Archiv "APO und soziale Bewegungen"
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Kleine Zeittafel zur Gruppe SPUR und zur Geschichte der APO (1957-1970)

Herbst 1957 Gründung der Gruppe SPUR.

seit 1958 Revue Internationale Situationniste, Zentralorgan der Situationistischen Internationale (SI); Zentrum der Gruppe: Paris, Sektionen in Italien, Bundesrepublik Deutschland, Niederlanden, Belgien und in den skandinavischen Ländern. Cheftheoretiker: Guy Debord.

Nov. 1958 Flugblatt "Manifest" der Gruppe SPUR.

Jan. 1959 Bense-Happening.

April 1959 Münchner Kübstlergruppe SPUR (Zimmer, Sturm, Prem, Fischer) erklärt sich zur deutschen Sektion der SI.

1960 Dieter Kunzelmann (21) stößt zur Gruppe SPUR und wird deren Theoretiker.

Aug. 1960 Nummer 1 der Zeitschrift "SPUR", deutschsprachiges Organ der SI.

Sept. 1960 4. Konferenz der SI in London. Gruppe SPUR lehnt Unterwanderung der Arbeiterklasse ab, da diese nicht mehr revolutionär, sondern beliebig manipulierbar sei. SI müsse ihr Programm allein mit den zu mobilisierenden Künstlern Europas verwirklichen. Widerstand aller anderen Sektionen.

Dez. 1960 Frank Böckelmann und Uwe Lausen, Initiatoren der Zeitschrift LUDUS, nehmen Kontakt zur Gruppe SPUR auf.

1. 6. 1961 Die Schering AG Berlin bringt das erste europäische hormonale Verhütungsmittel "Anovlar" ("die Pille") auf den Markt.

6. 11. 1961. Unvereinbarkeitsbeschluß des SPD-Parteivorstands über die Mitgliedschaft in SDS und SPD.

10. 2. 1962 Deutsche Sektion der SI, Gruppe SPUR; wird vom Zentralrat in Paris wegen "fraktionistischer Aktivität" und Verdachts, mit dem Situationismus Karriere machen zu wollen, ausgeschlossen. Lausen wird vorübergehend Mitglied des Zentralkomitees der SI, gibt eine (die einzige) Nummer der Zeitschrift DER DEUTSCHE GEDANKE heraus, die als deutsches Organ der SI die Zeitschrift SPUR ablösen sollte.

Kunzelmann intensiviert seine Konakte mit Christofer Baldeney (theologische Vergangenheit, liest psychoanalytische Literatur und Herbert Marcuse) und Rodolphe Gasché Luxemburger, Soziologie-Student), bringt mit ihnen die UNVERBINDLICHEN RICHTLINIEN I (1962) und II (1963) heraus.

22.-26. 6. 1962 "Schwabinger Krawalle". 199 Strafverfahren, 50 Anzeigen gegen Polizisten.

Sept. 1962 Dieter Kunzelmann trennt sich wegen ideologischer Differenzen von der Gruppe SPUR.

27. 10. 62. SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein wird verhaftet (Verdacht des Landesverrats).

1962-1964 Böckelmann ist Chefredakteur der literarischen Studentenzeitung TEXTUREN

13.-15. 2. 63. In einer Urabstimmung stimmen die Studenten der Freien Universität Berlin für die Abwahl des AStA-Vorsitzenden Eberhard Diepgen, der der schlagenden Burschenschaft "Saravia" angehört.

Sommer 1963 In Hamburg diskutieren Gasché, Kunzelmann, Marion Steffel-Stergar (Dekorateurin aus Wien und Peter Pusch (Grafiker und Drucker) den Plan einer neuen revolutionären Gruppe SUBVERSIVE AKTION

Nov. 1963 Kunzelmann in München, Gasché in Berlin und Baldeney in Nürnberg/Erlangen rekrutieren Sympathisanten. Die fest Engagierten veranstalten zur Erforschung derindividuellen Motivationen für revolutionäre Praxis Gruppensitzungen, bei denen alle Anwesenden "die Seele auf den Tisch legen" mußten (intern als "Psychoamoks" bezeichnet).

22. 11.1963 John F. Kennedy wird in Dallas/Texas ermordet. KENNEDY-MANIFEST

1964 Pusch gründet in Berlin am Reichskanzlerplatz (heute Theodor-Heuss-Platz) die erste Kommune.

Anfang 1964 Rudi Dutschke und Bernd Rabehl aus er DDR stoßen zur Berliner Gruppe.

Apr. 1964 KONKLUSIONEN. Erstes Konzil der Gruppenvertreter der Subversiven Aktion in Bad Wiessee mit Kunzelmann, Böckelmann, Steffel-Stergar (alle München), Gasché, Herbert Nagel (Soziologie-Student, Beschäftigung mit Sozialutopien) und Pusch (Berlin) und Baldeney (Erlangen).

Mai 1964 Flugblatt "Es lädt ein: Hac(k)e(n)-Crux TEUTONICA (schlagende Verbindung) zu einer urdeutschen Met-Shuffle", unterzeichnet: "I. Vorsitzender: R. Dutschke (13 Mensuren); II. Vorsitzender: R. Gasché (10 Mensuren); I. Schriftführer: H. Nagel (7 Mensuren); II. Schriftführer: Bernd Rabehl (7 Mensuren)". Kunzelmann ist entsetzt. Berliner Gruppe gibt ANSCHLAG heraus. (Inhalt: Die Rolle der antikapitalistischen, wenn auch nicht sozialistischen Sowjetunion für die marxistischen Sozialisten in der Welt; Sozialimperialismus und Sozialdemokratie; Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben; Im Rhythmus unserer Zeit; Busenfrei als Symptom der Unfreiheit; Heroismus als Dienstverpflichtung - Anmerkungen zur Roman- und Filmfigur "James Bond 007"; Tramper aller Länder ...; Diskussion: Das Verhältnis von Theorie und Praxis.

Mai 1964 Plakat SUCHANZEIGE wird in München, Stuttgart, Tübingen und Berlin in Universitätsnähe zur Werbung neuer Mitarbeiter geklebt, unterschrieben mit "verantwortlich: Theodor W. Adorno ...". Adorno erstattet Anzeige, Kunzelmann und Böckelmann werden wegen Vestoßes gegen das Pressegesetz verurteilt.

Jahrestagung des Bundes deutscher Werbeleiter und Werbeberater. Flugblattaktion, Strafbefehl, Freispruch.

Juli 1964 2. Konzil der Subversiven Aktion in Berlin.

Sept. 1964 80. Deutscher Katholikentag in Stuttgart. Plakat "BOTSCHAFT AN DIE LÄMMER DES HERRN" ("Verantwortlich: Günter Maschke". Plakate wurden mit Wasserglas angeklebt, Verurteilung zu DM 16°000,- Schadenersatz).

26.-30. Sept. Hamburger Konzil und Hamburger Protokolle. Versuch, die beiden Hauptfraktionen mit ihren unterschied-

1964 lich Theorieansätzen und Strategie-Vorstellungen auf einer mittleren Linie zu einigen.

Nach dem Hamburger Konzil Kontakte mit örtlichen SDS-Gruppen, vor allem in Berlin und München., mit dem Ziel aktionistische Fraktionen zu bilden und langfristig die politische Richtung und die Kampfformen des SDS zu verändern. Zunächst Übernahme von Referaten. In München (Kunzelmann) Zusammenarbeit mit der rätesozialistischen Gruppierung "Gesellschaft für wissenschaftlichen Sozialismus" ("Bundessekretäre": Rudolf Gramke und Hans-Werner Sass), die die Zeitschrift "Schwarz auf Weiß" herausgab, Schulungskrurse veranstaltete und in einiger Münchner Betrieben agititerte. Betriebsarbeit war vordringlich.

Nov. 1964 Zweite Nummer des ANSCHLAG (Wie teuer ist die Mauer?; Thesen aus der Harich-Plattform;Jugendkrawalle in der saturierten Gesellschaft; Die Bedeutung der Automation für eine revolutionäre Gesellschaft; Die Welt der Partikularitäten; Proletarischer Internationalismus und Imperialismus.

Anfg. Dez. Kunzelmann, Volker und Frank Böckelmann geben sich in Frankfurt als SDSler aus, um im Keller des Bun-

1964 desvorstands übernachten zu können (waren in München noch nicht aufgenommern worden). Im Keller sehen sie die dort gelagerten Akten des SDS durch nach Fraktionierungen, internen Auseinandersetzungen und Plänen, schreiben Listen und Briefe ab. Der SDS-Bundesvorsitzende Helmut Schauer wirft sie hinaus, als er erfährt, daß sie keine SDSler sind. Danach Streit über Notstandgesetze. Schauer: möglichst verhindern; Kunzelmann/Böckelmann: bei Ratifizierung und Anwendung Zunahme revolutionärer Aktionsbereitschaft.

Mitte Dez. Frank Böckelmann und Dieter Kunzelmann werden nach Kampfabstimmung mit knapper Mehrheit in Münch-

1964 ner SDS aufgenommen, als die Frankfurter Keller-Kiste bekannt wird, ausgeschlossen. Ausschluß wird vom Schlichtungsausschuß rückgängig gemacht, im Frühjahr 1965 werden Kunzelmann, Marion Steffel-Stergar, Birgit Daiber, Hans-Werner Sass u.a. endgültig ausgeschlossen, nach Grundsatzentscheidung, nur Studenten aufzunehmen.

14. 12. 1964 Anti-Tschombé-Demo in München.

18. 12. 1964 Anti-Tschombé-Demo in Berlin. Demonstranten durchbrechen Polizeiketten am Flughafen Tempelhof und demonstrieren anschließend innerhalb der Bannmeile vor dem Schöneberger Rathaus.

Danach wird in münchner Kaufhäusern das "WEIHNACHTSEVANGELIUM" verteilt.

27. 1. 1965 Rudi Dutschke, Rodolphe Gasché, Herbert Nagel und Bernd Rabehl treten in den Berliner SDS ein. Dutschke und Nagel gewinnen großen Einfluß, bes. in "Projektgruppen" über sozialistischen Internationalismus und Dritte Welt.

28. 2. 1965 Rudi Dutschke wird in den "Politischen Beirat" des berliner SDS gewählt.

Durch Mitglieder der Subversivan Aktion Fraktionierung inden SDS-Gruppen, Sympathisanten als neue Mitglieder.

25. 4. 1965 Kunzelmann wird auf dem Münchner Konzil ausgeschlossen.

SS 65 FU: Semester der drei K: Kuby, Krippendorff, Korporationen

Ende Mai Trennung der Berliner Gruppe von Dutschke und Rabehl, nachdem Gasché und Nagel deren Aktivitäten als Er-

1965 neuerung traditioneller Machtpolitik kritisiert und sich geweigert hatten, im SDS Funktionen zu übernehmen.

WS 65/66 "Vietnam-Semester"

Febr. 1966 Im FU-Spiegel erscheint die erste Vorlesungs-Rezension.

3./4. 2. 66 Plakat-Aktion. "Erhard und die Bonner Parteien unterstützen MORD ..."

Apr. 1966 Subversive Aktion benennt sich in "Studiengruppe für Sozialtheorie" um. Die Gruppen Berlin, Frankfurt, Tübingen und Stuttgart lösen sich auf, die meisten Mitglieder gehen zum SDS.

22. 5. 66. Kongreß "Vietnam - Analyse eines Exempels" in Frankfurt am Main.

Juni 1966 Diskussion über Möglichkeiten revolutionärer Praxis/Wohnkollektiv am Kochel-See. Mitglieder der Münchner Sektion der "Subversiven Aktion" um Kunzelmann und des Berliner Arbeitskreises "Formierte Gesellschaft" Um Dutschke und Rabehl.

22./23. 6. 66. Erstes sit-in an der FU. Resolution "... Es gilt, die Freiheit der Universität als Problem zu sehen, das über den Rahmen der Universität hinausweist. ..."

Sept. 1966 Dieter Kunzelmann geht nach West-Berlin.

26. Nov. 66. Fachidioten-Flugblatt "Von diesem Gespräch haben wir nichts zu erwarten".

Gründung der "November-Gesellschaft" in Berlin.

Nov. 1966 Zirkular NOTIZEN ZUR GRÜNDUNG REVOLUTIONÄRER KOMMUNEN IN DEN METROPOLEN

10. 12. 66. Vietnam-Demo wird von der späteren K I in Happening umfunktioniert

17. 12. 66. Spaziergang-Demonstration von SDS und K I.

Jan. 1967 Spaltung der Kommune-Diskussions-Teilnehmer in Initiativgruppe "Politische Offensive" (Wissenschaftskommune um Rudi Dutschke und Bernd Rabehl), die spätere SDS-Kommune (Jan-Karl Raspe, Eberhard Schulz, Eike Hemmer, Dagmar von Doetinchem, Marion Steffel-Stergar), die Kommune I (Hans-Dieter Hameister, Dorothea Ridder, Dagmar Seehuber, Ulrich Enzensberger, Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann, später dazu Rainer Langhans) und "Die umherschweifenden Haschrebellen" (Thomas Weißbecker, Georg von Rauch, ‘Bommi’ Baumann, Jörg Schlotterer).

5. 4. 67. Festnahme der K I wegen geplanten "Pudding-Attentats" auf den amerikanischen Vizepräsidenten Hubert Horatio Humphrey.

12. 5. 67. Ausschluß der Kommune I aus dem SDS.

2. 6. 67. Benno Ohnesorg wird vom Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras auf der Anti-Schah-Demonstration erschossen.

1. 11. 67. Im AudiMax der FU wird die Kritische Universität gegründet.

Anf. 68. Gründung des GÖFI, Anti-Springer-Kampagne.

17./18. 2. 68. Internationaler Vietnam-Kongreß.

11. 4. 68. Attentat auf Rudi Dutschke.

Ostern 68. Oster-Unruhen.

30. 5. 68. Verabschiedung der Notstandsgesetze durch den Deutschen Bundestag.

4. 11. 68. "Schlacht am Tegeler Weg".

9. 12. 68. Besetzung des Soziologischen Seminars der Frankfurter Uni, "Aktiver Streik".

21. 3. 70. Selbstauflösung des SDS.

1970 Nach gegenseitigen Ausschlüssen wird die Revue Internationale Situationniste eingestellt.

 


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