflüssig, nach dem Verfasser des Memoriales zu fragen. Für Bonjour, den Ordensrath und Oberleiter des Baues, spricht Manches. Gegen ihn könnte z. B. § 11, in welchem von den Kamminen die Rede ist, angeführt werden; es wird dort gesagt, dass sie entweder nach des Architekten Posts Entwurf oder nach "ewerer eigenen Invention" gemacht werden sollen. Freilich läge die Möglichkeit vor, dass der "Kammer Meister" des Fürsten Moritz auch in künstlerischen Erfindungen nicht unerprobt war. Dagegen wird in §§ 10 und 14 über Bonjour wie von einer dritten Person gesprochen "auff die ahrt und weise, die wir Bonjourn bedeutet haben" und "wie wir Bonjourn in unserer Garderobe haben sehen lassen". Aber auch diese indirekte Anrede erklärt sich leicht, wenn man annimmt, dass der Fürst die Fassung der Antworten einem Schreiber in die Feder diktirt habe. Eine direkte Anrede enthält § 19: Deswegen Ihr Euch mit Unserem Ordens Cancellario zu bereden u. s. w. habet". Sollte hier gar Cornelis Ryckwaert, der Baumeister, gemeint sein? Das bezweifle ich, auch nach dem Inhalt von § 23. Mit ihm gemeinsam mag Bonjour das Schriftstück verfasst haben, wie denn wohl auch hinter Moritz offenbar Pieter Post, von dem ja an einer Stelle die Rede ist, gestanden haben dürfte. Absender des an den Herrenmeister "meinen gnädigen Fürsten und Herren" gerichteten Memoriales

[128]

kann aber nur eine Person gewesen sein, und für diese weiss ich lediglich Bonjour zu nennen121.

Die Folge des Memoriales war zunächst ein neuer Kontrakt mit dem Baumeister Ryckwaert. Es handelte sich darin um die von dem Fürsten als nothwendig erkannten letzten Bauarbeiten, soweit sie das Schloss betrafen. Das Konzept der schriftlichen Vereinbarung, welche Bonjour und Ryckwaert miteinander trafen, habe ich zusammen mit einer holländischen Uebersetzung des Kontraktes, im mehrfach genannten Regierungsarchiv aufgefunden. Nachstehend sei das Dokument mitgetheilt.

"Zu wissen das . . . Der fürstl. Nassawische Ordens Raet Undt Cammermeister Johan de Bonjour sich mit Vor Ermelten Fürstl. Baw-Meister Cornelis Ryckwahrt Uber noch folgende Poinctie verglychen. Da dan Vor gedachten Bawmeister an Verdongen wirt, Er auch einnimbt Volgende sachen, so Zu verferdigen Und Zu vollen bewehrten perfection Zu livren, wihs Es Einem Ehrlichen Meister Zu kombt, Vnd Er Vor Godt Undt sein fürstl. Gnaden wirdt können Verandtworden als:

1.      Die Bruge von dem Dam über die Lentze nach der Schloss Brücke zu, von neu auss Holz Zu verferdigen, mit ihren Geländer, Knöpfen etc.122

2.      Die Schloss Brücke zu vollenden etc.

3.      Die Treppe vor dem Schloss ganz zu verfertigen mit Pfeilern, Geländern und auch die Eingangsthür etc.

4.      Die Innentreppe mit Allem etc.

5.      Die Treppe im zweiten Stockwerk.

6.      Die Steintreppe, so in den Keller führt.

7.      Andere Treppe.

8.      Grosse Thüre u. a. Thüren.

9.      Zwei Thüren mit Architrawen etc.; Ein Schornsteinmantel; Thüren in der Fürstlichen Schlafkammer.

10. Andere Thüren etc.

[129]

In Summa diese oben genannten 10 Punkte also zu verfertigen, wie es sich gehört für einen Ehrlichen Baw- und Zimmermeister. daer voor sal ick hebben de Soma van Vier hondert En vieftich Ryksdaler - in 3 Raten sollen bezahlt werden, die 1 Rate zu 100 Thlr. bei Beginn des Werkes, die 2 Rate 150 Thlr. , die 3 Rate 200 Thlr., wenn das Werk vollendet123; auch sollen mir Dienstleute geschafft werden, so ich sie bedarf und soviel als ich nöthig habe. Auch soll mir das Geräth, Zimmerholz etc. geliefert werden ...

Sonnenburg den 4 Spbr. 1666.

Die ganze Anlage von Schloss und Umgebung war in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit von echt holländischer Einfachheit und Regelmässigkeit. Der fürstliche Bauherr erstrebte zwar eine repräsentable Schöpfung, der es an nichts Nothwendigem fehlen sollte; dennoch verfuhr er in allen Dingen mit ersichtlicher Sparsamkeit. Von irgend welchem Luxus der Ausstattung oder von kostbaren Materialien durfte bei einem Gebäude, das nach holländischem Begriffe "gottesdienstlichen" Charakter besitzt, nicht die Rede sein. Alles sollte "schlecht" d. h. schlicht gestaltet, doch zugleich zweckmässig und von angenehmer Wirkung sein. Für die Anordnung der nächsten Umgebung war massgebend, dass diese nicht das "Gesicht" des Schlosses verkümmerte. Um die Abgeschlossenheit und Sicherheit zu erhöhen,

aber auch zur bequemen Fortspülung des Unraths, wurde die Ordensresidenz rings von Wasser umgeben, gleich den damaligen villenartigen Schlössern der Niederlande. Versuchen wir, uns nunmehr nach den mitgetheilten Dokumenten das anziehende

[130]

Bild dieser Residenz in blossen Umrissen übersichtlich zu veranschaulichen.

Das Flüsschen Lenze, welches das Schlossterrain westlich und südlich bespült, war von dem Wasserquadrat des Grabens durch einen schmalen, bepflanzten Deich getrennt. Der Graben besteht längst nicht mehr. Der einzige Zugang lag an der Westseite, und über die schmale Lenze, wie über den 60 Fuss breiten Graben führten Holzbrücken bis zum Barm der ummauerten Schlossinsel. Die Vormauer hatte hier eine Eingangs-Oeffnung, durch die man direkt in den Schlosshof trat. Die Mauer aus Feldsteinen errichtet, war aussen, an dem künstlich hergestellten, tiefer liegenden Ufer oder Barm, höher als nach der Hofseite zu, wo sie blos die Höhe einer niedrigen Brustwehr von 4 Fuss besass. Links und rechts vom Eingang erhoben sich in den vorderen Ecken des Vorplatzes kleine viereckige Pavillons, welche die Aussicht von und nach dem Schlosse nicht beeinträchtigten; neben dem einen Pavillon stand ein Brunnen.

[131]

Ueber die Details aller dieser Theile findet man im Memoriale und in der Beschreibung des Hausbuches genügende Aufschlüsse.

Die drei Nebenseiten des Schlosses lagen unmittelbar am Graben und waren dreigeschossig, während die Hauptfront, in Folge des höheren Platzniveaus, nur zweigeschossig erschien und das Erdgeschoss hier den Character eines Kellergeschosses besass. Als solches wird letzteres durchweg in den obigen Urkunden erwähnt. Die Fassaden in Backstein waren geweisst, nicht verputzt, wie es später geschah. Säulen und Pilaster verboten sich als Formenüberfluss aussen von selbst. Allerdings erhielt die heute 11 Fensteraxen umfassende Front (136¼ Fuss) durch herausspringende Eckrisalite und durch einen flachen Mittelrisalit eine kräftige vertikale Gliederung. Gurtsimse fehlten, doch schlossen die Fassaden damals mit einem jonischen Kranzgesims ab; darüber umgab eine Ballustrade das Dach124, das jetzt wohl steiler ist als ursprünglich. Den Schlossseiten (97 ¼ Fuss) gab man eine Ausdehnung von nur 6 Fensteraxen.

Der Tempelgiebel, der gegenwärtig die Axe der Front schmückt, dürfte wohl auch ehedem vorhanden gewesen sein, da er dem holländischen Geschmack jener Zeit entsprach. Die hohe Freitreppe, die vorn dem Hauptgeschoss vorlag und später kassirt wurde, scheint mir nicht in gerader Flucht, sondern in zwei Parallel-Hälften einporgeführt zu haben125. An der portalartigen reicheren Umrahmung des Mittelfensters dieses Geschosses erkennt man noch den ursprünglichen Haupteingang, der jetzt im Erdgeschoss liegt, wo man früher mitten unter der Freitreppe ins Kellergewölbe stieg. Erhalten von den ehemaligen spärlichen Dekorationen haben sich die Festons unter den drei obersten Mittelfenstern, echt holländische Motive, bestehend aus Muscheln, Früchten und Blumen, ferner, links und rechts davon, zwei viereckige Füllungen mit dem Nassauischen Wappen und den Insignien des Herrenmeisters126.

[132]

Entsprechend der Dreitheilung der Front gliedert sich der Grundriss des Schlosses in drei Theile. Der Mitteltheil mit seinen fünf Fensteraxen enthält in allen drei Stockwerken einen Vorflur (Vorhaus) und einen nach der Gartenseite gelegenen Saal. Da der Hauptsaal aber zwei Geschosse umfasst, so sind nur zwei Säle vorhanden. Das Vorhaus ist zugleich Treppenhaus und vermittelt die Verbindung der drei Stockwerke untereinander. Das Mittelgeschoss und die vorzugsweise zu Vorrathszwecken bestimmten Kelleräume wurden massiv gewölbt, während das Obergeschoss grade Holzdecken erhielt. Aus dem Memoriale ersehen wir auch, dass man im Jahre 1665 bereits das Gewölbe des grossen Festsaales in mitten achteckig durchbrochen hatte, um über dieser Oeffnung einen Glockenthurm zu errichten, was indess unterblieb. Ferner besass der Boden des Saales eine runde Mittelöffnung, wodurch dessen reichliches Licht auch dem untern Kellergewölbe mitgetheilt wurde. Diese auf 4 Pfeilern ruhende Halle von 59 Fuss Länge und 40 ½ Fuss Breite127 diente früher gelegentlich als Speiseraum und ihr hinterer Ausgang führte und führt noch heute nach dem östlichen Garten.

Der Grosse Saal ist noch immer der am meisten charakteristische Raum des Schlosses. Bei einer Länge von 60 Fuss und einer Breite von 41 ½ Fuss besitzt der mit fünf Zugängen versehene Saal eine Höhe von 54 Fuss bis zum Scheitel des Tonnengewölbes128, das über einem jonischenKämpfergesims emporsteigend, früher auf sechs gemauerten Bögen ruhte. Von den 5 doppelreihigen Fenstern an der Ostseite, die in neuerer Zeit mit Glasmalereien geschmückt wurden, haben die drei mittleren eine Gesammthöhe von 36 Fuss erhalten. Der Haupteingang liegt an der Westseite. Die vier kleinen Portale an der Süd- und Nordseite, zu beiden Seiten der grossen schlichten steinernen Kammine, besitzen noch die alte, aus Eichenholz geschnitzte, elegante Umrahmung. Die Wände bedeckten sich allmälig mit den Bildnissen und Wappen von Herrenmeistern, Komthuren, Kanzlern und Rittern des Johanniterordens. An ausgezeichneter Stelle, über dem südlichen Kammin, hängt das lebensgrosse Portrait des "Brasilianers", gemalt von dem Holläuder Pieter Nason im Jahre 1666, und eine Inschrift darunter lautet:

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"Moritz Fürst von Nassau des Ritterlichen St. Joh. und Maltheser-Ordens in der Mark etc. zum Herrenmeister erwählet 1652, gestorben 1679. Er ist es, der die Kirche, das Hospital und das Schloss zu Sonnenburg erbauen und die verwüstet erhaltenen Ordens-Güter herstellen lassen". So wurde Pieter Nasons Portrait zu einem Denkmal des fürstlichen Bauherrn.

Der holländische Meister, von dem man bis in die jüngste Zeit hinein wenig genug wusste, verdient als einer der tüchtigsten Vertreter der Haager Malerschule genannt zu werden. Er gehörte mit Adrian Hanneman und anderen Haagern zu den meistbeschäftigten vornehmen Bildnissdarstellern jener Zeit. Sie verschmolzen wohl sämmtlich die Traditionen der Werkstatt des Jan van Ravesteyn mit den durch van Dyck empfangenen Einflüssen. Und Nason wusste sich, trotz der affectirten Haltung mancher seiner fürstlichen Modelle und bei aller Glätte und Subtilität der Ausführung, dennoch ein gesundes malerisches Gefühl, einen frischen, echt holländischen Zug zu bewahren. Diese

schönen Vorzüge besitzen z. B. die Portraits des Fürsten Moritz und des Grossen Kurfürsten vom Jahre 1666 im hohen Maasse. Als Fürstentypen des 17. Jahrhunderts von gleichem historischen Reiz, scheint mir das Bild des Brasilianers koloristisch und hinsichtlich des geistigen Ausdrucks das anziehendere. Charakteristisch wirkt, hier wie dort, Haltung, Mienenspiel, das reiche Kostüm und selbst die Staffage129. Moritz trägt, energisch dastehend in seiner Wohlbeleibtheit, über einem schwertgegürteten Prachtgewande einen weiten polzgefütterten Mantel, auf welchem der Stern des dänischen Elephantenordens prangt. Die Beine130 stecken in eleganten, verzierten Lederstiefeln; der rechte, Arm ist im Ellenbogen gekrümmt, der linke hängt lässig herab. Die Brust schmückt das Johanniterkreuz und den Hals schützt ein Tuch, dessen Enden herabfallen. Sein Haupt zeigt kräftige edle Züge, in denen sich Hoheit und Intelligenz mit jener Milde des Ausdrucks paaren, die das Kennzeichen des nahenden Greisen-

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alters zu sein pflegt; - der Blick unter den geschwungenen Brauen ist gradeaus gerichtet und noch voller Frische. Knebel- und Kinnbart sind sehr klein, und auch über der gewölbten Stirn, zu der man ehrfurchtsvoll emporblickt, thront blos ein winziges Büschelchen des feinen weissen Haupthaares, das freilich hinter der Schläfe noch üppig und kraus herabfällt. Rechts am Boden des dargestellten Gemachs hat der Maler verschiedene Wappentafeln angeordnet, links steht als Begleiter des Fürsten ein junger Neger mit einer Landkarte in den Händen, gewissermaassen sein Attribut, das er für spätere Fürsten- und Admiralsbildnisse in Mode brachte. -

Von dem Grossen Saal gelangt man durch die beiden linken Nebenportale in die Gemächer des Herrenmeisters, die also nordwärts liegen; man kann diese auch direkt vom Vorflur aus betreten. Die Thüren an der rechten Saalwand aber führten einst in die Bureau- und Archivräume, sowie in die Küche. Die Wohnung des Herrenmeisters mit ihrem völlig schlichten hellen Anstrich lässt kaum noch einen höheren Grad von Einfachheit zu. Darum entdeckt das Auge des kunstsinnigen Besuchers in allen diesen Gemächern nichts sonderlich Anziehendes. Nur in dem fünffenstrigen Raum der Südwestecke, dem heutigen Kapitelsaal, der neuerdings wenigstens eine passende vornehme Möbeleinrichtung erhielt, verweilt man mit grösserem Interesse. Hier findet sich auch, sonderbarer Weise in der Oeffnung des Kamins untergebracht, ein alter St. Johannesaltar, ein wirklich vortreffliches niederländisches Werk aus dem 15. Jahrhundert. Die Holztafel zeigt vorn den Schutzpatron des Ordens in der Wüste, vertieft in die Lectüre eines frommen Buches, und an der Rückseite die Enthauptung des Täufers, mit im Ganzen fünf Figuren, höchst sorgsam in frischen kräftigen Farben auf Goldgrund gemalt.

Begiebt man sich ins obere Geschoss, so lernt man hier eine ähnliche Vertheilung der Zimmer, die nur gelegentlich Wohnzwecken dienen, kennen. An gewissen Stellen der Wände des Festsaales sind oben kleinere Fenster angeordnet, durch die man hinabschauen kann. Im Erdgeschoss hat sich, seit der Beseitigung der Freitreppe und der Tieferlegung des Vorplatzes, Vieles verändert. Da ist zunächst die früher in mitten kreisrund geöffnete Decke des "Grossen Gewölbes", das noch heute auf 4 Pfeilern ruht, geschlossen worden, und aus den halbdunklen Vorraths-

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kellerräumen, die gegen Wärme und Kälte gleich gut geschützt lagen, sind wohlbeleuchtete Stuben und Kammern entstanden. Wie oft mag einst, nach eingenommener reichlicher Mahlzeit, der "Brasilianer" mit seiner ritterlichen Gesellschaft in das "Grosse Gewölbe" hinabgestiegen sein, um hier noch einen "frischen Trunk vom Zapfen" zu thun, und um dann vielleicht, als Freund der Natur, über die hintere schmale Brücke des Grabens in den weiten Schlossgarten zu gehen, den er bereits im Jahre 1653 hatte anlegen und bepflanzen lassen.

Dieser durch Graben und Stacketenzaun geschützt gewesene Lustgarten besteht heute blos noch in seiner ursprünglichen Ausdehnung, in seiner Breite von zwei Ruthen. Dass er mit mindestens einem Wasserbassin (vijver-Weiher) versehen ward, beweisen mehrere vorhandene Skizzen131, geht aber auch aus einer ziemlich vorn gelegenen, mit hohem Schilf bedeckten runden Sumpfstelle des heutigen Gartens deutlich hervor. Jenseits des selben und der Landstrasse dehnt sich oben erwähntes Hügelterrain, die sog. Spitzberge, östlich bis zum Flüsschen Postam, das von Zielenzig kommt, aus. Hier hatte Moritz, seiner alten Vorliebe, Anhöhen mit Alleen zu bepflanzen, Genüge gethan. Seine Lindenallee steht noch gegenwärtig, bis auf vereinzelte Lücken, wohlerhalten da und bildet hier mit ihren dicken knorrigen, im Sommer herrlich duftenden und von dem Gezwitscher der Vögel belebten Bäumen ein ehrwürdiges Zeugniss der naturverschönernden Hand des "Brasilianers". Die Allee macht schliesslich eine Biegung nach südwärts, um eine Strecke am diesseitigen Ufer des "Graben" fortzulaufen.

Das Hausbuch von 1665 verbreitet sich auch des Näheren über die übrigen, zum Ordensamt Sonnenburg gehörigen Besitzungen und Einrichtungen. So ist, ausser dem Lustgarten, von zwei Hopfengärten am Spitzberge, einem Herrengarten "mit 10 Wohnungen" und einem "Kaninichen-Garten" die Rede. Dieser letztere lag "unweit dem Spitzenberge, ist im Jahre 1662 auff der Herrschaft Acker angeleget, mit Kaninichen besetzet und in

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dem Garten ein Keller gemacht worden. Die darin erzeugten Obstbäume müssen bei dem Lust-Gärtner132 bestellt werden. Nicht weit davon ist der Kanin-Spring (Quelle), davon das Wasser hierher in Rinnen geleitet wird". Auch von zwei Weinbergen, nebst einem 1661 errichteten Kelterhaus, ist in dem Buche die Rede. Der kleine oder vorderste Berg enthielt einige Wirthschaftsanlagen, während der grosse oder hinterste das 1655 neu erbaute Wohngebäude des Weinmeisters mit umfasste.

Schliesslich darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Interesse und die Thätigkeit des Herrenmeisters auch anderen Ordensämtern z. B. Grüneberg, Rampitz und Collin, galt. Hierüber gewähren die zum Theil wohl von Moritz eigenhändig gefertigten Skizzen des Frankfurter Archivs133 einigen Aufschluss. Unermüdlich war er darauf bedacht, die dortigen Amtshäuser wohnlich zu gestalten und ihre landschaftliche, an Wiesen und Wäldern reiche Umgebung zu verschönern, wobei er sich schon in den fünfziger Jahren der Mitarbeit des holländischen Landmessers A. v. Geelkerck bediente, von dem auch zweifellos die meisten der vorhandenen Zeichnungen, topographischen Aufnahmen und die dabeigefügten holländischen Bemerkungen herrühren. Bockmann berichtet ferner134, dass, als am 26. Sept. 1678 im Dorfe Limmeritz Kirche und Thurm durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt wurden, Moritz sogleich die Mittel zum Wiederaufbau gewährte; letzterer fand erst 1681 statt "durch hohe Gnade des Fürsten Johann Moritz von Nassau glorwürdigen Andenkens", wie jener Autor bemerkt.

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V. Eine Jugendstatue des Grossen Kurfürsten.

Wer über die Bögen der Stadtbahn quer durch das Häusergewirr der heutigen Reichshauptstadt dahinfährt und seinen Blick aus dem Fenster des Eisenbahnwagens nordwärts richtet, wird erstaunt sein, fast im Mittelpunkte Berlins einen anmuthigen Park zu erblicken, in dessen Mitte das Schlösschen Monbijou steht. Der bekannte Architekt Eosander von Goethe, Schlüter's Rivale, hatte dieses niedrige langgestreckte, ringsherum mit Figuren gekrönte Gebäude zu Anfang des vorigen Jahrhunderts für die Gräfin Wartenberg geschaffen. Und hier sah man vor einiger Zeit, in einem der Säle des Schlösschens, eine historische Ausstellung, die dem Gedächtniss Friedrich Wilhelms des Grossen geweiht war. In dieser Ausstellung bildete die Persönlichkeit des erhabenen Mannes, wie sie in ihren verschiedenen Perioden, zumal von zeitgenössischen Künstlern, erfasst worden war, den bedeutsamen Mittelpunkt.

Die vorhandenen Porträts waren aber fast ausnahmslos Werke der graphischen Künste. Zur vollständigen lconographie des Kurfürsten fehlten nicht allein die Gemälde, die allerdings einen

ziemlich grossen Raum für sich beansprucht hätten, sondern auch die plastischen Arbeiten, zu denen ja auch Medaillen, Münzen

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u. s. w. rechnen. Die umfangreiche und zum Theil recht merkwürdige Gruppe der letzteren hatte schon im vorigen Jahrhundert Historiker und Numismatiker wie Seiler und Oelrichs135 interessirt und zu Publikationen veranlasst. In der vorliegenden Studie soll vorzugsweise von einer älteren Schöpfung des Meissels und von dem Urheber derselben die Rede sein.

Jugendportraits des Grossen Kurfürsten pflegen, weil sie seltener vorkommen, mit erhöhter Aufmerksamkeit betrachtet zu werden. Auf ihnen vermisst man noch den grossartigen freien Zug, der gerade das Bild dieses Herrschers volksthümlich gemacht hat. Weder die deutschen Künstler noch die älteren Niederländer, die ihn vor der Mitte des Jahrhunderts porträtirten, strebten darnach, seinen Zügen den Ausdruck wirklich hoheitsvollen Selbstbewusstseins zu verleihen. Es scheint uns, als wenn die damalige Machtstellung des Kurfürsten noch jene gebieterische Haltung und jenes gewaltige Mienenspiel der späteren Bildnisse ausschloss.

Den offenbaren Wendepunkt glaube ich in einer auf den erlangten souveränen Besitz Preussens im Jahre 1658 geprägten silbernen Medaille zu erkennen, welche das Brustbild Friedrich Wilhelms auf der Vorderseite enthält. Hier tritt uns bereits eine völlig ideale Auffassung des Porträts entgegen, die in der That derjenigen Schlüters, des Repräsentanten eines veränderten Kunstgeschmacks, entspricht. Das Bildniss zeigt uns den Fürsten im Profil, nach rechts schauend, im Kostüm eines römischen Imperators, mit mächtig wallendem Haupthaar; Alter und Gesichtsschnitt rufen uns die Reiterstatue auf der Kurfürstenbrücke lebhaft ins Gedächtniss. In dem zierlichen Werke machen sich der Einfluss der grossartigen Wucht des Rubens und des französischen Klassizismuss jener Zeit gleich stark bemerkbar. Hier sehen wir also trotz des kleinen Rahmens, den ersten kühnen Wurf gethan, und es nimmt nun auf den Portraitdarstellungen Friedrich Wilhelms die Loslösung von der älteren einfachen realistischen niederländischen Auffassung ihren Fortgang.

Noch ganz der niederländischen Kunstperiode gehört aber die Jugendstatue des Grossen Kurfürsten an, die, von den Wenigsten als solche erkannt, bis vor Kurzem im Schlosspark zu

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Charlotttenburg, am westlichen Ende des vorderen Hauptweges neben derjenigen des ersten Königs von Preussen stand. Eben mit diesem Bildwerke wollen wir uns in den folgenden Zeilen ausführlicher beschäftigen.

Das war draussen im Charlottenburger Park, auf dem Wege nach dem Mausoleum, an heiteren Sommertagen ein hastiges Kommen und Fragen, dass man meinte, Alles, wolle zu dem schönen jugendlich geschmeidigen Fürsten eilen, der sich auf hohem glatten Postamente in voller Körperhaftigkeit, greifbar natürlich – wie man zu sagen pflegt - erhob. So mancher Unkundige mochte die etwas überlebensgrosse Marmorfigur, die glücklicherweise nur geringe Spuren der Verwitterung zeigte, für Kleists träumerischen Prinzen von Homburg gehalten haben.

Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass der niederländische Schöpfer dieser Statue etwas Anderes als nur die ungeschminkte Wahrheit geben wollte. Also dürfen wir die Beschreibungen, welche uns die Biographen von Friedrich Wilhelms Statur und Aeusserem liefern, nach diesem Bildwerk modificiren. L. von Orlichs bemerkt, dass der Kurfürst mittelgross gewesen sei, dunkelblaue Augen, eine Adlernase und bis circa 1660 einen Knebelbart gehabt habe. Von letzterem ist an der vorliegenden Figur nichts zu merken. Auch will es uns, nach deren Körperverhätnissen und dem fast zierlichen Kopfe zu urtheilen, nicht gelingen, an eine nur mittelgrosse Statur zu denken136.

Schon vor einiger Zeit gab ich eine Beschreibung137 der werthvollen niederländischen Leistung; es bleibt mir daher nichts weiter übrig, als im Wesentlichen bereits Gesagtes zu wiederholen. Das Haupt der Figur wirkt seltsam anziehend durch die feinen Linien, das edle Profil und die geistige Schönheit des Ausdrucks. Die Nase ist wenig gebogen, das inmitten gescheitelte Haar fällt, das Antlitz kräftig umrahmend, in langen, leicht gewellten Strähnen bis auf die Schultern herab. Betrachten wir dieses

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wahrhaft distinguirte Antlitz genau, so erscheint uns die seltsame Mischung von männlicher Entschlossenheit im Ausdruck mit weichen, geradezu frauenhaften Linien eigenthümlich. Aber das breite, kraftvolle Kinn bildet unzweideutig das Gepräge einer echten Herrschernatur. Wollte der Statuarius Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit dadurch kennzeichnen, dass er die Mundwinkel etwas heruntergezogen bildete? Missgünstige Betrachter werden diese recht wohl glaubhafte Charakteristik des Modells vielleicht als die Ausprägung eines verdrossenen und vornehm - blasirten Wesens auslegen. Und doch wird diese Herbheit, wie schon erwähnt, gesänftigt durch die zarten Formen von Wangen und Stirn, durch den milden, fast schwärmerischen Blick der nur kleinen Augen.

Das Kostüm der Statue ist natürlich streng realistisch behandelt bis auf den eng an den kräftigen Hals schliessenden, glatt anliegenden Kragen. Man sieht einen jugendlichen Feldherrn, der an die Musterung seines Heeres getreten ist. Er steht in voller Kriegsausrüstung ganz gepanzert da und hat das rechte Bein ziemlich energisch vorgerückt. Eine um die Brust gelegte Schärpe bildet auf der rechten Schulter eine geknotete Schleife, deren Enden lang herabfallen. Die Rechte mit dem Kommandostab ist ebenfalls an dem Körper niedergeglitten, während die Linke, die ein Schweisstuch hält, gegen die Hüfte erhoben ist und dabei den Griff einer kurzen Seitenwaffe verbirgt. Am Boden steht der Helm des jungen Feldherrn. Daneben, auf einem Baumstumpf, sind einige fürstliche Insignien angeordnet: Wappen, Gewand und gezackter Kurhut. Die gewählte Haltung der Figur verräth weder Pathos noch Prätension, sie ist einfach, würdevoll und von natürlicher Hoheit. So konnte ein deutscher Fürst damals nur von einer niederländischen Hand gestaltet werden.

Wer aber war diese Hand? Nach einer Quelle ersten Ranges, einer schon 1657 verfassten sachkundigen Beschreibung des Berliner Lustgartens, wissen wir, dass der Schöpfer der oben beschriebenen Statue Franz Dusart hiess. Diese Beschreibung, ein lateinisches Manu-

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script138 der Berliner Kgl. Bibliothek, hatte der Verfasser, Dr. Joh. Sigismund Elsholz, in jenem Jahre dem Kurfürsten persönlich überreicht und die rückhaltlose Anerkennung und Belohnung, die er fand, bürgt uns für den Werth des Mannes und seiner Arbeit. Wenn Elsholtz aber den Meister als "alter Phidias Franciscus Dussardus Jtalus" bezeichnet, so folgte er, wie wir noch weiter unten nachweisen werden, einer verbreiteten Meinung über diesen Bildhauer, dem die besser unterrichteten Zeitgenossen wegen seiner Abstammung aus dem Hennegau den Beinamen "le Wallon" gaben.

Das Wenige, was wir von Dusart bisher wussten, verdankten wir Joachim van Sandrart. Aus dessen "Teutscher Akademie"139 entnehmen wir, dass er, frühzeitig in der Sculptur ausgebildet, sich wie die Mehrzahl seiner belgischen Fachgenossen nach Italien und Rom wandte. Hier arbeitete damals auch der ältere Artus Quellinus und zwar in der Werkstatt des frühgereiften François Duquesnoy (geb. 1594), dem wohl auch Dusart nachstrebte. Näheres über das persönliche Verhältniss dieser Künstler zu einander erfahren wir aus keiner Quelle. Nur etwas allgemein deutet Sandrart an, dass unser Wallone in Rom, wo er sich übrigens verheirathete, "in seiner Kunst merklich zugenommen". Will man ferner die knappe Charakteristik des Autors, dass Dusart "sehr hurtig" gewesen und "gute Inventiones" gehabt, auf sein künstlerisches Schaffen beziehen, so muss man annehmen, dass er ein ebenso produktiver wie origineller Bildhauer gewesen war. Vom Tiber begab sich der Wallone nach Brittaniens Küste, wo er nach demselben Autor, in die Dienste König Karls I. trat. Er soll am englischen Hofe vorzugsweise mit der Restauration antiker Sculpturen beschäftigt gewesen sein. Vielleicht war es A. van Dyck, der diese Berufung und Anstellung vermittelt hatte. Der zu Beginn der vierziger Jahre ausbrechende englische Bürgerkrieg aber scheint ihn zur Rückkehr nach den Niederlanden bestimmt zu haben. Dass er sich nach dem Haag, der Residenz der oranischen Generalstatthalter wandte, hing mit einem Ereigniss zusammen, das damals in der Familie der Stuarts gefeiert wurde und am englischen Hofe die Tage trüber Hoffnungslosigkeit vorübergehend mit Glück und Frohsinn vermischte.

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Der blutjunge Prinz Wilhelm II. (geb. 1626), einziger Sohn Friedrich Heinrichs und der Amalia von Solms und künftiger Führer der holländischen Republik, hatte am 2./12. Mai 1641 seine eheliche Verbindung mit der damals erst zehnjährigen Tochter König Karls I. zu Whitehall geschlossen140. Das glänzend veranstaltete Beilager der Jungvermählten in Gegenwart der Hochzeitsgäste war eins jener Feste, welche die Hofsitte früherer Jahrhunderte erzeugt hatte. Natürlich trennten sich die beiden fürstlichen Kinder zunächst. Der Prinz kehrte schon im Juni nach Holland zurück141, während die zarte Prinzessin-Gemahlin Maria, übrigens Enkelin der Maria von Medici, vorläufig noch unter der Obhut ihrer Eltern verblieb. Aber der entfernte Gemahl und seine Angehörigen wünschten ein Portrait der anmuthigen Prinzess Royal. Dass dies bereits gegen Ende des genannten Jahres vollendet und in seinen Händen war, geht aus einem Briefe des Prinzen an seine junge Gemahlin hervor, in welchem er schreibt, wie sehnsüchtiges Verlangen er fühle, ihr persönlich seine Huldigungen zu Füssen zu legen, die er nun einstweilen ihrem Bilde zu spenden gezwungen sei142.

Für uns entsteht die Frage: War dieses Bild ein Gemälde oder eine Büste?

Ich glaube, die Antwort darauf wird durch folgende nüchterne Zahlungsnotiz deutlich genug gegeben, die Herr P. A. Leupe mit anderen Auszügen aus den "Ordonnantie Boekon van. Prins Frederik Hendrik 1637 etc." vor einiger Zeit veröffentlichte.143 Die Notiz lautet: "Syne Hoochyt ordoneeren hiermede uit te tellen aen Francico Dieussart Beelthouder van den Coninek van Engelant de somme van F. 1500 - ter sake van twee albaste beelden van Syne Hoocheyt ende de Princesse van Engelant, by hem aen Syne Hoocheyt gepresenteert . . . . F. 1500. 's Gravenhaye 21. Decemb. 1641". Unter "Syne Hoocheyt ende de Princesse van Engelant" sind selbstverständlich die jungen fürstlichen Eheleute Wilhelm II. und Maria Stuart zu verstehen. Und ferner scheint mir aus der gezahlten Summe ersichtlich,

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dass es sich nicht etwa um Statuen, sondern blos um Büsten gehandelt hat.

Hinsichtlich der Person des Meisters dürfte von Wichtigkeit sein, dass er noch im Dezember 1641 als im Dienste des Königs von England stehend bezeichnet wird. Endlich deutet auch hier die Endung seines Vornamens darauf hin, dass er als Ganz- oder Halbitaliener gelten wollte, sei es, weil er wirklich einen erheblichen Theil seines bisherigen Lebens jenseits der Alpen verbracht oder sei es nur des schönen Scheines wegen, den ja thatsächlich selbst manche Künstler jüngster Zeit durch Italisirung ihres Namens erstreben.

Ob Dusard damals gleich im Haag verblieb oder ob er zunächst wieder London aufsuchte, vermag ich leider nicht zu melden. Ich schliesse indess auf ersteren Fall, weil in England alsbald der Bürgerkrieg offen ausbrach und das fremde Künstlervölkchen schleunigst enteilte. Musste sich doch selbst die Königsfamilie noch vor Frühjahr 1642 zur Flucht und zugleich zur Trennung entschliessen. Karl I. zog sich nach York zurück, während die unglückliche Königin ihre Reise über den Kanal in die Form eines Besuchs nach Holland kleidete; sie traf schon am 11. März 1642 bei ihren neuen Verwandten im Haag ein. Wann aber Dusard hier in den Dienst des Prinzen von Oranien trat, ist mir unbekannt. Urkundlich wird dieses Dienstverhältniss erst einige Jahre später berührt. Ein Zahlungsbefehl Friedrich Heinrichs, datirt Breda den 20 Juni 1646, lautet nemlich wörtlich144: "Syne Hoocheyt ordonneeren hiermede te betaelen aen Mr. Francisco Dieussart de Somme van F. 940 - 6 over vier bloken witte marmersteen, ende andere oncosten daerop gevallen, by hem Francisco Dieussart ten Dienste van Syne Hoocheyt gecocht, om daervan te maecken eenige beelden". Die "beelden" waren dieses Mal wirklich Statuen, und als sie ungefähr ein Jahr später vollendet waren, erhielt der Künstler dafür ein Honorar von 4000 Gulden.

Dusard war der erste Plastiker von Ruf, der sich im Haag niederliess und dort vermuthlich rasch feste Wurzel fasste. Er allein konnte daher nur in Betracht kommen, als die Kurfürstin von Brandenburg und Prinzessin von Oranien im Jahre 1651 eine Statue ihres kurfürstlichen Gemahls wünschte. Der wallonische

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Meister soll hauptsächlich Plastiker für die vornehmen Gärten und Salons seiner Zeit gewesen sein, und das kunstsinnige oranische Fürstenpaar, dem er diente, wird sich seiner geschickten Hand zur Ausschmückung der Parkanlagen und des Oudehofes, des alten Palastes im Haag, bedient haben Zu eigentlich monumentalen Leistungen lag dort sicherlich auch keine Veranlassung vor. C. Gurlitt spricht gegenüber einigen Skulpturen in Sanssouci, die ohne Zweifel Dusards Werke sind, sehr richtig von einem Gerhard Terborch des Meissels. Ja, das war er. Der ausgeprägt niederländische Formensinn, der feine beseelte Ausdruck, die frische lebendige und dabei so überaus einfache Haltung dieser Portraits, die zarte und doch so bestimmte Modellirung, ein fast rührender Hauch von Schlichtheit und stiller, ungesuchter, köstlicher Grazie - lauter Eigenschaften, die den Arbeiten der gleichzeitigen Italiener mehr oder minder fremd sind, kennzeichnen nicht blos Dusart, sondern auch den ältern Artus Quellinus und selbst Rombout Verhulst in ihren besten Schöpfungen.

Dusard, Quellinus und Verhulst, von denen der erste hinsichtlich des Alters voranzustellen ist, Quellinus aber unbedingt als der urwüchsigste und fantasiereichste bezeichnet werden muss und Verhulst als jüngster schliesslich leider den Prinzipien des Barocks verfiel, bilden zusammen das verdienstvolle Bildhauer-Triumvirat südniederländischer Herkunft, das erst auf holländischem Boden zur vollen Reife gedieh. Die Republik war es, die diesen Meistern die zur Entfaltung ihrer künstlerischen Kraft nothwendigen Mittel schenkte; und ebendadurch hat sie sich das Recht erworben, dass man diese drei Künstler im Rahmen der holländischen Kunstgeschichte betrachten darf: Und zwar Dusard als den feinsinnigen Plastiker der Oranier, Quellinus als den glänzenden Statuarius Amsterdams und Verhulst namentlich als den bildnerischen Verherrlicher des holländischen Seeheldenthums.

Sandrart berichtet von Erstgenanntem noch: "Neben viel andern Statuen von weissem Marmorstein machte er, wie das Kind St. Johannes vor Christo knieend das Kreuz empfanget". Wahrscheinlich handelt es sich hier um eine frühere Arbeit seiner italienischen Zeit. Ob Gruppe oder Relief geht aus jener Angabe zwar nicht hervor, doch beweist sie wenigstens Dusards Thätigkeit auch auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst. Aus der Haager Zeit erwähnt unser alter Gewährsmann noch ausdrücklich

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die Büsten eines Herrn van Spiering und seiner Gemahlin, Skulpturen, die mir leider ebenfalls nicht bekannt sind.

In Grösse und Auffassung entspricht die Jugendstatue des Kurfürsten den vier oranischen Prinzen. Die Möglichkeit ist auch nicht ausgeschlossen, dass die letzteren schon unmittelbar nach dem frühen Tode Wilhelms II. († 1650) in den Besitz des Gemahls der Louise Henriette gelangten und, dass sie daher die Veranlassung zur Bestellung des fünften statuarischen Werkes bildeten. Wie dem auch gewesen sein möge, die vier älteren Figuren kamen schliesslich in den sog. Marmorsaal des Potsdamer Stadtschlosses, wo sie heute vor den Fensterpfeilern auf schlichten Postamenten stehen.

Dieser Marmorsaal ist trotz der Veränderungen, die er namentlich durch Friedrich den Grossen erfuhr, noch immer sehr charakteristisch für die spätere Kunstgesinnung seines erlauchten Schöpfers. Er repräsentirt den Hauptraum des Schlosses nach der Lustgartenseite zu, in deren Axe er mit vier Fenstern Front liegt. Gegenüber den Fenstern, an der langen Rückwand, hat der Kurfürst zwei mächtige allegorische Schilderungen durch van Thuldens145 Pinsel ausführen lassen - rechts die "Geburt des Kurprinzen Friedrich" mit der Unterschrift: Regia progenies MDCLVII und links den "Frieden von St. Germain" mit der Unterschrift Pax Facta MDCLXXIX. Daran schliesst sich an der rechten Querwand eine nicht minder umfangreiche Darstellung von monumentaler Wucht: Leygebe's "Triumph des Grossen Kurfürsten". "Der Kurfürst sitzt auf einem von vier weissen Pferden gezogenen Triumphwagen, den Minerva und Herkules führen, durch verschiedene andere Gottheiten sind seine grossen Eigenschaften angedeutet"146. Und die linke Querwand bedeckt eine mit ähnlichem allegorischen Aufwand behandelte Komposition von Jakob Vaillant. Zu diesen kolossalen Wandbildern hat dann später König Friedrich II. von Amadeus Vanloot einem ganz anders als jene gearteten Koloristen, ein ovales hell-

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töniges Deckengemälde ausführen lassen; es stellt die "Vergötterung des Grossen Kurfürsten" dar, bildet also die Kulmination der dem Stifter dieses Saales geweihten Verherrlichung. Gleichzeitig hat Knobelsdorff auch die architektonische Ausstattung des viereckigen hohen Saales in ihrer Pracht gesteigert, während einzelne von den plastischen Dekorationen, z. B. Kindergruppen, sogar auf Schlüters Antheil (1694) zurückgeführt werden.

Inmitten ihrer kraftstrotzenden Umgebung, von Malereien, die, wenn sie auch künstlerisch auf keiner bedeutenden Höhe stehen, immerhin einen nicht gewöhnlichen Gedankenflug verrathen, nehmen sich die vier nur wenig überlebensgrossen Figuren der oranischen Prinzen allerdings etwas kleinlich in ihrem einfachen Realismus aus. Ueberdies ist ihr Werth ein ungleicher. Die Statuen Wilhelms I., Moritz', Friedrich Heinrichs und Wilhelms II. sind isokephal behandelt. Das Zeitkostüm ist treu wiedergegeben, was leicht genug geschah, da die alten Oranier lediglich als gepanzerte Feldherren mit dem Komandostab darzustellen waren. Trotz einzelner monarchischer Befugnisse, die ihnen zustanden, waren sie nominell nicht die Fürsten des Landes; als Generalstatthalter bestand ihre Hauptaufgabe in der militärischen Oberleitung. Und so hat sie auch der Meissel Dusards gekennzeichnet. Um die Einförmigkeit der Pose zu umgehen, hat der Bildhauer sich zu einer gewissen Bewegtheit der Figuren entschlossen, die bei dem Taciturnus und dem Prinzen Moritz hart an die Manier streift. Sie stehen sämmtlich barhaupt da, Haar- und Barttracht, sowie Halsschmuck sind natürlich verschieden, die beiden älteren Prinzen tragen spanische Halskrausen, während bei Friedrich Heinrich und Wilhelm II. glatte Kragen dicht unter dem Kinn herabfallen.

Wilhelm I. von Oranien ist auch für die nationale Kunst zu früh gestorben. Als ihn der Schuss des pietistischen Mörders im Delfter Prinzenhofe zu Boden streckte, machte jene erst ihre frühesten selbständigen Gehversuche. Die Porträts eines Willem Key, Franz Floris, Franz Pourbus d. A. und selbst eines M. J. Mierevelt bildeten als Muster ein unzulängliches Material für die späteren Vertreter einer freien Gestaltungsweise. Weit wichtiger war für Dusard die berühmte monumentale Schöpfung Hendrik de Keyzer's (geb. 1567) in der Delfter Neuen Kirche, welche den Prinzen in zwei verschiedenen Auffassungen zeigt, als Todten

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und als Lebenden147. Ausserdem wird im Testament der Wittwo de Keyers, der gleich seinem Altersgenossen Mierevelt noch in früher Jugend unmittelbar unter dem Eindruck der Persönlichkeit des Schweigers gestanden, ein "conterfeytsele van zyn Excie den Prince van Oraignen h. m." erwähnt148, das wohl mit der von de Stuers beschriebenen149 Thonbüste der Königl. Galerie des Haag identisch und ohne Zweifel eine Vorstudie zu dem Kopf des thronenden Taciturnus am Delfter Grabmal ist. Hier haben wir Dusards Vorbilder. Ja, seine Anlehnung scheint mir so eng, dass ihm der nachgebildete magere Kopf zu klein gerieth gegenüber der Rumpflänge seiner Figur. Besser ist ihm die stärker bewegte energische Gestalt, des Prinzen Moritz gelungen, die selbstverständlich ebenfalls mit Hülfe älterer Bildnisse entstand.

Hingegen besitzen die beiden anderen Statuen den Stempel unmittelbarer Naturwiedergabe. Angesichts der eleganten frischen Erscheinung Friedrich Heinrichs lässt sich wohl an das Muster von Staatsweisheit und Feldherrntüchtigkeit, an den Protektor der Gelehrten und Künstler denken. Mit einer Frage auf den Lippen aber stehen wir vor der schlanken jugendlichen Gestalt des Gemahls der Maria Stuart. Im dritten Jahre seiner Generalstatthalterschaft hatte er im Kampfe gegen die städtische Aristokratie, die hartnäckig auf einer Verminderung des Kriegsheeres bestand, Amsterdam gedemüthigt (3. August 1650). Kurze Zeit darauf raffte ihn eine Krankheit dahin, im Alter von erst 24 Jahren. Die Statue stellt ihn etwa zwanzigjährig dar mit einem feinen Haupt, von dessen Scheitel die Haare fast glatt bis auf die Schultern herabfallen. In diesem jugendlich offenen, nicht unschönen, aber noch weniger bedeutenden Zügen, steht noch von keiner ernsten Lebenserfahrung geschrieben. Das drängt sich dem Betrachter von vornherein auf, sieht er, wie die Köpfe jener älteren Oranier unter dem Hammer des Schicksals physiognomisch ausgearbeitet sind.

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Die Statue des Kurfürsten und die Marmorfiguren der vier oranischen Generalstatthalter bilden aber nicht Alles, was sich von Dusards Meissel bei uns findet.

Wendet man sich im Park zu Sanssouci vom Hauptwege, in dessen Mitte eine grosse Fontaine steht, nach rechts, so gelangt man auf einem von dieser Fontaine ausgehenden Nebenwege, der parallel dem Schlosse und seiner Bildergalerie läuft, an ein Rondel150.

Hier stehen auf dünnen Postamenten, verstümmelt von brutaler Hand, verwittert, verwahrlost - acht Büsten. Das eingeweihte gebildete Publikum spricht hier einfach von Oraniern. Diese Bezeichnung aber ist nicht korrekt, denn unter den fünf männlichen und drei weiblichen Köpfen befinden sich auch die des kurfürstlichen Paares mit deutlichen lateinischen Unterschriften. Die Büste des Kurfürsten trägt, neben der Jahreszahl 1652, die Bemerkung Anno Aetatis 33, und die Inschrift am Sockel der Büste der Kurfürstin lautet:

Ludvica Auriaca

Elect.  Brandenb.

Anno   Aet. 24

1652.

Dass wir es auch wirklich mit Arbeiten Dusards zu thun haben, geht für uns aus mehreren Umständen hervor. Erstens folgte die Ausführung dieser beiden Büsten unmittelbar auf die Vollendung der Statue Friedrich Wilhelms, zweitens befand sich der brandenburgische Hof damals unweit der holländischen Grenze, zu Cleve, und drittens spricht die grosse Uebereinstimmung beider Porträts des Kurfürsten für eine und dieselbe künstlerische Hand. Ja, die Büste des jungen Herrschers nimmt sich nur wie eine allerdings etwas vergröberte Kopie des Kopfes der 1651 entstandenen Statue aus. Diese Vergröberung aber raubte den Zügen den distinguirten heldenhaften Ausdruck.

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Es scheint, als wollte der Bildhauer an diesem Werke die Heldennatur des Hohenzollers, aus Rücksicht auf das zarte weibliche Pendant, nur in stark gedämpfter Weise wiedergeben. Und die fromme Oranierin ist wirklich niemals anspruchsloser, rührender dargestellt worden. Als sei sie eine Gespielin jener von Metsu, Terborch und Ochtervelt gemalten wohlerzogenen, bescheidenen und sittigen Bürgermädchen gewesen, die am liebsten Guitarre spielten oder der weisen Rede von Männerlippen andächtig lauschten. Ihr Hinterhaupt bedeckt eine kleine Kappe, das gescheitelte, schlicht gekämmte Haar hängt kaum bis zum Nacken herab, ist aber leider der völligen Verwitterung nahe. Das schmucklose Gewand lässt den Hals ganz frei, es liegt faltig auf der Brust und ist inmitten durch ein Medaillon befestigt, welches das miniaturhafte Profilbildniss des kurfürstlichen Gemahls deutlich erkennen lässt.

Man kann wohl fragen, ob damals irgend eine Veranlassung zur Bestellung dieser beiden Büsten vorlag. Ich überlasse es dem freundlichen Leser, aus den folgenden Bemerkungen einen hierauf bezüglichen Schluss zu ziehen.

Wir erinnern uns, dass zu den Schätzen der sog. brasilianischen Sammlung, die eben in jenem Jahre151 in den Besitz Friedrich Wilhelms gelangte, u. a. gehörten: "Die vier Prinzen von Oranien, Brustbilder in weissem Marmor künstlich ausgehauen, von dem Italienischen (!) Meister Franzesco Diessart". Dass diese Brustbilder vier der in Sanssouci vorhandenen Marmorbüsten sind, steht für mich ausser Zweifel. Leider werden im Verzeichniss der Sammlung die Namen der betreffenden "Prinzen von Oranien" nicht genannt. Und es ist mir auch bei einer dieser historischen Persönlichkeiten nicht möglich, mit Sicherheit anzugeben, wen sie vorstellt. Er allein trägt den Orden des goldenen Vliesses, und ich zweifle daher, dass wir überhaupt ein Mitglied des protestantischen oranischen Fürstenhauses vor uns haben152.

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Die vier sog. "Prinzen von Oranien" befanden sich bis zur Abreise des Kurfürsten aus Cleve im September 1652 noch im Haag153, also zur selben Zeit, als dort die beiden Brustbilder Friedrich Wilhelms und seiner oranischen Gemahlin gemeisselt wurden. Da nun auch zwischen sämmtlichen 6 Büsten, denen schliesslich noch - ob bald oder geraume Zeit später, bleibe dahingestellt - die Portraits der Schwiegermutter († 1675) und der jungen Gemahlin Wilhelms II. († 1661) hinzugefügt wurden, in Grösse und Auffassung eine unschwer erkennbare Uebereinstimmung herrscht, so glauben wir unsererseits, dass der Kauf jener vorher im Besitz des Brasilianers befindlichen Büsten von Dusard die direkte Ursache war, dass Friedrich Wilhelm ähnliche Portraits von sich und seiner Gemahlin, vielleicht zur Ausschmückung eines bestimmten Saales, im Jahre 1652 bestellte.

Merkwürdigerweise fehlt in diesem Kreise der Taciturnus. Gegenwärtig sind seine Söhne und Nachfolger Moritz und Friedrich Heinrich, der erstere auch an der St. Georgsmedaille des englischen Hosenbandordens, den er seit 1613 besass, leicht kenntlich. Die Büste der Amalia von Solms ist durch eine neuere Kopie154 ersetzt. Das Original scheint also zu Grunde gegangen zu sein.

Uebrigens ist die Uebereinstimmung der acht Sculpturen hinsichtlich ihrer Gesammtform heute augenfälliger als ursprünglich. Um sie für den Zweck der Gartenausschmückung geeigneter zu machen, hat man nemlich den sämmtlichen Büsten die Nackentheile fortgeschlagen. So sind denn hermenartige Gebilde entstanden, Aber der Kunstwerth der Werke ist durch diese unbegreifliche Verstümmelung, durch die gewiss auch Inschriften verloren gingen, beeinträchtigt. Dieser Kunstwerth war übrigens von vorn herein verschieden, wie denn auch die Entstehung der Büsten nicht gleichzeitig zu denken ist. Die Köpfe der Prinzen Moritz und Friedrich Heinrich und jener anonymen Persönlichkeit übertreffen an charakteristischer Schönheit die andern Büsten, und ich muss gestehen, dass mir, angesichts dieser drei Meisterleistungen niederländischer Portraitplastik des 17.Jahrhunderts, anfänglich der Name keines Geringeren als des Artus Quellinus auf den Lippen schwebte. Es ist wohl

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denkbar, dass diese Sculpturen von Dusard gleich zu Anfang seiner Haager Thätigkeit, wo es ihm darauf ankommen musste, sich ausgezeichnet einzuführen, gemeisselt wurden. Um so bedauerlicher erscheint ihr heutiger trauriger Zustand. Selbst als König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1825 den Befehl ertheilte, die Statuen und Büsten in Sanssouci zu säubern und dabei den Bildhauer Rauch zu Rathe zu ziehen155, geschah für diese Werke, die schon durch ihr eminentes historisches Interesse die Blicke aller Gebildeten fesseln müssen, so gut wie nichts, höchstens dass damals dem prächtigen Charakterkopf Friedrich Heinrichs die abgebrochene Nase recht stümperhaft wieder angesetzt wurde.

Für die ungefähre Feststellung der Zeit der Entstehung dieser Büste halte ich das hier fixirte Mannesalter, das auf einen mittleren Fünfziger schliessen lässt, von einigem Belang. Das wohlgeformte Haupt Friedrich Heinrichs (geb. 1584) mit den edlen chevaleresken Zügen erinnert an ein bekanntes Gemälde van Dycks. Ausdruck, Kostüm und Haartracht sind auf beiden Portraits überraschend ähnlich. Das Haar, das sich über der Stirn anmuthig kräuselt, fällt voll und weich bis fast zum Halse herab, welchen ein glatter, ausgezackter Kragen schmückt. Sonst erblicken wir über dem Panzer die bei Dusard übliche Anordnung einer Brustschärpe, deren Enden auf der rechten Schulter zu einem Knoten verschlungen sind. Der energisch modellirte Kopf des Prinzen Moritz mit dem fast viereckigen Antlitz und dem festen, entschlossenen Blick ist ebenfalls voll individuellen Reizes. Den Hals umgiebt eine kleine Krause, und unter der Schärpe kommt, wie erwähnt, eine Medaille mit dem Bilde des Drachentödters zum Vorschein. Der gewaltige Stratege trägt Kinn- und Knebelbart und das Haar halb kurz geschnitten, an beiden Seiten etwas abstehend. Feine, ausdrucksvolle Züge besitzt endlich die Büste des Unbekannten. Es lag vielleicht an der Eigenthümlichkeit des Modells, dass die Wiedergabe dieses schmächtig geformten Kopfes mehr malerische als plastische Auffassung verräth. In der Haar- und Barttracht ähnelt diese Persönlichkeit mit dem Vliessorden dem Prinzen Moritz, doch weist der glatte, reich ausgezackte Kragen auf die Mode einer späteren Generation hin.

Wenn ich von dem minderen Kunstwerthe der übrigen

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Portraits sprach, so zog ich allerdings nicht in Betracht, was Zeit und Menschenhand an den weiblichen Büsten verschuldet haben. Als unrettbar verloren muss leider auch der Kopf der Maria Stuart gelten. Und das ist um so beklagenswerther, als wir nun nicht mehr nachzuweisen vermögen, ob dieses Werk Dusards jenes Portrait der Prinzessin von 1641 ist, dem der jugendliche Wilhelm II., in absentia der Gemahlin, gehuldigt hatte156. Was man allein noch erkennen kann, ist, dass ihr zartes Haupt, dessen Kinderaugen ja aus so vielen Bildern van Dycks arglos in die Welt schauen, die damalige Modefrisur mit Löckchen an den Schläfen trägt und dass ihr hüllenloser Nacken von einem Stück ihres Hermelinmantels umrahmt ist. Mir scheint freilich der Kopf ältere Züge zu besitzen, doch gebe ich gern eine durch die Verwitterung des Materials hervorgerufene Täuschung zu. Auch sieht ihr Pendant, der Prinz-Gemahl, jünger als auf jener Statue von 1646 aus. Im Uebrigen entspricht die Büste Wilhelms II., in Ausdruck, Haartracht u. s. w., durchaus dem Portrait des Marmorsaales, auch fehlt ihr weder der Panzer, noch die Brustschärpe.

Die Beziehungen Friedrich Wilhelms und seiner edlen Gemahlin zu Franziscus Dusart gehören ausschliesslich dem Anfang der fünfziger Jahre an, wenigstens wird durch nichts bewiesen, dass das kurfürstliche Paar, nachdem es seine Residenz Cleve im September 1652 verlassen, die Verbindung mit Dusard noch in Berlin weiter unterhalten hatte. Auch früher, während des ersten clevischen Aufenthalts zwischen 1646 und 1649, dürfte der Name des Wallonen am brandenburgischen Hofe kaum genannt worden sein.

Damals stand dort ein anderer Künstlername im Vordergrund: Gerard van Honthorst. Nachdem die Hochzeit Friedrich Wilhelms im Haag gefeiert war, entstand die Nothwendigkeit, einem Theil des fürstlichen Bekanntenkreises die Portraits der Jungvermählten als Andenken zu verehren. Es hat

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sich in den Akten des Geh. Staatsarchivs zu Berlin eine darauf bezügliche Rechnung des genannten Utrechter Malers vom Jahre 1647 erhalten, deren Angaben einiges Interesse beanspruchen. Man sagt, dass Honthorsts Portraits in der Regel nur geringe künstlerische Originalität besitzen, aber man vergisst hinzuzufügen, dass dieser geschäftskundige Pinselführer für jedes der vorliegenden Brustbilder nur 32 Thlr.157, für ein Kniestück der Kurfürstin 60 Thlr. und für eine ganze Figur 100 Thlr. empfing, um dieselbe Zeit, als ein Paar Büsten von Dusard mit 1500 holl. Gulden bezahlt wurde. Ich rathe daher dem freundlichen Leser, die Erklärung für gewisse mässige Leistungen berühmter älterer Meister lieber einfach in den nackten Zahlen, als in den tiefsinnigen Betrachtungen, welche meine Herren Kollegen über persönliche Lebensschicksale und vorübergehendes Nachlassen der künstlerischen Kraft anzustellen pflegen, zu suchen. Uebrigens lässt sich aus dem Umfang dieser Gemälde auch entnehmen, in welchem Verhältniss resp. in welcher Werthschätzung die in der Rechnung einzeln angeführten Persönlichkeiten zu dem kurfürstlichen Paare standen. An der Spitze der Beschenkten wird - mir scheint das nicht ohne Begründung - ein Graf Moritz von Nassau genannt, offenbar der neue clevische Statthalter, der "Brasilianer".

Dusards Thätigkeit für den brandenburgischen Hof hing dagegen mit einem andern Zweck zusammen. Als nemlich das kurfürstliche Paar zum zweiten Mal seine niederrheinische Residenz aufsuchte, war in der Hauptstadt mittlerweile diejenige Anlage fertig geworden, mit welcher Friedrich Wilhelm seine junge Gemahlin für die Gärten und Alleen des Haag zu entschädigen suchte: Der Berliner Lustgarten. Derselbe hatte allerdings in wesentlich anderem Zustand schon früher bestanden. Aber erst jetzt erhielt er durch den verdienten Kunstgärtner Michael Hanff, dem - wie wir aus Elsholtz Beschreibung158 entnehmen - der holländische Architekt Joh. Gregor Memhard zur Seite stand, die grosse Ausdehnung und kunstvolle Bepflanzung, denen er seine Schönheit und seinen ehemaligen Ruf verdankte. Mit seinen Annexen umfasste er das ganze Terrain nordwärts vom Schlosse bis zum Zusammenfluss der beiden Spreeame. Das Schloss selbst

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bot damals nach dem Garten zu eine sehr wenig ansehnliche Schauseite.

Nun galt es, den neuen Berliner Lustgarten, von dessen Anlage uns ein von Memhard 1650 geschaffener Plan ein vollständiges, getreues Bild gewährt, mit Statuen, Büsten, Grotten und Fontainen zu schmücken. Und daher wurden Verbindungen mit mehreren Bildhauern und Kunstgiessern geschlossen. Die erste derartige Persönlichkeit, die wir kennen lernen, war der Belgier JacquesWoulleaumé, der sich im Jahre 1649 in einem französisch verfassten Gesuch als Kunstgiesser empfahl " . . en qualité de fondeur en des figures, pour foire des statues de grottes, et de fontaines, en tout ce qui viendra, pour le contentement de Son Alt. Elect . . .", und der daraufhin mit 480 Thlr. etc. Anstellung erhielt. Von ihm sollen die im Lustgarten früher vorhandenen Bleistatuen gegossen worden sein. Fast gleichzeitig (1650) wurde der alte Wachsbossirer David Psolimar, der schon Georg Wilhelm gedient, von neuem, zugleich als Grottenmeister, mit 300 Thlr. etc. angenommen. Andere Bildhauer, die für die Aussehmückung des Lustgartens thätig waren, ohne im festen Dienstverhältniss zum Kurfürsten zu stehen159, hiessen Otto Mangiot, der nach Nicolai aus Brabant stammte, G. Larson und Pieter Streng aus Rotterdam.

Auch Dusard gehörte, als namhaftester, in den Kreis dieser Dekorateure des Berliner Schlossparkes, der mit seinen Laubgängen und architectonisch genmsterten Beeten, mit seiner im sog. Memhardschen Hintergarten gepflanzten Linden-Allee ganz den Charakter einer vornehmen holländischen Gartenanlage Jener Zeit besass.

Memhards anschaulicher Plan160 und Elsholtz umfassende Beschreibung des vormaligen Lustgartens, der bekanntlich durch den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in einen Exerzierplatz verwandelt wurde, überheben uns der Aufgabe, die Lieblingsschöpfung des Grossen Kurfürsten zu reconstruiren. Jener Autor hat sich auch dadurch ein Verdienst erworben, dass er sein Manuscript mit freilich recht unbeholfen ausgeführten, schwarz getuschten Handzeichnungen schmückte, in denen wir die bemerkenswerthesten Kunst-

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werke des Gartens abgebildet sehen. So die Fontaine, die, nach Nicolai, jener Rotterdamer Pieter Streng im Jahre 1656 aus pirnaischem Sandstein meisselte; sie bestand aus einem reichgegliederten Fuss und zwei Schalen, deren obere in Form eines offenen Blumenkelches zwei Amore mit Delphinen trug. Merkwürdig, allerdings echt holländisch naturalistisch, muss Strengs kolossaler Neptun ausgeschaut haben161, ein auf zerbröckeltem Felsgestein hingelagerter, schwerfälliger Greis mit langem Haar und Bart, Glotzaugen und einem veritablen Schmerbauch; aus den Spitzen der Steine und des Dreizacks, auf den sich der etwas emporgerichtete Meergreis mit der Linken stützte, während die Rechte den Boden berührte, spritzten Wasserstrahlen rings herum.

Ausser dem Neptun soll Streng hier noch "eine stehende Ceres, eine sitzende Flora und zwei Sonnenuhren, jede mit einem stehenden Kinde", gemeisselt haben. Mit Larson, der in früheren Jahren in London thätig gewesen sein soll, werden nur die Modelle von 12 Kinderfiguren, die Woulleaumé in Blei goss, in Verbindung gebracht. Aus den erwähnten Abbildungen ersehen wir, dass der Lustgarten noch weitere Figuren von Kindern und Eroten enthielt, wenigstens erkenne ich unter denselben jenen marmormen bogenschnitzenden Kupido, der aus der Berliner Kunstkammer in das Museum am Lustgarten gelangt ist und hier, auf Sandrarts Autorität hin, stets als ein Werk des François Duquesnoy (1594-1642) gegolten hat, während Elsholtz den Kupido ausdrücklich dem, in der Kunstgeschichte völlig unbekannten Otto Mangiot zuschreibt162.

Ein anderes Figürchen unter den Kindergruppen des Lustgartens war ebenfalls geflügelt, trug aber mit beiden Händen eine Kurfürstenkrone. Ob hier eine Darstellung des 1648 in Cleve geborenen Kurprinzen Wilhelm Heinrich, der schon ein Jahr

darauf, auf der Rückreise seiner Eltern in die Mark, starb, vorliegt? So viel wissen wir, dass Dusard wirklich, ausser der Statue Friedrich Wilhelms, noch die Kinderfigur dieses schmerzlich betrauerten Prinzen, und ferner eine Venus, für den Berliner Schlosspark ge-

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meisselt hatte. Was die kurfürstliche Statue betrifft, von deren Betrachtung wir ausgingen, so sind wir über deren ursprünglichen Standort ziemlich genau unterrichtet.

Sie stand, nach Elsholtz, unfern des südwestlichen Eingangs zum Garten und schmückte eine Fontaine in mitten eines der vorderen Blumenbeete. So fehlerhaft auch die Tuschzeichnung des alten Autors ist, man sieht doch deutlich, dass sich die Statue dort auf niedrigem viereckigen Sockel erhob. Auf den Vorstufen sassen lächelnde Eroten mit wasserspeienden Delphinen im Schoosse, und am Sockel selbst las man die Bibelinschrift:

Domine * Fac * Me * Scire * Viam * Per * Quam * Ambulem * (Psalm 143. V. 8.)

Dieser Satz bildete in der That den Wahlspruch Friedrich Wilhelms. Schon im Alter von 14 Jahren, kurz vor seiner Abreise nach Holland, schrieb er ihn in das Stammbuch einer befreundeten Persönlichkeit, des Georg von Lichtfuss. Das in rothen Sammet gebundene, längliche, mässig grosse, aber sehr starke Buch163 enthält auf einem der ersten Blätter Folgendes in zierlicher kalligraphischer lateinischer Schrift:

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ps: 143. Domine scire fac me viam per quam ambulem quia ad te levavi animam meam.

Fridericus Wilhelmus Princeps et Marchio Brandenburgensis, Prussiae, Juliae, Cliviae, Montium Dux.

Eine spätere Medaille – Oelrichs164 nimmt ihre Prägung um das Jahr 1640 an -, die auf der Vorderseite das kurfürstliche Brustbild, auf der Rückseite einen über die Erdkugel fliegenden Adler zeigt, enthält auf letzterer ausserdem als Beischrift jenen Wahlspruch mit der Schlussfassung "quo ambulaturus sum".

Also zur Characteristik des dargestellten jungen Fürsten und seines frommen Sinnes konnten die schönen Worte des Psalmes im hohen Grade dienen, und deshalb wollte sie die Bestellerin an dem Denkmal ihres edlen Gemahls nicht missen.

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VI. Eine kurfürstliche Ruhmeshalle und ihr Bildhauer.

Wir gedachten an früherer Stelle schon eines Portefeuilles, das aus der Manuskriptensammlung der Königl. Bibliothek zu Berlin in das dortige Staatsarchiv gelangt ist, wo es noch immer den offenbar falschen Titel "Handzeichnungen des Grossen Kurfürsten etc." führt. No. 1 dieser Folge von Blättern mit der Inschrift "Kurfürstliche Handzeichnung" möchte man, nach der Zartheit der Linienführung, eher einer weiblichen Hand zuweisen165. Das Blatt kann ursprünglich einem Skizzenbuche der Kurfürstin Louise angehört haben. Die noch unvollendete Zeichnung stellt nemlich ein bekanntes Lustschloss in der waldreichen Umgebung der holländischen Residenz 's Gravenhage, das sog. "Haus im Busch", dar, gebaut von Pieter Post, kurz vor der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der mit einer Kuppel gekrönte stattliche Centralraum dieser Bauschöpfung, deren Urbild Palladios Villa Rotonda bei Vicenza ist, der Oraniensaal, enthält an den Wänden Malereien flandrisch-holländischer Meister, lobpreisende Schilderungen des Lebens Friedrich Heinrichs im antik-allegorischen Gewande.

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Den Geschmack an derartigen Historien verdankte die kunstsinnige Stifterin des Oraniensaales, Amalia von Solms, die Wittwe jenes Prinzen, augenscheinlich dem Vorbilde der Maria von Medici, Königin von Frankreich, die im Jahre 1626 Rubens nach Paris berief, um ihn mit Schilderungen der Thaten ihres verstorbenen Gemahls, Heinrichs IV., zu beauftragen; dieser Auftrag sollte freilich nicht über einen Theil der Skizzen hinaus Erledigung finden. Aber dafür waren wenige Jahre zuvor die in völlig gleichem Geiste geschaffenen 21 Bilder vollendet, auf welchen die kunst- und ruhmbegehrliche Mediceerin von Rubens Hand ihre eigenen Lebensschicksale hatte verherrlichen lassen. Dieser berühmte Gemäldecyclus des Louvre schmückte ehedem den Palast Luxembourg und entsandte von hier aus seine Strahlen bis nach England, Holland und Brandenburg.

Es lässt sich wohl begreifen, dass Friedrich Wilhelm, der schlichte Hohenzoller, schon frühzeitig vorbereitet durch die schwelgerischen Feste des Haag, bei denen, wie uns Groen van Prinsterer erzählt, aus goldenen Tellern und Gefässen gespeist wurde, allmälich Gefallen daran fand, die Kunst gelegentlich auch als ein Zauberspiegel zu betrachten, durch welchen die gewöhnlichen Ereignisse des fürstlichen Lebens einen erhöhten, übersinnlichen Glanz, eine Potencirung ihrer Bedeutung empfingen. Diesem künstlerischen Zeitgeschmack der Grossen konnte sich seine in der Regel freilich strenge, nüchterne Wahrheitsliebe in festlichen Stunden um so lieber ergeben, als derselbe seinem früh entflammten Ehrgeiz entsprach und nicht zum Wenigsten auch durch die Eigenart seiner persönlichen Erscheinung unterstützt wurde166. Man rufe sich seine ehrfurchtgebietende Gestalt mit dem energischen Schnitt des kräftigen, lockenumwallten Hauptes ins Gedächtniss, man denke an seine kühnen entschlossenen Thaten, seinen Unternehmungsgeist auf allen Gebieten, seine hochherzige Gesinnung, und man wird bekennen, dass die Phantasie des Künstlers nicht viel hinzuzufügen

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Die Geschichte kennt nicht viele Persönlichkeiten von ähnlich grossartiger Harmonie körperlich und geistig bedeutender Eigenschaften. Manche dieser Heroen hatten indess das besondere Glück gehabt, die richtigen künstlerischen Ingenien vorzufinden, die ihnen aus gewissermassen natürlichem Antriebe und aus wirklicher Begeisterung ihre Dienste weihten. Deren für die Nachwelt unschätzbare Werke repräsentiren darum ein hervorragendes Vordienst nicht bloss der betreffenden Meister, sondern auch der Kunst jener Zeit, welche die Bildnissschöpfungen entstehen sah. Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte dagegen dieses Glück jedenfalls nicht in dem Maasse getroffen, als er es verdiente. Er hatte sich seine Künstler so eifrig wie nur je ein Fürst suchen müssen, um sie in Folge dessen ziemlich auswahllos zu nehmen, wie und wo er sie bekommen konnte. Er hatte sie nur durch reichliche Honorare oder feste Anstellung als Hofkünstler fesseln können; und Angesichts der für Kunstzwecke geopferten Summen erscheinen uns die pekuniären Schwierigkeiten, mit welchen der Nachfolger Georg Wilhelms so oft zu kämpfen hatte, fast unglaubhaft. Maler, Bildhauer, Architekten, Ingenieure und Kunsthandwerker standen dauernd in seinem Dienst167, und diesen Leuten gegenüber schien seine sonstige Sparsamkeit, durch die er einer der besten Haushalter unter den Hohenzollern gewesen war, mitunter die Geltung verloren zu haben. Aber seine Kunstliebe war frühzeitig in den Niederlanden entzündet, sie verlangte nach Nahrung, nach mäcenatischer Bethätigung, und dazu trat eben jenes mit Ehrgeiz verschwisterte Selbstbewusstsein, das bei grossartig angelegten Persönlichkeiten zwar nicht zu kleinlicher Selbstgefälligkeit, wohl aber zu einem Kultus des eigenen, künstlerisch veredelten Abbildes führen kann. Der kurfürstliche Zeitgenosse Rembrandts übertraf in der Neigung, sich porträtiren zu lassen, die meisten Herrscher seines Jahrhunderts. Ein Theil

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seiner Bildnisse ging an fremde Höfe, Manches ist verschollen, Anderes schmückt noch heute die Räume der königlichen

Schlösser Berlins und Potsdams und entzückt hier immer von Neuem alle Diejenigen, welche dem Reiz der grossen und edlen Gestalten der Geschichte zugänglich sind.

Die Kunst in der Umgebung des grossen Kurfürsten erwuchs also lediglich seiner persönlichen Initiative, und desshalb kommen erst in zweiter Linie die Männer für uns in Betracht, welche dazu berufen und fähig waren, seine Persönlichkeit greifbar wahr und fesselnd auf die Leinwand oder in Stein zu bannen; die Bartholomäus Eggers, Franz Dusart, Govaert Flinck, Willem van Honthorst, Theodor Willeboirts, Jakob Vaillant, Pieter Nason, Dirk Stoop und wie sie sonst noch heissen mögen. Denn diese Künstler, die ihrer Herkunft nach überwiegend Holländer resp. Flandrer, zum kleinen Theil Italiener, Franzosen , Deutsche, Schweden und Dänen waren, dienten dem ausgezeichneten Fürsten mit keinem höheren Interesse, als andern gleichzeitigen Auftraggebern, von denen sie ebenso reichlich und nicht weniger pünktlich bezahlt wurden. Sie haben ihn im Porträt dargestellt, wie er sich ihnen gab in seiner erhabenen Natürlichkeit, sie haben gelegentlich sein Leben und seine Thaten heroisirt, weil diese Art von Verherrlichung, die ihre Ausdrucksweise der antiken Geschichte

oder den Wolken des Olymps entnahm, damals zeitgemäss war, für die Thaten kleiner und grosser Potentaten, für Fürstinnen wie Fürsten. Und wenn das hoheitsvolle Wesen Friedrich Wilhelms solche Potencirung wohl vertrug, so hat das unzweifelhaft den Effect und Erfolg der künstlerischen Arbeit, aber darum nicht das Verdienst jener fremden Meister besonders erhöht.

Die im Frühjahr 1890 in der Reichshauptstadt stattgehabte Ausstellung von Werken altniederländischer Kunst aus Berliner Privatbesitz hatte uns nicht allein mit mehreren charakteristischen Bildnissen des Grossen Kurfürsten, darunter zwei lebensgrossen Figuren von dem bisher wenig geschätzten Haager Maler Pieter Nason, bekannt gemacht, sondern auch mit einigen Darstellungen, in welchen wir fröhliche und traurige Ereignisse des brandenburgischen Fürstenhauses durch allegorische und mythologische Beziehungen verherrlicht, poetisch verklärt fanden. Zwei der letzteren Bilder haben die Vermählung des Kurfürsten mit der Prinzessin von Oranien (27. November 1646) zum Vorwurf und sind von einem holländischen Anonymus und Th. Willeboirts, einem

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Nachahmer van Dyck's, gemalt worden. Interessant erscheint uns auch, dass diese beiden Gemälde etwa gleichzeitig mit jenen nahe verwandten allegorischen Schilderungen des Oraniensaales entstanden. Auf der einen Leinwand (1,48: 1,36 m) sehen wir Mars und Venus im idealisirten Modekostüm der Zeit mit den Gesichtszügen Friedrich Wilhelms und Louise Henriettes, ferner Eroten, welche die Waffen des kurfürstlichen Gemahls zu verbergen suchen. Auf dem andern Kolossalgemälde (3,11 - 2,51 m), inschriftlich von 1646, beschränkt sich die Antikisirung derselben Scene auf das Erotengefolge, während die beiden Windhunde des Bildes eine gewöhnliche Lieblingsbeigabe flandrischer Meister sind168. Zwei weitere Malereien von kleinerem Umfang und geringerer Qualität haben auf den frühen Tod der beiden ältesten Söhne des kurfürstlichen Paares Bezug. Wir sehen den Schon in der Wiege gestorbenen Wilhelm Heinrich († 1649) und den als Jüngling dahingerafften, auf einem Paradebette aufgebahrten Karl Aemil († 1674). Durch gefühlvolle, zum Theil sinnbildlich gedachte Hinweise hat der Pinsel dieser anonymen Maler wohl dem Schmerz der Eltern, aber nicht den hohen Ansprüchen wirklicher Kunst zu entsprechen vermocht.

Danach kann man urtheilein, wie wenig bedeutsam das Gebiet der Allegorie selbst durch die gerühmte Kunst niederländischer Meister am damaligen Berliner Hofe vertreten war. Was wir z. B. an Wandgemälden im Potsdamer Stadtschlosse von der Hand der van Thulden, Jakob Vaillant und Leygebe schon oben169 kennen lernten, entspricht nicht einmal der Vorstellung, die wir von dem gespreizten Pathos des französischen Classicismus besitzen. Die blendenden Vorzüge des monumentalen Rubensstils wird natürlich Niemand hier entdecken. Eher käme man auf den bösen Gedanken, dass jene Schüler und Nachahmer des

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genialen Antwerpener Meisters blos dessen grossartige Gepflogenheiten der Formensprache und dessen machtvolle allegorische Empfindungen travestiren wollten. Aber dass der Kurfürst auch seinen Bedarf an idealistischer Kunst wenigstens grossentheils aus Holland bezog, erscheint Vielen ausserordentlich seltsam, denn ihnen ist dieses Land ja lediglich die Heimat des Naturalismus. Für den Kenner der niederländischen Litteratur bedarf es freilich nicht des Gegenbeweises. Denn er weiss am besten, dass grade jener verstandesmässige Zug, der dort den sog. Naturalismus in der Kunst erzeugte, besonders auch der Allegorie zu gute kam.

Die Wahrheit also ist, dass der idealistische Kunstgeschmack im Lande Rembrandts stets und man darf wohl behaupten allerorten gediehen ist, trotz der unter den Malern zeitweise stark dominirenden realistischen Richtung. Dabei sei die Utrechter Schule nicht einmal besonders hervorgehoben, deren Vertreter - und zu ihnen gehörten ja auch die an der Spree so gut acereditirt gewesenen Brüder G. und W. van Honthorst - sogar in ihrer Mehrheit idealistisch angehaucht waren. In der That war damals, als die holländische Malerei bekanntlich den Gipfel ihrer Eigenart erreichte, das Interesse an Allegorien und antiken Historien in den Kreisen des gebildeten Publikums mehr, als man gemeinhin glaubt, verbreitet, sowohl durch die von den Hooft und Vondel beherrschte Litteratur, wie durch die Sculptur, welche Grabmäler und Rathssäle mit Sinnbildern schmückte, Und indirekt auch durch die zum Klassicismus drängende Baukunst170. So kam es, dass die Maler-Dekorateure in den Prachtsälen Haags, Amsterdams, Leidens u. s. w., von der Zeit eines Abraham van den Tempel an bis zu den Terwesten, van der Werlf, van der Schuur u. A. hin, ununterbrochen mit der Geschmacksrichtung der Bildhauer und Architekten wetteiferten. zumal im Rathhaus zu Amsterdam (1655), in dessen mit weissem Marmor ausgelegten Sälen und Hallen die Jan Livens, G. Flinck, F. Bol, Stockade u. A. dem Idealismus eines Artus Quellinus d. Ä., dieses damals berühmtesten Statuarius' der Niederlande, nicht nachstehen wollten. Hier offenbar erfuhr Friedrich Wilhelm mächtige Anregung zu späteren künstlerischen Unternehmungen: die imposanten, reich skulpirten Tempelgiebel, die vornehm ernsten Pilasterreihen und die kostbaren Marmorsäle mit ihrer schneeigen, formenschönen Plastik scheinen ihm oft genug vor Augen gestanden zu haben.

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Später hat der sog. Schweizersaal des Berliner Schlosses eine Ausstattung erhalten, die uns den Sitzungssaal der Herrenstaaten im Haager Binnenhofe ins Gedächtniss ruft. Der 1681 bis 1685 von Michael Matthias Schmids und Arnold Nering gebaute Alabastersaal aber lässt das architektonische Vorbild der Amsterdamer Rathhausräume, trotz nur entfernter Aehnlichkeit, erkennen. Seine Wände erhielten gleichfalls eine Bekleidung mit kostbarem, weissem Steinmaterial, gleichfalls korinthische Pilasterstellungen und Gebälkabschluss. Zwischen den Pilastern sieht man indess noch heute abwechselnd hohe viereckige Fenster und kleinere runde Flachnischen, sowie kreisförmige Vertiefungen über den letzteren, vielleicht zur Aufnahme von Büsten. Die reichen Kapitäle der Pilaster erinnern uns nicht wenig an die entsprechenden Theile jenes Rathhauses, welche Symon Bosboom gemeisselt hat. Der Name des Obersteinmetzen der holländischen Metropole ist auch für uns nicht ohne Interesse, bezeichnen doch alte Autoren wie Cornelis de Bie und J. van Sandrart übereinstimmend diesen ihren Zeitgenossen als einen von dem Kurfürsten von Brandenburg beschäftigten und protegirten Künstler171. Dieses Dienstverhältniss Bosbooms gehört vermuthlich der Zeit an, als der Friede von Oliva (1660) die Souveränität Preussens gegenüber Polen besiegelte, einer Zeit, die wohl geeignet war, zu nicht gewöhnlichen Bauplänen anzuregen.

Hält man Letzteres fest, nimmt man ferner die Beziehungen des Kurfürsten zu jenem Künstler als die Folge der Bewunderung an, die der Monarch für das Rathhaus und das Ruhmesgefühl der Amstelstadt empfunden, dann liegt es gewiss auch nahe, zu vermuthen, dass Friedrich Wilhelm sich damals schon entweder mit dem Berliner Schlossneubau oder doch wenigstens mit einem monumentalen Festraum von der Art des späteren Alabastersaales getragen haben dürfte. An die Stelle Bosbooms aber trat sehr bald ein anderer Amsterdamer Bildhauer, Bartholomäus Eggers, ohne Zweifel durch Vermittelung des Fürsten Johann Moritz von Nassau, denn dass der "Brasilianer" sich der Hand des genannten Meisters schon früher bedient hatte, dafür besitzen wir gewisse Belege. Jene Sonnenburger Gipsbüste des Fürsten vom Jahre 1645 bezeichneten wir

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oben172, auf Grund ihrer eigenthümlichen Formengebung, als ein Werk des Eggers. Dieses entstand zur selben Zeit wie das Moritzhaus im Haag. Und genügt auch dieser Umstand allein noch nicht, ihn für den Dekorateur der mit skulpirten Tempelgiebeln geschmückten Postschen Bauschöpfung zu halten, so verleiht er doch sicherlich zwei anderen Thatsachen erhöhte Bedeutung. Diese Thatsachen sind das Compagnonverhältniss, das zwischen Pieter Post und B. Eggers bei der Entstehung der Waag zu Gouda (1668) nachgewiesen ist173 und der Inhalt einer Urkunde vom 3. August 1667, nach welcher Eggers ein Modell des Moritzhauses angefertigt hatte, wobei ihm der Maler Monincx Verschiedenes änderte174.

Bereits aus einem Schreiben vom 22. Juni (2. Juli 1663),das an den zu Cleve residirenden Statthalter gerichtet ist, erfahren wir von Bildhauerarbeiten des Eggers, für welche dieser damals honorirt sein wollte, obwohl sie "über die maassen hoch angesetzet" waren. Am 7. Januar 1664 wird der Statthalter, auf Drängen und Drohen des Künstlers, abermals vom Kurfürsten zur Bezahlung aufgemuntert, und die Schlussstelle des Briefes, dass "vorstehender Bildhauer ohne eintzigen ferneren Vertzug befriedigt und nicht langer aufgehalten werden möge", scheint darauf hinzuweisen, dass noch weitere Aufträge ertheilt waren. Ein Nachweis, dass dieselben mit der Ausschmückung eines projektirten Festsaales zusammenhingen, lässt sich natürlich nicht liefern, da man Eggers' frühere Arbeiten für den Berliner Hof überhaupt nicht kennt175.

Ungleich wichtiger für unsere Betrachtung ist ein späterer Auftrag, der aus einem nach Amsterdam gerichteten Schreiben der kurfürstlichen Kanzlei (5. Juni 1680) hervorgeht. Dieses Schreiben lautet.-

"Se. Churfürstl. Durchlaucht Zu Brandenburg Unser Güdstr. Herr, remittiren dieses an den Raht undt Geh. Cämmerer Hauptmann Sigissmundt Hyderkampf Gdst. befehlend, dem Bildhawer Zu Ambsterdam Bartholomäus Eggers wegen Verfertigung der hierauf er-

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wähnten Marmorsteinernen Bilder, diese hier in drey gedachten Terminen, als auf Jeden 866 Thlr. 16 Gr., so wie Sie specificiret, an gutem Reichs- oder holländischen Gelde gegen seine Quittung auszuzahlen: Vierhundert Rthlr. aber, so ihm, Eggers, auf abschlag des ersten Termins gezahlet Zu decortiren (?), sich aber auch Vorher erkundigen, ob Eggers auch dem Contract ein genüge thut."

Der hierauf bezügliche Contract mit dem Künstler scheint verloren zu sein. Und nicht minder ungern vermissen wir das an Hyderkampf remittirte beschreibende Verzeichniss der fraglichen Reliefs: - auf solche allein dürfte die obige Benennung hinweisen!

Was waren das wohl für Reliefbilder, die der unermüdliche Kriegsherr nach seinen Zügen, die bald nach Westen, bald nach Norden über das Eis des Kurischen Haffs gingen, in Holland bestellte? Was waren es für "Marmorsteinerne Bilder", bestellt um die Zeit, als der Friede von St. Germain (1679) die freilich nur zum Theil in Erfüllung gegangenen Hoffnungen erweckte, dass man jetzt endlich auf dem Sandboden der Mark Zeit und Mittel gewinnen werde, grossartige künstlerische Pläne zur Ausführung zu bringen? Wir glauben darauf unten eine richtige Antwort geben und gleichzeitig darlegen zu können, dass die Idee eines hohenzollerschen Ruhmessaales bereits um die Zeit jenes Friedensschlusses mit Frankreich eine feste Form angenommen hatte. Aber wer weiss, ob dieser Saal vom Kurfürsten nicht ursprünglich in einem anderen Theil des Berliner Schlosses gewünscht war, als in der Verlängerung des um 1580 gebauten sog. Lynarschen Flügels, der später die beiden Schlosshöfe trennte? Die Nordhälfte dieses Mittelflügels, der damals im unteren Geschoss die kurfürstliche Küche enthielt, wurde endlich 1681 erhöht, um für den Alabastersaal176 eine beträchtliche Höhe und Ausdehnung zu gewinnen. Grosse Massen des kostbaren Steinmaterials, aus weiter Ferne herbeigeschafft, standen den beiden holländischen Baumeistern zur Verfügung.

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R. Dohme, der es in seiner kurzen Geschichte des Berliner Schlosses177 versucht hat, einen Grundriss der Schlossanlage, wie diese sich kurz vor Schlüters Auftreten präsentirte, zu entwerfen, hat offenbar die einzige alte Abbildung178 des vorliegenden Saales nicht berücksichtigt. Ausserdem hätte er den Alabastersaal aus folgender Notiz des Lokalhistorikers Küster kennen müssen179: "Es hat auch hochgedachter Churfürst den prächtigen Saal über der Churfürstlichen Küche, so mit sinnreichen Gemählden, vortrefflicher Stuccatur Arbeit, und den künstlichen Marmornen Statuen der Churfürsten von Brandenburg, von Friedrich I. an, versehen war . . . erbauen lassen (S. 6)" Doch fügt der Autor S. 14 noch hinzu: "Weil auch dieser Saal dem Vorsprung am Schlosse dritter Seite im Wege stund, so wurde ein Theil desselben weggerissen, jedoch decket der Saal die erste und zweite Etage des Vorsprungs". Erst diese Verkleinerung des Alabastersaales von 5 auf 4 Fensteraxen (veranlasst durch Schlüters Neubau), machte den einst imposanten kurfürstlichen Ehren- und Festraum für die Bedürfnisse des königlichen Hofes unzureichend. In der freilich recht ungenauen Abbildung bei Beger sehen wir ausserdem sechs Nischen an jeder Langwand des Saales. Auch Pitzler hat ihn schon bei seiner ersten Anwesenheit in Berlin (August 1695) gesehen und eine darauf bezügliche Notiz niedergeschrieben180, die wir mit grossem Dank entgegenehmen, weil sie uns über verschiedene Details des Saales wenn auch nur flüchtig unterrichtet. Die Eintheilung der Decke und des Fussbodens hat er ferner durch zwei Skizzen verdeutlicht. Seine Notiz lautet: "Der Neue Saal im Schloss zu Berlin ist schön von gemählden al fresco, die Decke von Stucko von Laub und einigen Kinderlein; der Saal hat 4 doppelte Thüren, an seiten stehen pil. (Pfeiler) mit Nicen, in welchen die Churfürsten von Alabaster stehen; wo man alle 4 Thüren Zugleich sehen kan wird vor die oberste stelle gehalten, darumb denn die Bilder in der Decke der quer gestellet, dann auch der Churfürst nicht lange sondern oval Tafel hält".

Die Decke des kurfürstlichen Festraumes hatte die Gestalt

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eines Spiegelgewölbes erhalten. Die hohe Voute und die längliche Mittelfläche waren durch ein barockes Rahmensystem aus Stuck in verschiedenartig geformte Felder eingetheilt. Die Mittelfläche enthielt drei ungleich grosse Reliefs (oder Gemälde?), von denen Pitzler zwei mit "Providentia" und "Fortuna" bezeichnet hat. Eine der kreisrund resp. oval gerahmten Voutendarstellungen, die sich sowohl in den Ecken, als auch inmitten der vier Seiten befanden, und daher an Zahl acht waren, wird auf der Skizze "Veritas" genannt. Ferner sah man an den Langseiten, zwischen den runden Bildern, noch vier andere, etwas komplicirt gerahmte Felder, deren Inhalt der alte Reisende genauer angiebt, nemlich: 1. Die Architektur "mit Pozdam". 2. Die Malerei "mit des Churfürsten Conterfeit, des alten". 3. Die Fortifieation "mit Berlin" und 4. Die Skulptur "mit des Churfürsten Conterfeit, des alten". Zwischen den erwähnten Feldern bildeten plastische Ornamente die Füllung. Der Grund der Decke war braun, das Stucho gelinde gelb" angetönt. Der Fussboden war, nach Pitzlers Skizze, aus weissen Marmorplatten von 18 Zoll im Quadrat zusammengesetzt und durch eingelegte schwarze Marmorstreifen, die das Ganze in neun ungleiche viereckige Hauptfelder theilten, gemustert.

Da uns weitere genaue Aufschlüsse, zumal über die Ausschmückung der Wandflächen, nirgends geboten werden, so soll

in den folgenden Zeilen, auf Grund von Thatsachen und Muthmaassungen, der Versuch einer Rekonstruction des Alabastersaales fortgesetzt werden. Doch ist hier gleich zu bemerken, dass eine Vollendung des Saales unter dem Grossen Kurfürsten nicht mehr stattgefunden hat, und dass dessen Nachfolger Friedrich III. sich um so weniger bemüht haben mag, die Ideen Friedrich Wilhelms an dieser Stätte vollständig zu realisiren, als sein Projekt eines Schlossneubaues alles Uebrige zweifellos in den Schatten rückte. Was also Pitzler im Jahre 1695 sah, war, unserer Meinung nach, wohl kaum das ursprünglich beabsichtigte grossartige Werk einer kurfürstlichen Ruhmeshalle, sondern nur ein in dekorativer Hinsicht wesentlich einfacher gestalteter Festraum. Auch sind seine Bemerkungen etwas zu knapp und unklar, sodass man dem flüchtigen Beobachter wohl zutrauen darf, er habe manche wissenswerthe Einzelheit übersehen.

Pitzler spricht zunächst von "gemählden al frescoll und

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dann erst von der stukkirten Decke, also ist nicht recht ersichtlich, ob die "Bilder" an letzterer Malereien oder Reliefs waren und ob auch die Wandflächen des Saales malerische Darstellungen enthielten. Aber schon das, was er über die Bedeutung einiger der Deckendarstellungen mittheilt und was wir sonst noch wissen, muss uns darin bestärken, dass der Stifter des Alabastersaales eine Fülle von innerlich zusammenhängenden künstlerischen Vorführungen schaffen lassen wollte. Dieser geistige Zusammenhang beruhte auf theils historischen, theils symbolischen Gesichtspunkten und drückte im kleinen Rahmen Analoges aus, wie das von dem Kurfürsten bewunderte Amsterdamer, Rathhaus im Grossen. Neben den Standbildern der brandenburgischen Kurfürsten (Friedrich I., Friedrich II., Albrecht Achilles, Johann Cicero, Joachim I., Joachim II., Johann Georg, Joachim Friedrich, Sigismund, Georg Wilhelm, Friedrich Wilhelm und Friedrich III.181 haben wir uns hier offenbar die Statuen jener vier "Kaiser" (Julius Cäsar, Konstantin, Karl der Grosse, Rudolf von Habsburg) zu denken, die dem Sieger von Fehrbellin, als leuchtende Sterne am Himmel der Geschichte, vorbildlich vor Augen standen. Und hoch über sich und seinen leiblichen bezw. geistigen Vorfahren thronte inmitten an der Decke die "Göttliche Vorsehung", rings umgeben von den Personifikationen der Tugenden und Künste. Die supernaturale Verherrlichung, die man im frommen Mittelalter lediglich der Person Christi zu weihen liebte, feierte zur Zeit des fürstlichen Absolutismus eine Art Wiedergeburt für den weltlichen Zweck des fürstlichen Ehrgeizes.

Und woraus schliessen wir nun, dass die in Wirklichkeit erst von Friedrich III. bestellten vier "Kaiser" schon zu dem Programm des Grossen Kurfürsten gehörten? Nach der Voll-

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endung der elf Kurfürsten im Jahre 1687 kam Eggers persönlich nach Berlin,- wo seine Anwesenheit, von der auch Nikolai redet, urkundlich beglaubigt ist; unterm Datum des 29. Octobers 1687 erhielt er nemlich den kurfürstlichen. Befehl, gemeinsam mit Nering und dem Kammerherrn von Lüderitz eine Beschwerde des Bildhauers Jeremias Süssmer gegen den Hofbildhauer Döbeler zu prüfen182. Im Frühjahr 1688 starb FriedrichWilhelm nach langen schweren Leiden. Bald nach Regierungsantritt des Nachfolgers richtete Eggers, der noch immer nicht seine Rückreise nach Holland angetreten, ein deutsch verfasstes Gesuch an den derzeitigen Minister: "Bey des Churfl. würcklichen Geheimen Etats Rath, Herren von Dankelmanns Excellence erinnert der Holländische Bildhauer Eggers gehorsamst Bittende Ihm anzu Verdingen nachfolgende Statuen: 1. Sr. Churfürstl. Durchl. Statue. 2. Julius Cäsar mit einem Adler. 3. Constantinus Magnus mit einem Kinde oder Engel. 4. Carolus Magnus auf einem Drachen stehend. 5. Rudolphus die Welt haltend". Für jede der Statuen gab er 700 Thlr., im Ganzen also 3500 Thlr., als Honorar an. Die schleunige Erledigung der Sache (Contraktabschluss 13. Juli 1688), die eigenthümliche Fassung des Gesuchs, die grosse Reise, der lange Aufenthalt in Berlin - machen es wahrscheinlich, dass es sich hier um eine alte Vereinbarung betreffs Wahl, Auffassung und Preis der Objecte gehandelt, um ein Project, an das bei der Aufregung, die dem Thronwechsel folgte, nur noch "erinnert" werden musste, und das allein die Statue des jungen Regenten als etwas Neues, doch Selbstverständliches hinzutrat.

Die zweite ebenso wichtige Frage für uns würde sein, ob schon die oben erwähnten Sculpturen von 1680 mit der Ausschmückung des Alabastersaales zusammenhingen, wie behauptet wurde. Wenn diese Bildwerke die sechs 2,07 m langen und 1,41 m hohen Reliefs sind, welche heute die Seitenwände, der Diplomatenloge des Weissen Saales schmücken, dann müssen sie, unseres Erachtens, aus innern Gründen zu den Statuen gehören. Denn sie preisen die Thaten und Tugenden der hohenzollernschen Kurfürsten oder vielmehr den Ruhm Friedrich Wilhelms in jener damals zeitgemässen Verschleierung durch historische Beispiele der Antike und des Mittelalters. Allerdings ist in jener Urkunde ausdrücklich von marmornen Bildwerken die Rede, und die

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Untersuchung der vorliegenden Tafeln hat ergeben, dass sie durchweg aus Gips hergestellt sind. Sollte Eggers vielleicht schliesslich nur die Modelle geliefert haben? Auch die Gipsbüste des "Brasilianers" in der Sonnenburger Ordenskirche ist augenscheinlich ein Originalwerk. Oder sind jene Sculpturen des Amsterdamer Meisters zu Grunde gegangen?

Eh wir auf die vorliegende Streitfrage weiter eingehen, um gleichzeitig ein von unserer Auffassung erheblich abweichendes Urtheil zu prüfen, wollen wir dem freundlichen Leser den Inhalt der sechs Compositionen mittheilen und zwar in der Hauptsache so, wie wir ihn bei der ersten Besichtigung der nicht gerade günstig angebrachten Reliefs zu enträthseln vermochten. Bei dieser Gelegenheit erinnerten wir uns auch lebhaft einer alten gedruckten Darstellung, eines Panegyrikus, mit dem ein Zeitgenosse des Eggers, Joachim van Sandrart zu Nürnberg, der bekannte Schüler jenes Gerard van Honthorst, den zweiten Theil seiner "Teutschen Academie" (1679) dem grossen Kurfürsten dedicirte. Die Widmung lautet nach Guhl (Künstlerbriefe): "Nachdem die tausendzüngige Fama von der Göttin des Ruhmes aus dem Himmel entsendet worden, um Ew. Churf. Durchl. hohen Ruhm mit dem Schall ihrer Silber-Drommeten zu verkündigen, hat sie eine gute Weile gezweifelt, was für einen Heldennamen sie in die daran hangenden Purpurfahnen sollte sticken lassen. Sie glaubte zwar anfänglich, als sie Ew. Churf. Durchl. im Feldlager unter den Zelten und zwar siegprangend erblickte, sie könnte Deroselben keinen andern Namen, als den eines deutschen Mars zueignen . . . . Als sie nun aber E. Ch. D. aus dem Felde nach Ihrer fürstlichen Hofburg begleitete und allda wahrnahm, wie nicht allein die Zeughäuser und Rüstkammern mit aller Waffengezeug, sondern auch die Kunstkabinette und Bücherzimmer mit allen nur ersinnlichen Kunstschätzen und Seltenheiten angefüllt waren und da sie dabei auch E. Ch. D. von solchen Dingen, gleichwie sonst von Kriegssachen, mit hochvernünftigem Urtheil reden hörte: da kam sie sofort auf den Schluss, dass Ihnen der Ehrenname eines deutschen Phoebus oder Apollo besser anstehen würde. Und in diesem Gedanken wurde sie abermals bestärkt, als sie in der

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Kabinette einem, an einer Statue des Phoebus ersah, dass derselbe nicht allein Pfeile und Bogen, einen Python damit zu fällen, sondern auch die Leyer der Kunst im Arme hatte, und sich zugleich erinnerte, dass der Lorbeerkranz auf seinem Haupte ihn nicht allein zu einem Kriegshelden, sondern auch zu einem Helden der Kunst gekrönet. Wie nun E. Ch. D. als ein rechter wahrer Apollo und hoher Gönner aller Künstler und Kunstfreunde sich in stetem Wechsel dem Berufe der Kriegsführung und der Kunstliebe zu widmen pflegen, so scheint es jetzt, als wenn Sie, da nun . . . Germania den Freudenport des langersehnten Friedens vor Augen sieht . . ., die siegreichen Waffen bei Seite legen und hingegen zur Kunstleyer greifen wollten . . ."

Gleich Tafel 1 liefert zu obigen Worten Sandrart's eine Art Illustration; sie ist an der Westwand der Loge sichtbar und ein

Hochrelief wie die übrigen Bildwerke. Hier dürfte die Erziehung Alexanders des Grossen geschildert sein, der, nachdem er theils im Feldlager seines Vaters Philipp, theils von Philosophen wie Aristoteles herangebildet, zwanzigjährig - genau in dem Alter Friedrich Wilhelms - die Zügel der Regierung ergriff. Der junge macedonische König (im Profil) schreitet würdevoll nach rechts, er trägt, gegen die Schulter gelegt, einen Kommandostab. Sein Kriegsgefolge steht links, hinter ihm. Alexanders Blick fällt auf das Werk eines vor ihm sitzenden griechischen Bildhauers (Lysippos), der einen Hercules mit der Leyer im Relief gemeisselt hat. Ganz rechts steht der Philosoph Aristoteles, der wie ein, vorn links, gebückt und unbekleidet dargestellter Jüngling an Figuren der raffaelischen "Schule von Athen" erinnert (ein Beweis vielleicht dafür, dass der Bildhauer Italien besucht hat). Ausser der Bezeichnung "Hercules Musarum" über jenem Relief liest man an der Tafel noch den Namen "Kalliope". Mit einem Worte: wir haben hier einen Hinweis auf die Erziehung Friedrich Wilhelms, der seine für künftig entscheidenden Jugendjahre theils im Dienste der "Kalliope" an der Universität Leiden, theils im Heerlager Friedrich Heinrichs, bei der Eroberung von Breda, verbrachte und der desshalb als "Hercules Musarum" ge-

feiert wird.

Dass übrigens die Zeitgenossen Friedrich Wilhelm gern mit Alexander dem Grossen verglichen, geht auch aus zwei Ansprachen hervor, die der Bürgermeister von Berlin oben in jenen Jahren

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(1677 und 1678) an den Kurfürsten richte183. Alte Historiker, wie Pufendorf und Seiler, ziehen diesen Vergleich z. B. bei Erwähnung einer That ungewöhnlichen Edelmuths. Wie nemlich Alexander den Darius einst vor einem feilen Meuchelmörder gewarnt haben soll, so soll sich auch der Grosse Kurfürst verhalten haben, als sich im Jahre 1673 ein gewisser Vicomte de Villeneuve erbot, gegen Bezahlung den französischen Marschall Turenne zu ermorden. Turenne dankte für diese "genérosité sans pareil". Man ersieht hieraus also, dass der Künstler die obige Darstellung ganz in Uebereinstimmung mit den Anschauungen seiner Zeitgenossen schuf. Tafel 2 führt uns einen antiken Feldherrn vor, dessen behelmtes Haupt die Züge des Grossen Kurfürsten erkennen lässt; er ist im Begriff, den von Rossen gezogenen Streitwagen zu besteigen, um an der Spitze seiner Krieger in die Schlacht zu eilen; vorn links schliesst ein hingelagerter antiker Gott (à la Quellinus) das Bild ab. Tafel 3 scheint dagegen auf die Friedensbereitschaft des Hohenzollers hinzuweisen, denn sie schildert einen auf seinen Schild gestützten römischen Heldenjüngling (Marc Aurel?), der sich, während ihm zwei Männer eine Rüstung auf einer Stange zutragen, der lieblich gestalteten Friedensgöttin zuwendet; hinter ihm steht Pallas Athene, gleichsam als Beratherin.

Wenden wir uns der Ostwand der Diplomatenloge zu, so erblicken wir auf Tafel 4 das mit Büsten und Statuetten angefüllte Atelier eines antiken Bildhauers und Architekten, dessen Person hinter dem Sessel eines Fürsten auffällt. Der letztere betrachtet die Zeichnung eines Tempels auf einem grossen Karton, den ein Jüngling im Hintergrunde aufgerollt hat. Zur Rechten steht auch hier bewaffnetes Gefolge. Vermuthlich soll dieses Relief den Besuch des Kaisers Augustus bei Vitruv vorstellen. Weniger befriedigt die folgende Tafel 5, deren Mitte ein lorbeerbekränzter Fürst einnimmt. Er wendet sich mit lebhafter Armbewegung einem vorn rechts gelagerten greisen Wassergott zu, hinter welchem eine anmuthige Nymphe zum Vorschein kommt. Er scheint des Gottes Hilfe für die zur Linken unbekleidet und gebückt dargestellten Männer anzuflehen, die mit den heftigen Schlägen ihrer knüttelähnlichen Werkzeuge den unfruchtbaren Sandboden bearbeiten. Den Hintergrund nimmt eine antike

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Festung ein, vielleicht die Hauptstadt Konstantins, welcher Konstantinopel nicht bloss gegründet, sondern auch (wie der Grosse Kurfürst seine Residenz und zwar mit Hilfe holländischer Ingenieure) befestigt hat. Aus der Antike führt uns die letzte, wieder sehr schöne Composition, Tafel 6, in das Mittelalter. Wir sehen einen König vor einer Landkarte des nordöstlichen Deutschlands stehend und auf die Stelle weisend, wo Brandenburg liegt. Hinter ihm, links, bildet sein greiser Rathgeber das Haupt eines theilweise bewaffneten Gefolges. Zu Füssen des Herrschers erkennt man das Modell einer doppelthürmigen Kirche, als deren Schöpfer wohl der Mönch gedacht ist, der mit einem Zirkel in den Händen, rechts vor dem Fürsten hockend, gleichfalls die Karte mustert. Im Vordergrunde, dessen Figuren fast ganz plastisch heraustreten, sieht man ausserdem noch einen Edelknappen, der einen Helm trägt, sowie einen Jagdhund. Im Hintergrunde aber, und zwar oben rechts, erscheint ganz klein die Gestalt eines andern, mit kaiserlichen Insignien geschmückten Fürsten. Die Tafel dürfte wohl auf die Stiftung des Bisthums Brandenburg durch Otto I. im Jahre 949, sowie auf die Belehnung Friedrichs, Burggrafen von Nürnberg, mit Brandenburg durch Kaiser Sigismund hinweisen.

Einer völlig anderen Auffassung von dem Inhalt und der Urheberschaft dieser trefflichen Reliefs huldigt Cornelius Gurlitt. Er hält sie für die Arbeiten keines Geringeren als des Andreas Schlüter184; und ich glaube er steht damit nicht ganz allein. Natürlich denkt er bei einigen der Darstellungen an Friedrich III, dessen Allongeperrücke freilich hier ebenso wenig zu bemerken ist, wie die zarte gebrechliche Gestalt dieses Kurfürsten. Der Verfasser giebt folgende Erklärungen:

"Da steht auf einem ein Jünling vor einem Bildhauer, der soeben sein Werk vollendet, ein Relief des Herkules mit der Inschrift: Herculi Musarum (Taf. 1). Andere schleppen Kunstwerke herbei: Candelaber, Waffen. Im Hintergrunde steht ein Tempel der Musen. Manche Gestalten erinnern lebhaft an die

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Bekrönungsgruppen des Zeughanses, jedoch ohne deren Gewaltsamkeit in der Bewegung. Ein zweites, merkwürdiges Bildwerk (Taf,6) zeigt einen bekrönten, reich gerüsteten Fürsten vor einer grossen Landkarte, welche die Elb- und Havellande darstellt. Ein Mönch misst mit dem Zirkel die Grösse etwa von Anhalt ab. Im Hintergrunde sieht man die Statue eines Kurfürsten; Rathsherren mit Aktenrollen und Krieger drängen sich herbei. Ich denke, es wird sich um die Besitzergreifung Brandenburgs durch Kurfürst Friedrich I. handeln, und um den Hinweis auf seinen Nachkommen Friedrich III. Doch will ich besseren Erklärungen nicht vorgreifen. Hier ist es uns nur um die künstlerischen Vorzüge des Reliefs zu thun, um die sichere Composition, die kräftige Durchbildung der Menschengestalten, die tüchtige Individualisirung der verschiedenen Stände. Ein Windspiel in der rechten Ecke ist ebenso trefflich durchgearbeitet, wie das kunstgewerbliche Beiwerk".

"Und dann findet man einen Jüngling, der Trophäen des Krieges aufstellen lässt (Taf. 3), während der Genius des Friedens neben ihm steht. Im Hintergrunde vergegenwärtigt eine toskanische Säulenhalle das Zeughaus. Oder gegenüber (Taf. 5) wird an der Langen Brücke gearbeitet. Der Flussgott der Spree reicht sich die Hand mit einer durch ein Rad wohl als Verkehr symbolisirten weiblichen Gestalt; Handel und Ackerbau nahen. Ein edler Jüngling vereinigt sie, indem er seine Hand auf die verbundenen Rechten jener legt". Auf die beiden, oben mit 2 und 4 bezeichneten Tafeln geht der Verfasser nicht ein, weil er sie ungeachtet einer Entfernung von nur wenigen Schritten "nicht genau erkennen konnte". Auch uns ist das so gegangen. Aber gerade deshalb und weil uns die Sorgfalt in der Modellirung der Figuren auffiel, unterdrückten wir die Vermuthung, dass wir diese Reliefs für Fassadendekorationen halten185.

Nachdem wir die Bildwerke kürzlich noch einmal genau prüften, mussten wir freilich bekennen, dass es für den jüngsten Biographen Schlüters in der That nahe lag, hier an seinen künstlerischen Helden zu denken. Es sind da wenigstens einzelne Figuren, ja einzelne Motive vorhanden, die wirklich an

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Schlütersche Gestaltung und Erfindung erinnern. Aber Vieles, in der Composition wie in den Details, ist so ausgeprägt niederländisch, dass ich trotz Anerkennung gewisser Einflüsse, die der grosse deutsche Barockkünstler von Westen her empfangen, schliesslich doch nur an eine niederländische Hand zu denken vermochte. Auch Gurlitt hat anscheinend etwas Aehnliches empfunden, als er schrieb: "Alle Gestalten sind niederländisch "deftig ..." die Composition ist ohne Absichtlichkeit klar, bei dem Relief vielleicht schon zu übersichtlich abgetheilt". Wir gehen noch weiter und betonen, dass die strenge Anordnung auf diesen Bildwerken überhaupt nicht der malerisch freien Compositionsweise des durch Schlüter vertretenen Barockstils entspricht. Sie erinnert vielmehr, auffällig genug, an die Eigenthümlichkeit einer Reliefdreizahl im Gerichtssaal des Amsterdamer Rathhauses, wo Artus Quellinus die richterliche Unbeugsamkeit des biblischen und römischen Alterthums geschildert hat. Und wir meinen, dass in compositioneller Hinsicht etwa zwischen Raphael und Correggio nicht viel grössere Unterschiede herrschen, als zwischen obigen Meistern. Wenn Gurlitt ferner bemerkt: "Die Körper zeigen einen durch klassische Absicht gemilderten Schwung der Linien - manchmal sogar einen etwas zu schön stilistischen", so hat er damit unabsichtlich mehr eine Charakteristik der figuralen Formgebung des Quellinus, als derjenigen Schlüters gegeben.

Also Schule des Quellinus! Das dürfte zunächst unser Resultat sein. Und damit fallen zugleich, unserer Meinung nach, jene Anspielungen auf das Berliner Zeughaus und die Lange Brücke186 als geistreiche Fictionen des Biographen in sich zusammen. Dadurch steht nun auch ein interessantes Werk wie das mächtige Hochrelief des von Sparrschen Grabmals in der Marienkirche, welches so augenfällig den Stempel jener vlämisch-holländischen Schule trägt, nicht mehr vereinsamt in Berlin da.

Als eine Eigenthümlichkeit der oben erwähnten Amsterdamer Sculpturen des Quellinus habe ich bei früherer Gelegenheit187 hervorgehoben, dass auf jedem der drei Reliefs "einem Hunde eine gewisse Rolle zugetheilet" ist; er bildet nemlich

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eins der harmlosen Nebenmotive, welche der geschmackvolle Künstler wählte, um die geschilderten entsetzlichen Vorgänge zu sänftigen. So beleckt der Hund in der Scene "Salomos Urtheil" dem ahnungslosen Streitobjekt, dem Kinde, über welchem das Schwert des grimmigen Schergen zuckt, das herabhängende Händchen. Dieses Motiv scheint überhaupt eine Art Inventarstück der Quellinusschule gewesen zu sein. Es kommt sowohl am Spaarschen Grabmal, wie auch an einer der Tafeln (6) des Weissen Saales vor.

Jenes beschrieb ich an anderer Stelle188 folgendermassen: "Das Rahmenwerk des Denkmals189 mit seiner barocken Bekrönung, eine abbreviirte korinthische Tempelhalle, in welcher der gepanzerte Feldmarschall vor einem Cruzifix kniet, während zur Linken ein Edelknabe seinen Helm trägt, erinnert an die Portale im Hauptsaal des Amsterdamer Rathhauses. Auch die Vorführung eines Hundes, der bei einigen Reliefs im dortigen Gerichtssaal eine Vorliebe des Quellinus bekundet, fehlt hier nicht, obwohl an der Berliner Schöpfung nur eine genreartige Behandlung des bekannten Symbols der Treue beabsichtigt gewesen zu sein scheint". Ausser dem Hunde findet sich aber auch der den Helm tragende Edelknappe auf dem betreffenden Relief des Weissen Saales. Und so kann immerhin gemeint werden, dass die Urheber dieser beiden Schöpfungen eine und dieselbe Persönlichkeit seien.

Die Legende bezeichnet nun den Aelteren, d. h. den berühmten Artus Quellinus, als den Schöpfer jenes Grabmals, und auch Nicolai nennt den Künstler in der Reihe der von dem Grossen Kurfürsten beschäftigt gewesenen Meister. Ein urkundlicher Anhalt dafür besteht aber nicht; hingegen liest man in einem kurfürstlichen Rescript vom 6./16. Nov. 1673 von einem "Bildhawer Artus", dem zu irgend einem unbekannten Zwecke "ein Fichtenbaum angewiesen" werden sollte. Der Name mag dem Entdecker dieser Notiz190 so ungewöhnlich geklungen haben, dass er gleich an Quellinus dachte. Gemeint ist indess ein gewisser Artus Sitte, ein Holländer, der am 25. October

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1666 seine Bestallung als Hofbildhauer ohne Gehalt erhielt191. So klärt sich die Legende von dem "Berliner Quellinus", soweit es sich wenigstens um den Namen handelt, befriedigend auf.

Bezüglich Sittes aber muss man annehmen, dass ein holländischer Künstler, der in die Uebersiedelung seiner Familie nach dem entlegenen Berlin ohne Anspruch auf festes Gehalt willigte192, dort wohl auf umfangreiche und lohnende Beschäftigung rechnen konnte. Wer dieser Künstler im Uebrigen war und was er in der märkischen Hauptstadt geschaffen hat, wissen wir nicht. Meine frühere Vermuthung, dass jene Legende, auch hinsichtlich der Urheberschaft des Sparrschen Denkmals, nicht ganz aus der Luft gegriffen, dass also Artus Sitte wahrscheinlich dessen Schöpfer sei, hat im Grunde genommen nur

die Thatsache für sich, dass der Feldmarschall Sparr, als Oberleiter des Berliner Festungsbaues, mit dem clevischen Statthalter und mit holländischen Ingenieuren in Verbindung stand und daher die Ausführung seines Epitaphiums recht wohl einem holländischen Bildhauer anvertraut haben könnte. Auch Gurlitt schloss sich dieser Vermuthung an, indem er bemerkte, dass "wahrscheinlich Artus Sitte, ein Schüler des Quellijn" besagtes Werk gefertigt habe. Daraus liesse sich überdies die Berufung des Künstlers ganz hübsch motiviren: Nachdem Friedrich Wilhelm im Jahre 1663 das Sparrsche Monument bewundert hatte, beschloss er einige Jahre später dessen Schöpfer nach seiner Residenz Berlin zu ziehen.

Nur schwebt das Alles thatsächlich in der Luft. Denn wir sind leider nicht in der Lage, ein beglaubigtes Werk Sittes zum

Vergleich heranzuziehen. Selbst unter den oben berichteten Umständen erscheint es uns bedenklich, eine ausgezeichnete bildnerische, Leistung einer doch völlig obscuren Künstlerpersönlichkeit zuzuschreiben. Auch kann man sich für deren Berliner Aufenthalt eine minder ehrenvolle Veranlassung denken. Nicolai, König u. a. ältere Autoren bemerken übereinstimmend, dass der Kurfürst in den sechziger Jahren neue ausserordentliche Anstrengungen zu künstlerischen Zwecken machte. Er beschäftigte damals, zunächst B. Eggers, nachdem Bosboom offenbar in

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Folge seiner Verpflichtung als Obersteinmetz der holländischen Metropole, von seiner ausländischen Verbindung Abstand nahm. Im Jahre 1664 entstand eine Differenz mit Eggers, der unbillige Forderungen stellte und dann drohte, er werde die für den Berliner Hof bestimmten Skulpturen anderweitig verkaufen. Der Kurfürst wünschte, in zwei Mahnungen an Johann Moritz von Nassau, die Sache unter allen Umständen schleunigst geordnet, damit sie ihm nicht "despect", dem Künstler aber nicht Zeitverlust verursache.

Trotz dieser freundlichen Beilegung des Streites verschwindet der Name Eggers bis zum Jahre 1673 aus den Akten. Dagegen hat uns der Zufall zwei Dokumente bewahrt, aus denen hervorgeht, dass grade in der Zwischenzeit ein Fachgenosse und Landsmann des Amsterdamer Statuarius, eben jener Artus Sitte, im märkischen Osten Beschäftigung fand. Eggers aber entfaltete damals seine bedeutendste heimische Thätigkeit.193 Er schuf das monumentale Grabmal des Admirals van Wassenaar († 1665) in der Haager St. Jakobskirche, dekorirte ferner die 1668 von Post gebaute Waag zu Gouda und fügte dem prächtigen Verhulstschen Monument der Familie von In- und Knyphausen in der Kirche des friesischen Dorfes Midwolde die Statue des Barons Georg Wilhelm († 1669) hinzu; daneben entstanden durch ihn kleinere Werke wie die heute im Amsterdamer Rijksmuseum befindliche Büste des Joh. Munter (1673). Möglich, dass es ihm zu jener Zeit an Aufträgen von Seiten des brandenburgischen Kurfürsten wenig oder nichts lag. Angesichts der mitunter empfindlichen Schwierigkeiten, welche die Regelung geschäftlicher Angelegenheiten mit dem Ausland damals verursachte, war es den holländischen Meistern kaum zu verdenken, wenn sie lieber in ihrer Heimat ausreichende Arbeit suchten.

Mit Eggers' Erneuerung seiner früheren Beziehungen zum Berliner Hofe verschwindet zugleich Artus Sitte vom märkischen Schauplatz, wenigstens hören wir nach 1673 nichts mehr von ihm. Wenn er aber wirklich der hochbefähigte überlegene Künstler, der Schöpfer des Sparrschen Grabmals wäre, dann bestände keine augenfällige Ursache, warum man mit einem andern Bildhauer, der überdies zu unbilligen Forderungen neigte, wieder anfing. Oder sollte Sitte überhaupt bloss als ein vorübergehender Ersatz

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für Egger herangezogen worden sein? Schade, dass die Quellenforschung den sich um Quellinus gruppirenden Bildhauern Amsterdams bis jetzt noch so gut wie Alles schuldig blieb. Eine zu lösende dankbare Aufgabe würde sein, uns über die wechselseitigen persönlichen Verhältnisse dieser Bildhauer aufzuklären. Wir würden alsdann auch erfahren, in welchem Abstand sich unsere beiden Künstler zur Quellinusschule befanden, und ob Sitte vielleicht identisch war mit jenem mittelmässigen Meisselführer Artus de With, der dort für die Oudekerk im Jahre 1666 das Grabmal des mit dem Grossen Kurfürsten wohlbekannt gewesenen Admirals Jan Hulst vollendete . . . Eine Schlussfolgerung aber können wir aus alledem zu Gunsten der Feststellung des Urhebers der vorliegenden Berliner Bildwerke noch immer nicht wagen; die grössere Wahrscheinlichkeit aber spricht unbedingt für Eggers.

Indem wir diesen Standpunkt zur Streitfrage einnehmen, denken wir vor allem an das grosse Marmorrelief, mit welchem dieser Bildhauer die Front der Waag zu Gouda schmückte (1669). Die plastische Behandlung der hier dargestellten Wägescene ist ähnlich wie an den Tafeln des Weissen Saales: die hintern Figuren sind nemlich ganz flach modellirt, während im Vordergrunde ein Kaufmann, der seine Güter wägen lässt, und der sitzend schreibende, unbekleidete Wägemeister fast körperhaft abgerundet aus der Fläche heraustreten. Letztere Figur beweist auch, dass Eggers, dessen Schöpfung zu seinen besten Leistungen rechnet, mitunter selbst die Idealisirung eines ganz realen Vorgangs nicht verschmäht hat. Im Uebrigen gehörte er zu jenen Künstlern, die desshalb so ungleichwerthig schufen, weil sie vorzugsweise nach Maassgabe des in Aussicht stehenden materiellen Lohnes arbeiteten. Und das entschuldigt die Nachwelt, die ihn nach seinen schwächeren Kunstprodukten zu beurtheilen pflegt. Ein solches Produkt ist auch seine angebliche Marmorgruppe "Der Raub der Proserpina", die wenig beachtet in der Bildergalerie zu Sanssouci steht. Sie besitzt etwa 2/3 Lebensgrösse, ist unbezeichnet und wird ihm lediglich auf Nicolais Autorität hin zugesprochen. Kaum giebt es ein zweites Bildwerk, das den Beschauer so holländisch derb anmuthet, wie diese kleine Gruppe. Wir sehen hier eigentlich nichts weiter, als einen alten, hässlichen nackten Kerl, der ein junges Weib emporhebt, das sich sicherlich nicht graziöser sträubt und geberdet, als Rembrandt bekannter Ganymed in den Lüften. . Die Jungftau strampelt

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nemlich mit Leibeskräften, greift dem frechen Unhold mit ihrer Linken in das struppige Haar, während, sich die Rechte machtlos des sie umschlingenden sehnigen Armes des verliebten Meergreises erwehrt. Wie diese rohe, unfertige Arbeit nach Berlin gelangte, können wir nicht angeben. Doch da wir nun wissen, dass Bartholomäus Eggers einen Mitarbeiter in der Person seines Bruders Jakob besass194, so halten wir es für richtiger, dass Werke solcher Art, zumal wenn sie unbezeichnet sind, eher auf des letz teren Konto gesetzt werden.

Sobald wir demnach das gewöhnliche Urtheil über B. Eggers, auf Grund des eben Gesagten, modificiren dürfen, gewinnt zugleich die Möglichkeit, dass unser Meister jene Reliefs des Weissen Saales geschaffen habe. Es treten aber noch andere, nicht unerhebliche Momente hinzu: erstens, dass das für die "marmorsteinernen Bilder" in drei Raten an Eggers gezahlte beträchtliche Honorar von 2600 Thlrn. sehr wohl als ein Aequivalent für die Ausführung der 6 Tafeln anzusehen ist, und zweitens die Aehnlichkeit der beiden Hauptfiguren von Taf. 5 und Taf 6 mit zwei der "Kaiser", die urkundlich und inschriftlich von Eggers Hand sind. Namentlich wirkt die Aehnlichkeit der Statue "Konstantin" mit der Relieffigur von Taf. 5, die ich, unabhängig von jener, ebenfalls "Konstantin" genannt habe, so frappant, dass sich ein anderer Urheber dieses Reliefs des offenbaren Plagiats an Eggers schuldig gemacht hätte. Endlich halte ich die heutige Zusammenstellung der "Kurfürsten", der "Kaiser" und der sechs Tafeln im Weissen Saale für keine zufällige, sondern für eine aus Pietät herübergenommene - herübergenommen von dem ehemaligen Alabastersaal, der - nach unserer Ueberzeugung eine Ruhmeshalle des Grossen Kurfürsten repräsentirte. Hätte Eggers nicht ein gewisses Recht besessen, sich allein für den Dekorator dieses Ehren- und Festraumes zu halten, so wäre er schwerlich dem Sohne des Stifters, bald nach dessen Thronbesteigung, genaht, um ihn, wie an ein Vermächtniss seines erlauchten Vorgängers, an die Ausführung der vier "Kaiser" zu erinnern".

Und trotz alledem ist ein strikter Beweis für Eggers Antheil an den 6 Tafeln nicht zu erbringen. Das durch Gurlitts abweichendes Urtheil hervorgerufene Dilemma bleibt also bestehen. Daneben wird es auch Kunstkenner geben, die hier an einen

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unbekannten dritten Meister glauben195, der in seinem künstlerischen Stil zwischen Eggers und Schlüter stand - an jenen grossen Unbekannten, der, seitdem er seine Rolle, im Kriminalrecht ausgespielt, sich eine hochgeachtete Stellung in der Kunstwissenschaft verschafft hat . . . Was uns betrifft, so geben wir noch lieber etwa folgender Erklärung den Vorzug: Die "marmorsteinernen Bilder" des Eggers mögen ursprünglich die schmale Nordwand des Alabastersaales geschmückt haben. Durch Schlüters Neubau des Schlosses wurde diese Wand um Fensterbreite südwärts verschoben. Dabei mögen die Bildwerke, durch Unvorsichtigkeit der Arbeiter, zerbrochen worden sein. Schlüter restaurirte sie und fertigte Gipsabgüsse danach; sechs derselben verblieben später dem Weissen Saal, während vier Wiederholungen in die Thurmhallen des Charlottenburger Schlosses gelangten. Jedenfalls sind die so theuer bezahlten Eggersschen Originale von 1680 verschollen.

Auf gleicher Höhe mit den Reliefs stehen allerdings weder die "Kurfürsten" noch die "Kaiser". Die ersteren waren, wie

bemerkt, zum Schmuck der Nischen des Alabastersaales bestimmt und beanspruchten, als Bestandtheile der Architektur, nur eine dekorative Behandlung. Dementsprechend betrug das Honorar für acht der "Kurfürsten", wie aus jenem Briefe von 1686 hervorgeht, bloss 2109 Thlr. 9 Gr. d. h. pro Stück etwas über 263 Thlr. Sie sind sämmtlich 6 holl. Fuss hoch, an der Rückenseite fast gänzlich unbehauen gelassen und interessiren allerdings, trotz formaler Flüchtigkeit und Unfeinheit der Modellirung, durch die Keckheit, mit der hier ein fremder Künstler zehn fürstliche Persönlichkeiten der brandenburgischen Vergangenheit in idealer Charakteristik historisch glaubhaft vorzuführen versucht hat. Gewiss, an Geist, Grazie und Schönheitssinn steht der derbe Holländer den besten flandrischen Meistern der voraufgegangenen Periode erheblich nach. Damals aber dürfte schwerlich ein zweiter Niederländer Gestalten, wie den lebhaft vortretenden Albrecht

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Achilles (Nr. 3), den Johann Cicero (Nr. 4), den stattlichen Sigismund und den würdevollen Georg Wilhelm, statuarisch und zugleich dekorativ wirksamer gemeisselt haben. Je öfter wir diese Statuen sahen, um so günstiger, erfreulicher wirkten sie auf uns. Es geht eben mit Kunstwerken, wie mit Menschen - je ungewöhnlicher, um so schwieriger ihren Werth zu ergründen. Und was uns anfänglich bloss wie ein Kennzeichen mangelnden künstlichen Geschmacks vorkam, verstärkte bei längerer Betrachtung den Eindruck urwüchsiger Formgebung, die der Mehrzahl der "Kurfürsten" unbedingt eigen ist.

Eine völlig abweichende Auffassung tritt uns indess in dem letzten der 11 Kurfürsten, in der Statue Friedrich Wilhelms entgegen. Zeigt sich dort der Holländer ungeschminkt in seiner derben Naivität, eigenartig in seiner individualisirenden Gestaltungslust, so verräth sich hier deutlich der Nachahmer der Franzosen. Friedrich Wilhelm ist à la Louis XIV. in antiker Weise heroisirt; gebieterisch doch apathisch steht er da in der Pose eines Jupiter, der den Kommandostab, als Speer markirt, in der Rechten hält - geradeaus blickend, während seine Vorfahren mit kleiner Körperdrehung, theilweise sogar mit lebhaften Gesten dargestellt sind. Dadurch wird der Eindruck hervorgerufen, als wenn vom Künstler ursprünglich die elfte Statue nicht in der Reihe der Uebrigen, sondern für sich alleinstehend gedacht wäre, als wenn Eggers etwa die Schilderung eines Fürstenrathes vorgeschwebt hätte, bei welchem - wie Jupiter im Olymp - Einer, Friedrich Wilhelm, das präsidirende Haupt vorstellte, dem sich die Uebrigen zuwendeten. Schon unter dem Nachfolger, Friedrich III., aber hat man, entweder weil man diese Intention des erlauchten Stifters des Alabastersaales nicht kannte oder nicht respektiren wollte und um die zwölfte Seitennische nicht leer zu behalten196, kein Bedenken getragen, den Grossen Kurfürsten seitlich einzureiben. Wie fehlerhaft die später im Weissen Saale nachgeahmte Parallel-Anordnung ist, erkennt man schon daraus, dass die ältern Eckfiguren (1, 6 und 7) jetzt in die Winkel des Saales hineinschauen.

Umgekehrt zu ihrem ausgezeichneten Rang in jenem Saal ist also der künstlerische Werth dieser Statue Friedrich Wilhelms

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des Grossen. Vergleicht man sie mit einem ältern niederländischen Werke, der damals im Berliner Lustgarten befindlichen Statue des F. Dusart (1651), die einst in charakteristischer Weise mit einem frommen Bibelspruch geschmückt war, so hat man Gegensätze, wie sie grösser kaum zu denken sind. Dort eine einfache, realistische, höchst individuell behandelte Figur, die ganz das Gepräge der alten Oranierzeit besitzt, hier ein konventioneller Fürstentypus, ein Perrücken-Jupiter mit der Maske des grossen hohenzollernschen Patriarchen. Und doch wird der tiefere Beobachter in beiden niederländischen Schöpfungen die eigenthümlichen Elemente erkennen, aus welchen später ein deutscher Genius, Andreas Schlüter, den wunderbaren Ausdruck des Heroisch-Individuellen zu gewinnen vermochte . . . Nach meinem Gefühle ist die letzte Kurfürstenstatue nicht Eggers eigenhändiges Werk, sondern in Wirklichkeit bloss eine manierirte freie Nachbildung der elften Figur.

Das an dieser Statue vorhandene Monogramm B E weicht von der üblichen Signirung des Meisters so erheblich ab, dass uns die Berechtigung des Monogramms zweifelhaft erscheint. Technisch steht die Arbeit auf denkbar niedrigster Stufe, ist doch hier z. B. die Perrücke gänzlich roh belassen. Sie kann daher auch nicht identisch mit dem 1688 bei Eggers bestellten

Werk sein, für welches ein fast zwei Mal höheres Honorar (700 Thlr.), als für jede der älteren Sculpturen kontraktlich festgesetzt war. Eine unbezeichnete Statue Friedrichs III., die den Fürsten barhaupt, ohne Perrücke, im Panzer und Mantel darstellt, eine derbe barocke Erscheinung. stand bis vor kurzem im Park zu Charlottenburg neben jenem Werke Dusarts: dass sie Eggers' Schöpfung ist, wage ich nicht zu behaupten. Aus dem Contract von 1688 und aus der sorgfältigen Technik der vier "Kaiser" geht deutlich hervor, dass es sich bei dem letzten Auftrage des Meisters nicht um dekorative Machwerke, sondern um Arbeiten von vollendeter Durchführung handelte. Trotzdem stehen die "Kaiser", was Erfindung und Proportion der Formen betrifft, also künstlerisch, nicht auf der Höhe der älteren Skulpturen; besonders Kaiser Konstantin mit seinen Attributen "Kind" und Kreuz" ist eine recht schwache Leistung. Um Eggers Gerechtigkeit

widerfahren zu lassen, wird man diese Figurenvierzahl auf der hintern Brüstung der Diplomatenloge, am Treppenhaus des

Weissen Saales, blos als Produkt seiner Amsterdamer Werkstatt

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betrachten dürfen. Zwar sind auch sie mit dem, abgekürzten Namen des Meisters, doch nicht mit der charakteristischen Künstlerschrift der 11 "Kurfürsten", sondern mit ganz conventionellen Buchstaben bezeichnet.197 Zu meinem kritischen Urtheil stimmt übrigens eine aus den Urkunden geschöpfte Notiz in Königs Collectaneen198, wonach am 23. April 1692 ein kurfürstlicher Befehl an einen gewissen Kuffelaar nach Amsterdam erging, aus der Nachlassenschaft des inzwischen verstorbenen Eggers einige Modelle von Statuen, die für den Kurfürsten bestimmt waren, herauszufordern. Der greise Künstler kann also sehr wohl schon kurze Zeit nach seiner Rückkehr aus Berlin erkrankt und vor Erfüllung seiner contraktlichen Verpflichtung gestorben sein199.

Dadurch findet auch die Angabe Nikolais, dass die Skulpturen des holländischen Bildhauers erst 1694 im Alabastersaal aufgestellt wurden, ihre Erklärung. Ob Pitzler ihn ein Jahr später schon in vollständiger künstlerischer Ausstattung gesehen hat, bleibt immerhin fraglich. Jedenfalls erlebte weder der kurfürstliche Stifter, noch Eggers die Vollendung des denkwürdigen Werkes. Bis 1728 bestand der Saal als Mittelpunkt der Ceremonion des Berliner Hofes; dann ward, nachdem der im westlichen Hauptflügel gebaute "Weisse Saal" dessen Erbschaft angetreten, aus dem mittlerweile verkleinerten Fest- und Ehrenraum des Grossen Kurfürsten ein bescheidenes Hoftheater zur Darstellung von "Intermezzos und Komödien". Französischer Geschmack verdrängte unter König Friedrich II. den holländischon vollends, und der seines kostbaren Materials beraubte Alabastersaal sank schliesslich zu einem Möbelmagazin herab, an dessen ruinenhaften Wänden heute kaum noch Spuren der einstigen Pracht und Schönheit zu erkennen sind. Aber es reizt uns die Macht

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der Erinnerung, diese längst vergangene Herrlichkeit im Geiste wieder erstehen zu lassen; gewinnen wir doch dadurch werthvollen Aufschluss über des Grossen Kurfürsten Verhältniss zur bildenden Kunst, einen vollen Begriff von seiner Kunstgesinnung, die mit seinem wachsenden Ruhmesgefühl schliesslich eine Idealität annahm, zu deren Höhe sich der derbe Sinn der in Berlin weilenden holländischen Meister nicht mehr aufzuschwingen vermochte.

NACHTRAG: Zu "III. Kunstunterricht etc.". Durch ein Versehen ist, auf Seite 83 der kleine Abschnitt von Zeile 5 bis Zeile 17 uncorrigirt geblieben. Man lese diesen Abschnitt wie folgt: "Wären die, Kupferstecher Samuel und Konstantin Friedrich Blesendorf wirklich, wie Nicolai behauptet, die Brüder des Ingenieurs Blesendorf, so könnte man meinen, dass einer von beiden damals bei Hofe unterrichtete. Doch das ist mehr als zweifelhaft. Nicolai erwähnt verschiedene ältere und jüngere Meister dieses Namens, und doch ist die Reihe derselben dadurch noch keineswegs erschöpft, wie wir im Anhang zeigen werden. Der Vater jener angeblichen Brüder. und ihrer ebenfalls künstlerisch thätigen Schwester Elisabeth soll Ananias Bl., ein Goldschmied, gewesen sein, der um 1652 für den Hof arbeitete und um 1670 im hohen Alter verstarb. Nun ist aber Konstantin Friedrich erst später (1674) geboren; und also bleibt für uns die Frage nach dem Kupferstichlehrer der Prinzen offen."

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Anhang

 

Friedrich Nicolai's Nachricht

von den

Baumeistern, Bildhauern, Kupferstechern, Malern, Stukkaturern

und andern Künstlern,

welche vom 13. Jahrhundert bis jetzt in und um Berlin sich aufgehalten

haben und deren Kunstwerke zum Theil daselbst noch vorhanden sind.

Berlin und Stettin 1786.

Theil II (1640-1688).

Verzeichnis der Künstler unter dem Kurf. Friedrich Wilhelm dem Grossen

(chronologisch geordnet).

Kurfürst Friedrich Wilhelm der Grosse hat sehr viel zum Fortgange der schönen Künste in seinen Landen, besonders in Berlin gethan. Er berief, bald nach Antritt seiner Regierung, verschiedene auswärtige Baumeister nach Berlin, und veranlasste dadurch den guten Geschmack, den man an den meisten Häusern wahrnimmt, die seit seiner Zeit gebauet worden. Mitten unter den schwersten Staatsgeschäften und Kriegen, hatte er Zeichner, Bildhauer, Kupferstecher in seinem Dienst, und bezahlte sie, wie man unten sehen wird, zum Theil ansehnlich.200 Am meisten aber konnte dieser grosse Fürst sich seiner Lieblingsneigung, seit dem glücklichen Frieden zu St. Germain 1679, überlassen. Er beschäftigte alsdann mehrere Maler, und gab ihnen ansehnliche Gehalte; er vermehrte die schon vor 1665 angelegte Gallerie von Gemälden gar sehr,201 er liess nicht wenig junge Leute auf seine Kosten die Kunst lernen. Er bauete das Schloss in Berlin und andere Lustschlösser, und beschützte alle schönen Künste so wie alle nützlichen.

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I. Bis zur Vermählung F. W‘s. und zum Münsterschen Frieden (1648).

 

Zeichenlehrer Friedrich Wilhelms.

1. Veltin Moller, Zeugwirker zu Küstrin, war im Zeichnen geschickt, worin er auch den Kronprinzen unterwies (1633).

 

Maler und Kupferstecher.

2. Matthias Czwiczek (so schrieb er sich eigentlich), auch Cwiczeke, auch Schwetzge, Kurfiirstl. Hofmaler, Seine Bestallung ist zu Königsberg in Preussen den 15. April 1628 datirt. Er bekam 50 Rthl. an Gelde, freye Wohnung, freyen Tisch bey Hofe,. und jährlich zwey Kleidungen. 1633 den 1. Febr, ward seine Bestallung erneuert. die Besoldung auf 150 Rthl. erhöht, auch ihm zu seinen Gemälden freye Farben versprochen, nebst freyer Tafel bey Hofe für ihn und einen Jungen. Er malte Historien, ,Bildnisse und besonders perspektivische Malereyen.- 1643 verfertigte er auf Befehl Kurfürst Friedrich Wilhelms vier Bildnisse in Lebensgrösse und ganzer Natur, von der Kurfürstin Mutter, dem Kurfürsten selbst, und dessen beiden Schwestern. Sie wurden dem Verweser zu Crossen, Herrn von Löben, geschenkt. Im Schlosse zu Charlottenburg im Zimmer No. 8 (Beschr. S. 1009) hängt von ihm eine gut gemalte Abbildung Kurf. Friedrich Wilhelms nebst seiner Familie, kleine Figuren, von 1649, da er also noch gelebt hat.

3. Gabriel Wietzell, ward 1640 den 22. August zu Königsberg in Preussen von Kurf. Georg Wilhelm zum Kurfürstl. Malergesellen bestellet, dass er alles, was ihm Matthias Czwiczek "an allerhand Kunststücken, Historien, Konterfaiten, Perspektiven, Landschaften u. s. w." aufgeben würde, malen, und dann das Staffirmalen, Vergulden u. s. w. verrichten sollte. Den 5. November 1641 ward er zum Hofmaler bestellt, "sich stets wesentlich bey unserer Hofhaltung, wir führten dieselbe in Preussen, oder in der Kurmark Brandenburg, aufzuhalten." Desgleichen auch die Arbeit, die er nebenst seinen Gesellen vor sich auf den Kauf verfertigen und machen wird, jedesmals zuerst Uns, ob wir dazu Belieben trügen, unterthänigst zu presentiren, und um billige Zahlung zu überlassen." Er arbeitete alsdann neben Czwiczek" nebst verschiedenen Gehülfen.

4. Michel Conrad Hirte oder Hirdt, ward 1646 Hofmaler. Er bekam jährlich 400 Rthl. Gehalt, 3 Haufen Holz von dem Holzhofe, zu Kölln, und freye Wohnung. Er malte Historien und Bildnisse gross, und machte kleine Kontrefayen auf Silber und Gold. 1648 malte er 8 Deckenstücke im Gemache des Kurfürsten. In der Nikolaikirche sind zwey Bildnisse von ihm, wovon das eine, seines Schwiegervaters, des Musikers Joh. Krügers, 1672 gemalt ist, da er also noch gelebt hat. Das Bildniss des Propsts Peter Vehr hat Kalle nach ihm gestochen.

5. Peter Rollos,202 Vater Johann Jakobs der weiterhin unter Kurf. Friedrich Wilhelm angeführt ist. Ein Kupferstecher, von dem man verschiedene Bildnisse und andre Blätter, besonders in Büchern, die 1618 bis 1639 zu Berlin gedruckt sind, findet. Er hat unter andern die Bildnisse in Cernitii icones et res gestae decem Elect. Brandeb. Berolini 1628 Folio gestochen. Seine Arbeit ist nur mittelmässig. Er hatte auch einen Handel mit Kupferstichen und Kunstwerken.

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Bildhauer und Steinmetzen.

6. David Psolimar, Kurfürstl. Wachsbossirer, ward 1634 auf ein Jahr angenommen, um Kontrafakturen und Schauessen zu verfertigen. Dafür wurden ihm 200 Rtlr. ein Tisch für seine Person bei Hofe, und freyes Losament gegeben, und das Wachs ward ihm geliefert. 1636 konnte, er, wegen der unglücklichen Zeiten, eine Bezahlung nicht erhalten (Beschr. S. 91) und ward endlich verabschiedet. 1650 ward er vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm wieder zum Wachsbossirer und Grottenmeister, mit 300 Rthl. Gehalt und ziemlichem Deputat an Getraide und freyer Wohnung angenommen.

7. Peter Miezke, aus Guben gebürtig, Kurfürstl. Steinmetz und Bildhauer (1636). Er starb 1645.

8. Liborius Müller, Kurfürstl. Münzmeister in Berlin. Man findet seinen Namen auf Kurbrand. Thalern, Goldgulden und Dukaten von 1620 bis 1647.

 

Architekten und Ingenieure.

9. 1633 ward Jakob Holst zum Kurfürstl. Ingenieur mit 120 Rthl. monatlichem Gehalt (eine für damalige Zeit ausserordentlich grosse Summe, woraus die damalige Seltenheit guter Kriegsbaumeister erhellet) angenommen. 1636 ward er Hauptmann, und 1639 gab ihm der Graf von Schwarzenberg den Anton Schmelzeisen zur Unterweisung in der Kriegsbaukunst. In diesem Jahre ward er bey der Befestigung von Berlin gebraucht, und musste auf Befehl des harten Statthalters, alle Häuser, Gärten, Schäfereyen, Meyereyen u. s. w., welche den Thoren und Wällen zu nahe lagen, besonders in der köllnischen Vorstadt und auf dem Werder demoliren. 1639 dirigirte er den Festungsbau zu Spandau, wozu er 1638 den 16. September den ersten Anschlag machte. 1643 ward er Oberstwachtmeister beym Alt-Burgsdorfischen Regiment, und bekam die Aufsicht auf alle Festungen und deren Reparatur. 1648 im Juli ward er zum Könige von Schweden auf einige Zeit nach Stettin berufen. 1653 ward seine Kompagnie abgedankt, er selbst aber blieb in Diensten. Er rechtfertigte sich wegen verschiedener Beschuldigungen, die man ihn wegen der Reise zum König von Schweden machen wollten. 1659 war er Generalquartiermeister, und in diesem Jahre, eine Zeitlang (da der Gouverneur General von Uffeln abwesend war) Kommandant in Berlin, da er dann zugleich während der Zeit, in genannter Qualität, am Festungsbau zu Berlin Antheil hatte.

10. Hydde Hoerenken, aus Preussen gebürtig, ward zumKapitän zu Fuss und Ingenieur angenommen. Er ward bey den Fortifikationen, die der Graf von Schwarzenberg im Jahre 1639 um Berlin, um Spandau und sonst in der Mark, anlegen liess, gebraucht.

11. Christoph Friedrich Schmid, ward 1642 Kurfürstl. Landmesser in der Mark und Baumeister in den Kurfürstl. Festungen und Hoflagern.

12. Degener, ein Baumeister, durch den Kurf. Friedrich Wilhelm 1646 und 1647 das Schloss in Schwet neu bauen liess, welches 1637 von den Schweden war verbrannt worden.

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II. Bis zur Souveränität Preussens und zum Frieden von Oliva (1660).

 

Maler und Kupferstecher.

13. Gerard van Honthorst, ein bekannter Maler, hat viel für Kurf. Friedrich Wilhelm gemalt. 1640 (7) wurden ihm von dem Rentmeister zu Kleve für 16 Bildnisse des Kurfürsten und 20 Bildnisse der Kurfürstin 2624 Rthl. ausgezahlt. 1654 hat er abermals für 1860 Fl. holländisch Malereien verfertigt, die 1666 bezahlt wurden.

14. Wilhelm van Honthorst, aus Utrecht gebürtig, Gerard Honthorst's Bruder und Abraham Bloemart's Schüler. Er kam um 1650 nach Berlin, wo er viele Bildnisse und auch Historienstücke, sonderlich zu Oranienburg, verfertigt hat. 1664 reisete er auf einige Zeit nach Holland, wo er um 1666 starb; denn in diesem fahre liess der Kurfürst seinen Erben 2090 Rthl. aussetzen, die er noch zu fordern hatte.

15. Anselmus von Hull, Maler des Prinzen von Oranien in Münster, sendete 1649 dem Kurfürsten gemalte und nachher in Kupfer gestochene Bildnisse aller beym westphälischen Friedensschluss gewesenen Gesandten. Ob er weiter etwas für den Kurfürsten gearbeitet habe, wie er sich dazu erbot, ist mir nich bekannt.

16. Emanuel Sonnius ward zu Kleve, den 7. Sept. 1652 zum Hofmaler ohne Gehalt bestellet. Sein Vater Heinrich Sonnius war Praeceptor der Kurfürstin gewesen.

17. Pietro Liberi, ein bekannter Maler, 1600 geboren. Er ward 1657 nach Berlin berufen, wo er alle Geschichten des alten Testaments in einem grossen Saale malen, und dafür 1500 Dukaten empfangen sollte; die Sache verzog sich aber bis 1665, und unterblieb endlich weiter, wegen des polnischen Krieges.

18. Daniel Koberstein, ein Perspektivmaler zu Berlin, arbeitete 1659 für den Kurfürsten, der ihm wöchentlich 2 Rthl. Kostgeld und 50 Rthl. zum Kleide geben liess. Er lebte noch 1663.

19. Johann Georg Psolimar, ein Bildnissmaler, vermuthlich ein Sohn des Wachsbossirers. Er arbeitete um 1660.

20 Albrecht Christian Kalle, Kupferstecher, geb. zu Berlin, von dessen Hand man in den Jahren 1630 bis 1670 viele in Kupfer gestochene Bildnisse findet, wovon er einige auch selbst nach dem lieben gezeichnet hat. Er wohnte meist zu Strausberg, wo er auch seine Kunst gelernt hatte.

 

Bildhauer und Medailleure.

21. Leonhard Kern, des äussern Raths zu Schwäbisch-Hall, ward 1648 zum Kurfürstl. Bildhauer mit 500 Rthl. Gehalt angenommen. Er machte kleine Arbeiten aus Elfenbein, Alabaster und Holz.

2. Jakob Voulleaumé, sonst auch Vignerol genannt, ans Flandern gebürtig, ward 1649 zum Kurfürstl. Bildgiesser, Statuen, Grotten und Springbrunnen zu giessen, mit 400 Rthl. angenommen. Er goss die bleyernen Statuen u. s. w., die ehemals im Lustgarten standen.

23. Franz Dusart, oder du Sard, mit dem Zunamen Walon, lernte die Bildbauerey in Rom, kam in König Karls I. von England Diensten, von da kam er nach dem Haag. Er machte daselbst 1651 das marmorne Bildniss des Kurfürsten, welches sonst im Lustgarten zu Berlin stand, und nun im Charlottenburgischen Garten stehet; desgleichen das

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marmorne Bildniss des 1648 zu Kleve geborenen und 1649 gestorbenen Prinzen Wilhelm Heinrich, welches auch im Lustgarten stand.

24. Georg Larson, ein holländischer Bildhauer, der sich unter Karl I. in England aufhielt, und 1654 in Berlin 12 Kinderfiguren modellirte, welche in Bley gegossen wurden und im Lustgarten standen.

25. Peter Streng, ein holländischer Bildhauer, machte 1656 den Springbrunnen im Lustgarten aus pirnaischem Sandstein, an welchem zwey Amore und Delphine waren, und eine daneben liegende kolossalische Statue Neptuns, um welche auch Wasser sprangen, desgleichen eine stehende Ceres und sitzende Flora, und 2 Sonnenuhren, jede mit einem stehenden Kinde.

26. Otto Mangiot. Ein Bildhauer in Brabant, welcher seine Kunst in Italien gelernt hatte. Elsholz in seiner 1657 geschriebenen, und noch ungedruckten Beschreibung des Lustgartens versichert: Der vortreffliche marmorne bogenschnitzende Kupido, der ehemals im Lustgarten stand, und jetzt auf der K. Kunstkammer ist, sey von diesem Bildhauer. Bisher ist dieses Bild, vielleicht blos seiner Vortrefflichkeit wegen, für die Arbeit des Franz Quesnoy Fiamingo203 gehalten worden. Ist Elsholzens Nachricht wahr, wie kein Zweifel, so war Mangiot dem Fiamingo an Trefflichkeit gleich.

27. Franz Bonnani, ein Bildhauer. Zwey marmorne Statuen, Neptuns und Apollos, mit seinem Namen bezeichnet, standen im vorigen Lustgarten204.

28. J. S. Dattler,205 ein Kupferstecher und Stempelschneider zu Berlin. Man findet von ihm ein grosses radirtes anatomisches Blatt, in Albinus Disp. de cervo, corde glande plumbea à Ser. Electrice Brandeburg. Dorothea trajecto, Frfti 1686.

29. J. Hoehn, ein Stahlschneider, arbeitete vermuthlich zu Berlin. Er hat von 1640-1691 sehr viele Denkmünzen geschnitten206.

30 Erasmus Thomas Reuss, war schon 1646207 Kurfürstl. Münzeisenschneider. Er ward 1668, als Leygebe angenommen wurde, seiner Dienste entlassen. Seine Arbeit war sehr mittelmassig.

31. Karl Thauer, ein Stempelschneider, der um 1655 und 1657 zwei Denkmünzen auf Kurf. Friedrich Wilhelm geschnitten hat208. Ob er in Berlin gewohnt habe, ist ungewiss.

Architekten, Ingenieure, Kunsthandwerker:

32. Haye Steffensz, sonst auch Vibrand Gerritsen genannt, aus Saardam gebÜrtig, ward l(~49 zum KurfÜrstl. Bau-, Mühlen- und Schleusen-

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meister in Berlin und auf allen Kurfürstl. Aemtern, und 1652 zum Hofmaurer und Hofbaumeister auch Landmesser mit 300 Rthlr. Gehalt bestellt. Er machte verschiedene Prospekte, besonders zu Schneide- und Papiermühlen. Erbauete die Schleuse auf dem Werder 1653 neu, die aber 1657 schon schadhaft, ward, und verbesserte auch die Schneidemühle auf dem Werder, die er in Pacht nahm, bauete auch eine Papiermühle im Thiergarten.

33. Johann Georg Memhard, aus Holland gebürtig. Ward 1650 als Kurfürstl. Ingenieur und Baumeister nach Berlin berufen, wo man ihn lange erwartet hatte, indem gar kein Baumeister vorhanden war. Er bauete gleich in diesem Jahre das neue Lusthaus im Lustgarten, oder die jetzt sogenannte Börse. Er zeichnete damals auch einen Plan von Berlin, welchen M. Merian in seiner 1652 gedruckten Brandenburgischen Topographie in Kupfer ätzte. 1652 und 1653 bauete er viel in dem Schlosse zu Berlin, woselbst verschiedene Zimmer für Kurfürstl. Kollegien angelegt wurden; verbessserte auch den Lustgarten und erweiterte ihn bis an das Ende des jetzigen köllnischen Theils des Weidendamms. Plötzlich aber musste aller Bau wegen des schwedischen Krieges eingestellt werden. Memhard folgte, als Oberingenieur, dem Kurfürsten nach Preussen, von wo er erst 1656 wiederkam. Es ward ihm in diesem Jahre die Aufsicht über alle Kurfürstl. Gebäude, besonders über den Schlossbau zu Berlin aufgetragen, den er auch verschiedene Jahre fortführte. 1657 musste er unter dem Generalmajor Herrn von Uffeln die damaligen Mauern und Wälle repapiren, und 1658 erhielt er die Direction der neuanzulegenden Festungswerke zu Berlin. Der Kurfürst selbst hatte über die Art der Befestigung, und an welchen Orten sie seyn sollte, seine Meinung eröffnet. Der ebengedachte General Herr von Uffeln und der Oberst J. Groende machten nebst Memhard den ersten Entwurf dazu. 1661 hatte der General J. R. von Golze, ein guter Kriegsbauverständiger, die Aufsicht, und 1665 eine Zeitlang der General G. F. von Trotha, und 1666 der Generalquartiermeister P. de Chieze. Memhard besorgte die allgemeine Anlage, Lind machte alle Zeichnungen, hatte auch allein die Direction der Ausführung. Von Anfang an arbeiteten unter ihm die Ingenieure Tilemann, Jungblut, Heinrich Ruse und Johann ten Venhuys, desgl. der Kurfürstl. Schleusenmeister Walther Matthias Smid, der bey Anlegung der Gräben zu Rathe gezogen ward. 1659 bauete er ein neues, Schlossthor, der breiten Strasse gegenüber, nach dorischer Ordnung. 1661 bauete er das Ballhaus zwischen dem Schlosse und dem Lustgarten. In eben diesem Jahre hatte er die Direction des Anbaues und die Absteckung der Strassen auf dem Friedrichswerder. Er bauete daselbst nicht wenig Häuser z. B. sein eigenes, das jetzige Konradische Haus neben der Hundebrücke, das Möhsensche Haus an der Spreegassenbrücke (zur Zuckersiederey), und das Friedelsche an der Gertrautenbrücke. 1673, nach de Chieze's Tode, vollführte er den Bau der Hauptseite des Schlosses- zu Potsdam, legte den Garten auf holländische Art an, und bauete auch in dieser Stadt. 1665 bauete er das Hauptgebäude (corps de Logis) des Schlosses zu Oranienburg, wo die noch stehende Haupttreppe mit zwey porphyrnen Säulen von ihm ist. Die Kurfürstin machte ihm wegen dieses Baues 1667 ein Geschenk von 500 Rthl. Nachher scheint er bloss Privathäuser gebauet, und da er schon in ziemlich hohem Alter war, sich zur Ruhe gesetzt zu haben; doch hatte man bey der fortdauernden Fortifikation beständig auf ihn Rücksicht. Er starb 1678. Berlin hat diesem trefflichen Manne viel zu danken. Er war der erste, welcher eine verständige und solide Bauart einführte, der es, nach damaliger Art, auch nicht an Zierlichkeit fehlte, wie die von Ihm noch vorhandenen Häuser bezeugen. Die Anpflanzung des Lustgartens,

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der Lindenallee auf dem Werder (U. d. Linden) und der Bäume auf beiden Seiten der Schleuse, nach holländischer Art, war ein anderes Verdienst. Er gab dadurch ein Beyspiel, welches nachher weiter nachgeahmt worden, und in die Verschönerung der Gegend einen ungemeinen Einfluss gehabt hat.

34. Michael Matthias Smids oder Schmids, 1626 zu Rotterdam geboren. Er war eigentlich ein Schiffsbaumeister. Er ward 1652 zum Hofzimmermann und Schleusenmeister, 1653 aber zum Hofbaumeister bestellt. Er hat vom Anfang seines hiesigen Aufenthalts am Bau vieler, sowohl Wind- als Wassermühlen Antheil gehabt, und derselben Bauart verbessert, wodurch er sich um die Kurmark sehr verdient gemacht hat. 1633 bauete er auf dem Werder, zwischen der Schleuse und der damaligen Schneidemühle, noch eine Mühle, welche er mit dem Hausvoigt Jakobus Fahrenholz in Gesellschaft in Erbpacht nahm. Als der Thurm der Marienkirche 1661 vom Blitze war angezündet worden, bauete er den obern Theil, so wie er jetzt steht, in den Jahren 1663 bis 1669. Wichtiger war die Anlegung des neuen Grabens, welcher die Elbe und die Oder vereinigt, welchen er von 1663 bis 1668 allein besorgte.209 Als der Kurfl. Stall in der Breitenstr. 1665 durch einen Zufall abbrannte, ward derselbe bis 1670 von ihm, so wie er jetzt ist, neu gebauet, und durch das danebenliegende von Ribbeksche Haus vergrössert. Doch ward nur die nach dem Wasser stehende Seite ausgebauet, wohin die Rüstkammer kam; ein Theil der Seite nach der Breitenstr. blieb wegen unbekannter Ursachen unausgebauet. Smids bauete 1669 eine gesprengte Brücke bey Köpenik von 70 Jochen 700 Fuss lang. Sie ward ihm mit Holz bezahlt. Er führte zuerst die sparsamere holländische Art zu bauen ein. Er machte die Brücke 700 Rthlr. wohlfeiler, als der Mühlenbaumstr. in Berlin den Anschlag gemacht hatte, und nahm Holz statt baaren Geldes, dadurch machte er die Kurfl. Forst geltend, indem er von diesem Holze theils Schiffe bauete und nach Holland verkaufte, theils es nach Hamburg flössen liess. Im J. 1671 richtete er zuerst die Kugelgiesserey zu Zehdenik ein, und schickte dem Kurfürsten zu dem damaligen französischen Kriege eine grosse Anzahl Kugeln nach Holland, wofür ihm der Kurfürst 200 Dukaten210 auszahlen liess. In eben diesem Jahre bauete er in Potsdam auf der Freyheit am Lustgarten auf Kurfl. Kosten verschiedene Häuser, welche einigen Hofbedienten zur freyen Wohnung eingegeben wurden; desgl. auch den Kürfl. Stall daselbst. 1673 bauete er das Haus des Oberstlieutenants von Wolfersdorf in Berlin. 1676 liess der Kurfürst durch ihn in Holland eine Yacht bestellen, welche 5191 Fl. 6 st. Holländisch oder 2076 ½ Rthlr. kostete. Die Bezahlung dafür bekam Smids an Holz, welches er zum Schiffbau anwendete, welchen er damals auf Kurfl. Befehl ernstlich in Berlin zu treiben anfing. Er hatte schon 1653 einen Schiffszimmermann Lubbert Harmens211 mit sich gebracht, welcher sich zu Königsberg in Preussen setzte, und daselbst Fregatten und Kriegsschiffe zu bauen versprach, und es waren in Preussen seitdem verschiedene Schiffe gebauet worden. 1680 ward unter Smids Aufsicht, auf der Dorotheenstadt in der Gegend hinter der Kirche ein Kurfürstl. Schiffsbauhof angelegt, wo Schiffe

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zum Verkauf sollten gebauet werden212 und wozu noch ein Schiffsbauer aus Preussen kam. 1682 bauete er wieder auf Kurf. Kosten zu Potsdam einige Häuser am Stallplatze. 1680 bis 1686 hatte er Antheil an dem Baue des Schlosses zu Kölln, besonders ward 1684 bis 1686 der grosse Saal im Quergebäude gebauet, worin jetzt das Schlosstheater ist, desgl. 1685 das Pomeranzenhaus oder jetzige neue Packhof. Diese Gebäude gingen unter Smids Namen; da aber ihre Bauart seine vorherige Manier an Schönheit übertrifft, so scheinet es, dass Nering, der damals mit und unter ihm arbeitete, die Zeichnungen gemacht, und ihm als einem alten 60jähr. Mann die Ehre davon gelassen habe. Man findet auch nicht, dass er nachher etwas gebauet hätte, ausser, dass er 1688 Ehrenhalber nebst Nehring, zum ersten Anbau der Friedrichsstadt gezogen wurde. Er starb 1692. J. Vaillant hat ihn gemalet, und A. Vaillant 1685 in Fol. in Kupfer gestochen.

35. Hans Zorobabel Keil, Kurfürstl. Homauermeister, arbeitete um1658 unter Memhard, starb 1660.

36. Heinrich Ruse, ward 1658 Kurfürstl. Ingenieur und arbeitete mit an der Befestigung von Berlin, unter Memhard.

37. Tielmann Jungblut ward 1653 zum Werkmeister bey der Fortifikation zu Berlin ernannt. Er ward nachher Stückhauptmann zu Küstrin, wo er 1667 starb.

38. Martin Merzdorf, Kunstmeister bey der Wasserkunst am Schlosse. Er baute 1654 den Thurm zu Heinersdorf.

39. Nicolaus Smids ward 1654 zum Flügel- und Kribbenbaumeister bestellet.

30 Johann ten Venhuys, war 1658 Kurfürstl. Ingenieur, und starb in Berlin 1661. Er hat an dem Bau der Festungswerke von Berlin Antheil gehabt.

41. Heinrich von Uffeln war 1659 Kurfürstl. Generalwachtmeister, Generalmajor und Kommandant in Berlin. 1659 ward er Gouverneur. Nachdem er 1657 durch Memhard die alten Mauern und Wälle hatte repariren lassen, so beschloss der Kurfürst, seine Residenz ganz neu befestigen zu lassen, worüber er die Oberaufsicht hatte.

42. J. Groende, Kurf. Oberster und Ingenieur. Er gab bey dem Anfange des Festungsbaues seinen Rath dazu. Der Kurfürst sendete ihn im Nov. 1659 aus dem Feldzuge in Pommern nach Berlin, um den Fortgang der Befestigung zu besichtigen und davon Bericht zu erstatten.

43. Ananias Blesendorff, ein künstlicher Goldschmied, und Vater drey geschickter Söhne, Joachim Ernstes, Samuels und Konstantin Friedrichs, war einer von den ersten Bewohnern des Friedrichswerders, bei dessen Anbau, und arbeitete um 1652 für den Hof. Er starb in einem hohen Alter um 1670

44. Michael Hanff, ein Kunstgärtner, legte um 1650 den Lustgarten in Berlin an. Er lebte noch um 1680.

45. Jakob Neuwart, Roth- und Stückgiesser in Berlin 1646. Er bekam 1651 ein ausschliessendes Privilegium in der Kurmark zu giessen; goss 1657 die Mittelglocke, oder die Missal, in der Marienkirche. Er starb 1669.

46. Esaias Hepp, ein künstlicher Arbeiter in Schildkröten, Elfenbein, Silber, Stroh und Ebenholz. Kam 1660 in Kurfürstl. Dienste.

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III. Bis zur Huldigung der clevischen Landstände (1666).

 

Maler und Kupferstecher.

47. Franz de Hamilton ward 1661 zu Kleve zum Hofmaler angenommen. Er bekam 400 Rthl. jährlich Gehalt, wöchentlich 3 Rthl. Kostgeld, wenn er gegenwärtig, täglich eine Kanne Wein, jährlich 2 Faden Holz und 1 Wispel Saatkorn. Dafür musste er die ihm aufgegebenen Gemälde unentgeltlich anfertigen. 1670 bekam er seinen Abschied, und ging von Potsdam weg, wo er bis dahin wohnte.

48. Huybert, ein Maler zu Kleve, ward 1661 zum Hofmaler mit 3 Rthl. wöchentlich Kostgeld und freyem Holz und Wohnung angenommen.

49. Jakob von Auspurg, Kurf. Maler, um 1663.

50 Broderus Matthias, ein Bildnissmaler zu Husum, ward 1665 dergestalt zum Hofmaler in Berlin angenommen, dass er seine Arbeit dem Kurfürsten für wohlfeilere Preise lassen, dabei die Aufsieht auf die Kurfürstl. Malereyen haben, und dieselbe bedürfenden Falles repariren, auch auf Kurf. Verordnung im Zeichnen unterweisen sollte. Hierfür bekam er 200 Rthl. jährl. Gehalt, nebst wöchentlich 3 Rthl. Kostgeld und 20 Rthl. zur Miethe.

51. Johann Marini, ein Historienmaler, ward 1666 zu Kleve zum Hofmaler angenommen, nachdem er schon vorher für den Kurfürsten gemalt hatte. Er bekam jährlich 600 Rthl. Gehalt, 2 Wispel Roggen und 2 Wispel Gerste, 2 Rehe und 2 wilde Schweine. 1674 malte er den grossen Saal zu Potsdam al fresco, wofür er nebst andern dortigen Arbeiten noch besonders 400 Rthl. bekam. 1675 ward er nach Holland geschickt, um verschiedene Kisten mit Malereyen, die der Kurfürst gekauft hattey abzuholen.

52. Johann Georg Wolfgräber, aus dem Klevischen gebürtig. Er hatte von Natur eine gute Anlage zur Malerey und Baukunst. Der Kurfürst gab ihn seinem Agenten Matthias Dögen mit, als derselbe 1661 nach Amsterdam reisete, und liess ihn daselbst auf Kurf. Kosten 3 Jahre lang unterhalten, und von den besten Meistern unterweisen. 1664 reisete er auf Kurf. Kosten zu Theodor van Tulden nach Herzogenbusch und nachher nach Antwerpen.

 

Bildhauer.

53. Bartholomäus Eggers, ein Bildhauer aus Amsterdam. Er arbeitete schon 1662 für den Kurfürsten in Amsterdam, und 1680 verfertigte er daselbst auf M. M. Smidts Veranlassung, vier Kinder von Marmor. Er hat auch daselbst eilf marmorne Bildsäulen der Kurfürsten zu Brandenburg, 6 Fuss hoch, welche jetzt auf dem weissen Saal des Schlosses in Berlin befindlich sind, verfertigt. 1687 kam er nach Berlin. 1688 machte er daselbst die Bildsäule des Kurfürsten Friedrichs III., nebst den Julius Cäsar, Konstantin dem Grossen, Karl dem Grossen, und K. Rudolph, welche gleichfalls noch im weissen Saal stehen, Er bekam für jede Bildsäule, 700 Rthl. In der K. Bildergallerie steht von ihm eine Gruppe, Pluto, Proserpina raubend (Beschr. S. 896 u. S. 884)

54. Kaspar Günther, Bildhauer von Danzig, verfertigte 1663 für den Kurfürsten die Brustbilder der zwölf ersten römischen Kaiser, in vollkommener Mannsgrösse von weissem Marmor, welche jetzt, mit den Brustbildern ihrer Gemahlinnen, im Königl. Garten zu Charlottenbarg stehen. Er verfertigte zu gleicher Zeit für den Kurfürsten verschiedene Schornsteine (waren vermuthlich Kamine) aus schwarzem Marmor. Es ist

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sonderbar, dass ihm (ausser dem Marmor, der ihm geliefert ward), sowohl für jeden Kaiser, als für jeden Schornstein, ohne Unterschied 50 Rthl. bezahlt wurden.

55. Artus Sitte, ein Bildhauer aus Holland, ward 1666 zum Kurfürstl. Bildhauer bestellt. Es wurde ihm 100 Rthl. Reisegeld bis Berlin zugestanden, aber er bekam keine Besoldung, sondern es ward ihm seine Arbeit bezahlt. Er arbeitete auch in Holz. 1673 war er noch in Berlin.

56. Johann Baptista Novi, ein italien. Stukkateur. Nachdem er schon einige Zeit für den Kurfürsten gearbeitet, ward er 1667 zum Kurfl. Stukkaturmstr. zu Potsdam angenommen, "zu Gipsung der sämmtlichen Gemächer kleiner und grosser auf dem Hause." Er bekam jährlich 200 Rthl. Gehalt, 3 Fass Wein und 2 Wispel Roggen, und noch dazu für jedes Gemach 100 Rthl. 1669 war er in Potsdam, und 1674 noch in Berlin.

 

Architekten, Ingenieure und Kunsthandwerker.

57. Philipp von Chieze, war aus Piemont gebürtig, und stammte aus der italienischen Familie Chiesa her. Er ging im Jahr 1660 aus schwedischen in brandenburgisehe Dienste, ward anfangs Kammerjunker und Baumeister, hernach Generalquartiernieister und Oberster, bekam auch das Gut und Amt Kaput bey Potsdam, welches er bauete. Das Hauptgebäude des Schlosses zu Potsdam bauete er bald nach seiner Ankunft, welches aber jetzt ganz anders verzieret ist. Er hatte 1662 Antheil an der ersten Anlage des neuen Grabens bey Müllrose gehabt; aber M. M. Smids, welcher in Wassergebäuden praktische Einsichten besass, hat eigentlich diesen so wichtigen Kanal angelegt. v. Chieze bekam die Direction aller Festungen, und reisete 1666 deshalb nach Küstrin, Stargard und Colberg. Er hatte vermuthlich auch Antheil an dem damaligen Festungsbaue in Berlin. In diesem Jahre bekam er auf eine kurze Zeit die Aufsicht über den Schlossbau zu Berlin (Nik. Beschr. S. 93). Mit seinem Vetter, dem Lieutenant Ludwig von Chieze baute er 1670 und in den folgenden Jahren Häuser auf dem Werder, hatte auch vor, einen Springbrunnen daselbst aufzuführen, worüber er aber starb, Die Gebäude der alten Münze, und des alten Packhofes sind von ihm. Als er von dem Kurfürsten in Geschäften nach Frankreich geschickt wurde, liess er sich, nach eigener Erfindung zu dieser Reise einen besonderen zweisitzigen, in Riemen hängenden Wagen bauen; da nun diese Erfindung in Frankreich Beifall fand, so wurde sie bald allgemein, und man gab solcher Art Kutschen die Benennung "Berlines", welche noch gewöhnlich ist. Er starb in Berlin im Jahr 1673.

58. Joachim Ernst Blesendorf, er ward im Jahr 1640 zu Zielenzig geboren. Er arbeitete bey der Anlage des Friedrichswerders 1660 unter Memhard als Kondukteur. Der Kurfürst liess ihn 1666 zwey Jahre auf seine Kosten reisen, und er hielt sich eine Zeitlang in Rom auf. Nach seiner Zurükkunft ward er Oberbauingenieur und Baudirektor, und 1673 nach de Chieze Tode auch Generalquartiermeister von der Armee. In eben dem Jahre steckte er die Strassen der Dorotheenstadt ab (Nicolai, Beschrbg. S. 167), und wird vermuthlich auch daselbst einige Häuser gebauet haben. Im Jahre 1677 ward er bey der Belagerung von Stettin mit einer Stückkugel erschossen.

59. Matthias Dögen, Erbherr von Ameland, ward im Jahr 1605

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zu Dramburg in der Neumark geboren. Er war ein guter Ingenieur, und hat von seiner Kunst ein Werk unter dem Titel Architecturae militaris modernae Theoria & Praxis in Folio in Holland herausgegeben, woselbst er über 25 Jahre mit dem Titel eines Kurfürstl. Raths, Resident des Kurf. Friedrich Wilhelms war. Die Befestigung von Berlin war nach seinem System. Er starb in Berlin im Jahr 1792.213 Sein Bildniss ist, in Quart, ohne Anzeigung des Malers und Kupferstechers, gut gestochen.

60 Walther Matthias Smids war 1660 Kurf. Schleusenmeister, im Wasserbau wohl erfahren. Beym Festungsbau ward wegen der Gräben sein Gutachten erfordert. Es kann leicht seyn, dass er die beiden Wehre, wodurch das Wasser in denselben regieret ward, angelegt hat. Ob er mit den vorigen (d. li. seinen Namensvettern) verwandt gewesen, ist unbekannt.

61. Joachim Rüdiger von Golze, war 1661 Kurf. Generalmajor, 1665 Generallientenant, und seit 1661 verschiedene Jahre lang Gouverneur zu Berlin. Er betrieb den Festungsbau.

62. Georg Friedrich von Trotha, Kurfl. Generalwachtmeister, war 1665, in Abwesenheit des Gouverneurs Generals von Golze, eine Zeitlang Kommandant und dirigirte in dieser Zeit den Festungsbau.

 

IV. Bis zum Frieden von St. Germain (1679).

Maler und Kupferstecher.

63. Nikolaus Wieling oder Willing, ein Historienmaler aus dem Haag gebürtig; Augustin Terwesten war sein Schüler. Im Jahre 1667214 ward W. als Hofmaler nach Berlin berufen. Er bekam 1000 Rthl. Gehalt, freie Miethe, desgl. 100 Rthl. Reisegeld. 1668 ward die Besoldung bis 1200 Rthl. erhöhet. Er starb im Jahre 1681 und hinterliess einen Sohn gleichen Namens in Berlin, der auch ein Maler war und 1711 um einen Platz in der Akademie ansuchte.

64. Theodor van Tulden, ward zu Herzogenbusch im Jahr 1607 geboren und lernte die Malerey bey Rubens, mit dem er auch nach Paris reisete, und mit an der Luxemburgischen Gallerie arbeitete, und in dem Chor der Mathurinerkirche 24 histor. Stücke verfertigte. Im Jahre 1638 ward er Director der Akadeinie zu Antwerpen. Im Jahre 1662 wohnte er wieder in seiner Vaterstadt Herzogenbusch. In seinem hohen Alter muss er nach Berlin gekommen seyn, oder wenigstens für Kurfürst Friedrich Wilhelm d. Gr. gearbeitet haben; denn im Schlosse zu Potsdam sind in dem Marmorsaale zwei grosse allegorische Gemälde von seiner Arbeit. Wann und wo er gestorben, ist unbekannt.

65. Friedrich Wilhelin van Roye, ein trefflicher Blumen-, Frucht- und Thiermaler, geb. 1654 zu Haarlem. Er ward 1669 mit 300 Rthlr. Gehalt als Hofmaler nach Berlin gerufen. Er bekam dabey freye Wohnung in Potsdam, 1 Wispel Roggen aus dem Magazin zu Spandan, und jahrlich 1 Freybrauen in Bornstädt. Um 1678 malte er mit verschiedenen Gehilfen in Potsdam und bekam 1679 200 Rthlr. Zulage.215 Er wohnte, bis 1689 in Potsdam, da er nach Berlin zog. Er ward 1698 Professor und Rector der Akademie der Künste, und führte auch 1706 in seiner Ordnung das Directorat. Er starb 1723 in Berlin.

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66. Heinrich de Fromantiou,216 ein Historien- und Thiermaler aus Holland. Er ward 1670 zum Hofmaler nach Berlin mit 600 Rthlr. Gehalt berufen. Er malte daselbst verschiedenes. Die Einführung des Geschmacks an Gemälden in Berlin ist ihm hauptsächlich zuzuschreiben. Er hatte die Aufsicht auf die Kurf. Malereien, wovon er im Jahre 1679 viele, die schadhaft worden, ergänzte. 1687 ward ihm der Mohr der Kurfürstin Friedrich de Coussy auf 3 Jahre zur Unterweisung in der Malerei gegeben. 1682 ward er vom Kurfürsten, mit Rekommendation an den Prinzen Robert nach England geschickt, um in der Auction des verstorbenen Hofmalers P. Lely für den Kurfürsten Gemälde zu kaufen.

1684 ward er in gleichen Angelegenheiten nach Danzig gesendet. Er trieb überhaupt einen starken Handel mit Malereien. Er rühmte sich, dass er an 100000 Rthl. Malereien zusammengebracht, wovon der Kurfürst nur für 6000 Rthl. gekauft hatte. 1690 und in den folgenden Jahren ward er oft nach Potsdam, Oranienburg u. a. Lustschlössern geschickt, um die Verbesserung derselben dirigiren zu helfen. Er hatte sowohl wegen seiner Geschicklichkeit, als auch wegen seiner Munterkeit und vieler lustigen Einfälle einen freien Zugang zum Kurf. Friedrich Wilhelm.

67. Ottomar Elliger oder Elger d. Vater. Ein guter Blumen- und Fruchtmaler, von dem man in der Berlinischen Königlichen Gallerie und auch hin und wieder in den Berlinischen Kabinetten Stücke, antrifft. Er ward im Jahre 1633 zu Gothenburg geboren und lernte seine Kunst bei dem berühmten Blumenmaler Daniel Seghers zu Antwerpen. 1666 war er in Hamburg. Er ward 1670 mit 600 Rthl. Gehalt als Hofmaler nach Berlin berufen, wo er 1679217 starb.

68. Ottomar Elliger d. Sohn, geboren 1666 zu Hamburg. Er kam mit seinem Vater nach Berlin, und nach dessen Tode 1680 zu G. Lairesse zu Amsterdam. Er hat viel historische Stücke gemalt, kam in Kurmainzische Dienste und starb 1732.

69. Andreas Vaillant, zu Ryssel im Jahre, 1629 geboren, lernte die Kupferstecherei zu Paris und kam zu seinem Bruder Jakob nach Berlin.

70. Jakob Vaillant, des vorigen älterer Bruder, ward im Jahre 1628 zu Ryssel in Flandern geboren. Er lernte die Malerei bei seinem ältern Bruder Wallerant Vaillant, hielt sich auch 2 Jahre in Italien auf, wo er den Namen Leenwerych bekam. Durch den brandenburgischen Gesandten im Haag, der verschiedene von seinen historischen Gemälden gesehen hatte, ward er 1672 nach Berlin als Hofmaler berufen. In Potsdam, im Marmorsaale im Schlosse, siehet man ein grosses allegorisches Gemälde von ihm. 1682 reiste er auf eine Zeitlang nach Hannover, wo er verschiedene Bildnisse malte. Er starb 1691.

71. Daniel du Verdion, ein Landschaftsmaler, kam durch den Hofgoldschmied Dan. Männlich nach Berlin, und malte 1674 das neuerbaute Schiesshaus im Thiergarten zu Potsdam, mit Landschaften auf Leinwand

aus. Er bekam dafür 150 Rthl. nebst Grundfarben, Oel, Leinwand, Rähmen und Nägeln. 1682 bekam er das Prädikat eines Hofmalers.

72. Gedeon Romandon (Romandeau, auch Ramondou), ein guter Historien- und Bildnissmaler. Er kam 1675 als ein Refugirter nach Berlin,

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und ward zum Hofmaler mit 500 Rthl. Gehalt bestellet. Der Kurfürst sendete ihn nach Italien, um die berühmtesten Gemälde zu kopiren, von welchen Kopien in der K. Gallerie noch Verschiedenes vorhanden ist. In Modena hielt er sich am längsten auf, um alle Arbeiten des Korreggio, die damals dort waren, zu kopiren. Verschiedene Stücke zeichnete er auch nur mit trockenen Farben und mit scharfer Kreide. 1689 ward ihm die Aufsicht der Kurf. Malereien aufgetragen. Er ward hernach Prof. der Akademie der Künste mit einem Gehalt von 1000 Rthl. Er starb 1698. In Charlottenburg waren verschiedene Bildnisse von Personen des Kurf. Hauses von s. Hand vorhanden, die aber zum Theil bei der Plünderung 1760 verloren gegangen sind.

73. Adam de Clerck, ein Bildnissmaler, ward 1678 zum Hofmaler mit 800 Rthl. Gehalt berufen. 1681 malte er das Bildniss des Kurfürsten, das nach Frankreich gesendet wurde, und reiste darauf nach Kassel, wo er verschiedene Bildnisse malte. Nach ihm hat Blesendorf das Bildniss des berühmten Freiherrn von Sanitz gestochen. Er ward Prof. d. Akademie der Künste und starb 1705.

74. Johann Friedrich Leonhard. Ein Kupferstecher aus Nürnberg, der erste, der in Berlin die schwarze Kunst geübt hat. Er hat viele Bildnisse verfertiget. Der Kurfürst berief ihn im J. 1674 nach Berlin, wo er im J. 1680 starb.

75. Gottfried Bartsch, aus Schweidnitz in Schlesien, Kupferstecher. Man hat verschiedene kleine Stücke von ihm, nach Gemälden in der Kurfürstl. Gallerie gestochen. Ferner das Schloss und Gegend von Bornim, und 16 Blätter von Potsdam; die Schlacht bey Fehrbellin; Karte des in Pommern acquirirten Landes; die Karte des Kanals zwischen der Spree und Oder; das Leichenbegängniss der Kurfürstin Louise, erster Gemahlin des Kurfürsten, auf 42 Blättern Fol. 1675. Der Sarg der Kurprinzessin Elisabeth Henriette218 1683, 3 Blätter; andere Sachen mehr und viele Bildnisse219. Er bekam 1674 eine Bestallung als Hofkupferstecher mlt 300 Rthl. Gehalt, und 1684 auf sein Ansuchen seinen Abschied.

 

Bildhauer, Medailleure etc.

76. Johann Baratta, ein italien. Grottirer und Maler, ward 1660 zum Grottenmeister bestellt, arbeitete um 1673 für den Kurfürsten in Berlin, hatte auch 1675 die Aufsicht auf die Kurfürstl. Malereien. Er starb 1687.

77. Michael Däbeler (Döbeler, Döbell), Hofbildhauer. Arbeitete 1674 viel für den Kurfürsten, so dass er einen Befehl ausbrachte, dass er von den andern Bildhauern Gesellen zur Kurfürstl. Arbeit nehmen dürfte. Vermuthlich sind die halberhabenen Arbeiten an dem Theile des Stalles, den M. M. Smids gebauet hat, desgleichen viele Zierrathen an den Decken des von Kurfürst Friedrich Wilhelm aufgeführten Theils des Schlosses an der Spreeseite, von ihm. Er arbeitete auch zu Potsdam, Borne und Kaput. Er starb 1702.

78. Jakob Jacobsen van der Bruch, ein Bildhauer aus Holland, arbeitete 1674 unter Däbeler.

79. Gottfried Leygebe. Ein künstlicher Eisenschneider im J.1630

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zu Freistadt in Schlesien geb. Er erlernte erst das Schwertfegerhandwerk und begab sich im J. 1645 nach Nürnberg, wo er, weil er das Zeichnen verstand, sich ganz aufs Eisenschneiden legte, welches er zu einer unglaublichen Vollkommenheit brachte. Er schnitt in Nürnberg 2 kl. Statuen aus Eisen, welches der Härte des Metalls wegen etwas sehr ungewöhnliches ist. Die erste war Kaiser Leopolds Statue zu Pferde, ohne des Fussgestell 8 Nürnberger Zoll hoch; die andere, jetzt in der Kunstkammer zu Dresden, stellet König Karl II. von England vor, der zu Pferde sitzend einen siebenköpfigen Drachen erlegt, mit Beiwerken 2 Schuh hoch. Er zeigte dies Stück in Berlin dem Kurfürsten, der ihm durch den Oberpräsidenten von Schwerin Dienste antragen liess, die er aber damals verbat. Er verfertigte darauf in Nürnberg für den Kurfürsten einen schönen Degen, worauf des Prinzen von Oranien Bildniss, wie ein Pfennig gross, war. 1668 im April brachte er denselben selbst nach Berlin und bekam daselbst eine Bestallung als Kurf. Münzeisenschneider, dass er insonderheit alle Stempel in der Münze, und was ihm an Medaillen aufgetragen wurde, machen sollte, dabei auch auf Verlangen Figuren in Lebens- und über Lebensgrösse in Wachs und Thon bossiren sollte. Hierfür ward ihm jährlich 400 Rthl. und freie Wohnung ausgemacht. Indessen konnten dazumal die Besoldungen wegen der unruhigen Zeiten nicht richtig genug bezahlt werden. Doch bekam seine Wittwe nach s. Tode endlich den Rückstand. Er schnitt viele Kurf. Siegel und für die Münze viele Stempel zu Thalern und Dukaten, desgl. verschiedene Denkmünzen in Stahl; desgl. bossirte und schnitt er in Metall viele Zierrathen zu Kanonen, machte auch Formen zu schön gezeichneten Zierrathen für die Glashütten in Potsdam u. einen kl. Herkules von Metall. Er machte, den Ritter zu der Ehrenpforte von 1677, (der noch auf der Treppe der Rüstkammer steht), nebst vier Gemälden dazu; das Brustbild des Kurfürsten in Lebensgrösse von Thon, und bossirte dessen und des Kurprinzen Bildniss in gefärbtem Wachs. Ein Schachspiel, von Silber und Gold (das jetzt noch vorhanden). Auch unterrichtete er die Kurf. Prinzen im Zeichnen und machte auch einige Zeichnungen für den Kurfürsten. Besonders aber schnitt er seine dritte und beste Statue aus Eisen.220 Sie stellet Kurf. Frd. Wilhelm als Bellerophon zu Pferde vor, wie er die dreiköpfige Chimära erlegt. Dieses Werk, welches etwas über 10 Zoll hoch ist und woran er 3 Jahre gearbeitet hat, ist noch in der Berlinischen Kunstkammer u. giebt von seiner guten Zeichnung und äusserst fleissigen Ausarbeitung einen hohen Begriff. Noch besitzt Herr Kriegsrath Köppen von ihm ein Stück von Eisen in Hochrelief: Heliodor, der von den Engeln geschlagen wird. Er starb zu Berlin im J. 1683. Er hatte 4 Söhne: Ferdinand, einen Ingenieur u. Baumstr., der 1655 zu Nürnberg geb. u. im J. 1681 als Ingenieur nach Guinea auf die damalige Brandbg. Festung Friedrichsburg gesendet ward, wo er bald starb, Joh. Christoph, geb. 1661 u. Balthasar Gottfried, geb. 1665 waren Maler, starben aber zu Berlin sehr jung, um 1680 Jacob Paul, geboren 1665 wird unten221 vorkommen.

80 Daniel Vading, Kurf. Konterfeitdrechsler kommt 1671 in Archivakten vor. Er ward 1673 nach Wien geschickt, wo er auf der Kaiserl. Burg ein Zimmer bekam.

 

Architekten, Ingenieure, Kunsthandwerker.

81. Kornelis Ryckwaerts (der auch falsch Ryquart, Rück-

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warts oder Reichwart geschrieben ward), war ein Holländer; denn er heisst Kornelis, und konnte bey seiner Ankunft noch nicht deutsch). 1667 kam er als Baumeister zu Küstrin in Kurf. Dienste. Gleich nach seiner Ankunft ward der Festungsbau angefangen, und um 1668 wurden zuerst Baugefangene nach Küstrin geschickt. In Spandau war es schon seit 1652 geschehen. Er bauete zu den Zeiten des Johannitermeisters Fürsten Johann Moritz von Nassau das Schloss zu Sonnenburg222. 1670 bauete er das Hauptgebäude des Schlosses zu Schwet. Er machte 1675 auf Kurfürstl. Befehl eine Zeichnung zu einem Thurm für die Petrikirche in Berlin und legte 1682 eine sogenannte Gierbrücke oder fliegende Brücke bey Dessau über die Elbe an223. Um 1690 bauete er den Hafen zu Rügenwalde, und starb 1693 in Küstrin.

82. Rütger van Langerveld ward im fahr 1635 zu Nimwegen geboren, 1678 als Hofmaler mit 600 Rthlr. Gehalt nach Berlin gerufen, und ihm zugleich die Unterweisung der Kurfürstlichen Prinzen in der Mathematik aufgetragen. 1679 bekam er 200 Rthl. Zulage. Er hat das Lustschloss Köpenik gebauet, welches zeiget, dass er auch ein guter Baumeister gewesen. Vermuthlich hat er auch die neustädtische Kirche gebauet.224 Er malte und zeichnete auch historische Stücke, und starb zu Berlin 1695.

83. Johann Arnold Villers, ein französischer Baumeister und Bildhauer war in Kurfürstlichen Diensten und ging 1668 mit Empfehlungsschreiben vom Kurfürsten nach Bayern. In demselben wird bemerkt, dass er "seiner Kunst wohl erfahren, auch gute Dienste allhier erwiesen habe."

84. Daniel Zilcher war 1671 Kurfürstlicher Hofmauermeister und baute verschiedene Gebäude, ward auch zu den vorkommenden Kommissionen und Streitigkeiten wegen Bausachen gezogen.

85. Andreas Mollein oder Mollin, war um 1670 Kurfürstl. Hofsilberarbeiter. Er machte viel grosse Arbeit, wovon man auf dem Schlosse zu Berlin noch hin und wieder etwas sieht.

86. Daniel Männlich, Kurf. Hofgoldschmied. Er war zu Oberndorf in Schlesien im Jahre 1625 geboren. Er lernte in Troppau, kam 1650 nach Berlin und ward 1676 zum Hofgoldschmied ernannt. Er war ein Silberarbeiter und bat für den Kurfürsten viele künstliche Arbeit in Gold, Silber und Email verfertigt; er starb im Jahre 1701. Sein Grabmal von Schlüters Hand ist in der Nicolaikirche. Blesendorf hat sein Bildniss in Kupfer gestochen, auch J. Tscherning nach der Zeichnung von David Richter.

87 und 88. Jakob Kramer und Martin Ridel, Silberarbeiter zu Augsburg, machten 1670 für den Kurfürsten einen silbernen Tisch und Stühle, Spiegelrahm und Brandruthe.

89. Otto Fritz, Kurfl. Hofgoldschmied; starb 1676.

90 Heinrich Sieverts, war Kurbrandenburgischer Münzmeister um 1677. Man hat Thaler mit seinem Anfangsbuchstaben gezeichnet.

91. Thomas Tympe, war 1672 Kurbrandenburgischer Münzmeister. Man hat Thaler von ihm.

 

V. Letzte Jahre (1679 1688).

Maler und Kupferstecher.

92. Friedrich de Coussy, ein Mohr, aus Guinea gebürtig. Er

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war in Diensten der Kurfürstin. Er lernte 1681 bis 1684 bei Fromantiou auf Kurfl. Kosten die Malerei, darauf ward er von 1685-1687 von Jakob Vaillant auf Kurfl. Kosten unterwiesen.

93 und 94. Johann Peter und Amicuis Hüault, 2 Miniaturschmelzmaler aus Genf gebürtig, wurden 1686 zu Hofmalern, jeder mit 200 Rthl. Gehalt angenommen.225 In der Kurfl. Kunstkammer findet man Stücke von ihnen. 1690 reiste A. Hüault nach Genf. J. P. Hüault bekam 1691 jährlich 400 Rthlr. Gehalt, wofür er jährlich zwei Miniaturbildnisse zu liefern hatte. 1700 nahmen beide Brüder ihren Abschied und gingen in ihr Vaterland zurück.

95. Adrian Heinrich Hirte, Sohn von No. 4, ein Bildnissmaler, setzte sich 1658 zu Küstrin, er bekam 1687 das Prädikat als Hofmaler.

96. Friedrich Christian Nuglisch in Potsdam geboren, wo sein Vater Georg N. Bauschreiber und Kastellan war. Er lernte von 1681-1683 auf Kurfl. Kosten die Malerei bei Fromantiou.

97. Johann Greorg Pribusch ein Bildniss- und Staffiermaler, arbeitete um 1687 in den Kurfl. Schlössern.

98. Michael Trapp bekam 1681 eine Bestallung als Kurfl. Kupferstecher, aber schon 1683 seinen Abschied. Er war vorher bei der Münze verrnuthlich Stempelschneider.

 

Bildhauer, Medailleure.

99. Franz Baratta, ward seines Bruders, unter dem er schon gearbeitet hatte, Nachfolger, als Grottirer und Maler, aber nicht als Aufseher der Gemälde. Er starb 1700.

100. Anton Belloni,ein Stuckateur, arbeitete um 1680 im Kurfl. Schlosse zu Potsdam und ging 1682 weg.

101. Johann van der Ley ward 1685 zum Kurfl. Stein- und Bildhauer angenommen. Er bekam 300 Rthl. Gehalt, freie Wohnung und Holz, auch die sämmtlichen Instrumente, Er hatte zugleich die Aufsicht auf die Kurfl. Bild- und Steinbauerei und alle darin arbeitenden Leute.

102. Jeremias Süssmer, ein Bildhauer um 1685. 1687 verfertigte er marmorne Statuen für den Kurfürsten.

103. Christoph Ungelter oder Ungelder, ein Eisenschneider in Augsburg aus St. Gallene gebürtig, der 1618 eine Medaille auf die Geburt des Kaiserlichen Prinzen Josph geschnitten hatte,226 kam nachher in gleicher Qualität nach Berlin. Er ward 1688 Berg- und Münzrath, Inspektor der Münze, und auch Aufseher der Kunstkammer. Bei seiner Ankunft, machte er Falzen viele Schwierigkeiten, dem er aber 1691 alle zu den Medaillen gehörige Geräthe herausgeben musste. Er starb im Aug. 1693.

104. H. Meyer. Ein Stempelschneider. Man findet seinen Namen auf einer Gedächtnissmünze Kurfürst Friedrich Wilhelms von 1681, auf einer grössern und einer kleinern Huldigungsmünze der Stadt Halle u. s. w.

105. Joh. Bernhard Schulze hat seit 1686 Stempel zu Medaillen auf Friedrich Wilhelm d. Gr. Geschnitten227 und ward 1687 Kurfürstlicher

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Ingenieur und Medailleur. Er verfertigte auf Kurfl. Befehl einen 1688 herausgekommenen perspect. Plan von Berlin auf 3 Bogen, welcher sehr genau, jetzt aber sehr rar ist; desgl. verfertigte er für Kurfürst Friedrich III. eine Anzahl Denkmünzen.228 Er starb 1695.

 

Architekten, Ingenieure etc.

106. Karl Philipp Dieussart. Er war Fürstl. Meklenburgischer Architekt, und gab 1679 zu Güstrow ein Theatrum Architecturae civilis in deutscher Sprache, in Fol. heraus, welches Buch er dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm zueignete. Er nennt sich auf dem Titel Rom; vermuthlich, weil er in Rom studirt hatte. Er ward 1683 zum Kurfürstl. Baumeister und Bildhauer in Berlin und in Potsdam mit 200 Rthl. Gehalt bestallt. Er hat vermuthlich in Potsdam gewohnt. Was er daselbst und in Berlin gebauet hat, ist mir nicht bekannt.

107. Samuel von Suchodolez kam schon 1662 in Kurfürstl. Kriegsdienste, ward 1679 zum Kurf. Landmesser u. Ingenieur in der Mark und Preussen bestellt. Er verfertigte eine Karte des Herzogthums Preussen. 1682 ward er zum Kurf. Kammerjunker ernannt Im K. Archiv ist von ihm ein Band Zeichnungen vom J. 1672 von der Stadt Potsdam, dem Schlosse, der Fasanerie, etc., nach d. damaligen Beschaffenheit, vorhanden, welche nachher von Bartsch auf Kurf. Kosten in Kupfer gestochen worden; desgl. eine Karte von einem in Preussen anzulegenden Kanale, zur Vereinigung des Pregels mit andern Flüssen, durch die Landseen bei Johannisberg und Lyk.        1

108. Benedict de Münter. Fasanenmeister des Herzogs zu Zelle, ward 1687 nach Berlin berufen, um die Springbrunnen im Lustgarten in Gang zu bringen.

 

VI. Nachlese.

 

Maler und Kupferstecher.

109. Remigius oder Reynier Nooms gen. Zeemann, ein berühmter Maler u. Kupferstecher zu Amsterdam, um 1630. Er war Anfangs ein gemeiner Matrose, legte sich aber auf die Malerei und zeichnete so fleissig nach der Natur, dass er es in Seegefechten, Schiffen und Prospekten sehr weit brachte, woher er auch s. Beinamen erhielt. Er radirte auch Stücke von eigener Erfindung. Er ist eine Zeit lang in Berlin gewesen. Es findet sich von seinen Arbeiten etwas in der Kgl. Gallerie zu Berlin.

110. Joh. Jakob Rollos, üin Historienmaler. Der Kurf. liess ihn auf seine Kosten reisen, um die Malerei zu studiren, wozu er in Berlin schon den Anfang gemacht hatte. Er ging nach Holland und von da nach Paris, wo er sich um 1670 aufhielt und verschiedene Gemälde soll gemalt haben. Er hielt sich daselbst eine Zeitlang auf, ergab sich aber mehr den Wollüsten als seiner Kunst. Er wollte weiter nach Italien reisen und ging Über Bern, wo er eine Zeichnung zu einem Grabinal des Schultheiss Sigismund von Erlach machte, der 1699 starb. Nach dieser Zeichnung ward hernach das Grabmal modellirt, in Erz gegossen u. zu Spietz am Thuner See im Kanton Bern aufgestellt. Er hat an dieser Zeichnung, wie ein gleichzeitiger Künstler sagt229, gezeigt, dass er ein mehr als gemeiner Maler sei. Indessen ist wirklich dieses Grabmal nur von ziemlich gemeiner Er-

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findung. Er hat zu Bern auch etwas gemalt, musste aber wegen lüderlicher Händel von da flüchten und wurde unweit Murten auf der Strasse todt aufgefunden.

111. Michael Willmann, ein Historienmaler, wurde 1630 zu Königsberg in Pr. geb. Er lernte die Kunst bei s. Vater Peter Willmann und malte schon in s. 20 Jahre die vortrefflichsten Historienstücke. Aus seinem Vaterland ging er nach Holland und kam nach Berlin, wo er um 1660 arbeitete. Man findet in Kabinetten noch zuweilen Staffeleistücke von ihm. In Charlottenburg waren verschiedene vorhanden, die aber 1760 bei der Plünderung verloren gegangen sind. Von Berlin ging er nach Polen und endlich nach Schlesien. Im Dom und der Nicolaikirche zu Breslau sieht man einige Gemälde von ihm. Er verheirathete daselbst seine Tochter Anna Elisabeth, die auch eine gute Malerin war, mit einem s. Schüler, Namens Liszka, einem guten Historienmaler. Er selbst aber ging zur kathol. Kirche über230 und liess sich im Kloster Leubus als ein Mönch einkleiden, malte daselbst eine grosse Anzahl vortrefflicher Historienstücke, die noch in der dortigen Kirche und im Kloster vorhanden sind, und starb in diesem Kloster gegen Ende des vorigen (17.) Jahrhunderts.

112. Jobann Rensche ward zu Kleve zum Kurf. Landschaftsmaler mit 350 Rthl. Gehalt angenommen.

113. Jakob Magnus aus Kurland gebürtig, Kunstmaler um 1674.

114. Christian Hain von Löwenthal, der löbl. Malerkunst Beflissener, hat 1674 gewisse Gedachtnisstafeln erneuern lassen231.

115. Andreas Ganz, Bildnissmaler in Kölln, er starb um 1656.

116. Gustav Kasimir Gahrliep, aus dem altadlichen Geschlecht von der Mühlen, 1630 zu Grypsholm bei Stockholm geb., ward 1675 Prof. der Arzneikunst zu Frankfurt a. O., kam 1680 nach Berlin, ward Kurf. Leibarzt u. machte 1685 das Dispensatorium Brandenburgicum. Er malte gute Bildnisse in Miniatur232 und traf so gut, dass er auch Personen, die er nur gesehen hatte, aus dem Gedächtniss malte.

117. Gonzales Coques, ein Maler, geb. zu Antwerpen, 1618, Schüler von Adrian Brouwer u. David Rykaert, malte kleine Bildnisse in A. v. Dycks Manier und allerhand Gesellschaften im Geschmack von Teniers, Rykaert u. Ostade, schilderte auch ganze Familien auf Tafeln von mittelmässiger Grösse. Dieser Maler reiste in verschiedenen Höfen u. so auch am Brandbg Hofe233. Er starb 1684.

118. Andreas Berlin, ein Maler; man hat ein von ihm zu Berlin gemaltes, und von A.. C. Kalle gestochenes Bildniss des bekannten Kurf. Raths Martin Friedrich Seidels.

119. Christoph Boy, Wappen- und Bildnissmaler in Berlin, geb. 1634, gest. 1704.

120. Nikolaus Herzog, "Contrafayeur" (Bildnissmaler) um 1680, Andreas Ganzen's Schwiegersohn.

121. K. Metzger. Ein Kupferstecher, welcher des Kurf. Fried. Wilh. Bildniss in Fol. nach. Leygebe gestochen hat. Ob er aber in Berlin gewesen sei, ist ungewiss.

122. Joh. Wilh. Michaelis, Kupferstecher234.

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Bildhauer, Baumeister, Ingenieure etc.

123. Artus Quellinus, ein berühmter Bildhauer, in der Hälfte des vorigen Jahrhunderts geboren. Das vortreffliche Sparrische Grabmal von weissem Marmor in der Marienkirche soll von ihm sein. Auch stehn vier gute marmorne Statuen, Prinzen ans dem Hause Oranien vorstellend, im Lustgarten zu Potsdam, welche man für seine Arbeit hält; beides aber ist ungewiss.

124. Lukas Tabert, ein Stempelschneider von Stettin, schnitt Denkmünzen für den Kurfürsten.

125 Johann Gent, war 1688 Münzeisenschneider, er lebte noch 1693.

l26. Christoph Bansch, Baumeister in der Neustadt Brandenburg, bauete 1669 bis 1672 den Thurm der Domkirche daselbst.235

127. Johann Georg von Ribbeck. Kurf. Oberster, ward 1661 Kommandant zu Spandau. Er dirigirte den Bau der Festungswerke von Spandau. von 1645 bis über 1670 Er dirigirte auch den Bau des Zeughauses daselbst und anderer Grebäude.

l28. Melchior Friedrich Winter, Bau- und Mühlenmeister zu Ruppin, war im Wasserbau sehr erfahren. Er hat Antheil am Bau der Schleusen zum Neuen Graben unter M. M. Smids gehabt, auch soll er die Schleusen am alten Packhofe zu Berlin haben bauen helfen.

129. Daniel Naumann. Rathszimmermann um 1664.

130 Kuene Resen, Zimmermeister zu Brandenburg, aus dem Dorfe Wust gebürtig, bauete 1672 den obern hölzernen Theil des Thurmes der Domkirche zu Brandenburg236.

131. Theodor Mehatt, Goldarbeiter von Augsburg, verkaufte 1681 dem Kurf. verschiedene Kleinodien, besonders einen Schrank mit Schildkröte überzogen, auch viele, schöne vergoldete Bilder mit schönen Früchten daran, darin ein selbst spielendes Instrument, und an 40 Laden, in deren einem ein Florentiner Stein mit Bäumlein war. Es war von einem berühmten Italiener gemacht, der den Kurf. Bayerischen Palast ausgeziert hatte, und war dem Kardinal von Salzburg verehrt worden. Der Kurfürst gab 5000 Rthl. dafür.

Anmerkungen

Was Kurfürst Friedrich Wilhelm für die bildende Kunst that, haben wir an verschiedenen Stellen des Buches geschildert. Knapp und treffend charakterisirt unser Autor in der Einleitung die künstlerische Vorliebe des Kurfürsten, dessen schöngeistige Bestrebungen in Band I der Collectaneen Königs und in Band II der Historichen Schilderung von Berlin ausführlicher gewürdigt werden. Auch J. Friedländers Festschrift "Zur Geschichte der Kgl. Museen in Berlin, Berlin 1880" verdient Beachtung. König legt die Gründung einer Bildersammlung im Berliner Schlosse in das Jahr 1663. Von kurfürstlichen Stipendiaten seien als Kunstbeflissene, ausser Wolfgrübel und J. E. Blesendorf, hier noch der Mohr Friedrich de Coussy, ferner Sam. Th. Guericke, Christian Elster und Frd. Christ. Nuglisch erwähnt. Interessant für uns war, aus einem kur-

[205]

fürstlichen Rescript vom 4. September 1682 zu entnehmen, dass damals in Berlin eine "Direction des Bauwesens" bestand, die der General-Kriegs-Kommissar von Grumbkow, welchem zwei Amtsräthe zur Seite standen, inne hatte.

ad 1. Vielleicht war Valtin Moller (1628) ein Bruder des Praeceptors Jakob Müller, der ebenfalls in Küstrin den Kurprinzen unterrichtete (vgl. S. 73). Nicolai nennt unter dem Jahre 1622 noch einen Johann Moller, einen Berliner Maler, der offenbar mit dem von König a. a. O. angeführten Johann Müller identisch ist. In den Collect. heisst es: "1626 war ein Mahler Job. Müller, der auff des Herrenmeisters Grafen von Schwarzenberg Diensten gestanden, für den er Zu Sonnenburg die Churfürsten in voller Statur gemahlet . . ." (vgl. Anm. S. 168).

ad 2. In einem Rescript Friedrich Wilhelms (Cüstrin 27. Novemb. 1643) las ich seinen Namen: Matthias Zuigerske - also eine Verstümmelung (Geh. Staatsarchiv, Akten Kunstakademie); es handelt sich hier um die, von Nicolai erwähnten Bildnisse der Mitglieder des Kurf. Hauses, "Contrafeye in Lebenss Statur." König (a. a. O.) bemerkt, er sei wohl von Geburt Böhme gewesen. Als Maler ahmte er, nach demselben Autor, Rubens nicht ohne Erfolg nach. Auch soll er urkundlich in den Jahren 1640 und 1651 vorkommen. Im Jahre 1652 den 9. Januar verwandte sieh die Kurfürstin-Wittwe Elish. Charlotte für ihn, von Crossen aus, bei dem Kurfürsten, der ihn entlassen hatte, wie, es scheint, ohne Resultat, denn in dem verminderten Hofstaat von 1652 kommt er nicht mehr vor.

2a. Friedrich Giebsem (Gypsen). Dem Hofmaler Czwiczeck wird unterm 1. Februar 1641 befohlen, Griebsem die Mahlerkunst zu lehren; letzterer erhält wöchentlich 1 Thlr. Kostgeld und 1 Kleid, ersterem wird am 21. October 1641, unter Erneuerung des Befehls, 50 Thlr. als Lehrgeld zugesagt.

ad 3. König nennt ihn August Wietzell. Als Malergeselle bei Czwiczeck erhält er vom Kurfürsten 30 Thlr. jährlich, Kostgeld, frei Losament und Hofkleidung. lm Jahre l667 wird des Hofmalers, Wietzells Sohn als Prediger in Berlin erwähnt.

ad 4. Seine Bestallung als "Hofeonterfeyer und Diener" datirt vielmehr vom 3. April 1645. Ausser den bei Nicolai angeführten Vergütigungen. wird dem Künstler noch "zu den "Gemälden für den Churfürsten Leinwand oder Holtz ohne Entgeld" zugesagt (Geh. Staatsarchiv). Im Jahre 1648 richtete er zwei Bittschriften an das Hoflager nach Cleve, zuerst, weil ihm 105 Rthlr. Hausmiethe verweigert wurden und dann, weil er "auf seine restirende Haussmiethe nicht mehr alss, 10 Rthlr. entpfangen." Die erste kurfürstliche Verfügung darauf datirt vom 13. März 1648 und ist an den Kammerpräsidenten nach Berlin gerichtet, die zweite trägt das Datum: Cleve 10. Aug. 1648 und die Adresse: "An die Ambtss Cammer Zu Berlin." In ersterem Rescript wird von der grossen Arbeit des Malers "in Vnserem Gemache" gesprochen, zu welcher sich H. "unterschiedliche Gesellen halten muss" und es wird dem Empfänger auch befohlen "solche anstalt Zu machen, damit ihm (Hirte) mahlzeitlich aus Vnserer Küchen Zwei gute Essen gereichet werden möge." In dem andern Schreiben des Kurfürsten heisst es u. a.: "Dass Ihr äusserst bemühet sein wollet, Ihn, Vnseren Hoffmahlern, mit seiner restirenden Haussmiethe zu helffen, damit Vnsere arbeit in entstehung derselben nicht verabsäumet werden, sondern alles gegen Vnsere herausskauff, welches nunmehr vermittelst Göttlicher Hilffe ehestens geschehen soll, verfertiget sein müege." Da der Kurfürst ausser acht Deckenstücken im Schlosse von Hirtes Hand

[206]

alle Bögen in seinem Berliner Lustgarten bemalt haben wollte, um damit seine junge Gemahlin zu überraschen, so erregten die Schwierigkeiten, die man dem Hofmaler dort bereitete, natürlich sein Missfallen. Dies spiegelt folg. Schreiben an die Amtskammer zu Cölln an der Spree (dat. Cleve d. 24. October 1648): "Es hatt bei Unss Vnser Hoffmahler Zu Berlin Michell Conradt Hirte abermahl Unterthänigst beklaget, dass er auf Vnser unterschiedlich rausgeschickte befehliche weder seine Jährliche Hausmiethe, noch nachstellige besoldung erlangen können, Derohalb er nicht allein gezwungen worden, Unsere nötige arbeith liegen Zu lassen, besonders auch seinen abschied bey Vnss in Unterthänigkeith Zu begehren. Nuhn gereichett Vnss Zu gantz Ungnedig misfall, dass ihr Vnsere Verschiedentlich deshalb ergangene befehliche so gar hindengesetzet Vnd darauf so wenig pariret. Woll auch derohalb solch einen ungehorsamb nicht allein gebührendermaassen hiemit Verwiesen, besonders auch nochmalss alles ernstes anbefohlon haben, solche unfelbahre anstalt zu machen, damitt gemelter Vnser Hoffmahler so woll seine noch ständige Hausmiete alss restir. besoldung alsofort ausgezahlet, Vnd wol fürtre Vnsere arbeith ligen Zu lassen nicht Veranlasset werden möge. Dass ist Vnsere ernste willensmeinung. Vndt seindt auch sonst mitt gnaden gewogen." Von Hirte's Arbeiten hat sich nichts erhalten. Von Lebensnachrichten über ihn enthält nur das Kirchenbuch von St. Marien Einiges; dies bezieht sich auf die Taufen seiner Kinder, einer Tochter Eleonore Cathar. (21. April 1648), eines Sohnes Michael Conrad (11. August 1649), einer Tochter Maria Elisabeth (3. Februar 1651), eines Sohnes Hans Conrad (7. November 1652) und , eines Sohnes Gottfr. Siegmund (l. Januar 1661).

ad 5. (Anm.) Jener P. Rollos, in welchem Nicolai einen jüngern Künstler (Sohn) gleichen Namens vermuthet, heirathete am 15. Februar 1662 Maria Leberecht (Copul. von St. Marien) und liess zu St. Nicolai am 22. October 1666 eine Tochter Catharina Elisabeth taufen.

ad 6. Was Nicolai über Psolimar sagt, ist im Allgemeinen richtig. Nach seiner Bestallung ("Cölln an der Spree am tage Luciae des 1634 Jahres") hatte er besonders Wachsmodelle zu Gussmedaillen zu fertigen: "was Wir ihme an Contrefaicten Zu Possiren, oder andere Arbeit an Schaueissen und dergleichen zu verfertigen untergeben und anbefohlen lassen werden." Mit der Besoldung wird angefangen "Reminiscere des herannahenden 1635 Jahres." (Konzept und Bestallung im Geh. Staatsarchiv). Nach seiner Entlassung und einem Bittgesuch befahl der Kurfürst Georg Wilhelm (Pritz, 25. October 1636) dem Geh. Kammersecretär und "Pfenningmeister" Hoyer Striepen, dem Wachsbüssirer 100 Thlr. zu zahlen, stellte diesem aber anheim, statt des Geldes, mit freiem Tisch und freier Wohnung fürlieb zu nehmen. Der Kurfürstliche Schatzmeister berichtete darauf (Cölln an der Spree den 21. October 1636), dass Psolimar, statt. 200 Thlr. jährlich, nur folgende Bezahlung bisher erhalten:

Anno 1635

Quartal

Trinitatis . . .

75

Thlr.

 

"

"

Crucis . . . . .

55

"

 

"

"

Luciae . . . . .

23

"

 

"

1636

Trinitatis. . . .

10

"

 

"

"

Crucis . . . .

36

"

18 gr.

 

 

Summa . . . .

199

Thlr.

18 gr.

Später, in der Bestallung unter Friedrich Wilhelm (Cölln an der Spree den 20 Mai 1650) heisst es: "dass Wir Vnsern Lieben getreuen Daviedt Psolimar, Zu Vnsern Waxpussirer undt Grottenmeister in gnaden bestellet." Die ihm zugewiesenen Naturalien waren: "zwei Winspel Rocken,

[207]

zwei Winspel Kersten vom Mühlenhoff, Nottürfftig Brenholtz aus Vnserm Holtzgarten.

ad 9. Seinen Namen finde ich mitunterzeichnet unter einem Schriftstück (Cüstrin, 17. Januar 1654), welches "Jacob Nicolaus Schmieden, Kribbenmeister aus der Altenmarck" betrifft. Er nennt sich hier "Oberstwachtmeister."

ad. 11. Die Bestallung (Konzept und Reinschrift im Staatsarchiv) dat: "Königsberg den tagk Trinitatis Ao 1642." Erneuert wurde sie: "Cölln a. d. Spr. am Tage Crucis des 1644 Jahres" und Cleve d. 22. Apr. 1649 (25 Reichsthaler jährlich baar u. versch. Naturalien). Rescript vom 15. Mai 1649: Der Landmesser Ch. Fr. Schmidt soll sein Deputat aus dem Amte Lebus erhalten.

ad 13. Gerards Leben schildert Woermann in s. Gesch. der Malerei (Bd. III. 559.) in folg. kurzen Sätzen: "Er war 1590 zu Utrecht geb. und pilgerte wie Terbruggen aus der Schule Bloemaerts nach Rom; 1622 od. 1623 nach Utrecht zurückgekehrt, wurde er hier Mitglied der Gilde, deren Decan er 1625, 1628 u. 1629 war. In der ersten Hälfte der dreissiger Jahre besuchte er England, 1637 aber liess er sich in Haag nieder, wo er Hofmaler erst des Prinzen Frd. Heinrich, dann Wilhelms Il. wurde und sich als gesuchter Bildnissmaler ein grosses Vermögen erwarb. 1652 zog er sich wieder nach Utr. zurück, wo er 1654 starb." Ueber dieses Honthorsts Thatigkeit für d. Kurf. im J. 1647 habe ich schon oben (S. 152,3) Mittheilung gemacht. Nachstehende Urkunden über den "Gherardo dalle notte" der Italiener finden sich im hiesigen Staatsarchiv:

a. (Rechnung) Syn Churfürstl. Doorlucht Van Brandenburg etc. heeft geordonneert aen geradt Van Hont Horst de schilderer dese naervolgende conterfoithes.

 

gelevert d. 20 Nov. 1647Eerstelyck S. Churfl. D. Neffens H Churf, D. etc. de geheele Lengte voor Syn Exc. Gr. Mauritz Ider tot 100 Rixd.

Rixd.

200

gelev. d. 15. Sept. 1647

Noch S. Ch. D. etc. voor S. Ex. Gr. Hendrick van Nassow

"

200

gelev. d. 12. Dec. 1647

Noch S. Ch. D. etc.voor. S. Ex. de Heer van Brederode

"

200

gelev. d. 12. Nov. 1647

Noch S. Ch. D. de geheele Lengte voor S. Exc. de gr. von Solms

"

100

gelev. d. 10. Dec. 1647

Noch S. Ch. D. neffens Haer Churf. Docl. de geh.. Lengte voor de Rhyn Graeff

"

200

Gelev. d. Prins Rads.

Noch S. Churf. D. neffens H. Churf. D geh. Lengte voor d. Prins Raedzevil

"

200

gelev. d. 4. Oct. 1647

Noch Haere Ch. D. in originael voor H. Maj. v. Bohemen

"

40

gel. d. 18. Jul. 1647

Noch H. Ch. D. voor Princes Henriette v. Bohemen

"

32

gel. d. 18. Nov. 1647

Noch R. Ch. D. voor d. Vrouwe v. Niewklooster

"

32

gel. d. 21. Jul. 1647

Noch H. Ch. D. voor d. Vrouwe v. Ghent

"

32

gel. d. 15. Sept. 1647

Noch H. Ch. D. voor Juffr. Molyn

"

32

gel. d. 24. Okt. 1647

Noch H. Ch. D. voor Juffr. Granparin

"

32

 

 

Rixd.

1300

                                    

[208]

Hierauf folgen noch 30 Portraits, theils ganze Figuren, theils Brustbilder oder Kniestücke; das Gesammthonorar für alle Arbeiten betrug 2624 Thlr. Zwei fahre später malte Honthorst noch drei Bildnisse, die des Kurf., der Kurfürstin und des Kurprinzen Wilhelm Heinrich, wofür er 270 Gulden erhielt.

b. (Rescript). Nachdem S. Churfl. Durchl. zu Brandenburg etc. d. 27. Febr. 1654 den Schilderer Gerhard Hundhorst wegen einiger zu dero Hoffstadt gelieferten Schilderey mit 1860 fl. Holl. od. 748 Rthl. an dero Raht undt Agenten zu Ambsterdam Matthiam Dögens Verwiesen, selbige aber bissher unbezahlet geblieben, Vndt dan S. Ch. Dch. von obged. Hundhorsten Sohn Anthonium Hundthorst unterthänigst ersuchet worden, ihme diese Post in ansehung er damit so lang in gedult gestanden, endlich abführen zu lassen. Alss befehlen S. Ch. D. dero Raht undt Geh. Cämerer Christ. Sigism. Heydekampf gdst. jetz ged. Anthonio Hundthorsten nunmehr diese 1860 fl. Holl. innerhalb jahres frist gegen quitung u. zurücknehmung der original assignation zu bezahlen. Sign. zu Cleve d. 5. Sept. 1666."

ad. 14. War Schüler seines Bruders G. und Abr. Bloemaerts und 1604 zu Utrecht geboren, wo er auch 1666 verstarb. Von seiner Werthschätzung am kurbrandbg. Hofe gaben die hohen Bedingungen Kunde, unter denen er schon zu Beginn 1647 auf sechs Jahre als Hofmaler verpflichtet wurde; er erhielt 1000 Thl. jährlich, sowie freie Wohnung und ein Hofkleid. In der That war Willem van H. nach den bisherigen ganz mittelmässigen Kräften, die erste würdige künstlerische Persönlichkeit, die der junge Kurfürt an sich fesselte; dass er, absolut genommen, nur ein Geist zweiten Ranges war, bedarf keines Beweises mehr. Auf der Liste des Hofstaates von 1652 ist sein Einkommen mit 1150 Thlr. verzeichnet. Das Staatsarchiv enthält von ihm und über ihn Nachstehendes:

a. "Verzeiehniss wass Ich Endesbenahmter uf gnedigsten Befehl Sr. Churfl. Durchl. zu Brandenbg. und dessen Hochgeliebter Gemahlin Churfl. Durchl. an Schildereyen verfertigen und lieffern müssen, wofür Ich aber mein Contentement noch nicht erlanget

18

Thlr.

Vf gnedigsten Befehl meiner gnedigsten Churfürstin u. Frawen alss, Ich den Chur Printzen geschildert in Ao. 1656.

18

"

Noch vor des, Chur Pr. Sehilderey auf Befehl meiner gnd. Churfürstin u. Fr. auch in Ao. 1656.

26

"

Vor beeder Churfl. Printzen in ein Stuck vor Ihre Hochbeiten in Ao. 1656

18

"

Uf begehren d. Fraw Hoffmeisterin vor des Chur Pr. Schilderey auch in Ao. 1656.

18

"

Noch vor des Chur. Pr. Schilderey vor den Marck Graffen von Bareuth

Hoch Fürstl. Dchl. Ao. 1657.

125

"

Auch vor des Chur Pr. Conterfait zu Pferde Lebensgrösse, Ao. 1657.

28

"

Vor Sr. Churf. Dchl. vnd d. Churfürstin Conterf. indes zu 14 ThIr. so der Dähnische Gesandter empfangen Ao. 1657.

26

"

Den Churpr. u. dessen H. Bruder Hoch Fürstl. Durchl., beide uf ein Stucke, vor Mons. Bornen in Cüstrin Ao. 1658.

28

"

Noch vor Sr. Churfl. Dchl. u. der Churfürstin Schilderey, so des H. Bischoffs von Halle Hochfl. Durchl in Ao. 1657 empfangen.

                      

[209]

30

Thlr

Vor eine kleine Schildereye, worauff der Churf. Und Churfürstin nebst andern Figuren mehr gemachet gewesen, Welches S. Chfl.. Dchl. Von mir abholen lassen, in Ao. 1658.

28

"

Vor S. Ch. Dehl. und der Churfürstin Conterfait, welche beederseits Ein Marck Gr. von Bareth Hochfl. Dchl. In Ao. 1658 entpfangen.

200

"

Vor S. Chf. Dchl. Conterfait in Lebensgr., So Ih. Hochheiten nach dem

Hage geschicket Ao. 1658.

200

"

Vor Ihre Churfl. Dehl. der Churfürstin nebst Dreyer Churfl. Printzen Conterfait in ein Stück, auch Lebensgr., so gleich den obigen mit nach dem Hage zu Ih. Hochheit geschicket.

16

"

Noch vor ein Conterf. von Pr. Friederich Hochfl. Dchl. so meine Gnd. Churfürstin u. Vr. in Ao. 1658 von mir begehret.

36

"

Noch vor ein Conterf. d. beyden Chfl. Printzen, vor d. Ihr. Hoffmeisterin in ein Stück Ao. 1658.

200

"

Vor eine Schilderey worauff nicht allein beede Churfl. Pr. besonders auch d. Junge Marckgr. von Bareth Lebensgr. gemahlet, So vor die Churfürstin v. Sachsen nacher Dresden geschicket werden sollen Ao. 1658.

56

"

Vor 4 Conterf., Alss S. Ch. Dchl. u. dessen hochgeliebter Gemahlin u. beederseits Ch. Printzen, So d. General Baur haben sollen, iedes Stück Zu 14 Thlr.

56

"

Eben vor diese obige vier Schildereyen, So die Fraw Marschallin Rochowin haben soll.

30

"

Vor Chur Printz Carls u. Printz Friederichs Hochfl. Dchl. Conterfaiten in ein Stück So die Fraw Börstelin haben soll.

Sa. 1151

Thlr.

 

 

Willem van Hont Horst."

b. Schreiben des Kurf. (Cölln an der Spree d. 14. Febr. 1665) an Fürst Moritz v. Nassau nach Cleve. Hieraus geht hervor, dass der Kurf. dem Maler seit Jahren (seit 1652) noch 5000 Thlr. schuldete und dass letzterer in Folge dessen mit seiner Familie in grosser Bedrängniss lebte. Der Kurfürst verfügt, dass Honthorst gleich oder in kurzen Terminen befriedigt werde.

c. Bericht der Regierung zu Cleve (20 Mai 1665) an den Statthalter Moritz, bezüglich der Contentirung des Malers Honthorst. Die Regierung erklärt sich zur Contentirung unfähig und schlägt zu diesem Behufe die Contributionsgelder vor.

d. Rescript des Kurfürsten. (Cleve den 5. September 1666) an den Rath und Geh. Kämmerer Chr. Sigism. Heydekampf. Letzterer wird aufgefordert die alte Schuld, abzüglich 3000 Thlr. also nur noch 2000 Thlr. an "Wilhelm Hundthorsten hinterlassenen Erben Vormundern Anthonium von Hundthorst und Cornelium von Wyckerslooth" innerhalb Jahresfrist "aus denen ihme anvertraweten mitteln" zu entrichten.

Ende 1652 lief H‘s erste Bestallung als Hofmaler ab. Ueber seine und seiner Gattin Sophia v. H..Testamentsmachung in Utrecht (3. April 1650) vergl. Kramm (de leven en werken etc. S. 729). Am 20 Februar 1664 erhält er vom Kurfärsten Urlaub, mit den Seinigen nach Holland zu reisen.

ad 15. Der Künstler hiess van Hulle. Er trat nach dem Tode Frd. Heinrichs von Oranien in den Dienst Kaiser Ferdinand III. Kramm

[210]

(a. a. O.), auf den ich verweise (S. 767), giebt als Zahl der Münsterschen Gesandten 131 an; die Bildnisse wurden von hervorragenden Meistern, Petrus de Tode, Paul Pontius, Th. Matham, Ph. Galle u. A., gestochen.

ad 16a. Grovaert Flinck, der bekannte Rembrandtschüler, (geb. Cleve, 25. Jan. 1615 † 1660 Amst.) hat den Kurf. 1653 in halber Figur gemalt.

ad 17. Im Staatsarchiv befindet sich ein italienisch verfasstes Schreiben des Pietro Liberi Conte e Cam." (Venetia 14. Mayo 1665) an den Kurfürsten mit Bezug auf die zu malenden altbiblischen Historien.

ad 18. Im Kirchenbuch von St. Marien zu Berlin heisst er Daniel Kaeferstein, Churbr. Perspectiv Maler. Im Jahre 1663 lassen er und seine Gattin, Catharina Elisabeth Krohn, Zwillinge, eine Tochter Barbara Elis. und einen Sohn Dan. Heinrich taufen. Im Staatsarchiv befindet sich folg. Kurf. Reseript an die Amtskammer zu Berlin (13. April 1659): "Nachdem wir den Schilderer Zu Berlin D. K. nuhnmehr wochentlich Zwei Rthlr. Kost gelobet undt dann Zu einem Kleide fünfzig Rthlr. gndst. Verordnet. Alss befehlen Wir Euch hiermit gndst. Derohalb nicht allein wochentlich solche Verordneten 2 Thlr. richtig aus Zahlen zu lassen, sondern auch die Verfügung zu thun, damit, Er mit einpfahung der 50 Rthlr. zum Kleide gleichfalls nicht aufgehalten werden möge. Köberstein starb 1677.

ad 18a. Michel Conrad Zirl, Churbrandbg. Hofmaler hat 1660 in St. Marien an den Sparrschen Ahnentafeln gemalt (König, Collect.)

ad 19. Nach dem Kirchenbuch von St. Marien heirathete er zwei Mal: am 12. Juli 1660 Cathar. Stassin, Wittwe des Kunstmalers Andreas Ganz und am 7. Oct. 1693 Anna Elisabeth Schenck aus Wrietzen a. O.

ad 20 Im Jahre 1641 erhält Kalle ein Geschenk von 30 Thlr. für die Dedication eines von ihm gestochenen Bildnisses des Kurf.; ein Jahr darauf bewirbt er sich, indem er vorgiebt, bei den bösen Zeiten von s. Kunst nicht leben zu können, um eine Amts- und Kornschreiber Stelle.

ad 21. Der Contract (Cleve 1. September Ao. 1648) lautete auf ein Versuchsjahr; ausser 500 Thlr. erhielt er noch frei Wohnung und Brennholz. Die Bestallung lautet zu Anfang: "Wier Friderich Wilhelm etc. thun kund Vnd geben hiernit iedermänniglich Zu vernehmen, das wier Leonhard Kern Bürgern Vnd des Rahtes Zu Schwebischen Halle, Bildhauern, in Vnsere bestallung auf ein Jahr von dato angenohmen haben, also Vnd dergestalt, dass Er unss mit Verfertigung allerhand so auss . . . Alabaster alss Holz geschnittener arbeit, so wier Ihm werden gndst. anbefehlen und angeben lassen, nach seiner besten Wissenschafft bedienet Zugleich nach treue, und hold seyn solle . . ." C. Gurlitt (a. a. O.) würdigt ihn als tüchtigen Manieristen. Seine Werke zeigen: "reiche Umrisslinie, heftige, Bewegung, ausgearbeitete Musculatur", Kern stammte aus Forchtenberg. (Vgl. auch A. Klemm, Württembg. Bmstr. etc. 1882 und A. Niedermayer, Kunstgesch. v. Würzbg. II. Aufl. 1864.)

ad 22. Der Anstellung dieses wohl wallonischen Meisters (datirt: Cleve, den 7. September 1649) ging eine Offerte desselben an den Kurf. voran. Sie lautet: Jaques Woulleaumé, se presente en toute humilité de servir Son Alt. Electorale de Brandenbourg etc. en qualité de fondeur en des figures, pour faire des statures, de grottes, et de Fontaines, et en tout ce qui viendra à propos, pour le contentement de Son Alt. Elect. Pour cela il aura pour un an de gage, la somme de 400 Rixdal. et les depens, comme aussy de logement, et tout ce qu'il faut depenser pour le dit ouvrage, que cela sera aux depens de Son susdict Alt. Elect. Il plaira en autre à Son Alt. de luy faire payer chasque 3 mois 100 Rixdal. de Son susdit gage etc. – W. wurde als Bildgiesser auf 1 Jahr angestellt,

[211]

und er hatte "allerhandt statuen undt figuren"grotten undt fontainen undt sonsten was S. Churfl. Dchl. von ihm begehren" auszuführdn.

ad 23. Ueber diesen hervorragenden Plastiker und seine Beziehungen zum Brandenbg. Hofe habe ich oben (S. 140-156) ausführlich gesprochen.

ad 24. Falls die Angabe des Herrn A. Bredius richtig ist, blühte im Haag zwischen 1651 und 1657 ein Bildhauer Guillaume (Willem) Larson. Möglich, dass Nicolai resp. seine Quelle eigenmächtig aus G. Larson - Georg L. gemacht hat. Von einem Namensvetter und Fachgenossen dieses Larson im Haag, Johan Larson, bemerkt Kramm (a. a. O. S. 953), dass letzterer dort 1660 und 1663 urkundlich vorkommt, und 1664 gestorben ist. Dass sie Beide von Herkunft Haager oder überhaupt Holländer waren, ist nicht erwiesen.

ad 25. Das Streng Rotterdamer sei, versichert van Spaan in seiner "Beschryving van Rotterdam." Vergl. auch oben S. 155.

ad 26. Auch über diesen, Künstler enthalten die Akten des Geh. Staatsarchivs nichts. (Vergl. oben 8. 155).

ad 31. Haye Steffensz war der erste der vielseitig erfahrenen holländ. Techniker, die nach der Mark kamen. Er beansprucht deshalb ein besonderes Interesse. Dass er auch Vibrand Gerritsen geheissen, wie, Nicolai angiebt, habe ich sonst nirgends finden können. Nachstehend ver-

öffentliche ich Alles, was sich im Geh. Staatsarchiv über ihn findet:

"Durchlauchtigster Hochgeborener Gnedigster Churfürst Vndt Herr, Ewer Churf. Durchl. seindt meine allzeit willige u. Vnterthänigsten gehorsahm geflissene Dienste Zuvor, Gnedigster Herr, Es sind nun ein halb Jahr Vergangen, das mit E. Churf. Durchl. Ich mit Herrn Johan Wingarden in Dero Hofflager zu Cleve eigener Persohn geredet, E.Churf. Durchl. Meine Unterthenigste Dienste Undt Arbeit angeboten, welches E. Churf. Durchl. damals Ihr gnedigst gefallen lassen, Vndt mich befehliget, in eigener Persohn, nach Dero Churfürstenthumb Vndt Lande der March. Brandenburg zu Verfügen, daselbst die Schleusen, graben, Mühlen, wasser Vndt andere örter zu besichtigen Vndt in augenschein Zunehmen, haben auch damals E. Churf. Durchl. die gnedigste Vertröstung gethan, noch das Vergangene Jahr selber in Dero Churfl. Durchl. Lande Vndt Hofflager zum Berlin anzulangen, worauf Ich mich festiglich Verlassen, bis für 4 Monaten Von hauss nach diesen Landen, mit meinen eigenen Vncosten Uf meinen bentel solchen weiten weg gereiset, Vndt nun so lange Zeit an diesem Orte mit müssig gehen stille gelegen, nicht wissende, was aus meinem thun werden soll, dan Ich hab zu öftermahlen Von hier aus an E. Churf. Durchl. Vnterthänigst geschrieben, berichtet, wie es in diesen Landen mit obgemelten Dingen beschaffen sey, was für sehr nutzbare wercke an Mühlen, Schneide Mühlen, Pappier Mühlen Vndt graben mit Schleusen, anzulegen wehren, auch Viel das eingegangen wehre, wiederumb erbawet Vndt zu rechte gebracht werden könnte, habe aber nach Vieles hoffen bis zu dieser Stunde noch keine Andwordt erlangen können, Auch an hiesiger E. Churf. Durchl. Ambts Cammer keinen bescheid Zu einigen Dingen Zu Verfertigen erlangen können, Sintemahl dieselbe Von E. Churf. Durchl. die Verordnung aller Dinge, gewarten mus, Wan aber gnedigster Churfürst Vndt Herr Ich gleichwol alhier eine solche lange zeit aufgewartet, keine Andwordt Uf einiges Schreiben erlanget, auch dieses Ortes keine förderung sehe (als fürchte ich, das meiner bey anderen fürfallen, den vielfeltigen schweren gescheften, vergessen sey). Habe demnach diese getröstete Hofnung E. Churf. Durchl werden gaedigst geruhen mich mit einer gnedigen Andwordt

[212]

Versehen Zulassen, damit Ich doch wissen möchte, woran Ich wehre, Vndt daferne E. Churf. Durchl. es gnedig begehreten, bin Ich erbötig selber nach Cleve zu reisen Vndt mündliche relation aller Dinge zuthun, befehle demnach E. Churf. Durchl. hiermit der gnedigen obacht Vndt Schutz des Allmechtigen Gottes, vndt mich in Dero gnade Vndt Verbleibe

E. Churf. Durchl.

                                                           Unterthänigster gehorsahmster Diener

Haye Steffenss Baw vndt Müllenmeister

von Sardam.

Cölln a. d. Spree, den 14. Febr. Ao. 1649.

Friderich Wilhelm Churfürst.

U. g. g. Z. Vesten, Rähte, vndt Liebe getrewe, Was Haye Stevens, Baw- Vndt Mülmeister, an Vnss Vntherthenigst supplitando gelangen lassen Solches geben wir euch vermittelst des Einschlusses mit unseren Zuvernehmen, wan wir dan nötig Zu sein befinden, einen Baw- Vnd Werkmeister, so auf Vnsern Mühlen, Schleussen vnd dergleichen arbeit achtung gebe, draussen anzunehmen, Vndt supplicant sich darauf genugsamb verstehet, So ergehet hiermit an euch Vnser gnedigster befehlich, ihn Zu Vnseren Baw- vndt Müllen- auch Schleussmeistern mit dem forderlichsten Zu bestellen, vndt deshalber mit ihm zu tractiren, Daran geschieht Vnsere gnädigste Willensmeinung, Vndt wir verbleiben euch mit gnaden gewogen,

Geben Cleve, den 13. Marty Ao. 1649.    Friderich Wilhelm.

An die Churf. Brandenbg. Verordnete Cammer Praesitent, Ambts Räthe Vnd Cammermeister zu Cölln a. d. Spree.

Die Folge des kurf. Reseripts ist der Contract, welchen die Behörde "am Montag nach Trinitatis des 1649 Jahres" mit Steffensz. schloss. Er erhielt 150 Thlr. Besoldung jährlich, 20 Thlr. Hausmiethe sowie verschiedene Massen an Naturalien, z. B. "Erbsen, Heydegrütze, Saltz, Ein Schwein, Zwey Hammel oder Schafe, Item anstat eines Ochsen sechs schaffe, Ein achtentheil Putter, Drey schock Keese, Ein ruhte Holtz Vfm Stam, Vnd eine gemeine Hoff Kleidung versprochen Vndt Zugesagt."

Nach einiger Zeit berichtete die Amtskammer (Cölln a. d. Spr. den 13. März 1650) an den Kurf. nach Cleve über Steffensz. Anstellung; sie bemerkt dabei u. a. Folgendes:

"Nach Verfliessung etlicher Zeit aber haben wir nicht allein befunden, dass bemelter Haye Steffens zu sothanem Bawmeister Ampt nicht allerdings capable, sondern es hat auch der Ober Jägermeister berichtet, dase zu Cleve die intention nicht gewesen sey, dass er zum Bawmeister bey E. Churf. Durchl. alhiesigem Hoffstatt angenommen werden solle, Und weil wir überdies die Nachricht erlangen, dass E. Churf. Durchl. bey dero, Gott verleyhe ehest glückliche anhero kunft einen anderen Bawmeister mitbringen werden, Alss haben wir bey itzigem Quartal-Reminiscere, da sein, des Baw- undt Schleussenmeisters Jahr Vmb ist, E. Churf. Durchl. der sachen notturft Vnterthenigst referiren wollen, zu dero gnedigstem gutfinden stellende, Ob Sie mehrgedachten Haye Steffens bey so beschaffenen Dingen des Bawmeister Ampts als welchem er nicht allerdings gewachsen ist, hinwiederumb zuerlassen, Und nur bey dem Schleusenmeisterdienst allein zu behalten, gnedigst gemeinet. Etc."

P. S.

Auch Durchleuchtigster Churfürst berichte ich, der Cammer Praesitent, Unterthenigst, dass Johann Gregor Memhart mit bey sich

[213]

habenden E. Churf. Durchl. sachen gestern wol alhier angekommen, Uberschicke darneben E. Churfl. Durchl. mir Unlengst zu Schöning gnedigst gegebenem befehl zu gehorsambster Folge in beygefügter Schachtel die in dero alhiesigem Churf. Lustgarten herfürgeblühete Blumen. Versterbend

                                                           Ew. Churfl. Durchl.

Unterthenigster Gehorsambster

                                                           B. v. Heimberg.

Dass St. im Kurf. Dienst verblieb, ersieht man auch daraus, dass sein, Name in der Liste des Hofstaates von 1652 steht. Wir geben hier folgenden Auszug aus dieser schon bei König (Hist. Schild. v. Berlin II. Anhg.) abgedruckten Liste:

"Newer Hoffstaht des Durchl. etc. Churf. Frd. Wilh. etc. Im Jan. Anno 1652 zu Cleve resolviret. (Unter Geh. Cammerirer u. Cammer-Diener steht): Herr Johan Gregor Memmart, hat und behält seinen Unterhalt in der Pillau, bekombt aber wochentlich zu Berlin 2 thl. Kostgeldt, machet - 104 thl.

1.      Hr. Franciscus Tibich, Mechanicus - 366 thl.

2.      David Psolimar, Wachss-Possierer u. Grottmeister - 368 thl.

3.      Henrich Matthäus, Hof-Drechler - 178 thl.

(giebt vor, dass ihm 100 thl. Besoldung, 78 thl. Kostgeld, wochentl. 1 ½ thl., freye Wohnung u. darzu noch ein mehreres versprochen. S. Churf. Dcht. haben sich gdst. erklehret, diese drey aus deroselben Chatoulle zu bezahlen).

Hoff-Conterfeyer etc.

Michael (soll heissen Willem) v. Honthorst - 1150 thl.

Hanss Albrecht Neubauer - 195 thl.

Johan Massart, Ledikantmacher (d. h. Bettstellmacher) - 195 thl.

Beambte u. allerhand Handwerker:

Christoff Friedrich Schmid, Landmesser - 53 thl.

Haye Steffensz., Baw- und Schleussenmstr. - 285 thl.

Michael Hanff, Lustgärtner - 486 thl.

Haus Montag, Hoffmeurer - 70 thl.

Noch folgendes Rescript findet sich im Konzept im Geh. Staatsarchiv: "An die Ambts-Cammer Zu Cölln a. d. Spr." Es heisst darin: Haye St. habe sich "in unterschiedenen Puncten beklaget", ferner: "Was hiernechst den Newen Schleusenbaw auf dem Werder antrifft, habt ihr darzu einen Anschlag durch Vnsere Verständige Mühlenmeister, wie auch absonderlich durch diesen Haye Steffens machen zu lassen, Vnd Vns solchen allerförderlichst anhero zuschicken. . . . Drittens verbleiben Wir Zwart dabey, dass supplicanten Vnsere Schneide Mühle auf dem Werder Vor andern verarrendiret werden, Jedoch, das er auch dieselbige pension, welche andere aufs Höchste davor biethen, ebenmässig entrichte . . . Cleve 1. Febr. 1652."

31a. Moritz Neubauer, war vor Memhard Leiter des Berl. Schlossbaues. In den "Gravamina der Stadt Hamburg 1859" (geh. Staatsarchiv R. 60 28a) findet man folg. Kurf. Schreiben aus Cleve (7. Nov. 1648) an d. Bürgermeister Müller zu Hamburg: "Etc. Demnach wir Vnsern geheimbten Cammerdiener Moritz Neubauer mit einer Zimlichen Anzahl Vnserer Sachen Über Amsterdam auf Hamburg etc. schicken, alss begehren Wir biemit etc. gemelten Vnsem Cammerdiener bis nacher Lauenburg mitt

genugsahmen Convoy etc. bringen laesen . . ."

ad. 32. Weil Memhards Plan von Berlin die Inschrift hat: Johan

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Gregor Memhard Churfl. Brandenbg. Ingenieur Delineav. 1648" (?), so hat W. Erman (in s. Publ. des Skizzenbuches v. Joh. Stridbeck d. J. Berlin 1881) gemeint, M. sei wohl schon vor 1648 in Berlin thätig gewesen. Demgegenüber muss hervorgehoben werden, dass man hier noch bis Anfang 1650 nothgedrungen Haye Steffensz. als Baumeister beschäftigte, und dass der Kammerpraesident v. Heimberg am 13. März erst die Hoffnung aussprach, der Kurfürst werde "einen andern Bawmeister" aus Cleve mitbringen (vgl. d. Art. ad. 31); kurz vor Absendung seines Schreibens erfuhr der Praesident, dass "Johann Gregor Memhart mit bey sich habenden E. Churf. Durchl. sachen gestern (also am 12. März) wol alhier angekommen." Ueber seine Lehrthätigkeit bei Hofe, vgl. oben S. 77/78; seinen Namen schreibt O. v. Schwerin stets "Memmart." Dass M. auch eine Zeitlang Direktor der Churfl. Kunstkammer war, wurde schon a. a. Stelle erwähnt (vgl. "Bär" Bd. XII). Bezüglich der Thätigkeit des Meisters folgen die jüngsten Berliner Autoren den Angaben Nicolais. Hinzuzufügen ist nur noch, dass der Kurf. dem Meister das erste Haus auf dem Friedrichswerder zum Geschenk machte (1653) und dass M. im J. 1669 Bürgermeister dieses Stadttheils wurde.

ad 33. Nikolai behandelt die Thätigkeit dieses Holländers so ausführlich, dass ich mich darauf beschränken kann, einige Urkunden ohne Kommentar folgen zu lassen. 1. Der Kurf. befiehlt (Labiau d. 3. Oct. 1656), auf eine Beschwerde des Hofzimmermannes M. M. Sch., der Amtskammer zu Berlin, dass Suppl. die Kaufsumme für ein Schiff, 220 Thlr., gezahlt werde. 2. (Konzept im Staatsarchiv). S. Ch. D. befehlen, dero Cammer Juncker dem Von Chiezen gst., dass er das Zu Newhausen liegende maltz dero Bawmeister Michel Matthiassen in abschlag seiner Forderung abfolgen lassen solle.

3. S. C. D. befehlen dero etc. Grafen zu Dona Gst. die Vorsehung zu thun, damit 30 tonnen mehl auss dem Magazin daselbst dem Bawmeister M. Matthiass nach markgängigen preiss in Abschlag seiner forderung abgefolget werden möge. Königsberg, d. 6. November Ao. 1662. "Michael Matthias Schmidts."

4. Aktenstück:

a) "Auffsatz, wass ich endes benambter Wegen Ver Fertigung der Schleussen undt Brücken beyen Newen Graben an Gelde auff rechnung empfangen, alss folget:" Ausführl. Angaben: Summa 28 395.

b) Der Churfl. Hoff Bawmeister Michael Matthias Schmidt Soll wegen Verfertigung Zehn Schleussen undt Sechs Brücken beym Newen graben Vermöge aufgerichteten Churfl.

Gnädigsten Contracts, haben

30 000

Thlr.

Noch wegen drey Schleussen undt zwei Brücken, so Er ausserhalb Verding verfertiget

 

 

8 100

"

Noch Bahr zu Behueff des Potstamischen Stalls vorgeschossen

795

"

Summa

38 895

Thlr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Darauff hat Er von gelde empfangen am 1. April anno 1663 biss den 28. January Ao. 1671 laut

beyliegender Specification in allem

28395

Thlr.

Bleiben Ihm also pro resto

10500

"

Friedrichswerder, den 17. August anno 1671. M. M. Sch.

5. (Concept). Rescript v. 7. Sept. 1671 (wahrscheinl. an Rath Meinders). Aufforderung, dem M. M. Schmidts die Summe von 10500 Thlrn. zu zahlen. 6. Betreffend gelieferte Kugeln nach Holland 1672:

[215]

a) Gesuch des M. M. Schmidt, ihm für gelieferte Kugeln nach Holland 4050 RthIr. zu zahlen: "Weil ich nun über diese post gantz keinen Beweiss habe, als Bitte Ew. Churft. Durchl. ich hiermit Unterthänigst, Sie wollen gnädigst geruhen Undt einer über gedachte Summe schriftlich Beweiss unter dero hohen Handt Gdst. zu ertheilen, getröste mich Gdster erhörung Vndt Verharre Ew. Churfl. Durchlaucht Unterthänigst Diener M. M. Schmidt. (ohne Dat.) Darauf folgt b) Kurfl. Verfügung, ihm diese Summe zu zahlen. (Konzept: Rüsselsheim 7./17. November 1672). 7. Decretum auf Michel Matthias Schmieden Supplicatum.

(Konzept, unterz. Meinders). Kurfl. Befehl an den "Obersten Lieutenant den von Wölfersdorf" "wegen der ihn annoch restirenden 1000 thlr. Von dem erbauten Hause ohne längeren Verzug contentiren, und nach so lang gehabter geduld klaglos stellen. Sign. Cölln a. d. Spr. 2. Jan. 1674." 8. Do. dasselbe Datum. Befehl a. d. Freiherrn von Pölnitz dem Suppl. M. M. Schm. "aus der Friedrichswerderschen Mahlmühle einkommen erstlich die 191 thlr. 10 gr. . . . zum andern die 17 W. 9 scheffel roggen in natura . . . aus gedachtem einkommen quartaliter gegen Quittung reichen. Cölln a. d. Spr. 2. Jan. 1674. (v. Meinders.) 9. Befehl an M. M. Schmidt, dem Friedrich Künow 30 Thlr. Zu zahlen (Cölln a. d. Spr. 28. Mai 1688). 10. Am 28. März 1689 wird M. M. Schmidt als Hofbaumstr. bestätigt. Er hatte damals 37 Jahre gedient. 11. (27. Juni 1691) "Assignation auff einige Summen für d. Hoffbaumstr. M. M. Schmieden, der die Galerie hinterm Schlosse zu Berlin auffgebauet, auch die Bibliothek zu bauen angefangen." Nach s. Tode (1692) gaben sich s. Erben als in Hamburg ansässig an. Bezüglich seiner Bauwerke habe ich nur nachzutragen, dass König die Vollendung des Marienkirchthurmes in das Jahr 1666 legt. In der Zeit seiner ersten Thätigkeit für den Kurf. scheint Schm. vorzugsweise mit dem Bau von Schiffen und Yachten beschäftigt gewesen zu sein und daher erklären sich die grossen Summen, die bisweilen an ihn gezahlt wurden. In dieser Hinsicht sind drei Verfügungen Frd. Wilhelms, zwei davon an die Amtskammern zu Küstrin und Cölln a. d. Spr." (dat. Cleve d. 15. Sept. und 7. Oct. 1651) gerichtet, von Interesse. Das dritte, fast gleich lautende Rescript "An Hn. Hanss Gregor Memhardten" (dat. Cleve d. 15. Oet. 1651) theilen wir nachstehend mit: F. W. Ch. Vnsern gruess Zuvorn, Lieber, getrewer, Nachdem wir gst. gern wolten, dass der Schiffbawer, welcher ietzo zu Bötzow Vor Unss Vndt Unsere Vielgeliebten Gemahlin Lbd. Zwo Jagten Verfertiget, auch zu Cüstrin vors erste eine kleine Jagt, Vndt künfftig auch eine grössere so auff der Oder Zugebrauchen, bawen möge, So wollestu demselben andeuten, dass er, wenn die beede Jagtten Zu Bötzow fertig sein werden, sich nacher Cüstrin begeben, Vndt alda Vor erst eine Kleine Jagt darzu Ihm Vnsere Ambtss CammerZu Cüstrin, uff beygelegtes Vnser rescript, behöriges Holtz Vndt andere materialien anschaffen wirdt, verfertigen solle, Vndt weil wir künfftig Zu Vnser ankunfft des Orts selbst eine grosse Jagt angeben wollen, So soll er das Holtz darzu selbst im walde ausssuchen (welches hernach Vnsere Cammer anführen lassen wirdt) Vndt dasselbe nur etwas aussarbeiten damit es den künfftigen Winter durch desto besser drewe werden könne. Vnterdessen aber soll Vnsere Ambtss Cammer Ihm nohttürftige Vnterhaltungsmittel reichen Vndt geben . . ." ' iewohl der Name des Schiffszimmerers nicht genannt wird, so ist Schmids doch ohne Zweifel gemeint.

33 a. Lubbert Harmens, Schiffszimmermann, von Nicolai unter Schmids erwähnt. Bei der Bedeutung, welche der Kurf. in seinem Lande

[216]

dem Schiffsbau eingeräumt haben wollte, empfehle ich untenstehendes Gesuch des Harmens an Frd. Wilhelm der Aufmerksamkeit des Lesers. Ich wiederhole Nicolais sehr glaubwürdige Angabe, dass Schmids diesen Techniker mit sich aus Holland genommen hatte. Das Gesuch lautet: "Durchlauchtigster Allergnädigster Churf u. Herr. E. Churfl. Durchl. mit dieser meiner Vnterthänigsten Supplication anzufallen, kan ich keinen umbgang nehmen, Nach dehm dero Zoll- und Münzverwallter Christoff Melchior mir berichtet, dass E. Churf. Dchl. gerne einen gutten Hollandischen Schiffs Zimmer- und Seefahrenden Man Zu Königsperg wohnende, haben, auch eine Fregatte und andere Krieges Schieffe mit sovil Stucken alss begehret wirdt, erbawen lassen wollen.

Wann dann Gnädigster Churfürst Vndt Herr dieser Ohrt also beschaffen, dass Sie selber alle die Zuerbawung solcher Schieffe behörige Sachen, vor ein geringes haben, und solcher Schieffe Zu defendirung der Pillaw füglich gebrauchen, auch dafern es nicht Von nöthen, an frömbden Ohrten fahren lassen, und sich selber bezahlet machen können; Vnd ich wol entschlossen wehre, mich anhero nacher Königsperg Zubegeben, und Niederzusezen, wofern mir Nurt die hiesige Burger, als ein frömbder und reformirter dulden wollen, welches aber, wofern E. Churf Durchl. mir nicht in dehro gnädigste Bestallung nehmen, ohne sondere wiederwertigkeit, nicht wol wird geschehen können.

Ist derowegen an E. Churfl. Dchl. mein Unterthänigstes und gehorsambstes bitten, Sie wollen allergnädigst geruhen, mir Zu dero Diener, alss ein Hollandischer Schieff Zimmerman in bestallung anzunehmen, damit ich sovil besser alhie geduldet werden möchte, ich begehre keinen Unterhalt eher Zuhaben, biss dass E. Churfl. Dchl. meine wenige Person kündig werden, da ich ohne ruhm albereit, nicht allein viel Schieffe erbawet, sondern auch viel Jahre hero, vor einen Schipper in Brasilien, auch andern frömbden Insulen und Königreichen Zur See gefahren habe. Hierauff wil ich einer ehisten gnädigsten resolution in Unterthänigkeit erwarten. Und verbleibe E. Churfl. Durchl. Vnterthänigster und gehorsambster Lubbert Harmenss" (ohne Datum). Seine Bestallung als Schiffsbauer erhielt letzterer am 22. Aug. 1653 (aus Küstrin; Konzept im Geh. Staatsarchiv). Bei dieser Gelegenheit will ich noch auf einige, den heimischen Schiffsbau betreffende Rescripte des Kurf. hinweisen: I. (Konzept, dat.: Königsbg. i. P. 9. Oct. 1656) "An den Oberförster in der Altmarck Wilh. Adam Mörner", betrifft Holzlieferung zu neuen Schiffen. II. (Konzept, dat.: Königsbg. i. Pr. 12. Mai 1657; unterz. O. v. Schwerin) "An Herrn D. Tornow. Frd. Wilh. Ch. etc. Wir seindt gndst. entschlossen, die Schiftfahrth Zwischen der Niederlande (?) undt Habburg durch erbawung eigener Schiffe befordern und fortsetzen Zu lassen . . ." III. (Konzept, wie II.) "An den Oberjägermstr. von Hertefeldt. Betrifft dasselbe und befiehlt Holzlieferungen.

27a. Bildhauer zu Crossen. Weder Namen noch Arbeiten von ihm habe ich ermitteln können. Er tritt uns lediglich in nachsteh. Kurf. Rescript entgegen: J. Wilh. Ch. U. G. G. Z. Vester Lieber Getreuwer. Demnach wir den Bildhauer Zu Crossen, mit welchem wir Vergang. Bey Vnserer anwesenheit aldar geredet haben, Zu Verfertigung einiger sachen alhier Zu gebrauchen haben, Alss wollen wir in gnädigstem Befehl hiemit an euch, dass ihr demselben Vnsertwegen andeutet, sich forderlichstes Tages anhero Zu Verfügen, Vnd bey Vnserein geh. Cammerdiener Christian Heidekampf sich anzumelden. Darin geschieht Vnser Zu verlässiger wille. Vnd etc. Geben Cölln a. d. Spr. am 11. Marty

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1651. An den Vice Verweser Zu Crossen den Von Troschke etc." Crossen. war bekanntlich Wittwensitz der Kurf.-Mutter.

ad 28 - 31. Medaillen von S. Datler, Joh. Hoehn (Hoehn jun.), Erasm. Thom. Reuss und Carl Thauer finden sich, soweit sie sich auf das Kurfl. Haus beziehen, abgebildet und beschrieben in Oelrichs Churbrandbg. Medaillencabinet. Das Monogr. "h. jun." ist gerade auf einer älteren Denkmünze von ca. 1640 zu lesen; es scheint also Hoehn jun. und Joh. Hoehn wirklich eine und dieselbe Person zu sein.

ad 35. Schon auf S. 28 sagten wir, dass Nicolai's kurze Bemerkung über H. Ruse keine Vorstellung von der Bedeutung dieses Festungsingenieurs zulasse. Kramm, der ihm in seinem Künstlerlex. (De levens en werken etc. Amst. 1861. S. 1413) mehr Aufmerksamkeit zuwendet, giebt zum Schluss das Urtheil eines Fachmanns über Ruse: "Von allen Niederländischen Ingenieuren vor Kochoorn ist H. R. derjenige gewesen, welcher die gesündesten Begriffe von Fortification hatte." Eine Publikation von ihm lautet: "Versterckte Vesting, uitgevonden in velerley voorvallen, en geobserveert in dese laeste oorlogen, soo in de Vereenigde Nederlanden als in Vranekryck, Duytsland, Italiën, Dalmatien etc. door Henrick Ruse, Ingenieur en Capitein over een Compagnie voetknechten der Stad Amsterdam, 1654, by Joan Blaeu (Amst.). Aus dem Vorwort entnehmen wir, dass er im Jahre 1639, im Alter von 15 Jahren, seine Laufbahn begann, später den Venetianern, unter dem General Lunardo Foscolo, gegen die Türken 5 Jahre lang diente. Von Venedig kehrte er im Jahre 1651 nach Amsterdam zurück, wo er so lange in oben erwähnter Stellung blieb, bis ihn "der Brasilianer" mit sich nach Deutschland nahm (1658). Kramm, der seine Lebensgeschichte aus einem Bericht des Rijks-Archivaris de Jonge (Verslagen en Mededeel. van Het. Kon. Instituut, 1843 u. 1845) entnimmt, weiss von Ruses ehrenvoller deutscher Thätigkeit nichts. Wir werden daher besonders von dieser Periode des Meisters reden. Bezüglich seines Lebens haben wir zunächst Folgendes nachzutragen:

Ruse wurde 1625 zu Runen in der Provinz Drenthe geboren. Aus einem Amst. Trauregister geht hervor, dass er im Jahre 1654 am 2. Juni Susanna Dubbengiesser aus Stockholm heirathete (Die Notiz publ. Navorscher VIII. 319, Kramm Anh. S. 131, Oud-Holland 1885, S. 311). Am 24. Juli 1654 ist Ruse Trauzeuge bei der Vermählung seines Schwagers Aernout Dubbengiesser. Am 27. März 1657 wird ein Kind "von den Capiteyn Hendrik Ruse" begraben. Wiederholt kommt sein Name in den Notariats Akten dieser Jahre vor. So ertheilt er am 19. April 1658 dem Kapitän Hans Fransen Boom die Ermächtigung gegen den Schiffer Hessel Ipes aus Friesland in seinem Namen vorzugehen. Am 22. April 1658 deponirt das Ehepaar ein Testament bei einem Amsterdamer Notar. Ruse wird damals schon seine Reise ins Ausland vorbereitet haben. Als er seinem oben citirten Werk, aus Veranlassung eines Angriffs, der ihm durch den Utrechter Ger. Melder zu Theil wurde, einen Nachtrag hinzufügte, schrieb er darunter "met haest, in Amsterdam den Xl. July 1658." Diese Eile ist erklärlich, da wir wissen (vergl. S. 28), dass Moritz von Nassau ihn um jene Zeit mit der Befestigung von Calcar und Lippstadt beauftragte. Von dem raschen Fortgang dieser Festungsarbeiten unterrichtet uns ein Schreiben des clevischen Statthalters an den Kurf. vom 14. Mai 1659 (vergl. S. 27). Am 1. August desselben Jahres berichtet Moritz: Lippstadt ist in Ordnung, Calcar schreitet vor und wird im nächsten Sommer fertig. - Ob und in welcher Weise Ruse damals auch an dem Berliner Festungsbau betheiligt war, geht aus keiner vorbandenen Urkunde hervor.

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Dagegen hören wir, dass er gleichzeitig für den Herzog Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg die Citadelle in Harburg anlegte, worauf auch eine Medaille mit seinem Brustbild geschlagen wurde (1660).

Ueber seinen offiziellen Uebertritt in Churbrand. Dienste ist oben (S. 28) Alles mitgetheilt (vergl. auch Urkunden und Aktenstücke z. Gesch. des Kurf. Friedrich Wilhelm. V. 8. 922). Im Jahre 1660 erhielt R. von Moritz 3000 Thlr. als Abzahlung für den ihm in Entreprise übergebenen Bau der Calcarer Citadelle, die trotz des Widerstrebens der Stände 1667 vollendet wurde. Dieses seit 1680 wieder abgetragene Werk hatte dem Kurf. enorme Summen gekostet. Die Kosten allein der Bauarbeiten, die etwa dem Werth von Grund und Boden entsprachen, wurden von Ruse 1657 auf 40000, 1658 auf 64000 und 1661 auf 94000 Thlr. veranschlagt. In der kurfürstlichen Instruction für den, Statthalter vom 1. September 1662 wird verlangt, dass "insonderheit auch der Ingenieur Ruse Inhalts mit ihm gemachten Vertrags contentiret . . . werden möge." Etwas später heisst es: Der Ingenieur Ruse soll mit seiner diesjährigen Rate bis zum nächsten Jahr warten, oder die Summe in Holland oder Geldern aufnehmen, möglichst aber abrechnen. Weiter wird in einem Schreiben des Statthalters an den Kurfürsten (Cleve, 24. April 1663) von 11000 Thlr. zur Abfindung des p. Ruse gesprochen: "Damit dieser die Festung dies Jahr ganz fertig liefern möge, wie er denn schuldig ist und solches zu praestiren sich verobligirt hat." Und schliesslich bemerkt die Instruction für den Statthalter vom 4./14. Januar 1664 unter No. 7, dass der Ingen. Rase zur Vollendung der Citadelle in Calcar anzuhalten sei.

In diesem Jahre trat er in die Dienste König Friedrichs III. von Dänemark, um die Befestigung Kopenhagens zu leiten. Unter dessen Nachfolger Christian V. wurde er baronosirt (Vryheer van Rusenstein nannte er sich seitdem), dänischer Generalmajor (1673) und schliesslich Generallieutenant. Auch andere Ehrenstellen wurden ihm dort zu Theil: Kramin zählt sie sämmtlich auf. Dieser Autor bemerkt auch, dass R. einer Aufforderung , seinem Vaterland in schwerer Noth (1672) zu dienen, anscheinend nicht nachgekommen sei. Einige Jahre später finden wir ihn indess wieder in Holland. Ob er der "Architeet Rost" ist, welcher in einem Briefe des Brasilianers an "Mr. de Bentinck" genannt wird (Cleve, den 26. März 1677), muss ich dahin gestellt sein lassen. Dieser Brief, in welchem Moritz die Reize von Bergenthal bei Cleve schildert und sein letztes Buenretiro als ein Muster für die Anlagen von Soesdyk und Sorghvliet empfiehlt, lautet: ,J‘ay mille foys souhaité cette situation à S. Alt. à Sousdyck, il y a des montagnes, champs, prairies, une belle rivière, et un beau ruisseau, qui ne seiche jamais, d'ou je sçay bin que vous en serez amoureux. Elle n'a qu'une demie-heure de tour. Si vous estes curieux, je vous envoyeray la carte. S'il vous plaist de commander à l'architect Rost (? Ruse), - qu'il me vienne veoir icy un de ces jours, je luy feray veoir de choses, desquelles S. Alt. s'en pourra servir à Soesdyck, et vous a Sorghvliet . . ." (aus Groen v. Pinsterer, archives de la mais. d'Orange-Nassau. Ser. II. 5. (1650-1688). Utrecht 1861). - Ruse starb am 4. März 1679 auf seinem Landgut zu Sauwerd bei Groningen, im Alter von nur 54 Jahren. Er, seine Mutter und seine Gemahlin "Susanne Baronesse vvn Rusenstein," liegen in der Kirche jenes Dorfes begraben.

(Vergl. auch folg. Biographien: "Rosendahl, Henrik Ruse etc. Nykjöbing, 1846. 8° und J. H. F. Jahn, H. Ruse etc. Kjobenhaven. 1848. 8°).

ad 38. "Jacob Nic. Schmied, Kribbemeister aus der Altenmarck", so heisst er in einem Schriftstück: Dat. Cüstrin 17. Jan. 1654

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woraus auch hervorgeht, dass er vor dem Datum seiner Bestallung (Cölln an der Spree 1. Febr. 1654) als "flügell- oder Kribbenbawmeister" bereits in Kurfl. Diensten stand.

ad 42. Auf S. 83 u. 85 (Nachtrag) bin ich Nicolai's Angabe gefolgt, indem ich diesen Blesendorf als den Vater von Samuel Bl. und Konstantin Friedrich Bl. bezeichnete. Nach König verhielt sich aber die Genealogie nicht so einfach. Ein Goldschmied dieses Namens (Ananias Bl.) wird sonst nirgends erwähnt. Dagegen ergiebt sich aus den Kirchenbüchern von St. Marien und St. Nicolai zu Berlin Nachstehendes:

Samuel Blesendorf I., ein Goldschmied

(ehelicht am 24. Febr. 1630 Cathar. Reichard, Sebastian S.'s Dachgelassene Tochter.

Er stirbt am 20 April 1651.)

Konstant. Friedr. Bl.             Theodor Bl.                           Ernst Ludwig Bl.

(getauft 22. Febr. 1674)      (getauft 10. Nov. 1675.)      (getauft 16.Febr.1679; † 4. April

1680)

Sicherlich sind hier nicht alle Mitglieder der Familie Bl. genannt. Aber soviel geht schon aus Obigern hervor, dass Konstantin Friedrich nicht der Bruder des Ingenieurs Joachim Ernst Bl. († 1677; vergl. No. 57) war, sondern einer jüngern Generation angehörte. Dagegen ist nicht ersichtlich, ob zu dieser jüngern Generation auch der von Nicolai erst zu den Künstlern König Friedrichs I. gerechnete Samuel Bl. gehört. Denn wäre dieser also als Samuel Bl. III. zu bezeichnen und als ältester Sohn seines gleichnamigen Vaters vielleicht im Haag geboren, Das scheint auch den Thatsachen zu entsprechen, weil besagter Kupferstecher erst im Jahre 1690 seine Bestallung vom Kurfürsten erhielt und im Jahre 1696 die 17jährige Marie Cathar. Freers heirathete. Er starb bereits 1699 (nicht 1706, wie Nicolai angiebt), und sein jüngerer Bruder folgte ihm am 11. März 1700 (nicht 1707) als Hofkünstler. Dem Ersteren, der einen Sohn Joh. Samuel hinterliess, werden oft die schöneren Arbeiten Konstantin Friedrichs zugesprochen. Samuel Bl. III. hat sich auch mit Email-Malerei beschäftigt.

ad 45. Esaias Hepp oder Heppen, Bestallung vom 12. Febr. 1660

45a. Joannes de Renialme, Kunsthändler in Amst., offerirt dem Kurf. wiederholt Kunstwerke, zuletzt eine Sammlung von über 500 Gemälden (19. Aug. 1650). Seinem Schreiben liegt ein genaues Verzeichniss der Bilder (Notitie eeniger Rare stucken Schildereye) bei: Historien (Rembrandt, Lastman, F. Floris etc.), Landschaften (v. Balen, Jan Porcellis, J. Brueghel etc.), Seestücke, Portraits und Kabinetstücke (v. Eyck, Bril, Brueghel, Wouwerman etc.).

45 b. Dirk van Ryswick. Nicolai erwähnt diesen Amsterdamer Kunsthandwerker nur in s. Beschrb. von Berlin u. Potsdam und zwar als den Verfertiger eines mit Perlmutter-Einlagen geschmückten schwarzen Marmortisches (Inschr.: inv. et fec. Anno 1655) im Potsd. Neuen Palais.

ad 46. König (a. a. O.) citirt über Hamilton, der wohl zu jener in Brüssel ansässig gewesenen schottischen Künstlerfamilie Hamilton (S. Kramm a. a. O. S. 686) gehört, drei Urkunden. Die eine betrifft die Bestallung des Malers (18. Jul. 1661), eine andere (12. Febr. 1663) betrifft das ihm restirende Kostgeld und die dritte (Jun. 1671) handelt von seiner Entlassung, die Nicolai demnach zu früh angiebt. Das Staatsarchiv

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enthält folg. Decret auf Hamiltons Suppl. (Cölln 31. Oct. 1670): Dass "dem Suppl. seine Besoldung annoch biss auf Oster" continuiret werden solle."

ad 47. Huyberts Bestallung dat.: Cleve, 10. Jul. 1661 (König a. a. O.)

ad 48. Aus den Berliner Kirchenbüchern hat König Folgendes ermittelt: Jacob von Augsburg "Mahler und Gefreiter bey der Leibgarde" lässt am 3. Oct. 1652 eine Tochter, am 25. März 1655 einen Sohn, Christian Sigismund, zu St. Marien taufen; zuletzt wird er "Mahler zu Hoffe", und im J. 1661 bei seiner zweiten Verheirathung mit Maria Domestin "churfl. Hofmaler" genannt. 9. Aug. 1662, Decret auf Jacob v. A.'s Hofmalers Supplic., dass er mit keiner Contribution, noch Einquartirung solle belegt werden.

ad 49. Die erste Bestallung dieses "Contrefaiteurs" B. Matthissen dat. schon vom 10. Oct. 1659. Die Preise, die er für seine Arbeiten vom Kurf. erhalten sollte, wurden auf das Billigste normirt: Ganze Figur (Lebensgrösse), 20 Thlr., Kniestück 10 Thlr. und Brustbild nur 5 Thlr. Ausserdem hatte er sich selbst die Farben zu halten, hatte Reparaturen von Bildern zu machen und event. Unterricht im Zeichnen zu ertheilen.

ad 50. König nennt diesen Maler, dessen Bestallung vom 13. Febr. 1666 datirt, Jan Marins, während ihn Kramm als Johannes Marinus citirt. Nach Pieter Terwesten soll er von Geburt Haager gewesen sein und im J. 1658 ein Historienbild "Hagar u. Ismael" vollendet haben; noch bis 1665 wurde er in der Liste der Confrerie geführt. Dass er noch 1675 in Kurfl. Diensten stand, beweist ein Rescript an Romswinkel vom 30 Aug. (9. Sept.), woraus hervorgeht, dass M. vom Kurf. beauftragt wurde, in Holland gekaufte Gemälde etc. über Amsterdam und Hamburg abzuholen und nach Berlin zu schaffen.

ad 51. Ueber Wolfgrüber vgl. oben S. 78 ff.

51 a. Regalin, Maler zu Königsbg. i. Pr.; malte, nach König, im J. 1669 "ein Theatrum auff Churfl. Befehl."

51 b. Feltmann. In Königs Collect. finde ich folg. Notiz: "Der Waldschreiber Joh. Heinr. von Portzen soll dem Hofmaler F. ad dies vitae jährlich 20 Rthlr. zahlen, 16. April 1666." Es scheint hier der von mir oben S. 45 erwähnte H. Feltmann (1654) gemeint zu sein.

51 e. Janson, Maler aus Utrecht. So nennt O.v. Schwerin diesen Portraitisten, der die beiden Prinzen Karl Aemil und Friedrich am 14. Juni 1666 zu Helstein "in Clein" gemalt hat. Schon oben (S. 29) bemerkte ich, dass dieser Maler vielleicht ein Sohn des berühmten Cornelis Janszon van Ceulen gewesen sei. In Oudholland 1885 S. 75 lese ich folg. Auszug aus einem Utrechter Trauregister: 31. Dec. 1672. Jan Jansz. van Ceulen, schilder out 22 J., ouders doot, geassist. etc., en Annetje Roeloffs, van Amsterd., wedu. v. Pieter Pardou." Ob dieser im Erzieh. Journal der Prinzen gemeint ist? Uebrigens lebte auch in Königsberg damals ein gewisser Wilhelm Janssen, "Conterfey Maler u. Bürger in der Altenstadt," der einmal (nach König a. a. O.) angiebt, dass er sich in jener Stadt schon ziemliche Zeit aufhalte und vielbegehrt sei. War er vielleicht der Lehrer der beiden Prinzen in Königsberg (vgl. oben S. 83)?

ad 52. Die Litteratur über B. Eggers ist folgende: Ueber seine holländischen Bildwerke vgl. Galland (a. a. O.) S. 358 und 421. Die auf seine Berliner Thätigkeit bezüglichen Urkunden sind von mir in der Kunstchronik (Leipzig 1890 No. 6) zuerst veröffentlicht worden; seine jetzt im Weissen Saale des Berliner Schlosses befindlichen Sculpturen habe ich oben (S. 163 ff.) ausführlich gewürdigt. Dass Eggers 1687/88 in Berlin an-

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wesend war, ist erwiesen (vgl. unten ad 101); dass er bald nach seiner Rückkehr in Amsterdam verstorben ist, dürfte annehmbar sein, denn seine zittrige Namensschrift unter dem Kontract von 1688 ist die eines Kranken oder Altersschwachen. Die oben erwähnte Notiz bei König (a. a, O.) lautet wörtlich: "1692. 23. April. Ordre an Kuffelaar nach Amsterdam, mittitur authorisatio aus des verstorbenen Bildhawers Eggers Nachlassenschaft einige Modelle von Verfertigten churfürstl. Statuen abzufordern". Die Geburt des Künstlers dürfte um 1620 anzunehmen sein. Das Herbeischaffen des Steinmaterials für den Alabastersaal hatte eine ganze Reilie von Verordnungen zur Folge (Januar bis Mai 1682): 1. Verfügung an die Magdeburg. Kammer (10. Jan. 1682); 2. do. an David Reyger (10. Jan. 1682); 3. do. an D. Reyger, Oberamtmann zu Potsdam (31. Jan. 1682); 4. do. an den Amtmann zu Wolmirstedt (18. Febr. 1682). Aus diesen Verfügungen geht hervor, dass Massen von Marmor und Alabaster bei Wolmirstadt a. d. Elbe lagerten, und dass man deren Transport nach Berlin vorbereitete. 5. F. Wilh. Ch. Demnach Unser Halberstädt. Regierungsrath Heldbergk auff unsern befehl einige Hartzer Marmel und Alabastersteine brechen und anhero lieffern lassen, und desshalb einen Vorschuss von 3000 Rthl. angiebet, alss committiren Wir Euch hiermit in gnaden, Wegen solches, angegebenen Vorschusses von ihme richtige berechnung Zu fordern, und Zu vernehmen, wie Viel Er an stein geliefert. und was Er noch Zu liefern habe, und Uns davon forderlichst Zuberichten. Potztam, 24. May 1682. An die Ambts-Räthe Warniken und Lindtholtzen." Wie Abr. Bredius Herrn Dr. P. Seidel in Berlin mittheilte (Jahrbuch d. K. Pr. Kunstsgn. 1890), hatte Eggers im J. 1673 für den Kurf. vier Kindlein von Bentheimer Stein und ein Jahr darauf noch 8 Kindlein, ebenfalls aus Sandstein, sowie 12 Kaiserbildnisse von gutem Marmor gearbeitet. Da für die Kaiserbilder per Stück nur 95 Rthlr. und für die Kindlein zusammen 160 Thlr. gezahlt wurden, so begreife ich nicht, wie die Summe von 3250 Gulden herauskommen soll. Auf die ersteren Skulpturen scheint sich folg. Notiz im Ausgabebuch der Kurfl. Kunstkammer (Manuscr. d. Kgl. Bibl. zu Berlin) zu beziehen: "den 4. July 1689. Zwölff Röm. Kayser (und ein Alabaster Kindlein) aus Sr. Exe. des Herrn Geh. Estat Rath Von Danckelmanns Hauss, in die Kunst Cammer tragen Zu

lassen . . . 6 Gr." (vgl.           auch d. Abbg. d. Kunstkammer bei Beger, Thesaur. Brandbg. 1695). Nach Bredius hätte Eggers am 28. Jan. 1682, durch Vermittlung des M. M. Schmidt, den Auftrag erhalten, noch 12 röm. Kaiserinnen, ferner eine Pallas, auf einer Vase stehend, mit 4 Delphinen aus italien. Marmor für den Kurf. zu meisseln; über diese Arbeiten wurde 1685 prozessirt. Was die Kaiser- und Kaiserinnenbüsten betrifft, so glaube ich wohl, dass sie heute vorn im Park des Charlottenburger Schlosses stehen und dass sie, dieselben sind, welche Gurlitt, auf Nicolai gestützt, (a. a. O. S. 16) für Werke des Danziger Bildhauers Caspar Günther hält. In jedem Falle aber befindet sich Eggers Pallas z. Zt. in jenem Park, in der Nähe genannter Büsten. Die Marmorfigur ist, nach ihrer Zertrümmerung, in

jüngster Zeit restaurirt worden, Kopf und Arme mit dem Speer sind vollständig erneuert worden; auch ist sie, nach Beseitigung der Vase und der 4 Delphine, keine Brunnenfigur mehr. Sie steht jetzt vielmehr auf einem schlichten Postamente. Aber trotz alledem erkennt man sofort, dass das qanze ursprünglich nichts weiter war als eine für Eggers gr öberen Formensuin eigenthümliche Kopie der Minerva des A. Quellinus zu Kleve.

ad 68. Lm Staatsarchiv liegt das Konzept des Kontractes der wegen Anfertigung von 12 Römischen Kaiserbüsten und einiger Kammine am

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22. Januar 1663 mit dem Danziger Bildhauer geschlossen wurde. Der Kurfürst weilte zu jener Zeit in Königsber i.Pr. Nach § 3 der Vereinbarung hatte der Künstler die Skulpturen wohlverpackt von Danzig nach Berlin zu verschicken.

ad 54. Nicolais Bemerkung, dass Sitte auch in Holz gearbeitet hätte, wurde offenbar durch folg. Kurf. Verfügung (Cölln an der Spree 6./16. November 1673) veranlasst: S. Churf. Durchl. Zu Brandenburg etc. befehlen Dero Oberjäger Meister den Von Oppen hiemit in gnaden, dass Er Dero Bildhawer Artus einen guthen fichtenbaum, so wie Er denselben begehren wird, anweisen und abfolgen lassen solle." Wir haben diesen Artus schon an anderer Stelle (vergl. oben S. 176 ) als den fragwürdigen "Berliner Quellinus" bezeichnet, dem man das von Sparrsche mächtige Grabrelief im Chor von Marien zu Berlin zuschreibt. Dass dieses Relief schon 1663 vollendet war, geht aus folg. Stelle des Erziehungs-Journals (a. a. O.) hervor: "Den 21. (Juli 1663) ist gegen 11 Uhr der Feldmarschall Sparr Zu Vns gekommen, mit welchem der Prinz (Karl Aeinil) geredet, undt ist derselbe auch zur Tafel geblieben. Nach dem Essen zur Prinzess Catharina gegangen, umb 2 Uhr geschrieben, bis 4 studiret. Dann seind wir Zusammen nach der Marien Kirche gefahren undt haben des Feldmarschalls Sparr neuerbautes Begräbniss undt Epitaphium von Marmor besehen."

ad 56. C. Gurlitt nennt Chieze einen Wallonen; ohne seine Quelle zu kennen, habe ich eine ähnliche Vermuthung gehabt, als ich dem Namen "de Chieze" wiederholt im Tagebuch des Huygens begegnete (z. B. 6. Oct. 1661). Der Meister gehörte also wohl zu dem Bekanntenkreis des "Brasilianers" und des Pieter Post. Auch entnehmen wir aus einem Schreiben des Freiherrn von Spaen (Cleve, den 12. August 1671; vergl. unten 65a), dass dieser mit Chieze von Cleve nach Amsterdam reiste, um dort eine dem Kurf. offerirte Kunstsammlung in Augenschein zu nehmen; dieser Brief lautet am Schluss: "Wie es mit der fortificationsarbeit Zur Lippstadt, ingleichen mit der Vestung Calckar stehet, davon wird der Generalquartiermeister Chieze unterthänigst ausführlich berichten."

ad 57. Die Frage, in welchem verwandtschaftlichen Verhältniss dieser Ingenieur zu den beiden oben erwähnten Kupferstechern stand, wird durch König nicht beantwortet. Dass er ein Sohn des Ananias Bl. gewesen, versichert wenigstens Nicolai. Doch lebte in Berlin auch ein Caspar Bl., der nach dem Kirchenbuch von St. Nicolai am 30. November 1637 einen Sohn Andreas und am 28. März 1839 einen Sohn Christian taufen liess. Den Namen "Maria Elisabeth Blesendorffin, Wittib" las ich unter einem 1686 aus Hamburg an den Kurf. gerichteten Bittgesuch. Ist das die Wittwe des Ingenieurs oder die Schwester von Samuel und Konstantin Friedrich, die, einem damaligen Brauche entsprechend, den väterlichen Namen beibehalten hatte ?

58a. Caspar Schröter, Landmesser und Baumeister. Seine Bestallung in ersterer Eigenschaft (Cölln a. d. Spr. d. 9. Juli 1664) erhält (r "wegen seiner erlangten experientz sowohl in studio Geometrico alss auch Mathematischen undt sonst allerhand Mechanischen Künsten." Rescript von 4./14. Juli 1666, nach König (a. a. O.): "Der neu angenommene Bau Meister Caspar Schröter soll bey seinem Dienst gebührend geschützt werden, des alten Bau Meisters hierauss expectirter Sohn aber soll sich in dieser Kunst zu seiner künfftigen Beförderung noch besser qualificirt werden."

58b. Christian Neubaur, Landmesser, erhält den Auftrag (6. Mai 1667.) Ländereien in den Aemtern Zehdenick und Liebenwalde

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aufzumessen. Seine Bestallung als kurfürstlicher Landmesser datirt in Konzept (Geh, Staatsarchiv): Cölln a. d. Spr. 8. Juli 1667.

61a Mahrenholtz, Kurf. Rath und Agent in Regensburg. Er war beauftragt, dort nach Kunstwerken und Raritäten zu forschen und sofort nach Hofe zu berichten. Einen Theil dieser höchst interessanten Korrespondenz findet man im Geh. Staatsarchiv: 1. Der Kurf. an M. (Königsberg 3. April 1663); er dankt für dessen Bemühung und befiehlt den Kauf einzelner der ihm empfohlenen Objecte. 2. M. berichtet von Neuem (Regensburg 23. Mai, 1. Juni 1663) über Kunstwerke. 3. Der Kurfürst an M. in gleicher Sache (Königsberg 8./18. Juni 1663).

ad 62. Dieser Maler ist ein Bekannter aus dem Haag, wo er nachweislich wenigstens Mitglied der Malergenossenschaft war. Hinsichtlich seiner Berufung nach Berlin ist folg. Schreiben des Kurf., an den Obersten Weesen im Haag, von Interesse (Konzept im Staatsarchiv): "Weil in unserer Vielgeliebten Gemahlin Lbd. heute der neu angenommene Hoffmahler Willeney Zum fügligsten anitzo anherokommen kan, Alss befehlen wir Euch hiemit gnädigst, Ihr wollet Denselben, wan Er Sich in dem Hage bey Euch angeben wirdt, neben seiner familie mitnehmen, auch die Vorsehung thuen, damit Er mit pferden und wagen, wie auch logirung, futter und mahl unterwegens biss anhero versorget werde. Geben etc. Cöln a. d. Spree, den 5. Marty 1667. An Monsr. Weesen." Der Name des Künstlers kommt noch einige Male in den Berliner Urkunden vor. Auf seine Beschwerde, dass ihm an ¾ jährl. Besoldung noch 450 Thlr. restiren, befiehlt der Kurf. dem Rath Heidekampf genannte Summe allmählig abzuzahlen (Potsdam 28. Aug. 1673). Ein gleicher Befehl kommt später den "Erben des Oberzolldirectors Heyderkampf" aus dem "Haubt Kwartier zu Perleberg" (28. Juni 1675). Ferner verfügt der Kurf. auf ein Bittgesuch der "Maria te Harms, Niclas Willings hinterl. Wittwe," dass "der Supplicantin über die Vorher erhaltene assignation annoch 100 Thlr. Zuzahlen und stehet ihr frey ihren Sohn die Mahlerkunst lernen zu lassen, wo Sie vermeint, dass er solche am besten lernen könne. Cölln 28. Februar 1682." Endlich: (Cölln 3. April 1682) Befehl, der Suppl. Willings Wittwe, die restirende Besoldung ihres verstorb. Gatten (150 Thlr.) auszuzahlen.

ad 63. Ueber Th. v. Thulden, der nach Woermann (a. a. O.), im Jahre, 1606 zu Herzogenbusch geboren wurde, brauche ich hier nichts Näheres mitzutheilen und verweise mir auf obigen Autors Geschichte der Malerei III S. 461 und auf Kramm S. 1626-1628. Woermann nimmt übrigens das Todesjahr des Meisters wohl zehn Jahr zu früh an, da Th. noch in der letzten Zeit des Grossen Kurfürsten für das Potsdamer Schloss jene allegor. Darstellung mit Bezug auf den Frieden von St. Germain (1679) geschaffen hat. Thatsächlich liest man in ältern Büchern auch 1686 als Todesjahr. Die persönlichen Beziehungen des Meisters zu Friedr. Wilhelm, auf die Letzterer einmal mit Nachdruck hingewiesen hat (vergl. oben S. 81), reichen sicherlich bis auf das Jahr 1648 zurück, als van Thulden hervorragende Wandgemälde im "Haus und Busch" schuf.

ad 64. Auch Kramm nennt ihn einen Haarlemer Maler, während neuerdings (Archief v. Nev-Kunstgesch. V. S. 140) seine Zugehörigkeit zur Haager Malergilde (1661) nachgewiesen wurde. Willem Frederik van Royen war Stilllebenmaler, und der Kurfürst beauftragte ihn, wie zahlreiche Proben seines Pinsels veranschaulichen, gern damit, Blumen und Früchte mit eigenthümlichen oder abnormen Bildungen darzustellen. Am 2. März 1689 erneuerte Friedrich III. seine Bestallung als Hofmaler und am 9. Juni 1708 wird er Direktor der Berliner Akademie der Künste.

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64a. Pieter Nason, der von 1639-1680 im Haag blühte und von dem wohl auch ein sehr umfangreiches herrliches Doppelportrait des Kurfürsten und der Kurfürstin Louise Henriette herrührt, ist von ältern Autoren nahezu todtgeschwiegen worden; nur Campo Weyermann gedenkt seiner flüchtig. Erst Kramm hat die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt. Ueber seine kunstgeschichtliche Stellung vergl. oben S. 133.

64b. Johannes Mytens, der ebenfalls im Haag (von 1656 bis 1687) blühte, hat ein Portrait der ganzen Kurf. Familie gemalt.

ad 65. Auch Fromantiou (so hat er selbst seinen Namen geschrieben) war vorzugsweise Stilllebenmaler. Statt Nymeyen, wird jetzt Mastricht als sein Geburtsort (geb. 1633/4) angegeben. Er war Schwiegersohn des berühmten Ph. Wouwerman. Seine Berufung als Hofmaler des Kurf. datirt vom 20 Oct. 1670 Welches Gewicht Frd. Wilhelm auf sein Urtheil legte, geht am besten aus dem unten mitgetheilten Prozess gegen den Amsterd. Kunsthändler Eylenburg hervor. Das Staatsarchiv enthält folg. Urkunden über ihn: 1. Decret (Potsdam 9./19. Dez. 1679), dem Hofmaler F. wegen reparirter Malereien 150 Thlr. zu zahlen. 2. Nachdem zu ihm am 12. März 1681 Friedrich Christian Nuglisch (gegen 100 Thl. jährlich) auf 3 Jahre in die Lehre geschickt wurde, wird ihm am 25. Oct. 1681 der Leibmohr der Kurfürstin, Friedrich de Coussy, als Schüler (gegen "jährlich 100 Thlr. und speisungsgeld") überwiesen. 3. Kurf. Schreiben an "Printz Robert in Engelland" (Cölln, 22. März 1682): "Demnach gegenwärtiger Vnser Hoffmahler Froinenteau nachher Engelland reiset umb bey der bevorstehenden auction der Von dem Verstorbenen Kgl. Mahler (nemlich Sir P. Lely, der 1691 am Schlage starb, während er die Herzogin von Somerset malte) Verlassenen stücke sich ein Zufinden, so haben wir denselben Ew. Lbd. dahin recommendiren wollen, damit Er

sich auff alle fälle Ew. Lbd. protection Versichert halthen Könnthe." 4. Befehl an Heidekampf, dem F. das restirende Lehrgeld für Nuglisch zu zahlen (Potsdam, 28. Apr. 1683). 5. (Konzept, Potsd. 13. Jun. 1684): Fr. soll 50 Thlr. als Entschädigung für s. Reise nach Danzig gezahlt werden. 6. Decret, auf Fr. "pretendirte Baukosten" (Cölln, 19. Jun. 1690): Er soll sie erst "verificiren", dann würde weiter verordnet werden. Nach König (a. a. O.) starb Fr. im J. 1694 in Berlin und hinterliess 3 Söhne, Philipp, Arnold und Antonius.

65a. Gerard Uylenborch, Maler und Kunsthändler in Amsterdam. Er offerirte dem Kurfürsten eine Sammlung von italienischen und niederländischen Gemählen und Statuen. Dieselbe wurde zuerst von de Chieze und dem Freiherrn von Spaen an Ort und Stelle besichtigt und unter Vorbehalt gekauft" worauf eine, grössere Anzahlung an Eylenborch erfolgte. Nachdem die Bilder aber in der Mark eingetroffen waren, gab der kurf. Sachverständige Fromantiou sein Urtheil dahin ab, dass die italienischen Stücke nicht Originale, sondern lediglich Kopieen seien. Darauf folgte die Rückgabe der ganzen Sammlung an den Amsterdamer Händler und eine Reihe verdriesslicher Massnahmen Seitens beider Parteien. Das Staatsarchiv besitzt nicht alle Schriftstücke, die den "Fall Uylenburg" illustriren; soweit sie dort vorhanden, gebe ich sie nachstehend verkürzt oder nur darüber referirend. 1. Freiherr von Spaen an den Kurf. Schreiben, datirt Cleve den 12. August 1671. Ew. Churfl. Durchl. berichte ich hiermit unterthänigst, dass ich mit dem General Quartiermeister Chieze vor ein Zwölff tagen Zu Ambsterdam gewesen, daselbsten die Gemählte und Statuen Zubesichtigen, bey dem Kauffmann Uylenburg . . . . Ich habe darauff gemelte Gemählte und Statuen, wie beyliegende Specification Zeiget,

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auff solche Conditon gekaufft, dass dafern ein oder Ander stück darunter were, welches Ew. Churfl. Durchl. nicht gnädigst gefiele, Deroselben frey stehen solte, Dasselbige aus Zuschüssen und Zurück Zu geben..." 2. Kurf. Empfangsbestätigung. Das Schreiben (Potsdam d. 5./15. September 1671) zeigt O. v. Schwerins, markige Handschrift (Konzept). 3. Der Kurfürst übersendet v. Spaen eine Anweisung zu folg. Geldsumme (Potsdam d. 21. September 1671): Für Uylenburg 2771 Thlr., dessgl. Vor einen Bluhmentopff vor Joffr. Maria van Osterwyck 126 Thlr.," für de Chiezes Reise und Zehrung 75 Thlr. 36 Gr., In Sa. 2972 Thlr. 36 Gr, Diese Summe hat er sich "aus den ietzt lauffenden Jahres Cassageldern gegen Quitung bezahlen zu lassen." 4. Brief v. Spaens an den Kurf. (Cleve 11. November 1671). Meldung des Betrugs Uylenborchs, dem bereits 2000 Thlr. angezahlt worden seien. 5. "Burgemeesteren ende Regeerders der Stad Amsterdamme" senden (wohl auf Uylenborchs Veranlassung) dem Kurf. ein ehrenvolles amtliches Zeugniss von der Unbescholtenheit des schwerbeschuldigten Malers und Händlers (Amst. 6. Jan. 1672). 6. Sehr ausführl. holländisches Schreiben Uylenborchs an den Kurfürsten (Amsterdam ohne Datum); er beschwert sich über Fromantiou und fordert den Kläger zu einer Reise nach Amsterdam auf (2 Exemplare, Original und Abschrift für Fromantiou). 7. Rescript des Kurfürsten an Fromantiou (Datum Cölln a. d. Spree 12. Jan. 1672). Friedrich Wilhelm Churfürst. U. G. G. Z. Lieber getreuer. Du wirst aus beyliegender Supplication ersehen, wie höchlich Gerit Uylenborch, Schilder und Kaufmann in Schildereyen Zu Amsterdam sich über Dich beschweret, dass Du vorgeben dörfte, dass die Schildereyen, die er Uns vor Originalien verkaufft, nur Copien seyn solten. Weil wir Vns nun erinnern, dass Du solches beständig asseriret hast, so ist nicht mehr dan billig, dass Du solches beweisest. Dahero nötig seyn wird, dass Du auf einen gewissen Tag, welchen Du bestimmen und dem Supplicanten benennen wirst, dich nacher Amsterdam begebest, und aldar Vor einige in der Mahlerkunst erfahrenen Meistern Klärlich Darthust und beweisest, dass Die Vns Von dem Supplicanten Verkaufften stücke keine Wahre Originalien sondern nur nachgemachte Copien seyn . . . . An H. Fromento Kunst Mahler." 8. (Konzept) Decret auf G. Uyl. v. Amst. Supplic. (Cölln 25. Jan. 1672) an "Henry Fromenteau". Binnen 3 Tagen soll er Supplicanten mittheilen, wenn er sich in Amsterd. persönlich stellen werde. 9. (Konzept) Decret auf "Henry Fromenteau Supplic" (Cölln 31. Jan. 1672); Fr. soll die Kunstwerke gut verpackt und versiegelt per Schiff mit sich nach Amsterdam nehmen. 10. (Konzept) Decret auf des Malers G. Uyl. Suplic. an den Freiherrn von Spaen in Cleve (Cölln, 17. Febr. 1672). Ordre und Instruction, wie sich v. Spaen mit der Restzahlung an den Supplicanten zu verhalten habe. 11. Verhandlungs-Protokoll des Amst. Notars Adrian Lock. Betrifft den Verhör der anscheinend von Fromantiou vorgeschlagenen Zeugen und Sachverständigen: Amsterdam den 12. Mai 1672. Dabei liegt eine amtliche Beglaubigung von Seiten der Bürgermeister und Regenten d. Stadt Amsterdam. Das Protokoll liegt vor im Holl. Original und in Deutscher Uebsetzung. Folgende Zeugen sind geladen worden: Willem van Aelst, Jan Wynants, Jan Andr. Lievens, Melchior de Hondecoeter, Adam Pynacker, Barth. Appelman, Wilhelm Kalff, Hendrik v. Someren, Otto Marseus, Berndt Graut, Mattheu Vellekum, Roeland Roghman, Daniel Wolffaert, Jacob Vennekol, Lambert Doemer, Gerard Leraisse, Jan Wils. Alle in Amsterdam wohnhaft. Sie sagen aus, dass sie 12 Italienische Gemälde, angeblich von Michelangelo, Giorgone, Tizian, Palma.Vecchio, Raphael

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u. a. geprüft hätten und diese Bilder für schlecht erklären müssen. Dieses Urtheil scheint dem Kurfürsten per Express zugegangen zu sein, denn 10 Tage darauf handelt er dementsprechend. 12. Kabinets-Ordre und Kurf. Rescript (Cölln, 22. Mai 1672): "Befehl an Fermento den Mahler, dass Er die schildereyen an Eulenburg geben undt sich so fort wiederum Nacher anhero, Potstam, verfügen soll." Inzwischen hatten aber die Verhandlungen in Amsterdam ihren Fortgang genommen. 13. Verhör vor dem Notar: (wie oben) Zwei Schriftstücke (Holl. Original und Abschrift). "Wir Unterzeichnete, Maler in Amsterdam erklären hiermit, dass wir am 14. Mai 1672 in der Herberge zur Kaiserskrone in der Kalverstr. gewesen und dort einige Gemälde geprüft haben . . . Philips de Momper, Wilhelm Stryker, Dirk Ferreris, Pieterse Niedeck, Lodewyck van Leidick, Abr. Begyne, Hermanus Collenius, Pieter Codde, Christian Striep und David Eversdyck." Sie sagen sämmtlich günstig für Uyl. aus. Amtliche Beglaubigung wie oben. 14. Protokoll und amtliche Beglaubigung vom 21. Mai 1672 wie bei 11. und 13. Zwei Schriftstücke vorhanden (Holl. Original und Deutsche Uebersetzung). "Heute den 17. May 1672 erschienen vor mir, Adrian Lock, Notar etc. zu Ambsterdam wohnhafft, Folgende Zeugen: Dirck Sandvort, Jan Blom, Walerant Vaillant, Anton de Grebber, Gerbrandt van den Eckhout, Johan Lingelbach, Abraham van den Tempel, Adrian Backer und Philip de Koninck, Allesamt Kunstmahler und wohnhaft in dieser Stadt . . ." Die Aussagen auch dieser anscheinend von Uyl. vorgeschlagenen Sachverständigen lauteten durchweg günstig, wenn sich auch einige der Zeugen, durch gewisse Einschränkung ihres Lobes, zu salviren suchten. Damit waren die Amsterd. Verhandlungen, in welche die Blüthe der damaligen dortigen Künstlerschaft hineingezogen wurde, beendet. Der Kurfürst scheint aber auf die Reinwaschung seines Bilderlieferanten Uyl. durch dessen Freunde und Gönner nicht weiter reagirt zu haben. Wie die böse Sache ferner verlief und endete, können wir aus den Berliner Akten, welche offenbar nicht Alles enthalten, was von den beiden Parteien veranlasst wurde, leider nicht entnehmen. 15. Rescript des Kurfürsten an den Clev. Vieckanzler Rombswinkel (Potsdam, 5. Mai 1674). Hieraus erfahren wir, dass der Kurfürst z. Zt. blos ein auf 180 Thlr. taxirtes Bild von Spagnoletto für sich zurückbehalten hatte; das Uebrige wurde Uyl. zur Verfügung gestellt, also doch wohl nicht ausgehändigt. Und Uyl., der den Haupttheil der Kaufsumme, nemlich 2000 Thlr., noch besass, liess die Sache einfach hängen. Nun erhielt Rombswinkel den Auftrag, von "Uylenborgh Zu vernehmen, was eigentlich seine meinung, und ihn zur herausgebung des übrigen Geldes anzuermahnen." Nur anzuermahnen! Man sieht, der Kurfürst nahm den Schaden mit grosser Würde hin. Wir Modernen glauben natürlich ebenfalls nicht an die vielen echten Raphael, Michelangelo, Tizian, Giorgione und Palma Vechio.

65 b. Lüderitzer, Kaufmann in Leipzig. Decret (Potsdam 28. Dezember 1676): L. "vor Vier schildereyen, welche S. Ch. D. von ihm erkaufet, 400 Thlr. ausszuzahlen."

66. De Vries in Oudholland 1885 veröffentlicht, aus einem Amst. Trauregister, dass am "12. Maart 1660 Ottmar Ellinger, van Coppenhagen, Contrefyter, out 26 j., de vader in Noorwegen . . . en Teuntje van Walseappel. van Dordrecht, out 27 j." getraut wurden; in letzterer vermuthet de Vries eine Schwester des Blumen- und Fruchtmalers Walseapelle. Auch E. cultivirte in Berlin hauptsächlich das Genre des Stilllebens.

ad 69. Folgendes Rescript ist dem Geh. Staatsarchiv entlehnt:

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"S. Churfl. Durchl. zu Brandenbg. etc. befehlen dero Oberschenken dem von Börstel hiermit in gnaden, die Zwischen den beiden Mahlern Vaillant und Baratta entstandenen differentien zu untersuchen, solche in der güte bey zu legen und sie Zu vergleichen sich Zu bemühen, in Entstehung der güte aber unterthänigst bericht abzustatten. Cölln a. d. Spr. den 31. Dec. 1673." Für seine Reise nach Hannover empfängt er (20 März 1682) eine Vergütigung von 50 Thlrn. Houbraken spricht auch von einer Reise nach Wien und von einer gold. Medaille, die ihm dort für ein vom Kurf. bestelltes kaiserl. Portrait verliehen wurde. Seine Bestallung als Hofmaler wird unter dem Thronfolger des Gr. Kurf. am 30 März 1689 erneuert, und nach s. Tode (1691) beruft sich seine Gattin Adriana Ryckwaert in einem Gnadengesuch an Friedrich III. auf die 18jährigen treuen Dienste Vaillants und auf ihre drei unerzogenen Kinder. Der Kurf. gewährt ihr am 12. Aug. 1691 die Besoldung ihres Gatten noch für das laufende und das folgende Quartal. Sie heirathet später von neuem, und einer ihrer Söhne von Vaillant tritt bei A. Terwesten als Maler in die Lehre.

ad 70. Die betreff. Urkunde im Staatsarchiv, welche du Verdlon's Erwähnung thut, dat. Potsdam d. 20 Febr. 1674.

ad. 71. Nur wenig ist hinzuzufügen. Auf Befehl des Kurf. hatte sich Sam. T. Guericke bei ihm in der Malerei vervollkommnet, wofür er 80 Thlr. Lehrgeld empfing; die Lehrzeit dauerte von April 1687 bis April 1688. Kurf. Friedrich III. befahl Romandon am 7/17. Juni 1689 dem Emailmaler Eppenhof, der ein Bildniss der Kurfürstin ausführen sollte, ein von ihm gefertigtes Originalportrait zur Verfügung zu stellen. Guericke wurde im J. 1698 Hofmaler

ad 72. In den Urkunden wird er einmal "Clerequin" genannt. Ein Kurf. Decret (Potsd. 14. Jun. 1680) lautet: "Weil S. Ch. D. Adam Clerck etc. in Dero Diensten continuiret wissen wollen," so sollen "Ihm nicht allein die restir. Quartale, sondern auch das Current, gemäss der Bestallung" ausgezahlt werden. Und ein Jahr darauf wird ihm vom Kurf. befohlen (Potsd., 31. Jan. 1681), seine project. Reise nach Cassel nicht eher anzutreten, als bis er dessen Portrait, das nach Frankreich gesandt werden solle, vollendet habe.

72a. Jan de Baen, Portraitmaler, dem Houbraken (Gr. Schouburgh, deutsch v. Wurzbach 1880 S. 280 ff.) viel Aufmerksamkeit schenkt, wurde am 23. Jul. 1676 im Haag das Praedicat, eines Churbrandbg. Hofmalers verliehen, nachdem ihn der Kurf. dort aufgesucht, um ein Bildniss der Kurfürstin zu bestellen. Jener Autor will uns glauben machen, der Künstler hätte einen mit 6000 G. verbundenen Ruf nach Berlin abgewiesen und das aus Rücksicht auf die Bescheidenheit seiner Gattin. Dafür hätte er aber seinen besten Sehüler Jan van Sweel, der mit 2000 G. zufrieden war, dem Kurf. empfohlen. De Baen soll zu Haarlem am 22. Febr. 1633 als Sohn eines Flachshändlers geb. sein.

ad 74. Zur Lebensgeschichte dieses mittelmässigen Kupferstechers, dessen kritische Würdigung bei König (Collect.) eingehend und zutreffend ist, muss bemerkt werden, dass Joh. Gottfr. Bartsch seine Bestallung als kurf. Kupferstecher bereits im Nov. 1665 erhielt. Schon als der Kurf. seine mathemat. Illustr. eines Werkes des Baulehrers N. Goldmann gesehen, beschloss er, B. anzustellen (24. Juli 1665): "So seind auch S. Churfl. Durchl. nicht ungeneigt, den Kupferstecher Gottfried Bartz in Dienst zu nehmen." B. wurde "an de Chieze verwiesen, der ihm befehlen sollte" (König), und empfing 200 Thlr. Gehalt u. 100 Thlr. Kostgeld. Säter (1674) wurde ihm durch, ein Privileg noch besonden geatattet, mit Kupfer-

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stichen zu handeln; auch erhielt er zu seiner Besoldung noch jährlich "drey Huffen Holtz" geliefert. Als er 1686 (nicht 1684) aus d. kurfl. Dienst trat, soll er, Dank seiner künstler. Fruchtbarkeit, ein Vermögen besessen haben. Ferner soll er noch 1694 zu Königsberg i. P. gelebt haben. Weiteres über ihn ergiebt in Berlin das Kirchenbuch von St. Nicolai. Hier fand am 21. Febr. 1670 seine Eheschliessung mit Anna Margarethe Schönmann (geb. 29. Febr. 1652), nachgelassenen Tochter des HofschlosserMeisters Sigismund Schönmann statt; die Gattin starb schon ein Jahr darauf, in Folge der Geburt eines Sohnes Joh. Michael. Am 2. Febr. 1676 wurde ebendaselbst sein Sohn Gottfried aus 2. Ehe mit Anna Hühner getauft. Bezüglich der Werke B.'s verweise ich auf die Angaben bei Nagler, Heineken, le Blaue u. s. w. In J. Meyers Künstl. Lex. III S. 78 heisst es: "Er stach 25 Platten nach Gemälden der kurfl. Gal. in Berlin, ausserdem namentlich Portraits." Im Ganzen werden dort ca. 42 Bl. namhaft gemacht. Weit ausgiebiger sind Königs Collect.

ad 75. Ueber Giovanni Maria Baratta notire ich C. Gurlitt's Urtheil, der ihn den ersten bedeutenden Ankömmling in Berlin nennt und hinzufügt: "Dieser B. ist vielleicht derselbe, welcher in Rom unter Algardi gearbeitet." Ebenso ungewiss ist Gurlitt, ob Franz Baratta (ad 98), der seinem Bruder in Berlin folgte, identisch mit dem gleichnamigen römischen Meister ist; alsdann wäre er jenem überlegen. Auch in Dresden entfaltete Franz Baratta (um 1680) eine reiche Thätigkeit.

ad 76. Michael Döbeler, der in den Urkunden auch Döbel genannt wird, ist nicht mit dem nur unter König Friedrich I. thätigen Hofbildh. Und Landbaumstr. Joh.Christoph Döbel († 1713) zu verwechseln. Sein gleichnamiger Vater war Architect und Bildh. zu Königsberg i. Pr., seine Mutter hiess Eva D. Unser Künstler wurde am 25. Oct. 1635 zu Schweinitz in Schlesien geboren; Kurf. Frd, Wihelin liess ihn 3 Jahre lang in Holland, Frankreich und Italien reisen, von wo er sich sogar nach Sicilien, Malta und Egypten begab, um ein halbes Jahr lang in Alexandrien baukünstlerische Studien obzuliegen. Nach s. Rückkehr machte ihn der Kurf. zu seinem Bildh. u. Landbaumstr., in welcher Stellung er gegen 45 Jahre verblieb (König, Collect.). D. heirathete im J. 1665 Anna Maria de Willers, Tochter des Hofbildh. Job. Arn. Willers; aus dieser Ehe gingen 5 Söhne und 3 Töchter hervor, von welchen nur Philipp Gottlieb und Eva Maria den Vater überlebten (ein zweiter Sohn Michael wurde 7. Oct. 1669 zu St. Marien getauft). Zum zweiten Male heirathete D. Anna Gabriela Colombel, jüngste Tochter eines Churbrandbg. Geh. Kanzlei Secretärs. Aus letzterer Ehe überlebten Justus David, Anna Charlotte und Eleonore Louise den Vater. D. starb am 8. Aug. 1702; die auf s. Tode gehaltene Leichenpredigt von D. E. Jablonsky ist im Druck erschienen (Berlin 1702 Fol.); er wird hier "Joh. Michael D. Kgl. Preuss. Hof Bildhauer u. Preuss. Landbaumeister" genannt. Nach dem Tode Friedrich Wilhelms ward er am 2. Oct. 1689 als Hofbildb. bestätigt. An Urkunden bez. seiner Person citirt König (a. a. O.) zwei vom J. 1667: 8. Februar.

Den Bildh. Döbel bey der ertheilten Execution zu schützen (Staatsarchiv R. 7 u. 32) und 2. März. Der Bau Meister Döbell soll in Pflicht genommen werden, es sind ihm zu Reisekosten 40 Thlr. auszuzahlen, wobei zu berichten, ob ihm die Bestellung der Bagage in Port Pillau mit anzuvertrauen (R. 7 n. 10 b.). Am 29. Juni 1674 wird ihm vom Kurf. gestattet, dringenden Falles die hiesigen Gesellen aus ihrer Arbeit zu seiner Hilfe fortzunehmen. Kurf. Rescript (Cölln a. d. Spr. 14. Jul. 1674) an Herrn Grumbkau etc.: "Aus der eingeschl. Supplication werdet ihr mit

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mehreren ersehen, wass Michel Döbeler für beschwerliche klagt, wie sein geselle Jacob Jacobsen v. d. Bruch (sich) führt, und was er desfals Zu Verordnen gebeten. Wir committiren euch darauff gdst., die parteien forderlichst Vor Euch Zu bescheiden, die sache Zu hören und Darinnen der billigheit nach Zu verabscheiden." Am 14. Juni 1676 erhält D. die Aufsicht üher den Bau zu Bornim bei Potsdam (St. Arch. R. 21 n. 123). Ob er oder Joh. Christ. Döbel in nachsteh. Kurf. Decret (Cölln a. d. Spr. 21. Juli/l. Aug. 1694) gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen: "S. Ch. D. etc. befehlen dem Bildh. Döbeln hiermit in Gnaden, Von disen Sachen und ihrer beschaffenheit seinen etc. bericht Zu fernerer Verordnung abzustatten, auch dieses Supplicat zugleich wieder mit einzusenden" (unterzeichn. v. Rhetz). In "Bär" (Bd. XII) wird bemerkt, dass D. auch ElfenbeinSchnitzer war; sein Monogr. M. D. trägt z. B. ein Stockknopf von Elfenbein, daran 6 Kindergenien die Kurf. Insignien und die des Hosenbandordens halten (frühere Kunstkammer).

ad 77. Im J. 1674 sass dieser van der Bruch aus irgend irgend einem Grunde, in Haft. Darauf bezieht sich folg. Kurf. Decret auf Jacob Jsz. van der Bruch, Bildhauers Suppl. (Cölln etc. 19 Juni 1674): "S. Ch. Dchl. befehlen hierauff Dero Hauss Vogt, dem Suppl., wan er Caution auff 200 Thlr, geleistet haben wirdt, die Hafft Zu erlassen . . ."

ad 78. König (a. a. O.) citirt zwei Urkunden von 1672 und 1674, kurfl. Rescripte, die sich auf die Besoldung Leygebe's beziehen. Letzterer war zwei Mal verheirathet, mit Magdalena Liechtmann uud mit Anna Gerhard. Nützmann, die 1685 als Wittwe verstarb. Ausser 4 Söhnen hinterliess er noch eine Tochter Anna Magdalena, getauft am 4. Juni 1669 zu St. Marien. Ein Sohn von ihm erhielt am 22. Januar 1680 vom Kurf. 300 Thl. für drei aufeinander folgende Jahre, zur Ausbildung in der Malerei. Dass Paul Karl L. den Nicolai auf S. 96 als den Maler des grossen Wandbildes im Marmorsaale des Potsdamer Stadtschlosses bezeichnet, identisch ist mit Jacob Paul L., wie ihn jener Autor auf S. 52 fälschlisch nennt, soll nur kurz bemerkt werden; dieser Paul Carl, den auch Kramm lobend anführt, empfing von Kurf. Friedrich im J. 1696 wöchentlich 5 Thlr. (?) zur Subsistenz. Mehrere Denkmünzen, die L. für den Kurf. gearbeitet (1667-1684), finden sich bei Oelrichs a. a. O. abgebildet und beschrieben.

ad 80. Dass Ryckwaert des Deutschen nicht mächtig war, geht aus fast allen Urkunden hervor, in welchen sein Name zu lesen ist. Den deutschen Bericht, den er von Küstrin aus im J. 1674 über die Entweichung eines Gefangenen an den Kurf sandte, hatte ein Anderer verfasst, er selbst unterschrieb noch damals holländisch: "onderdaniger gehoorsamer Dinaer Cornelis Ryckwaert" (geh. Staatsarchiv, Hamburger Akten). Ueber seine Thätigkeit in Sonnenburg, die im J. 1661 begann, verweise ich auf Abhandlung IV dieses Buches. Dass er für die Fürstin Henriette Katharina von Anhalt, geb. Prinzessin von Oranien, das 2 Meilen von Dessau entfernte Landhaus Oranienbaum errichtete, entnehme ich aus Pitzlers ungedruckter Reisebeschreibung. Es heisst dort: "Uranienbaum, welches die Fürstin ihr Landhaus und 2 Meülen von Dessau gelegen, welches von den Schloss durch den Thiergarten gesehen wird, lieget ganz gleich, mit einem Wassergraben umbgeben, das Haus ist nur 2 Stock hoch mit Flügeln 1 St. hoch und 1 pavillon uff ieder seite so wird 2 Stock hoch, ist wohl meubliret mit Tapeten, die Decken der Gemächer von Stucho iedoch nicht sonderlich erhoben, man findet feine Kästlein so wohl von Natürlichen Holz, als von baccirter arbeit, etc. ganz glanz vergüldete Stühel und Tische auch gaeridons, haben so wohl ofen, so meistentheils

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der quere stehen, und von Kleinen Kacheln sind, als camine, so meistentheils in Ecken stehen, schlechte Fussböden von Dannenholz, inwendig Fensterladen, uff die untersten gemahlet A, so anhalt bedeütet, und zweige von Pomeranzen, welches orange bedeütet, die Haupttreppe wahr doppelt und gar fein, aber alles nur von Holz, die Fenstergestelle, auch Thürgestelle von Holz, und die Fenster auswendig nur von Gips überzogen. Die Fenster Tafelglas, mit starkem Kreuzrahmen, das corp. von mauer, die Fliegel von Holz, unter dem corp. wahren feine magazin, ein Saal so mit Holländ. Steinen besezt, eine feine Küche so mit Engl. Zinn, eine Kammer so mit porzellan versehen, und dieses ist nur vor die Fürstin." Nun folgt eine genaue Erklärung der dem Reisebericht Pitzlers beigefügten Zeichnung der Bauanlage und ihrer Umgebung (S. 415). Dann steht vermerkt: "Dieses Landhaus hat angeben Herr Cornelius Ein holländischer Architect." Schliesslich folgt eine Beschreibung des Fasanengartens, der Stallungen etc. Auf S. 417 fährt Pitzler wie folgt fort: "Eine halbe stunde Von Dessau ist eine fliegende Schiffbrücke über die Elbe . . . d. 19. d. nacher Zerbst kommen, welches eine Zieml. grosse feine in der ebene lang gelegene Stadt, das Schloss an der seite alwo man ein neu Schloss su bauen angefangen hat, das corpus war fertig, aber die Fliegel noch nicht angefangen, solches hat der Archit. Cornelius auch angeben, hat feine Zimmer etwa 171 in lichten und 271 tief, die Decken von schlechter und niedriger Stuchatur arbeit, die gemählde ingl. von einem mahler Wittauer genant, die Fenster und Thüren von Holz, mit tafelglass und starken rahmen, ohne Kl. Schössgen, der Saal von Bodan gemahlet war doppelter Höhe 5 Fenster breit, die Decke von Stucho da 2 Leisten mit feinen gold vergüldet, welches fein aussahe, die gallerie de passage war nur 8 breit, die Fussböden alle von Holz und schlecht ausser beyde Fürsts, Zimmer, gebrauchen camin und Oefen, die Schlösser alle uff Holländische art, das ganze Haus ist 3 Stock hoch, im Hofe aber ausswendig 4 Stock hoch, da der unterste Stock abgebunden, und Keller hat, für welchen inwendig auch eine gallerie de passage, in die Keller und Gewölbe Zu kommen, in der Mitten ein gross Zimmer uff 4 Pfeilern, welche uff Ziegelart gemahlet, die base, imposte aber weiss, unten war auch eine Küche und in ersten Stock desgl. eine, in Gemächern doppelt vorhänge, weisse an Fenster und die andern vorn der Mauer gleich, etl. alcov. wahren dar so nur ball. hatten, welche ausgeschweiffet." Nach Nagler (a. a. O.) soll das Schloss im J. 1681 begonnen und 1692 durch J. Simonetti vollendet worden sein; letzteres entspricht nicht ganz Pitzlers Angabe von 1695.

ad 81. Langerveld's Bestallung von 1679 lautet: Wir Friedrich Wilhelm etc. geben hiermit Jedermänniglich denen es Zu wissen Nötig, in gnaden zu Vernehmen, wass gestalt mir Rütger Von Langerfelt, wegen seiner sonderbahren Kunst und Wissenschafft. Zu unserem Hoffmahler bestellet undt angenommen haben: thun auch solches hiemit also und dergestalt, dass Er uns und unserm Churfl. Hause treu, hold und gewertig sein, Vnsern nutzen und bestes überall suchen, schaden und Nachtheil nach Vermögen Verhüten und abwenden helffen, seine Kunst treu und fleissig gebrauchen, die sticke, so Er Vor uns, Verfertigen wird in unser Cabinet einliefern, und sich in allem wie ein treu fleissiger Hoffmahler gebühret Verhalten Solle. Daneben wollen Wir, dass Er unser Vielgelieben Sohne Printz Ludiwigs und Printz Philip Wilhelms Lbd. Lbd. in Reissen und Mathematicis Zu gewissen stunden unterweisen solle, Wes-

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halb Er sich bey unserm Geheimmen Raht und Ober Praesidenten dem Freyherrh Von Schwerin an Zumelden hatt.

Vor solche seine Dienste, und auffwartung haben wir Ihm Zwar anfangs in seiner Ersten Bestallung welche im Haubt Quartir Zu Lüdgers Hage den 3. October 1678 datiret gewesen, Sechs Hundert Rthlr. in allem Verschrieben, Itzo aber, nachdem wir seinen unterthänigsten Fleiss und dexterität Vorspüret, haben wir selbige mit 200 Thlr, Verbessert und Ihm also achthundert Reichsthlr. in allem Jährlich Zulegen wollen. Gestalt den unser amts Cammer Raht und Hoffrentmeister Michael Matthias hiermit befehliget wird, sich hiernach gehorsambst Zu achten, ermelten Langerfelt dieses sein Verordnets Gehalt Quartaliter mit zweihundert Rthir. abzutragen, und damit den anfang Vom Jüngst Verwichenem quartal Reminiscere biss Trinitatis 1679 Zu machen. Zu urkund dessen haben wir diese Bestallung eigenhändig unterschrieben, und mit unserm gnaden Siegel bedrucken lassen. So geschehen Zu Potsdam d. 31. May l679." Dass ihm auch andere, als prinzliche Schüler zugewiesen wurden, beweist nachstehendes Kurf. Rescript (Konzept, Sign. Potsdam, 12. Juni 1686): "Nachdem S. Ch. D. etc. auf dero Churfl. Gemahlin Durchl. Mund Schenken Christian Elsters unterthänigstes anhalten gndst. gewilliget, dass dessen Sohn Christian bey dem Mathem. und Mahler Langervelde (es stand zuerst Vaillant) die Mahlerkunst lernen soll, Alss befehlen Sie Ihm gndst. denselben in die Lehre zu nehmen und fleissig zu unterrichten, dafür S. Ch. D. ihm pro informatione und die Kost Einhundert Thlr. Jährlich und also in drey Jahren Dreihundert Thlr. entrichten lassen wollen . . ." Nach König (a. a. O.) erhielt er seit Oct. 1683 die Summe von 250 Thlr. p. A. für den Unterricht von 8 Pagen in der Mathematik und Fortification, nachdem er schon seit dem Mai desselben Jahres die Pagen der Kurfürstin de Lawars und d'Antemhale in der Mathematik unterrichtete. Seit 1690 wird ihm jährlich ein Ohm Rheinwein aus dem Hofkeller assignirt. Nach s. Tode wurden seiner Wittwe 400 rthl. ad dies vitae zugesagt (Aug. 1695); doch findet sich von ihr in den Akten noch ein Bittgesuch vom 20 Sept. 1704. Das Schloss zu Köpenik, jetzt Lehrerseminar, das er nach 1680 baute. (Abbldg. im "Bär" 1887 S. 169), hat verschiedenartige Veränderungen ausserlich und im Innern erfahren; es fehlt u. a. die geschweifte Doppel-Freitreppe an der Front und der thurmartige Aufbau in der Axe. Im Innern des Schlosses ist die ursprüngl. Anlage noch conservirt, interessant ist die Ornamentik der Vorflure und die reiche Deckenbemalung in mehreren grossen Sälen. Auch in den Kurfürstenzimmern des Berl. Schlosses sind Deckengemälde von L.s Hand aus dieser Zeit vorhanden. Rütgers Sohn Wilhelm von Langerveld († 1721.) war ebenfalls Maler und Kastellan der Berl. Akademie der Künste; er war verheirathet mit Barbara Terbrüggen.

83a. Heinrich und Johann von Senhem, Landmesser. Ein Kurf. Rescript (Konzept, dat. Königsberg i. Pr. 19./29. Juni 1671) befiehlt dem Statthalter und den Geh. Räthen zu Cleve, den Landmesser Johann v. S., an Stelle seines Vaters Heinrich, zum kurf. Landmesser zu ernennen.

ad 85. König erwähnt in s. histor. Schild. von Berlin Bd. II, das der Kurf. im J. 1673 die Summe von 2383 Thlr. an den Goldschmied Männlich zahlen liess.

88a. Eschmann. "1674 den 18. März, dem Conterfey-Dressler Eschmann sollen 100 Thlr. gezahlt werden" (König a. a. O.).

89a. Nach König (Hist. Schild. v. Berlin, II), empfing im J. 1678 der Spitzenfabrikant le Bon der in Berlin änsässig war, vom Kurf. die Summe von 441 Thlr. Für gelieferte Kanten.

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ad 90a. Pieter Fransz van der Lee, nennt sich "PorzellanBäcker". Der Kurfürst hatte ihn aus Delft verschrieben und ihn, durch einen Kontract (Potsdam, 18. Mai 1678), zur Anlage einer Fayencefabrik verpflichtet. Der Kontract, der in zwei Exemplaren (deutsch und holländ.) vorliegt, enthält 9 Punkte, aus denen hervorgeht, dass van der Lee einen holländischen Kompagnon Namens Dreyer erwartete und dass er sich auf 12 Jahre gegen jede Konkurrenz schützte. Dasselbe Datum trägt die Kurf. Ordre an Heidekampf, dem van der Lee 100 Thlr. als Reiseentschädigung für die Uebersiedlung der Leeschen Familie von Delft nach Potsdam zu zahlen. No. 4 ist ein Bittgesuch des Holländers an S. Ch. D. damit er erhalte, was nothwendig sei, um "proeven te doon" und seine "ambacht Voort te dryven"; es schliesst: "Maer Indien Iek recht geholpen wert Dan sal Ick het porseleyn backen Hier Soo honorabel In planten gelyck als tot Delff"  Darauf ergeht der Befehl (Cölln an der Spre 27. Mai 1678) an den Ambt- und Bauschreiber Zu Potzdam" dem van der Lee "nicht allein was er Zu seiner nothdurfft bedarff, sondern auch was er Zur Verfertigung des porcelleins von nöhten haben wird, an Hand Zu schaffen." Ein Kurf. Rescript (Wolgast 26. August 1678) an Heidekampf betrifft Materials-Lieferungen an van der Lee. No. 7 (Konzept an Geh. Rath Stephani). Kurf. Rescript, dat. Wrangelsberg 14./24. Novemb. 1678. Verfügung, dass dem van der Lee endlich "die Papiermühle bey dem thiergarthen (Berlin) zu dessen Wohnung und Winkel aptiret werden solle." No. 8. Der Kurf. an den Bau- und Amtsschreiber zu Potsdam (Wrangelsberg 14./24. November 1678): "Wir vernehmen ungnädig, dass Du dich weigerst die dem p. van der Ley assignirte wochentliche unterhaltsgelder ausszuzahlen. . . "so befehlen Wir Dir hiemit in allem ernste ... Unweigerlich ausszuzahlen ... widrigen falles wir etc." No. 9. Der Kurf. an Ch. S. Heidekampf (Potsdam 23. April 1680), Befehl, der Wittwe van der Lees 100 Thlr. zur Rückkehr mit ihren Kindern nach Holland auszuzahlen.

ad 95. Ein Kurf. Decret (Cölln, 10. Mai 1689) erlässt Pribusch von einer Schuld von 200 Thlr. den achten Theil, verzichtet auf jede andere Entschädigung und fordert baldige Abzahlung der restirenden 175 Thlr.

95a. Franz Eppenhoff. Er erhielt am 16. April 1689 seine Bestallung als "Churfl. Hoff-Conterfacteur en Email" und starb im Jahre 1693. (König a. a. O.)

ad 96. Bei König (a. a. O.) Truppen, Trappen oder Troppen genannt. Seine Bestallung vom 16. October 1681 lautete auf 300 Thlr. Besoldung, und er war verpflichtet: Conterfeyte, Historien, Blumen u. A. bestellte Sachen in Kupferstich auszuführen.

96a. Matthens Merian d. J. (1621-1687), Schüler van Sandrarts, Maler und Radirer, überreichte dem Kurf. mit einem lobpreisenden Briefe ein Gemälde als Geschenk (Frankfurt a. M. 24. Sept. 1681). Adresse A Son Altesse Electorale de Brandeburg tres humblement.

98a. Johann Damnitz, der später Franz Baratta's Nachfolger wurde, arbeitete schon 1680 als Grottirer im Berliner Lustgarten. (Nicolai S. 80).

ad 99. Nachstehendes Kurf. Decret befindet sich im Geh. Staatsarchiv: "Auff Anthons Bellons Stücators Supplique. S. Churfl. Dchl. etc. Befehlen hieruff dem Beklagten Döbeln in gnaden und alles ernstes den Supplicanten an seiner reise Keinesweges Zu hindern, Wegen desselben

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Sohnes aber, und wass es damit für eine Bewandniss habe, Zu fernerer Verordnung ehestens Zu Berichten. Sign. Potstam d. 4, Oetober 1682."

99a. Joh. Simonetti, desgl. Leonhard Braun und Martin Grüneberg werden von Nicolai erst unter König Friedrich I. genannt, wiewohl alle drei eine Zeit lang bereits dem Gr. Kurfürsten dienten. Grüneberg, Nehrings Nachfolger, war 1678 Bauschreiber beim Potsdam'schen Schlossbau und gehörte (nach Nicolai um 1680) zu den Stipendiaten Frd. Wilhelms, auf dessen Kosten er in Frankreich und Italien die Baukunst studirte. Nach seiner Rückkehr wurde er im Jahre 1688 Landmesser und Baumeister unter Nehring. Simonettis Bestallung (Potsd. d. 10. Oct. 1683), die von 400 Thlr. Besoldung spricht, wurde von dem Kurprinzen Friedrich unterzeichnet; er wurde kurfl. Stuckateur und "wegen erlangter guter Wissenschafft in der Baukunst Zugleich Zum Hoffmaurer, nebst unsern iezigen Hoff Maurer Leonhard Braun" ernannt. in der Erneuerung der Bestallung (Cölln 15. Juni 1688) heisst es "dass Wir Johan Simonetti zu Unserm Stucatore gndst. auff undt angenommen haben." Tags darauff bittet S. den Kurf. "ihn bey seinem Dienste undt gehalt ferner Zu schützen," worauf Letzterer am 20 Juni den Obersteuer-Einnehmer Hoppe zu pünktl. Zahlung an S. ermahnt. Im Staatsarchiv befindet sich noch eine spätere Rechnung S.s, lautend auf 509 Thlr. 19 Gr., und ein darauf bezügl. Kurf. Decret. Erstere hat folg. Titel: "Rechnung Von J. Simonetti wegen Oranienburg Vor der Stucatur Arbeit Wass er noch zu fordern hat" und folgende Nachschrift: N. B. Ob Specificirter Zettel seindt in benannten Posten meistens anoch Von Sel. Herrn Nehring teihls Von mir und Memhart nach Verfertigter arbeit also bedungen und unterschrieben und in originale vorhanden, worauff auch noch 509 Thl. 19 Gr. Zu zahlen seyn, welches hiermit attestire. Cöln an der Spree 3. Augusti 1698. M. Grüneberg." Simonetti wurde, nach Nicolai, 1652 in Graubündten geboren.

ad 100. Die Bestallung (in 2 Exempl. im Geh. Staatsarchiv vorhanden) dat. Cölln a d. Spree 29. Jan. 1658 (nicht 1685, wie Nicolai schreibt). Sie lautet: "Seine Churfl. Durchl. etc. Nehmen in Dero Dienst Johann van der Ley Vor einen Stein- und Bildthauer, das er alles, Was Höchstermelte S. Ch. D. Ihm befehlen Werden, in Holz oder Stein, gross oder Klein, mit aller treu und fleiss ohne Verseumung einiger Zeit aussarbeiten, auch Vorhero nach begehren invertiren soll. Es soll auch gedachter Bildthauer die aufsicht haben über die Churf. Steinhauerey, denen Bildt- und Steinhauergesellen so Zur Churf. Bauarbeit bestellet werden, die arbeit anweisen, damit sie alles Wohl undt sauber machen auch das Stein Werk nicht unnüzlich Verderben, wie denn Höchstermelter S. Ch. D. Befehl hiemit an dieselben gesellen ergehet, das sie Ihme Johann van der Ley als Ihrem Meister unwidersprechlich pariren undt folgen, Die es aber nicht zu thun gesinnen, die Churf. Arbeit meiden sollen . . . ." Nächstdem wird bestimmt, dass van der Ley dem betreff. Baumeister zu gehorchen und dass er anderweitige Arbeit, zu der er weder Kurfl. Personal noch Kurfl. Geräthschaft benutzen dürfe, nur mit höherer Erlaubniss zu übernehmen ein Recht habe. Seine Besoldung wird ihm wöchentlich mit 5 Thlr. 18 ½ Gr. ausgezahlt.

ad 101. In den Urkunden wohl auch Sesser oder Sessner genannt. Seine Bestallung datirt vom 29. Juni 1685. Ein Kurf. Decret (Potsdam 19. März 1687) lautet: "Seine Churfl. Dchl. etc. befehlen Dero etc. hiemit gndst. Dero Bildhauer Jeremiu Süssmer hundert Thlr, auf abschlag der bey ihm bestellten Statuen gegen quittung Zu bezahen." Im Jahre 1690

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lieferte S. verschiedene Statuen nach Oranienburg. Folg. Kurf. Decret habe ich noch nachzutragen: Auff Jeremias Süssmers Bildh. Supplicatum. S. Ch. D. befehlen dem p. Lilderitz und dem Oberingenieur Nehring, unter Zu Zihung des Bildhauers von Amsterdam Eggers, zu untersuchen, ob er Döbel dessen geständig, so er Supplicanten beschuldigt und wider seine Gesellen gesprochen, Vnd Von allen umbständlichen bericht zu fernerer Verordnung unterthänigst abzustatten. Sign. Potsd. 29. Nov. 1687."

101a. Ehrenfried Rening, Kurfl. Marmorirer. Auf ihn bezüglich, befinden sich eine Streitsache gegen einen Steinmetzgesellen und zwei Kurf. Decrete, Zahlungsanweisungen vom 20 April und 18. Mai 1693, im Geh. Staatsarchiv. Erstere Urkunde lautet: S. Ch. Drchl. Z. Brandbg, etc. Befehlen dem Hoffbaumeister M. M. Schmidt, Ober Ingenieur und Architecto Neringen undt Amtsschreiber Zu Potzdam Wartenberg hiemit in Gn. diese Uhr (sache) gründlich Zu untersuchen und davon umbständlich bericht Zu fernerer gndst. Verordnung abzusstatten. Sign. Cölln a. d. Spree, den 24. Juli 1688."

101b. Heinrich de Junge, Bildhauer von Castel. Er arbeitet Verschiedenes für die Kurfürstin und erhält (laut Ordre, vom 9. März 1686) Hundert Thlr. zur Subsistenz.

ad 104. Scheint derselbe zu sein, der am 22. Juni 1677 seine Bestallung als Amtskammer-Ingenieur und Landmesser erhielt (Geh. Staatsarchiv). Bei Oelreichs (a. a. O.), wo er Schultz genannt wird, sind mehrere seiner, zwischen 1681 und 1688, gefertigten Medaillen abgebildet und beschrieben.

ad 105. Das Theatrum etc. gab in II. Auflage Leonard Dintzenhofer (Bamberg 1697) heraus. "Dieussart stellte in seinem Werke die Parallele der Säulenordnungen Palladio's, Vignola's, Scamozzi's, Cataneo‘s, Serlio's und Branea's. Auch handelte er über die Proportion der Säulengänge, Stiegen, Thüren etc." (Nagler a. a. O. III. S. 404).

ad 106. In seiner Biographie Schlüters ist C. Gurlitt zu Urtheilen über Nerings Thätigkeit gelangt, die von Nicolai's Angaben z. Thl. erheblich abweichen; eine eigentliche Kritik der Werke Nerings hat G. bei dem gegenwärtigen Stande der Forschung noch nicht bieten können. Erfreulich wäre es, wenn uns die von R. Borrmann demnächst zu erwartende Topographie Berlins einen Schritt weiter in der gerechten Würdigung des hochverdienten Holländers bringen würde. Gurlitt verhält sich sehr skeptisch zu den architectonischen Leistungen Nerings und ist geneigt, ihm Alles abzusprechen, was von wirklichem Belang ist: z. B. das vor einiger Zeit abgebrochene sog. Fürstenhaus. Dagegen denkt er bei der ältesten Anlage des Charlottenburger Schlosses an Nering; auch lässt Gurlitt dessen Skizze des Berliner Münzthurmes (Abgeb. bei Pitzler a. a. O.) Gerechtigkeit widerfahren. Bezüglich des Berliner Zeughauses, dessen Grundsteinlegung erst am 28. Mai 1695 stattfand, muss ich mich G., der die Fassade für Blondels Schöpfung hält, anschliessen; das hindert indess nicht, dass N. der Grundriss des Zeughauses in der ursprünglichen Form zuerkannt werden darf. Nach König (a. a. O.) soll Nering am 9. April 1690 zum Oberbaudirektor der Kurfl. Gebäude ernannt woden sein.

106a. Wolf Krause. Dieser etwas geschwätzige Mann wird in den Urkunden "Wasserkunst Direktor zu Küstrin" genannt. Von dort aus machte er dem Kurf. im Januar 1867 Vorschläge behufs Anlegung einer Wasserkunst am Ausgang der Breiten- und der Brüerstr., gegenüber dem Schlosse. Ausser diesem umfangreichen Elaborat enthält das Geh. Saatsarchiv noch ein kurf. Decret auf seine Supplie. c. Paul Krausel, an die

[235]

Neumärkische Regierung und datirt: "Cölln a. d. Spr. d. 24. Martii 1668."

107a. Senning, Geh. Kammerdiener und Leiter der Fayeücebäckerei in Berlin, nach dem Tode van der Lees. Drei Kurf. Decrete 1. August 1681, 28. April 1682, 20 Juli 1683) im Staatsarchiv betreffen Materialslieferungen; am 20 Juli heisst es, dass das Porzellan Werk vor dem Spandauischen Thor "weggenommen" und nach dem Salzhause in der Stralauschen Strasse verlegt werden solle.

ad 110. Houbraken nennt ihn Michiel Willemans und bemerkt, dass er in Amsterdam sich nach J. Backer und Rembrandt gebildet und später für den Kurf. eine "Schmiede Vulkans" gemalt habe.

110a. Johannes Spilberg, geb. Düsseldorf 30 April 1619, war Schüler G. Flinck's in Amst. und malte vorzugsweise Portraits. Einem Rufe des Kurf., den er, nach Houbraken, portraitirt haben soll, leistete er nicht Folge. Er starb 1690

ad 111. Die Bestallung Reusche's dat. Cleve, 16. Juli 1652.

ad 117. Ein Berliner Münzmeister dieses Namens kommt urkundlich zwischen 1642 und 1645 vor; dagegen soll der Maler B. erst am Ende des 17. Jahrhunderts geblüht haben (Vergl. J. Meyer's Allg. Künstler Lex. III. S. 627 und die dort angeführten Quellen),

118a. Gottfried Haarhausen in Königsberg i. Pr. kommt 1. November 1685 um den Titel eines "Preuss, Hoff-Jagtmahlers" ein. Der Kurf. fordert, unter Beilage jenes Gesuchs, amtl. Bericht ein und zwar beim "Oberförster in Preussen den von Halle" (19. Dezember 1683, unterzeichnet v. Lüderitz). Bestallung in obiger Eigenschaft erfolgt am 24. Juni 1686, und später (11. Juli 1693) bleibt auch die Bestätigung des Kurfl. Nachfolgers nicht aus.

119a. François Blondel, Staatsmann und Architect in Paris.

Zwei Mal als Gesandter in der Nähe des Kurf. (1657- 1659) gewesen, dürfte Letzterer sich seiner erinnert haben, als die Frage eines Berliner Zeughauses um 1668 actuell wurde, denn es findet sich unter Broebes gestochener Ansicht der Hauptfront dieses Gebäudes der Name des Directors der 1671 begründeten Pariser Bauakademie. Vergl. C. Gurlitt a. a. O. und Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte Friedrich Wilhelms (Mark Brandenburg).

121 a. Ein Medailleur Breuer oder Breyer, der eine Denkmünze auf den Tod Friedrich Wilhelms gefertigt, wird bei Oelrichs (a. a. O.) genannt. Die Medaille (dort abgebildet) ist ohne Jahreszahl, aber mit dem Anfangsbuchstaben des Künstlers (B.) versehen.

122a. Daniel Neuberger, Kaiserl. Cammer-Sculptor, bietet dem Kurf. in einem langen Schreiben (Regensburg den 28. Mai 1680) seine Dienste in mannigfaltigen Künsten an. Dem Gesuch liegt eine Art Diplom, ein gedruckter Empfehlungsbrief Kaiser Leopolds (dat. Ebersdorff d. 3. Oct. 1661) bei. Neubergers Gesuch führt einleitend aus: "Es ist dem ganzen Erd Creiss bereit durch die Fama beygebracht, dass, gleichwie in allen Hochfürstlichen Tugenden, Eure Churfürstl. Durchl. Glorwürdigst berühmet

seyn, dieses auch billich, und im höchsten Grad das Künsten Volk aufzuruffenhat, Ich als ein geringes Mitglied desselben, billich mich dessen Höchst Zu erfreuen Ursach habe . . ."

ad 122. Dass A. Quellinus d. A. (1609-1668) für den Kurf.

gearbeitet hat, ist unerwiesen. Da er aber der Schöpfer, der Minerva in Cleve (vergl. oben S. 52 ff.) ist, so können wir ihn nicht Übergehen. Ueber seine holländ. Schöpfungen hobe Ich a. a. Stelle (Galland a. a. O. S. 302/6 und 323 ff.) Ausführliches gebracht. Das er für die Prinzen

[236]

von Oranien Skulpturen geliefert, lässt sich aus den "Ordonnantieboeken van Prins Frd. Hendrik II (Nederl. Spectator 1876/7) nicht entnehmen; nur einmal kommt sein Name dort vor (1660), wo es sich um Malereien und Bildwerke für König Karl II. von England handelt. Seine Marmorbüsten zweier durch Rembrandt unsterblich gewordenen Amsterdamer Persönlichkeiten, des Anatomen Prof. N. Tulp und des Schreibmeisters L. Coppenol, hat der Dichter Vondel besungen (vergl. C. Vosmaer, Rembrandt etc. 2. Aufl. 1877). Nach "Oudholland 1889" hätte Q. ferner eine Marmorbüste des Amst. Bürgermeisters Huydekooper (1654) geschaffen; auch soll G. Flinck, der aus Cleve stammende Rembrandtschüler, von ihm Bildwerke besessen haben.

ad 125 und 129. Die beiden Techniker werden von Ph. Wilhelm Gerken (ausführl. Stiftshistorie v. Brandenburg, Braunschweig u. Wolffenbüttel 1766) als am Thurmbau des Domes zu Brandenbarg thätig bezeichnet. Uebrigens wurde hier der in diesem Buche oftgenannte O. v. Schwerin d. A. am 4. Jan. 1661 zum Domprobst ernannt; auch jener Valtin von Priort, den wir zu Sonnenburg (vgl. oben S. 99) kennen lernten, kommt in der Stiftshistorie von Brandenburg vor. Unter Schwerin "ist der Thurm am Dom Ao. 1669 zu bauen angefangen und Ao. 1672 zu Stande gekommen. Die Baukosten sind nach einer Rechnung des Decani Georg Chr. v. Görne, so den Bau dirigiret, auf 3000 Thlr. hinan gelaufen". (Gerken S. 299). "Christophorus Bauschen" wird hier als "murarius", Kuene Resen als "lignarius" und Nicolaus Leydecker als "strator tectorum" bezeichnet.

129a. Pieter Post und van Dorp. Ueber Ersteren, als den künstlerischen Beirath des Fürsten Moritz, habe ich oben wiederholt gesprochen; Posts holländische Bauthätigkeit ist in meiner Gesch. d. Holl. Baukunst etc. an verschiedenen Stellen ausführlich gewürdigt. Nach dem Tagebuch des Huygens (a. a. O.), wo auch die Familie van Dorp aus dem Haag häufig genannt wird, starb Post am 2. Mai 1669.

1

Alb. Stud. Academiae Lugd. Batavao 1575-1875. Hagao Coraitum 1875.

2

Es soll hierbei erinnert worden, dass Ruprecht von der Pfalz als Erfinder der geschabten Manier des Kupferstiches, der sog. Schwarzkunst, gilt.

3

v. Raumer, Friedrich Wilhelms d. Gr. Jugendjahre. Berlin 1854.

4

J. G. Droysen, Gesch. der Preuss. Politik. IL Leipzig 1859.

5

Brief vom 20/30. Sept. 1634 bei v. Raumer a. a. O.

6

vgl. G. Galland, Gesch. d Holl. Baukunst u. Bildnerei etc. Frankft. a./M H Keller 1890

7

König, Hist. Schilderung von Berlin. Bd. II. Berlin 1793.

8

Vgl. R. Schück, Brandenbg.-Preussens Kolonial-Politik etc. I. Leipzig 1889.

9

Droysen a. a. O.

10

Droysen a. a. O.

11

Urkunden und Aktenstücke zur Gesch. des Kurf. Frd. Wilhelm. Bd. V. Cleve-Mark. Berlin 1869.

12

Droysen (a. a. O. III2 Leipzig 1865) sagt: Die Staaten hatten mehr als das 5 fache jener Schuld aus dem besetzten Lande gezogen.

13

Publ. in "Oudholland" 1885; 22. Aug. 1661 "Elector Brandenburgensis cum principe Anhaltino appellunt Turnhout." Turnhout ist ein belgisches Städtchen unfern der südl. Grenze von Nordbrabant (Holland). - Siehe auch König a. a. O. u. von Ledebur, Aufenthalts-Nachweis d. Kurf. Frd. Wilh Berlin 1830

14

Seiler, Leben u. Thaten Frd. Wilh. d. Gr. 1730 fol. Pag. 77.; ferner O. v. Schwerin, Erziehungsjournal, Manuscript des Geh. Staatsarchivs zu Berlin. König a. a. O. bemerkt, dass Friedrich Wilhelm damals (?) seinen Oberfalzfactor Daniel Enckefort mit sich nach Holland nahm, zum Studium holländischer Fabriken und um dort geeignete Arbeitskräfte zu werben. In das J. 1667 fällt sodann in Brandenburg die Einführung der neuen Acciseordnung, nach dem Muster des holländischen Steuersystems.

15

Tromp befehligte später (1678) die Ueberfahrt der brandenburgisehen Truppen von Pommern nach der Insel Rügen. Vgl. Pierson, d. Gr. Kurfürst. Berlin 1873.

16

Tagebuch 1674/79, publ. in v. Gansauge's Ztschft. für Gesch. d. Krieges. Bd. 26.

17

Erst am 10. Mai traf er wieder zu Kleve ein; die Rückfahrt ging über Leyden, Amsterdam:, Utreoht, Amerongen und Nymegen.

18

O. v. Schwerin, Erziehungs-Journal.

19

Tagebuch a. a. O.

20

Job. Pauw an Dr. Anton ter Schmitten. Vgl. Urkunden u. Aktenstücke etc.

21

Vgl. König a. a. O. und R. Schück a. a. O.

22

Brief aus Holland 1686 bei v. Raumer a. a. O.

23

Huygeng a. a. O. Notiz vom 21. Oct. 1619; vgl. auch Urkunden und Actenstücke etc.

24

O. v. Schwerin, Erziehungs-Journal (28. Aug. 1666).

25

v. Schwerin, Erz.-Journal.

26

Vgl. Urkunden und Aktenstücke etc.

27

Zur Beurtheilung dessen sei ein Abschnitt aus einem Briefe Moritz' (v. 11. März 1676) mitgetheilt, in welchem er dem Kurfürsten seinen freiwilligen Austritt aus dem holländischen Dienst meldet: "Gott hat mein Gebet erhört und meinen Wunsch so weit vollbracht, dass ich vor meinem Ende keinen andern Herrn haben und bedienen möge, als Ew. Churfl. Durchlaucht, meinen gnädigsten Herrn." (Vgl. L. v. Orlich, Gesch. d. Preuss. Staates im 17. Jahrh. Berlin 1838/9. I. II.)

28

König a. a. O.

29

Der Schleusenbau begann in Berlin 1650; 1653 legte hier Vibrand Gerritsen auf dem Friedrichswerder eine neue Schleuse an.

30

Zuerst fanden (nach König a. a. O.) 1616 und 1649 Einwanderungen friesischer und holländischer Ackerbauer in die Mark statt. Sie theilten den Eingeborenen ihre ökonomischen Erfahrungen und Kenntnisse mit. "Die Berliner Bürger legten sich seitdem stark auf die Viehzucht und lernten die vielseitige Anwendung der Milch kennen."

31

Holländische Kaufleute waren seit 1652 Stifter ansehnlicher Berliner Handlungshäuser (König a. a. O.).

32

Bevor er z. B. Gijssels van Lier, dem Schützling seines Schwiegervaters, die erbetene Audienz gewährte, liess er erst seine Räthe mit ihm conferiren (Schück a. a. O.).

33

Später fügte der Graf dieser Schüssel noch eine ca. 1 Fuss hohe Kanne von geringerer Qualität der Kunstarbeit hinzu, um beides der reform. Kirche zu Kleve zu verehren (1665). Die Stücke sind dort nicht mehr zu finden.

34

L. Driesen, Leben Joh. Moritz v. Nassau. Berlin 1849

35

v. Raumer a. a. O.

36

König a. a. O. Bd. 2. Anhang.

37

Am 1. Oct. 1666 erhält Moritz vom Kurf. die dortige Burg mit allen dazu gehörenden Gärten und Plätzen zu Lehen (vgl. v. Orlich I. S. 468).

38

v. Orlich a. a. O.

39

Und zwar in d. J. 1652, 1653, 1654 und 1658.

40

gl. auch weiter unten (Abhg. III), wie der Kurfürst, Moritz den jungen deutschen Maler Wolfgrübel empfiehlt: "Damit er von Ew. Liebden an die Jenige Meister, so Ew. Liebden er benennen wird, auf's beste recommendiret werden möge."

41

Geh. Staatsarchiv zu Berlin.

42

Reyderkampf war kurbrandenbg. Commissarius in Amsterdam und wurde auch in künstlerischen Dingen vielfach in Anspruch genommen.

43

Neuer Thiergarten zu Kleve.

44

Harlemias (Haarlem 1648).

45

Es ist also möglich, dass ein künstlerischer Nachlass van Kampens vorhanden war. Wo aber befindet, er sich?

46

a. a. O. S. 61. "H. Ruse ward 1658 kurfürstl. Ingenieur und arbeitete mit an der Befestigung von Berlin, unter Memmhard."

47

Urkunden und Aktenstücke etc.

48

Sein Schreiben dat.: Gottorp, den 31. August 1659.

49

Geh. Staatsarchiv zu Berlin.

50

Urkunden und Aktenstücke.

51

Von histor. Beschreibungen Cleves hebe ich nur die Monographien von Scholten und von Velsen hervor

52

Diese Vorliebe bewahrte sich der Kurfürst bis an sein Lebensende. In einem Pariser Brief des Reisenden J. B. Tavernier vom 28. Juni 1685 heisst es: "Da ich weiss, dass Se. Churfl. Durchl. Raritäten liebt, fahnde ich hier auf Alles was rar ist und hoffe ich, dass eine Verzögerung nicht übel vermerkt werde, sobald ich nur die Ehre haben werde, ihm viele Curiositäten mitzutheilen, welche nicht weniger nützlich als ergötzlich sind." (Vgl. Friedländer in den Monatsb. d. Gesellsch f. Erdkunde 1850)

53

a. a. O.

54

König a. a. O.

55

Geh. Staatsarchiv zu Berlin.

56

Der Kurfürst war bereits in den letzten Tagen des voraufgegangenen Jahres in Cleve.

57

Vgl. oben S. 11/12.

58

Urkunden und Aktenstücke etc.

59

Gr. Schouwburg, übersetzt v. Wurzbach 1880. S. 294.

60

Gemeint ist Christian Albrecht von Dohna, der seit 1656 Gouverneur von Küstrin war. Dessen Vater (Christoph) und älterer Bruder (Friedrich) standen in holländischen Diensten und mit den Oraniern auf freundschaftlichem Fusse.

61

Herr C. T. J. Louie Rieber, Architect-Ingenieur zu Amsterdam, hatte die Güte mir die Extracte von Herrn de Boover, Archivaris der Stadt Amsterdam, zu besorgen.

62

Sie reiste im Juli von Schleswig nach dem Haag; am 5. August berieth man. in Kleve über eine Deputation, welche die Landesmutter im Haag begrüssen sollte.

63

Noch grösser ist ihre Aehnlichkeit mit der Minerva der Münchener Glyptothek

64

Der Kurfürst bemerkt in einem Schreiben vom 22. März (1. April) 1676 (Köln a. d. Spr.): Was Ew. Liebden an dem Papenberg verfertigt, damit bin ich und meiner herzgeliebten Gemahlinn Liebden sehr wohl zufrieden, und erstatte Ew. Liebden für Dero Sorgfalt gebührenden Dank." Abgedr. bei v. Orlich a. a. O.

65

Moritz hat am 21 December 1679, Morgens 9 Uhr, wie ein Zeitgenosse bemerkt: "bei völligem Verstande einen über die Massen sanften Tod" gehabt. (Vgl. v. Orlich a. a. O.). - im Tagebuch des C. Huygens (a. a. O.) heisst es: 20 Dec.. 1679. Obiit Gliviae Illustrissimus Johannes Mauritius de Nassau, optimus amantissimusque mei Princeps.

66

Lehrer war Valtin Müller, vielleicht ein Verwandter jendes Jacob M.; vgl. Anhang.

67

Ueber andere kurf. Stipendiaten vgl. Anhang.

68

Er starb drei Jahre darauf, während eines Feldzuges, zu Strassburg i. E.

69

Vgl. oben S. 28.

70

Vgl. unten Abthlg. V.

71

Diesen Buch ist erst angefangen.

72

Vgl. oben S. 39.

73

Vgl. oben S. 80

74

Vielleicht ein Sohn des berühmten Cornelis Jansz. van Ceulen, dessen Wittwe im Jahre 1664, als in Utrecht lebend, urkundlich erwähnt wird (vgl. Woltmsann-Woermanns Gesch. d. Malerei, Bd. III. 2. Leipzig 1888. S. 663.

75

Erzieh. Journ. a. a. O.: "Helstein, 14. Juni (früh) ... undt hatt sich der Chur Printz in Clein von einem Mahler aus Utrecht nahmens Janson mahlen lassen ... (Nachmittags) hernach hatt sich Printz Friedrich mahlen lassen." - Die Mehrzahl ihrer urkundlich genannten Bildnisse bezieht sich übrigens auf die früheste Kindheit der Prinzen und auf die Thätigkeit des Willem van Ronthorst am brandenbg. Hofe.

76

Zu dem Amt Sonnenburg gehörten, nach einer Urkunde des 17. Jahrhunderts, ausser dem Ort mit dem Kietze, noch 10 benachbarte Dörfer. - Literatur-. Wohlbrück, Gesch. den ehemal. Bisthums Lehns etc. II. Berlin 1829; Ed. L. Wedekind, Gesch. des Ritt.Johanniter-Ordens, Berlin 1853; A. v. Winterfeld, Gesch. des Job. Spitals, Berlin 1859; C. Herrlich, d. Balley Brandenbg. des Joh. Ordens. Berlin 1886.

77

Aufgezählt sind die unter dem Herrenmeisterthum stehenden Komtkureien (Schievelbein, Lagow, Lietzen, Werben, Wildenbruch u. s. w.) bei M. Merian, Topogr. Elect. Brandenbg. etc. 1659.

78

Regierungsarchiv im Frankfurt a. O. Fach M Amt Sonnenburg, Acta betr. Kirche, Pfarr- und Schulsachen (1538 – 1756). Obiges Schreiben steht auf einem Blatt in Fol.

79

Oder 288 Reichsthaler; vgl. Beckmanns Manuscript im Geh. Staatsarchiv zu Berlin.

80

Die Gelder, eigentlich zur Führung des Krieges gegen die Ungläubigen bestimmit, flossen schliesslich natürlich in die Kasse des Ordens-Grossmeisters auf Malta. Vgl. Driesen a. a. O. s. 303.

81

Reg. Archiv zu Frankfurt a. O. Fach 89 No. 3.

82

Die Ausarbeitung des Schriftstücks muss also vor dem 25. Nov. 1652 erfolgt sein; dieses Datum trägt nemlich das auf die Fürstung des Grafen bezügliche kaiserliche Notifikationsachreiben an Frd. Wilhelm (vgl. Driesen a. a. O. S. 69).

83

Wir können darauf nicht weiter eingehen. Es handelte sich (vgl. Driesen a. a. O, S. 303). kurz gesagt, um Befreiung von der drückenden Dienstbarkeit gegenüber dem Orden wofür nunmehr ein Bürgerzins und einige unentbehrliche Naturalleistungen verlangt wurden.

84

Reg.-Archiv, Frankfurt a. O.

85

Sein Einschreiten gegen die Härte des Comthurs von Lagow, Grafen von Waldeck, geschildert bei Driesen a. a. O. S. 304.

86

Reg.-Archiv, Frankfurt a. O, Fach 135, Nr. 1.

87

Sonnenburg kam erst 1410 an das Bisthum Lebus. a. a. O.

88

Der Thurm brannte am 14. April 1814 nieder.

89

vgl. unten das abgedruckte Memoriale § 21. - Daran zu erinnern ist, dass die Stadt im Jahre 1596 eine grosse Feuerebrunst erlebte.

90

Bei Wedekind Sternbergsche Kreischronik, Zielenzig 1855, S. 204/5.

91

Fach 135, Nr. 2; die Akten, worin obiges Heft (4 Bl. Fol.) enthalten, haben den Generaltitel: "Aufsätze, was bey Zeiten Ihro Fürstl. Gnaden von Nassaw zu Sonnenburgk an neuen Gebau ist gebauet worden, von Anno 1652 bis 1667."

92

Vgl. Galland (a. a. O.) z. B. S. 83 (handelt über den "kistemaker" Guert van Dulcken. Zuerst abgedruckt bei Wedekind a. a. O. S. 204/205.

93

Zuerst abgedruckt bei Wedekind a. a. O. S. 204/205.

94

Quelle ist offenbar das "Hausbuch des Ordensamtes de 1665", Manuscript im Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O. Darin heisst es mit Bezug auf Moritz' Restauration der Kirche: alle Kosten so sich über 2000 Thlr. belauffen, hergeschossen." Vgl. auch unten abgedrucktes Memoriale' § 21, wo von dem nachträglich restaur. Thurm und den Gewölben die Rede ist.

95

Frankf. a. O. 1726 Beckmann‘s Fortsetzer ist I. G. Dienemann (Nachricht. v. Joh Orden. Berlin 1767).

96

Das Aeussere der Kirche kennzeichnet Bergau (Invent. d. Bau- und Kunstdenkm. Prov. Brandenb. 1885) mit Recht als "missverstandene Gothik". Der jetzt quadratische Thurm ist zuletzt nach dem Brande von 1847 wiederhergestellt worden.

97

a. a. O. Der alte Autor lässt übrigens Sonnenburg an der Warthe liegen.

98

Markgraf Ludwig erlaubte den Brüdern Uchtenhagen, Besitzern des Ortes, im Jahre 1341 hier ein festes Schloss zu bauen; vgl. R. Bergau. a. a. O.

99

Vgl. das Hauptbuch de 1665 und J. Ch. Dithmar, Geneal. Hist. Nachr. von d. Herrenmeistern d. R. Joh. Ord. etc. Frankfurt a. O. 1737, pag, 75.

100

Hausbuch de 1665; dasselbe giebt westlich von der Kirche "die Schule" an.

101

Driesen a. a. O. Pag. 298.

102

Bezüglich Cleves siehe oben S. 44 und Sonnenburgs, weiter unten.

103

Im Hausbuch (a. a. O.) heisst es wörtlich, dass im J. 1652 "nichts an Gebäuden als das Amts-Kornschreiber- und Brauerhauss, so bei der Sedisvacanz gebauet, zu finden gewesen". Ich halte übrigens die Schilderung dort etwas übertrieben, auch auf Grund von Merians Zeichnung, die nach dem 30jährigen Kriege entstand.

104

Folgende Ordenskapitel hielt Moritz im Laufe seiner Regierung ab: 1. Am 9/10. Dez. 1652 in Sonnenburg. 2. Am 30 Juni 1653 in Sonnenburg. 3. Am 10. Sept. 1658 in Sonnenburg. 4. Am 14. Jan. 1662 in Sonnenburg. 5. Am 27. Jan. 1662 in Sonnenburg. 6. Am 4/5. April 1662 in Berlin. 7. Am 20/21. Mai 1667 in Sonnenburg.

105

Siehe darüber oben S. 26.

106

Das Aktenstück (Reg.-Archiv, Frankfurt a. O., Fach 135, Nr. 2), welches jene Auszüge enthält, führt den General-Titel: "Aufsätze, was bey Zeiten Ihro Fürstl. Gnaden Von Nassaw Zu Sonnenbourgk an neuen Gebau ist gebauet worden von Anno 1652 bis 1667.

107

"Die" soll wohl Einzahl sein (= der); einer der Hollandismen Moritz'.

108

Bei Driesen a. a. O. S. 359.

109

Ich mache darauf aufmerksam, dass die Summirung in den Groschen und Pfennigen nicht richtig ist.

110

vgl. den Artikel über ihn im Anhang.

111

Vergl. unten S. 122. § 11.

112

Nicht verputzt, wie es später geschah.

113

"Voohuis" heisst noch heute in Holland der Vorflur; vergl. Galland a, a. O. S. 41.

114

Die im Buche öfters vorhandenen Lücken (bei Namen und Massangaben) sind später nicht ausgefüllt worden, wie wohl beabsichtigt wurde. Um diese Zeit soll in Berlin (nach Nicolai) der Brabanter' Otto Mangiot für den Kurfürsten thätig gewesen sein. Doch lege ich hier auf die Bezeichnung "Brabantisch" kein Gewicht.

115

Soll vielleicht "Cassetten" bedeuten.

116

Fussboden.

117

Saal im Keller, bezw. Erdgeschoss.

118

Ueber seine Reisespesen vergl. oben S. 111.

119

D. h. Ufer; siehe die unten folgende Rekonstruktions-Skizze.

120

Original im Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O.; Fach 135 No. 3 enthält dort u. A. eine Skizze, auf welcher der Schlosshof eine projectirte Gallerie zeigt, sie lag wohl ursprünglich dem Memoriale bei (vergl. § 1 desselben). - Nachträglich überzeugte ich mich, dass sich auch im Wochenblatt der Johanniter Ordens-Balley Brandenburg' (1802 und 1878) zwei der oben und unten mitgetheilten Dokumente (wiewohl nicht durchweg konnte) ...

120a

Von diesen "5 Bildern von Leim" fehlt mir jegliche Kunde und Vorstellung.

121

Auffällig sind die wiederholten Hinweise auf Amsterdam: "Könnet aber in Amsterdam zu sehen" und "soll in Amsterdam oder sonsten überleget und erkundiget werden" und "soll in Amsterdam Nachfrage und Ueberschlag geschehen." Sollte Ryckwaert von dorther gereist sein? Die Frage, ob vielleicht Post im J. 1665 vom Fürsten nach Sonnenburg entsandt worden und er also auch der Urheber des Memoriales sei verdient immerhin in Erwägung gezogen zu werden.

122

Die folgenden 9 Punkte sind nicht wortgetreu wiedergegeben. - Ein Theil der Zeichnungen Ryckwaerts, die sich auf Brücken, Portale etc. beziehen, befinden sich im Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O., Fach 185, No. 8.

123

Die Ausführung dieser Steile war im Original so verworren, dass ich sie deutlicher und verkürzter wiedergeben musste. - Ich bemerke ferner, dass sich in genanntem Archiv (Fach 135 No. 2) in einem Aktenstück, dessen Generaltitel oben (S. l03 Anm.) mitgetheilt, folgendes Dokument befindet, welches einige der von Moritz im Memoriale gegebenen Anweisungen weiter ausführt "Etliche von Ihro Fürstl. Hochw. undt Gnd. selbst angegebene Articul", Artikel 1 lautet u. a.: Die Crohn und das Wapen aber muss also kommen, dass man selbiges wen man Zu der grossen Saalthüre hinein kombt, allsofort im Gesicht haben könne." Unterzeichnet ist dieses Schriftstück, welches die hohe Sorgfalt des Fürsten in Bauangelegenheiten von neuem erweist, eigenhändig - Clev den 1 Juny 1665. J. Moritz f. Zu Naasau".

124

Ganz oder theilweise; heute fehlt sie völlig und das Hauptgesims, ist ohne Charakter.

125

Aehnlich, doch weit einfacher als beim Rathhaus zu Maastricht, der Schöpfung Pieter Post's.

126

Die beiden Reliefs sind polychromirt; das linke Wappen mit der Unterschrift "Nassau" enthält auch den Elephanten, als Hinweis auf jenen dänischen Orden, den Moritz besass, das rechte Relief zeigt Johanniterkreuz und Schwert, von einem Blumenkranz umgeben, sowie den Wahlspruch des Brasilianers: "Qua Patet Orbis".

127

Diese Maasse verdanke ich den Angaben im Joh. Wochenbl.1862.

128

Neuerdings in Holzkonstruktion erneuert.

129

Das Porträt Friedrich Wilhelms ist übrigens dasselbe, welches in der Bildergalerie zu Sanssouci hängt und im Jahre 1800 durch eine Berliner Ausstellung weiteren Kreisen bekannt wurde.

130

Ein Stich dieses Gemäldes von Nason findet sich in Jan Wagenaar's Niederl. Gesch. Bd. XV S. 88; A. Burger hat es lithographirt. - Erwähnt sei, dass auch Gov. Fink den Brasilianer gemalt hat; G. van Dalen hat dieses Kniestück, das den Fürster ebenfalls als Herrenmeister gekleidet, doch zugleich im Panzer darstellt, im Jahre 1658 gestochen (vergl. van Kampen a. a. O. S. 442). - Ausserdem existirt Moritz' Bildniss auf einer Medaille von 1658 (vergl. v. Loom Nederl. Histor, Prenten. II. 881 und van Kampen a. a. O. S. 880).

131

Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O. Fach 135 No. 1. - Die Skizzen scheinen von Moritz‘ eigener Hand zu sein. Auf einer sind zwei kreisrunde Weiher angegeben und als Erklärung steht dabei: Zu Vivers zu machen als ort mangeln Bolte Undt so groas als Vorüten (d. h. Vorheriges)". - Auf jenen Stacketenzaun scheint sich eine aus 13 Artikeln bestehende Schrift zu beziehen; ihr Titel lautet: "Aantyekening wat 1700 cords plancketsel wel costen soude", und Artikel 13 bemerkt: "men can in 16 dagen 100 roed. maeken, in de 9 manden 1700 roeden maeken soo het goet weer bleft"

132

Laut Bestallung von 1662 empfing derselbe ausser "vielen Victualien" und "frey Losament" nur 30 Thaler Lohn; der Bauschreiber bezog dagegen ein Jahreseinkommen von 181 Thalern.

133

Fach 135 No. 1.

134

Manuskript des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin.

135

Seiler a. a. O. - J. C. Oelrichs, Churbrand. Medaillen-Cabinet. Zur Geschichte Friedrich Wilhelms d. Gr. Berlin 1778.

136

Die bekannte ältere Medaille, welche Friedrich Wilhelm an der Seite seines Vaters Georg Wilhelm darstellt, zeigt uns in dem Kurprinzen schon einen schlanken, hochaufgeschossenen jungen Mann.

137

Vgl. Zeitschrift für Bildende Kunst, Neue Folge. II (1890), 8. 24 ff.

138

Hortus Berolinenais etc.

139

Bd. II. 3. P. 350 (Nürnberg 1679). Dieser II. Theil ist (vergl. oben S. 170) dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm gewidmet.

140

Mémoires de Fréderic Henri Prince d'Orange, Amsterdam 1783. Und M. Merian Theatri Europaei. Frankfurt a. M. 1643. S. 520 ff.

141

Im Tagebuch des Huygens: 10. Juni 1641. Princeps Guilielmus ex Anglia Buram appelit. (Ondholland 1885.)

142

Vergl. Orlichs a. a. O. Nach den Akten des Geheimen Archivs zu Dessau.

143

Im Nederlandschen Spectator 1875/76.

144

Ned. Spectator.

145

Ueber van Thulden vergl. auch S. 81.

146

F. Nicolai III. S. 1143; dieser Autor hält übrigens nicht Gottfried Leygebe, den berühmten Eisenschneider, sondern dessen Sohn Paul Carl für den Maler.

147

Vgl. Galland a. a. O. S. 264 ff.

148

Vgl. de Vries in Oudholland 1885, Pag. 75/76.

149

Buste de terre cuite, broncé (0,80 Meter hoch). Katalog, Haag 1874.

150

Der Situationsplan ist folgender: (...)

151

Vergl. oben S. 47. Der Biograph L. Drissen (a. a. O.) führt Übrigens als Datum des Kaufes den 18. Februar 1652 (S. 107), im Anhang dagegen den 18. September 1652 (S. 356) an.

152

Eine Aehnliehkeit veranlasslt mich, den katholischen Pfalzgrafen Philipp Wilhelm den langjährigen Feind des Kurfürsten, zu nennen. Im Jahre l666 aber versöhnten sich beide, und Friedrich Wilhelm unterstützte sogar seines frpheren Gegners Werbung um den polnischen Königsthron. Sollte wirklich diese Büste den Pfalz-Neuburger darstellen, dann dürfte er vielleicht an die Stelle den Taciturnus hierher gelangt sein.

153

Rescript des Kurfürsten an den Kommissar Copen im Haag vom 7. September 1652. Vergl. Driesen a. a. O. S. 107 Anm. 1.

154

Inschrift: E. Stützel fec. 1855.

155

Sello, Potsdam und Sanssouci. Urkunden und Aktenstücke P. 446. (Breslau 1888.)

156

Siehe oben S. 142.

157

Ein wohl ganz eigenhändig gemaltes Brustbild, das die Königin von Böhmen erhielt, steht allein mit 40 Thalern und der Bemerkung "in originael" in der Rechnung.

158

a. a. O.

159

Vergl. den Hofstaat des Kurfürsten von 1652 in Königs Historischer Schilderung von Berlin Bd. II. Siehe auch Anhang.

160

Siehe M. Merian. Topographia Electoral. Brandenburgici etc. 1652.

161

Nicolai giebt dagegen bei Beschreibung des Lustgartens den Neptun als ein Werk vom Jahre 1651 an.

162

Sandrart und Elsholtz - beide dürften Recht behalten. Das Berliner Museum besitzt nemlich zwei Exemplare dieses Kupido, ein anmuthiges Original und eine mittelmässige Nachbildung. Diese könnte sehr wohl das von Elsholtz gemeinte WerK des Brabanters Mangiot, sein.

163

Manuskript der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Auf Blatt 1 schrieb Georg Wilhelm im Jahre1624: "Au Coeur Vaillant Rien Impossible".(!) Friedrich Wilhelms bemerkte kurz: Thu Recht Schew Niemandt. Jo. Friderich von Kalchum genandt Erzieher Leuchtmar, dess Chur Erbens Zu Brandenburgh Fürstl. Durchl. Hoffmeister. Stettin den 20 Janu. Ao. 1634."

164

Churbrandenburgisches Medaillencabinet etc. Berlin 1778.

165

Unter den übrigen Blättern finden sich Festungs-Scizzen und architent. Studien von Nicolaus Goldmann († 1665)

166

Ueber seine frühere Leibesbeschaffenheit soll sich der Kurfürst selbst einmal geäussert haben, wie sein Leibmedicus Dr. Gahrliep von den Mühlen in seinen Memoiren (publicirt von J. C. D. Oelrichs, Greifswald 1769) berichtet. Er soll dabei auf die Schurkereien des Grafen von Schwarzenberg eingegangen sein, der ihm wiederholt nach dem Leben getrachtet und ihm schliesslich Gift bei einer Festlichkeit beigebracht hatte, "also, dass Er Sich absentiren müssen, sehr krank ... geworden, endlich zwar noch beym Leben erhalten, aber doch davon gleichsam gantz aussätzig und hässlich im Gesicht geworden; bis nach erfolgter Heyrath sich der Ausschlag wieder verlohren, und Er zur vorigen Gestalt wieder gelangst."

167

Ausser F. Nicolai, Nachricht etc. (Berlin und Stettin 1786) bildet namentlich König, Collectaneen zur Geschichte der Künste und Künstler, Manuskript aus dem Anfang dieses Jahrhunderts in der Berliner Königlichen Bibliothek, eine reichhaltige Quelle für die Brandenburgische Kunstgeschichte. - So umfangreich das Verzeichniss der für den Grossen Kurfürsten thätig gewesenen Künstler schon heute ist, treten doch noch immer neue Namen an’s Tageslicht, Vgl. die Anmerkungen im Anhang

168

Der alte Lokalhist. König ist auf diese Art Schöpfungen schlecht zu sprechen. Er schreibt "Allegorie war damals ein Mischmasch von Bildern, deren Erklärung schwer war, und eine lächerliche Vermischung des alten und neuen Kostüms brachte die abenteuerlichste Vorstellung hervor, woran man sich jedoch nach und nach gewöhnte ... Es fällt sehr auf, wenn man die Churfürstin Louise als Venus und den Churfürsten als Paris gemahlet siehst."

169

Vgl. S. 145

170

Vgl. Galland