Der Grosse Kurfürst
und
Moritz von Nassau
der Brasilianer
Studien zur Brandenburgischen und Holländischen
Kunstgeschichte
von
Dr. GEORG GALLAND
Privatdocent a. d. Kgl. Technischen
Hochschule zu Berlin
Frankfurt am Main
Verlag von Heinrich Keller
1893
Inhalt
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I. |
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II. |
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III. |
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IV. |
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V. |
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VI. |
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I. |
Bis zur Vermählung F. W's. und zum
Münsterschen Frieden (1648). |
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II. |
Bis zur Souveränität Preussens und
zum Frieden von Oliva (1660). |
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III. |
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IV. |
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V. |
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VI. |
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Schon während ich meine (1890) im gleichen Verlage erschienene
Geschichte der Holländ. Baukunst und Bildnerei des 16. und 17. Jahrhunderts
schrieb, hatte ich mir die Frage gestellt, an welchen Orten die Thätigkeit
einer grossen Reihe niederländischer Kunstkräfte, die von älteren Autoren wie
Houbraken, F. Nikolai u. A. mit dem Ausland in Verbindung gebracht werden, zu
suchen sei. Die Antwort liess sich indess unmöglich im Rahmen jenes Werkes
geben; und so sparte ich mir diese, ich muss gestehen, ebenso schwierige wie
interessante Aufgabe für künftige Untersuchungen auf. Vorläufig biete ich dem
Leser eine kleine Sammlung von Studien, die im Wesentlichen die Beziehungen des
Kurfürsten Friedrich Wilhelm zu Holland und zu einem fürstlichen Manne
beleuchten, dem die Kultur unseres Vaterlands einst Grosses verdankte. Möchte
es mir doch gelingen, nach und nach, der holländischen Bautechnik der
Rembrandtzeit jenen Ehrenplatz, den ihr das damalige nördliche Europa
freiwillig eingeräumt, als geschichtliches Faktum wiederzugeben. Meine Quellen
waren vorzugsweise das Geh. Staatsarchiv zu Berlin, das Regierungsarchiv zu
Frankfurt a. O. und einzelne Handschriften der Berliner Königl. Bibliothek; ich
bemerke hierbei, dass ich im Preussischen Geh. Staatsarchiv u. a. auch die so
umfangreichen politischen Relationen der vormaligen clevischen Regierung, sowie
der kurbrandenburgischen Residenten in Hamburg, 's Gravenhage und Amsterdam
durchgesehen habe. Von den Abhandlungen erschien die letzte (No. 6) in etwas
veränderter und kürzerer Form bereits im Repertorium für Kunstwissenschaft
(XIV. Heft 2). Im Anhang habe ich F. Nicolai's Künstler-Nachrichten (1640-1688)
chronologisch anzuordnen versucht. Die Anmerkungen hierzu sollen nichts weiter
als Notizen aus meiner Studienmappe sein.
Berlin, 81. October 1892.
Georg Galland.
[1]
I. Der Grosse Kurfürst und Holland.
Ueber fürstliche Vermählungen spricht der Historiker
zuweilen wie von folgenreichen Kulturereignissen. Um ein Beispiel dafür zu
nennen, braucht man nicht bis auf die Zeit Kaiser Otto's II, und seiner
byzantinischen Gemahlin zurückzugreifen. Haben doch auch im 17. Jahrhundert
holländische Künstler, Ingenieure, Handwerker und Seeleute jenen unbequemen Weg
nach dem märkisch-preussischen Osten häufig eingeschlagen, den vor ihnen eine
neunzehnjährige Oranierin betrat. Die Früchte der Fähigkeit und des Fleisses
dieser Leute erkennen wir noch heute an zahlreichen besuchten Stätten unseres
Landes. Vieles, was sie geschaffen, kann man sich gar nicht anders vorstellen.
Und doch lagen die heimischen Verhältnisse in der Jugend Friedrich Wilhelms des
Grossen so, dass das Zünglein der politischen Wage, auf der auch Ehebündnisse
gewogen werden, leicht nach Norden, Süden oder Osten hätte weisen können.
Mit einer katholischen Prinzessin österreichischer
oder polnischer Herkunft hatte es aber bei der Sinnesart des jungen Monarchen
keine Gefahr. Dagegen erlebte der zunächst ganz auf sich gestellte Fürst eine
Zeit, da ihm die Regierung seines
[2]
völlig zerrütteten Landes, nach seinen eigenen
Worten, wie eine fast unerträgliche Last erschien und ihm auf der andern Seite
durch die Hand der Königin Christine von Schweden ein stolzes Ziel winkte: ein
grosses protestantisches Nordreich rings um das baltische Meer. Hier wie dort
hatte dieses Project seine ernsten Fürsprecher, und die schwedische Regierung
betrachtete es sogar als eine Art Vermächtniss Gustav Adolf's, der einst auf
den Kurprinzen und Neffen bestimmte Hoffnungen gesetzt hatte. Nur mit dem
Herzen war Niemand mehr dabei.
Um so leichter konnte sich Friedrich Wilhelm von
dieser ausschweifenden Idee losreissen. Die Schweden besassen seine Sympathie
nicht. Er sah in ihnen selbstsüchtige, rücksichtslose Eroberer, die er für die
unsäglich traurigen wirthschaftlichen und sittlichen Zustände Brandenburgs
hauptsächlich verantwortlich machen musste. Um so höher schlug sein Herz für
die Eindrücke, die er eine Zeit lang auf dem Boden der Niederlande gesammelt
hatte . . . Freilich, es wäre so Manches anders gekommen, wenn Gustav Adolf,
dieser Hort des Protestantismus, länger gelebt hätte. Dann wäre der Schwedenkönig
ihm möglicherweise das geworden, was ihm Friedrich Heinrich von Oranien
thatsächlich wurde; und die letzte Parole des Grossen Kurfürsten hätte dann
vielleicht nicht "Amsterdam", sondern "Stockholm" gelautet.
Aber wir haben keinen Grund über den faktischen Verlauf der Dinge ungehalten zu
sein.
Denn nur so ist sein Genie seinem Lande und auch der
deutschen Sache erhalten geblieben. Nur so hat er sich bei uns den Beinamen des
"Grossen" verdienen können, denn bewundernswerth erscheint uns nicht
der Umfang seiner kriegerischen Erfolge, sondern dass er in einer
ehrvergessenen Zeit das deutsche Gewissen spontan und prächtig verkörperte.
Ebenso wenig wie man etwa den Eiffelthurm mit Dürers Apokalypse vergleichen
kann, wird man die Grösse Friedrich Wilhelms mit dem Maassstab jener Eroberer,
unter deren Tritten die Welt erzitterte, messen wollen. Diesen merkwürdigen
Begriff von Grösse finden wir damals nur noch in Holland bei den Oraniern. Der
Hauch, der von einer dieser Persönlichkeiten ausging, hat seinen Genius
vielleicht schon damals geweckt, als der junge Hohenzoller zu Leyden am Rhein
studirte, wo Rembrandt geboren wurde und wo einst jener Lukas van Leyden malte,
der uns so sehr an unsern Dürer erinnert.
[3]
Es war eine unvergessliche Studienzeit! Der Kurprinz
hatte sie aber nicht ausschliesslich in Leyden verbracht, wo sich sein Name
merkwürdigerweise nicht im Album Studiosorum1
eingeschrieben findet, sondern zum Theil auch im Haag, in Arnhem, im
holländischen Kriegslager und zu Rhenen, wo seine Tante mütterlicherseits, die
Wittwe des vertriebenen Kurfürsten von der Pfalz, "die Königin von
Böhmen" mit ihren künstlerisch begabten Kindern, Söhnen2
und Töchtern, bescheiden residirte. Noch im Jahre 1634, als die Frage der
weiteren Ausbildung des Kurprinzen endlich gelöst werden musste, herrschte am
Hofe Georg Wilhelms eine schwedenfreundliche und antikaiserliche Stimmung, und
Graf Adam von Schwarzenberg selbst war es, der damals den Aufenthalt des jungen
Thronfolgers in der niederländischen Republik, die dem Hause Habsburg noch
immer feindlich gesinnt war, befürwortete3.
Lebhafte Unterstützung fand diese Idee naturgemäss bei der Kurfürstin-Mutter
Elisabeth Charlotte, die den geliebten einzigen Sohn vollkommen sicher in der
Nähe ihrer pfälzischen Verwandten wusste. Dass Alles sollten diejenigen nicht
vergessen, die sich bei allen, auch den wohlgemeinten Handlungen Schwarzenbergs
des schwarzen Verdachts gegen diesen mächtigen Minister Georg Wilhelms nicht
enthalten können.
Allerdings war er es, durch den schon im
darauffolgenden Jahre, im Prager Frieden, ein vollständiger politischer
Umschwung eintrat; und im Jahre 1636 überraschte er seinen kurfürstlichen Herrn
sogar mit dem Titel eines kaiserlichen Generalissimus.4
Dass unter solchen Verhältnissen ein längeres Verweilen des Prinzen bei den
Feinden des Kaisers nicht opportun erschien, ist begreiflich. In zweiter Linie
fürchtete Georg Wilhelm eine Herzensneigung seines lebhaft fühlenden Sohnes. Ob
dieser sich wirklich für die zweite Tochter der böhmischen Königin, Prinzessin
Louise Hollandine, damals ernstlich interessirt hat, wie die Geschichtenträger
und die Poeten meinen? Seine hartnäckige und fortgesetzte Weigerung, die
Republik zu verlassen, erklärt sich schon hinlänglich aus der damaligen
Gemüthsverfassung des Kurerben.
[4]
Unter grossen pekuniären Opfern war der dortige
kostspielige Studienaufenthalt ermöglicht worden. Er schrieb einmal nach Hause,
er werde gewiss Alles "mit fleissigem Studiren und Wohlverhalten"
wieder einbringen. Und nun sollte er an der Erfüllung dessen gehindert werden?
Hatte sich denn irgend eine der Hoffnungen, die seine Eltern an diese Reise
geknüpft, im Jahre 1636 schon realisirt? Erschien denn jetzt der angefochtene
Besitz der klevischen Lande etwa gesicherter als vorher? Er sollte ferner,
unter Leitung seines einsichtigen Erziehers Joh. Friedrich von Leuchtmar, neue
Menschen, wichtige Einrichtungen, grossartige Verhältnisse kennen und verstehen
lernen. Wie sehr musste es ihm dieser merkwürdige reiche Seestaat, diese von
Kriegsruhm, Handel und Weltverkehr dröhnende Schaubühne der Oranier guthun und
sein empfängliches junges Gemüth in Banden schlagen! Einer Reihe holländischer
Staatsmänner, Feldherrn und Admirale hatte er zweifellos die Hand gedrückt. Und
was er bisher nur aus Büchern, durch Cäsar und Horaz, von menschlichem
Heldenthum erfahren - hier sah er es in der Wirklichkeit, Aug' in Aug'.
Und nun sollte er vorzeitig, plötzlich, zurückkehren,
mitten in die alte Misere seiner Heimath? Nun sollte er seine neugewonnenen
Freunde verleugnen, um eine ihm in der Tiefe seines Herzens verhasste Politik
zu billigen? Nicht umsonst hatte man ihm Schwarzenberg und dessen geheimen
Pläne arg verdächtigt. Erst im Jahre 1638, nachdem er vier bedeutungsvolle
Jahre in den Niederlanden verbracht, entschloss er sich zur Rückkehr in das
Land seines ihm so unähnlichen Vaters, dem er in kurzer Zeit auf dem Throne
folgte.
Holland glich damals noch nicht einem Rentner, der
seine einst mühsam erarbeiteten Schätze behaglich verzehrt. Von müssigen
Gaffern ist dort der künftige Organisator des brandenburgisch-preussischen
Staates sicherlich nicht allzusehr belästigt worden, wie später der
Zar-Zimmermann. Doch erhielt er von der Verwöhntheit der Reichen schon manchen
deutlichen Beweis, Um in diesem Lande standesgemäss auftreten zu können, musste
er z. B. eine Kutsche besitzen, die zum
[5]
Mindesten mit rothen Sammetbezügen und rothen
Damastvorhängen ausgestattet war. Dazu reichte aber sein Geld nicht aus. Und so
schilderte er denn seinem kurfürstlichen Vater seine Noth In dieser Sache:5 "Ich bitte aber Ew. Gnaden unterthänig,
Dieselbe wollen nicht zürnen, dass die Gutsche so viel kostet, dann dieselben
können gewisslich in diesen Landen vor fürstliche Personen nicht schlechter
gemachet worden. Zu deme sind auch neulich auf dem Pferdes Markt die Pferde so
theuer gewesen, dass ich vorerst nicht mehr denn 4 hab kaufen dörfen; denn ich hab
vor jedes Pferd 140 Reichsthaler geben müssen, und selbsten gesehen, dass
andere, Kaufleute und vom Adel, auch dergleichen Pferde, und noch viel theurer
gekaufet haben . . ."
Trotz solcher allerwärts beginnenden Ueppigkeit der
Vornehmen befand sich das Land damals noch in wachsender rüstiger Thätigkeit.
Noch rang die niederländische Armee unter oranisch-nassauischen Führern, deren
Blut, wie ein älterer Autor bemerkt, für die Republik in Strömen floss, gegen
die spanische Truppenmacht. Auf beiden Seiten wurde der Angriffs- und
Belagerungskrieg mit ungewöhnlichem Aufwand militärischer Tüchtigkeit
betrieben. Aufmerksamer Zeuge dessen war, wie seine Briefe beweisen, der junge
brandenburgische Fürstensohn. -
Zu jener Zeit lebte in der Umgebung Friedrich Heinrichs
auch Turenne, der spätere berühmte Gegner des grossen Kurfürsten, die beide
also aus derselben Kriegsschule hervorgingen. Die Sympathien für französisches
Wesen, die der Sohn der Louise von Coligny nicht verleugnete, prägten sich im
Haag besonders in der Art der Hofhaltung aus, die in ihrer Prachtentfaltung
durchaus von dem früheren Generalstatthalterthum abstach. Aber auch dies grub
sich in die Seele des Hohenzollers, den nur die mit der Frivolität verbundene
Prunklust einer media nocte genannten Gesellschaft abstiess. Es ist später ein
zweideutiger Charakterzug Friedrich Wilhelms gewesen, bei passenden
Gelegenheiten zu repräsentiren; er liebte einen möglichst glänzenden Hofstaat
und pflegte gern Alles, was zur Erhöhung des fürstlichen Nimbus dienen konnte.
Dazu gehörten vor allem die Künste und 'Wissenschaften.
Schwerlich hätte er Muster hierfür bei Friedrich
Heinrichs
[6]
Vorgängern gefunden. Weder Wilhelm I. noch Moritz v.
Oranien († 1625), dieser gewaltigste Stratege seiner Zeit, dürfen als Kunstmäcene
gelten. Für Ersteren kommt hier natürlich nur sein späterer Lebensabschnitt,
der das historische Bild des Taciturnus geschaffen, in Betracht. Beide
fürstliche Männer residirten noch nicht in Palästen, sondern gewöhnlich in
schlichten Prinzenhöfen, die aus halbverfallenen Klöstern nothdürftig
entstanden. In ihrer Umgebung traf man wohl scharfsinnige Festungsingenieure
und Mathematiker wie Adrian Anthoniszon und Simon Stevin, aber nur seiten
wirkliche Künstler.
Freilich waren damals noch die holländischen
Architekten, wie Lieven de Key und Hendrik de Keyzer, streng genommen nur
simple Steinhauer6. Und erst ihre jüngeren
Fachgenossen gewannen allmälig eine glänzendere soziale Stellung. Nicht etwa
durch Steigerung ihres rein künstlerischen Vermögens, vielmehr dadurch, dass
sie eine Art Kompromiss mit der hochangesehenen Wissenschaft schlossen. Sie
verzichteten auf die banausische Ausübung der Steinhauerei, desgleichen auf die
landesübliche, auch koloristisch wirksame Bauweise und führten statt dessen die
vorzugsweise aus dem Studium der italienischen Bautheoretiker gewonnene
klassische Regelrichtigkeit und den Sinn für vornehme, farblose Monumentalität
seit ca. 1630 in die Architektur ihrer Heimat ein. Zugleich erweiterten sie ihre
Kenntnisse und Erfahrungen im Festungsbau, um sich gerade hierdurch für die
fürstlichen Bauherrn unentbehrlich zu machen. Daher finden wir diese
Ingenieur-Architekten, wie Pieter Post, Hendrik Ruse und Jakob von Kampen,
häufiger in der Begleitung eines Friedrich Heinrich, Wilhelm Friedrich und
Johann Moritz von Nassau, in deren Leben zum ersten Male auch die Frage
fürstlicher Repräsentation durch die bildenden Künste eine Rolle spielte.
In die Zeit des frühesten Erblühens monumentaler
Palastarchitektur in Holland fällt eben der dortige, denkwürdige Besuch des
Kurprinzen Friedrich Wilhelm. Keine Spur davon hatte er in Berlin und Küstrin,
den Stätten seines Jugendlebens, wahrgenommen. Wie dürftig es damals in Berlin
aussah, das nur dem Namen nach Residenz war, weil sich Hof und Regierung
[7]
in Preussens östlicher Hauptstadt sicherer fühlten,
davon erhalten wir durch Königs trübe Schilderung7
einen leider zu anschaulichen Begriff. Der märkische Ort war halb
verödet, Gras und Unkraut wucherten in den Gassen, wo neben verwahrlosten
Menschen das schmutzige Vieh hauste. Im ganzen Lande stockten Handel und
Gewerbe, selbst die einst so einträgliche Tuchweberei war zu Grunde gegangen,
sodass man z. B. zur Bekleidung der Küstriner Garnison die nöthigen Tuchstoffe
aus Polen beziehen musste.
Wie mussten nun der neue ungewohnte Anblick, die
fröhliche Pracht wohlbebauter blühender niederländischer Industriestädte, die
vielfältigen musterhaften städtischen Organisationen, der Reiz vortrefflich
bestellter Landwirthschaften u. s. w. auf die Fantasie des geistig über seine
Jahre gereiften Kurerben einwirken. Sein Erzieher Leuchtmar war ganz der Mann
dazu, ihm diese Welt neuer Erscheinungen zu erklären, ihn in die Geschichte des
befreundeten Landes, in die Ursachen solcher kulturellen Erfolge einzuweihen
und ihm so den Vergleich der einst sumpfigen, unfruchtbaren Nordseeküste mit
seiner sandigen brandenburgischen Heimath nahezulegen. War Georg Wilhelms
hoffnungsvoller Sohn damals alt genug, um im politischen Getriebe seiner Zeit
gegen seinen Vater und dessen Minister Partei zu ergreifen, so war er
zweifellos klug genug, um schon das zu empfinden, was er später in die
charakteristischen Worte kleidete: "Seefahrt und Handlung sind die
fürnehmsten Säulen eines Estats, und der gewisseste Reichthumb und das
Aufnehmen eines Landes kommen aus dem Commercium her".8
Das klingt beides so holländisch, dass man über die Quelle solcher Erkenntniss
nicht im Zweifel sein kann.
Was er aber hinsichtlich Brandenburgs wohl unbedingt
damals gering schätzen lernte, waren die kleinlichen Gesichtspunkte, die ihm
alle Lebensinteressen seines Volkes verriethen, und jene feudalistischen
Anschauungen, die unter den Augen seines kurfürstlichen Vaters pedantisch
gepflegt wurden.9 In den Oraniern und Nassauern
sah er dagegen Männer, die zwar durch die Summe ihrer Verdienste und die
Energie ihres Ehrgeizes eine bevorzugte Stellung in der Republik behaupteten,
die indess mit dem-
[8]
selben Gefühl der Verantwortung wie jeder andere
treue Diener des Vaterlands ihres Amtes walteten, sei es als oberste
Kriegsherren, sei es als Admirale oder Gouverneure von Handelsgesellschaften.
Diese persönliche Hingabe Aller an eine gemeinsame grosse Sache, der daraus
hervorgehende Wettkampf der Geister, die ungehemmte Entfaltung kräftiger
Individualitäten und die Leutseligkeit grade der Mächtigsten - das Alles stand
seinen Beobachtungen von vornherein gegenüber. Und vielleicht täuschte ihn
damals der Enthusiasmus und die Unerfahrenheit der Jugend über manche der
holländischen Schattenseiten, die er in späteren Jahren um so richtiger
beurtheilte.
Es war also nicht übertrieben, als Friedrich Wilhelm
an der Seite seines jungen Schwagers Wilhelms II. vor den Generalstaaten im
Haag betonte, dass seine Verbindung mit einer Oranierin seine langjährige
freundschaftliche Gesinnung für die Republik besiegele.10
Er hoffte im Jahre 1646 auf ein festes Bündniss mit dem reichbemittelten Nachbarstaat;
doch der war zu keiner Zeit geneigt, aus sentimentalen Anwandlungen
Unterstützung zu gewähren. Die Stellung der Generalstaaten dem Kurfürsten
gegenüber blieb im Grunde genommen immer die gleiche, und zwar waren jene nur
dann geneigt Opfer zu bringen, wenn für sie eine handgreifliche Förderung ihrer
Handelsinteressen vorlag oder aber äusserste Gefahr drohte. An sonstigen
Kundgebungen der Sympathie hatte es freilich niemals gefehlt, besassen doch
beide Parteien von vornherein dieselben Gegner in der "Habsburgischen
Hausmacht" und der schwedischen Uebermacht".11
Wegen einer alten brandenburgischen Geldschuld, die
ihrem Reichthum nicht gerade Abbruch that, occupirten12
die Generalstaaten mehrere clevische Festungen ihres Bundesgenossen, auch
stellten sie sich im Kampfe der clevischen Stände gegen den Kurfürsten auf die
Seite der ersteren. Später, als die von de Witt
[9]
geleitete, regierende Aristokratenpartei nicht ohne
Eifersucht die mannigfaltigen Erfolge des mit den Oraniern so eng liirten
Brandenburgers beobachtete, mehrten sich natürlich die Gründe oder Vorwände
politischer Spannung. Da schien man am Zuidersee gar manches Mal die dankbare
Anerkennung zu vergessen, die man dort z. B. im Jahre 1656 Friedrich Wilhelm
für die guten Dienste um die Wahrnehmung der holländischen Interessen in Danzig
gezollt hatte. Zum Glück war der Kurfürst ritterlich genug gesinnt, um Unbill
und Enttäuschungen zu vergessen, wenn es sich darum handelte, das befreundete
Land vor ernsten Angriffen zu schützen.
Inzwischen hatte sich seine Position den Niederlanden
gegenüber erheblich geändert. Während hier, ungeachtet aller glänzenden
Handelsunternehmungen, die fehlende straffe Mannszucht der Oranier überall den
Verfall vorbereitete, stand der Kurfürst um die Mitte der sechziger Jahre so
mächtig da, dass ihm von allen Seiten die schmeichelhaftesten Werbungen zu
Theil wurden. Damals, als die Engländer den Generalstaaten den Krieg erklärten
und sich auch der Bischof von Münster in die Kriegshändel mischte, befand sich
die Republik vor einem gefährlichen Abgrund. Aller Patrioten Blicke richteten
sich dort auf den alten brandenburgischen Bundesgenossen, schrieb doch Johann
Moritz von Nassau am 7. August 1665 aus dem Haag an den Kurfürsten die Worte:
"Ew. Churfl. Durchlaucht sind jetzt, nächst Gott, ihr (der Holländer)
höchster Trost, von welchem sie Hülfe und Beistand zu erwarten haben".
Nicht ohne Besorgniss, auch um seine clevischen
Besitzungen, zögerte Friedrich Wilhelm keinen Augenblick, einen Defensivvertrag
mit den Generalstaaten gegen deren verbündete Gegner zu schliessen. Und sein
entschlossenes Vorgehen hatte den überraschenden Erfolg, dass wenigstens der
eingeschüchterte Bischof sofort die Feindseligkeiten einstellte. Zum Andenken
an dieses Ereigniss fertigte der holländische Medailleur Muller eine der
hübschesten getriebenen Denkmünzen jener Zeit. Auf der Vorderseite der Medaille
sieht man das ausdrucksvolle Brustbild des Kurfürsten en face, darüber zwei
behelmte römische Krieger einen Lorbeerkranz halten. Darunter steht die
gerahmte Bezeichnung: "Keurvorst van Brandenburg. 1666". Die
Rückseite nehmen, von Ranken umgeben, drei weibliche Gestalten ein, von denen
die beiden seitlichen gerüstet sind und Holland und Brandenburg
[10]
vorstellen. Sie halten ihre mit Wappen behängten
Standarten kreuzweise zwischen sich, und das jugendliche Weib in Mitten ist in
Begriff, die Standarten mit Lorbeer zu umwinden. Am Rande beider Seiten liest
man die holländischen Reime:
Hier staat Keur-Brandenburg s' lants trouwste
Bontgenoot,
Die door syn staale vuist de goude vree besloot.
und:
Laat nu den bittren Brit op Munsters vree vry
schelden
Door Kunst kroont Muller hier het Puik der Ooorlogs
Helden.
Einige Jahre darauf ballte sich abermals schweres
Gewölk über Holland. Seine Zerstückelung war beschlossene Sache Ludwigs XIV.,
der, nachdem er verschiedene Mächte auf seine Seite gezogen, auch Alles
versuchte, um den Brandenburger zunächst für seinen Plan zu interessiren, dann
ihn wenigstens zur Neutralität zu bewegen. Unmittelbare Gefahr drohte dem
letzteren nur, wenn er die gewaltthätige Hand Frankreichs von sich wies und
sich der schwer bedrängten, nirgends beliebten Republik hilfreich annahm.
Dennoch achtete er dieser Gefahr nicht und folgte lediglich der Sprache seines
Gewissens, das ihn leider zugleich in jene abhängige Stellung zum Wiener Hofe
drängte, der, unter der Maske völliger Uebereinstimmung mit ihm, kein anderes
Ziel verfolgte, als die uneigennützige Hilfe des Kurfürsten illusorisch zu
machen. Es ist hier nicht unsere Aufgabe, eine Schilderung des gegen Holland
gerichteten französischen Raubkrieges (1672), seiner Wechselfälle und Folgen zu
versuchen. Nur darauf soll hingewiesen werden, dass, wie gering man auch in dem
angegriffenen Lande den Erfolg des Bundesgenossen geschätzt hat, dessen
Verdienst doch keineswegs blos in dem moralischen Werth seiner Unterstützung
beruhte. Hatte Brandenburg doch zum Mindesten einen Theil der feindlichen
Streitkräfte auf sich genommen und durch seine kühne Initiative andere Staaten,
wie Oesterreich und Spanien, mit sich fortgerissen zur Abwehr einer immer
maassloser aufstrebenden Macht.
Freilich war Friedrich Wilhelms förmlich
programmgemässes Eintreten für Holland nicht einfach durch Sympathien allgemeiner
Natur bestimmt, sondern es kamen, ausser jenen oben berührten politischen
Gesichtspunkten, auch gemeinsame, religiöse und endlich verwandtschaftliche
Interessen in Betracht. Welchen Grad von Sympathie ihm wohl das Regime de Witt
eingeflösst haben mag? In den sieben Gewesten wird er stets das Land der
Oranier
[11]
erblickt haben, die eben damals wieder an die Spitze
der Geschäfte traten. Und wenn der Kurfürst dorthin kam, sahen auch die ihm
zujauchzenden Holländer in dem Gast zweifellos zunächst den nahen Verwandten
jenes fürstlichen Hauses, dessen Name selbst während des aristokratischen
Regimentes niemals an Volksthümlichkeit verlor. Und das wusste er, und darum
erlitten, unbeeinflusst von der wechselnden Macht der Parteien und der
jeweiligen Haltung der Generalstaaten, weder seine dortigen Besuche, noch seine
eifrigen Beziehungen zu holländischen Persönlichkeiten, Städten, Einrichtungen
u. s. w. jemals Unterbrechung.
Man darf annehmen, dass ihn jeder Aufenthalt in
seiner clevischen Residenz mindestens zu einmaligem Abstecher an die Nordsee
verlockte. Als im Jahre 1659 sein Statthalter und seitheriger Schwager, der
Fürst Johann Georg von Anhalt, sich mit der dritten Tochter Friedrich Heinrichs
von Oranien vermählte, war zwar nicht der Kurfürst, wohl aber die Kurfürstin
bei den Festlichkeiten zugegen, die zu Ehren der Hochzeitsgesellschaft im Haag
und in Amsterdam stattfanden. Zwei Jahre darauf begegnen wir Friedrich Wilhelm
in Begleitung des Fürsten von Anhalt auf einer Fahrt durch Holland und Brabant,
welche die Kenntnissnahme gewisser Organisationen bezweckte; auch Huygens
erwähnt diese Reise in seinem Tagebuche.13
Denkwürdig erscheint des Kurfürsten Besuch in jenem
Jahre, da ihn Mullers Medaille als "Puik der Oorloogshelden" im
Kampfe gegen Münster und England feierte. Friedrich Wilhelm begab sich damals14 mit seinem clevischen Statthalter, dem Fürsten
Moritz von Nassau, zunächst nach dem Haag, wo sie am 2./12. Mai 1666 incognito
ankamen und von dem jungen Prinzen von Oranien, dem französischen Gesandten und
Tags darauf von einigen Kommittirten des Staatsraths bewillkommnet wurden.
Sonnabend den 5./15. Mai fuhren die beiden Gäste mit
[12]
dem Prinzen von Oranien zu Wasser nach Leyden und
Haarlem. In letzterem Orte empfing der Magistrat die hohe Gesellschaft mit
grossen Ehrenbezeugungen. Gleich nach eingenommener Erfrischung reiste man
weiter bis Toxel, um hier die aus 61 Seglern bestehende holländische
Kriegsflotte unter de Ruyters Oberbefehl gegen England ziehen zu sehen. Auf dem
Admiralschiffe fand zu Ehren der Fürsten ein Festmahl statt, wobei
Trompetengeschmetter und der ununterbrochene Donner der Kanonen die Tafelmusik
bildeten. Dann besuchte man die übrigen Kriegsschiffe, indem man, nächst de
Ruyter, den Admiral-Lieutenant Tromp15 und den
Vizeadmiral Hulst besonders auszeichnete. Das Ende war ein kleines blindes
Seegefecht. Am 8./18. Mai gegen Abend stieg man wieder in Amsterdam ans Land,
wo eine grosse Menge von Schaluppen zum Empfange der hohen Gäste bereit stand,
die am darauffolgenden Tage auf dem Rathhause festlich bewirthet wurden. Ueber
Utrecht kehrten der Kurfürst und sein Statthalter alsbald nach Cleve zurück.
Näheres über die Reise, die der Kurfürst im April
1675 über Delft nach dem Haag unternahm, erfahren wir aus dem Tagebuch eines
seiner persönlichen Begleiter, des Dietr. Sigismund von Buch.16
Uns interessirt hier nicht der politische Zweck dieser Reise, jener im Haag
geschlossene Offensiv- und Deffensiv-Vertrag gegen Frankreich und Schweden, der
später von der Mehrzahl der Verbündeten schmälig gelöst wurde. Wir fragen
vielmehr nur nach dem Grund, warum Friedrich Wilhelm seine Rückfahrt nach Cleve
über Amsterdam, wo er anscheinend einige Tage geweilt,17
ausgedehnt hatte. Da wir aus den Berichten seines clevischen Statthalters
entnehmen, dass oft neben den ernstesten politischen Dingen Fragen
künstlerischer Art herliefen, so glaube ich auch, dass der Kurfürst trotz der
für ihn so kritischen Zeit noch Musse und Lust genug gehabt, sich in Amsterdam
z. B. für die Skulpturen zu interessiren, die damals der Bildhauer Eggers für
ihn arbeitete.
[13]
Will man das Verhältniss der Republik und ihrer
Vertreter zum Grossen Kurfürsten nach allen Richtungen hin gewissenhaft
würdigen, so wird man auch der minderwerthigen Momente des freundschaftlichen
Wechselverkehrs gedenken müssen, die wohl von den Betheiligten unmittelbarer
empfunden wurden und auf die Zeitgenossen gelegentlich einen tieferen Eindruck
hervorgerufen haben, als die vielfach unter dem Druck ungünstiger Umstände
geschaffenen hochpolitischen Beziehungen.
Die holländischen Gesandten spielten am
brandenburgischen Hofe eine grössere Rolle, als die eines anderen Staates. Sie
waren dort gern gesehene Gäste, beriethen bei wichtigem Anlass persönlich mit
dem Monarchen und gratulirten sowohl dem kurfürstlichen Paare als auch den
Prinzen zu deren Namenstagen, überbrachten ihnen Schreiben von den
Herrenstaaten und wurden von ihnen zur Tafel gezogen.18
Im Juni 1649 verlebte Konstantin Huygens in der Eigenschaft als
ausserordentlicher Gesandter mehrere Tage im Schlosse zu Cleve.19
Bei der Taufe des Kurprinzen Karl Aemil in Berlin am 30 September 1655 liess
sich Amsterdam, dass sich der ganz besonderen Neigung des Kurfürsten erfreute,
durch einen seiner Bürgermeister Johann Huydekooper, Herrn von Marsseveen,
feierlichst vertreten.
Die freundschaftlichen Beziehungen der beiden
fürstlichen Häuser reichten freilich weiter zurück. Brandenburgische
Prinzessinnen haben auf niederländischem Boden schon vor der Zeit des Grossen
Kurfürsten - dessen Name "Wilhelm" daran erinnert - ein zweites
Vaterland gefunden. Der Sohn Georg Wilhelms kam also nicht als Fremder dorthin,
wo ihm sein warmherziges, edles, anspruchsloses Wesen allerwärts Sympathien
verschaffte. Das berühmte Wort Friedrich Heinrichs von Oranien, der des
Kurprinzen sittliche Standhaftigkeit bewunderte, gab damals gleichsam den
Grundton der Hochachtung an, mit welcher die erlesensten Geister der Republik
den in strenger Zucht gebildeten Jüngling betrachteten. Für die nächsten
Beobachter der Dinge am Hofe des Generalstatthalters schien es darum wie
selbstverständlich, dass die heranwachsende Louise Henriette von Oranien für
den Erben Brandenburgs bestimmt sei. Heisst es doch schon in einem am 30
Dezember 1640 geschriebenen Briefe zweier im
[14]
Haag wohnenden clevischen Abgeordneten20: " . . . alsoo hier seeckerlick gelooft
wert, dat tuschen den jongen vorsten van Brandenborch ende de oudste dochter
van S. H. de prince van Orangen getraeteert weert van houwelick".
Noch kurz vor seinem Tode gab Friedrich Heinrich
seinem Schwiegersohn einen deutlichen Beweis aufrichtiger Theilnahme, indem er
dessen Bekanntschaft mit dem Manne vermittelte, der dazu berufen schien, dem
brandenburgisch-preussischen Staate auch eine koloniale Machtstellung zu
verschaffen. Der Republik einen gefährlichen Rivalen auf den Gewässern zu
wünschen - diesen Verdacht werden selbst die hartnäckigsten Gegner der Oranier
nicht gefasst haben. Andere, selbst weitsichtig patriotische Gründe liegen
näher. Was aber Artus Gyssels van Lier betrifft - so lautet nämlich der Name jenes
Mannes21 - so kann es sich hier nicht darum
handeln, die Lauterkeit seiner Motive zu prüfen. Er hatte vorher der
ostindischen Handelsgesellschaft als Gouverneur von Amboina, Rath von Indien u.
s. w. gedient und sich als einer der fähigsten Admirale und kenntnissreichsten
Beamten erwiesen. In seiner Denkschrift bezeichnete er dem Kurfürsten das
östliche Pillau, wo ihm offenbar ein zweites Amsterdam vorschwebte, als
Ausgangspunkt der projektirten Unternehmungen, für die ein Grundkapital von 1
Million Thalern nothwendig war. Er hoffte, wenn erst die Sache in Fluss
gekommen, angesehene geldkräftige Holländer zur Uebersiedelung nach Preussen zu
bestimmen. Der Kurfürst, der nur zu bald die unbesiegbare Gleichgültigkeit
seiner Unterthanen Kolonialbestrebungen gegenüber empfand, beschloss darauf,
ein national - deutsches Handelsunternehmen unter dem mächtigen Schutze des
Kaisers. Dieser schöne Traum währte ungefähr fünf Jahre lang, dann gehörte sein
Erstlingsversuch Brandenburg kommerziell unabhängig zu machen, der Geschichte
an.
Aber das schreckte Friedrich Wilhelm von späteren
kolonialen Versuchen nicht ab. Der merkwürdige Fürst, der in seiner Jugend
schrieb: weil die See meiner Natur gar zuwider ist, und ich dieselbe nicht
ausstehen kann"22, liess sich in seinem
[15]
Ehrgeiz, es den mächtigen seefahrenden Völkern
nachzuthun, nicht beirren, und er fand in Benjamin Raule, einem aus Vlissingen
stammenden angesehenen Manne, eine geeignete Kraft zur Realisirung seiner
Pläne. Mit holländischen Miethsschiffen und grossentheils holländischen
Matrosen wurde eine brandenburgische Marine gebildet, vornehmlich zum Schutz
des Kolonialhandels. So gross auch deshalb das Misstrauen der Generalstaaten
und gelegentlich die Feindseligkeiten der holländischen Handelsgesellschaften
waren, das gute persönliche Verhältniss Friedrich Wilhelms zu den Prinzen von
Oranien blieb davon unberührt. Enthält doch Huygens' Tagebuch nach wie vor
Notizen über freudige und traurige Familienereignisse im Hohenzollernhause,
während wir aus anderen Geschichtsquellen, z. B. von den Besuchen Wilhelms II.
und seiner englischen Gemahlin am Hofe zu Cleve23
oder von dortigen Festlichkeiten zu Ehren der Prinzessin-Wittwe von Oranien24 erfahren. Gerade dieser fortgesetzte intime
Familienverkehr war es, der den Argwohn der antioranischen Partei gegen den
Kurfürsten als Vormund des jungen Wilhelms III. wachhielt. Der vorzeitige
Heimgang der trefflichen Louise Henriette und die zweite Vermählung ihres
Gemahls änderten nichts an den geschilderten Verhältnissen. Friedrich Wilhelm
hat der klugen frommen Frau, unter deren Einwirkung sich die derben Sitten des
brandenburgischen Hofes verfeinerten, zeitlebens ein aufrichtiges Gedenken
bewahrt und schliesslich, wie bekannt, an ihrer Seite im alten Berliner Dome
Ruhe gefunden.
Sein Neffe, der heranwachsende Erbe des oranischen
Ruhmes, aber besass in ihm stets den fürsorglichen Verwandten. Und wenn es zu
jener kritischen Zeit der Republik für ihn noch eines besonderen Umstandes
bedurft hätte, Frankreichs Lockungen zu widerstehen, dann wäre die Reise des
jungen Prinzen nach Berlin im Jahre 1671 wohl dazu angethan gewesen. Wilhelm
III. kam hier am 16. Juni an, besuchte Tags darauf den Kurprinzen Karl Aemil25, fuhr einige Tage darauf, nur in Begleitung
seines Onkels, zur Jagd bei Küstrin und machte von dort aus einen Abstecher in
den Warthebruch, nach Sonnenburg, um seinen Verwandten, den Johanniter -
Ordensmeister, Moritz von
[16]
Nassau, zu begrüssen. Schon am 23. Juni reiste der
Prinz wieder von Berlin ab, bis Potsdam begleitet von dem Kurfürsten und seinem
Vetter Karl Aemil . . . Und noch eines anderen Zusammentreffens der beiden
Fürsten ist kurz zu gedenken. Es war im Sommer 1686, als man zu Cleve
gemeinschaftlich über umfassende kriegerische Maassregeln gegen Jakob II. von
England berieth. Den Ausgang der ruhmvollen Expedition seines Neffen erlebte
Friedrich Wilhelm zwar nicht mehr, aber es waren mit den Holländern
brandenburgische Regimenter, die dem kühnen und staatsklugen Oranier die
englische Königskrone gewinnen halfen.
Um den Kreis des kurfürstlichen Verkehrs, soweit
derselbe das Haus Oranien-Nassau betrifft, zu vervollständigen, haben wir vor
Allem noch zwei Persönlichkeiten zu nennen, den in späteren Jahren gefürsteten
Statthalter von Friesland Wilhelm Friedrich († 1664), der die jüngere Schwester
der Kurfürstin, Albertine Agnes, zur Gemahlin hatte, und Johann Moritz von
Nassau, welchen wir schon wiederholt erwähnten. Was diesen angeht, so kennen
ihn Viele als holländischen Kavalleriegeneral oder als kurbrandenburgischen
Statthalter zu Cleve. Doch urtheilt man bei uns wohl26,
dass seine diplomatischen Fähigkeiten nicht bedeutend gewesen seien, weil er
sich auf letzterem Posten zu nachgiebig gegen die ständische Partei gezeigt,
aus Rücksicht auf die ihm so wünschenswerthen niederländischen Sympathien.27 Freilich kann der, welcher auf zwei Stühlen
sitzen soll, nicht mit dem ganzen Gewicht seines Körpers auf jedem der Stühle
ruhen.
Aber Johann Moritz von Nassau verdient es nicht, dass
man seine Handlungen und Eigenschaften lediglich unter dem Gesichtswinkel
kurbrandenburgischer Politik betrachtet. Ein erheblicher Theil seines Wirkens
gehört überhaupt nicht in den Rahmen der Politik. Wenn es Jemand unternähme,
eine Kulturgeschichte des Staates des Grossen Kurfürsten zu schreiben, so würde
er an noch nicht genügend aufgeklärte Erscheinungen
[17]
anknüpfen müssen. So viel wissen wir, dass, während
Friedrich Wilhelm häufig im fernen Feldlager lebt, zu Cleve und in
verschiedenen Theilen der sandigen Mark, in Berlin, Potsdam, Oranienburg,
Sonnenburg u. s. w., höchst anmuthige Parkanlagen, Alleen, bewachsene Hügel,
Schlossbauten, Villegiaturen, durch grossentheils holländische Arbeitskräfte
entstehen. Es kommen nacheinander zahlreiche Künstler, Architekten wie Maler
und Bildhauer, aus den Niederlanden nach Berlin und Potsdam, nach Cleve, Küstrin
und Sonnenburg. War noch bis zur Vermählung des Kurfürsten, aus Mangel an einer
technisch gebildeten Person, der Kammerdiener Moritz Neubauer Leiter des
Berliner Schlossbaues28, so erscheint hier
plötzlich ein sehr befähigter holländischer Architekt und Ingenieur Namens Joh.
Gregor Memhard auf der Bildfläche. Dessen Landsleute, ebenfalls Ingenieure,
bauen in der Folgezeit Brücken und Schiffe, legen Kanäle, Schleusen und Deiche
an29 und befestigen die in den Kriegen des
Kurfürsten gefährdeten Ortschaften, am Rhein wie in der Mark; während Andere im
gleichen Interesse kolonisatorisch wirken,30
wüste Strecken des Landes urbar und das Holz der kurfürstlichen Forsten nutzbar
machen oder endlich Handel und Industrien in den Städten zu kräftigen
mitbestrebt sind.31
Welcher einflussreichen Persönlichkeit gebührt nun,
so müssen wir fragen, vor allen Anderen das Verdienst, den Strom intelligenter
und arbeitsamer Leute aus einem Lande, dessen materielle Mittel und
Unternehmungslust damals gleich gross waren, nach dem östlichen Brandenburg
gelenkt zu haben? Waren es vielleicht die Prinzen von Oranien? Sie, die
ungeachtet ihrer, über jeden Zweifel erhabenen, freundschaftlichen Gesinnung
für den Kurfürsten, doch nur flüchtig, etwas schattenhaft dessen Wege kreuzten.
Sie sprachen wohl alle nicht viel, der Taciturnus und seine Nachfolger bis auf
den Urenkel, den dritten Wilhelm hin. Man erkennt ihre Pfade, auf denen sie
zwischen Breda und London gewandelt, am Besten aus den Wirkungen ihrer Thaten.
[18]
Und wenn man ihnen auf den Blättern der Geschichte
begegnet, so empfängt man den Eindruck, als hätten sie immer vollauf mit sich
und ihren hohen ehrgeizigen Ideen zu thun gehabt. Einige Ausnahmefälle
abgerechnet, dürfte der Kurfürst auf ihre Theilnahme für die innern Zustände
seines Landes gewiss nicht gerechnet haben.
Und Friedrich Wilhelm selbst - sollte er nicht am
Ende stets eigenhändig die Werbetrommel in Holland gerührt haben? Beispiele
lehren uns indess, wie reservirt er Leuten gegenüber war, deren Dienste er noch
nicht erprobt hatte.32 Also bleibt ein
unaufgeklärtes Faktum, eine bedenkliche Lücke bestehen. Wir fühlen uns gewissermaassen
in die Lage eines Astronomen versetzt, der im Sonnensystem eine Wirkung
wahrnimmt, deren Ursache er so lange nicht begreift, bis er schliesslich einen
unbekannten Stern entdeckt hat. Auch für uns gilt es, analog, zu einem
vorhandenen kulturgeschichtlichen Produkt einen unbekannten Faktor zu
ermitteln, resp. zu beweisen, dass letzterer Niemand anders gewesen ist, als
des Kurfürsten clevischer Statthalter Moritz von Nassau. Der Beweis kann direkt
und indirekt geführt werden. Indirekt, indem wir die Geschichte eines in
Brandenburg wie in Holland gleich hochgeachteten, vielvermögenden Mannes
erzählen, der über drei Dezennien lang sozusagen der Pförtner unseres
Vaterlands an der nordwestlichen Grenze war und der von Jugend auf kein
grösseres Vergnügen kannte, als "bauen, graben und pflanzen" zu
lassen. Aber auch direkt werden wir an der Hand von Urkunden, die u. a. im
Geheimen Staatsarchiv zu Berlin bewahrt werden, zeigen können, dass ihn der
Kurfürst nicht blos in Sachen von Kunst und Künstlern, sondern auch für seine
Pläne zu Landverschönerungen, Landverbesserungen und Festungsbauten oft, genug
in Anspruch genommen hat.
Johann Moritz wurde im Jahre 1604 im Schlosse zu
Dillenburg geboren. Der grösste damalige Feldherr, Prinz Moritz von Oranien,
stand als Pathe an seiner Wiege, und sein Geschenk
[19]
war eine stark vergoldete, aus Silber getriebene
Taufschüssel, deren auf die Erlösung bezüglichen Reliefdarstellungen der
Errettung des Daniel und des Jonas und deren edle Ornamentik in
Renaissanceformen der Goldschmiedekunst jener Zeit Ehre macht.33
Der junge Graf genoss eine treffliche Erziehung, bezog bereits zehnjährig die
Universität zu Basel, die er dann mit der Genfer Hochschule vertauschte. Sehr
früh begann auch seine militärische Karrière, die sich unter der
Generalstatthalterschaft des Nachfolgers seines Pathen rasch entfaltete.
"Während der Waffenruhe von 1630", schreibt sein Biograph,34 "weilte Joh. Moritz an dem glänzenden
Hofe Friedrich Heinrichs und setzte im Umgange mit gelehrten Niederländern
seine zu früh abgebrochenen Studien fort". Diese Friedenszeit war freilich
nur von geringer Dauer. Und als sich später bei Maastricht und Nymegen seine
Feldherrneigenschaften bewährten, erschien der junge lernbegierige Kurprinz von
Brandenburg im holländischen Kriegslager. Mit Enthusiasmus erlebte dieser den
Fall der Schenkenschanze (1636); und wie wir aus den Briefen Friedrich Wilhelms35 an seinen kurfürstlichen Vater entnehmen
dürfen, hat ein wesentlicher Theil seiner Bewunderung dem zweiten Führer des
glorreichen Unternehmens, Jobann Moritz, gegolten, zu welchem er damals in ein
freundschaftliches Verhältniss getreten sein soll. -
In der Folge aber eröffnete sich für Moritz'
Thätigkeit ein ganz anderer Schauplatz. Bereit der Republik in irgend welcher
Art zu dienen, nahm er noch in demselben Jahre 1636 einen Antrag der
westindischen Handelsgesellschaft an und begab sich als Gouverneur nach
Brasilien, jenem fernen Lande, von dessen innerer Beschaffenheit bisher nur
wenig Kunde nach Europa gedrungen war. Es galt, dort die schwierige Position
der Kompagnie gegen Spanier und Portugiesen zu befestigen und zu erweitern. Er
reiste aber nicht allein und auch nicht lediglich von kriegerischen Absichten
erfüllt, sondern er brannte zugleich vor Begierde, der wissenschaftlichen
Forschung grösstmöglichen Vorschub zu gewähren und die reichentwickelte
heimische Kultur unter die wenig erschlossene westliche Aequatorhälfte zu
tragen. Sein
[20]
zahlreiches Gefolge umfasste den Hofgeistlichen und
Poeten Franziscus Plante, dessen später verfasste Mauritiade die Thaten des
Brasilianers" verherrlichte, den Arzt und Naturforscher Wilhelm Piso, die
deutschen Geographen und Astronomen Georg Markgraf und H. Cralitz, welcher
indess leider bald nach seiner Ankunft in Südamerika starb, ferner das
Brüderpaar Franz und Pieter Post, von denen der eine Maler, der andere
vorzugsweise Architekt und Ingenieur war. Kein Wunder, dass Piso in seinem
Werke diese brasilianische Expedition etwas überschwänglich mit dem antiken
Alexanderzug nach dem Orient verglich.
Die ersten Jahre in Brasilien waren freilich wenig
dazu angethan, friedliche Bestrebungen nachdrücklich zu verfolgen. Aber als
gegen Ende des Jahres 1641 die Feindseligkeiten auf beiden Seiten eingestellt
wurden, suchte man Versäumtes nachzuholen. Caspar Barläus, dem wir eine
ausführliche Beschreibung des dortigen Aufenthalts des Grafen verdanken,
bemerkt bezüglich dessen: "Es ist schon vor Jahren nicht ungewöhnlich
gewesen, und die Erfahrung bezeugt es auch noch heutzutage, dass tapfere und
grossmüthige Kriegshelden und hohe fürstliche Personen auch wohl mitten im
Kriege nicht allein durch treffliche und ritterliche Thaten ihre Ehre und ihren
Ruhm zu erweitern, sondern auch eine rühmliche Erlustigung ihres Gemüths, mit
Aufführung herrlicher Gebäude zu suchen und damit zugleich ihre angeborene
Magnificenz sehen zu lassen sich befleissigen. Ebenso hat es Fürst Joh. Moritz
zu Nassau gethan". Und was sehen wir damals an der Ostküste Brasiliens für
Veränderungen entstehen? An Stelle von Olinda, der Residenz unter
portugiesischer Hoheit, erblühte jetzt südwärts zunächst Recief auf der Spitze
einer schmalen Landzunge, welche parallel dem Festland läuft. Und als auch das
Recief, dessen prächtigste Gebäude von reichen, aus Olinda übergesiedelten
Portugiesen bewohnt wurden, zu klein wurde für die anwachsende Bevölkerung,
richtete der Graf sein Augenmerk auf die sumpfige wüste Insel Antonio Vaz, die
zwischen dem Recief und dem Festlande lag. Da die Kompagnie auf ihre Kosten
nicht einmal die blosse Befestigung der Insel ausführen lassen wollte, so
kaufte der Graf den Grund und Boden und begann aus eigenen Mitteln mit der
Einpolderung und Fruchtbarmachung des Sumpfterrains. In kürzester Zeit war das
Nordende von Antonio Vaz in einen blühenden Hain verwandelt, in welchen man
Kokospalmen, Orangenbäume, Dattel-
[21]
palmen, Citronen-, Granaten-, Feigen- und andere
exotische Bäume verpflanzt hatte.
Hand in Hand damit schritt der Bau eines Palastes,
dessen opulente monumentale Formen den Gouverneur in den Ruf eines
Verschwenders brachten. Diese Bauanlage hatte übrigens noch einen Nebenzweck;
ihre beiden meilenweit sichtbaren Thürme, von denen einer als Leuchtthurm
eingerichtet wurde, sollten den nahenden Seefahrern die Richtung angeben.
Soweit man einer ganz kleinen flüchtigen Zeichnung in der Historia von Barläus
Glauben schenken darf, war dieser Palast, die Freiburg, auf einer aus dem
Wasser emporsteigenden Terrasse errichtet. In Mitten derselben erhob sich der
von zwei gleichen viereckigen Thürmen flankirte Hauptbau, welcher mehrere
Geschosse und einen kleineren Vorbau mit Freitreppe in der Axe besass. Links
und rechts führten niedrige Hallen nach gleichfalls viereckigen Pavillons, die
wohl für die Dienerschaft bestimmt waren. Diese Anlage, zu der noch ein
herrlicher Lustpark gehörte, entsprach durchaus einer fürstlichen Hofhaltung;
sie hatte ihrem Urheber angeblich den Aufwand von 6 Tonnen Gold verursacht.
Auch die Bebauung der übrigen Insel machte die
raschesten Fortschritte, und es entstand im Verlaufe von nur zwei Jahren auf
Antonio Vaz eine neue, durch Wall und Gräben befestigte Stadt, die Moritzstadt.
Ihre Befestigung begann in der Nähe der Freiburg mit dem Fort "Johann Ernst",
wie das Kastell nach dem jüngsten Bruder des Grafen, der ihm nach Brasilien
gefolgt und dort schon 1639 gestorben war, benannt wurde; und sie endigte im
Süden der Insel mit der "Friedrich-Heinrich-Schanze". Es scheint,
dass Anlage und Hauptgebäude der Moritzstadt, z. B. ein Regierungspalast und
eine reformirte Kirche, von Pieter Post, dem muthmasslichen Schöpfer der
Freiburg, herrührten. Wir bedauern daher, dass wir über diese fast im Fluge aus
der Erde gezauberten Bauten nicht sachgemässer unterrichtet sind, als es durch
Barläus geschieht. Wir hören auch, dass ein Theil der Häuser von Mauritiopolis
aus dem Baumaterial errichtet wurde, welches man von den Trümmern der mit
Kirchen und Klöstern gesegnet gewesenen altportugiesischen Residenz Olinda
herbeigeholt hatte.
Jener gelehrte Autor berichtet ferner von einer
grossen Brücke, die von Recief über den reissenden Beberibe nach Mauritiopolis
geschlagen wurde. Sie war auf 240000 Gulden
[22]
veranschlagt und massiv begonnen. Aber der Ingenieur
liess sein angefangenes Werk, nachdem es bereits gegen 100 000 Gulden
verschlungen, plötzlich im Stich. Da nahm Moritz die Sache selbst in die Hand
und, wie man zu sagen pflegt, auf seine Kappe. Der Chronist bemerkt darüber:
"Unterdessen aber sah Fürst Moritz gar wohl, wie viel ihm Ehren halber
daran gelegen sein musste, dass man ihm nicht nachsagen dürfe, er hätte sich
eines Dinges unterstanden, das er nun schnöde liegen liesse und welches man
mithin als die That eines albernen, schwachen Verstandes bezeichnen würde . . .
Deshalb liess er von allen Enden und Orten für eigenes Geld nicht Steine,
sondern Bauholz und zwar wasserbeständiges Holz zusammenbringen und ankaufen;
darunter befanden sich Baumstämme, welche Balken von 40 bis 50 Fuss Länge
lieferten . . . Beim Brückenbau war der Fürst stets in Person anwesend, indem
er die Leute ermahnte und einem Jeden seine bestimmte Arbeit zuwies, damit sie
sich nicht gegenseitig im Wege ständen. Wodurch sie denn Alle mit Freude so
eifrig arbeiteten, dass schon nach zwei Monaten die ganze Brücke in einer Länge
von mehr als 100 Ruthen vollendet war und nicht blos Menschen, sondern auch
Ross und Wagen darüber hingehen konnten. Also überzeugte man sich, dass kein
Ding zu schwierig sei, um unausgeführt bleiben zu müssen, wofern nur Verstand,
Arbeit und Kosten nicht gespart werden". Und trotz der zweimaligen Arbeit
hatte die Kompagnie noch rund 112 000 Gulden erspart, da die Holzbrücke blos 28
000 Gulden verschlungen hatte, eine Summe, die schon durch den Brückenzoll des
ersten Jahres wiedereingebracht wurde. In Folge dessen säumte Graf Moritz
nicht, eine zweite 86 Ruthen lange ähnlich konstruirte Brücke nach dem
Festlande zu schlagen. Hier erwarb er von der Gesellschaft ein Terrain, auf
welchem er sodann eine Villa mit einem Thurm und einen schönen Park, ganz im
Geschmack holländischer Villegiaturen jener Zeit anlegen liess. Er nannte
diesen Lustsitz Boavista, französisch Bellevue.
Nach dem Fortgange des Grafen, so ergänzt der
Historiker van Kampen diese Angaben des Chronisten, fiel ein Theil der
holländischen Besitzungen wieder in die Hände der Portugiesen, welche die
Freiburg mit ihren herrlichen Baumanlagen zerstörten. Die westindische
Kompagnie liess sich endlich für den gänzlichen Verzicht auf Brasilien mit
einer Geldsumme abfinden. Die beiden
[23]
Brücken bestanden noch lange und verbanden die drei
Plätze Recief, Moritzstadt und Boavista, von denen die mittlere später in San
Antonio getauft wurde. Heute heisst das dreigetheilte Ganze Pernambuco und ist
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Boavista, den Namen jenes Lusthauses,
trägt der neueste, auf dem Festlande gelegene Stadttheil. Johann Moritz aber
heisst in der Geschichte der "Brasilianer" oder
"Amerikaner".
Unvergängliche Früchte hat Moritz auch durch seine
thatkräftige Förderung der Naturforschung im fernen Welttheil gewonnen. Doch
soll nicht verschwiegen werden, dass diese Förderung zugleich auf
ausdrücklichen Wunsch der Kompagnie geschah, welche die botanischen Gärten und
Sammlungen der Landesuniversitäten mit seltenen Pflanzen, Mineralien und
Insekten zu versehen pflegte. Am meisten Beifall erndteten in der Heimat die
wissenschaftlichen Ergebnisse Pisos und Markgrafs. Leider ging des Letzteren
astronomisches Werk in drei Büchern anscheinend verloren und lediglich von
einigen Beobachtungen seiner Sternwarte in Moritzstadt haben wir durch Barläus
Kenntniss. Erhalten hat sich u. A. ein Atlas Brasiliens von Markgraf und
dessen, in Gemeinschaft mit Piso lateinisch verfasste, reich illustrirte
Naturgeschichte des Landes, die schon 1643 im Druck erschien.
Auch ein persönliches Eingreifen des Gouverneurs in
diese Forschungen der Gelehrten ist erwiesen. Besonders waren es seine
unschätzbaren Sammlungen, die in der Heimat die Kenntniss Brasiliens in
unerwarteter Weise bereicherten. Mit einer ganzen Legion von Kisten, Kasten und
Käfigen trat der Graf seine Rückreise nach Europa an. Ihm lag auch daran, seine
künftige Residenz so auszustatten, dass ihm seine ereignissreiche
brasilianische Vergangenheit stets lebhaft vor Augen stand. Andererseits war es
seine schöne Eigenthümlickeit, niemals mit leeren Händen zu kommen und
gewöhnlich nach dem bewährten Grundsatz zu handeln, dass Geschenke die
Freundschaft erhalten. So langte Moritz nach seiner durch Milde und Eifer
ausgezeichneten siebenjährigen transoceanischen Regentschaft im Sommer 1644 im
Haag an. Generalstatthalter und
[24]
Direktorium der westindischen Kompagnie bereiteten
ihm den ehrenvollsten Empfang. Einem späteren Versuch, ihn für den
Gouverneurposten noch einmal zu gewinnen, widerstand er; dagegen beeilte er
sich, in das alte militärische Verhältniss zur Armee der Republik zu treten.
Bald folgte seine Ernennung zum Generallieutenant und zum Kommandanten von
Wesel, das damals eine holländische Festung war.
In diese Zeit fällt auch der Bau des sogenannten
Moritzhauses im Haag, des ehemaligen Wohnhauses des "Brasilianers"
der jetzigen Königlichen Gemäldegalerie. Die Geschichte der Entstehung dieses
schönen kleinen Palastes giebt V. de Stuers in der Einleitung seines
trefflichen Museumskataloges von 1874. Wir hören, dass die Staaten von Holland
im Jahre 1633 das Gartenterrain vor dem Binnenhofe ankauften und dass später,
zu einer leider nicht angegebenen Zeit, Johann Moritz einen Theil dieses
Terrains für die Summe von 2375 Gulden nebst einer Jahresrente von annähernd
150 Gulden von den Staaten erwarb. Ausserdem soll sich der Graf verpflichtet
haben, eine Konventionalstrafe von 200 Gulden jährlich zu zahlen, falls nicht
innerhalb zweier Jahre der Schlossbau vollendet sein würde. De Stuers ist nun
der Ansicht, dass der Bau des Moritzhauses bereits vor der Abreise des Grafen
nach Brasilien begonnen wurde und dass Pieter Post die Ausführung, zu welcher
der Bauherr kostbare Hölzer aus der Ferne sandte, geleitet hätte. Dagegen
spricht aber der westindische Aufenthalt jenes Architekten. Mir scheint der Bau
daher erst der Mitte der vierziger Jahre, während welcher Zeit übrigens Post
auch in den Ordonnantieboeken des Prinzen Friedrich Heinrich wiederholt genannt
wird, anzugehören. Barläus erwähnt in der 1647 edirten Amsterdamer Ausgabe
seiner Historia (S. 314) bereits das vollendete, mit exotischer Pracht
ausgestattete Moritzhaus im Haag.
Hinsichtlich dieses Palastes, dessen Hinterfront aus
einem Teiche, dem Vijver, sich wirksam erhebt, habe ich an verschiedenen
Stellen meiner holländischen Baugeschichte Näheres über die klassische
Aussengestaltung und den Grundriss mitgetheilt. Der hintere Tempelgiebel
enthält ein bemerkenswerthes Hochrelief, ein Reitertreffen mit Indianern von
unbekannter Hand. "Inwendig", schreibt van Kampen, "bewunderte
man vorzugsweise zwei schöne Säle, wovon der eine äusserst kunstreich mit
brasilianischen Vögeln bemalt war". Treppen- und Flurwände waren
[25]
grossentheils aus einem harten Farbholz überseeischen
Ursprungs gezimmert. Ausser den Seltsamkeiten indianischen und afrikanischen
Ursprungs bot das Innere des Hauses noch mancherlei Kunstwerke wie Gemälde und
Skulpturen zur Betrachtung, und Moritz liebte es, wie J. G. de Crane in seinem
lateinischen Panegyrikus hervorhebt, den Freunden der Natur- und Völkerkunde
Alles zu zeigen und sie in eigener Person über die Herkunft der
interessantesten Objekte zu belehren. Der Leidener Hochschule hatte er sogar
eine ethnographisch bedeutsame Sammlung geschenkt. Da Moritz in der Folgezeit
nur in grösseren Zwischenräumen und vorübergehend im Haag wohnte, so überliess
er sein Haus den Staaten von Holland für gewisse Repräsentationszwecke. Hier
wurde z. B. König Karl II. von England im Jahre 1660 auf Staatskosten
bewirthet. Damals war der Haag der glänzende Mittelpunkt öffentlicher
Lustbarkeiten des Landes, woran uns ein Porträt jenes englischen Monarchen
erinnert, das Moritz von dem dänischen Rembrandtschüler Juriaan Ovens für sich
malen liess.
So war die Vergangenheit des Mannes, welchen Kurfürst
Friedrich Wilhelm schon im Frühjahr 1646 in seinen Dienst zu ziehen wünschte,
und der bald darauf als clevischer Statthalter in die Lage kam, mitbestimmend
in das Kunst- und Kulturleben des brandenburgisch-preussischen Staates
einzugreifen.
Schon vor ca. 100 Jahren gab ein Berliner Autor36 diesen Verdiensten des Nassauers zum ersten
Male beredten Ausdruck, indem er bemerkte: "Ueberhaupt hat also die Mark
Brandenburg, nächst dem Churfürsten, dem erwähnten Fürsten Moritz, welcher ein
Herr von edlem und wohlthätigem Charakter war, der die ganze Welt verschönert
haben würde, wenn es von ihm abhing, in Absicht der Bekanntwerdung und
Fortpflanzung der Litteratur, Wissenschaften und Künste, sehr viel zu
verdanken; sowie besonders eine Menge trefflicher Anlagen von und durch ihn, in
Berlin gemacht worden sind". Der Autor dachte, als er dieses schrieb,
offenbar u. A. an die Raritätensammlungen, die Moritz dem Kurfürsten verkauft
oder geschenkt, und ferner wohl an einzelne werthvolle Bücher und Manuskripte
der Ber-
[26]
liner Königlichen Bibliothek, auf deren Titelblättern
der Namenszug des Brasilianers noch heute zu lesen ist. Völlig neu für uns ist
das, was er über die von dem Fürsten geschaffenen Anlagen in Berlin leider nur
andeutet. Dagegen erfahren wir in mehreren Ortsbeschreibungen Nähers von dessen
landschaftliehen und baulichen Verschönerungen Cleves und Sonnenburgs, von
Wesel37 nicht zu reden. Bezüglich Potsdams
besitzen wir den Brief eines sehr glaubwürdigen Zeitgenossen, des Herrn von
Jena, der unterm 15. November 1661 schreibt:38
"Fürst Moritz ist schon acht Tage zu Potsdam, einen Entwurf zu machen, wie
sie vermeinen, dass es recht zu bauen und anzulegen ist" Muthmaasslich.
begann sein Interesse für den Havelort schon früher, denn wir finden ihn auch
in den fünfziger Jahren nicht weniger als vier Mal39
in der Mark.
Auch dafür, dass der "Brasilianer" in
Sachen von Kunst und Künstlern die Mittelsperson zwischen dem Kurfürsten und
Holland gewesen, lassen sich urkundliche Belege finden, auf die ich an anderer
Stelle, bei Erwähnung der Werke von Meistern wie van Honthorst, B. Eggers, C.
Ryckwaert, Pieter Post u. m. A., noch ausführlicher zurückkommen werde.40 Manche interessante Aufschlüsse darüber
enthalten die politischen Relationen des Statthalterst41.
So heisst es in einem Bericht vom 25. Januar 1667: " .. . Wegen der
Tapeten schreibe an Heyderkampf42 weitläufig.
Ich stehe in Fürchten, dass mit diesen Trubeln in Polen, Ew. Durchlaucht sich
werden Preussen naderen müssen". Beachtenswerth ist in diesen beiden
Sätzen das Hand in Hand gehen von Kunst und Politik, dieser beiden so
unähnlichen Geschwister, und dann die Vorliebe des Nassauers für Hollandismen.
Er schreibt z. B. "naderen" statt "nähern",
"bequem" statt "geeignet", "bequem machen" statt
"fertig machen", "den Augenschein innehmen" statt "in
Augenschein nehmen;
[27]
allgemein gebräuchlich war dagegen damals ein
Ausdruck wie "Orlogschiff" statt "Kriegsschiff".
An zwei Stellen der politischen Relationen ist auch
von dem berühmten Architektin Jakob van Kampen, dem Schöpfer des als
"achtes Weltwunder" gefeierten Amsterdamer Rathhauses die Rede und
zwar in einer Weise, dass daraus auf dessen Bekanntschaft mit dem Kurfürsten
geschlossen werden kann. In der Nachschrift eines Berichtes vom 5. August 1657
heisst es: "Monsieur van Kampen ist allhier, kann selben von diesem Ort43 nicht abkriegen, ordonnirt noch viele schöne
Sachen, alles ohne Kosten". Damit stimmt ganz die Bemerkung des alten
Schrevelius44 überein, dass dieser "noble
Maler, fixe Mathematikus und Architekt des Prinzen von Oranien" ein Mann
von grossem Vermögen war, der durch die Kunst nicht Gewinn, sondern lediglich
Ruhm gesucht hat. Wenige Wochen darauf starb van Kampen, dessen Verdienst es
ist, Palladios kraftvollen Klassizismus im nationalen Geiste seiner Heimath
modifizirt zu haben. Der Kurfürst nimmt in einem späteren Schreiben an Moritz
auf den Tod und den künstlerischen Nachlass des Meisters Bezug, und Jener
entgegnet am 14. Mai 1659 "Ew. Durchlaucht gedenken eines Buchs von der
Architektur, welches ich von Monsieur van Kampen sollte bekommen haben. Es ist
wohl wahr, dass ich nach seinem Absterben an die Erben begehrt gehabt, einige
seiner Bücher in Sonderheit so von seiner eigenen Hand gezeichnet waren, es ist
mir aber solches höflich abgeschlagen worden45.
So sie aber in meiner Macht wären, solle zu Ew. Durchlaucht Dienst, wie auch
Alles, was ich auf dieser Welt besitzen thue. Ich erstaune auch, dass zu Berlin
der (Festungs-)Bau so wohl für sich gehet. Wir werden allhier zu Kalkar ihnen
nichts nachgeben . . ." Vielleicht erwartete der Kurfürst unter van
Kampens Zeichnungen die Idee zu einem für Berlin schon damals erwünschten
Zeughaus zu finden. Jedenfalls verdient die Thatsache, dass er zur Zeit seines
Berliner Festungsbaues für irgend eine wichtige architektonische Aufgabe über
die Köpfe seiner eigenen Baumeister hinweg seinen Blick ins Ausland richtete,
die gebührende Beachtung.
[28]
Was aber den Festungsbau in Kalkar betrifft, so lag
er in den Händen eines gewissen Hendrik Ruse, von dessen Qualität uns die kurze
Notiz Nicolai's46 nur einen mangelhaften
Begriff giebt. Moritz hatte diesen bedeutenden holländischen Ingenieur und
späteren dänischen Generalmajor47 im Winter
1658, als er Amsterdam passirte, gleich mit sich genommen, zur schleunigen
Ausarbeitung der Befestigungspläne von Kalkar und Lippstadt. Diese Pläne lagen
jenem oben citirten Bericht vom 14. Mai 1659 bei, damit sich der Kurfürst von
dem Umfange der Arbeiten überzeugen sollte. Hierauf antwortete Letzterer dem
Statthalter am 16./26. Juli aus dem Kriegslager bei Mittelfahrt eigenhändig,
indem er u. A. bemerkt: "Den Abriss von Lippstadt belangend, werde ich bei
nächster Post, geliebt's Gott, solchen wiederschicken nebenst einigen Bedenken,
darüber ich des Herrn Rüssen sentiment gern haben wollte". Von einem
förmlichen Uebertritt Ruses in den Dienst des Kurfürsten ist aber erst im
August 1659 die Rede. Moritz schreibt (1. August), Jener verlange 1000 Thaler
festes Jahrgehalt und Aussicht auf den Posten eines brandenburgischen
Generalquartiermeisters. Sein Gönner befürwortet diese Forderung, weil
"solch eine capable Person in diesen Zeiten rar" ist. Und Friedrich
Wilhelm acceptirt Alles48 unter der Bedingung,
dass sich Ruse sofort nach Berlin begebe.
Noch ein Beispiel für die Art, wie Moritz seinem
kurfürstlichen Herrn technisches oder künstlerisches Personal empfiehlt, habe
ich anzuführen. Er hatte einen talentirten jungen Edelmann, Namens Donep, Sohn
eines Landdrosten, kennen gelernt und beschäftigt. Ueber diesen schreibt er in
einem Bericht vom 16. Februar 167849:
"Dieser Donep wär ein gewünschtes Subject bei Ew. Durchlaucht junge
Prinzen, um mit Lust Alles zu lehren, der erfaren und gottesfürchtig dabei ist
. . . Diese (beifolgenden) Schildereien und Zeichnungen hat er so aus der Faust
in meiner Gegenwart gemacht, allein um seine "Handelung" (d. h. wohl
Behendigkeit) zu zeigen". Hinsichtlich dieses Donep vermag ich allerdings
nicht nachzuweisen, dass er nach Berlin
[29]
berufen wurde. Im Uebrigen willfahrte der Kurfürst,
so oft als nur angängig den Vorschlägen und Gesuchen seines Statthalters,
dessen vielseitige Verdienste er hochschätzte und den er besonders in
baukünstlerischen und verwandten Dingen als eine Autorität verehrte. Trotz des
Jahrzehnte langen eifrigen Verkehrs schenkte sich übrigens Moritz in seinen
Briefen niemals die vorgeschriebene Titulatur seines kurfürstlichen Herrn oder
die Ausdrücke "unterthänigst" und "gehorsamst", während der
Letztere in seinen eskripten stets bei der Anrede Ew. Liebden" verblieb
und sich nur bei Handschreiben gelegentlich der Ueberschrift Monsieur mon
cousin bediente50.
Nun aber zurück zu unserer obigen Hypothese. Was wir
von Moritz behaupteten, glauben wir durch unsere Betrachtungen bewiesen zu
haben. Es lässt sich geradezu von einer Kulturmission sprechen, die der
"Brasilianer" gegenüber Brandenburg erfüllt hat. Er mag als Diplomat
auf seinem schwierigen Posten am Niederrhein nicht zweifelsohne gewesen sein;
aber nicht Unfähigkeit darf man es nennen, wenn sich seine Handlungen nicht
immer mit den Interessen eines einseitigen politischen Bekenntnisses vertrugen,
sondern Folge seiner Lebensauffassung, seiner Humanität. Müde zu regieren und
auf dem Wege der Verständigung den unvermeidlichen Gegensätzen die feindselige
Spitze zu nehmen, das war schon sein Grundsatz in Brasilien gewesen. Und die
Wohlthat seiner ungewöhnlichen Toleranz erfuhren nicht blos die katholischen
Unterthanen. Charakteristisch für den seltenen Mann ist auch die ablehnende
Antwort, die er einst auf ein Gesuch der clevischen Stände ertheilte, als diese
von ihm ein obrigkeitliches Verbot des Wuchers der Juden verlangten. Man solle
jenen, so schlug der Fürst vor, doch erst mindestens die Rechte einräumen,
welche die fremden christlichen Lombarden in Holland genössen.
Alles bei ihm gipfelte in dem Wunsch nach veredeltem,
behaglichem Lebensgenuss; das war der Angelpunkt seines Fühlens, Denkens und
Handelns. Keinem Feldherrn des 17. Jahrhunderts war darum der Krieg so wenig
Endzweck als ihm. Und dennoch strebte er mit allem Eifer nach dem höchsten
militärischen Range. Seine in Kriegszeiten an den Kurfürsten
[30]
gerichteten Briefe aber tragen häufig am Schluss den
Stempel unverhüllter Friedenssehnsucht.
Und im Frieden verschwendete er ohne Unterlass die
reichen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, zur Verschönerung seines
irdischen Besitzes, zur Schöpfung von Werken, an der sich Mit- und Nachwelt in
demselben Maasse erfreuen sollten. Er war, ungeachtet seines unanfechtbaren
Christenthums, Epikuräer durch und durch und also auch, wie sein grosser Pathe
und Namensvetter Moritz von Oranien als Stratege, in seiner Art eine nachgeborene
antike Erscheinung.
II. Aus einer vergessenen Residenz
des Grossen Kurfürsten.
Ganz im Nordwesten unseres Vaterlandes liegt unweit
der holländischen Grenze und des Niederrheins - Cleve. Vor Zeiten soll ein Arm
des grossen Stromes seinen Weg durch das Flussbett des jetzt so winzigen
Kermesdaals, der die Dreihügelstadt berührt, genommen haben. Doch nicht dies
allein gehört der Vergangenheit an, auch die politische Rolle, die Cleve einst
als Mittelpunkt eines berühmten Erbfolgestreites und darauf als Residenz
Friedrich Wilhelms des Grossen gespielt hat, ist längst der allgemeinen
Kenntniss entschwunden. Und darum verlohnt es sich, mit einigen historischen
Erinnerungen an jene Zeit des 17. Jahrhunderts anzuknüpfen und unsere Leser für
die wenig beachtete Stätte zu interessiren, in deren Umgebung der Rhein, bevor
er sich durch die eintönigen Wiesenbezirke Hollands ergiesst, noch einmal seine
schönsten landschaftlichen Uferreize in dem anmuthigen Wechsel von Berg, Thal
und Wäldern entfalten lässt - für eine Stätte, die ausserdem durch die Sage vom
Schwanenritter Helias Gral im lichten Gewande deutscher Poesie glänzt. Nicht
bloss das im Jahre 1882 enthüllte, leider recht unbedeutende Lohengrindenkmal
erinnert an den mythenhaften ersten Grafen von Cleve, auch das städtische Wahr-
[32]
zeichen, der Schwan auf der Thurmspitze der
mittelalterlichen Burg, verkündigt gleichsam die allbekannte alte Sage.
Auf einem grünumkränzten Hügel des Ortes ragen die
kahlen hohen Mauern der Schwanenburg weit über die Umgebung hinaus. Von den
ursprünglich drei Thürmen dieses ehrwürdigen Residenzschlosses der Grafen und
Herzöge von Cleve ist nur noch der höchste, der viereckige wuchtige
Schwanenthurm, erhalten. Herzog Adolf I. hat dessen Bau im Jahre 1439 beginnen
lassen und ihn zugleich der Erinnerung an den Gemahl seiner Vorfahrin Beatrix
von Cleve geweiht, die an der Seite jenes Helias Gral 21 Jahre lang zum Segen
des Landes regiert haben soll. Die für ihre weibliche Neugier so hart bestrafte
Beatrix soll aber, wie eine allerdings spätere Sage berichtet, auch im Grabe
keine Ruhe gefunden haben. Sie ging nach ihrem Tode als "weisse Frau"
im Schlosse um, verkündete durch ihr Erscheinen bevorstehendes Unglück, und
noch in den Jahren 1815 und 1816 gaben, wie uns der damalige Kammerpräsident v.
Buggenhagen versichert, verschiedene Personen amtlich zu Protokoll, dass sie
die "weisse Frau" im Schlosse wandelnd gesehen hätten. Aber auch ohne
derartige Merkwürdigkeiten, ohne diese Nachklänge mittelalterlicher Phantasie
besitzt das Städtchen noch Anziehungskraft genug. Denn es finden sich hier,
ausser der Schwanenburg, noch einige andere bemerkenswerthe Baudenkmäler der
Vergangenheit, z. B. die katholische Stiftskirche, ein dreischiffiges
Backsteingebäude mit einer Doppelthurmanlage aus dem 14. Jahrhundert, Dieses
reichbegüterte Gotteshaus umfasst in den Chören der Seitenschiffe die
Grabstätten mehrerer alter Herrscher des clevischen Landes. Und von einem
anderen Gotteshaus in der Unterstadt, der ehemaligen Minoritenkirche, will ich
bloss erwähnen, dass deren früherer Hochaltar, eine Anbetung der heiligen drei
Könige, von dem begabten Rubensschüler Erasmus Quellinus im Jahre 1656 gemalt
worden war . . .
Mehr noch als die Stadt lockte aber, seit etwa der
Mitte des vorigen Jahrhunderts, die wundervolle Umgebung des gleichnamigen
Badeortes mit seinen Eisenquellen im Sommer erholungsbedürftige Leute herbei.
Um diese Rheingegend loben zu hören, muss man freilich zu unseren benachbarten
Freunden, den Holländern, gehen, die hier das Hauptkontingent der jährlichen
Badegäste stellen. Für sie liegt der Ort ausserordentlich
[33]
bequem; und wenn sie in Extrazügen, die
allwöchentlich von Amsterdam abgelassen werden, auf der Bildfläche des kleinen
Bahnhofes erscheinen, dann kann man eine förmliche Erregung unter denjenigen
Bewohnern des industriearmen Städtchens beobachten, die von dem
"Aderlass" der Fremden zu leben gezwungen sind.
Um die Bade- und Trinkanlage Cleves zu erreichen,
muss man bald nach Eintritt in die Stadt rechts in die Kavariner Landstrasse
einbiegen. Diesem breiten, zum Theil mit hübschen Villen besetzten Fahrwege
nähert sich der so malerische Hügelwald des neuen Thiergartens, hinter welchem
der mächtige Reichswald, das uralte Jagdgehege Karls des Grossen, sich südlich
bis Goch und - westlich fast bis Nymegen ausdehnt. Und auf der
entgegengesetzten Seite des Ortes giebt es Naturschönheiten nicht geringerer
Art, üppige Felder, die mit gartenreichen Villegiaturen abwechseln, Alleen mit
ganz alten hochstämmigen Bäumen und bewaldeten Hügelreihen, von deren Gipfeln
man entzückten Auges in das lachende Rheinthal hineinschaut. Das ist die Gegend
des alten Thiergartens, des Freudenbergs, des Freudenthals und Bergenthals, die
gleichfalls belebt ist von Erinnerungen an die etwas stürmische Zeit des
kurfürstlichen Regiments und des hoch- und kunstsinnigen Statthalters Johann
Moritz von Nassau-Siegen. Mit dieser denkwürdigen Periode werden wir uns in den
folgenden Abschnitten zu beschäftigen haben.51
Wir wissen, dass Friedrich Wilhelm schon in früher
Jugend ein lebhaftes Interesse für Raritäten empfand. v. Raumer theilt in
seiner Schrift über des Kurprinzen in Holland verbrachte Studienzeit
(1634-1637) einen Brief aus Leyden mit, den der Prinz im April 1634 an Georg
Wilhelm richtete und in welchem es u. A. heisst: "Weil ich bei einem
Kaufmann, so erst aus Ostindien kommen und schöne Sachen mitgebracht, auch
etliche achatene Messerschalen angetroffen, hab ich nicht unterlassen können,
Euer Gnaden deroselben ein Paar zuzuschicken . . . und bitte Euer Gnaden ich in
Unterthänigkeit, dieselbe wollen ge-
[34]
meltes Paar achatene Messerschalen gnädig von mir
fürlieb nehmen. Auch überschicke Euer Gnaden bei selbiger Gelegenheit etliche
indianische grosse und kleine Rotanen oder Reitstöcke, darunter eine japanische
Rotan ist, so viele Knöte hat und hochgehalten ist". Hierin kündigt sich
der spätere fürstliche Sammler an, der nach Antritt seiner Regierung (1642)
trotz der Einschränkungen, zu welchen die wirtlischaftliche Nothlage des Landes
den Hof zwang, den hauptsächlich aus Cleve stammenden Antikenbesitz des
Geheimraths Erasmus Seidel zu erwerben sich nicht versagen konnte52. In gleicher Eigenschaft tritt uns Friedrich
Wilhelm im Jahre 1652 entgegen, als ihm sein clevischer Statthalter eine
werthvolle Sammlung von exotischen und künstlerischen Objekten verkaufte. Der
kurfürstliche Käufer stand damals gerade im Begriff, seine rheinische Residenz
an der Seite seiner Gemahlin auf längere Zeit zu verlassen . . .
Es war im Herbst 1646, als er sich endlich
entschloss, in Cleve Aufenthalt zu nehmen . . . Aber der Name ihres jungen
Potentaten war den Bürgern dieses Ortes schon lange geläufig.
Im Februar 1620 hörten sie den Namen zum ersten Male
von den Kanzeln herab, als man die Geburt des Kurprinzen auch hier durch
Kirchengebet und öffentliche Danksagung feierte. Der clevische Geheimrath von
Stick musste sich sofort auf die Reise machen, um diese Geburt am Hofe zu
London und im Haag dem Prinzen Moritz von Oranien-Nassau mündlich zu melden . .
. Es folgte nun eine Zeit, die den guten Leuten am Niederrhein maasslose
Prüfungen auferlegte. In jenem Jahre 1636 hausten die Spanier schrecklich in
der Stadt. Der Kurprinz hatte seine wissenschaftlichen Studien unterbrochen und
weilte in der Nähe, im holländischen Kriegslager. Seinen Bitten gelang es
wenigstens, nachdem der Feind kapitulirt, den Uebermuth der Sieger zu zügeln.
Er schreibt darüber die folgenden bemerkenswerthen Zeilen an seinen
kurfürstlichen Vater:
"Ew. Gnaden berichte ich. Hiemit unterthänig,
was gestalt die Spanischen auch aus Cleve den 28. Aprilis stil. Vet. Gezogen
sein, und hat Graf Wilhelm von Nassau der Feldmarschall Ew.
[35]
Gnaden darinnen gute Dienste und Affection bezeiget,
auch in der Kapitulation fleissige Vorsehung gethan, dass der Stadt und dem
Schloss kein weiter Schaden geschehen, und nichts ruinirt, noch daraus entwandt
worden. Die Fortifikationen seind geschlichtet. Die Häuser in der Stadt sollen
ziemlich verwüstet und durchbrochen sein, aber im Schloss ist alles ganz und
ungeschändet geblieben, und die Gemächer seind noch ganz hübsch und im vorigen
guten Wesen. Auch ist nichts daraus wegkommen, als nur etliche alte Kleider aus
dem Schwanenthurm . . .
Ew. Gnaden unterthäniger gehorsamer Diener und Sohn
Friedrich Wilhelm, Marggraf.
Datum Arnehm den 1./11. May Ao. 1636" .
Eine gute Meinung hatte sich in Stadt und Land über
den jungen Erben der brandenburgisch-preussischen Krone verbreitet. Man
wünschte den warmherzigen Prinzen in der Stellung eines clevischen
Statthalters. Aber dagegen erklärte sich der von Graf Schwarzenberg geleitete
Kurfürst wiederholt und entschieden, obwohl - er selber einst in jener Stellung
am Niederrhein residirt hatte . . .
Also erst zehn Jahre später sollte Friedrich Wilhelm
diese anmuthige Gegend wiedersehen. Vorläufig handelte es sich noch nicht um
ernste Regierungsgeschäfte, um den wirthschaftlichen Wiederaufbau des durch den
spanisch-holländischen Krieg noch immer völlig erschöpften Landes. Es galt
bloss auf der Schwanenburg Vorbereitungen zum Empfang der künftigen Kurfürstin
zu treffen. Denn Friedrich Wilhelm hatte endlich - wie Otto von Schwerin in
seinem Erziehungsjournal53 bemerkt - "im
Namen des Allerhöchsten im J. 1646 beschlossen, Seiner Hoheit Prinz Friedrich
Heinrichs von Oranien glorwürdigsten Angedenkens älteste Tochter Prinzessin
Louise zu heirathen und zu dem Ende eine Reise nach dero Herzogthum Cleve
vorgenommen".
Am 29. September verliess der kurfürstliche Bräutigam
Berlin. Um an dem glänzenden Hofe der Oranier standesgemäss zu erscheinen,
entsandte er zuvor den Obristen Potthausen nach Hamburg zum Einkauf von
Schmucksachen. Zu diesem Zweck
[36]
lieh ihm die Kurfürstin-Mutter 8000 Thaler. So
einfach, prunklos es in seiner täglichen Umgebung aussah, so sehr liebte der
junge Monarch, wie an andrer Stelle schon bemerkt, nach aussen zu repräsentiren
und Festlichkeiten mit vielem Pomp zu begehen. Sein Hochzeitsgefolge, bestehend
aus O. von Schwerin, Konrad von Burgsdorf und Erasmus Seidel, erhielt
Prachtgewänder, seine Hofbedienung neue Livreen. Ausserdem schuf er sich eine
Leibwache von 300 Reitern und 500 Musketieren. Gekleidet war er am
Vermählungstage "in weissen Atlas mit goldenen Bordüren und einem reichen
Besatz von Diamanten, so dass der Atlas darunter verschwand . . . Die
kurfürstliche Braut erschien in einem Anzuge aus goldigem Stoff; die Schleppe
von 9 Ellen wurde von ebenso vielen Grafen getragen. Auf ihrem Haupte trug sie
eine Krone von Diamanten und Perlen".54
Nachdem die Vermählung am 27. November wegen des
schlechten Gesundheitszustandes des Vaters der Braut, des Prinzen-Statthalters,
ziemlich geräuschlos gefeiert war, zog das junge kurfürstliche Paar gegen Ende
Dezember in Cleve ein, wo es mit geringen Unterbrechungen bis Oktober 1649
residirte.
Von der freudigen Geburt des Kurprinzen Wilhelm
Heinrich im Mai des voraufgegangenen Jahres nahm sogar jenes lateinisch
geschriebene Tagebuch des Konstantin Huygens, des berühmten holländischen
Staatsmannes und Dichters, Notiz. In den ehrwürdigen Sälen der Schwanenburg
fand die Taufe statt, und einige Zeit darauf wurde hier Huygens als Gesandter
in Audienz empfangen . . . Auf der Reise in die Mark starb der Kurprinz.
Zwei Mal hatte der Kurfürst währenddessen Cleve
verlassen und den Haag aufsuchen müssen, schon im März und im Mai 1647. Sein
erlauchter Schwiegervater, der Prinz von Oranien, war schwer erkrankt und am
14. März in der Frühe gestorben. Erst am 10. Mai veranstalteten die
Generalstaaten ein feierliches Leichenbegängniss, das der Zeichenstift des
Pieter Post, eines Architekten aus dem Freundeskreise des Huygens, durch eine
Publikation verewigte (1651).
Welch ein tief bewegender Anblick! Voran ging eine
Gruppe von Leuten verschiedenen Standes, dann folgte der pompöse Wagen mit den
sterblichen Ueberresten eines Feldherrn und Staatsmannes, unter dessen Führung
die niederländische
[37]
Republik zur Weltmacht erwachsen war. Die Zipfel des
Leichentuches hielten der greise Feldmarschall Brederode und drei Verwandte des
hohen Entschlafenen, darunter Graf Moritz von Nassau, und in der Nähe schritt
die elastische schlanke Gestalt des jungen Hohenzollers, dann weiter der lange
wehmüthige Zug der übrigen Leidtragenden . . . Friedrich Wilhelm hatte nicht
bloss das glänzende militärische und staatsmännische Vorbild verloren, sondern
auch den einzigen aufrichtigen Bundesgenossen.
Nach etwa zwanzigmonatlicher Abwesenheit nahm das
kurfürstliche Paar abermals in Cleve einen längeren Aufenthalt von Juni 1651
bis September 1652. In der Zwischenzeit war die Leitung der dortigen Regierung
den Händen eines Stellvertreters, jenes Johann Moritz von Nassau anvertraut.
Schon seit dem Frühjahr 1646 sollen Unterhandlungen
geschwebt haben behufs Eintritt des Grafen in den kurbrandenburgischen Dienst.
Kurfürst und Kurfürstin verehrten ihm ihre, von dem Pinsel eines Gerard van
Honthorst in ganzer Figur gemalten Bildnisse.55
Seine Anstellung als Statthalter datirt vom 19. Oktober 1647 und bezieht sich
auf das Herzogthum Cleve, die Grafschaft Mark und die Grafschaft Ravensberg,
welche letztere indess vorübergehend von seiner Verwaltung getrennt wurde, bis
sie ihm sammt dem Fürstenthum Minden später wieder zufiel. Die 1652 erfolgte
Erhebung des Grafen und des ganzen nassauischen Hauses in den
Reichsfürstenstand durch Kaiser Ferdinand III. geschah sicherlich nicht ohne
Zuthun Kurbrandenburgs. In demselben Jahre wurde Moritz auch Meister des
Johanniterordens zu Sonnenburg in der Mark.
Jene Befürchtung, dass zweien Herren unmöglich zu
dienen sei, schien sich anfänglich bewahrheiten zu wollen. Waren die
Generalstaaten im Jahre 1657 unwillig über den zu grossen Eifer des clevischen
Statthalters, so war der Kurfürst vier Jahre darauf nicht minder ungnädig über
den Ehrgeiz des holländischen Generals, der sich hinter seinem Rücken um die
Würde eines Feldmarschalls der Republik bewarb, die ihm freilich erst 1665 zu
Theil wurde. Aber diese Differenzen wurden auf beiden Seiten so rasch gelöst,
wie sie entstanden waren. Moritz hat das in ihn gesetzte beiderseitige
Vertrauen durch seine Lei-
[38]
stungen vollkommen gerechtfertigt und die
ausserordentlichen Gunstbezeugungen redlich verdient, durch welche ihn der
Kurfürst dauernd an sich zu fesseln suchte.
Mit Bezug auf dessen zweiten Aufenthalt in Cleve
fliessen die Quellen recht spärlich. Nur dass hier im Januar 1652 die
Verhältnisse des kurfürstlichen Hofstaates, der von Jahr zu Jahr anwuchs,
materiell geregelt wurden, entnehmen wir aus dem Anhang des zweiten Bandes von
Königs historischer Schilderung von Berlin.
Nach einem Zeitraum von mehr als zwei Lustren
begegnen wir der kurfürstliche Familie im Jahre 166156
abermals am Niederrhein. Nach dem kurzen Dasein eines zweiten Sohnes
(Heinrich), war inzwischen die Geburt der Prinzen Karl Aemil und Friedrich
erfolgt, die bereits zu lerneifrigen Kindern herangewachsen waren, als das
Hoflager im November 1665 zum vierten Male nach Cleve verlegt wurde.
Das schon erwähnte Erziehungsjournal O. von Schwerins
berichtet uns auch von verschiedenen intimen Vorgängen aus dem clevischen
Hofleben der sechsziger Jahre, für den freundlichen Leser gewiss nicht ohne
Interesse. Wir wollen sie einfach nach der Zeitfolge aneinanderreihen und mit
einigen Ergänzungen versehen.
1665:
"Nov. 7. . . . Nach Essen sind die sämmtlichen
Clevischen Räthe gekommen und haben den Prinzen gratuliret, dann der Churprinz
selbst geantwortet, um 2 hat der Churprinz gezeichnet . ."
"Nov. 15. . . . nach welchem Fürst Moritz mit
einigen Offizieren gekommen und Abschied genommen und wieder nach dem Lager
gezogen . . ."
"9. Dez. . . . und darauf in dem Springenberg
spazieren gefahren . . ."
[39]
(Von der Anlage und Ausschmückung des Springberges
wird noch weiter unten die Rede sein.)
"15. Dez. . . . und, darauf das Haus besehen,
worin vor diesem die Prinzessin von Oranien logiret . . ."
1666:
"19. März . . . Nach Essen zu den
Churfürstlichen Eltern gegangen, und weil der französische Abgesandte Mons.
Colbert eben des Königs Praesente als ein grün sammeten Bett reich von Gold
gesticket mit den zugehörigen Stühlen, schöne Tapeten, einen schönen Spiegel
von Silber, Tisch mit 2 Gueridons und Silberne Krone mit Leuchtern praesentiret
und solches Alles in der Churfürstin Kammern aufschlagen lassen, haben die
Prinzen Urlaub erhalten, dabei zu bleiben ..."
"23. März . . . um 2 sind die holländischen
Dependirten, so von der Generalität (Generalstaaten) anhero geschicket, um mit
S. Churf. Durchl. wegen der Campagne nach Münster zu deliberiren etc."
"29. März . . . um 11 hat der holländische
Gesandte die Prinzen besuchet, auch an einen Jeden Schreiben von den
Herren-Staaten gebracht und zu Mittag bei Ihnen gegessen . . ."
Liest man von diesem regen Gesandten-Verkehr am
clevischen Hofe, so findet man die Worte, mit welchen L. v. Orlich die
vorliegende kurze Geschichtsperiode kennzeichnet, nicht zu überschwänglich:
"Friedrich Wilhelms Aufenthalt in Cleve im J. 1666 ist eine der
glänzendsten Perioden seines politischen Lebens; alle Grossmächte Europas
senden ausserordentliche Gesandte dahin, um sich des Beistandes oder Rathes
dieses grossen Fürsten zu versichern". Seiner damaligen Beziehungen zu den
Holländern, bei Gelegenheit ihres Krieges gegen den Bischof von Münster und
gegen England, hatten wir schon oben (S. 9) ausführlich gedacht. Wir hatten an
jener Stelle auch die Reise geschildert, die Friedrich Wilhelm in Begleitung
des Fürsten Moritz von Cleve nach Texel unternahm, um die unter Führung des
Admirals de Ruyter gegen England ziehende holländische Kriegsflotte abfahren zu
sehen.57 Darauf bezieht sich die folgende
Notiz im Schwerin'schen Journal: -
" 10. Mai . . . Des Abends auch wieder allda
gegessen, und weil der Churfürst die Nacht nach Holland verreisen wollte,
[40]
haben Sie (die Prinzen) Abschied genommen, da Sie
denn sehr geweinet."
"24. Juli ... Nach 11 sind wir in den
Thiergarten gefahren, da Fürst Moritz die Prinzen, wie auch den jungen Prinzen
von Nassau, tractiret. Um 3 wieder zurückgefahren".
Natürlich weilte gelegentlich auch die Mutter der
Kurfürstin Louise Henriette, die Prinzessin-Wittwe von Oranien, auf der
Schwanenburg. An ihrem Namenstag (28. August 1666) fand Festtafel statt, wobei
der Kurprinz Karl Aemil die Gäste durch einen auswendig gelernten Vortrag
erfreute. Schwerin verdanken wir eine genaue Skizze dieser Festtafel. Inmitten
sass "Ihre Hoheit", ihr zur Rechten der Kurfürst, dem als
Tischnachbarin eine Fürstin von Nassau und dann der junge Prinz von Oranien
folgte, derselbe, welcher später den Thron von England besteigen sollte. Auf
der anderen Seite sassen die Kurfürstin und am linken Tafelflügel der Kurprinz
zwischen einer Prinzessin von Kurland und seinem Bruder Friedrich, Unter den
Gästen, die gegenüber der Prinzessin-Wittwe an der Rückseite der länglichen Tafel
sassen, heben wir nur den Statthalter Fürsten Moritz und den Erzieher der
Prinzen, den Verfasser des Journals, hervor.
Auch am 15. Oktober gab es eine glänzende
Festlichkeit auf der Schwanenburg, und zwar zu Ehren der clevischen Landstände,
die an jenem Tage dem Kurfürsten ihre feierliche Huldigung darbrachten.
Zehn Tage darauf brach der Hof wieder von Cleve auf.
Der Kurfürst und die Prinzen trennten sich zur Rückreise nach Berlin von der
Kurfürstin, die sich nach dem Haag zu ihren oranischen Verwandten begab. Es
spielte sich dabei eine rührende Familienscene ab. Die fürstliche Frau war
schon damals, durch häufige Krankheiten geschwächt, keine blühende Erscheinung
mehr. Ein Jahr darauf wurde sie den Ihrigen in der Heimath fortgerafft. Und im
Jahre 1674 folgte ihr der Kurprinz Karl Aemil im Tode.
Noch einmal, im Sommer 1686, hatte die mit der
kurfürstlichen Regierung längst versöhnte Stadt die Freude, Friedrich Wilhelm
den Grossen in ihrer Mitte zu begrüssen. Es mochte seinerseits ein
schmerzliches Wiedersehen gewesen sein. Hatte er doch seinen
rheinisch-westfälischen Ländern im Frieden zu St. Germain (1679) das nicht zu
verschmerzende Opfer des Verzichts auf das ganze Vorpommern bringen müssen.
Dazu war
[41]
in demselben Jahre der Verlust seines treuen clevischen
Statthalters Moritz von Nassau, dem nach einiger Zeit (1681) der Kurprinz im
Amte folgte, gekommen . . . Vieles hatte sich inzwischen geändert. Wie einst,
zur Zeit seiner ersten Ehe, das östliche Königsberg von der anmuthigsten seiner
Residenzen, dem niederrheinischen Cleve verdrängt wurde, so verdrängte später
Potsdam, der sonnige märkische Havelort, in seinem Herzen die freundliche Stadt
des Helias Gral.
Als Johann Moritz von Nassau-Siegen sein
kurbrandenburgisches Amt antrat, war, wie wir oben gehört haben, Cleve ein
heruntergekommener, halb verfallener Ort, der noch durchaus nicht die Folgen
jahrzehntelanger Wirrungen und Kämpfe überstanden hatte. Und als der Fürst hier
das Zeitliche segnete, war die Residenz eine blühende, heitere, reizende Stätte.
Wie er das zu Wege brachte?
Ja, ein Mensch mit so eifriger Bethätigung seiner
künstlerischen und praktisch-philosophischen Neigungen, wie Moritz, gleicht
einem befruchtenden Regen, der, über eine Wiese geschwemmt, Alles zum Grünen
und Blühen bringt. Unvermählt, hing er mit allen Fasern seines Herzens an dem
durch Kunst und Wissenschaft veredelten Lebensgenuss. Am hügelreichen
Niederrhein liess sich solchem Lebensgenuss wohl huldigen! Das erkannte der
geübte Blick des Fürsten, der einst als holländischer Gouverneur im fernen
Brasilien Moritzstadt und Boavista gegründet und die sumpfige Küstenstrecke von
Pernambuco in ein zweites Eden verwandelt hatte . . .
Bezeichnend für den Charakter unseres Helden ist
seine erste Unterredung mit dem Bürgermeister Niess auf dem Schlosse zu Cleve.
Sie fand drei Tage nach seiner Ernennung am 22. Oktober 1647 statt. Laut
Magistratsprotokoll fragte Moritz den p. Niess, "ob er wohl im Haag
gewesen und dort die Alleen gesehen? Hier (in Cleve) hätte der Wayenberg einen
trefflichen Prospekt . . . Also wollte Se. Excellenz vernehmen, ob er nit
einige Wege als vom Mühlenberg und Galgenberg und sonsten bis zum obersten
Theil dieses Wayenbergs gemacht worden möchten, so dass mit Karossen zu unseres
gnädigen Churfürsten
[42]
und Herrn und dero Komitats sonderbarer Recreation
vor und nach zu gebrauchen, welches der Herr Bürgermeister einem gesammten
Magistrat vorzutragen auf sich genommen". Magistrat beschliesst darauf,
zunächst zu erfahren, wohin die Wege führen, wie lang und breit sie sein
sollten und welche Entschädigung der Stadt angeboten werde. Dieses Bild
wiederholt sich in fast regelmässigen Zeiträumen. Immer finden wir auf der
einen Seite eine um ihre Eigenthumsrechte ängstlich besorgte, hartnäckige
weltliche oder geistliche Behörde, auf der anderen Seite den
unternehmungslustigen Statthalter, der, allen Schwierigkeiten zum Trotz, seine
Verschönerungsprojekte verwirklicht.
Zunächst sind die Veränderungen innerhalb des
Stadtschlosses, der Schwanenburg, zu erwähnen, bei deren Ausbau der Kurfürst
seinem Statthalter völlig freie Hand liess. Die Burg, welche ehemals vier
verschieden hohe Frontthürme besass, ist heute eine um zwei Höfe gruppirte,
unregelmässige, aussen auffallend monotone Anlage von gewaltigen Dimensionen,
In diese gleichmässig abgedeckte Baumasse bringt nur jener 1439 begonnene
wuchtige Schwanenthurm an der Nordseite einiges Leben hinein. Ein
Lokalhistoriker beklagt es, dass Moritz sich nicht einfach auf die Restauration
des altclevischen Fürstensitzes beschränkt habe. Er vergisst dabei, dass
frühere Jahrhunderte in solchen Dingen minder pietätvoll als unsere Gegenwart
dachten und, entsprechend ihrem rein praktischen Gesichtspunkt, einfach
kassirten, was ihnen bei den alten Bauten unnütz erschien, und ebenso naiv das
Nothwendige hinzufügten. Schon 1651 handelte es sich um dringende Renovationen
und um die Ausstattung einiger Gemächer mit Antwerpener Tapeten. Nachdem der
Kurfürst dann zwölf Jahre später den ihm zugesandten Plan einer durchgreifenden
Veränderung der Burg genehmigt, liess Johann Moritz im Hofe einen kurzen
Querflügel an Stelle einer Terrasse, welche das sogenannte Herzog Johannsthor
enthielt, errichten. Das jetzige Portal dieses Flügels zeigt als Dekoration das
brandenburgische Wappen mit dem Kurhut und der Jahreszahl 1664.
Ferner liess Moritz den einen Hof ganz, den anderen
blos an einer Seite mit Arkaden umgeben. Die Veränderungen im Innern betrafen
das kurfürstliche Quartier, den grossen Speisesaal, sowie ein nach dem
Bergabhang zu neu angelegtes Privatkabinet. Um dies Alles fertig zu bringen,
liess Friedrich Will-
[43]
helm eine gerade disponible Summe von 14 000 Thalem
auf den Schlossbau verwenden. Dafür vernahm er auch von Moritz mit grosser
Genugthuung, dass viele respektable Fremde von Nah und Fern herbeikämen, um die
Schwanenburg in ihrer neuen Verfassung zu bewundern.
Noch am 26. November jenes Jahres 1664 waren Gelder
für den Bau nöthig58, doch schon wenige Tage
darauf konnte, Moritz seiner Gratulation zu den Zwillingen, welche die
Kurfürstin geboren, die Worte hinzufügen: "Ew. Kurfürstl. Durchlaucht
werden ein neues gemächliches Schloss . . . hiesige Stadt aus- und inwendig
verziert allhier finden".
Auf die Burg bezieht sich auch die Nachschrift eines
Briefes des Statthalters vom 10. September 1664, die mir in ihrem treuherzigen
Ton so charakteristisch für den Schreiber schien, dass ich sie dem Leser nicht
vorenthalten wollte:
"Gnädigster Herr, allhier am Schloss unter Ew.
Durchlaucht Kabinet hat am Hange des Berges den 28. August eine Nachtigall des
Morgens und des Abends angefangen zu singen und continuiret darin annoch.
Welches viele Menschen mit Verwunderung, ich auch selbst, angehört haben. Ut in
litteris. Verhoffe, weil es ein lieblich Vögelein ist, was Gutes bedeuten
werde".
Weitere Zeugnisse von Moritz' Bauleidenschaft finden
wir, selbst wenn wir seine übrigen von ihm architektonisch und gärtnerisch
geschmückten Residenzen Wesel und Sonnenburg als nicht in den Rahmen unserer
Schilderung gehörig ausnehmen, in seinen Wohngebäuden in und um Cleve. Nur
nebenbei sei bemerkt, dass er hier, wie in Sonnenburg, für die Vergrösserung
des reformirten Gotteshauses gegen Ende seines Lebens eine Geldsumme schenkte;
desgleichen that der Kurfürst. Als dieser nach seiner ersten Vermählung in
Cleve residirte, lag noch "des Kanzlers Haus" in der Nähe der Burg,
dicht an der Stadtmauer. Moritz' Absicht war nun, sich ein neues, bequemes und
schön gelegenes Wohnhaus am Ende der Goldstrasse zu errichten. Gleichzeitig
wollte er den hier befindlichen öffentlichen Verkehr beseitigen, indem er eine
Nebenstrasse hinter der Pfarrkirche und dem Friedhofe projektirte, die durch
ein neues Thor der alten Stadtmauer ins Freie führen sollte. Da ihn hieran aber
die Eigen-
[44]
thumsrechte der Geistlichkeit hinderten, so griff er
zu einer List. Er liess in einer geeigneten Nacht (1653) jene Mauer
durchbrechen und ein bereit gehaltenes provisorisches Portal schleunigst
einsetzen. Dieses Nassauer Thor wurde 1671 nach dem Plan eines Meisters Jansen
erneuert. Von hier führt eine herrliche Lindenallee, die gleichfalls von Moritz
angelegte, 2600 Schritt lange Nassauer Allee, nach dem Freudenberg, in der
Richtung auf Xanten. Doch erst nach mehrjährigen Verhandlungen mit dem Kapitel,
in die sich auch der Kurfürst einmischen musste, zu Anfang der sechsziger
Jahre, kam der Bauherr in die Lage, über ein genügend grosses Terrain für
seinen Prinzenhof und einen daranstossenden Lustgarten zu verfügen. Es heisst,
dass dieses einfache kleine Schloss, dessen Front im Grundriss eine
dreigetheilte Linie mit zwei flach einspringenden Winkeln bildet, nach dem
Plane Pieter Post's und unter Zuziehung des holländischen Generals van Dorp
ausgeführt wurde. Heute ist der schlicht verputzte, auffallend schmucklose,
mit, einem kraftlosen Hauptgesims abschliessende Backsteinbau ein vornehmes,
ziemlich abseits liegendes Hotel.
Dass Moritz an dieser einfachen Wohnstätte, die einen
allerdings sehr schönen Ausblick ins Rheinthal gestattet, nicht Genüge fand,
werden wir aus der folgenden Schilderung erfahren. Einen Aufenthalt im
Prinzenhof scheint er nur im Winter oder, wenn ihn dringende
Regierungsgeschäfte in der Stadt festhielten, genommen zu haben. Sonst
flüchtete der intime Freund der freien landschaftlichen Natur vom Ufer des
Kermesdaals am liebsten hinaus in die waldumkränzten Hügel der Umgebung Cleves,
die er unermüdlich verschönerte. Hier müssen wir ihn nunmehr aufsuchen.
Schon während des ersten Aufenthalts des Grossen
Kurfürsten in Cleve hatte Moritz seinen Blick auf das südlich von der Stadt
gelegene, mit Hügeln, dichten Gehölzen, Wiesen und Gärten bedeckte Terrain
geworfen; östlich davon fliesst jenes Flüsschen Kermesdaal mit seiner
Verlängerung, dem Spoygraben. Im Jahre 1650 begann der Erwerb der hier
gelegenen Besitzungen, der Gutshöfe Ruissberg, Elsberg u. s. w., sowie
verschiedener
[45]
Flachländereien, die insgesammt nunmehr die Namen
Freudenberg und Freudenthal empfingen. Die Moraste wurden ausgetrocknet,
Gebäude errichtet, Alleen auf Deichen und Hügeln gepflanzt und Schmuckplätze
angelegt, sodass das Ganze den Charakter eines fürstlichen Lustortes besass.
Friedrich Wilhelm fand Gefallen an diesen schönen Veränderungen und übernahm
Freudenberg und Freudenthal gegen Erstattung aller seinem Statthalter hierbei
verursachten Kosten. Er beschloss sogar, auf dessen Ideen noch weiter
einzugehen, die vorhandenen Weideplätze zur Pferdezucht auszunutzen,
Fischteiche zu graben und aus den Gehölzen ein umzäuntes Jagdterrain zu machen.
So entstand der sogenannte alte Thiergarten bei Cleve.
Im Revier des Freudenbergs baute sich Moritz ein
Landhaus. In reizender Lage erhob es sich am Rande einer kleinen waldigen
Anhöhe, rechts am Wege nach Berg und Thal; es brannte schon im Jahre 1669 bis
auf den Grund ab. Nicht der Neubau, sondern die ursprüngliche Sommerresidenz
des Nassauers interessirt uns. Hier befand sich u. A. ein grosser Saal, der
nach Art eines Wintergartens so mit Baumrinden, Moos, Seemuscheln und
Spiegelplatten ausgestattet war, dass sich der glückliche Besitzer unter dem
freien südlichen Himmel seines einstigen brasilianischen Gouvernements wähnen
konnte. Ferner sieht man in den Akten des Staatsarchivs zu Berlin zwei
Tuschzeichnungen von H. Feltmann (1654), von denen das eine Blatt eine Laube
des Freudenbergs, das andere eine sonderbar geformte freistehende Säule auf
Stufen darstellt.
Der Säulenschaft lässt oberhalb die Figur eines
Ritters erkennen, der einen mächtigen Kranz mit dem Johanniter-Ordenskreuz
trägt, die Spitze des Ganzen bildet eine Krone und ein aus Ringen
zusammengesetztes Sonnensystem. Gleichzeitig mit der Entstehung des alten
Thiergartens nahm auch die nähere südliche Umgebung der Stadt eine verschönerte
Physiognomie an. Inmitten einer Kreuzungsstelle der oben erwähnten Nassauer
Allee, die später von den Franzosen allée royale genannt wurde, mit
verschiedenen anderen Wegen liess Moritz eine eiserne Feldschlange, die von der
Belagerung von Schenkenschanz herrührte, aufrichten. Diese Kanone diente als
Postament einer gleichfalls eisernen Statuette des Cupido, der mit Pfeil und
Bogen auf einer Kugel stand. Rings herum waren vier umgestülpte Bombenkessel
als Ruhesitze gruppirt.
[46]
Bei den Verschönerungen der Gegend wurde auf den
malerischen Wechsel von Anhöhen und Thälern Bedacht genommen. Und um diesen zu
ermöglichen, liess der Fürst nach und nach an solchen Stellen künstliche Hügel
herstellen, wo ein möglichst weiter und schöner Prospekt genossen werden
konnte, Den zuerst aufgeworfenen Hügel nannten die Landleute "Kiek in de
Pott", angeblich, weil der Fürst, wenn er bei seinen sehr frühen
Morgenspaziergängen hier ankam, sich gern davon überzeugte, dass unten im Thale
bei den Bauern schon der Schornstein rauchte, und unwillig darüber war, wenn er
das Gegentheil bemerkte. Von den sieben Alleen, die ursprünglich zum Gipfel
hinaufführten, nahmen drei in der Nähe des Cupidoplatzes ihren Anfang, sie
bestanden aus Kastanien und Nussbäumen. Beim Cupido erhob sich auch die
grössere Anhöhe des einst dicht belaubten Sternbusches, dessen Spitze Moritz
dadurch zum prächtigen Aussichtspunkte machte, dass er von hier aus auch
Fahrwege strahlenförmig durch das Dickicht schlagen liess. Als die Abreise
Friedrich Wilhelms von Cleve im September 1652 bevorstand, schloss er mit
seinem Statthalter einen Vertrag, wonach diesem der alte Thiergarten ad dies
vitae nicht bloss zum Aufenthalt, sondern auch zur unbeschränkten Nutzniessung
übergeben wurde.
Zu diesem Kontrakt gab aber die schon erwähnte
sogenannte brasilianische Sammlung Anlass, welche der Kurfürst unter allen
Umständen besitzen wollte. Das provisorische Geschenk des Thiergartens, dessen
alleinigen Genuss sich Friedrich Wilhelm nur für einen etwa erfolgenden Besuch
in Cleve vorbehielt, war nämlich ein Aequivalent für die Summe von 50 000
Thalern, welche zum Ankauf jener Raritäten festgesetzt war. Indess bemerkt
Moritz in einer Urkunde des Staatsarchivs zu Berlin ergänzend: "Anno 1652
habe den Freudenberg bekommen gegen einige raritäten auf 50 M. Thaler estimirt;
davon noch an Seiner Churfürstlichen Durchlaucht und Dero Erben zum Besten aus
eigenem movement mit unterthänigster affection laut Contract 25 M. Thaler Ich
freiwillig nachgelassen habe". Diese Summe wurde später wohl vom
Kurfürsten bezahlt.
In dem freiwilligen Nachlass bekundet sich Moritz‘
Dankbarkeit und seine in Geldangelegenheiten stets bewiesene vornehme
Gesinnung. Die Abmachungen zwischen den hohen Parteien finden sich übrigens
unter den clevischen Akten des er-
[47]
wähnten Archivs, die auch das in zwei Fassungen
vorhandene Verzeichniss jener aus 29 Nummern bestehenden Raritätensammlung
enthalten. Wir lesen in dem Verzeichniss der Sammlung, die sich aus
brasilianischen und afrikanischen Naturprodukten, aus wissenschaftlichen und
künstlerischen Werken zusammensetzte, von Elfenbeinzähnen, geschnittenem
Elfenbein, Sakardanenholz, ferner von Gemälden, Skulpturen, kunstvoll
ausgeführten Gebrauchsobjekten, Waffen, illustrirten naturwissenschaftlichen
und militärischen Büchern. Der Verbleib der Mehrzahl dieser Schätze ist heute
nicht mehr nachweisbar. Die gedruckten Bücher und illuminirten Manuskripte
dürften später grossentheils in den Besitz der Berliner königlichen Bibliothek
gelangt sein.
Nur drei Nummern des Verzeichnisses seien des
künstlerischen Interesses wegen hervorgehoben. No. 13 bezieht sich auf einige
in Brasilien gefertigte landschaftliche Malereien, als deren Urheber Franz Post
gehalten wird und zwar auf Grund einer Bemerkung des alten Künstlerbiographen
Arnold Houbraken.59 Die Bilder werden
folgendermassen erläutert: "Sieben grosse Stück Schildereyen mit
Oelfarben, 7 brabantsche Ellen hoch jedes Stück, in einem grossen Saal als
Tapeten zu gebrauchen, worin nach dem Leben und in Lebensgrösse repräsentirt
worden die Indianer in unterschiedlichen Provinzen mit allen in jedweder
befindlichen vierfüssigen und andern Thieren als Fische, Vögel, Schlangen,
Würmern, Bäume, Früchten, Kräutern, Blumen, Alles schön angeordnet; Item noch 3
(? 9) kleine Stücke unter die Fenster, conform und nach Verhältniss der
grossen. Und ist dergleichen niemals gemacht, noch in der Welt zu finden, daher
es von den Kunstverständigen als unschätzbar erachtet wird". Man
vermuthet, dass diese Tapeten später als Geschenk des Kurfürsten an den
dänischen Hof weiter gegeben worden sind und dass sie wohl mit jenen
Darstellungen identisch sind, welche Humboldt (Kosmos II S. 85) auf dem
Schlosse Fredericksborg bei Kopenhagen gesehen hatte. Unter No. 26 werden
"2 Statuen, von Blei gegossen, in Lebensgrösse" angeführt, über
welche nichts Näheres bekannt ist; sie standen vielleicht im alten Berliner
Lustgarten. No. 27 lautet: Die vier Prinzen von Oranien, Brustbilder, in
weissem Marmor künstlich ausgehauen, von dem Italienischen, Meister Franzesco
Diessatt". Dass dieser Italiener kein anderer als, der Wallone Franz Du-
[48]
sart ist, kann nicht bezweifelt worden. Auf die
betreffenden vier Büsten werden wir an anderer Stelle zurückkommen.
Doch kehren wir nach diesen Abschweifungen zu Johann
Moritz und seinen clevischen Unternehmungen zurück
Es war eine ältere Idee, auf welche der Statthalter
im Jahre1656 plötzlich zurückkam, als er mit dem Magistrat wegen Abtretung
eines Theils des nahen Stadtwaldes gegen Ueberlassung des dem Kurfürsten
gehörigen Maselberges erfolgreich unterhandelte. Wir hörten oben, dass Fürst
Moritz bereits unmittelbar nach Uebernahme seines Postens in Cleve mit dem
Bürgermeister eine, auf den nordwestlich von der Stadt gelegenen Wayenberg
bezügliche, Unterredung gehabt hatte. Dieser Hügel hat für die Bürger durch
seine Nähe besonderen Werth, weil es den Armen erlaubt war, hier Laubholz zu
sammeln und in die Stadt zu tragen. Doch wollte der kurfürstliche
Oberjägermeister von Hertefeld, auch nachdem der Statthalter mit der ihm
eigenen Raschheit der Entschliessung die Verschönerung des neuen Terrains
bereits begonnen, von dem Umtausch nichts wissen, weil der Maselberg, im
Gegensatz zu dem schlechten Boden und dem schlechten Nadelholz des Stadtwaldes,
den besten Boden und das schönste Holz besass und also trotz des geringen
Umfanges einen weit grösseren Werth repräsentirte. Und um nun den Austausch im
letzten Augenblick zu hintertreiben, traf er Vorbereitungen, auf dem Maselberg
Holz herunterzuschlagen, was den Magistrat bestimmte, einen dementsprechenden
Beschluss für seinen Stadtwald zu fassen, einen Beschluss, der den Statthalter in
eine ungeheure Aufregung versetzte.
Bevor wir den Verlauf der Dinge weiter verfolgen,
müssen wir zur Orientirung des Lesers, bezüglich des strittigen Terrains,
bemerken, dass die Stadtberge gleich dem Maselberg Theile jenes uralten
Reichswaldes bildeten, der sich zwischen den Ortschaften Nymegen, Cleve und
Goch ausdehnt. Für den Statthalter und seine projektirte Anlage eines neuen
Thiergartens handelte es sich in der Hauptsache und zunächst bloss um ein Stück
des Stadtwaldes an der Kavariner Landstrasse, die in nordwestlicher Richtung
nach Donsbrüggen und Nymegen führt.
[49]
Abgesehen von dem Wunsch, die landschaftlich
herrlichsten Partien der Umgebung der Stadt allmählich sämmtlich in seinen
Besitz zu bringen, um hier eine von Jedermann angestaunte kurfürstliche
Sommerresidenz zu schaffen, mag noch ein besonderer Vorzug des Stadtwaldes
Moritz' Interesse erweckt haben. Bestach ihn bei der südlichen Umgebung Cleves
der anmuthige Wechsel von Berg und Thal, so kam hier im Nordwesten noch das
Wasser als neues und wesentliches Element der Ausschmückung hinzu. Dicht an der
Kavarinerstrasse, am Ostabhange des sogenannten Springberges, wo später der
bereits erwähnte Badeort Cleve entstand, sprudelten nämlich verschiedene
Quellen. Moritz fasste daher an dieser Stelle, welche den Mittelpunkt seiner
Verschönerungen bilden sollte, von vornherein die Anlage von Fontainen ins
Auge. Ja, noch mehr; er wählte hier den Ausgang einer nach Norden gerichteten
Kanalverbindung mit dem Rhein und also mit den Hauptplätzen der nördlichen
Niederlande. Schönheit und Nutzen sollten sich dabei die Hände reichen. Denn
einerseits passt das tiefdunkle, mit Bäumen besetzte Wasser des Kanals, der
einen Fernblick über den Rhein nach dem Eltener Berg und dessen Kirchthurm
gestattet, überraschend schön in den Rahmen des künstlich veränderten
Landschaftspanoramas; andererseits galt es für den an Nahrungsquellen gewiss
nicht reichen Ort eine vielleicht ergiebige Schifffahrt zu begründen.
Eine Rheinverbindung bestand übrigens schon, und zwar
durch den weiter östlich fliessenden Spoygraben, der indess eine Strecke weit
für Lastfahrzeuge völlig unzureichend und erst in der Nähe der Schleuse
schiffbar war. Auch letzteres scheint ein Verdienst unseres Helden zu
repräsentiren, wie ich aus der Nachschrift eines am 4. Dezember 1659 an den
Kurfürsten gerichteten Berichts zu entnehmen glaube. Sie lautet: "Ein
grosses Schiff liegt allhiero an der Steinbrücke, mit welchem ich morgen,
beliebt es Gott , nach dem Haag werde fahren; ist das erste, so durch die Schleuse
kommt".
Aus einem früheren Schreiben des Statthalters,
welches am 27. September 1656 an den Kurfürsten gerichtet wurde, geht hervor,
dass jener die Ausführung seines neuen Lieblingsplanes mit ausserordeutlichem
Eifer hatte beginnen lassen, trotzdem die Frage der Entschädigung für die Stadt
noch in keiner Weise erledigt war. Moritz schreibt u. a.: Ew. Durchlaucht
wollen mir festiglich glauben, hab auf meine Kosten diesen Ort mit
[50]
Durchhauen von Alleen und mit Fontainen und Anderem
so accomodirt, dass Ew. Durchlaucht contentement darob nehmen werden. Tausent
von Menschen kommen diesen Ort sehen und müssen selbigen loben. Graf Christian
von Dohna60 hat ihn in Augenschein genommen,
auch meine Desseine begriffen . . .Werde Alles auf meine Kosten verfertigen
lassen und um Ew. Durchlaucht gütiges Urtheil anhalten". Mit grossem
Aufwand von Worten und einem fast jugendlich erscheinenden Enthusiasmus sucht
er sodann alle berechtigten oder doch möglichen Bedenken, noch bevor sie der
Kurfürst geäussert, im Keime zu unterdrücken. Er schildert seinem Herrn
schliesslich auch die praktischen Vortheile dieses neuen Thiergartens, wo
"man ein Gestüt kann halten, dazu ist kein bequemerer Ort in der Welt als
dieser, wegen der Wiesen und Berge und was davon dependirt".
Angesichts der Eigenmächtigkeit und Schnelligkeit,
womit Moritz auf fremdem Grund und Boden drauflos wirthschaftete, wurde der
guten Stadtbehörde doch angst und bange. Bürgermeister, Schöffen und Räthe von
Cleve richteten deshalb an den Kurfürsten ein Memorial, in welchem es heisst:
"Durchlauchtigster Churfürst, gnädigster Herr. Es haben am 4. Augusti
verwichenen 1656. Jahres des Herrn Statthalters Prinzen Moritz zu Nassau u. s.
w. Uns in Gnaden zu erkennen gegeben, welcher gestalt gut gefunden hatten, an
hiesiger Springen eine vortreffliche Fontaine erbauen zu lassen, und dahero
gnädig gesonnen, dass selbiger Ort sammt einem Distrikt von dieser Stadt Berg
und Wald . . . Ew. Durchlaucht zum gnädigsten Gefallen abzutreten . . . Ob nun wohl
dieser Ort fast das beste Theil des ganzen Stadtberges ist . . . so haben wir
dennoch aus sonderbarer zu Ew. Durchlaucht tragender unterthänigster devotion
mit Vorwissen und Bewilligung dieser Stadt . . . in Ausrodung der Alleen
gewilligt u. s. w." Nach solcher Betonung ihrer Zugeständnisse treten dann
die Stadtvertreter mit ihren berechtigten, aber noch immer unerfüllt
gebliebenen Forderungen hervor. Sicherlich war Moritz nicht schuld, wenn durch
die hartnäckige Weigerung des kurfürstlichen Oberjägermeisters, den Maselberg
[51]
herzugeben, die Entschädigungsfrage so hohe
Schwierigkeiten verursachte.
In seiner Aufregung und Furcht, die Stadt werde
gerade die schönsten Bäume seines künftigen Besitzes herunterschlagen, richtete
er am 8. August 1657 ein für die Beurtheilung seiner Person höchst merkwürdiges
Schreiben an das kurfürstliche Hoflager: "Den Ort, welchen zu Ew.
Durchlaucht delectation allhier hab auserwählt, wird unter der Hand so
admirabel schön und angenehm, dass viele vornehme und auch gewöhnliche Leute
aus Holland kommen express und allein diesen Ort zu sehen, mit Verwunderung,
dass die Fontainen so hoch haben können getrieben werden". Weiter schreibt
er, dass er mit grosser Mühe so viel von dem Eigenthum des Magistrats erlangt
habe, um Alles nach seinem Sinn machen zu können, und zwar in der Hoffnung,
dass der Kurfürst der Stadt ein Aequivalent in dem Maselberg, auf dem diese
nunmehr energisch bestände, gewähren würde. Damit nun der Kurfürst nicht zu
kurz käme, seien zur Begutachtung neutrale Personen zugezogen worden, deren
Protokoll beiliege. Weil aber der Oberjägermeister von Hertefeld den Maselberg
dieses Jahres abzuschlagen beabsichtige, so werde die Stadt solches auch in
ihrem Walde thun, wodurch "dieser schöne Ort, der weder in Italien noch
Frankreich seines Gleichen hat, geschändet und Alles, was bis jetzt gemacht,
verloren sein würde". Daran knüpft er nun die Bitte, dem Oberjägermeister
das Abhauen des Maselbergwaldes schleunigst zu untersagen, so lange bis sich
der Kurfürst persönlich oder durch Abgesandte von der Trefflichkeit des neuen
Werkes unterrichtet hätte. Sonst würde er, nachdem das Unglück geschehen,
zweifellos den von Hertefeld und alle übrigen Schuldigen in den tiefsten
Abgrund der Hölle verfluchen, wodurch freilich nichts wieder gut zu machen
wäre.
Dieses fulminante Schreiben verfehlte natürlich nicht
den gewünschten Zweck, und dem Oberjägermeister wurde durch eine kurfürstliche
Verfügung aus Königsberg (datirt 24. August 1657) das Abbauen auf dem Maselberg
bis auf Weiteres streng untersagt. Am interessantesten aber ist für uns an dem
Schreiben des Statthalters wieder jene Nachschrift, die mit Bezug auf einen der
berühmtesten Architekten der Zeit bemerkt: "Monsieur van Kampen ist
allhier, kann selben von diesem Ort nicht abkriegen, ordonnirt noch viele
schöne Sachen, Alles ohne Kosten".
[52]
Jakob van Kampen, der Schöpfer des Amsterdamer
Rathhauses, dessen titellose Vornehmheit durch das französische
"Monsieur" ausgedrückt erscheint, wird dem Fürsten eine ideal
wirkende Staffage für die Fontainen, die "so hoch haben können getrieben
werden", ordonnirt haben. Er, der uneigennützige Gehilfe befreundeter
Edelleute und Stadtregierungen, der einflussreiche Verehrer der Antike, wird
für diese Staffage am Abhang des Springberges die Form eines
Terrassen-Amphitheaters vorgegeben haben, das später durch den halbrunden
Hallenbau König Friedrichs I. erst seinen Abschluss erhalten sollte. Diese
Muthmaassung hat viel für sich. Und ich nehme an, dass van Kampen entweder auf
Moritz' Einladung hierher gekommen war, und dann kann sich sein Projektiren nur
auf dessen damalige Liebingsschöpfung bezogen haben, oder sich im
Einverständniss mit dem Amsterdamer Magistrat in Cleve vorübergehend aufhielt.
Denn letzterer beabsichtigte wohl damals schon, dem Fürsten mit einem
künstlerischen Geschenk eine Freude zu bereiten. Vielleicht sollte der Meister
die Wünsche des hohen Kunstfreundes zu erfahren suchen. Drei Jahre darauf kamen
von Amsterdam die Geschenke an. Das Hauptstück war eine Statue der kriegsgerüsteten
Pallas, aber eine Minerva Tritonia, wie sie der holländische Dichter Vondel
sehr richtig nennt.
Kriegsstürme haben der Schöpfung des Nassauers längst
ein vorzeitiges Ende bereitet. Das Amphitheater bei Cleve, auch der goldene
(oder kupferne) Knopf genannt, besitzt heute ein ganz anderes, minder
kunstvolles Aussehen als ehedem. Wir müssen uns daher das ursprüngliche
mannigfaltige Bild, an der Hand mittelmässiger alter Abbildungen und kurzer
Beschreibungen, zu rekonstruiren versuchen. Gegenüber dem Fuss des Berges,
dicht an der Landstrasse, erhob sich eine Bildsäule mit dem sogenannten
eisernen Mann, der nur aus einer vollständigen eisernen Panzerrüstung mit
grossen Sporen, einem langen Schwert und einem altdeutschen Streitkolben in der
Rechten bestand. Einige beziehen diesen eisernen Mann auf den holländischen
Attila, Maarten van Rossem, den Geldernschen Kriegsobersten und Bauherrn zur
Zeit Karls V., während Andere, wohl mit zweifellosem Recht, von dem tapfern
Martin Schenk von Nydeck, dem Erbauer der benachbarten Schenkenschanz sprechen.
Der
[53]
Künstler liess die hohe Säule auf Kugeln ruhen und
stellte sie auf ein Postament, indem er hier die Inschrift anbrachte:
Omnes natura judices non artifices fecit.
Als König Friedrich Wilhelm II. im Jahre 1788 Cleve
besuchte, legte man dem eisernen Ritter ein poetisches Willkommen in den Mund,
welches die Verse enthielt:
|
In meinem Leben war ich brav und bieder, diente
gern |
|
In Krieg und Frieden meinem Landesherrn. |
|
Drum stellte, als ich starb, mich Frau Natur |
|
Zum stummen Wächter dieser reizerfüllten Flur. |
|
Hier hatt' ich Musse, Lustren lang, herumzugaffen, |
|
Sah Moritz neue Lustgefilde schaffen, |
|
Sah manches Herz hier laut und manches still
entzückt, |
|
Doch nichts hab' ich Merkwürdig'res erblickt, |
|
Als dass ein Amsterdam Minervens kostbar Bild |
|
Hier hingesetzt, und dass gerad' zu meinen Füssen |
|
Zween Löwen gar das Wappenschild |
|
Der stolzen Stadt demüthig halten müssen . . . |
Von den vier Fontainen des Bergabhanges sprudelte die
unterste in der Höhe von 24 Fuss aus dem Schnabel eines schwarzen Adlers. Rings
herum stiegen kleinere Wasserstrahlen empor, während an der Hinterseite des
Bassins ein abgestuftes Grottenwerk einen Wasserfall hervorrief, der dem Munde
zweier Tritonen und einer bizarren Maske entquoll. Ganz zu unterst aber
bildeten hier zwei heraldisch gemeisselte Löwen, die zu den erwähnten
Geschenken Amsterdams gehörten und die Wappen jener Stadt und der Provinz
Holland hielten, den Abschluss des Ganzen. Die zweite Fontaine mit ihren
sternförmigen Wasserstrahlen nahm sich einfacher aus. Die dritte enthielt
inmitten einen auf einem Delphin schwimmenden Cupido, der aus einer Muschel
Wasser blies, ferner zwei wasserspeiende Enten. Und ganz zu oberst bildete die
Statue der Minerva aus weissem Marmor die Hauptzierde der vierten Fontaine und
des ganzen, sonst noch mit Vasen und Urnen geschmückten Amphitheaters. Von den
Wenigsten nach ihrem künstlerischen Werth geschätzt, wird diese Statue
gelegentlich wohl nach einer Legende beurtheilt, an der lediglich das hohe Maass
der Uebertreibung bemerkenswerth erscheint. Hierauf nimmt G. von Velsen Bezug,
indem er in seiner kleinen Beschreibung von Cleve bemerkt: ,Die Angabe, dass
das Werk 100 000 holländische Gulden ge-
[54]
kostet haben soll, wollen wir dahingestellt sein lassen,
um so mehr, da nicht einmal der Name des Künstlers auf die Nachwelt gekommen
ist". Beides aber ist ein Irrthum. Denn einerseits wissen wir jetzt, dass
die marmorne Figur nur 1800 Gulden gekostet, andererseits wird der Name des
Bildhauers schon in einem schwungvollen Poem Joost van den Vondels, welches den
Titel Armipotens belli praeses, Tritonia virgo" führt, genannt. Der
Meister heisst Artus Quellinus d. Ä.: der "Artus Phidias" oder
Phidias Quellin" oder "Erzbildhauer der Stadt Amsterdam" - unter
welchem Ehrennamen jener holländische Panegyrist den in der That tüchtigsten
niederländischen Bildhauer seiner Zeit verherrlicht hat. Fürwahr, eine Pallas
Tritonia oder Tritogeneia, das ist eine dem Gefühl des Holländers adäquate
Vorstellung dieser Göttin der Weisheit und Tapferkeit. Diese Auffassung der
jungfräulichen Göttin als Seebeherrscherin entspricht verschiedenen uralten
hellenischen Sagen, von denen die jenige, welche sich auf das Flüsschen Triton
in Böotien bezieht, am bekanntesten ist. Das Vondel'sche Gedicht beweist aber
auch, dass sowohl Pallas Athene, wie auch der unter ihr auf einem Delphin
reitende Capido nicht ohne Anspielung auf den unvermählt gebliebenen Fürsten
gewählt worden sind. In freier eigener Uebersetzung lauten die drei ersten Strophen
des Gedichts:
|
Die Weisheit, stolz auf ihr rechtmässig Wappen, |
|
Nicht die entsprungen Jupiters Gehirn, |
|
Vielmehr dem Haupt des Phidias Quellin, |
|
Sie glänzt, durch Geist und Kunst geschaffen. |
|
Moritz wollt sich vor Weiberfesseln hüten; |
|
Doch lüstet's ihn auf seine alten Tag', |
|
Sobald der Held die weise Pallas sah, |
|
Ihr seine Hand in Liebe anzubieten. |
|
Und unser Rathhaus hilft die Eh' vollziehen, |
|
Verehrt dem Fürsten dieses Heldenbild; |
|
Mit Amstels Kreuz, dem stolzen Wappenschild, |
|
Soll es als Schmuck der Fürstenquelle dienen ... |
[55]
Bei allen Lokalschriftstellern, welche von dieser
Statue Notiz nahmen, finde ich Moritz und nicht den Kurfürsten als den
unmittelbaren Empfänger der Amsterdamer Geschenke angegeben; mittelbar kam der
letztere natürlich in den Besitz aller Kunstobjekte, welche den neuen
Thiergarten schmückten. Um so mehr überraschte mich vor einiger Zeit die
Nachricht, dass bei Gelegenheit des Besuchs Kaiser Wilhelms II. am
holländischen Hofe (1891) ein auf die Schenkung der Minerva an Kurfürst
Friedrich Wilhelm bezügliches Dokument zur Kenntniss des Kaisers gelangt sei.
Ich liess mir eine Abschrift dieses Dokumentes kommen61
und stelle fest, dass, trotz einer allerdings abweichenden Angabe, dennoch an
der herkömmlichen Auffassung der Geschenkangelegenheit nicht zu zweifeln ist.
Die mir vorliegende Resolution der Amsterdamer
Schatzmeister entspricht vollkommen der Quelle Vondels, welcher als lebhaft
theilnehmender Zeuge sicherlich gut eingeweiht gewesen sein wird. Sie lautet:
23. Oktober 1659, Syn de Heeren Thesaurieren overeengekomen met Artus
Quellinus, dat hy sal maken een Pallasbeeld van acht voeten hoogh op een vase
van vier dolphynen, volgens modelle darvan aen de Heeren Burgemeesteren
vertoont, omme volgens ordre van de Heeren Burgemeesteren aan Prins Maurits tot
eene fontaine te Cleff vereert te worden voor de Somme van 1800 Gulden.
Demgegenüber halte ich den folgenden Vermerk in den
Rechnungsbüchern der Stadt für weit weniger beweiskräftig: "6. Oktober
1660 Aan Artus Quillien voor het Pallas beelt by d' Heeren Burgemeesteren
vereert aan zyne vorstelyke doorluchtigheid van Brandenburg tot een fonteyn tot
Cleeff.. .1800 Guldens".
Mir scheint hier lediglich ein sehr begreifliches
Versehen von Seiten des Schreibers oder Buchhalters vorzuliegen. Wenn aber
wirklich der Statthalter zu Gunsten seines kurfürstlichen Herrn auf die
ehrenvollen Geschenke der Metropole Verzicht geleistet haben sollte, was gewiss
seinem grossmüthigen Charakter entspräche, so hätte Vondel wohl auch darauf
bedeutungsvoll angespielt und seinen poetischen Gedanken mit Bezug auf Moritz
und Pallas Athene leicht eine etwas andere Wendung geben können.
[56]
Moritz zu beschenken lag übrigens damals nahe
Veranlassung. Im Sommer 1659 hielt er sich einige Zeit in Holland auf, als
gerade ein freudiges Familienereigniss im Hause Oranien-Nassau dazu beitrug,
eine Annäherung zwischen Amsterdam, wo die anti-oranische Partei allmächtig am
Ruder stand, und jenem fürstlichen Hause herbeizuführen. Im August 1659 fanden
im Haag die schon oben erwähnten Festlichkeiten, aus Anlass der Vermählung der
dritten Tochter Friedrich Heinrichs, Prinzessin Henriette Katharina von
Oranien, mit dem Fürsten und kurbrandenburgischen Statthalter Johann Georg von
Anhalt, statt. Allein die Kurfürstin von Brandenburg war aus der Ferne
herbeigeeilt62. Nun liess sich der Magistrat
der reichsten Handelsstadt Europas nicht die Ehre entgehen, die ganze hohe
Hochzeitsgesellschaft nach Amsterdam einzuladen. Auf dem Rathhaus am Dam wurden
Fürsten und Fürstinnen gastfreundlich empfangen und durch einen glänzenden
Festzug überrascht, dessen allegorische Bestandtheile von dem Dichter Jan Vos
ersonnen waren. Die darauffolgende theatralische Aufführung in der Stadschouwburg
gipfelte in einer prächtigen Apotheose des neuvermählten Paares, in dessen Nähe
Johann Moritz stand, und zwar umringt von den personificirten Kolonien
Brasilien, Guinea und Angola.
Ueberhaupt nahm Fürst Moritz jederzeit regen Antheil
an den Ehrenfesten der grossen Handelsstadt, deren Poeten zum Dank dafür um
seine Volksthümlichkeit recht eifrig bemüht waren. Er sandte den Bürgermeistern
für ihre öffentlichen Mahlzeiten von Jahr zu Jahr Wildpret aus den beiden
Thiergärten seiner Residenz. Und die Empfänger blieben wahrlich hinter diesen
Geschenken nicht zurück, als sie ihm die Minerva Tritonia, vielleicht auf
Vorschlag van Kampens, zur besonderen Zierde seiner Lieblingsschöpfung, des
Amphitheaters bei Cleve, von dem Meissel ihres tüchtigsten Bildhauers fertigen
liessen. Ein anderes Geschenk der Metropole war ein starker Band Radierungen in
Folio nach den berühmten Amsterdamer Schöpfungen des Artus Quellinus. Ihr
Urheber, ein älterer Bruder des Bildhauers, Hubert Quellinus, hatte dieses
Geschenk-Exemplar im Jahre 1655 den Bürgermeistern Franz Banning Cocq, Johann
Huydekooper, Nicolaus Tulp u. s. w. mit einem ausführlichen lateinischen
Widmungsschreiben eigenhändig überreicht. Man sieht heute auf
[57]
dem Titelblatt den charakteristischen handschriftlichen
Namenszug des Statthalters. J. Moritz F. zu Nassau 1664; der werthvolle Band
ist jetzt Besitz der Berliner Königlichen Bibliothek.
Was nun die Pallas-Statue betrifft, so bildet sie
gleichzeitig eine wünschenswerthe Ergänzung der Götterreihe, welche der Meister
kurz zuvor im Innern des Amsterdamer Rathhauses geschaffen hatte. Dort sehen
wir nämlich Jupiter, Apollo, Merkur, Diana, Mars, Venus, Saturn und Cybele,
kräftige Hochreliefs von 6 Fuss 7 Zoll Höhe. Quellinus d. Ä. verleugnet in
diesen Schöpfungen, die eine edle realistische, keineswegs derb sinnliche
Formengebung mit eigenartiger, ja gedankenvoller Charakteristik verbinden und
die man nicht nach den ganz in's rubensartige übertragenen Radierungen seines
Bruders, sondern möglichst nach den kleinen Thon-Originalen des Ryksmuseums
beurtheilen soll, durchaus nicht seine vlämische Abkunft. Aber mir scheint,
dass dieser Künstler in seinen maassgebenden Arbeiten eine noch stärkere
Hinneigung zu Italien bekundet, als selbst van Dyck in seiner von dem Süden
abhängigsten Periode, dass der ältere Quellinus noch mehr von dem aus Florenz
stammenden Venetianer Sansovino lernte, als von Rubens und dass endlich auf
seine spätere künstlerische Entwickelung die Beziehungen zu Holland erheblich
eingewirkt haben. So kam es, dass er auf diesem Boden die menschliche
Erscheinung Schlichter, wahrheitsgemässer als viele seiner vlämischen Genossen,
zuletzt sogar völlig unabhängig von Rubens auffasste. Letzteres beweist gerade
die Minerva, aber sie zeigt leider auch eine gewisse Ernüchterung seines früher
so kräftigen plastischen Empfindens.
Die Göttin ist vom Künstler als ein schlankes Mädchen
mit ernsten, aber sehr jugendlichen Zügen dargestellt, jugendlicher als die ihr
entfernt ähnliche antike Minerva Giustiniani.63
So steht sie inmitten eines runden Bassins auf einer Erdkugel, die von einer
kräftig geformten Vase umschlossen ist. Vorn befindet sich an letzterer das
Amsterdamer Stadtwappen, an den vier Ecken des Sockels sieht man vier Delphine,
die ehemals je zwei Wasserstrahlen von sich bliesen. Die Göttin, zu deren
Füssen sich ihr Attribut, die Eule anschmiegt, steht in ruhiger Haltung,
gerüstet vor uns, die Rechte ist erhoben und hält einen auf die Kugel
gestützten Speer. Ihr nachdenklich ge-
[58]
senktes Haupt trägt einen lorbeerbekränzten Helm mit
Federschmuck; das Haar ist geflochten und hochgesteckt. Die Brust, an welcher
das weite hemdartige Untergewand sichtbar ist, schützt ein Panzerkragen mit dem
Gorgoneion. Und indem der Künstler die Göttin so darstellte, dass sie die von
dem Mantel umhüllte Linke energisch in die Seite stemmt und das rechte Knie
gleichzeitig wenig erhebt, ergab sich für ihn eine sehr natürliche Anordnung
des faltenreichen langen Obergewandes. Dasselbe ist von der Schulter des
erhobenen Armes herabgefallen und bildet um die Taille einen Wulst, während
durch das linksseitige Anziehen des Mantels der rechte Fuss und ein Theil der
Wade entblösst wird. So realistisch das Alles wirkt, so kann man doch beim
Betrachten der überlebensgrossen Figur von der Seite und auch von hinten nicht
gerade behaupten, dass hier sich durchweg Wahrheit und Schönheit decken. Aber
wir werden noch hören, dass die gegenwärtige Wirkung der Minerva durch eine
brutale Verstümmelung und unglückliche Restauration der Statue mitbedingt
erscheint.
Moritz blieb bei der Verschönerung des Springbergs
indess nicht stehen, er wandte z. B. auch dem ihm von Anbeginn als
Aussichtspunkt besonders günstig erscheinenden Wayenberg sein Interesse zu. Er
liess diesen künstlich erhöhen und in der Art bepflanzen, dass von seiner
Spitze zwölf Alleen hinabführten und zugleich die überraschendsten Fernsichten
nach interessanten Punkten der engern und weitern, bis nach Holland reichenden
Umgebung Cleves eröffneten. So sah man auf dem Gipfel des seitdem Sternberg
genannten Hügels, wie durch Guckkästen, in der Ferne den spätgothischen
Kirchthurm von Rhenen im Utrechtschen, dann den Thurm der St. Eusebiuskirche
von Arnhem in Gelderland, den Eltenerberg, ferner Doesburg an der Yssel und die
Städte Nymegen, Kalkar, Gennep und in der Nähe die Schwanenburg und manches
Andere.
Auf weitere Einzelheiten bezüglich des neuen
Thiergartens ausführlicher einzugehen, kann nicht unsere Aufgabe sein.
Selbstverständlich konnte sich Moritz das Vergnügen nicht versagen, auch hier
ein kleines Lustschloss zu bauen und dasselbe nach seinem Geschmack
auszustatten. Ferner wurden dem nicht unbeträchtlichen Personal, das aus einem
Fontainenmeister, einem Kastellan, einem Hofgärtner, drei Pförtnern und mehreren
Gehilfen bestand, Wohnungen gebaut, Die Pförtner hatten die
[59]
drei Eingänge des 740 preuss. Morgen umfassenden,
rundum eingehegten Thiergartens zu bewachen. Die bedeutenden Ausgaben für Alles
hatte der unermüdliche Statthalter mehrere Jahre hindurch aus eigenen Mitteln
bestritten, und erst durch kurfürstliches Rescript vom 2. September 1662
erlangte er eine namhafte Entschädigung, die ihm aus der landesherrlichen Kasse
monatlich gezahlt werden sollte, unter der Verpflichtung seinerseits, den neuen
Thiergarten mit sämmtlichen Gebäuden, Anlagen, Skulpturen und Wasserkünsten in
gutem Stande zu erhalten. Eine definitive Regelung aller auf die beiden
Thiergärten bezüglichen gegenseitigen Verpflichtungen fand erst durch das am
26. August 1667 aus dem Kloster Zinna abgesandte Rescript Friedrich Wilhelms
statt.
Damals liess Moritz nichts auf seine Schöpfung des
neuen Thiergartens kommen, der er eine dauernde Wichtigkeit beimaass. Man
erzählt sich, wie entrüstet der alte hohe Herr war, als ihm einst die folgende,
von einer gewöhnlichen Gesinnung zeugende Inschrift an der Gartenthür eines
gewissen Lamers zu Gesicht kam: Als de boom is groot, so is de pooter dood, d.
h.:
|
Wenn der Baum gross ist, |
|
Dann sein Pflanzer todt ist. |
Er soll den Mann zu sich entboten haben, um ihn
persönlich von der Verkehrtheit dieses Spruches zu überzeugen, so dass Jener
die Worte änderte in: Bouwen, grawen, planten laet uw niet verdrieten, soo sult
gy en die naar uw komen het genieten, d. h.
|
Bauen, graben, pflanzen, lasst's Euch nicht verdriessen, |
|
Denn die nach Euch kommen, werden's noch geniessen. |
Ob erfunden oder nicht - diese hübsche Episode
entspricht nur zu sehr dem Charakter unseres Helden, der hier schliesslich
sogar ein Grabmal besitzen wollte, zur bleibenden Erinnerung für die Nachkommen,
denen die Reize des Springbergs und des Sternbergs erst durch die
Zerstörungslust einer unverständigen Generation verkümmert wurden.
Die Frage eines Grabmals, die ihn schon früher einmal
vorübergehend beschäftigt haben soll, tauchte von Neuem nach einem Unfall auf,
der sein Leben im Januar 1665 in
[60]
schwere Gefahr brachte. Bei Gelegenheit des
Leichenbegängnisses des friesischen Statthalters Wilhelm Friedrichs, dessen
Gemahlin Albertine Agnes eine jüngere Schwester der Kurfürstin von Brandenburg
war, in Westfriesland anwesend, ritt er eines Tages mit grossem Gefolge in der
Universitätsstadt Franeker über eine Hängebrücke, welche der Last so vieler
Reiter nicht gewachsen war. Sie brach zusammen, und Moritz kam dabei unter den
Knäuel der mit dem Tode des Ertrinkens kämpfenden, wild um sich schlagenden
Rosse. Wie durch ein Wunder wurde er aus dieser grässlichen Lage befreit, aber
ein Zittern seiner Hände, das man auch an seinen späteren Briefen erkennen
kann, verblieb ihm in Folge dessen zeitlebens. Noch heute findet man eine auf
dieses Ereigniss bezügliche Inschrift an einer Hausmauer neben jener noch
vorhandenden Brücke.
Unter dem seelischen Drucke des geschilderten
Erlebnisses erfüllte ihn fortan der Gedanke an seinen Tod und zugleich die
Sorge um eine würdige Bestattung. Als der Kurfürst gegen Ende 1665 nach Cleve
kam, war auch hiervon die Rede. An einem idyllisch gelegenen Punkte des neuen
Thiergartens sollte dem Ruhe bedürftigen "Brasilianer" die
Aufstellung eines Denkmals gestattet sein. So lesen wir in zwei an die
zuständigen Clever Behörden gerichteten Verfügungen Friedrich Wilhelms, die in
der Hauptsache übereinstimmend lauten. Wir citiren das Wesentliche der einen
Verfügung: "Cleve, 23. Sept. 1666. Wir Friedrich Wilhelm etc. Da Uns der
Hochwürdige, Hochgeborene Fürst etc. freundvetterlich zu vernehmen gegeben, wie
dass Seine Liebden ein Begräbniss und Epitaphium auf Dero Kosten in Unserem
Thiergarten allhiero auf dem itzo sogenannten Ruheberg verfertigen und
aufrichten zu lassen gesonnen wären . . . so befehlen Wir in Gnaden, dahin zu
sehen, dass dasselbe Begräbniss und Epitaphium als ein Zierrath desselbigen
Ortes zu seiner Liebden Gedächtniss wolverwahrt stehen bleibe und das Niemand
Wer es auch sei, bei Vermeidung Unserer Ungnade und ernstlicher hoher
Bestrafung, dasselbe zu destruiren, zu zerbrechen, die Ornamente zu schänden,
noch abzuwerfen sich gelüsten lassen oder unterfangen solle."
Der Wortlaut des Rescriptes lässt entnehmen, dass der
Kurfürst die bereits 1663 vollendete Tombe seines Statthalters gekannt hat. Sie
wurde, laut Inschrift, von einem gewissen Hermann Pithan zu Siegen in Eisen
gegossen. Der Zerstörungslust
[61]
der Menschen scheint also Rechnung getragen worden zu
sein. Es muss übrigens dahingestellt bleiben, ob auch dieses Werk zu den
"vielen schönen Sachen" gehörte, welche J. von Kampen bei Gelegenheit
seines Aufenthaltes in Cleve ordonnirte. G. von Velsen bemerkt, dass Moritz
ursprünglich die Absicht gehabt, sich am östlichen Abhange des Prinzenhofes,
also an einer freien Stelle innerhalb der Stadt, von wo er oft genug die
Fernsicht ins Rheinthal genoss, seine Begräbnissstätte bereiten zu lassen. Die
Tombe wurde schliesslich an einem abgelegenen Orte, zu Bergenthal, aufgestellt,
dort, wohin weder das profane Geräusch der städtischen Strassen, noch das
kräftig muntere Plätschern kunstreicher Fontainen drang.
Aufwand und Form der Tombe unseres Helden sind von
echt holländischer Schlichtheit, aber die Wappendekorationen und Inschriften
reden die stolze Sprache des fürstlichen Standesbewusstseins. Im Umfange von 9
½ Fuss Länge, 5 ½ Fuss Breite und 6 ¾ Fuss Höhe erhebt sich dieser einfache,
aus Platten zusammengefügte Behälter auf einem heraustretenden Postamente. An
der Vorderseite sieht man das Johanniterkreuz mit der Inschrift: Qua patet
orbis, am Fussende die vollständigen Wappen des Nassauischen Hauses. An den
Langseiten befinden sich Wappen verschiedener Länder. Sockel nnd Deckel
enthalten zwei lateinische Inschriften, von denen sich die eine lediglich auf
den kurbrandenburgischen Statthalter und preussischen Ordensmeister, die andere
auf den titel- und besitzreichen Fürsten Johann Moritz zu Nassau-Siegen
bezieht. Wir werden dem einfachen Monumente noch unten begegnen.
Bei Menschen, welche reich an Ideen und Projekten
sind, ändert sich mit den Jahren nur zu häufig der Geschmack, und oft kommen
sie im Alter auf früher offenbarte Neigungen zurück. So sehen wir denn, dass
Moritz im letzten Dezennium seines bewegten Lebens seine leidenschaftliche
Vorliebe für den neuen Thiergarten allmählich aufgiebt und für die südliche
Umgebung der Stadt erneutes Interesse gewinnt, und zwar für die stillen
Gefilde, die sich hinter den Freudenthalschen Ländereien ausdehnen. Wir
erfahren, dass sich gerade auf diesem Boden zahl-
[62]
reiche Antiken aus der späten Römerzeit, Sculpturen,
wie eine zierliche Venusstatuette, Gefässe, Münzen und Inschriften, wie ein auf
den Merkur bezüglicher Altarstein, gefunden haben. Und so scheint es fast, als
hätte den Fürsten nicht bloss die friedliche Ruhe der landschaftlichen Natur,
sondern auch sein historisches und antiquarisches Interesse nach Bergenthal
geführt, das man von Cleve auf verschiedenen Wegen, vom Freudenberg aber in
etwa zehn Minuten erreichen kann.
Der Name "Berg und Thal" erklärt den
landschaftlichen Charakter der Gegend. Hier liegt der Papenberg als südlicher
Abschluss des um Cleve befindlichen Höhenzuges, und die Fernsicht von diesem
Punkte wenigstens nach zwei Richtungen hin ist von unbeschreiblichem Zauber.
Natürlich hatte der Fürst auch hier nichts versäumt, um die Hügel- und
Waldpartien in mannigfacher Weise zu verschönern. Alleen, verschlungene
Wandelwege, Brunnen, Grotten und Lauben mit Ruhesitzen wurden von ihm zum
Genuss der Besucher angelegt. In einiger Entfernung, noch im Bereich der Freudenthalschen
Ländereien, hatte er den einst durch seinen Blumenflor und seine tropischen
Gewächse aller Art berühmt gewesenen Königsgarten pflanzen lassen. Schliesslich
baute er sich auch hier ein kleines Wohnhaus auf einer unweit der Landstrasse
gelegenen Anhöhe. Diese Sommerresidenz war ganz einfach, aber bequem
eingerichtet. "Die Mauer war nur einen halben Stein dick und von aussen
mit Brettern bekleidet; die Spitze des Daches zierte ein kleines
Thürmchen" (v. Velsen). Gegenüber seiner Wohnung lag ein Tannenwäldchen;
in diesem liess er nicht bloss anmuthige Spaziergänge schaffen, sondern
inmitten einen hohen Erdhügel, den Spitzberg, aufwerfen, der gleichfalls mit
Tannen bepflanzt wurde, damit sich sein Blick überall an dem malerischen
Wechsel von Berg und Thal erfreuen konnte. Auf dem Papen- d. h. Pfaffenberg
entstand ein kleiner Thiergarten64; später
erbaute Moritz hier eine kleine Kapelle, in welcher der namentlich im
Greisenalter sehr fromme Fürst täglich des Morgens sein Gebet verrichtete und
an Sonn- und Festtagen die Predigten seines Hofgeistlichen anhörte.
[63]
Von Johann Moritz kann man, was Max Rooses, der
geschätzte Antwerpener Kunsthistoriker, von den edelsten Zeitgenossen des
Rubens sagt, mit dem gleichen Rechte behaupten, dass das Christenthum im
Herzen, im Kopfe aber das klassische Heidenthum getragen habe. Es scheint, dass
er selbst Ausgrabungen in der Nachbarschaft seiner Residenz veranlasste, aber
sicher ist, dass man ihm keine grössere Freude bereiten konnte, als ihn mit
einem neuen antiken Funde zu überraschen. Beachtenswerth ist die Nachschrift
eines von ihm am 6. Dezember 1662 von Wesel an den Hofmarschall des Kurfürsten
gerichteten Briefes: "Soeben bringt mir Jemand einliegende Antiquitäten,
welche dem Herrn Marschalk zum Neuen Jahr verehr. Macht mir Freude, dass er von
dergleichen ein Liebhaber ist". Doch Fürst Moritz war nicht
Antiquitätensammler im streng modernen Sinne. Er glich nicht jenen Leuten,
welche die ehrwürdigen Schätze uralter Vergangenheit sorgsam in Kabinetten auf
bewahren und verschliessen. Seine antiquarische Liebhaberei war mehr konkreter
Natur, insofern als der Besitz derartiger Sammlungen für ihn nicht alleiniger
Zweck war. Auch sie sollten zur Verschönerung seiner Anlagen dienen und dadurch
erhöhten Genuss bereiten. Im Zusammenhang mit den Werken der zeitgenössischen
Kunst sollten die ihm heiligen Reste der Antike nur die edelsten Bestandtheile
der Ausschmückung innerhalb Landschaft oder Architektur repräsentiren. Diese
eigenthümliche Idee durfte er noch gegen Ende seines Lebens in Bergenthal
verwirklichen.
Zwischen dem Papenberg und der ehemaligen Poststrasse
nach Xanten liegt ein stilles Waldthal, umgeben von Gräben und allerlei
Strauchwerk. Hier, wo die Nachtigallen lieblicher als anderwärts singen,
zwischen den dunklen schweigsamen Tannen auf einem freien lauschigen Plätzchen
wollte Johann Moritz, der "Brasilianer", inmitten seiner über alles
geschätzten Antiken von den Stürmen seines Lebens ausruhen. So richtete er denn
am 29. November 1677 das folgende Schreiben an seinen kurfürstlichen Herrn:
"Durchlauchtigster Churfürst, gnädigster Herr. Von Deroselben hab
vielfältige hohe Gnade und Ehre empfangen. Der Allerhöchste wolle dessen Alles
ein gnädiger Vergelter sein. Gnädigster Herr, noch bitte Unterthänig um eine
Gnade. Die Tage meines Lebens und Kräfte nehmen merklich ab. Deshalb hab ich
mir eine Hütte in Bergenthal gebaut, um, beliebt es Gott und Eurer Durchlaucht,
darinnen in aller
[64]
Stille die noch übrige kurze Zeit meines Lebens zu endigen,
doch unterdessen meinen Dienst im Rath zu Cleve
wahrnehmen. Erwarte hier aber in aller Unterthänigkeit Ew. Durchlaucht gnädigen
Konsens wegen der Wohnung in Bergenthal, lebenslang. In obgedachtem Ort hab ein
kleines Winkelchen erwählet, allwo meine todten Gebeine zu seiner Zeit könnten
hingelegt werden. Wofern Euere Durchlaucht auch diesem Ersuchen platz geben und
ein williges Belieben tragen, so wär der lebendige und todte Körper viele Jahre
mit einer Ruhestelle versorget. Vor diesem haben Ew. Durchlaucht im Jahre 1666
in Dero hiesigem Thiergarten desgleichen mir gnädigst bewilligt gehabt;
selbiger Ort aber ist zu weit abgelegen . . . Verhoffe Ew. Durchlaucht werden
Alles in Gnaden thun, was allhier Unterthänig vorstellen und bitten thue. Der
Höchste wolle Ew. Durchlaucht bei langem gewünschtem Befinden und Leben
erhalten und den "oppiniatinente" Leuten in Stettin andere Sinne
geben, damit Ew. Durchlaucht bald auf diesem mühseligen verdriesslichen Wesen
mit vollkommenem contentement kommen mögen und zu Berlin Ihre Ruhe finden. Ich
sterbe Ew. Durchlaucht Unterthänigster gehorsamster treuester Knecht J. Moritz
F. zu Nassau".
Unmittelbar auf dieses rührend bescheidene Gesuch des
fürstlichen Mannes, der seit neun Jahren die erste militärische Würde der Niederlande
inne hatte, folgte natürlich die landesherrliche Genehmigung und eine
dementsprechende Instruction an die Behörden zu Cleve. Das kurfürstliche
Rescript lautet in der Hauptsache: "An die Clevische Regierung allein,
ohne den Statthalter. 2./12. Dez. 1677. Da wir unserm L. G. ... Joh. Moritz zu
Nassau u. s. w. auf dessen Ansuchen vergönnt haben, dass Sie Sich in Unserem
sogenannten "Berg und Thal" ein Begräbniss und Epitaphium anstatt
desjenigen, welches Sie vorhin in Unserem Thiergarten verfertiget, auf bauen
lassen mögen. Wenn denn unsere ernste Willensmeinung ist, dass solches zu
Seiner Liebden Gedächtniss wohl verwahret bleibe, also befehlen Wir Euch
hiermit in Gnaden darob festzuhalten, auch allemal die Aufseher und Bedienten
des Bergenthals, wenn sie in Dienst und Pflichten genommen werden, dahin
anzuhalten, dass sie auf solch Begräbniss gut acht haben, damit dasselbe nicht
verderbet, noch durch Jemand etwas davon abgebrochen oder sonst auf welcherlei
Weise geschändet werden möge . . ."
[65]
So entstand die Prinz Moritz-Grabstätte zu
Bergenthal. Sie besteht aus einem künstlich umgrenzten freien Vorplatz.
Derselbe ist durch eine halbkreisförmige hohe Mauer gebildet, durch deren weite
Mittelöffnung man den Hauptplatz betritt. Hier erhebt sich, rings von Bäumen
umgeben, jene oben beschriebene eiserne Tombe. Einst waren die Dekorationen der
durch kräftige Pfeiler gestützten Mauer das Merkwürdigste. Abgesehen von den
Urnen und Krügen auf den Pfeilern, enthielten sämmtliche Mauerflächen antike
Skulpturen, Altäre und Votivsteine, die hier auf Wunsch des Fürsten, zum Theil
ohne jegliche Rücksicht auf die Beschaffenheit dieser Kunstreste, eingelassen
wurden. Bei Jedem, der die Konservirung so seltener Sammlungen als das
wichtigste ansieht, muss diese ureigene Schöpfung des Brasilianers ein gewisses
Kopfschütteln erwecken. Aber Moritz war entzückt, und die Genugthuung, welche
ihm die kostbare Nachbarschaft seines Grabmals verursachte, spiegelt ein
ausführliches Schreiben vom 14. Dezember 1678 an den Kurfürsten. Er
beglückwünscht Friedrich Wilhelm zunächst zur Beendigung des Krieges und zur
Rückkehr in seine Hauptstadt Berlin. Dann entschuldigt er sich, weil er, eben
erst gleichsam vom Tode erstanden, sich noch zu schwach fühle, um eigenhändig
zu schreiben. Endlich kommt er auf das Amphitheater zu sprechen:
". . . Sobald Ew. Churfürstliche Durchlaucht
gnädigste Order, dero Antiquitäten nach Amphitheatersweise einmauern zu lassen,
durch den Herrn X. bekommen, habe solches allsofort an einem bequemen Ort in
Bergenthal in's Werk gerichtet, welches so glücklich von Statten gegangen und
noch vor meiner Krankheit fertig bekommen, dass männiglich insonderheit die
Gelehrten ein grosses contentement darob nehmen. Viele sagen, dass dergleichen
Wahrstück oder Werk zu Rom oder in Frankreich nicht zu finden sei; es sind
Jesuiten ex pressé von Roeremond, Köln, Düsseldorf, Emmerich dieses Werk zu
besehen gekommen und haben selbiges gelobet. Verhoffe, dass zu seiner Zeit Euer
Churfürstliche Durchlaucht ein gnädiges Gefallen selbsten darob schöpfen
werden; damit gleichwohl Ew. Churfürstliche Durchlaucht die Form selbigen
Werkes sehen mögen, so habe durch einen guten Maler es nach dem Leben mit
Farben abmalen lassen und so viel ausgebildet, als möglich gewesen, zugleich
die Auslegung schrifflich dabei gefüget. Werde die erste Gelegenheit, da Jemand
nach Berlin reisen würde, wahrnehmen, um
[66]
selbige Schilderei Ew. Churfürstl. Durchlaucht
Unterthänigst zu senden. Deroselben weitere gnädigste Befehle mit allem Respekt
erwartend, verbleibe bis an mein Ende, Ew. Churfürstl. Durchlaucht u. s.
w." Die Unterschrift ist eigenhändig, sehr zitterig, doch mit dem
obligaten charakteristischen Schnörkel des fürstlichen Namens ausgeführt.
Einige Proben der eingemauerten und anderer
Antiquitäten des Fürsten theilt uns von Buggenhagen in einer Schrift mit. Die
dieser beigefügten Radirungen sind freilich zu mangelhaft in der Zeichnung, um
grösseren Ansprüchen zu genügen. Wir sehen hier u. A. einen Gedächtnissstein
des M. Caelius (Taf. 13), einen Altar des Jupiter Conservator mit drei
Figürchen (Taf. 15), die barbarisch gewandete Statuette des Eumenins Rhetor
(Taf. 16) und ein Dreigötter-Altärchen des Zeus, der Juno und Minerva mit im
Ganzen fünf Figuren (Taf. 19). Eins der werthvollsten Stücke dieser, der
letzten Zeit altrömischer Kultur angehörenden Sammlung, eine Gruppe aus Venus
und Amor bestehend, wurde erst zur Zeit jenes Autors, als Torso, in einem
Gebüsch wiederentdeckt, und es besteht die Vermuthung, dass Fürst Moritz dieses
reizende Skulpturwerk nicht dem Amphitheater einverleibt, sondern inmitten
eines der Bassins des Waldthales aufgestellt hatte.
Uebrigens gehen hinsichtlich des Ortes, an welchem
unser Held thatsächlich nach seinem Tode gebettet wurde, die Ansichten der
Schriftsteller auseinander. Gegen Ende seiner Tage hatte Moritz wiederholt
zwischen Siegen und Bergenthal geschwankt, und frühere Bestimmungen widerrufen.
Driesen verlegt die Begräbnissstätte nach Siegen und hebt ausdrücklich hervor,
dass der Brasilianer im Tode niemals auf clevischem Boden geruht hätte, indem
er sich auf eine Bestimmung vom 24. November 1678 beruft, die einen
entgegengesetzten Wunsch vom 30 September desselben Jahres aufhob. Von Volsen
bemerkt dagegen, dass der Fürst nach seinem Ableben zunächst in jener Tombe beigesetzt
wurde, um indess schon nach einem halben Jahre nach Siegen gebracht und in das
Grabgewölbe des Hauses Nassau-Siegen gelegt zu werden. "Einer im Volke
verbreiteten Sage nach soll das Herz des Prinzen Moritz in einer Urne im
Grabmale bei Cleve zurückbehalten sein". Seine letzte, in Bergenthal
verfasste Willensäusserung vom 10. November 1679 ist aber dem ersteren Autor
entgangen. Sie lautet am
[67]
Schluss: "Auch ist meine letzte Willensmeinung,
dass . . . mein todter Körper, nicht wie wir am 24. November 1678 verordnet
hatten, nach Siegen gebracht, sondern vorerst allhier in Bergenthal in der dazu
verfertigten Tombe mit so wenig Ceremonien als immer möglich beigesetzt werden
solle". Wir haben keinen Grund, zu zweifeln, dass dementsprechend gehandelt
wurde.65
Ja - mit so wenig Ceremonien als immer möglich! Daran
erkennen wir das Blut von dem Blute, das einst den Geist eines Taciturnus
belebte. Wer wie Du die Natur nicht um des gewöhnlichen Genusses, sondern um
ihrer göttlichen Erhabenheit willen, so wahr, so innig, so treu geliebt hat,
der begehrt nicht der Lächerlichkeit der Ceremonien und des gekünstelten lauten
Pompes. Deutscher Fürst, Du bist gestorben, würdig, wie Du gelebt hast, und
jene schöne Volkssage von Deinem in Cleve zurückgebliebenen Herzen bleibt für
Dich ein rührendes Sinnbild von tiefer Bedeutung!
Es erübrigt für uns noch, von dem Schicksal der
Schöpfungen des kurbrandenburgischen Statthalters in und bei Cleve kurz zu
sprechen. Dass der Prinzenhof oder die Statthalterei heute ein Gasthof
vornehmen Ranges ist, wurde schon oben mitgetheilt. Ebenso hat die
Schwanenburg, obgleich sie nach wiederholten Unfällen und Veränderungen
äusserlich wieder in einen guten Zustand versetzt worden ist, ihre dereinstige
Bedeutung längst eingebüsst. Sie dient gegenwärtig als Gerichtshof und
Gefängniss. Auch in der Umgebung des Ortes, auf den bewaldeten Hügeln und in
den anmuthigen Thälern hat die Alles tilgende Zeit noch nicht die Spuren der
gesegneten Thätigkeit des Fürsten Moritz verwischen können. Aber Vieles, und
leider das Schönste, wie jener Königsgarten, ist für immer hin. Von der
heutigen Nassauer Allee wird ein erheblicher Theil auf die ursprüngliche
Pflanzung zurückgeführt. Andere Alleen sind während der Kriegsstürme der beiden
letzten Jahrhunderte ge-
[68]
fällt worden. Die Mehrzahl der ehemaligen Wandelwege,
desgleichen die von den Gipfeln der Hügel zu Aussichtszwecken durch das
Walddickicht sternförmig gelegten Durchblicke sind durch Gestrüpp und Unkraut
überwuchert.
Nur von einigen wenigen Partien der reizenden
Umgebung der Stadt lässt sich wirklich behaupten, dass neues Leben aus den
Ruinen erblüht ist. Das gilt vorzugsweise von jenem Theile des neuen
Thiergartens, der den heutigen Kurort Cleve bildet. Das Erste, was hier dem
Besucher auffällt, ist die hübsche gärtnerische Anlage am Springberg. Oben von
dessen Höhe geniesst man noch immer die wunderbare Fernsicht über den
geradlinig ausgestreckten Kanal nach dem Eltener Berge. In der Nähe aber hat
sich Alles verändert. Schon König Friedrich I. machte damit in den Jahren 1711
und 1712 den Anfang, als er auf der obersten Terrasse des Abhangs die oben
erwähnte halbcirkelförmige Halle erbauen liess, die hinten geschlossen war,
nach dem Amphitheater sich aber in rundbogigen Arkaden öffnete. Die Mitte der
Halle bildete ein achteckiger, kuppelgekrönter Pavillon von 25 Fuss
Durchmesser, und die Front des Ganzen erhielt durch ein unverkröpftes Gebälk
und jonische Pilasterstellungen ihr klassisches architektonisches Gepräge. In dieser
Verfassung verblieb diese Schöpfung im neuen Thiergarten bis gegen Ende des
vorigen Jahrhunderts, bis zur französischen Invasion des Jahres 1794.
Damals fiel nicht bloss das edle Damwild des
Thiergartens durch Musketenschüsse, sondern die mit dem heimischen Pöbel
einverstandenen französischen Revolutionäre gingen noch weiter. In ihrem
Drange, Alles zu egalisieren und auch den alten Stadtwald von den fürstlichen
Fesseln zu befreien, schickte sich diese Barbarenhorde rasch zur
Wiederherstellung der einstigen Wildniss an. Sie fällte verschiedene Alleen,
zertrat und zerstampfte die Spazierwege und Blumenanlagen, entfernte die Röhren
der Wasserkunst und zerschlug endlich sämmtliche Grotten und Skulpturen an den
Fontainen - natürlich vor allen Dingen den "Eisernen Mann", dieses
Denkmal des Feudalismus‘. Damit war dem stolzen Recht der Freiheit Genüge
geschehen! Bei der Minerva des Quellinus scheint aber der Zweck des süssen
Pöbels glücklicherweise nicht ganz erreicht worden zu sein; das kreisrunde
grosse Wasserbecken rettete die Statue, mit der sich die
[69]
Freigebigkeit Amsterdams ein Wahrzeichen auf
deutschem Boden setzte, vor völliger Vernichtung.
Auch jener jonische Hallenbau war seitdem eine Ruine
und wurde im Jahre 1827 abgetragen. Schon aber liess König Friedrich Wilhelm
III. eine freilich nur primitive Wiederherstellung der Springberganlage
beginnen. Die Minerva, welche Helm und Speer samt dem rechten Arme und ihr
Attribut, die Eule, welche einen Flügel eingebüsst, wurden "von einem
Sachkundigen, jedoch nicht meisterhaft" restauriert. Von Velsen hat recht
– nicht meisterhaft. Er hätte dreist stümperhaft sagen dürfen. Namentlich
schädigt der viel zu schwächlich gerathene Arm mit dem ausdruckslosen Griff der
rechten Hand ganz empfindlich die Wirkung dieser feinsinnigen niederländischen
Leistung; auch glaube ich nicht, dass der Helm ursprünglich einen solchen
grossen unhellenischen Federbusch besessen hat. Hoffentlich nimmt sich die
preussische Regierung auch einmal noch dieser alten Kunstschöpfung an. Zur Erinnerung
an den Hallenbau des ersten Hohenzollernkönigs wurde an der Stelle des
mittleren Pavillons in neuester Zeit ein kleiner offener jouischer Rundtempel
mit einer weiblichen Statue darin errichtet. Ganz oben, auf der Spitze des
Berges, erhebt sich endlich, zugleich als Point de Vue, der mit einem Adler
gekrönte Obelisk des clevischen Kriegerdenkmals für 1870/71.
Und nun das idyllische Bergenthal. Hier waren es
schon im Jahre 1702 französische Hände, die das halbrunde Gemäuer mit den
Antiken und den Urnenaufsätzen beschädigten. Ueber den Sachverhalt wurden
genaue Beschreibungen und Gutachten amtlicherseits veranlasst, die, samt den
hierauf bezüglichen königlichen Rescripten und einer plumpen Skizze, im
Berliner Staatsarchiv aufbewahrt werden. Der bekannte Alterthumsforscher L.
Beger machte in seinem Gutachten vom 13. Dezember 1702 den Vorschlag, die
besten der noch erhaltenen Stücke in die Berliner Antiquitätenkammer
überzuführen und Cleve durch Kopien zu entschädigen. Das geschah freilich
nicht. Die Folge war, dass die von verschiedenen Autoren gewürdigten Skulpturen
und Inschriften im Laufe des 18. Jahrhunderts ihrem Untergang entgegengingen.
Da veranlasste der Kammerpräsident von Buggenhagen endlich im Jahre 1792 ihre
Ueberführung in den Rittersaal der Schwanenburg, von wo sie später in das
Kabinet rheinischer Alterthümer der Bonner Universität gelangten. Da-
[70]
gegen lief damals die eiserne Tombe des Fürsten
Moritz ernstlich Gefahr beseitigt und vernichtet zu werden. So verlangte es der
Eifer der französischen Republikatier.
Glücklicherweise wurde dieses Unheil von dem
Monumente abgewendet. Ja, zur Ehre des französischen Namens muss hervorgehoben
werden, dass es zur Zeit des Empire ein Unterpräfekt Namens Gruat war, der sich
sowohl der am Fundament und Sockel schwer beschädigten Tombe, wie auch des
ganzen Umgebung des Moritzgrabes liebevoll annahm. Mit seiner Genehmigung wurde
ferner im Sommer 1811 an dieser denkwürdigen Stätte eine Erinnerungsfeier zu
Ehren des Brasilianers veranstaltet und den Manen des erlauchten Mannes ein
Denkstein gesetzt, der jenen französischen Beamten, ungeachtet einer dem
grossen Kurfürsten von Brandenburg gleichzeitig zugefügten verschleierten
Herabsetzung, nicht minder ehrt, als den rastlosesten und kunstsinnigsten
Statthalter Friedrich Wilhelms. Die lateinische Inschrift des Denksteins in der
Nähe der Tombe lautet zu deutsch:
Denkmal des Moritz von Nassau.
Zum Andenken
Des Joh. Wilhelm (!) Moritz von Nassau-Siegen,
Des Mannes von fürstlicher (?) Geburt,
Zum Statthalter über Cleve
Von Friedrich Wilhelm, Markgr. von Brandenburg
gesetzt - haben
Die Bürger von Cleve und der Magistrat
Das Grabdenkmal des
Im J. 1679 gestorbenen und um sie hoch verdienten,
Der die inneren Wege der Stadt hat pflastern
Die äussern mit schattigen Baumpflanzungen hat
umgeben lassen,
Aus der Zerstörung der Zeit wieder aufgerichtet
Im Jahre 1811
Im VII. Regierungsjahr Napoleons.
Montalivet, Minister des Innern. Baron Ladoucette,
Präfect
des Ruhr-Departements. E. N. Gruat, Stellvertr.
Unterpräfect zu Cleve. Schacht, Bürgermeister.
III. Der Kunstunterricht am Hofe des
Grossen Kurfürsten.
Brandenburg hat niemals zu den von den Musen
begünstigten Ländern gehört. Und deutlicher als andere Gebiete des
schöngeistigen Schaffens trug hier die bildende Kunst die Signatur des
Verpflanzten. Sie schien den Bewohnern nicht bluts- sondern höchstens
adoptivverwandt.
Man muss die ursprünglichen Verhältnisse der
märkischen Erde kennen, um zu begreifen, dass dieser Boden mit seinen
spärlichen Reizen und Gaben seine unverwöhnten Söhne zu weit dringenderen
Aufgaben als zur anmuthigen Phantasiethätigkeit erzog. Doch nachdem der Märker
Dank den Hohenzollern, die Erfolge einer langen mühseligen Laufbahn gesichert
wusste, begann er sich für ideale Fragen, selbst für die Künste zu
interessiren, um somit auch darin dem Vorbild Hollands zu folgen, das erst in
die Reihe der Kunstländer trat, nachdem es analoge Aufgaben erfüllt hatte wie
Brandenburg unter seinen Markgrafen und Kurfürsten. Diese allein schritten in
der Bethätigung idealer Interessen ihren Unterthanen weit voran. Joachim I. und
noch mehr Joachim III. (1535-1571) sind echte Renaissancefürsten gewesen. Von
letzterem bemerkt schon der alte Lokalhistoriker König: "Er liess in der
Fremde künstliche Sachen verfertigen und sandte Leute aus, die ihm Seltenheiten
und merkwürdige Dinge ankaufen mussten" Indess wurden der Ent-
[72]
faltung der Kunst durch die rein persönliche
Förderung dieser und der folgenden Fürsten, so enge Grenzen gezogen, dass
damals nicht einmal von einem bemerkenswerthen lokalen Kunstleben irgendwo in
der Mark die Rede sein konnte.
Erst seit den Tagen des Gr. Kurfürsten änderten sich
diese Verhältnisse. Wie Friedrich Wilhelm als der Begründer des
brandenburgisch-preussischen Staates gilt, wie durch ihn das politische Leben
unseres Vaterlandes auf ein stattliches Postament gehoben wurde, so hat er auch
dem Kunstleben in Brandenburg eine der Neuzeit entsprechende Basis gegeben. Es
ist hinlänglich bekannt, was er für die Bildung des Geschmacks durch Anstellung
tüchtiger und betriebsamer Künstler that und wie er durch zahlreiche
künstlerische Werke und Anschaffungen die Nacheiferung wohlhabender Leute
anregte. Minder allgemein bekannt aber ist seine, auf den künstlerischen
Nachwuchs im Lande und auf die Erhaltung des Kunstsinnes in seiner eigenen
Familie gerichtete eifrige Fürsorge, von der er bis zuletzt erfüllt war.
Talentirte, ihm empfohlene junge Leute liess er, wie schon F. Nicolai
hervorhebt, im Ausland bei berühmten Meistern studiren, fähigen älteren
Künstlern und Technikern aus seiner Umgebung gewährte er die Mittel, ihre
Kenntnisse und Erfahrungen im Auslande zu erweitern. Und wie er sich auch darin
als ein wahrer Landesvater erwies, so sah er andererseits als Familienhaupt
ernstlich darauf, dass bei den Prinzen von Jugend auf, idealer Sinn und
Kunstliebe, besonders durch andauernde Zeichenübungen, gepflegt wurden.
In diesen schönen Bestrebungen steht der Grosse
Kurfürst indess nicht ganz ohne Zusammenhang mit seinem Vorgänger Georg
Wilhelm, dessen Gemahlin Elisabeth Charlotte bekanntlich aus dem kunstsinnigen
pfälzischen Kurhause stammte. Wie mit einem dichten Nebel, den kein
freundlicher Lichtstrahl zu durchdringen vermag, so umgiebt das abfällige
Urtheil der Nachwelt die historische Gestalt Georg Wilhelms. Und doch sollten
ihm, ungeachtet seiner politischen und sonstigen Sünden, als Menschen und Vater
unsere Sympathien nicht vorenthalten bleiben. Denn aus den Geschichtsquellen
ersehen wir, welche Sorgfalt der lange Zeit kränkelnde Fürst auf die Erziehung
seines einzigen Sohnes, des Kurprinzen, verwenden liess. Sie wurde nach seinen
Instruktionen zu Küstrin, wie später in Holland, von Johann Friedrich von
Leuchtmar, einem energischen, fein gebildeten Edel-
[73]
mann aus dem Herzogthum Berg, geleitet. Leuchtmar, der
eigentlich "von Kalkun" hiess, stand der Praeceptor Jacob Müller zur
Seite.
Zu den Lehrgegenständen des kurprinzlichen
Unterrichts gehörte in Küstrin auch das Zeichnen.66
Und gerade diese Beschäftigung scheint dem damals 8jährigen Knaben grosses
Vergnügen bereitet zu haben. Denn Leuchtmar konnte im Dezember 1628 an den Hof
berichten, dass der Prinz zum Malen viel Lust verrathe und sich fleissig darin
übe; in anderen Studiis aber, so musste er wahrheitsgemäss hinzufügen, gehe es
trotz aller Mühe nur langsam. Wie natürlich für einen phantasiereichen Knaben
die Schwierigkeit des mechanischen Lernens! Solchem Kinde fehlt noch der feste
Wille, den Geist so zu concentriren, dass es gleichen Schritt halten kann mit
der Verstandesthätigkeit anderer Knaben, die nicht durch das Gaukelspiel reger
Phantasie abgelenkt werden. Erst wenn sich mit den Jahren dieser feste Wille
einstellt, dann entwickeln sich, wie von Raumer richtig bemerkt, aus den
langsam lernenden Köpfen oft die begabtesten Männer". "Die Liebe zu
den zeichnenden Künsten aber hat den grossen Kurfürsten durch das ganze Leben
begleitet".
Und dass Georg Wilhelm auch seines Sohnes
frühentstandene Neigung für Antiquitäten gern unterstützte, erkennen wir
daraus, dass er ihm kurze Zeit nach der Ankunft im Universitätsort Leyden, als
Erwiderung auf ein Geschenk, welches in einigen indischen u. a. Curiositäten
bestand, ein Kästchen mit seltenen Denkmünzen verehrte, das indess bei Rathenow
von schwedischen Reitern erbeutet wurde. Ferner suchte er das für die
militärischen Studien seines Sohnes sehr wichtige geometrische Zeichnen dadurch
zu fördern, dass er sich den Luxus nicht versagte, ihm die subtilsten
mechanischen Instrumente in Leyden kaufen zu lassen. Folgende Stücke sollte der
clevische Rentmeister Lucas Blaspiel für den Kurprinzen auswählen rbsp.
bestellen: "1) Einen ganzen Cirkel von Messing mit Stab und Zubehör,
darauf auch eine Scala gerissen ist, um jede Höhe, Breite und Weite zu messen,
und ein Futteral oder Custodi, dazu 2) Einen stählernen Handcirkel, daran der
eine Fuss getheilet und mit einem subtilen Schräubchen kann gerücket werden, 3)
Einen Handcirkel, daran beide Füsse ganz, und 4) Ein Paar
[74]
Reissfedern von Messing, einen Quadranten zum
Schiessen und Werfen aus dem Mörser".
Aus alledem geht hervor, dass schon der grosse
Kurfürst in trüber Jugendzeit die Wohlthaten des zeichnerischen und technischen
Unterrichts erfahren hatte und dass er in der ihm selbst einst gewiesenen Bahn
nur fortgeschritten ist, als er die Erziehung seiner prinzlichen Kinder in
künstlerischer Richtung so vervollständigen liess, dass Geist und Phantasie
eine harmonische Bildung erfuhren. Sie sollten dadurch - so wünschte er
zweifellos - nicht etwa blos ihrem hoben Stande einen idealen Schimmer verleihen,
sondern sich selbst eine Quelle feinsten Lebensgenusses begründen und anderen
Fürsten, Welchen gesegneteren Ländern diese auch angehörten, in den
Aeusserungen und Ansprüchen ihres ästhetischen Geschmacks nicht nachstehen. Wie
sehr ist dieser Wunsch durch König Friedrich I., der uns in den folgenden
Zeilen als lernender Prinz interessiren wird, in Erfüllung gegangen!
Von seiner ersten Gemahlin Louise Henriette,
Prinzessin von Oranien, hatte der Kurfürst mehrere Söhne, von denen die Prinzen
Wilhelm Heinrich und Heinrich im frühesten Kindesalter starben. Kein Wunder,
dass auf die Pflege des darauffolgenden Prinzen Karl Aemil, welcher 1655
geboren wurde, und seines zwei Jahre jüngeren Bruders Friedrich das höchste
Mass von Sorgfalt verwendet wurde. Und dies war um so mehr nöthig, als beide
Knaben gleich ihrer zarten Mutter, die im Alter von 39 Jahren starb, eine
schwächliche Constitution besassen. Der Jüngere war noch dazu schiefen Wuchses
und musste während eines Aufenthalts des Hofes zu Cleve (1665/6) in die
Behandlung eines Utrechter Chirurgen gegeben werden, der den kleinen Körper des
Prinzen in ein förmliches Gerüst presste. Unter diesen Umständen war es für
Erzieher und Lehrer schwierig, den vorgeschriebenen Lehrplan stets streng inne
zu halten.
Der Kurfürst hatte die Leitung der Erziehung keinem
unbedeutenderen Manne als seinem bisherigen Hofmeister Otto von Schwerin, den
die Geschichte den Aelteren nennt, über-
[75]
tragen. Dieser, als kurbrandenburgischer
Premierminister und Oberpräsident rühmlichst bekannte Edelmann, dessen
Namenszug sich unter einer Reihe wichtiger kurfürstlicher Rescripte und
vortrefflicher Verfügungen findet, nahm sich, obwohl er selbst Kinder besass,
des ihm anvertrauten Erziehungsamtes, das sich zunächst blos auf den Kurerben,
nach einiger Zeit aber auf beide Prinzen erstreckte, mit hohem Ernst und
freudigem Eifer an. Und letzterer war so gross, dass Schwerin über den Verlauf
seiner pädagogischen Thätigkeit auf das Genaueste berichtete. Diese Tag um Tag
niedergeschriebenen Berichte liegen in jenem zwei Foliobände umfassenden
Erziehungs-Journal des Geh. Staatsarchivs zu Berlin vor. Das Journal, die
Hauptquelle für unsere Betrachtungen, ist nicht allein eins der wichtigsten
Dokumente, die von Prinzenerziehung handeln; es enthält auch eine Fülle
kulturhistorisch interessanter Bemerkungen über Begebenheiten des
Brandenbnrgisch-Preussischen Hoflebens aus dem allerdings nur kurzen
Zeitabschnitt von 1663 bis ca. 1672.
Das Journal beginnt am 1. Januar 1663. Schwerin
äussert sich zunächst in einem Vorwort über seine Erziehungsmethode, wie sie
bei dem damals 8 jährigen Kurprinzen in Anwendung gebracht wurde. Niemand wird
ihr das Lob, das sie nach rationellen Gesichtspunkten aufgestellt ist,
vorenthalten. Schwerin schreibt: "Der Anfang zum Studiren ist auf diese
Art gemachet. Um 6 Uhr habe ich den Prinzen gewöhnet willig und ohne Verdruss
aufzustehen. Darauf allsofort geschwind kleiden lassen. Nach Ende solcher
Kleidung habe ich Ihn alle Zeit suchen zum Sprechen zu bringen, und deshalb das
Eine und Andere erzählet. Hiernach habe ich nebst dem Prinzen sofort das Gebet
knieend gethan . . . Um 7 Uhr hat Monsieur Stophani den Anfang mit dem
Instituiren gemachet, erstlich mit Lesen, da der Prinz noch nicht recht
buchstabiren können; hernach Vokabeln und kleine Fragen aus dem Katechismus
beigebracht, dann wieder etwas lesen lassen und dann in der Charte von Europa
unterwiesen. Nach 9 ist der Prinz im Schreiben unterrichtet, und darauf bis
Essen im Tanzen. Nach Essen ist dem Prinzen bis 2 Uhr zu spielen vergönnet,
worin ihm alle Zeit sein freier Wille gelassen, jedoch habe ich allemal dahin
gesehen, dass Er auch zugleich solche Spiele gethan, dabei Er zugleich etwas
lernen und so wohl das Ingenium als auch den Leib exerziren können...
[76]
Von 2 bis 3 schreibt der Prinz wiederum, hernach
studiret der Prinz Vorgedachtes bis 4, halb 5 oder gar bis 5 . . . Um halb 9
aber aufs späteste bringe ich den Prinzen nach gehaltenem Gebet zu Bette."
Weder von Musik noch von zeichnerischer Uebung ist
also zunächst die Rede, dagegen wird dem Tanzunterricht von Anbeginn ein ganz
besonderer Spielraum gelassen. Doch tritt sehr bald auch die ersterwähnte
Kunstübung in den Lehrplan. Der Kurprinz erlernt das Flötespiel und giebt sich
ihm eifrig hin, da desselben in der Folgezeit mehrere Male in der Woche
Erwähnung geschieht. Wer diesen Unterricht ertheilte, wird leider an keiner
Stelle des Journals mitgetheilt. Dieser Umstand und gewisse Bemerkungen, wie:
"Der Musikant heute nicht gekommen", scheinen mir darauf hinzudeuten,
dass der Lehrer kein namhafter Künstler war. Sicherlich darf man ihn unter den
Mitgliedern der kleinen Hofkapelle des Kurfürsten suchen. In dieser wirkte auch
ein gewisser Ambrosius Schärle, von dem wir aus dem Budget für den Hofstaat
lediglich die Höhe seines nicht gerade beträchtlichen Einkommens erfahren.
Schärle wurde Anfang der siebenziger Jahre entlassen. Doch da sich der Kurfürst
für sein Fortkommen noch weiter interessirte, so nehme ich an, dass dieser
Musikus eine besondere Stellung bei Hofe eingenommen hatte. Unter den Hamburger
Aktenstücken des geheimen Staatsarchivs aus der Regierungszeit Friedrich
Wilhelms fand ich zufällig ein Kurfürstliches Rescript, das, unterzeichnet von
dem Erzieher der Prinzen O. v. Schwerin, an den kurbrandenburgiseben Residenten
in Hamburg, Otto von Guericke gerichtet ist (Dat. Köln a/d. Spree 30 April
1671). Das Schriftstück lautet:
"Friedrich Wilhelm Churfürst. Unsern gnädigen
Gruss zuvor. Vester Raht und Lieber Getreuer. Aus dem Einschluss ersehet ihr,
Was gestalt Ambrosius Schärle, Musicus, sich in Hamburg nieder Zu lassen, und
alda bey dem Magistrat Dienste zu suchen gesonnen, auch deshalb unsere
gnädigste Vorschrift unterthänigst gebeten. Ob wir nun wol desfals selbst an
den Magistrat zu schreiben bedenken tragen, So möchten wir doch gleichwol Ihm
sein glück gerne gönnen, und in seiner Intention befordert sehen, Zu mahlen er
Uns hier Bevor vor einen Cammer Musicant an die zehn Jahr unterthänigst
aufgewartet, befehlen auch demnach hiermit in Gnaden, euch dahin zu be-
[77]
mühen, dass Ihm sein Desiderium bey dem gedachten
Magistrat Zu wege bringet, damit er daselbst zu einem Dienst gelangen möge. Und
etc."
Die Entlassung Schärle's fällt in die Zeit, da der
Kurprinz sein 16. Lebensjahr eben überschritten und daher der Jugendunterricht
Karl Aemils sein Ende erreicht hatte. Also nehme ich an, dass der eine Umstand
mit dem anderen unmittelbar zusammenhing. Es würde in der That die
ausserordentliche Form der kurfürstlichen Empfehlung des Musikers bei dem
Hamburger Magistrat nur völlig verständlich sein, falls sich der so
angelegentlichst Empfohlene durch langjährigen Unterricht der Prinzen bei Hofe
beliebt und verdient gemacht hatte. Was wir Bestimmtes aus dem Schwerin'schen
Journal erfahren, ist blos, dass der Kurprinz bis 1667 Flöte spielte und diese
dann mit einem Streichinstrument, der Viola di Gamba, vertauschte, während
Prinz Friedrich, nachdem er einige Zeit das Flötenspiel betrieben und mit
seinem Bruder Duette geübt hatte, Unterricht auf dem Clavikord erhielt. Karl Aemil
übte in manchen Monaten täglich zwei Mal, so dass man bei der Lectüre jener
Aufzeichnungen zuweilen fast den Eindruck empfängt, als lese man das Tagebuch
eines angehenden jungen fürstlichen Musikers.
Zu anderen Zeiten, wenn die Musik mehr in den
Hintergrund der täglichen Beschäftigung trat, nahm dafür der Zeichenunterricht
an Bedeutung zu.
An diesem Unterricht, der im Jahre 1664 begann, war
anfänglich allein der Kurprinz Karl Aemil beteiligt. Erster Lehrer war der
Holländer Johann Gregor Memhard, der am 12. März 1650 als kurfürstlicher
Ingenieur und Baumeister nach Berlin gekommen war und sich in seinen
Obliegenheiten die grössten Verdienste erwarb. Grade um jene Zeit galt seine
Hauptwirksamkeit der Befestigung der Residenz, und es erscheint daher begreiflich,
wenn der Lehrer bemüht war, dem kleinen Prinzen, neben dem Freihandzeichnen,
schon die ersten Elemente des Festungsbaues beizubringen. So heisst es am 25.
November 1664 im Schwerinschen Journal: "Herr Memmart in der Fortifikation
unterrichtet". Gezeichnet oder "gerissen" – wie es nach
damaligem Sprach-
[78]
gebrauch ebenso häufig lautet - wurde wöchentlich
zwei Mal; zuweilen hinderten indess die umfangreichen anderweitigen
Berufsarbeiten den holländischen Baumeister an der regelmässigen Erteilung der
Lectionen. Dann liest man im Journal z. B.: "Herr Memmart
ausgeblieben", oder wenn die Uebung vorzeitig abgebrochen werden musste,
steht vermerkt: "Umb 9 mit Herrn Memmart etwas gezeichnet", Umb 2 mit
Herrn Memmart etwas gerissen". Man ersieht aus diesen Notizen nebenbei
auch, dass damals eine bestimmte Tagesstunde für das Zeichnen noch nicht
fixiert war. Erst später, als jüngere, anderweitig minder in Anspruch genommene
Kräfte für den technischen Unterricht bei Hofe herangezogen wurden, setzte der
prinzliche Lectionsplan für diese Uebungen ein für alle Male die
Nachmittagszeit von 2 Uhr ab fest. Und wenn, aus irgend welcher Veranlassung,
kein Lehrer zur Stelle war, so erhielt ein geeigneter Kammerjunker den Befehl,
die Zeichenübung zu beaufsichtigen. Alsdann meldet das Journal z. B.: "Umb
2 mit Mons. Podewils gezeichnet".
Den ersten Lehrerwechsel für das Zeichnen brachte die
im November 1665 stattgefundene Uebersiedelung des Hoflagers nach Cleve mit
sich. Es scheint, dass der unter Memhard in Berlin thätig gewesene, junge
märkische Architect und Ingenieur Joachim Ernst Blesendorf, der 1640 zu
Zielenzig geboren wurde, gleichzeitig die Reise nach dem Niederrhein gemacht
hatte. Schon am 7. November berichtet das Journal: "Nach Essen seindt die
sämmtlichen Clevischen Rähte gekommen und haben den Prinzen Gratulieret, dann
der Churprinz selbst geantwortet, um 2 hat der Churprinz gezeichnet". Der
Unterricht bei Blesendorf dauerte aber nur wenige Monate, unterm 16. März 1666
lesen wir im Journal: "Umb 2 hat der Chur Printz mit Wulfgrüber, weil
Blesendorff weggereiset, gezeichnet".
Der neue künstlerische Ersatzmann war ein, nach F.
Nicolai, aus Cleve gebürtiger junger Maler, den der Kurfürst zur Ausbildung
nach Holland und Belgien gesandt hatte. Darüber sind wir durch verschiedene
interessante Urkunden des Geheimen Staatsarchivs auf das Ausführlichste
unterrichtet. Am 25. Februar 1661 gelangt das folgende, von O. von Schwerin
unterzeichnete Rescript an den in Amsterdam residirenden brandenburgischen Rath
und Agenten Matthias Dögen: "Friedrich Wilhelm Churfürst. U. G. G. Z. Rat
und lieber getreuer. Nachdem wir gnädigst resolviert haben, Unseren Unterthan
Georg Wolfgrübel in der
[79]
Mahlerkunst und Architectura, alss worzu Er von natur
incliniret, unterrichten zu lassen, und Zu dem ende nacher Ambsterdam Zu
verschicken. Alss befehlen wir Dir hiermit in gnaden, dass Du demselben anitzo
bei Deiner abreise mitnehmen und bei den besten Meister in Ambsterdam nicht
allein recommendiren, sondern auch so wol wegen der information als unterhalts
vorerst auff ein Jahrlang verdingen, auch die noturfft deshalb ausslegen und
uns solches in Rechnung bringen wollest, unterdessen ehestens unterthänigsten
berichten, wie Hoch sich alles auff ein Jahr belauffen werde. Etc . . ."
Zwei Jahre darauf (1663) sieht sich der fürsorgliche
Kurfürst veranlasst, aus Königsberg an dieselbe Adresse eine Mahnung betreffs
weiterer Unterstützung des jungen Malers zu senden. Er lässt Matthias Dögen in
Amsterdam folgendes Rescript zugehen: "Friedrich Wilhelm Kurfürst. U. g.
g. Z. Raht und Lieber getreuer. Nachdem Wir vernehmen, dass Du schwierigkeit
machen sollest, Hanss Georgs Wolffgrübels, den Wir zu Ambsterdam die Mahler
Kunst lehren lassen, die Mittel zu seiner ferneren Unterhaltung zu reichen, Und
aber Unsere meinung ist, dass er von nun an, noch ein Jahr und also inssgesambt
3 jahr die Kunst recht Zu erlernen alda verbleiben und unterhalten werden
solle. Alss ergehet Unser gnädigster Befehl an Dich, ihm, Wolfgrübern, ferner
die nohtturfft abfolgen und Dich von ihm quittiren Zu lassen. Etc . . ."
Auch das dritte Jahr ging vorüber, und der Kurfürst
überzeugte sich, dass für die Ausbildung des jungen Mannes noch mehr gethan
werden müsse. Deshalb wandte er sich an seinen clevischen Statthalter Johann
Moritz von Nassau, der ein geschätzter Kunstfreund war und sich in damaligen
niederländischen Kunstkreisen grosser Beliebtheit erfreute. Das kurfürstliche
Schreiben lautet: "Hochwürdiger, Hochgeborener Fürst, Freundlich lieber
Vetter. Ew. Liebden. geben wir hiermit freundt-Vetterlich Zu vernehmen, welcher
gestalt Wir eine Zeitlang Hanss Jürge Wolffgrübel Zu Amsterdam in der Mahler
Kunst unterrichten lassen, Weil sich nun derselbe sehr fleissig erwiesen, wir
auch die Hoffnung haben, dass er in dieser Kunst dermaleinst Zu unserm
gnädigstem contento bestehen wirdt, Und demnach entschlossen sein, ihn noch
eine Zeit lang bey erfahrenen Meistern Zu Antwerpen unterrichten zu lassen, So
gesinnen Wir an Ew. Liebden hiermit freundt Vetterlich, Sie wollen diesen
[80]
Wolffgrübel so bald er sich bey Deroselben anmelden
wird, behülflich sein, dass er nicht allein dahin gelangen und von Ew. Liebden
an die Jenige Meister, so Ew. Liebden er benennen wird, auf's beste
recommendiret werden möge, besonders ihm auch alle Viertel Jahr so viel
nachgeschicket werde, alss zu seinem ausskommen er benötiget sein wird, Gestalt
wir dan auch an Unsern General Wachtmeister den Freiherrn von Spaen gnädigst
befehlen, Ew. Liebden hierin an die Hand Zu gehen. Etc. Köln a. d. Spree 2
Februar 1664. An Printz Mauritzens Fürstliche gnaden".
Und gleichzeitig empfing genannter
Generalwachtmeister den folgenden Befehl: "Frd. Wilh. Churf. U. g. g. Z.
Wolgeborener Raht, Lieber getreuer. Nachdem wir eine Zeit lang Hanss Jürgen
Wolffgrübel zu Ambsterdam in der Mahler Kunst unterrichten lassen, und mit
seinem bisshero verspürten Fleiss gnädigst woll Zufrieden sein, auch die
Hofhung haben, dass er Künfftig sich in dieser Kunst genugsam perfectioniren
wird, Und demnach entschlossen sein, ihn noch eine Zeitlang bey erfahrenen
Meistern zu Antwerpen unterrichten zu lassen, So haben wir bey Unseres
Clevischen Statthalters Printz Mauritzens Liebden die Vorsehung gethan, damit
ihm so lange alss wir ihn daselbst halten wollen, die nöthigen mittel dazu
quartaliter mögen nachgeschicket werden, Und wollen Zugleich auch Euch hiemit
gnädigst befohlen haben, Ihre Liebden darin auf Begehren Zu assistiren und es
dahin zu richten, damit diesem Wolffgrübel an solchen mitteln es niemalss
ermangeln und er dadurch an seinem Fleiss behindert werden möge. Und etc. Cöln
a. d. Spree 2. Februar 1664. An den General-Wachtmeister Freiherrn von
Spaen".
Wolfgrüber ging indess nicht nach Antwerpen, sondern
- vielleicht auf Vorschlag des Fürsten Moritz von Nassau - in die Werkstatt des
bekannten Rubensschülers Theodor van Thulden, der damals wieder in seinem
nordbrabantischen Geburtsort Herzogenbusch lebte. Dieser Meister gehörte mit zu
den Malerdekorateuren des Oraniensaales im "Haus im Busch"; und
später hat sich auch der Grosse Kurfürst seiner Hand zur Ausschmückung des
Marmorsaales im Potsdamer Stadtschlosse bedient. Sein Name erinnert uns
ausserdem an einen gewissen H. G. van Thulden aus Herzogenbusch, der zur selben
Zeit wie Friedrich Wilhelm in Leyden studirte und nach dem Album Studiosorum,
am 6. April 1635 an der dortigen Universität inscribirt wurde. Auf dessen
muthmasslichen Verwandten, den
[81]
Maler, bezieht sich nun ein im Geheimen Staatsarchiv
bewahrtes Koncept zu einem kurfürstlichen Schreiben. Am Rande des Papiers steht
zwar bemerkt: "Dieses schreiben ist von S. Churfl. Durchlaucht nicht
abgegangen, sondern nahmens des Herrn Ober-Präsid. (Schwerins) auf solche
Massen an den Mahler geschrieben worden". Doch scheint mir der Inhalt
dieser Zeilen so wichtig zur Beurtheilung des Verhältnisses Friedrich Wilhelms
zur Bildenden Kunst, dass ich mir die wortgetreue Wiedergabe des Schriftstückes
nicht versagen kann:
"An Theodorum van Thülden, Kunst Mahlern zum
Hertzogenbusch".
,Friedrich Wilhelm Churfürst. U. G. G. Z. Lieber
Besonder. Nachdem Wir al Zeit ein sonderbares gefallen an Euer Kunst getragen,
So haben Wir Johan Christoff Wolffgrübeln, welchen wir bisshero in Amsterdam
lernen lassen, sich eine Zeitlang bey euch aufzuhalten und sich in der mahler
Kunst fleissig Zu üben, Befohlen, Und gesinnen demnach an Euch in gnaden, dass
Ihr diesen Menschen Euch aufs beste recommendiret sein lassen wollet, ihn in
der Kunst fleissig unterrichtet, damit er darin zur perfection kommen möge,
Solches wird Euch zu grossem Ruhm gereichen, Und wir seind es in gnaden Zu erkennen
geneigt. Cöln a. d. Spree 14. Juni 1664."
Dasselbe Datum trägt ein zweites Schreiben ohne
Adresse, die sich indess leicht als diejenige des Freihern von Spaan zu Cleve
ergänzen lässt. Es lautet: "Friedrich Wilhelm Churfürst. U. g. g. z.
Wohlgeborener Raht, Lieber getreuer. Ihr werdet Euch zu erinnern wissen, was
Wir Euch hierüber unterm Dato Cölln a. d. Spree den 2. Februar dieses Jahres
wegen Johann Christoff Wolffgrübels, welchen wir die Mahler Kunst erlernen
lassen, in Gnaden befohlen. Nachdem nun derselbe sich anitzo bey Theodoro
Thülden Zum Hertzogen Busch auf Unsern gnädigsten Befehl, sich in der Kunst
daselbst zu perfectioniren, aufhält, So ergehet hiemit Unser gnädigster Befehl
abermalss an Euch, dass Ihr dafür sorget, damit es diesem Menschen an behörigen
mitteln nicht ermangelt, Und wegen des geltmangels nicht aufgehalten, noch
verursachet werde, künftig selbst nach Cleve zu kommen, solche gelder zu
sollicitiren, weil er dadurch sich merklich versäumen würde. Und etc. Cölln a.
d. Spree den 14. Juni 1664."
So viel geht aus den mitgetheilten Schriftstücken zur
[82]
Evidenz hervor, dass dieser junge clevische Künstler
dem Kurfürsten sehr warm empfohlen worden sein muss und dass man auf sein
Maltalent grosse Hoffnungen gesetzt hat, ist doch sogar von dem Ruhm die Rede,
den sich van Thulden durch seinen deutschen Schüler erwerben würde. Nun kommt
aber später der Name Wolfgrüber unseres Wissens überhaupt niemals im
Zusammenhang mit künstlerischen Arbeiten, weder in der Mark noch sonstwo, vor,
und so darf man wohl annehmen, dass der kurfürstliche Schützling eines
vorzeitigen Todes starb und dadurch verhindert wurde, jene hochgestellten
Erwartungen zu erfüllen. Im März 1666 hatte er seine Studien bei van Thulden in
Herzogenbusch bereits beendigt, denn damals ersetzte er in Cleve, wie wir oben
hörten, Blesendorf als Zeichenlehrer der jungen Prinzen. Auch dieser reiste als
kurfürstlicher Stipendiat ins Ausland. Sein Studienaufenthalt in Italien und
besonders in Rom dauerte von 1666 bis 1668. Zurückgekehrt, nahm Blesendorf's
Karriere einen raschen glänzenden Verlauf, er wurde Oberbauingenieur und
Baudirektor und 1673, nach de Chieze's Tode, sogar zum Generalquartiermeister
der Armee ernannt.67
Auf Jahre hatte die kurfürstliche Familie im Oktober
1666 Abschied von Cleve genommen. Die Kurfürstin hatte sich zunächst von den
Ihrigen getrennt und war nach dem Haag gefahren. Die Prinzen kamen am 6.
November wieder in Berlin an. Und drei Tage darauf heisst es im
Erziehungs-Journal: "Umb 2 hatt der Chur Printz mit dem Kupferstecher
angefangen zu reissen". Ofenbar handelt es sich hier um einen neuen
Lehrer, der leider nirgends genannt wird. Der Unterricht schwankte zwischen
zwei und drei Stunden wöchentlich, fand aber gewöhnlich nur zwei Mal, zur
üblichen Nachmittagszeit, statt. Ausnahmsweise ist am 16. und 19. Januar 1667
Vormittags vermerkt: "statt des Dantzens gerissen". Anfänglich nahm
ich an, dass es sich damals lediglich um eine Fortsetzung der früheren Uebungen
handelte. Doch bald gewann ich die Ueberzeugung, dass der Kurprinz, wie später
Prinz Friedrich, bei diesem ungenannten Kupferstecher das Radiren,
[83]
Aetzen und Drucken von Kupferplatten erlernte. Unterm
2. März 1672 meldet nämlich Schwerin: Prinz Friedrich gezeichnet, auch etzliche
Kupffer in seiner Kammer auff einer Kleinen presse gedrücket".
Es scheint, dass einer der beiden jüngeren Brüder
Joachim Ernst Blesendorfs, die ja vorzugsweise Kupferstecher waren, damals bei
Hofe unterrichtete, vielleicht Samuel, der ältere und berühmtere. Nicolai
erwähnt eine ganze Reihe von Mitgliedern dieser Familie, die zum Theil erst
unter König Friedrich I. urkundlich genannt werden. Der Vater jener Brüder und
ihrer ebenfalls künstlerisch thätigen Schwester Elisabeth hiess Ananias
Blesendorf. Derselbe war seines Zeichens Goldschmied, arbeitete als solcher um
1652 für den Hof und starb um 1670 im hohen Alter. Der jüngste seiner Söhne,
Konstantin Friedrich, arbeitete an verschiedenen Werken zusammen mit Samuel,
dem er auch nach dessen Tode (1707) in der Stellung eines Hofkupferstechers
folgte.
Am 6. Februar 1667 hatte Karl Aemil sein zwölftes
Lebensjahr vollendet. Und seitdem finden wir im Journal fast täglich
Zeichenübungen vermerkt, was die Richtung der Ausbildung dieses begabten
Prinzen um so mehr kennzeichnet, als auch der Musikunterricht damals keineswegs
vernachlässigt wurde. Selten genug liest man "Der Kupferstecher ist
ausgeblieben", so am 25. Januar 1667 und erst wieder am 31. Juli des
folgenden Jahres. Einige Zeit darauf erlitt der technische Unterricht durch die
Uebersiedelung des Hofes nach Königsberg kurze Unterbrechung. Am 20 November
zeichnete der Kurprinz hier ohne Anleituung. Vier Tage darauf heisst es:
"Umb 2 hatt der Chur-Printz mit einem neuen Meister alhier angefangen zu
zeichnen". Wer dieser Königsberger Lehrer war oder gewesen sein kann,
vermag ich nicht einmal anzudeuten; er erhält im Journal gelegentlich (20 Nov.)
den Titel "Kunst-Meister".
Die grosse Lücke, welche das bis dahin so sorgfältig
verfasste Journal bezüglich der Jahre 1669 und 1670 aufweist, verhindert uns
leider, über den Fortgang der künstlerischen Studien der beiden Prinzen in
dieser Zeit Betrachtungen anzustellen. Was wir alsdann aus den flüchtiger
werdenden Angaben des Tagebuches entnehmen, ist, dass der Kurprinz nach
Vollendung seines 16. Lebensjahres aus dem Kreise strenger stündlicher
Beaufsichtigung trat, und dass in den beiden
[84]
letzten Jahren des Schwerinschen Erzieheramtes Prinz
Friedrich die Hauptperson des Journals bildete. Während sein älterer Bruder mit
der vollen Leidenschaft seiner heissblütigen Natur sich der erworbenen Freiheit
hingiebt, um sein Leben mit kräftigen Zügen zu geniessen68,
während er ohne Ermüdung spielt, tanzt, reitet, auf die Jagd zieht, sehen wir den
Prinzen Friedrich in seinem Gemache emsig lernend, musicirend, in Kupfer
stechend oder von Blesendorf im Zeichnen, in der Festungslehre und in der
Mathematik unterwiesen werden. Fast täglich liest man im Journal über ihn:
"mit Mons. Blesendorf gerechnet" oder "mit Mons. Blesendorf
gezeichnet". Am 17. Oktober 1671 steht vermerkt: "Prinz Friedrich
gerissen und zu Hause geblieben", und interessant ist die Notiz vom 3.
November, die nach dem Vermerk, dass allein der Kurprinz Urlaub zu angenehmem
Zeitvertreib erhalten, hinzufügt: "Prinz Friedrich aber mit Mons.
Blesendorf mit Schantzen machen von Wachs sich exerciret".
Ob die Prinzen während eines vorübergehenden
Aufenthalts in Landsberg noch anderweitigen technischen Unterricht genossen,
schien mir der Frage werth, nachdem mir die Notiz des Journals zu Gesicht
gekommen war: "Umb 10 Uhr ist der Herr Rüdger zu den Prinzen
gegangen" (23. Sept. 1671). Mir fiel nämlich bei dieser Gelegenheit der
Holländer Rütger van Langerveld ein, der Schöpfer des Köpnicker Schlosses, von
dem auch durch Nicolai bezeugt wird, dass ihm neben seiner Thätigkeit als Maler
und Architekt zugleich die Unterweisung der Kurfürstlichen Prinzen in der
Mathematik aufgetragen" wurde. Doch ist dies erst später gewesen, wie aus
der Erneuerung seiner Bestallung als Hofmaler (Dat. Potsdam, 31. Mai 1669)
hervorgeht. Langervelds Unterweisung kann sich also nur auf den Prinzen Ludwig
(geb. 1666), den jüngsten Sohn der Louise Henriette, und auf den ältesten Sohn
aus der zweiten Ehe des Kurfürsten, den Prinzen Philipp Wilhelm (geb. 1669),
beziehen. Nicolai erwähnt übrigens noch einen schon unter Georg Wilhelm seit
1630 beschäftigt gewesenen Rüdiger von Waldow, der den Festungsbau zu Küstrin
und Spandau geleitet hatte. Ein Joachim Rüdiger von Golze war, nach demselben
Autor, 1661 kurfürstlicher Generalmajor, 1665 Generallieutenant und
[85]
sonst, seit 1661, verschiedene Jahre lang Gouverneur
zu Berlin; auch dieser betrieb den Festungsbau. Es bleibt also fraglich, wer
jene im Jahre 1671 mit "Herr Rüdger" bezeichnete Landsberger
Persönlichkeit war und in welcher Funktion dieselbe die beiden Prinzen besucht
hatte.
Dass der Kurfürst kurz vor Langervelds Heranziehung
zum prinzlichen Unterricht in der That eine hierfür geeignete Persönlichkeit
gesucht hat, dürfte auch aus dem an früherer Stelle mitgetheilten Schreiben69 des Fürsten Moritz von Nassau hervorgehen, der
jenen Donep als "gewünschtes subject bey Ew. Durchlaucht Junge
Prinzen" angelegentlichst empfahl . . . Und noch von einem anderen
Zeichenlehrer am Hofe zu Berlin haben wir zum Schluss Erwähnung zu thun, von
Gottfried Leygebe, dem aus Schlesien stammenden Eisenschneider und Maler. Wann
Leygebe unterrichtete, meldet freilich Nicolai nicht, dem wir diese Kenntniss
verdanken.
Die Zeichen- und Schreibebücher der beiden Prinzen
Karl Aemil und Friedrich befinden sich heute gleichfalls im, Geheimen
Staatsarchiv; auch sie gehörten früher der Manuskriptensammlung der Königlichen
Bibliothek zu Berlin an und wurden mit anderen, auf die hohenzollernschen
Fürsten bezüglichen Papieren dorthin abgegeben. Die Zahl der noch vorhandenen
Zeichenbücher übersteigt ein Dutzend, wovon das Meiste mit Sicherheit jenem
frühverstorbenen Kurprinzen zuzusprechen ist. Mehrere dieser Bücher lassen
nämlich auf dem Deckel das Monogramm und auf dem Titelblatt das, wohl von der
Hand des Lehrers, monochrom oder polychrom ausgeführte Wappen Karl Aemils
erkennen. Wir wollen nun die Bücher nach einander, so wie sie uns im
Staatsarchiv vorlagen und wie sie auch der Chronologie ihrer Benutzung zu
entsprechen scheinen, wenigstens flüchtig betrachten.
Das erste Heft, Format Kleinoctav (B. 10) zeugt von
mangelhafter Leitung des Zeichenunterrichts. Wir finden hier anfänglich
ziemlich nachlässig hingeworfene Rothstift-Skizzen nach menschlichen
Gesichtstheilen, Augen, Nase und Mund.
[86]
Dann sieht man ebenso flüchtige Federzeichnungen nach
Köpfen, kleinen Gebäuden u. dgl. Der Schüler, dessen Hand hier thätig war,
bekundet Zerstreutheit und Gleichgültigkeit; er hat die sorgfältigen
Vorzeichnungen des Lehrers nicht oder nur ungenügend beachtet. Ein Theil der
Blätter ist sogar mit allerlei Schmierereien in Rothstifft, Federstrichen oder
Silberstift bedeckt. Auf einem Blatte liest man den Namen des prinzlichen
Schülers in drei Versionen:
|
Carl Emile |
|
Charle Emile |
|
Carolus Aemile. |
Aus alledem darf wohl geschlossen werden, dass dieses
Heft sehr früher Entstehung ist und vielleicht um die Zeit der Uebersiedelung
von Berlin nach Cleve (1665) benutzt wurde.
B. 11 ist ein stärkeres Buch in Kleinquart, solide in
Schweinsleder gebunden. Das Titelblatt enthält die Abkürzung des kurprinzlichen
Namens: C. E. F. (Carl Aemil Fecit). Innerhalb des Buches ist gelegentlich der
scherzhafte Versuch gemacht worden, aus diesen und anderen Buchstaben Monogramme
zu bilden. Die Uebungen geschahen in der Weise, dass der Lehrer auf jedem
Blatte etwas vorzeichnete, zuerst einfach umrissene Köpfe im Profil, dann
solche in ¾ Vorderansicht mit zunehmender Modellirung und wachsender Anwendung
perspectivischer Verkürzung, weiter Häuser, Dorfkirchen, Köpfe en face und
kolorirt und endlich ganze Figuren in mehr oder minder complicirter Bewegung.
Alles dies versuchte der Schüler zuerst blos nachzuziehen, später
nachzuzeichnen; doch auch hierbei fehlte es noch an dem nöthigen Ernst. Das
mechanische Nachziehen auf den ersten Blättern geschah in rothen, blauen,
gelben oder grünen Wasserfarben. Ueberall gab sich der mehr zum Spiel als zur
wirklichen Arbeit geneigte Sinn eines noch unreifen Knaben kund, der manches
Mal sogar zwischen den Zeichnungen seine eben erlernten polnischen Vokabeln
niederschrieb. Die Lehrmethode schlug insofern den richtigen Weg ein, als sie
von einfachen Vorzeichnungen allmählig zu schwierigeren Dingen überging; nur
hätte sie für den Anfänger einen weit grösseren Maassstab der vorgezeichneten
Formen wählen müssen.
Das nächste ebenfalls starke und in Schweinsleder
gebundene Buch (B. 12) hat längliches Format und verräth eine etwas
vorgerücktere Stufe des zeichnerischen Könnens. Neben dem kur-
[87]
prinzlichen Wappen steht auf dem Titelblatte
vermerkt: "Am 17. aprilis 1667 ist dieses Buch beygelegt. C. Æ." Auch
hier bestehen die Uebungen des Schülers zunächst darin, die Vorzeichnungen des
Lehrers mit Silberstift, bisweilen mit Wasserfarbe nachzuziehen. Von dem Eifer,
den der junge Prinz gerade in jenem Jahre für das Zeichnen bekundete, geben
namentlich die folgenden Blätter einen ausreichenden Begriff. An einer Reihe
männlicher Profilköpfe wird ihm Verschiedenes, auf die Propositionslehre
Bezügliches beigebracht und zwar durch eingezeichnete Dreiecke oder
Parallellinien. Er überzeugt sich, dass die beiden Tangenten des Ohres, die
einerseits nach dem Augenwinkel, andererseits nach der Nasenöffnung gezogen
werden, parallel laufen, dass ferner die Mitte der Ohrperipherie mit der
Kinnspitze und der Stirnmitte an den Haarwurzeln Eckpunkte eines dreiseitigen
Dreiecks bildet. Weiter wird die Anlage von Schattenparthien durch
Schraffirungen gelehrt; alsdann werden Füsse, Hände, Nase, Augen, Mund, Ohr und
schliesslich verschiedenartige Köpfe in Stift und Kohle gezeichnet.
Bestandtheile der Landschaft und diese selbst, staffirt mit Mauern, Wasser u.
dgl., bilden den Abschluss.
B. 13, ein dickes Zeichenbuch, hat etwas längliche
Form und ist in braunem Leder gebunden. Folgende Abbreviatur ist, in Gold
vertieft, auf dem Deckel zu lesen:
C •Æ• M•V• C• Z• B •1668•
d. h.: Carl Aemil Markgraf Und Churprinz Zu
Brandenburg 1668. Hier findet sich auf dem Titelblatt das sauber kolorirte
Monogramm des Prinzen mit dem Kurfürstenhut darüber. Jedes Blatt enthält links
oben, in Rothstift, eine Vorzeichnung des Lehrers, und zwar eine mehr oder
minder bewegte Figur im holländischen Geschmack der Zeit. Der Schüler copirt
diese Figur ein, zwei oder oft drei Mal, wobei jede folgende Copie weniger gut
gelingt und immer grösser geräth. Später tritt eine Abwechselung in den
vorgezeichneten Motiven ein, und wir begegnen im Buche Pflanzen, Bäumen,
Köpfen, Reitern, Häusern, Ruinen und selbst Festungstheilen.
Das nächste Buch (B. 57) enthält eine mit
Pastellstiften ausgeführte Darstellung auf dem Titelblatt: Die mit Schild und
Lanze bewaffnete Minerva auf einem Postament; auf dem Schilde sieht man das
brandenburgische Adlerwappen. Diesem Buch fehlt die Jahreszahl, auch irgend
welches Monogramm. Doch
[88]
ist an der Urheberschaft des Kurprinzen nicht zu
zweifeln. Es scheint unmittelbar nach B. 13 benutzt worden zu sein. Das Buch
beginnt mit Frucht- und Blumenstudien in Roth- und Silberstift, während die
späteren Zeichnungen Köpfe idealen und porträtistischen Characters - darunter
augenscheinlich Versuche mit Bildnissen von Familienmitgliedern - vorstellen.
Da erkennt man u. A. an einem Beispiel die markigen Züge des kurfürstlichen
Vaters, an einem anderen das erst begonnene Bildniss der damals kurz zuvor
verstorbenen Kurfürstin Louise; beide erinnern an Marmorbüsten des Parkes zu
Sanssouci70. Da glaubt man ferner das
Selbstporträt Karl Aemils und den feinen Kopf seines Bruders Friedrich, in zwei
sehr hübsch mit Rothstift und Estampe ausgeführten Zeichnungen zu erblicken.
Auch B. 58 besitzt kein Monogramm, sondern lediglich
das Datum "Nr. 1668 den 21. September" auf dem Titelblatt. Die
Blätter enthalten Illustrationen aller möglichen belebten und unbelebten
Gegenstände, die mannigfaltigsten Einzelheiten landschaftlicher,
architectonischer und figürlicher Art, auch ganze malerische Scenerien. Die
augenfällige Treffsicherheit, welche die Darstellungen offenbaren, deutet
durchweg auf die Hand des Lehrers; ebenso dürfte auch das Heft B. 59 mit seinen
im holländischen Geschmack behandelten Uferlandschaften lediglich als Vorlage
für die Zeichenübungen der Prinzen gedient haben. Gleiches ist der Fall gewesen
mit dem grossen Buche B. 61 b, welches auf grünen rauhen Kartonblättern reiche landschaftliche
Ansichten, mit schwarzer und weisser Kreide ausgeführt, enthält. Die durchaus
auf technische Veranlagung schliessenden Kopien dieser Kreidezeichnungen füllen
das Heft B. 61a.
Mehr oder minder beachtenswerthe Proben von
Schülerhand treten uns ferner aus den Büchern B. 60, B. 62, B. 63, B. 64 und B.
6571 in überaus mannigfaltigen Uebungen
entgegen. Der zuerst bezeichnete stärkere Band (B. 60) hat dem betreffenden
Prinzen - wir können nicht entscheiden, ob Karl Aemil oder Friedrich -
gleichzeitig als Brouillon gedient; hier sieht man die Uebungen in Gestalt von
Landschaften, Städte- und Parkansichten, Architecturen u. s. w. in Kohle
ausgeführt. B. 62 enthält zuerst wiederum kleinere Studien nach
Gesichtstheilen, auch
[89]
Portraits, Köpfe von Menschen, Pferden, Hunden und
Raubvögeln. Zahlreiche Blätter besitzen links oben Vorzeichnungen von der Hand
des Lehrers. Silberstift, Feder und bunte Wasserfarben sind abwechselnd zur
Verwendung gekommen. Auch hier ist der Weg von einfachen zu schwierigen
Vorwürfen eingeschlagen worden. B. 63 hat ein ähnlich grosses Format wie das
vorige Heft, die Uebungen darin sind mit Kohle, Feder und Silberstift
ausgeführt. Sie verrathen geringere Routine als die obigen Leistungen, und so dürfte
der vorliegende Band, gleich dem nächstfolgenden Heft, mit seinen ziemlich
einfachen mathematischen Zeichnungen und fortificatorischen Studien wohl einst
Eigenthum des Prinzen Friedrich gewesen sein. Natürlich lässt sich dies nur als
Vermuthung aussprechen.
Es wäre in der That gewagt, wollte man in
Schülerübungen individuelle Feinheiten so deutlich wahrnehmen, dass sich daraus
für das geübtere Auge Unterschiede und Schlüsse bezüglich des Urhebers ergäben.
Man erwäge im vorliegenden Falle, dass die Begabung der beiden Prinzen
anscheinend gleichartig war, dass ferner der Unterricht von denselben Personen,
auch in der Methode übereinstimmend, ertheilt wurde und dass endlich die
Altersdifferenz wenigstens für die letzten Jahre der Jugenderziehung der Prinzen
zu geringfügig war, um als ausschlaggebend für den Grad des technischen Könnens
erkannt zu werden. Für die erste Zeithälfte dieser Erziehung (1663-1668) aber
sind wir durch äussere Merkmale über die Autorschaft der Bücher hinlänglich
informirt.
In beiden jungen Prinzen offenbarte sich gleich früh
ein sichtliches Interesse für die zeichnenden Künste. Möglich, dass dies bei
dem stärkeren Temperamente, dem feurigen, aber launenhaften Geiste des
Kurprinzen auch relativ eher zur Ausübung drängte. Da seine Person weit
wichtiger bei Hofe war, so spielte er demgemäss auch im Erziehungs-Journal
Schwerin‘s die grössere Rolle, und wir gewinnen daraus leicht den Eindruck, als
hätte er allein in früher Jugendperiode eine der besonderen Berücksichtigung
würdige Persönlichkeit besessen, während Prinz Friedrich ein schüchterner,
folgsamer, in seinem Thun und Lassen unauf-
[90]
fälliger Knabe gewesen sei. Das Letztere entsprach
vielleicht nicht ganz der Wirklichkeit. Die kurzen Bemerkungen, die über den
jüngeren Prinzen vorhanden sind, geben sein Characterbild überhaupt nur in sehr
flüchtigen Umrissen, sodass wir bezüglich seiner eventuell gut thun würden,
auch andere Quellen zu Rathe zu ziehen und uns zugleich die spätere historische
Persönlichkeit des Nachfolgers des Grossen Kurfürsten zu vergegenwärtigen.
Die Empfänglichkeit für Kunstwerke aller Art war, wie
gesagt, bei beiden Prinzen gleich gross, und ihr kurfürstlicher Vater nahm gern
Gelegenheit, dieser Vorliebe weitere Nahrung zu gewähren. Dafür enthält das
Journal manchen interessanten Beleg. Ich erinnere zunächst an jene auf den
Clever Aufenthalt des Hofes bezügliche Notiz vom 19. März 1666, die wir schon
an anderer Stelle mitgetheilt haben72. Sie
meldet von künstlerischen Gegenständen, welche der König von Frankreich seinem
damaligen Bundesgenossen Friedrich Wilhelm verehrte, und bei deren Aufstellung
im Schlosse die Prinzen, auf Grund einer Erlaubniss ihrer Eltern, zugegen sein
durften. Diese aussergewöhnliche Befreiung von dem üblichen Tagespensum ist
immerhin bemerkenswerth. Sonst trat nemlich eine Unterbrechung des Unterrichts
nur in dringenden oder ernsten Fällen z. B. bei Erkrankungen und
vorübergehenden fürstlichen Besuchen ein.
Auch von einem anderen Ausnahmefall wird uns unterm
20. Januar 1667 berichtet: "Umb halb 9 zu S. Churfürstl. Durchlaucht
gegangen undt die Predigt allda angehöret, auch bei Deroselben in der Cammer
gegessen, undt fast den gantzen Nachmittagh bei Ihm geblieben, da Seine
Churfürstl. Durchlaucht einem Jeden ein gantz Theil Schildereyen geschenket.
Umb 5 in ihre Cammer gegangen, wo Sie die Schildereyen angeordnet ..." Auf
Notizen ähnlichen Inhalts stösst man zu Ende desselben Jahres. Da heisst es z.
B. am 28. December vom Kurprinzen allein: "Nach essen zu S. Churfürstl.
Durchlaucht gegangen, welcher ihm eine Schilderei gegeben, dass Sie darümb
spielen müssen, welche Printz Friedrich gewonnen". Und am folgenden Tage
(29. Dec.) lesen wir: "Nach essen wieder Zu S. Churfürstl. Durchlaucht
gegangen, welcher oben bereit gewesen nach Potztam zu fahren, Zuvor aber den
Printzen 2 Schildereyen gegeben, ümb welche Sie mit würffeln spielen müssen,
deren eine
[91]
der Chur Printz, die andere Printz Friedrich gewonnen
..." Alle diese "Schildereyen" mögen Bildnisse der kurfürstlichen
Eltern, der Geschwister oder anderer Verwandten gewesen sein.
Gern benutzte der Kurfürst vor seinen häufigen Reisen
in entfernte Provinzen oder nach dem Kriegslager die Gelegenheit, sich einige
Stunden ausschliesslich seiner Familie zu widmen, und dabei verehrte er den
Prinzen nicht selten ein neu gefertigtes Bildniss von sich, in der Hoffnung,
dass ihnen dadurch die Trennung minder schwer fallen würde. Wie tief aber die
Trennung von den Eltern beiden Prinzen in jungen Jahren zu Herzen ging,
entnehmen wir aus verschiedenen Beobachtungen ihres trefflichen Erziehers. Als
sich die Knaben in Cleve, am Abend des 10. Mai 1666, nach dem Abendessen, von
ihrem Vater verabschiedeten, der in der folgenden Nacht nach Holland reisen
wollte73, gab es eine rührende Scene, die sich
später bei ihrem Abschied von Cleve und der Trennung von der Kurfürstin
wiederholte. Am lebhaftesten aber schildert das Journal den Schmerz der
Prinzen, als ihnen die unerwartete Nachricht von dem Tode ihrer zärtlich
geliebten Mutter gebracht wurde. Sie brachen beide in ein herzerschütterndes
Geschrei aus. Prinz Friedrich war der erste, der sich nach längerem Schluchzen
zu fassen begann, um zugleich den Versuch zu machen, auch den älteren Bruder zu
trösten. Doch dies gelang ihm nicht. Der Kurprinz wies andauernd jeden Bissen
hartnäckig von sich und vermochte selbst zur Nachtzeit keine Ruhe zu finden.
Oft belauschte ihn dann Schwerin und sah, wie er wachend, im Bette aufrecht
sitzend, die Hände fromm gefaltet, im kläglichen Tone halblaut unter heissen
Thräuen den Namen der hochseligen Frau ausrief. Grade so tieftraurige
Begebenheiten lassen den Unterschied des Characters der beiden prinzlichen
Knaben deutlich erkennen. Während Prinz Friedrich das kühlere Wesen und die Selbstbeherrschung
der Oranier geerbt zu haben schien, besass Karl Aemil eine nervöse,
heissblütige, sensitive Künstlernatur. Liebenswürdig, einschmeichelnd und
stürmisch in seinen Liebkosungen, wenn ihn das Gefühl der Dankbarkeit erregte,
riss ihn in anderen Momenten die heisse Leidenscheft des Zornes zu ebenso
masslosen Aeusserungen hin.
Nicht selten war der Kurprinz gegen seine Umgebung
hochfahrend, gegen einen seiner Lehrer unfolgsam. Ja, es kam vor,
[92]
dass er einem nicht sofort Ordre parirenden Pagen mit
gezückter Seitenwaffe drohte. In solchen Fällen folgte die väterliche Strafe
mit jener, selbst in der nächsten Umgebung Friedrich Wilhelms geübten,
Unnachsichtigkeit auf dem Fusse. Und die Furcht, auf die fürsorgliche Liebe
seiner Eltern nur einen Tag Verzicht leisten zu müssen, war für das Ehrgefühl
des prinzlichen Knaben unerträglich. Um so aufrichtiger trat daher die Reue
ein, wenn ihm Schwerin in bewegten Worten vorhielt, wie sehr er sich durch sein
übles Betragen "an Gott und seinen durchlauchtigsten Eltern"
vergangen habe. Dann säumte der Prinz nicht länger, alle diejenigen um
Verzeihung zu bitten, die er beleidigt, und de- und reumüthige Briefe an den
Kurfürsten und die Kurfürstin zu schreiben, in der Hoffnung, dass ihm die
Strafe der Verbannung von den Augen seiner Eltern geschenkt werde.
Dass übrigens zuweilen auch die Prinzen für die
letzteren ihre Portraits malen liessen, entnehmen wir ebenfalls aus Notizen des
Erziehungsjournals. So kam im Juni 1666, bei Gelegenheit eines kurzen
Aufenthalts in einem kleinen Utrechtschen Orte, ein Maler Namens Janson74 zu ihnen, um erst den Kurprinzen, dann dessen
jüngern Bruder im kleinen Format zu konterfeie75.
Auch vor der Uebersiedelung des Hofes nach Königsberg liess sich Karl Aemil
"auf seiner Kammer" portraitiren; das geschah am 1. August 1668,
gleich nach Aufhebung der Tafel. Sicherlich trug dieser frühzeitige persönliche
Verkehr mit Malern dazu bei, die Söhne Friedrich Wilhelms des Grossen in ihrer
Vorliebe für Kunstwerke und Künstler zu bestärken und ihren eifrigen
Zeichenübungen einen erhöhten Reiz zu geben.
[93]
IV.
Sonnenburg. Das Ordensschloss und sein Bauherr.
Weit, weitab von dem Schauplatz, auf dem die
wichtigen Dinge dieser Welt geschehen, liegt das neumärkische Städtchen
Sonnenburg, angeblich benannt nach einer Burg, die vor Zeiten, als hier die
Wenden unterworfen wurden, unweit des Ausflusses der kleinen Lenze in die
Warthe gegründet worden sein soll. So meldet nemlich die Legende.
Der Ort, ein ehemals kümmerliches Fischerdorf, und
die Burg, durch genanntes Flüsschen von einander getrennt, fielen samt der
Umgebung noch im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts dem hohenzollernschen
Markgrafen von Brandenburg als Lehn zu, der diesen seinen Besitz im Jahre 1426
dem Herrenmeister des Johanniterordens Balthazar von Schlieben übertrug
"umb Newnhundert schock guter behmischer Groschen76.
Damit beginnt die Geschichte des Johanniterordens in der Mark Brandenburg sich
um das Städtchen Sonnenburg und sein altes Schloss zu konzentriren.
Das Meisterthum, welches die Mark, Sachsen, Pommern
[94]
und Wendland umfasste, war nur eine Filiale des
deutschen Grosspriorats. Und letzteres war wiederum eine der Gründungen, die
der in Jerusalem, während der Kreuzzüge, entstandene Spitalorden der Johanniter
im Abendlande nach und nach veranlasst hatte, zu dem Zweck, die religiösen und
humanen Absichten des Ordens zu fördern. Als die Begeisterung für die Kreuzzüge
allmälig schwand, verloren die Johanniter, die schliesslich ihren Stammsitz
nach Rhodos und Malta verlegen mussten, ihr Ansehen zwar nicht. Aber aus dem
ursprünglichen Spitalorden entwickelte sich, parallel mit der zunehmenden
Verweltlichung aller Dinge, ein militärisch - politisch einflussreicher Ritter-
und Herrenorden, der natürlich die Krankenpflege nicht mehr selber ausübte. Die
Filialen oder Dependenzen dieser frommen aristokratischen Gemeinschaft hatten
Vorsteher; sie führten den Titel "Balleyer" oder "Herrenmeister",
der, dem Rang nach, jenem in Holland bekannten "Baljuw" entspricht.
Jede Dependenz erfreute sich einträglicher Besitzungen, sogenannter Kommenden:
auch die Balley Brandenburg, schon als Balthazar von Schlieben den Ort
Sonnenburg "im Lande Sternberg" von Markgraf Friedrich I, dem
Hohenzoller, erwarb77.
Den Markgrafen stand schon früher das Patronat über
die Balley zu, und man erkannte ihnen in der Folge sogar das Recht zu, wenn das
Amt des Herrenmeisters durch Tod erledigt war, einen Nachfolger vorzuschlagen
und den darauf gewählten neuen Herrenmeister zu bestätigen. Die Konfirmation
geschah und geschieht noch heute in der kleinen gothischen Kirche des
Städtchens, in Gegenwart des brandenburgischen Markgrafen oder eines von ihm
ernannten Vertreters. Es darf übrigens als bekannt vorausgesetzt werden, dass
die Johanniterritter zu Sonnenburg sich im 16. Jahrhundert der lutherischen
Lehre anschlossen. Ueber den genauen Zeitpunkt dieses Ereignisses sind wir
nicht unterrichtet. Doch gilt Graf Martin von Hohenstein, der freilich 40 Jahre
lang regierte (1569-1609), als der erste evangelische Herrenmeister der Balley.
Unter der Regierung Georg Wilhelms war das Oberamt
des Ordens nichtsdestoweniger dem katholischen Grafen und Minister Adam von
Schwarzenberg zugefallen (1625). An dessen
[95]
Wirksamkeit knüpft sich auch eine kleine
kunstgeschichtliche Begebenheit. Der alte Altar der Sonnenburger Ordenskirche,
eine prächtige bildnerische Schöpfung der Renaissance, erinnert nemlich an ihn
als Herrenmeister. Dieses Kunstwerk aus Marmor und Alabaster, dessen
Hauptrelief die Geburt Christi darstellt, stand vordem in der Schlosskapelle zu
Berlin und muss nach der überaus zarten Ornamentik des Altars zu urtheilen,
ungefähr um die Mitte des 16. Jahrhunderts oder etwas später, augenscheinlich
von einem flandrischen Meister gearbeitet worden sein. Als die kurfürstliche
Familie das reformirte Bekenntniss annahm, wird man den Altar abgebrochen und
ihn seinem Schicksal irgendwo überlassen haben. Denn darauf bezieht sich der
folgende Brief Schwarzenbergs an die Ordensräthe zu Sonnenburg:
"Veste Hochgelarte Rhaete und liebe Getreuwe.
Euch bleibet hiedurch unverhalten, das vor etlichen
alhie in der Schlos-Capellen ein schoner altar von Marmel undt Holtz fein
ausgeschnitzet, abgebrochen worden. Wan dan derselbe nit mehr an diesem Ort
geachtet wirdt, So hab ich ihn aufgesparet, und werde denselben altar auf zwei
Rüstwagen bis gen Chüstrin schicken, von dannen kan er zu wasser vort gebracht
werden. Als wollet etwa einen feinen bequemen Platz darzu aussetzen, wo dieser
altar stehen kan, etwa zu Sonnenburg oder zu Gruneberg oder zu Nawendorf in der
Kirchen. Weiler aber Sonnenburg die rechte Residentz ist, So sollte ich am
liebsten sehen, er werde alda auffgerichtet, da dan in der Kirchen woll wirdt
Platz zu vinden seyn. Es kumpt mit der Bawmeister undt der Steinmetzer, die
diesen altar gleich aufrichten sollen, ihr werdt inen so viel eysen zu Handt
schaffen, als sie haben müssen, den altar Zu befestigen, und so lange sie dar
sein, sollen sie gespeiset werden. Die Vererung wil ich hier geben.
Cöllen a. d. Spree, den 27. Juli 1626.
Adam
Graf zu Schwarzenberg.78
Erst zehn Jahre nach dem Tode des Grafen
Schwarzenberg († 1641) entschloss man sich zur Wahl eines Nachfolgers, des
sechsundzwanzigsten Herrenmeisters. Kurfürst Friedrich Wilhelm schlug, dem
Brauche gemäss, zwei Kandidaten vor, von denen Johann Moritz von Nassau, obwohl
er noch nicht Mitglied des Ordens war, von vorn herein alle Chancen für sich hatte.
[96]
Ihm wurde auch wirklich an dem Wahltage, dem 15. Juni
1652, die hohe Würde übertragen. Ritterschlag und Investitur konnten indess
wegen dringender politischer Geschäfte und Reisen des Grafen, der eben damals
seine Verdienste auch durch Erhebung zum deutschen Reichsfürsten belohnt sah,
nicht vor Dezember stattfinden.
Eine Reise in den Warthebruch gehörte unter damaligen
Verhältnissen nicht gerade zu den Annehmlichkeiten. Zudem hatte der Kreis
Sternberg durch fortgesetzte Plünderungen der schwedischen Truppen empfindlich
gelitten. Die Ortschaften waren dort, wie in der Altmark, sämmtlich verarmt und
eines Theiles ihrer Bewohner beraubt. Handel und Gewerbe befanden sich noch
immer im Stadium tiefsten Verfalls. Dass bei solcher Lage der Dinge die Vorbereitungen
zum feierlichen Ordenskapitel Schwierigkeiten verursachten, liegt auf der Hand.
Alle Ordensämter, die zur Balley gehörten, ausser Sonnenburg noch Grüneberg,
Rampitz, Schenkendorf, Friedland u. s. w., mussten herangezogen werden, um die
zum Fest und zum Aufenthalt der hohen Theilnehmer nöthigen Geld- und Naturalien
- Lieferungen zu ermöglichen. Der Kurfürst konnte allerdings nicht persönlich
erscheinen und wurde durch drei Gesandte, den Statthalter von Blumenthal, einen
Freiherrn von Loeben und Dr. Johann Tornow, vertreten. Die Festlichkeit nahm am
9. Dezember ihren Anfang und verlief programmgemäss; dem Ritterschlag folgte
die feierliche Einführung des neuen Herrenmeisters in sein Amt. Einige Tage
nachher hielt Moritz sein erstes Ordenskapitel ab, worauf dann seine Pflichten,
die er der Balley gegenüber auf sich nahm, festgestellt wurden und gewisse
Fragen materieller Art, die damit zusammenhingen, eine vorläufige Regelung
fanden.
Man staunt über die Frische des Geistes, über die
Lust an Unternehmungen, die Moritz für seine neue Aufgabe als Herrenmeister des
Johanniterordens mitbrachte. Um seine in der That ungewöhnliche Arbeitskraft,
die vor keinen Schwierigkeiten und Strapazen zurückschreckte, in ihrem vollen
Umfang zu würdigen, muss man die Beschaffenheit der Aemter, die in seiner
Person vereinigt waren, näher ins Auge fassen. Er stand im Dienste der
Niederländischen Republik als Reitergeneral und als Kommandant der Festung
Wesel, dann war er Statthalter der rheinischen Länder des Kurfürsten von Brandenburg
und
[97]
wurde von diesem auch zu wichtigen Gesandtschaften
und anderen Missionen im In- und Ausland wiederholt in Anspruch genommen.
Ausserdem vertrat er das Interesse seines nassauischen Hauses. Und dazu kommt
endlich die lebhafte Theilnahme, die ihm gewisse Ortschaften und Personen von
Geist und Fähigkeit, die ihm Kunst und Wissenschaft wie alle damit
zusammenhängenden Dinge jederzeit einflössten. Da der Schauplatz seiner
verzweigten Thätigkeit zugleich ein sehr ausgedehnter war, und dieser Uebelstand
bei den damaligen mangelhaften Verkehrsverhältnissen für den Fürsten auch mit
einem bedeutenden Aufwand an Mühen und Zeit verknüpft war, so fallen seine
kostspieligen Unternehmungen, die er dem ruhigen Lebensgenuss widmete, um so
mehr ins Gewicht.
Der Begründer von Moritzstadt war sich der grossen
Schwierigkeiten, welche die Verwaltung des verarmten märkischen Meisterthums
bot, wohl bewusst, sollten die Einkünfte der Ordensämter, die bisher zusammen
nicht einmal die 324 Goldgulden79 jährlicher
Respolis- oder Rekognitionsgelder an das deutsche Grosspriorat abzuführen
vermochten, erheblich gesteigert werden. Die Summe der rückständigen Gelder80 belief sich im Jahre 1653 auf nicht weniger
als 7452 Goldgulden, wovon Moritz bereits im Dezember desselben Jahres 1000
Gulden abzahlen konnte. Dennoch scheint dieser die dortige Situation nicht
völlig durchschaut zu haben, da er sich sogar vermass, die Einkünfte der
Ordensämter auf mehr als 20000 Thaler zu bringen. Als Entschädigung für die ihm
dadurch zunächst erwachsenden Opfer aus seinem Privatvermögen bedang er sich
für seine Erben nur das Plus der Einkünfte über genannte Summe auf eine
bestimmte Zeit aus. Von diesem Optimismus kam er indess sehr bald ab, nachdem
er die Ordensämter persönlich besichtigt hatte. Nun machte er andere
Vorschläge, die hier aber nicht weiter erörtert werden können, zunächst auf dem
zweiten Kapitel, das schon am 30. Juni 1653 stattfand, dann neun Jahre später,
und schliesslich kam eine Einigung dahin zu Stande, dass der Rechtsnachfolger
des Fürsten, sein Neffe Moritz
[98]
Wilhelm von Nassau, eine der Sinekuren des Ordens,
das Amt Grüneberg, als Komthurei erhielt.
Dieses Aequivalent erscheint bescheiden, wenn man das
Resultat seiner 27jähigen Regierung als Herrenmeister näher betrachtet, ein
Resultat, das über die Ordensinteressen hinaus auch für die Kulturentwickelung
jener östlichen Gegend unseres Vaterlandes von Bedeutung war. In erster Linie
hat Moritz ausserordentlich viel für das Meisterthum geleistet, dessen beinahe
erloschenes Ansehen er erneuerte. Den Ort Sonnenburg erhob er zum Range einer
Ordensresidenz, und er hätte für ihn und seine Umgebung weit mehr, als unten
beschrieben werden wird, gethan, wenn diese märkische Gegend nicht gar so weit
entfernt von dem Mittelpunkt seines hauptsächlichen Wirkens, vom Niederrhein,
gelegen. Dann hätte er wohl auch hier Teiche und Kanäle gegraben, Hügel
künstlich aufgeworfen und mit Bäumen bepflanzt und so schliesslich aus
sumpfigen Strecken Paradiese geschaffen, wie zu Cleve und im fernen Brasilien.
Nichtsdestoweniger geschah durch ihn, wie gesagt, zur Erhöhung der Kultur jener
Landschaft so Manches, was des Rühmens werth ist. Und nicht blos während seiner
persönlichen Anwesenheit, die sich auf vier bis fünf längere Besuche
beschränkte, fühlte die Neumark die Wohlthaten seiner Handlungen. Sondern auch
aus der Ferne war der "Brasilianer" für das ihm anvertraute
Meisterthum eifrig besorgt.
Er wollte überall zufriedene Gesichter, glückliche
Menschen sehen. Darum war er darauf bedacht, jeden Ort, in welchem er dauernd
oder nur von Zeit zu Zeit wohnte, nicht blos soweit er persönlich oder seine
Standesgenossen davon Genuss hatten, zu verschönern, sondern ihn auch
wirthschaftlich, überhaupt nach jeder Richtung hin zu fördern. Aus solcher
Gesinnung ergab sich von selbst ein wahrhaft patriarchalisches Verhältniss des
Fürsten zu seinen Untergebenen.
Nicht unwichtig für sein Charakterbild sind die
Bemühungen, die er sich bereits kurz nach seiner Installation als Herrenmeister
im Interesse des Städtchens Sonnenburg verursachte. Welche Schritte er
unternahm, um den entvölkerten Ort zu heben,
[99]
ihn wieder industrietüchtig und wohlhabend zu machen,
das entnehmen wir aus einem Aktenstück, welches den etwas weitläufigen, aber
deutlich erklärenden Titel führt: "Die nie genug gepriesenen Herrn
Meisters Herrn Johann Mauritzens Fürstens zu Nassaw etc. ewig rühmende Sorgfalt
undt Provision, das Städtlein Sonnenburg, welches bisher unter das Ambts Joch
geseuffzet undt sehr gedrückt gewesen, zur Ordens Residentz Zu machen, undt
wass für Privilegia Er derselben gegeben (1653 bis 1656)".81
Mögen hier die Urkunden ohne jede Erklärung für sich
sprechen. Das umfangreiche erste Rescript des Fürsten lautet zu Anfang –
"nachdem wir Joh. Mauritz Graff82 zu
Nassow etc. bey Unser angetretenen Regierung im Meisterthumb Sonnenburg
befunden und gewahr worden, dass bey vorgewesenen Landes Verterblichen Krieges
Undt Pestzeiten der Einwohner sehr wenig worden, indem die meisten verstorben,
Vmb kommen Vndt die wenigsten übergeblieben, Und wir dahero grosse Ursache
haben, dass Meisterthumb hinwiederumb mit Leuten zu besezen Vndt zu Verbessern.
So haben wir Unsern besonders Lieben Valtin Prichordten Vndt Getrewen
auffgetragen, äusserst bemühet zu sein allerley Handtwerksleute, gros undt
klein Gewerke dahin zu disponiren, damit dieselben Sich dieses Orthes begeben
Vndt alhier Zur Sonnenburgk Häusslich niederlassen möchten . . ." Und nun
werden in dem Aktenstück die Vortheile und Annehmlichkeiten des Ortes und der
Gegend in lebhaften Farben und grosser Ausführlichkeit geschildert. Dann geht
das Elaborat wie folgt weiter:
"Es werden viele Leute Lust und Begierde haben,
Sich anhero Zu begeben und Häuslich nieder zu lassen, So wollen wir doch
überdies Alles denen selben welche Sich alhier sezen werden freyes Bawholz
geben Vnd andere beforderung Zum Baw erweisen, auch Sechs ganzer Frey Jahr
gewähret lassen, in welchen Sie von allen Vndt jeden oneribus exempt und
befreyet sein Vndt bleiben. Nach derer aussgangk auch Unss also christlich undt
billich gegen Sie erweisen wollen, dass es Keinem gereuen, sondern Lust Undt
Liebe dieses ordts zu
[100]
wohnen haben sollen . . . So geschehen auf Unserm
Residenz Hause Sonnenburgk den 23. January St. Vet. Ao. 1653".
Dass Moritz bei den in obiger Verfügung gegebenen
Versprechungen nicht stehen blieb, sondern in der begonnenen Richtung fortfuhr,
den Einwohnern seiner neumärkischen Residenz Vortheile in Aussicht zu stellen
und zu erwirken, beweist uns die folgende Urkunde vom 6. März 1653, welcher die
übliche Titelzusammenstellung souveräner Fürsten vorangeht: "Von Gottes
Gnaden etc. Uhrkunden Vnd Bekennen hiermit . . . als wihr Bey Unser Ritterlichen
Ordens Resid. Stadt Sonnenburgk befunden Undt gewahr worden, dass die Bürger,
Mittbürger und Vorstädter mit grossen, ja fast unerträglichen Diensten
beschwert worden, also das der Ohrt deswegen Bishero wueste blieben undt
Niemandt Lust und Belieben getragen, Sich alhier- häusslich Niederzulassen,
dass wir dahero Uhrsache genommen gedachte etc. von bissherigem Joche zu
befreyen undt Sie mit einigem Privilegio gnädiglich zu Versehen . . ."83.
Geht auch Driesen offenbar zu weit, wenn er bemerkt,
dass die Ansiedelung und Förderung fremder Leute lediglich auf Moritz' eigene
Kosten geschah, so vermindert sich doch die Grösse seines Verdienstes nicht,
selbst wenn angenommen werden muss, dass die angesiedelten Bürger ganz oder
theilweise aus den Mitteln des Ordens belohnt wurden. Ein minder grossmüthiger,
leutseliger und - fügen wir hinzu - intelligenter Fürst hätte wohl diese damals
noch unbeträchtlichen Mittel schwerlich für solche Zwecke aufgewendet. Der
"Brasilianer" handelte gleichzeitig wie ein kluger weitsichtiger
Kaufmann, der das ihm gehörige oder anvertraute Eigenthum am rentabelsten
anlegte. Für einen klugen Fürsten gab es aber gerade damals keine bessere und
sicherere Verzinsung eines Anlage-Kapitals, als die, welche sich aus der
Betriebsamkeit fleissiger und geschickter Bürger gewinnen liess. Aus diesem
Grunde richtete Moritz das folgende Gesuch84
an den Kurfürsten, welches sich speziell auf die Ansiedelung von Kaufleuten und
Tuchmachern bezieht:
"Gnädigster Herr, Ew. Churfürstl. Durchlaucht
muss Ich
[101]
Unterthänigst berichten, wassgestalt etliche
Kaufleute, welche aus Schlesien und Pohlen, der Religion halber, zu weichen
genöthiget, Sich angeben, sambt Sie willens wehren Sich in meiner Ordens Residentz
Stadt Sonnenburg zu setzen, eine zimbliche anzahl von Tuchmachern mit dahin zu
bringen . . . Derowegen Sie mich bittlich angelanget, bey Ew Churfl,
Durchlaucht gehorsambst einzukommen, das Selbte gnädigst Verwilligen wollen,
Ihnen den Tuchhandel in Undt ausserhalb Landes treiben Und beides zu Wasser
undt Lande etwa ein Jahr Viere Sie hiemit Zollfrey passiren zu lassen . . .
Weill nun Ew. Churfürstl. Durchlaucht ins Künftige in Dero Zöllen einen Zugang
hievon Zu gewertigen undt indessen nichts Verlieren, So versehe ich mich
hierinnen gnädigster erhörung undt des eussersten Vermögens nach mit meinen
Untertbänigsten Diensten Zu ersetzen, bin ich so willigst alss
Pflichtschuldigst, Ew. Churfürstl. Durchlaucht etc."
Durch solches Entgegenkommen und durch beständige
Milde und Gerechtigkeit, die er auch den Kommendatoren dringend ans Herz legte85, zog er sich im Ordenslande eine
Einwohnerschaft heran, die sich als dankbar und steuerkräftig erwies und die
ferner in der Lage war, gewisse kostspielige Verschönerungen der Ordensresidenz
und der Ordensämter Grüneberg, Rampitz, Collin u. s. w. materiell zu
unterstützen. Auch auf Grund dieser Thatsache, scheint mir, wird die
gewöhnliche Annahme, dass Moritz z.B. die Kosten des Sonnenburger Schlossbaues
aus seiner freilich sehr splendiden Schatulle ausschliesslich getragen,
hinfällig. Haben sich doch sogar einige Quittungen, zum Theil von der Hand des
Amtsverwalters Georg Schwick, erhalten86,
welche entnehmen lassen, dass man mehrere Jahre vor Beginn des Schlossbaues für
diesen bereits im Lande sammeln liess.
Eine dieser Quittungen lautet: "Quitung Uber 100
thal. Aus der Compttory (Name undeutlich) zum Baw dess Ordensshauses zu
Sonnenburgh vom 20 Decembris A° 1653". Eine zweite "Quitung Uber 100
thlr. Bawgeldt zum Sonnenburgischen Residentz-Hause, den tagk Remiscere. zu
Sonnenburgk A° 1655"; als Nachschrift folgt die Bemerkung: "diese 200
thal. Bawgelder seindt gänzlichen bezahlet".
[102]
Eine andere Empfangsbestätigung von Baugeldern hat
folgenden eigenthümlichen Wortlaut: "Dass die Gemeine des Dorffs Gorgast
mier Endesbenambten Achtzehn Thaler Zur Erbauung des Schlosses Zur Sonnenburgk
entrichtet, Solches wird hiemit bescheinigt, Und hat zu solchen 18 Thlrn. desgleichen
Ein Power 1 Thlr, Ein Cossäthe 12 gr. Undt Ein Kleintpower 6 gr. gegeben. Actum
Gorgast den 31. October 1653. Martin Steinigke".
Ferner liegt dem betreffenden Aktenstück eine kurz
gefasste Zahlenübersicht bei, welche sich auf die von den Commendatoren des
Ordens bereits gezahlten oder noch zu zahlenden Beiträge für erwähnten
Schlossbau bezieht. Diese Eintragung hat den Titel: "Aufsatz was die
Herren Commendatoren zum Schlossbaw gegeben". Es handelt sich in
sämmtlichen angeführten Fällen um relativ so geringfügige Beiträge, dass man
allerdings anzunehmen berechtigt ist, dass Moritz trotz jahrelanger Sammlungen
dennoch den Haupttheil der bedeutenden Baukosten aus eigenen Mitteln bestritten
habe.
Es hat nichts Ueberraschendes für uns, dass Moritz im
J. 1652 in Gesellschaft von holländischen Bauhandwerkern zu Sonnenburg eintraf.
Vermuthlich war er schon vorher von dem schlechten Zustand der dortigen Gebäude
unterrichtet; und nun sollte sofort Wandel geschafft werden. Am bedürftigsten
erschien ihm wohl das Innere der Ordenskirche; denn hier liess er die Hände
jener Leute zunächst ansetzen.
Die gothische Kirche, eine dreischiffige Halle mit
Chorumgang in kleinsten Verhältnissen, war im Jahre 1475 unter dem
Herrenmeister Richard von der Schulenburg begonnen worden. Dreiunddreissig
Jahre später wurde sie von dem Bischof Theodosius von Lebus87
eingeweiht. Doch völlig vollendet mit ihren nachlässig gemauerten Sterngewölben
wurde sie offenbar erst 1522, welche Jahreszahl nemlich an einem der
Gewölbschlusssteine deutlich zu lesen ist. Ob damals auch schon der schmucklose
Westthurm fertig war, der, nach Merians Abbildung88,
ab-
[103]
weichend von dem heutigen ganz massiven Thurm, einen
hohen spitzen hölzernen Helm besass, vermag ich nicht festzustellen. Jedenfalls
waren Thurm und Gewölbe schon im Jahre 1665 sehr baufällig89.
Die Kirche, die im Innern auf vier Paaren freistehenden achteckigen Pfeilern
ruht, ist nach älterer Messung90 92 Fuss lang,
60 Fuss breit und 36 Fuss hoch. Zu den darin befindlichen Kunstwerken, der
Vor-Moritzzeit gehören heute noch, ausser dem oben erwähnten Altar des Grafen
Schwarzenberg, einige halbverwitterte Epitaphien, die sich auf jenen Martin von
Hohenstein, eine gewisse Agnes von Hohenstein und andere Personen beziehen,
ferner ein grosses unschönes Kruzifix, welches frei im Mittelschiff hängt.
Denkt man sich hierzu das ursprüngliche primitive Stuhlwerk und eine Anzahl
Wappentafeln von Ordensrittern u. s. w., so dürfte ungefähr Alles genannt sein,
was der neue Herrenmeister im J. 1652 daselbst vorgefunden hatte. Und was wurde
von ihm nun hinzugefügt?
Im Regierungsarchiv zu Frankfurt a. O. sah ich ein
eigenhändiges Manuscript des Fürsten nebst einer wörtlichen Copie, die beide
den Titel führen: "Auss Zocht der Sonnenbg. Rechnung Von Uncosten so Ihre
Fürstl. Gnaden Von Nassaw Zu das Kirch baw angewandt hat, Von Lucia 1652 bis
Trinitatis 1662"91. Diese Kostenrechnungen
berichten vorzugsweise von Tischlerarbeiten die im Innern des Gotteshauses
nothwendig waren. Wir entnehmen aus den Bemerkungen des Fürsten u. a., dass
jener aus Berlin gekommene Marmoraltar, der 28 Fuss Höhe besitzt, bisher nur
nothdürftig zusammengestellt war und erst jetzt das hölzerne Rahmenwerk und
verschiedene aus Holz geschnitzte, seitlich angebrachte Dekorationen erhielt,
die durch ihre gröbern, mehr barocken Formen dem kunstgebildeten Auge sofort
auffallen. Auch ein neues Kirchengestühl wurde auf Moritz' Veranlassung
gezimmert. Unter den arbeitenden Kräften nahm ein gewisser Cranhalss die erste
Stelle ein; und wir wissen aus der Kunstgeschichte, dass die holländischen
Tischler, in ihrem Vaterlande "kistenmaker" genannt, mitunter tüchtige
Kunstschreiner und Holz-
[104]
bildhauer waren92.
Im ersten Jahre gab der Fürst 110 Thlr. 10 Gr. 6 Pf., im zweiten, (von Luciae
1653 bis Trinitatis 1654) 614 Thlr. 8 Gr., die bei weitem grösste Summe, aus.
Die Gesammtausgaben für die Kirchenhalle betrugen etwa 1000 Thaler, die genaue
Summe ergiebt sich aus Folgendem:
"Summa Summarium Was In die Ambt Sonnenburg
|
Rechnung Ist Befunden worden . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . |
965 Thlr. |
23 Gr. |
6 Pf. |
|
Was Bei dieser Rechnung noch gehöret, aber Von dass
ambt Sonnenburg nicht Aussgezahlet: 2 Messingne Leuchter-Cronne, dass
Eisserwerk darzu 1 Crucifix zu Berlin gemachet, 1 Lauff Stull . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . |
|
|
|
|
|
|||
|
|
|||
|
30 Thlr. |
|||
|
Item dass schadiren der kleinen pilaren Um die
Corren, Nebenst der schrifft Undt Ihro Fürstl. Gnaden Wapen Um gedachte
Corren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
8 Thlr. |
23 Gr. |
6 Pf. |
Letztgenannte Ausgabe betraf allem Anschein nach den
Anstrich der Säulchen am Altar (Chor), wo in der That noch heute eine Schrift
zu finden ist, während das Wappen des "Brasilianers" abhanden kam.
Den Zustand der Kirchenhalle nach der stattgefundenen
Renovirung schildert am besten ein im Pfarrarchiv zu Sonnenburg aufbewahrtes
Manuscript aus dem 17. Jahrhundert, dessen Inhalt ich hier wiedergebe93: "Das gebewde der Kirche ist ganz
steinern undt woll gewellbtt, auch mit 5 Doppelthüren etc. versehen, darinnen
sind nicht allein die Por-Kirchen nebst denen Mannes- und Frawen gestuelen nach
zierlicher Proportion new erbawett, sondern auch des Herren Meisters Kohr Undt
gestuehl, zu sampt den Altahrfuos Undt Orgell mit kostbaren güldenen Lehder
beschlagen Undt überzogen, die geflügel am Altar, welches an sich selber aus
Marmell und Alabaster künstlich bereitet, stark versilbert undt vergüldet, das
Crucifix ganz vernewet durch kurfürstliche Brandenbg. Undt Fürstlich Nassowsche
und der Anverwandten hohe Häuser so woll, auch der Herrn Meister uudt residirenden
Commendatoren sampt aller von Sr. Hochw. Fürstlichen Gnaden dem jetzo
regierenden Herrn Meister geschlagenen Ritter ihre Wapen zu befinden . . . Die
Kantzel und Tauffstein von newen verfertiget undt mit Gold, Silber undt Kupfer
ausstaffiret; zwei schöne Krohnenleuchter, ingleichen ein Klein Röhrleuchter
auffgehenket: Soche Hauptstücke undt allerbesagter
[105]
Kirchen Ornat sindt aus Fürstlicher Hochgerühmter
Munificentz undt Mildigkeit von Dero eigenen Mitteln und Kosten des
hochwürdigsten Durchlauchtigsten und Hochgeborenen Fürsten undt Herrn, Herrn
Johann Moritzen, Fürsten zu Nassow etc. jetzo Regierenden Herrn Meisters
gezeuget undt durch Sr. Fürstl. Hochwürden undt Gnaden sonderbahre Sorgfalt
beschaffet worden; wie solches die an dem Fürstlichen Stuel-Chor verzeichnete
Schrift, nachrichtlich besaget, So hat auch hochgedachter Fürst gleichfalls auf
seine Kosten die Kirche von aussen undt innen zusampt der Thür von unten auf
bis ans Dach weissen undt tünchen lassen: Also dass die auffgewandten Baukosten
. . . sich in die zweitausendt Thaler und drüber94
belauffen, welches Ihnen der allmächtige Gott reichlich vergelten wolle".
Diese Angaben eines Anonymus werden in J. Ch.
Beckmanns "Beschreibung des Ritterlichen Johanniter-Ordens95
in wünschenswerther Weise ergänzt. Es heisst dort: "Er (der Fürst) hat
auch die Kirche zu Sonnenburg inwendig schöne repariren, und dergestalt
einrichten lassen, dass man fast an allen Seiten den Prediger sehen kann: Und
seyn auf seine Verordnung daselbst auf beiden Seiten des Altars, die Nahmen der
Herren-Meister von A° 1300 an, jedweder in einer eigenen Tafel angehefftet;
Vorwärts dem Altar aber über dem Eingang zum Chore das Chur-Brandenburgische
Wapen mit der Unterschrift Patronus Ordinis, und nächstdem das Nassauische
Wapen, ingleichen an den nebenstehenden Seulen S. Hochf. Durchlaucht Ahnen von
beiden Seiten zu sehen: An den übrigen Seulen seyn die Nahmen und Wapen der
Ritter, so von A° 1652 geschlagen worden, zu finden. Er hat auch ein eigenes
schönes Chor vor sich aufrichten, und in dem Hintertheil desselben in der Mauer
sein Brustbild setzen lassen, wobey sich insonderheit begeben, dass A° 1665 den
24 Maj das Wetter durch die Thurm Spitze und Kirchmauer dergestalt geschlagen,
dass es den Fürstlichen Stuhl auf beyden Seiten getroffen, das güldene Leder
versenget, auch die Kirche mit
schwefelichten Dampfe gantz angefüllet, dennoch aber
jetzt-
[106]
gedachtes Hochfürstl. Brustbild gantz unverletzet
gelassen, ob es wol gleichfalls mit Rauch und Feuerstrahlen gantz umbgeben
gewesen . . ."
Schliesslich kann sich der Autor nicht versagen, eine
köstliche Probe von dem originellen Wesen des hohen Herrn zu geben. "Es
ist auch nicht vorbey zu gehen, dass, weil mehr höchstgedachter Fürst Joh.
Moritz dem Gottesdienst allezeit mit grosser Devotion beygewohnet, hiergegen
einige Unterthanen nicht einmahl bey dem Gebeth die Häupter entblössen wollen,
Er dieselbe anfangs warnen, und weil sie sich nicht daran gekehret, endlich ein
sonderliches Andenken einer Strafe gegen solche Verächter des Gottesdienstes
ergehen, und dem einen den Hut abnehmen und öffentlich in der Kirchen
anschlagen lassen, welcher auch noch daselbst zu sehen ist." Wirklich
hängt der grosse braun-graue Filz des renitenten Mannes noch heute,
festgenagelt an der Südwand nächst dem Eingang, zur bleibenden Warnung.
Die Fürstenloge lag damals, wie wir hörten, unter dem
Thurm, an der Westseite, gegenüber dem Altar, und leicht war es, bei den
geringen Abständen in dem Kirchlein, von hier aus die Besucher zu beobachten.
Was es dagegen für eine Bewandtniss mit dem Chor gehabt hat, welchen Moritz
oben in seiner Loge "vor sich" d. h. wohl "für sich"
aufrichten liess, vermag ich nicht anzugeben. Das erwähnte
"Brustbild" hinter diesem Chor ist offenbar die Gipsbüste, die heute
in der Sakristei, einem niedrigen gewölbten Raume an der Ostseite, auf
hölzernem Postamente in einer kleinen runden Nische neben der Eingangsthür
steht. Ist dieses niederländische Werk blos Abguss eines noch heute irgendwo
vorhandenen Marmor- oder Thonoriginals, und wie heisst sein Schöpfer"? Was
letztere Frage betrifft, so kann sie wenigstens so weit der Beantwortung nahe
geführt werden, dass man bekennen muss, dieses beachtenswerthe Portrait steht hinsichtlich
seiner eigenthümlichen Formengebung den älteren Arbeiten des Amsterdamer
Bildhauers Barth. Eggers auffallend nahe.
Die lebensgrosse Büste zeigt am untern Brustsaum die
Inschrift. Johan Maurit. Com: Nass. Aetat. suae 41, und das beigefügte Jahr
1645 versetzt uns in jene Zeit, da Moritz nach seiner Rückkehr aus Brasilien an
den holländischen Feldzügen in Flandern theilnahm und den Ort Hulst eroberte.
Eigenthümlich ist diesem Bildwerk die ideale Gewandbehandlung, die Tracht
[107]
eines altrömischen Feldherrn. Ueber dem Panzerhemd
mit seinem viereckigen Halsausschnitt liegt eine Schärpe, die an der rechten
Schulter durch einen Knopf befestigt ist. Das halblange Haar des kräftig
geformten Hauptes ist am Scheitel bereits stark gelichtet. Knebel- und Kinnbart
sind von minimaler Grösse. Die feinen Falten, welche Stirn und Wangen wie ein
Gewebe überziehen, dazu die etwas hochgezogenen Augenbraunen verleihen dem
Antlitz den Ausdruck der Nachdenklichkeit und Milde. Sie bilden das Gepräge
eines wahrhaft vornehmen Mannes, den Sorge und hohe Verantwortlichkeit über
seine Jahre hinaus gereift haben. Das Sonnenburger Portrait scheint in der That
eher einen Fünfziger, als eine Persönlichkeit zu Anfang der Vierzig
darzustellen. -
Nur wenig hat sich seitdem im Innern der Ordens-Kirche
verändert. Noch immer findet hier bei Gelegenheit der Kapitel, feierlicher
Gottesdienst statt, und wie zu Zeiten des "Brasilianers" geschieht
auch in der Gegenwart der Ritterschlag der neugewählten Johanniterritter durch
den Herrenmeister auf einem schlichten Podest vor dem reichskulpirten Altar der
ehemaligen Berliner Schlosskapelle. Die Fürstenloge hat dagegen ihren Platz in
Mitten der Nordseite, gegenüber der schmuck- und kunstlosen schwarzen
Marmorkanzel, die vor einem mittleren Südpfeiler steht, erhalten; und seit 1799
nimmt die Orgel den bevorzugten Platz in der Thurmhalle ein. Zu Ehren des
Prinzen August Ferdinand von Preussen († 1813), des vormals letzten
Herrenmeisters, hat man im Jahre 1839 dessen Broncebüste von L. Wichmann im
Mittelschiff gegenüber der Kanzel, aufgestellt96.
Wir wenden uns jetzt endlich der Angelegenheit des
Ordensschlosses zu.
Auf Mattheus Merians97
Ansicht der Stadt (1652) wird uns im Vordergrunde des Kupferstiches die
Umgebung des Schlosses gezeigt. Dieses Terrain, welches damals im Norden lag
und
[108]
hügeliger als heute gewesen zu sein scheint, bildet
jetzt, nachdem sich Sonnenburg über die alte, zum Schlosse führende Landstrasse
hinaus erweitert, den nordöstlichen Abschluss des Ortes. Moritz fand das
Schloss und die umliegenden, dem Orden gehörigen Häuser im baufälligen Zustand.
Nach Merians Kupferstich war jenes ein lauggestrecktes einförmiges Gebäude oder
vielmehr ein Doppelgebäude von zweigeschossiger Anlage. Der östliche
Schlossflügel war sehr hohen Alters98, während
der westliche Renaissanceanbau aus der Zeit des Herrenmeisters Thomas Runge (†
1564) stammte99. Aus der Mitte des
Doppeldaches, das seitlich von steilen Giebeln eingefasst war, erhob sich ein
schlanker spitzer Glockenthurm. Den Platz zwischen dem Schlosse und der südlich
gelegenen Kirche durchfloss das erwähnte Flüsschen Lenze. Westlich bezw.
südlich von der Kirche lagen Marstall, Amtshaus und Kanzlei des Ordens; diese
waren niedrige Häuschen, ausgeführt, wie es scheint, in Fachwerkskonstruktion.
Später erhielten die beiden ersteren Gebäude ihren Platz jenseits der Lenze,
zur Linken des Schlosses100; während die
Kanzlei, die zugleich Wohnhaus des Ordensrathes und Kammermeisters Jean de
Bonjour war, all ihrer ursprünglichen Stelle hinter der Kirche verblieb.
Hinter dem Schlosse aber, gen Osten, dehnte und dehnt
sich noch heute ein mächtiges Gartenviereck aus, an das der auf dem flachen
"Spitzberge" liegende Amtsacker grenzte. Das ganze Terrain schloss
endlich mit einem zweiten Flüsschen ab, das hier gewöhnlich der
"Kanal" heisst. Dasselbe mündet nordwärts in die Lenze, die sich dann
der Warthe nähert.
Wir hatten eben erfahren, dass Moritz schon bei
Antritt seiner Ordensregierung für technische Arbeitskräfte aus Holland Sorge
trug. Ausserdem findet sich in dem Fourierzettel, der ihm vorausgeschickt wurde101, um die Aemter auf die Lieferung von
Naturalien für 30 Personen mit 29 Pferden vorzubereiten, auch "1
Ingenieur" verzeichnet. Ob dieser der spätere Erbauer des Schlosses
Cornelis Ryckwaert war, der in den Urkunden ge-
[109]
wöhnlich Zimmer- oder Baumeister genannt wird? Nach
den ihm anderwärts zugeschriebenen Festungs- und Hafenanlagen, Thurm- und
Brückenkonstruktionen kam ihm zweifellos auch der Titel "Ingenieur"
zu. Doch kann hier mit gleichem Rechte Pieter Post, der brasilianische
Begleiter des Fürsten, vermuthet werden, dessen fachmännisches Urtheil bei den
Schlossbauten Cleves und Sonnenburgs thatsächlich eine Rolle spielte102.
In dem schon citirten Amts-Hausbuch de 1665, das eine
ausführliche Beschreibung aller zum Ordensamt Sonnenburg gehörenden Gebäude und
sonstigen Besitzungen enthält, wird zu Eingang bemerkt, dass Moritz nur die
Kanzlei im angemessenen Zustand vorfand. Sie allein hatte im dreissigjährigen
Kriege jener schwedische Major, der die Sternberger Gegend drangsalirte,
verschont, während, alles Uebrige zerstört wurde, "also, dass nicht mehr
denn etliche alte Stücken Mauer und einige Keller in der Erde, wie das der im
Kammer-Archive befindliche Abriss genugsamb ausweiset, stehen blieben"103. Moritz begann zunächst wohl mit einer
nothdürftigen Wiederherstellung des Schlosses, um dieses bewohnbar zu machen;
dann fuhr er, nach dem Hausbuche, fort mit "Anlegung eines neuen Gartens
und Ziehung eines Grabens um selbigen Garten, auch mit Erhöhung des Walles vom
Ambte nach der Kirchen und mit Besetzung der Lentze mit Erlen Pfählen".
"Allein es haben diesen Ihro Fürstlichen
Hochwürden und Gnd. Hochrühmlichen Vorsatz fernerer Continuation des Baues die
andern Ihro in Dero andern Landen abgelegenen hohen Affairen und dazwischen
entstandenen Kriegs-Trublen merklich verrücket , also dass solcher Baw nicht
eher Fortgang haben können, als bis mehr Hochgedachte Fürstl. Hochwürden und
Gnd. in Ao, 1661 Dero Meisterthumb hinwieder besuchet". Blieb Moritz in
der Zwischenzeit der Neumark fern? In Berlin war er, nachdem er Sonnenburg im
Sommer 1653 verlassen, schon im darauffolgenden Jahre zwei Mal, doch ist ein
Abstecher nach Osten nachweislich nicht erfolgt. Dagegen wissen wir, dass er im
[110]
Jahre 1658 dort ein Ordenscapitel abhielt104. Also erst nach wiederholtem Besuch seines
Herrenmeisterthums liess er den Neubau des Ordensschlosses durch mitgebrachte
holländische Techniker und Arbeiter beginnen. Das geschah zu Anfang des Jahres
1662.
Währenddessen war von ihm, wie wir an anderer Stelle
berichteten, seine Residenz Cleve mit den mannigfaltigsten Reizen geschmückt
und alles am Niederrhein zum Empfang des Kurfürsten und des brandenburgischen
Hofes bereit gemacht worden. Und als nun Friedrich Wilhelm von dort aus sein
Land regierte, tummelte der "Brasilianer" sein Ross im Sande der
Mark, in Berlin, Potsdam und Sonnenburg, auch hier, wie überall, eifrig bemüht,
seine Bauideen zu verwirklichen und Landverschönerungen vorzugeben105.
Dank den reichfliessenden Quellen sind wir über
Beginn und Verlauf des Schlossbaues, über dessen damals entstandene Ausstattung
und Umgebung, sowie über die ausführenden Kräfte genau unterrichtet. Ausser dem
Hausbuch de 1665 kommen vor allem noch die eigenhändigen Rechnungsauszüge des
Fürsten, welche den Zeitraum von Trinitatis 1661 bis Trinitatis 1668 umfassen106, hierfür in Betracht. Man begann die
Arbeiten, indem man zunächst das alte Gebäude niederlegte und Alles, bis auf
einige Fundamenttheile, beseitigte. Zuvor hatte der Fürst, wie es im Hausbuch
heisst , zwei erfahrene Meister "Nahmens Cornelius Rückwaerten, so Zimmer-
und zugleich Bau-Meister, und Gorus Peron, welcher Mauer-Meister gewesen, nebst
zwölf Holländischen Knechten, als bey jeglichem Meister sechs aus den
Niederlanden anhero verschrieben, und selbigen ein von Ihro Fürstlichen
Hochwürden und Gnd. selber gemachtes Modell vorhabenden Baues eingehändigt,
welche Holländische Maurer- und Zimmer Leuthe dann mit Hilfe einiger deutscher
Tischler, Zimmer Leuthe und Maurer bis ins 1667 Jahr
[111]
ein solches Werk verfertigt, wie an jetzo zu
sehen". Weiter wird bemerkt, dass Moritz im August 1662 nach Holland
abreiste und die Schloss-Bauleitung in Sonnenburg dem Ordensrath Jean de
Bonjour übertrug. Durch Driesen erfahren wir indess, dass der Fürst vom 14.
Juli bis 18. September in Berlin gelebt hat.
Was die oben erwähnten Rechnungsauszüge betrifft, so
enthalten dieselben verschiedene Abschnitte und Titel. Die erste Aufschrift,
die uns begegnet, lautet: "Rechenning von uncosten so Auff das
Sonnenborghe Schloss Baw gegangen. Von den 1. Jannewary 1662". Dann lesen
wir weiter: "Uncosten so auff das glasen machen Zum Schloss Baw gegangen.
Summa 612 thlr. 15 gr. 10 pf"; darunter finden wir folgende Reisesposen
für die Glaser gebucht:
|
Die107 meister
mit mich bis Hamborg, von Ambsterdam . . . |
6 |
Thlr. |
- - |
Gr |
|
Von Clev bis Amsterdam . . . . . .. . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . |
2 |
" |
23 |
" |
|
Von Hamborg bis Cüstrin . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . |
11 |
" |
- - |
" |
|
etc. etc.
ect. |
|
|
||
|
Was das Arbeitszeuch so ich in Hollant Erkauffet .
. . . . . . . |
18 |
" |
18 |
" |
Die Rechnungen wurden zuerst bis Trinitatis 1663
geführt, und die Ausgaben alsdann Jahr für Jahr zusammengestellt. Hierbei
theilte Moritz die Seiten in drei Rubriken. Links notirte er die Summen, welche
an die holländischen Werkleute als "Handgeld" direkt gezahlt wurden,
rechts die Summen, welche der Amtsverwalter zur Löhnung der deutschen Arbeiter
ausgab. In mitten fügte er Datum und Erklärungen zu den links oder rechts
geschriebenen Summen hinzu. Dadurch erhielt das Ganze eine gewisse
Uebersichtlichkeit. Es beweist zugleich auch, dass der ideal gesinnte Fürst ein
guter Rechenmeister und kluger Geschäftsleiter war. Wenn also Moritz, wie aus
der nicht gerade glänzenden Beschaffenheit seines späteren Nachlasses108 hervorzugehen scheint, über seine
Verhältnisse kostspielig gewirthschaftet hat, so lag das jedenfalls nicht an
seiner Unfähigkeit, sorgfältig zu rechnen und praktisch zu handeln. Wir wollen
aus den Rechnungszügen noch einige bemerkenswerthe Details anführen:
[112]
"Summa Summarium aller Uncosten zum Schlossbau.
Von Trinitatis 1662 bis Trinitatis 1663."
|
An die Hollanders an Handtgeldt . . . . . . . . . .
. . . . . . |
2744 |
Thlr. |
3 |
Gr. |
7 |
Pf. |
|
An den Ambts-Verwalter Von mich . . . . . . . . . .
. . . . |
3327 |
" |
22 |
" |
1 |
" |
|
etc. etc. ect. |
|
|
|
|
|
|
|
Die Holländer frey quartir, brant undt andren
Hausraht etc . . |
20 |
" |
-- |
" |
-- |
" |
|
Summa |
8475 |
Thlr. |
20 |
Gr. |
11 |
Pf. |
|
Summa Summarium etc. Trin. 1663 bis 1664. |
|
|
|
|
|
|
|
An die Hollanders alls Handtgeldt . . . . . . . . .
. . . . . . . |
2141 |
Thlr. |
2 |
Gr. |
9 ½ |
Pf. |
|
An den H. Amts-Verwalter Zu Bezahlung der Duytsche
Arbytters etc. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . |
2293 |
" |
22 |
" |
8 |
" |
|
etc. etc.
etc. |
|
|
|
|
|
|
|
Summa |
7362 |
Thlr. |
16 |
Gr. |
6 |
Pf |
Die Rechnungsnotizen von 1664/65 sind auf vier
Rubriken vertheilt und mit folgenden Ueberschriften versehen:
|
1664 |
Die Hollanders |
Sonsten |
An den Herrn Amts-Verwalter. |
|
(Dat.) |
|
|
|
Die schliessliche Summirung der gesammten Bank hat
nachstehendes Resultat:
"Summarischer Aufsatz
was an Uncosten zum schlossbaw ist gegangen von
Trinit. 1661 bis wieder Trinit. 1667."
Die ganss Post
|
VoN |
war netto: |
|||||
|
1661-1662: |
3473 |
Thlr. |
8 |
Gr. |
9 |
Pf. |
|
1662-1663 |
8475 |
" |
20 |
" |
14 |
" |
|
1663-1664: |
7362 |
" |
16 |
" |
6 |
" |
|
1664-1665: |
7680 |
" |
16 |
" |
- - |
" |
|
1665-1666: |
6507 |
" |
8 |
" |
8 ½ |
" |
|
1666-1667: |
5249 |
" |
16 |
" |
1 |
" |
|
|
38,749 |
Thlr. |
15 |
Gr. |
11½ |
Pf109 |
|
1667-1668: |
2054 |
" |
6 |
" |
5 |
" |
Das sind die Unkosten zum Schlossbau. Moritz hat nun
den Haupttheil in Baargeld, einen minderen Theil in Viktualien und Materialien
verabfolgt. Das Nähere darüber ergiebt die folgende Uebersicht:
[113]
|
|
Bahr geldt |
Victual: |
Materiall: |
||||||||
|
Thlr. |
Gr. |
Pf. |
Thlr. |
Gr. |
Pf. |
Thlr. |
Gr. |
Pf. |
|||
|
1661/2 |
2504 |
20 |
6 |
66 |
21 |
-- |
901 |
16 |
3 |
||
|
1662/3 |
7038 |
9 |
11 |
-- |
-- |
-- |
1327 |
11 |
-- |
||
|
1663/4 |
5476 |
22 |
9 ½ |
472 |
17 |
6 |
1413 |
-- |
-- |
||
|
1664/5 |
5204 |
5 |
4 |
397 |
20 |
11 |
2078 |
15 |
-- |
||
|
1665/6 |
4875 |
3 |
8 ½ |
85 |
9 |
11 |
1546 |
9 |
-- |
||
|
1666/7 |
4570 |
21 |
1 |
21 |
-- |
-- |
657 |
19 |
-- |
||
|
|
29,670 |
22 |
5 |
1043 |
20 |
5 |
8034 |
21 |
8 |
||
|
1667/8 |
2001 |
7 |
5 |
15 |
12 |
-- |
87 |
11 |
-- |
||
|
|
|
Thlr. |
Gr. |
Pf. |
|
|
Bahr geldt |
29670 |
22 |
5 |
|
1661/67 |
Victuallia |
1043 |
20 |
5 |
|
|
Materiall |
8034 |
21 |
3 |
|
|
|
33749 |
15 |
1 |
|
1667/68 |
|
2054 |
6 |
5 |
|
Summa |
|
40803 |
21 |
6 |
Das Hausbuch versichert, dass der Fürst der alleinige
Schöpfer des "Modells" des Sonnenburger Schlosses sei, welches unter
Leitung des Ordensrathes de Bonjour von dem holländischen Baumeister Cornelis
Ryckwaert errichtet wurde. Dürfen wir nun diese Versicherung, ohne Prüfung der
Sachlage, als unbedingt überzeugend hinnehmen?
Dass Moritz eine weit über das gewöhnliche Laienthum
hinausgehende Einsicht in den Organismus eines Bauwerks besass, soll nicht
bestritten werden. Aber gerade dies befähigte ihn, die Schwierigkeiten
gebührend zu schätzen, die der Architekt bei Aufgaben solcher Art zu überwinden
hatte. Selbstverständlich wird er sich das gute Recht des Bauherrn in keiner
Weise haben verkümmern lassen; und man darf annehmen, dass seine realisirbaren
Wünsche auf Grundriss und Ausstattung des Ordensschlosses einen wesentlichen
Einfluss gehabt haben. Jede weitere Betheiligung seinerseits erscheint mir aber
unglaubhaft. Um so mehr, als jener Holländer Ryckwaert nach dem, was wir von
seinen sonstigen Arbeiten110 freilich nur
oberflächlich erfahren, sehr wohl der Mann gewesen sein konnte, einen Plan wie
den vorliegenden völlig selbstständig zu erfinden.
[114]
Und zweitens hatte der Fürst auch ausserhalb
Sonnenburgs tüchtige Fachleute zur Verfügung.
Allerdings will ich bezüglich Ryckwaert's Autorschaft
mein Bedenken nicht verhehlen. Da das Hausbuch noch während der Bauausführung
geschrieben wurde, so lege ich den Angaben darin einen möglichst grossen Werth
bei. Ich erkläre mir daher jene Bemerkung dahin, dass Moritz im Jahre 1661
einen fertigen Bauplan aus Cleve mitbrachte und dass er in Sonnenburg betonte,
dieses "Modell" sei nach seinen speziellen Vorgaben und Wünschen angefertigt
worden. Ein derartiges fürstliches Wort wird dem Schreiber des Hausbuches, der
weniger Architekturkenner, als loyaler Unterthan war, wie ein Zugeständniss der
Autorschaft geklungen haben. Nun wissen wir aber, dass sich Moritz bei allen
seinen Palastschöpfungen, in Brasilien, im Haag, in Cleve, stets eines und
desselben holländischen Meisters bedient hatte, nemlich der fähigen Hand des
Architekten Pieter Post, der auch wirklich hier einmal genannt wurde111. In Post, der mit gleichem Rechte
"Architekt des Fürsten Moritz" heissen darf, wie Lysippus
Portraitbildhauer Alexanders des Grossen, erscheint mir daher mindestens der
intellectuelle Urheber des Planes dieser Sonnenburger Bauschöpfung annehmbar.
Gehen wir nun auf die beschreibenden Ausführungen des
Hausbuches de 1665 näher ein. Wie gross die modernen Veränderungen sind,
entnimmt man schon daraus, dass die ursprünglich zweigeschossige Anlage, durch
Tieferlegung des Terrains, in eine dreigeschossige verwandelt wurde; aus dem
Keller entstand also ein vollständiges Erdgeschoss. Wenn es im Hausbuch heisst,
dass der Grundriss des Schlosses ein "Quadrat" sei, so ist offenbar
das ganze ummauerte Inselterrain der Anlage gemeint (vgl. den Grundriss auf
Seite 130). Andererseits vermisst man darin zuweilen die wünschenswerthe
Deutlichkeit und selbst die Fähigkeit des Schreibers, architektonische
Eigenthümlichkeiten genauer zu charakterisiren. Hier einige Bemerkungen jenes
Buches: "Das Dach ist doppelt, ausswendig Vier Kant, inwendig aber mit
einer Kehle oder Hohle, woraus das Wasser durch eine Rinne nachm Garten zu,
abgeführet wird." Von den Dachsteinen heisst es, sie "seynd blaue
gebrandt" und hier "zuerst inventiret, dan man von der-
[115]
gleichen Steinen in der Chur Brandenburg Vorhin
niemahls gewusst".
"Die Mauern des Hauses sind von gebrandten
Steinen und
umbher weiss angestrichen112,
und unterm Dache mit einer feinen der Architektur Jonischer Ordnung gemess
erforderten Leisten versehen. Die Steine darzu seynd zum meistentheils unweit
der Spitzberge am Caninichen Garten gebrant, die übrigen aber sonsten
erkaufft." Etwas unklar erscheint mir der Sinn des folgenden Satzes:
"Das Vordertheil des Schlosses nach dem Wasser ist mit einer Cornissen
(?), worin eine Treppe von Eichenen Tritten oder Stufen nebst behöriger
Ballustrade und Leisten". Da bereits von einem jonischen Kranzgesims die
Rede war, so halte ich die Bezeichnung "Corniche" für eine
Begriffsverwechslung. Deutlich ausgedrückt und in heutiges Deutsch übertragen,
dürfte der Satz etwa so lauten: Die Schlossfront hat eine Freitreppe mit Stufen
aus Eichenholz, Sims und Ballustrade. Diese in's Hauptgeschoss führende echt
holländische Freitreppe, die in Folge der oben erwähnten Tieferlegnug des
Terrains cassirt werden musste, enthielt unterhalb einen direkten Zugang zum
Sockelgeschoss: "Unter dieser Treppe ist eine Thüre, und sofort daran eine
Treppe, worauff man Wein undt allerhand sachen in den Keller bringet".
Vom Schloss-Portal schreibt dann der Anonymus:
"Die Eingangs Thür zum Vorhause113 ist
geziehret mit einem Schnitzwerk, so ein Brabantischer Bildschnitzer nahmens . .
.114 gemachet. Durch diese Thür kombt man ins
Vorhauss, welches zur linken seyten Ihro Fürstliche Hoch-Würden und Gnaden
Gemächer gleich über den grossen Saal, und dann Zur rechten seyten die Canzley
undt Küchen hatt, Aus welchem Vorhause man auff den Treppen sowoll in die
Keller, als oben herauff gehen kann".
"Ihro Fürstliche Hochw. u. Gnaden Gemächer zur
linken
Hand des Vorhauses seynd diese. "Die Vorkammer,
so meist Vierkant ist. Von daraus gehet man durch das Cämmerchen, so vor die
Pagen, Cammerdiener und Lacquayen ist, in Ihro etc.
[116]
Schlafkammer, daran ein gewölbtes Cabinet, mit einer
Eysernen Thür, und eine gewölbte Garderobe, aus welcher Schlaffkammer und
Garderobe man auch in den grossen Saal gehet". Ich bemerke schon hier,
dass noch heute die beiden Thüren, welche aus den Gemächern des Herrenmeisters
direkt in den grossen, durch beide Geschosse gehenden Festsaal führen, an
dessen linker Schmalwand vorhanden sind.
"Der grosse Saal ist gewölbet ... hatt 2 Kammine
gegeneinander, 5 Fenster gegen Osten, darunter drei 36 Fuss hoch, Item im Ober
Gemach 4 Fenster, als auff beyden Seiten der Schornsteine eines und noch eines
vom Obersten Vorderhause über der grossen Thüre; wie dann auch darin 5 Thüren
nemblich die grosse vom Vordersaale und 2 an Jeder seyte. Oben im Gewölbe ist
ein Achteckigt Loch, rund umbher mit schönen faistons und inwendig mit Ihro
Fürstl. Hochw. und Gnd. Wapen verziehret. Dieser Grosse Saal hatt auch Mauer
Bogen, welche mit Parckamenten115 vertheilet
seynd. . . Das Mauerwerk ist mit einer schönen Leiste Jonischer Ordnung gezieret.
Die Fluhr116 Bretter (sind) von 2 Längen, und
in der Mitte ein rund Loch, wodurch man in das grosse gewölbe117
siehet". Diese knappe Schilderung des grossen Festsaales, des nicht blos
architektonisch wichtigsten Raumes des Ordensschlosses, enthält gewiss für den
verehrten Leser manche Unklarheit. Wir müssen uns indess die Verdeutlichung der
Worte des Hausbuches, in deren Reproduktion wir zunächst fortfahren, für einen
folgenden Abschnitt vorbehalten.
"Zur rechten Hand des Vor Hauses gehet man
zuerst in die Secretary, von daraus in die Cantzley selbsten oder in die
Audientz-Stube, worinn zur Linken das Lehns- und Zur rechten seyten das
Kammer-Archiv, beide gewölbet, und Vorne mit Eysernen Thüren versehen. Ferner
zur rechten Handt, aussn Vorhause in die Küchen; Was an Holtze, Wasser undt
dergleichen in der Küchen nöthig, Kan von ausswendig, weil auch eine Treppe und
Thüre alda ist, darein gebracht werden".
"So gehet man auch auss dem untern Vorhause uff
den Treppen, welche anfangen an der Saalthür uff beyden Seiten und . . . Fuss
hoch seynd, die Tritte aber 8 Fuss breit, von
[117]
schönem Eichenen Holtze, nach dem obern Vorhause; die
Treppen haben schöne Leisten und Ballustraden, seind auch mit Oelfarbe
angestrichen". Von diesem oberen Vorflur "gehet man in alle Gemächer
also, wie aussm untern, ausgenommen den grossen Saal, welchen man durch ein (?)
Fenster anschauen kann. Die oberste Gemächer seynd auch nicht gleich den
untersten gewölbet, sondern nur mit Brettern beleget. Wie dann auch die
obersten Gemächer ebensoviel Fenster, Schornsteine und sonsten Alles wie die
untersten haben"
"Ingleichen ist auf beyden Ecken nachm Kietze
undt der Wiese, sowoll unten als oben ein Secret von absonderlich darzu
gemachten Glasirten Topsteen in der Mauer auffgeführet, so unten in den Graben
gehen. Aus diesem obersten Vorhause gehet man auf eben solchen Treppen, wie die
untersten weiter herauf uff die Boden unterm Dache. Und dass seynd also die
Gemächer in der Residentz uffs Kürtzeste beschrieben, welche alle woll
abgeweisset, und mit so vielen Fenstern versehen, als das die Architectur
erfordert, nemblich an der Vorder- oder Westseiten seynd 13 Fenster unten,
darunter aber 2 Thüren, undt 13 oben. An der Nordseite 6 unten und 6 oben, ohn
die Keller; an der Hinter- oder Ost Seyten 7 unten und 7 oben, worunter aber 3
von zwei Längen, welche vor 2 gerechnet werden. Die Südseyte gleicht der
Nordseyten".
"Noch seynd im Grossen Gewölbe 4 Fenster, in der
Silberkammer 2, in der Hoffstube 2, und in dem Kuchen Keller 4 Glase Fenster,
undt davor starke Eiserne Gitter. Solche Fenster insgesambt seynd von einem
Clevischen Glaser nahmens Pieter Roomern118
mit länglicht 4 kanthen Rauthen gemachet, und mit Wind Eysen und allen anderen
Zubehörungen vor Gebühr versehen. Nun mehr seynd noch im Hause zu benennen die
Keller und Gewölben, unter obbenahmten Gemächern. Und ist Zu wissen, das man
von dem Untersten Vor Hause uff Zweyen Treppen welche den Obersten, mit Lehnen,
Tritten und Ballustraden überall gleich kommen, undt nur darumb, wan die Ordens
Herrschaft unten im grossen Gewölbe essen will, gemachet seyen, in das grosse
Gewölbe gehe, welches . . . Fuss lang und Fuss breit, stehend uff 4 grossen
Pfeilern, umb welche
8 Kleine Bogen oder gewölben seynd."
[118]
"In diesem grossen Gewölbe ist aber in der
mitten ein rundes Loch, wodurch man Ihro Fürstl. Hochw. undt Gnd. Wapen oben am
Saal sehen kann, desgleichen ein Cammin. Nechst an diesem Gewölbe zur Rechten seyten
ist abermahl ein anderes, die Hoff-Stube genanndt, in welchen das Gesinde
gespeiset wird, wie man dann auch durch das Letztgenannte gewölbe in noch ein
anderes ostwerts, under den Lehns- und Kammer-Archiven belegen, gehen kann, das
die Silber Kammer ist. Uff der linken seyten, wenn man von oben die Treppen
herunter in das Grosse Gewölbe Kombt, ist eine Thüre in die Keller, selbige
wird nur alsdann, da im Saal gespeiset undt ein frischer Trunk vom Zapffen
begehret wird, eröffnet. Grade über der eingangs-Thüre von oben ist eine andere
Thüre vorm grossen Gewölbe, dadurch man zum Garten gehet".
"Dies ist also auch das grosse Gewölbe nebst
denen dabey belegenen Gemächern oder Gewölben. Wan man aber in die Bier- und
andere Provissions-Keller vom Vorder Platze herein gehen will, So kombt man
unter der Vorder Treppe uff eine Bordesse, darauf 2 Treppen, davon die Zur
linken noch die Bier und Weinkeller, die Zur rechten aber in die Provission-
undt Küchen Keller führet. Alle Keller seynd mit starken Eisernen Gittern, und
Theils von einwendig mit Glass Fenstern Versehen".
"Der Platz vorm Hause ist . . . Fuss lang und ,
. . Fuss breit mit einer starken Mauer von Grund aus und einer Brustwehre
umbgeben, mit Feldsteinen gepflastert. In den Ecken nach der Lentze hat Er 2
Pavillions, Welche unten ein Gewölbe vor die Delinquenten und in der Mitten ein
Loch im Gewölbe, umb dadurch die Gefangenen herunter Zu lassen, unter dem
Gewölbe ein Secret, an den Löchern aber mit starken Eysernen Gittern verwahret
seyend, oben aber ein hübsches Gemach mit 6 Fenstern, einen Schornstein und ein
Secret vor die Thorwächter oder sonsten Jemanden, Seynd auch beide mit Blawen
Steinen gedecket. Uff diesem Platze, wan man von der brücken darauf kombt zur
Linken Hand ist ein schöner Brunnen in der Ecken beim Pavillion, davon der
Quell bei Grabung der Fundamente zum Pavillion sich hervor gethan".
"Umb gedachtes Hauss und den Schloss-Platz ist
ein Barm119. 10 Fuss breit von eingestossenen
Eichen-Pfählen und belegten
[119]
Bohlen. Der Graben geht ins Vier Kant umb das Schloss
und den Platz her, ist 60 Fuss breit und nothdürfftig tieff. Die Brücken machen
Schloss, deren seynd von Vornen 2, die eine gehet über die Lenze, hat Ihre
Lehnen, Pylasters undt Knöpffe; die andere überm Schloss Graben, welche zuerst
ein Romey (?) mit Blauen Dachsteinen beleget, worinnen ein grosses Thor und
Kleine Thüre, hernach die Zug Brücke und nach derselben Zwei Thüren gleich der
Mauer. An diesen Brücken seynd die Pfähle, Bohlen, Lehnen und Pylasters wie
auch die Thore von Eichenen Holze, mit starken Eysernen Bänder, Ketten, Riegeln
undt Nägeln Versehen und mit Oelfarbe angestrichen. Noch eine Brücke hinten am
Hause nachen Garten, übern Schloss Graben; Ist auch von Eichen Holtz, und mit
Oelfarbe angestrichen".
Der Schlossbau war während der langen Abwesenheit des
Fürsten nahezu zum Abschluss gebracht worden. Es bestanden indess noch
zahlreiche Ungewissheiten über Details, die u. a. die Bedachung, Ausstattung
und Umgebung des Schlosses betrafen. Darüber war bis zum Jahre 1665 noch keine
Entschliessung von Seiten des Herrenmeisters erfolgt. So nahm denn die
Bauleitung in Sonnenburg Veranlassung, an den Fürsten ein umfangreiches
Memoriale in Gestalt von 25 bestimmt, zum Theil ausführlich gestellten Fragen
nach Cleve zu richten. Die darauf genau und fachgemäss gegebenen Antworten
lassen die Wichtigkeit erkennen, welche Moritz dieser Bauangelegenheit im
fernen Lande beimass. Das Memoriale ward zur bessern Uebersicht so
eingerichtet, dass die Fragen lediglich die rechten Blatthälften des
Schriftstücks füllten, sodass für die Antworten die linken Hälften frei
blieben. Bevor ich nun meine Muthmassungen bezüglich der intellectuellen
Urheber dieser Fragen und Antworten äussere, will ich dem Leser zuvor das Memoriale
selbst nicht vorenthalten. Ist es doch eins der interessantesten und
lehrreichsten Dokumente dieser Art, das den intimsten Einblick in das
Verhältniss eines fürstlichen Bauherrn zur Bauleitung und in die Bauausführung
einer palastartigen Schöpfung des 17. Jahrhunderts
[120]
gewährt. Deshalb habe ich auch kein Bedenken
getragen, das Memoriale getreu und vollständig zu reproduciren.120
"Unterthänigstes Memoriale an den Hochwürdigsten
Durchlauchtigen und Hochgeborenen Fürsten undt Herrn, Herrn Johann Moritzen
Fürsten zu Nassow p. p. p. meinen gnädigen Fürsten und Herrn, betreffendt den
Sonnenburgischen Schlossbaw, überreichet den 1./11. Maij 1665.
|
Die Fragen. |
Die gnädige resolution Ih. Fürstl. Hochw. undt Gnd. |
|
1. Ob die Gallery umb und umb gehen, oder man nur
Pavillione, als einen am Thor, undt auff Jeder Ecken einen bawen, auch ob es
mit deren aufferbawung annoch ein Jahr anstandt haben solle? |
1. Die Gallery belangend, So seind wir nicht gesonnen,
selbige machen, sondern blos die Mauer, so umb und umb gehet, nicht höher
auffführen Zu lassen, als eine Brustwehre Von 4 Fuss hoch, ober dem platze
des Hauses. Und soll diese Mauer schrat (?) nach dem Graben abgehen, damit
das Wasser auff selbiger seiten nicht stehen bleibe, Jedoch so viel Vier
Kant, das man ein Löhnbalcken darauff legen könne, welcher durch Eysen, so in
der Mauer fest zu machen seye, verbunden und fest gemachet werden soll. An Pavillionen aber sollen nicht mehr, als an Jeder
Ecken einer seyn, und zwar nur ein geschoss hoch, mit einem so flachen Dache
als immer möglich, damit man umb soviel desto besser von den Gemächern
darüber sehen könne; der Pavillionen Vier Kante soll ungefebr 16 Fuss, und
die Höhe ungefehr 9 bis 10 Fuss hoch seyn, Von dem Vorplatze abgerechnet. Die
Pavillione aber sollen in Ihren Cornisse bleiben, wie der Abriss ist, und
also, das in Jeder Cornisse ein länglicht Schissloch gemachet werden kan, umb
dadurch lengst der Mauer Zu plankeren. Ein Jeder Pavillion soll ein
Schornstein recht in der mitten, und 2 Fenster an Jeder seyte, und unten ein
Gewölbe haben. Der an der rechten Hand des Schlosses soll das gefängnüss
seyn, der an der linken Hand vor den Pfördtner oder sonsten Jemanden anderes.
An den Fenstern der Pavillionen vor die gefangenen sollen doppelte Gitter
gemachet werden, als eines inwendig, und das andere ausswendig, undt an allen
seyten woll fest und tief eingemauert. In der mitten beym Thor soll kein
Pavillon kommen, umb dadurch das gesichte vom Schlosse nicht Zu verhindern,
sondern nur bloss eine Zug-Brücke mit allen ihren requisiten. |
|
2. Ob die forderste Mauer von der Ring Mauers soweit
aussgeleget werden solle, das der Platz Vierkant werde? |
2. Dieses soll also gemachet werden. |
|
[121] |
|
|
3. Wie Ihr. Fürstl. Gnaden die Brücken belieben Zu
haben, ob die selbe auff Steinene oder Höltzerne Pfeiler soll gesetzet
werden? |
3. Die Brücke soll auff Höltzerne Pfeiler gemachet,
undt wie vorgedacht kein Pavillion noch Pfordte verfertiget, sondern an stadt
der Pfordte 2 Niedrige starke thüren, so hoch die Brustwehre herumb gehet,
gemachet werden, damit wie gemeldet, das Gesichte nicht gehindert werde. Die
AuffzugBrücke soll gleich am Barm anfangen, damit man selbige bequem
auffziehen könne. |
|
4. Auff welche manier Ihr. Fürstliche Gnd. die Graben
belieben zu haben, ob ein Ringschloss umb undt umb geben, undt wie breit die
Barm seyn; Item ob der Graben verdungen, oder umb tageslohn verfertiget, auch
wie tieff selbige seyn sollen? |
4. Den Graben und ringschloss betreffendt, soll
selbiges also, wie auff dem Abriss gesetzet, gemachet werden. Der Barm (vgl.
Anm. S. 118) soll von der Mauer ab 8 Fuss breit seyn, der Graben aber
endweder verdungen, oder umb tagelohn, nachdem sichs am besten thun lassen
will, verfertiget werden. |
|
5. Ob man sowoll den Graben und Ringschloss als auch
den Barm einwendig und ausswendig mit Pfälen verstossen solle, damit die Erde
nicht wieder hinein fallen könne, wozu dann 200 Eichen, umb davon Pfäle zu
machen, vonnöten, und in der Commenthurey Lagow können gehawen und angeführet
werden? |
5. Dieses muss nothwendig geschehen, und das
Ringschloss als Graben undt Barm mit Pfählen verstossen werden. Was die
Eichen anbelanget, so schreiben Wir desshalb an den Freyherrn von Löben, als
Comptorn zu Lagow. |
|
6. Ob Fürstl.. Gnaden annoch resolviret den Thurm oben
auffem Schlosse Verfertigen oder nur ein flaches Dach und eine Ballustrade
umb und umb bauen zu lassen? |
6. Es soll kein Thurm gemachet werden, sondern bey
einem flachen Dache und Ballustrade Verbleiben. Unten im Saale aber soll das
Loch im gewölbe, weil es schon gemachet, unter dem kleinen Dache, so hoch als
immer möglich, Verwölbet, und Unser Wapen mit dem Ordens Creutze und
Schwerdte darin gemahlet, das übrige gewölbe aber weiss angestrichen werden.
Wir Wollen auch, das Zwischen beyden Dächern, Unserer Meinung nach, die Wir
Bonjourn bedeutet haben, und nicht gar woll beschrieben werden kann, oben
auffem Dachsteinen an beyden seyten starke Ribben und auff beyden seyten auff
die Ribben lengst dem Dache Balcken, auff gedachte Quer Balcken aber blosse
Bredter geleget werden sollen, damit, wan im Winter grosser Schnee fället und
schmiltzet, selbiger die Dächer nicht durchdringen, und dem Gewölbe und Saale
kein Schaden thun könne. Und wan es sich schicken will, solle die Ballustrade
umb und umb auffm Dache gehen. |
|
[122] |
|
|
7. Ob man mit brennung der Blawen Dachsteine
continuiren, und selbige auffs Schloss legen solle? |
7. Wir seind damit gnädig zufrieden. |
|
8. Auff welche manier das Schloss ausswendig
abgeputzet werden solle, mit werkstücken oder nur glatt? |
8. Unser Meinung ist, das es nur, gantz weiss
abgeputzet werde, und zwar auff folgende manier: Das Mauerwerk soll zuerst
mit einem Besem woll abgekehret, und woll nass gemachet, hernach soll es
nicht(!) dicke Von Kalcke beworffen, sondern nur blos soviel, das die Ritzen
Zwischen den Steinen undt sonsten gefüllet werden, und also den Steinen nur
gleich kommen, Und dan mit einem nass Wasser übergestrichen; das andermahl
aber mit recht schönem weissen Kalcke abgeweisset werden. |
|
9. Wie Ih. Fürstl. Hochw. undt Gn. die Oberste
Schornsteine Verfertiget wissen wollen? |
9. Dieselben sollen nur schlecht und die oberste
Leiste von Holtz gemachet, inwendig mit Schiber oder kleinen Dachsteinen
angenagelt und bekleidet werden, wie auch oben darauff, damit die Leiste
nicht verfaulen könne. |
|
10. Wie Ihr. Fürstl. Gn. die Boden Von unten wollen
gemachet haben, endweder beschlagen oder mit pleister beworffen? |
10. Die Boden sollen alle verpflastert werden, auff die
ahrt und weise, die wir Bonjourn bedeutet haben, und nicht gar woll
beschrieben werden kann, Und zwar etlicher maassen also: Es soll an beyden
seyten inwendig der Balcken 3 oder 4 Zoll von der untersten Kant ab in der
länge an Jederer Leiste mit einem Ayüss (? Axt) woll fest genagelt, und dan
quer über mit stücken von Latten 2 oder 3 Zoll breit beleget, vorhero aber
mit Leim und Strohe bewunden, und alssdan damit es rechte dichte werde, von
unten und oben mit Leim beworfen, folgendts von unten undt oben mit schönem
weissen Kalck beworfen undt gepflastert, die Balcken aber, soviel man davon
wird sehen können, weiss angestrichen werden; Und zwar nicht mitt Oelfarbe,
sondern nur mit Leimwasser und Bleyweiss. |
|
11. Wie Ihr. Fürstl. Gnd. belieben die Schornsteinmatel
gemachet zu haben, und ob man Steinerne oder Höltzerne Pylaren darzu
gebrauchen solle? |
11. Wir stellen es in Eurer gut befinden, Und könnet
Ihr aus dem Architect Post Abriss die Schornstein Mantel oder Von ewerer
eigenen Invention machen lassen, Jedoch gantz schlecht undt ohn Viel
geschnitzel. Könnet aber in Amsterdam Zu sehen, ob Sie mit Steinern Pfeilern
am füglichsten undt im mindesten preise Zu machen seyn. |
|
[123] |
|
|
12. Wie Ihr. Fürstliche Gnaden die Fluhre sowoll im
grossen gewölbe als auch in der Silberkammer, hoffstuben und Küchen beleget
wissen wollen; ob man darzu Schwedische Steine kauffen oder gebackene Steine
expresse darzu machen lassen solle ? |
12. Was den grossen Keller anbe langet, So sollen die Fluhre steine geleget werden, von
einem Pfeiler bis Zum Andern, so breit dieselben seyn, und in der Mitten eine
andere ahrt von Steinen damit das unterste mit dem obersten accordire. Die
ahrt der Steine aber betreffend, soll in Amsterdam oder sonsten überleget und
erkundigst werden, ob man Schwedische schlechte Steine besser kauffen könne,
als selber machen zu lassen. In diesem grossen gewölbe aber müssen Vor allen
Dingen Schwedische Steine geleget, die Silber Kammer, Hoffstube undt andere
Gemächer aber können mit denen Steinen, so im mindesten preis zu bekommen,
beleget werden. |
|
13. Ob Ihr. Fürstl. Gnd. auffs Eeste die Lehns undt
Kammer Archiven machen Zu lassen belieben, und auff was vor manier. Item ob
die Fenster mit Eysernen Tralyen sollen beleget werden oder nicht? |
13. Unsere meinung ist, das selbige sobalt immer
möglich Zu rechte und fertig gemachet und Jeder Archiv wo sichs am besten
schicken wird, mit Fächern undt Schupladen, die selben in undt aus zu ziehen,
undt die Schupladen soweit, das man ein gros format Pappier darin legen
könne. Die Tische aber wie sie sich am füglichsten
schicken wollen, gemachet werden. Die Thüren dafür, wie auch in Ihr. Fürstl.
Gnd. Kleinem Kabinet, so zusammen drey seyn sollen, wie folget gemacht
worden. Vors erste soll eine starke Thüre von Eichenholtz woll benagelt,
darnach. An beiden seyten mit Eysernen Platen bekleidet, vorhero aber die
Eyserne Platen aneinander geklunken werden, wie man sonsten eine Bravr Pfanne
machet, Und dan abgehaeuen, wie die Thüren seyn, und an beyden seyten
Vorermelter höltzernen Thür die Zusammen geklunkte Platen mit Eysernen Bolten
durch das Eichenholtz und beyde Eyserne Thüren an beyden seyten woll feste
geklunken werden. Die Gehange an bemelten thüren müssen woll stark undt feste
gemachet, und durch die Eyserne Thüre mit Bolten geklunken werden. In dem Lehns Archiv sollen bequeme Kasten gemachet
und darin die Ordens Kleider und Mäntel, wie auch die Schwerter, und was mehr
dazu gehöret, gerad auff gehancket werden. Es soll auch die Thüre, so aus dem
grossen Saal ins Lehnarchiv gehet, Zu gemauert, Jedoch in dem Saal an stadt
der Thüre eine Nische gelassen werden. Ferner ist Unser wille, das in dem
Cämmer Archiv ein Kasten gemachet, und all das Silberwerk, es hatt nahmen wie
es wolle, wie auch die Sammete und andere Decken und Küssen, und das übrige
Zinnern Zeug, so nicht gebrauchst wird, darin geleget werde. So wollen wir auch, das oben auff dem Boden unterm
Dache sothaner Kasten, wie wir Bonjourn in unserer Garderobe haben sehen
lassen, darin |
|
[124] |
|
|
|
man alles Betwerk und Leinenzeug, oder was dem
anhängig - item das Kupfferwerk und Kessel oder dergleichen sachen verwahren
kann emachet werde. |
|
14. Auff welche manier Ih. Fürstl. Gn. in den Fenstern
die Glase machen lassen wollen, ob man nur Einländisch Glass gebrauchen, oder
Frantzglass aus Niederland kommen lassen solle? |
14. Es soll zu den Fenstern sothanes glas, welches im
geringsten preise und Kauff ist, es sey Frantz-, Mocheln burgisches oder
Einländisch glass genommen werden. |
|
15. Welchergestalt Ihr. Fst. Gnd. die forderste Treppe
vorm Hause machen lassen wolle, undt ob sie von Holtze oder von Steinen seyn
solle ? |
15. Die Treppe soll von Holtze gemachet, werden.
Unterdessen aber in Amsterdam nachfrage und überschlag geschehen, ob man zu
der Treppen einige Blawe Steine umb geringen preiss nach Stettin geführet
bekommen könne. |
|
16. Ob Ihr. Fürstl. Gnd. belieben auff die Prontispitze
der Eingangsthüre 2 Bilder zur Zierath legen zu lassen? |
16. Unsere meinung ist nicht, das einige Bilder
gemachet und auf die Frontispisse geleget werden sollen. |
|
17. Ob Ih. Fürstl. Gnd. die 5 Bilder von Leim gemachet
(!) und anitzo im Vogelhause stehend, behalten und bezahlen lassen wollen,
Weil sie sonst der Bildhauwer, so sie gemachet120a
Ihr. Churfürstl. Durchlaucht, verkaufen will? |
17. Wir seind zufrieden, das die benannte 5 Bilder behalten
und erkaufet werden. |
|
18. Ob Ih. Fürstl. Gnd. belieben, das die Mahl- undt
Walckmühle, wie auch die Schmiede abgebrochen und wohin selbige wieder
erbawet werden solle? |
18. Weiln selbige gebonwen das gesieht vom Schlosse
verhindern, So wollen Wir das selbige nach gelegenheit der Zeit abgebrochen,
und die Mahl Mühle, welche nothwendig wieder erbauwet werden muss, daselbsf,
wo anitzo die Frey Arche ist, Inmassen wie auff dem Abriss bezeichnet,
transferiret, Die Schiniede aber an dem Ohrte, wo sie das Gesichte nicht
hindert, und am besten stehet, wieder gebauwet werde. |
|
19. Alldieweil nicht allein die Lentze, durch das
Einfahren von den Brauern, wie auch vom Viehtrenken, indem aller unflath
wieder hineingewaschenwird, sondern auch die Nebengraben, so annoch gemachet
werden sollen, dadurch verdorben werden, So ist zu vernehmen, ob Ih. Fürstl.
Gnd. be- gelieben, wenn die Newo Mahl Mühle gebawet werden wird, dabey
zugleich eine Wasserkunst bawen zu lassen, dadurch das Wasser hin und wieder
in die Stadt geleitet werden könne. Jtem ob Dero gnädige Willensmeinung sey,
zu unterhaltung dieser Kunst die Brawerzinse auff etliche groschen Zu
erhöhen, auch alle Bürger zu deren erbawung etwas, Jedoch nach advenant darzu
geben sollen? |
19. Wir seind aus angezogenen uhrsachen gnädig
Zufrieden, das eine Wasserkunst neben der kleinen Mühle gebauwet, und
desswegen die Braw Zinse so viel möglich gesteigert, auch von Jedem so in der
Stadt wohnet, und des Wassers geniessen kan, nach advenant etwas darzu geben
werde. Desswegen Ihr Euch mit Unserrn Ordens Cancellario Zu bereden, und eine
gewissheit darin Zu schliessen habet. |
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[125] |
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20. Weil der graben vom Schlosse unzweifentlich oben an
dem ohrte, allwo die Cantzeley anitzo stehet, wird durchgeweitet werden, ist
zu vernehmen, ob die Cantzeley abgebrochen, und der Herr Cantzler in das
kegenwertige Ambtshauss ziehen soll? |
20. Es muss freylich die Cantzley, wan der
schlossgraben alwo Sie anitzo stehet, durchgehen muss, abgebrochen werden; Es
muss aber Jedennoch selbiges Hauss so lange stehen bleiben, bis man mit dem
grabenrandt daran kombt. Und kan alssdan der Herr Cantzler in das
kegenwertige Ambtshauss sich begeben. |
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21. Weil zu besorgen, dass der Sonnenburgische
Kirchthurm, in dem das Holzwerk darin sehr verfaulet und dachlos worden, von
einem starken Winde dermahleinstens herunterfallen, und grossen schaden
Veruhrsachen könte, So ist an Ih. Fürstl. Gnd. zu Vernehmen, ob man selbigen
so balt man daran kommen kann, einreissen und wieder wieder bawen solle, und
auff was vor manier undt auff wessen Unkosten? Als man auch gleichergestalt
wahr nimbt, das das gewölbe über der Kirchen und den Fenstern grosse Ritzen
bekombt, wodurch die Kirche sehr verderbet und endlich gar eingehen möchte,
So hatt man gleichsfals Zu fragen, ob man das Gewölbe mit Eysernen Anckern
und anderen nöthigen Dingen aufrs beste Vorsehen und auff wessen uncosten
solches geschehen solle? |
21. Wir finden freylich zu Verhütung eines grossen
schadens, so aus herunterfallung des Thurmes undt ein gehung des gewölbes
veruhrsachet werden würde, vor nöthig Zu sein, das nicht allein der Thurm
eingerissen und wieder erbawet, sondern auch das Kirchengewölbe auffs Beste
Versehen werde. Der Thurm aber soll auff solche manier gebawet werden, das Er
durch viele Fenster und andere unnötige Dinge Vom Regen nicht beschädiget
werden könne. Undt soll der hole weg nach der Stadt zu, so hoch angefüllet
werden, das das Fundament der Pfeiler bedecket, das gewölbe aber muss mit
sothanen Anckern versehen werden, das selbiges nicht mehr weichen könne. Die Unkosten betreffend, So können Wir Uns einig
undt allein darzu nicht verbinden, weil wir mit dem Schlosse und anderem Bawe
genug zu thun haben. Wir wollen aber die |
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[126] |
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Jenigen Materialien, so Wir von uns selbsten haben,
als Holtz, Bredtern, Mauer- und Dachsteine, soviel darzu benöthiget, frey und
ohn endgeldt abfolgen lagsen, Die übrigen Uncosten aber muss die Kirche
tragen. Es kan aber in allen Ordens Dörffern, so woll unter Sonnenburg als
den andern Ordens Aembtern eine Collecte gesamblet und darzu gebrauchst
werden, Und zwarten alles mit einstim- undt überlegung des Herrn Cancellary
und der Herrn Geistlichen. |
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22. Nachdem uff Verordnung Ih. Fürstl. Hochwürden und
Gnd. der itzige Holländische Mawer Meister Gorus Peron abgedancket, und wan
Er das Mawerwerck völlig auffgeführet, dimittiret, in seiner Stelle aber ein
holländischer Meister Knecht, nahmens Jacob Tamessen angenommen werden soll,
welcher itzo 32 stüber bekombt, So ist zu vernehmen, ob man selbigem Meister
Knechte, wan Er angenommen, 36 stüber, weil Er sonst nicht bleiben will,
täglich geben solle, Auch ob Ih. Fürstl. Gnd. belieben uff des Mawermeisters
Supplication gnädig zu verordnen? |
22. Wir lassen es bei Unserer vorigen Verordnung, wegen
erlassung des holländischen Mawer Meisters nochmahls bewenden, und seind
Zufrieden, das der Meister Knecht, wan Er darzu tüchtig, angenommen werde,
und täglich 36 stüber bekomme. Uff des Mawers Meisters an uns über gebenes
Supplicatum wollen Wir auch decretiren. |
|
23. Aldieweil Meister Cornelis der Bawmeister nunmehr,
weil der Mawermeister wegehet, sich beschweret, das Er mehr mühe in anweisung
eines undt des andern haben werde, desswegen Er gebeten, Ihm den einen
gülden, so Meister Gorus über die Acht Thaler Wochentlich bekommen,
Zuzulegen, ob Er selbigen gülden bekommen solle? |
23. Wir consentiren hiemit, das Meister Cornelis annoch
der Eine gülden wochentlich gegeben werden solle, Jedoch mit diesem Bedinge,
das Er nebst seiner Zimmerarbeit auch achtung uff das Mawerwerck geben, und
bey allem fleissig seyn solle. |
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24. Umb gnädige Verordnung wird gebeten, ob man, wan
die Holländer krank werden, den Doctorem, Balbierer und Apoteker bezahlen
solle? |
24. Dieweil Wir bey Unserer anwesenheit mit überholung
und bezahlung des Doctoris, Balbierers und Apothekers bereits einen anfang
gemachet, und bisshero damit continuiret wissen wollen, So lassen Wir es auch
nochmahls dabey bewenden, Und dieses umb gewisser und sonderbahrer uhrsach
willen. |
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[127] |
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25. Demnach auch der ersten Holländer Reisekosten von
Holland bis Sonnenburg Zu bezahlen von Ih. Fürstl. Gnd. unterschrieben
worden; So wird unterthänig gebeten, der letzten beyden Holländischen Zimmer
Knechte, als Jacob Klinckarts und Victor de Porters Specification der
Reisekosten, Zu unterschreiben, und gleich wie Vorigen geschehen, bezahlen zu
lassen. |
25. Dieses soll gebetener maassen geschehen. |
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Clev den 1. Juny 1665. |
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J. Moritz f. Zu Nassauw. |
Es scheint mir nicht überflüssig, nach dem Verfasser
des Memoriales zu fragen. Für Bonjour, den Ordensrath und Oberleiter des Baues,
spricht Manches. Gegen ihn könnte z. B. § 11, in welchem von den Kamminen die
Rede ist, angeführt werden; es wird dort gesagt, dass sie entweder nach des
Architekten Posts Entwurf oder nach "ewerer eigenen Invention"
gemacht werden sollen. Freilich läge die Möglichkeit vor, dass der "Kammer
Meister" des Fürsten Moritz auch in künstlerischen Erfindungen nicht
unerprobt war. Dagegen wird in §§ 10 und 14 über Bonjour wie von einer dritten
Person gesprochen "auff die ahrt und weise, die wir Bonjourn bedeutet
haben" und "wie wir Bonjourn in unserer Garderobe haben sehen
lassen". Aber auch diese indirekte Anrede erklärt sich leicht, wenn man
annimmt, dass der Fürst die Fassung der Antworten einem Schreiber in die Feder
diktirt habe. Eine direkte Anrede enthält § 19: Deswegen Ihr Euch mit Unserem
Ordens Cancellario zu bereden u. s. w. habet". Sollte hier gar Cornelis
Ryckwaert, der Baumeister, gemeint sein? Das bezweifle ich, auch nach dem
Inhalt von § 23. Mit ihm gemeinsam mag Bonjour das Schriftstück verfasst haben,
wie denn wohl auch hinter Moritz offenbar Pieter Post, von dem ja an einer
Stelle die Rede ist, gestanden haben dürfte. Absender des an den Herrenmeister
"meinen gnädigen Fürsten und Herren" gerichteten Memoriales
[128]
kann aber nur eine Person gewesen sein, und für diese
weiss ich lediglich Bonjour zu nennen121.
Die Folge des Memoriales war zunächst ein neuer
Kontrakt mit dem Baumeister Ryckwaert. Es handelte sich darin um die von dem
Fürsten als nothwendig erkannten letzten Bauarbeiten, soweit sie das Schloss
betrafen. Das Konzept der schriftlichen Vereinbarung, welche Bonjour und
Ryckwaert miteinander trafen, habe ich zusammen mit einer holländischen
Uebersetzung des Kontraktes, im mehrfach genannten Regierungsarchiv
aufgefunden. Nachstehend sei das Dokument mitgetheilt.
"Zu wissen das . . . Der fürstl. Nassawische
Ordens Raet Undt Cammermeister Johan de Bonjour sich mit Vor Ermelten Fürstl.
Baw-Meister Cornelis Ryckwahrt Uber noch folgende Poinctie verglychen. Da dan
Vor gedachten Bawmeister an Verdongen wirt, Er auch einnimbt Volgende sachen,
so Zu verferdigen Und Zu vollen bewehrten perfection Zu livren, wihs Es Einem
Ehrlichen Meister Zu kombt, Vnd Er Vor Godt Undt sein fürstl. Gnaden wirdt
können Verandtworden als:
1. Die Bruge von dem Dam über die Lentze nach der
Schloss Brücke zu, von neu auss Holz Zu verferdigen, mit ihren Geländer,
Knöpfen etc.122
2. Die Schloss Brücke zu vollenden etc.
3. Die Treppe vor dem Schloss ganz zu verfertigen mit
Pfeilern, Geländern und auch die Eingangsthür etc.
4. Die Innentreppe mit Allem etc.
5. Die Treppe im zweiten Stockwerk.
6. Die Steintreppe, so in den Keller führt.
7. Andere Treppe.
8. Grosse Thüre u. a. Thüren.
9. Zwei Thüren mit Architrawen etc.; Ein Schornsteinmantel;
Thüren in der Fürstlichen Schlafkammer.
10. Andere Thüren etc.
[129]
In Summa diese oben genannten 10 Punkte also zu
verfertigen, wie es sich gehört für einen Ehrlichen Baw- und Zimmermeister.
daer voor sal ick hebben de Soma van Vier hondert En vieftich Ryksdaler - in 3
Raten sollen bezahlt werden, die 1 Rate zu 100 Thlr. bei Beginn des Werkes, die
2 Rate 150 Thlr. , die 3 Rate 200 Thlr., wenn das Werk vollendet123; auch sollen mir Dienstleute geschafft
werden, so ich sie bedarf und soviel als ich nöthig habe. Auch soll mir das
Geräth, Zimmerholz etc. geliefert werden ...
Sonnenburg
den 4 Spbr. 1666.
Die ganze Anlage von Schloss und Umgebung war in
ihrer ursprünglichen Beschaffenheit von echt holländischer Einfachheit und
Regelmässigkeit. Der fürstliche Bauherr erstrebte zwar eine repräsentable
Schöpfung, der es an nichts Nothwendigem fehlen sollte; dennoch verfuhr er in
allen Dingen mit ersichtlicher Sparsamkeit. Von irgend welchem Luxus der
Ausstattung oder von kostbaren Materialien durfte bei einem Gebäude, das nach
holländischem Begriffe "gottesdienstlichen" Charakter besitzt, nicht
die Rede sein. Alles sollte "schlecht" d. h. schlicht gestaltet, doch
zugleich zweckmässig und von angenehmer Wirkung sein. Für die Anordnung der
nächsten Umgebung war massgebend, dass diese nicht das "Gesicht" des
Schlosses verkümmerte. Um die Abgeschlossenheit und Sicherheit zu erhöhen,
aber auch zur bequemen Fortspülung des Unraths, wurde
die Ordensresidenz rings von Wasser umgeben, gleich den damaligen villenartigen
Schlössern der Niederlande. Versuchen wir, uns nunmehr nach den mitgetheilten
Dokumenten das anziehende
[130]
Bild dieser Residenz in blossen Umrissen
übersichtlich zu veranschaulichen.

Das Flüsschen Lenze, welches das Schlossterrain
westlich und südlich bespült, war von dem Wasserquadrat des Grabens durch einen
schmalen, bepflanzten Deich getrennt. Der Graben besteht längst nicht mehr. Der
einzige Zugang lag an der Westseite, und über die schmale Lenze, wie über den
60 Fuss breiten Graben führten Holzbrücken bis zum Barm der ummauerten
Schlossinsel. Die Vormauer hatte hier eine Eingangs-Oeffnung, durch die man
direkt in den Schlosshof trat. Die Mauer aus Feldsteinen errichtet, war aussen,
an dem künstlich hergestellten, tiefer liegenden Ufer oder Barm, höher als nach
der Hofseite zu, wo sie blos die Höhe einer niedrigen Brustwehr von 4 Fuss
besass. Links und rechts vom Eingang erhoben sich in den vorderen Ecken des
Vorplatzes kleine viereckige Pavillons, welche die Aussicht von und nach dem
Schlosse nicht beeinträchtigten; neben dem einen Pavillon stand ein Brunnen.
[131]
Ueber die Details aller dieser Theile findet man im
Memoriale und in der Beschreibung des Hausbuches genügende Aufschlüsse.
Die drei Nebenseiten des Schlosses lagen unmittelbar
am Graben und waren dreigeschossig, während die Hauptfront, in Folge des
höheren Platzniveaus, nur zweigeschossig erschien und das Erdgeschoss hier den
Character eines Kellergeschosses besass. Als solches wird letzteres durchweg in
den obigen Urkunden erwähnt. Die Fassaden in Backstein waren geweisst, nicht
verputzt, wie es später geschah. Säulen und Pilaster verboten sich als
Formenüberfluss aussen von selbst. Allerdings erhielt die heute 11 Fensteraxen
umfassende Front (136¼ Fuss) durch herausspringende Eckrisalite und durch einen
flachen Mittelrisalit eine kräftige vertikale Gliederung. Gurtsimse fehlten,
doch schlossen die Fassaden damals mit einem jonischen Kranzgesims ab; darüber
umgab eine Ballustrade das Dach124, das jetzt
wohl steiler ist als ursprünglich. Den Schlossseiten (97 ¼ Fuss) gab man eine
Ausdehnung von nur 6 Fensteraxen.
Der Tempelgiebel, der gegenwärtig die Axe der Front
schmückt, dürfte wohl auch ehedem vorhanden gewesen sein, da er dem
holländischen Geschmack jener Zeit entsprach. Die hohe Freitreppe, die vorn dem
Hauptgeschoss vorlag und später kassirt wurde, scheint mir nicht in gerader
Flucht, sondern in zwei Parallel-Hälften einporgeführt zu haben125. An der portalartigen reicheren Umrahmung
des Mittelfensters dieses Geschosses erkennt man noch den ursprünglichen
Haupteingang, der jetzt im Erdgeschoss liegt, wo man früher mitten unter der
Freitreppe ins Kellergewölbe stieg. Erhalten von den ehemaligen spärlichen
Dekorationen haben sich die Festons unter den drei obersten Mittelfenstern,
echt holländische Motive, bestehend aus Muscheln, Früchten und Blumen, ferner,
links und rechts davon, zwei viereckige Füllungen mit dem Nassauischen Wappen
und den Insignien des Herrenmeisters126.
[132]
Entsprechend der Dreitheilung der Front gliedert sich
der Grundriss des Schlosses in drei Theile. Der Mitteltheil mit seinen fünf
Fensteraxen enthält in allen drei Stockwerken einen Vorflur (Vorhaus) und einen
nach der Gartenseite gelegenen Saal. Da der Hauptsaal aber zwei Geschosse
umfasst, so sind nur zwei Säle vorhanden. Das Vorhaus ist zugleich Treppenhaus
und vermittelt die Verbindung der drei Stockwerke untereinander. Das
Mittelgeschoss und die vorzugsweise zu Vorrathszwecken bestimmten Kelleräume
wurden massiv gewölbt, während das Obergeschoss grade Holzdecken erhielt. Aus
dem Memoriale ersehen wir auch, dass man im Jahre 1665 bereits das Gewölbe des
grossen Festsaales in mitten achteckig durchbrochen hatte, um über dieser
Oeffnung einen Glockenthurm zu errichten, was indess unterblieb. Ferner besass
der Boden des Saales eine runde Mittelöffnung, wodurch dessen reichliches Licht
auch dem untern Kellergewölbe mitgetheilt wurde. Diese auf 4 Pfeilern ruhende
Halle von 59 Fuss Länge und 40 ½ Fuss Breite127
diente früher gelegentlich als Speiseraum und ihr hinterer Ausgang führte und
führt noch heute nach dem östlichen Garten.
Der Grosse Saal ist noch immer der am meisten
charakteristische Raum des Schlosses. Bei einer Länge von 60 Fuss und einer
Breite von 41 ½ Fuss besitzt der mit fünf Zugängen versehene Saal eine Höhe von
54 Fuss bis zum Scheitel des Tonnengewölbes128,
das über einem jonischenKämpfergesims emporsteigend, früher auf sechs
gemauerten Bögen ruhte. Von den 5 doppelreihigen Fenstern an der Ostseite, die
in neuerer Zeit mit Glasmalereien geschmückt wurden, haben die drei mittleren
eine Gesammthöhe von 36 Fuss erhalten. Der Haupteingang liegt an der Westseite.
Die vier kleinen Portale an der Süd- und Nordseite, zu beiden Seiten der
grossen schlichten steinernen Kammine, besitzen noch die alte, aus Eichenholz
geschnitzte, elegante Umrahmung. Die Wände bedeckten sich allmälig mit den
Bildnissen und Wappen von Herrenmeistern, Komthuren, Kanzlern und Rittern des
Johanniterordens. An ausgezeichneter Stelle, über dem südlichen Kammin, hängt
das lebensgrosse Portrait des "Brasilianers", gemalt von dem
Holläuder Pieter Nason im Jahre 1666, und eine Inschrift darunter lautet:
[133]
"Moritz Fürst von Nassau des Ritterlichen St.
Joh. und Maltheser-Ordens in der Mark etc. zum Herrenmeister erwählet 1652,
gestorben 1679. Er ist es, der die Kirche, das Hospital und das Schloss zu
Sonnenburg erbauen und die verwüstet erhaltenen Ordens-Güter herstellen
lassen". So wurde Pieter Nasons Portrait zu einem Denkmal des fürstlichen
Bauherrn.
Der holländische Meister, von dem man bis in die
jüngste Zeit hinein wenig genug wusste, verdient als einer der tüchtigsten
Vertreter der Haager Malerschule genannt zu werden. Er gehörte mit Adrian
Hanneman und anderen Haagern zu den meistbeschäftigten vornehmen Bildnissdarstellern
jener Zeit. Sie verschmolzen wohl sämmtlich die Traditionen der Werkstatt des
Jan van Ravesteyn mit den durch van Dyck empfangenen Einflüssen. Und Nason
wusste sich, trotz der affectirten Haltung mancher seiner fürstlichen Modelle
und bei aller Glätte und Subtilität der Ausführung, dennoch ein gesundes
malerisches Gefühl, einen frischen, echt holländischen Zug zu bewahren. Diese
schönen Vorzüge besitzen z. B. die Portraits des
Fürsten Moritz und des Grossen Kurfürsten vom Jahre 1666 im hohen Maasse. Als
Fürstentypen des 17. Jahrhunderts von gleichem historischen Reiz, scheint mir
das Bild des Brasilianers koloristisch und hinsichtlich des geistigen Ausdrucks
das anziehendere. Charakteristisch wirkt, hier wie dort, Haltung, Mienenspiel,
das reiche Kostüm und selbst die Staffage129.
Moritz trägt, energisch dastehend in seiner Wohlbeleibtheit, über einem
schwertgegürteten Prachtgewande einen weiten polzgefütterten Mantel, auf
welchem der Stern des dänischen Elephantenordens prangt. Die Beine130 stecken in eleganten, verzierten
Lederstiefeln; der rechte, Arm ist im Ellenbogen gekrümmt, der linke hängt
lässig herab. Die Brust schmückt das Johanniterkreuz und den Hals schützt ein
Tuch, dessen Enden herabfallen. Sein Haupt zeigt kräftige edle Züge, in denen
sich Hoheit und Intelligenz mit jener Milde des Ausdrucks paaren, die das
Kennzeichen des nahenden Greisen-
[134]
alters zu sein pflegt; - der Blick unter den
geschwungenen Brauen ist gradeaus gerichtet und noch voller Frische. Knebel-
und Kinnbart sind sehr klein, und auch über der gewölbten Stirn, zu der man
ehrfurchtsvoll emporblickt, thront blos ein winziges Büschelchen des feinen
weissen Haupthaares, das freilich hinter der Schläfe noch üppig und kraus
herabfällt. Rechts am Boden des dargestellten Gemachs hat der Maler
verschiedene Wappentafeln angeordnet, links steht als Begleiter des Fürsten ein
junger Neger mit einer Landkarte in den Händen, gewissermaassen sein Attribut,
das er für spätere Fürsten- und Admiralsbildnisse in Mode brachte. -
Von dem Grossen Saal gelangt man durch die beiden
linken Nebenportale in die Gemächer des Herrenmeisters, die also nordwärts
liegen; man kann diese auch direkt vom Vorflur aus betreten. Die Thüren an der
rechten Saalwand aber führten einst in die Bureau- und Archivräume, sowie in
die Küche. Die Wohnung des Herrenmeisters mit ihrem völlig schlichten hellen
Anstrich lässt kaum noch einen höheren Grad von Einfachheit zu. Darum entdeckt
das Auge des kunstsinnigen Besuchers in allen diesen Gemächern nichts
sonderlich Anziehendes. Nur in dem fünffenstrigen Raum der Südwestecke, dem
heutigen Kapitelsaal, der neuerdings wenigstens eine passende vornehme
Möbeleinrichtung erhielt, verweilt man mit grösserem Interesse. Hier findet
sich auch, sonderbarer Weise in der Oeffnung des Kamins untergebracht, ein
alter St. Johannesaltar, ein wirklich vortreffliches niederländisches Werk aus
dem 15. Jahrhundert. Die Holztafel zeigt vorn den Schutzpatron des Ordens in
der Wüste, vertieft in die Lectüre eines frommen Buches, und an der Rückseite
die Enthauptung des Täufers, mit im Ganzen fünf Figuren, höchst sorgsam in
frischen kräftigen Farben auf Goldgrund gemalt.
Begiebt man sich ins obere Geschoss, so lernt man
hier eine ähnliche Vertheilung der Zimmer, die nur gelegentlich Wohnzwecken
dienen, kennen. An gewissen Stellen der Wände des Festsaales sind oben kleinere
Fenster angeordnet, durch die man hinabschauen kann. Im Erdgeschoss hat sich,
seit der Beseitigung der Freitreppe und der Tieferlegung des Vorplatzes, Vieles
verändert. Da ist zunächst die früher in mitten kreisrund geöffnete Decke des
"Grossen Gewölbes", das noch heute auf 4 Pfeilern ruht, geschlossen
worden, und aus den halbdunklen Vorraths-
[135]
kellerräumen, die gegen Wärme und Kälte gleich gut
geschützt lagen, sind wohlbeleuchtete Stuben und Kammern entstanden. Wie oft
mag einst, nach eingenommener reichlicher Mahlzeit, der "Brasilianer"
mit seiner ritterlichen Gesellschaft in das "Grosse Gewölbe" hinabgestiegen
sein, um hier noch einen "frischen Trunk vom Zapfen" zu thun, und um
dann vielleicht, als Freund der Natur, über die hintere schmale Brücke des
Grabens in den weiten Schlossgarten zu gehen, den er bereits im Jahre 1653
hatte anlegen und bepflanzen lassen.
Dieser durch Graben und Stacketenzaun geschützt
gewesene Lustgarten besteht heute blos noch in seiner ursprünglichen
Ausdehnung, in seiner Breite von zwei Ruthen. Dass er mit mindestens einem
Wasserbassin (vijver-Weiher) versehen ward, beweisen mehrere vorhandene Skizzen131, geht aber auch aus einer ziemlich vorn
gelegenen, mit hohem Schilf bedeckten runden Sumpfstelle des heutigen Gartens
deutlich hervor. Jenseits des selben und der Landstrasse dehnt sich oben
erwähntes Hügelterrain, die sog. Spitzberge, östlich bis zum Flüsschen Postam,
das von Zielenzig kommt, aus. Hier hatte Moritz, seiner alten Vorliebe, Anhöhen
mit Alleen zu bepflanzen, Genüge gethan. Seine Lindenallee steht noch
gegenwärtig, bis auf vereinzelte Lücken, wohlerhalten da und bildet hier mit
ihren dicken knorrigen, im Sommer herrlich duftenden und von dem Gezwitscher
der Vögel belebten Bäumen ein ehrwürdiges Zeugniss der naturverschönernden Hand
des "Brasilianers". Die Allee macht schliesslich eine Biegung nach
südwärts, um eine Strecke am diesseitigen Ufer des "Graben"
fortzulaufen.
Das Hausbuch von 1665 verbreitet sich auch des
Näheren über die übrigen, zum Ordensamt Sonnenburg gehörigen Besitzungen und
Einrichtungen. So ist, ausser dem Lustgarten, von zwei Hopfengärten am
Spitzberge, einem Herrengarten "mit 10 Wohnungen" und einem
"Kaninichen-Garten" die Rede. Dieser letztere lag "unweit dem
Spitzenberge, ist im Jahre 1662 auff der Herrschaft Acker angeleget, mit
Kaninichen besetzet und in
[136]
dem Garten ein Keller gemacht worden. Die darin
erzeugten Obstbäume müssen bei dem Lust-Gärtner132
bestellt werden. Nicht weit davon ist der Kanin-Spring (Quelle), davon das
Wasser hierher in Rinnen geleitet wird". Auch von zwei Weinbergen, nebst einem
1661 errichteten Kelterhaus, ist in dem Buche die Rede. Der kleine oder
vorderste Berg enthielt einige Wirthschaftsanlagen, während der grosse oder
hinterste das 1655 neu erbaute Wohngebäude des Weinmeisters mit umfasste.
Schliesslich darf nicht unerwähnt bleiben, dass das
Interesse und die Thätigkeit des Herrenmeisters auch anderen Ordensämtern z. B.
Grüneberg, Rampitz und Collin, galt. Hierüber gewähren die zum Theil wohl von
Moritz eigenhändig gefertigten Skizzen des Frankfurter Archivs133
einigen Aufschluss. Unermüdlich war er darauf bedacht, die dortigen Amtshäuser
wohnlich zu gestalten und ihre landschaftliche, an Wiesen und Wäldern reiche
Umgebung zu verschönern, wobei er sich schon in den fünfziger Jahren der Mitarbeit
des holländischen Landmessers A. v. Geelkerck bediente, von dem auch zweifellos
die meisten der vorhandenen Zeichnungen, topographischen Aufnahmen und die
dabeigefügten holländischen Bemerkungen herrühren. Bockmann berichtet ferner134, dass, als am 26. Sept. 1678 im Dorfe
Limmeritz Kirche und Thurm durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt wurden,
Moritz sogleich die Mittel zum Wiederaufbau gewährte; letzterer fand erst 1681
statt "durch hohe Gnade des Fürsten Johann Moritz von Nassau glorwürdigen
Andenkens", wie jener Autor bemerkt.
[137]
V.
Eine Jugendstatue des Grossen Kurfürsten.
Wer über die Bögen der Stadtbahn quer durch das
Häusergewirr der heutigen Reichshauptstadt dahinfährt und seinen Blick aus dem
Fenster des Eisenbahnwagens nordwärts richtet, wird erstaunt sein, fast im
Mittelpunkte Berlins einen anmuthigen Park zu erblicken, in dessen Mitte das
Schlösschen Monbijou steht. Der bekannte Architekt Eosander von Goethe,
Schlüter's Rivale, hatte dieses niedrige langgestreckte, ringsherum mit Figuren
gekrönte Gebäude zu Anfang des vorigen Jahrhunderts für die Gräfin Wartenberg
geschaffen. Und hier sah man vor einiger Zeit, in einem der Säle des
Schlösschens, eine historische Ausstellung, die dem Gedächtniss Friedrich Wilhelms
des Grossen geweiht war. In dieser Ausstellung bildete die Persönlichkeit des
erhabenen Mannes, wie sie in ihren verschiedenen Perioden, zumal von
zeitgenössischen Künstlern, erfasst worden war, den bedeutsamen Mittelpunkt.
Die vorhandenen Porträts waren aber fast ausnahmslos
Werke der graphischen Künste. Zur vollständigen lconographie des Kurfürsten
fehlten nicht allein die Gemälde, die allerdings einen
ziemlich grossen Raum für sich beansprucht hätten,
sondern auch die plastischen Arbeiten, zu denen ja auch Medaillen, Münzen
[138]
u. s. w. rechnen. Die umfangreiche und zum Theil
recht merkwürdige Gruppe der letzteren hatte schon im vorigen Jahrhundert
Historiker und Numismatiker wie Seiler und Oelrichs135
interessirt und zu Publikationen veranlasst. In der vorliegenden Studie soll
vorzugsweise von einer älteren Schöpfung des Meissels und von dem Urheber
derselben die Rede sein.
Jugendportraits des Grossen Kurfürsten pflegen, weil
sie seltener vorkommen, mit erhöhter Aufmerksamkeit betrachtet zu werden. Auf
ihnen vermisst man noch den grossartigen freien Zug, der gerade das Bild dieses
Herrschers volksthümlich gemacht hat. Weder die deutschen Künstler noch die
älteren Niederländer, die ihn vor der Mitte des Jahrhunderts porträtirten,
strebten darnach, seinen Zügen den Ausdruck wirklich hoheitsvollen
Selbstbewusstseins zu verleihen. Es scheint uns, als wenn die damalige
Machtstellung des Kurfürsten noch jene gebieterische Haltung und jenes
gewaltige Mienenspiel der späteren Bildnisse ausschloss.
Den offenbaren Wendepunkt glaube ich in einer auf den
erlangten souveränen Besitz Preussens im Jahre 1658 geprägten silbernen
Medaille zu erkennen, welche das Brustbild Friedrich Wilhelms auf der
Vorderseite enthält. Hier tritt uns bereits eine völlig ideale Auffassung des
Porträts entgegen, die in der That derjenigen Schlüters, des Repräsentanten
eines veränderten Kunstgeschmacks, entspricht. Das Bildniss zeigt uns den
Fürsten im Profil, nach rechts schauend, im Kostüm eines römischen Imperators,
mit mächtig wallendem Haupthaar; Alter und Gesichtsschnitt rufen uns die
Reiterstatue auf der Kurfürstenbrücke lebhaft ins Gedächtniss. In dem
zierlichen Werke machen sich der Einfluss der grossartigen Wucht des Rubens und
des französischen Klassizismuss jener Zeit gleich stark bemerkbar. Hier sehen
wir also trotz des kleinen Rahmens, den ersten kühnen Wurf gethan, und es nimmt
nun auf den Portraitdarstellungen Friedrich Wilhelms die Loslösung von der
älteren einfachen realistischen niederländischen Auffassung ihren Fortgang.
Noch ganz der niederländischen Kunstperiode gehört
aber die Jugendstatue des Grossen Kurfürsten an, die, von den Wenigsten als
solche erkannt, bis vor Kurzem im Schlosspark zu
[139]
Charlotttenburg, am westlichen Ende des vorderen
Hauptweges neben derjenigen des ersten Königs von Preussen stand. Eben mit
diesem Bildwerke wollen wir uns in den folgenden Zeilen ausführlicher
beschäftigen.
Das war draussen im Charlottenburger Park, auf dem
Wege nach dem Mausoleum, an heiteren Sommertagen ein hastiges Kommen und
Fragen, dass man meinte, Alles, wolle zu dem schönen jugendlich geschmeidigen
Fürsten eilen, der sich auf hohem glatten Postamente in voller
Körperhaftigkeit, greifbar natürlich – wie man zu sagen pflegt - erhob. So
mancher Unkundige mochte die etwas überlebensgrosse Marmorfigur, die
glücklicherweise nur geringe Spuren der Verwitterung zeigte, für Kleists
träumerischen Prinzen von Homburg gehalten haben.
Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass der
niederländische Schöpfer dieser Statue etwas Anderes als nur die ungeschminkte
Wahrheit geben wollte. Also dürfen wir die Beschreibungen, welche uns die
Biographen von Friedrich Wilhelms Statur und Aeusserem liefern, nach diesem
Bildwerk modificiren. L. von Orlichs bemerkt, dass der Kurfürst mittelgross
gewesen sei, dunkelblaue Augen, eine Adlernase und bis circa 1660 einen
Knebelbart gehabt habe. Von letzterem ist an der vorliegenden Figur nichts zu
merken. Auch will es uns, nach deren Körperverhätnissen und dem fast zierlichen
Kopfe zu urtheilen, nicht gelingen, an eine nur mittelgrosse Statur zu denken136.
Schon vor einiger Zeit gab ich eine Beschreibung137 der werthvollen niederländischen Leistung;
es bleibt mir daher nichts weiter übrig, als im Wesentlichen bereits Gesagtes
zu wiederholen. Das Haupt der Figur wirkt seltsam anziehend durch die feinen
Linien, das edle Profil und die geistige Schönheit des Ausdrucks. Die Nase ist
wenig gebogen, das inmitten gescheitelte Haar fällt, das Antlitz kräftig
umrahmend, in langen, leicht gewellten Strähnen bis auf die Schultern herab.
Betrachten wir dieses
[140]
wahrhaft distinguirte Antlitz genau, so erscheint uns
die seltsame Mischung von männlicher Entschlossenheit im Ausdruck mit weichen,
geradezu frauenhaften Linien eigenthümlich. Aber das breite, kraftvolle Kinn
bildet unzweideutig das Gepräge einer echten Herrschernatur. Wollte der
Statuarius Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit dadurch kennzeichnen, dass er
die Mundwinkel etwas heruntergezogen bildete? Missgünstige Betrachter werden
diese recht wohl glaubhafte Charakteristik des Modells vielleicht als die
Ausprägung eines verdrossenen und vornehm - blasirten Wesens auslegen. Und doch
wird diese Herbheit, wie schon erwähnt, gesänftigt durch die zarten Formen von
Wangen und Stirn, durch den milden, fast schwärmerischen Blick der nur kleinen
Augen.
Das Kostüm der Statue ist natürlich streng
realistisch behandelt bis auf den eng an den kräftigen Hals schliessenden,
glatt anliegenden Kragen. Man sieht einen jugendlichen Feldherrn, der an die
Musterung seines Heeres getreten ist. Er steht in voller Kriegsausrüstung ganz
gepanzert da und hat das rechte Bein ziemlich energisch vorgerückt. Eine um die
Brust gelegte Schärpe bildet auf der rechten Schulter eine geknotete Schleife,
deren Enden lang herabfallen. Die Rechte mit dem Kommandostab ist ebenfalls an
dem Körper niedergeglitten, während die Linke, die ein Schweisstuch hält, gegen
die Hüfte erhoben ist und dabei den Griff einer kurzen Seitenwaffe verbirgt. Am
Boden steht der Helm des jungen Feldherrn. Daneben, auf einem Baumstumpf, sind
einige fürstliche Insignien angeordnet: Wappen, Gewand und gezackter Kurhut.
Die gewählte Haltung der Figur verräth weder Pathos noch Prätension, sie ist
einfach, würdevoll und von natürlicher Hoheit. So konnte ein deutscher Fürst
damals nur von einer niederländischen Hand gestaltet werden.
Wer aber war diese Hand? Nach einer Quelle ersten
Ranges, einer schon 1657 verfassten sachkundigen Beschreibung des Berliner
Lustgartens, wissen wir, dass der Schöpfer der oben beschriebenen Statue Franz
Dusart hiess. Diese Beschreibung, ein lateinisches Manu-
[141]
script138 der
Berliner Kgl. Bibliothek, hatte der Verfasser, Dr. Joh. Sigismund Elsholz, in
jenem Jahre dem Kurfürsten persönlich überreicht und die rückhaltlose
Anerkennung und Belohnung, die er fand, bürgt uns für den Werth des Mannes und
seiner Arbeit. Wenn Elsholtz aber den Meister als "alter Phidias
Franciscus Dussardus Jtalus" bezeichnet, so folgte er, wie wir noch weiter
unten nachweisen werden, einer verbreiteten Meinung über diesen Bildhauer, dem
die besser unterrichteten Zeitgenossen wegen seiner Abstammung aus dem Hennegau
den Beinamen "le Wallon" gaben.
Das Wenige, was wir von Dusart bisher wussten,
verdankten wir Joachim van Sandrart. Aus dessen "Teutscher Akademie"139 entnehmen wir, dass er, frühzeitig in der
Sculptur ausgebildet, sich wie die Mehrzahl seiner belgischen Fachgenossen nach
Italien und Rom wandte. Hier arbeitete damals auch der ältere Artus Quellinus
und zwar in der Werkstatt des frühgereiften François Duquesnoy (geb. 1594), dem
wohl auch Dusart nachstrebte. Näheres über das persönliche Verhältniss dieser
Künstler zu einander erfahren wir aus keiner Quelle. Nur etwas allgemein deutet
Sandrart an, dass unser Wallone in Rom, wo er sich übrigens verheirathete,
"in seiner Kunst merklich zugenommen". Will man ferner die knappe
Charakteristik des Autors, dass Dusart "sehr hurtig" gewesen und
"gute Inventiones" gehabt, auf sein künstlerisches Schaffen beziehen,
so muss man annehmen, dass er ein ebenso produktiver wie origineller Bildhauer
gewesen war. Vom Tiber begab sich der Wallone nach Brittaniens Küste, wo er
nach demselben Autor, in die Dienste König Karls I. trat. Er soll am englischen
Hofe vorzugsweise mit der Restauration antiker Sculpturen beschäftigt gewesen
sein. Vielleicht war es A. van Dyck, der diese Berufung und Anstellung
vermittelt hatte. Der zu Beginn der vierziger Jahre ausbrechende englische
Bürgerkrieg aber scheint ihn zur Rückkehr nach den Niederlanden bestimmt zu
haben. Dass er sich nach dem Haag, der Residenz der oranischen
Generalstatthalter wandte, hing mit einem Ereigniss zusammen, das damals in der
Familie der Stuarts gefeiert wurde und am englischen Hofe die Tage trüber
Hoffnungslosigkeit vorübergehend mit Glück und Frohsinn vermischte.
[142]
Der blutjunge Prinz Wilhelm II. (geb. 1626), einziger
Sohn Friedrich Heinrichs und der Amalia von Solms und künftiger Führer der
holländischen Republik, hatte am 2./12. Mai 1641 seine eheliche Verbindung mit
der damals erst zehnjährigen Tochter König Karls I. zu Whitehall geschlossen140. Das glänzend veranstaltete Beilager der
Jungvermählten in Gegenwart der Hochzeitsgäste war eins jener Feste, welche die
Hofsitte früherer Jahrhunderte erzeugt hatte. Natürlich trennten sich die
beiden fürstlichen Kinder zunächst. Der Prinz kehrte schon im Juni nach Holland
zurück141, während die zarte
Prinzessin-Gemahlin Maria, übrigens Enkelin der Maria von Medici, vorläufig
noch unter der Obhut ihrer Eltern verblieb. Aber der entfernte Gemahl und seine
Angehörigen wünschten ein Portrait der anmuthigen Prinzess Royal. Dass dies
bereits gegen Ende des genannten Jahres vollendet und in seinen Händen war,
geht aus einem Briefe des Prinzen an seine junge Gemahlin hervor, in welchem er
schreibt, wie sehnsüchtiges Verlangen er fühle, ihr persönlich seine
Huldigungen zu Füssen zu legen, die er nun einstweilen ihrem Bilde zu spenden
gezwungen sei142.
Für uns entsteht die Frage: War dieses Bild ein
Gemälde oder eine Büste?
Ich glaube, die Antwort darauf wird durch folgende
nüchterne Zahlungsnotiz deutlich genug gegeben, die Herr P. A. Leupe mit
anderen Auszügen aus den "Ordonnantie Boekon van. Prins Frederik Hendrik
1637 etc." vor einiger Zeit veröffentlichte.143
Die Notiz lautet: "Syne Hoochyt ordoneeren hiermede uit te tellen aen
Francico Dieussart Beelthouder van den Coninek van Engelant de somme van F.
1500 - ter sake van twee albaste beelden van Syne Hoocheyt ende de Princesse
van Engelant, by hem aen Syne Hoocheyt gepresenteert . . . . F. 1500. 's
Gravenhaye 21. Decemb. 1641". Unter "Syne Hoocheyt ende de Princesse
van Engelant" sind selbstverständlich die jungen fürstlichen Eheleute
Wilhelm II. und Maria Stuart zu verstehen. Und ferner scheint mir aus der
gezahlten Summe ersichtlich,
[143]
dass es sich nicht etwa um Statuen, sondern blos um
Büsten gehandelt hat.
Hinsichtlich der Person des Meisters dürfte von
Wichtigkeit sein, dass er noch im Dezember 1641 als im Dienste des Königs von
England stehend bezeichnet wird. Endlich deutet auch hier die Endung seines
Vornamens darauf hin, dass er als Ganz- oder Halbitaliener gelten wollte, sei
es, weil er wirklich einen erheblichen Theil seines bisherigen Lebens jenseits
der Alpen verbracht oder sei es nur des schönen Scheines wegen, den ja
thatsächlich selbst manche Künstler jüngster Zeit durch Italisirung ihres
Namens erstreben.
Ob Dusard damals gleich im Haag verblieb oder ob er
zunächst wieder London aufsuchte, vermag ich leider nicht zu melden. Ich
schliesse indess auf ersteren Fall, weil in England alsbald der Bürgerkrieg offen
ausbrach und das fremde Künstlervölkchen schleunigst enteilte. Musste sich doch
selbst die Königsfamilie noch vor Frühjahr 1642 zur Flucht und zugleich zur
Trennung entschliessen. Karl I. zog sich nach York zurück, während die
unglückliche Königin ihre Reise über den Kanal in die Form eines Besuchs nach
Holland kleidete; sie traf schon am 11. März 1642 bei ihren neuen Verwandten im
Haag ein. Wann aber Dusard hier in den Dienst des Prinzen von Oranien trat, ist
mir unbekannt. Urkundlich wird dieses Dienstverhältniss erst einige Jahre
später berührt. Ein Zahlungsbefehl Friedrich Heinrichs, datirt Breda den 20
Juni 1646, lautet nemlich wörtlich144:
"Syne Hoocheyt ordonneeren hiermede te betaelen aen Mr. Francisco
Dieussart de Somme van F. 940 - 6 over vier bloken witte marmersteen, ende
andere oncosten daerop gevallen, by hem Francisco Dieussart ten Dienste van
Syne Hoocheyt gecocht, om daervan te maecken eenige beelden". Die
"beelden" waren dieses Mal wirklich Statuen, und als sie ungefähr ein
Jahr später vollendet waren, erhielt der Künstler dafür ein Honorar von 4000
Gulden.
Dusard war der erste Plastiker von Ruf, der sich im
Haag niederliess und dort vermuthlich rasch feste Wurzel fasste. Er allein
konnte daher nur in Betracht kommen, als die Kurfürstin von Brandenburg und
Prinzessin von Oranien im Jahre 1651 eine Statue ihres kurfürstlichen Gemahls
wünschte. Der wallonische
[144]
Meister soll hauptsächlich Plastiker für die
vornehmen Gärten und Salons seiner Zeit gewesen sein, und das kunstsinnige
oranische Fürstenpaar, dem er diente, wird sich seiner geschickten Hand zur
Ausschmückung der Parkanlagen und des Oudehofes, des alten Palastes im Haag,
bedient haben Zu eigentlich monumentalen Leistungen lag dort sicherlich auch keine
Veranlassung vor. C. Gurlitt spricht gegenüber einigen Skulpturen in Sanssouci,
die ohne Zweifel Dusards Werke sind, sehr richtig von einem Gerhard Terborch
des Meissels. Ja, das war er. Der ausgeprägt niederländische Formensinn, der
feine beseelte Ausdruck, die frische lebendige und dabei so überaus einfache
Haltung dieser Portraits, die zarte und doch so bestimmte Modellirung, ein fast
rührender Hauch von Schlichtheit und stiller, ungesuchter, köstlicher Grazie -
lauter Eigenschaften, die den Arbeiten der gleichzeitigen Italiener mehr oder
minder fremd sind, kennzeichnen nicht blos Dusart, sondern auch den ältern
Artus Quellinus und selbst Rombout Verhulst in ihren besten Schöpfungen.
Dusard, Quellinus und Verhulst, von denen der erste
hinsichtlich des Alters voranzustellen ist, Quellinus aber unbedingt als der
urwüchsigste und fantasiereichste bezeichnet werden muss und Verhulst als
jüngster schliesslich leider den Prinzipien des Barocks verfiel, bilden
zusammen das verdienstvolle Bildhauer-Triumvirat südniederländischer Herkunft,
das erst auf holländischem Boden zur vollen Reife gedieh. Die Republik war es,
die diesen Meistern die zur Entfaltung ihrer künstlerischen Kraft nothwendigen
Mittel schenkte; und ebendadurch hat sie sich das Recht erworben, dass man
diese drei Künstler im Rahmen der holländischen Kunstgeschichte betrachten
darf: Und zwar Dusard als den feinsinnigen Plastiker der Oranier, Quellinus als
den glänzenden Statuarius Amsterdams und Verhulst namentlich als den
bildnerischen Verherrlicher des holländischen Seeheldenthums.
Sandrart berichtet von Erstgenanntem noch:
"Neben viel andern Statuen von weissem Marmorstein machte er, wie das Kind
St. Johannes vor Christo knieend das Kreuz empfanget". Wahrscheinlich
handelt es sich hier um eine frühere Arbeit seiner italienischen Zeit. Ob
Gruppe oder Relief geht aus jener Angabe zwar nicht hervor, doch beweist sie
wenigstens Dusards Thätigkeit auch auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst. Aus
der Haager Zeit erwähnt unser alter Gewährsmann noch ausdrücklich
[145]
die Büsten eines Herrn van Spiering und seiner
Gemahlin, Skulpturen, die mir leider ebenfalls nicht bekannt sind.
In Grösse und Auffassung entspricht die Jugendstatue
des Kurfürsten den vier oranischen Prinzen. Die Möglichkeit ist auch nicht ausgeschlossen,
dass die letzteren schon unmittelbar nach dem frühen Tode Wilhelms II. († 1650)
in den Besitz des Gemahls der Louise Henriette gelangten und, dass sie daher
die Veranlassung zur Bestellung des fünften statuarischen Werkes bildeten. Wie
dem auch gewesen sein möge, die vier älteren Figuren kamen schliesslich in den
sog. Marmorsaal des Potsdamer Stadtschlosses, wo sie heute vor den
Fensterpfeilern auf schlichten Postamenten stehen.
Dieser Marmorsaal ist trotz der Veränderungen, die er
namentlich durch Friedrich den Grossen erfuhr, noch immer sehr charakteristisch
für die spätere Kunstgesinnung seines erlauchten Schöpfers. Er repräsentirt den
Hauptraum des Schlosses nach der Lustgartenseite zu, in deren Axe er mit vier
Fenstern Front liegt. Gegenüber den Fenstern, an der langen Rückwand, hat der
Kurfürst zwei mächtige allegorische Schilderungen durch van Thuldens145 Pinsel ausführen lassen - rechts die
"Geburt des Kurprinzen Friedrich" mit der Unterschrift: Regia progenies
MDCLVII und links den "Frieden von St. Germain" mit der Unterschrift
Pax Facta MDCLXXIX. Daran schliesst sich an der rechten Querwand eine nicht
minder umfangreiche Darstellung von monumentaler Wucht: Leygebe's "Triumph
des Grossen Kurfürsten". "Der Kurfürst sitzt auf einem von vier
weissen Pferden gezogenen Triumphwagen, den Minerva und Herkules führen, durch
verschiedene andere Gottheiten sind seine grossen Eigenschaften
angedeutet"146. Und die linke Querwand
bedeckt eine mit ähnlichem allegorischen Aufwand behandelte Komposition von
Jakob Vaillant. Zu diesen kolossalen Wandbildern hat dann später König
Friedrich II. von Amadeus Vanloot einem ganz anders als jene gearteten
Koloristen, ein ovales hell-
[146]
töniges Deckengemälde ausführen lassen; es stellt die
"Vergötterung des Grossen Kurfürsten" dar, bildet also die
Kulmination der dem Stifter dieses Saales geweihten Verherrlichung.
Gleichzeitig hat Knobelsdorff auch die architektonische Ausstattung des viereckigen
hohen Saales in ihrer Pracht gesteigert, während einzelne von den plastischen
Dekorationen, z. B. Kindergruppen, sogar auf Schlüters Antheil (1694)
zurückgeführt werden.
Inmitten ihrer kraftstrotzenden Umgebung, von
Malereien, die, wenn sie auch künstlerisch auf keiner bedeutenden Höhe stehen,
immerhin einen nicht gewöhnlichen Gedankenflug verrathen, nehmen sich die vier
nur wenig überlebensgrossen Figuren der oranischen Prinzen allerdings etwas
kleinlich in ihrem einfachen Realismus aus. Ueberdies ist ihr Werth ein
ungleicher. Die Statuen Wilhelms I., Moritz', Friedrich Heinrichs und Wilhelms
II. sind isokephal behandelt. Das Zeitkostüm ist treu wiedergegeben, was leicht
genug geschah, da die alten Oranier lediglich als gepanzerte Feldherren mit dem
Komandostab darzustellen waren. Trotz einzelner monarchischer Befugnisse, die
ihnen zustanden, waren sie nominell nicht die Fürsten des Landes; als
Generalstatthalter bestand ihre Hauptaufgabe in der militärischen Oberleitung.
Und so hat sie auch der Meissel Dusards gekennzeichnet. Um die Einförmigkeit
der Pose zu umgehen, hat der Bildhauer sich zu einer gewissen Bewegtheit der
Figuren entschlossen, die bei dem Taciturnus und dem Prinzen Moritz hart an die
Manier streift. Sie stehen sämmtlich barhaupt da, Haar- und Barttracht, sowie
Halsschmuck sind natürlich verschieden, die beiden älteren Prinzen tragen
spanische Halskrausen, während bei Friedrich Heinrich und Wilhelm II. glatte
Kragen dicht unter dem Kinn herabfallen.
Wilhelm I. von Oranien ist auch für die nationale
Kunst zu früh gestorben. Als ihn der Schuss des pietistischen Mörders im
Delfter Prinzenhofe zu Boden streckte, machte jene erst ihre frühesten
selbständigen Gehversuche. Die Porträts eines Willem Key, Franz Floris, Franz
Pourbus d. A. und selbst eines M. J. Mierevelt bildeten als Muster ein
unzulängliches Material für die späteren Vertreter einer freien
Gestaltungsweise. Weit wichtiger war für Dusard die berühmte monumentale
Schöpfung Hendrik de Keyzer's (geb. 1567) in der Delfter Neuen Kirche, welche den
Prinzen in zwei verschiedenen Auffassungen zeigt, als Todten
[147]
und als Lebenden147.
Ausserdem wird im Testament der Wittwo de Keyers, der gleich seinem
Altersgenossen Mierevelt noch in früher Jugend unmittelbar unter dem Eindruck
der Persönlichkeit des Schweigers gestanden, ein "conterfeytsele van zyn
Excie den Prince van Oraignen h. m." erwähnt148, das wohl mit der von de Stuers
beschriebenen149 Thonbüste der Königl.
Galerie des Haag identisch und ohne Zweifel eine Vorstudie zu dem Kopf des
thronenden Taciturnus am Delfter Grabmal ist. Hier haben wir Dusards Vorbilder.
Ja, seine Anlehnung scheint mir so eng, dass ihm der nachgebildete magere Kopf
zu klein gerieth gegenüber der Rumpflänge seiner Figur. Besser ist ihm die
stärker bewegte energische Gestalt, des Prinzen Moritz gelungen, die
selbstverständlich ebenfalls mit Hülfe älterer Bildnisse entstand.
Hingegen besitzen die beiden anderen Statuen den
Stempel unmittelbarer Naturwiedergabe. Angesichts der eleganten frischen
Erscheinung Friedrich Heinrichs lässt sich wohl an das Muster von
Staatsweisheit und Feldherrntüchtigkeit, an den Protektor der Gelehrten und
Künstler denken. Mit einer Frage auf den Lippen aber stehen wir vor der
schlanken jugendlichen Gestalt des Gemahls der Maria Stuart. Im dritten Jahre
seiner Generalstatthalterschaft hatte er im Kampfe gegen die städtische
Aristokratie, die hartnäckig auf einer Verminderung des Kriegsheeres bestand,
Amsterdam gedemüthigt (3. August 1650). Kurze Zeit darauf raffte ihn eine
Krankheit dahin, im Alter von erst 24 Jahren. Die Statue stellt ihn etwa
zwanzigjährig dar mit einem feinen Haupt, von dessen Scheitel die Haare fast
glatt bis auf die Schultern herabfallen. In diesem jugendlich offenen, nicht
unschönen, aber noch weniger bedeutenden Zügen, steht noch von keiner ernsten
Lebenserfahrung geschrieben. Das drängt sich dem Betrachter von vornherein auf,
sieht er, wie die Köpfe jener älteren Oranier unter dem Hammer des Schicksals
physiognomisch ausgearbeitet sind.
[148]
Die Statue des Kurfürsten und die Marmorfiguren der
vier oranischen Generalstatthalter bilden aber nicht Alles, was sich von
Dusards Meissel bei uns findet.
Wendet man sich im Park zu Sanssouci vom Hauptwege,
in dessen Mitte eine grosse Fontaine steht, nach rechts, so gelangt man auf
einem von dieser Fontaine ausgehenden Nebenwege, der parallel dem Schlosse und
seiner Bildergalerie läuft, an ein Rondel150.
Hier stehen auf dünnen Postamenten, verstümmelt von
brutaler Hand, verwittert, verwahrlost - acht Büsten. Das eingeweihte gebildete
Publikum spricht hier einfach von Oraniern. Diese Bezeichnung aber ist nicht
korrekt, denn unter den fünf männlichen und drei weiblichen Köpfen befinden
sich auch die des kurfürstlichen Paares mit deutlichen lateinischen
Unterschriften. Die Büste des Kurfürsten trägt, neben der Jahreszahl 1652, die
Bemerkung Anno Aetatis 33, und die Inschrift am Sockel der Büste der Kurfürstin
lautet:
Ludvica Auriaca
Elect. Brandenb.
Anno Aet. 24
1652.
Dass wir es auch wirklich mit Arbeiten Dusards zu
thun haben, geht für uns aus mehreren Umständen hervor. Erstens folgte die
Ausführung dieser beiden Büsten unmittelbar auf die Vollendung der Statue
Friedrich Wilhelms, zweitens befand sich der brandenburgische Hof damals unweit
der holländischen Grenze, zu Cleve, und drittens spricht die grosse
Uebereinstimmung beider Porträts des Kurfürsten für eine und dieselbe
künstlerische Hand. Ja, die Büste des jungen Herrschers nimmt sich nur wie eine
allerdings etwas vergröberte Kopie des Kopfes der 1651 entstandenen Statue aus.
Diese Vergröberung aber raubte den Zügen den distinguirten heldenhaften
Ausdruck.
[149]
Es scheint, als wollte der Bildhauer an diesem Werke
die Heldennatur des Hohenzollers, aus Rücksicht auf das zarte weibliche
Pendant, nur in stark gedämpfter Weise wiedergeben. Und die fromme Oranierin
ist wirklich niemals anspruchsloser, rührender dargestellt worden. Als sei sie
eine Gespielin jener von Metsu, Terborch und Ochtervelt gemalten wohlerzogenen,
bescheidenen und sittigen Bürgermädchen gewesen, die am liebsten Guitarre
spielten oder der weisen Rede von Männerlippen andächtig lauschten. Ihr
Hinterhaupt bedeckt eine kleine Kappe, das gescheitelte, schlicht gekämmte Haar
hängt kaum bis zum Nacken herab, ist aber leider der völligen Verwitterung
nahe. Das schmucklose Gewand lässt den Hals ganz frei, es liegt faltig auf der
Brust und ist inmitten durch ein Medaillon befestigt, welches das miniaturhafte
Profilbildniss des kurfürstlichen Gemahls deutlich erkennen lässt.
Man kann wohl fragen, ob damals irgend eine
Veranlassung zur Bestellung dieser beiden Büsten vorlag. Ich überlasse es dem
freundlichen Leser, aus den folgenden Bemerkungen einen hierauf bezüglichen
Schluss zu ziehen.
Wir erinnern uns, dass zu den Schätzen der sog.
brasilianischen Sammlung, die eben in jenem Jahre151
in den Besitz Friedrich Wilhelms gelangte, u. a. gehörten: "Die vier
Prinzen von Oranien, Brustbilder in weissem Marmor künstlich ausgehauen, von
dem Italienischen (!) Meister Franzesco Diessart". Dass diese Brustbilder
vier der in Sanssouci vorhandenen Marmorbüsten sind, steht für mich ausser
Zweifel. Leider werden im Verzeichniss der Sammlung die Namen der betreffenden
"Prinzen von Oranien" nicht genannt. Und es ist mir auch bei einer
dieser historischen Persönlichkeiten nicht möglich, mit Sicherheit anzugeben,
wen sie vorstellt. Er allein trägt den Orden des goldenen Vliesses, und ich
zweifle daher, dass wir überhaupt ein Mitglied des protestantischen oranischen
Fürstenhauses vor uns haben152.
[150]
Die vier sog. "Prinzen von Oranien"
befanden sich bis zur Abreise des Kurfürsten aus Cleve im September 1652 noch
im Haag153, also zur selben Zeit, als dort
die beiden Brustbilder Friedrich Wilhelms und seiner oranischen Gemahlin
gemeisselt wurden. Da nun auch zwischen sämmtlichen 6 Büsten, denen
schliesslich noch - ob bald oder geraume Zeit später, bleibe dahingestellt -
die Portraits der Schwiegermutter († 1675) und der jungen Gemahlin Wilhelms II.
(† 1661) hinzugefügt wurden, in Grösse und Auffassung eine unschwer erkennbare
Uebereinstimmung herrscht, so glauben wir unsererseits, dass der Kauf jener vorher
im Besitz des Brasilianers befindlichen Büsten von Dusard die direkte Ursache
war, dass Friedrich Wilhelm ähnliche Portraits von sich und seiner Gemahlin,
vielleicht zur Ausschmückung eines bestimmten Saales, im Jahre 1652 bestellte.
Merkwürdigerweise fehlt in diesem Kreise der
Taciturnus. Gegenwärtig sind seine Söhne und Nachfolger Moritz und Friedrich
Heinrich, der erstere auch an der St. Georgsmedaille des englischen
Hosenbandordens, den er seit 1613 besass, leicht kenntlich. Die Büste der
Amalia von Solms ist durch eine neuere Kopie154
ersetzt. Das Original scheint also zu Grunde gegangen zu sein.
Uebrigens ist die Uebereinstimmung der acht
Sculpturen hinsichtlich ihrer Gesammtform heute augenfälliger als ursprünglich.
Um sie für den Zweck der Gartenausschmückung geeigneter zu machen, hat man
nemlich den sämmtlichen Büsten die Nackentheile fortgeschlagen. So sind denn
hermenartige Gebilde entstanden, Aber der Kunstwerth der Werke ist durch diese
unbegreifliche Verstümmelung, durch die gewiss auch Inschriften verloren
gingen, beeinträchtigt. Dieser Kunstwerth war übrigens von vorn herein
verschieden, wie denn auch die Entstehung der Büsten nicht gleichzeitig zu
denken ist. Die Köpfe der Prinzen Moritz und Friedrich Heinrich und jener
anonymen Persönlichkeit übertreffen an charakteristischer Schönheit die andern
Büsten, und ich muss gestehen, dass mir, angesichts dieser drei
Meisterleistungen niederländischer Portraitplastik des 17.Jahrhunderts,
anfänglich der Name keines Geringeren als des Artus Quellinus auf den Lippen
schwebte. Es ist wohl
[151]
denkbar, dass diese Sculpturen von Dusard gleich zu
Anfang seiner Haager Thätigkeit, wo es ihm darauf ankommen musste, sich
ausgezeichnet einzuführen, gemeisselt wurden. Um so bedauerlicher erscheint ihr
heutiger trauriger Zustand. Selbst als König Friedrich Wilhelm III. im Jahre
1825 den Befehl ertheilte, die Statuen und Büsten in Sanssouci zu säubern und
dabei den Bildhauer Rauch zu Rathe zu ziehen155,
geschah für diese Werke, die schon durch ihr eminentes historisches Interesse
die Blicke aller Gebildeten fesseln müssen, so gut wie nichts, höchstens dass
damals dem prächtigen Charakterkopf Friedrich Heinrichs die abgebrochene Nase
recht stümperhaft wieder angesetzt wurde.
Für die ungefähre Feststellung der Zeit der
Entstehung dieser Büste halte ich das hier fixirte Mannesalter, das auf einen
mittleren Fünfziger schliessen lässt, von einigem Belang. Das wohlgeformte
Haupt Friedrich Heinrichs (geb. 1584) mit den edlen chevaleresken Zügen
erinnert an ein bekanntes Gemälde van Dycks. Ausdruck, Kostüm und Haartracht
sind auf beiden Portraits überraschend ähnlich. Das Haar, das sich über der
Stirn anmuthig kräuselt, fällt voll und weich bis fast zum Halse herab, welchen
ein glatter, ausgezackter Kragen schmückt. Sonst erblicken wir über dem Panzer
die bei Dusard übliche Anordnung einer Brustschärpe, deren Enden auf der
rechten Schulter zu einem Knoten verschlungen sind. Der energisch modellirte
Kopf des Prinzen Moritz mit dem fast viereckigen Antlitz und dem festen,
entschlossenen Blick ist ebenfalls voll individuellen Reizes. Den Hals umgiebt
eine kleine Krause, und unter der Schärpe kommt, wie erwähnt, eine Medaille mit
dem Bilde des Drachentödters zum Vorschein. Der gewaltige Stratege trägt Kinn-
und Knebelbart und das Haar halb kurz geschnitten, an beiden Seiten etwas
abstehend. Feine, ausdrucksvolle Züge besitzt endlich die Büste des
Unbekannten. Es lag vielleicht an der Eigenthümlichkeit des Modells, dass die
Wiedergabe dieses schmächtig geformten Kopfes mehr malerische als plastische
Auffassung verräth. In der Haar- und Barttracht ähnelt diese Persönlichkeit mit
dem Vliessorden dem Prinzen Moritz, doch weist der glatte, reich ausgezackte
Kragen auf die Mode einer späteren Generation hin.
Wenn ich von dem minderen Kunstwerthe der übrigen
[152]
Portraits sprach, so zog ich allerdings nicht in
Betracht, was Zeit und Menschenhand an den weiblichen Büsten verschuldet haben.
Als unrettbar verloren muss leider auch der Kopf der Maria Stuart gelten. Und
das ist um so beklagenswerther, als wir nun nicht mehr nachzuweisen vermögen,
ob dieses Werk Dusards jenes Portrait der Prinzessin von 1641 ist, dem der
jugendliche Wilhelm II., in absentia der Gemahlin, gehuldigt hatte156. Was man allein noch erkennen kann, ist,
dass ihr zartes Haupt, dessen Kinderaugen ja aus so vielen Bildern van Dycks
arglos in die Welt schauen, die damalige Modefrisur mit Löckchen an den
Schläfen trägt und dass ihr hüllenloser Nacken von einem Stück ihres
Hermelinmantels umrahmt ist. Mir scheint freilich der Kopf ältere Züge zu
besitzen, doch gebe ich gern eine durch die Verwitterung des Materials
hervorgerufene Täuschung zu. Auch sieht ihr Pendant, der Prinz-Gemahl, jünger
als auf jener Statue von 1646 aus. Im Uebrigen entspricht die Büste Wilhelms
II., in Ausdruck, Haartracht u. s. w., durchaus dem Portrait des Marmorsaales,
auch fehlt ihr weder der Panzer, noch die Brustschärpe.
Die Beziehungen Friedrich Wilhelms und seiner edlen
Gemahlin zu Franziscus Dusart gehören ausschliesslich dem Anfang der fünfziger
Jahre an, wenigstens wird durch nichts bewiesen, dass das kurfürstliche Paar,
nachdem es seine Residenz Cleve im September 1652 verlassen, die Verbindung mit
Dusard noch in Berlin weiter unterhalten hatte. Auch früher, während des ersten
clevischen Aufenthalts zwischen 1646 und 1649, dürfte der Name des Wallonen am
brandenburgischen Hofe kaum genannt worden sein.
Damals stand dort ein anderer Künstlername im Vordergrund:
Gerard van Honthorst. Nachdem die Hochzeit Friedrich Wilhelms im Haag gefeiert
war, entstand die Nothwendigkeit, einem Theil des fürstlichen Bekanntenkreises
die Portraits der Jungvermählten als Andenken zu verehren. Es hat
[154]
sich in den Akten des Geh. Staatsarchivs zu Berlin
eine darauf bezügliche Rechnung des genannten Utrechter Malers vom Jahre 1647
erhalten, deren Angaben einiges Interesse beanspruchen. Man sagt, dass
Honthorsts Portraits in der Regel nur geringe künstlerische Originalität besitzen,
aber man vergisst hinzuzufügen, dass dieser geschäftskundige Pinselführer für
jedes der vorliegenden Brustbilder nur 32 Thlr.157,
für ein Kniestück der Kurfürstin 60 Thlr. und für eine ganze Figur 100 Thlr.
empfing, um dieselbe Zeit, als ein Paar Büsten von Dusard mit 1500 holl. Gulden
bezahlt wurde. Ich rathe daher dem freundlichen Leser, die Erklärung für
gewisse mässige Leistungen berühmter älterer Meister lieber einfach in den
nackten Zahlen, als in den tiefsinnigen Betrachtungen, welche meine Herren
Kollegen über persönliche Lebensschicksale und vorübergehendes Nachlassen der
künstlerischen Kraft anzustellen pflegen, zu suchen. Uebrigens lässt sich aus
dem Umfang dieser Gemälde auch entnehmen, in welchem Verhältniss resp. in
welcher Werthschätzung die in der Rechnung einzeln angeführten Persönlichkeiten
zu dem kurfürstlichen Paare standen. An der Spitze der Beschenkten wird - mir
scheint das nicht ohne Begründung - ein Graf Moritz von Nassau genannt,
offenbar der neue clevische Statthalter, der "Brasilianer".
Dusards Thätigkeit für den brandenburgischen Hof hing
dagegen mit einem andern Zweck zusammen. Als nemlich das kurfürstliche Paar zum
zweiten Mal seine niederrheinische Residenz aufsuchte, war in der Hauptstadt mittlerweile
diejenige Anlage fertig geworden, mit welcher Friedrich Wilhelm seine junge
Gemahlin für die Gärten und Alleen des Haag zu entschädigen suchte: Der
Berliner Lustgarten. Derselbe hatte allerdings in wesentlich anderem Zustand
schon früher bestanden. Aber erst jetzt erhielt er durch den verdienten
Kunstgärtner Michael Hanff, dem - wie wir aus Elsholtz Beschreibung158 entnehmen - der holländische Architekt Joh.
Gregor Memhard zur Seite stand, die grosse Ausdehnung und kunstvolle
Bepflanzung, denen er seine Schönheit und seinen ehemaligen Ruf verdankte. Mit
seinen Annexen umfasste er das ganze Terrain nordwärts vom Schlosse bis zum
Zusammenfluss der beiden Spreeame. Das Schloss selbst
[154]
bot damals nach dem Garten zu eine sehr wenig
ansehnliche Schauseite.
Nun galt es, den neuen Berliner Lustgarten, von
dessen Anlage uns ein von Memhard 1650 geschaffener Plan ein vollständiges,
getreues Bild gewährt, mit Statuen, Büsten, Grotten und Fontainen zu schmücken.
Und daher wurden Verbindungen mit mehreren Bildhauern und Kunstgiessern
geschlossen. Die erste derartige Persönlichkeit, die wir kennen lernen, war der
Belgier JacquesWoulleaumé, der sich im Jahre 1649 in einem französisch
verfassten Gesuch als Kunstgiesser empfahl " . . en qualité de fondeur en
des figures, pour foire des statues de grottes, et de fontaines, en tout ce qui
viendra, pour le contentement de Son Alt. Elect . . .", und der daraufhin
mit 480 Thlr. etc. Anstellung erhielt. Von ihm sollen die im Lustgarten früher
vorhandenen Bleistatuen gegossen worden sein. Fast gleichzeitig (1650) wurde
der alte Wachsbossirer David Psolimar, der schon Georg Wilhelm gedient, von
neuem, zugleich als Grottenmeister, mit 300 Thlr. etc. angenommen. Andere
Bildhauer, die für die Aussehmückung des Lustgartens thätig waren, ohne im
festen Dienstverhältniss zum Kurfürsten zu stehen159,
hiessen Otto Mangiot, der nach Nicolai aus Brabant stammte, G. Larson und
Pieter Streng aus Rotterdam.
Auch Dusard gehörte, als namhaftester, in den Kreis
dieser Dekorateure des Berliner Schlossparkes, der mit seinen Laubgängen und
architectonisch genmsterten Beeten, mit seiner im sog. Memhardschen
Hintergarten gepflanzten Linden-Allee ganz den Charakter einer vornehmen holländischen
Gartenanlage Jener Zeit besass.
Memhards anschaulicher Plan160
und Elsholtz umfassende Beschreibung des vormaligen Lustgartens, der
bekanntlich durch den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in einen Exerzierplatz
verwandelt wurde, überheben uns der Aufgabe, die Lieblingsschöpfung des Grossen
Kurfürsten zu reconstruiren. Jener Autor hat sich auch dadurch ein Verdienst
erworben, dass er sein Manuscript mit freilich recht unbeholfen ausgeführten,
schwarz getuschten Handzeichnungen schmückte, in denen wir die
bemerkenswerthesten Kunst-
[155]
werke des Gartens abgebildet sehen. So die Fontaine,
die, nach Nicolai, jener Rotterdamer Pieter Streng im Jahre 1656 aus
pirnaischem Sandstein meisselte; sie bestand aus einem reichgegliederten Fuss
und zwei Schalen, deren obere in Form eines offenen Blumenkelches zwei Amore
mit Delphinen trug. Merkwürdig, allerdings echt holländisch naturalistisch,
muss Strengs kolossaler Neptun ausgeschaut haben161,
ein auf zerbröckeltem Felsgestein hingelagerter, schwerfälliger Greis mit
langem Haar und Bart, Glotzaugen und einem veritablen Schmerbauch; aus den
Spitzen der Steine und des Dreizacks, auf den sich der etwas emporgerichtete
Meergreis mit der Linken stützte, während die Rechte den Boden berührte,
spritzten Wasserstrahlen rings herum.
Ausser dem Neptun soll Streng hier noch "eine
stehende Ceres, eine sitzende Flora und zwei Sonnenuhren, jede mit einem
stehenden Kinde", gemeisselt haben. Mit Larson, der in früheren Jahren in
London thätig gewesen sein soll, werden nur die Modelle von 12 Kinderfiguren,
die Woulleaumé in Blei goss, in Verbindung gebracht. Aus den erwähnten
Abbildungen ersehen wir, dass der Lustgarten noch weitere Figuren von Kindern
und Eroten enthielt, wenigstens erkenne ich unter denselben jenen marmormen
bogenschnitzenden Kupido, der aus der Berliner Kunstkammer in das Museum am
Lustgarten gelangt ist und hier, auf Sandrarts Autorität hin, stets als ein
Werk des François Duquesnoy (1594-1642) gegolten hat, während Elsholtz den
Kupido ausdrücklich dem, in der Kunstgeschichte völlig unbekannten Otto Mangiot
zuschreibt162.
Ein anderes Figürchen unter den Kindergruppen des
Lustgartens war ebenfalls geflügelt, trug aber mit beiden Händen eine
Kurfürstenkrone. Ob hier eine Darstellung des 1648 in Cleve geborenen
Kurprinzen Wilhelm Heinrich, der schon ein Jahr
darauf, auf der Rückreise seiner Eltern in die Mark,
starb, vorliegt? So viel wissen wir, dass Dusard wirklich, ausser der Statue
Friedrich Wilhelms, noch die Kinderfigur dieses schmerzlich betrauerten
Prinzen, und ferner eine Venus, für den Berliner Schlosspark ge-
[156]
meisselt hatte. Was die kurfürstliche Statue
betrifft, von deren Betrachtung wir ausgingen, so sind wir über deren
ursprünglichen Standort ziemlich genau unterrichtet.
Sie stand, nach Elsholtz, unfern des südwestlichen
Eingangs zum Garten und schmückte eine Fontaine in mitten eines der vorderen
Blumenbeete. So fehlerhaft auch die Tuschzeichnung des alten Autors ist, man
sieht doch deutlich, dass sich die Statue dort auf niedrigem viereckigen Sockel
erhob. Auf den Vorstufen sassen lächelnde Eroten mit wasserspeienden Delphinen
im Schoosse, und am Sockel selbst las man die Bibelinschrift:
Domine * Fac * Me * Scire * Viam * Per * Quam *
Ambulem * (Psalm 143. V. 8.)
Dieser Satz bildete in der That den Wahlspruch
Friedrich Wilhelms. Schon im Alter von 14 Jahren, kurz vor seiner Abreise nach
Holland, schrieb er ihn in das Stammbuch einer befreundeten Persönlichkeit, des
Georg von Lichtfuss. Das in rothen Sammet gebundene, längliche, mässig grosse,
aber sehr starke Buch163 enthält auf einem
der ersten Blätter Folgendes in zierlicher kalligraphischer lateinischer
Schrift:
1634
ps: 143. Domine scire fac me viam per quam ambulem
quia ad te levavi animam meam.
Fridericus Wilhelmus Princeps et Marchio
Brandenburgensis, Prussiae, Juliae, Cliviae, Montium Dux.
Eine spätere Medaille – Oelrichs164
nimmt ihre Prägung um das Jahr 1640 an -, die auf der Vorderseite das
kurfürstliche Brustbild, auf der Rückseite einen über die Erdkugel fliegenden
Adler zeigt, enthält auf letzterer ausserdem als Beischrift jenen Wahlspruch
mit der Schlussfassung "quo ambulaturus sum".
Also zur Characteristik des dargestellten jungen
Fürsten und seines frommen Sinnes konnten die schönen Worte des Psalmes im
hohen Grade dienen, und deshalb wollte sie die Bestellerin an dem Denkmal ihres
edlen Gemahls nicht missen.
[157]
VI.
Eine kurfürstliche Ruhmeshalle und ihr Bildhauer.
Wir gedachten an früherer Stelle schon eines
Portefeuilles, das aus der Manuskriptensammlung der Königl. Bibliothek zu
Berlin in das dortige Staatsarchiv gelangt ist, wo es noch immer den offenbar
falschen Titel "Handzeichnungen des Grossen Kurfürsten etc." führt.
No. 1 dieser Folge von Blättern mit der Inschrift "Kurfürstliche
Handzeichnung" möchte man, nach der Zartheit der Linienführung, eher einer
weiblichen Hand zuweisen165. Das Blatt kann
ursprünglich einem Skizzenbuche der Kurfürstin Louise angehört haben. Die noch
unvollendete Zeichnung stellt nemlich ein bekanntes Lustschloss in der
waldreichen Umgebung der holländischen Residenz 's Gravenhage, das sog.
"Haus im Busch", dar, gebaut von Pieter Post, kurz vor der Mitte des
17. Jahrhunderts. Der mit einer Kuppel gekrönte stattliche Centralraum dieser
Bauschöpfung, deren Urbild Palladios Villa Rotonda bei Vicenza ist, der
Oraniensaal, enthält an den Wänden Malereien flandrisch-holländischer Meister,
lobpreisende Schilderungen des Lebens Friedrich Heinrichs im
antik-allegorischen Gewande.
[158]
Den Geschmack an derartigen Historien verdankte die
kunstsinnige Stifterin des Oraniensaales, Amalia von Solms, die Wittwe jenes
Prinzen, augenscheinlich dem Vorbilde der Maria von Medici, Königin von
Frankreich, die im Jahre 1626 Rubens nach Paris berief, um ihn mit
Schilderungen der Thaten ihres verstorbenen Gemahls, Heinrichs IV., zu
beauftragen; dieser Auftrag sollte freilich nicht über einen Theil der Skizzen
hinaus Erledigung finden. Aber dafür waren wenige Jahre zuvor die in völlig
gleichem Geiste geschaffenen 21 Bilder vollendet, auf welchen die kunst- und
ruhmbegehrliche Mediceerin von Rubens Hand ihre eigenen Lebensschicksale hatte
verherrlichen lassen. Dieser berühmte Gemäldecyclus des Louvre schmückte ehedem
den Palast Luxembourg und entsandte von hier aus seine Strahlen bis nach
England, Holland und Brandenburg.
Es lässt sich wohl begreifen, dass Friedrich Wilhelm,
der schlichte Hohenzoller, schon frühzeitig vorbereitet durch die
schwelgerischen Feste des Haag, bei denen, wie uns Groen van Prinsterer
erzählt, aus goldenen Tellern und Gefässen gespeist wurde, allmälich Gefallen
daran fand, die Kunst gelegentlich auch als ein Zauberspiegel zu betrachten,
durch welchen die gewöhnlichen Ereignisse des fürstlichen Lebens einen
erhöhten, übersinnlichen Glanz, eine Potencirung ihrer Bedeutung empfingen.
Diesem künstlerischen Zeitgeschmack der Grossen konnte sich seine in der Regel
freilich strenge, nüchterne Wahrheitsliebe in festlichen Stunden um so lieber
ergeben, als derselbe seinem früh entflammten Ehrgeiz entsprach und nicht zum
Wenigsten auch durch die Eigenart seiner persönlichen Erscheinung unterstützt
wurde166. Man rufe sich seine
ehrfurchtgebietende Gestalt mit dem energischen Schnitt des kräftigen,
lockenumwallten Hauptes ins Gedächtniss, man denke an seine kühnen
entschlossenen Thaten, seinen Unternehmungsgeist auf allen Gebieten, seine
hochherzige Gesinnung, und man wird bekennen, dass die Phantasie des Künstlers
nicht viel hinzuzufügen
[159]
Die Geschichte kennt nicht viele Persönlichkeiten von
ähnlich grossartiger Harmonie körperlich und geistig bedeutender Eigenschaften.
Manche dieser Heroen hatten indess das besondere Glück gehabt, die richtigen
künstlerischen Ingenien vorzufinden, die ihnen aus gewissermassen natürlichem
Antriebe und aus wirklicher Begeisterung ihre Dienste weihten. Deren für die
Nachwelt unschätzbare Werke repräsentiren darum ein hervorragendes Vordienst
nicht bloss der betreffenden Meister, sondern auch der Kunst jener Zeit, welche
die Bildnissschöpfungen entstehen sah. Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte dagegen
dieses Glück jedenfalls nicht in dem Maasse getroffen, als er es verdiente. Er hatte
sich seine Künstler so eifrig wie nur je ein Fürst suchen müssen, um sie in
Folge dessen ziemlich auswahllos zu nehmen, wie und wo er sie bekommen konnte.
Er hatte sie nur durch reichliche Honorare oder feste Anstellung als
Hofkünstler fesseln können; und Angesichts der für Kunstzwecke geopferten
Summen erscheinen uns die pekuniären Schwierigkeiten, mit welchen der
Nachfolger Georg Wilhelms so oft zu kämpfen hatte, fast unglaubhaft. Maler,
Bildhauer, Architekten, Ingenieure und Kunsthandwerker standen dauernd in
seinem Dienst167, und diesen Leuten gegenüber
schien seine sonstige Sparsamkeit, durch die er einer der besten Haushalter
unter den Hohenzollern gewesen war, mitunter die Geltung verloren zu haben.
Aber seine Kunstliebe war frühzeitig in den Niederlanden entzündet, sie
verlangte nach Nahrung, nach mäcenatischer Bethätigung, und dazu trat eben
jenes mit Ehrgeiz verschwisterte Selbstbewusstsein, das bei grossartig
angelegten Persönlichkeiten zwar nicht zu kleinlicher Selbstgefälligkeit, wohl
aber zu einem Kultus des eigenen, künstlerisch veredelten Abbildes führen kann.
Der kurfürstliche Zeitgenosse Rembrandts übertraf in der Neigung, sich
porträtiren zu lassen, die meisten Herrscher seines Jahrhunderts. Ein Theil
[160)
seiner Bildnisse ging an fremde Höfe, Manches ist
verschollen, Anderes schmückt noch heute die Räume der königlichen
Schlösser Berlins und Potsdams und entzückt hier
immer von Neuem alle Diejenigen, welche dem Reiz der grossen und edlen
Gestalten der Geschichte zugänglich sind.
Die Kunst in der Umgebung des grossen Kurfürsten
erwuchs also lediglich seiner persönlichen Initiative, und desshalb kommen erst
in zweiter Linie die Männer für uns in Betracht, welche dazu berufen und fähig
waren, seine Persönlichkeit greifbar wahr und fesselnd auf die Leinwand oder in
Stein zu bannen; die Bartholomäus Eggers, Franz Dusart, Govaert Flinck, Willem
van Honthorst, Theodor Willeboirts, Jakob Vaillant, Pieter Nason, Dirk Stoop
und wie sie sonst noch heissen mögen. Denn diese Künstler, die ihrer Herkunft
nach überwiegend Holländer resp. Flandrer, zum kleinen Theil Italiener,
Franzosen , Deutsche, Schweden und Dänen waren, dienten dem ausgezeichneten
Fürsten mit keinem höheren Interesse, als andern gleichzeitigen Auftraggebern,
von denen sie ebenso reichlich und nicht weniger pünktlich bezahlt wurden. Sie
haben ihn im Porträt dargestellt, wie er sich ihnen gab in seiner erhabenen
Natürlichkeit, sie haben gelegentlich sein Leben und seine Thaten heroisirt,
weil diese Art von Verherrlichung, die ihre Ausdrucksweise der antiken
Geschichte
oder den Wolken des Olymps entnahm, damals zeitgemäss
war, für die Thaten kleiner und grosser Potentaten, für Fürstinnen wie Fürsten.
Und wenn das hoheitsvolle Wesen Friedrich Wilhelms solche Potencirung wohl
vertrug, so hat das unzweifelhaft den Effect und Erfolg der künstlerischen
Arbeit, aber darum nicht das Verdienst jener fremden Meister besonders erhöht.
Die im Frühjahr 1890 in der Reichshauptstadt
stattgehabte Ausstellung von Werken altniederländischer Kunst aus Berliner
Privatbesitz hatte uns nicht allein mit mehreren charakteristischen Bildnissen
des Grossen Kurfürsten, darunter zwei lebensgrossen Figuren von dem bisher
wenig geschätzten Haager Maler Pieter Nason, bekannt gemacht, sondern auch mit
einigen Darstellungen, in welchen wir fröhliche und traurige Ereignisse des
brandenburgischen Fürstenhauses durch allegorische und mythologische
Beziehungen verherrlicht, poetisch verklärt fanden. Zwei der letzteren Bilder
haben die Vermählung des Kurfürsten mit der Prinzessin von Oranien (27.
November 1646) zum Vorwurf und sind von einem holländischen Anonymus und Th.
Willeboirts, einem
[161]
Nachahmer van Dyck's, gemalt worden. Interessant
erscheint uns auch, dass diese beiden Gemälde etwa gleichzeitig mit jenen nahe
verwandten allegorischen Schilderungen des Oraniensaales entstanden. Auf der
einen Leinwand (1,48: 1,36 m) sehen wir Mars und Venus im idealisirten
Modekostüm der Zeit mit den Gesichtszügen Friedrich Wilhelms und Louise
Henriettes, ferner Eroten, welche die Waffen des kurfürstlichen Gemahls zu
verbergen suchen. Auf dem andern Kolossalgemälde (3,11 - 2,51 m), inschriftlich
von 1646, beschränkt sich die Antikisirung derselben Scene auf das
Erotengefolge, während die beiden Windhunde des Bildes eine gewöhnliche
Lieblingsbeigabe flandrischer Meister sind168.
Zwei weitere Malereien von kleinerem Umfang und geringerer Qualität haben auf
den frühen Tod der beiden ältesten Söhne des kurfürstlichen Paares Bezug. Wir
sehen den Schon in der Wiege gestorbenen Wilhelm Heinrich († 1649) und den als
Jüngling dahingerafften, auf einem Paradebette aufgebahrten Karl Aemil (†
1674). Durch gefühlvolle, zum Theil sinnbildlich gedachte Hinweise hat der
Pinsel dieser anonymen Maler wohl dem Schmerz der Eltern, aber nicht den hohen
Ansprüchen wirklicher Kunst zu entsprechen vermocht.
Danach kann man urtheilein, wie wenig bedeutsam das
Gebiet der Allegorie selbst durch die gerühmte Kunst niederländischer Meister
am damaligen Berliner Hofe vertreten war. Was wir z. B. an Wandgemälden im
Potsdamer Stadtschlosse von der Hand der van Thulden, Jakob Vaillant und
Leygebe schon oben169 kennen lernten,
entspricht nicht einmal der Vorstellung, die wir von dem gespreizten Pathos des
französischen Classicismus besitzen. Die blendenden Vorzüge des monumentalen
Rubensstils wird natürlich Niemand hier entdecken. Eher käme man auf den bösen
Gedanken, dass jene Schüler und Nachahmer des
[162]
genialen Antwerpener Meisters blos dessen grossartige
Gepflogenheiten der Formensprache und dessen machtvolle allegorische
Empfindungen travestiren wollten. Aber dass der Kurfürst auch seinen Bedarf an
idealistischer Kunst wenigstens grossentheils aus Holland bezog, erscheint
Vielen ausserordentlich seltsam, denn ihnen ist dieses Land ja lediglich die
Heimat des Naturalismus. Für den Kenner der niederländischen Litteratur bedarf
es freilich nicht des Gegenbeweises. Denn er weiss am besten, dass grade jener
verstandesmässige Zug, der dort den sog. Naturalismus in der Kunst erzeugte,
besonders auch der Allegorie zu gute kam.
Die Wahrheit also ist, dass der idealistische
Kunstgeschmack im Lande Rembrandts stets und man darf wohl behaupten allerorten
gediehen ist, trotz der unter den Malern zeitweise stark dominirenden
realistischen Richtung. Dabei sei die Utrechter Schule nicht einmal besonders
hervorgehoben, deren Vertreter - und zu ihnen gehörten ja auch die an der Spree
so gut acereditirt gewesenen Brüder G. und W. van Honthorst - sogar in ihrer
Mehrheit idealistisch angehaucht waren. In der That war damals, als die
holländische Malerei bekanntlich den Gipfel ihrer Eigenart erreichte, das
Interesse an Allegorien und antiken Historien in den Kreisen des gebildeten
Publikums mehr, als man gemeinhin glaubt, verbreitet, sowohl durch die von den
Hooft und Vondel beherrschte Litteratur, wie durch die Sculptur, welche
Grabmäler und Rathssäle mit Sinnbildern schmückte, Und indirekt auch durch die
zum Klassicismus drängende Baukunst170. So
kam es, dass die Maler-Dekorateure in den Prachtsälen Haags, Amsterdams,
Leidens u. s. w., von der Zeit eines Abraham van den Tempel an bis zu den
Terwesten, van der Werlf, van der Schuur u. A. hin, ununterbrochen mit der
Geschmacksrichtung der Bildhauer und Architekten wetteiferten. zumal im
Rathhaus zu Amsterdam (1655), in dessen mit weissem Marmor ausgelegten Sälen
und Hallen die Jan Livens, G. Flinck, F. Bol, Stockade u. A. dem Idealismus
eines Artus Quellinus d. Ä., dieses damals berühmtesten Statuarius' der
Niederlande, nicht nachstehen wollten. Hier offenbar erfuhr Friedrich Wilhelm
mächtige Anregung zu späteren künstlerischen Unternehmungen: die imposanten,
reich skulpirten Tempelgiebel, die vornehm ernsten Pilasterreihen und die
kostbaren Marmorsäle mit ihrer schneeigen, formenschönen Plastik scheinen ihm
oft genug vor Augen gestanden zu haben.
[163]
Später hat der sog. Schweizersaal des Berliner
Schlosses eine Ausstattung erhalten, die uns den Sitzungssaal der Herrenstaaten
im Haager Binnenhofe ins Gedächtniss ruft. Der 1681 bis 1685 von Michael
Matthias Schmids und Arnold Nering gebaute Alabastersaal aber lässt das
architektonische Vorbild der Amsterdamer Rathhausräume, trotz nur entfernter
Aehnlichkeit, erkennen. Seine Wände erhielten gleichfalls eine Bekleidung mit
kostbarem, weissem Steinmaterial, gleichfalls korinthische Pilasterstellungen
und Gebälkabschluss. Zwischen den Pilastern sieht man indess noch heute
abwechselnd hohe viereckige Fenster und kleinere runde Flachnischen, sowie
kreisförmige Vertiefungen über den letzteren, vielleicht zur Aufnahme von
Büsten. Die reichen Kapitäle der Pilaster erinnern uns nicht wenig an die
entsprechenden Theile jenes Rathhauses, welche Symon Bosboom gemeisselt hat.
Der Name des Obersteinmetzen der holländischen Metropole ist auch für uns nicht
ohne Interesse, bezeichnen doch alte Autoren wie Cornelis de Bie und J. van
Sandrart übereinstimmend diesen ihren Zeitgenossen als einen von dem Kurfürsten
von Brandenburg beschäftigten und protegirten Künstler171.
Dieses Dienstverhältniss Bosbooms gehört vermuthlich der Zeit an, als der
Friede von Oliva (1660) die Souveränität Preussens gegenüber Polen besiegelte,
einer Zeit, die wohl geeignet war, zu nicht gewöhnlichen Bauplänen anzuregen.
Hält man Letzteres fest, nimmt man ferner die
Beziehungen des Kurfürsten zu jenem Künstler als die Folge der Bewunderung an,
die der Monarch für das Rathhaus und das Ruhmesgefühl der Amstelstadt
empfunden, dann liegt es gewiss auch nahe, zu vermuthen, dass Friedrich Wilhelm
sich damals schon entweder mit dem Berliner Schlossneubau oder doch wenigstens
mit einem monumentalen Festraum von der Art des späteren Alabastersaales
getragen haben dürfte. An die Stelle Bosbooms aber trat sehr bald ein anderer
Amsterdamer Bildhauer, Bartholomäus Eggers, ohne Zweifel durch Vermittelung des
Fürsten Johann Moritz von Nassau, denn dass der "Brasilianer" sich
der Hand des genannten Meisters schon früher bedient hatte, dafür besitzen wir
gewisse Belege. Jene Sonnenburger Gipsbüste des Fürsten vom Jahre 1645
bezeichneten wir
[164]
oben172, auf Grund
ihrer eigenthümlichen Formengebung, als ein Werk des Eggers. Dieses entstand
zur selben Zeit wie das Moritzhaus im Haag. Und genügt auch dieser Umstand
allein noch nicht, ihn für den Dekorateur der mit skulpirten Tempelgiebeln
geschmückten Postschen Bauschöpfung zu halten, so verleiht er doch sicherlich
zwei anderen Thatsachen erhöhte Bedeutung. Diese Thatsachen sind das Compagnonverhältniss,
das zwischen Pieter Post und B. Eggers bei der Entstehung der Waag zu Gouda
(1668) nachgewiesen ist173 und der Inhalt
einer Urkunde vom 3. August 1667, nach welcher Eggers ein Modell des
Moritzhauses angefertigt hatte, wobei ihm der Maler Monincx Verschiedenes
änderte174.
Bereits aus einem Schreiben vom 22. Juni (2. Juli
1663),das an den zu Cleve residirenden Statthalter gerichtet ist, erfahren wir
von Bildhauerarbeiten des Eggers, für welche dieser damals honorirt sein
wollte, obwohl sie "über die maassen hoch angesetzet" waren. Am 7.
Januar 1664 wird der Statthalter, auf Drängen und Drohen des Künstlers,
abermals vom Kurfürsten zur Bezahlung aufgemuntert, und die Schlussstelle des
Briefes, dass "vorstehender Bildhauer ohne eintzigen ferneren Vertzug
befriedigt und nicht langer aufgehalten werden möge", scheint darauf
hinzuweisen, dass noch weitere Aufträge ertheilt waren. Ein Nachweis, dass
dieselben mit der Ausschmückung eines projektirten Festsaales zusammenhingen,
lässt sich natürlich nicht liefern, da man Eggers' frühere Arbeiten für den
Berliner Hof überhaupt nicht kennt175.
Ungleich wichtiger für unsere Betrachtung ist ein
späterer Auftrag, der aus einem nach Amsterdam gerichteten Schreiben der
kurfürstlichen Kanzlei (5. Juni 1680) hervorgeht. Dieses Schreiben lautet.-
"Se.
Churfürstl. Durchlaucht Zu Brandenburg Unser Güdstr. Herr, remittiren dieses an
den Raht undt Geh. Cämmerer Hauptmann Sigissmundt Hyderkampf Gdst. befehlend,
dem Bildhawer Zu Ambsterdam Bartholomäus Eggers wegen Verfertigung der hierauf
er-
[165]
wähnten
Marmorsteinernen Bilder, diese hier in drey gedachten Terminen, als auf Jeden
866 Thlr. 16 Gr., so wie Sie specificiret, an gutem Reichs- oder holländischen
Gelde gegen seine Quittung auszuzahlen: Vierhundert Rthlr. aber, so ihm,
Eggers, auf abschlag des ersten Termins gezahlet Zu decortiren (?), sich aber
auch Vorher erkundigen, ob Eggers auch dem Contract ein genüge thut."
Der hierauf bezügliche Contract mit dem Künstler
scheint verloren zu sein. Und nicht minder ungern vermissen wir das an
Hyderkampf remittirte beschreibende Verzeichniss der fraglichen Reliefs: - auf
solche allein dürfte die obige Benennung hinweisen!
Was waren das wohl für Reliefbilder, die der
unermüdliche Kriegsherr nach seinen Zügen, die bald nach Westen, bald nach
Norden über das Eis des Kurischen Haffs gingen, in Holland bestellte? Was waren
es für "Marmorsteinerne Bilder", bestellt um die Zeit, als der Friede
von St. Germain (1679) die freilich nur zum Theil in Erfüllung gegangenen
Hoffnungen erweckte, dass man jetzt endlich auf dem Sandboden der Mark Zeit und
Mittel gewinnen werde, grossartige künstlerische Pläne zur Ausführung zu
bringen? Wir glauben darauf unten eine richtige Antwort geben und gleichzeitig
darlegen zu können, dass die Idee eines hohenzollerschen Ruhmessaales bereits
um die Zeit jenes Friedensschlusses mit Frankreich eine feste Form angenommen
hatte. Aber wer weiss, ob dieser Saal vom Kurfürsten nicht ursprünglich in
einem anderen Theil des Berliner Schlosses gewünscht war, als in der
Verlängerung des um 1580 gebauten sog. Lynarschen Flügels, der später die
beiden Schlosshöfe trennte? Die Nordhälfte dieses Mittelflügels, der damals im
unteren Geschoss die kurfürstliche Küche enthielt, wurde endlich 1681 erhöht,
um für den Alabastersaal176 eine
beträchtliche Höhe und Ausdehnung zu gewinnen. Grosse Massen des kostbaren
Steinmaterials, aus weiter Ferne herbeigeschafft, standen den beiden
holländischen Baumeistern zur Verfügung.
[166]
R. Dohme, der es in seiner kurzen Geschichte des
Berliner Schlosses177 versucht hat, einen
Grundriss der Schlossanlage, wie diese sich kurz vor Schlüters Auftreten
präsentirte, zu entwerfen, hat offenbar die einzige alte Abbildung178 des vorliegenden Saales nicht
berücksichtigt. Ausserdem hätte er den Alabastersaal aus folgender Notiz des
Lokalhistorikers Küster kennen müssen179:
"Es hat auch hochgedachter Churfürst den prächtigen Saal über der
Churfürstlichen Küche, so mit sinnreichen Gemählden, vortrefflicher Stuccatur
Arbeit, und den künstlichen Marmornen Statuen der Churfürsten von Brandenburg,
von Friedrich I. an, versehen war . . . erbauen lassen (S. 6)" Doch fügt
der Autor S. 14 noch hinzu: "Weil auch dieser Saal dem Vorsprung am
Schlosse dritter Seite im Wege stund, so wurde ein Theil desselben weggerissen,
jedoch decket der Saal die erste und zweite Etage des Vorsprungs". Erst
diese Verkleinerung des Alabastersaales von 5 auf 4 Fensteraxen (veranlasst
durch Schlüters Neubau), machte den einst imposanten kurfürstlichen Ehren- und
Festraum für die Bedürfnisse des königlichen Hofes unzureichend. In der
freilich recht ungenauen Abbildung bei Beger sehen wir ausserdem sechs Nischen
an jeder Langwand des Saales. Auch Pitzler hat ihn schon bei seiner ersten
Anwesenheit in Berlin (August 1695) gesehen und eine darauf bezügliche Notiz
niedergeschrieben180, die wir mit grossem
Dank entgegenehmen, weil sie uns über verschiedene Details des Saales wenn auch
nur flüchtig unterrichtet. Die Eintheilung der Decke und des Fussbodens hat er
ferner durch zwei Skizzen verdeutlicht. Seine Notiz lautet: "Der Neue Saal
im Schloss zu Berlin ist schön von gemählden al fresco, die Decke von Stucko
von Laub und einigen Kinderlein; der Saal hat 4 doppelte Thüren, an seiten
stehen pil. (Pfeiler) mit Nicen, in welchen die Churfürsten von Alabaster stehen;
wo man alle 4 Thüren Zugleich sehen kan wird vor die oberste stelle gehalten,
darumb denn die Bilder in der Decke der quer gestellet, dann auch der Churfürst
nicht lange sondern oval Tafel hält".
Die Decke des kurfürstlichen Festraumes hatte die Gestalt
[167]
eines Spiegelgewölbes erhalten. Die hohe Voute und
die längliche Mittelfläche waren durch ein barockes Rahmensystem aus Stuck in
verschiedenartig geformte Felder eingetheilt. Die Mittelfläche enthielt drei
ungleich grosse Reliefs (oder Gemälde?), von denen Pitzler zwei mit
"Providentia" und "Fortuna" bezeichnet hat. Eine der
kreisrund resp. oval gerahmten Voutendarstellungen, die sich sowohl in den
Ecken, als auch inmitten der vier Seiten befanden, und daher an Zahl acht waren,
wird auf der Skizze "Veritas" genannt. Ferner sah man an den
Langseiten, zwischen den runden Bildern, noch vier andere, etwas komplicirt
gerahmte Felder, deren Inhalt der alte Reisende genauer angiebt, nemlich: 1.
Die Architektur "mit Pozdam". 2. Die Malerei "mit des Churfürsten
Conterfeit, des alten". 3. Die Fortifieation "mit Berlin" und 4.
Die Skulptur "mit des Churfürsten Conterfeit, des alten". Zwischen
den erwähnten Feldern bildeten plastische Ornamente die Füllung. Der Grund der
Decke war braun, das Stucho gelinde gelb" angetönt. Der Fussboden war,
nach Pitzlers Skizze, aus weissen Marmorplatten von 18 Zoll im Quadrat
zusammengesetzt und durch eingelegte schwarze Marmorstreifen, die das Ganze in
neun ungleiche viereckige Hauptfelder theilten, gemustert.
Da uns weitere genaue Aufschlüsse, zumal über die
Ausschmückung der Wandflächen, nirgends geboten werden, so soll
in den folgenden Zeilen, auf Grund von Thatsachen und
Muthmaassungen, der Versuch einer Rekonstruction des Alabastersaales
fortgesetzt werden. Doch ist hier gleich zu bemerken, dass eine Vollendung des
Saales unter dem Grossen Kurfürsten nicht mehr stattgefunden hat, und dass
dessen Nachfolger Friedrich III. sich um so weniger bemüht haben mag, die Ideen
Friedrich Wilhelms an dieser Stätte vollständig zu realisiren, als sein Projekt
eines Schlossneubaues alles Uebrige zweifellos in den Schatten rückte. Was also
Pitzler im Jahre 1695 sah, war, unserer Meinung nach, wohl kaum das
ursprünglich beabsichtigte grossartige Werk einer kurfürstlichen Ruhmeshalle,
sondern nur ein in dekorativer Hinsicht wesentlich einfacher gestalteter
Festraum. Auch sind seine Bemerkungen etwas zu knapp und unklar, sodass man dem
flüchtigen Beobachter wohl zutrauen darf, er habe manche wissenswerthe
Einzelheit übersehen.
Pitzler spricht zunächst von "gemählden al
frescoll und
[168]
dann erst von der stukkirten Decke, also ist nicht
recht ersichtlich, ob die "Bilder" an letzterer Malereien oder
Reliefs waren und ob auch die Wandflächen des Saales malerische Darstellungen
enthielten. Aber schon das, was er über die Bedeutung einiger der
Deckendarstellungen mittheilt und was wir sonst noch wissen, muss uns darin
bestärken, dass der Stifter des Alabastersaales eine Fülle von innerlich
zusammenhängenden künstlerischen Vorführungen schaffen lassen wollte. Dieser
geistige Zusammenhang beruhte auf theils historischen, theils symbolischen
Gesichtspunkten und drückte im kleinen Rahmen Analoges aus, wie das von dem
Kurfürsten bewunderte Amsterdamer, Rathhaus im Grossen. Neben den Standbildern
der brandenburgischen Kurfürsten (Friedrich I., Friedrich II., Albrecht
Achilles, Johann Cicero, Joachim I., Joachim II., Johann Georg, Joachim
Friedrich, Sigismund, Georg Wilhelm, Friedrich Wilhelm und Friedrich III.181 haben wir uns hier offenbar die Statuen
jener vier "Kaiser" (Julius Cäsar, Konstantin, Karl der Grosse,
Rudolf von Habsburg) zu denken, die dem Sieger von Fehrbellin, als leuchtende
Sterne am Himmel der Geschichte, vorbildlich vor Augen standen. Und hoch über
sich und seinen leiblichen bezw. geistigen Vorfahren thronte inmitten an der
Decke die "Göttliche Vorsehung", rings umgeben von den
Personifikationen der Tugenden und Künste. Die supernaturale Verherrlichung,
die man im frommen Mittelalter lediglich der Person Christi zu weihen liebte,
feierte zur Zeit des fürstlichen Absolutismus eine Art Wiedergeburt für den
weltlichen Zweck des fürstlichen Ehrgeizes.
Und woraus schliessen wir nun, dass die in
Wirklichkeit erst von Friedrich III. bestellten vier "Kaiser" schon
zu dem Programm des Grossen Kurfürsten gehörten? Nach der Voll-
[169]
endung der elf Kurfürsten im Jahre 1687 kam Eggers
persönlich nach Berlin,- wo seine Anwesenheit, von der auch Nikolai redet,
urkundlich beglaubigt ist; unterm Datum des 29. Octobers 1687 erhielt er
nemlich den kurfürstlichen. Befehl, gemeinsam mit Nering und dem Kammerherrn
von Lüderitz eine Beschwerde des Bildhauers Jeremias Süssmer gegen den
Hofbildhauer Döbeler zu prüfen182. Im
Frühjahr 1688 starb FriedrichWilhelm nach langen schweren Leiden. Bald nach
Regierungsantritt des Nachfolgers richtete Eggers, der noch immer nicht seine
Rückreise nach Holland angetreten, ein deutsch verfasstes Gesuch an den
derzeitigen Minister: "Bey des Churfl. würcklichen Geheimen Etats Rath,
Herren von Dankelmanns Excellence erinnert der Holländische Bildhauer Eggers
gehorsamst Bittende Ihm anzu Verdingen nachfolgende Statuen: 1. Sr. Churfürstl.
Durchl. Statue. 2. Julius Cäsar mit einem Adler. 3. Constantinus Magnus mit
einem Kinde oder Engel. 4. Carolus Magnus auf einem Drachen stehend. 5.
Rudolphus die Welt haltend". Für jede der Statuen gab er 700 Thlr., im
Ganzen also 3500 Thlr., als Honorar an. Die schleunige Erledigung der Sache
(Contraktabschluss 13. Juli 1688), die eigenthümliche Fassung des Gesuchs, die
grosse Reise, der lange Aufenthalt in Berlin - machen es wahrscheinlich, dass
es sich hier um eine alte Vereinbarung betreffs Wahl, Auffassung und Preis der
Objecte gehandelt, um ein Project, an das bei der Aufregung, die dem
Thronwechsel folgte, nur noch "erinnert" werden musste, und das
allein die Statue des jungen Regenten als etwas Neues, doch
Selbstverständliches hinzutrat.
Die zweite ebenso wichtige Frage für uns würde sein,
ob schon die oben erwähnten Sculpturen von 1680 mit der Ausschmückung des
Alabastersaales zusammenhingen, wie behauptet wurde. Wenn diese Bildwerke die
sechs 2,07 m langen und 1,41 m hohen Reliefs sind, welche heute die
Seitenwände, der Diplomatenloge des Weissen Saales schmücken, dann müssen sie,
unseres Erachtens, aus innern Gründen zu den Statuen gehören. Denn sie preisen
die Thaten und Tugenden der hohenzollernschen Kurfürsten oder vielmehr den Ruhm
Friedrich Wilhelms in jener damals zeitgemässen Verschleierung durch
historische Beispiele der Antike und des Mittelalters. Allerdings ist in jener
Urkunde ausdrücklich von marmornen Bildwerken die Rede, und die
[170]
Untersuchung der vorliegenden Tafeln hat ergeben,
dass sie durchweg aus Gips hergestellt sind. Sollte Eggers vielleicht
schliesslich nur die Modelle geliefert haben? Auch die Gipsbüste des
"Brasilianers" in der Sonnenburger Ordenskirche ist augenscheinlich
ein Originalwerk. Oder sind jene Sculpturen des Amsterdamer Meisters zu Grunde
gegangen?
Eh wir auf die vorliegende Streitfrage weiter eingehen,
um gleichzeitig ein von unserer Auffassung erheblich abweichendes Urtheil zu
prüfen, wollen wir dem freundlichen Leser den Inhalt der sechs Compositionen
mittheilen und zwar in der Hauptsache so, wie wir ihn bei der ersten
Besichtigung der nicht gerade günstig angebrachten Reliefs zu enträthseln
vermochten. Bei dieser Gelegenheit erinnerten wir uns auch lebhaft einer alten
gedruckten Darstellung, eines Panegyrikus, mit dem ein Zeitgenosse des Eggers,
Joachim van Sandrart zu Nürnberg, der bekannte Schüler jenes Gerard van
Honthorst, den zweiten Theil seiner "Teutschen Academie" (1679) dem
grossen Kurfürsten dedicirte. Die Widmung lautet nach Guhl (Künstlerbriefe):
"Nachdem die tausendzüngige Fama von der Göttin des Ruhmes aus dem Himmel
entsendet worden, um Ew. Churf. Durchl. hohen Ruhm mit dem Schall ihrer
Silber-Drommeten zu verkündigen, hat sie eine gute Weile gezweifelt, was für
einen Heldennamen sie in die daran hangenden Purpurfahnen sollte sticken
lassen. Sie glaubte zwar anfänglich, als sie Ew. Churf. Durchl. im Feldlager
unter den Zelten und zwar siegprangend erblickte, sie könnte Deroselben keinen
andern Namen, als den eines deutschen Mars zueignen . . . . Als sie nun aber E.
Ch. D. aus dem Felde nach Ihrer fürstlichen Hofburg begleitete und allda
wahrnahm, wie nicht allein die Zeughäuser und Rüstkammern mit aller
Waffengezeug, sondern auch die Kunstkabinette und Bücherzimmer mit allen nur
ersinnlichen Kunstschätzen und Seltenheiten angefüllt waren und da sie dabei
auch E. Ch. D. von solchen Dingen, gleichwie sonst von Kriegssachen, mit
hochvernünftigem Urtheil reden hörte: da kam sie sofort auf den Schluss, dass
Ihnen der Ehrenname eines deutschen Phoebus oder Apollo besser anstehen würde.
Und in diesem Gedanken wurde sie abermals bestärkt, als sie in der
[171]
Kabinette einem, an einer Statue des Phoebus ersah,
dass derselbe nicht allein Pfeile und Bogen, einen Python damit zu fällen,
sondern auch die Leyer der Kunst im Arme hatte, und sich zugleich erinnerte,
dass der Lorbeerkranz auf seinem Haupte ihn nicht allein zu einem Kriegshelden,
sondern auch zu einem Helden der Kunst gekrönet. Wie nun E. Ch. D. als ein
rechter wahrer Apollo und hoher Gönner aller Künstler und Kunstfreunde sich in
stetem Wechsel dem Berufe der Kriegsführung und der Kunstliebe zu widmen
pflegen, so scheint es jetzt, als wenn Sie, da nun . . . Germania den
Freudenport des langersehnten Friedens vor Augen sieht . . ., die siegreichen
Waffen bei Seite legen und hingegen zur Kunstleyer greifen wollten . . ."
Gleich Tafel 1 liefert zu obigen Worten Sandrart's
eine Art Illustration; sie ist an der Westwand der Loge sichtbar und ein
Hochrelief wie die übrigen Bildwerke. Hier dürfte die
Erziehung Alexanders des Grossen geschildert sein, der, nachdem er theils im
Feldlager seines Vaters Philipp, theils von Philosophen wie Aristoteles
herangebildet, zwanzigjährig - genau in dem Alter Friedrich Wilhelms - die
Zügel der Regierung ergriff. Der junge macedonische König (im Profil) schreitet
würdevoll nach rechts, er trägt, gegen die Schulter gelegt, einen Kommandostab.
Sein Kriegsgefolge steht links, hinter ihm. Alexanders Blick fällt auf das Werk
eines vor ihm sitzenden griechischen Bildhauers (Lysippos), der einen Hercules
mit der Leyer im Relief gemeisselt hat. Ganz rechts steht der Philosoph
Aristoteles, der wie ein, vorn links, gebückt und unbekleidet dargestellter
Jüngling an Figuren der raffaelischen "Schule von Athen" erinnert
(ein Beweis vielleicht dafür, dass der Bildhauer Italien besucht hat). Ausser
der Bezeichnung "Hercules Musarum" über jenem Relief liest man an der
Tafel noch den Namen "Kalliope". Mit einem Worte: wir haben hier
einen Hinweis auf die Erziehung Friedrich Wilhelms, der seine für künftig
entscheidenden Jugendjahre theils im Dienste der "Kalliope" an der
Universität Leiden, theils im Heerlager Friedrich Heinrichs, bei der Eroberung
von Breda, verbrachte und der desshalb als "Hercules Musarum" ge-
feiert wird.
Dass übrigens die Zeitgenossen Friedrich Wilhelm gern
mit Alexander dem Grossen verglichen, geht auch aus zwei Ansprachen hervor, die
der Bürgermeister von Berlin oben in jenen Jahren
[172]
(1677 und 1678) an den Kurfürsten richte183. Alte Historiker, wie Pufendorf und Seiler,
ziehen diesen Vergleich z. B. bei Erwähnung einer That ungewöhnlichen
Edelmuths. Wie nemlich Alexander den Darius einst vor einem feilen
Meuchelmörder gewarnt haben soll, so soll sich auch der Grosse Kurfürst
verhalten haben, als sich im Jahre 1673 ein gewisser Vicomte de Villeneuve
erbot, gegen Bezahlung den französischen Marschall Turenne zu ermorden. Turenne
dankte für diese "genérosité sans pareil". Man ersieht hieraus also,
dass der Künstler die obige Darstellung ganz in Uebereinstimmung mit den
Anschauungen seiner Zeitgenossen schuf. Tafel 2 führt uns einen antiken
Feldherrn vor, dessen behelmtes Haupt die Züge des Grossen Kurfürsten erkennen
lässt; er ist im Begriff, den von Rossen gezogenen Streitwagen zu besteigen, um
an der Spitze seiner Krieger in die Schlacht zu eilen; vorn links schliesst ein
hingelagerter antiker Gott (à la Quellinus) das Bild ab. Tafel 3 scheint
dagegen auf die Friedensbereitschaft des Hohenzollers hinzuweisen, denn sie
schildert einen auf seinen Schild gestützten römischen Heldenjüngling (Marc
Aurel?), der sich, während ihm zwei Männer eine Rüstung auf einer Stange
zutragen, der lieblich gestalteten Friedensgöttin zuwendet; hinter ihm steht
Pallas Athene, gleichsam als Beratherin.
Wenden wir uns der Ostwand der Diplomatenloge zu, so
erblicken wir auf Tafel 4 das mit Büsten und Statuetten angefüllte Atelier
eines antiken Bildhauers und Architekten, dessen Person hinter dem Sessel eines
Fürsten auffällt. Der letztere betrachtet die Zeichnung eines Tempels auf einem
grossen Karton, den ein Jüngling im Hintergrunde aufgerollt hat. Zur Rechten
steht auch hier bewaffnetes Gefolge. Vermuthlich soll dieses Relief den Besuch
des Kaisers Augustus bei Vitruv vorstellen. Weniger befriedigt die folgende
Tafel 5, deren Mitte ein lorbeerbekränzter Fürst einnimmt. Er wendet sich mit
lebhafter Armbewegung einem vorn rechts gelagerten greisen Wassergott zu,
hinter welchem eine anmuthige Nymphe zum Vorschein kommt. Er scheint des Gottes
Hilfe für die zur Linken unbekleidet und gebückt dargestellten Männer
anzuflehen, die mit den heftigen Schlägen ihrer knüttelähnlichen Werkzeuge den
unfruchtbaren Sandboden bearbeiten. Den Hintergrund nimmt eine antike
[178]
Festung ein, vielleicht die Hauptstadt Konstantins,
welcher Konstantinopel nicht bloss gegründet, sondern auch (wie der Grosse
Kurfürst seine Residenz und zwar mit Hilfe holländischer Ingenieure) befestigt
hat. Aus der Antike führt uns die letzte, wieder sehr schöne Composition, Tafel
6, in das Mittelalter. Wir sehen einen König vor einer Landkarte des
nordöstlichen Deutschlands stehend und auf die Stelle weisend, wo Brandenburg
liegt. Hinter ihm, links, bildet sein greiser Rathgeber das Haupt eines
theilweise bewaffneten Gefolges. Zu Füssen des Herrschers erkennt man das
Modell einer doppelthürmigen Kirche, als deren Schöpfer wohl der Mönch gedacht ist,
der mit einem Zirkel in den Händen, rechts vor dem Fürsten hockend, gleichfalls
die Karte mustert. Im Vordergrunde, dessen Figuren fast ganz plastisch
heraustreten, sieht man ausserdem noch einen Edelknappen, der einen Helm trägt,
sowie einen Jagdhund. Im Hintergrunde aber, und zwar oben rechts, erscheint
ganz klein die Gestalt eines andern, mit kaiserlichen Insignien geschmückten
Fürsten. Die Tafel dürfte wohl auf die Stiftung des Bisthums Brandenburg durch
Otto I. im Jahre 949, sowie auf die Belehnung Friedrichs, Burggrafen von
Nürnberg, mit Brandenburg durch Kaiser Sigismund hinweisen.
Einer völlig anderen Auffassung von dem Inhalt und
der Urheberschaft dieser trefflichen Reliefs huldigt Cornelius Gurlitt. Er hält
sie für die Arbeiten keines Geringeren als des Andreas Schlüter184; und ich glaube er steht damit nicht ganz
allein. Natürlich denkt er bei einigen der Darstellungen an Friedrich III,
dessen Allongeperrücke freilich hier ebenso wenig zu bemerken ist, wie die
zarte gebrechliche Gestalt dieses Kurfürsten. Der Verfasser giebt folgende
Erklärungen:
"Da steht auf einem ein Jünling vor einem
Bildhauer, der soeben sein Werk vollendet, ein Relief des Herkules mit der
Inschrift: Herculi Musarum (Taf. 1). Andere schleppen Kunstwerke herbei:
Candelaber, Waffen. Im Hintergrunde steht ein Tempel der Musen. Manche
Gestalten erinnern lebhaft an die
[174]
Bekrönungsgruppen des Zeughanses, jedoch ohne deren
Gewaltsamkeit in der Bewegung. Ein zweites, merkwürdiges Bildwerk (Taf,6) zeigt
einen bekrönten, reich gerüsteten Fürsten vor einer grossen Landkarte, welche
die Elb- und Havellande darstellt. Ein Mönch misst mit dem Zirkel die Grösse
etwa von Anhalt ab. Im Hintergrunde sieht man die Statue eines Kurfürsten;
Rathsherren mit Aktenrollen und Krieger drängen sich herbei. Ich denke, es wird
sich um die Besitzergreifung Brandenburgs durch Kurfürst Friedrich I. handeln,
und um den Hinweis auf seinen Nachkommen Friedrich III. Doch will ich besseren
Erklärungen nicht vorgreifen. Hier ist es uns nur um die künstlerischen Vorzüge
des Reliefs zu thun, um die sichere Composition, die kräftige Durchbildung der
Menschengestalten, die tüchtige Individualisirung der verschiedenen Stände. Ein
Windspiel in der rechten Ecke ist ebenso trefflich durchgearbeitet, wie das
kunstgewerbliche Beiwerk".
"Und dann findet man einen Jüngling, der
Trophäen des Krieges aufstellen lässt (Taf. 3), während der Genius des Friedens
neben ihm steht. Im Hintergrunde vergegenwärtigt eine toskanische Säulenhalle
das Zeughaus. Oder gegenüber (Taf. 5) wird an der Langen Brücke gearbeitet. Der
Flussgott der Spree reicht sich die Hand mit einer durch ein Rad wohl als
Verkehr symbolisirten weiblichen Gestalt; Handel und Ackerbau nahen. Ein edler
Jüngling vereinigt sie, indem er seine Hand auf die verbundenen Rechten jener
legt". Auf die beiden, oben mit 2 und 4 bezeichneten Tafeln geht der
Verfasser nicht ein, weil er sie ungeachtet einer Entfernung von nur wenigen
Schritten "nicht genau erkennen konnte". Auch uns ist das so gegangen.
Aber gerade deshalb und weil uns die Sorgfalt in der Modellirung der Figuren
auffiel, unterdrückten wir die Vermuthung, dass wir diese Reliefs für
Fassadendekorationen halten185.
Nachdem wir die Bildwerke kürzlich noch einmal genau
prüften, mussten wir freilich bekennen, dass es für den jüngsten Biographen
Schlüters in der That nahe lag, hier an seinen künstlerischen Helden zu denken.
Es sind da wenigstens einzelne Figuren, ja einzelne Motive vorhanden, die
wirklich an
[175]
Schlütersche Gestaltung und Erfindung erinnern. Aber
Vieles, in der Composition wie in den Details, ist so ausgeprägt
niederländisch, dass ich trotz Anerkennung gewisser Einflüsse, die der grosse
deutsche Barockkünstler von Westen her empfangen, schliesslich doch nur an eine
niederländische Hand zu denken vermochte. Auch Gurlitt hat anscheinend etwas
Aehnliches empfunden, als er schrieb: "Alle Gestalten sind niederländisch
"deftig ..." die Composition ist ohne Absichtlichkeit klar, bei dem
Relief vielleicht schon zu übersichtlich abgetheilt". Wir gehen noch
weiter und betonen, dass die strenge Anordnung auf diesen Bildwerken überhaupt
nicht der malerisch freien Compositionsweise des durch Schlüter vertretenen
Barockstils entspricht. Sie erinnert vielmehr, auffällig genug, an die
Eigenthümlichkeit einer Reliefdreizahl im Gerichtssaal des Amsterdamer
Rathhauses, wo Artus Quellinus die richterliche Unbeugsamkeit des biblischen
und römischen Alterthums geschildert hat. Und wir meinen, dass in
compositioneller Hinsicht etwa zwischen Raphael und Correggio nicht viel
grössere Unterschiede herrschen, als zwischen obigen Meistern. Wenn Gurlitt
ferner bemerkt: "Die Körper zeigen einen durch klassische Absicht
gemilderten Schwung der Linien - manchmal sogar einen etwas zu schön
stilistischen", so hat er damit unabsichtlich mehr eine Charakteristik der
figuralen Formgebung des Quellinus, als derjenigen Schlüters gegeben.
Also Schule des Quellinus! Das dürfte zunächst unser
Resultat sein. Und damit fallen zugleich, unserer Meinung nach, jene
Anspielungen auf das Berliner Zeughaus und die Lange Brücke186
als geistreiche Fictionen des Biographen in sich zusammen. Dadurch steht nun
auch ein interessantes Werk wie das mächtige Hochrelief des von Sparrschen
Grabmals in der Marienkirche, welches so augenfällig den Stempel jener
vlämisch-holländischen Schule trägt, nicht mehr vereinsamt in Berlin da.
Als eine Eigenthümlichkeit der oben erwähnten
Amsterdamer Sculpturen des Quellinus habe ich bei früherer Gelegenheit187 hervorgehoben, dass auf jedem der drei
Reliefs "einem Hunde eine gewisse Rolle zugetheilet" ist; er bildet
nemlich
[176]
eins der harmlosen Nebenmotive, welche der
geschmackvolle Künstler wählte, um die geschilderten entsetzlichen Vorgänge zu
sänftigen. So beleckt der Hund in der Scene "Salomos Urtheil" dem
ahnungslosen Streitobjekt, dem Kinde, über welchem das Schwert des grimmigen
Schergen zuckt, das herabhängende Händchen. Dieses Motiv scheint überhaupt eine
Art Inventarstück der Quellinusschule gewesen zu sein. Es kommt sowohl am
Spaarschen Grabmal, wie auch an einer der Tafeln (6) des Weissen Saales vor.
Jenes beschrieb ich an anderer Stelle188 folgendermassen: "Das Rahmenwerk des
Denkmals189 mit seiner barocken Bekrönung,
eine abbreviirte korinthische Tempelhalle, in welcher der gepanzerte
Feldmarschall vor einem Cruzifix kniet, während zur Linken ein Edelknabe seinen
Helm trägt, erinnert an die Portale im Hauptsaal des Amsterdamer Rathhauses.
Auch die Vorführung eines Hundes, der bei einigen Reliefs im dortigen
Gerichtssaal eine Vorliebe des Quellinus bekundet, fehlt hier nicht, obwohl an
der Berliner Schöpfung nur eine genreartige Behandlung des bekannten Symbols
der Treue beabsichtigt gewesen zu sein scheint". Ausser dem Hunde findet
sich aber auch der den Helm tragende Edelknappe auf dem betreffenden Relief des
Weissen Saales. Und so kann immerhin gemeint werden, dass die Urheber dieser
beiden Schöpfungen eine und dieselbe Persönlichkeit seien.
Die Legende bezeichnet nun den Aelteren, d. h. den
berühmten Artus Quellinus, als den Schöpfer jenes Grabmals, und auch Nicolai
nennt den Künstler in der Reihe der von dem Grossen Kurfürsten beschäftigt gewesenen
Meister. Ein urkundlicher Anhalt dafür besteht aber nicht; hingegen liest man
in einem kurfürstlichen Rescript vom 6./16. Nov. 1673 von einem "Bildhawer
Artus", dem zu irgend einem unbekannten Zwecke "ein Fichtenbaum
angewiesen" werden sollte. Der Name mag dem Entdecker dieser Notiz190 so ungewöhnlich geklungen haben, dass er
gleich an Quellinus dachte. Gemeint ist indess ein gewisser Artus Sitte, ein
Holländer, der am 25. October
[177]
1666 seine Bestallung als Hofbildhauer ohne Gehalt
erhielt191. So klärt sich die Legende von dem
"Berliner Quellinus", soweit es sich wenigstens um den Namen handelt,
befriedigend auf.
Bezüglich Sittes aber muss man annehmen, dass ein
holländischer Künstler, der in die Uebersiedelung seiner Familie nach dem
entlegenen Berlin ohne Anspruch auf festes Gehalt willigte192,
dort wohl auf umfangreiche und lohnende Beschäftigung rechnen konnte. Wer
dieser Künstler im Uebrigen war und was er in der märkischen Hauptstadt
geschaffen hat, wissen wir nicht. Meine frühere Vermuthung, dass jene Legende,
auch hinsichtlich der Urheberschaft des Sparrschen Denkmals, nicht ganz aus der
Luft gegriffen, dass also Artus Sitte wahrscheinlich dessen Schöpfer sei, hat
im Grunde genommen nur
die Thatsache für sich, dass der Feldmarschall Sparr,
als Oberleiter des Berliner Festungsbaues, mit dem clevischen Statthalter und
mit holländischen Ingenieuren in Verbindung stand und daher die Ausführung
seines Epitaphiums recht wohl einem holländischen Bildhauer anvertraut haben
könnte. Auch Gurlitt schloss sich dieser Vermuthung an, indem er bemerkte, dass
"wahrscheinlich Artus Sitte, ein Schüler des Quellijn" besagtes Werk
gefertigt habe. Daraus liesse sich überdies die Berufung des Künstlers ganz
hübsch motiviren: Nachdem Friedrich Wilhelm im Jahre 1663 das Sparrsche
Monument bewundert hatte, beschloss er einige Jahre später dessen Schöpfer nach
seiner Residenz Berlin zu ziehen.
Nur schwebt das Alles thatsächlich in der Luft. Denn
wir sind leider nicht in der Lage, ein beglaubigtes Werk Sittes zum
Vergleich heranzuziehen. Selbst unter den oben
berichteten Umständen erscheint es uns bedenklich, eine ausgezeichnete
bildnerische, Leistung einer doch völlig obscuren Künstlerpersönlichkeit
zuzuschreiben. Auch kann man sich für deren Berliner Aufenthalt eine minder
ehrenvolle Veranlassung denken. Nicolai, König u. a. ältere Autoren bemerken
übereinstimmend, dass der Kurfürst in den sechziger Jahren neue ausserordentliche
Anstrengungen zu künstlerischen Zwecken machte. Er beschäftigte damals,
zunächst B. Eggers, nachdem Bosboom offenbar in
[178]
Folge seiner Verpflichtung als Obersteinmetz der
holländischen Metropole, von seiner ausländischen Verbindung Abstand nahm. Im
Jahre 1664 entstand eine Differenz mit Eggers, der unbillige Forderungen
stellte und dann drohte, er werde die für den Berliner Hof bestimmten
Skulpturen anderweitig verkaufen. Der Kurfürst wünschte, in zwei Mahnungen an
Johann Moritz von Nassau, die Sache unter allen Umständen schleunigst geordnet,
damit sie ihm nicht "despect", dem Künstler aber nicht Zeitverlust
verursache.
Trotz dieser freundlichen Beilegung des Streites
verschwindet der Name Eggers bis zum Jahre 1673 aus den Akten. Dagegen hat uns
der Zufall zwei Dokumente bewahrt, aus denen hervorgeht, dass grade in der
Zwischenzeit ein Fachgenosse und Landsmann des Amsterdamer Statuarius, eben
jener Artus Sitte, im märkischen Osten Beschäftigung fand. Eggers aber
entfaltete damals seine bedeutendste heimische Thätigkeit.193
Er schuf das monumentale Grabmal des Admirals van Wassenaar († 1665) in der
Haager St. Jakobskirche, dekorirte ferner die 1668 von Post gebaute Waag zu
Gouda und fügte dem prächtigen Verhulstschen Monument der Familie von In- und
Knyphausen in der Kirche des friesischen Dorfes Midwolde die Statue des Barons
Georg Wilhelm († 1669) hinzu; daneben entstanden durch ihn kleinere Werke wie
die heute im Amsterdamer Rijksmuseum befindliche Büste des Joh. Munter (1673).
Möglich, dass es ihm zu jener Zeit an Aufträgen von Seiten des
brandenburgischen Kurfürsten wenig oder nichts lag. Angesichts der mitunter
empfindlichen Schwierigkeiten, welche die Regelung geschäftlicher
Angelegenheiten mit dem Ausland damals verursachte, war es den holländischen
Meistern kaum zu verdenken, wenn sie lieber in ihrer Heimat ausreichende Arbeit
suchten.
Mit Eggers' Erneuerung seiner früheren Beziehungen
zum Berliner Hofe verschwindet zugleich Artus Sitte vom märkischen Schauplatz,
wenigstens hören wir nach 1673 nichts mehr von ihm. Wenn er aber wirklich der
hochbefähigte überlegene Künstler, der Schöpfer des Sparrschen Grabmals wäre,
dann bestände keine augenfällige Ursache, warum man mit einem andern Bildhauer,
der überdies zu unbilligen Forderungen neigte, wieder anfing. Oder sollte Sitte
überhaupt bloss als ein vorübergehender Ersatz
[178]
für Egger herangezogen worden sein? Schade, dass die
Quellenforschung den sich um Quellinus gruppirenden Bildhauern Amsterdams bis
jetzt noch so gut wie Alles schuldig blieb. Eine zu lösende dankbare Aufgabe
würde sein, uns über die wechselseitigen persönlichen Verhältnisse dieser
Bildhauer aufzuklären. Wir würden alsdann auch erfahren, in welchem Abstand
sich unsere beiden Künstler zur Quellinusschule befanden, und ob Sitte
vielleicht identisch war mit jenem mittelmässigen Meisselführer Artus de With,
der dort für die Oudekerk im Jahre 1666 das Grabmal des mit dem Grossen
Kurfürsten wohlbekannt gewesenen Admirals Jan Hulst vollendete . . . Eine Schlussfolgerung
aber können wir aus alledem zu Gunsten der Feststellung des Urhebers der
vorliegenden Berliner Bildwerke noch immer nicht wagen; die grössere
Wahrscheinlichkeit aber spricht unbedingt für Eggers.
Indem wir diesen Standpunkt zur Streitfrage einnehmen,
denken wir vor allem an das grosse Marmorrelief, mit welchem dieser Bildhauer
die Front der Waag zu Gouda schmückte (1669). Die plastische Behandlung der
hier dargestellten Wägescene ist ähnlich wie an den Tafeln des Weissen Saales:
die hintern Figuren sind nemlich ganz flach modellirt, während im Vordergrunde
ein Kaufmann, der seine Güter wägen lässt, und der sitzend schreibende,
unbekleidete Wägemeister fast körperhaft abgerundet aus der Fläche
heraustreten. Letztere Figur beweist auch, dass Eggers, dessen Schöpfung zu
seinen besten Leistungen rechnet, mitunter selbst die Idealisirung eines ganz
realen Vorgangs nicht verschmäht hat. Im Uebrigen gehörte er zu jenen
Künstlern, die desshalb so ungleichwerthig schufen, weil sie vorzugsweise nach
Maassgabe des in Aussicht stehenden materiellen Lohnes arbeiteten. Und das
entschuldigt die Nachwelt, die ihn nach seinen schwächeren Kunstprodukten zu
beurtheilen pflegt. Ein solches Produkt ist auch seine angebliche Marmorgruppe
"Der Raub der Proserpina", die wenig beachtet in der Bildergalerie zu
Sanssouci steht. Sie besitzt etwa 2/3 Lebensgrösse, ist unbezeichnet und wird
ihm lediglich auf Nicolais Autorität hin zugesprochen. Kaum giebt es ein
zweites Bildwerk, das den Beschauer so holländisch derb anmuthet, wie diese
kleine Gruppe. Wir sehen hier eigentlich nichts weiter, als einen alten,
hässlichen nackten Kerl, der ein junges Weib emporhebt, das sich sicherlich
nicht graziöser sträubt und geberdet, als Rembrandt bekannter Ganymed in den
Lüften. . Die Jungftau strampelt
[180]
nemlich mit Leibeskräften, greift dem frechen Unhold
mit ihrer Linken in das struppige Haar, während, sich die Rechte machtlos des
sie umschlingenden sehnigen Armes des verliebten Meergreises erwehrt. Wie diese
rohe, unfertige Arbeit nach Berlin gelangte, können wir nicht angeben. Doch da
wir nun wissen, dass Bartholomäus Eggers einen Mitarbeiter in der Person seines
Bruders Jakob besass194, so halten wir es für
richtiger, dass Werke solcher Art, zumal wenn sie unbezeichnet sind, eher auf
des letz teren Konto gesetzt werden.
Sobald wir demnach das gewöhnliche Urtheil über B.
Eggers, auf Grund des eben Gesagten, modificiren dürfen, gewinnt zugleich die
Möglichkeit, dass unser Meister jene Reliefs des Weissen Saales geschaffen
habe. Es treten aber noch andere, nicht unerhebliche Momente hinzu: erstens,
dass das für die "marmorsteinernen Bilder" in drei Raten an Eggers
gezahlte beträchtliche Honorar von 2600 Thlrn. sehr wohl als ein Aequivalent
für die Ausführung der 6 Tafeln anzusehen ist, und zweitens die Aehnlichkeit
der beiden Hauptfiguren von Taf. 5 und Taf 6 mit zwei der "Kaiser",
die urkundlich und inschriftlich von Eggers Hand sind. Namentlich wirkt die
Aehnlichkeit der Statue "Konstantin" mit der Relieffigur von Taf. 5,
die ich, unabhängig von jener, ebenfalls "Konstantin" genannt habe,
so frappant, dass sich ein anderer Urheber dieses Reliefs des offenbaren
Plagiats an Eggers schuldig gemacht hätte. Endlich halte ich die heutige
Zusammenstellung der "Kurfürsten", der "Kaiser" und der
sechs Tafeln im Weissen Saale für keine zufällige, sondern für eine aus Pietät
herübergenommene - herübergenommen von dem ehemaligen Alabastersaal, der - nach
unserer Ueberzeugung eine Ruhmeshalle des Grossen Kurfürsten repräsentirte.
Hätte Eggers nicht ein gewisses Recht besessen, sich allein für den Dekorator
dieses Ehren- und Festraumes zu halten, so wäre er schwerlich dem Sohne des
Stifters, bald nach dessen Thronbesteigung, genaht, um ihn, wie an ein
Vermächtniss seines erlauchten Vorgängers, an die Ausführung der vier
"Kaiser" zu erinnern".
Und trotz alledem ist ein strikter Beweis für Eggers
Antheil an den 6 Tafeln nicht zu erbringen. Das durch Gurlitts abweichendes
Urtheil hervorgerufene Dilemma bleibt also bestehen. Daneben wird es auch
Kunstkenner geben, die hier an einen
[181]
unbekannten dritten Meister glauben195,
der in seinem künstlerischen Stil zwischen Eggers und Schlüter stand - an jenen
grossen Unbekannten, der, seitdem er seine Rolle, im Kriminalrecht ausgespielt,
sich eine hochgeachtete Stellung in der Kunstwissenschaft verschafft hat . . .
Was uns betrifft, so geben wir noch lieber etwa folgender Erklärung den Vorzug:
Die "marmorsteinernen Bilder" des Eggers mögen ursprünglich die schmale
Nordwand des Alabastersaales geschmückt haben. Durch Schlüters Neubau des
Schlosses wurde diese Wand um Fensterbreite südwärts verschoben. Dabei mögen
die Bildwerke, durch Unvorsichtigkeit der Arbeiter, zerbrochen worden sein.
Schlüter restaurirte sie und fertigte Gipsabgüsse danach; sechs derselben
verblieben später dem Weissen Saal, während vier Wiederholungen in die
Thurmhallen des Charlottenburger Schlosses gelangten. Jedenfalls sind die so
theuer bezahlten Eggersschen Originale von 1680 verschollen.
Auf gleicher Höhe mit den Reliefs stehen allerdings
weder die "Kurfürsten" noch die "Kaiser". Die ersteren
waren, wie
bemerkt, zum Schmuck der Nischen des Alabastersaales
bestimmt und beanspruchten, als Bestandtheile der Architektur, nur eine
dekorative Behandlung. Dementsprechend betrug das Honorar für acht der
"Kurfürsten", wie aus jenem Briefe von 1686 hervorgeht, bloss 2109
Thlr. 9 Gr. d. h. pro Stück etwas über 263 Thlr. Sie sind sämmtlich 6 holl.
Fuss hoch, an der Rückenseite fast gänzlich unbehauen gelassen und interessiren
allerdings, trotz formaler Flüchtigkeit und Unfeinheit der Modellirung, durch
die Keckheit, mit der hier ein fremder Künstler zehn fürstliche
Persönlichkeiten der brandenburgischen Vergangenheit in idealer Charakteristik
historisch glaubhaft vorzuführen versucht hat. Gewiss, an Geist, Grazie und
Schönheitssinn steht der derbe Holländer den besten flandrischen Meistern der
voraufgegangenen Periode erheblich nach. Damals aber dürfte schwerlich ein
zweiter Niederländer Gestalten, wie den lebhaft vortretenden Albrecht
[182]
Achilles (Nr. 3), den Johann Cicero (Nr. 4), den
stattlichen Sigismund und den würdevollen Georg Wilhelm, statuarisch und
zugleich dekorativ wirksamer gemeisselt haben. Je öfter wir diese Statuen
sahen, um so günstiger, erfreulicher wirkten sie auf uns. Es geht eben mit
Kunstwerken, wie mit Menschen - je ungewöhnlicher, um so schwieriger ihren
Werth zu ergründen. Und was uns anfänglich bloss wie ein Kennzeichen mangelnden
künstlichen Geschmacks vorkam, verstärkte bei längerer Betrachtung den Eindruck
urwüchsiger Formgebung, die der Mehrzahl der "Kurfürsten" unbedingt
eigen ist.
Eine völlig abweichende Auffassung tritt uns indess
in dem letzten der 11 Kurfürsten, in der Statue Friedrich Wilhelms entgegen.
Zeigt sich dort der Holländer ungeschminkt in seiner derben Naivität,
eigenartig in seiner individualisirenden Gestaltungslust, so verräth sich hier
deutlich der Nachahmer der Franzosen. Friedrich Wilhelm ist à la Louis XIV. in
antiker Weise heroisirt; gebieterisch doch apathisch steht er da in der Pose
eines Jupiter, der den Kommandostab, als Speer markirt, in der Rechten hält -
geradeaus blickend, während seine Vorfahren mit kleiner Körperdrehung,
theilweise sogar mit lebhaften Gesten dargestellt sind. Dadurch wird der
Eindruck hervorgerufen, als wenn vom Künstler ursprünglich die elfte Statue
nicht in der Reihe der Uebrigen, sondern für sich alleinstehend gedacht wäre,
als wenn Eggers etwa die Schilderung eines Fürstenrathes vorgeschwebt hätte,
bei welchem - wie Jupiter im Olymp - Einer, Friedrich Wilhelm, das präsidirende
Haupt vorstellte, dem sich die Uebrigen zuwendeten. Schon unter dem Nachfolger,
Friedrich III., aber hat man, entweder weil man diese Intention des erlauchten
Stifters des Alabastersaales nicht kannte oder nicht respektiren wollte und um
die zwölfte Seitennische nicht leer zu behalten196,
kein Bedenken getragen, den Grossen Kurfürsten seitlich einzureiben. Wie
fehlerhaft die später im Weissen Saale nachgeahmte Parallel-Anordnung ist,
erkennt man schon daraus, dass die ältern Eckfiguren (1, 6 und 7) jetzt in die
Winkel des Saales hineinschauen.
Umgekehrt zu ihrem ausgezeichneten Rang in jenem Saal
ist also der künstlerische Werth dieser Statue Friedrich Wilhelms
[183]
des Grossen. Vergleicht man sie mit einem ältern
niederländischen Werke, der damals im Berliner Lustgarten befindlichen Statue
des F. Dusart (1651), die einst in charakteristischer Weise mit einem frommen
Bibelspruch geschmückt war, so hat man Gegensätze, wie sie grösser kaum zu
denken sind. Dort eine einfache, realistische, höchst individuell behandelte
Figur, die ganz das Gepräge der alten Oranierzeit besitzt, hier ein
konventioneller Fürstentypus, ein Perrücken-Jupiter mit der Maske des grossen
hohenzollernschen Patriarchen. Und doch wird der tiefere Beobachter in beiden
niederländischen Schöpfungen die eigenthümlichen Elemente erkennen, aus welchen
später ein deutscher Genius, Andreas Schlüter, den wunderbaren Ausdruck des
Heroisch-Individuellen zu gewinnen vermochte . . . Nach meinem Gefühle ist die
letzte Kurfürstenstatue nicht Eggers eigenhändiges Werk, sondern in
Wirklichkeit bloss eine manierirte freie Nachbildung der elften Figur.
Das an dieser Statue vorhandene Monogramm B E weicht
von der üblichen Signirung des Meisters so erheblich ab, dass uns die
Berechtigung des Monogramms zweifelhaft erscheint. Technisch steht die Arbeit
auf denkbar niedrigster Stufe, ist doch hier z. B. die Perrücke gänzlich roh
belassen. Sie kann daher auch nicht identisch mit dem 1688 bei Eggers
bestellten
Werk sein, für welches ein fast zwei Mal höheres
Honorar (700 Thlr.), als für jede der älteren Sculpturen kontraktlich
festgesetzt war. Eine unbezeichnete Statue Friedrichs III., die den Fürsten
barhaupt, ohne Perrücke, im Panzer und Mantel darstellt, eine derbe barocke
Erscheinung. stand bis vor kurzem im Park zu Charlottenburg neben jenem Werke
Dusarts: dass sie Eggers' Schöpfung ist, wage ich nicht zu behaupten. Aus dem
Contract von 1688 und aus der sorgfältigen Technik der vier "Kaiser"
geht deutlich hervor, dass es sich bei dem letzten Auftrage des Meisters nicht
um dekorative Machwerke, sondern um Arbeiten von vollendeter Durchführung
handelte. Trotzdem stehen die "Kaiser", was Erfindung und Proportion
der Formen betrifft, also künstlerisch, nicht auf der Höhe der älteren
Skulpturen; besonders Kaiser Konstantin mit seinen Attributen "Kind"
und Kreuz" ist eine recht schwache Leistung. Um Eggers Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen, wird man diese Figurenvierzahl
auf der hintern Brüstung der Diplomatenloge, am Treppenhaus des
Weissen Saales, blos als Produkt seiner Amsterdamer
Werkstatt
[184]
betrachten dürfen. Zwar sind auch sie mit dem,
abgekürzten Namen des Meisters, doch nicht mit der charakteristischen
Künstlerschrift der 11 "Kurfürsten", sondern mit ganz conventionellen
Buchstaben bezeichnet.197 Zu meinem
kritischen Urtheil stimmt übrigens eine aus den Urkunden geschöpfte Notiz in
Königs Collectaneen198, wonach am 23. April
1692 ein kurfürstlicher Befehl an einen gewissen Kuffelaar nach Amsterdam
erging, aus der Nachlassenschaft des inzwischen verstorbenen Eggers einige
Modelle von Statuen, die für den Kurfürsten bestimmt waren, herauszufordern.
Der greise Künstler kann also sehr wohl schon kurze Zeit nach seiner Rückkehr
aus Berlin erkrankt und vor Erfüllung seiner contraktlichen Verpflichtung
gestorben sein199.
Dadurch findet auch die Angabe Nikolais, dass die
Skulpturen des holländischen Bildhauers erst 1694 im Alabastersaal aufgestellt
wurden, ihre Erklärung. Ob Pitzler ihn ein Jahr später schon in vollständiger
künstlerischer Ausstattung gesehen hat, bleibt immerhin fraglich. Jedenfalls
erlebte weder der kurfürstliche Stifter, noch Eggers die Vollendung des
denkwürdigen Werkes. Bis 1728 bestand der Saal als Mittelpunkt der Ceremonion
des Berliner Hofes; dann ward, nachdem der im westlichen Hauptflügel gebaute
"Weisse Saal" dessen Erbschaft angetreten, aus dem mittlerweile
verkleinerten Fest- und Ehrenraum des Grossen Kurfürsten ein bescheidenes
Hoftheater zur Darstellung von "Intermezzos und Komödien".
Französischer Geschmack verdrängte unter König Friedrich II. den holländischon
vollends, und der seines kostbaren Materials beraubte Alabastersaal sank
schliesslich zu einem Möbelmagazin herab, an dessen ruinenhaften Wänden heute
kaum noch Spuren der einstigen Pracht und Schönheit zu erkennen sind. Aber es
reizt uns die Macht
[185]
der Erinnerung, diese längst vergangene Herrlichkeit
im Geiste wieder erstehen zu lassen; gewinnen wir doch dadurch werthvollen
Aufschluss über des Grossen Kurfürsten Verhältniss zur bildenden Kunst, einen
vollen Begriff von seiner Kunstgesinnung, die mit seinem wachsenden
Ruhmesgefühl schliesslich eine Idealität annahm, zu deren Höhe sich der derbe
Sinn der in Berlin weilenden holländischen Meister nicht mehr aufzuschwingen
vermochte.
NACHTRAG: Zu "III. Kunstunterricht etc.".
Durch ein Versehen ist, auf Seite 83 der kleine Abschnitt von Zeile 5 bis Zeile
17 uncorrigirt geblieben. Man lese diesen Abschnitt wie folgt: "Wären die,
Kupferstecher Samuel und Konstantin Friedrich Blesendorf wirklich, wie Nicolai
behauptet, die Brüder des Ingenieurs Blesendorf, so könnte man meinen, dass
einer von beiden damals bei Hofe unterrichtete. Doch das ist mehr als
zweifelhaft. Nicolai erwähnt verschiedene ältere und jüngere Meister dieses
Namens, und doch ist die Reihe derselben dadurch noch keineswegs erschöpft, wie
wir im Anhang zeigen werden. Der Vater jener angeblichen Brüder. und ihrer
ebenfalls künstlerisch thätigen Schwester Elisabeth soll Ananias Bl., ein
Goldschmied, gewesen sein, der um 1652 für den Hof arbeitete und um 1670 im
hohen Alter verstarb. Nun ist aber Konstantin Friedrich erst später (1674)
geboren; und also bleibt für uns die Frage nach dem Kupferstichlehrer der
Prinzen offen."
[186]
von den
Baumeistern, Bildhauern, Kupferstechern, Malern,
Stukkaturern
und andern Künstlern,
welche vom 13. Jahrhundert bis jetzt in und um Berlin
sich aufgehalten
haben und deren Kunstwerke zum Theil daselbst noch
vorhanden sind.
Berlin und Stettin 1786.
Theil II
(1640-1688).
Verzeichnis der Künstler unter dem Kurf. Friedrich
Wilhelm dem Grossen
(chronologisch geordnet).
Kurfürst Friedrich Wilhelm der Grosse hat sehr viel
zum Fortgange der schönen Künste in seinen Landen, besonders in Berlin gethan.
Er berief, bald nach Antritt seiner Regierung, verschiedene auswärtige
Baumeister nach Berlin, und veranlasste dadurch den guten Geschmack, den man an
den meisten Häusern wahrnimmt, die seit seiner Zeit gebauet worden. Mitten
unter den schwersten Staatsgeschäften und Kriegen, hatte er Zeichner,
Bildhauer, Kupferstecher in seinem Dienst, und bezahlte sie, wie man unten
sehen wird, zum Theil ansehnlich.200 Am
meisten aber konnte dieser grosse Fürst sich seiner Lieblingsneigung, seit dem
glücklichen Frieden zu St. Germain 1679, überlassen. Er beschäftigte alsdann
mehrere Maler, und gab ihnen ansehnliche Gehalte; er vermehrte die schon vor
1665 angelegte Gallerie von Gemälden gar sehr,201
er liess nicht wenig junge Leute auf seine Kosten die Kunst lernen. Er bauete
das Schloss in Berlin und andere Lustschlösser, und beschützte alle schönen Künste
so wie alle nützlichen.
[187]
I. Bis
zur Vermählung F. W‘s. und zum Münsterschen Frieden (1648).
Zeichenlehrer Friedrich Wilhelms.
1. Veltin Moller, Zeugwirker zu Küstrin, war im
Zeichnen geschickt, worin er auch den Kronprinzen unterwies (1633).
Maler und Kupferstecher.
2. Matthias Czwiczek (so schrieb er sich eigentlich),
auch Cwiczeke, auch Schwetzge, Kurfiirstl. Hofmaler, Seine Bestallung ist zu
Königsberg in Preussen den 15. April 1628 datirt. Er bekam 50 Rthl. an Gelde,
freye Wohnung, freyen Tisch bey Hofe,. und jährlich zwey Kleidungen. 1633 den
1. Febr, ward seine Bestallung erneuert. die Besoldung auf 150 Rthl. erhöht,
auch ihm zu seinen Gemälden freye Farben versprochen, nebst freyer Tafel bey
Hofe für ihn und einen Jungen. Er malte Historien, ,Bildnisse und besonders
perspektivische Malereyen.- 1643 verfertigte er auf Befehl Kurfürst Friedrich
Wilhelms vier Bildnisse in Lebensgrösse und ganzer Natur, von der Kurfürstin
Mutter, dem Kurfürsten selbst, und dessen beiden Schwestern. Sie wurden dem
Verweser zu Crossen, Herrn von Löben, geschenkt. Im Schlosse zu Charlottenburg
im Zimmer No. 8 (Beschr. S. 1009) hängt von ihm eine gut gemalte Abbildung
Kurf. Friedrich Wilhelms nebst seiner Familie, kleine Figuren, von 1649, da er
also noch gelebt hat.
3. Gabriel Wietzell, ward 1640 den 22. August zu
Königsberg in Preussen von Kurf. Georg Wilhelm zum Kurfürstl. Malergesellen
bestellet, dass er alles, was ihm Matthias Czwiczek "an allerhand
Kunststücken, Historien, Konterfaiten, Perspektiven, Landschaften u. s.
w." aufgeben würde, malen, und dann das Staffirmalen, Vergulden u. s. w.
verrichten sollte. Den 5. November 1641 ward er zum Hofmaler bestellt,
"sich stets wesentlich bey unserer Hofhaltung, wir führten dieselbe in
Preussen, oder in der Kurmark Brandenburg, aufzuhalten." Desgleichen auch
die Arbeit, die er nebenst seinen Gesellen vor sich auf den Kauf verfertigen
und machen wird, jedesmals zuerst Uns, ob wir dazu Belieben trügen,
unterthänigst zu presentiren, und um billige Zahlung zu überlassen." Er
arbeitete alsdann neben Czwiczek" nebst verschiedenen Gehülfen.
4. Michel Conrad Hirte oder Hirdt, ward 1646
Hofmaler. Er bekam jährlich 400 Rthl. Gehalt, 3 Haufen Holz von dem Holzhofe,
zu Kölln, und freye Wohnung. Er malte Historien und Bildnisse gross, und machte
kleine Kontrefayen auf Silber und Gold. 1648 malte er 8 Deckenstücke im Gemache
des Kurfürsten. In der Nikolaikirche sind zwey Bildnisse von ihm, wovon das
eine, seines Schwiegervaters, des Musikers Joh. Krügers, 1672 gemalt ist, da er
also noch gelebt hat. Das Bildniss des Propsts Peter Vehr hat Kalle nach ihm
gestochen.
5. Peter Rollos,202
Vater Johann Jakobs der weiterhin unter Kurf. Friedrich Wilhelm angeführt ist.
Ein Kupferstecher, von dem man verschiedene Bildnisse und andre Blätter,
besonders in Büchern, die 1618 bis 1639 zu Berlin gedruckt sind, findet. Er hat
unter andern die Bildnisse in Cernitii icones et res gestae decem Elect.
Brandeb. Berolini 1628 Folio gestochen. Seine Arbeit ist nur mittelmässig. Er
hatte auch einen Handel mit Kupferstichen und Kunstwerken.
[188]
Bildhauer und Steinmetzen.
6. David Psolimar, Kurfürstl. Wachsbossirer, ward
1634 auf ein Jahr angenommen, um Kontrafakturen und Schauessen zu verfertigen.
Dafür wurden ihm 200 Rtlr. ein Tisch für seine Person bei Hofe, und freyes
Losament gegeben, und das Wachs ward ihm geliefert. 1636 konnte, er, wegen der
unglücklichen Zeiten, eine Bezahlung nicht erhalten (Beschr. S. 91) und ward
endlich verabschiedet. 1650 ward er vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm wieder zum
Wachsbossirer und Grottenmeister, mit 300 Rthl. Gehalt und ziemlichem Deputat
an Getraide und freyer Wohnung angenommen.
7. Peter Miezke, aus Guben gebürtig, Kurfürstl.
Steinmetz und Bildhauer (1636). Er starb 1645.
8. Liborius Müller, Kurfürstl. Münzmeister in Berlin.
Man findet seinen Namen auf Kurbrand. Thalern, Goldgulden und Dukaten von 1620
bis 1647.
Architekten und Ingenieure.
9. 1633 ward Jakob Holst zum Kurfürstl. Ingenieur mit
120 Rthl. monatlichem Gehalt (eine für damalige Zeit ausserordentlich grosse
Summe, woraus die damalige Seltenheit guter Kriegsbaumeister erhellet)
angenommen. 1636 ward er Hauptmann, und 1639 gab ihm der Graf von Schwarzenberg
den Anton Schmelzeisen zur Unterweisung in der Kriegsbaukunst. In diesem Jahre
ward er bey der Befestigung von Berlin gebraucht, und musste auf Befehl des
harten Statthalters, alle Häuser, Gärten, Schäfereyen, Meyereyen u. s. w.,
welche den Thoren und Wällen zu nahe lagen, besonders in der köllnischen
Vorstadt und auf dem Werder demoliren. 1639 dirigirte er den Festungsbau zu
Spandau, wozu er 1638 den 16. September den ersten Anschlag machte. 1643 ward
er Oberstwachtmeister beym Alt-Burgsdorfischen Regiment, und bekam die Aufsicht
auf alle Festungen und deren Reparatur. 1648 im Juli ward er zum Könige von
Schweden auf einige Zeit nach Stettin berufen. 1653 ward seine Kompagnie
abgedankt, er selbst aber blieb in Diensten. Er rechtfertigte sich wegen
verschiedener Beschuldigungen, die man ihn wegen der Reise zum König von
Schweden machen wollten. 1659 war er Generalquartiermeister, und in diesem
Jahre, eine Zeitlang (da der Gouverneur General von Uffeln abwesend war)
Kommandant in Berlin, da er dann zugleich während der Zeit, in genannter
Qualität, am Festungsbau zu Berlin Antheil hatte.
10. Hydde Hoerenken, aus Preussen gebürtig, ward
zumKapitän zu Fuss und Ingenieur angenommen. Er ward bey den Fortifikationen,
die der Graf von Schwarzenberg im Jahre 1639 um Berlin, um Spandau und sonst in
der Mark, anlegen liess, gebraucht.
11. Christoph Friedrich Schmid, ward 1642 Kurfürstl.
Landmesser in der Mark und Baumeister in den Kurfürstl. Festungen und
Hoflagern.
12. Degener, ein Baumeister, durch den Kurf.
Friedrich Wilhelm 1646 und 1647 das Schloss in Schwet neu bauen liess, welches
1637 von den Schweden war verbrannt worden.
[189]
II.
Bis zur Souveränität Preussens und zum Frieden von Oliva (1660).
Maler und Kupferstecher.
13. Gerard van Honthorst, ein bekannter Maler, hat
viel für Kurf. Friedrich Wilhelm gemalt. 1640 (7) wurden ihm von dem
Rentmeister zu Kleve für 16 Bildnisse des Kurfürsten und 20 Bildnisse der
Kurfürstin 2624 Rthl. ausgezahlt. 1654 hat er abermals für 1860 Fl. holländisch
Malereien verfertigt, die 1666 bezahlt wurden.
14. Wilhelm van Honthorst, aus Utrecht gebürtig, Gerard
Honthorst's Bruder und Abraham Bloemart's Schüler. Er kam um 1650 nach Berlin,
wo er viele Bildnisse und auch Historienstücke, sonderlich zu Oranienburg,
verfertigt hat. 1664 reisete er auf einige Zeit nach Holland, wo er um 1666
starb; denn in diesem fahre liess der Kurfürst seinen Erben 2090 Rthl.
aussetzen, die er noch zu fordern hatte.
15. Anselmus von Hull, Maler des Prinzen von Oranien
in Münster, sendete 1649 dem Kurfürsten gemalte und nachher in Kupfer
gestochene Bildnisse aller beym westphälischen Friedensschluss gewesenen
Gesandten. Ob er weiter etwas für den Kurfürsten gearbeitet habe, wie er sich
dazu erbot, ist mir nich bekannt.
16. Emanuel Sonnius ward zu Kleve, den 7. Sept. 1652
zum Hofmaler ohne Gehalt bestellet. Sein Vater Heinrich Sonnius war Praeceptor
der Kurfürstin gewesen.
17. Pietro Liberi, ein bekannter Maler, 1600 geboren.
Er ward 1657 nach Berlin berufen, wo er alle Geschichten des alten Testaments
in einem grossen Saale malen, und dafür 1500 Dukaten empfangen sollte; die
Sache verzog sich aber bis 1665, und unterblieb endlich weiter, wegen des
polnischen Krieges.
18. Daniel Koberstein, ein Perspektivmaler zu Berlin,
arbeitete 1659 für den Kurfürsten, der ihm wöchentlich 2 Rthl. Kostgeld und 50
Rthl. zum Kleide geben liess. Er lebte noch 1663.
19. Johann Georg Psolimar, ein Bildnissmaler,
vermuthlich ein Sohn des Wachsbossirers. Er arbeitete um 1660.
20 Albrecht Christian Kalle, Kupferstecher, geb. zu
Berlin, von dessen Hand man in den Jahren 1630 bis 1670 viele in Kupfer gestochene
Bildnisse findet, wovon er einige auch selbst nach dem lieben gezeichnet hat.
Er wohnte meist zu Strausberg, wo er auch seine Kunst gelernt hatte.
Bildhauer und Medailleure.
21. Leonhard Kern, des äussern Raths zu
Schwäbisch-Hall, ward 1648 zum Kurfürstl. Bildhauer mit 500 Rthl. Gehalt
angenommen. Er machte kleine Arbeiten aus Elfenbein, Alabaster und Holz.
2. Jakob Voulleaumé, sonst auch Vignerol genannt, ans
Flandern gebürtig, ward 1649 zum Kurfürstl. Bildgiesser, Statuen, Grotten und
Springbrunnen zu giessen, mit 400 Rthl. angenommen. Er goss die bleyernen
Statuen u. s. w., die ehemals im Lustgarten standen.
23. Franz Dusart, oder du Sard, mit dem Zunamen
Walon, lernte die Bildbauerey in Rom, kam in König Karls I. von England
Diensten, von da kam er nach dem Haag. Er machte daselbst 1651 das marmorne
Bildniss des Kurfürsten, welches sonst im Lustgarten zu Berlin stand, und nun
im Charlottenburgischen Garten stehet; desgleichen das
[190]
marmorne Bildniss des 1648 zu Kleve geborenen und
1649 gestorbenen Prinzen Wilhelm Heinrich, welches auch im Lustgarten stand.
24. Georg Larson, ein holländischer Bildhauer, der
sich unter Karl I. in England aufhielt, und 1654 in Berlin 12 Kinderfiguren
modellirte, welche in Bley gegossen wurden und im Lustgarten standen.
25. Peter Streng, ein holländischer Bildhauer, machte
1656 den Springbrunnen im Lustgarten aus pirnaischem Sandstein, an welchem zwey
Amore und Delphine waren, und eine daneben liegende kolossalische Statue
Neptuns, um welche auch Wasser sprangen, desgleichen eine stehende Ceres und
sitzende Flora, und 2 Sonnenuhren, jede mit einem stehenden Kinde.
26. Otto Mangiot. Ein Bildhauer in Brabant, welcher
seine Kunst in Italien gelernt hatte. Elsholz in seiner 1657 geschriebenen, und
noch ungedruckten Beschreibung des Lustgartens versichert: Der vortreffliche
marmorne bogenschnitzende Kupido, der ehemals im Lustgarten stand, und jetzt
auf der K. Kunstkammer ist, sey von diesem Bildhauer. Bisher ist dieses Bild,
vielleicht blos seiner Vortrefflichkeit wegen, für die Arbeit des Franz Quesnoy
Fiamingo203 gehalten worden. Ist Elsholzens
Nachricht wahr, wie kein Zweifel, so war Mangiot dem Fiamingo an Trefflichkeit
gleich.
27. Franz Bonnani, ein Bildhauer. Zwey marmorne
Statuen, Neptuns und Apollos, mit seinem Namen bezeichnet, standen im vorigen
Lustgarten204.
28. J. S. Dattler,205
ein Kupferstecher und Stempelschneider zu Berlin. Man findet von ihm ein
grosses radirtes anatomisches Blatt, in Albinus Disp. de cervo, corde glande
plumbea à Ser. Electrice Brandeburg. Dorothea trajecto, Frfti 1686.
29. J. Hoehn, ein Stahlschneider, arbeitete
vermuthlich zu Berlin. Er hat von 1640-1691 sehr viele Denkmünzen geschnitten206.
30 Erasmus Thomas Reuss, war schon 1646207 Kurfürstl. Münzeisenschneider. Er ward 1668,
als Leygebe angenommen wurde, seiner Dienste entlassen. Seine Arbeit war sehr
mittelmassig.
31. Karl Thauer, ein Stempelschneider, der um 1655
und 1657 zwei Denkmünzen auf Kurf. Friedrich Wilhelm geschnitten hat208. Ob er in Berlin gewohnt habe, ist ungewiss.
Architekten, Ingenieure, Kunsthandwerker:
32. Haye Steffensz, sonst auch Vibrand Gerritsen
genannt, aus Saardam gebÜrtig, ward l(~49 zum KurfÜrstl. Bau-, Mühlen- und
Schleusen-
[191]
meister in Berlin und auf allen Kurfürstl. Aemtern,
und 1652 zum Hofmaurer und Hofbaumeister auch Landmesser mit 300 Rthlr. Gehalt
bestellt. Er machte verschiedene Prospekte, besonders zu Schneide- und
Papiermühlen. Erbauete die Schleuse auf dem Werder 1653 neu, die aber 1657
schon schadhaft, ward, und verbesserte auch die Schneidemühle auf dem Werder,
die er in Pacht nahm, bauete auch eine Papiermühle im Thiergarten.
33. Johann Georg Memhard, aus Holland gebürtig. Ward
1650 als Kurfürstl. Ingenieur und Baumeister nach Berlin berufen, wo man ihn
lange erwartet hatte, indem gar kein Baumeister vorhanden war. Er bauete gleich
in diesem Jahre das neue Lusthaus im Lustgarten, oder die jetzt sogenannte
Börse. Er zeichnete damals auch einen Plan von Berlin, welchen M. Merian in
seiner 1652 gedruckten Brandenburgischen Topographie in Kupfer ätzte. 1652 und
1653 bauete er viel in dem Schlosse zu Berlin, woselbst verschiedene Zimmer für
Kurfürstl. Kollegien angelegt wurden; verbessserte auch den Lustgarten und
erweiterte ihn bis an das Ende des jetzigen köllnischen Theils des Weidendamms.
Plötzlich aber musste aller Bau wegen des schwedischen Krieges eingestellt
werden. Memhard folgte, als Oberingenieur, dem Kurfürsten nach Preussen, von wo
er erst 1656 wiederkam. Es ward ihm in diesem Jahre die Aufsicht über alle
Kurfürstl. Gebäude, besonders über den Schlossbau zu Berlin aufgetragen, den er
auch verschiedene Jahre fortführte. 1657 musste er unter dem Generalmajor Herrn
von Uffeln die damaligen Mauern und Wälle repapiren, und 1658 erhielt er die
Direction der neuanzulegenden Festungswerke zu Berlin. Der Kurfürst selbst
hatte über die Art der Befestigung, und an welchen Orten sie seyn sollte, seine
Meinung eröffnet. Der ebengedachte General Herr von Uffeln und der Oberst J.
Groende machten nebst Memhard den ersten Entwurf dazu. 1661 hatte der General
J. R. von Golze, ein guter Kriegsbauverständiger, die Aufsicht, und 1665 eine
Zeitlang der General G. F. von Trotha, und 1666 der Generalquartiermeister P.
de Chieze. Memhard besorgte die allgemeine Anlage, Lind machte alle
Zeichnungen, hatte auch allein die Direction der Ausführung. Von Anfang an
arbeiteten unter ihm die Ingenieure Tilemann, Jungblut, Heinrich Ruse und
Johann ten Venhuys, desgl. der Kurfürstl. Schleusenmeister Walther Matthias
Smid, der bey Anlegung der Gräben zu Rathe gezogen ward. 1659 bauete er ein
neues, Schlossthor, der breiten Strasse gegenüber, nach dorischer Ordnung. 1661
bauete er das Ballhaus zwischen dem Schlosse und dem Lustgarten. In eben diesem
Jahre hatte er die Direction des Anbaues und die Absteckung der Strassen auf
dem Friedrichswerder. Er bauete daselbst nicht wenig Häuser z. B. sein eigenes,
das jetzige Konradische Haus neben der Hundebrücke, das Möhsensche Haus an der
Spreegassenbrücke (zur Zuckersiederey), und das Friedelsche an der
Gertrautenbrücke. 1673, nach de Chieze's Tode, vollführte er den Bau der
Hauptseite des Schlosses- zu Potsdam, legte den Garten auf holländische Art an,
und bauete auch in dieser Stadt. 1665 bauete er das Hauptgebäude (corps de
Logis) des Schlosses zu Oranienburg, wo die noch stehende Haupttreppe mit zwey
porphyrnen Säulen von ihm ist. Die Kurfürstin machte ihm wegen dieses Baues
1667 ein Geschenk von 500 Rthl. Nachher scheint er bloss Privathäuser gebauet,
und da er schon in ziemlich hohem Alter war, sich zur Ruhe gesetzt zu haben;
doch hatte man bey der fortdauernden Fortifikation beständig auf ihn Rücksicht.
Er starb 1678. Berlin hat diesem trefflichen Manne viel zu danken. Er war der
erste, welcher eine verständige und solide Bauart einführte, der es, nach
damaliger Art, auch nicht an Zierlichkeit fehlte, wie die von Ihm noch
vorhandenen Häuser bezeugen. Die Anpflanzung des Lustgartens,
[192]
der Lindenallee auf dem Werder (U. d. Linden) und der
Bäume auf beiden Seiten der Schleuse, nach holländischer Art, war ein anderes
Verdienst. Er gab dadurch ein Beyspiel, welches nachher weiter nachgeahmt
worden, und in die Verschönerung der Gegend einen ungemeinen Einfluss gehabt
hat.
34. Michael Matthias Smids oder Schmids, 1626 zu
Rotterdam geboren. Er war eigentlich ein Schiffsbaumeister. Er ward 1652 zum
Hofzimmermann und Schleusenmeister, 1653 aber zum Hofbaumeister bestellt. Er
hat vom Anfang seines hiesigen Aufenthalts am Bau vieler, sowohl Wind- als
Wassermühlen Antheil gehabt, und derselben Bauart verbessert, wodurch er sich
um die Kurmark sehr verdient gemacht hat. 1633 bauete er auf dem Werder,
zwischen der Schleuse und der damaligen Schneidemühle, noch eine Mühle, welche
er mit dem Hausvoigt Jakobus Fahrenholz in Gesellschaft in Erbpacht nahm. Als
der Thurm der Marienkirche 1661 vom Blitze war angezündet worden, bauete er den
obern Theil, so wie er jetzt steht, in den Jahren 1663 bis 1669. Wichtiger war
die Anlegung des neuen Grabens, welcher die Elbe und die Oder vereinigt,
welchen er von 1663 bis 1668 allein besorgte.209
Als der Kurfl. Stall in der Breitenstr. 1665 durch einen Zufall abbrannte, ward
derselbe bis 1670 von ihm, so wie er jetzt ist, neu gebauet, und durch das
danebenliegende von Ribbeksche Haus vergrössert. Doch ward nur die nach dem
Wasser stehende Seite ausgebauet, wohin die Rüstkammer kam; ein Theil der Seite
nach der Breitenstr. blieb wegen unbekannter Ursachen unausgebauet. Smids
bauete 1669 eine gesprengte Brücke bey Köpenik von 70 Jochen 700 Fuss lang. Sie
ward ihm mit Holz bezahlt. Er führte zuerst die sparsamere holländische Art zu
bauen ein. Er machte die Brücke 700 Rthlr. wohlfeiler, als der Mühlenbaumstr.
in Berlin den Anschlag gemacht hatte, und nahm Holz statt baaren Geldes,
dadurch machte er die Kurfl. Forst geltend, indem er von diesem Holze theils
Schiffe bauete und nach Holland verkaufte, theils es nach Hamburg flössen
liess. Im J. 1671 richtete er zuerst die Kugelgiesserey zu Zehdenik ein, und
schickte dem Kurfürsten zu dem damaligen französischen Kriege eine grosse
Anzahl Kugeln nach Holland, wofür ihm der Kurfürst 200 Dukaten210
auszahlen liess. In eben diesem Jahre bauete er in Potsdam auf der Freyheit am
Lustgarten auf Kurfl. Kosten verschiedene Häuser, welche einigen Hofbedienten
zur freyen Wohnung eingegeben wurden; desgl. auch den Kürfl. Stall daselbst.
1673 bauete er das Haus des Oberstlieutenants von Wolfersdorf in Berlin. 1676
liess der Kurfürst durch ihn in Holland eine Yacht bestellen, welche 5191 Fl. 6
st. Holländisch oder 2076 ½ Rthlr. kostete. Die Bezahlung dafür bekam Smids an
Holz, welches er zum Schiffbau anwendete, welchen er damals auf Kurfl. Befehl
ernstlich in Berlin zu treiben anfing. Er hatte schon 1653 einen
Schiffszimmermann Lubbert Harmens211 mit sich
gebracht, welcher sich zu Königsberg in Preussen setzte, und daselbst Fregatten
und Kriegsschiffe zu bauen versprach, und es waren in Preussen seitdem
verschiedene Schiffe gebauet worden. 1680 ward unter Smids Aufsicht, auf der
Dorotheenstadt in der Gegend hinter der Kirche ein Kurfürstl. Schiffsbauhof
angelegt, wo Schiffe
[198]
zum Verkauf sollten gebauet werden212
und wozu noch ein Schiffsbauer aus Preussen kam. 1682 bauete er wieder auf
Kurf. Kosten zu Potsdam einige Häuser am Stallplatze. 1680 bis 1686 hatte er
Antheil an dem Baue des Schlosses zu Kölln, besonders ward 1684 bis 1686 der
grosse Saal im Quergebäude gebauet, worin jetzt das Schlosstheater ist, desgl.
1685 das Pomeranzenhaus oder jetzige neue Packhof. Diese Gebäude gingen unter
Smids Namen; da aber ihre Bauart seine vorherige Manier an Schönheit
übertrifft, so scheinet es, dass Nering, der damals mit und unter ihm
arbeitete, die Zeichnungen gemacht, und ihm als einem alten 60jähr. Mann die
Ehre davon gelassen habe. Man findet auch nicht, dass er nachher etwas gebauet
hätte, ausser, dass er 1688 Ehrenhalber nebst Nehring, zum ersten Anbau der
Friedrichsstadt gezogen wurde. Er starb 1692. J. Vaillant hat ihn gemalet, und
A. Vaillant 1685 in Fol. in Kupfer gestochen.
35. Hans Zorobabel Keil, Kurfürstl. Homauermeister,
arbeitete um1658 unter Memhard, starb 1660.
36. Heinrich Ruse, ward 1658 Kurfürstl. Ingenieur und
arbeitete mit an der Befestigung von Berlin, unter Memhard.
37. Tielmann Jungblut ward 1653 zum Werkmeister bey
der Fortifikation zu Berlin ernannt. Er ward nachher Stückhauptmann zu Küstrin,
wo er 1667 starb.
38. Martin Merzdorf, Kunstmeister bey der Wasserkunst
am Schlosse. Er baute 1654 den Thurm zu Heinersdorf.
39. Nicolaus Smids ward 1654 zum Flügel- und
Kribbenbaumeister bestellet.
30 Johann ten Venhuys, war 1658 Kurfürstl. Ingenieur,
und starb in Berlin 1661. Er hat an dem Bau der Festungswerke von Berlin
Antheil gehabt.
41. Heinrich von Uffeln war 1659 Kurfürstl.
Generalwachtmeister, Generalmajor und Kommandant in Berlin. 1659 ward er
Gouverneur. Nachdem er 1657 durch Memhard die alten Mauern und Wälle hatte
repariren lassen, so beschloss der Kurfürst, seine Residenz ganz neu befestigen
zu lassen, worüber er die Oberaufsicht hatte.
42. J. Groende, Kurf. Oberster und Ingenieur. Er gab
bey dem Anfange des Festungsbaues seinen Rath dazu. Der Kurfürst sendete ihn im
Nov. 1659 aus dem Feldzuge in Pommern nach Berlin, um den Fortgang der
Befestigung zu besichtigen und davon Bericht zu erstatten.
43. Ananias Blesendorff, ein künstlicher Goldschmied,
und Vater drey geschickter Söhne, Joachim Ernstes, Samuels und Konstantin
Friedrichs, war einer von den ersten Bewohnern des Friedrichswerders, bei
dessen Anbau, und arbeitete um 1652 für den Hof. Er starb in einem hohen Alter
um 1670
44. Michael Hanff, ein Kunstgärtner, legte um 1650 den
Lustgarten in Berlin an. Er lebte noch um 1680.
45. Jakob Neuwart, Roth- und Stückgiesser in Berlin
1646. Er bekam 1651 ein ausschliessendes Privilegium in der Kurmark zu giessen;
goss 1657 die Mittelglocke, oder die Missal, in der Marienkirche. Er starb
1669.
46. Esaias Hepp, ein künstlicher Arbeiter in
Schildkröten, Elfenbein, Silber, Stroh und Ebenholz. Kam 1660 in Kurfürstl.
Dienste.
[194]
III. Bis
zur Huldigung der clevischen Landstände (1666).
Maler und Kupferstecher.
47. Franz de Hamilton ward 1661 zu Kleve zum Hofmaler
angenommen. Er bekam 400 Rthl. jährlich Gehalt, wöchentlich 3 Rthl. Kostgeld,
wenn er gegenwärtig, täglich eine Kanne Wein, jährlich 2 Faden Holz und 1
Wispel Saatkorn. Dafür musste er die ihm aufgegebenen Gemälde unentgeltlich anfertigen.
1670 bekam er seinen Abschied, und ging von Potsdam weg, wo er bis dahin
wohnte.
48. Huybert, ein Maler zu Kleve, ward 1661 zum
Hofmaler mit 3 Rthl. wöchentlich Kostgeld und freyem Holz und Wohnung
angenommen.
49. Jakob von Auspurg, Kurf. Maler, um 1663.
50 Broderus Matthias, ein Bildnissmaler zu Husum,
ward 1665 dergestalt zum Hofmaler in Berlin angenommen, dass er seine Arbeit
dem Kurfürsten für wohlfeilere Preise lassen, dabei die Aufsieht auf die
Kurfürstl. Malereyen haben, und dieselbe bedürfenden Falles repariren, auch auf
Kurf. Verordnung im Zeichnen unterweisen sollte. Hierfür bekam er 200 Rthl.
jährl. Gehalt, nebst wöchentlich 3 Rthl. Kostgeld und 20 Rthl. zur Miethe.
51. Johann Marini, ein Historienmaler, ward 1666 zu
Kleve zum Hofmaler angenommen, nachdem er schon vorher für den Kurfürsten
gemalt hatte. Er bekam jährlich 600 Rthl. Gehalt, 2 Wispel Roggen und 2 Wispel
Gerste, 2 Rehe und 2 wilde Schweine. 1674 malte er den grossen Saal zu Potsdam
al fresco, wofür er nebst andern dortigen Arbeiten noch besonders 400 Rthl.
bekam. 1675 ward er nach Holland geschickt, um verschiedene Kisten mit
Malereyen, die der Kurfürst gekauft hattey abzuholen.
52. Johann Georg Wolfgräber, aus dem Klevischen
gebürtig. Er hatte von Natur eine gute Anlage zur Malerey und Baukunst. Der
Kurfürst gab ihn seinem Agenten Matthias Dögen mit, als derselbe 1661 nach
Amsterdam reisete, und liess ihn daselbst auf Kurf. Kosten 3 Jahre lang
unterhalten, und von den besten Meistern unterweisen. 1664 reisete er auf Kurf.
Kosten zu Theodor van Tulden nach Herzogenbusch und nachher nach Antwerpen.
Bildhauer.
53. Bartholomäus Eggers, ein Bildhauer aus Amsterdam.
Er arbeitete schon 1662 für den Kurfürsten in Amsterdam, und 1680 verfertigte
er daselbst auf M. M. Smidts Veranlassung, vier Kinder von Marmor. Er hat auch
daselbst eilf marmorne Bildsäulen der Kurfürsten zu Brandenburg, 6 Fuss hoch,
welche jetzt auf dem weissen Saal des Schlosses in Berlin befindlich sind,
verfertigt. 1687 kam er nach Berlin. 1688 machte er daselbst die Bildsäule des
Kurfürsten Friedrichs III., nebst den Julius Cäsar, Konstantin dem Grossen,
Karl dem Grossen, und K. Rudolph, welche gleichfalls noch im weissen Saal
stehen, Er bekam für jede Bildsäule, 700 Rthl. In der K. Bildergallerie steht
von ihm eine Gruppe, Pluto, Proserpina raubend (Beschr. S. 896 u. S. 884)
54. Kaspar Günther, Bildhauer von Danzig, verfertigte
1663 für den Kurfürsten die Brustbilder der zwölf ersten römischen Kaiser, in
vollkommener Mannsgrösse von weissem Marmor, welche jetzt, mit den Brustbildern
ihrer Gemahlinnen, im Königl. Garten zu Charlottenbarg stehen. Er verfertigte
zu gleicher Zeit für den Kurfürsten verschiedene Schornsteine (waren
vermuthlich Kamine) aus schwarzem Marmor. Es ist
[195]
sonderbar, dass ihm (ausser dem Marmor, der ihm
geliefert ward), sowohl für jeden Kaiser, als für jeden Schornstein, ohne
Unterschied 50 Rthl. bezahlt wurden.
55. Artus Sitte, ein Bildhauer aus Holland, ward 1666
zum Kurfürstl. Bildhauer bestellt. Es wurde ihm 100 Rthl. Reisegeld bis Berlin
zugestanden, aber er bekam keine Besoldung, sondern es ward ihm seine Arbeit
bezahlt. Er arbeitete auch in Holz. 1673 war er noch in Berlin.
56. Johann Baptista Novi, ein italien. Stukkateur.
Nachdem er schon einige Zeit für den Kurfürsten gearbeitet, ward er 1667 zum
Kurfl. Stukkaturmstr. zu Potsdam angenommen, "zu Gipsung der sämmtlichen
Gemächer kleiner und grosser auf dem Hause." Er bekam jährlich 200 Rthl.
Gehalt, 3 Fass Wein und 2 Wispel Roggen, und noch dazu für jedes Gemach 100
Rthl. 1669 war er in Potsdam, und 1674 noch in Berlin.
Architekten, Ingenieure und Kunsthandwerker.
57. Philipp von Chieze, war aus Piemont gebürtig, und
stammte aus der italienischen Familie Chiesa her. Er ging im Jahr 1660 aus
schwedischen in brandenburgisehe Dienste, ward anfangs Kammerjunker und
Baumeister, hernach Generalquartiernieister und Oberster, bekam auch das Gut
und Amt Kaput bey Potsdam, welches er bauete. Das Hauptgebäude des Schlosses zu
Potsdam bauete er bald nach seiner Ankunft, welches aber jetzt ganz anders
verzieret ist. Er hatte 1662 Antheil an der ersten Anlage des neuen Grabens bey
Müllrose gehabt; aber M. M. Smids, welcher in Wassergebäuden praktische
Einsichten besass, hat eigentlich diesen so wichtigen Kanal angelegt. v. Chieze
bekam die Direction aller Festungen, und reisete 1666 deshalb nach Küstrin,
Stargard und Colberg. Er hatte vermuthlich auch Antheil an dem damaligen
Festungsbaue in Berlin. In diesem Jahre bekam er auf eine kurze Zeit die
Aufsicht über den Schlossbau zu Berlin (Nik. Beschr. S. 93). Mit seinem Vetter,
dem Lieutenant Ludwig von Chieze baute er 1670 und in den folgenden Jahren
Häuser auf dem Werder, hatte auch vor, einen Springbrunnen daselbst
aufzuführen, worüber er aber starb, Die Gebäude der alten Münze, und des alten
Packhofes sind von ihm. Als er von dem Kurfürsten in Geschäften nach Frankreich
geschickt wurde, liess er sich, nach eigener Erfindung zu dieser Reise einen
besonderen zweisitzigen, in Riemen hängenden Wagen bauen; da nun diese
Erfindung in Frankreich Beifall fand, so wurde sie bald allgemein, und man gab
solcher Art Kutschen die Benennung "Berlines", welche noch gewöhnlich
ist. Er starb in Berlin im Jahr 1673.
58. Joachim Ernst Blesendorf, er ward im Jahr 1640 zu
Zielenzig geboren. Er arbeitete bey der Anlage des Friedrichswerders 1660 unter
Memhard als Kondukteur. Der Kurfürst liess ihn 1666 zwey Jahre auf seine Kosten
reisen, und er hielt sich eine Zeitlang in Rom auf. Nach seiner Zurükkunft ward
er Oberbauingenieur und Baudirektor, und 1673 nach de Chieze Tode auch
Generalquartiermeister von der Armee. In eben dem Jahre steckte er die Strassen
der Dorotheenstadt ab (Nicolai, Beschrbg. S. 167), und wird vermuthlich auch
daselbst einige Häuser gebauet haben. Im Jahre 1677 ward er bey der Belagerung
von Stettin mit einer Stückkugel erschossen.
59. Matthias Dögen, Erbherr von Ameland, ward im Jahr
1605
[196]
zu Dramburg in der Neumark geboren. Er war ein guter
Ingenieur, und hat von seiner Kunst ein Werk unter dem Titel Architecturae
militaris modernae Theoria & Praxis in Folio in Holland herausgegeben,
woselbst er über 25 Jahre mit dem Titel eines Kurfürstl. Raths, Resident des
Kurf. Friedrich Wilhelms war. Die Befestigung von Berlin war nach seinem
System. Er starb in Berlin im Jahr 1792.213
Sein Bildniss ist, in Quart, ohne Anzeigung des Malers und Kupferstechers, gut
gestochen.
60 Walther Matthias Smids war 1660 Kurf.
Schleusenmeister, im Wasserbau wohl erfahren. Beym Festungsbau ward wegen der
Gräben sein Gutachten erfordert. Es kann leicht seyn, dass er die beiden Wehre,
wodurch das Wasser in denselben regieret ward, angelegt hat. Ob er mit den
vorigen (d. li. seinen Namensvettern) verwandt gewesen, ist unbekannt.
61. Joachim Rüdiger von Golze, war 1661 Kurf.
Generalmajor, 1665 Generallientenant, und seit 1661 verschiedene Jahre lang
Gouverneur zu Berlin. Er betrieb den Festungsbau.
62. Georg Friedrich von Trotha, Kurfl.
Generalwachtmeister, war 1665, in Abwesenheit des Gouverneurs Generals von
Golze, eine Zeitlang Kommandant und dirigirte in dieser Zeit den Festungsbau.
IV. Bis zum Frieden von St. Germain
(1679).
Maler und Kupferstecher.
63. Nikolaus Wieling oder Willing, ein Historienmaler
aus dem Haag gebürtig; Augustin Terwesten war sein Schüler. Im Jahre 1667214 ward W. als Hofmaler nach Berlin berufen. Er
bekam 1000 Rthl. Gehalt, freie Miethe, desgl. 100 Rthl. Reisegeld. 1668 ward
die Besoldung bis 1200 Rthl. erhöhet. Er starb im Jahre 1681 und hinterliess
einen Sohn gleichen Namens in Berlin, der auch ein Maler war und 1711 um einen
Platz in der Akademie ansuchte.
64. Theodor van Tulden, ward zu Herzogenbusch im Jahr
1607 geboren und lernte die Malerey bey Rubens, mit dem er auch nach Paris
reisete, und mit an der Luxemburgischen Gallerie arbeitete, und in dem Chor der
Mathurinerkirche 24 histor. Stücke verfertigte. Im Jahre 1638 ward er Director
der Akadeinie zu Antwerpen. Im Jahre 1662 wohnte er wieder in seiner Vaterstadt
Herzogenbusch. In seinem hohen Alter muss er nach Berlin gekommen seyn, oder wenigstens
für Kurfürst Friedrich Wilhelm d. Gr. gearbeitet haben; denn im Schlosse zu
Potsdam sind in dem Marmorsaale zwei grosse allegorische Gemälde von seiner
Arbeit. Wann und wo er gestorben, ist unbekannt.
65. Friedrich Wilhelin van Roye, ein trefflicher
Blumen-, Frucht- und Thiermaler, geb. 1654 zu Haarlem. Er ward 1669 mit 300
Rthlr. Gehalt als Hofmaler nach Berlin gerufen. Er bekam dabey freye Wohnung in
Potsdam, 1 Wispel Roggen aus dem Magazin zu Spandan, und jahrlich 1 Freybrauen
in Bornstädt. Um 1678 malte er mit verschiedenen Gehilfen in Potsdam und bekam
1679 200 Rthlr. Zulage.215 Er wohnte, bis
1689 in Potsdam, da er nach Berlin zog. Er ward 1698 Professor und Rector der
Akademie der Künste, und führte auch 1706 in seiner Ordnung das Directorat. Er
starb 1723 in Berlin.
[197]
66. Heinrich de Fromantiou,216
ein Historien- und Thiermaler aus Holland. Er ward 1670 zum Hofmaler nach
Berlin mit 600 Rthlr. Gehalt berufen. Er malte daselbst verschiedenes. Die
Einführung des Geschmacks an Gemälden in Berlin ist ihm hauptsächlich
zuzuschreiben. Er hatte die Aufsicht auf die Kurf. Malereien, wovon er im Jahre
1679 viele, die schadhaft worden, ergänzte. 1687 ward ihm der Mohr der
Kurfürstin Friedrich de Coussy auf 3 Jahre zur Unterweisung in der Malerei
gegeben. 1682 ward er vom Kurfürsten, mit Rekommendation an den Prinzen Robert
nach England geschickt, um in der Auction des verstorbenen Hofmalers P. Lely
für den Kurfürsten Gemälde zu kaufen.
1684 ward er in gleichen Angelegenheiten nach Danzig
gesendet. Er trieb überhaupt einen starken Handel mit Malereien. Er rühmte
sich, dass er an 100000 Rthl. Malereien zusammengebracht, wovon der Kurfürst
nur für 6000 Rthl. gekauft hatte. 1690 und in den folgenden Jahren ward er oft
nach Potsdam, Oranienburg u. a. Lustschlössern geschickt, um die Verbesserung
derselben dirigiren zu helfen. Er hatte sowohl wegen seiner Geschicklichkeit,
als auch wegen seiner Munterkeit und vieler lustigen Einfälle einen freien Zugang
zum Kurf. Friedrich Wilhelm.
67. Ottomar Elliger oder Elger d. Vater. Ein guter
Blumen- und Fruchtmaler, von dem man in der Berlinischen Königlichen Gallerie
und auch hin und wieder in den Berlinischen Kabinetten Stücke, antrifft. Er
ward im Jahre 1633 zu Gothenburg geboren und lernte seine Kunst bei dem
berühmten Blumenmaler Daniel Seghers zu Antwerpen. 1666 war er in Hamburg. Er
ward 1670 mit 600 Rthl. Gehalt als Hofmaler nach Berlin berufen, wo er 1679217 starb.
68. Ottomar Elliger d. Sohn, geboren 1666 zu Hamburg.
Er kam mit seinem Vater nach Berlin, und nach dessen Tode 1680 zu G. Lairesse
zu Amsterdam. Er hat viel historische Stücke gemalt, kam in Kurmainzische
Dienste und starb 1732.
69. Andreas Vaillant, zu Ryssel im Jahre, 1629
geboren, lernte die Kupferstecherei zu Paris und kam zu seinem Bruder Jakob
nach Berlin.
70. Jakob Vaillant, des vorigen älterer Bruder, ward
im Jahre 1628 zu Ryssel in Flandern geboren. Er lernte die Malerei bei seinem
ältern Bruder Wallerant Vaillant, hielt sich auch 2 Jahre in Italien auf, wo er
den Namen Leenwerych bekam. Durch den brandenburgischen Gesandten im Haag, der
verschiedene von seinen historischen Gemälden gesehen hatte, ward er 1672 nach
Berlin als Hofmaler berufen. In Potsdam, im Marmorsaale im Schlosse, siehet man
ein grosses allegorisches Gemälde von ihm. 1682 reiste er auf eine Zeitlang
nach Hannover, wo er verschiedene Bildnisse malte. Er starb 1691.
71. Daniel du Verdion, ein Landschaftsmaler, kam
durch den Hofgoldschmied Dan. Männlich nach Berlin, und malte 1674 das
neuerbaute Schiesshaus im Thiergarten zu Potsdam, mit Landschaften auf Leinwand
aus. Er bekam dafür 150 Rthl. nebst Grundfarben, Oel,
Leinwand, Rähmen und Nägeln. 1682 bekam er das Prädikat eines Hofmalers.
72. Gedeon Romandon (Romandeau, auch Ramondou), ein
guter Historien- und Bildnissmaler. Er kam 1675 als ein Refugirter nach Berlin,
[198]
und ward zum Hofmaler mit 500 Rthl. Gehalt bestellet.
Der Kurfürst sendete ihn nach Italien, um die berühmtesten Gemälde zu kopiren,
von welchen Kopien in der K. Gallerie noch Verschiedenes vorhanden ist. In
Modena hielt er sich am längsten auf, um alle Arbeiten des Korreggio, die
damals dort waren, zu kopiren. Verschiedene Stücke zeichnete er auch nur mit
trockenen Farben und mit scharfer Kreide. 1689 ward ihm die Aufsicht der Kurf.
Malereien aufgetragen. Er ward hernach Prof. der Akademie der Künste mit einem
Gehalt von 1000 Rthl. Er starb 1698. In Charlottenburg waren verschiedene
Bildnisse von Personen des Kurf. Hauses von s. Hand vorhanden, die aber zum
Theil bei der Plünderung 1760 verloren gegangen sind.
73. Adam de Clerck, ein Bildnissmaler, ward 1678 zum
Hofmaler mit 800 Rthl. Gehalt berufen. 1681 malte er das Bildniss des
Kurfürsten, das nach Frankreich gesendet wurde, und reiste darauf nach Kassel,
wo er verschiedene Bildnisse malte. Nach ihm hat Blesendorf das Bildniss des
berühmten Freiherrn von Sanitz gestochen. Er ward Prof. d. Akademie der Künste
und starb 1705.
74. Johann Friedrich Leonhard. Ein Kupferstecher aus
Nürnberg, der erste, der in Berlin die schwarze Kunst geübt hat. Er hat viele
Bildnisse verfertiget. Der Kurfürst berief ihn im J. 1674 nach Berlin, wo er im
J. 1680 starb.
75. Gottfried Bartsch, aus Schweidnitz in Schlesien,
Kupferstecher. Man hat verschiedene kleine Stücke von ihm, nach Gemälden in der
Kurfürstl. Gallerie gestochen. Ferner das Schloss und Gegend von Bornim, und 16
Blätter von Potsdam; die Schlacht bey Fehrbellin; Karte des in Pommern
acquirirten Landes; die Karte des Kanals zwischen der Spree und Oder; das
Leichenbegängniss der Kurfürstin Louise, erster Gemahlin des Kurfürsten, auf 42
Blättern Fol. 1675. Der Sarg der Kurprinzessin Elisabeth Henriette218 1683, 3 Blätter; andere Sachen mehr und
viele Bildnisse219. Er bekam 1674 eine
Bestallung als Hofkupferstecher mlt 300 Rthl. Gehalt, und 1684 auf sein
Ansuchen seinen Abschied.
Bildhauer, Medailleure etc.
76. Johann Baratta, ein italien. Grottirer und Maler,
ward 1660 zum Grottenmeister bestellt, arbeitete um 1673 für den Kurfürsten in
Berlin, hatte auch 1675 die Aufsicht auf die Kurfürstl. Malereien. Er starb
1687.
77. Michael Däbeler (Döbeler, Döbell), Hofbildhauer.
Arbeitete 1674 viel für den Kurfürsten, so dass er einen Befehl ausbrachte,
dass er von den andern Bildhauern Gesellen zur Kurfürstl. Arbeit nehmen dürfte.
Vermuthlich sind die halberhabenen Arbeiten an dem Theile des Stalles, den M.
M. Smids gebauet hat, desgleichen viele Zierrathen an den Decken des von
Kurfürst Friedrich Wilhelm aufgeführten Theils des Schlosses an der Spreeseite,
von ihm. Er arbeitete auch zu Potsdam, Borne und Kaput. Er starb 1702.
78. Jakob Jacobsen van der Bruch, ein Bildhauer aus
Holland, arbeitete 1674 unter Däbeler.
79. Gottfried Leygebe. Ein künstlicher Eisenschneider
im J.1630
[199]
zu Freistadt in Schlesien geb. Er erlernte erst das
Schwertfegerhandwerk und begab sich im J. 1645 nach Nürnberg, wo er, weil er
das Zeichnen verstand, sich ganz aufs Eisenschneiden legte, welches er zu einer
unglaublichen Vollkommenheit brachte. Er schnitt in Nürnberg 2 kl. Statuen aus
Eisen, welches der Härte des Metalls wegen etwas sehr ungewöhnliches ist. Die
erste war Kaiser Leopolds Statue zu Pferde, ohne des Fussgestell 8 Nürnberger
Zoll hoch; die andere, jetzt in der Kunstkammer zu Dresden, stellet König Karl
II. von England vor, der zu Pferde sitzend einen siebenköpfigen Drachen erlegt,
mit Beiwerken 2 Schuh hoch. Er zeigte dies Stück in Berlin dem Kurfürsten, der
ihm durch den Oberpräsidenten von Schwerin Dienste antragen liess, die er aber
damals verbat. Er verfertigte darauf in Nürnberg für den Kurfürsten einen
schönen Degen, worauf des Prinzen von Oranien Bildniss, wie ein Pfennig gross,
war. 1668 im April brachte er denselben selbst nach Berlin und bekam daselbst
eine Bestallung als Kurf. Münzeisenschneider, dass er insonderheit alle Stempel
in der Münze, und was ihm an Medaillen aufgetragen wurde, machen sollte, dabei
auch auf Verlangen Figuren in Lebens- und über Lebensgrösse in Wachs und Thon
bossiren sollte. Hierfür ward ihm jährlich 400 Rthl. und freie Wohnung
ausgemacht. Indessen konnten dazumal die Besoldungen wegen der unruhigen Zeiten
nicht richtig genug bezahlt werden. Doch bekam seine Wittwe nach s. Tode
endlich den Rückstand. Er schnitt viele Kurf. Siegel und für die Münze viele
Stempel zu Thalern und Dukaten, desgl. verschiedene Denkmünzen in Stahl; desgl.
bossirte und schnitt er in Metall viele Zierrathen zu Kanonen, machte auch
Formen zu schön gezeichneten Zierrathen für die Glashütten in Potsdam u. einen
kl. Herkules von Metall. Er machte, den Ritter zu der Ehrenpforte von 1677,
(der noch auf der Treppe der Rüstkammer steht), nebst vier Gemälden dazu; das
Brustbild des Kurfürsten in Lebensgrösse von Thon, und bossirte dessen und des
Kurprinzen Bildniss in gefärbtem Wachs. Ein Schachspiel, von Silber und Gold
(das jetzt noch vorhanden). Auch unterrichtete er die Kurf. Prinzen im Zeichnen
und machte auch einige Zeichnungen für den Kurfürsten. Besonders aber schnitt
er seine dritte und beste Statue aus Eisen.220
Sie stellet Kurf. Frd. Wilhelm als Bellerophon zu Pferde vor, wie er die
dreiköpfige Chimära erlegt. Dieses Werk, welches etwas über 10 Zoll hoch ist
und woran er 3 Jahre gearbeitet hat, ist noch in der Berlinischen Kunstkammer
u. giebt von seiner guten Zeichnung und äusserst fleissigen Ausarbeitung einen
hohen Begriff. Noch besitzt Herr Kriegsrath Köppen von ihm ein Stück von Eisen
in Hochrelief: Heliodor, der von den Engeln geschlagen wird. Er starb zu Berlin
im J. 1683. Er hatte 4 Söhne: Ferdinand, einen Ingenieur u. Baumstr., der 1655
zu Nürnberg geb. u. im J. 1681 als Ingenieur nach Guinea auf die damalige
Brandbg. Festung Friedrichsburg gesendet ward, wo er bald starb, Joh.
Christoph, geb. 1661 u. Balthasar Gottfried, geb. 1665 waren Maler, starben
aber zu Berlin sehr jung, um 1680 Jacob Paul, geboren 1665 wird unten221 vorkommen.
80 Daniel Vading, Kurf. Konterfeitdrechsler kommt
1671 in Archivakten vor. Er ward 1673 nach Wien geschickt, wo er auf der
Kaiserl. Burg ein Zimmer bekam.
Architekten, Ingenieure, Kunsthandwerker.
81. Kornelis Ryckwaerts (der auch falsch Ryquart,
Rück-
[200]
warts oder Reichwart geschrieben ward), war ein
Holländer; denn er heisst Kornelis, und konnte bey seiner Ankunft noch nicht
deutsch). 1667 kam er als Baumeister zu Küstrin in Kurf. Dienste. Gleich nach
seiner Ankunft ward der Festungsbau angefangen, und um 1668 wurden zuerst
Baugefangene nach Küstrin geschickt. In Spandau war es schon seit 1652
geschehen. Er bauete zu den Zeiten des Johannitermeisters Fürsten Johann Moritz
von Nassau das Schloss zu Sonnenburg222. 1670
bauete er das Hauptgebäude des Schlosses zu Schwet. Er machte 1675 auf
Kurfürstl. Befehl eine Zeichnung zu einem Thurm für die Petrikirche in Berlin
und legte 1682 eine sogenannte Gierbrücke oder fliegende Brücke bey Dessau über
die Elbe an223. Um 1690 bauete er den Hafen
zu Rügenwalde, und starb 1693 in Küstrin.
82. Rütger van Langerveld ward im fahr 1635 zu
Nimwegen geboren, 1678 als Hofmaler mit 600 Rthlr. Gehalt nach Berlin gerufen,
und ihm zugleich die Unterweisung der Kurfürstlichen Prinzen in der Mathematik
aufgetragen. 1679 bekam er 200 Rthl. Zulage. Er hat das Lustschloss Köpenik
gebauet, welches zeiget, dass er auch ein guter Baumeister gewesen. Vermuthlich
hat er auch die neustädtische Kirche gebauet.224
Er malte und zeichnete auch historische Stücke, und starb zu Berlin 1695.
83. Johann Arnold Villers, ein französischer
Baumeister und Bildhauer war in Kurfürstlichen Diensten und ging 1668 mit
Empfehlungsschreiben vom Kurfürsten nach Bayern. In demselben wird bemerkt,
dass er "seiner Kunst wohl erfahren, auch gute Dienste allhier erwiesen
habe."
84. Daniel Zilcher war 1671 Kurfürstlicher
Hofmauermeister und baute verschiedene Gebäude, ward auch zu den vorkommenden
Kommissionen und Streitigkeiten wegen Bausachen gezogen.
85. Andreas Mollein oder Mollin, war um 1670
Kurfürstl. Hofsilberarbeiter. Er machte viel grosse Arbeit, wovon man auf dem
Schlosse zu Berlin noch hin und wieder etwas sieht.
86. Daniel Männlich, Kurf. Hofgoldschmied. Er war zu
Oberndorf in Schlesien im Jahre 1625 geboren. Er lernte in Troppau, kam 1650
nach Berlin und ward 1676 zum Hofgoldschmied ernannt. Er war ein Silberarbeiter
und bat für den Kurfürsten viele künstliche Arbeit in Gold, Silber und Email
verfertigt; er starb im Jahre 1701. Sein Grabmal von Schlüters Hand ist in der
Nicolaikirche. Blesendorf hat sein Bildniss in Kupfer gestochen, auch J.
Tscherning nach der Zeichnung von David Richter.
87 und 88. Jakob Kramer und Martin Ridel,
Silberarbeiter zu Augsburg, machten 1670 für den Kurfürsten einen silbernen
Tisch und Stühle, Spiegelrahm und Brandruthe.
89. Otto Fritz, Kurfl. Hofgoldschmied; starb 1676.
90 Heinrich Sieverts, war Kurbrandenburgischer
Münzmeister um 1677. Man hat Thaler mit seinem Anfangsbuchstaben gezeichnet.
91. Thomas Tympe, war 1672 Kurbrandenburgischer
Münzmeister. Man hat Thaler von ihm.
Maler und Kupferstecher.
92. Friedrich de Coussy, ein Mohr, aus Guinea
gebürtig. Er
[201]
war in Diensten der Kurfürstin. Er lernte 1681 bis
1684 bei Fromantiou auf Kurfl. Kosten die Malerei, darauf ward er von 1685-1687
von Jakob Vaillant auf Kurfl. Kosten unterwiesen.
93 und 94. Johann Peter und Amicuis Hüault, 2
Miniaturschmelzmaler aus Genf gebürtig, wurden 1686 zu Hofmalern, jeder mit 200
Rthl. Gehalt angenommen.225 In der Kurfl.
Kunstkammer findet man Stücke von ihnen. 1690 reiste A. Hüault nach Genf. J. P.
Hüault bekam 1691 jährlich 400 Rthlr. Gehalt, wofür er jährlich zwei
Miniaturbildnisse zu liefern hatte. 1700 nahmen beide Brüder ihren Abschied und
gingen in ihr Vaterland zurück.
95. Adrian Heinrich Hirte, Sohn von No. 4, ein
Bildnissmaler, setzte sich 1658 zu Küstrin, er bekam 1687 das Prädikat als
Hofmaler.
96. Friedrich Christian Nuglisch in Potsdam geboren,
wo sein Vater Georg N. Bauschreiber und Kastellan war. Er lernte von 1681-1683
auf Kurfl. Kosten die Malerei bei Fromantiou.
97. Johann Greorg Pribusch ein Bildniss- und
Staffiermaler, arbeitete um 1687 in den Kurfl. Schlössern.
98. Michael Trapp bekam 1681 eine Bestallung als
Kurfl. Kupferstecher, aber schon 1683 seinen Abschied. Er war vorher bei der
Münze verrnuthlich Stempelschneider.
Bildhauer, Medailleure.
99. Franz Baratta, ward seines Bruders, unter dem er
schon gearbeitet hatte, Nachfolger, als Grottirer und Maler, aber nicht als
Aufseher der Gemälde. Er starb 1700.
100. Anton Belloni,ein Stuckateur, arbeitete um 1680
im Kurfl. Schlosse zu Potsdam und ging 1682 weg.
101. Johann van der Ley ward 1685 zum Kurfl. Stein-
und Bildhauer angenommen. Er bekam 300 Rthl. Gehalt, freie Wohnung und Holz,
auch die sämmtlichen Instrumente, Er hatte zugleich die Aufsicht auf die Kurfl.
Bild- und Steinbauerei und alle darin arbeitenden Leute.
102. Jeremias Süssmer, ein Bildhauer um 1685. 1687
verfertigte er marmorne Statuen für den Kurfürsten.
103. Christoph Ungelter oder Ungelder, ein Eisenschneider
in Augsburg aus St. Gallene gebürtig, der 1618 eine Medaille auf die Geburt des
Kaiserlichen Prinzen Josph geschnitten hatte,226
kam nachher in gleicher Qualität nach Berlin. Er ward 1688 Berg- und Münzrath,
Inspektor der Münze, und auch Aufseher der Kunstkammer. Bei seiner Ankunft,
machte er Falzen viele Schwierigkeiten, dem er aber 1691 alle zu den Medaillen
gehörige Geräthe herausgeben musste. Er starb im Aug. 1693.
104. H. Meyer. Ein Stempelschneider. Man findet seinen
Namen auf einer Gedächtnissmünze Kurfürst Friedrich Wilhelms von 1681, auf
einer grössern und einer kleinern Huldigungsmünze der Stadt Halle u. s. w.
105. Joh. Bernhard Schulze hat seit 1686 Stempel zu
Medaillen auf Friedrich Wilhelm d. Gr. Geschnitten227
und ward 1687 Kurfürstlicher
[202]
Ingenieur und Medailleur. Er verfertigte auf Kurfl.
Befehl einen 1688 herausgekommenen perspect. Plan von Berlin auf 3 Bogen,
welcher sehr genau, jetzt aber sehr rar ist; desgl. verfertigte er für Kurfürst
Friedrich III. eine Anzahl Denkmünzen.228 Er
starb 1695.
Architekten, Ingenieure etc.
106. Karl Philipp Dieussart. Er war Fürstl.
Meklenburgischer Architekt, und gab 1679 zu Güstrow ein Theatrum Architecturae
civilis in deutscher Sprache, in Fol. heraus, welches Buch er dem Kurfürsten
Friedrich Wilhelm zueignete. Er nennt sich auf dem Titel Rom; vermuthlich, weil
er in Rom studirt hatte. Er ward 1683 zum Kurfürstl. Baumeister und Bildhauer
in Berlin und in Potsdam mit 200 Rthl. Gehalt bestallt. Er hat vermuthlich in
Potsdam gewohnt. Was er daselbst und in Berlin gebauet hat, ist mir nicht
bekannt.
107. Samuel von Suchodolez kam schon 1662 in
Kurfürstl. Kriegsdienste, ward 1679 zum Kurf. Landmesser u. Ingenieur in der
Mark und Preussen bestellt. Er verfertigte eine Karte des Herzogthums Preussen.
1682 ward er zum Kurf. Kammerjunker ernannt Im K. Archiv ist von ihm ein Band
Zeichnungen vom J. 1672 von der Stadt Potsdam, dem Schlosse, der Fasanerie,
etc., nach d. damaligen Beschaffenheit, vorhanden, welche nachher von Bartsch
auf Kurf. Kosten in Kupfer gestochen worden; desgl. eine Karte von einem in
Preussen anzulegenden Kanale, zur Vereinigung des Pregels mit andern Flüssen,
durch die Landseen bei Johannisberg und Lyk. 1
108. Benedict de Münter. Fasanenmeister des Herzogs
zu Zelle, ward 1687 nach Berlin berufen, um die Springbrunnen im Lustgarten in
Gang zu bringen.
Maler und Kupferstecher.
109. Remigius oder Reynier Nooms gen. Zeemann, ein
berühmter Maler u. Kupferstecher zu Amsterdam, um 1630. Er war Anfangs ein
gemeiner Matrose, legte sich aber auf die Malerei und zeichnete so fleissig
nach der Natur, dass er es in Seegefechten, Schiffen und Prospekten sehr weit
brachte, woher er auch s. Beinamen erhielt. Er radirte auch Stücke von eigener
Erfindung. Er ist eine Zeit lang in Berlin gewesen. Es findet sich von seinen
Arbeiten etwas in der Kgl. Gallerie zu Berlin.
110. Joh. Jakob Rollos, üin Historienmaler. Der Kurf.
liess ihn auf seine Kosten reisen, um die Malerei zu studiren, wozu er in
Berlin schon den Anfang gemacht hatte. Er ging nach Holland und von da nach
Paris, wo er sich um 1670 aufhielt und verschiedene Gemälde soll gemalt haben.
Er hielt sich daselbst eine Zeitlang auf, ergab sich aber mehr den Wollüsten
als seiner Kunst. Er wollte weiter nach Italien reisen und ging Über Bern, wo
er eine Zeichnung zu einem Grabinal des Schultheiss Sigismund von Erlach
machte, der 1699 starb. Nach dieser Zeichnung ward hernach das Grabmal
modellirt, in Erz gegossen u. zu Spietz am Thuner See im Kanton Bern
aufgestellt. Er hat an dieser Zeichnung, wie ein gleichzeitiger Künstler sagt229, gezeigt, dass er ein mehr als gemeiner
Maler sei. Indessen ist wirklich dieses Grabmal nur von ziemlich gemeiner Er-
[203]
findung. Er hat zu Bern auch etwas gemalt, musste
aber wegen lüderlicher Händel von da flüchten und wurde unweit Murten auf der
Strasse todt aufgefunden.
111. Michael Willmann, ein Historienmaler, wurde 1630
zu Königsberg in Pr. geb. Er lernte die Kunst bei s. Vater Peter Willmann und
malte schon in s. 20 Jahre die vortrefflichsten Historienstücke. Aus seinem
Vaterland ging er nach Holland und kam nach Berlin, wo er um 1660 arbeitete.
Man findet in Kabinetten noch zuweilen Staffeleistücke von ihm. In
Charlottenburg waren verschiedene vorhanden, die aber 1760 bei der Plünderung
verloren gegangen sind. Von Berlin ging er nach Polen und endlich nach
Schlesien. Im Dom und der Nicolaikirche zu Breslau sieht man einige Gemälde von
ihm. Er verheirathete daselbst seine Tochter Anna Elisabeth, die auch eine gute
Malerin war, mit einem s. Schüler, Namens Liszka, einem guten Historienmaler.
Er selbst aber ging zur kathol. Kirche über230
und liess sich im Kloster Leubus als ein Mönch einkleiden, malte daselbst eine
grosse Anzahl vortrefflicher Historienstücke, die noch in der dortigen Kirche
und im Kloster vorhanden sind, und starb in diesem Kloster gegen Ende des
vorigen (17.) Jahrhunderts.
112. Jobann Rensche ward zu Kleve zum Kurf.
Landschaftsmaler mit 350 Rthl. Gehalt angenommen.
113. Jakob Magnus aus Kurland gebürtig, Kunstmaler um
1674.
114. Christian Hain von Löwenthal, der löbl.
Malerkunst Beflissener, hat 1674 gewisse Gedachtnisstafeln erneuern lassen231.
115. Andreas Ganz, Bildnissmaler in Kölln, er starb
um 1656.
116. Gustav Kasimir Gahrliep, aus dem altadlichen
Geschlecht von der Mühlen, 1630 zu Grypsholm bei Stockholm geb., ward 1675
Prof. der Arzneikunst zu Frankfurt a. O., kam 1680 nach Berlin, ward Kurf.
Leibarzt u. machte 1685 das Dispensatorium Brandenburgicum. Er malte gute
Bildnisse in Miniatur232 und traf so gut,
dass er auch Personen, die er nur gesehen hatte, aus dem Gedächtniss malte.
117. Gonzales Coques, ein Maler, geb. zu Antwerpen,
1618, Schüler von Adrian Brouwer u. David Rykaert, malte kleine Bildnisse in A.
v. Dycks Manier und allerhand Gesellschaften im Geschmack von Teniers, Rykaert
u. Ostade, schilderte auch ganze Familien auf Tafeln von mittelmässiger Grösse.
Dieser Maler reiste in verschiedenen Höfen u. so auch am Brandbg Hofe233. Er starb 1684.
118. Andreas Berlin, ein Maler; man hat ein von ihm
zu Berlin gemaltes, und von A.. C. Kalle gestochenes Bildniss des bekannten
Kurf. Raths Martin Friedrich Seidels.
119. Christoph Boy, Wappen- und Bildnissmaler in
Berlin, geb. 1634, gest. 1704.
120. Nikolaus Herzog, "Contrafayeur"
(Bildnissmaler) um 1680, Andreas Ganzen's Schwiegersohn.
121. K. Metzger. Ein Kupferstecher, welcher des Kurf.
Fried. Wilh. Bildniss in Fol. nach. Leygebe gestochen hat. Ob er aber in Berlin
gewesen sei, ist ungewiss.
122. Joh. Wilh. Michaelis, Kupferstecher234.
[204]
Bildhauer, Baumeister, Ingenieure etc.
123. Artus Quellinus, ein berühmter Bildhauer, in der
Hälfte des vorigen Jahrhunderts geboren. Das vortreffliche Sparrische Grabmal
von weissem Marmor in der Marienkirche soll von ihm sein. Auch stehn vier gute
marmorne Statuen, Prinzen ans dem Hause Oranien vorstellend, im Lustgarten zu
Potsdam, welche man für seine Arbeit hält; beides aber ist ungewiss.
124. Lukas Tabert, ein Stempelschneider von Stettin,
schnitt Denkmünzen für den Kurfürsten.
125 Johann Gent, war 1688 Münzeisenschneider, er
lebte noch 1693.
l26. Christoph Bansch, Baumeister in der Neustadt
Brandenburg, bauete 1669 bis 1672 den Thurm der Domkirche daselbst.235
127. Johann Georg von Ribbeck. Kurf. Oberster, ward
1661 Kommandant zu Spandau. Er dirigirte den Bau der Festungswerke von Spandau.
von 1645 bis über 1670 Er dirigirte auch den Bau des Zeughauses daselbst und
anderer Grebäude.
l28. Melchior Friedrich Winter, Bau- und
Mühlenmeister zu Ruppin, war im Wasserbau sehr erfahren. Er hat Antheil am Bau
der Schleusen zum Neuen Graben unter M. M. Smids gehabt, auch soll er die
Schleusen am alten Packhofe zu Berlin haben bauen helfen.
129. Daniel Naumann. Rathszimmermann um 1664.
130 Kuene Resen, Zimmermeister zu Brandenburg, aus
dem Dorfe Wust gebürtig, bauete 1672 den obern hölzernen Theil des Thurmes der
Domkirche zu Brandenburg236.
131. Theodor Mehatt, Goldarbeiter von Augsburg,
verkaufte 1681 dem Kurf. verschiedene Kleinodien, besonders einen Schrank mit
Schildkröte überzogen, auch viele, schöne vergoldete Bilder mit schönen
Früchten daran, darin ein selbst spielendes Instrument, und an 40 Laden, in
deren einem ein Florentiner Stein mit Bäumlein war. Es war von einem berühmten
Italiener gemacht, der den Kurf. Bayerischen Palast ausgeziert hatte, und war
dem Kardinal von Salzburg verehrt worden. Der Kurfürst gab 5000 Rthl. dafür.
Was Kurfürst Friedrich Wilhelm für die bildende Kunst
that, haben wir an verschiedenen Stellen des Buches geschildert. Knapp und treffend
charakterisirt unser Autor in der Einleitung die künstlerische Vorliebe des
Kurfürsten, dessen schöngeistige Bestrebungen in Band I der Collectaneen Königs
und in Band II der Historichen Schilderung von Berlin ausführlicher gewürdigt
werden. Auch J. Friedländers Festschrift "Zur Geschichte der Kgl. Museen
in Berlin, Berlin 1880" verdient Beachtung. König legt die Gründung einer
Bildersammlung im Berliner Schlosse in das Jahr 1663. Von kurfürstlichen
Stipendiaten seien als Kunstbeflissene, ausser Wolfgrübel und J. E. Blesendorf,
hier noch der Mohr Friedrich de Coussy, ferner Sam. Th. Guericke, Christian
Elster und Frd. Christ. Nuglisch erwähnt. Interessant für uns war, aus einem
kur-
[205]
fürstlichen Rescript vom 4. September 1682 zu
entnehmen, dass damals in Berlin eine "Direction des Bauwesens"
bestand, die der General-Kriegs-Kommissar von Grumbkow, welchem zwei Amtsräthe
zur Seite standen, inne hatte.
ad 1. Vielleicht war Valtin Moller (1628) ein Bruder
des Praeceptors Jakob Müller, der ebenfalls in Küstrin den Kurprinzen
unterrichtete (vgl. S. 73). Nicolai nennt unter dem Jahre 1622 noch einen
Johann Moller, einen Berliner Maler, der offenbar mit dem von König a. a. O.
angeführten Johann Müller identisch ist. In den Collect. heisst es: "1626
war ein Mahler Job. Müller, der auff des Herrenmeisters Grafen von
Schwarzenberg Diensten gestanden, für den er Zu Sonnenburg die Churfürsten in
voller Statur gemahlet . . ." (vgl. Anm. S. 168).
ad 2. In einem Rescript Friedrich Wilhelms (Cüstrin
27. Novemb. 1643) las ich seinen Namen: Matthias Zuigerske - also eine
Verstümmelung (Geh. Staatsarchiv, Akten Kunstakademie); es handelt sich hier um
die, von Nicolai erwähnten Bildnisse der Mitglieder des Kurf. Hauses,
"Contrafeye in Lebenss Statur." König (a. a. O.) bemerkt, er sei wohl
von Geburt Böhme gewesen. Als Maler ahmte er, nach demselben Autor, Rubens
nicht ohne Erfolg nach. Auch soll er urkundlich in den Jahren 1640 und 1651
vorkommen. Im Jahre 1652 den 9. Januar verwandte sieh die Kurfürstin-Wittwe
Elish. Charlotte für ihn, von Crossen aus, bei dem Kurfürsten, der ihn
entlassen hatte, wie, es scheint, ohne Resultat, denn in dem verminderten
Hofstaat von 1652 kommt er nicht mehr vor.
2a. Friedrich Giebsem (Gypsen). Dem Hofmaler
Czwiczeck wird unterm 1. Februar 1641 befohlen, Griebsem die Mahlerkunst zu
lehren; letzterer erhält wöchentlich 1 Thlr. Kostgeld und 1 Kleid, ersterem
wird am 21. October 1641, unter Erneuerung des Befehls, 50 Thlr. als Lehrgeld
zugesagt.
ad 3. König nennt ihn August Wietzell. Als Malergeselle
bei Czwiczeck erhält er vom Kurfürsten 30 Thlr. jährlich, Kostgeld, frei
Losament und Hofkleidung. lm Jahre l667 wird des Hofmalers, Wietzells Sohn als
Prediger in Berlin erwähnt.
ad 4. Seine Bestallung als "Hofeonterfeyer und
Diener" datirt vielmehr vom 3. April 1645. Ausser den bei Nicolai
angeführten Vergütigungen. wird dem Künstler noch "zu den "Gemälden
für den Churfürsten Leinwand oder Holtz ohne Entgeld" zugesagt (Geh.
Staatsarchiv). Im Jahre 1648 richtete er zwei Bittschriften an das Hoflager nach
Cleve, zuerst, weil ihm 105 Rthlr. Hausmiethe verweigert wurden und dann, weil
er "auf seine restirende Haussmiethe nicht mehr alss, 10 Rthlr.
entpfangen." Die erste kurfürstliche Verfügung darauf datirt vom 13. März
1648 und ist an den Kammerpräsidenten nach Berlin gerichtet, die zweite trägt
das Datum: Cleve 10. Aug. 1648 und die Adresse: "An die Ambtss Cammer Zu
Berlin." In ersterem Rescript wird von der grossen Arbeit des Malers
"in Vnserem Gemache" gesprochen, zu welcher sich H.
"unterschiedliche Gesellen halten muss" und es wird dem Empfänger
auch befohlen "solche anstalt Zu machen, damit ihm (Hirte) mahlzeitlich
aus Vnserer Küchen Zwei gute Essen gereichet werden möge." In dem andern
Schreiben des Kurfürsten heisst es u. a.: "Dass Ihr äusserst bemühet sein
wollet, Ihn, Vnseren Hoffmahlern, mit seiner restirenden Haussmiethe zu
helffen, damit Vnsere arbeit in entstehung derselben nicht verabsäumet werden,
sondern alles gegen Vnsere herausskauff, welches nunmehr vermittelst Göttlicher
Hilffe ehestens geschehen soll, verfertiget sein müege." Da der Kurfürst
ausser acht Deckenstücken im Schlosse von Hirtes Hand
[206]
alle Bögen in seinem Berliner Lustgarten bemalt haben
wollte, um damit seine junge Gemahlin zu überraschen, so erregten die
Schwierigkeiten, die man dem Hofmaler dort bereitete, natürlich sein
Missfallen. Dies spiegelt folg. Schreiben an die Amtskammer zu Cölln an der
Spree (dat. Cleve d. 24. October 1648): "Es hatt bei Unss Vnser Hoffmahler
Zu Berlin Michell Conradt Hirte abermahl Unterthänigst beklaget, dass er auf
Vnser unterschiedlich rausgeschickte befehliche weder seine Jährliche
Hausmiethe, noch nachstellige besoldung erlangen können, Derohalb er nicht
allein gezwungen worden, Unsere nötige arbeith liegen Zu lassen, besonders auch
seinen abschied bey Vnss in Unterthänigkeith Zu begehren. Nuhn gereichett Vnss
Zu gantz Ungnedig misfall, dass ihr Vnsere Verschiedentlich deshalb ergangene
befehliche so gar hindengesetzet Vnd darauf so wenig pariret. Woll auch
derohalb solch einen ungehorsamb nicht allein gebührendermaassen hiemit
Verwiesen, besonders auch nochmalss alles ernstes anbefohlon haben, solche
unfelbahre anstalt zu machen, damitt gemelter Vnser Hoffmahler so woll seine
noch ständige Hausmiete alss restir. besoldung alsofort ausgezahlet, Vnd wol
fürtre Vnsere arbeith ligen Zu lassen nicht Veranlasset werden möge. Dass ist
Vnsere ernste willensmeinung. Vndt seindt auch sonst mitt gnaden gewogen."
Von Hirte's Arbeiten hat sich nichts erhalten. Von Lebensnachrichten über ihn
enthält nur das Kirchenbuch von St. Marien Einiges; dies bezieht sich auf die
Taufen seiner Kinder, einer Tochter Eleonore Cathar. (21. April 1648), eines
Sohnes Michael Conrad (11. August 1649), einer Tochter Maria Elisabeth (3.
Februar 1651), eines Sohnes Hans Conrad (7. November 1652) und , eines Sohnes
Gottfr. Siegmund (l. Januar 1661).
ad 5. (Anm.) Jener P. Rollos, in welchem Nicolai
einen jüngern Künstler (Sohn) gleichen Namens vermuthet, heirathete am 15.
Februar 1662 Maria Leberecht (Copul. von St. Marien) und liess zu St. Nicolai
am 22. October 1666 eine Tochter Catharina Elisabeth taufen.
ad 6. Was Nicolai über Psolimar sagt, ist im
Allgemeinen richtig. Nach seiner Bestallung ("Cölln an der Spree am tage
Luciae des 1634 Jahres") hatte er besonders Wachsmodelle zu Gussmedaillen
zu fertigen: "was Wir ihme an Contrefaicten Zu Possiren, oder andere
Arbeit an Schaueissen und dergleichen zu verfertigen untergeben und anbefohlen
lassen werden." Mit der Besoldung wird angefangen "Reminiscere des
herannahenden 1635 Jahres." (Konzept und Bestallung im Geh. Staatsarchiv).
Nach seiner Entlassung und einem Bittgesuch befahl der Kurfürst Georg Wilhelm
(Pritz, 25. October 1636) dem Geh. Kammersecretär und
"Pfenningmeister" Hoyer Striepen, dem Wachsbüssirer 100 Thlr. zu
zahlen, stellte diesem aber anheim, statt des Geldes, mit freiem Tisch und
freier Wohnung fürlieb zu nehmen. Der Kurfürstliche Schatzmeister berichtete
darauf (Cölln an der Spree den 21. October 1636), dass Psolimar, statt. 200
Thlr. jährlich, nur folgende Bezahlung bisher erhalten:
|
Anno 1635 |
Quartal |
Trinitatis . . . |
75 |
Thlr. |
|
|
" |
" |
Crucis . . . . . |
55 |
" |
|
|
" |
" |
Luciae . . . . . |
23 |
" |
|
|
" |
1636 |
Trinitatis. . . . |
10 |
" |
|
|
" |
" |
Crucis . . . . |
36 |
" |
18 gr. |
|
|
|
Summa . . . . |
199 |
Thlr. |
18 gr. |
Später, in der Bestallung unter Friedrich Wilhelm
(Cölln an der Spree den 20 Mai 1650) heisst es: "dass Wir Vnsern Lieben
getreuen Daviedt Psolimar, Zu Vnsern Waxpussirer undt Grottenmeister in gnaden
bestellet." Die ihm zugewiesenen Naturalien waren: "zwei Winspel
Rocken,
[207]
zwei Winspel Kersten vom Mühlenhoff, Nottürfftig
Brenholtz aus Vnserm Holtzgarten.
ad 9. Seinen Namen finde ich mitunterzeichnet unter
einem Schriftstück (Cüstrin, 17. Januar 1654), welches "Jacob Nicolaus
Schmieden, Kribbenmeister aus der Altenmarck" betrifft. Er nennt sich hier
"Oberstwachtmeister."
ad. 11. Die Bestallung (Konzept und Reinschrift im
Staatsarchiv) dat: "Königsberg den tagk Trinitatis Ao 1642." Erneuert
wurde sie: "Cölln a. d. Spr. am Tage Crucis des 1644 Jahres" und
Cleve d. 22. Apr. 1649 (25 Reichsthaler jährlich baar u. versch. Naturalien).
Rescript vom 15. Mai 1649: Der Landmesser Ch. Fr. Schmidt soll sein Deputat aus
dem Amte Lebus erhalten.
ad 13. Gerards Leben schildert Woermann in s. Gesch.
der Malerei (Bd. III. 559.) in folg. kurzen Sätzen: "Er war 1590 zu
Utrecht geb. und pilgerte wie Terbruggen aus der Schule Bloemaerts nach Rom;
1622 od. 1623 nach Utrecht zurückgekehrt, wurde er hier Mitglied der Gilde,
deren Decan er 1625, 1628 u. 1629 war. In der ersten Hälfte der dreissiger
Jahre besuchte er England, 1637 aber liess er sich in Haag nieder, wo er
Hofmaler erst des Prinzen Frd. Heinrich, dann Wilhelms Il. wurde und sich als
gesuchter Bildnissmaler ein grosses Vermögen erwarb. 1652 zog er sich wieder
nach Utr. zurück, wo er 1654 starb." Ueber dieses Honthorsts Thatigkeit
für d. Kurf. im J. 1647 habe ich schon oben (S. 152,3) Mittheilung gemacht.
Nachstehende Urkunden über den "Gherardo dalle notte" der Italiener
finden sich im hiesigen Staatsarchiv:
a. (Rechnung) Syn Churfürstl. Doorlucht Van
Brandenburg etc. heeft geordonneert aen geradt Van Hont Horst de schilderer
dese naervolgende conterfoithes.
|
|
gelevert d. 20 Nov. 1647Eerstelyck S. Churfl. D.
Neffens H Churf, D. etc. de geheele Lengte voor Syn Exc. Gr. Mauritz Ider tot
100 Rixd. |
Rixd. |
200 |
|
gelev. d. 15. Sept. 1647 |
Noch S. Ch. D. etc. voor S. Ex. Gr. Hendrick van
Nassow |
" |
200 |
|
gelev. d. 12. Dec. 1647 |
Noch S. Ch. D. etc.voor. S. Ex. de Heer van
Brederode |
" |
200 |
|
gelev. d. 12. Nov. 1647 |
Noch S. Ch. D. de geheele Lengte voor S. Exc. de
gr. von Solms |
" |
100 |
|
gelev. d. 10. Dec. 1647 |
Noch S. Ch. D. neffens Haer Churf. Docl. de geh..
Lengte voor de Rhyn Graeff |
" |
200 |
|
Gelev. d. Prins Rads. |
Noch S. Churf. D. neffens H. Churf. D geh. Lengte
voor d. Prins Raedzevil |
" |
200 |
|
gelev. d. 4. Oct. 1647 |
Noch Haere Ch. D. in originael voor H. Maj. v.
Bohemen |
" |
40 |
|
gel. d. 18. Jul. 1647 |
Noch H. Ch. D. voor Princes Henriette v. Bohemen |
" |
32 |
|
gel. d. 18. Nov. 1647 |
Noch R. Ch. D. voor d. Vrouwe v. Niewklooster |
" |
32 |
|
gel. d. 21. Jul. 1647 |
Noch H. Ch. D. voor d. Vrouwe v. Ghent |
" |
32 |
|
gel. d. 15. Sept. 1647 |
Noch H. Ch. D. voor Juffr. Molyn |
" |
32 |
|
gel. d. 24. Okt. 1647 |
Noch H. Ch. D. voor Juffr. Granparin |
" |
32 |
|
|
|
Rixd. |
1300 |
[208]
Hierauf folgen noch 30 Portraits, theils ganze
Figuren, theils Brustbilder oder Kniestücke; das Gesammthonorar für alle
Arbeiten betrug 2624 Thlr. Zwei fahre später malte Honthorst noch drei
Bildnisse, die des Kurf., der Kurfürstin und des Kurprinzen Wilhelm Heinrich,
wofür er 270 Gulden erhielt.
b. (Rescript). Nachdem S. Churfl. Durchl. zu
Brandenburg etc. d. 27. Febr. 1654 den Schilderer Gerhard Hundhorst wegen
einiger zu dero Hoffstadt gelieferten Schilderey mit 1860 fl. Holl. od. 748
Rthl. an dero Raht undt Agenten zu Ambsterdam Matthiam Dögens Verwiesen,
selbige aber bissher unbezahlet geblieben, Vndt dan S. Ch. Dch. von obged.
Hundhorsten Sohn Anthonium Hundthorst unterthänigst ersuchet worden, ihme diese
Post in ansehung er damit so lang in gedult gestanden, endlich abführen zu
lassen. Alss befehlen S. Ch. D. dero Raht undt Geh. Cämerer Christ. Sigism.
Heydekampf gdst. jetz ged. Anthonio Hundthorsten nunmehr diese 1860 fl. Holl.
innerhalb jahres frist gegen quitung u. zurücknehmung der original assignation
zu bezahlen. Sign. zu Cleve d. 5. Sept. 1666."
ad. 14. War Schüler seines Bruders G. und Abr.
Bloemaerts und 1604 zu Utrecht geboren, wo er auch 1666 verstarb. Von seiner
Werthschätzung am kurbrandbg. Hofe gaben die hohen Bedingungen Kunde, unter
denen er schon zu Beginn 1647 auf sechs Jahre als Hofmaler verpflichtet wurde;
er erhielt 1000 Thl. jährlich, sowie freie Wohnung und ein Hofkleid. In der
That war Willem van H. nach den bisherigen ganz mittelmässigen Kräften, die
erste würdige künstlerische Persönlichkeit, die der junge Kurfürt an sich
fesselte; dass er, absolut genommen, nur ein Geist zweiten Ranges war, bedarf
keines Beweises mehr. Auf der Liste des Hofstaates von 1652 ist sein Einkommen
mit 1150 Thlr. verzeichnet. Das Staatsarchiv enthält von ihm und über ihn
Nachstehendes:
a. "Verzeiehniss wass Ich Endesbenahmter uf
gnedigsten Befehl Sr. Churfl. Durchl. zu Brandenbg. und dessen Hochgeliebter
Gemahlin Churfl. Durchl. an Schildereyen verfertigen und lieffern müssen, wofür
Ich aber mein Contentement noch nicht erlanget
|
18 |
Thlr. |
Vf gnedigsten Befehl meiner gnedigsten Churfürstin
u. Frawen alss, Ich den Chur Printzen geschildert in Ao. 1656. |
|
18 |
" |
Noch vor des, Chur Pr. Sehilderey auf Befehl meiner
gnd. Churfürstin u. Fr. auch in Ao. 1656. |
|
26 |
" |
Vor beeder Churfl. Printzen in ein Stuck vor Ihre
Hochbeiten in Ao. 1656 |
|
18 |
" |
Uf begehren d. Fraw Hoffmeisterin vor des Chur Pr.
Schilderey auch in Ao. 1656. |
|
18 |
" |
Noch vor des Chur. Pr. Schilderey vor den Marck
Graffen von Bareuth Hoch Fürstl. Dchl. Ao. 1657. |
|
125 |
" |
Auch vor des Chur Pr. Conterfait zu Pferde
Lebensgrösse, Ao. 1657. |
|
28 |
" |
Vor Sr. Churf. Dchl. vnd d. Churfürstin Conterf.
indes zu 14 ThIr. so der Dähnische Gesandter empfangen Ao. 1657. |
|
26 |
" |
Den Churpr. u. dessen H. Bruder Hoch Fürstl.
Durchl., beide uf ein Stucke, vor Mons. Bornen in Cüstrin Ao. 1658. |
|
28 |
" |
Noch vor Sr. Churfl. Dchl. u. der Churfürstin
Schilderey, so des H. Bischoffs von Halle Hochfl. Durchl in Ao. 1657
empfangen. |
[209]
|
30 |
Thlr |
Vor eine kleine Schildereye, worauff der Churf. Und
Churfürstin nebst andern Figuren mehr gemachet gewesen, Welches S. Chfl..
Dchl. Von mir abholen lassen, in Ao. 1658. |
|
28 |
" |
Vor S. Ch. Dehl. und der Churfürstin Conterfait,
welche beederseits Ein Marck Gr. von Bareth Hochfl. Dchl. In Ao. 1658
entpfangen. |
|
200 |
" |
Vor S. Chf. Dchl. Conterfait in Lebensgr., So Ih.
Hochheiten nach dem Hage geschicket Ao. 1658. |
|
200 |
" |
Vor Ihre Churfl. Dehl. der Churfürstin nebst Dreyer
Churfl. Printzen Conterfait in ein Stück, auch Lebensgr., so gleich den
obigen mit nach dem Hage zu Ih. Hochheit geschicket. |
|
16 |
" |
Noch vor ein Conterf. von Pr. Friederich Hochfl.
Dchl. so meine Gnd. Churfürstin u. Vr. in Ao. 1658 von mir begehret. |
|
36 |
" |
Noch vor ein Conterf. d. beyden Chfl. Printzen, vor
d. Ihr. Hoffmeisterin in ein Stück Ao. 1658. |
|
200 |
" |
Vor eine Schilderey worauff nicht allein beede
Churfl. Pr. besonders auch d. Junge Marckgr. von Bareth Lebensgr. gemahlet,
So vor die Churfürstin v. Sachsen nacher Dresden geschicket werden sollen Ao.
1658. |
|
56 |
" |
Vor 4 Conterf., Alss S. Ch. Dchl. u. dessen
hochgeliebter Gemahlin u. beederseits Ch. Printzen, So d. General Baur haben
sollen, iedes Stück Zu 14 Thlr. |
|
56 |
" |
Eben vor diese obige vier Schildereyen, So die Fraw
Marschallin Rochowin haben soll. |
|
30 |
" |
Vor Chur Printz Carls u. Printz Friederichs Hochfl.
Dchl. Conterfaiten in ein Stück So die Fraw Börstelin haben soll. |
|
Sa. 1151 |
Thlr. |
|
|
|
Willem van Hont Horst." |
|
b. Schreiben des Kurf. (Cölln an der Spree d. 14.
Febr. 1665) an Fürst Moritz v. Nassau nach Cleve. Hieraus geht hervor, dass der
Kurf. dem Maler seit Jahren (seit 1652) noch 5000 Thlr. schuldete und dass
letzterer in Folge dessen mit seiner Familie in grosser Bedrängniss lebte. Der
Kurfürst verfügt, dass Honthorst gleich oder in kurzen Terminen befriedigt
werde.
c. Bericht der Regierung zu Cleve (20 Mai 1665) an
den Statthalter Moritz, bezüglich der Contentirung des Malers Honthorst. Die
Regierung erklärt sich zur Contentirung unfähig und schlägt zu diesem Behufe
die Contributionsgelder vor.
d. Rescript des Kurfürsten. (Cleve den 5. September
1666) an den Rath und Geh. Kämmerer Chr. Sigism. Heydekampf. Letzterer wird
aufgefordert die alte Schuld, abzüglich 3000 Thlr. also nur noch 2000 Thlr. an
"Wilhelm Hundthorsten hinterlassenen Erben Vormundern Anthonium von
Hundthorst und Cornelium von Wyckerslooth" innerhalb Jahresfrist "aus
denen ihme anvertraweten mitteln" zu entrichten.
Ende 1652 lief H‘s erste Bestallung als Hofmaler ab.
Ueber seine und seiner Gattin Sophia v. H..Testamentsmachung in Utrecht (3.
April 1650) vergl. Kramm (de leven en werken etc. S. 729). Am 20 Februar 1664
erhält er vom Kurfärsten Urlaub, mit den Seinigen nach Holland zu reisen.
ad 15. Der Künstler hiess van Hulle. Er trat nach dem
Tode Frd. Heinrichs von Oranien in den Dienst Kaiser Ferdinand III. Kramm
[210]
(a. a. O.), auf den ich verweise (S. 767), giebt als
Zahl der Münsterschen Gesandten 131 an; die Bildnisse wurden von hervorragenden
Meistern, Petrus de Tode, Paul Pontius, Th. Matham, Ph. Galle u. A., gestochen.
ad 16a. Grovaert Flinck, der bekannte
Rembrandtschüler, (geb. Cleve, 25. Jan. 1615 † 1660 Amst.) hat den Kurf. 1653
in halber Figur gemalt.
ad 17. Im Staatsarchiv befindet sich ein italienisch
verfasstes Schreiben des Pietro Liberi Conte e Cam." (Venetia 14. Mayo
1665) an den Kurfürsten mit Bezug auf die zu malenden altbiblischen Historien.
ad 18. Im Kirchenbuch von St. Marien zu Berlin heisst
er Daniel Kaeferstein, Churbr. Perspectiv Maler. Im Jahre 1663 lassen er und
seine Gattin, Catharina Elisabeth Krohn, Zwillinge, eine Tochter Barbara Elis.
und einen Sohn Dan. Heinrich taufen. Im Staatsarchiv befindet sich folg. Kurf.
Reseript an die Amtskammer zu Berlin (13. April 1659): "Nachdem wir den
Schilderer Zu Berlin D. K. nuhnmehr wochentlich Zwei Rthlr. Kost gelobet undt
dann Zu einem Kleide fünfzig Rthlr. gndst. Verordnet. Alss befehlen Wir Euch
hiermit gndst. Derohalb nicht allein wochentlich solche Verordneten 2 Thlr.
richtig aus Zahlen zu lassen, sondern auch die Verfügung zu thun, damit, Er mit
einpfahung der 50 Rthlr. zum Kleide gleichfalls nicht aufgehalten werden möge.
Köberstein starb 1677.
ad 18a. Michel Conrad Zirl, Churbrandbg. Hofmaler hat
1660 in St. Marien an den Sparrschen Ahnentafeln gemalt (König, Collect.)
ad 19. Nach dem Kirchenbuch von St. Marien heirathete
er zwei Mal: am 12. Juli 1660 Cathar. Stassin, Wittwe des Kunstmalers Andreas
Ganz und am 7. Oct. 1693 Anna Elisabeth Schenck aus Wrietzen a. O.
ad 20 Im Jahre 1641 erhält Kalle ein Geschenk von 30
Thlr. für die Dedication eines von ihm gestochenen Bildnisses des Kurf.; ein
Jahr darauf bewirbt er sich, indem er vorgiebt, bei den bösen Zeiten von s.
Kunst nicht leben zu können, um eine Amts- und Kornschreiber Stelle.
ad 21. Der Contract (Cleve 1. September Ao. 1648)
lautete auf ein Versuchsjahr; ausser 500 Thlr. erhielt er noch frei Wohnung und
Brennholz. Die Bestallung lautet zu Anfang: "Wier Friderich Wilhelm etc.
thun kund Vnd geben hiernit iedermänniglich Zu vernehmen, das wier Leonhard
Kern Bürgern Vnd des Rahtes Zu Schwebischen Halle, Bildhauern, in Vnsere
bestallung auf ein Jahr von dato angenohmen haben, also Vnd dergestalt, dass Er
unss mit Verfertigung allerhand so auss . . . Alabaster alss Holz geschnittener
arbeit, so wier Ihm werden gndst. anbefehlen und angeben lassen, nach seiner
besten Wissenschafft bedienet Zugleich nach treue, und hold seyn solle . .
." C. Gurlitt (a. a. O.) würdigt ihn als tüchtigen Manieristen. Seine
Werke zeigen: "reiche Umrisslinie, heftige, Bewegung, ausgearbeitete
Musculatur", Kern stammte aus Forchtenberg. (Vgl. auch A. Klemm,
Württembg. Bmstr. etc. 1882 und A. Niedermayer, Kunstgesch. v. Würzbg. II.
Aufl. 1864.)
ad 22. Der Anstellung dieses wohl wallonischen
Meisters (datirt: Cleve, den 7. September 1649) ging eine Offerte desselben an
den Kurf. voran. Sie lautet: Jaques Woulleaumé, se presente en toute humilité
de servir Son Alt. Electorale de Brandenbourg etc. en qualité de fondeur en des
figures, pour faire des statures, de grottes, et de Fontaines, et en tout ce
qui viendra à propos, pour le contentement de Son Alt. Elect. Pour cela il aura
pour un an de gage, la somme de 400 Rixdal. et les depens, comme aussy de
logement, et tout ce qu'il faut depenser pour le dit ouvrage, que cela sera aux
depens de Son susdict Alt. Elect. Il plaira en autre à Son Alt. de luy faire
payer chasque 3 mois 100 Rixdal. de Son susdit gage etc. – W. wurde als
Bildgiesser auf 1 Jahr angestellt,
[211]
und er hatte "allerhandt statuen undt
figuren"grotten undt fontainen undt sonsten was S. Churfl. Dchl. von ihm
begehren" auszuführdn.
ad 23. Ueber diesen hervorragenden Plastiker und
seine Beziehungen zum Brandenbg. Hofe habe ich oben (S. 140-156) ausführlich
gesprochen.
ad 24. Falls die Angabe des Herrn A. Bredius richtig
ist, blühte im Haag zwischen 1651 und 1657 ein Bildhauer Guillaume (Willem)
Larson. Möglich, dass Nicolai resp. seine Quelle eigenmächtig aus G. Larson -
Georg L. gemacht hat. Von einem Namensvetter und Fachgenossen dieses Larson im Haag,
Johan Larson, bemerkt Kramm (a. a. O. S. 953), dass letzterer dort 1660 und
1663 urkundlich vorkommt, und 1664 gestorben ist. Dass sie Beide von Herkunft
Haager oder überhaupt Holländer waren, ist nicht erwiesen.
ad 25. Das Streng Rotterdamer sei, versichert van
Spaan in seiner "Beschryving van Rotterdam." Vergl. auch oben S. 155.
ad 26. Auch über diesen, Künstler enthalten die Akten
des Geh. Staatsarchivs nichts. (Vergl. oben 8. 155).
ad 31. Haye Steffensz war der erste der vielseitig
erfahrenen holländ. Techniker, die nach der Mark kamen. Er beansprucht deshalb
ein besonderes Interesse. Dass er auch Vibrand Gerritsen geheissen, wie,
Nicolai angiebt, habe ich sonst nirgends finden können. Nachstehend ver-
öffentliche ich Alles, was sich im Geh. Staatsarchiv
über ihn findet:
"Durchlauchtigster Hochgeborener Gnedigster
Churfürst Vndt Herr, Ewer Churf. Durchl. seindt meine allzeit willige u.
Vnterthänigsten gehorsahm geflissene Dienste Zuvor, Gnedigster Herr, Es sind
nun ein halb Jahr Vergangen, das mit E. Churf. Durchl. Ich mit Herrn Johan
Wingarden in Dero Hofflager zu Cleve eigener Persohn geredet, E.Churf. Durchl.
Meine Unterthenigste Dienste Undt Arbeit angeboten, welches E. Churf. Durchl.
damals Ihr gnedigst gefallen lassen, Vndt mich befehliget, in eigener Persohn,
nach Dero Churfürstenthumb Vndt Lande der March. Brandenburg zu Verfügen,
daselbst die Schleusen, graben, Mühlen, wasser Vndt andere örter zu besichtigen
Vndt in augenschein Zunehmen, haben auch damals E. Churf. Durchl. die gnedigste
Vertröstung gethan, noch das Vergangene Jahr selber in Dero Churfl. Durchl.
Lande Vndt Hofflager zum Berlin anzulangen, worauf Ich mich festiglich
Verlassen, bis für 4 Monaten Von hauss nach diesen Landen, mit meinen eigenen
Vncosten Uf meinen bentel solchen weiten weg gereiset, Vndt nun so lange Zeit
an diesem Orte mit müssig gehen stille gelegen, nicht wissende, was aus meinem
thun werden soll, dan Ich hab zu öftermahlen Von hier aus an E. Churf. Durchl.
Vnterthänigst geschrieben, berichtet, wie es in diesen Landen mit obgemelten
Dingen beschaffen sey, was für sehr nutzbare wercke an Mühlen, Schneide Mühlen,
Pappier Mühlen Vndt graben mit Schleusen, anzulegen wehren, auch Viel das
eingegangen wehre, wiederumb erbawet Vndt zu rechte gebracht werden könnte, habe
aber nach Vieles hoffen bis zu dieser Stunde noch keine Andwordt erlangen
können, Auch an hiesiger E. Churf. Durchl. Ambts Cammer keinen bescheid Zu
einigen Dingen Zu Verfertigen erlangen können, Sintemahl dieselbe Von E. Churf.
Durchl. die Verordnung aller Dinge, gewarten mus, Wan aber gnedigster Churfürst
Vndt Herr Ich gleichwol alhier eine solche lange zeit aufgewartet, keine
Andwordt Uf einiges Schreiben erlanget, auch dieses Ortes keine förderung sehe
(als fürchte ich, das meiner bey anderen fürfallen, den vielfeltigen schweren
gescheften, vergessen sey). Habe demnach diese getröstete Hofnung E. Churf.
Durchl werden gaedigst geruhen mich mit einer gnedigen Andwordt
[212]
Versehen Zulassen, damit Ich doch wissen möchte,
woran Ich wehre, Vndt daferne E. Churf. Durchl. es gnedig begehreten, bin Ich
erbötig selber nach Cleve zu reisen Vndt mündliche relation aller Dinge zuthun,
befehle demnach E. Churf. Durchl. hiermit der gnedigen obacht Vndt Schutz des
Allmechtigen Gottes, vndt mich in Dero gnade Vndt Verbleibe
E.
Churf. Durchl.
Unterthänigster
gehorsahmster Diener
Haye
Steffenss Baw vndt Müllenmeister
von
Sardam.
Cölln a. d. Spree, den 14. Febr. Ao. 1649.
Friderich Wilhelm Churfürst.
U. g. g. Z. Vesten, Rähte, vndt Liebe getrewe, Was
Haye Stevens, Baw- Vndt Mülmeister, an Vnss Vntherthenigst supplitando gelangen
lassen Solches geben wir euch vermittelst des Einschlusses mit unseren
Zuvernehmen, wan wir dan nötig Zu sein befinden, einen Baw- Vnd Werkmeister, so
auf Vnsern Mühlen, Schleussen vnd dergleichen arbeit achtung gebe, draussen
anzunehmen, Vndt supplicant sich darauf genugsamb verstehet, So ergehet hiermit
an euch Vnser gnedigster befehlich, ihn Zu Vnseren Baw- vndt Müllen- auch
Schleussmeistern mit dem forderlichsten Zu bestellen, vndt deshalber mit ihm zu
tractiren, Daran geschieht Vnsere gnädigste Willensmeinung, Vndt wir verbleiben
euch mit gnaden gewogen,
Geben Cleve, den 13. Marty Ao. 1649. Friderich Wilhelm.
An die Churf. Brandenbg. Verordnete Cammer
Praesitent, Ambts Räthe Vnd Cammermeister zu Cölln a. d. Spree.
Die Folge des kurf. Reseripts ist der Contract,
welchen die Behörde "am Montag nach Trinitatis des 1649 Jahres" mit
Steffensz. schloss. Er erhielt 150 Thlr. Besoldung jährlich, 20 Thlr.
Hausmiethe sowie verschiedene Massen an Naturalien, z. B. "Erbsen,
Heydegrütze, Saltz, Ein Schwein, Zwey Hammel oder Schafe, Item anstat eines
Ochsen sechs schaffe, Ein achtentheil Putter, Drey schock Keese, Ein ruhte
Holtz Vfm Stam, Vnd eine gemeine Hoff Kleidung versprochen Vndt Zugesagt."
Nach einiger Zeit berichtete die Amtskammer (Cölln a.
d. Spr. den 13. März 1650) an den Kurf. nach Cleve über Steffensz. Anstellung;
sie bemerkt dabei u. a. Folgendes:
"Nach Verfliessung etlicher Zeit aber haben wir
nicht allein befunden, dass bemelter Haye Steffens zu sothanem Bawmeister Ampt
nicht allerdings capable, sondern es hat auch der Ober Jägermeister berichtet,
dase zu Cleve die intention nicht gewesen sey, dass er zum Bawmeister bey E.
Churf. Durchl. alhiesigem Hoffstatt angenommen werden solle, Und weil wir
überdies die Nachricht erlangen, dass E. Churf. Durchl. bey dero, Gott verleyhe
ehest glückliche anhero kunft einen anderen Bawmeister mitbringen werden, Alss
haben wir bey itzigem Quartal-Reminiscere, da sein, des Baw- undt Schleussenmeisters
Jahr Vmb ist, E. Churf. Durchl. der sachen notturft Vnterthenigst referiren
wollen, zu dero gnedigstem gutfinden stellende, Ob Sie mehrgedachten Haye
Steffens bey so beschaffenen Dingen des Bawmeister Ampts als welchem er nicht
allerdings gewachsen ist, hinwiederumb zuerlassen, Und nur bey dem
Schleusenmeisterdienst allein zu behalten, gnedigst gemeinet. Etc."
P. S.
Auch Durchleuchtigster Churfürst berichte ich, der
Cammer Praesitent, Unterthenigst, dass Johann Gregor Memhart mit bey sich
[213]
habenden E. Churf. Durchl. sachen gestern wol alhier
angekommen, Uberschicke darneben E. Churfl. Durchl. mir Unlengst zu Schöning
gnedigst gegebenem befehl zu gehorsambster Folge in beygefügter Schachtel die
in dero alhiesigem Churf. Lustgarten herfürgeblühete Blumen. Versterbend
Ew.
Churfl. Durchl.
Unterthenigster
Gehorsambster
B.
v. Heimberg.
Dass St. im Kurf. Dienst verblieb, ersieht man auch
daraus, dass sein, Name in der Liste des Hofstaates von 1652 steht. Wir geben
hier folgenden Auszug aus dieser schon bei König (Hist. Schild. v. Berlin II.
Anhg.) abgedruckten Liste:
"Newer Hoffstaht des Durchl. etc. Churf. Frd.
Wilh. etc. Im Jan. Anno 1652 zu Cleve resolviret. (Unter Geh. Cammerirer u.
Cammer-Diener steht): Herr Johan Gregor Memmart, hat und behält seinen
Unterhalt in der Pillau, bekombt aber wochentlich zu Berlin 2 thl. Kostgeldt,
machet - 104 thl.
1. Hr. Franciscus Tibich, Mechanicus - 366 thl.
2. David Psolimar, Wachss-Possierer u. Grottmeister -
368 thl.
3. Henrich Matthäus, Hof-Drechler - 178 thl.
(giebt
vor, dass ihm 100 thl. Besoldung, 78 thl. Kostgeld, wochentl. 1 ½ thl., freye
Wohnung u. darzu noch ein mehreres versprochen. S. Churf. Dcht. haben sich
gdst. erklehret, diese drey aus deroselben Chatoulle zu bezahlen).
Hoff-Conterfeyer etc.
Michael (soll heissen Willem) v. Honthorst - 1150
thl.
Hanss Albrecht Neubauer - 195 thl.
Johan Massart, Ledikantmacher (d. h. Bettstellmacher)
- 195 thl.
Beambte u. allerhand Handwerker:
Christoff Friedrich Schmid, Landmesser - 53 thl.
Haye Steffensz., Baw- und Schleussenmstr. - 285 thl.
Michael Hanff, Lustgärtner - 486 thl.
Haus Montag, Hoffmeurer - 70 thl.
Noch folgendes Rescript findet sich im Konzept im
Geh. Staatsarchiv: "An die Ambts-Cammer Zu Cölln a. d. Spr." Es
heisst darin: Haye St. habe sich "in unterschiedenen Puncten
beklaget", ferner: "Was hiernechst den Newen Schleusenbaw auf dem
Werder antrifft, habt ihr darzu einen Anschlag durch Vnsere Verständige
Mühlenmeister, wie auch absonderlich durch diesen Haye Steffens machen zu lassen,
Vnd Vns solchen allerförderlichst anhero zuschicken. . . . Drittens verbleiben
Wir Zwart dabey, dass supplicanten Vnsere Schneide Mühle auf dem Werder Vor
andern verarrendiret werden, Jedoch, das er auch dieselbige pension, welche
andere aufs Höchste davor biethen, ebenmässig entrichte . . . Cleve 1. Febr.
1652."
31a. Moritz Neubauer, war vor Memhard Leiter des
Berl. Schlossbaues. In den "Gravamina der Stadt Hamburg 1859" (geh.
Staatsarchiv R. 60 28a) findet man folg. Kurf. Schreiben aus Cleve (7. Nov.
1648) an d. Bürgermeister Müller zu Hamburg: "Etc. Demnach wir Vnsern
geheimbten Cammerdiener Moritz Neubauer mit einer Zimlichen Anzahl Vnserer
Sachen Über Amsterdam auf Hamburg etc. schicken, alss begehren Wir biemit etc.
gemelten Vnsem Cammerdiener bis nacher Lauenburg mitt
genugsahmen Convoy etc. bringen laesen . . ."
ad. 32. Weil Memhards Plan von Berlin die Inschrift
hat: Johan
[214]
Gregor Memhard Churfl. Brandenbg. Ingenieur Delineav.
1648" (?), so hat W. Erman (in s. Publ. des Skizzenbuches v. Joh.
Stridbeck d. J. Berlin 1881) gemeint, M. sei wohl schon vor 1648 in Berlin
thätig gewesen. Demgegenüber muss hervorgehoben werden, dass man hier noch bis
Anfang 1650 nothgedrungen Haye Steffensz. als Baumeister beschäftigte, und dass
der Kammerpraesident v. Heimberg am 13. März erst die Hoffnung aussprach, der
Kurfürst werde "einen andern Bawmeister" aus Cleve mitbringen (vgl.
d. Art. ad. 31); kurz vor Absendung seines Schreibens erfuhr der Praesident,
dass "Johann Gregor Memhart mit bey sich habenden E. Churf. Durchl. sachen
gestern (also am 12. März) wol alhier angekommen." Ueber seine
Lehrthätigkeit bei Hofe, vgl. oben S. 77/78; seinen Namen schreibt O. v.
Schwerin stets "Memmart." Dass M. auch eine Zeitlang Direktor der
Churfl. Kunstkammer war, wurde schon a. a. Stelle erwähnt (vgl. "Bär"
Bd. XII). Bezüglich der Thätigkeit des Meisters folgen die jüngsten Berliner
Autoren den Angaben Nicolais. Hinzuzufügen ist nur noch, dass der Kurf. dem
Meister das erste Haus auf dem Friedrichswerder zum Geschenk machte (1653) und dass
M. im J. 1669 Bürgermeister dieses Stadttheils wurde.
ad 33. Nikolai behandelt die Thätigkeit dieses
Holländers so ausführlich, dass ich mich darauf beschränken kann, einige
Urkunden ohne Kommentar folgen zu lassen. 1. Der Kurf. befiehlt (Labiau d. 3.
Oct. 1656), auf eine Beschwerde des Hofzimmermannes M. M. Sch., der Amtskammer
zu Berlin, dass Suppl. die Kaufsumme für ein Schiff, 220 Thlr., gezahlt werde.
2. (Konzept im Staatsarchiv). S. Ch. D. befehlen, dero Cammer Juncker dem Von
Chiezen gst., dass er das Zu Newhausen liegende maltz dero Bawmeister Michel
Matthiassen in abschlag seiner Forderung abfolgen lassen solle.
3. S. C. D. befehlen dero etc. Grafen zu Dona Gst.
die Vorsehung zu thun, damit 30 tonnen mehl auss dem Magazin daselbst dem
Bawmeister M. Matthiass nach markgängigen preiss in Abschlag seiner forderung
abgefolget werden möge. Königsberg, d. 6. November Ao. 1662. "Michael
Matthias Schmidts."
4. Aktenstück:
a) "Auffsatz, wass ich endes benambter Wegen Ver
Fertigung der Schleussen undt Brücken beyen Newen Graben an Gelde auff rechnung
empfangen, alss folget:" Ausführl. Angaben: Summa 28 395.
b) Der Churfl. Hoff Bawmeister Michael Matthias
Schmidt Soll wegen Verfertigung Zehn Schleussen undt Sechs Brücken beym Newen
graben Vermöge aufgerichteten Churfl.
|
Gnädigsten Contracts, haben |
30 000 |
Thlr. |
|
Noch wegen drey Schleussen undt zwei Brücken, so Er
ausserhalb Verding verfertiget |
|
|
|
8 100 |
" |
|
|
Noch Bahr zu Behueff des Potstamischen Stalls
vorgeschossen |
795 |
" |
|
Summa |
38 895 |
Thlr. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Darauff hat Er von gelde empfangen am 1. April anno
1663 biss den 28. January Ao. 1671 laut
|
beyliegender Specification in allem |
28395 |
Thlr. |
|
Bleiben Ihm also pro resto |
10500 |
" |
Friedrichswerder, den 17. August anno 1671. M. M.
Sch.
5. (Concept). Rescript v. 7. Sept. 1671 (wahrscheinl.
an Rath Meinders). Aufforderung, dem M. M. Schmidts die Summe von 10500 Thlrn.
zu zahlen. 6. Betreffend gelieferte Kugeln nach Holland 1672:
[215]
a) Gesuch des M. M. Schmidt, ihm für gelieferte
Kugeln nach Holland 4050 RthIr. zu zahlen: "Weil ich nun über diese post
gantz keinen Beweiss habe, als Bitte Ew. Churft. Durchl. ich hiermit
Unterthänigst, Sie wollen gnädigst geruhen Undt einer über gedachte Summe
schriftlich Beweiss unter dero hohen Handt Gdst. zu ertheilen, getröste mich
Gdster erhörung Vndt Verharre Ew. Churfl. Durchlaucht Unterthänigst Diener M.
M. Schmidt. (ohne Dat.) Darauf folgt b) Kurfl. Verfügung, ihm diese Summe zu
zahlen. (Konzept: Rüsselsheim 7./17. November 1672). 7. Decretum auf Michel
Matthias Schmieden Supplicatum.
(Konzept, unterz. Meinders). Kurfl. Befehl an den
"Obersten Lieutenant den von Wölfersdorf" "wegen der ihn annoch
restirenden 1000 thlr. Von dem erbauten Hause ohne längeren Verzug contentiren,
und nach so lang gehabter geduld klaglos stellen. Sign. Cölln a. d. Spr. 2.
Jan. 1674." 8. Do. dasselbe Datum. Befehl a. d. Freiherrn von Pölnitz dem
Suppl. M. M. Schm. "aus der Friedrichswerderschen Mahlmühle einkommen
erstlich die 191 thlr. 10 gr. . . . zum andern die 17 W. 9 scheffel roggen in
natura . . . aus gedachtem einkommen quartaliter gegen Quittung reichen. Cölln
a. d. Spr. 2. Jan. 1674. (v. Meinders.) 9. Befehl an M. M. Schmidt, dem
Friedrich Künow 30 Thlr. Zu zahlen (Cölln a. d. Spr. 28. Mai 1688). 10. Am 28.
März 1689 wird M. M. Schmidt als Hofbaumstr. bestätigt. Er hatte damals 37
Jahre gedient. 11. (27. Juni 1691) "Assignation auff einige Summen für d.
Hoffbaumstr. M. M. Schmieden, der die Galerie hinterm Schlosse zu Berlin
auffgebauet, auch die Bibliothek zu bauen angefangen." Nach s. Tode (1692)
gaben sich s. Erben als in Hamburg ansässig an. Bezüglich seiner Bauwerke habe
ich nur nachzutragen, dass König die Vollendung des Marienkirchthurmes in das
Jahr 1666 legt. In der Zeit seiner ersten Thätigkeit für den Kurf. scheint
Schm. vorzugsweise mit dem Bau von Schiffen und Yachten beschäftigt gewesen zu
sein und daher erklären sich die grossen Summen, die bisweilen an ihn gezahlt
wurden. In dieser Hinsicht sind drei Verfügungen Frd. Wilhelms, zwei davon an
die Amtskammern zu Küstrin und Cölln a. d. Spr." (dat. Cleve d. 15. Sept.
und 7. Oct. 1651) gerichtet, von Interesse. Das dritte, fast gleich lautende
Rescript "An Hn. Hanss Gregor Memhardten" (dat. Cleve d. 15. Oet.
1651) theilen wir nachstehend mit: F. W. Ch. Vnsern gruess Zuvorn, Lieber,
getrewer, Nachdem wir gst. gern wolten, dass der Schiffbawer, welcher ietzo zu
Bötzow Vor Unss Vndt Unsere Vielgeliebten Gemahlin Lbd. Zwo Jagten Verfertiget,
auch zu Cüstrin vors erste eine kleine Jagt, Vndt künfftig auch eine grössere
so auff der Oder Zugebrauchen, bawen möge, So wollestu demselben andeuten, dass
er, wenn die beede Jagtten Zu Bötzow fertig sein werden, sich nacher Cüstrin
begeben, Vndt alda Vor erst eine Kleine Jagt darzu Ihm Vnsere Ambtss CammerZu
Cüstrin, uff beygelegtes Vnser rescript, behöriges Holtz Vndt andere
materialien anschaffen wirdt, verfertigen solle, Vndt weil wir künfftig Zu
Vnser ankunfft des Orts selbst eine grosse Jagt angeben wollen, So soll er das
Holtz darzu selbst im walde ausssuchen (welches hernach Vnsere Cammer anführen
lassen wirdt) Vndt dasselbe nur etwas aussarbeiten damit es den künfftigen
Winter durch desto besser drewe werden könne. Vnterdessen aber soll Vnsere
Ambtss Cammer Ihm nohttürftige Vnterhaltungsmittel reichen Vndt geben . .
." ' iewohl der Name des Schiffszimmerers nicht genannt wird, so ist
Schmids doch ohne Zweifel gemeint.
33 a. Lubbert Harmens, Schiffszimmermann, von Nicolai
unter Schmids erwähnt. Bei der Bedeutung, welche der Kurf. in seinem Lande
[216]
dem Schiffsbau eingeräumt haben wollte, empfehle ich
untenstehendes Gesuch des Harmens an Frd. Wilhelm der Aufmerksamkeit des
Lesers. Ich wiederhole Nicolais sehr glaubwürdige Angabe, dass Schmids diesen
Techniker mit sich aus Holland genommen hatte. Das Gesuch lautet:
"Durchlauchtigster Allergnädigster Churf u. Herr. E. Churfl. Durchl. mit
dieser meiner Vnterthänigsten Supplication anzufallen, kan ich keinen umbgang
nehmen, Nach dehm dero Zoll- und Münzverwallter Christoff Melchior mir
berichtet, dass E. Churf. Dchl. gerne einen gutten Hollandischen Schiffs
Zimmer- und Seefahrenden Man Zu Königsperg wohnende, haben, auch eine Fregatte
und andere Krieges Schieffe mit sovil Stucken alss begehret wirdt, erbawen
lassen wollen.
Wann dann Gnädigster Churfürst Vndt Herr dieser Ohrt
also beschaffen, dass Sie selber alle die Zuerbawung solcher Schieffe behörige
Sachen, vor ein geringes haben, und solcher Schieffe Zu defendirung der Pillaw
füglich gebrauchen, auch dafern es nicht Von nöthen, an frömbden Ohrten fahren
lassen, und sich selber bezahlet machen können; Vnd ich wol entschlossen wehre,
mich anhero nacher Königsperg Zubegeben, und Niederzusezen, wofern mir Nurt die
hiesige Burger, als ein frömbder und reformirter dulden wollen, welches aber,
wofern E. Churf Durchl. mir nicht in dehro gnädigste Bestallung nehmen, ohne
sondere wiederwertigkeit, nicht wol wird geschehen können.
Ist derowegen an E. Churfl. Dchl. mein
Unterthänigstes und gehorsambstes bitten, Sie wollen allergnädigst geruhen, mir
Zu dero Diener, alss ein Hollandischer Schieff Zimmerman in bestallung
anzunehmen, damit ich sovil besser alhie geduldet werden möchte, ich begehre
keinen Unterhalt eher Zuhaben, biss dass E. Churfl. Dchl. meine wenige Person kündig
werden, da ich ohne ruhm albereit, nicht allein viel Schieffe erbawet, sondern
auch viel Jahre hero, vor einen Schipper in Brasilien, auch andern frömbden
Insulen und Königreichen Zur See gefahren habe. Hierauff wil ich einer ehisten
gnädigsten resolution in Unterthänigkeit erwarten. Und verbleibe E. Churfl.
Durchl. Vnterthänigster und gehorsambster Lubbert Harmenss" (ohne Datum).
Seine Bestallung als Schiffsbauer erhielt letzterer am 22. Aug. 1653 (aus
Küstrin; Konzept im Geh. Staatsarchiv). Bei dieser Gelegenheit will ich noch
auf einige, den heimischen Schiffsbau betreffende Rescripte des Kurf.
hinweisen: I. (Konzept, dat.: Königsbg. i. P. 9. Oct. 1656) "An den
Oberförster in der Altmarck Wilh. Adam Mörner", betrifft Holzlieferung zu
neuen Schiffen. II. (Konzept, dat.: Königsbg. i. Pr. 12. Mai 1657; unterz. O.
v. Schwerin) "An Herrn D. Tornow. Frd. Wilh. Ch. etc. Wir seindt gndst.
entschlossen, die Schiftfahrth Zwischen der Niederlande (?) undt Habburg durch
erbawung eigener Schiffe befordern und fortsetzen Zu lassen . . ." III.
(Konzept, wie II.) "An den Oberjägermstr. von Hertefeldt. Betrifft
dasselbe und befiehlt Holzlieferungen.
27a. Bildhauer zu Crossen. Weder Namen noch Arbeiten
von ihm habe ich ermitteln können. Er tritt uns lediglich in nachsteh. Kurf.
Rescript entgegen: J. Wilh. Ch. U. G. G. Z. Vester Lieber Getreuwer. Demnach
wir den Bildhauer Zu Crossen, mit welchem wir Vergang. Bey Vnserer anwesenheit
aldar geredet haben, Zu Verfertigung einiger sachen alhier Zu gebrauchen haben,
Alss wollen wir in gnädigstem Befehl hiemit an euch, dass ihr demselben
Vnsertwegen andeutet, sich forderlichstes Tages anhero Zu Verfügen, Vnd bey
Vnserein geh. Cammerdiener Christian Heidekampf sich anzumelden. Darin
geschieht Vnser Zu verlässiger wille. Vnd etc. Geben Cölln a. d. Spr. am 11.
Marty
[217]
1651. An den Vice Verweser Zu Crossen den Von
Troschke etc." Crossen. war bekanntlich Wittwensitz der Kurf.-Mutter.
ad 28 - 31. Medaillen von S. Datler, Joh. Hoehn
(Hoehn jun.), Erasm. Thom. Reuss und Carl Thauer finden sich, soweit sie sich
auf das Kurfl. Haus beziehen, abgebildet und beschrieben in Oelrichs
Churbrandbg. Medaillencabinet. Das Monogr. "h. jun." ist gerade auf
einer älteren Denkmünze von ca. 1640 zu lesen; es scheint also Hoehn jun. und
Joh. Hoehn wirklich eine und dieselbe Person zu sein.
ad 35. Schon auf S. 28 sagten wir, dass Nicolai's
kurze Bemerkung über H. Ruse keine Vorstellung von der Bedeutung dieses
Festungsingenieurs zulasse. Kramm, der ihm in seinem Künstlerlex. (De levens en
werken etc. Amst. 1861. S. 1413) mehr Aufmerksamkeit zuwendet, giebt zum
Schluss das Urtheil eines Fachmanns über Ruse: "Von allen Niederländischen
Ingenieuren vor Kochoorn ist H. R. derjenige gewesen, welcher die gesündesten
Begriffe von Fortification hatte." Eine Publikation von ihm lautet:
"Versterckte Vesting, uitgevonden in velerley voorvallen, en geobserveert
in dese laeste oorlogen, soo in de Vereenigde Nederlanden als in Vranekryck,
Duytsland, Italiën, Dalmatien etc. door Henrick Ruse, Ingenieur en Capitein
over een Compagnie voetknechten der Stad Amsterdam, 1654, by Joan Blaeu
(Amst.). Aus dem Vorwort entnehmen wir, dass er im Jahre 1639, im Alter von 15
Jahren, seine Laufbahn begann, später den Venetianern, unter dem General
Lunardo Foscolo, gegen die Türken 5 Jahre lang diente. Von Venedig kehrte er im
Jahre 1651 nach Amsterdam zurück, wo er so lange in oben erwähnter Stellung
blieb, bis ihn "der Brasilianer" mit sich nach Deutschland nahm
(1658). Kramm, der seine Lebensgeschichte aus einem Bericht des Rijks-Archivaris
de Jonge (Verslagen en Mededeel. van Het. Kon. Instituut, 1843 u. 1845)
entnimmt, weiss von Ruses ehrenvoller deutscher Thätigkeit nichts. Wir werden
daher besonders von dieser Periode des Meisters reden. Bezüglich seines Lebens
haben wir zunächst Folgendes nachzutragen:
Ruse wurde 1625 zu Runen in der Provinz Drenthe
geboren. Aus einem Amst. Trauregister geht hervor, dass er im Jahre 1654 am 2.
Juni Susanna Dubbengiesser aus Stockholm heirathete (Die Notiz publ. Navorscher
VIII. 319, Kramm Anh. S. 131, Oud-Holland 1885, S. 311). Am 24. Juli 1654 ist
Ruse Trauzeuge bei der Vermählung seines Schwagers Aernout Dubbengiesser. Am
27. März 1657 wird ein Kind "von den Capiteyn Hendrik Ruse" begraben.
Wiederholt kommt sein Name in den Notariats Akten dieser Jahre vor. So ertheilt
er am 19. April 1658 dem Kapitän Hans Fransen Boom die Ermächtigung gegen den
Schiffer Hessel Ipes aus Friesland in seinem Namen vorzugehen. Am 22. April
1658 deponirt das Ehepaar ein Testament bei einem Amsterdamer Notar. Ruse wird damals
schon seine Reise ins Ausland vorbereitet haben. Als er seinem oben citirten
Werk, aus Veranlassung eines Angriffs, der ihm durch den Utrechter Ger. Melder
zu Theil wurde, einen Nachtrag hinzufügte, schrieb er darunter "met haest,
in Amsterdam den Xl. July 1658." Diese Eile ist erklärlich, da wir wissen
(vergl. S. 28), dass Moritz von Nassau ihn um jene Zeit mit der Befestigung von
Calcar und Lippstadt beauftragte. Von dem raschen Fortgang dieser
Festungsarbeiten unterrichtet uns ein Schreiben des clevischen Statthalters an
den Kurf. vom 14. Mai 1659 (vergl. S. 27). Am 1. August desselben Jahres
berichtet Moritz: Lippstadt ist in Ordnung, Calcar schreitet vor und wird im
nächsten Sommer fertig. - Ob und in welcher Weise Ruse damals auch an dem Berliner
Festungsbau betheiligt war, geht aus keiner vorbandenen Urkunde hervor.
[218]
Dagegen hören wir, dass er gleichzeitig für den
Herzog Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg die Citadelle in Harburg
anlegte, worauf auch eine Medaille mit seinem Brustbild geschlagen wurde
(1660).
Ueber seinen offiziellen Uebertritt in Churbrand.
Dienste ist oben (S. 28) Alles mitgetheilt (vergl. auch Urkunden und
Aktenstücke z. Gesch. des Kurf. Friedrich Wilhelm. V. 8. 922). Im Jahre 1660
erhielt R. von Moritz 3000 Thlr. als Abzahlung für den ihm in Entreprise
übergebenen Bau der Calcarer Citadelle, die trotz des Widerstrebens der Stände
1667 vollendet wurde. Dieses seit 1680 wieder abgetragene Werk hatte dem Kurf.
enorme Summen gekostet. Die Kosten allein der Bauarbeiten, die etwa dem Werth
von Grund und Boden entsprachen, wurden von Ruse 1657 auf 40000, 1658 auf 64000
und 1661 auf 94000 Thlr. veranschlagt. In der kurfürstlichen Instruction für
den, Statthalter vom 1. September 1662 wird verlangt, dass "insonderheit
auch der Ingenieur Ruse Inhalts mit ihm gemachten Vertrags contentiret . . .
werden möge." Etwas später heisst es: Der Ingenieur Ruse soll mit seiner
diesjährigen Rate bis zum nächsten Jahr warten, oder die Summe in Holland oder
Geldern aufnehmen, möglichst aber abrechnen. Weiter wird in einem Schreiben des
Statthalters an den Kurfürsten (Cleve, 24. April 1663) von 11000 Thlr. zur
Abfindung des p. Ruse gesprochen: "Damit dieser die Festung dies Jahr ganz
fertig liefern möge, wie er denn schuldig ist und solches zu praestiren sich
verobligirt hat." Und schliesslich bemerkt die Instruction für den
Statthalter vom 4./14. Januar 1664 unter No. 7, dass der Ingen. Rase zur
Vollendung der Citadelle in Calcar anzuhalten sei.
In diesem Jahre trat er in die Dienste König Friedrichs
III. von Dänemark, um die Befestigung Kopenhagens zu leiten. Unter dessen
Nachfolger Christian V. wurde er baronosirt (Vryheer van Rusenstein nannte er
sich seitdem), dänischer Generalmajor (1673) und schliesslich
Generallieutenant. Auch andere Ehrenstellen wurden ihm dort zu Theil: Kramin
zählt sie sämmtlich auf. Dieser Autor bemerkt auch, dass R. einer Aufforderung
, seinem Vaterland in schwerer Noth (1672) zu dienen, anscheinend nicht
nachgekommen sei. Einige Jahre später finden wir ihn indess wieder in Holland.
Ob er der "Architeet Rost" ist, welcher in einem Briefe des
Brasilianers an "Mr. de Bentinck" genannt wird (Cleve, den 26. März
1677), muss ich dahin gestellt sein lassen. Dieser Brief, in welchem Moritz die
Reize von Bergenthal bei Cleve schildert und sein letztes Buenretiro als ein
Muster für die Anlagen von Soesdyk und Sorghvliet empfiehlt, lautet: ,J‘ay
mille foys souhaité cette situation à S. Alt. à Sousdyck, il y a des montagnes,
champs, prairies, une belle rivière, et un beau ruisseau, qui ne seiche jamais,
d'ou je sçay bin que vous en serez amoureux. Elle n'a qu'une demie-heure de
tour. Si vous estes curieux, je vous envoyeray la carte. S'il vous plaist de
commander à l'architect Rost (? Ruse), - qu'il me vienne veoir icy un de ces
jours, je luy feray veoir de choses, desquelles S. Alt. s'en pourra servir à
Soesdyck, et vous a Sorghvliet . . ." (aus Groen v. Pinsterer, archives de
la mais. d'Orange-Nassau. Ser. II. 5. (1650-1688). Utrecht 1861). - Ruse starb
am 4. März 1679 auf seinem Landgut zu Sauwerd bei Groningen, im Alter von nur
54 Jahren. Er, seine Mutter und seine Gemahlin "Susanne Baronesse vvn
Rusenstein," liegen in der Kirche jenes Dorfes begraben.
(Vergl. auch folg. Biographien: "Rosendahl,
Henrik Ruse etc. Nykjöbing, 1846. 8° und J. H. F. Jahn, H. Ruse etc.
Kjobenhaven. 1848. 8°).
ad 38. "Jacob Nic. Schmied, Kribbemeister aus
der Altenmarck", so heisst er in einem Schriftstück: Dat. Cüstrin 17. Jan.
1654
[219]
woraus auch hervorgeht, dass er vor dem Datum seiner
Bestallung (Cölln an der Spree 1. Febr. 1654) als "flügell- oder
Kribbenbawmeister" bereits in Kurfl. Diensten stand.
ad 42. Auf S. 83 u. 85 (Nachtrag) bin ich Nicolai's
Angabe gefolgt, indem ich diesen Blesendorf als den Vater von Samuel Bl. und
Konstantin Friedrich Bl. bezeichnete. Nach König verhielt sich aber die
Genealogie nicht so einfach. Ein Goldschmied dieses Namens (Ananias Bl.) wird
sonst nirgends erwähnt. Dagegen ergiebt sich aus den Kirchenbüchern von St.
Marien und St. Nicolai zu Berlin Nachstehendes:
Samuel Blesendorf I., ein Goldschmied
(ehelicht am 24. Febr. 1630 Cathar. Reichard,
Sebastian S.'s Dachgelassene Tochter.
Er stirbt am 20 April 1651.)
Konstant. Friedr. Bl. Theodor
Bl. Ernst Ludwig
Bl.
(getauft 22. Febr. 1674) (getauft 10. Nov. 1675.) (getauft
16.Febr.1679; † 4. April
1680)
Sicherlich sind hier nicht alle Mitglieder der
Familie Bl. genannt. Aber soviel geht schon aus Obigern hervor, dass Konstantin
Friedrich nicht der Bruder des Ingenieurs Joachim Ernst Bl. († 1677; vergl. No.
57) war, sondern einer jüngern Generation angehörte. Dagegen ist nicht
ersichtlich, ob zu dieser jüngern Generation auch der von Nicolai erst zu den
Künstlern König Friedrichs I. gerechnete Samuel Bl. gehört. Denn wäre dieser
also als Samuel Bl. III. zu bezeichnen und als ältester Sohn seines
gleichnamigen Vaters vielleicht im Haag geboren, Das scheint auch den
Thatsachen zu entsprechen, weil besagter Kupferstecher erst im Jahre 1690 seine
Bestallung vom Kurfürsten erhielt und im Jahre 1696 die 17jährige Marie Cathar.
Freers heirathete. Er starb bereits 1699 (nicht 1706, wie Nicolai angiebt), und
sein jüngerer Bruder folgte ihm am 11. März 1700 (nicht 1707) als Hofkünstler.
Dem Ersteren, der einen Sohn Joh. Samuel hinterliess, werden oft die schöneren
Arbeiten Konstantin Friedrichs zugesprochen. Samuel Bl. III. hat sich auch mit
Email-Malerei beschäftigt.
ad 45. Esaias Hepp oder Heppen, Bestallung vom 12.
Febr. 1660
45a. Joannes de Renialme, Kunsthändler in Amst.,
offerirt dem Kurf. wiederholt Kunstwerke, zuletzt eine Sammlung von über 500
Gemälden (19. Aug. 1650). Seinem Schreiben liegt ein genaues Verzeichniss der
Bilder (Notitie eeniger Rare stucken Schildereye) bei: Historien (Rembrandt,
Lastman, F. Floris etc.), Landschaften (v. Balen, Jan Porcellis, J. Brueghel etc.),
Seestücke, Portraits und Kabinetstücke (v. Eyck, Bril, Brueghel, Wouwerman
etc.).
45 b. Dirk van Ryswick. Nicolai erwähnt diesen
Amsterdamer Kunsthandwerker nur in s. Beschrb. von Berlin u. Potsdam und zwar
als den Verfertiger eines mit Perlmutter-Einlagen geschmückten schwarzen
Marmortisches (Inschr.: inv. et fec. Anno 1655) im Potsd. Neuen Palais.
ad 46. König (a. a. O.) citirt über Hamilton, der
wohl zu jener in Brüssel ansässig gewesenen schottischen Künstlerfamilie
Hamilton (S. Kramm a. a. O. S. 686) gehört, drei Urkunden. Die eine betrifft
die Bestallung des Malers (18. Jul. 1661), eine andere (12. Febr. 1663)
betrifft das ihm restirende Kostgeld und die dritte (Jun. 1671) handelt von
seiner Entlassung, die Nicolai demnach zu früh angiebt. Das Staatsarchiv
[220]
enthält folg. Decret auf Hamiltons Suppl. (Cölln 31.
Oct. 1670): Dass "dem Suppl. seine Besoldung annoch biss auf Oster"
continuiret werden solle."
ad 47. Huyberts Bestallung dat.: Cleve, 10. Jul. 1661
(König a. a. O.)
ad 48. Aus den Berliner Kirchenbüchern hat König
Folgendes ermittelt: Jacob von Augsburg "Mahler und Gefreiter bey der
Leibgarde" lässt am 3. Oct. 1652 eine Tochter, am 25. März 1655 einen
Sohn, Christian Sigismund, zu St. Marien taufen; zuletzt wird er "Mahler zu
Hoffe", und im J. 1661 bei seiner zweiten Verheirathung mit Maria Domestin
"churfl. Hofmaler" genannt. 9. Aug. 1662, Decret auf Jacob v. A.'s
Hofmalers Supplic., dass er mit keiner Contribution, noch Einquartirung solle
belegt werden.
ad 49. Die erste Bestallung dieses
"Contrefaiteurs" B. Matthissen dat. schon vom 10. Oct. 1659. Die
Preise, die er für seine Arbeiten vom Kurf. erhalten sollte, wurden auf das
Billigste normirt: Ganze Figur (Lebensgrösse), 20 Thlr., Kniestück 10 Thlr. und
Brustbild nur 5 Thlr. Ausserdem hatte er sich selbst die Farben zu halten,
hatte Reparaturen von Bildern zu machen und event. Unterricht im Zeichnen zu
ertheilen.
ad 50. König nennt diesen Maler, dessen Bestallung
vom 13. Febr. 1666 datirt, Jan Marins, während ihn Kramm als Johannes Marinus
citirt. Nach Pieter Terwesten soll er von Geburt Haager gewesen sein und im J.
1658 ein Historienbild "Hagar u. Ismael" vollendet haben; noch bis
1665 wurde er in der Liste der Confrerie geführt. Dass er noch 1675 in Kurfl.
Diensten stand, beweist ein Rescript an Romswinkel vom 30 Aug. (9. Sept.),
woraus hervorgeht, dass M. vom Kurf. beauftragt wurde, in Holland gekaufte
Gemälde etc. über Amsterdam und Hamburg abzuholen und nach Berlin zu schaffen.
ad 51. Ueber Wolfgrüber vgl. oben S. 78 ff.
51 a. Regalin, Maler zu Königsbg. i. Pr.; malte, nach
König, im J. 1669 "ein Theatrum auff Churfl. Befehl."
51 b. Feltmann. In Königs Collect. finde ich folg.
Notiz: "Der Waldschreiber Joh. Heinr. von Portzen soll dem Hofmaler F. ad
dies vitae jährlich 20 Rthlr. zahlen, 16. April 1666." Es scheint hier der
von mir oben S. 45 erwähnte H. Feltmann (1654) gemeint zu sein.
51 e. Janson, Maler aus Utrecht. So nennt O.v.
Schwerin diesen Portraitisten, der die beiden Prinzen Karl Aemil und Friedrich
am 14. Juni 1666 zu Helstein "in Clein" gemalt hat. Schon oben (S.
29) bemerkte ich, dass dieser Maler vielleicht ein Sohn des berühmten Cornelis
Janszon van Ceulen gewesen sei. In Oudholland 1885 S. 75 lese ich folg. Auszug
aus einem Utrechter Trauregister: 31. Dec. 1672. Jan Jansz. van Ceulen,
schilder out 22 J., ouders doot, geassist. etc., en Annetje Roeloffs, van
Amsterd., wedu. v. Pieter Pardou." Ob dieser im Erzieh. Journal der
Prinzen gemeint ist? Uebrigens lebte auch in Königsberg damals ein gewisser Wilhelm
Janssen, "Conterfey Maler u. Bürger in der Altenstadt," der einmal
(nach König a. a. O.) angiebt, dass er sich in jener Stadt schon ziemliche Zeit
aufhalte und vielbegehrt sei. War er vielleicht der Lehrer der beiden Prinzen
in Königsberg (vgl. oben S. 83)?
ad 52. Die Litteratur über B. Eggers ist folgende:
Ueber seine holländischen Bildwerke vgl. Galland (a. a. O.) S. 358 und 421. Die
auf seine Berliner Thätigkeit bezüglichen Urkunden sind von mir in der
Kunstchronik (Leipzig 1890 No. 6) zuerst veröffentlicht worden; seine jetzt im
Weissen Saale des Berliner Schlosses befindlichen Sculpturen habe ich oben (S.
163 ff.) ausführlich gewürdigt. Dass Eggers 1687/88 in Berlin an-
[221]
wesend war, ist erwiesen (vgl. unten ad 101); dass er
bald nach seiner Rückkehr in Amsterdam verstorben ist, dürfte annehmbar sein,
denn seine zittrige Namensschrift unter dem Kontract von 1688 ist die eines
Kranken oder Altersschwachen. Die oben erwähnte Notiz bei König (a. a, O.)
lautet wörtlich: "1692. 23. April. Ordre an Kuffelaar nach Amsterdam,
mittitur authorisatio aus des verstorbenen Bildhawers Eggers Nachlassenschaft
einige Modelle von Verfertigten churfürstl. Statuen abzufordern". Die
Geburt des Künstlers dürfte um 1620 anzunehmen sein. Das Herbeischaffen des
Steinmaterials für den Alabastersaal hatte eine ganze Reilie von Verordnungen
zur Folge (Januar bis Mai 1682): 1. Verfügung an die Magdeburg. Kammer (10.
Jan. 1682); 2. do. an David Reyger (10. Jan. 1682); 3. do. an D. Reyger,
Oberamtmann zu Potsdam (31. Jan. 1682); 4. do. an den Amtmann zu Wolmirstedt
(18. Febr. 1682). Aus diesen Verfügungen geht hervor, dass Massen von Marmor
und Alabaster bei Wolmirstadt a. d. Elbe lagerten, und dass man deren Transport
nach Berlin vorbereitete. 5. F. Wilh. Ch. Demnach Unser Halberstädt.
Regierungsrath Heldbergk auff unsern befehl einige Hartzer Marmel und
Alabastersteine brechen und anhero lieffern lassen, und desshalb einen
Vorschuss von 3000 Rthl. angiebet, alss committiren Wir Euch hiermit in gnaden,
Wegen solches, angegebenen Vorschusses von ihme richtige berechnung Zu fordern,
und Zu vernehmen, wie Viel Er an stein geliefert. und was Er noch Zu liefern
habe, und Uns davon forderlichst Zuberichten. Potztam, 24. May 1682. An die
Ambts-Räthe Warniken und Lindtholtzen." Wie Abr. Bredius Herrn Dr. P.
Seidel in Berlin mittheilte (Jahrbuch d. K. Pr. Kunstsgn. 1890), hatte Eggers
im J. 1673 für den Kurf. vier Kindlein von Bentheimer Stein und ein Jahr darauf
noch 8 Kindlein, ebenfalls aus Sandstein, sowie 12 Kaiserbildnisse von gutem
Marmor gearbeitet. Da für die Kaiserbilder per Stück nur 95 Rthlr. und für die
Kindlein zusammen 160 Thlr. gezahlt wurden, so begreife ich nicht, wie die
Summe von 3250 Gulden herauskommen soll. Auf die ersteren Skulpturen scheint
sich folg. Notiz im Ausgabebuch der Kurfl. Kunstkammer (Manuscr. d. Kgl. Bibl.
zu Berlin) zu beziehen: "den 4. July 1689. Zwölff Röm. Kayser (und ein
Alabaster Kindlein) aus Sr. Exe. des Herrn Geh. Estat Rath Von Danckelmanns
Hauss, in die Kunst Cammer tragen Zu
lassen . . . 6 Gr." (vgl. auch d. Abbg. d. Kunstkammer bei Beger, Thesaur. Brandbg.
1695). Nach Bredius hätte Eggers am 28. Jan. 1682, durch Vermittlung des M. M.
Schmidt, den Auftrag erhalten, noch 12 röm. Kaiserinnen, ferner eine Pallas,
auf einer Vase stehend, mit 4 Delphinen aus italien. Marmor für den Kurf. zu
meisseln; über diese Arbeiten wurde 1685 prozessirt. Was die Kaiser- und
Kaiserinnenbüsten betrifft, so glaube ich wohl, dass sie heute vorn im Park des
Charlottenburger Schlosses stehen und dass sie, dieselben sind, welche Gurlitt,
auf Nicolai gestützt, (a. a. O. S. 16) für Werke des Danziger Bildhauers Caspar
Günther hält. In jedem Falle aber befindet sich Eggers Pallas z. Zt. in jenem
Park, in der Nähe genannter Büsten. Die Marmorfigur ist, nach ihrer
Zertrümmerung, in
jüngster Zeit restaurirt worden, Kopf und Arme mit
dem Speer sind vollständig erneuert worden; auch ist sie, nach Beseitigung der
Vase und der 4 Delphine, keine Brunnenfigur mehr. Sie steht jetzt vielmehr auf
einem schlichten Postamente. Aber trotz alledem erkennt man sofort, dass das
qanze ursprünglich nichts weiter war als eine für Eggers gr öberen Formensuin
eigenthümliche Kopie der Minerva des A. Quellinus zu Kleve.
ad 68. Lm Staatsarchiv liegt das Konzept des
Kontractes der wegen Anfertigung von 12 Römischen Kaiserbüsten und einiger
Kammine am
[222]
22. Januar 1663 mit dem Danziger Bildhauer
geschlossen wurde. Der Kurfürst weilte zu jener Zeit in Königsber i.Pr. Nach §
3 der Vereinbarung hatte der Künstler die Skulpturen wohlverpackt von Danzig
nach Berlin zu verschicken.
ad 54. Nicolais Bemerkung, dass Sitte auch in Holz
gearbeitet hätte, wurde offenbar durch folg. Kurf. Verfügung (Cölln an der
Spree 6./16. November 1673) veranlasst: S. Churf. Durchl. Zu Brandenburg etc.
befehlen Dero Oberjäger Meister den Von Oppen hiemit in gnaden, dass Er Dero
Bildhawer Artus einen guthen fichtenbaum, so wie Er denselben begehren wird,
anweisen und abfolgen lassen solle." Wir haben diesen Artus schon an
anderer Stelle (vergl. oben S. 176 ) als den fragwürdigen "Berliner
Quellinus" bezeichnet, dem man das von Sparrsche mächtige Grabrelief im
Chor von Marien zu Berlin zuschreibt. Dass dieses Relief schon 1663 vollendet
war, geht aus folg. Stelle des Erziehungs-Journals (a. a. O.) hervor: "Den
21. (Juli 1663) ist gegen 11 Uhr der Feldmarschall Sparr Zu Vns gekommen, mit
welchem der Prinz (Karl Aeinil) geredet, undt ist derselbe auch zur Tafel
geblieben. Nach dem Essen zur Prinzess Catharina gegangen, umb 2 Uhr
geschrieben, bis 4 studiret. Dann seind wir Zusammen nach der Marien Kirche
gefahren undt haben des Feldmarschalls Sparr neuerbautes Begräbniss undt
Epitaphium von Marmor besehen."
ad 56. C. Gurlitt nennt Chieze einen Wallonen; ohne
seine Quelle zu kennen, habe ich eine ähnliche Vermuthung gehabt, als ich dem
Namen "de Chieze" wiederholt im Tagebuch des Huygens begegnete (z. B.
6. Oct. 1661). Der Meister gehörte also wohl zu dem Bekanntenkreis des
"Brasilianers" und des Pieter Post. Auch entnehmen wir aus einem
Schreiben des Freiherrn von Spaen (Cleve, den 12. August 1671; vergl. unten
65a), dass dieser mit Chieze von Cleve nach Amsterdam reiste, um dort eine dem
Kurf. offerirte Kunstsammlung in Augenschein zu nehmen; dieser Brief lautet am
Schluss: "Wie es mit der fortificationsarbeit Zur Lippstadt, ingleichen
mit der Vestung Calckar stehet, davon wird der Generalquartiermeister Chieze
unterthänigst ausführlich berichten."
ad 57. Die Frage, in welchem verwandtschaftlichen
Verhältniss dieser Ingenieur zu den beiden oben erwähnten Kupferstechern stand,
wird durch König nicht beantwortet. Dass er ein Sohn des Ananias Bl. gewesen,
versichert wenigstens Nicolai. Doch lebte in Berlin auch ein Caspar Bl., der
nach dem Kirchenbuch von St. Nicolai am 30. November 1637 einen Sohn Andreas
und am 28. März 1839 einen Sohn Christian taufen liess. Den Namen "Maria
Elisabeth Blesendorffin, Wittib" las ich unter einem 1686 aus Hamburg an
den Kurf. gerichteten Bittgesuch. Ist das die Wittwe des Ingenieurs oder die
Schwester von Samuel und Konstantin Friedrich, die, einem damaligen Brauche
entsprechend, den väterlichen Namen beibehalten hatte ?
58a. Caspar Schröter, Landmesser und Baumeister.
Seine Bestallung in ersterer Eigenschaft (Cölln a. d. Spr. d. 9. Juli 1664)
erhält (r "wegen seiner erlangten experientz sowohl in studio Geometrico
alss auch Mathematischen undt sonst allerhand Mechanischen Künsten."
Rescript von 4./14. Juli 1666, nach König (a. a. O.): "Der neu angenommene
Bau Meister Caspar Schröter soll bey seinem Dienst gebührend geschützt werden,
des alten Bau Meisters hierauss expectirter Sohn aber soll sich in dieser Kunst
zu seiner künfftigen Beförderung noch besser qualificirt werden."
58b. Christian Neubaur, Landmesser, erhält den
Auftrag (6. Mai 1667.) Ländereien in den Aemtern Zehdenick und Liebenwalde
[223]
aufzumessen. Seine Bestallung als kurfürstlicher
Landmesser datirt in Konzept (Geh, Staatsarchiv): Cölln a. d. Spr. 8. Juli
1667.
61a Mahrenholtz, Kurf. Rath und Agent in Regensburg.
Er war beauftragt, dort nach Kunstwerken und Raritäten zu forschen und sofort
nach Hofe zu berichten. Einen Theil dieser höchst interessanten Korrespondenz
findet man im Geh. Staatsarchiv: 1. Der Kurf. an M. (Königsberg 3. April 1663);
er dankt für dessen Bemühung und befiehlt den Kauf einzelner der ihm
empfohlenen Objecte. 2. M. berichtet von Neuem (Regensburg 23. Mai, 1. Juni
1663) über Kunstwerke. 3. Der Kurfürst an M. in gleicher Sache (Königsberg
8./18. Juni 1663).
ad 62. Dieser Maler ist ein Bekannter aus dem Haag,
wo er nachweislich wenigstens Mitglied der Malergenossenschaft war. Hinsichtlich
seiner Berufung nach Berlin ist folg. Schreiben des Kurf., an den Obersten
Weesen im Haag, von Interesse (Konzept im Staatsarchiv): "Weil in unserer
Vielgeliebten Gemahlin Lbd. heute der neu angenommene Hoffmahler Willeney Zum
fügligsten anitzo anherokommen kan, Alss befehlen wir Euch hiemit gnädigst, Ihr
wollet Denselben, wan Er Sich in dem Hage bey Euch angeben wirdt, neben seiner
familie mitnehmen, auch die Vorsehung thuen, damit Er mit pferden und wagen,
wie auch logirung, futter und mahl unterwegens biss anhero versorget werde.
Geben etc. Cöln a. d. Spree, den 5. Marty 1667. An Monsr. Weesen." Der
Name des Künstlers kommt noch einige Male in den Berliner Urkunden vor. Auf
seine Beschwerde, dass ihm an ¾ jährl. Besoldung noch 450 Thlr. restiren,
befiehlt der Kurf. dem Rath Heidekampf genannte Summe allmählig abzuzahlen
(Potsdam 28. Aug. 1673). Ein gleicher Befehl kommt später den "Erben des
Oberzolldirectors Heyderkampf" aus dem "Haubt Kwartier zu
Perleberg" (28. Juni 1675). Ferner verfügt der Kurf. auf ein Bittgesuch
der "Maria te Harms, Niclas Willings hinterl. Wittwe," dass "der
Supplicantin über die Vorher erhaltene assignation annoch 100 Thlr. Zuzahlen
und stehet ihr frey ihren Sohn die Mahlerkunst lernen zu lassen, wo Sie vermeint,
dass er solche am besten lernen könne. Cölln 28. Februar 1682." Endlich:
(Cölln 3. April 1682) Befehl, der Suppl. Willings Wittwe, die restirende
Besoldung ihres verstorb. Gatten (150 Thlr.) auszuzahlen.
ad 63. Ueber Th. v. Thulden, der nach Woermann (a. a.
O.), im Jahre, 1606 zu Herzogenbusch geboren wurde, brauche ich hier nichts
Näheres mitzutheilen und verweise mir auf obigen Autors Geschichte der Malerei
III S. 461 und auf Kramm S. 1626-1628. Woermann nimmt übrigens das Todesjahr
des Meisters wohl zehn Jahr zu früh an, da Th. noch in der letzten Zeit des
Grossen Kurfürsten für das Potsdamer Schloss jene allegor. Darstellung mit
Bezug auf den Frieden von St. Germain (1679) geschaffen hat. Thatsächlich liest
man in ältern Büchern auch 1686 als Todesjahr. Die persönlichen Beziehungen des
Meisters zu Friedr. Wilhelm, auf die Letzterer einmal mit Nachdruck hingewiesen
hat (vergl. oben S. 81), reichen sicherlich bis auf das Jahr 1648 zurück, als
van Thulden hervorragende Wandgemälde im "Haus und Busch" schuf.
ad 64. Auch Kramm nennt ihn einen Haarlemer Maler,
während neuerdings (Archief v. Nev-Kunstgesch. V. S. 140) seine Zugehörigkeit
zur Haager Malergilde (1661) nachgewiesen wurde. Willem Frederik van Royen war
Stilllebenmaler, und der Kurfürst beauftragte ihn, wie zahlreiche Proben seines
Pinsels veranschaulichen, gern damit, Blumen und Früchte mit eigenthümlichen
oder abnormen Bildungen darzustellen. Am 2. März 1689 erneuerte Friedrich III.
seine Bestallung als Hofmaler und am 9. Juni 1708 wird er Direktor der Berliner
Akademie der Künste.
[224]
64a. Pieter Nason, der von 1639-1680 im Haag blühte
und von dem wohl auch ein sehr umfangreiches herrliches Doppelportrait des
Kurfürsten und der Kurfürstin Louise Henriette herrührt, ist von ältern Autoren
nahezu todtgeschwiegen worden; nur Campo Weyermann gedenkt seiner flüchtig.
Erst Kramm hat die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt. Ueber seine
kunstgeschichtliche Stellung vergl. oben S. 133.
64b. Johannes Mytens, der ebenfalls im Haag (von 1656
bis 1687) blühte, hat ein Portrait der ganzen Kurf. Familie gemalt.
ad 65. Auch Fromantiou (so hat er selbst seinen Namen
geschrieben) war vorzugsweise Stilllebenmaler. Statt Nymeyen, wird jetzt
Mastricht als sein Geburtsort (geb. 1633/4) angegeben. Er war Schwiegersohn des
berühmten Ph. Wouwerman. Seine Berufung als Hofmaler des Kurf. datirt vom 20
Oct. 1670 Welches Gewicht Frd. Wilhelm auf sein Urtheil legte, geht am besten
aus dem unten mitgetheilten Prozess gegen den Amsterd. Kunsthändler Eylenburg
hervor. Das Staatsarchiv enthält folg. Urkunden über ihn: 1. Decret (Potsdam
9./19. Dez. 1679), dem Hofmaler F. wegen reparirter Malereien 150 Thlr. zu
zahlen. 2. Nachdem zu ihm am 12. März 1681 Friedrich Christian Nuglisch (gegen
100 Thl. jährlich) auf 3 Jahre in die Lehre geschickt wurde, wird ihm am 25.
Oct. 1681 der Leibmohr der Kurfürstin, Friedrich de Coussy, als Schüler (gegen
"jährlich 100 Thlr. und speisungsgeld") überwiesen. 3. Kurf.
Schreiben an "Printz Robert in Engelland" (Cölln, 22. März 1682):
"Demnach gegenwärtiger Vnser Hoffmahler Froinenteau nachher Engelland
reiset umb bey der bevorstehenden auction der Von dem Verstorbenen Kgl. Mahler
(nemlich Sir P. Lely, der 1691 am Schlage starb, während er die Herzogin von
Somerset malte) Verlassenen stücke sich ein Zufinden, so haben wir denselben
Ew. Lbd. dahin recommendiren wollen, damit Er
sich auff alle fälle Ew. Lbd. protection Versichert
halthen Könnthe." 4. Befehl an Heidekampf, dem F. das restirende Lehrgeld
für Nuglisch zu zahlen (Potsdam, 28. Apr. 1683). 5. (Konzept, Potsd. 13. Jun.
1684): Fr. soll 50 Thlr. als Entschädigung für s. Reise nach Danzig gezahlt
werden. 6. Decret, auf Fr. "pretendirte Baukosten" (Cölln, 19. Jun.
1690): Er soll sie erst "verificiren", dann würde weiter verordnet
werden. Nach König (a. a. O.) starb Fr. im J. 1694 in Berlin und hinterliess 3
Söhne, Philipp, Arnold und Antonius.
65a. Gerard Uylenborch, Maler und Kunsthändler in
Amsterdam. Er offerirte dem Kurfürsten eine Sammlung von italienischen und
niederländischen Gemählen und Statuen. Dieselbe wurde zuerst von de Chieze und
dem Freiherrn von Spaen an Ort und Stelle besichtigt und unter Vorbehalt
gekauft" worauf eine, grössere Anzahlung an Eylenborch erfolgte. Nachdem
die Bilder aber in der Mark eingetroffen waren, gab der kurf. Sachverständige
Fromantiou sein Urtheil dahin ab, dass die italienischen Stücke nicht
Originale, sondern lediglich Kopieen seien. Darauf folgte die Rückgabe der
ganzen Sammlung an den Amsterdamer Händler und eine Reihe verdriesslicher
Massnahmen Seitens beider Parteien. Das Staatsarchiv besitzt nicht alle
Schriftstücke, die den "Fall Uylenburg" illustriren; soweit sie dort
vorhanden, gebe ich sie nachstehend verkürzt oder nur darüber referirend. 1.
Freiherr von Spaen an den Kurf. Schreiben, datirt Cleve den 12. August 1671.
Ew. Churfl. Durchl. berichte ich hiermit unterthänigst, dass ich mit dem
General Quartiermeister Chieze vor ein Zwölff tagen Zu Ambsterdam gewesen,
daselbsten die Gemählte und Statuen Zubesichtigen, bey dem Kauffmann Uylenburg
. . . . Ich habe darauff gemelte Gemählte und Statuen, wie beyliegende
Specification Zeiget,
[225]
auff solche Conditon gekaufft, dass dafern ein oder
Ander stück darunter were, welches Ew. Churfl. Durchl. nicht gnädigst gefiele,
Deroselben frey stehen solte, Dasselbige aus Zuschüssen und Zurück Zu
geben..." 2. Kurf. Empfangsbestätigung. Das Schreiben (Potsdam d. 5./15.
September 1671) zeigt O. v. Schwerins, markige Handschrift (Konzept). 3. Der
Kurfürst übersendet v. Spaen eine Anweisung zu folg. Geldsumme (Potsdam d. 21.
September 1671): Für Uylenburg 2771 Thlr., dessgl. Vor einen Bluhmentopff vor
Joffr. Maria van Osterwyck 126 Thlr.," für de Chiezes Reise und Zehrung 75
Thlr. 36 Gr., In Sa. 2972 Thlr. 36 Gr, Diese Summe hat er sich "aus den
ietzt lauffenden Jahres Cassageldern gegen Quitung bezahlen zu lassen." 4.
Brief v. Spaens an den Kurf. (Cleve 11. November 1671). Meldung des Betrugs
Uylenborchs, dem bereits 2000 Thlr. angezahlt worden seien. 5.
"Burgemeesteren ende Regeerders der Stad Amsterdamme" senden (wohl
auf Uylenborchs Veranlassung) dem Kurf. ein ehrenvolles amtliches Zeugniss von
der Unbescholtenheit des schwerbeschuldigten Malers und Händlers (Amst. 6. Jan.
1672). 6. Sehr ausführl. holländisches Schreiben Uylenborchs an den Kurfürsten
(Amsterdam ohne Datum); er beschwert sich über Fromantiou und fordert den
Kläger zu einer Reise nach Amsterdam auf (2 Exemplare, Original und Abschrift
für Fromantiou). 7. Rescript des Kurfürsten an Fromantiou (Datum Cölln a. d.
Spree 12. Jan. 1672). Friedrich Wilhelm Churfürst. U. G. G. Z. Lieber getreuer.
Du wirst aus beyliegender Supplication ersehen, wie höchlich Gerit Uylenborch,
Schilder und Kaufmann in Schildereyen Zu Amsterdam sich über Dich beschweret,
dass Du vorgeben dörfte, dass die Schildereyen, die er Uns vor Originalien
verkaufft, nur Copien seyn solten. Weil wir Vns nun erinnern, dass Du solches
beständig asseriret hast, so ist nicht mehr dan billig, dass Du solches
beweisest. Dahero nötig seyn wird, dass Du auf einen gewissen Tag, welchen Du
bestimmen und dem Supplicanten benennen wirst, dich nacher Amsterdam begebest,
und aldar Vor einige in der Mahlerkunst erfahrenen Meistern Klärlich Darthust
und beweisest, dass Die Vns Von dem Supplicanten Verkaufften stücke keine Wahre
Originalien sondern nur nachgemachte Copien seyn . . . . An H. Fromento Kunst
Mahler." 8. (Konzept) Decret auf G. Uyl. v. Amst. Supplic. (Cölln 25. Jan.
1672) an "Henry Fromenteau". Binnen 3 Tagen soll er Supplicanten
mittheilen, wenn er sich in Amsterd. persönlich stellen werde. 9. (Konzept) Decret
auf "Henry Fromenteau Supplic" (Cölln 31. Jan. 1672); Fr. soll die
Kunstwerke gut verpackt und versiegelt per Schiff mit sich nach Amsterdam
nehmen. 10. (Konzept) Decret auf des Malers G. Uyl. Suplic. an den Freiherrn
von Spaen in Cleve (Cölln, 17. Febr. 1672). Ordre und Instruction, wie sich v.
Spaen mit der Restzahlung an den Supplicanten zu verhalten habe. 11.
Verhandlungs-Protokoll des Amst. Notars Adrian Lock. Betrifft den Verhör der
anscheinend von Fromantiou vorgeschlagenen Zeugen und Sachverständigen:
Amsterdam den 12. Mai 1672. Dabei liegt eine amtliche Beglaubigung von Seiten
der Bürgermeister und Regenten d. Stadt Amsterdam. Das Protokoll liegt vor im
Holl. Original und in Deutscher Uebsetzung. Folgende Zeugen sind geladen
worden: Willem van Aelst, Jan Wynants, Jan Andr. Lievens, Melchior de
Hondecoeter, Adam Pynacker, Barth. Appelman, Wilhelm Kalff, Hendrik v. Someren,
Otto Marseus, Berndt Graut, Mattheu Vellekum, Roeland Roghman, Daniel
Wolffaert, Jacob Vennekol, Lambert Doemer, Gerard Leraisse, Jan Wils. Alle in
Amsterdam wohnhaft. Sie sagen aus, dass sie 12 Italienische Gemälde, angeblich
von Michelangelo, Giorgone, Tizian, Palma.Vecchio, Raphael
[226]
u. a. geprüft hätten und diese Bilder für schlecht
erklären müssen. Dieses Urtheil scheint dem Kurfürsten per Express zugegangen
zu sein, denn 10 Tage darauf handelt er dementsprechend. 12. Kabinets-Ordre und
Kurf. Rescript (Cölln, 22. Mai 1672): "Befehl an Fermento den Mahler, dass
Er die schildereyen an Eulenburg geben undt sich so fort wiederum Nacher anhero,
Potstam, verfügen soll." Inzwischen hatten aber die Verhandlungen in
Amsterdam ihren Fortgang genommen. 13. Verhör vor dem Notar: (wie oben) Zwei
Schriftstücke (Holl. Original und Abschrift). "Wir Unterzeichnete, Maler
in Amsterdam erklären hiermit, dass wir am 14. Mai 1672 in der Herberge zur
Kaiserskrone in der Kalverstr. gewesen und dort einige Gemälde geprüft haben .
. . Philips de Momper, Wilhelm Stryker, Dirk Ferreris, Pieterse Niedeck,
Lodewyck van Leidick, Abr. Begyne, Hermanus Collenius, Pieter Codde, Christian
Striep und David Eversdyck." Sie sagen sämmtlich günstig für Uyl. aus.
Amtliche Beglaubigung wie oben. 14. Protokoll und amtliche Beglaubigung vom 21.
Mai 1672 wie bei 11. und 13. Zwei Schriftstücke vorhanden (Holl. Original und
Deutsche Uebersetzung). "Heute den 17. May 1672 erschienen vor mir, Adrian
Lock, Notar etc. zu Ambsterdam wohnhafft, Folgende Zeugen: Dirck Sandvort, Jan
Blom, Walerant Vaillant, Anton de Grebber, Gerbrandt van den Eckhout, Johan
Lingelbach, Abraham van den Tempel, Adrian Backer und Philip de Koninck,
Allesamt Kunstmahler und wohnhaft in dieser Stadt . . ." Die Aussagen auch
dieser anscheinend von Uyl. vorgeschlagenen Sachverständigen lauteten durchweg
günstig, wenn sich auch einige der Zeugen, durch gewisse Einschränkung ihres
Lobes, zu salviren suchten. Damit waren die Amsterd. Verhandlungen, in welche
die Blüthe der damaligen dortigen Künstlerschaft hineingezogen wurde, beendet.
Der Kurfürst scheint aber auf die Reinwaschung seines Bilderlieferanten Uyl.
durch dessen Freunde und Gönner nicht weiter reagirt zu haben. Wie die böse
Sache ferner verlief und endete, können wir aus den Berliner Akten, welche
offenbar nicht Alles enthalten, was von den beiden Parteien veranlasst wurde,
leider nicht entnehmen. 15. Rescript des Kurfürsten an den Clev. Vieckanzler
Rombswinkel (Potsdam, 5. Mai 1674). Hieraus erfahren wir, dass der Kurfürst z.
Zt. blos ein auf 180 Thlr. taxirtes Bild von Spagnoletto für sich
zurückbehalten hatte; das Uebrige wurde Uyl. zur Verfügung gestellt, also doch
wohl nicht ausgehändigt. Und Uyl., der den Haupttheil der Kaufsumme, nemlich
2000 Thlr., noch besass, liess die Sache einfach hängen. Nun erhielt
Rombswinkel den Auftrag, von "Uylenborgh Zu vernehmen, was eigentlich
seine meinung, und ihn zur herausgebung des übrigen Geldes anzuermahnen."
Nur anzuermahnen! Man sieht, der Kurfürst nahm den Schaden mit grosser Würde
hin. Wir Modernen glauben natürlich ebenfalls nicht an die vielen echten
Raphael, Michelangelo, Tizian, Giorgione und Palma Vechio.
65 b. Lüderitzer, Kaufmann in Leipzig. Decret
(Potsdam 28. Dezember 1676): L. "vor Vier schildereyen, welche S. Ch. D.
von ihm erkaufet, 400 Thlr. ausszuzahlen."
66. De Vries in Oudholland 1885 veröffentlicht, aus
einem Amst. Trauregister, dass am "12. Maart 1660 Ottmar Ellinger, van
Coppenhagen, Contrefyter, out 26 j., de vader in Noorwegen . . . en Teuntje van
Walseappel. van Dordrecht, out 27 j." getraut wurden; in letzterer
vermuthet de Vries eine Schwester des Blumen- und Fruchtmalers Walseapelle. Auch
E. cultivirte in Berlin hauptsächlich das Genre des Stilllebens.
ad 69. Folgendes Rescript ist dem Geh. Staatsarchiv
entlehnt:
[227]
"S. Churfl. Durchl. zu Brandenbg. etc. befehlen
dero Oberschenken dem von Börstel hiermit in gnaden, die Zwischen den beiden
Mahlern Vaillant und Baratta entstandenen differentien zu untersuchen, solche
in der güte bey zu legen und sie Zu vergleichen sich Zu bemühen, in Entstehung
der güte aber unterthänigst bericht abzustatten. Cölln a. d. Spr. den 31. Dec.
1673." Für seine Reise nach Hannover empfängt er (20 März 1682) eine
Vergütigung von 50 Thlrn. Houbraken spricht auch von einer Reise nach Wien und
von einer gold. Medaille, die ihm dort für ein vom Kurf. bestelltes kaiserl.
Portrait verliehen wurde. Seine Bestallung als Hofmaler wird unter dem
Thronfolger des Gr. Kurf. am 30 März 1689 erneuert, und nach s. Tode (1691)
beruft sich seine Gattin Adriana Ryckwaert in einem Gnadengesuch an Friedrich
III. auf die 18jährigen treuen Dienste Vaillants und auf ihre drei unerzogenen
Kinder. Der Kurf. gewährt ihr am 12. Aug. 1691 die Besoldung ihres Gatten noch
für das laufende und das folgende Quartal. Sie heirathet später von neuem, und
einer ihrer Söhne von Vaillant tritt bei A. Terwesten als Maler in die Lehre.
ad 70. Die betreff. Urkunde im Staatsarchiv, welche
du Verdlon's Erwähnung thut, dat. Potsdam d. 20 Febr. 1674.
ad. 71. Nur wenig ist hinzuzufügen. Auf Befehl des
Kurf. hatte sich Sam. T. Guericke bei ihm in der Malerei vervollkommnet, wofür
er 80 Thlr. Lehrgeld empfing; die Lehrzeit dauerte von April 1687 bis April
1688. Kurf. Friedrich III. befahl Romandon am 7/17. Juni 1689 dem Emailmaler
Eppenhof, der ein Bildniss der Kurfürstin ausführen sollte, ein von ihm
gefertigtes Originalportrait zur Verfügung zu stellen. Guericke wurde im J.
1698 Hofmaler
ad 72. In den Urkunden wird er einmal
"Clerequin" genannt. Ein Kurf. Decret (Potsd. 14. Jun. 1680) lautet:
"Weil S. Ch. D. Adam Clerck etc. in Dero Diensten continuiret wissen
wollen," so sollen "Ihm nicht allein die restir. Quartale, sondern
auch das Current, gemäss der Bestallung" ausgezahlt werden. Und ein Jahr
darauf wird ihm vom Kurf. befohlen (Potsd., 31. Jan. 1681), seine project.
Reise nach Cassel nicht eher anzutreten, als bis er dessen Portrait, das nach
Frankreich gesandt werden solle, vollendet habe.
72a. Jan de Baen, Portraitmaler, dem Houbraken (Gr.
Schouburgh, deutsch v. Wurzbach 1880 S. 280 ff.) viel Aufmerksamkeit schenkt,
wurde am 23. Jul. 1676 im Haag das Praedicat, eines Churbrandbg. Hofmalers
verliehen, nachdem ihn der Kurf. dort aufgesucht, um ein Bildniss der
Kurfürstin zu bestellen. Jener Autor will uns glauben machen, der Künstler
hätte einen mit 6000 G. verbundenen Ruf nach Berlin abgewiesen und das aus
Rücksicht auf die Bescheidenheit seiner Gattin. Dafür hätte er aber seinen
besten Sehüler Jan van Sweel, der mit 2000 G. zufrieden war, dem Kurf.
empfohlen. De Baen soll zu Haarlem am 22. Febr. 1633 als Sohn eines
Flachshändlers geb. sein.
ad 74. Zur Lebensgeschichte dieses mittelmässigen
Kupferstechers, dessen kritische Würdigung bei König (Collect.) eingehend und
zutreffend ist, muss bemerkt werden, dass Joh. Gottfr. Bartsch seine Bestallung
als kurf. Kupferstecher bereits im Nov. 1665 erhielt. Schon als der Kurf. seine
mathemat. Illustr. eines Werkes des Baulehrers N. Goldmann gesehen, beschloss
er, B. anzustellen (24. Juli 1665): "So seind auch S. Churfl. Durchl.
nicht ungeneigt, den Kupferstecher Gottfried Bartz in Dienst zu nehmen."
B. wurde "an de Chieze verwiesen, der ihm befehlen sollte" (König),
und empfing 200 Thlr. Gehalt u. 100 Thlr. Kostgeld. Säter (1674) wurde ihm
durch, ein Privileg noch besonden geatattet, mit Kupfer-
[228]
stichen zu handeln; auch erhielt er zu seiner
Besoldung noch jährlich "drey Huffen Holtz" geliefert. Als er 1686
(nicht 1684) aus d. kurfl. Dienst trat, soll er, Dank seiner künstler.
Fruchtbarkeit, ein Vermögen besessen haben. Ferner soll er noch 1694 zu
Königsberg i. P. gelebt haben. Weiteres über ihn ergiebt in Berlin das
Kirchenbuch von St. Nicolai. Hier fand am 21. Febr. 1670 seine Eheschliessung
mit Anna Margarethe Schönmann (geb. 29. Febr. 1652), nachgelassenen Tochter des
HofschlosserMeisters Sigismund Schönmann statt; die Gattin starb schon ein Jahr
darauf, in Folge der Geburt eines Sohnes Joh. Michael. Am 2. Febr. 1676 wurde
ebendaselbst sein Sohn Gottfried aus 2. Ehe mit Anna Hühner getauft. Bezüglich
der Werke B.'s verweise ich auf die Angaben bei Nagler, Heineken, le Blaue u.
s. w. In J. Meyers Künstl. Lex. III S. 78 heisst es: "Er stach 25 Platten
nach Gemälden der kurfl. Gal. in Berlin, ausserdem namentlich Portraits."
Im Ganzen werden dort ca. 42 Bl. namhaft gemacht. Weit ausgiebiger sind Königs
Collect.
ad 75. Ueber Giovanni Maria Baratta notire ich C.
Gurlitt's Urtheil, der ihn den ersten bedeutenden Ankömmling in Berlin nennt
und hinzufügt: "Dieser B. ist vielleicht derselbe, welcher in Rom unter
Algardi gearbeitet." Ebenso ungewiss ist Gurlitt, ob Franz Baratta (ad
98), der seinem Bruder in Berlin folgte, identisch mit dem gleichnamigen
römischen Meister ist; alsdann wäre er jenem überlegen. Auch in Dresden
entfaltete Franz Baratta (um 1680) eine reiche Thätigkeit.
ad 76. Michael Döbeler, der in den Urkunden auch
Döbel genannt wird, ist nicht mit dem nur unter König Friedrich I. thätigen
Hofbildh. Und Landbaumstr. Joh.Christoph Döbel († 1713) zu verwechseln. Sein
gleichnamiger Vater war Architect und Bildh. zu Königsberg i. Pr., seine Mutter
hiess Eva D. Unser Künstler wurde am 25. Oct. 1635 zu Schweinitz in Schlesien
geboren; Kurf. Frd, Wihelin liess ihn 3 Jahre lang in Holland, Frankreich und
Italien reisen, von wo er sich sogar nach Sicilien, Malta und Egypten begab, um
ein halbes Jahr lang in Alexandrien baukünstlerische Studien obzuliegen. Nach
s. Rückkehr machte ihn der Kurf. zu seinem Bildh. u. Landbaumstr., in welcher
Stellung er gegen 45 Jahre verblieb (König, Collect.). D. heirathete im J. 1665
Anna Maria de Willers, Tochter des Hofbildh. Job. Arn. Willers; aus dieser Ehe
gingen 5 Söhne und 3 Töchter hervor, von welchen nur Philipp Gottlieb und Eva
Maria den Vater überlebten (ein zweiter Sohn Michael wurde 7. Oct. 1669 zu St.
Marien getauft). Zum zweiten Male heirathete D. Anna Gabriela Colombel, jüngste
Tochter eines Churbrandbg. Geh. Kanzlei Secretärs. Aus letzterer Ehe überlebten
Justus David, Anna Charlotte und Eleonore Louise den Vater. D. starb am 8. Aug.
1702; die auf s. Tode gehaltene Leichenpredigt von D. E. Jablonsky ist im Druck
erschienen (Berlin 1702 Fol.); er wird hier "Joh. Michael D. Kgl. Preuss.
Hof Bildhauer u. Preuss. Landbaumeister" genannt. Nach dem Tode Friedrich
Wilhelms ward er am 2. Oct. 1689 als Hofbildb. bestätigt. An Urkunden bez.
seiner Person citirt König (a. a. O.) zwei vom J. 1667: 8. Februar.
Den Bildh. Döbel bey der ertheilten Execution zu schützen
(Staatsarchiv R. 7 u. 32) und 2. März. Der Bau Meister Döbell soll in Pflicht
genommen werden, es sind ihm zu Reisekosten 40 Thlr. auszuzahlen, wobei zu
berichten, ob ihm die Bestellung der Bagage in Port Pillau mit anzuvertrauen
(R. 7 n. 10 b.). Am 29. Juni 1674 wird ihm vom Kurf. gestattet, dringenden
Falles die hiesigen Gesellen aus ihrer Arbeit zu seiner Hilfe fortzunehmen.
Kurf. Rescript (Cölln a. d. Spr. 14. Jul. 1674) an Herrn Grumbkau etc.:
"Aus der eingeschl. Supplication werdet ihr mit
[229]
mehreren ersehen, wass Michel Döbeler für
beschwerliche klagt, wie sein geselle Jacob Jacobsen v. d. Bruch (sich) führt,
und was er desfals Zu Verordnen gebeten. Wir committiren euch darauff gdst.,
die parteien forderlichst Vor Euch Zu bescheiden, die sache Zu hören und
Darinnen der billigheit nach Zu verabscheiden." Am 14. Juni 1676 erhält D.
die Aufsicht üher den Bau zu Bornim bei Potsdam (St. Arch. R. 21 n. 123). Ob er
oder Joh. Christ. Döbel in nachsteh. Kurf. Decret (Cölln a. d. Spr. 21. Juli/l.
Aug. 1694) gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen: "S. Ch. D. etc.
befehlen dem Bildh. Döbeln hiermit in Gnaden, Von disen Sachen und ihrer
beschaffenheit seinen etc. bericht Zu fernerer Verordnung abzustatten, auch
dieses Supplicat zugleich wieder mit einzusenden" (unterzeichn. v. Rhetz).
In "Bär" (Bd. XII) wird bemerkt, dass D. auch ElfenbeinSchnitzer war;
sein Monogr. M. D. trägt z. B. ein Stockknopf von Elfenbein, daran 6
Kindergenien die Kurf. Insignien und die des Hosenbandordens halten (frühere
Kunstkammer).
ad 77. Im J. 1674 sass dieser van der Bruch aus
irgend irgend einem Grunde, in Haft. Darauf bezieht sich folg. Kurf. Decret auf
Jacob Jsz. van der Bruch, Bildhauers Suppl. (Cölln etc. 19 Juni 1674): "S.
Ch. Dchl. befehlen hierauff Dero Hauss Vogt, dem Suppl., wan er Caution auff
200 Thlr, geleistet haben wirdt, die Hafft Zu erlassen . . ."
ad 78. König (a. a. O.) citirt zwei Urkunden von 1672
und 1674, kurfl. Rescripte, die sich auf die Besoldung Leygebe's beziehen.
Letzterer war zwei Mal verheirathet, mit Magdalena Liechtmann uud mit Anna
Gerhard. Nützmann, die 1685 als Wittwe verstarb. Ausser 4 Söhnen hinterliess er
noch eine Tochter Anna Magdalena, getauft am 4. Juni 1669 zu St. Marien. Ein
Sohn von ihm erhielt am 22. Januar 1680 vom Kurf. 300 Thl. für drei aufeinander
folgende Jahre, zur Ausbildung in der Malerei. Dass Paul Karl L. den Nicolai
auf S. 96 als den Maler des grossen Wandbildes im Marmorsaale des Potsdamer
Stadtschlosses bezeichnet, identisch ist mit Jacob Paul L., wie ihn jener Autor
auf S. 52 fälschlisch nennt, soll nur kurz bemerkt werden; dieser Paul Carl,
den auch Kramm lobend anführt, empfing von Kurf. Friedrich im J. 1696
wöchentlich 5 Thlr. (?) zur Subsistenz. Mehrere Denkmünzen, die L. für den
Kurf. gearbeitet (1667-1684), finden sich bei Oelrichs a. a. O. abgebildet und
beschrieben.
ad 80. Dass Ryckwaert des Deutschen nicht mächtig
war, geht aus fast allen Urkunden hervor, in welchen sein Name zu lesen ist.
Den deutschen Bericht, den er von Küstrin aus im J. 1674 über die Entweichung
eines Gefangenen an den Kurf sandte, hatte ein Anderer verfasst, er selbst
unterschrieb noch damals holländisch: "onderdaniger gehoorsamer Dinaer
Cornelis Ryckwaert" (geh. Staatsarchiv, Hamburger Akten). Ueber seine
Thätigkeit in Sonnenburg, die im J. 1661 begann, verweise ich auf Abhandlung IV
dieses Buches. Dass er für die Fürstin Henriette Katharina von Anhalt, geb.
Prinzessin von Oranien, das 2 Meilen von Dessau entfernte Landhaus Oranienbaum
errichtete, entnehme ich aus Pitzlers ungedruckter Reisebeschreibung. Es heisst
dort: "Uranienbaum, welches die Fürstin ihr Landhaus und 2 Meülen von
Dessau gelegen, welches von den Schloss durch den Thiergarten gesehen wird,
lieget ganz gleich, mit einem Wassergraben umbgeben, das Haus ist nur 2 Stock
hoch mit Flügeln 1 St. hoch und 1 pavillon uff ieder seite so wird 2 Stock
hoch, ist wohl meubliret mit Tapeten, die Decken der Gemächer von Stucho iedoch
nicht sonderlich erhoben, man findet feine Kästlein so wohl von Natürlichen
Holz, als von baccirter arbeit, etc. ganz glanz vergüldete Stühel und Tische
auch gaeridons, haben so wohl ofen, so meistentheils
[230]
der quere stehen, und von Kleinen Kacheln sind, als
camine, so meistentheils in Ecken stehen, schlechte Fussböden von Dannenholz,
inwendig Fensterladen, uff die untersten gemahlet A, so anhalt bedeütet, und
zweige von Pomeranzen, welches orange bedeütet, die Haupttreppe wahr doppelt
und gar fein, aber alles nur von Holz, die Fenstergestelle, auch Thürgestelle
von Holz, und die Fenster auswendig nur von Gips überzogen. Die Fenster
Tafelglas, mit starkem Kreuzrahmen, das corp. von mauer, die Fliegel von Holz,
unter dem corp. wahren feine magazin, ein Saal so mit Holländ. Steinen besezt,
eine feine Küche so mit Engl. Zinn, eine Kammer so mit porzellan versehen, und
dieses ist nur vor die Fürstin." Nun folgt eine genaue Erklärung der dem
Reisebericht Pitzlers beigefügten Zeichnung der Bauanlage und ihrer Umgebung
(S. 415). Dann steht vermerkt: "Dieses Landhaus hat angeben Herr Cornelius
Ein holländischer Architect." Schliesslich folgt eine Beschreibung des
Fasanengartens, der Stallungen etc. Auf S. 417 fährt Pitzler wie folgt fort:
"Eine halbe stunde Von Dessau ist eine fliegende Schiffbrücke über die
Elbe . . . d. 19. d. nacher Zerbst kommen, welches eine Zieml. grosse feine in
der ebene lang gelegene Stadt, das Schloss an der seite alwo man ein neu
Schloss su bauen angefangen hat, das corpus war fertig, aber die Fliegel noch
nicht angefangen, solches hat der Archit. Cornelius auch angeben, hat feine
Zimmer etwa 171 in lichten und 271 tief, die Decken von schlechter und
niedriger Stuchatur arbeit, die gemählde ingl. von einem mahler Wittauer
genant, die Fenster und Thüren von Holz, mit tafelglass und starken rahmen,
ohne Kl. Schössgen, der Saal von Bodan gemahlet war doppelter Höhe 5 Fenster
breit, die Decke von Stucho da 2 Leisten mit feinen gold vergüldet, welches
fein aussahe, die gallerie de passage war nur 8 breit, die Fussböden alle von
Holz und schlecht ausser beyde Fürsts, Zimmer, gebrauchen camin und Oefen, die
Schlösser alle uff Holländische art, das ganze Haus ist 3 Stock hoch, im Hofe
aber ausswendig 4 Stock hoch, da der unterste Stock abgebunden, und Keller hat,
für welchen inwendig auch eine gallerie de passage, in die Keller und Gewölbe
Zu kommen, in der Mitten ein gross Zimmer uff 4 Pfeilern, welche uff Ziegelart
gemahlet, die base, imposte aber weiss, unten war auch eine Küche und in ersten
Stock desgl. eine, in Gemächern doppelt vorhänge, weisse an Fenster und die
andern vorn der Mauer gleich, etl. alcov. wahren dar so nur ball. hatten,
welche ausgeschweiffet." Nach Nagler (a. a. O.) soll das Schloss im J.
1681 begonnen und 1692 durch J. Simonetti vollendet worden sein; letzteres
entspricht nicht ganz Pitzlers Angabe von 1695.
ad 81. Langerveld's Bestallung von 1679 lautet: Wir
Friedrich Wilhelm etc. geben hiermit Jedermänniglich denen es Zu wissen Nötig,
in gnaden zu Vernehmen, wass gestalt mir Rütger Von Langerfelt, wegen seiner
sonderbahren Kunst und Wissenschafft. Zu unserem Hoffmahler bestellet undt
angenommen haben: thun auch solches hiemit also und dergestalt, dass Er uns und
unserm Churfl. Hause treu, hold und gewertig sein, Vnsern nutzen und bestes
überall suchen, schaden und Nachtheil nach Vermögen Verhüten und abwenden
helffen, seine Kunst treu und fleissig gebrauchen, die sticke, so Er Vor uns,
Verfertigen wird in unser Cabinet einliefern, und sich in allem wie ein treu
fleissiger Hoffmahler gebühret Verhalten Solle. Daneben wollen Wir, dass Er
unser Vielgelieben Sohne Printz Ludiwigs und Printz Philip Wilhelms Lbd. Lbd.
in Reissen und Mathematicis Zu gewissen stunden unterweisen solle, Wes-
[231]
halb Er sich bey unserm Geheimmen Raht und Ober
Praesidenten dem Freyherrh Von Schwerin an Zumelden hatt.
Vor solche seine Dienste, und auffwartung haben wir
Ihm Zwar anfangs in seiner Ersten Bestallung welche im Haubt Quartir Zu Lüdgers
Hage den 3. October 1678 datiret gewesen, Sechs Hundert Rthlr. in allem
Verschrieben, Itzo aber, nachdem wir seinen unterthänigsten Fleiss und
dexterität Vorspüret, haben wir selbige mit 200 Thlr, Verbessert und Ihm also
achthundert Reichsthlr. in allem Jährlich Zulegen wollen. Gestalt den unser
amts Cammer Raht und Hoffrentmeister Michael Matthias hiermit befehliget wird,
sich hiernach gehorsambst Zu achten, ermelten Langerfelt dieses sein Verordnets
Gehalt Quartaliter mit zweihundert Rthir. abzutragen, und damit den anfang Vom
Jüngst Verwichenem quartal Reminiscere biss Trinitatis 1679 Zu machen. Zu
urkund dessen haben wir diese Bestallung eigenhändig unterschrieben, und mit
unserm gnaden Siegel bedrucken lassen. So geschehen Zu Potsdam d. 31. May
l679." Dass ihm auch andere, als prinzliche Schüler zugewiesen wurden,
beweist nachstehendes Kurf. Rescript (Konzept, Sign. Potsdam, 12. Juni 1686):
"Nachdem S. Ch. D. etc. auf dero Churfl. Gemahlin Durchl. Mund Schenken
Christian Elsters unterthänigstes anhalten gndst. gewilliget, dass dessen Sohn
Christian bey dem Mathem. und Mahler Langervelde (es stand zuerst Vaillant) die
Mahlerkunst lernen soll, Alss befehlen Sie Ihm gndst. denselben in die Lehre zu
nehmen und fleissig zu unterrichten, dafür S. Ch. D. ihm pro informatione und
die Kost Einhundert Thlr. Jährlich und also in drey Jahren Dreihundert Thlr.
entrichten lassen wollen . . ." Nach König (a. a. O.) erhielt er seit Oct.
1683 die Summe von 250 Thlr. p. A. für den Unterricht von 8 Pagen in der
Mathematik und Fortification, nachdem er schon seit dem Mai desselben Jahres
die Pagen der Kurfürstin de Lawars und d'Antemhale in der Mathematik
unterrichtete. Seit 1690 wird ihm jährlich ein Ohm Rheinwein aus dem Hofkeller
assignirt. Nach s. Tode wurden seiner Wittwe 400 rthl. ad dies vitae zugesagt
(Aug. 1695); doch findet sich von ihr in den Akten noch ein Bittgesuch vom 20
Sept. 1704. Das Schloss zu Köpenik, jetzt Lehrerseminar, das er nach 1680
baute. (Abbldg. im "Bär" 1887 S. 169), hat verschiedenartige
Veränderungen ausserlich und im Innern erfahren; es fehlt u. a. die geschweifte
Doppel-Freitreppe an der Front und der thurmartige Aufbau in der Axe. Im Innern
des Schlosses ist die ursprüngl. Anlage noch conservirt, interessant ist die
Ornamentik der Vorflure und die reiche Deckenbemalung in mehreren grossen
Sälen. Auch in den Kurfürstenzimmern des Berl. Schlosses sind Deckengemälde von
L.s Hand aus dieser Zeit vorhanden. Rütgers Sohn Wilhelm von Langerveld (†
1721.) war ebenfalls Maler und Kastellan der Berl. Akademie der Künste; er war
verheirathet mit Barbara Terbrüggen.
83a. Heinrich und Johann von Senhem, Landmesser. Ein
Kurf. Rescript (Konzept, dat. Königsberg i. Pr. 19./29. Juni 1671) befiehlt dem
Statthalter und den Geh. Räthen zu Cleve, den Landmesser Johann v. S., an
Stelle seines Vaters Heinrich, zum kurf. Landmesser zu ernennen.
ad 85. König erwähnt in s. histor. Schild. von Berlin
Bd. II, das der Kurf. im J. 1673 die Summe von 2383 Thlr. an den Goldschmied
Männlich zahlen liess.
88a. Eschmann. "1674 den 18. März, dem
Conterfey-Dressler Eschmann sollen 100 Thlr. gezahlt werden" (König a. a.
O.).
89a. Nach König (Hist. Schild. v. Berlin, II),
empfing im J. 1678 der Spitzenfabrikant le Bon der in Berlin änsässig war, vom
Kurf. die Summe von 441 Thlr. Für gelieferte Kanten.
[232]
ad 90a. Pieter Fransz van der Lee, nennt sich
"PorzellanBäcker". Der Kurfürst hatte ihn aus Delft verschrieben und
ihn, durch einen Kontract (Potsdam, 18. Mai 1678), zur Anlage einer
Fayencefabrik verpflichtet. Der Kontract, der in zwei Exemplaren (deutsch und
holländ.) vorliegt, enthält 9 Punkte, aus denen hervorgeht, dass van der Lee
einen holländischen Kompagnon Namens Dreyer erwartete und dass er sich auf 12
Jahre gegen jede Konkurrenz schützte. Dasselbe Datum trägt die Kurf. Ordre an
Heidekampf, dem van der Lee 100 Thlr. als Reiseentschädigung für die
Uebersiedlung der Leeschen Familie von Delft nach Potsdam zu zahlen. No. 4 ist
ein Bittgesuch des Holländers an S. Ch. D. damit er erhalte, was nothwendig
sei, um "proeven te doon" und seine "ambacht Voort te
dryven"; es schliesst: "Maer Indien Iek recht geholpen wert Dan sal
Ick het porseleyn backen Hier Soo honorabel In planten gelyck als tot Delff" Darauf ergeht der Befehl (Cölln an der Spre
27. Mai 1678) an den Ambt- und Bauschreiber Zu Potzdam" dem van der Lee
"nicht allein was er Zu seiner nothdurfft bedarff, sondern auch was er Zur
Verfertigung des porcelleins von nöhten haben wird, an Hand Zu schaffen."
Ein Kurf. Rescript (Wolgast 26. August 1678) an Heidekampf betrifft
Materials-Lieferungen an van der Lee. No. 7 (Konzept an Geh. Rath Stephani).
Kurf. Rescript, dat. Wrangelsberg 14./24. Novemb. 1678. Verfügung, dass dem van
der Lee endlich "die Papiermühle bey dem thiergarthen (Berlin) zu dessen
Wohnung und Winkel aptiret werden solle." No. 8. Der Kurf. an den Bau- und
Amtsschreiber zu Potsdam (Wrangelsberg 14./24. November 1678): "Wir
vernehmen ungnädig, dass Du dich weigerst die dem p. van der Ley assignirte
wochentliche unterhaltsgelder ausszuzahlen. . . "so befehlen Wir Dir
hiemit in allem ernste ... Unweigerlich ausszuzahlen ... widrigen falles wir
etc." No. 9. Der Kurf. an Ch. S. Heidekampf (Potsdam 23. April 1680),
Befehl, der Wittwe van der Lees 100 Thlr. zur Rückkehr mit ihren Kindern nach
Holland auszuzahlen.
ad 95. Ein Kurf. Decret (Cölln, 10. Mai 1689) erlässt
Pribusch von einer Schuld von 200 Thlr. den achten Theil, verzichtet auf jede
andere Entschädigung und fordert baldige Abzahlung der restirenden 175 Thlr.
95a. Franz Eppenhoff. Er erhielt am 16. April 1689
seine Bestallung als "Churfl. Hoff-Conterfacteur en Email" und starb
im Jahre 1693. (König a. a. O.)
ad 96. Bei König (a. a. O.) Truppen, Trappen oder
Troppen genannt. Seine Bestallung vom 16. October 1681 lautete auf 300 Thlr.
Besoldung, und er war verpflichtet: Conterfeyte, Historien, Blumen u. A.
bestellte Sachen in Kupferstich auszuführen.
96a. Matthens Merian d. J. (1621-1687), Schüler van
Sandrarts, Maler und Radirer, überreichte dem Kurf. mit einem lobpreisenden
Briefe ein Gemälde als Geschenk (Frankfurt a. M. 24. Sept. 1681). Adresse A Son
Altesse Electorale de Brandeburg tres humblement.
98a. Johann Damnitz, der später Franz Baratta's
Nachfolger wurde, arbeitete schon 1680 als Grottirer im Berliner Lustgarten.
(Nicolai S. 80).
ad 99. Nachstehendes Kurf. Decret befindet sich im
Geh. Staatsarchiv: "Auff Anthons Bellons Stücators Supplique. S. Churfl.
Dchl. etc. Befehlen hieruff dem Beklagten Döbeln in gnaden und alles ernstes
den Supplicanten an seiner reise Keinesweges Zu hindern, Wegen desselben
[233]
Sohnes aber, und wass es damit für eine Bewandniss
habe, Zu fernerer Verordnung ehestens Zu Berichten. Sign. Potstam d. 4, Oetober
1682."
99a. Joh. Simonetti, desgl. Leonhard Braun und Martin
Grüneberg werden von Nicolai erst unter König Friedrich I. genannt, wiewohl
alle drei eine Zeit lang bereits dem Gr. Kurfürsten dienten. Grüneberg,
Nehrings Nachfolger, war 1678 Bauschreiber beim Potsdam'schen Schlossbau und
gehörte (nach Nicolai um 1680) zu den Stipendiaten Frd. Wilhelms, auf dessen
Kosten er in Frankreich und Italien die Baukunst studirte. Nach seiner Rückkehr
wurde er im Jahre 1688 Landmesser und Baumeister unter Nehring. Simonettis
Bestallung (Potsd. d. 10. Oct. 1683), die von 400 Thlr. Besoldung spricht,
wurde von dem Kurprinzen Friedrich unterzeichnet; er wurde kurfl. Stuckateur
und "wegen erlangter guter Wissenschafft in der Baukunst Zugleich Zum
Hoffmaurer, nebst unsern iezigen Hoff Maurer Leonhard Braun" ernannt. in
der Erneuerung der Bestallung (Cölln 15. Juni 1688) heisst es "dass Wir
Johan Simonetti zu Unserm Stucatore gndst. auff undt angenommen haben."
Tags darauff bittet S. den Kurf. "ihn bey seinem Dienste undt gehalt
ferner Zu schützen," worauf Letzterer am 20 Juni den Obersteuer-Einnehmer
Hoppe zu pünktl. Zahlung an S. ermahnt. Im Staatsarchiv befindet sich noch eine
spätere Rechnung S.s, lautend auf 509 Thlr. 19 Gr., und ein darauf bezügl.
Kurf. Decret. Erstere hat folg. Titel: "Rechnung Von J. Simonetti wegen
Oranienburg Vor der Stucatur Arbeit Wass er noch zu fordern hat" und
folgende Nachschrift: N. B. Ob Specificirter Zettel seindt in benannten Posten
meistens anoch Von Sel. Herrn Nehring teihls Von mir und Memhart nach
Verfertigter arbeit also bedungen und unterschrieben und in originale
vorhanden, worauff auch noch 509 Thl. 19 Gr. Zu zahlen seyn, welches hiermit
attestire. Cöln an der Spree 3. Augusti 1698. M. Grüneberg." Simonetti
wurde, nach Nicolai, 1652 in Graubündten geboren.
ad 100. Die Bestallung (in 2 Exempl. im Geh.
Staatsarchiv vorhanden) dat. Cölln a d. Spree 29. Jan. 1658 (nicht 1685, wie
Nicolai schreibt). Sie lautet: "Seine Churfl. Durchl. etc. Nehmen in Dero
Dienst Johann van der Ley Vor einen Stein- und Bildthauer, das er alles, Was
Höchstermelte S. Ch. D. Ihm befehlen Werden, in Holz oder Stein, gross oder
Klein, mit aller treu und fleiss ohne Verseumung einiger Zeit aussarbeiten,
auch Vorhero nach begehren invertiren soll. Es soll auch gedachter Bildthauer
die aufsicht haben über die Churf. Steinhauerey, denen Bildt- und
Steinhauergesellen so Zur Churf. Bauarbeit bestellet werden, die arbeit
anweisen, damit sie alles Wohl undt sauber machen auch das Stein Werk nicht
unnüzlich Verderben, wie denn Höchstermelter S. Ch. D. Befehl hiemit an
dieselben gesellen ergehet, das sie Ihme Johann van der Ley als Ihrem Meister
unwidersprechlich pariren undt folgen, Die es aber nicht zu thun gesinnen, die
Churf. Arbeit meiden sollen . . . ." Nächstdem wird bestimmt, dass van der
Ley dem betreff. Baumeister zu gehorchen und dass er anderweitige Arbeit, zu
der er weder Kurfl. Personal noch Kurfl. Geräthschaft benutzen dürfe, nur mit
höherer Erlaubniss zu übernehmen ein Recht habe. Seine Besoldung wird ihm
wöchentlich mit 5 Thlr. 18 ½ Gr. ausgezahlt.
ad 101. In den Urkunden wohl auch Sesser oder Sessner
genannt. Seine Bestallung datirt vom 29. Juni 1685. Ein Kurf. Decret (Potsdam
19. März 1687) lautet: "Seine Churfl. Dchl. etc. befehlen Dero etc. hiemit
gndst. Dero Bildhauer Jeremiu Süssmer hundert Thlr, auf abschlag der bey ihm
bestellten Statuen gegen quittung Zu bezahen." Im Jahre 1690
[234]
lieferte S. verschiedene Statuen nach Oranienburg.
Folg. Kurf. Decret habe ich noch nachzutragen: Auff Jeremias Süssmers Bildh.
Supplicatum. S. Ch. D. befehlen dem p. Lilderitz und dem Oberingenieur Nehring,
unter Zu Zihung des Bildhauers von Amsterdam Eggers, zu untersuchen, ob er
Döbel dessen geständig, so er Supplicanten beschuldigt und wider seine Gesellen
gesprochen, Vnd Von allen umbständlichen bericht zu fernerer Verordnung
unterthänigst abzustatten. Sign. Potsd. 29. Nov. 1687."
101a. Ehrenfried Rening, Kurfl. Marmorirer. Auf ihn
bezüglich, befinden sich eine Streitsache gegen einen Steinmetzgesellen und
zwei Kurf. Decrete, Zahlungsanweisungen vom 20 April und 18. Mai 1693, im Geh.
Staatsarchiv. Erstere Urkunde lautet: S. Ch. Drchl. Z. Brandbg, etc. Befehlen
dem Hoffbaumeister M. M. Schmidt, Ober Ingenieur und Architecto Neringen undt
Amtsschreiber Zu Potzdam Wartenberg hiemit in Gn. diese Uhr (sache) gründlich
Zu untersuchen und davon umbständlich bericht Zu fernerer gndst. Verordnung
abzusstatten. Sign. Cölln a. d. Spree, den 24. Juli 1688."
101b. Heinrich de Junge, Bildhauer von Castel. Er
arbeitet Verschiedenes für die Kurfürstin und erhält (laut Ordre, vom 9. März
1686) Hundert Thlr. zur Subsistenz.
ad 104. Scheint derselbe zu sein, der am 22. Juni
1677 seine Bestallung als Amtskammer-Ingenieur und Landmesser erhielt (Geh.
Staatsarchiv). Bei Oelreichs (a. a. O.), wo er Schultz genannt wird, sind
mehrere seiner, zwischen 1681 und 1688, gefertigten Medaillen abgebildet und
beschrieben.
ad 105. Das Theatrum etc. gab in II. Auflage Leonard
Dintzenhofer (Bamberg 1697) heraus. "Dieussart stellte in seinem Werke die
Parallele der Säulenordnungen Palladio's, Vignola's, Scamozzi's, Cataneo‘s,
Serlio's und Branea's. Auch handelte er über die Proportion der Säulengänge,
Stiegen, Thüren etc." (Nagler a. a. O. III. S. 404).
ad 106. In seiner Biographie Schlüters ist C. Gurlitt
zu Urtheilen über Nerings Thätigkeit gelangt, die von Nicolai's Angaben z. Thl.
erheblich abweichen; eine eigentliche Kritik der Werke Nerings hat G. bei dem
gegenwärtigen Stande der Forschung noch nicht bieten können. Erfreulich wäre
es, wenn uns die von R. Borrmann demnächst zu erwartende Topographie Berlins
einen Schritt weiter in der gerechten Würdigung des hochverdienten Holländers
bringen würde. Gurlitt verhält sich sehr skeptisch zu den architectonischen
Leistungen Nerings und ist geneigt, ihm Alles abzusprechen, was von wirklichem
Belang ist: z. B. das vor einiger Zeit abgebrochene sog. Fürstenhaus. Dagegen
denkt er bei der ältesten Anlage des Charlottenburger Schlosses an Nering; auch
lässt Gurlitt dessen Skizze des Berliner Münzthurmes (Abgeb. bei Pitzler a. a.
O.) Gerechtigkeit widerfahren. Bezüglich des Berliner Zeughauses, dessen
Grundsteinlegung erst am 28. Mai 1695 stattfand, muss ich mich G., der die
Fassade für Blondels Schöpfung hält, anschliessen; das hindert indess nicht,
dass N. der Grundriss des Zeughauses in der ursprünglichen Form zuerkannt
werden darf. Nach König (a. a. O.) soll Nering am 9. April 1690 zum
Oberbaudirektor der Kurfl. Gebäude ernannt woden sein.
106a. Wolf Krause. Dieser etwas geschwätzige Mann
wird in den Urkunden "Wasserkunst Direktor zu Küstrin" genannt. Von
dort aus machte er dem Kurf. im Januar 1867 Vorschläge behufs Anlegung einer
Wasserkunst am Ausgang der Breiten- und der Brüerstr., gegenüber dem Schlosse.
Ausser diesem umfangreichen Elaborat enthält das Geh. Saatsarchiv noch ein
kurf. Decret auf seine Supplie. c. Paul Krausel, an die
[235]
Neumärkische Regierung und datirt: "Cölln a. d.
Spr. d. 24. Martii 1668."
107a. Senning, Geh. Kammerdiener und Leiter der
Fayeücebäckerei in Berlin, nach dem Tode van der Lees. Drei Kurf. Decrete 1.
August 1681, 28. April 1682, 20 Juli 1683) im Staatsarchiv betreffen
Materialslieferungen; am 20 Juli heisst es, dass das Porzellan Werk vor dem
Spandauischen Thor "weggenommen" und nach dem Salzhause in der
Stralauschen Strasse verlegt werden solle.
ad 110. Houbraken nennt ihn Michiel Willemans und
bemerkt, dass er in Amsterdam sich nach J. Backer und Rembrandt gebildet und
später für den Kurf. eine "Schmiede Vulkans" gemalt habe.
110a. Johannes Spilberg, geb. Düsseldorf 30 April
1619, war Schüler G. Flinck's in Amst. und malte vorzugsweise Portraits. Einem
Rufe des Kurf., den er, nach Houbraken, portraitirt haben soll, leistete er
nicht Folge. Er starb 1690
ad 111. Die Bestallung Reusche's dat. Cleve, 16. Juli
1652.
ad 117. Ein Berliner Münzmeister dieses Namens kommt
urkundlich zwischen 1642 und 1645 vor; dagegen soll der Maler B. erst am Ende
des 17. Jahrhunderts geblüht haben (Vergl. J. Meyer's Allg. Künstler Lex. III.
S. 627 und die dort angeführten Quellen),
118a. Gottfried Haarhausen in Königsberg i. Pr. kommt
1. November 1685 um den Titel eines "Preuss, Hoff-Jagtmahlers" ein.
Der Kurf. fordert, unter Beilage jenes Gesuchs, amtl. Bericht ein und zwar beim
"Oberförster in Preussen den von Halle" (19. Dezember 1683, unterzeichnet
v. Lüderitz). Bestallung in obiger Eigenschaft erfolgt am 24. Juni 1686, und
später (11. Juli 1693) bleibt auch die Bestätigung des Kurfl. Nachfolgers nicht
aus.
119a. François Blondel, Staatsmann und Architect in
Paris.
Zwei Mal als Gesandter in der Nähe des Kurf. (1657-
1659) gewesen, dürfte Letzterer sich seiner erinnert haben, als die Frage eines
Berliner Zeughauses um 1668 actuell wurde, denn es findet sich unter Broebes
gestochener Ansicht der Hauptfront dieses Gebäudes der Name des Directors der
1671 begründeten Pariser Bauakademie. Vergl. C. Gurlitt a. a. O. und Urkunden
und Aktenstücke zur Geschichte Friedrich Wilhelms (Mark Brandenburg).
121 a. Ein Medailleur Breuer oder Breyer, der eine
Denkmünze auf den Tod Friedrich Wilhelms gefertigt, wird bei Oelrichs (a. a.
O.) genannt. Die Medaille (dort abgebildet) ist ohne Jahreszahl, aber mit dem
Anfangsbuchstaben des Künstlers (B.) versehen.
122a. Daniel Neuberger, Kaiserl. Cammer-Sculptor,
bietet dem Kurf. in einem langen Schreiben (Regensburg den 28. Mai 1680) seine
Dienste in mannigfaltigen Künsten an. Dem Gesuch liegt eine Art Diplom, ein
gedruckter Empfehlungsbrief Kaiser Leopolds (dat. Ebersdorff d. 3. Oct. 1661)
bei. Neubergers Gesuch führt einleitend aus: "Es ist dem ganzen Erd Creiss
bereit durch die Fama beygebracht, dass, gleichwie in allen Hochfürstlichen
Tugenden, Eure Churfürstl. Durchl. Glorwürdigst berühmet
seyn, dieses auch billich, und im höchsten Grad das
Künsten Volk aufzuruffenhat, Ich als ein geringes Mitglied desselben, billich
mich dessen Höchst Zu erfreuen Ursach habe . . ."
ad 122. Dass A. Quellinus d. A. (1609-1668) für den
Kurf.
gearbeitet hat, ist unerwiesen. Da er aber der
Schöpfer, der Minerva in Cleve (vergl. oben S. 52 ff.) ist, so können wir ihn
nicht Übergehen. Ueber seine holländ. Schöpfungen hobe Ich a. a. Stelle
(Galland a. a. O. S. 302/6 und 323 ff.) Ausführliches gebracht. Das er für die
Prinzen
[236]
von Oranien Skulpturen geliefert, lässt sich aus den
"Ordonnantieboeken van Prins Frd. Hendrik II (Nederl. Spectator 1876/7)
nicht entnehmen; nur einmal kommt sein Name dort vor (1660), wo es sich um
Malereien und Bildwerke für König Karl II. von England handelt. Seine
Marmorbüsten zweier durch Rembrandt unsterblich gewordenen Amsterdamer
Persönlichkeiten, des Anatomen Prof. N. Tulp und des Schreibmeisters L.
Coppenol, hat der Dichter Vondel besungen (vergl. C. Vosmaer, Rembrandt etc. 2.
Aufl. 1877). Nach "Oudholland 1889" hätte Q. ferner eine Marmorbüste
des Amst. Bürgermeisters Huydekooper (1654) geschaffen; auch soll G. Flinck,
der aus Cleve stammende Rembrandtschüler, von ihm Bildwerke besessen haben.
ad 125 und 129. Die beiden Techniker werden von Ph.
Wilhelm Gerken (ausführl. Stiftshistorie v. Brandenburg, Braunschweig u. Wolffenbüttel
1766) als am Thurmbau des Domes zu Brandenbarg thätig bezeichnet. Uebrigens
wurde hier der in diesem Buche oftgenannte O. v. Schwerin d. A. am 4. Jan. 1661
zum Domprobst ernannt; auch jener Valtin von Priort, den wir zu Sonnenburg
(vgl. oben S. 99) kennen lernten, kommt in der Stiftshistorie von Brandenburg
vor. Unter Schwerin "ist der Thurm am Dom Ao. 1669 zu bauen angefangen und
Ao. 1672 zu Stande gekommen. Die Baukosten sind nach einer Rechnung des Decani
Georg Chr. v. Görne, so den Bau dirigiret, auf 3000 Thlr. hinan gelaufen".
(Gerken S. 299). "Christophorus Bauschen" wird hier als
"murarius", Kuene Resen als "lignarius" und Nicolaus
Leydecker als "strator tectorum" bezeichnet.
129a. Pieter Post und van Dorp. Ueber Ersteren, als
den künstlerischen Beirath des Fürsten Moritz, habe ich oben wiederholt
gesprochen; Posts holländische Bauthätigkeit ist in meiner Gesch. d. Holl.
Baukunst etc. an verschiedenen Stellen ausführlich gewürdigt. Nach dem Tagebuch
des Huygens (a. a. O.), wo auch die Familie van Dorp aus dem Haag häufig
genannt wird, starb Post am 2. Mai 1669.
|
Alb. Stud. Academiae Lugd. Batavao 1575-1875. Hagao
Coraitum 1875. |
|
|
Es soll hierbei erinnert worden, dass Ruprecht von
der Pfalz als Erfinder der geschabten Manier des Kupferstiches, der sog.
Schwarzkunst, gilt. |
|
|
v. Raumer, Friedrich Wilhelms d. Gr. Jugendjahre.
Berlin 1854. |
|
|
J. G. Droysen, Gesch. der Preuss. Politik. IL
Leipzig 1859. |
|
|
Brief vom 20/30. Sept. 1634 bei v. Raumer a. a. O. |
|
|
vgl. G. Galland, Gesch. d Holl. Baukunst u.
Bildnerei etc. Frankft. a./M H Keller 1890 |
|
|
König, Hist. Schilderung von Berlin. Bd. II. Berlin
1793. |
|
|
Vgl. R. Schück, Brandenbg.-Preussens
Kolonial-Politik etc. I. Leipzig 1889. |
|
|
Droysen a. a. O. |
|
|
Droysen a. a. O. |
|
|
Urkunden und Aktenstücke zur Gesch. des Kurf. Frd.
Wilhelm. Bd. V. Cleve-Mark. Berlin 1869. |
|
|
Droysen (a. a. O. III2 Leipzig 1865)
sagt: Die Staaten hatten mehr als das 5 fache jener Schuld aus dem besetzten
Lande gezogen. |
|
|
Publ. in "Oudholland" 1885; 22. Aug. 1661
"Elector Brandenburgensis cum principe Anhaltino appellunt
Turnhout." Turnhout ist ein belgisches Städtchen unfern der südl. Grenze
von Nordbrabant (Holland). - Siehe auch König a. a. O. u. von Ledebur,
Aufenthalts-Nachweis d. Kurf. Frd. Wilh Berlin 1830 |
|
|
Seiler, Leben u. Thaten Frd. Wilh. d. Gr. 1730 fol.
Pag. 77.; ferner O. v. Schwerin, Erziehungsjournal, Manuscript des Geh.
Staatsarchivs zu Berlin. König a. a. O. bemerkt, dass Friedrich Wilhelm
damals (?) seinen Oberfalzfactor Daniel Enckefort mit sich nach Holland nahm,
zum Studium holländischer Fabriken und um dort geeignete Arbeitskräfte zu
werben. In das J. 1667 fällt sodann in Brandenburg die Einführung der neuen Acciseordnung,
nach dem Muster des holländischen Steuersystems. |
|
|
Tromp befehligte später (1678) die Ueberfahrt der
brandenburgisehen Truppen von Pommern nach der Insel Rügen. Vgl. Pierson, d.
Gr. Kurfürst. Berlin 1873. |
|
|
Tagebuch 1674/79, publ. in v. Gansauge's Ztschft.
für Gesch. d. Krieges. Bd. 26. |
|
|
Erst am 10. Mai traf er wieder zu Kleve ein; die
Rückfahrt ging über Leyden, Amsterdam:, Utreoht, Amerongen und Nymegen. |
|
|
O. v. Schwerin, Erziehungs-Journal. |
|
|
Tagebuch a. a. O. |
|
|
Job. Pauw an Dr. Anton ter Schmitten. Vgl. Urkunden
u. Aktenstücke etc. |
|
|
Vgl. König a. a. O. und R. Schück a. a. O. |
|
|
Brief aus Holland 1686 bei v. Raumer a. a. O. |
|
|
Huygeng a. a. O. Notiz vom 21. Oct. 1619; vgl. auch
Urkunden und Actenstücke etc. |
|
|
O. v. Schwerin, Erziehungs-Journal (28. Aug. 1666). |
|
|
v. Schwerin, Erz.-Journal. |
|
|
Vgl. Urkunden und Aktenstücke etc. |
|
|
Zur Beurtheilung dessen sei ein Abschnitt aus einem
Briefe Moritz' (v. 11. März 1676) mitgetheilt, in welchem er dem Kurfürsten
seinen freiwilligen Austritt aus dem holländischen Dienst meldet: "Gott
hat mein Gebet erhört und meinen Wunsch so weit vollbracht, dass ich vor
meinem Ende keinen andern Herrn haben und bedienen möge, als Ew. Churfl.
Durchlaucht, meinen gnädigsten Herrn." (Vgl. L. v. Orlich, Gesch. d.
Preuss. Staates im 17. Jahrh. Berlin 1838/9. I. II.) |
|
|
König a. a. O. |
|
|
Der Schleusenbau begann in Berlin 1650; 1653 legte
hier Vibrand Gerritsen auf dem Friedrichswerder eine neue Schleuse an. |
|
|
Zuerst fanden (nach König a. a. O.) 1616 und 1649
Einwanderungen friesischer und holländischer Ackerbauer in die Mark statt.
Sie theilten den Eingeborenen ihre ökonomischen Erfahrungen und Kenntnisse
mit. "Die Berliner Bürger legten sich seitdem stark auf die Viehzucht
und lernten die vielseitige Anwendung der Milch kennen." |
|
|
Holländische Kaufleute waren seit 1652 Stifter
ansehnlicher Berliner Handlungshäuser (König a. a. O.). |
|
|
Bevor er z. B. Gijssels van Lier, dem Schützling
seines Schwiegervaters, die erbetene Audienz gewährte, liess er erst seine
Räthe mit ihm conferiren (Schück a. a. O.). |
|
|
Später fügte der Graf dieser Schüssel noch eine ca.
1 Fuss hohe Kanne von geringerer Qualität der Kunstarbeit hinzu, um beides
der reform. Kirche zu Kleve zu verehren (1665). Die Stücke sind dort nicht
mehr zu finden. |
|
|
L. Driesen, Leben Joh. Moritz v. Nassau. Berlin
1849 |
|
|
v. Raumer a. a. O. |
|
|
König a. a. O. Bd. 2. Anhang. |
|
|
Am 1. Oct. 1666 erhält Moritz vom Kurf. die dortige
Burg mit allen dazu gehörenden Gärten und Plätzen zu Lehen (vgl. v. Orlich I.
S. 468). |
|
|
v. Orlich a. a. O. |
|
|
Und zwar in d. J. 1652, 1653, 1654 und 1658. |
|
|
gl. auch weiter unten (Abhg. III), wie der
Kurfürst, Moritz den jungen deutschen Maler Wolfgrübel empfiehlt: "Damit
er von Ew. Liebden an die Jenige Meister, so Ew. Liebden er benennen wird,
auf's beste recommendiret werden möge." |
|
|
Geh. Staatsarchiv zu Berlin. |
|
|
Reyderkampf war kurbrandenbg. Commissarius in
Amsterdam und wurde auch in künstlerischen Dingen vielfach in Anspruch
genommen. |
|
|
Neuer Thiergarten zu Kleve. |
|
|
Harlemias (Haarlem 1648). |
|
|
Es ist also möglich, dass ein künstlerischer
Nachlass van Kampens vorhanden war. Wo aber befindet, er sich? |
|
|
a. a. O. S. 61. "H. Ruse ward 1658 kurfürstl.
Ingenieur und arbeitete mit an der Befestigung von Berlin, unter
Memmhard." |
|
|
Urkunden und Aktenstücke etc. |
|
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Sein Schreiben dat.: Gottorp, den 31. August 1659. |
|
|
Geh. Staatsarchiv zu Berlin. |
|
|
Urkunden und Aktenstücke. |
|
|
Von histor. Beschreibungen Cleves hebe ich nur die
Monographien von Scholten und von Velsen hervor |
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|
Diese Vorliebe bewahrte sich der Kurfürst bis an
sein Lebensende. In einem Pariser Brief des Reisenden J. B. Tavernier vom 28.
Juni 1685 heisst es: "Da ich weiss, dass Se. Churfl. Durchl. Raritäten
liebt, fahnde ich hier auf Alles was rar ist und hoffe ich, dass eine
Verzögerung nicht übel vermerkt werde, sobald ich nur die Ehre haben werde,
ihm viele Curiositäten mitzutheilen, welche nicht weniger nützlich als
ergötzlich sind." (Vgl. Friedländer in den Monatsb. d. Gesellsch f.
Erdkunde 1850) |
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|
a. a. O. |
|
|
König a. a. O. |
|
|
Geh. Staatsarchiv zu Berlin. |
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|
Der Kurfürst war bereits in den letzten Tagen des
voraufgegangenen Jahres in Cleve. |
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|
Vgl. oben S. 11/12. |
|
|
Urkunden und Aktenstücke etc. |
|
|
Gr. Schouwburg, übersetzt v. Wurzbach 1880. S. 294. |
|
|
Gemeint ist Christian Albrecht von Dohna, der seit
1656 Gouverneur von Küstrin war. Dessen Vater (Christoph) und älterer Bruder
(Friedrich) standen in holländischen Diensten und mit den Oraniern auf
freundschaftlichem Fusse. |
|
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Herr C. T. J. Louie Rieber, Architect-Ingenieur zu
Amsterdam, hatte die Güte mir die Extracte von Herrn de Boover, Archivaris
der Stadt Amsterdam, zu besorgen. |
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Sie reiste im Juli von Schleswig nach dem Haag; am
5. August berieth man. in Kleve über eine Deputation, welche die Landesmutter
im Haag begrüssen sollte. |
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Noch grösser ist ihre Aehnlichkeit mit der Minerva
der Münchener Glyptothek |
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Der Kurfürst bemerkt in einem Schreiben vom 22.
März (1. April) 1676 (Köln a. d. Spr.): Was Ew. Liebden an dem Papenberg
verfertigt, damit bin ich und meiner herzgeliebten Gemahlinn Liebden sehr
wohl zufrieden, und erstatte Ew. Liebden für Dero Sorgfalt gebührenden
Dank." Abgedr. bei v. Orlich a. a. O. |
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|
Moritz hat am 21 December 1679, Morgens 9 Uhr, wie
ein Zeitgenosse bemerkt: "bei völligem Verstande einen über die Massen
sanften Tod" gehabt. (Vgl. v. Orlich a. a. O.). - im Tagebuch des C.
Huygens (a. a. O.) heisst es: 20 Dec.. 1679. Obiit Gliviae Illustrissimus
Johannes Mauritius de Nassau, optimus amantissimusque mei Princeps. |
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Lehrer war Valtin Müller, vielleicht ein Verwandter
jendes Jacob M.; vgl. Anhang. |
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Ueber andere kurf. Stipendiaten vgl. Anhang. |
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Er starb drei Jahre darauf, während eines
Feldzuges, zu Strassburg i. E. |
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Vgl. oben S. 28. |
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Vgl. unten Abthlg. V. |
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Diesen Buch ist erst angefangen. |
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Vgl. oben S. 39. |
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Vgl. oben S. 80 |
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Vielleicht ein Sohn des berühmten Cornelis Jansz.
van Ceulen, dessen Wittwe im Jahre 1664, als in Utrecht lebend, urkundlich
erwähnt wird (vgl. Woltmsann-Woermanns Gesch. d. Malerei, Bd. III. 2. Leipzig
1888. S. 663. |
|
|
Erzieh. Journ. a. a. O.: "Helstein, 14. Juni (früh)
... undt hatt sich der Chur Printz in Clein von einem Mahler aus Utrecht
nahmens Janson mahlen lassen ... (Nachmittags) hernach hatt sich Printz
Friedrich mahlen lassen." - Die Mehrzahl ihrer urkundlich genannten
Bildnisse bezieht sich übrigens auf die früheste Kindheit der Prinzen und auf
die Thätigkeit des Willem van Ronthorst am brandenbg. Hofe. |
|
|
Zu dem Amt Sonnenburg gehörten, nach einer Urkunde
des 17. Jahrhunderts, ausser dem Ort mit dem Kietze, noch 10 benachbarte
Dörfer. - Literatur-. Wohlbrück, Gesch. den ehemal. Bisthums Lehns etc. II.
Berlin 1829; Ed. L. Wedekind, Gesch. des Ritt.Johanniter-Ordens, Berlin 1853;
A. v. Winterfeld, Gesch. des Job. Spitals, Berlin 1859; C. Herrlich, d.
Balley Brandenbg. des Joh. Ordens. Berlin 1886. |
|
|
Aufgezählt sind die unter dem Herrenmeisterthum
stehenden Komtkureien (Schievelbein, Lagow, Lietzen, Werben, Wildenbruch u.
s. w.) bei M. Merian, Topogr. Elect. Brandenbg. etc. 1659. |
|
|
Regierungsarchiv im Frankfurt a. O. Fach M Amt
Sonnenburg, Acta betr. Kirche, Pfarr- und Schulsachen (1538 – 1756). Obiges
Schreiben steht auf einem Blatt in Fol. |
|
|
Oder 288 Reichsthaler; vgl. Beckmanns Manuscript im
Geh. Staatsarchiv zu Berlin. |
|
|
Die Gelder, eigentlich zur Führung des Krieges
gegen die Ungläubigen bestimmit, flossen schliesslich natürlich in die Kasse
des Ordens-Grossmeisters auf Malta. Vgl. Driesen a. a. O. s. 303. |
|
|
Reg. Archiv zu Frankfurt a. O. Fach 89 No. 3. |
|
|
Die Ausarbeitung des Schriftstücks muss also vor
dem 25. Nov. 1652 erfolgt sein; dieses Datum trägt nemlich das auf die
Fürstung des Grafen bezügliche kaiserliche Notifikationsachreiben an Frd.
Wilhelm (vgl. Driesen a. a. O. S. 69). |
|
|
Wir können darauf nicht weiter eingehen. Es
handelte sich (vgl. Driesen a. a. O, S. 303). kurz gesagt, um Befreiung von
der drückenden Dienstbarkeit gegenüber dem Orden wofür nunmehr ein Bürgerzins
und einige unentbehrliche Naturalleistungen verlangt wurden. |
|
|
Reg.-Archiv, Frankfurt a. O. |
|
|
Sein Einschreiten gegen die Härte des Comthurs von
Lagow, Grafen von Waldeck, geschildert bei Driesen a. a. O. S. 304. |
|
|
Reg.-Archiv, Frankfurt a. O, Fach 135, Nr. 1. |
|
|
Sonnenburg kam erst 1410 an das Bisthum Lebus. a.
a. O. |
|
|
Der Thurm brannte am 14. April 1814 nieder. |
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|
vgl. unten das abgedruckte Memoriale § 21. - Daran
zu erinnern ist, dass die Stadt im Jahre 1596 eine grosse Feuerebrunst
erlebte. |
|
|
Bei Wedekind Sternbergsche Kreischronik, Zielenzig
1855, S. 204/5. |
|
|
Fach 135, Nr. 2; die Akten, worin obiges Heft (4
Bl. Fol.) enthalten, haben den Generaltitel: "Aufsätze, was bey Zeiten
Ihro Fürstl. Gnaden von Nassaw zu Sonnenburgk an neuen Gebau ist gebauet
worden, von Anno 1652 bis 1667." |
|
|
Vgl. Galland (a. a. O.) z. B. S. 83 (handelt über
den "kistemaker" Guert van Dulcken. Zuerst abgedruckt bei Wedekind
a. a. O. S. 204/205. |
|
|
Zuerst abgedruckt bei Wedekind a. a. O. S. 204/205. |
|
|
Quelle ist offenbar das "Hausbuch des
Ordensamtes de 1665", Manuscript im Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O.
Darin heisst es mit Bezug auf Moritz' Restauration der Kirche: alle Kosten so
sich über 2000 Thlr. belauffen, hergeschossen." Vgl. auch unten
abgedrucktes Memoriale' § 21, wo von dem nachträglich restaur. Thurm und den
Gewölben die Rede ist. |
|
|
Frankf. a. O. 1726 Beckmann‘s Fortsetzer ist I. G.
Dienemann (Nachricht. v. Joh Orden. Berlin 1767). |
|
|
Das Aeussere der Kirche kennzeichnet Bergau
(Invent. d. Bau- und Kunstdenkm. Prov. Brandenb. 1885) mit Recht als
"missverstandene Gothik". Der jetzt quadratische Thurm ist zuletzt
nach dem Brande von 1847 wiederhergestellt worden. |
|
|
a. a. O. Der alte Autor lässt übrigens Sonnenburg
an der Warthe liegen. |
|
|
Markgraf Ludwig erlaubte den Brüdern Uchtenhagen,
Besitzern des Ortes, im Jahre 1341 hier ein festes Schloss zu bauen; vgl. R.
Bergau. a. a. O. |
|
|
Vgl. das Hauptbuch de 1665 und J. Ch. Dithmar,
Geneal. Hist. Nachr. von d. Herrenmeistern d. R. Joh. Ord. etc. Frankfurt a.
O. 1737, pag, 75. |
|
|
Hausbuch de 1665; dasselbe giebt westlich von der
Kirche "die Schule" an. |
|
|
Driesen a. a. O. Pag. 298. |
|
|
Bezüglich Cleves siehe oben S. 44 und Sonnenburgs,
weiter unten. |
|
|
Im Hausbuch (a. a. O.) heisst es wörtlich, dass im
J. 1652 "nichts an Gebäuden als das Amts-Kornschreiber- und Brauerhauss,
so bei der Sedisvacanz gebauet, zu finden gewesen". Ich halte übrigens
die Schilderung dort etwas übertrieben, auch auf Grund von Merians Zeichnung,
die nach dem 30jährigen Kriege entstand. |
|
|
Folgende Ordenskapitel hielt Moritz im Laufe seiner
Regierung ab: 1. Am 9/10. Dez. 1652 in Sonnenburg. 2. Am 30 Juni 1653 in
Sonnenburg. 3. Am 10. Sept. 1658 in Sonnenburg. 4. Am 14. Jan. 1662 in
Sonnenburg. 5. Am 27. Jan. 1662 in Sonnenburg. 6. Am 4/5. April 1662 in
Berlin. 7. Am 20/21. Mai 1667 in Sonnenburg. |
|
|
Siehe darüber oben S. 26. |
|
|
Das Aktenstück (Reg.-Archiv, Frankfurt a. O., Fach
135, Nr. 2), welches jene Auszüge enthält, führt den General-Titel:
"Aufsätze, was bey Zeiten Ihro Fürstl. Gnaden Von Nassaw Zu Sonnenbourgk
an neuen Gebau ist gebauet worden von Anno 1652 bis 1667. |
|
|
"Die" soll wohl Einzahl sein (= der);
einer der Hollandismen Moritz'. |
|
|
Bei Driesen a. a. O. S. 359. |
|
|
Ich mache darauf aufmerksam, dass die Summirung in
den Groschen und Pfennigen nicht richtig ist. |
|
|
vgl. den Artikel über ihn im Anhang. |
|
|
Vergl. unten S. 122. § 11. |
|
|
Nicht verputzt, wie es später geschah. |
|
|
"Voohuis" heisst noch heute in Holland
der Vorflur; vergl. Galland a, a. O. S. 41. |
|
|
Die im Buche öfters vorhandenen Lücken (bei Namen
und Massangaben) sind später nicht ausgefüllt worden, wie wohl beabsichtigt
wurde. Um diese Zeit soll in Berlin (nach Nicolai) der Brabanter' Otto
Mangiot für den Kurfürsten thätig gewesen sein. Doch lege ich hier auf die
Bezeichnung "Brabantisch" kein Gewicht. |
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|
Soll vielleicht "Cassetten" bedeuten. |
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|
Fussboden. |
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|
Saal im Keller, bezw. Erdgeschoss. |
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|
Ueber seine Reisespesen vergl. oben S. 111. |
|
|
D. h. Ufer; siehe die unten folgende
Rekonstruktions-Skizze. |
|
|
Original im Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O.;
Fach 135 No. 3 enthält dort u. A. eine Skizze, auf welcher der Schlosshof
eine projectirte Gallerie zeigt, sie lag wohl ursprünglich dem Memoriale bei
(vergl. § 1 desselben). - Nachträglich überzeugte ich mich, dass sich auch im
Wochenblatt der Johanniter Ordens-Balley Brandenburg' (1802 und 1878) zwei
der oben und unten mitgetheilten Dokumente (wiewohl nicht durchweg konnte)
... |
|
|
Von diesen "5 Bildern von Leim" fehlt mir
jegliche Kunde und Vorstellung. |
|
|
Auffällig sind die wiederholten Hinweise auf
Amsterdam: "Könnet aber in Amsterdam zu sehen" und "soll in
Amsterdam oder sonsten überleget und erkundiget werden" und "soll
in Amsterdam Nachfrage und Ueberschlag geschehen." Sollte Ryckwaert von
dorther gereist sein? Die Frage, ob vielleicht Post im J. 1665 vom Fürsten
nach Sonnenburg entsandt worden und er also auch der Urheber des Memoriales
sei verdient immerhin in Erwägung gezogen zu werden. |
|
|
Die folgenden 9 Punkte sind nicht wortgetreu
wiedergegeben. - Ein Theil der Zeichnungen Ryckwaerts, die sich auf Brücken,
Portale etc. beziehen, befinden sich im Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O.,
Fach 185, No. 8. |
|
|
Die Ausführung dieser Steile war im Original so
verworren, dass ich sie deutlicher und verkürzter wiedergeben musste. - Ich
bemerke ferner, dass sich in genanntem Archiv (Fach 135 No. 2) in einem
Aktenstück, dessen Generaltitel oben (S. l03 Anm.) mitgetheilt, folgendes
Dokument befindet, welches einige der von Moritz im Memoriale gegebenen
Anweisungen weiter ausführt "Etliche von Ihro Fürstl. Hochw. undt Gnd.
selbst angegebene Articul", Artikel 1 lautet u. a.: Die Crohn und das
Wapen aber muss also kommen, dass man selbiges wen man Zu der grossen
Saalthüre hinein kombt, allsofort im Gesicht haben könne." Unterzeichnet
ist dieses Schriftstück, welches die hohe Sorgfalt des Fürsten in Bauangelegenheiten
von neuem erweist, eigenhändig - Clev den 1 Juny 1665. J. Moritz f. Zu
Naasau". |
|
|
Ganz oder theilweise; heute fehlt sie völlig und
das Hauptgesims, ist ohne Charakter. |
|
|
Aehnlich, doch weit einfacher als beim Rathhaus zu
Maastricht, der Schöpfung Pieter Post's. |
|
|
Die beiden Reliefs sind polychromirt; das linke
Wappen mit der Unterschrift "Nassau" enthält auch den Elephanten,
als Hinweis auf jenen dänischen Orden, den Moritz besass, das rechte Relief
zeigt Johanniterkreuz und Schwert, von einem Blumenkranz umgeben, sowie den
Wahlspruch des Brasilianers: "Qua Patet Orbis". |
|
|
Diese Maasse verdanke ich den Angaben im Joh.
Wochenbl.1862. |
|
|
Neuerdings in Holzkonstruktion erneuert. |
|
|
Das Porträt Friedrich Wilhelms ist übrigens
dasselbe, welches in der Bildergalerie zu Sanssouci hängt und im Jahre 1800
durch eine Berliner Ausstellung weiteren Kreisen bekannt wurde. |
|
|
Ein Stich dieses Gemäldes von Nason findet sich in
Jan Wagenaar's Niederl. Gesch. Bd. XV S. 88; A. Burger hat es lithographirt.
- Erwähnt sei, dass auch Gov. Fink den Brasilianer gemalt hat; G. van Dalen
hat dieses Kniestück, das den Fürster ebenfalls als Herrenmeister gekleidet,
doch zugleich im Panzer darstellt, im Jahre 1658 gestochen (vergl. van Kampen
a. a. O. S. 442). - Ausserdem existirt Moritz' Bildniss auf einer Medaille
von 1658 (vergl. v. Loom Nederl. Histor, Prenten. II. 881 und van Kampen a.
a. O. S. 880). |
|
|
Regierungs-Archiv zu Frankfurt a. O. Fach 135 No.
1. - Die Skizzen scheinen von Moritz‘ eigener Hand zu sein. Auf einer sind
zwei kreisrunde Weiher angegeben und als Erklärung steht dabei: Zu Vivers zu
machen als ort mangeln Bolte Undt so groas als Vorüten (d. h.
Vorheriges)". - Auf jenen Stacketenzaun scheint sich eine aus 13
Artikeln bestehende Schrift zu beziehen; ihr Titel lautet: "Aantyekening
wat 1700 cords plancketsel wel costen soude", und Artikel 13 bemerkt:
"men can in 16 dagen 100 roed. maeken, in de 9 manden 1700 roeden maeken
soo het goet weer bleft" |
|
|
Laut Bestallung von 1662 empfing derselbe ausser
"vielen Victualien" und "frey Losament" nur 30 Thaler
Lohn; der Bauschreiber bezog dagegen ein Jahreseinkommen von 181 Thalern. |
|
|
Fach 135 No. 1. |
|
|
Manuskript des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin. |
|
|
Seiler a. a. O. - J. C. Oelrichs, Churbrand.
Medaillen-Cabinet. Zur Geschichte Friedrich Wilhelms d. Gr. Berlin 1778. |
|
|
Die bekannte ältere Medaille, welche Friedrich
Wilhelm an der Seite seines Vaters Georg Wilhelm darstellt, zeigt uns in dem
Kurprinzen schon einen schlanken, hochaufgeschossenen jungen Mann. |
|
|
Vgl. Zeitschrift für Bildende Kunst, Neue Folge. II
(1890), 8. 24 ff. |
|
|
Hortus Berolinenais etc. |
|
|
Bd. II. 3. P. 350 (Nürnberg 1679). Dieser II. Theil
ist (vergl. oben S. 170) dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm gewidmet. |
|
|
Mémoires de Fréderic Henri Prince d'Orange,
Amsterdam 1783. Und M. Merian Theatri Europaei. Frankfurt a. M. 1643. S. 520
ff. |
|
|
Im Tagebuch des Huygens: 10. Juni 1641. Princeps
Guilielmus ex Anglia Buram appelit. (Ondholland 1885.) |
|
|
Vergl. Orlichs a. a. O. Nach den Akten des Geheimen
Archivs zu Dessau. |
|
|
Im Nederlandschen Spectator 1875/76. |
|
|
Ned. Spectator. |
|
|
Ueber van Thulden vergl. auch S. 81. |
|
|
F. Nicolai III. S. 1143; dieser Autor hält übrigens
nicht Gottfried Leygebe, den berühmten Eisenschneider, sondern dessen Sohn
Paul Carl für den Maler. |
|
|
Vgl. Galland a. a. O. S. 264 ff. |
|
|
Vgl. de Vries in Oudholland 1885, Pag. 75/76. |
|
|
Buste de terre cuite, broncé (0,80 Meter hoch).
Katalog, Haag 1874. |
|
|
Der Situationsplan ist folgender: (...) |
|
|
Vergl. oben S. 47. Der Biograph L. Drissen (a. a.
O.) führt Übrigens als Datum des Kaufes den 18. Februar 1652 (S. 107), im
Anhang dagegen den 18. September 1652 (S. 356) an. |
|
|
Eine Aehnliehkeit veranlasslt mich, den
katholischen Pfalzgrafen Philipp Wilhelm den langjährigen Feind des
Kurfürsten, zu nennen. Im Jahre l666 aber versöhnten sich beide, und
Friedrich Wilhelm unterstützte sogar seines frpheren Gegners Werbung um den
polnischen Königsthron. Sollte wirklich diese Büste den Pfalz-Neuburger
darstellen, dann dürfte er vielleicht an die Stelle den Taciturnus hierher
gelangt sein. |
|
|
Rescript des Kurfürsten an den Kommissar Copen im
Haag vom 7. September 1652. Vergl. Driesen a. a. O. S. 107 Anm. 1. |
|
|
Inschrift: E. Stützel fec. 1855. |
|
|
Sello, Potsdam und Sanssouci. Urkunden und
Aktenstücke P. 446. (Breslau 1888.) |
|
|
Siehe oben S. 142. |
|
|
Ein wohl ganz eigenhändig gemaltes Brustbild, das
die Königin von Böhmen erhielt, steht allein mit 40 Thalern und der Bemerkung
"in originael" in der Rechnung. |
|
|
a. a. O. |
|
|
Vergl. den Hofstaat des Kurfürsten von 1652 in
Königs Historischer Schilderung von Berlin Bd. II. Siehe auch Anhang. |
|
|
Siehe M. Merian. Topographia Electoral.
Brandenburgici etc. 1652. |
|
|
Nicolai giebt dagegen bei Beschreibung des
Lustgartens den Neptun als ein Werk vom Jahre 1651 an. |
|
|
Sandrart und Elsholtz - beide dürften Recht
behalten. Das Berliner Museum besitzt nemlich zwei Exemplare dieses Kupido,
ein anmuthiges Original und eine mittelmässige Nachbildung. Diese könnte sehr
wohl das von Elsholtz gemeinte WerK des Brabanters Mangiot, sein. |
|
|
Manuskript der Königlichen Bibliothek zu Berlin.
Auf Blatt 1 schrieb Georg Wilhelm im Jahre1624: "Au Coeur Vaillant Rien
Impossible".(!) Friedrich Wilhelms bemerkte kurz: Thu Recht Schew
Niemandt. Jo. Friderich von Kalchum genandt Erzieher Leuchtmar, dess Chur
Erbens Zu Brandenburgh Fürstl. Durchl. Hoffmeister. Stettin den 20 Janu. Ao.
1634." |
|
|
Churbrandenburgisches Medaillencabinet etc. Berlin
1778. |
|
|
Unter den übrigen Blättern finden sich
Festungs-Scizzen und architent. Studien von Nicolaus Goldmann († 1665) |
|
|
Ueber seine frühere Leibesbeschaffenheit soll sich
der Kurfürst selbst einmal geäussert haben, wie sein Leibmedicus Dr. Gahrliep
von den Mühlen in seinen Memoiren (publicirt von J. C. D. Oelrichs,
Greifswald 1769) berichtet. Er soll dabei auf die Schurkereien des Grafen von
Schwarzenberg eingegangen sein, der ihm wiederholt nach dem Leben getrachtet
und ihm schliesslich Gift bei einer Festlichkeit beigebracht hatte,
"also, dass Er Sich absentiren müssen, sehr krank ... geworden, endlich
zwar noch beym Leben erhalten, aber doch davon gleichsam gantz aussätzig und
hässlich im Gesicht geworden; bis nach erfolgter Heyrath sich der Ausschlag
wieder verlohren, und Er zur vorigen Gestalt wieder gelangst." |
|
|
Ausser F. Nicolai, Nachricht etc. (Berlin und
Stettin 1786) bildet namentlich König, Collectaneen zur Geschichte der Künste
und Künstler, Manuskript aus dem Anfang dieses Jahrhunderts in der Berliner
Königlichen Bibliothek, eine reichhaltige Quelle für die Brandenburgische
Kunstgeschichte. - So umfangreich das Verzeichniss der für den Grossen
Kurfürsten thätig gewesenen Künstler schon heute ist, treten doch noch immer
neue Namen an’s Tageslicht, Vgl. die Anmerkungen im Anhang |
|
|
Der alte Lokalhist. König ist auf diese Art
Schöpfungen schlecht zu sprechen. Er schreibt "Allegorie war damals ein
Mischmasch von Bildern, deren Erklärung schwer war, und eine lächerliche
Vermischung des alten und neuen Kostüms brachte die abenteuerlichste
Vorstellung hervor, woran man sich jedoch nach und nach gewöhnte ... Es fällt
sehr auf, wenn man die Churfürstin Louise als Venus und den Churfürsten als
Paris gemahlet siehst." |
|
|
Vgl. S. 145 |
|
|
Vgl. Galland a. a. O. S. 275 ff. |
|
|
C. de Bec. Het Gulden Kabinet etc. 1661; J. v.
Sandrart Akademie (1676-79) S, 262. |
|
|
Vergl. S. 106. |
|
|
Galland a. a. O. S. 358 und 421. |
|
|
Oudholland, Jahrgang 1889, S. 274/75. |
|
|
Die auf Eggers Berliner Thätigkeit bezügliche
Korrespondenz, soweit sie in Konzepten im Königl. Geheimen Staatsarchiv
vorhanden ist, habe ich zuerst veröffentlicht in der Leipziger Kunstchronik
(No. 6) vom 20 November 1890 |
|
|
So wurde er erst später genannt; Joh. Stridbeck
nennt ihn in seinem Skizzenbuch von es. 1690 (ed. von E. Ehrmann, Berlin
1881) Der "Schene Saal" (vorgl. BL 4) und Christoph Pitzler spricht
in seiner Reisebeschreibung (1885 ff.), einem Manuskript der Berliner
Technischen Hochschule, von dem Neuen Saal (S. 428). |
|
|
R. D. Das Königliche Schloss zu Berlin. Leipzig
1876. Fol. und 4° - Der betreffende Grundriss zeigt hier nur 4 Fensteraxen in
der Länge; vergl. auch das schon citirte Blatt in Stridbeck's Skizzenbuch. |
|
|
Bei Begerus a. a. O. S. 227. |
|
|
G. G. Küster, Altes und Neues Berlin. 1756. III. S.
6. |
|
|
a.a.O. |
|
|
Nachträglich hinzugefügt; siehe Näheres darüber
weiter unten. - Die hohenzollernschen Kurfürsten wurden schon einmal früher
dargestellt. In Königs Collectaneen (a. a. O.) heisst es: "1626 war ein
Mahler Job. Müller, der in des Herrenmeisters Grafen von Schwarzenbergs
Diensten gestanden, für den er Zu Sonnenburg die Churfürsten in voller Statur
gemahlet, die er auch im gedachten Jahre auff dem Churfürstl. Hause zu
Cartzig mahlen solte. Die Gemälde, so auf dem Hause Gartzig sich befunden,
hat des Statthalters Graf von Schwarzenberg Sohn mit sich
hinweggenommen." |
|
|
Vergl. den Artikel über Sitsamer im Anhang
(Anmerkungen). |
|
|
Vergl. "Der Bär", Illustrirte
Wochenschrift für die Geschichte Berlins etc. Bd. XII. S.386/7. |
|
|
C. Gurlitt, Andreas Schlüter. Berlin 1891. S.
198/4. |
|
|
Gurlitt sagt nemlich: "Vielleicht gehörten sie
zu den für die Attika des Zeughauses bestimmten Arbeiten." |
|
|
Was Gurlitt auf Tafel 5 für die erst 1691 massiv
gebaute Lange oder Kurfürsten-Brücke hält, ist wohl bloß ein Mauerwerk mit 5
Rundbögen, von denen die drei mittleren in voller Bildseite, die beiden
anderen schräg zu sehen sind. |
|
|
Galland a. a. O. S. 326/7. |
|
|
Aufsatz im "Bär", 1890, S. 319. |
|
|
Nach dem O. von Schwerin'schen Erziehungs-Journal
war dieses Monument des Feldmarschall Otto Christof von Sparr († 1668)
bereits 1663 vollendet; es ist abgebildet in den Berliner Bauwerken,
herausgegeben von dem Verein für die Geschichte Berlins, Tafel 10. |
|
|
Im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin. |
|
|
Ebendaselbst. Das Konzept (Abgedruckt im Anhang),
in Cleve verfasst, trägt die Bemerkung: Mandato Serenissimi durch H
Heidenkampf. Ueber H. vergl. S. 26 Anm. |
|
|
Allerdings erhielt er 100 Thaler
Reise-Entschädigung und die Zusage auf freie Miethe und Brennholz. |
|
|
Vergl. Galland a. a. O. S. 358/9. |
|
|
Jahrb. der Preuss. Kunstslgn. XI. Berlin 1800. S.
136. (P. Seidel nach A. Bredius.) |
|
|
Herr Regierungs-Baumeister R Bormann, den ich als
trefflichen Kenner Berliner Kunst schätze, ist, wie er mir persönlich
mittheilte, dieser Meinung. |
|
|
Nach Begers Zeichnung (a. a. O.) muss der Saal mehr
als 12 Nischen gehabt haben. |
|
|
Die Signirung ist verschieden, mit vier, fünf oder
sechs Buchstaben, z. B. BE * EGG; die Inschrift der "Kurfürsten"
lautetdagegen: B * EGGERS* |
|
|
Manuskript (Anfang dieses Jahrhunderts), K.
Bibliothek zu Berlin: Quelle der Notiz ist offenbar das K. Geh. Staatsarchiv
(nach der beigefügten Titelangabe R. 9 L. 7 lit, 7 zu schliessen). |
|
|
Vergl. meine Ausführungen in oben citirtem Artikel
der Zeitschrift für Bild. Kunst 1890. Sollte sich vielleicht folgende, Ende
Mai 1691 geschriebene Notiz des Ausgabebuches der kurfürstlichen Kunstkammer
auf Eggers beziehen? Der Bild-Houwer (N.N.)Hat die Famma Stehend auf einem
Fuss auf einem Trophé d'armes, ist auf Seiner Churfl. Durchl. gnäd. Befehl
angegeben und gemacht worden, Davor würd begehrt 12 Rthlr. Darauf aber noch
nicht mehr als Zwei Rthlr. bezahlt worden, und Hat sich zeit Hero der
Bild-Houwer nicht angegeben (d. h. gemeldet). Dieses Bild stehet auf dem
Schrank darunter dass Eyhen pfert Steht." |
|
|
Ich habe, wie man sehen wird, eine sehr grosse
Anzahl noch nicht bekannter auch Berlinscher und Märkischer Künstler,
vornemlich durch den mir gnädigst erlaubten Gebrauch des Königlichen Archivs
entdeckt. Ich will also hier ein- für allemal erinnern, dass, wenn ich vom
Jahre 1670 an, unbekannte Künstler nenne, oder von bekannten bisher
unbekannte Nachrichten gebe, ohne die Quellen anzuzeigen, es allemal aus
Archivnachrichten geschehen sei. |
|
|
R. Oelrichs Nachricht von G. K. Gahrliep v. d.
Mühlen 1769. S. 10. |
|
|
Es findet sich l662 im Trauregister der
Marienkirche ein Peter Rollos, ohne Zweifel ein jüngerer, vielleicht sein
Sohn. |
|
|
In den Nachrichten von Künstlern, 1. Theil S. 69,
wird zwar aus einer Nachricht von Sandrart berichtet, dass S. diesen Kupido
selbst von Quesnoy gekauft, der nachher nach Amsterdam und von da als ein
Geschenk an die Prinzessin von Oranien gekommen sei. Es kann allerdings so
etwas mit einer solchen Statue vorgefallen sein. Aber es darf deshalb nicht
die in Berlin befindliche Statue sein. In Absicht auf dieselbe verdient das
Zeugniss eines gleichzeitigen Gelehrten allen Glauben, zumal, da er die
Aufsicht auf den Lustgarten hatte, wo die Statue stand, und er also sehr wohl
wissen konnte, von wem sie gekauft oder gemacht sei. |
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Elzholtz meldet dieses in seiner ungedruckten
Beschreibung des Lustgartens, woher auch genommen ist, was unten weiter von
Künstlern, die Statuen in diesem Garten gemacht haben, vorkommt. |
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Simon
Dadler zu Dresden wird in Seilers Leben und Thaten Friedrich Wilhelms d. Gr.
S. 6 angeführt. (Mit Sebast. D. [Sammlung berühmter Medailleurs. Nürnberg
1778. 4°) ist er, wie Nicolai mit Recht versichert, nicht identisch.) |
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In der Sammlung berühmter Medailleure (S. 24) wird
verranthen, dass zwei Hoehn, Vater und Sohn, gewesen, weil auf einigen
Denkmünzen das Beiwort jun. vorkommt. Diese Vermuthung wird sehr
wahrscheinlich, wenn man die lange Reihe von Jahren bedenkt, in welchen die
Chiffre J. H. auf so vielen Polnischen, Preussischen und Danziger Medaillen
der damaligen Zeit vorkommt, und dass der Zusatz jun. nie auf den früheren,
aber häufiger auf den späteren angetroffen wird (vgl. Oelrichs,
Churbrandenburgisches Medaillen-Cabinet. Berlin 1775). |
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Vgl. Oellichs, Churbrandenburgisches
Medaillen-Cabinet. Berlin 1778. |
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Ebendaselbst |
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Man findet im K. Archiv Nachricht, dass ihm 1671
für die 10 Schleusen und 6 Brücken am neuen Graben 30000 Rthlr. und noch für
5 Schleusen und 2 Brücken, die er anderweit gebauet hatte, 8100 Rthlr.
ausgezahlt wurden. |
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Sie machen, nach einer beigelegten Rechnung, in
damaligem Gelde 4000 Rthlr. und mit 50 Rthlr. in Agio 4050 Rthlr. |
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Man wollte diesen Harmens in Königsberg nicht
dulden, weil er reformirt war. Kaum konnte ihn ein Patent als Kurfürstlicher
Schiffezimmermann schützen. |
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Man sehe Seine Excellenz des Herrn Staatsminister
von Herzberg Geschichte der preusischen Seemacht in Pauli Staatsgeschichte
VII. Band, S. 494. Der Schiffbauhof war, wo jetzt das von Blumenthal‘sche
Haus steht, neben dem Garten der französischen Loge. |
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Seine Grabschrift steht in Küsters Collect. Opuse.
T. X. 8. 66. |
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v. Gool (Nieuwe Schouwbourgh. Deel I, S. 38) setzt
1671, aber seine Bestallung zeigt das Gegentheil. van Gool meldet auch. dass
W. 1689 gestorben sei, welches unrichtig ist. Im Kirchenbuch zu Weissensee
wird eines Hof:malers Willig beim Jahre 1674 gedacht, welcher eben dieser W.
ist. So führt auch Sandrart den Kurbrandenburgischen Maler und geschickten
Schreibmeister Willinger um 1670 an, welcher gleichfalls kein anderer ist. |
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Vermuthlich statt seines Naturaldeputats, welches
der weise Kurfürst nach Einführung der Accise damals bei allen seinen
Bedienten abschaffte und ihnen dafür eine (...) |
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Hagedorn in seinen Eclaircissements nennt ihn
Fermendeau, Füssli (Lexicon, II. Auflage) Fermangeeu. In seiner Bestallung
heisst er Fromanteau. Houbraken schreibt Fromententiou. Man findet ihn auf
seinem Bildnise, das Vaillant gemalt und Leonhard gestochen, Fromantiou
genannt, und so hat er sich auch eigenhändig unterschrieben. |
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Füssli (Künstler-Lexikon) schreibt, er sei l666
gestorben, ob er gleich im II. Supplemet, in dem Artikel des Sohnes, den
vater noch lebend angiebt. Im Todtenregister der Marienkirche ist aber seine
Beerdigung den 21. December 1679 eingetragen. |
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Wer den Sarg gezeichnet und gegossen, findet sich
nicht in der Leichenpredigt. Vermuthlich hat ihn Däbeler angegeben. |
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Das in den Nachrichten von Künstlern und
Kunstsachen, II. Theil (Leipzig, 1768, gr 8), wo er unrichtig Johann Georg
genannt wird, gegebene Verzeichniss seiner Blätter nach Gemälden der
Kurfürstlichen Gallerie, ist nicht vollständig. Ich habe dieses unter anderen
aus einem im Königlichen Archive befindlichen Verzeichnisse der
Kupferplatten, die er für den Kurfürsten gestochen hat, ersehen. |
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In Doppelmayer’s Nachrichen von Nürnbergischen
Künstlern (1730) sind alle drei Statuen L.‘s in Kupfer gestochen. |
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Theil III. S. 98. |
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S. Gundlings brandenburgischen Atlas S.314. |
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Bekmanns Anhaltische Geschichte III. Theil S. 92. |
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In derselben stehet seine Grabschrift. Sie ist
abgedruckt im Alten und neuen Berlin II. Th. S. 680. |
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Ihre Bestallungen (dat Lehnin, den 18. Mai 1686)
sind, auf Befehl des Kurfürsten, von dem damaligen Kurprinzen unterschrieben.
Es war dies damals bei allen Geschäften gewöhnlich, wenn der Kurfürst
abwesend war. |
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In derselben steht seine Grabschrift. Sie ist
abgedruckt im Alten und Neuen Berlin II. Theil. S. 630. |
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Abbildungen in Seiler a.a.O. S. 222 etc. |
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Gütter's Leben König Friedrich I. in Münzen, S. 21
ff |
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Füssli, Geschichte der Maler in der Schweiz. II. S.
162 (zu W. Sattlers Leben). |
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S. von Schlesien I. S. 329 und 330, wo von ihm
erzählt wird, dass er sich oft vorausbezahlen liess und hernach gezwungen und
eingesperrt malen musste, und dass er in einem seiner Gemälde zu Lebus in der
Figur, welche den heiligen Bartholomäus schindet, den Pater Kellermeister
abgebildet weil ihm dieser nicht genug habe zu trinken geben wollen. |
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S. Georg Rothii, Monumenta templi Furstenwald. 4.
Frankfurt 1700. |
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S. Oelrichs Nachrichten von diesem Mann. 1763. 4. S
10. |
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S. Füssli, Künstler-Lexikon. Supplement S. 53. |
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Oelrichs Historisch-Geographische Nachrichten von
Pommern, S. 46, 54, 81 |
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S. Gerkens Stifthist. von Brandenburg. S. 299 und
719. |
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Ebendaselbst S. 717. |