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Sieben Frauen

Besprechung von Oliver Corff

USA 1965. Farbe, 75'. Regie: John Ford. Produktion: Bernard Smith, MGM. Mit Margaret Leighton, Anne Bancroft, Sue Lyon, Betty Field, Mike Mazurki u.a.

Eine Missionsstation in Nordchina, nahe der Grenze zur Mongolei, im Jahre 1935. Man wartet auf das Eintreffen eines Arztes für die Station. Ein mongolischer Bandit namens Tunga Khan gefährdet die Gegend, aber die Stationsleiterin geht davon aus, daß er sie in Ruhe lassen wird, da sie Amerikaner seien. Eine erste Überraschung ereignet sich, als sich der lange erwartete Arzt als Frau (gespielt von Anne Bancroft) entpuppt, die noch dazu ihren eigenen Kopf hat. "Tsching oder Tschang oder wie immer Du heißt", so redet sie die chinesischen Bediensteten an. Das Chinesisch der Chinesen ist interessanterweise echt und stellt eines der überzeugendsten Details dieses Films dar. Eines Abends erscheint ein Zug von Frauen, Kranken und Kindern - die Reste der britischen Mission, soeben ausgeraubt und niedergebrannt von Tunga Khan (gespielt von Mike Mazurki). In der Mission bricht die Cholera aus. Die Ärztin opfert sich Tag und Nacht für die Patienten auf, obwohl sie von der Stationsvorsteherin angefeindet wird. Schließlich wird die Cholera überwunden. Eines Tages überfallen die Banditen Tunga Khans wirklich die Station. Bereits im Dorf stehlen und töten und rauben sie alle Mädchen. Im Gegensatz zu den Chinesen sprechen die Banditen weder Chinesisch noch Mongolisch, sondern stammeln (bis auf den Ausruf "Sha tamen! - Tötet sie!") wild und laut vor sich hin. Sie sind meist glatzköpfig und in Phantasiekleidung gehüllt, eben so, wie man sich in Hollywood mongolische Rebellen vorstellt. Alle Frauen der Station werden von ihnen in einen Schuppen gesperrt, in dem eine der Frauen, die schwanger ist, sich nun anschickt zu entbinden. Die Ärztin wagt sich zu Tunga Khan, um aus dem Haus die Instrumententasche und sauberes Wasser zu holen. Tunga Khan will erst Geld von der Station, ist dann aber bereit sich mit der Ärztin zu begnügen.

Abends veranstalten die Mongolen zu ihrer Unterhaltung Ringkämpfe, aber von mongolischem Ringkampf ist nichts zu sehen. Statt dessen wird nach den Regeln der Catcher gekämpft, d.h., alles einschließlich Faustschlägen ins Gesicht und Fußtritten ist erlaubt. Auf dem Höhepunkt der Belustigung ermordet einer der Mongolen seinen Gegner mit bloßen Händen und bricht ihm das Genick mit hörbarem Knacken.

Der Khan ruft erneut nach der Ärztin, die sich dem Khan nun hingibt. Gehüllt in einen gelben Brokatmantel mit rotem Gürtel kommt sie vom Khan zurück und erklärt allen Frauen, daß sie ihre Freilassung erwirkt habe. Allein bleibt sie mit ihm zurück und vergiftet ihn beim Wein mit den Worten: "Verrecke, du Bestie!". Mit dem Sturz des Khans auf den Boden endet der Film.

Im wesentlichen geht es dem Film, einer klassischen Studioproduktion Hollywoods, um den Konflikt zwischen der Vorsteherin und der Ärztin. In zweiter Linie wird die persönliche Größe der Ärztin dargestellt, die sich im Widerspruch zu den strengen moralischen Regeln der christlich geleiteten Station verhält und sich über den engstirnigen Sittlichkeitsbegriff der Vorsteherin hinwegsetzt. Selbst als die übrigen Frauen unmittelbar von den Taten der Ärztin profitieren und sich in die Freiheit begeben, beschimpfen einige verbohrte Frauen die Ärztin noch als Hure.

Mongolen kommen in diesem Film überhaupt nicht vor. Gezeigt werden dermaßen grotesk überzeichnete Clichés mordender und prügelnder Banditen, daß man das Mongolenbild dieses Films nur als absurd bezeichnen kann. Alles wird ohne jeden Bezug zur Realität aus Versatzstücken des Hollywood-Exotismus montiert. Erstaunlich ist, daß die Chinesen als zivilisierte Engel und von der Mission christlich angeleitete Schäfchen Gottes in sehr gutem Licht erscheinen. Der Film ist weder willens noch in der Lage, die Mongolen darzustellen. Nach der in Hollywood gültigen Weltauffassung von den guten, christlichen, im Ausland jedoch leider unverstandenen Amerikanern hätte die Szenerie dieses Films ebensogut in Afrika, Südamerika oder im alten Rom angesiedelt sein können. In sofern ist die namentliche Nennung des Volkes der Mongolen in diesem Film rein zufällig.


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