Die Tage werden länger und ganz Deutschland desplendisiert und schnallt die Gürtel enger. Die einen die eigenen und die anderen die ihrer Angestellten.
Es dräut der Untergang des Kapitalismus und selbst komfortgeile Luder bekennen sich wieder zur edlen Schlichtheit des Machbaren.
Aus verlotterten Dandies und losen Partygirls werden fixe Jungs und blitzsaubere Mädels, die von aller Scham befreit dieses Land wieder selbst in die Hand nehmen und so richtig aufdrehen:
Da besinnt man sich auf alte Werte, denn es war ja nicht alles schlecht. Damals.
Besonders gut war gegen Ende der 80er dann die Idee, dass auch außerhalb des sozialistischen Deutschland Krafträder denkbar sein müssen, die mehr sind als nur Behördenfahrzeug und Fortbewegungsmittel.
Nun waren wir es zu dieser Zeit gewohnt, unsere Inspiration aus dem Westen zu beziehen, womit mancher bis heute gut führe.
Denn es begab sich, dass man in Schweinfurt entdeckte, dass es keinen echten Markt für zweitaktgetriebene Kaffeemühlen gab und just um die selbe Zeit in den Niederlanden der Gegenwind erfunden wurde, der aufgrund der Verpolderung der Gesamtnordsee jetzt auch binnenlandig kräftig pustete.
Als man nun bei Sachsens mal wieder bei einem Tässchen frischgeschmuggelten Douwe Egberts zusammensaß und draußen vor dem seit 1895 immer sporadischer geöffneten Fabrikfenster wieder ein abgetriebener Fietser aus dem westlichen Nachbarland verzweifelt gegen den Wind antrat, fasste man den folgenschweren Entschluss, die Frage, wer beim Fahrrad mit Hilfsmotor eigentlich wem hülfe, empirisch zu klären.
Schnell waren die leider seitenverkehrt vorliegenden Pläne der Velosolex kopiert und den fränkischen Gegebenheiten sowie den bei den letzten Sperrmüllsammlungen reqirierten Restfahrrädern und Altmetallbeständen angepasst und, nachdem der Chef selbst den mithin armseligsten Startermechanismus diesseits des Urals konstruiert hatte, war es eine Frage von Stunden, bis der einzige ausreichend kurzgewachsene zwischen den Bruchstücken eines 26" Freme uit een Stuk und eines 30ccm Gartenfräsenantriebs auf der Fresse lag.
Die Geburtsstunde des Spartamet hätte geschlagen haben können. Aber zuerst baute man die Saxonette mit eigenen Rahmen aus Rohrresten. Erst als der Bestand an qualitativ minderwertigen 26er Sparta-Rahmen wegen der immer größer werdenden Omas unserer westlichen Nachbarn ausreichend war, wagte man den Sprung in die auch keiner motorisierten Scheußlichkeit abgeneigten Niederlande.
Und so snorfietsen denn die Eliten dieser beiden Länder vereint gelassen jeder Rezession entgegen und verhöhnen mit jedem Meter die Idee motorisierter Fortbewegung.
Die besten trifft man hie und da:
http://www.motorfahrrad.eu
Das Spartamet ist der motorisierte Antichrist. Die Absage an alles, was die Gesellschaft an motorisierte Fortbewegung schätzt.
Es schlägt Macho-Anmutungen und Selbstdarstellern mit ESP/ABS/PIL/LEP/OPO und 375 PS in Ihrem nicht nur elektronisch abgeregelten SUVs ihr dämliches Abziehbildgehabe genauso um die Ohren, wie den anal fixierten Hybridfahrern ihre bigotte Zwanghaftigkeit im Klimakampf.
Leute, die Saab fahren und "was mit Medien" machen? YMMD!
Blue-Efficiency-High-Dynamic-KDF-Waggon? Muahahahahah!
Es hat mehr Motor als man braucht und doch immer viel zu wenig. Hier zeigt der Fahrer Haltung und nicht die Marketingabteilung des Herstellers, der längst bekommen hat, was er verdient.
EK 1, Mutterkreuz, Blauer Umweltengel, all das wird niemandem retten, wenn man plötzlich mal wieder nicht gewusst haben wird, dass 1,8 Tonnen Compound-Sondermüll alle 6 Jahre das Gegenteil einer ausgeglichenen Ökobilanz sind.
In der guten alten Zeit bediente der Umweltschutzgedanke noch die gemeine Kniepigkeit. Avaritia, natürlich immer auch reichlich Superbia, you name it!
Aber die Marketingabteilung war hilfreich. Nun kommt auch Luxuria zu ihrem Recht. Wir kaufen, kaufen, kaufen uns einfach alle paar Jahre die neueste Umwelttechnologie, die fleißige Hände in irgendwelchen Gegenden ohne Arbeitsschutz, Mitbestimmung und lästige Umweltschutzbestimmungen schon irgendwie billig hinkriegen und haben denn halt nicht mehr den größeren, nicht mehr den schnelleren aber dafür den moralisch überlegenen Geschirrspüler/Kraftwagen/Billigflug/Unterhaltungsexcellenzcluster.
Nur der Fahrer der Spartamet immanentisiert kilometerweise die Verneinung des herrschenden Prinzips. Er ist nicht mal putzig, wie es die Entlein und Velosolexe waren. Er ist Stachel im Auge des Eitlen!
Mainstream? Da protestieren wir nicht mal gegen! Schieber hoch und ab dafür!