Klaus Hierholzer - 27 Jahre klinischer Physiologe an der FU

Ein aufrechter Streiter

Emeritus Klaus Hierholzer

Die Physiologie wird beschrieben als Wissenschaft von der belebten Natur. Aus der Physiologie hat sich die klinische Physiologie entwickelt, die ein wichtiges Bindeglied zwischen der Grundlagenmedizin und den klinischen Disziplinen darstellt. Die Freie Universität war deshalb gut beraten, einen Lehrstuhl für klinische Physiologie einzurichten. Den Ruf hierauf erhielt Professor Klaus Hierholzer am 29. Dezember 1967. Nicht ganz ein Jahr später wurde er zum Ordentlichen Professor ernannt. Seitdem leitete er das Institut für Klinische Physiologie am Klinikum Steglitz (jetzt Klinikum Benjamin Franklin).

Hierholzers wissenschaftlicher Schwerpunkt, sein "Zielorgan" gewissermaßen, war die Niere. Doch er war nicht nur Forscher. Mit großem Engagement hat sich Hierholzer sowohl im Konzil als auch im Akademischen Senat für die Neustrukturierung der Hochschulmedizin hier in Berlin eingesetzt. Er war Mitglied in der vom Senator für Wissenschaft und Forschung eingesetzten "Expertenkommission zur Neustrukturierung der Hochschulmedizin" und wandte sich gegen die Fusionierung des Virchow-Klinikums mit der Charité. Er war es auch, der den Vorschlag zur Namensgebung "Benjamin Franklin" für das Klinikum Steglitz einbrachte. Zwei Jahre hatte er das Amt des Vizepräsidenten für den medizinischen Bereich inne.

Ich weiß nicht, ob Hierholzer Feinde hat, Gegner hatte er sicher. Dies wiederum weist ihn als aufrechten Streiter aus, und wer ihn in den verschiedensten Diskussionen erlebt hat, weiß, daß es ihm immer um die Sache ging. Seine Sache war die Hochschulmedizin hier in Berlin.

Wie sehr er an seinem Institut für Klinische Physiologie hing, mag auch daran abgelesen werden, daß er zwei auswärtige Rufe ausschlug: 1970 den an die Universität des Saarlandes, drei Jahre später den Ruf auf das Ordinariat für Physiologie der Universität Zürich. Als Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und als Vorstandsmitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, die dann im politischen Gerangel ihr Ende fand, erwarb sich Hierholzer seine besondere Reputation.

Wir alle wünschen Professor Hierholzer noch viele Jahre bei stabiler Gesundheit in Konstanz am Bodensee, wo er vor 66 Jahren geboren wurde und wohin er jetzt zurückkehrt. Wenn man einmal die Geschichte des Universitätsklinikums Benjamin Franklin schreiben wird, dann wird dort unser klinischer Physiologe, Klaus Hierholzer, sicher einen besonderen Platz einnehmen. Eine Universität lebt vom personellen Wechsel. Wenn aber dann der Tag des Ausscheidens eines solch wissenschaftlich profilierten und hochschulpolitisch engagierten Professors nahe rückt, dann empfinden alle, denen die Universität am Herzen liegt, Wehmut. In den schwierigen Zeiten, die uns jetzt bevorstehen, wird uns ein Mitstreiter wie Klaus Hierholzer sehr fehlen.

Volkmar Schneider


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