Damals...


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Wie alles begann

Und es begab sich, dass da Fahrwerk wurde.


Und wie alles fing auch das mit den Mopeds irgendwann einmal an. Als Willy Brand Bundeskanzler war, als Christen SPD wählen konnten, Video noch Latein war und bei CD jeder wusste, dass es nur Seife sein konnte, da fuhr ich noch unmotorisiert. Aber just als die Schuhe spitzer wurden ging es los. Eleganz: Die Einheit von Fahrer und Maschine Stets in zeittypisches aber nicht zu wenig konservatives Outfit perfekt der Umgebung angepasst nahm ich zuerst die Puch meines Vater vor. Leider musste man mit den Zähnen Gas geben. Eine Technik, die der MZ-Fahrer heute noch anwendet, wenn in schnellen Wechselkurven die unbedingte und unteilbare Einheit von Mensch und Maschine gefordert ist. Ja, die fein getunten Bowdenzugummantelungen verdeckten nur die Verderbtheit einer durch und durch zersetzten Substanz. Der Rock'n'Roll hatte Vorbesitzer und Fahrzeug innerlich wie äußerlich verrotten lassen. Puch - man beisst sich durch Kenner erkennen den Garten meines Onkels Rudi in Lohfelden. Und ja, ich trage noch die selbe Frisur. Bloß heute an weniger offensichtlicher Stelle.
Leider verlangten die damaligen Umweltauflagen, dass bei laufendem Zweitakttriebwerk die eigentliche Abgasfahne nicht aufgenommen werden durfte. Daher wirken die Bilder nicht unbedingt vollständig.
Der weiße Tankdeckel war übrigens damals im Westen durchaus erschwinglich. Wir wußten halt noch, wo der Schotter blieb.
Der Rekordversuch auf den nordhessischen Salzseen musste leider technischen Schwierigkeiten zum Opfer fallen: Ein Riss in der Seitentasche, die die Lachgaseinspritzung beherbergen sollte, konnte auch von den eilends aus Graz eingeflogenen Spezialisten nicht mehr repariert werden. Das Material oblag mittlerweile strengster militärischer Geheimhaltung, wurden doch daraus später die berühmten iranischen Sitzbankbezüge für die sonst unverwüstliche
MZ TS 250/1 gefertigt. Noch heute ist Material im Umlauf, dass auch hier manche Hochgeschwindigkeitstestfahrt nachhaltig behindert hat.

Faszination brotdoofe Überschriften: Die 80er

Ja, man wurde älter und es musste etwas echtes her. Für Männer, echte Männer und dann kam sie. Anfangs noch ca. 12-farbig mit einem Thermometer, dass den fehlenden Tachometer leicht verschmerzen ließ. - Ersteres zeigte meist mehr an, als letzterer je sich hätte feucht träumen lassen. - Honda- nichts fuer Maedchen Es war ein elegantes Fahrzeug, dass der hier in der Spätphase nachgerüsteten Pedale kaum bedurfte. Um die schier unbändige Leistungsentfaltung des Motors (unten, rechts) noch zu steigern, war die Lichtanlage auf 4,5 Volt Flachbatterien umgerüstet worden. Kenner erkennen die Tuningfederbeine und den abarth-roten Gruppe-B-Hauptständer. Das war nicht ganz legal, zumal die Federbeine von einem geklauten Fahrzeug stammten aber die Straßenrennfahrer der 80er kannten weder Pardon noch machten sie Federlesens. Dafür wäre aber, ebenso wie zum Blumenpflücken während der Fahrt, reichlich Zeit gewesen. Überhaupt wäre für manches wichtige reichlich Zeit gewesen. Aber wir hörten ja komische Musik von EA80, den Bad Brains oder CRASS und außerdem kamen wir irgendwie bei den Mädchen nicht gut an. Lag es am Fahrzeug?

Es konnte schlimmer kommen.

Die Lackierung in Türkis und Gelb, das Zusatzthermometer - all das setzte Maßstäbe im Motorradbau der 80er Jahre. Aber genug soll nie genügen und so verdoppelte sich die Anzahl der Rückspiegel, der Zylinder und - wir waren ja im Westen, wir hatten's ja  - auch der Takte. Honda - keine Yamaha Es gab Vergaser über Vergaser und Leistung satt! Großzügig ausgelegte Gepäcksysteme erlaubten schier unbegrenzten Transport und die Flotte der Familie - hier im Fahrzeugpark Mönchengladbach bei einem Zwischenstopp abgebildet - bekam eine Corporate Id verpasst, dass es nur so in den Augen schmerzte. Wenn man die Füße auf den Gepäckträger legte, waren unglaubliche 130 km/h drin. Eine Technik, die der MZ-Fahrer heute nur noch dann anwendet, wenn die hinteren Fußrasten wirklich zu unbequem werden.
Immer noch bestimmte das rätselhafte Geheimmaterial aus dem Nahen Osten das Sitzbankwesen der Gesellschaft für schmerzbefreite Fortbewegung. Aber die Drogen, die schnellen Fahrzeuge, die Pferdewetten - all das forderte seinen Tribut!
Fern, schnell, gut Die Frisur hielt. Aber wo! Und dann dieser hässliche kleine Straßenpickel mit dem Abarth-Doppelrohr, dem Drehzahlmesser und anderem Extremzubehör! Gut, besser als eine Charleston-Ente aber der Anfang vom Ende war da! Bald sollte man hören was man fuhr und die gesamte Feeding of the 5000 nicht mehr auswendig mitsingen müssen. Die Tage des Kraftwagens standen an der Schwelle des Beginns einer endlosen Kette von Genitiven. Doch davon an anderer Stelle mehr.